Nummer 22 Meimwett s.?unl 1�22 Anterhaltungsbeilatze öes vorwärts »> Der Totsihläger. Von Alfons Petzold. „Hund, elendiger fjundl' Und dann kam noch ein furchtbarer Fluch durch die niedere Stube geprallt. Der fiel aber aus keinem wutoergeiferten Mund, fondern aus einer wie zu einem Stein zornoerkrampften Faust und war ein schrecklicher Hieb, der einen blonden, eisenharten Schädel wie eine leere Zigarrenkiste einschlug. Als der kräftige junge Männerkörper auf die öldurchtränkten Steinfliesen des Werkgasthauses hinschlug, schwerplumpsig wie ein voller Kernsack, kam es dem Faustringer zum auftüttelnden Bewußt» sein, daß er einen Menschen totgeschlagen, also ein Mörder war. Eine atemdrosselnde schwärze Hülle warf sich über sein bisher so frohes Arbeiterleben. Einen Augenblick fühlte er sich in einem steinernen Sarg liegen, an dessen Deckel sich ein« lebenshungrig« Lugend vergeblich wundstieß. Dann weitete sich vor seinen Augen die enge, tabakqualmersüllte Wirtsstube zu einem mächtigen Raum, der erfüllt war von einer Unzahl Menschen, die alle Blicke voll Abscheu für ihn hatten, mit den Fingern aus ihn wiesen und anklagend ihn anheulten:„Mörder!" So litr er schon jetzt zwiefachen Tod: den der Gerechtigkeit und den der Schande für seine Tat. Und es kam noch der Tod der Rache dazu. Denn es schrumpften auf einmal all die vielen Menschen vor ihm zu einer knöchernen Faust zusammen, die spannte sich um seinen Hals, und er hörte die Stimme des Erschlagenen:„Mörder!" Eine klagende Frauenstimme riß ihn aus seiner Betäubung: „Franz, Franzi Heiliger Gott, was hast Du getan? Schau nicht so wild, ich bin's ja. Dein Annerl!" Seine Braut war es, die ihn ins Gesicht klagte. Ihre auf- rüttelnden Worte voll Herzweh und Berzweiflung rissen ihn un- barmharzig über den rotglühenden Rest des Geschehenen. Und er wachte auf zu tierischer Setbsterhaltung. Au« der brennenden Not seiner Seele schrie er mit brutaler Härte das Mädchen an: „Weil der Hundskerl, der Fallot, mein« Maschin' schimpfiert hat, Hab ich ihm ein« feste aufs Dacherl geben!" Darauf ließ er sich von der erschienenen Polizei abführen. Der Maschinenwärter Franz Schroiblechner und der Transmissio- nenaufseher Ferdinand Gruber, beide in der großen Iutespinnerei angestellt, waren seit Jahr und Tag gute Freunde gewesen. In der ewig seuchthcißcn Dampf- und Oetschwüle des Maschinenhauscs hatten sie sich kennen gelernt und die Brücke getreulicher Freund- fchaft in die Atmosphäre der Gassen, Dorstadtgärten und Gasthäuser hinübergesponnt. Ueber diesen wohlgebauten Brückenst«g war dann im Laufe der Feit von den zwei Freunden schon manche frohe glückliche Stunde in Ihr für gewöhnlich so graues Arbeiterleben getragen worden. Keiner besuchte ohne den anderen eine festliche Veranstaltung, keiner machte ohne den anderen einen Ausflug in die Umgebung. In jeder Wähleroersammlung. Wcrkstattbesprechung sah man die beiden Freunde nebcneinairder sitzen, immer für die gleiche Meinung sich einsetzend. Lachen und Schimpf kam aus ihnen in seltener Ein- tracht nach einem rätselhaften Gesetz. Sah man an einem regne- vischen Sonntag den langen dürren Gruber Ferdl in der verrauchten Extrastube des Vorstadtkaffeehauses die Karten schwingen, so konnte man eine Wette eingehen, daß einer der Spielpartner der Maschinen- Wärter Schroiblechner war. Die schöne Freundschaft der so ungleichen Menschen bekam mit der Zeit einen solchen Grad an Innigkeit, daß Schreiblechner, al» er anfing, einem Mädchen aus der Nachbarschaft den Hos zu machen, vorerst den Gruber ganz ernsthaft fragte, ob er einverstanden sei und dazu raten könne. Erst nach dessen Zustimmung wagte er es, der Weghuber Annerl sein« Liebe und ernsten Absichten zu erklären. Als der bisherige Schlafgenosie des Transmissionenaufsehers als Soldat einrücken mußte, gab der Maschinenwärter seine hübsche Wohnkammer auf. Er mußte zu seinem einsam gewordenen Freund ziehen, der in einer halbduntlen Stube hauste, die er mit feinem minderen Lohn nicht allein bezahlen konnte. Nur in einem waren die beiden Freunde nicht eines Sinnes, behauptete jeder starr und steif seine eigene Meinung. Das war in ihrem Verhältnis zur Maschine, die sie beide zu bedienen hatten. Der eine ihren ganzen vielgllederigen Leib, der andere ihre gewal- tigen Hände, mit denen sie ihre Kraft in die entlegensten Winkel der Fabrik schleuderte. Der Maschinenwärter liebte das ihm anvertraute Werk über alles, war stets voller Sorge um die Räder, den mächttgen Bauch, polierte die Manometer und Griffe, daß sie wie zierliche Sönnchen aufleuchteten, und immer hing sein Blick voll Stolz und Lieb« an dem ungeheuren Körper des Ungetüms aus Stahl und Kupfer. Gerade das Gegenteil fühlte der Transmissionsaufseher Gruber. Haß und oftmals eine unaussprechliche Furcht setzte er gegen die Liebe und das Vertrauen seines Freundes zur Maschine ein. Nur mit Widerwillen ging er zur Frühe des Tages an seine verfluchte Arbeit. Unausgesetzt war er voll des Mißtrauens, das ein Schwächerer gegen eine ihm feindlich gesinnte Macht empsiedet. Er wurde erst wieder Mensch, der sich seines Daseins freuen konnte, wenn die Dampffirene Feierabend verkündete und die sausenden Räder mit einem ersterbenden Fauchen in die Dämmerung der Säle schlaff hin- sanken und stumm wurden. Gruber hatte es einigemal oersucht, seinem Freund die Men- | schenfeindschast der Maschinen zu erklären und in dessen Herzen den gleichen Haß großzuziehen, der in ihm sein arges Wesen trieb Aber seine plumpen Beschimpfungen hatten bei dem sonst gutmütigen Maschinenwärter Wutausbrüche zur Folge gehabt. Darum verborg Gruber des lieben Friedens willen schlecht und recht seine wahre Ge- sinnung. Wenn nun Schreiblechner vor Kameraden in den hellsten Tönen der Begeisterung von seinen Motoren sprach, biß sich Gruber voll unterdrückten Zornes und Schmerzes die Zähne ineinander, um nicht das Gegenteil hcrauszubrüllen. Und insgeheim wuchs in ihm eine eisige Furcht zur Gewißheit auf, daß in dem roten Maschinen- hau» Stahl und Messing, Kupfer und Eisen, Riemen und Radwerk über sein und seine» Freundes Verderben nachsannen.... Der Zeitpunkt der Kesielreinigung war gekommen. Sie dauerte von Samstag abend bis Montag früh. Während Gruber dem kontrollierenden Ingenieur das einwandfreie Funktionieren der Transmissionen und Sicherheitsvorichtungen vorführen mußte, saß der Maschinist in dem Fabrikgasthaus, oerzehrte sein Nachtmahl und wartete auf seinen Freund, um die Feuer zu löschen und die Kessel zum Einstieg bereit zu machen. Eben wollte sich Schrciblechner noch eine Zigarre bestellen, als die Tür aufprallte und Gruber wie hereingeschleudert gegen einen Tisch flog. Er sah fürchterlich aus. Die blaue Zeugbluse hing ihm, mit dem heruntergerissenen Hemd zu einem Strick verdreht, am Leibe herunter. Seine nackten Schultern, Brust und Rücken sahen aus, als wären sie durch das schmutzigste Tropföl gezogen worden. Das Ge- ficht fohlte leichenhaft unter dem wirren, schwarzen Haarschopf her- vor und die Augen waren die eines wütenden Hundes, der Wasser sieht. Mit keuchendem Schreien kam es aus seiner stoßenden Brust: „Jetzt hat's mich endlich einmal erwischt, das verfluchte Luder. Ich trete oben auf der Transmissionsbrücken, da ruft mich der Herr Ingenieur: ich drehe mich um und schon hat's mich beim Frack, das elende eiserne Viech, dreht mich um die Scheiben, und nur weil der Jngeneur gleich abgestellt hat, pick ich jetzt nicht als Fettfleck auf der Mauer wie eine Hcringsseel! Ich hab's ja immer g'fagt, daß's der scheinheilige Hundskrampen auf mich abg'sehen hat...." Erregt fiel ihm der Maschinenwärter in die Rede:„Fredl, was schimpfst denn auf die Maschin'. Du bist ja selbst schuld dran." Der Aufseher war irr vor überstandener Todesangst und spie seinen Freund an:„Was hast g'sagt. Vielleicht noch dankschön sagen soll Ich, wenn mich der Saukerl hing'rlcht Hütt'. Mit Dynamit sollt's in die Luft gesprengt werden, das vermaledeite Luderl" .Du, Gruber, halt dich z'rücki" .Ich mich z'rückhalten, wo's um mein Leben gangen ist? Daß ich nicht lach. Und wann der Direktor vor mir steht, sag' ich das> selbe. Du Schlürferl möcht'st am liebsten deiner Maschin' hinten neinkriechen. Aber heut' Hab' ich's dem Mistviech gezeigt; mit der Spitzhack'n Hab' ich ihr die Schlitzaugen vom Schädel geHaut!' Der Maschinist fühlte Feuer im Gehirn, heiß und rot schießt es Ihm In die Augen. Er taumelt und stiert dem Gruber ins Gesicht: .Was hast getan, was...?" „Deiner eisernen Geliebten den Hirnkasten eingehauti" Schreiblechner spürte die Haare auf dem Kopfe brennen und sein Herz lag in glühender Lohe. Er sah seine Maschine, sein Werk beschimpft.entehrt. Ein furchtbares Etwas, gegen das anzukämpfen er nicht mehr die Kraft hatte, ballte ihm die Faust, riß sie in die Höhe und ließ sie auf die Stirne des Schmähers fallen. Das Gesicht Gruberj höhnte noch einmal fratzenhaft auf, dann verschwand es mit dem Falle eines schweren Körpers. Als die Faust Schreiblechners pendelnd zurücksiel, atmete Ferdinand Gruber nicht mehr. Das Kristalltelephon. Von R. H. F r a n c e. Während unsere Väter noch mit Begriffen wie.lebende Bilder" oder„sprechende Bogenlampen" nichts anzu- gngen gewußt hätten, gehört in unseren Tagen solches schon zum egrifssschatz jedes hellen Jungen. Und wir sind auf dem Wege, die Reihe dieser wunderbaren Erfindungen noch auszubauen. Denn soeben schließt sich ihr als dritter Begriff der„singende Kristall" an, angesichts der großen technischen Bedeutung, die dieser neuen fran zösischen Entdeckung innewohnt, scheint sie vielleicht der Ausgangs punkt für heute noch ganz unabsehbare Möglichkeiten zu sein, die unser Weltbild und damit auch unser Leben bereichern. Was sollen„singende Kristalle" sein? Ihr Entdecker, I. Rüssel, einer der Leiter der großen ftanzösischen Gesellschaften für drahtlose Telegraphie, gibt dafür folgende Erläuterung: Alle Kristalle verhalten sich dem elektrischen Strom gegenüber In eigentümlicher Weise. Werden sie erwärmt, sind ihre Pole In verschiedenem Sinn elektrisch geladen. Das verschwindet In dem Augenblick, in dem die Temperatur gleichmäßig wird. Kühlt man sie aber ab, so stellt sich die Erscheinung aufs neue, doch in umgekehrtem Sinn ein: der früher positive Pol wird nun negativ. Als man über diese„Wärmeelektrizität" nachsann, sagte man sich, daß sie irgendwie durch Lageveränderungen der kleinsten Kristallteile, also der Moleküle, hervorgerufen sein muß, denn wie jeder Körper, so werden auch die Kristalle durch Wärme ausgedehnt, durch Kälte aber zusammengezogen, also in ihrer Gestalt verändert. Es war nun recht scharfsinnig, als man weiter schloß: Stimmt diese Ansicht mit der Wirklichkeit, dann müsse auch durch Zusammen- drücken eines Kristalls eine elektrische Ladung entstehen. Tatsächlich erfolgte dies auch, aber ftgendeine praktische Anwendung dieser Druckelektrizität ließ sich lange Zeit nicht finden. Run ist auch dies gelungen, und darin besteht das Wesen der neuen Entdeckung. Man wählte zu den ersten Versuchen besonders große Kristalle des Scignette-Salzes(eigentlich Kalinatron), das rhombische Säulen bildet, die rasch, billig, w beliebigen Mengen aus der wäsierigen Lösung gebildet werden können. Es lassen sich auf diese Weise Kristalle von einem Fünftel Pfund Gewicht gewinnen, die sich merk- dar oerdrehen, wenn man sie mit einem Draht umwickelt, durch den man einen elektrischen Strom schickt. Nach dem oben Gesagten wird man das auch leicht verstehen, denn der Druck bewirkt eben eine molekulare Umlagerung genau so, wie eine Moleküloerschiebung durch Druck entsprechende druckelektrische Erscheinungen ausgelöst hätte. Wählt man nun zu dem Versuch Wechselstrom, dann erfolgt eine Drehung der Moleküle je nach der Stromrichtung bald nach der »inen, bald nach der anderen Seite, mit anderen Worten: die Masse des Kristalls fängt an zu schwingen. Man hat es nun leicht in der Hand, diese Schwingungen zu regeln. Sie hängen gesetzmäßig von der Frequenz des Wechselstroms ab, beschleunigen und verlangsamen sich mit ihm. Richtet man ihn so ein, daß er den musikalischen Tönen nahe kommt, wobei also das Kristall in der Sekunde etwa 800 bis ILW Schwingungen ausführt, dann werden diese Schwingungen auch hörbar als wunderbar klarer, wirklich„kristallreiner" Glocken- ton. Mit anderen Worten: der Salzkristall singt. Ein im Grunde genommen sehr einfacher Zusammenhang ist so die Ursache einer Erscheinung, die geradezu zauberhaft wirkt. Man hat nun neuesten? in Amerika, von der Western Electric Co. aus, die singenden Kristalle in den Bereich der praktischen An- Wendungen gezogen und mit einer Telephoneinrichtking verbunden, ebenso neuestens auch mit Grammophonen. Man kann dadurch (durch Hintereinanderschaltung einer ganzen Reihe von Seignette- Kristallen) die oerblüfsendsten Wirkungen erzielen. Die Schwingun- gen der menschlichen Stimm« oder des Tones von Instrumenten können dermaßen verstärkt werden, daß man sie auf 15 bis 20 Meter Entfernung hörbar machen kann. Das Ist eine Angelegenheit von größtem Wert. Denn es besteht nun die Hoffnung, Konzerte telephonisch für das Publikum eines anderen Saales allen glcichzeittg hörbar überttagen zu können; in Fabriken, Schulen, Bureaus eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten von Arbeitsvereinfachung, wie ja stets und immer der wahre Wert aller Erfindungen niemals in ihrer ersten Anwendung lag, sondern in der Vervielfachung der Anwendungsmöglichkeitcn, wenn man sie erst einmal in die Mannigfaltigkeit des täglichen Lebens ein- führte. So mag man denn nach einem oder mehreren Menschenaltern auf die„schwingenden Kristalle" ebenso lächelnd zurückblicken, wie wir heute uns der ersten Versuche der Vorfahren erinnern, die sich damit unterhielten, daß geriebener Bernstein Papierschnitzelchen anzog und wieder abstieß, oder die ein mit Schlitzen versehenes Rad in Drehung versetzten und sich dann der Menschen erfreuten, die darin zu laufen schienen, was bekanntlich der eigentliche Ausgangspunkt des Kinematographen war. Cine jüöisthe firbeitsarmee in Palästina. Artur Holltscher, der seelentundlge Bereifer Amerllas und Sorojetrußlands, hat seine Sehnsucht, an allen modernen Problemen der Menschheit mikuardeiten.»ach Palästina Geführt, ins Land der jüdischen Kolonisation der gionisten und werttätiGcn Utopisten. Au« seinen Berichten(„Reise durch da« jüdische Palästina,* 6 Fischer, Berlin) geben mir einen Abschnitt wieder, der den Sozialisten besonder« angeht. Am stärksten Interessiert den Sozialisten, der sich in Palästina umsieht das neuartige überraschende Gebilde der„G d u t h H a a> w o d a, der Arbeitsarmee. Das ist«ine radikale Formation, nach russischem Muster aufge. baut und von rein kommunistischen Grundsätzen bestimmt: zugleich eine Arbeiter, und militärische Organisation, die ihre Mitglieder unter strengen Bedingungen äußerer und innerer Disziplin zur Arbeit und zum Selbstschutz unter Waffen anhält. Die Idee zur Gduth entstammt dem russisch-jüdischen Legionär Josef Trumpeldor, dem Märtyrer der jungen palästinischen Kolon!» sation, der vor zwei Jahren bei der Verteidigung der kleinen ober» galiläischen Niederlassung Tel-Chai gegen marodierende Beduinen gefallen ist. Aus russischen Gefängnissen führte ihn die Revolutton in die Freiheit. Er kämpft» als Kapitän im englischen„Zion Mule. corps" an vielen Fronten und zog mit Allenbn in Jerusalem ein. Ich habe sein Bild in ganz Palästina gesehen. In Zelten, Baracken, Steinhäusern, neben denen Weizmanns, des Präsidenten, und Herzls, des Schöpfers der Zionistischem Weltorganisation,— an Orten, wo Arbeiter lebten und sich versammelten: öster, als die der beiden anderen. Das geistige Haupt, Führer und Apostel der heutigen Gduth ist der junge russische Jude Iehuda Kopelewitsch, Freund und Genosse, auch Kerkergenosse Trumpeldors. Die Vduth arbeitet in disziplinierten Bataillonen auf dem Lande, das ihr vom Jüdischen Nationalfonds zur Verfügung gestellt wird; sie übernimmt auch die Straßenarbeit, die ihr von der eng- tischen Regierung, die Entwässerungs-, Bau. und Pflanzungsarbei- ten, die Ihr von der Kommission wie von den Kolonisten zugewiesen werden. Ihr Grundsatz ist, und sie hofft ihn in Nurriß durchführen zu können, daß die Gemeinschaft alles in eigenen Werkstätten zu produzieren hat, was für ihren Bedarf notwendig ist,— vorerst Kleider und Schuhe, später landwirtschaftliche Gerät« usw. Wie di« Einkünfte aus der gemeinsamen Arbeit, sind auch die Ausgaben zenttalisiert. Die Gduth entsendet die Genossen, die sich ihr ange» schlössen haben, zu jeder Art von Arbeit, nach Maßgabe der Not. wendigkeit der Arbeit und des Interesses der Genossen. Auch Araber nimmt die Gduth auf, falls diese mit den Grundprinzipien der Organisation«inverstanden sind und sich der Disziplin fügen wollen. Nach Ablauf eines Probemonats erteilt der geschäftsfüh» rende Ausschuß die Genehmigung der Aufnahme des Genossen, der Genossin in die örtliche Gruppe, der sie angehören. Diese verstreuten Ortsgruppen entsenden Delegiert« in die Zenttale, die aus sich den geschäftsfuhrenden Ausschuß wählt. Die Zentrale teilt nicht nur di» Arbeit an die Mitglieder aus, sondern„befriedigt auch�die Kultur» bedürfnisse, deren ihre Mitglieder im Lebenskämpfe bedürfen". Sie orgt für Bibliothek, Vorträge, Unterricht, Kinoaufführungen usw. Bei mangelnhaften Erträgnissen örtlicher Gruppen steht dem zen» traten Rat das Recht zu, solche Gruppen aufzulösen und unter die anderen Gruppen der Organisation zu verteilen. Jedes Mitglied der Gduth Hot sich im Waffendienst für die Verteidigung der Ge» meinschaft auszubilden und zu vervollkommnen. In dem Frage» bogen, den der Aufzunehmende ausfüllt, steht neben der Rubrik» in welchem landwirtschaftlichen Berufe, Gewerbe oder Kunstzweig der Genosse in der Heimat gearbeitet habe, diese: bei welche» Waffengattung oder Sanitätsdienst er oder sie gedient habe? Die Gduth— an ihrer Spitze steht außer Kopelewitsch der an» erkannte Organisator von Nurriß, der Ukrainer Leskowitsch ver» llgt schon heute über eine große Mitgliederzahl, und ihr Ansehen unter den jungen Arbeitern befestigt sich von Tag zu Tag.«te wird durch das Beispiel ihrer Arbeit und ihvcr sittlichen Auffassung des Problems der„grohen Gruppe" die Arbeiterorganisalionen Palästinas sicherlich beeinflussen. Man sagte mir, daß sie bereits eine Vereinheitlichung aller Arbeilstarife in Palästina erzielt habe. Für uns Nichtpalästiner ist sie wichtig, weil sie, an dem entgegen- gesetzten Ende anhebend, gleiche Ziele oerfolgt wie die„Arbeitsarmee" Trotzkis, die von der Demobilisierung stehender Kampfformationen des Roten Heeres ihre Bataillone bezieht. Ob die Zentralisierung in radikalster Form in Palästina berechtigt und befähigt ist, die Eesamtarbcit des Landes zu lenken, darüber muß die Zukunft ent- scheiden. Daß dieser Wille zur Zentralisierung sich(wie in Ruß- land) felber ad absurdum führen kann, bewies auf dem Kongreß von Haiffa ein Antrag des Delegierten Bin Gorion(eines Mannes von unbestreitbar interessanten Einfällen, doch mit unangenehmem „Kommissär"-Beiaeschmack), de, von jedem in der Gduth Organister- ten bedingungslose Unterwerfung unter die Verfügungen der Zen- trale, eine Art Mizraim mit Tarifen, forderte. Ueber diese wilde Zumutung ging der Kongreß ohne Debatte zur Tagesordnung über. Immerhin kann man in Palästina hitzige Uebertreibungen an sich gesunder Theorien oft beobachten. Die Kommission hätte solchen Fällen gegenüber einen schweren Stand:— es erweist sich aber, daß die Notwendigkeiten des Lebens, Einsicht in die gegebenen Verhält- niste des Landes und der in den Menschen selber begründeten Be- dingungen der Entwicklung die jungen Heißsporne oft zur Nach. ?iebigkeit bestimmen. Die Kommission und die junge Arbeiterschaft ommen sich sozusagen auf halbem Wege entgegen. Gespräch zwischen K o p c l e w i t s ch und mir, vor dem Land- wirtschaftlicben Museum inn Jerusalem. Ich:„Was seid ihr für Kommunisten?! Wie die alten Cha- lukkoleute hier in den Bethäusern ihr Leben aus Spenden frommer Wohltäter fristen,— wie die alten Kolonisten anno dazumal ihren Unterhalt aus den Fonds der französischen„Alliances", des Deutschen Hilfsvereins, aus den Millionen des Barons Rothschild usw. zogen, — so baut ihr euren Kommunimus auf den Beiträgen auf, die amerikanische Kapitalisten einer im Grunde gutbürgerlichen Organi- sation, der Zionistischen Kommission, überweisen. Chalukka-Kommu. nisten II Der Kommunismus expropriiert in anderen Ländern den Kapitalismus, den er dort vorfindet. Ihr expropriiert kleinweise den amerikanischen Kapitalisten, je nach dem Posteinlauf: die Gut- mütigkeit oder das„Wir wollen nicht wissen, was mit unserem Geld geschieht!" des amerikanische Zionisten." Kopelewitsch:„Der Kapitalismus muß uns die Möglichkeit schaffen, daß wir kommunistisch leben können." Schmetterlinge. Don Arthur Silbergleit. Ein alte? Maler gewahrte zu seinem jähen Entsetzen die all- mählich wachsende Abstumpfung seiner Sehnerven gegen die launen- reichen Erregungen des Lichtes. Cr begann daher Schmetterlinge zu sammeln, um an den Farben ihrer Flügel die Reizsamkeit seiner Sinne zu schärfen. Da er jedoch die glitzernden Flurentinder an Nadelspießen in Glaskästen aufbewahrt hielt und bei ihrem Anblick zugleich mit der abenteuerlichen Arabeskenschönheit ihrer Schwingen auch die soldatisch ausgerichteten Reihen ihrer linienstrengcn An- ordnung und ihre ewige Todesstarrheit zu schauen gezwungen war, begannen seine Bilder zwar in ihren Farbentönen schmelzender, In ihrer Gliederung aber steifer zu werden, denn ihnen mangelte er- sichtlich die Lockerung wehender Wirbel, die rhythmische Aufgerissen- heit eines ungebundenen Phantasiefchwungs. Da bat der alte Maler einen treuen Jugendgespielen und Kunst- freund um seinen Rat, und dieser bedeutete ihm, doch einen mensch- gewordenen Falter, eine junge Tänzerin, zu ehelichen. So erkor sich der alte Maler in der Tat einen jungen reigenseligen Menschen- schmetterling zur Lebensgefährtin, aber bei der farbigen Abenteuer- lichkeit ihrer Gefühlssittiche, ihren ruhelosen Sinnenwirbeln, bald Schleier-, bald hüllenlosen Seelentänzen, bei ihrem bacchantischen Taumel von Blütenkelch zu Blütenkelch, zitterte auch sein eigenes Leben rasch einem bunten Strudel zu, in dem e« mit gebrochenen Schwingen, enttäuscht und von Schwermut«Ii gedunkelt, hoffnungslos versank._ Landpartie. Von Hans Klabautermann. Einige„Borwärts'-Lefer hatten die Liebenswürdigkeit, mich durch freundliche Schreiben daraus aufmerksam zu machen, daß die Natur sich augenblicklich unter wesentlich anderen Umständen als vor einem halben Jahr präsentiert. Um die Richtigkeit der Meldung nachzuprüfen, entschloß Ich mich zu einem Pfingstausflug. Ueber das voraussichtliche Wetter belehrte mich die Sonnabendnummer des„Vorwärts", die von dem Bestehenbletben der lehr erwünschten trockenen Witterung sprach. Indessen bezog sich die Angabe offenbar auf einen anderen Weltteil, denn der Landstrich, den ich zu bevölkern die Ehre habe— Wilmersdorf—, erfreute am Pfinaftfonntag die Kartoffel-, Salat- und Bohnenzuchten sowie die sonstigen gärtne- rischen Anlagen durch einen dauerhaften, jeder duftigen weißen Bluse abholden Regen. Um die lustige Stimmung wachzuhalten, die der Himmel in meinem Innern entbrodelt hatte, tat ich etwas für mein- Bildung, indem ich den„Lokal-Anzeiger" las. An bevorzugter Stelle stand ein aktueller Artikel, der mit den Worten begann:„Bor etwa zweineinhalb Jahrtausenden hatte ein alter Prophet— Ezechiel hieß er— ein eigenartiges innetes Erlebnis." Worauf ich einschlief. Am Montag streikten die Wolken, so daß ich mit den Vorbe- reitungen für den Ausflug begann. Diese bestanden vornehmlich darin, mich mit Nelkenöl einzureiben. Das wird gegen die Mücken empfohlen. Man sagt, den Tieren sei der Geruch unangenehm. Ich habe die Methode als wirksam ausprobiert. Einige Mücken haben allerdings den Schnupfen und kehren sich daher nicht an den Geruch. Bereits in der Elektrischen wies mich die Klabauterfrau auf das Blühen verschiedener Pflanzen, Kastanien, Goldregen, Jasmin und Rotkehlchen hin. Ob die Beobachtung richtig war, konnte ich nicht feststellen, da gerade in Augenhöhe die Wagenfenster mit bemerkens- werten Tatsachen beklebt sind. Dafür hämmerte sich mir die ethische Forderung ein, daß die vornehme Dame sich mit Puder, Marke „Leiche", kultivieren soll. Meine Sehnsucht, fort aus dieser Stadt zu kommen, wo sogar die bislang nur mit scheelen Augen angesehe- nen Müllkästen für Reklame ausgenutzt werden sollen, klopfte stärker an meine Brust. Mein erster Blick an den Wellen des Wannsees fiel denn auch auf die Tafeln der Sterndampfer, die in weithin leuchtenden Buchstaben den Ruhm der Kal-ka-Zigaretten und der Krokodilstiefel verkünden. Mitten auf dem See ist auä) eine Art Hütte wie in den Laubenkolonien errichtet. Es ist ein Wein- restaurant. Als der Dampfer einlief, bemühte sich eine hundertköpfig« Menge, durch Stürmen den bevorzugten Platz an der Schiffsspitze zu ergattern. Da es sich im ganzen um vier Plätze handelte, hatten die meisten das Nachsehen und entschädigten sich für den entgangenen Genuß durch heiteres Schimpfen, was zur Gemütlichkeit bettrug. Ich selbst war ohne mein Zutun in den Menschenstrudel geraten, wodurch mein mitgenommener Napfkuchen in Krümelsorm gebracht wurde. Das Interesse für Wald und Wasser trat bei einigen Natur- schwärmern gegen die Erörterung der Preise für Dampferfahrten und sonstige Lebensbedürfnisse in den Hintergrund, andere töteten die Langeweile durch einen schönen Skat. Endlich kamen wir in Potsdam an. Die Stadt birgt an sonnigen Tagen eine ganze Reihe sprachkundiger Fremdenführer, die den Aus- ländern die Schönheit und den, ach, vergangenen Glanz des blitzern- den Militarismus vor Augen wälzen. Jeder Bayer kann an dem noch nicht erstorbenen Potsdamer Geist seine helle Freude haben. Um sich gegen die sengende Hitze zu schützen, laufen auch in Potsdam die Wachtposten mit einer geeigneten Kopfbedeckung herum, dem Stahlhelm. Daß die schöne Sitte bei den Einwohnern Anklang findet, bewies mir ein Gespräch, in das ich in dem reizenden Garten- lokal an der Glienicker Brücke verstrickt wurde. „Ja, es wird wohl noch eine gute Weile dauern", erklärte man mir,„bis wir wieder unser altes schönes Deutschland haben: denn augenblicklich ist doch durch die Revolution alles verpestet. Freilich ab und zu erlebt man ja erhebend« Momente.'Komm« ich da neulich aus Berlin: wie ich so nach Hause gehe, trapp, trapp, trapp, kommt die Reichswehr im Laufschritt an." «Mit Stahlhelm?" frage ich. „Selbstverständlich. Nanu, denke ich, da muß was los sein. Was loll ich Ihnen sagen— Hindenburg wird erwartet. Sie können sich den Jubel denken, wir schrien alle Hurra. Passen Sie mal auf, wir werden schon mal die alte schöne Stimmung vom August 1914 wiederbekommen. Vor 14 Tagen war hier drüben Feuerwerk. Natürlich 15 Mark Cntree— ich war ja dumm, von hier aus hätte ich«s umsonst sehen können— aber na, es war auch schön. Vor allem die Schlachtenmusik, von unserem Reichswehrregiment. Das war Musik, sage ich Ihnen." Darauf entgegnete ich: „Sie müssen wissen, mein Name ist Hans Klabautermann." Dies machte jedoch auf den biederen Potsdamer wenig Eindruck. Woraus ich schließe, daß ich in Potsdam ebenso wenig bekannt bin wie in Berlin. Gewiß gebe ich mir Mühe, durch meine in die Oeffentlichkeit dringenden Aeußerungen ebenso oft Anstoß zu er- regen wie Wilbelm oder andere Hohenzollern: aber das Bewußtsein kränkte mich, dennoch noch nicht ihre Volkstümlichkeit erreicht zu haben. Daher fuhr ich kurzerhand ab. Die Potsdamer können lange warten, bis ich sie wieder beehre. Gelöbnis. Die Zahne. Der unsere herzen entgegenschlagen. Ist rot wie der Sonne erster Strahl, Der wir sie siegend entgegentragen, Ist rot wie das Leben: Denn sie ist in das Blut all der Brüder getaucht, Die für die Freiheit ihr Leben gegeben. wir aber, die wir im Lichte noch schreiten, Wir. die wie lebend am Himmel droben Die Sterne noch grüßen, Wir wollen geloben: Nimmer zu ruhen Und immer zu streben, Bis alle Winde um rote Zahnen schweben, Bis die Srast. die eurem geopferten Blute entstammt, Alle herzen beslammt, Und die Freien, die alle Gewalt abschworen Und allen Göttern entsagten. voll Demut an eure Gräber treten Und beten. S r i ch S r t s a«. Wissen und Schauen Krösus im Cichi« der Milliardenzeit. Die amerikanischen Archäologen werden demnächst die Ausgrabungen in Sarges wieder- aufnehmen, die durch den Krieg unterbrochen waren, und sie hoffen damit den sagenhaften Schätzen des sprichwörtlich gewordenen Lyder- tönigs Krösus auf die Spur zukommen, der in Sarges residiert hat. Wahrscheinlich aber dürste die Enthüllung des lydischen Luxus in der Zeit des Krösus für uns eine Enttäuschung bedeuten. War Krösus wirtlich nach unseren Anschauungen der märchenhast reiche Mann, von dem die Erzählungen der sehr viel ärmeren Griechen so viel zu berichten wissen? Alle» in der Welt ist relativ, und die Reichtümer des von Colon gewarnten Herrschers haben in unserer Zeit der Milliarden sehr viel von ihrem Wunderglanz verloren. Bei näherer Betrachtung wird sich zeigen, daß das prosaische Scheckbuch eines amerikanischen Dollartönigs alle die goldgefüllten Truhen und Kästen des antiken Millionärs in den Schatten stellt. Ein französischer Ge- lehrter d'Avenel, der eine Geschichte des Reichtums in den letzten sieben Jahrhunderten verfaßt hat, geht zwar nicht bis auf Krösus zurück, aber er stellt nach sorgfältigen Untersuchungen fest, daß„die Reichen des 20. Jahrhunderts sechsmal reicher sind als die reichsten Persönlichkeiten im Zeitalter des Absolutismus, und zehnmal reicher als die begütertsten Fürsten des Mittelalters". Man braucht gar nicht auf die amerikanischen Milliardäre zurückzugreifen; schon die Einkünfte der großen Finanzleute Europas übertreffen die Summen, die der einst mächtigste König der Welt, Ludwig XIV., zur Wer- kügung hatte. Bor dem Kriege gab es nach den Feststellungen dÄvenels 10 Leute in Frankreich, die ein Vermögen von mehr als 100 Millionen Frank hatten und 100„Ueberkröfusse", deren Vermögen sich auf 10— SO Millionen belief. Während des ganzen Mittelalters findet man nicht eine Persönlichkeit, die auch nur drei Millionen zu verzehren gehabt hätte. In der Folgezeit verfügten drei Männer der Geschichte über solche Summen, nämlich Gaston von Orleans, Richelieu und der habgierige Kardinal Mazarin. Das kolossale Vermögen des Bankiers Samuel Bernard, das in seiner Zeit als etwas nie dagewesenes galt, überstieg nicht 20 Millionen Frank. Das ist für einen heutigen Finanzkönig gar nichts; wir haben seit dem Kriege gelernt, mit Milliarden zu operieren, mit Zahlengrößen, von denen sich der alte Krösus noch nichts träumen ließ. WOSOW Natunvissenschast lichen die Commerce Report« der Vereinigten Staaten soeben eine sehr wertvoll« Uebersicht. Die Gesamtmenge von Petroleum, die jemals noch gewonnen werden kann, schätzt man auf fast 82 Millionen Hektoliter. Das ist überraschend wenig, da der derzeitige Verbrauch im Jahre IL Mit- lionen Hektoliter beträgt. In nicht ganz 03 Jahren wird es also kein Petroleum mehr geben, eine Tatsache, andiederzeitwahrhaftignochniemandgedachthatl Diese Petroleumschätze verteilen sich im großen auf folgende Länder. An der Spitze stehen die Vereinigten Staaten, in deren Boden noch 13 Millionen Hektoliter Erdöl ruhen. Dann aber folgt Rußland mit seinen fast 10 Millionen, Persien und Mesopotamien, jedes mit fast ebensoviel. Diese drei Länder werden jedoch vo« Süd- amerika übertroffen, besten Petrolumschätze auf 12— 15 Millionen Hektoliter geschätzt werden. Südamerika ist also auch darin ein Land der Zukunft. Der ganze übrige Erdball ist relativ arm an Erdöl. Ostindien, China und Japan zusammen bergen noch 10 Millionen des wert- vollen Oeles, Rumänien und Galizien zusammen nur zwei Millionen Hektoliter, der kleine Rest verteilt sich auf alle übrigen Staaten. Diese Bilanz ist unerfreulich, aber lehrreich. Man vergleiche mit ihr die Jnteresten und Machtlämppfe der letzten zehn Jahre und man wird erkennen, daß die Menschheit nicht nur Opium- und Land- kriege, sondern auch Petroleumkriege geführt hat— und noch führen wird, sei es in friedlicher handelspolitischer— soll man sagen: genuesischer?— Form, teils mit Schwert und Brand. Rur das eine mag dabei trösten, daß in 00 Jahren, bis unsere Kinder alt sind, auch diese Kriege ausgekämpft sein werden. Denn dann wird Petroleum eine Museumsrarität fein. WllSäffl Kulturgeschichte Die Größe der menschlichen Zellen ist sehr verschieden. Dr. Fritz Kahn berichtet darüber in seinem neuen Werke„Das Leben des Menfchen"(Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart). Die kleinste Zelle ist die Blutplättchenzelle, die sich in ungeheuren Mengen neben den eigentlichen Blutzellen in der Blutflüssigkeit findet. Die zweit- kleinste ist die Blutzelle, bekannt unter dem Namen„rotes Blut- körperchen", die als Sauerstossträger im Blute schwimmt, und zwar in der unfaßlichen Zahl von 5 Millionen Zellen in jedem Kubik- Millimeter Blutflüssigkeit, etwa 22 Billionen in der gesamten Menge des menschlichen Blutes. Als dritte folgt das„weiße Blutkörperchen". in der Wissenschaft als Leukozyt bezeichnet, die sich durch ihre Ge- ftaltsveränderung und Eigenbeweglichkeit auszeichnet. In der Mitte der Reihe der Zellgrößen etwa steht die Knochenzelle, die als mikroskopisches Gallerttier in der Steinmasse des Knochens wie eine Auster in ihrer Schale lebt. Erheblich länger, an Masse aber neben der Blutplättchenzelle die kleinste Zelle ist der Samensaden, die Keim- zelle des Mannes, die in ihrem winzig kleinen Köpfchen die ganze Erbmasse des väterlichen Körpers birgt. Wesentlich größer ist die Nervenzelle, in der sich die verschiedenen Nervenfäden wie Tele- graphendrähte auf dem Postamt vereinigen, und die in ihrem Plasma- leib einen mikroskopischen und in seiner Bauart noch ganz unbegreif- lichen Empfindungs-, Schalt- und Verstärkungsapparat birgt und außerdem in Form von weißen Schollen ihren Betriebsstoff, ihre „Phosphorkohle", in sich trägt. Schmäler, aber länger ist die Muskel- zelle. Die größte aller Körperzellen ist die Eizelle, die einen Durch- mester von V» Millimeter hat und folglich unter günstigen Be- dingungen eben mit bloßem Auge als ein Pünktchen erkannt werden .kann. Selbst diese Zelle aber wiegt immer nur noch Vk» m» Gramm. Sie ist deshalb so verhältnismäßig groß, weil sich aus ihr nach der Beftuchtung das werdende Kind entwickeln muß, bis sich der junge Keim mit feinen Wurzeln in den Boden der mütterlichen Gebärmutter eingesenkt hat. Wirtschaft|[as