Nummer 27 20. Juli m% Q�-.--— Anterhaltungsbeilatze öes Vorwärts <« Theaterserien. Von Peter Michel. Der Sommer brütet auf der Stadt. Die Lüste giühn und kochen, und wer das nöt'�e Kleingeld hat verreist auf ein'g« Wochen. Den einen zieht e, nach der Schweiz Und ihren ew'gen Gletschern. Dem andern scheint's ein größerer Refz, Im Meer herumzuplatfchern. Das Bein stolziert— hollodriol— Im grünen Wadenstrumpfe, Der Bademantel, das Trikot Erringen jetzt Triumphe. Im Schranke hängt der Frack verwaist Samt all dem andern Krempel. In diesen Tagen schließt zumeist Thalia ihr« Tempel. Und aus der Welt des schönen Schein» Des Schwindels, nennt's die Prof�-- Zieht aus die Elsa, der Karl Heinz, Die Wolsin und der Posa, Man küßt die Hand, man lüpft den Hut. Sagt:„Servus, Gott befohlen!" Und denkt dabei: Verdammte BrutI Der Deibel soll euch holen! Wie bin ich ftoh. daß ich euch mal Für ein'ge Zeit entwisch«!— Und schon beim nächsten Morgenstrahl Geht's in dl» Sommerfrstche.--- E» steht ein Hau» aus hoher Alm Im prallen Schein der Sonne. Fern von der Städte Staub und Qualm Haust dort die Primadonne. Im Dirndlkleid bis an die Knie Und den Isoldehaaren Hopst munter auf der Wiese sie Trotz ihren hmzig Iahren. Sie schlingt geschickt um ihren Kropf Ein Tüchlein buntgetüpfelt, Sie flicht sich Kränze für den Koos, Juhut und schnadahüpselt, Und rupft der Ochs vom Schädel ihr Den Blumenschmuck, den welken, So streichelt sie das„süße" Tier Und will es durchaus melken.--- Indessen füllt ihr Partner grab', Tristan der Bielgetreue, Am Brunnen im Marienbad Sein Kurqlas stets aufs neue. C, schmückt ihn, wo er geht und steht, Ein dicker P-elz von Biber; Denn:„Auf den Höhn der Menschheit weht Ein scharfer Wind, mein Lieber!" Wen er beglückt mit seiner Gunst, Kann stündlich von ihm hören, Wie leid's ihm ist, mit seiner Kunst Die Weiber zu betören. E» ging um ihn von Kind und Mann Die schöne Gräfin Friesen, Und manche tat sich schon was an, Weil er stc abgewiesen. Selbst bis an einen Königsthron Spült eines seiner Dramen. Jedoch er hält auf Diskretion, Drum nennt er keinen Namen.--- Der erste Held ging in die Schweiz � Das heißt, in die in Sachsen!— Sechs Wochen vorher ließ bereits Er stch den Schurbart wachsen. Am Eibestrande wandelt er, Hofsährtig wie ein Gockel, Und äugt dabei von oben her Aus Pöbel durchs Monokel. Er hält von unfrer Politik Die Deutsche Tageszeitung, Drum schimpft er auf die Republik Und ihre„janze Leitung", Auf seine Reden lausche» brav Drei biedre Ehemänner. Die Kellner nennen ihn:„izerr Graf", Denn sie sind Menschenkenner.——— Auf völlig cknderen Bahnen fährt Der würd'ge Heldenvater. Er haßt, obschon es ihn ernährt, Inbrünstig das Theater. Sein Sinn steht nach Familienglück, Die laute Welt beirrt ihn, Drum zog er sich aufs Land zurück, Und zwar mit seiner Wirtin. Man munkelte schon lange Zeit, Daß beide etwas haben, Jetzt sieht man ständig sie zu zweit Mit einem muntern Knaben. Sie achten sorgsam auf ihr Kind. O wie den Eltern grauste, Als einst ein Auto pfeilgeschwind Des Wegs vorübersauste. Mit einemmal gab'» einen Krach, Am Wogen sprang die Kette,. Und plötzlich rief der Mime:„Ach, Da stht ja die Soubrettel"--- Sie war's! Vom Kopf bis zu den Zeh« In Lederdreß gekleidet, Und neben ihr faß der Mäcen, Den ihr so manche neidet. Er hat viel Geld, das in der Hut Der Amsterdamer Bank ist. Er hat ein großes Rittergut Und eine Frau, die krank ist. Er macht? Schmolz in schwerer Zeit— Woraus, ist unbeschreiblich— Nun ist sein Herz der Kunst geweiht, Sofern sie jung und weiblich.--- Der ganze Thespiskarren reist. Nur eine blieb zu Hause: Das ist der alte Kastengeist, Di« gute Mutter Krause. Im Rampenlicht stand einst auch sie, Der hohen Kunst beflissen, Bis ihr, da sie zu heftig schrie. Im Lzalse was gerissen. Seit dem— bei der Erzählung tropft Es heißt von ihren Nüstern— Seit dem ist ihr Organ verstopft, Jetzt kann sie nur noch flüstern. Des Busens Schmerz, der streng und scharf, Kann nur das eine lindern, Wenn sie mal rezitieren darf Vor ihren Enkelkindern. Als 5)irtenstab den Besen, steht Sie da und schwenkt die Glieder Und krächzt dabei:.Lohanna geht, Und niemals kehrt sie wieder."——<— Wenn dann des Herbstes Nebelflor Erstickt des Sommers Flammen, Dann findet auch Thaliens Chor Sich wisder facht zusammen. Da werden Küsse ausgetauscht, Und Freudeutränen rinnen. Die Glocke schrillt, der Vorhang rauscht— Das Spiel kann neu beginnen! FnöMe Hitze. Im Pandschab-Expresz.— Die Dürre.— Die Stimmung Indiens und der Prinz vsn EJcirs.— Kochendes Bad>.'n-aster.— Das Perke und das zart« Geschlecht bei»1 Grad.— Der anklagende yund. Daß ein« Reise durch Indien in der heißesten Vahreszeit nicht gerade zu den Annehmlichkeiten des Leben» gerechnet wrsben Ion«, yat der Korrespondent eines ttaiienischeu Blattcs am«igen«» Leib« erfahren, keine Dekannten in Bombay hatten ihm dringend ge- raten, die Reis« bis zum kurz bevorstehenden Eintritt der Rsgenzsit, die dem verdursteten Lande die ersehnte Abkühlung bringt, aufzu- schieben. Der Italiener bestand ober aus seinem Plan und rnr- traute sich, in der Annahme, daß die Schild erunge« seiner ssreuudr iibcrtriebe!, seien, dem sogenannten Daichschab-Expreß an. der mit einer Stundeirgelchwindigkeit von 80 Kilometern die gemaltige Ebene durchfährt, die Bombay vvn Delhi trennt, und die Winter- und Kommerresidenz de» Indischen Reiche» miteinander verbindet. „Der Zug bietet alle denkbaren Bequemlichkeiten/ berichtet der Reisend«,„selbst das Badezimmer fehlt nicht. Den geräumigen Abteilen wird beständig durch mächtige Bentllatcren Luft z'jgeführt. Schwierigkeiten kann der Bau der Eisenbahn nicht qenmcht haben, denn, abgesehen von einigen kleinen Hügeln, führt die Strecke durch «in« baumlose Ebene, die so flach wie eine Tischplatte ist. Hie lind da wird ein wasserarmes Flühchen von einer eisernen Brücke überspannt. Das Land ist stark bevölkert und der Boden gut debaut, oder richtiger gesagt, er wird es fein, wenn erst die Rcgenfälle ein- setzen. Heut« zeigt er sich so rissig und sandtrocken, daß man nickst vegreift, wie Menschen hier leben können. Da» ganze Land schreit förmlich nach Woffer. Wenn der Abend hereinbricht, ist die Tempe- ratur noch leidlich zu ertragen, was mich in dem Gedmcken bestärkte, daß die Freunde in Bombay stark übertxiebe» hätten. Ich sollte bald eine» anderen belehrt werden." In Nasik, dem ersten Aufenthalt, erlebte der Erzähler eine Kundgebung der Inder für Afghanistan. Alle Stationen, auch die kleinen, durch die«r kam, waren voll von Menschen, die nicht müde wurden, das Loblied der kriezstüchtigen Bergbewohner zu fingen, die es verstanden haben, England in Schach zu halten. Jede Gruppe dieser indischen Englandfeinde zeigt die Stimmung de» gärend« Indiens, dos gleich einer gefesselten Lawine durch die Waflenlosigkeit iirck» durch gelegentlich« Konzessionen seiner Beherrscher daran ge- hindert wird, vernichtend loszubrechen.„Ich habe das Land bis zum Halse satt," soll der Prinz van Wale- beim Verlasse« Indi«,,» gesagt haben. Wenn man sich den maralischen Mißerfolg seiner Reise vor Aitgsn hält, wenn man sieht, wie jetzt die Rschmingen über sein« Ausgaben kommentiert werden, und er sich den Vorwurf machen laflen muß, sich als Müßiggänger im Land umhergetrieben und das dem Balte erpreßte Geld vergeudet zu haben, wird man seinen Ausspruch verstehen. „Es ist Nacht," so erzählt der Italiener weiter.„Wir sitzen im Speisewagen vor einem Menu, das sich mehr an die Rase als an den Gaumen wendet. Man ißt sozusagen lauter Wahlgerüche, denn die Speisen bestehen so gut wie ganz aus Obst. Inzwischen venvan- dein unsere Boys da» Abteil durch Herausnehmen der Betten au» den Sitzen und Aufspannen der Moskitonetze in ein behagliche» Schlafzimmer-. Orr mir zugewiesene Boy heißt Sadadschi und ist «in Muster seiner Art. Die erste Nacht dieser indischen Reise ver- bringe ich leidlich. Aber am Morgen, als ich in Jtarsi, im Herzen Indiens erwache, bekomme ich ein Lorgefühl davon, welch Herr- tlchem Tage wir entgegengehen. Die Landschaft hat sich nicht ge- ändert. Stach wie vor zeigt der Böden das Aussehen verbramüen Lehms, und die Luft ist so trocken, daß man Feuer zu armen meint. Dabei ist es erst K Uhr morgens. In unbegrenzter Ausdehnung breitet sich die unendliche Ebene mit ihren zwischen verkümmerte Bäume gebetteten, elenden Dörfern au?. Gegen kl Uhr verstärkt sich das Gefühl, daß man eine Atmosphäre von Flammen durcheile. Wenn man den nackten Arm gegen den Wind zum Wagenfenster hinausstreckt, so hat man die Empfindung eine» scharfen Bisses. Mit dem Fortschreiten der Zeit steigert sich die Temperatur noch weiter. Bor einer Stunde noch zeigte die Ouecksilbersöul« 42 Grad. Die Ventilatoren bringen bei jeder Umdrehung einen Strom glühen- der Luft in da» Abteil, so daß wir oenötigt sind, sie abzustellen, was leider zu spät geschieht. ,In der Badeivanne," ruft ein junger Missionar, der in das Abteil hereinstürzt,„focht da» Wasser". Jetzt tritt�abadschi in Tätigkeit. Ruhig und gelassen, als handle es sich um das selbstverständlichste Ding von der Welt, geht er in den Baderaum und wirft einen Eisblock in da» dampfende Wasser und legt dann weiter Eisstücke unter die Waaensitz«, um uns die schlimmsten Stunden des Nachmittags Halbweg» erträglich zu machen. Wir liegen apathisch, horizontal hingestreckt in den her- metisch geschlossenen Abteilen. Wie un» mitgeteilt wird, findsn sich die im gesonderten Abteil fahrenden Damen der Mission uatzleich besser mit der Hitze ab ol» wir Männer, ein Beweis, daß das zart« Geschlecht warme Temperaturen besser erträgt ol» da, starU. Am meisten leidet aber»in mit uns reisender Hirnd, dem die Zunge«eit aus dem Halse hängt, und in dessen Augen sich bitte»«» Borwurf malt, als wenn er glaubt, wir, die Herren der Schöpfung, tzätNn ihm diese Höllenguol absichtlich bereitet. Auch er erhält»ist«» Eis- beutel auf den Köpf. Beim Eintressen in D»chhansi um di« sechste NachmiUo.gsstunde erwachen wir zum Leben, oder haben«»nigsten» da» Gefühl, daß da» Daseln iviebcr zu ertragen ist. Späte»»«fuhr ick,, daß um 3 Uhr nachmittag» dos Thermometer aus vl E»ad gestiegen war, eine Mitteilung, dl« mir den Schwur«iitUiftc. Indien niemals wieder vor der N-genzeit zu bereifen." Neues über öle Krebskrankhelt. Von Adolf Gerfon. Lord Atholsten, Zeitlingsverleger in Montreal, hat«inen Preis »on 100000 Dollar ausgesetzt für denjenigen, der in den nächsten fünf Iah,«n«in Heilmittel gegen die Kr«b»krankh«it erfindet, und Sir William Veno in Manchester hat, durch dessen Beispiet angeretzt, 10 000 Pfund Sterling für den g!»ich«n Zweck bestimmt. Aber nicht lies« lockmden Millionen, sondern«ine wissenschaftlich« Arbeit, die vor«iniger Zeit in der Zeitschrift für Krebs- forsch ung"*) erschienen ist, veranlaht mich, hier die Frag« der Heilbarkeit des Krebses kurz zu erörtern. Wenn man»ine Krankheit bekämpfen und heilen will, so ist«» dringendes Erfordernis, daß man reiß, wie sie entsteht und welch« Mittel der Or.zaniimus selbst zu ihrer Heilung«ufneenden kann. Der Verfasser jener Arbeit, Primarius Dr. H. Statte r in Buda. pest, hat als Kriegsgefangener in Kasan in Rußland dort die Eni- stehuitg der Krebsgeschwulst erforscht Und konnte zunächst da« de- stätigen, was zahlreich« Forscher vor ihm festgestellt hatten, nämlich, dag di« Krebsgeschwulst nicht durch Ansteckung von außen her, etwa durch Bakterien oder Parasiten, erzeugt wird, sodann aber nachweisen«in überraschend Neue», da» nicht nur der Kreb»- ferfchung neue Bahnen brechen, sondern auch unser« Anschauungen über Leben und Tod, Aitern und Fortpfianzung und andere phisis- logisch» Prabelme umgestalten kann. R o t t« r zeigt, daß die Zellen, aus denen die Lrrbsgeichwulst emporwuchert, ihrer ganzen veschaffenheit und Funktion nach über. «instimman mit den Geschlechtszellen»der Keimzellen (Si und Samentierchen), aus denen der Organiemus durch Zell. teilung hervorgeht, daß di« Urzell« der Krebsgeschwulst t a t s ä ch- lich eine außerhalb des Geschlechtsorgans zur T-eilung gekommene Geschlechtszelle ist, daß also der Kreb- ein Gewächs ist, wie der Mensch und wie d«r Baum Gewächs« find. Man könnte danach da» Paradoxon bilden, daß der Mensch selbst eigentlich nichts weiter ist als eine besonder» organi- sierte und mit besonderen Fähigkeiten begabte Krebsgeschwulst. Ich will versuchen, das mit«in paar Worten glaubhaft zu machen. Wenn bei einem Geschlechlsakt die männlich« und die weibliche Keimzelle sich zu einer Zygote vereinigt haben und diese Zygote dann die erste zum Aufbau de» neuen Wesens führende Zellteilung vollzieht, so wachsen di« dabei entstehenden beiden Tochterzellen in zwei einigermaßen getrennten Strängen weiter. Der ein» Strang, der durch sehr stark» Zsäteihoeg zu einem gong ungeheuren Z'llenkomplex auswSchst, wirb de«»on»en Physisiogon al»„Soma" bezeichnete Leibeohülle. Der«nbere Strang, der da- gegen im Wachstum zurückbleibt, wird nicht zu Muskeln, Knochen, Nerven, Drüsen u. a. zusammenhängenden Geweben, sondern er bildet lauter einzeln lebende, frei bewegliche Zellen, di« durch die Gewebe hindurch nach den Gefchiechtsorganen wandern, dort bis zur Geschlechtsreife des neuen Organismus aufbewahrt bleiben und bei dessen Paarung mit einem geschlechtlichen Partner zu Ursprungszellen feiner Nachkommenschaft w«rt«n. Nun kann es vorkommen, daß in den Zellen des letztgenannten Stranges, die wir Keimzellen nennen, der Trieb zur Zell» teilung und zur Wucherung schon vorher Poarung erwacht, daß er schon erwacht auf ihrer Wanderung durch die Gewebe und daß dann plötzlich eine in der Darmwand»der in der Oberhaut oder in der Brustdrüse befindlich« Keimzell« so zu wachsen und zu wuchern beginnt, wie sie normal nur nach erfolgter Befruchtung und z. B. in der weiblichen Gebärmutter wächst und wuchert. Seit. dem der amerikanische Gelehrte Jacques Loeb gezeigt hat, daß man die Keimzellen auf künstlich« Weise zur Teilung anregen kann, wissen wir, daß sich die KeimzÄlen auch vor der Befruchtung zu teilen vermögen: und von den Keimzellen vieler Tier« wissen wir seit langem, daß sie der Befruchtung überhaupt nicht bedürfen und parthenogenefisch, d. h. unbefruchtet, zu einem neuen Organismus ouswachfett. Die Tatsache, daß die menschlichen Keimzellen schon in den Geweben de» Menschen, in seinen Drüsen, Muskeln, Knochen usw. jene» Zeugungsgeschäft beginnen können, da» si« eigentlich erst in der Gebärmutter des Weibe» beginnen sollen, ist daher nicht zu bezweifsln. Fängt aber«ine Keimzelle an, im Gewebe sich zu teilen und zu wuchern und kann das Gewebe dieser Wucherung k«in»n Widerstand entgegensetzen, wird es vielmehr von den wuchernden Zellen nach und nach aufgesogen, so ist di« Krebsgeschwulst«den fertig: und keine Kunst de« Arztes hat bisher vermocht, den wuchernden Kein»- zellen Einhalt zu gebieten." Di« Krebsgefchulft stirbt keineswess sofort ab, wenn das S». webe, auf dem sie wächst, durch om« Operation entfernt wird odor wenn der vom Kreb» Befallene stirbt. Dt« Leimzellen leben weit»«, solang« sie aus dem normalen Gewebe noch Nährstoff« herausziehen können. Di« Keimzellen in der Kr«, sgstchwutst»tu«» am Rrods Gestorbenen K; nen in der Keebsgeschveulft der Theorie nach mit derselben Akkuratesse weiterleben, wie die«us den Geschlechts« arganen««»getretenen Keimzellen in seinen Kindern weiterleben. Di« au» dem Körper eines Menschen herausgeschoitten« Krebsge» schwulst kann, auf passenden Röhrboden gebracht, s» weiter wachsen, wie der Ableger einer Pflanze, wenn ,r lns Erdreich gebracht wird oder wie der Arm eines Seestern» oder ein Glied ein»» der niederen Wassertier« mit vegetativer Vermehrung Der um di« *) Retter, Histogenes« d. malignen Geschwülste. �rforschvnq fcir Krebskraiikhtlt verd!e):ts Dr. B l a s h f o r d hc>t n IMS kün. Wrch»nschr." Nr. 37) daraus hmgewiescn, % man sehr jji«t von»in«m Menschen oder von«incin Säugetier - �ger juchten kann; man brauche nur von einem mit Krebs de- �Mnen Körperteil Krebszellen auf ander« Körperteil» impfen und /'■i entstandenen K rebs«esch«ülste dann herausschneiden. Alsda» i'na* man dann auf ZieLern lebend vorweisen: Hier Magen und cherz des vor Z Lallen v«rftvrb«nen Herrn T.: hter Schilddrüse und Jinke Brust der vor 5 Sohren verstorbenen Frau D. usw. usw. Die Sache ist nur nicht zu Scherzen angetan, solange Hundert- tausend, von Mensche» rettungslos am Krebs dahinsiechen. Will INLN oder ein wirksam»« Heilmittel im Sinne der odenganannten Vreisausgab» gewinnen, so kommt es noch meinem Dafürhalten darauf an, daß zunächst erforscht wird, wadurch die Keimzellen bei ihrer Wanderung durch>i« Gewebe von ihrer Bahn nach den Ee- schkechtsorganen hin«dselenkt worden, wodurch da» normale Ge. web» die Wucherung der Keimzellen selbsttätig hindern kann, wo. «urch die Zentren, und zwar»iuerfeit« da; Somazentrum, d. i..das "chirn, und andererseits da» Keimbahnzentrum, d. i. da» Ge- ichlechtsoegan, auf den Kamps zwischen dem normalen Kcwebe und den in ihm wuchernden Keimzellen einzuwirken vermögen, und end- lich, inwiefern die Schädigungen, die wir Kulturmenschen törichter- tc-is« jenen beiden Zentren, Gehirn und Geschlechtsorgan, zufügen, mit der zunehmende« Verbreitung der Krebskrankheit zusammen- hängen. Das Devisenseschäft an öer öörfe. Bon Georg Neumann. Dor längerer Zeit erschien in einer Abendausgabe des.Bor- wärts" ein« kurz» Notiz, wonach der Dollar an der Berliner- Börse soundsoviel notiert«, kin« solche kurze Mitteilung über den Dollar- stand, also darüber, ob die deutsch« Mark besser oder schlechter bs- wertet wurde als am Vortage, erschien dann in der Folgezeit stet», und heute gilt wohl der erst? Blick beim krscheineu der Abend- ausgade dieser kleinen indaltssrhweren Börsennotiz. Zum näheren Verständnis für dies« Börsennotizen sei nachfolgend etwa» über das „Deoisengeschäst* an der Börse erzählt. Die Preisfestsetzung, der.Kur»" für ausländisch« Geldsortcn sBoegeldl und für Devisen lSBechsel und Schecks), die im Auslande in der Währung de, betreffenben Lande» zahlbar sind, unterliegt verschiedenen Sinstüssen politischer, wirtschaftlicher und leider auch zum Teil Ip»kul«ti»«r sttetur. Zahlungen«n de» Xusltnb tonnen aus dreisache Weise getätigt werden. Einmel durch Worenlieferungen, dann durch Bargeld und schllo�lich durch Devisen. 5)at also»in Kaui- mann oder Industrieller aus dem Ausland« Waren oder Nohstosse bezogen, so konnte er sein« Schuld tilgen, indem er seinem au»- ländischen Gläubiger«bensolls»jeder Waren im gleichen Werte zur Verfügung stellt oder indem er sich die entsprechend« Menge Geld in der Währung de» betreffenden Landes verschafft und sie seinem Gläubiger übersendet. Weit einfacher, bequemer, billiger und gefahrloser ist der dritte Weg: Zahlung durch Devisen. Der Kauf- mann kauft durch Vermittlung seiner Bank an der Börse einen Wechsel oder Scheck, zahlbar an dem Wohnsitz seines Gläubigers, und übersendet ihm diese Anweisung. Während im Frieden nur geringe Kursschwankungen am „Devisenmarkt" vorkamen, die fast ausschließlich durch Angebot oder Nachfrage hervorgerufen wurden, ist das Vild heut» leider ein anderes. Wir haben ja gerade in letztere Zeit Schwankungen von nie geahntem Umfange gehabt. Gerade diese großen Schwankungen aber beweisen uns, daß nicht ausschließlich politische und Wirtschaft- liche Zustände oder Ereignisse für die Bewertung der Mark maß- gebend sind. Hat sich doch in letzter Zeit an verschiedenen Tagen YkZeigt, daß das Ausland keineswegs die Mark so schlecht bewertet hatte wie die hiesige Börse. Ecbuld daran war einesteils das .Hamstern" der Devisen über den täglichen Bedarf hinaus und andererseits die„Spekulation". Denn auch an der Börse gist der Grundsatz, billig einkaufen und teuer verkaufen, wenngleich es neben einer �Haussespekulation(Spekulation aus ein Steigen der Kurse) auch«in«„Baisse'-Epetulation(Spekulation aus ein Fallen der Kurs«) gibt. Las Ziel aber ist immer:„Gewinnen". Und um dieses Ziel zu erreich««, lassen viele Spekulanten jede Rück- sscht auf das Vaterland vermissen, und wenn es an alarmierenden politischen oder wirischastlichen Nochrichten sehlt, so scheut man auch häufig vor der Erfindung und Verbreitung von Lügennach- richten nicht zurück. HiensnjchWärmx» Bon Paul Wagner. Sm Mai— Juni schwärmen die Bienen und verirrt sich ein Schwärm w die Steinwüst« der Großstadt, so hört man sagen:„Da stno irgendwem die Bienon weggeflogen." Dem ist aber nicht so. Sin Schwärm ist ein Teil eines Dienen- •*8«, der auszog, um ein noues, zweit»» Volk zu bilden. Ein Bienenvolk besteht«us der Königin oder Weisel, den Arbeitsbienen und den Drohnen. Die Königin ist das einzige vollkommen au». S«d>Idete weibiich» Tier im Bolk, sie legt die«ker. aus denen der Nachwuchs hervorgeht, sie ist also die Mutter des Volke». Die «»deit«»dienen sind«iah weiblich, aber ihr« Geschlechtsorgane |nb vor kümmert. Eier legen sie nicht, aber Nektar und Pollen �Stüten» staub)«ragen sie ein. Die Brut wird von ihnen gepflegt, die Königin kümmert sich nicht um ihr» Nechkommenschast. In ihrem Körper fabrizieren ß« dss Wachs und fertigen daraus den Wabrnbau an. Di« Ärdeiterdieneu sorgen sür Ordnung. Neinlichkeit und Durchlüftung der Wohnung, und sie haben auch das Volk zu verteidigen, sie sind es, die manchmal recht unangenehme Stiche austeilen. Tie Drohnen find«icht, wie fälschlich angenommen wird, unnütze Fresser, es sind !-ie männlich«! Tier« im Stock,»utzer der Geschlechtsfiinktion Hab« sie noch ander« wichtig« Funktionen zu erfüllen. Ohne Droh»«» würde das Tierleben Im L»lk stecken. Königin und Arbeiter sitzen im Winter dicht zusammengedeangt auf ihren Vorräten, sobald»der do» Schneeglöckchen läutet, löst sich die Kugel und die Königin beginnt mit der Eiablage. Zu»rst legt sie nur wenig« Eier, zur Z«it der Stachelbeerblüte vielleicht 100 pro Tag. Sowie die Natur In der Snimicklieng fortschreitet, vergrößert sich die Zahl d«r Eier, zur Zeil der Vc kitrocht legt die Königin bis zu 2000 Sirr täglich. Es tritt nun eine Ucbervölkerung»in. Di« Arbeiter können ihre natürlichen Aufgaben nicht mehr er- füllen. Die Entwicklung stockt,«uz unbefruchteten Eiern werden Drohnen gezogen und für neu« Königinnen werden besonder« Zellen, die Weistlwiezen, gebaut. Das gesamte Bolk, aus vielen tausend Einzelwesen bestehend, muß man als einen Organismus ansehen. Dieser Organismus wird jetzt geschiechtsreif. Einige Tag«, bevor die erst« neu» Kvniain schlüpft, und sobald es das Wetter zuläßt, schwärmen nun die Bienen, vor Beginn des Schwannaktes eilen sie aufgeregt im Stock umher und saugen sich voll Honig, für 3 bis 4 Tage nehmen sie Zehrung mit. Plötzlich stürzen sie heraus,«i» Strom von Bienen stießt aus dem Flugloch, die Königin wird mit- gerissen. Im lebhasten Fl�ze kreisen sie in der Nähe de» Stand« umher, lautes Kummen erfüllt die Luft. Bald aber sammelt sich der Schwärm an einem Zweige oder dergleichen. Biene hängt sich an Biene, die Königin ln ihrer Mitte. Setzt kommt der Imker und „schlägt den Schwärm ein", das heigt, er bringt ihn in einen leeren Stock. Hier beginnen die Bienen emsig zu arbeiten, sie führen«in neue» Wabenzeböud« auf. und im Herbst ist das neue Boll sertig, mit Lorräten für den Winter versehen. Wird der Schwärm»ichl eingeschlagen, so erhebt er sich nach einiger Zeit wieder in die Lust und sucht sich selbst ein« neue Wohnung. Solche Schwärme find»», die sich zuweilen in die Großstadt verirren und mitunter zum Bor- kehrshind«rnis werden. Im vertasienen Muttervolt verläßt nun die erste junne Königin die Zelle,«eichzdtig find aber auch in anderen Zellen Königinnen ausgebildet, sie werden von den Bienen, die nickt mit dem Schwann ausgezogen find, am Verlassen der Zelle gehindert, aber' durch»in« Oeffnung gefüttert. Die geschlüpfte Königin läuft im Bolk umher und tütet dabei, die Königinnen tn den ZeLen geben quäkend« Laute von fich. Für Naturfreunde«in« reizvolle Mufik, wenn am stikl« Abend das Tüt. Tut und Quäk, Luök der Königinnen aus dem Stock heraus tönt. Jede Königin zieht nun wieder mit einem Teil d»e Volke» als Schwärm ab, um ein neues Bolk zu bilden, und so können ß bis 7 Völker entstehen. Der Imker läßt es aber meist nicht dazu kommen. Die übor- zähl igen Welfelzellen werden ausgebrochen und nur die erst« ge- schlüpft« Königin im Volk gewssen. Diese fliegt zum Hochzeitsflieg aus, auf welchem si- von einer Drohne begattet wird. Dies« ein- malig« Begattung reicht für das ganze Leben der Königin au». Der männliche Eam.« wird im Körper der Königin In einer sogenannten Samentafche ausbewahrt und die Königin kann während ihrer ganzen Lebenszeit befruchtete Eier legen. Der große Käfig. Bon Max Barths l. Mein Druder Löwe, was host du verbrochen, Und du, o Puma, und du, zartes Nehl 0 Kronenkranich mit gestutzten Flügeln, O Adlerherz in der zerzausten Brust! Wikdesel schreit. Die Papageien lärmen. Gelassen schreitet seinen Käsig ab der Tiger. Hyänen rennen rastlos ihre Runde, Der braune Bär erbettelt sick)«in Brot. Der Pfau stolziert und schlägt sein himmlisch Rad. Der heilige Ibis ist voll Trauer. Das Urwildpferd ist alt und blind. Die Affen rütteln wütend an dem Gitter. So ist die Welt«tn großer dummer Käfig. Di» Bettler suchen Abfall au» der Straße. Der Blinde bläst verwundert seine Flöte. Di« jungen Mädchen werden früh verdorben. Wir sterben früh im Kamps« und verderben. Atz stehen»uf und«erden hingeschlagen. Doch jede neu« Morgenröte V«flammt un» festlich,» geliebte Brüder! Um Kinder zu erziehen, muß man sie ernähren und»on der Erwerbsarbelt befreien. Di« Ernährung und Erziehung»er vex. wahrtosten Kinder, d. h. die Ernährung und Erziehung de» ganzen aufwachfenden Protetarwt»«väre die Vernichtung des Proletariat« und des Pauperismus.»art«»»». wissen unö Schauen Das Ttaturvolt als Ideal. Das Interesse, da, man heute der Kunst und Dichtung der Naturvölker entgegenbringt, hat auch zu einer gerechten Wertung der primitiven Menschen geführt: ia, man ist heute wohl schon geneigt, die Begabung und Denkfähigkeit der Naturmenschen zu überschätzen. Es hat bereits einmal ein« Zeit gegeben, in der es Mode war, das Leben der„Wilden" als Ideal zu betrachten und in der auch ihre Kunst und Dichtung Einfluß auf den Kunststil gewannen. Das war in den Tagen, da Rousseau die „Rückkehr zur Natur" predigte. Recht aktuell anmutende Aeuße- rungen aus jener Epoche führt Hans Plischke In einem Aufsatz über die Beurteilung der Naturvölker im Wandel der Zeiten an, den er in der Zeitschrift„Deutscher Pfeiler" veröffentlicht.„Solange der Mensch noch in wilder Hütte lebte und sich damit begnügte, sich in Tierfelle zu kleiden, sich Bogen und Pfeile oder ein einfaches Boot zu schaffen, kurz, solange er nur Arbeiten kannte, die ein jeder kür sich allein oerrichtete, war der Mensch frei, gesund und glücklich," sagte Rousseau. Seine Hochachtung vor dem Urzustand der Mensch- beit ging sogar so weit, daß er nur den oiersüßigen Gang des Menschen als naturgemäß anerkennen wollte. Die Auffassung Rousseaus schlug dann auch die Forschungsreisenden in ihren Bann, und während man vorher nicht genug Scheußlichkeiten von den Wil- den berichten konnte, wurden sie nun in einem verklärten Lichte dar- Sestellt. So berichtet z. B. der Franzose Vougainoill« von den iatagoniern:„Sie sind stark, wohll»«leibt, haben festes Fleisch und gut« Nerven. Man sieht, daß es Menschen sind, die noch der ein- fachen Natur leben und dadurch den höchsten Grad des Wachstums und der Stärke, deren der menschliche Körper fähig ist, erreicht haben." Die Zustände, die man auf den Südseeinseln fand, galten für besonders paradiesisch. So sagt Bougainville:„Es muß eine allgemein« Ehrlichkeit und gar kein Mißtrauen unter ihnen statt- finden, denn ihre Wohnungen stehen Tag und Nacht offen, sie mögen zu Hanse sein oder nicht. Ein jeder pflückt die Frücht« von dem ersten Baum, den er antrifft." Als ein überschwänglicher Verehrer der Naturvölker zeigt sich auch Le Vaillant, der zwei längere Reisen in das Innere Südafrikas unternahm. Selbst die Frauen der Hotten- tottsn, die gewiß nicht auf Schönheit Anspruch macheiMönnen, begeistern ihn.„Die hottentottischen Weiber, die weder Ambra noch Bisam noch Benzoe kennen." schreibt er,„wissen auch nichts von europäischen Bapeurs, Krämpfen und Migränen." Als er einem Hottentotten Branntwein gegeben hatte und dieser dann o»s einem Mund in den anderen wanderte, ruft er voll Entzücken aus:„Welch ein widernatürliches Herz hätte beim Anblick dieses rührenden Auf- tritts gefühlvolle Tränen unterdrücken können? Voll Bewunderung und Ehrfurcht, bis ins Innerste gerührt, warf ich mich dem Anführer in die Arme. Schöne Schwätzer, zierliche, von Ambra und Moschus hustende Kokotten mögen hierüber Ekel schreien und Grimassen «yachen. Aber in ihrer so zärtlichen, so brüderlichen Mitteilung lag Nichts Widriges! Glückliche Sterbliche, behaltet lange dies« köstliche Unschuld." Der letzte.Vertreter dieser Verherrlichung der Natur- Völker ist wohl der Dichter Chamisso gewesen: damals hatte aber infolge der Anschauungen Herders, Forsters und anderer bereits «lne geschichtlichere Auffassung der Dinge Platz gegriffen. küchenrezeple in der englischen Marine. Die englische Marine- oenvaltung hat für die Küche ihrer Kriegsschiffe ein besonderes Koch- huch herausgegeben, dessen neueste Ausgabe mancherlei Winke ent- fiält, die man in den Kochbüchern unserer Hausfrauen vergeblich uchen dürfte. So z. B.: Ehe man frisches Brot anschneidet, tut man 'out, das Messer in einen Topf mit kochendem Wasser zu tauchen. Durch dieses Verfahren können mübelos die dünnsten Scheiben ab- geschnitten werden.— Will man Speck in Scheiben schneiden, erwärme man zuvor das Messer: es schneidet dann leichter und genauer. Mit Zitronensaft kann man leicht Fettflecke von Holz beseitigen. Zitrone» Seben reichlicher Saft und lassen sich besser ausquetschen, wenn man e, ehe man sie benutzt, S Minuten in einen recht heißen Ofen legt. Technik IlHt��liilW�eiis! Sonnenmotoren. Eine unverbürgte Erzählung benchtet, daß der berühmte Physiker Archimedcs im 3. Jahrhundert v. Chr. die Sonnenstrahlen mit Hilfe von Brennspiegeln gesammelt und so die feindlichen Schiffe in Brand gesteckt habe, die Syrakus belagerten. Diese Ausnützung der Sonnenenergie ist neuerdings in den Vorder- arund des Interesses gerückt. Sammelt man die Sonnenstrahlen aus Kessel, die mit Wasser gefüllt sind, so läßt sich hier Dampf erzeugen: er kann in Dampfmaschinen ausgenützt werden, sobald es gelingt, regelmäßig genügende Wassermengen zu verdampfen. Dos Problem des Sennenmotors wurde zuerst von dem Amerikaner Shuman ge- löst. Seine Sonncnmotoren, von denen bereits verschiedene ausge- stellt sind, besteben aus Reihen von Parabolspiegeln, in deren Brenn- punkten Dampfkessel eingebaut sind. Die Außenseite der Kessel ist yeschwürzt, weil schwarze Körper die Wörme ja besonders gut auf- nehn'.en. Der erzeugte Dampf dient zum Antrieb von Pumpen, durch deren Arbeit Felder und Pflanzungen bewässert werden. Vci einer dieser Anlagen genügt der Dampf, um in der Stunde 12lX) Liter Wasser 11 Meter hoch zu pumpen. Nun stehen diese Sonnen- motoren allerdings in trovischen und fubtrooischen Gegenden, z. B. in Kalifornien und av- Nil, aber derartige Motoren in den Tropen 'örmten schon viel Kvd-e sparen. Natursissensthaft vom Wandern der Vögel. Wir hatten bisher immer geglaubt, daß die jungen Vögel das Wandern von den Eltern lernten. Nichts lag ja näher, wenn man beobachtete, wie die Störche, die Wild- enten, die Schwalben usw. sich in großen Trupps vereinigten, che sie im Herbst die Reise nach dem Süden antraten. Nun gibt's aber doch Fälle, in denen eine solche Belehrung oder Anleitung ganz ausgeschlossen ist. Die alten Kuckucke beispielsweise, die sich bekanntlich mit Familiensorgen nicht abgeben, treten ihre Reise nach Süden vielfach schon an, wenn ihre Jungen noch nicht ausgebrütet sind. Von ihren Pflegeeltern können die jungen Kuckucke die Tour nicht gelernt haben, denn das sind oftmals Vögel, die den Winter in Deutschland zubringen. Aehnliches findet bei den Zugvögeln statt, nur in umgekehrter Reihenfolge. Die jungen Stare beginnen den Flug nach dem Süden oft schon, wenn sie erst wenige Wochen alt sind. Die alten aber können noch nicht mit, sie müssen erst ihre Herbstmauser beendigt haben. An eine Verständigung untereinander Ist in solchem Falle nicht zu denken. Wenn die Störche sich zur Ab- reise rüsten, kommt es vor, daß sie schwächliche Genossen von der Reife ausschließen. Sie trauen ihnen nicht zu, daß sie den Stta- pazen gewachsen sind, und suchen sie durch Schnabelhiebe zu töten. Gelingt e» nun so einem armen Teufel zu flüchten und etwa in menschlicher Pflege wieder zu Kräften zu kommen, so kann man be- obachten, daß er nachher ganz allein die Reise antritt, und zwar in derselben Südrichtung, die seine Peiniger eingeschlagen haben. Das deutet doch alles darauf hin, daß hier ein ererbter Instinkt, etwas Unbewußtes und Unwiderstehliches maßgebend ist. Die Reiselust tritt ein, ohne daß eine besondere äußere Ursache, etwa Nahrungs» mangel, Eintreten kalter Witterung oder dergleichen, nachzuweisen wäre: man sucht vergebens nach einem Reiz oder Einfluß, der die Vögel bestimmen könnte. Schließlich kommt man auf die Erklä- rung, daß angeborene, geerbte Triebe vorliegen müssen— freilich ohne damit viel zu erklären. (ll!D>�a|Ei1 völkerkunöe Die faulen Eier der Chinesen. Dos Märchen von den faulen Eiern, welche die chinesischen Feinschmecker mit VorUebe verzehren, ist so verbreitet, daß es wohl lohnt, einmal der Sachs näherzutreten. In Wirklichkeit sind diese Eier ebensowenig verfault, wie etwa bei uns der Käse als ein verfaultes Milchprodutt anzusehen wäre. Ein japanischer Bakteriologe namens Hanazowa hat sich mit den faulen Eiern der Chinesen eingehend beschäftigt. In China ist die Ge- flügelzucht so ausgedcbnt und die Erzeugung von Eiern deshalb so reich, daß man auf die Konservierung angewiesen ist. Man behält dadurch Eier für die Zeit nach der sogenannten Eierschwemme übrig und außerdem wird durch die verschiedene Art der Aufbewahrung auch Abwechslung im Geschmack erzeugt. Es gibt nun verschiedene Arten konservierte Eier in China, die man Pidan, Hueidan und Dsaudan nennt. Pidan entsteht, wenn man die Eier, frisch wie sie sind, mit einer roten Erde, Kalt, Kochialz und Wass-r bedeckt, dabei aber durch Zusatz von Reiskleie das Ersticken vermeidet, und die so eingehüllten Eier fünf oder sechs Monate in einen Topf legt. Ein ähnliches Verfahren ergibt das Hueidan, nur daß die Eier dann schon nach 20 Tagen herausgenommen werden: vielleicht ist das Ttischungsverhältnis der Erde und des Kalkes usw. auch ein anderes. Packt man die Eier fünf bis sechs Monate mit Preßkuchen in einen Topf, so entsteht Dsaudan. Das verareitetste dieser Produkte ist das Pidan: das Eiweiß in diesen Eiern sieht ganz braun und lcimartig aus, das Eigelb dagegen fchwarz-grün und breiartig. Die Chinesen essen die so veränderten Eier mit großem Genuß, manche mit Zucker- zusatz, manche mit Sojosauce usw. Der Japaner, der die Sache wissenschaftlich festlegen wollte, ging dem Pidan mit dem Mikrchkop zu Leibe und fand darin verschiedene Bakterienarten, die sich nach den üblichen Verfahren kultivieren ließen: zwei Mikrokokken(das sind Batterien in Kugclform), zwei Sarcinaarten(das sind Formen, bei denen meist vier Einzelwesen zusammenbängen, so daß das Ganze wie ein über Kreuz eingeschnürter kleiner Warenballen aussieht), und schließlich noch ein Geißeibakterinm. Diese Kleinlebewesen werden jedenfalls aus der Erde durch die Poren der Eierschale in das Ei hinein.gelangen. Es ist nun leicht, durch einen Stich in die Eischale das Innere mit etwas Saft von Pidan zu impfen. Geschah das und legte man solche Eier dann einfach in Watte, nachdem man sie vielleicht gar noch mit Wasserglas bestrichen hatte, so waren weitere fremde Einflüsse so gut wie ausgeschlossen. Auch die rote Erde, der Kalk, das Salz usw. blieb weg. Und siehe da— nach einigen Monaten war das Innere des Eies geronnen und gefärbt wie beim echten Pidan, das Weiße war braun geworden, das Gelbe schworz-grün. Geruch und Geschmack waren die des richtigen Pidan. Andere Eier aber, die man nicht behandelt, sondern so. wie die Henne sie gelegt hatte, daneben aukbemahrte, faulten, und zwar zweifellos: der Geruch eines faulen Eies ist bekanntlich kaum zu ver- kenneu. Man wird also annehmen dürfen, daß die Pidanbildung eine käseartige Umwandlung des Eiweißstosfcs ist, unter Mitwirkung von Bakterien, daß diese Bakterien aber mit den bekannten Fäulnis- bakterien nichts gemein haben. Wir sind in Todesangst, daß die Nächstenlieb« sich zu weit aus- breiten könnte und richten Schranken gegen sie auf— die Nationalitäten. Marie». Sbner-afchintach.