Nummer 25 29. �un! 1922 � �lnterhaltuntzsbeilatze öes vorwärts Lokomotivführer. Von Edgar Hahnewald. Ein« Fahrt im Schnellzug— wa» ist dabei. Du gehst zum yahnhof, und da steht der Zug zur Fahrt bereit. Seibstoerständlich steht er da. Du steigst«in, setzt dich bequem in die Ecke, ziehst deine Zeitung aus der Tasche und liest. Und wenn der Zug mit leichtem Kuck anfährt, schaust du auf. blickst prüfend auf die Uhr, siehst draußen Leute winken, Dinge vorüberaleite«. Und dann liest du wetter in der Zeitung indessen dich der Zug dem Ziele rntgegenführt. Anders sieht sich die Sache vom Führrrstand der Lokomotive au« an. Dort ist anstrengender, verantworwngsvoller Dienst, was dir im Abteil ein Vergnügen» schlimmstenfall» eine langweilige An- Gelegenheit ist. Dampfend, mit zischenden Ventilen, steht dt« Lokomotive vorm Buge. Alles ist fertig. Am Zug» klappt die letzt« Tür. Der Zeiger * erleuchteten Uhr rückt auf die Abfahrtszeit. Di» Signale stehen Mif Frei. Noch das Fertigkeitszeichen von hinten her— der Heizer löst die Tenderbrems», der Führer greift in die Apparate: Bremsen. Steuerung. Regler. Zischend, stoßweise kochend, zitternd unter der Lpannung der Energien, zieht die Maschine an und spürt das(Be- wicht. Sie spürt es— den Eindruck hat man. Alle Rohr«, Kolben, Stangen fcheinen sich zu straffen, eisern« Muskeln zu ballen und zu strecken. Weiße Tücher flattern wie Vögel auf dem Bahnsteig— dem IJelzer, dem Führer winkt kein Gruß. Sie sind im Dienst, sind elber unpersönlich eingeschaltet in dem Organismus. » Weichen und Kreuzungen knattern unter der immer schnelleren Mchrt. Die schwarz« Welt de» Abstellbahnhofe» fliegt zu beiden Seiten vorbei. Signale, Dampfwolken, Kohlenberge, Heizhäuser, Stellereien. Vorortstattonen stürzen heran und bleiben zurück. Erleuchtete Straßen klaffen sekundenlang zwischen Häuserwänden auf, ver- schwinden. Die Lokomotive klirrt. Jeder Ouadratzentimeter Eisen dekommt eine gellende Sttmme. Im Wasserstandeglase schwankt die flüssige Säule auf und ab. Die Zeiger der Manometer zittern von Zahl zu Zahl. Dl« schmale Eisenbrücke, die die Lücke zwischen Loko- ywtive und Tender schließt, wankt aus und ab, hin und her. Steht Man darauf, so hat man da» Gefühl, auf biegsamem, taumelndem Sisen durch die Nacht zu tanzen, zu schwanken. Der Heizer dreht an einem Ventil, da an einem andern, ver- Bchtet mit ruhiger Selbswerständlichkeit, al» ob er auf dem festesten Grund der Welt stünde, fortwährend Handgriffe, deren Sinn man Acht kennt und deren jeder irgendeine Wirkung hat. Der Führer blickt durch das ovale Fenster voraus in die Nacht. Draußen ordnet sich das komplizierte System der Signale zu einer Laren Zeichensprache, die das Fahrgleis sichert. Tie Signale der Nebengleise rücken, von da aus gesehen, beiseite. Sie zählen nicht. Rote Lichter schimmern al, giLhend« Punkte im Dunkel, verwandeln stch— es ist wie das Zucken eines Augenlid»— in Grün und geben vt« Strecke frei. Da schimmert ein viereckige» Schild vor der Tunnel- «tnfahrt. Es befiehlt: Pfeifen! Der Führer zieht am Ventil, ein Pfiff heult durch die Nacht. Eine Tafel, mit Zahlen und schwarzweißen Feldern bemalt, zeigt an, daß die Strecke steigt: 1; 40. Der Führer kurbelt die Steuerung nach vorn, schaltet den Regler auf mehr Dampf, öffnet den Sandstreuer, damit die Räder besser areffen, und zitternd unter dem Druck gespannter Kräfte nimmt der Zug die lange Stciaung, erreicht die Höhe. Eine Tafel meldet Fall. 1: 60. Der Führer schaltet den Dampf ab und läßt die Luft- druckbremse spielen. Rasselnd, vom Gewicht der 314 Tonnen ge- schoben, fällt der Zug in fliegender Fahrt abwärts in das„Loch". Der Zeiger am Geschwindigkeitsmesser zuckt vorwärts: SO, 60, 70, 7S Kilometer. Kleine Stattonen, spärlich erleuchtet und vereinsamt, wie vergessen in der Nacht, schreien dem vorüberdonnernden Zuge da» grelle Echo ihrer Wände und Blechdächer nach. Eiserne Brücken brüllen über schwarzen Cchlüchtcn, in denen sich schlafende Dörfer ducken. Die Lokomotive scheint auf ihren fünf Achsen zu kreiseln. lind hinterdrein stürzt die Last der 314 Tonnen auf 64 donnernden Rüdern, die Wucht der Wagen, in denen Menschen Im Licht sitzen und plaudern und lesen. Im Speisewagen Roquefort mit Beaujolai» netzen, im Schlafwagen sich zur Ruhe betten, Der Zug braust durch die Nacht. Sterne blitzen am dunklen Himmel. Plötzüch— alle» vollzieht sich in Sekunden— kurbelt der Führer die Steuerung auf rückwärts, gibt Gegendampf, ziebi die Luftdruckbremse an, gibt nach, zieht an— alles sitzt im Gefühl der Hand. Der Zeiger des Geschwindigkeitsmessers geht ruckweise auf 60. 48, 40 Kilometer zurück. Mit verminderter Fahrt knattert der Zug durch die gefährliche Weiche, die hier liegt. * Nun kommt ein Wald. Die Fichten gleiten stumm und schwarz vorbei. Der Rauch der Lokomotive zieht al» langer Schweif rück- wärt». Qualm und Dampf, vom Luftdruck zerwühlt und niedergedrückt. kocht im Tender und Führerstand und hüllt alles ein. Der Heizer wird auf anderthalb Schritt unsichtbar. Nur ab und zu. wenn er nach dem Wasserftandgla» fleht, taucht fein berußtes Gesicht aus Dampf und Dunkel in dem gelben Schein der kleinen Oellampe. Draußen zieht raumlos, wie die Ewigkeit selbst, die nächtlich« Wett vorüber. Der Saum dunkler Berge schwingt vor. dem Himmelsschimmer auf und ab. Eine tiefe, wesenlose Kluft schneidet die schlafende Welt von der Spannung in diesem sausenden Eisen- gehäiile. Der enge Führerstand, dieser kleine Raum zwischen Kohlen und Eisen und Feuer und Dampf wird zur fliegenden Scholle, auf der wir drei Menschen da» Leben davontragen im trüben Schein eines glasumschlossenen Qelflämmchens. Und wenn der Heizer die Feuerungstür öffnet, beleckt uns die rote Glut und preßt uns flammenden Atem an die Glieder. » Der Führer aber steht vor mir, mit leicht gespreizten Beinen, um sicheren Stand zu hahen: gekleidet wie zu einem kurzen Gang zum Zigarrenhändler, in schwarzer Hose und grauer Joppe, über der ein schmaler Rand des weißen Kragens schimmert. Die ge- klappte Mütze gibt seiner Gestalt etwas Lässiges, Gelockertes: er steht da, als fei es ein Sport, einen Schnellzug durch die Nacht zu führen. Aber unter dem Mützenschirm denkt eine Stirn nichts anderes als: die Strecke, sehen geschärfte Augen nichts anderes als: die Strecke. Die Hände bedienen wie sclbftdenkende Organe die Maschinerie: Regler, Umlaufhebel, Luftdruckbremse, Zusatzbremse, Lustsandstreuer, chandsandstre"�!-. Lustpumpenventil und Dampfpfeife. Das alles be- dienen die Hände, während er blickt und denkt. Und wenn man diese geschwärzten Hände im zitternden Scheine des Lämpchens han- tteren sieht und daran denkt, daß in sie das Leben aller Menschen gegeben ist, die in den hinterdrcinrasenden Wagen sitzen und mit ihren Freuden und Sorgen dahinfahren, so sieht man lange nicht» als diese Hände, nur diese Hände. Und eigentlich müßte jedesmal, wenn ein Zug am Ziele ist,«in Abgesandter der Fahrgäste zur Loko- mottve vorgebe» und dem Führer mit einem Händedruck danken, wortlos und kräftig. Denn er, der Führer, hatte aller Leben in diesen Händen und hat es gut zum Ziele geführt. Das denkt man so. Es kann ja nichts getan werden, aber wissen muß man es, daß ihm der Dank zukommt._ Wohnungsnöte in früherer Zeit. Bon Kurt Meyer-Rotermund. Hinsichtlich der Wohnunasoerhältnisse kann man(wie übri« gen» auch in manch anderer Beziehung) nicht von einer„guten" alten Zeit sprechen; sogar ein Vergleich mit unserer durch die Kriegsfolgen geschaffenen Notlage fallt noch zugunsten der Gegen- wart aus. Bei der Wohnungsmisere von heute und ehemals muß unter- schieden werden zwischen dem eigentlichen Mangel an menschlichen Behausungen und zwischen ungenügenden baulichen Zuständen. Beides bot im Mittelalter zu schweren Klagen Anlaß.--Die stolzen Burgen und die äußerlich prächtigen Patrizierhäuser, die hie und da noch aus den Tagen romantischen Rittertums oder der bürgerlichen Blüte stammen und die die Jahrhunderte überdauert haben, während zahllose andere spurlos dahingesunken sind, können uns nicht darüber täuschen, daß die Mehrzahl der Burgbewohner aus einen sehr bescheidenen, ungern iitlichen Raum beschränkt war, und daß in den städtischen Häusern bis zur Neuzeit ebenfalls jede Bequemlichkeit fehlt«, die uns heute unerläßlich erscheint. Unrein- ttchkeit und Enge, Dunkelheit und Kälte waren an der Tages- ordnung. Die leichte hölzerne Bauart, die erst allgemein Im 16. Jahrhundert der steinernen wich, beförderte wegen ihrer großen Feuergefährlichkeit den Wohnungsmangel, denn ein Brand fand in den Stroh- bzw. Schindeldächern Nahrung zu weitestem Umfich- greifen. Die Chroniken des Mittelalters melden häufig, daß bei der dürftigen Löschhilfe ganze Städte eingeäschert wurden. Daß in solchen Fällen die dann eintretende fürchterliche Obdachlosigkeit nur durch noch größere Sterblichkeit, verursacht durch die unaufhörlichen Seuchen und Hungersnöte, gemildert wurde, hat doppelt Tra- gifches. Die Unfauberkeit innerhalb der verräucherten Wohnungen (die erst am Ende des 14. Jahrhunderts allmählich Schornsteine erhielten) und in denen die vicllköpfige Familie tagsüber in einem Räume beisammen hockte, die engen, feuchten Höfe sowie der tiefe Morast in den Straßen haben zur Ausbreitung ansteckender Krank- heiten nicht wenig beigetragen.' Die zweite riesige Entvölkerung nebst Zerstörung zahlllofcr Wohnstätten brachte der Dreißigjährige Krieg, nach dessen Beendigung die Städte so verarmt waren, daß an Neubauten lange Zeit nicht zu denken war. Selbst ani Ausgang des 18. Jahrhun- derlls war mancherorts noch nichts Ernstliches geschehen, um den Mißständen, unter denen besonders die Studenten in den über- füllten Universitätsstädten litten, zu steuern. Als Johann Heinrich Boß im Sommer 1782 als Rektor nach Eutin übersiedelte, findet er folgendes„Idyll" vor:„Unser Hau» war noch unter de» Fuhr- Manns Schilderung. Oben in einem Loche schlief meine Mutter mit den drei Kindern und zwei Mägden. In das Loch gcgepiiber und ein Nebenloch, wo der Regen durchdrang, mußte der Meister der sieben freien Künste und sieben Sprachen sich einschmiegen-, wollt' er einen Sprung wagen, so stieß er mit dem Kopf an. In den Verschlügen der Küche und der Speisekammer war eben Platz für die Frau und ein paar Geschirre. Kein Keller, kein Hofraum«- Ihr Hauptzimmer war dem Kuhstall gegenüber, den der mitleidige Superintendent Wolfs-schon vor unserer Ankunft zur Aufnahme de» abgeladenen Gepäcks ausgeschmückt; da saß die Dulderin mit den verzagten Kindern, die zurückwollten nach dem Garlen in Ottern- darf. Das schmale, bergab zur Viehtränke führende Gäßchen war immer lebhaft und gleich der Zyklopenhöhle mit Dung übersät." In und nach den Napoleonischen Kriegen fehlte eben- falls das Geld zum Bauen. In der Biedermeierzeit stiebte sich jeder so diel als möglich einzuschränken. Die eigentlichen Wohnzimmer Goethes, dem als Staatsminiftcr eine Reihe von Repräsentation»- zimmern zur Verfügung standen, waren denkbar einfach. Noch be- scheidener hauste allerdings Schiller an der Efplanade in Weimar. Dort entstanden in einem Dachstübchen seine Werke„Die Braut von Messina",„Wilhelm Tell" und„Demetrius". Ein besonderes Kapitel der Wohnungsnot bildeten die Behau- sungen der Geistlichen und Lehrer auf dem Lande, wo e» ja noch heute in diesem Punkte trübe aussieht. Aus dem Jahre 1847-48, dem sogenannten„Hungerjahrc", erzählt der hannoversche Pfarrer Heinrich Adolph über die Unterkunft seiner Eltern in Heiligenfelde (Kreis Syke), daß wegen Baufälligkeit des Hauses die Möbel volle füni Jahre in Staub und Schmutz auf dem Heuboden hätten stehen müssen.„Der Vorgänger meines Vaters, der als 8Zjähriger in dem Haufe gestorbew war, hatte feit Jahrzehnten nichts darin bauen und bessern lassen, und als wir dort einzogen, waren selbst nicht einmal die Wände neu mit Kalk gestrichen, und die vielen Löcher im Fußboden geflickt.- Und doch nannte der Finanzminister Hanse- mann, bekannten Andenkens von 1848, dessen Vater der zweit? Vorgänger meines Vaters gewesen war, und der fast jede» Jahr uns und seine alte Heimat einmal besuchte, dieses Haus„das Ideal eine».Pfarrhauses"— und zwar nicht etwa im Scherz, sondern in vollem Ernst." In welch ganz anderem Liebte erscheint nach diesen paar Proben die„gute alte Zeit"! Natürlich�wohnts der Wohlhabende besser, als hier kurz angedeutet worden ist, aber die Elendsqunrtisre, in denen der arme Mann früher fein von der Sozialhygiene noch kaum berührtes Dasein zubringen mußte, waren denn doch weit menschen- unwürdiger als in unseren Tagen. Ein Vorkämpfer öer religiösen Toleranz. Am 36. Juli sind 466 Jahre vergangen, seit der große deutsche Gelehrte Johann Reuchlin, genannt Kapnio, im Bade Liebenzell im 67. Lebensjahre seine Tage beschloß. Er ge- hörte zu den Hauptoertretern des Humanismus, jener großen missen- fchaitlichen Bewegung, die mit der Wiederbelebung des Kassischen Altertums neuen Aufschwung in das Geistesleben brachte und der Reformation die Bahn ebnete. Aus feinem reichbewegten Leben wollen wir nur eine berühmte Episode hervorheben. Reuchlin, eine ernste, stille Denkernatur, er- warb sieh besonders große Verdienste um die Sprachforschung, um die Kenntnis der antiken, namentlich auch der orientalischen Geistes- schätze und um das Studium des Hebräischen-' In auffallendem Maße verband er mit dem Hange zu Freisinn und Aufklärung einen solchen zum Mystischen, befaßte sich mit den Geheimlehren der Juden, gegen die er gleich den meisten Gelehrten jener Zeit anfangs stark eingenommen war, und verfaßte«ine bedeutsame Schrift über die Kabbalistische Kunst. Dann unterzog er die Schriften der Bibel, namentlich die des Alten Testaments, einer gründlichen Kritik oder suchte den von der Kirche oft verfälschten Urtext wiederherzu- stellen, bereitete überhaupt dem Papsttum durch seine freien An-' schouungen viel Verlegenheit. Deswegen suchten ihn besonders die Dominikaner unschädlich zu machen, für deren mächtigen Orden Reuchlin«ine Zeitlang al» An- walt tätig war. Im Bunde mit ihm ging ein getaufter Jude Johann Pfefferkorn, der als echter Renegat sich ganz be. sonders zum Kampfe gegen feine einstige Glaubensgemeinschaft berufen fühlte, mit Schmähschriften gegen die Juden vor, und er- reichte auch, daß Kaiser Maximilian I. ISOS eine Verordnung erließ, wonach alle jüdischen Schriften, welche Schmähungen gegen da» Christentum enthielten, verbrannt werden sollten. In anscheinend argloser Weise bat er Reuchlin, deswegen eine Auswahl unter den jüdischen Schriften zu treffen, stellte ihm aber damit eine Falle. Reuchlin lehnte es ab und riet zur Mäßigung gegen die Juden, wurde dann aber von dem Erzbifchof von Mainz um ein Gutachten in dieser Sache angegangen und ließ 1516 einen„Ratschlag" er- scheinen, worin er nicht nur das Alte Testament, sondern auch den Talmud, die Kabbala und viele andere vcrfehmte jüdische Schriften in Schutz nahm,� überhaupt weitgehende Toleranz gegen die Juden vertrat. Das gab das Signal zu einer großen Polemik, die weit über den Rahmen der Judenfrage hinausging und die Fragen des Glaubens und der Hieraechie ernstlich berührte. Reuchlin wurde von Pfefferkorn und dem Kölner Dominikanerprior Jakob von Hoch- straten der Bestechlichkeit. Fälschung, Betrügerei und Unwissenheit bezichtigt und ein Prozeß gcger ihn betrieben. Im„Augenspiegel" wehrte er sich tapfer dagegen. Die Sache griff in immer weiteren Kreisen, auch weit über Deutschland hinaus, um sich-und erhielt durch Martin Luthers erste rcformatorische Schritte neue Nahrung. Nach mancherlei Wechselfällen kam endlich 1526 ein Vergleich zu- stände und der Prozeß wurde niedergeschlagen. Reuchlin ging als Sieger hervor und wurde in einem ver- mutlich von Ulrich von Hutten verfahten„Triumphstede" sehr gefeiert. Auch kam die Bezeichnung„Reuchlinisten" für die An- Hänger der Aufklärung und religiösen Toleranz aus. Und gar erst die„Briefe der Dunkelmänner" zeugten von dem gewaltigen Ein- drucke, den die Sache hinterlassen hatte, sah man doch in dem Aus- gange einen Sieg wahrer Geistesfreiheit. � M. Sch. Oefuch einer Käserei in öer Schweiz. Von M. A r i a. Ueber den Ort Wohlen steige ich nach Uettligen hinauf: Von weitem schon grüßen helle freundliehe Bauernhäuser, kommt man näher, sieht man zwei große Schulgebäude, ein hübsches Gasthaus und moderne Villen, die Arzt und Lehrer gehören. Ich bedaure, den Leser nur durch meine Beschreibung in dies Schlaraffenland führen zu können—, hoch möge es ihn trösten, daß auch ich noch nie Aehnliches sah vorher und mich auch nur vorübergehend in dem gelobten und geliebten Schweizer Lande befinde. Nun trat ich in diese Käserei, und meines Staunens war kein Ende. Vor allem: diese Sauberkeit! Zwei Riesenkupserbehälter, hier„Kessi" genannt, erstrahlten so wunderbar rosig-blank, daß ich fragte, ob sie ganz neu seien und die Antwort erhielt, sie dienten ummterbroehen seit 15 Jahren! Während der Kriegszeit konnte der Käser, der mir in zuvorkommendster Weise alles zeigte, mit seinen zwei Gehilfen tägich drei bls vier riesengroße Emmenthaler Käse im Gewicht von zirka je L6 Kilo fabrizieren— In diesem Sommer kann er nur zwei, höchsten» drei Käse fertigstellen, da die Milch- Produktion durch die schwere Zeit der Maul- und Klauenseuche arg gesunken ist, und die Käser deshalb auch noch an die städtische Berner Milch-Zentrale von der Vollmilch abliefern müssen. Und doch verwendet man zur Fertigstellung von zwei Käsen allmorgendlich zirka 3666 bis 4666 Liter Milch, die nur ganz wenig für die Butterfabrikation abgerahmt werden. Es bedarf nur weniger in Flüssigkeit gelöster Kälbermagen, um in 36 Minuten die ganze Milch in dicken Zustand zu versetzen. Dann wird sie durch elektrischen Betrieb in den„Kupferkessi", bei der durch die Notation erzeugten Temperatur von 43 Grad Rcaumur, in Be- wegung gehalten, bis sie„reif" ist für die großen Holzplatten und Räder, in denen der Käse nun unter starker Press? während vier- undzwanzig Stunden seine Form erhält. Hernach kommen die Käse für nochmals vierundzwanzig Stunden in den gleichen Hvlzformen in einen kühlen Kellerraum, bevor sie dann ohne die umrahmenden Formen, je zwei aufeinander, in starkem Salzwasser gebadet «erden. Drei Tage leing dauert dos Bad, dann erst gelangen sie auf die großen Börte, die in zwei Etagen an den Wänden der schmalen, tiefen, elektrisch beleuchteten Kellerräume stehen. Da werden die Käse dick mit Salz belegt, denn dos Salz zieht in sie hinein und gibt ihnen das gute Aroma. Nach und nach bildet sich die zarte äußere Rinde, indem alle zwei Tage jeder Käse g e- b ü r st e t und gewaschen wird, um danach immer auf der gleichen Oberseite mit neuem Salz belegt zu werden, weil er sonst und ohne das Bürsten gleich grün' würde und voll Fäulnis. Die untere Seite muß immer trocken gehalten werden und nicht mit dem Salz in Berührung kommen, da sie sonst schimmelig würde. Da» alte Salz wird zum Badewasser für neuen Käse verwendet. Der nun folgende Kellerraum dient für eine, acht- bis zehn« wöchige L a g e r z e i t; hier ist durch Dampfkessel eine Wärme- temperatur von 18 Grad R. erzeugt und dadurih bilden sich die durchs Salz begonnenen berühmten„Löcher" der Käse aus! Erst nach dieser Periode kommt die große Ruhezeit für die Käse, welche nun für ungefähr sechs Monate auf Borten in ganz kühlen Räumen lagern jeweilig in höhere Stockwerke plaziert, den Neuankömmlingen Platz machend. Ich sah in solchen« Keller SO Riesenkäse, die zusammen wohl einen Wert von 40 000 Franken darstellen! Der Käser von Uettligen bedauerte lebhaft den schweren Tief- stand der delltschen Mark und die Valutadifferenz im allgemeinen, welche jetzt fast jegliche Ausfuhr verbietet. Er zeigte mir seinen elektrischen Motor, der auch die Butterzentrifuge treibt, und als ich die herrlichen großen 5 bis 10 Kilo schweren„Ankcn-Brote"(Butter- ballen) bestaunte, meinte er voll Bedauern, daß man auch davon wohl gern in Deutschland haben würdet— Manches könnte ich noch beschreiben aus der Käserei zu Uettligen, so z. B. das Schränkchen, wo unter rotem elektrischen Licht bei 40 Grad Celsius automatisch die Milch auf ihren Koseingehalt geprüft wird und im Nebenkastcn die Gärungsflüssigkeit stets auf 28 Grad C. erhalten wird— oder die wDiderbare Schönheit der blitzblanken, flachen, zinnernen Satten, in denen allabendlich die Milch aus- gestellt wird, um morgens zum Buttern abgerahmt zu werden— oder die Borrichtungen zum Waschen und Trocknen der Gebrauchs- gegenstände. Nur ungern oerließ ich die schönen Räume. Ich durchschritt tiesdunkeln Tannenwald und dann ging's vorbei an blühenden Dörfern, wo die schmucken Berner Häuser hervorlachen aus über- vollen, farbenftrotzenden Blumengärten— und über alle Pracht dieser reizvollen Landschaft ragten aus weiter Ferne die drohend schwarzen mächtigen Boralpen mit der Stockhornkette— und dahinter wie ein überirdisch Gebilde am Himmelsrande stehend, die cwigweißen, schneeglänzenden Firnen der hehren Riesen des Berncr Oberlandes. Die Krauenfrage im Nitteialter. SozialgeschichtNche Studie von I. Frank. Im Grunde kennt das Mittelalter keine Frauenfrage, wie es überhaupt keine Probleme kennt. So ist auch die Frauenfrage dem Mittelalter keine Frage, die Frau und ihre soziale Stellung ihm kein Problem. Für die Frau kann es doch nur zwei Lebenswege gehen: Familie und Kloster. Damit ist jede Frag« ein für allemal gelöst. Was kümmert es, wenn die mittelalterlichen Städte einen Frauenüberschuß ausweisen, gegen den der heutig« lächerlich gering- fügig erscheint. Mögen in Frankfurt auf 1000 Männer 1100, in Nürnberg 1200 Frauen kommen, was ist daran Problem? Im Schöße der Familie oder der Kirche finden sie immer ein Unter- kommen. Es stört nicht, wenn Taufende ehelos bleiben. Das Zölibat ist iin Mittealter nicht nur religiöses, sonder» auch soziales oder, wenn man will, unsoziales Prinzip. Der Geselle darf erst heiraten, wenn er Meister geworden. Erst spät setzen die Gefeilen das Recht auf Ehe durch, aber ihre soziale Selbständigkeit wird da- durch ficht größer. Uralte Tradition im Germanentum wollte es, daß ausschließ. ilch die Frau die Hauswirtschaft besorgt: Der Mann zieht in den Krieg und auf die Jagd: den» er ist der Herr. Die Frau besorgt Küche und Haus, spinnt und bleicht, backt und braut Bier. Arbeit ist Frauenpflicht. Diese Arbeitspflicht der Frau geht aus dem Urgermancntum ins Mittelalter über. Als in den Städten der Ge- wcrbeflciß auflebt und die Zünfte entstehen, werden Gattin, Töchter und weibliche Verwandte Gehilfinnen des Meisters und Herrn. A.�- werbliche Selbständigkeit der Frauen bleibt vorerst wirtschas.liche Un- Möglichkeit, nur wenige Ausnahmen find zulössia von dieser strengen sozialen Tradition. Die Witwe darf das Geschäft ihres Mannes fortführen, aber auch sie ist letzten Endes nur vorübergehende Treu- händcrin des anvertrauten Gutes, bis, der mängliche Rechtsnachfolger herangewachsen. Es bedarf langer Jahrhunderte, bis sich die Frau langsam und allmählich als Selbständig-Erwerbstätig« durchsetzen kann, und selbst dann nur in jenen Gewerben, die sie traditionell im Schoß der Fa- milic pflegte. So entstehen zuerst die weiblichen Zünfte der Wall- Meberinnen und Garnmacherinnen. Nirgends fast wagt die Frau in die Erwcrbsspbäre der Männer einzugreifen, und wo sie es tut. geht es nicht ohne schwere Kämpfe. Die Schneider von Köln können es nicht ertragen, daß auch die Frau nähen wollte zum Gelderwerb. Sie kämp'en um ihr uraltes Recht nicht nur mit Worten, sondern auch mit Waffen, die nicht«u» der eigenen Werkstätte stammen. In diesen Konkurrenzkämpfen bleibt schließlich der Mann Sieger, muß es bleiben: denn er hat die öffentliche Macht sind wird sie nicht galanterweiso gegen sich brauchen. So wird das Gewerberecht der Meisterin zeitlich und wirtschaftlich beschränkt. Volle sechs Jahre muß sie lernen und darf sich nicht mehr als drei Lehrmädchen halten. Das Männerregiment duldet keine weiblichen Großbetriebe. Etwas weitherziger ist man nur im Kleinhandel. In Obsthöckermnen und Trödlerinnen erblickt man keine wirtschaftliche Gefahr. Noch blieb der Frau, die im Schoß der Familie oder im Er- werbsleben kein Unterkommen finden tonnte, ein letzter frommer Ausweg: Sie ging ins Kloster. Und wenn im Mittelalter die Zahl der Klöster so ungeheuer zunahm, so ist das weniaer ein Grad- mcsier der Religiosität gls des wirtschaftlichen Bedürfnisses. Der Mittelalterliche Mensch war praktisch religiös, er diente seinem Gott, ja er diente ihm gerne, aber ek wollte auch hienieden schon einen kleinen Vorteil davon haben. Das Nonnentum war nicht bloß religiöse Mission, sondern auch irdischer Beruf. Die Klöster arbei» ten zur Ehre Gottes wie zum eignen Gewinn. Man näht, stickt, webt und unterhält Berkaufsstellen in den Städten. Ja, es erst. stehen da und dort Konkurrenzkämpfe zwischen Nonnen und Hand- werkern, bis die Städte den Klöstern genau vorschreiben, wa» sie erzeugen und verkaufen dürfen. Wer nicht ins Kloster will, tauft sich von der Stadt eine Leib- rente. So entstehen die ersten Pfründneranstalten. Kleine und große Frauenoerbände bilden sich zu gemeinsamer WirtschaftSfüh- rung, wie die„Samenungen" in Straßburg, eine Art westlicher Orden auf kommunistischer Basis völliger Gütergemeinschaft, wie die Beguinencmftalten, die sich seit dem 13. Jahrhundert über ganz Mittel- und Westeuropa verbreiten. Alle diese Vereinigungen ent- springen dem praktischen Bedürfnis nach Sicherung de» Lebens und des Unterhaltes," aber um dem Leben einen höheren Inhalt zu geben, legt man sich rcligöse Verpflichtungen auf. In diesen An- staiten, die meist durch Stiftungen frommer Reicher entstehen, wäre das Leben zu inhaltslos, wenn es nicht durch religiöse Uebungen und wohltätige Werte ausgefüllt würde. Krankenpflege und Toten- bctreuung ist meist der Beguinen Tätigkeit. Sebastian Brandt hat die Beguinen ein Schmarotzcrvolk genannt, das zu nichts anderem taugte, als bei Leichenbegängnissen bezahlte Gebete zu stammeln. Es mag fein, daß im Beguinentum viel produktive Mcnschenkraft ungenützt lag, aber daran sind nicht die Beguinen schuld, sondern die Zeit Ist es, die für ihren Menschenüberschuß keine andere Ver- wendung wußte, als ihn in Rentneranstalten zu stecken. Noch bleibt eine Frauenkategorie, an der eine sozialgcschichtliche Studie nicht vorübergehen darf, weil sie in keiner Zeit so brutal- öffentlich hervortritt, als im Mittelalter: die Dirne. Die öffentliche Strenge der Sitten, die nicht nur Ehebruch, sondern vielfach selbst jeden außerehelichen Geschlechtsverkehr mit schweren Leibesstrafen, ja da und dort selbst mit dem Tode bedrohte— ich sage bedrohte; denn die Praxis der Sittenjustiz war häufig milder als die Theorie— der religiöse wie soziale Zwang zur Ehelosigkeit, wie er im Priester- und Gesellcntum uns entgegentritt, mußte naturnotwendig das Dirnentum fördern, machte es fast zu einer Art gesellschaftlich-hygie- nischer Institution, der Staat, Kirch« und Städte ihre Genehmigung gaben. Zwei Sorten van Dirnen kennt das Mittelalter: die fahrenden Frauen und die sässigen. Die fahrenden Frauen ziehen mit dem fahrenden Volk als Gauklerinnen, Tänzerinnen, Leier- und Harfen- Mädchen von Stadt zu Stadt, von Land zu Land. Sie sind die „Künstlerinnen" des Mittelalters, das der ehrbaren Frau jede Schau- fteliung verbot. Die fahrenden Frauen gehören zum Troß jedes mittelalterlichen Heeres. Sie begleiten die Kreuzfahrer zu den heiligen Stätten von Jerusalem. Ein eigener Hauptmann zu ihrer Aufsicht ist eine stehend« Charge jm mittelalterlichen Heer. In Herzog Albas Armee sind die Dirnen in Kompagnien zu Fuß und Pferde engeteilt und marschieren in Reih und Glied hinter ihren eigenen Fahnen. Kein sürstliches Hoflager, keine Kaiserkrönung, kein deutscher Reichstag, kein Kirchcnkonzil, wo nicht auch die fahren- den Dirnen in Massen erschienen. Jeder Reichsfürst brinat seinen Troß fahrender Frauen mit, jeder Kardinal, Bischof und Reichsabt ein zahlreiches Gefolge von Freudenmädchen. Zum Frankfurter Reichstag von 1394 brachten die Fürsten 800 fahrende Frauen, zum. Konzil von Konstanz, da» Huß verbrannte, kamen mit den strengen Kirchenherren 1500 Dirnen. Die in den Städten ansässigen Dirnen erfreuen sich des befände- ren"Schutzes des Rates. Sie sind eine wichtige kommunale Jnsti- tntion. Die Ställe erbauen ihnen Frauenhäuser und der Liebes- fold ist«ine nicht zu unterschätzende Einnahmeguelle für den städti- schen Fiskus. Aus finanziellen Gründen errichten auch Landes- Herren und Kirchenfürsten gerne Freudenhäuser und' der Adel nimmt sie gerne zu Lehen. Die Städte treiben die Frauenhäuser entweder in eigener Regie unter eigenen Beamten oder sie verpachten sie weiter an Frauenwirte. Eigene Zünfte fahrender Frauen wie in Frankreich kennt man in Deutschland nicht. Ms kommunale Jnsti- jution erscheinen die Dirnen bei allen öffentlichen Festlichkeiten und fürstlichen Einzügen. Sie überbringen dem Kaiser Glückwünsche und Blumensträuße. Städte, die ein übriges an Gastlichkeit tun wollen, befehlen den öffentlichen Frauen, die fürstlichen Gäste und ihr Gefolge unentgeltlich zu empfangen. In den Frauenhäusern herrscht strenge Ordnung: jeder kirchliche Feiertag wird heilig ge- halten, auf Hygiene gesehen, wenn sie auch primitiv sein maq, die Frauen werden zur Arbeit angehalten und,' damit dieser furchtbaren öffentlichen Institution doch»enigsten» ein- Rest von Menschlichkeit nicht fehle, ist keiner Frau die Rückkehr zu einen« geordneten Lebens- «vandel vermehrt, selbst Schulden halber darf sie nicht zum Verbleib im Frauenhaus gezwungen werden. Und damit auch die Kirche etwas tut zur Sühne einer Institution, die sie selbst so mächtig sör- derte, errichtet sie Reucrinnenklöster. Di« Ausnahlne� darin war aller- dings häufig an die grausam-amoralische Bediyaung aeknüpst, daß die reumütige Frau schon längere Zeit ein liederliches Leben geführt hatte. Laß von brutalen Gewalten nie deine Seele knechten; kannst du nicht recht behalten, holt« doch fest cm Rechtenl Paul S«,f«. Mumien als Arzneimittel. Biete Mumien sind nicht bloß von denk bekannten„Zahn der Zeit' zerstört, sondern auch sonnlich auf- oegesien worden. Sie waren nämlich lange Zeit ein beliebtes Arzneimittel. Las kommt uns heute natürlich barbarisch vor, aber wenn man bedenkt, daß in den Leichen allerlei kräftig wirkende Stoffe enthalten waren, so kann wohl in einzelnen Fällen eine Dosis Mumie sich als hellkrästig erwiesen haben. Im 17. Jahrhundert war Venedig der tzaupthondel-platz für Mumien. Ueber die Art des Bezuges schreibt Georg Niklaus Echurtz in seiner 1S72 in Nürnberg erschienenen Warenkunde„Neu eingerichtete Materiakkammer':„daß die Schiffs- oder Bootsgesellen, wenn sie nach Egypten und Memphis komme», sie heimlich bei nächttichsr Zeit holen, tragen» alsdann in die Schiffe und verbergen sie darinnen, damit sie ihnen nicht ausge- fpoliert werden, weilen die Egypter gewiß solche öffentlich nicht ab- folgen ließen. Im Einkauf muß man Achtung haben, daß große Stücke nicht allein gar dürre Bein« sind, sondern daß die Bein« auch sein fett und noch fein Fleisch auf sich haben und darb« inwendig voll Mark seynd.' Welche Schätze für den Szifloritet mögen auf diese Art in den kranken Mägen unserer in der Rot der Krankheit zu Menschenfressern gewordenen Altvordern verschwunden seinl englischen Ingenieure, sondern was sie fanden, waren Phosphat« (bei Safago, nahe Kofteir und nahe dem Nil), Manganerze, Gold und sogar Petroleum. Die Petroleumquellen, die 1908 entdeckt wurden, Legen am Golf von Suez, gelten wegen ihre» starten Venzingedalts für besonders werwoll und werden daher noch eine wichtige Rolle spielen. Natunvissenschast Seit wann kennen wir den Papagei? Unter allen tropischen Ziervögeln, die der Europäer durch die Berührung mit den Farben- Eiberen der Tropen kennen gelernt hat, nimmt der Papagei inso- eine Sonderstellung ein, als er vermöge seiner Fähigkeit. chen zu lernen, sich von jeher eines Borzuges erfreute. Merk- würdigerweise scheinen jedoch die alten Aegypter, das älteste und bekannteste westtiche Kulturvolk, keinerlei Kenntnis von den Papa- geien besessen zu haben. Ebensowenig wird in der Bibel ihrer Er- wähnung getan. Am frühesten wurden die Griechen mit diesen BSgein bekannt, und zwar auf dem Alexanderzug nach Indien mit dem dort als Stubenvogel häufig geholten«« grün und rotge- bänderten Halsbandfitttch. Ein Steuermann der Flotte Alexanders, Dnefifrüos mit Namen, hat dann die ersten lebenden Papageien nach Europa eingeführt. Sie brachten es schnell zu großer Beliebtheit, besonders bei den reichen Römern. Im zweiten Jahrhundert o. Chr. scheint es besonder» in den Kreisen junger römischer Stutzer Mode gewesen zu sein, mit einem zahmen Papagei auf der Faust in den Straßen herumzu spazieren. Die Bogel standen damals, je nach der Dressur, in hohem Wert, und manch sprechender Papagei galt mehr al» ein menschlich« Sklave. Wann die ersten Papageien nach Deutschland gekommen sind, ist nicht genau nachweisbar. Sicher fft nur. daß der im Mittelalter aufblühende Levantehcmdel und die Kreuzzüge Veranlassung wurden, daß diese Bogel des öfteren nach Europa, vor ollem auch nach Deutschland, gebrocht wurden. Vom Körperbau der Walfische. Mit dem inneren Bau der MeeressäugeHere, von denen wir noch nicht allzuviel wissen, haben sich jetzt vier jopamsche Professoren von der Universität Sendai(Nord- an) beschäftigt. Wir«fahren da interessant« Dinge. Die Wal- haben, ähnlich unseren Wiederkäuern, nicht einen Magen, Kern deren drei. Der erste von ihnen dient wieder Kropf der ögel, mehr als Aufbewahrungskammer, ferner aber auch zur Ber- dauung: die Nahrung wird in ihm gequellt und teilweise zerfasert, zerrieben. Die eigentlich« Verdauung erfolgt im zweiten und dritten Magen; der dritte Magen ist an Berdouungsfäften doppett so reich wie der zweite. Di« Berdauungsfäft« kommen zum Teil von der Leber, welch« ab« kein« abgesond«le Gallenblase ausweist; auch die Mttz liefert Magensaft, es scheint also, daß dies ihr« ursprünglich« Bedeutung gewesen ist. Die Namen der vier japanischen Gelehrten sind: Morimoto, Uoshio, Takata und Sudzuki.• Crükonöe Die Schätze der ägyptischen Wüste. La» bewohnbare Kuttur- land Aegyptens bildet bekanntlich nur einen wenige Kilometer bretten Streifen beiderseits des Nils. Zwischen Nil und Rotem Meer (tat die gebirgige Arabische Wüste, nach Westen zu die sandige Hoch- PZche der Libyschen Wüste. Diese Wüstengebiete sind aber nicht ganz wertlos, sondern die Libysche Wüste umschließt Oasen und die Ära- bische birgt in ihrem Felsboden Schätze, auf deren Hebung schon die alten Aegypter und die Römer eifrig bedacht waren. In der Gegend, die heute von der Eisenbahn von Kenah am Nll nach Kosseir am Roten Meer durchschnitten wird, und weiter südlich, östlich von Edfu, wurden schon zur Zeit früher altägyptischer Königsdynastien Gold- ädern ausgebeutet, dazp in großen Steinbrüchen grüne, als Material für die großen Bauten beliebte Schiefer und der sogenannte Verde antico. Auch Smaragde fand man in der Arabischen Wüste. Noch «rößer und mannigfaltiger war die Liste edler Bausteine, welche die lömer für ihre Prachtbauten von dort holten. Während des ganzen Mittelalters und noch des größten Teiles der Neuzeit kümmerte sich niemand um die Schätze der Wüste; erst als die Engländer die Herren und Ausbeuter Aegyptens geworden, wandten ste bald auch den Wüstenstreifen ihre Aufmerksamkeit zu; aber es ist bezeichnend, daß heute ganz andere Dinge für wertvoll gelten als im Altertum: nicht nach schön marmorierten, polierfähigcn Gesteinen suchten die liEE5G{|ii(iEjEj3l| Hefunöheitspstege Operationen bei sturmbewegiem Meer. Mit den Fortschritten der Schiffschmtrgi« sind auch schwierig« Op«attonen aus höh« See, selbst w«m da» Schiff vom Orkan hin- und hergewo-rfen wird, häufig« geworden. Kürzllch kam da» Krieqsschiss„America* zwölf Stunden£u spät auf seiner Reise von Row Park nach Plymouth an, weil es einen Umweg von 2C0 Kilometern gemacht hatte, um«wem Ingenieur an Bord des amerikanischen Dampfers„New England* ärztliche Hilf« zu bringen. D« Ingenieur war bei ein« Erolosion im Maschinenraum schwer vcrietzt worden; d« drahttos« Hils«us ««eicht« die„America", und der Ingenieur wnrde daraufhin bei sturmbewegt« See in einem Rettungsboot noch dem Schiff hinüber- gebracht, wo d« Schiffsarzt, unterstützt von zwei unter den Passa- gieren befindlichen Aerztcn, die Op«atton glücklich ausführt«. Di« größeren Schiffe führen alles, was zu ein« Operation nötig ist, mit sich; viel» amerikanische Dampf« haben schon eigene Operottonssäl«. Eine der schwierigsten Operationen dieser Art wurde vor kurzem auf dem-amnitanffchen Dampf«.�Dakota" ausgeführt an einem Unter- offtzi«, bei dem plötzlich ein« fchw«e Blinddarm cntzündung auftrat. Es h«rschtk ein furchtbar« Orkan, das Schiff stoppte und ne beiden Herzte, die die Operation ausführten, ließen sich an dem Operations- tisch festbinden und»ollbrachten auf dies« Weis« inn«holb voft 40 Minuten glücklich ihre Arbeit. Sehr häufig kommt«» vor. daß dl« Schlffsärzt» auf drahttose Konsultationen von and«« Schiffen hin Kranken auf höh« See Rat erteilen und Rezept« verschreiben. Drei Ratfthläge. Don Ernst Prerzang. Einem Allzulauten. Schrei nicht so nach Freiheit. Lkeb«. Um die Kehlen zu entzünden; Sinne auch einmal darüber, Flache Wurzeln ttes zu gründen. Gut und löblich ist die Meinung, Rüstig geh sie von d« Stelle; Doch d« Lärm scheucht die Erscheinung; Schone unsre Trommelfelle. Eine Stimm« grob und Hess« Wird die Seelen nicht betören; Etwas inniger und leis« Läßt der Geist sich wohl beschwören. Ja, du wirst noch baß erstaunen, Wie bei Geigen wundersam Leben wird, das bei Posaunen Gähnend sich ein Kissen nahm. Einem Verzagten. Willst du deine Kraft bewahren, Darfst du nicht im Wachen ttäumen; Willst du kommen hoch zu Iahren, Darfst du nicht wie Seife schäumen. Wenn die Wespen dich umsurren, Wird kein harter Schlag dir taugen, Sieh das Leben ohne Murren ßröstig an mit hellen Augen. Alles wird dir niemal» glücken, Doch dach Tagen ohne Gnade, Da dich tief die Sorgen bücken, Rückst du dich wohl wieder grade. Und du schaust die» Jammertal Heit« wie in neuen Sonnen; Denn du hast es noch einmal Dir aus eign« Kraft gewonnen. Einem Galligen. Mußt nicht so die Zunge schärfen, Mußt dich nicht am Tag««reiben; Wo die Kind« Stein« werfen, Kostet es auch Fenst«scheibm. Aergerlich ist dir das Klirren, Weil ein nützlich Ding zerbricht, Doch es soll dich nicht vprwirren— Ungebrochen bleibt das Licht. Auf die ungezähmten Raser Folgt mit Kitt und Lineal Eines Tags d« Meister Glaser: Schöner wird's mit einmmal. Und er locht des Uebermutes, Und« lächelt still: Mich däucht, Auch die Torheit hat ihr Gutes, Wenn sie neue Weisheit zeugt.