Nummer 1$ Heimweh Il.Mai mt �,___ � Anterhaltungsbeilatze öes Vorwärts Oas Kabelstück. Von Fritz Müller(Partenkirchen). Das war ums Jahr Hunderttausend herum. Die Meere und die Kontinente hatten sich verschoben. Was früher trocken war, das war jetzt nah. Und was Meer war, wardGe- birg«. Zwei neue Eiszeiten hatten sich dazwischen geschoben und eine tropische Aera. Und durch alle Gefahren und Schwierigkeiten hin- durch hatte sich die Menschheit in einer ununterbrochenen Entwicklung vervollkommnet. Und jetzt war Schluh. Jede Entwicklung hat einen Punkt. Ueber den hinaus greift der Arm des Forschers und des Priesters in die Leere. Die Menschheit war am Ende ihres Strebens. Mehr zu erreichen, war nicht möglich. Man hatte den Erdball durchleuchtet. Man hatte sich mit Wesen auf andere» Sternen verständigt. Bloß lag das Geheimnis alles Lebens. Die Tiere und die Pflanzen hatte man gezwungen, ihre Seele zu enthüllen. Man hatte Instrumente, die das Metall, den Stein zum Reden brachten. „Es war einmal, cs war.." Man konnte alles. Man wußte alles. Zu jener Zeit war es, da stiegen zwei Menschen im Atlantischen Gebirge herum. Das war da, wo sich früher d«r Atlantische Ozean dehnte. Die beiden Menschen hatten keine Sorgen. Sorgen waren längst verschwunden, seit olle Erden kräsde für den Menschen auf leisen Anruf tätig waren. Die beiden Menschen wollten nichts entdecken. Nichts gab es zu entdecken mehr. Die beiden Menschen hatten keine Wünsche. Da Wünschen und Erfüllung eins geworden waren, stellte man die Wünsch« in den Keller. Was die beiden ihres Zeichens waren? Ach, ihres Zeichens— Zeichen gab cs keine mehr. Di« beiden waren Ingenieure, waren! Professoren, Merzte, Richter, Kapitäne, waren alles an Berufen, was sich denken läßt. Waren alles und waren nichts. Denn es war die Zeit, wo all« alles wußten. Als sie so durch das Gebirge schlenderten, wurden sie müde. Sie setzten sich aus ein Felsenstück. „Sieh da," sagte einer,„was da in dem Boden steckt: es sieht aus wie ein 5)ai fischzahn." „Hm, Cnrcharodon Rondclitii, Zähne 8,7 Zentimeter, lebte um zweitausend, starb gegen dreitausend aus," sagke sein Gefährte. „Stimmt, kam auch im Mittelmeer vor und hatte zwölf Meter Länge— ich will mir den Zahn zum Andenken mitnehmen." Aber der Zahn ging nicht so leicht heraus. Auch nicht, als der andere half. „Der steckt nicht im Boden, sondern in einer versteinerten Schlange, soviel mir scheint." ,.i)m, versteinerte Schlange." Dann nahmen sie den Stock zu Hilfe und spitze Steine und gruben die Schlange aus. Sie war ein paar Meter lang. Sie schüttelten den Kopf: „Das ist keine versteinerte Schlange." „Sondern es ist ein versteinertes Kabel." Sie besahen sich den Querschnitt. „Hat als Sselc eine Litze von sechs Kupferdrähten gehabt.—" „Und ein rührend unbehilfliches Jsoliermaterial." „Und noch nicht einmal Stahldraht hat die Armatur— kein Wunder, daß das riß." „Aus der Zeit eben, wo man noch Drähte branchte zu elektrischen Mitteilungen:". „Wollen's dem Museum überweisen?" „Jawohl, aber vorher soll es uns seine Geschichte erzählen— gibt Deinen Apparat her." Si« legten das eine Kobelend« in das Herz des Apparats setzten Schläuche an die Ohren, drückten aus einen Knops— Wrrrr— der Apparat surrt«, bohrte sich ins Kabel, daß es schrie und gezwungen wurde, seine Geschichte zu erzählen. Und das ist es, was die beiden hörten: „Ich bin das erste atlantische Kabel." Und dann schwieg es. ..Weiterl" sagten sein» Hörer und drückten stärker auf deit Knopf. „Oh," schrie das Kabel und erzählte weiter: „Ich wurde jür unmöglich geHallen— der mich legte, war eilt Held— ein Märtyrer— sie hießen ihn den Narren— sie verlachten ihn— sie erwirkten einen Kuratelbeschluß— sie beschlagnahmten sein Vermögen— sie steckten ihn ins Irrenhaus— Geistliche sagte»� ein« Sünde sei ein Kabel zwischen Kontineuten: Was Gott getrennt hat, soll man nicht verbinden— Gelehrte sagten,«ine Entweihung d«r göttlichen Nacht des Ozeans sei ein Kabel— in der Schuh» sprach der Lehrer von Wahnwitz und ließ den„Taucher" repetieren» Und begehr« nimmer und nimmer zu schauen, was sie gnädig be< decken mit Nacht und Grauen— mein Schöpfer aber sprang aus deii� Irrenhaus— bettelte und arbeitete, arbeitete und bettelte— hielt Reden und ward verehrt— hielt wieder Reden und entflammt« in einer hohen Stunde einen Millionär— nun kam Geld zum Mut— Tag»nd Nacht sannen sie über meiner Konstruktion— hundertmal mißlang ich— und das hnnderteintemal ward ich ge- boren— unbehilflich, rührend unbehilflich—, wie ihr sagt, ober das erst« Kabel— habt Respekt, das erste Tiesseekabel— eine Staffel eurer heuiigen Bollkonunenhell— ihr braucht mich nicht mehr heute, das ist wahr, aber euer Weg hat über mich geführt— ohne mich wär't ihr nicht...." Das Kabel machte eine Pause. „Ist richtig", nickten seine beiden Hörer,„erzähle weiter." Und dos Kabel erzählte weiter. „Auf zwei Schiffen wurde ich verladen— in Riesenringen lag ich auf den Schiffen, die in der Ozeanmiüe nach den beiden Konli- nenten auseinanderliefen— durch das dunkle Wasser glitt ich und durch Silderfische, und lchnüegte mich in stiller Tiefe der allen Erde an das Herz— nimmer aber ließ ich die zitternde Hand meines Schöpfers los, der über mir Tag und Rächt an der Haspel stand, mit brennenden Augen, mit klopfendem Herzen: Kam noch ein Zeichen von dem anderen Schiff?— ja, cs kam—> durch mich tickte, tickte der Elektrvstrom— weh, wenn er ausblieb—, er blieb nicht aus—, an den Ufern der neuen und der alten Welt lagen mein« Enden—, mein Schöpfer sandte durch die Purpurtiefe das erste Ozeantelegramm von einer Königin an einen Präsidenten—, und wartete und wartete—, auf das Zeichen wartete er—, kam der Tick, so hatte er gesiegt—, kam er nicht, so hatte er umsonst gelebt, lange saß er da, und seine müden Hände umkrampften meinen Leib.—„Spricht" fleht« er mich an.„o sprich!"— und ich mußt« lang« Stunden schiseizen, bis mein Körpkr vollgefüllt war mit Elektroblut— darüber ward es Nacht—, schwer sank meines Schöpfers Haupt m.'f den Marmortisch neben dem Apparat—, leer zu brennen schien sein Herz.—„Verspielt!" stieg es dumpf in ihm heraus— da, ich macht« einen„Tick" und hörte einen Iubelschrei—, de» Schrei oergeß ich nicht, so alt ich bin—, der Schrei ging um die Erde—, mit diesem Schrei rückten die Kontinente aneinander—, mit diesem Schrei gab's nicht nur Menschen, nein, gab es eine Menschheit." lind wieder schwieg das Kabel. „Warum schweigst du?" riefen seine Hörer. „Im Angedenken an das große Schweigen, damals nach de« beiden ersten Telegrammen—, hilslos schnellten die Depeschen von den beiden Enden durch meinen Leib und ertranken an der Stelle� wo ihr jetzt steht—, denn ich war gerissen." „Und dann? Und dann?" „Dann vernahm Ich von meinem Schöpser den zweiten Ruß den ich nie vergessen werde." '„Den Nus der Bcrzweislung?" /„Nein, den Ruf: Wohlan, wohlmis, laßt uns ein neues Kabel legen!" Jjier wurde das Kabel stumm aus immer. Es hatte nichts mehr zu erzähle». Zwei Männerköpfe sah es noch über sich gebeugt. Einen hörte es noch sagen: „Ich mollle, Bruder, wir hätten»och in jener Zeit gelebt!" Und der andere ergänzte: „Wo es noch etwas zu entdecken gab, noch etwas zu irren, noch -- Aufgaben, an denen man verbluten oder siegen durste!" Das war das letzte, was das Kabel hörte. Und dann starb es. Slühenöe Kiefern. Wer von den Großstädtern hat schon einmal blühende Kiefern gesehen? Nur wenige sind es wohl, die diese Frage besahen tonnen, und dabei ist die Kiefer der am häufigsten vorkommende Baum in Norddeutschland. Die Hauptursachc ist wohl, daß die Kiefer ihre Blüten nicht als Schau- oder Dustblütcn ausbildet, so daß sie uns entgcgenleuchtcn oder wir sie mit der Nase bemerken könnten. Sic ladet keine Gäste aus dem Tierreich ein, denen sie Nektar bietet istnd die dafür die Bestäubung bei ihr übernehmen. Alle die 'Pflanzen, die auf Lienen, chummeln, Schmetterlinge und sonstige �Insekten angewiesen sind bei ihrem Fortpflanzungsgeschöst, müssen Lockmittel anwenden, um ihre tierischen Freunde auf sich ausinerk- lam zu machen. Und solche Lockmittel sind buntfarbige oder stark dustende Blüten. Die Kiefer braucht nur den Wind als Mittler zum Weiter- bestehen ihrer Art. Sie muß sich daher aus die Wünsche dieses luf- tigen Gesellen einstellen. Die Blüte» werden an den äußersten Enden der Zweige ausgebildet, damit der Wind mit voller Kraft darin einwirken kann. Sie befinden sich an den jungen Trieb?» (Maiwuchs), die im Mai wie leuchtende Kerzen an den Zweig- ende» stehen. Die� Samenblüten< weibliche Blüten) befinden sich an den äußersten Spitzen, es sind gestielte, kuglige, hellrot gefärbte tZäpsche». Die Staubblüten smännliche Blüten) sitzen am Grunde der neuen Triebe, in dichte Aehren zusammengedrängt. Wir müssen also jetzt die Kiefer aussuchen, wenn wir sie in ihrer Blütezeit kennen lernen wollen. Jetzt im Mai ist die Zeit, in der sich bei ihr zwei Clternzellen vereinen, um ei» Neues werden zu lassen, das wieder den Eltern ähnelt: jetzt begibt sich hier jenes heilige Wunder der Natur, als das uns jede Zeugung neuen Lebens scheinen muß. Der Blütenstaub wird in geradezu verschwenderischer Menge erzeugt, so daß noch einem Gewitterregen Wasserpfützen und Grübe» von den gelben Staubkörnern bedeckt sind. In früheren Zeiten konnte man sich diese Naturerscheinung nicht erklären, man glaubte, es hob« Schwefel geregnet. Auch jetzt mag es noch abgelegene Winkel un- sercr Heimat gebe», in denen„S ch w e f e l r e g c n" bei abergläu» bischen Gemütern eine Rolle spielen. Die Samen der Kiefer brauchen längere Zeit, um auszureisen. Die Zöpfchen der Samen- blüten entwickeln sich zu den bekannten Kiefernzapfen oder„Kien- äppeln", die die Samen enthalten Erst im Spätherbst des zweiten Jahres sind diese ausgereist, und im nächsten Frühling verlassen sie die Zapscu. Im erstcn Jahre vergrößert sich der Zapfen nur wenig: er neigt sich jedoch langsam nach unten. Im zweiten Jahre wächst um so schneller: die bisher grünen Fruchtschuppcn verholzen und verfärbe» sich braun. Im März oder April des dritten Jahres trocknen die Schuppen so stark ein, daß sie auseinander spreizen und die reifen Samen herausfallen lassen. Jedoch öffnen sich die Zapsen nur bei trockenem Wetter und schließen sich wieder, sobald es regnet. Dadurch bleiben die Samen trocken und können vom Winde fortgeweht werden. Ebenso wie die Kiefer bei der Bc- stäubung auf den Wind angewiesen ist, muß er auch helfen, wenn die reisen Samen ihre Reise ins Leben antrete». I. Ch. Moöernes Kauderwelsch. Von Karl Ettlinger(München). Schon Riccaut de la Marlinierc hat in„Minna von Barnhclm" sestgestellt:„Deutsche Sprak, arme Sprak, plump Sprakl" Es hat ja lange gedauert, bis Mir das eingesehen haben: alier— Gott sei Dank!— allmählich sind wir doch dahinter gekommen und bemühen uns, die deutsche Sprak zu bereichern. So haben wir jetzt eine ganze Menge Worte, die es zur Zeit unserer sprachkundigen Klassiker noch nicht gab, wie zum Beispiel Ufa, Wctebc(Wolffsches Telegraphen- bnreau), Luli(Lnitpold-Lichtspiele) usw. Ich bin entzückt. Diese -Ver-Chinesierung der deutschen Sprache begeistert mich, und es ärgert mich nur, daß sie erst einen so geringen Uinfang an- genommen hat. Nun, was an mir liegt, soll geschehen. Ich beschloß, die neue Sprachmethode Ballhorn durch den möglichst eifrigen Gebrauch im Älltagsleben noch populärer zu machen, und— heil mir!— die Gelegenheit bot sich bald. Ich ging behaglich die Elbees(Landsberger Straße) entlang dem chabcha(Hauptbahnhof) zu, ohne mich um das Rattern der Esbe (Straßenbahn) zu kümmern, und war bereits bis zum Hapc-Kape (Halteplatz Karlsplatz) gekommen, als mich plötzlich ein Herr an- sxrach. Jch� hielt ihn'zuerst für einen Miinchencr; aber bald war ich inne, daß ich es mit einem Endcbe(norddeutschen Bundcsbrudcr) zu tun hatte.„Wie komme ich am besten nach der Schwabinge» Brauerei?" fragte er mich. „Ah, zur Esbe wollen Sie?" fragte ich freundlich, denn gegen Oruka(Ortsunkundige) soll man immer höflich sein, das erfordert schon der Ruf der Cmgemü(Münchener Gemütlichkeit).„Am besten, sofern Sie keine Atede(Autodroschte) nehmen, gehen Sie geradeaus, am Elbede und Pckade(Liebig-Denkmal und Pettenkofcr-Denkmal) vorbei, lassen das Kalupo(Case Luitpold) rechts liegen, kreuzen den Webepe(Wittelsbacher Piatz), gehjn dann immer dem Esbege (Ctraßenbahngleis) entlang, an der Esbibo(Staatsbibliothek) vor- über, durchs Esgeie(Siegestor) hindurch, und in höchstens eine» Fautede(Viertelstunde) find Sie am Ziele." Der Fremde starrte mich einen Augenblick entsetzt an, stieß einen markerschütternden Schrei aus und ergriff die Flucht. Beinahe hätte er dabei einen pensionierten Bevauwe(Bahnvcrwalter), der gerade seinem Empida(Mopspintscherdackcl) pfiff, umgerannt. Was mich am meisten verdroß: der Fremde schlug eine ganz falsche Richtung ein, obwohl ich ihm den Weg doch ganz klar und deutlich auseinandergesetzt hatte. Leut' gibt's!... Mittlerweile war es Zeit geworden, an das Emtama(Mittags- mahl) zu denken. Spürte ich doch bereits ein menschliches Rühren in der Emgege(Magengegend) und ich schwenkte daher nach meiner Eskape(Stammkneipe) ab. Schnell hatte ich die Eseska(Speisen- karte) studiert und bestellte:„Cilly, bringen Sie mir ein Endete (Niercnbraten) mit Bekate(Bratkartofseln) und eine Enelmo(Natur- limonade)!" Die Cilly sah mich sanft an und flötete:„Heut spinnen k' wieder amal, Herr Dokta!" Ich erklärte ihr also meine Wünsche ausführlicher, bat sie außer- dem um einen Beboge(Briefbogen) Kusoma(Ouartformat), um meinem Gschpusi ein Ezetwa(Leebnszeichcn) zukommen zu lassen, was infolge meiner angeborenen Essauha(Schreibsaulheit) nur selten geschieht. Bei meinem Gschpusi, der Mitzi, durste ich wohl größeres Sprachvcrständnis voraussetzen als bei Fräulein Cilly: verbindet mich doch mit Mitzi eine jahrelange Gevaume(Geistesverwandtschaft), so daß wir nächstens unser Esberge(silberne Gschpusi) werden feiern können. Ich schrieb also: Geliebtes Zetkaha(Zuckerherz)I Schon unser großer Dichter Wevauge(Wolfgang v. Goethe) sagt: „Nur wer die Eseska(Sehnsucht kennt), Wewailde(weiß, was ich leide)!" Und genau so geht es auch mir armem Ugeha(Unglücks- Huhn). Hast Du ein Herz aus Emcmes(Marmorstein)? Weidest Du Dich an meiner Csku(Seelenquol)? Ach, Du bist grausamer wie eine Esmute(Schwiegermutter), und wie der Depeha(Dänenprinz Hamlet) bin ich der Eselei(Selbftentleibung) nahe. Schon bin ich hamuge(halbmeschugge). O, Du mein Tetcte(Turtelläubchen), geh« doch heute abend mit mir in den Kate(Kientopp) oder ins Detete (Deutsches Theater), und ich will ein Kahu(krummer Hund) fein, wenn Du Dich nicht amüsierst! Mit Tehakü(tausend Küssen) Dein Karlchen. Das ist der längste und glühendste Liebesbrief, den Ich je ge- schrieben habe, und dennoch— sollte mau s glauben— hat mir Mitzi daraufhin die Freundschaft gekündigt. Ach, man hat's nicht leicht als Espebe(Eprachbildner)! walövögeleins Singen. kvaidvögelein singet im Frühling so sein, singet von Jugend und Liebe. Mein Liebgesell Ist's, soll's iviederum sein, — Wenn's Frühling immer nur bliebe.— Woldvögeiein singet zum Himmel hinauf. bringt meine Trauer zum Schweigen. Morgen umgibi mich— ich horche darauf, Döglein, was tust du mir gZgen? Du singst und ich seh die verlorene Zeit, Alkes zum heut aufgestanden. Es klingt an mein herz wie Heimatgeläut sern aus den viellieben Landen. Heimat, ich komme, ich sehe dich bald, Sonne mein, warm aus der Heide. Mein alles, mein Wald, mein rauschender Wald. farbig in schillerndem kleide. Valdvögelcin singen allüberall, ich weiß, was jchmelternd sie singen, von Freude und Liebe ein Jubelschall, — hcimak, ihr möchtet sie bringen.— Waldoögelein schweigt, es rauscht noch der Wald. Tiau'chen, was sollst du bedcnlen? — Ruhe und Frieden, sie kommen jetzt bald.— Bald wird die Grabglocke läuten. &» x m« n n Cllifl. f Krühlingsboten. Von Alwin Rath. Von Glindow Hab« ich mich auf dem fnndmahlenden Cieilwcg auf die Höhe der„Glindowcr Alpen" mühselig hinausgearbeitet und stehe nun in dem scharfen Höhenwind der 72 Meter niessenden Grate und gliche nach ein wenig Schutz vor dem rauhen Bläser, ein wenig Deckung. Unter mir sinkt ein riesiger Taltrichtcr in die düstere Tiefe hin- ab. Kleine Glindower Alpen, Ansätze dazu: Kuppen, Ketten, Pla- teaus, wie Kinder im Schofje sich noch bergend. Wint«rtrübcs Gras, düsterschwarzes Moos beklebt mit einer häßlichen Schicht diese Ge- birgskinder. An kleinen Kindern von Gebirgsseen flattert dort auch falbes, raschelnd bisweilen aufgestörtes Schilf. Aber die Augen dieser kleinen Scenkinder sind blau vor Vcr- zückung über den warmen Glanz, der aus jenem sommerglastenden Türkisgewölbe droben niederhaucht. Ein, zwei Meter bin ich nieder- geklettert an dem Eandhange des Ri«sentrichters. Hocke glücklich in der stillen Wärme hier und lasse mich, wohlig geschlossenen Auges, anstrahlen von dem warmen Auge unserer Mutter droben am Himmel. Bisweilen, wenn ich di« Augcn ein wenig öffne, gelockt von einem unglaubhaften Sommerbrummen, wie von einer Hunimel, sehe ich auf fröhlich kühner Fahrt kleine Lustschisser, lachend vor Sonne, vorbeifliegen. Mit seidigem Fallschirm über sich. Flachsblonde Reiselustige au» dem samtigen Samenschopf von Disteln oder aus den kleinen, hauch- zarten Windballons des Löwenzahns. Erstaunt schaue ich ihnen nach. Kein Wintersturm, kein srost- gellend Polblasen hat sie losreißen können: aber dieser mollige Mittagsatem, das war der richtige sanfte Werber, es schon zu wagen auf der Fahrt nach eigener Scholle, nach frühlingsfrohenr Verwurzeln. Dann höre ich doch wirklich ein Brummen. Schau« hin. Und da ist sie. Stürmisch, daß sie fast wie eine schmale, schwarze Faden- schnür erscheint, fegt sie in den Talkessel hinunter. Toll vor Wage- mut saust sie nach der Winterlangeweile in ihrem sinstern, kalten Erdloch durch den Sonnenwind, überglimmcrt vom Wirbelsturm der kleinen Glasflügel, die nicht genug rasen können, nicht genug brummen können, vor Wohligkeit, vor Freude. Ein anderes Brummen»och höre ich ab und zu hinter meinen geschlossenen Lidern. Ein kurz abgebrochenes, dunkel knurriges, seufzerfchwercs. Es ist nicht möglich. Ich starre nach den Himmel- blau starrenden Augcn der Seenkindcr hinab. Ich kann es nicht glauben. Dann aber blick ich ins Feld jenseits des Trichters, ob dort nicht der Ackersmann seinen alten Holzpslug gerade wende, wenn es scheinbar dort unten so dunkel knarrt. Oder schlägt irgendwo lemand im Dorf an ein altes Eisen, daß es so ärgerlich knurrt, wie«in Frosch im Wintersumpf? Und doch, klingt's nicht wie ein ganz unterirdisch Froschknurren, dem noch die Kiefer vom Eis zusammengebacken sind? Knurrt's von dort unten nicht her, wo das graufolbe, dürre Schilf sich frostvcrfroren empor- kraust aus dem laugig schimmernden Sumpfrand? Nur ganz selten murrt's herauf. Wie ein Grunzton aus tiefem Schlaf. Wie ein noch müdetrunkener Murrton über gestörten Winterschlaf. Ich halt fast den Atem an im Lauschen Betrachte horchend vor ineinen Füßen eine kleine eifrige Sandwespe, die mir unscheinbar wird diesem unterirdischen Ton gegenüber, so sehr sie auch ein Wunder ist an diesem Tage schon. Was schafft sie nur so arbeitswütig, die kleine Schwarze, der das Wangenrot des Eifers dorthin gerutscht ist, wo wir Menschen uns setzen? Stolz emporreckend keult sie dibsen kleinen Körperteil gen Himmel, ganz schon Lebenskraft und Tatenstiirm. Wie ein Karnickel ausgrabender Dackel schleudert sie vornüber liegend mit den dünnen Bordertätzchen wildlebeudig den Sand zwischen den Hintersüßen durch weg, daß eine zarte Staubwolke um sie wirbelt. Nun ich eine Weile hinschaue, nach dem Knurrer im Sumpfe horche, sehe ich nur noch die kecke Hinlerlcibskeule aus dem Grund emporgeschwungen und darunter pustet der Sandstrahl hervor, wie geblosen. Jetzt ist sie ganz- fort. Jetzt krabbelt sie rückwärts heraus. Was macht sie? Born hat sie ein winzig rotstreifig Kieselchen «ingezangt,— das schleppt sie heraus, beiseite, dann spornstreichs wieder hinein. Nochmals retour. Diesmal schleift fie ein Stückchen Ast, zweimal so groß wie ihre eigene Zweizentimeterkleinigkeit. Was tollt sie nur so hastig und schassenslustig, die schwarzpelzig Schmale? Pulst ihr schon die schmale Taille von Licbestollheit? Baut fie schon eine Sandwiege für die Wcspenkinderk Wie ein zikklichst geschlissen Liebcslicd klingt's ja, was sie srühlings- hellstem Ziltersingen zu ihrer emsigen, renn- und schleuderlustige,, Sandminicrerei in die blau« Lust schwirren läßt. Aber darci» knurrt es jetzt in solchem Großvaterbaß aus dem Sumpf I Co sroschartig! Daß ich im Nu aus und davon bin. In großen Gleitsprüngen, in Wirbeln Sande hiuunterslieg«. Lautlos am blascnqueUendcn Morast mich vorneige. Ganz Horchen. Quoracks! Ouoooracksl Ouooooooracksl Das Zeitalter öes Nachträglichen. Bon H a n s K l a b a u t e r m a n n.": Unsere fernen Nachkommen werden die liebenswürdige Zeit, in der zu leben wir das Vergnügen haben, die Periode des Nachträg. lichen nennen. Mit gigantischem Auswand an Schweiß und ijirn- fand betreibe» wir ein riesenhaftes Unternehmen und überlegen uns so gegen Schluß der Arbeit, wo sie nütze gewesen ist. Die m i l i- t ä r i s ch e n Rüstungen der deutschen Monarchie waren eür solcher gewaltiger Betrieb. Ueber den Zweck gab es verschiedene Ausfassungen. Die einen sagten, sie sollen den Frieden bewahren, die andern meinten, wir brauchte» sie für den Sieg in einem etwaigen Krieg. Weder den einen noch den anderen Zweck haben sie ersüllt. Das sieht heule jeder. Ein Wesen mit durchschnittljchcur Berstand zieht daraus den Schluß, daß sie also überflüssig sind. In- dessen wünschen weite Kreise und gerade solche, die infolge missen- schaftlichcr Abrichtung ihren Verstand sür erlesen halten, das Wiedererstehen des Militarismus zu irgendeinem Zweck, der sich schon noch herausstellen wird. Von Igt'l bis 1918 tobte ein Krieg, in dem etwa 19 Millionen Menschen sür ein hohes Ziel das Leben gelassen haben. Welches dieses Ziel ivar, wird nachträglich fest- gesetzt werden.- Seit vier Wochen beraten in Genua einige hundert hervorragende Politiker die— ja, Dunnerkiel noch eins, was beraten sie eigentlich? Was sie nicht beraten wollten, darüber hatten sie sich vorher verständigt, die Deutung des augenblicklichen Zwecks bleibt späteren Geschlechtern vorbehalten. Es gab eine sagenumwobene Zeit, wo wir— zwar wenig, aber immerhin— Zucker hatten. Damals wütete allerdings über uns die Zwangswirtschaft. Zu irgendeinem nachträglichen Zweck wurde sie von irgendeinem weisen Mann wieder abgeschafft. Seitdem gibt es keinen Zucker. In diesem Fall bin ich jedoch in der Lage, schon heute den nachträglichen Zweck einer breite» Oesfentlichkeit unter die Rase zu rollen. Zucker essen ist nämlich ein Laster, das die Volksgesundheit klotzig bedroht. Die Lolksgesundheit steht natürlich über der Schleckerei, und deshalb läßt die Regierung den Zucker in die Schnapsfabriken rieseln, deren Bedarf sür die Sproßpilze anr Kurfürstendamm wuchtig ist. Daher ist es auch unverständlich. worum die Sozialdemokraten die Zwangswirtschaft wieder cinsühre» wollen. Wir wissen nicht, ob der koinmunistischc Abgeordnete K a tz die Hilfsmittel zu seiner parlamentarischen Tätigkeit aus diesen Likörstuben bezieht. Jedenfalls ist er des Ernstes seiner Verant- wortung bewußt. In einer Landtagssitzung stellte er vor einigen Tagen neben die Rednertribüne während der Rede eines Abgcord- neten eine Echnapsslasche. Ob sie noch ganz gestillt war, ist mir nicht bekannt. Die übrige Politik der Koinmunisten ist cdcnsalls auf die zeitgemäße'Nachträglichkeit eingestellt. Sie beschränkt sich im allgemeinen aus die Opposiition gegen die Mehrheit. Warum, erfahren spätere Geschlechter. Die Berliner g r ü ne P o l i z c i hat bei den Demonstrationen am Rathaus Qualitätsarbeit geleistet. Ein Polizcioffizier hielt es sogar sür angemessen, sich zu dieser hübschen Gelegenheit einen Orden auf die Brust zu pieken. Die Sitte ist ja beliebt, sich bei prunkvollen Festen Uniform und Frack zu vcrglitzern. Aus diesem Grunde war das Erstaunen der Bevölkerung nicht allzugroß, daß dieser Offizier seinen Schmuck zum Rathaussest angelegt hatte.'Da auch einige Bürger mit Bajonetten gekitzelt wurden, war die Stim- mung überhaupt recht gemütlich. Im Rahmen dieser kurzen Betrachtung, deren Natur ich hernach erklären werde, ist es natürlich unmöglich, auf alle Vorkommnisse mit Nachträglichkeit einzugehen. Wenn in« Deutschen Theater in Berlin ein englisches Stück auf englisch gegeben wird, paßt das durch- aus in diese Zeiterscheinumz, ebenso wie die Tatsache, daß der Beifall besonders stark gewesen ist. Hätten die Zuschauer etwas von den Vorgängen auf der Bühne begriffen, würden sie nicht so kräftig ge- klatscht habe». Aber so dachten sie, der Nebenmann versteht vielleicht etwas davon und wollten sich daher nicht blamieren. Wie verheerend die Wohnungsnot nach dem Krieg werden würde, wußte man längst. Insolgedessen kamen die Gcgenmaß- nahmen aus die Welt, als es zu spät war. Die Wohnungsämter bestehen nun einmal. Unsere Enkel werden einst sehen wozu. Wir wissen es leider nicht. Eine rühmliche Ausnahme macht die Tätigkeit des Reetzer Wohnungsamts. Als der Gastwirt Schmallenberg am Freitag seine zwei Zimmer nicht gutwilli" räumen wollte, schoß ihn ein Polizist einfach tot. Die Zimmer sind dadurch ohne weiteres srei geworden. Jetzt darf ich auch darüber sprechen, warum ich so ziemlich jede Woche meinen Senf dazugebe. Auch ich lebe unter dem Zwang des Nachträglichen. Ich kann also vorläufig nicht sagen, welchen Sinrt und Zweck meine lichtvollen Darstellungen eigentlich haben. WUen und Schauen Zur Geschichte des Achtstundentages. Vor mir liegt in Abschrift das„Dienstreglement für das Amt Weferlingen und die dazu- gehörigen dienstpflichtigen Communen". Wo sich die Erstschrist de- findet ist mir unbekannt, die Abschrift stammt aber offenbar aus der Zeit der Entstehung. Ueber das Alter der Vorschriften gibt uns Aufschluß die Ausfertigung:„Signatum Berlin, d>en 8. Juli l7t>?, auf Sr. Königl. Majest. ollergn. Specialbefehl o. Maßov, 0. Blumenthal, v. Hagen, v. d.(unleserlich)". Für den, der sich wisscnschafllich mit der Venvaltungsgeschichte oder mit der Wirtschaftsgeschichte des 18. Jahrhunderts befaßt, ist dieses Diensweglement natürlich äußerst interessant. Man sieht genau, in welcher Weise die Beziehungen einer Domäne, des„Amtes", zu den zugehörigen dienstpflichtigen Dörfern geregelt waren, wie stark die Dörfer besiedelt zu sein pfleg- ten, wieviel Tage die Bauern zu diensten hatten, und welcher Art diese Dienst« waren. Für den Lokalhistoriker der ir�Frage kommenden Orte sind natürlich die Angaben über die einzelnen Orte von ganz besonderem Jnteresie. Was aber heute von allgemeinerem Interesse sein dürfte, ist die! Festsetzung der Zeit, über die sich die Dienste an einem Tage aus- dehnen sollen. Es heißt dort wörtlich an einer Stelle:„Dieser Dienst geschiehet von Ostern bis Michaelis von 7 Uhr morgens bis 5 Uhr abends, und von Michaelis bis Ostern von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr abends, wobei Ihnen jedesmal von 11 bis 1 Uhr des Mittags zwei Ruhestunden gelassen werden müssen." Eine ganz einfache Rechnung ergibt, daß zur Zeit Friedrichs II. die Bauern auf den preußischen Domänen im Sommer nur 8 Stunden am Tage zu arbeiten brauchten, im Winter gar nur 6 Stunden. Daraus ergibt sich, daß der Achtstundentag für die Landwirtschast eine altpreußische Einrichtung ist. Die Zahl der menschlichen Zellen. Dr. Fritz Kahn schreibt in seinem neuen Werke„Das Leben des Menschen": Die Zahl der menschlichen Zellen beträgt rund 30 Billionen, wovon allein 22 All- lionen auf die in der Blutflüssigkeit schwimmenden Blutzellen cnt- fallen. Eine unvorstellbare, an tosmisch« Maß« gemahnende Zahl. 3ti Billionen! Würde aus einem Menschen wie aus einem Auto- maten in jeder Sekunde»ine Zelle fallen, so dürft« es gewiß ge- räume Zeit währen, ehe der Zellautomat Mensch leer geworden. Ein paar Jahre? Oder ein Menschenleben lang? Oder gar noch länger? Eine Billion Sekunden dauern fast 30 098 Jahre, und seit der Geburt Christi ist noch nicht der 13. Teil dieser Sekundenzahl verflossen. Folglich sielen 30 X 30 080 � 800 000 Jahre lang Sc- künde für Sekunde Zelle um Zelle aus einem Menfchenkörpsr, ehe der Inhalt seines Leibes entleert wäre. Hätte dieser Vorgang bei einem jener vorgeschichtlichen Menschen begonnen, die noch vor der letzten Eiszeit in Europa in den Höhlen der Dordogne um ihre Feuer saßen, während draußen das Mammut in den Sümpfen brüllte, und sollte dieser Mensch nicht eher sterben, als bis die leiste Zelle seinem Körper entsallen wäre, so lebte er noch heute. Ja, kaum ein einziges Glied seines Kmpers ist abgefallen, trotzdem Sekunde für Sekunde, 1, 2, 3, 4, ununterbrochen feit jener Eiszeit- nacht die Zellen aus seinem Körper fallen, er lebt noch immer, und wird noch weiter leben, wenn man die Völker Europas nicht einmal mehr mit Namen nennt, noch 100mal> länger als von Karl dem Großen bis hellte, und in jeder Sekunde werden wie bisher weiter Tag und Nacht mit der Geschwindigkeit des rastlosen Uhrzeigers die Zellen aus ihm fallen, und noch immer ist die letzte Zelle dieses einen einzigen Meoschenkörpers nicht- erschienen...." zwischen 21 000 Lichtjahren für den nächsten und 220 000 Lichtjahren für den entferntesten Sternhaufen liegen. Mit Hilfe der so festge-. stellten Entfernungen und der bekannten Richtungen nach den ein- zelnen Objekten kann man sich nun ein Bild von der räumlichen Verteilung dieser Gebilde machen. Daß die kugelförmigen Stern- Haufen Glieder des Milchstraßensystems sind, wird nicht nur durch ihre Anordnung in hohem Grade wahrscheinlich gemacht, sondern geht auch aus der Tatsache hervor, daß sich alle Kugelsternhausen mit den Geschwindigkeit«!, von mehreren hundert Kilometern in der vetuni)« auf die Milchstrahe hin bewegen. Man ist also dadurch zu der Erkenntnis geführt worden, daß das Milchstraßensystem auch alle kugelförmigen Sternhaufen umsaßt und damit in der Richtung der mittleren Schicht einen Durchmesser von etwa 300000 L i cht j a h r e n hat, senkrecht dazu einen Durchmesser von etwa 130000 Lichtjahren.� Nimmt man den Mittelpunkt des Gesamt- syslems in dem des Systems der Kugelsternhaufen an, so ergibt sich, daß er rund 63 000 Lichtjahre in der Richtung des Sternbilde» Carina am südlichen Himmel von der Sonne entfernt ist. Die Sonne steht also sehr exzentrisch zum Gesamtsystem, und daraus läßt sich auch die einseitige Verteilung der Kugelsternhaufen am Himmel ohne weiteres erklären. DlZ�WWD völkerkunöe Ei» neuentdcckles Pygwäeuvolk. Keine Behörde, keine Regie- rung, keine Zeremonie, keine Religion, ein sorgloses Völkchen, stest» vergnügt, auch ohne Grund— so beschreibt ein gewisser George P. Busch einen Stamm von nackten, höchstens 4 Fuß hohen Wilden, der noch nie mit Weißen in Verührung gekommen war, außer mit einem spanischen Missionar. Die Leute Hausen in dem Grenz- gebirge zwischen Eolumbia und Venezuela und wurden von einer amerikanischen Gesellschaft, die Petroleum suchte, entdeckt. 9Iach oierzchntägigein Herumirren im Sumpf, erzählt Busch, kamen wir an eine ossene Stelle. Da fanden wir fmticn, die aussahen wie Sofas aus Baumblättern, die man auf Baumpfühle gestellt hatte. Seitcnwände gab es nicht. In diesen Behausungen oder unter diesen Dächern wohnten etwa fünfzig kleine roihäutige Indianer, die völlig nackt gingen. Sie waren weder feindlich, noch zeigten sie Furcht. Als wir Platz genommen hatten, umstanden sie uns und gaben grunzende Töne von sich. Sie haben nämlich ein« Sprache von massenhaften Kehllauten. Ihr Gesicht trägt die vorstehenden Backenknochen und die schmalen Augen der Mongolen. Bald kamen sie heran und hoben unsere Füße an, sie gaben durch Zeichen zn verstehen, daß unsere Beine ihnen vorkamen wie Waldbäunie. Das Hauptwunder lvar unser« weiße Haut. Wenn einer von uns die Aermel aufstreifte, machten sie sich eifrig heran, um die ver- meintliche Farbe hcrunterzureiben. Dann wollten sie, daß wir die Hemden öffneten, damit sie sähen, ob»vir am ganze» Körper so weiß seien. Sie können nur bis 4 zählen: von der Außemvelt »vissen sie nichts, verraten aber auch keine Reuaierde, etwas zu er- fahren. Ihr« einzige Waffe sind Pfeil und Bogen. Diese trägt ein Mann immer bei sich, wenn er ausgeht, und er geht nur ans, um Nahrung zu holen. Geduldig steht er dann am Wasser und wartet, bis ein passender Fisä» kommt, um ihn mit dem Pfeil zu erlegen. Darin sind sie äußerst geschickt. Im übrigen tun weder Männer noch Weiber etwas. Den Namen des Völkchens teilt der Berichterstatter nicht mit: vielleicht gibt es leinen. Hoffentlich finden die Amerikaner kein Petroleum in der Gegend, sonst ivird es mit der Idylle bald aus sein. Naturwi/senfthafi Hlmmewkunöe Wie groß ist da, Milchstraßensystem? Die sortschreitei�c Beobachtung des Himmeiraumcs hat zu der Erkenntnis geführt, daß alle mit unseren Fernrohren sichtbaren Sterne in einem einzigen großen System enthalten sind: dem Milchstraßensystem. Berech- nungen, die man über die Ausdehnung dieses Systems angestellt hat, führten zu dem Resultat, daß die Grenze des Sternsystems in W Richtung der Milchstraße in etwa 30 000 Lichtjahren liegt. Neuer- dings sind aber durch die Untersuchungen des anxrikanischen Zlstro- noinen Harlow S h a p l e y, über die Dr. O. Kohl in der„Umschau" berichtet, die Grenzen des MilchstraßeusHstems erheblich weiter in den Weltraum hinausgerückt worden. Es zeigte sich, daß die bisher angewandten Methoden viel zu kleine Dimensionen unseres Stern- systems ergeben haben. Für die Berechnung bedient man sich der sogenannten kugelförmigen Sternhaufen, die aus vielen Hundert- taufenden von Sternen bestehen und von denen bis jetzt am ganzen Himmel 86 bekannt sind. Die scheinbaren Durchmesser dieser kugel- förmigen Sternhaufen sind sehr verschieden: die größten bedecken etwa die gleiche Fläche wie der Bollmond, die meisten sind viel kleiner. Sie kommen fast nur auf einer Hälfte der Himmelskugel vor; in der Nähe der Milchstraße sind sie häufiger als in größerer Entfernung von ihr, fehlen aber in der Milchstraße selbst vollständig. Ueber die Stellung dieser Sternhausen zum Milchstraßensystem tonnte man früher nichts Besonderes aussagen. Eine Klärung der Frage, ob sie zu unserem Sternsystem gehören, war nur durch die Bestimmung der Entfernung dieser Objekte von»ms möglich. Shapley hat nun für alle 86 bekannten kugelförmigen Stern- häufen die Entfernungen abgeleitet und dafür Wert? erhalten, die Di« Vieienfäugetiere Europas. Unser Erdteil hatte früher Ele- fanten und Rhinozerosse, Höhlenlöwen und Höhlenbären. Nur die ! Knochen findet man noch im Erdreich. Die Tierarten sind aus- ! gestorben. Hat der Mensch sie ausgerottet? Der Mensch der Stein- ! zeit ernährte sich ja vorzugsweise von der Jagd, er war weder Acker- i bau» noch Viehzüchter. Trotz der Primitivität seiner Stcinwafsen i und feiner 5zolzspieße bekämpfte er die Tiere der Wildnis, das An- : legen von Fallgruben unterstützte ihn in der Befriedigung �feines Fleischbedürfnisfes. Diese Tiere hatten gciviß auch andere Feinde, ! aber das einzige Tier, daß systematisch mordet und ausrottet, ist der ■ Mensch. Zu den jagdbaren Tieren gehörten damals auch das Wild- > pfcrd und das Rentier: dies« haben die böse Zeit überdauert, indem i sie oder wenigstens einig« Rassen von ihnen zu 5)anstiercn wurden. j Aber der Mensch, der die Tiere unbarmherzig verfolgte, ohne ihnen i eine Schonzeit zu gewähren, ist doch wohl nicht der Alleinfchuldige. • Der Klimawechsel nach der Eiszeit mit ihren Zivifcheneiszeiten ist j gewiß einflußreich gewesen. Es folgte erst ein- Sieppenzeit, dann allmählich ein Ucberwiegen des Waldes, che der Mensch das Land � in Kultur nahm. An den Zähnen der vorwcltlichen Rhinozerosse . und Mammute Europas, die man ausgräbt, findet man oft Zeichen : körperlicher Entartung, ungenügende Schmelzbildimg, Umbiegungen der Zahnleisten. Di« Skelette verralen, daß Zwergbildungen nichts Seltenes waren. Auch der.Höhlenbär tritt znldtzt als Zwergrasse in Erscheinung. So wären diese großen Säuger Europas wohl auch ohne Zutun des Menschen allmählich ausgestorben, aber der Mensch beschleunigte ihr Ende. Der Ur, der Bison, der Elch blieben noch bis in die historischen Zeiten erhalten, wurden aber immer weniger, da der Mensch ihr Gebiet immer mehr einengte. Der Wisent ist ein Opfer des Weltkrieges geworden, her die letzten Bestände diese? stolzen Tieres vernichtete. m.