Nummsr 26 13. �uH 1922 � �___ c)"�� AnterhaltunKsbeilage öes Vorwärts Das Schiff �Zufall". Von Mac Narrator. Das Schiff„Zufall" verließ Glasgow am 6. September 1809. Es war nach einem fernen Hafen bestimmt und trug Gold und Silber an Bord. Seine Besatzung bestand aus 22 Mann, einen Kaplan, einen Rechtsanwalt und den Eigentümer der unschätzbaren Ladung inbegriffen. Das Wetter war schön und der Himmel klar, die See ruhig und der Wind günstig. Und dieses schöne Wetter dauerte etwa eine Woche lang an. Dann aber, als sich die„Zufall" inmitten des Ozeans befand, erhob sich ein schrecklicher Sturm, der mehrere Tage hindurch tobte und die„Zufall" wie ein Stückchen Kort auf zornigen Wassern herumschlenderte. Als sich das Wetter wieder aufgeheitert hatte, fand der Kapitän, daß das Schiff seinen Kurs verloren habe. Wochenlang suchte die„Zufall" nun auf fremden und trügerischen Meeren Weg und Ziel vergeblich. Die Vorrät« schwanden, waren endlich völlig aufgebraucht, und der Besatzung bemächtigte sich Ver- zweiflung. Sollten nicht alle verloren sein, so blieb nichts übrig, als einen aus ihrer Zahl zu töten und sein Fleisch zu verzehren. Der Entschluß war furchtbar, doch schien er unvermeidlich. Früh am nächsten Morgen, gerade als die Männer durchs Los entscheiden wollten, wessen Leben geopfert werden müsse, ließ der Ruf des Rechtsanwaltes Archibald Pennyworth:„Land! Land!" die Augen der unglücklichen Mannschaft in die Ferne schauen. Ja, dort zeigte sich Landt Die„Zufall" lief eine unbekannte Insel an. Die Männer traten aus dem Schiffe.„Wir sind gerettet," riefen sie.— Das drängendste und unmittelbarste Problem war das der Nahrung. Zum Glück besaß die Insel üppig« Vegetation. Und so gingen ein paar von den Leuten auf Erkundigung aus, was denn auf der Insel Genießbares wüchse. Die Schar kam bald zurück und brachte wilde Ziegen mit, die auf einem nahen Hügel geweidet hatten. Auch gab e» wilde Früchte in Menge, ebenso fanden sie viele Arten Nüsse. „Alles, was wir zu tun haben, ist, der Insel unsere Arbeit zu geben, bis wir einmal befreit werdenl" so sprach Charles Stewart, der alte Seemann. „Ja, so ist es!" stimmten alle Seeleute ihm zu. Während die Seeleute sich entschlossen, den Kampf mit der Insel auszunehmen, beschlossen die drei Angehörigen der übergeordneten Menschenklasi«, nämlich der Kaplan, der Rechtsanwalt und der Be- sitzer der Gold- und Silberschätze, sich zu Eigentümern der Insel zu machen. Denn die Bodenbearbeitung sagte ihnen nicht recht zu. Und das war erklärlich. Sie wollten nicht nur nicht arbeiten, sondern auch noch die Arbeit der anderen überwachen. Sie fanden sich also zu heimlicher Besprechung in einem nahen Walde zusammen, und nun eröffnet« Archibald Pennyworth, der Rechtsanwalt, seinen Plan: „Ich will die Eigentumsrechte an dieser Insel beanspruchen auf Grund der unbestreitbaren Tatsache, daß meine Vorfahren vor hundert Iahren dem König von Spanien darin beistanden, etliche hundert- tausend Indianer abzuschlachten. Ich will behaupten, der König von Spanien habe deshalb meiner Familie in Ansehung ihrer außer- ordentlichen Verdienste um König und Vaterland diese Insel als dauernden Besitz erbcigentümlich zugesprochen." „Und nun, mein lieber Reverend Mockery," sagte Pennyworth zu dem guten Kaplan,„nun mußt du meinen Anspruch bestättgen, indem du erklärst: es fei Gottes Wille, und der Obrigkeit müsse ge- horcht werden! Das wlrd die Gemüter der Burschen in Verwirrung bringen— und meine Eigentumsrechte sind gesichert!" Und dann, zu dem Finanzmann sich wendend, dem Herrn über Silber und Gold, der sich gegen einen Baum gelehnt hatte und reichlich schwermütig und verdüstert dreinsah, sagte er:„Ist die Insel erst einmal in meinem Besitze, dann wollen wir das Gold und Silber dazu benützen, um die Seeleute für ihre Arbeit zu bezahlen. Und wie die Insel in unserem Besitze ist, wlrd es dann auch da» Gold und Silber sein!" „Eine glänzende Idee, Archibald, ein« glänzende Ideel" rief den Finanzmann, dem die Lebensgeister wiederkehrten. Er klopfte Penny« worth anerkennend auf die Schulter. „Also, wir sind alle einig, nicht wahr?" fragt« Archibald. „Wir sind es!" antworteten ihm die Freunde. Und die drei verließen den Wald, um ihren Plan den Seeleuten zu eröffnen.— Die rote Scheibe der flammenden Sonne sank langsam, als sich die verloren« Mannschaft der„Zufall" vor einem großen Felsen. nahe der Küste versammelte, um die drei übergeordneten Persönlich- keiten sprechen zu hören. Eine kühle Brise rauschte durch die Blätter eines Baumes, aus dessen Geäst ein schöner Vogel süße, bezaubernde Melodien vernehmen ließ. Bald gasten auch die Sterne ihren sanften, goldenen Glanz erdenwärts. Archibald bestieg den Felsen und seine Freunde begleiteten ihn. Und nachdem er in wohlgesetzter und kluger Rede den Anspruch seiner Eigentumsrechte an der fruchtbaren Insel vorgebracht hatte, rief der gute Kaplan Mockery zur Bekräftigung dieses Anspruches den. unersorschlichen Willen Gottes an. Aber da geschah es, daß die Seeleute allen Worten und An- sprächen gegenüber taub und unbelehrbar blieben. Dann bestieg Vastor, ein Seemann, der in seinem Leben manches Buch gelesen und manche Gedanken über die Menschen und ihr Recht an der Erde zu Ende gedacht hatte, den Rednerfelsen und sagte etwa die»: „Meine Herren! Sie können Ihr Gold und Silber behalten, denn es ist uns zu nichts nütze— wir können es nicht essen. Um auf dieser Insel leben zu können, dazu ist nötig, daß man arbeite. Denn es verlangt Arbeit, die Ziegen zu melken, die Früchte zu pflücken, die Bäum« zu fällen, das Holz zu spalten und Hütten daraus zu bauen. Diese Insel gehört denjenigen, die sie bebauen und bewohnbar machen. Wir Seeleute haben uns deshalb zu ver- schiedenen Arbeitsgruppen zusammengetan, wir wollen die Arbeit leisten. Sie, meine Herren, haben nun tue Freiheit, sich der Arbeits- gruppe anzuschließen, die Ihnen am besten zusagt. Aber, hören Sie: wenn Sie nicht arbeiten, werden wir Sie nicht ernähren!" Diese Rede überraschte die übergeordneten Persönlichkeiten nicht wenig, doch blieb ihnen aus jener Insel keine Wahl, als sich dem Beschluß der Mehrheit zu fügen. Und dieser Beschluß zwang sie zur Arbeit. Doch als sie von jenem Felsen hinweggingen, da sagte der Finanzmann seufzend zu seinen Freunden:„Es ist ein Jammer, zu sehen, wie schlichte Leute durch Bücherlefen und Nachdenken ver- darben werdenl"_ Die Luööisten Mafihinenzerstörer). AuS dem im Druck befindlichen t. Teile der„All de- meinen Geslbichte des T-zialiSmuz" von M. Beer. Ter hier eiim Abdruck gelangende i'l Schnitt dürste Klint Verständnis von Ernst TollerS ,M a s ch i n e n« stürme r" beitriaen. Was Handwerter und Manufakturarbeiter seit dem 16. Jahr- hundert befürchtet hatten, überfiel sie in der letzten Hälfte de» 18. Jahrhunderts: eine Invasion von ehernen Dämonen, die das Alt- el;rwürbige rasch verdräng'en, die gewandteste Menschenhände lahmlegten, Reichtum und Elend verbreiteten. Mit Staunen und Schrecken blickte da» in Elendstiefen versinkende Proletariergeschlecht auf die viclarmigcn, rastlosen, scheinbar �mit unsterblichen Kräften ausgerüsteten Maschinen, und in aller«tille ging das Wort von Mund zu Mund: Dereinigen wir uns und zerstören wir sie, solange ihre Zahl noch gering und ihr Lebensalter noch in der Kindheit steckt. Lasten wir sie ungestört sich vermehren und wachsen, so werden sie zu absoluten Herren und wir zu ihren Sklaven. Umgeben von den Wundern der Wissenschaft und Technik, von allerhand Maschinen als tägliche» Erscheinungen und Gebrauchsgegenständen, die das 19, Jahrhundert ins Leben einführte, kann sich der Mensch des 2t). Jahrhunderts kaum eine Vorstellung von den Seelenstimmungen machen, die der Aufgang des Maschinenzeit- alters in seinen ersten Opfern auslöste. Noch bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es gebildete Engländer, die die Maschinen als krankhafte Ausgeburten des menschlichen Geistes und als ein Symptom der Dekadenz Englands betrachteten. Dos erste Gesetz gegen die Zertrümmerung von Maschinen und Zerstörung von Fabrikgebäuden wurde in England im Jahre 1769 erlassen. Es betrachtete derartige Handlungen als Verbrechen, auf die die Todesstrafe gesetzt wurde. Der Beginn der industriellen Re- volution hatte schon' um jene Zeit einen Umschwung der staatlichen Auffassung über den Wert der Maschinerie hervorgebracht. Unge- achtet der drakonischen Strafen wuchs die Zahl der Maschinenstürmer in Mittel- und Nordenglond. In Nottingham soll ein gewisser N e d L u d h a m oder N e d L u d d einen Strumpfwirkerstuhl zerstört haben. Seine Tat fand Nachahmung in Lancashire, und die Ma- schinenstürmer wurden nach und nach als„L u d d i st e n" bekannt. In den Iahren 1811 bis 1812 wurde der Luddismus zu einer Massenbewegung, die sowohl politische wie wirtschaftliche Ziele ver- folgte. Die herrschenden Klassen wurden durch die luddistischen Aus- bräche alarmiert, so daß die Regierung einen Gesetzentwurf über Maschinenzerstörungen einbrachte, der derartige Handlungen mit dem Tode bestrafte. Bei der zweiten Lesung im Obcrhause im Februar 1812 mar auch Lord Byron anwesend, der gegen den Entwurf eine flammende Rede hielt, in der er die Arbeiter verteidigte. Der Entwurf wurde im März 1812 zum Gesetz erhoben, aber dieses hat ebensowenig wie das Gesetz vom Jahre 1769 die Maschinen- Zerstörungen verhindert, trotzdem es mit drakonischer Strenge ge- handhabt wurde Bei den Angriffen auf Maschinen und Fabriken kam es einige Male zum Totschlag, aber es war außerordentlich schwierig, die Töter zu ermitteln. Erst die Aussetzung hoher Geld- preise— einmal sogar die Sumnie von 2006 Pfund Sterling (40 000 Goldmark)— auf die Köpfe der Luddistenfllhrer führte zum Verrat. Todesurteile gegen Luddisten wurden nur vom Gericht in Dork gefällt. Am 13. Januar 1813 bestiegen dort drei Arbeiter, darunter der Luddistenführer Georg Mellor, dos Schaffott. Sie bewahrten bis zuletzt ein« mutige Haltung: Mellor hielt eine kurze Ansprache vom Schaffott an die Voltsmassen. In dem Bericht über die Hinrichtung bemerkte der„Annual Register"(1813). daß Mellor und seine Leidensgenossen nicht wie Meuchelmörder aussahen und daß sie unter anderen Umständen tüchtig« Menschen geworden wären. Drei Tage später folgten ihnen fünfzehn Arbeiter: sieben vormittags, acht nachmittags hingerichtet. Die Schreckcnsurteile und die Hinrichtungen desorganisierten vorerst die Luddistenbewegung, jedoch erholte sie sich nach und nach, und im Jahre 1816 war der Luddis- mus, der im Grunde genommen eine elementare revolutionäre Ve- wegung bildete, wieder im Schwung. Byron faßte sie ganz als eine solche auf und dichtete für sie am 16. Dezember 1816 ein„Stur m- l i e d", in dem er sie mit den Männern des amerikanischen Unab- hänglgkeitskrieges vergleicht. MsöemKurkojltätentabinettöerSteuern Neue Steuern sind gegenwärtig mehr denn je an der Tages- ordnung, und man ist krampfhaft bemüht, Mittel und Wege zu finden, um für die immer gewaltiger anschwellende Schuldenlast einen Ausgleich zu finden. Schon viele Regierungen de? Bergangen- heit sind in der gleichen Verlegenheit gewesen wie die unsrige, und es hat auch nie an findigen Köpfen gefehlt, die Vorschläge für neue Steuern machten. Nicht jeder Phantast, der seine Ideen den Staats- männern aufdrängen will, wird aber ein« so geistreiche Antwort er- halten, wie jener französische Grandseigneur, der dem Finanzminister Ludwigs XIV., Eolbert, allen Ernstes den Vorschlag machte, die Intelligenz zu besteuern.„Ich verstehe, warum Sie diese Steuer vorschlagen", erwiderte ihm Eolbert,„Sie würden jedenfalls von ihr befreit fein". Die praktischen Römer waren die ersten Steuer- erfinder, die alle möglichen Dinge mit Abgaben belegten. So mußte der Jüngling bei der feierlichen Verleihung der Toga, der Mannestracht, eine Summe entrichten, und es gab auch eine Steuer für alte Jungfern, wenn sie reich waren. Die Kloakensteuer des Kaisers Vespasian läßt den Satiriker Juvenal dem Herrscher die Worte in den Mund legen:„Gut ist der Geruch des Gewinns, woher der letztere auch stamme". Das Tollste an Steuern leistete der römische Kaiser Michael Paphlago mit der Steuer a u f d i e L u f t. Die Bürger des Weltreiches mußten diese Abgabe leisten, nur weil sie zum Atmen die Luft einzogen. Das Mittelalter hat an kuriosen Steuern weniger geleistet, desto mehr aber die Evoche der absoluten Fürsten, die immer Geld brauchten und denen jeder Vorwand recht war, um ihre Untertanen zu schröpfen. Der „Sonnenkönig" Ludwig XIV. ging da mit schlechtem Beispiel voran, und die deutschen Fürsten, die es ihm in allem nachmachen wollten, übertrumpften ihn darin sogar noch. Friedrich I. von Preußen, der sehr prunkliebend war und viel Geld brauchte, führte 1702 die K o p f st e u e r für jeden Stand ein, und zwar zahlte er selbst und sein Haus die Steuer auch: der König jährlich 4000 Taler, die Königin die Hälfte, der Kronprinz 1000 Taler usw.: die Offiziere mußten ohne Unterschied einen ganzen Monatssold entrichten: der Handwerksgesell zahlte 12 Silbergroschcn, der Bauer 8 und selbst eine Tagelöhnerin 4 Silbergroschen. Bercch- tigter waren die Luxuesteuern. So mußte jeder, der sich einen Wagen hielt, die K a r o s s e n st e u e r je nach der Eleganz seines ''7 k"' 3 Tnfem entrichten. Als Grund da- für wurde angeführt, daß durch die Wagen„das Pflaster der Rest- dcnz verdorben würde". Für ihre hohen Frisuren zahlten die Damen die Fontangensteuer(Fontange � Frauenkopfputz) mit 1 Taler jährlich, und noch sehr viel mehr brachte die Perücken- st euer in jenen Tagen, da jeder, der auf sich hielt, mit einer Allongcperücke erscheinen mußte. In Preußen entrichteten Hosleute und Staatsdiener bis zum Generalmajor hinab jährlich 2H Taler für ihre Perücken, die anderen Beamten bis zum Major 2 Taler und die bis zum Sekretär 1 Taler. Kammerdiener, Kaufleute und Bürger zahlten 16 Groschen, Handwerksgesellen, Lakaien und andere „geringe Leute" einen halben Taler. Eine zeitgemäße Umformung dieser Steuer war die H a a r p u d e r t a x e, die Pitt zur Zeit der französischen Revolution in England«inführte, und die britischen Aristokraten ließen es sich etwas kosten, durch dickgcpudertes Haar ihren Abscheu vor den„Raturköpfcn" der Revolutionäre zu bc- zeugen. Der erfinderische Pitt brachte auch die F e n st e r st e u e r auf, die zur Zumaucrung sehr vieler Fenster führte. Natürlich be» kam auch Deutschland seine Fenstcrsteiier: so wurden z. B. in den Bistümern Köln und Lüttich zwei Groschen von jeder Glasscheibe er- hoben. Es gab auch eine sogen. I u n g f e r n st e u e r, die be- stimmte, daß jedes Mädchen, das mit 20 Jahren noch nicht unter die Haube gekommen sei, bis zum 40. Jahre jährsich einen Taler zahlen müsse. Das sollte zum Heiraten anspornen.(!) Praktischer war die Hage stolzen st euer, die auch in einigen deutschen Kleinstaaten bestanden hat. Die in Preußen und anderwärts ein« Zeitlang üb- liche Prinzessinnen st euer legte freilich den hohen Damen keine Geldbußen auf, aber das Volk mußte die Steuer bei jeder Ver- heiratung einer Prinzessin zahlen. Ein Reichsgraf hat in seinem Lündchen sogar eine Beinbruch st euer erhoben, die der Landes- Herr, der das Bein gebrochen hatte, zur Bestreitung seiner Kurkosten erhob und auch nach glücklicher Herstellung noch welter einzog, und schließlich wird auch eine allgemeine L a r i e r st e u e r erwähnt, die festsetzte, daß jeder Bauer viermal im Jahre zwei Lot Sedlitzer Salz zum Abführen einnehmen und dafür eine bestimmte Summe ente richten mußte! Kleine Zußleiöen. Praktische Winke für Ausflügler von Gustav Bartels. In der Regel sind es nur kleine Fußleiden, die einem auf Aus« flügen den Strich durch die Rechnung machen: zumeist Folgen einer mangelhaften Fußpflege oder auch einer unpassenden Fußbekleidung, Jeder Tourist versteht einen guten Schuh zu schätzen und er hütet sich wohl, einen längeren Marsch in neuen Stiefeln anzutreten. Mag der Schuh noch so gut gearbeitet sein, er muß sich doch zuerst dem Fuß im Gebrauch anpassen: das geschieht am besten auf kurzen Wegen, bei kleineren Ausgängen: allmählich schmiegt sich das Leoer den Fußformen an: sind aber kleine Fehler vorhanden, so werden sie bei dieser Gelegenheit entdeckt und können rechtzeitig beseitiat werden. Erst wenn man die Schuhe„eingegangen", kann man sie für weitere Märsche brauchen. Dagegen wird aber oft gefehlt. Viel« erwerben dann die kleinen Fußleiden, viele aber leiden schon vorher an den Folgen unpassender Fußbekleidung Unter diesen sind am unschuldigsten, aber qualvoll genug, dl« Hühneraugen. Seit alten Zeiten werden zahlreiche Mittel zu ihrer Beseitigung empfohlen. Im besten Rufe steht die Salizylsäure, die eine houterweichende Eigenschaft besitzt. Man wendet sie viel- fach, in Kollodium gelöst, an und bestreicht mit dieser„Tinktur", wie sie genannt wird, das Hühnerauge, die Masse trocknet sogleicb an: mehrere Tage hindurch wiederholt man die Pinselunq, bis sich eine dicke Schicht gebildet hat. Darauf nimmt man ein Fußbad uno kann in diesem das Hühnerauge samt der Kollodiumschicht abziehen. Einfacher ist noch die Anwendung des grünnen Salizylsäurepflaster«, Die Behandlung dauert gleichfalls einige Tage: das erweichte Hühner- auge läßt sich mit einem stumpfen Gegenstand herausheben. Nur zu oft wird aber geklagt, daß diese Mittel nur vorübergehend helfen und das Hühnerauge sogleich sich von neuem bildet. Das hat darin seinen Grund, daß die Haut an jener Stelle gereizt ist und zu stär- kerer Wucherung neigt. Man muß also daraus achten, daß unmittel- bar nach der kleinen Operation neue Reize vermieden werden. Daß ein drückendes Schuhwerk durch passendes ersetzt werden muß, ist selbstverständlich: außerdem aber muß man die zarte Haut mit Lanolin oder Vaseline einfetten und anhaltendes Gehen vermeiden. In den nächsten Tagen erweicht man die sich von neuem bildende Schwiele durch Fußbäder, auch ein Betupfen derselben mit eine» Lösung von doppelkohlensaurem Natron erweist gute Dienste. Bei konsequenter Durchführung dieser Behandlung schwindet das Hühner- auge schließlich vollständig. Ein viel schlimmeres Leiden bilden eingewachsen« Nägel, die namentlich an den großen Zehen vorkommen. Sie ent- stehen dadurch, daß durch. den Druck des Oberleders vom Stiefel die Haut der Zehenspitze über die Nagelecke oder den Nagelrand gepreßt wird. Bei weiterem Wachstum bohrt sich de? Nagel in die Haut ein, erzeugt nicht nur Schmerzen, sondern auch Wunden, die zu bösen Eiterungen führen können. Am Zustandekommen dieses sehr lästigen und bei Vernachlässigung auch gefährlichen Uebels ist nicht allein das Schuhwerk schuld, sondern vor allem ein verkehrtes Be- schneiden der Nägel an den Zehen. Viele Menschen verfahren dabei ebenso wie beim Beschneiden der Fingernägel, sie geben dem Nagel- rande die Form eines nach oben gerundeten Boaens, wobei dl« Ecken in den Hautsalten entfernt werden. Das ist aber oerkehrt. Man darf nur fo weit beschneiden, daß der Nagekrand noch etwas Lber die Zehenspitze hervorragt und auch seine Ecken frei heraus- schauen. Die Fingernägel soll man so: beschneiden, die Nägel an den Zehen aber folgendermaßen:— Beginnt sich ein einge- wachsener Nagel zu bilden, so kan man ihn mit einiger Ausdauer sehr leicht beseitigen. Mit einer Stricknadel schiebt man unter dem Nagel, an der die Haut treffenden Stelle ein kleines Väuschchen Verbandwatte derart, daß es den Nagelrand überragt und eine Schutzdecke zwischen ihm und der Haut bildet. Ist aber der Nagel schon so weit eingewachsen, daß die Haut verwundet wurde und Eiterbildung sich zeigt, so ist sofort ärztliche HUse in Anspruch zu nehmen. Durch den Druck des Schuhzeugs, mangelhafte Pflege, seltene Auswaschungen können die Nägel an den Zehen ost übermäßig d i ck und hart, geradezu klauenartig werden. Sie bereiten dann unerträgliche Schmerzen. Die Behandlung besteht darin, daß man solche Nägel mit einem Messer oder zweckmäßiger noch mit einem Glasscherben allmählich dünner schabt, und wenn sie geschmeidiger geworden sind, sie mit Lanolin einfettet. Die Schmerzen verlieren sich dann bald. Solche Nägel sind aber häufig auch so trocken und spröde, daß sie sich der Länge nach spalten. Die Risse sind fein und erstrecken sich bis gegen das Nagelblatt: auch sie verursachen viel Schmerzen nicht nur beim Gehen, sondern selbst beim Liegen im Bett. Auch in diesem Falle kann man mit kleinen Mitteln leicht Abhilfe schaffen, wenn man nur frühzeitig eingreift. Man nimmt ein Flöckchen Verbandwatte und legt es auf den Riß im Nagel. Darauf bepinselt man ihn mit ein wenig Kollodium. Sobald das- selbe trocken geworden ist, legt man wieder ein Watteflöckchen darauf und pinselt wieder mit Kollodium auf und erhält so einen Kitt, der den Nagel zusammenhält. Sollte er sich lockern, so muß von neuem Kollodium aufgetragen werden. Diesen Verband behält man so lange, bis der Riß über den Nagelrand gewachsen ist, was mitunter einige Wochen lang andauern kann. Lästig sind auch die B l a s e n an den Füßen, die sich bei längerem Marschieren bilden. Sind die Blasen prall mit„Wasier" gefüllt, so wäscht man den Fuß rein, nimmt eine Nadel, die man vorher in einer Flamme ausgeglüht hat, und durchsticht die Blasen an mehreren Stellen; man muß jedoch darauf acht haben, daß man nicht in die unter der Blase liegende Haut einsticht. Die Blasen- flüsflgkeit fließt aus und In kurzer Zeit ist das Leiden behoben. Die dicke Blasenhaut schneidet man aber ja nicht fort, sondern läßt sie da, weil sie das beste Schutzmittel für die unter der Blase liegende zarte Haut abgibt. Oft kommt es nur zu Anfängen der Blasen- bildung, man sieht wohl die weißliche Haut, die sich von den ge- röteten Rändern abhebt, aber unter derselben ist nur wenig Flüssig- keit vorhanden: die Blase ist nicht prall gefüllt, sondern liegt nur flach da. Solche Blasen vergehen von selbst oder werden erst später zum Aufftechen reif. Sehr häufig läuft man sich die Füße wund; die Haut wird durch den Druck des Stiefels oder das Reiben des Strumpfes durch- scheuert. In solchen Fällen ist es am ratsamsten, frühzeitig, noch während des Marsches, einzugreifen. Man sollte auf weiteren Märschen antiseptischcs Heftpflaster oder Zinkmullpflaster bei sich tragen. Merkt man die ersten Anzeichen der Durchscheuerung, so legt man sofort ein Stück Pflaster auf die wund« Stelle, wodurch sie geschützt wird. Im Quartier entfernt man das Pflaster, wäscht den Fuß rein und legt ein Läppchen mit Borlanolin oder Bor- vaseline darauf. Leute mit empfindlicher Haut sollten auch im Sommer auf längeren Touren keine baumwollenen Strümpfe tragen: in diesen bilden sich unter Einfluß von Schweiß und Staub sehr bald harte Stellen, welch« die Haut leicht durchscheuern. Wollene Strümpfe bleiben immer elastisch und weich. Nicht so selten sind unter uns Menschen, denen die Füße bei einigermaß-en längeren Märschen versagen, ohne daß sie mit einem der erwähnten Neinen Leiden behaftet sind. Prüft man den Fuß solcher Personen genauer, so erkennt man bald, daß sie tatsächlich zu schwache Füße haben. Die Bänder, welche die einzelnen Fußknochen zusammenhalten, sind bei ihnen zu schwach und locker: auch den Muskeln fehlt häufig die nötige Spannung. Bei einiger Anstrengung wird bei solchen Personen das Fllßgewölbe nieder- gedrückt und es stellen sich dann Plattfußbeschwerden ein. Diesen Schwochfüßigen kann geholfen werden durch Einlagen, welche das Fußgewölbe stützen. Das Richtige kann dabei nur ein Spezialarzt treffen._ Saperisihe Lanöesvater. Von Kurt Heilbut. „Ich verstand von allem, was vorging, gar nichts/ bekannte der Kurfürst Max Joseph von Bayern nach dem Friedensschluß zu Füssen, In dem er alle Crbschaftsrechte auf Oesterreich aufgab. Das gilt auch für andere Wiltelsbacher, die nicht so ehrlich waren, das zu- zugeben. Aber eines haben die Wittelsbacher, wie die meisten anderen Herrscher immer verstanden: herrlich und In Freuden zu leben. Zwar mußte das Volk diese Freuden in der Regel teuer bezahlen. Aber wen kümmerte das? Der Deutsche, also auch der Bayer, ist in dieser Hinsicht stets ein geduldiges Schaf gewesen, und sein Elend und seine Schmach mußten schon arg zum Himmel schreien, ehe er sich da- gegen empörte. Wenn die Wittelsbacher Geld brauchten— und sie brauchten Ansummen für Ihr» Ausschweisungcy— Hann sand man schon»jn I neues Mittel, um das Volk zu schröpfen. Oder man verkaufte einfach | die„geliebten Untertanen" ins Ausland als Kanonenfutter. Di« „Bayrischen Hofgeschichten" von Karl Köhl wissen eine ganze Reih« solcher Fälle anzuführen. So wurde 1660 ein Regiment bayrischer Landeskinder an den König von Frankreich oerschachert. Von dieser „Ware" war ja genug vorhanden und der Preis sank rasch insolg« des starken Angebots: 1738, im Türkenkrieg, zahlte Oesterreich für jeden Bayern noch 36 Gulden. Acht Lahre später nur noch 24 Gulden. 1750 wurde ein Vertrag mit England abgeschlossen, nach de» im Kriegsfall Bayern 6006 Mann zu stellen hatte, von denen aus- drücklich ausbedungen war, daß sie in Holland bleiben und nicht wieder in ühre Heimat zurückkehren sollten. Dafür erhielt der bayerische Kurfürst jährlich 46 666 Pfund Sterling. Noch im 13. Jahrhundert wanderten bayerische Soldaten unk» Millionen bayerischer Staatsgelder noch Griechenland, entgegen den ausdrücklichen Bestimmungen der Staatsverfassung, die vorschrieben, daß der Bayer nur zum Heeresdienst behufs Verteidigung seine» Vaterlandes verpflichtet ist. Die der Staatskasse„entfremdeten" Gelder mußte König Ludwig nach seiner Abdankung aus seiner Privattasche wieder zurückzahlen. Zur Verherrlichung dieses griechl- schen„Freiheitskampfes" baute Ludwig das schöne Tor auf dem Münchener Königsplatz, die Propyläen. Etwa zu gleicher Zeit, al» dieses Denkmal fertiggestellt wurde, auf dem die Huldigung Griechen» lands vor Ludwigs Sohn Otto dargestellt ist, vertrieben die Griechen den Wittelsbacher, der als Flüchtling in seine Heimat zurückkehrte. „Man lobt den Tag nicht vor dem Abend, Propyläen gebauet habend", schrieb Martin Schleich als Moral zu dem griechischen Abenteuer, zue gleich die partizipienreichen Dichtungen Ludwigs verspottend. Selbst in den Zeiten größter Not dachten die Wittelsbacher»ur an sich. Nach dem Einfall der Franzosen in Bayern zur Zeit der französischen Reoolutionskriege weigerte sich der Kurfürst Karl Theodor, von seinen ungeheuren Barschaften auch nur das geringst« für die Bedürfnisse des Landes zu— leihen, geschweige denn zu geben. Er sparte sein Vermögen für seine— natürlichen Kinder, deren Wohl ihm ausschließlich am Herzen lag. Und dennoch konnten die Bayern noch von Glück sagen, daß der bayerische Thronanwärter Karl August von Zweibrücken rechtzeitig starb und sie wenigstens vor diesem Scheusal in Menschengestau bewahrt blieben, das an Grausamkeit und Wollust kaum je über» troffen wurde. Von ihm erzählte unser Münchner Bruderblatt 1966« Als einer seiner Leibköche einst durch ein Versehen die Laun« des Allerhöchsten gestört hatte, befahl er ihn In sein Privatkabinett Dort mußte sich der arme Teufel bis auf die Haut ausziehen, woraick der Landesvater ihn mit kräftigem Branntwein übergießen lieg und dann höchstselbst das Opfer anzündete. Während dieses Objekt des herzoglichen Privatvergnügens infolae der Brandwunden und der hofarztlichen Nachbehandlung verrückt wurde, ging es einem Leidensgenosien von ihm etwas besser. Ein Sekretär, der auch«ll«»- höchst angebrannt worden war, konnte dem Unhold noch so rasch aus den Händen gerisien werden, daß ein Kammerdiener Ihn mit feuchtem Dünger abzulöschen vermochte. Aber»erstümmelt bveb auch dieses Opfer für seine Lebenszeit." Einen„harmloseren" Scherz leistete sich der Herzog einer ge« wisien Dame gegenüber, die er an seinem Hof nicht leiden kon«t»t Er nahm ihre Hand, als ob er sie küssen wollte, und biß ihr mit den Zähnen den Zeiqefinger entzwei. In einem Punkt allerdings haben die Wittelsbacher hervor« ragendes geleistet: in ihren Ausschweifungen.„Batert sichs bei ihnen, so werden sie den Grisetten brav nachlausen," schrieb di« Herzogin von Orleans 1718 über Ihre bayerischen Vettern. Und das gilt bis zu Ludwig I.. dessen Verhältnis mit der Tänzerin Lola Montez dem teuffchen König bekanntlich den Thron kostete. Da« Treiben Ludwigs war so arg, daß Friedrich Wilhelm IV. von Preußen sich in einem Schreiben an ihn wandt« mit der Bitte,„im Interesse der Monarchie" mit der Tänzerin zu brechen. Das ver- anlaßte Heinrich Heine zu einem Spottgedicht, in dem er sich sowohl über die„Dichtkunst" Ludwigs wie über die Kinderlosigkeit de» Preußenkönigs lustig macht: Stammverwandter Hohenzoller, Sei dem Wittelsbach kein Groller, Grolle nicht um Lola Montez, Selber habend nie gekonnt es. „Pfui Teufel, ich möchte nicht mehr König sein!" rief Ludwig- nachdem er die Abdankungsurkunde unterzeichnet hatte. Man denkt dabei unwillkürlich an einen anderen„königlichen" Abschiedsspruch aus neuester Zeit:„Macht euren Dreck alleenei" Die Männer, die heute auf Bayerns Thron spekulieren, scheinen allerdings über das Königsgeschäft anders zu denken. Erstaunlich ober ist es, daß es noch außerhalb des Adels und gewissen Schieberschich« ten Menschen gibt, die eine Rückkehr dieser Sippschaft ersehnen. Man sollte meinen, wir könnten heillos froh sein, daß wir diese Volks- plage„von Gottes Gnaden" endlich los sind. Schamlose Heuchelei aber ist es, wenn diejenigen, die sich für ganz besonders deutsch und national gesinnt halten, für die Wittels» bacher»intteten, die von jeher mit den Franzosen geliebäugelt habe« und auch heute noch hoffen, mit Hilfe des Auslands, der Franzose» und Ungarn, wieder auf den bayerischen Thron zu gelangen, ohn« Rücksicht darauf, ob die Einheit des Deutschen Reiches dabei zum Teufel geht oder nicht. Wijstn unö Schauen Wenn ma»„aus dem Häuschen" ist. Eine deutsche Redensart, Hrspriwa bisher nicht aufgeklärt war, ist das Wort„aus dem Häuschen fem. Jetzt weist Prof. Rieger in Würzburg darauf hin, daß man in der erwähnten Redensart eine Entlehnung aus dem Französischen zu erblicken habe. Die französischen Wörterbücher er- weisen nämlich, daß„Petites-Maisons"(Kleine Häuser) ursprünglicher V!«ne eines Irrenhauses in Paris, in die allgemeine Bedeu- das„Irr««- oder Tsllhaus" übergegangen ist. Loger oder taettre bux Pctitee-Meiaom: jemanden für verrückt halten oder ausgeben und UN eobappe de« Petites-Maisons: ein aus dem Tollhaus Ent- iprunaener sind w der Umgangssprache beliebt und waren es schon u« 18. Jahrhundert. Erst aus dieser Zeit aber scheint auch unsere Wantumg„au, dem Häuschen sein zu stammen. Wenigstens bringt da» Deutsch« Wörterbuch kein Beispiel aus früherer Zeit. Bedenkt «a« nun, wie sehr gerade damals die Gebildeten unseres Lölkes d« Banne der französischen Sprache und Anschauung standen— ein frwyiisisch« Sriaf de» Alten Fritz enthalt die Redensart„wettre aux Pelites-Maiso««—, f, hat Riegers Vermutung einen hohen Grad pw Wahrscheinlichkeit für sich. Die Seschichte de» Ei des Kolumbus, ist zwar zu einer allgemein «bcmichten Reheusart geworden, aber die Wissenschaft muß doch M aller Verehrung für den Entdecker Amerikas großen und berech- tiechea Zweifel darein fetzen, daß er wirklich der erste gewesen ist, der die Preisfrage, ein N auf einer glatten Fläche auf die Spitz« zu p«»«i, in der bekannten Weise gelöst hat. Die Quell«, der wir die Geschichte»»« vi de» Kolumbus verdanken, ist die 1565 erschienene „Geschichte der neue« Well" von Venzoni. In einem Werk ober, da» schon 10 Jahre früher erschien, in den berühmten Künstler- Bdagraphlen des Gtorgi» Vasarl, Ist dieselbe Erzählung mit einer «mderen Persönlichkeit verknüpft. Nach Vasaris Bericht im Leben da» Filipp» Brunelleschi bcroarb sich dieser geniale Baumeister 1421 M»«nderea»rchitekten darum, die Kuppel auf dem Florentiner Dom aufzusetzm. Die anderen aber behaupteten, sein Plan wäre un- a«»fiihrb«r, und forderten ihn auf, erst sein Modell vorzuzeigen, bevor ihm der Auftrag gsgeben werden könne. Da fragt« Bru- nellesckst die anderen, ob sie eifi Ei mit der Spitz« aus einen glatten Usch stele« könnten, und als sie dies vergebens versuchten, knickte er«» an und stellte es so hin. Als sie dann sagten, s o hätten sie es a«ch gekonnt, meinte er, s o würden sie auch die Kuppel bauen kön- yen, wenn sie sein Modell gesehen Hütten. Da diese Geschichte von Brünneileschi sprichwörtlich wurde und auch in Spanien als Redens- Ml«blich mmc, ist st« nur auf Kolumbus übertragen worden. volkerklmüe WBäpäWW llrzsiRch« Völkerwanderung. In dem Flusse Trent wurde bei Ha�kld in llmglanb im Jahre 1916 ein Schädel gefunden, der sich M» den modernen and mittelallerlichen Typen stark unterschied. In der Kriegszeit»urde der Fund nicht sehr beachtet, und erst jetzt «rfährt man Genaueres über diesen Urzeitmenschen, denn als solcher wird er««gesehen. Der Schädel ist ein besonders hübsches Exemplar der Art,«ie mau sie bisher mit den Ausgrabungen der Bronzezeit znsammen vorfand. Professor L. Gladstone nimmt an, daß etwa m« das Jahr 260» oor Ehristo ein« neue Rasse in England einwan- derte, die großen Köpfe, aber von kurzköpfigcm(brachykephalem) Bau, befaß. Sie dllrfle verwandt gewesen sein mit der mitteleuropäischen oder alpinen Basse, von der sich auch im südwestlichen Norwegen Ableger erhalte« haben. Diese Menschen brachten die Kunst der Bronzebearbeitung mit, die also in England von außen eingeführt worden wäre. Borher saß dort eine Bevölkerung mit kleinen und fchmolen KSpfe«,«elch« noch der Steinzeit angehörte. Alle Fund« in den Gräber« aus der neolithischen Zeit weisen solche Köpse auf. Di« Einwandern«! der Bronzemenschen, die vielleicht aus den Alpen- Lindern�kames, ist wohl nicht ohne Kampf abgegangen, und die »««en Siedler dürsten die Urbewohner zum größten Teile abge- schlachtet»nd aufgefressen haben. Mit den Resten trat denn eine Bermischuug etn, vielleicht kamen noch weitere Einwanderungen, von denen wir«ichts wissen, dazu, um die alte britannisch« Rasse zu btlden. In historischer Zeit wurde das Volk bekanntlich noch durch Zuwanderung»en Dänen, Jüten, Angeln, Sachsen, Normannen weiter vermischt, s« daß der heutige Engländer in sich Blut von den»erschiedensten Ursprüngen vereinigt. Naturwissenschast WlUt�iliilsW� Geächtete Tic». Der Mensch hat gewisse Tiere in Acht und Lm« getan, und es gibt nichts Scheußlicheres für ihn als eine Kröte oder eine Eidechse. Fragt man aber nach den Gründen, aus denen diese Geächteten der allgemeinen Abscheu und Verfolgung unterliegen, fo ft«det man, daß hier in vielen Fällen ein großes Unrecht begangen ist Wie viele Käfer, Raupen, Wärmer, von denen man sich mit Ekel abwendet, sind harmlose und sogar sehr nützliche Tiere. Beson- Hers das Schlangengefchlecht scheint noch immer dem alten Fluch zu Unterliegen, der von den Zelten der llrmutter Eva auf ihm lastet. Warum wllrden sonst so viele Blindschleichen alljährlich ermordet werden? Barum würde man sonst der reizenden Eidechse, der an- mntigen Ringelnatter so grausam den Krieg erklären? Die Blind- schleiche ist etn sehr nützliches Mitglied der Natur, denn sie nährt sich ausschließlich»an Insekten und ähnlichen kleinen Tieren. Hie sehr schädlich sind. Auch die Ringelnatter ist von den wirklich giftigen und gefährlichen Bipern in ihrer Kopfform und ihrer Zeichnung durchaus verschieden Ein anderes Geschöpf, das ganz grundlos dem Fluch der Verachtung anheimfällt, ist die Kröte. Die Dichter nennen sie ssnit Vorliebe„scheußlich und gistig", aber die Gärtner erkennen mehr und mehr, von wie großem Wert die Kröte als Vernichter schädlicher Insekten ist, und sie bauen den Kröten sogar Heine Häuschen, um sie an ihre Beete zu fesseln. Unter den Säugetieren ist das Wiesel ein solcher Ausgestoßener, der unter einem Vorurteil viel zu leiden hat. Das Wiesel richtet vielleicht hie und da kleine Schädigungen an, aber diese sind gar nicht der Rede wert gegenüber dem großen Nutzen, den dieser schnelle und geschickte Nager durch die Vertilgung von Feldmäusen und Ratten verursacht. himmelskunbe st� MD Die Atmosphäre des Mondes. Unser nächster Himmelskörper, der Mond, beschäftigt die Astronomen immer noch mehr, ols der Laie denken sollte. Wir sind offenbar mit ihm noch lange nicht fertig. Reuerding» ist die Ansicht aufgetaucht, daß der Mond durchaus nicht, wie man früher vermutete, ein Kind der Erde sei, sondern vielmehr «in ursprünglich selstständiger Planet, der von der Erde eingesungen worden wäre. Nach dieser Borstellung ist er auf seiner Bahn um die Sonne einmal der Erde zu nah« gekommen und von dieser ge- zwungen worden, sich fortan um die Erde zu drehen. Die so» genannten Krater des Mondes hält man auch nicht mehr für vul- konisch« Bildungen, sondern für Einsturztrichter, entstanden daraus, daß andere Weltkärper, kleine Planeten oder Meteoriten, in die noch weiße Masse des Mondes hineinstürzten und so den Mond allmählich vergrößerten. Man hat ähnliche Kraterformen kürzlich erzeugt, indem man Steine in einen Gips- oder Zementbrei fallen ließ.' Ferner hat man neuerdings in diesen Kratern, z. B. im Eratosthenes und im Plata Erscheinungen gesehen, die man nicht al» einfache Schatten von den Rändern her deuten kann. Einmol sind es helle strahlenförmig« Streifen, ein andermal Berdunkelungen, die sich bei steigender Sonne dem menschlichen Auge anders dar- bieten müssen als sie es wirklich tun. Professor Pickering kämpft schon lange für da» Vorhandensein einer Mondatmosphäre, er hat jetzt in dem Italiener Maggini einen Verbündeten gefunden. Er hält es für wahrscheinlich, daß der Mond in der Tal eine allerdings sehr dünne Atmosphäre besitzt Die Dichtigkeit würde vielleicht nur den hundertfünfzigsten Teil der Erdatmosphäre bettagen, aber vor- ausgesetzt, daß sie etwas Wasscrdampf und Kohlensäure enthielte, wäre es möglich, daß dadurch für eine niedere Vegetation doch eine Existenzmöglichkeit bestände. So wäre also der Mond nicht ein s» ganz toter Körper. Hejunöheitspflege Umgangsformen und Hygiene. Die Formen, in denen Menschen miteinander verkehren, haben, von remen Aeußerlichkeiten abgesehen, mannigfachen Urspprung. In der Hauptsache finden sie ihren Grund in dem einfachen Gebote der Rücksichtnahme auf den Nächsten. Man nimmt Rücksicht auf sittliche Gefühle, wenn man es vermeidet, in Gesellschaft anderer bestimmte Körperteile zu entblößen. Man nimmt Rücksicht auf das Schönheitsempfindcn, wenn man gewisse Gebräuche beim Essen und Trinken, in der Art sich zu kleiden usw., beachtet. In der Beachtung der Umgangsformen kann man zu viel und rein Aeußerliches tun: das kennzeichnet den Fatzke. Man kann auch zu wenig tun: das kennzeichnet den Flegel. Das richtige, wohl begründete Mittelmaß innezuhalten, ist dagegen eine Pflicht im sozialen Zusammenleben. Wöhrend man im allgemeinen fest- stellen kann, daß sich gute Umgangsformen mehr und mehr durch- setze«, ist es eigenartig, daß diejenigen Formen, welche durch die Hygiene geboten sind, nur schwer Eingang finden. Und gerade diese sind die wichtigsten. Es müßte z. B. felbstoerständlich sein, daß ein leicht Fiebernder nickst in Gesellschaft geht, kann er doch nicht wissen� ob die Erhöhung der Blutwärme nicht ihren Ursprung in einer ansteckenden, auf ander« übertragbaren Krankheit hat. Sehr viel schlimmer aber ist es, wenn ein mit Husten behafteter Mensch ohne jede Vorsicht mit offenem Munde loshustet. Es gibt eine An- >ahl Krankheiten, die dadurch übertragen werden, daß feine, beim Husten in die Luft gespritzte Tröpfchen zur Einatmung seitens eines Gesundung gelangen. Dahin gehören z. B. die Masern, die Grippe, der Keuchhusten, Scharlach, Diphlerie, Gelenkrheumatismus. Die mit den Tröpfchen ausgehusteten Bakterien werden durch Rase oder Mund«ingeainUt, siedeln sich auf dem neuen Nistboden(Mandeln, Rachen, Hals und Lunge) an und führen zu einer Neuerkrankung. So können ganze Epidemien entstehen. Bei der Tuberkulose ist die Sogen. Tröpfcheninfektion die häufigste und gefährlichste Art der lebertragung der Krankheit. Wenn man bedenkt, daß es ein leichtes ist, Kindern im Elternhause und in der Schule beizubringen, daß sie bei jedem Hustcnanfalle den Handrücken vor den Mund halten, den Kopf wegdrehen und zurücktreten, so nimmt es wunder, daß diese einfache Umgangsform, die hygienisch fest begründet und deren Beachtung so wenig schwierig ist, noch recht wenig Eingang ge- funde« hat. So mancher Krankheitsfall würde nicht zur Entstehung kommen, wenn die Umgangeformen sich auch auf das Gebiet der Hygiene ausdehnten. Der ist kein Bürger, der nicht die eigen« Sorge vergißt in der Nvt des«llgemeinen. Srtllperzer.