A* 4�. 4. Januar? 925 „ HeWwett Anterhaltungsbeilatze öes vorwärts Gericht. Twe Studie von P. Haupt. Wo lag hier Schuld? War's Vergehen? Verbrechen? W«r war Landfriedenbrecher? Der Agitator sah hinaus zum Zellcnfenster, vor dem sich ge- schwind« Wolken frisch und munter herschoben, durch dessen Fugen herb-kühler Hauch wohl srösteln machte, aber Frische, Ahnen vom freien Leben da draußen mit sich brachte. Er mußte lachen, spöttisch und siegesbewußt. „Landfriedensbruchl" Wie entsetzt der Untersuchungsrichter es ausgesprochen. Und wie gehässig, verärgert er hinzugefügt:„Bei den heutigen Zuständen ist ja so was an der Tagesordnung." Jawohl— der Gefangene legte sich sein« Gedanken zurecht wie Waffen, die er gebrauchen würde, da seit mehr als fünf Jahren eine schlecht ernährte, gegen die immer schlimmer werdenden Lebensver- hälmisse nur schlecht gewappnete Masie in Deutschland lebte neben einer Schicht schlemmender und bornierter, grenzenlos verdienender und machtgieriger„Volksgenossen". Jawohl, in einem solchen Lande war„sowas" möglich. War es möglich, daß eine durch wachen- langen Streit um Ausgleichung der Löhne an gestiegene Teuerung erhitzte Menge, als sie erfuhr, daß der Gutsbesitzer alle Kartoffeln hatte einmieten lassen, mit den hämischen Worten:„Die Streiker sollen krepieren,«he sie was kriegen," diesem in den Hof einfiel und ihn zwang, ihr Kartoffeln abzugeben.„Wir waren kein« Diebe," würde er sagen,„nur Hungernde, die die bitter nötigen Kartoffeln bezahlten mit dem amtlichen Marktpreis." Gewiß, das wußte er auch, die Gesellschaft durste solche Explosionen nicht dulden. Aber war sie nicht selbst mitschuldig, da sie zuließ, daß frevelhaft Zünd- stoff gehäuft wurde? Das Leben draußen war anders als es sich vom Richterstuhl aus ansah. Vom Richterstuhl aus. Da war es wieder das beklemmende Gefühl, gegen das er bei den Vernehmungen angekämpft, das zu nisten schien im ganzen Gefängnis und Gericht. Ein Gefühl wie dumpfe Erstarrung, langsames Töten des Herzens, Trüben der Augen, gewaltsame» Zwängen der Gedanken In bestimmt« Kanäle. Ein Druck, brutal rote«ine Vergewaltigung des warmen Lebens. Wie dicke Gefängnismauern, gepolstert« Sitzungssaaltüren, die jeden Aufschrei hochmutsvoll überhörend verschluckten. „Zur Verhandlung." Die Tür wurde geöffnet, der Beamte wartete. Da war es wieder im Verhandlungssaal: jenes ekelnde Er- starren. Einfrieren alles dessen, was draußen Gefühl und Trieb, heiße Not und Bedrängnis gewesen. Gleich einem Messer, das In ge- tötetem Körper wühlt und schneidet, um die Erscheinungen des Lebens zu finden und doch nur zerfetzt, In blutige häßliche Klumpen zerlegt, was atmet«, was Willen, Tat gewesen, waren die Fragen des in totschwarze Talare gekleideten Gerichts. Advokaten, Staats- anwalt und Richter fochten mit Paragraphen, suchten einander zu übertrumpfen in Gesetzkenntnis und Auslegung. Sie glichen zwei Kartenspielern, die einander zu beweisen suchten, daß Pik, nein Herz 'hätte„stechen" müssen. Der HauptangeNagte schauerte. Ihm schien, als würde ein fremdes Ding, nicht das, was ihn damals an Herz und Seele er- griffen, verhandelt. Di« anderen Angeklagten, simple Arbeiter, suchten seinen Blick, hilfeheifchend, als müsie er ihnen verständlich machen, was der Ankläger dort aneinanderreihte an Begriffen, die ihnen fern, unfaßbar. Cr aber sah die dicken Bände auf dem Richtertisch, die von Hand zu Hand gierig gegriffen wurden, in denen geblättert wurde, gesucht, gelesen. Er hätte aufschreien mögen: „Geht hinaus ins Leben und suchtl" Und er sah das protzig« Fürstenbildnis hinter dem Richterstuhl, Krone und Zepter am Kopfe des häßlichen Goldrahmens, er sah die narbenzerhackten Gesichter, die Barette, und wußte: hier sollten frühere Zeiten, frühere Mittel über eine neue Welt richten. „Hat der Angeklagte noch etwas zu bemerken?" Unwillig, nachlässig die Frage, als wollte sie sich selbst beant- warten:„Ihr könnt reden, aber da ihr nicht juristisch gebildet seid, laßt es lieber. Wieder die Blicke zu ihm. Er mußte reden. Mit den Worten schwand die Lähmung, und wie er die Ereignisse jenes Tages auf- rollte, fühlte er die Starre sich verkriechen. Tückisch, riesengroß, be- herrschend drohte ihm gegenüber Zepter und Krone, als müsse er mit ihnen ringen, sie niederringen. Da fiel sein Blick auf den Richterstuhl. Eelangweilt blätterte der Vorsitzend« in einem Gesetzbuch, der Staatsanwalt lächelte spöttisch, der Protokollführer hatte aufgehört zu schreiben, er wußte: was er dort sagte, sei juristisch belanglos. Einen Augenblick zitterte seine Stimme. Aufhören? Aber da waren Blicke, die ihn verstanden, die Mitangeklagten, da waren Ohren, die ihm lauschten, und er fuhr fort, lebendiger, siegesbewußter als vorher. Was kam es auf Ihn an, auf seine Strafe? Sein Wort würde wirken, würde oerstanden, würde hinausgetragen in das Leben, in die Welt, dort mithelfen am Auf- bau und Werden der neuen Well. Feuer und Herzschlag, Kampfruf und Sieg seine Verteidigung, Ankläger aus ihm, dem Hauptangeklagten, Ankläger gegen die Para« graphen, die im Leben wühlten, wie zerreißende Mesierl Er wußte, als er geendet, er wurde bestraft, ober die neue Welt, die sich ankündigte, die neue Welt, die täppisch wie«in Kind noch nicht immer geraden Kurs hielt: sie würde, sie mußte kommen! Januar. Eine Umschau in der Natur. Von Hedwig Stange. Kälte herrscht und scharfer Wind.— lieber Berg und Tal, über Wald und Feld streicht das Noubgeschlecht der Lüfte, Falke und Habicht, Bussard und Ar, scharfäugig suchend spähen sie hinab. Jetzt stirbt das Reh im feuchten Schnee an Hunger und Lungenseuche, das Wildschwein wird matt vor Winterclend und der Hase kränkelt am gefrorenen Futterkohl. Wenn der Fuchs nicht schnell abräumt, ist da die Tafel gut gedeckt und Raben und Krähen, die sich deutsches Land zum Sommeraufenthalt für diese Zeit gewählt haben, können getrost mitludern. Rur ihr Aristokrat, der prächtige Kolkrabe, dem die Abstammung von Odin noch immer im Blute liegt, begehrt hie und da das Mahl für sich allein und treibt selbst den stärksten Mitbe- werber, den Steinadler,„krak-krak" mit körftigen Hieben fort, wenn dieser Kühne sich überhaupt noch bei uns sehen läßt.— Die Krähen halten es sonst auch mit den Kulturstätten, am Rande der Städte liegt noch immer genug, und wenn auch unsere graue Nebelkrähe zur Brutzeit sibirische Steppeneinsamkeit gewöhnt ist, macht es ihr hier nichts aus, den Schulhof nach zerbröckeltem Kinderfrühstück ab- zulefen. In den Straßen übernimmt der Spatz die Führung. Jetzt wird sein« Frechheit endlich gewertet. Das Ziel— der dampfend« Pferdeapfel, und die Gefolgschaft—?— Goldammer und Haubenlerche, die Kohlmeise mit dem schwarzen Samtkäppchen und die Blaumeise mit der gelben.Weste, das scheue Rebhuhn, das es draußen nicht mehr.ertrug und«in zurückgebliebener, ermatteter Star, dessen zitterndes Körperchen wir ohne Widerstand in die Hand nehmen können. Mitunter ist gar in diesem Monat schon eine vorzeitig von Donau oder Rhein heimgekehrte Feldlerche dabei. Sie mag aber später von dieser degradierenden Gemeinschaft nichts mehr wissen und geht lieber noch mal weg in etwas geschütztere Gegend. Wenn nur der unerbittliche Lerchenfalk nicht immer hinter ihr her wäre. Im Walde hat Wintersnot eine andere Künftlergesellschaft vereint. Hier führt der Buntspecht mit hellermunterndem Rufe an. Er geht um den Baum, die Splitter fliegen nur so hin und her, nun steht man es erst, wieviel Jnsektenzeug da unter der Rinde als Ei oder Larve in den Frühling hineinwollte. Der Specht holt sie mit seiner langen Klebezunge vor und läßt für Baumläufer und Meisenvolk noch genug. Da huscht auch das Eichhörnchen herum, es hat seine Vorratskammer vergessen— die merken wir erst int Sommer am kurzen Eichen- und Buchengestrüpp—, mit wenigem muß es vorlieb nun nehmen, wenn es nicht in Scharen sterben will. Denn mit dem bequemen Winterschlaf hapert es etwas bei ihm: das Schlafen geht nur zeitweilig, anders als etwa bei Igel oder Fleder- maus, wo der ganze Magen und dazu die Lunge so zusammengefallen Sind, daß Futter ganz überflüssig und sogar lebensgefährlich wäre. luch ist der Erzfeind, der Marder, unheimlich findig und nirgends Ruhe vor ihm. Wie aber jeder Mächtige noch einen Mächtigeren findet, das zeigt sich dann beim Menschen. Frischer Schnee ist dicht gefallen und keine Spur mehr von einem Fallensteller, und ein guter Braten lockt. So erlebt der Pelzjäger feine Freuden mit Marder und Wiesel, und weißem Hermelin und Nörz und rotem Fuchs. Der Schlauste selbst ist auf die Ente herein- gefallen.— Noch ein eigener Pelz ist jetzt zu finden.— Dort an der Ostsee, wo man Sommers vor lauter Menschheit bald nichts mehr spürt, sind seltsame Gäste aus hohem Norden gekommen, mit rauschendem Flügelschlag und langem vorgestreckten Halse. Es sind Wildgänse von den Tundren— Biljefors Wildgänse. Schnatternd fallen sie in den Winterroggen des pommerfchen Landwirts, der blutig Rache nimmt. Und dazu noch näher vom Pol die Märchen- haften Singschwäne, Weibchen und Kinder wollen Sommer halsen an unserer verfrorenen Ostsee, Kur halten, und die Männchen sind auch hier daheim geblieben. Die Gesellschaft trifft mit unserem Höckerschwan zusammen, wenn der nicht wieder ans Mittelmeer gezogen ist. Einige aber sind immer noch da, wohl wieder Mann- chen: wenn es schlimm wird, ziehen sie sich auf das Haff zurück und ducken schließlich ganz verhungert unter brennschwarzen Schilf- strünken, hoffnungslos, bis die Fisdier sie mit Keulen schlagen und aus Fell und Daunen den Pel? für das pommersch« Schulmädel machen. Ein stahlharter Monat, der Januar. Aber für alle, die sich noch dem Sommer sehnen, sei es gesagt: es rührt sich doch schon hier und da. Nicht nur, daß der Fuchs an den Abenden mit heilcrem Gebell hinter der Fähe her ist und schon ans Freien denkt, nicht nur daß am Tage wunderbare Flugspiel., in den Lüften zu sehen sind, nein, die Kätzchen der Hasel strecken sich schon und werden bald gelben Gold- staub herabrieseln lassen, vielleicht noch auf den Schnee— verschwenderisch, wenn nicht die Samenanlage auch noch genug einfing. Und auch in den anderen Bäumen geistert es schon, man merkt es an den schwellenden Winterknospen. Es sind die ersten Anzeichen, daß ein gewaltiges„Es werde" wieder erbrausen wird und daß der Winter kein Tod war._ Oer Lebenslauf öes Cisens. Bon Josef Stabe f. Stein, Bronze und Eisen bezeichnen in ihren ver- schiedencn Anwendungsformen für den menschlichen Gebrauch die drei großen, Jahrtausende umspannenden Borstufen der europäischen Zivilisation. In diesen drei vorgeschichtlichen Epochen sind die Keime aller überlieferten Entwicklung enthalten. Unermüdlicher Forscherfleiß hat bewiesen, daß das Eisen wenig mehr als dreitausend Jahre im Gebrauch Ist. Der Prühistoriker Montelius hat untersucht, wann das Elsen die Grundlage für die Kultur zu werden begann und ist zu folgenden Ergebnissen gekommen: Inschriften, die man im alten Aegypten ge- funden, und ebenso Wandgemälde sprechen dafür, daß die Eisenzeit für Aegypten nicht früher begann als im 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. In den Ruinenhllgeln der uralten asiatischen Städte Chaldäas, Assyriens und Syriens ist Eisen erst in den Schichten aus der Zeit um 1000 vor Christi Geburt gefunden. Im 11. Jahr- hundert erst begann die Verwendung des Eisens in den Kaukasus- ländern. Die Runinenhüqel von Troja lehren, daß auch dort die Eisenzeit vor- 1100 vor Christi Geburt nicht begonnen haben kann. In Griechenland wurde das Eisen erst während des 12. Jahr» Hunderts allgemein verwendet. Allem Anfchem nach ist Kreta, wie schon die aus dem 3. Jahrhundert vor Christi Geburt gefundene Arelmundfche Marmortafel andeutet, die das Eisen 1432 Jahre vor Christi Geburt auf dem Berge Ida entdeckt sein läßt, der griechische Landcsteil gewesen, zu dem die Kenntnis des neuen Metalls zuerst kam. Im südlichen und mitlleren Italien wie in Sizilien tritt es. fast zur gleichen Zeit auf wie in Griechenland. In Mittel» e u r o p a zeigt«s sich nach dem Anfange des letzten vorchristlichen Jahrtausends, während des 10. und dem Anfange des 0. Jahr» Hunderts allgemein im Gebrauch. Anfangs wurde das Eisen, da «s selten und natürlich kostbar war, nur zu Schmucksachen ver- wendet. In Frankreich begann die Eisenzeit etwa um 800 v. Chr., in Norddeutschand und Skandinavien im 7. Jahrhundert. Den Ort sicher angeben zu können, an d>'m die epochemachende Entdeckung des Eisens zuerst stattfand, erklärt Montelius außerstande zu sein. Uralte Traditionen verlegen den Ursprungsort des Eisens nach dem eisenerzreichen Assyrien. Die heiligen Schriften der Juden berichten, daß Thubalkain, der in der Bibel ll. Moses 4, 22) er- wähnte Sohn Lamechs, das Eisen aufgefunden habe. Man hat das Thubalvolk, das er repräsentiert, mit dem identifiziert, das die Südwestküste des Schwarzen Meeres bewohnt. Griechische Autoren dagegen berichten, wie das Eisen von den Chalyberm entdeckt wird. Das Volk der Chalyber wohnte ebenfalls an der Küste des Schwarzen Meeres. Folglich weisen beide Traditionen aus dieselbe Gegend. Montelius stellt zwar nicht in Abrede, daß jene Gegenden für die Eisengewinnung in jenen uralten Zeiten von großer Bedeutung. waren, hält es aber für wenig wahrscheinlich, daß dort das Eisen entdeckt wurde. Seiner Ueberzeuqung nach kann die Eisenzeit der Kaukasusländer frühestens um 1100 v. Chr. begonnen haben. Eine andere Tradition läßt, wie schon gesagt, das Eisen im 14. Jahr- hundert vor Christi in Kreta entdeckt sein. Daß diese nicht richtig sein kann, geht daraus hervor, daß erst im 12. Jahrhundert das Eisen sich in Kreta und im übrigen Griechenland zeigt. Auch hält Montelius es für wenig wahrscheinlich, daß das Eisen zuerst in Noricum(zwischen dem nördlichen Teile der Adria und der Dona«) gefunden sein soll, das von den römischen Schriftstellern wegen seines Eisen- und Stahlreichtums so geiühmt ist. Wenn das Eisen in diesem an das nördliche Italien angrenzenden Lande entdeckt wurde, müßte es dem ihm nahen Norditalien eher bekannt geworden sein als in dem entlegenen Mittelitalien.' Das ist aber nicht der Fall, vielmehr kannte man das Eisen in der Tibergegend früher als im Potal. Somit bleibt nur das südwestliche Asien und Aegypten. Daß das Eisen gediegen nur in den sogenannten Meteor- st e i n e n vorkommt, ist bekannt. Meteor-, Luft- oder Mondsteine entstammen kleinen Himmelskörpern, die mit großer Geschwindig- keit aus dem Weltraum auf die Erde niederstürzen und staubfein oder in Blöcken bis zu 300 Zentnern hier unten ankommen. Kleine Körper, die schon in höheren Teilen der Lust zerplatzen und die Erd- oberfläche oft gar nicht erreichen, heißen Sternschnuppen. Sie werden leuchtend durch die Reibung an der Lust, welche ihre Temperatur bw zur Weißglut steigert. Sind die Stücke größer, so bezeichnet man üe als Feuerkugeln. Sie lasten oft einen langen Schweif glühenden Staubes auf ihrer Bahn zurück, der erst nach mehreren Minuten verschwindet. Bisweilen lösen sie sich allmählich auf, vielleicht durch Vergasen, gewöhnlich aber erfolgt schließlich eine Explosion mit lautem Knall. Am 10. Juli 1912 fand nach S Uhr abends in der Nähe von Holbrovk in Arizona ein Fall von Meteorsteinen statt. Bald nach dem Niederfallen der Steine er- gaben die an der Stelle der Explosion vorgenommenen Nach- forschungen nach den durch den Sturz zerstreuten Steinen, daß si« einen Raum von 5 Kilometern und in der Breite 800 Meter be- deckten. Nach sorgfältigem Suchen wurden schließlich 218 Kilogramm Steine gefunden. Der größte wog 0065 Gramm, 29 wogen über ein Kilo, 6000 Einzelsteine wogen 1—1000 Gramm und 8000 Splitter weniger als ein Gramm. Ein Bruchstück von der Größe einer Orange hatte sich In einem Baum eingegraben. Am 10 Februar 1896 siel in Madrid am hellen Tage ein Meteor, das durch seinen Glanz viele Menschen blendete und eine furchtbare Panik hervor- rief. Der Steinregen erfolgte erst IM Minuten nach dem Platzen, woraus eine Höhe von etwa 30 Kilometern für die Explosion be- rechnet wird. Im übrigen findet sich Eisen meist oxydiert(mit Sauerstoff verbunden) in den bekannten Eisenerzen, aus denen?s in den Hochöfen gewonnen wird. Deutschland produzierte schon 1908: 11,8 Millionen Tonnen, also 2 300 000 000 Zentner. flus öem Leben öer Nongokn. Von Sven Hebt n.') Der Mongole lebt in einem Land, das ein wohl wenig beneidens- wertes, dafür aber gesundes Kliina hat und das weit entfernt von dem rastlosen Lärm des Lebens der zivilisierten Welt ist. Von klein auf ist er an die harten Mühen der väterlichen Wüste gewöhnt, mit freier Brust genießt er ihre reine Luft. Körperlich ziemlich kräftig, besitzt der Mongole eine gute Gesundheit und erreicht nicht selten ein hohes Alter. Die Bevölkerungszunahme geht allerdings sehr lang-' som vor sich: schuld daran ist die Armut des Volkes, das Zölibat der einheimischen buddhistischen Geistlichen, der Lamas, aber auch Cpid«. mien und Krankheiten, die zeitweilig große Aerheerungen anrichten. Dafür erstehen dank der harten Lebensverhältnisse und der kargen Natur aus der jüngeren Generation Stützen für einen neuen kraft- vollen Stamm. Ein echter Sohn der Wüste, ist der Mongole allzeit frisch, sorglos und glücklich, wenn er Pich zu Pferd auf den endlosen Ebenen tummeln kann. Im ganzen unterscheidet sich das mongolische Volk von den be- nachbarten Nomaden dadurch, daß es ein verhältnismäßig hohes Stadium der Entwicklung erreicht hat. Es besitzt eine eigene Schrift, gedruckte Gesetze, es studiert die tibetische Grammatik und religiöse Kragen, mit einem Wort, es hat sich zu einer wenn auch etwas kümmerlichen Kultur erhoben. Die Mongolen in der Nähe des eigentlichen China haben äußerlich und in ihrer moralischen Haltung viel vom Chinesen angenommen, es sind aber meist nur die schlechte- ren Teile der Zivilisation. Die Filzjurte ist die bewegliche Wohnung des Mongolen, auf der Viehzucht baut sich seine Existenz auf. Ackerbau treiben die Mongolen nicht: im Handwerk beschränken sie sich auf die Her- stellung einiger notwendiger Hausgeräte. Die tägliche Nahrung be- steht aus Ziegeltee, der'mit Salz und Milch gekocht wird, einer Menge verschiedener Milchgerichte, den berauschenden Kmnyß nicht zu vergessen, endlich aus dem Fleisch von Schafen, gelegentlich auch von Rindern und Pferden, seltener von Hammeln. Die Nahrung wird immer sehr unreinlich zubereitet. So wird der Tee nicht selten *) Wir entnehmen diesen interessanten Abschnitt mit Erlaubnis des Verlags Brockhaus dem soeben erscheinenden Werk Sven ftedins „Gene r.a l Prschewalskij in Jnnerasie n". In diesem Werk berichtet Hedin auszugsweise über die Entdeckungsreise des russischen Generals und Forschungsreiscnden Prschewalskij, der einer der erfolgreichsten Entdecker in den schwer zugänglichen Gebieten Innerasiens gewesen ist. mit dem schmutzigsten Master gekocht. Für die Suppe werden die Schafeingeweide gewöhnlich nicht gewaschen. Die Butter ist voller . fvmre und Schmutz. Das. Geschirr wird nur selten nach der Mahl- deit abgetrocknet oder ausgewischt: an Stelle eines Tuches wird trockener Kuhmist, Argol, benutzt. Die Holzschalen, aus denen man Tee und Suppe genießt, werden mit der Zunge„reingeleckt" und dann auf der Brust verwahrt. Die Eßgier des Mongolen grenzt ans Unglaubliche, sobald er Gelegenheit hat, seine Fähigkeiten darin an den Tag zu legen: doch kann er auch, wenn es darauf ankommt, V'unger aushalten. Den Körper waschen stc nie: nur selten kommt as Gesicht in Berührung mit einem schmutzigen, feuchten Lappen, o>r sie spülen es auch mit fetter Schafbouillon ab. Nicht selten f egen ste bei den Mahlzeiten das Gesicht mit Schaffett einzu- h- mieren, wozu ihnen gewöhnlich dasselbe Stück dient, das ste mit r tem Appetit oerzehren. Den Körper deckt eine dicke Schmutz- �hicht: die Kleider beider Geschlechter wimmeln von Parasiten, deren Vernichtung eine täglich wiederholte Beschäftigung ist, die auch in der Gegenwart Fremder ausgeübt wird Armselig und wenig beneidenswert ist das Leben des Mongolen, ' arm ist auch seine innere Welt und der Kreis seiner Begriffe. Man virf aber dem in der Tiefe der Wüste, fern von den verderblichen Ginflüssen des chinesischen Lebens wandernden Nomaden einen großen Teil rühmenswerter Eigenschaften nicht absprechen. Cr ist rutmütig, gastfrei, glücklich, zusrieden mit seinem Los und sehr e rlicki. Cr ist ein guter Familienvater und führt ein recht patri- < rchalisches Leben. Im allgemeinen find die Mongolen im Gegensatz zu anderen Nomaden von sehr friedlicher Gemütsart: grobe Ver- brechen wie Mord sind selten, nicht einmal Viehdicbstahl kommt vor. Männliche Kühnheit steht bei den Frauen hoch in Ansehen. Das . weibliche Geschlecht kann nach-unseren Begriffen keinen Anspruch ' auf Anmut oder Schönheit machen. Bei den Mongolen wie bei anderen Bölkern richtet sich der Begrisk der Schönheit nach den am stärksten hervortretenden und am meisten charakteristischen Zügen des Rastetnpus: daher sind Frauen mit platten Gesichtern und vor- stehenden Backenknochen in den Augen der Mongolen die anziehend- sten. Auf den Frauen ruhen alle häuslichen Beschäftigungen und die Erziehung der Kinder: in andere Dinge mischen sie sich nicht. Im allgemeinen sind sie viel arbeitsamer als die Männer, die oft recht faul sind. Bei jedem Schritt des täglichen Lebens zeigt sich diese Faulheit. Wenn der Mongole zu Hause in der Jurte ist, tut er gar nichts: nur selten macht er ein paar Schritte ins Freie, um nach dem Vieh zu sehen, das in der Nähe weidet. Ein großer Teil des Tages wird mit Teetrinken verbrocht, das für den Mongolen«ine beinahe goitesdienstliche Handlung darstellt. Trotz seiner Faulheit ist der Monaole sehr neugierig und red- selig, es fehlen ihm aber Frohsinn und Munterkeit. Nicht einmal die Kinder vergnügen sich mit Spielen. Leider hört man selten und auch nur melancholisch«: sie besingen Erlebnisse aus dem düstern Leben des Nomaden und seiner einförmigen Umgebung. Gemein- same Feste, bei denen Wettlauf, Ringkampf, Scheibenschießen und andere Spiele stattfinden, werden nur ein- oder zweimal im Jahre gefeiert, bei den üblichen Festen in Urga und an anderen wichtigen religiösen Stätten, aber sie nehmen mit jedem Jahr an Bedeutung ab.' Die mongolische Höflichkeit äußert sich darin, daß man sich gegenseitig mit Schnupftabak oder Tabakspfeifen traktiert: man fragt einander nach dem Ergehen der Herden und tauscht gelegentlich kleine Stücke von Seidentuch aus, di unseren Visitenkarten entsprechen. Die Gäste werden mit Tee, Milch oder Kumyß bewirtet. Kommt ein Häuptling zu Besuch, so versäumt der Mongole nicht, ein Schaf zu schlachten, das gewöhnlich bis zum letzten Bissen aufgegessen wird. Ebenso gierig wie der Mongole nach Geld ist, so geizig ist er, wenn es sich um Vieh handelt. Auch wenn sein« Herden nach Tausenden zählen, verzehrt er nicht selten nur gefallene Tiere, und wenn es gilt, für den Tempel zu opfern, knausert er gern. Was die Heilkunst angeht, so Ist der Mongole sehr leichtgläubig. Er nimmt gern seine Zuflucht zu den barbarischen Kuren der Lamas und hat ein blindes Vertrauen zu den Heilkräften der Galle des Bären oder des wilden Jaks, des Herzens des Bergschafs, zu getrockneten Fledermäusen, Kröten und anderem. Obgleich der Mongole mit Verstandeskrästen nicht reich ausgestattet ist, zeichnet er sich doch, wie es im allgemeinen bei unentwickelten Völkern der Fall ist, durch ein wunderbares Ver- mögen aus, sich an Kleinigkeiten aus seiner Umgebung und aus feinem täglichen Leben zu erinnern. So kennt er nicht blaß alle seine Pferde dem Aussehen nach, sondern findet auch mit Leichtigkeit ein verirrtes Schaf aus der zahlreichen Herde eines anderen heraus; er erinnert sich der Farbe und eines charakteristischen Kennzeichens eines Pferdes, das er vor vielen Jahren geritten hat, und beschreibt aus- führlich die Kleidung, die er in seiner Jugend getragen hat. Ferner yat der Mongole einen sehr guten Ortssinn und orientiert sich leicht in der Wüste, er beobachtet und kennt iMch eine große Anzahl von Naturerscheinungen. Dagegen oersteht er es nicht, Zelten und Ab- Sonde genau anzugeben. Die Zeit wird nach Tagen, Monaten und ahren berechnet. Große Abstände werden durch die Anzahl der Tage bestimmt, die man braucht, um sie zu Pferd oder Kamel zurück- zulegen; kleinere Wegstvetfen werde» gewöhnlich nur mit den Worten nah oder weit bezeichnet. Man orientiert sich immer, sogar in der Jurte, nach den Himmelsrichwngen: Bezeichnungen wie rechts oder links haben di« Mongolen nicht. Trotz des trägen, abergläubischen, rohen Charakters der Mongolen versöhnt sich doch der Reisende mit diesen Mängeln, wenn er den gastfreien, einfachen und bescheidenen Nomaden in der Wüste trifft. Schade nur, daß auch hier die schlechten Neigungen, ebenso wie im zivilisierten Leben, überhand- nehmen, und daß das Laster fortschreitet zum Nachteil für die guten Eigenschaften der Seele. Die Liebsthaften öes �alkrchrWchften Königs". Von Karl Fischer. Im Jahre 14kg hatte Papst Paul II. dem König von Frank- reich, Ludwig XI., den pompösen Titel„Allerchristlichste Majestät" verliehen. Diesen wundervollen Beinamen führten seither alle französischen Könige, auch Ludwig XV., der sich ebenso sehr durch Faulheit und Feigheit, wie alle nur denkbaren Laster und einen lächerlichen Aberglauben auszeichnete.* Vermählt mit Maria Leszcynska, der Tochter des entthronten Königs von Polen, war der König anfänglich seiner Frau treu, aber bald führte er ein so lasterhaftes Leben, daß es überhaupt nicht mehr übertroffen werden konnte, und seine Flatterhaftigkeit ist sprichwört- lich geworden. Die 5)ofschranzen und Schmeichler W�er allerchrist» lichsten Majestät legten ihm den Beinamen„der Vielgeliebte" bei. Sein Verbrauch an Mätressen war erstaunlich groß. Dm kuriose- sten jedoch und ohne Beispiel in der Liebesgeschichte gekrönter Häupter und„berühmter Männer" ist seine Liedschaft mit drei Schwestern hintereinander, und nur ein Zufall hinderte ihn daran, auch noch die vierte und jüngste Schwester durch seine Gunst zu „beglücken". Zuerst kam Madame Louise de Maillp an die Reihe, die Tochter eines verarmten Landedelmannes und Gattin eines unbedeutenden Beamten. In ihrer Umgebung lernte er deren Schwester Feliciti kennen, die erst im Kloster lebte, nach kurzer Zeit aber di« Lange- weile hinter Klostermauern mit dem lustigen Pariser Leben ver- tauschte. Der König verliebte sich sofort in sie und verheiratete sie zunächst, damit dieser neuen Liebschaft gewissermaßen ein mora- lischcs Mäntelchcn unigehängt wurde, mit dem Herrn de Vintimille und stattete sie fürstlich aus. Sofort nach der Hochzeit verläßt ste den Gatten und siedelt in ein Lustschloß über, das der König ihr geschenkt hatte, und wo nun allabendlich Orgien gefeiert werden. Indessen, der Rausch dauert nicht lange. Felicite wird schwanger und stirbt an den Folgen der Geburt. Da man annahm, die Ge- liebte des Königs sei vergiftet worden, wird der Leichnam geöffnet. Die Aerzte nähen den obduzierten Körper nicht zu und man wirft ihn, das ist bezeichnend für die Roheit der damaligen Sitten, in die Ecke einer Wagenremise und von dort auf den Schindanger. Der„Vielgeliebte" aber kümmert sich nicht weiter um seine Mätresse. Er hat es mit der Angst bekommen, er glaubt, das alles sei nur ge- schehen, um ihn wegen seines frivolen Lebenswandels zu bestrafen, und er sieht sich schon in der Hölle braten. Zitternd und bebend fährt dieser königliche Waschlappen zu seiner erste» Geliebten. Louise de Mailly, zurück, mit der er betet und sonstige Andachtsübungen verrichtet, die jedoch bald von ausschweifenden Liebesszenen in den Hintergrund gedrängt werden und in Vergessenheit geraten. Die allerchristlichste Majestät findet schließlich den Verkehr mit Louise langweilig und lästig und hält Umfchau nach neuen Opfern. Da lernt er die dritte Schwester, Marie Anne, kennen, die mit dem Marquis de la Tourmelle verheiratet war und bei der Schwester zum Besuch wellte. Der König ist sofort Feuer und Flamme für die hübsche junge Frau, die alte Favoritin wird abgesetzt und Marie Anne auf den Thron der Liebe gehoben. Er ernennt die neue Mätresse zur Herzogin von Chateauroux und kauft ihr ein fürstlich eingerichtetes Schloß. Sie übt bald eine unheimliche Gewalt auf den König aus.-Diese Liebschaft verschlingt Millionen, die dem armen, gequälten und geknechteten Volk durch immer neue und unerhörte Steuern abgepreßt werden. Sie bringt auch das Wunder fertig, den König dazu zu»er«nl«ssen, zum Heer abzureisen. Es be- stand zwar dabei, weiß Gott, keine Gefahr für den ollerchristlichsten König— man kennt das ja aus der neuesten Zeit vom Großen Hauptquartier und so—, aber trotzdem schlotterte dem König vor Furcht das Gebein'. Allein die Sehnsucht der Mätresse nach dem Vielgeliebten war zu groß, und ste reist ihm in Begleitung ihrer vierten und jüngsten Schwester nach. Darob entsteht ein großer Skandal, und die Soldaten singen unter ihren Fenftern die frechsten Spottlieder. Plötzlich erkrankt der König in Metz. Und wieder zerren an ihm alle Schrecken der Hölle. Als man in seinem Zimmer ein Stück Papier verbrennt, glaubt er den Rauch der Hölle zu er- blicken und schreit laut auf vor Furcht. Die Geistlichkeit verweigert dem König das Abendmahl, wenn er nicht die Mätresse fortschickt. In tiefer Nacht, bedroht von der Bevölkerung, muß sie mit ihrer Schwester nach Paris fliehen. Der König aber wird nicht lange darauf gesund und kehrt eben- falls nach Paris zurück. Hier war inzwischen die Mätresse erkrankt und starb nach kurzem Krankenlager durch Gift. Den König ließ ihr Tod durchaus kalt. Er überlegte, ob er nun nicht die vierte Schwester in seine Arme schließen sollte. Da lernte er durch einen Zufall Madame d'Etioles kennen, die bekanntlich unter dem Namen Madame de Pompadour Weltberllhmtheit unter den Mätressen Lud- wigs XV. erlangt hat. Georg Brandes sagt in seinem zweibändigen bei Erich Reiß erschienenen Werk„Voltaire", aus dem unlängst hier ein Kapitel abgedruckt worden und dem auch diese Episode von den drei Schwestern entnommen ist, von Ludwig XV.:„Der innerste Punkt im Wesen des Königs war der Nullpunkt, das Nichts, die gähnende Leere." Treffender und kürzer kann dieser allerchristlichste und viel- geliebte Körrig nicht charakterisiert werden. Wissen und Schauen Die a'ilesimnentarischen Propheten. Wer i>m Schulunterricht in der altherkömmlichen Weise genossen hat, wird wohl in der Re- ligionsstund« gelernt haben, die Propheten des Alten Testaments als wunderbare Männer zu schätzen, welche von Gott inspiriert «In« ferne Zukunft weissagten und insbesondere das Kommen Jesu und sein Gottesreich verkündeten, mag auch wohl geglaubt haben, dies« Anschauung ständ« für die Theorie fest. Daß das letztere schon eit langem nicht mehr stimmt, beweist Laumgarten in einem Auf- atze über„Die Auffassungen des neunzehnten Jahrhunderts vom sraelitischen Prophetismus" im„Archiv für Kulturgeschichte", Band XVlll. Er betont den Gegensatz zwischen der traditionellen Auf- fassung, wie sie noch in der Kirche herrscht, und der wissenschaftlichen und verfolgt die Entwicklung der letzteren seit den Tagen f)«rd«rs, der mit seinMMibelkritik seiner Zeit weil voraus war, daher mich einsam stand. Lange rangen der Supranaturalismus der Orthodoxie und der Rationalismus miteinander. Im Geiste Herders wirkt noch am meisten Ewald. Einen großen Wendepunkt brachte das Jahr 187S mit der Kritik des Pentateuch, der sogenannten fünf Bücher Mose, die noch lange Z«it für wirtlich« Schriften aus der Mosaischen Zeit gegolten hatten. Nach d«r»eueren Forschung, in der sich besonders Wellhausen hervortat, ist das angebliche Mosaische Ge�tz jünger als die Propheten, und diese gewinnen daher eine weit größere Bedeutung. Di« Kritik ihrer Bücher, welche auch den ursprünglichen Text unter Ausscheidung der zahlreichen späteren Susätze herzustellen sucht, hat viel Interessantes gefördert. Gegen- der den namentlich durch den Rationalismus oerbreiteten An- lchauungen, wonach sie Im ganzen nur als weise Lehrer und fromme Pfarrer zu betrachten sind, hält Baumgarten ihren seherischen Be- ruf ausrecht und weist aus das Wilde, Unheimlich«, Barocke und die ekstatischen Erscheinungen bei ihnen hin. Die Weissagung ist ihm keineswegs so nebensächlich, wie u. a. der Holländer Kuenen an- nimmt, der dabei besonders die Nichterfüllung der meisten Pro- »hezciungen ausnutzt. Den Heilsoerkündigungen legt er, wohl mit Recht, volkstümliche Anschauungen zugrunde und sucht den auf- fallenden Widerspruch zwischen ihnen und den Unheilsvcrkündigun- gen rein psychologisch zu erklären. Biel Wahres liegt offenbar darin, wenn er die Propheten Männer von furchtbarer Einseitigkeit, aber seltener Größ« nennt. Zweifellos bietet das ganze Gebiet noch reichen Stoff zur Forschung, namentlich in einer Zeit, wo die alten Fesseln der Orthodoxie immer mehr gesprengt werden, und wir dürfen auch weiteren Kreisen von ihr viel Jnteresiantes und Lehr- «iches versprechen. M. Sch. Ein Archiv der TSne. Bor einiger Zeit wurde der Staats- hibliothek zu Berlin ein Archiv der Töne angegliedert mit dem Zineck, eine sogen. Lautbücherei zu schaffen, d. h. mit Hilfe von Schallplatten die toten Texte und Buchstaben lebendig zu gestalten. Unter streng wissenschaftlichen Gesichtspunkten sollen hier die Laute aller Lebewesen auf der Schallplatte festgehalten werden: musi- kalische Urkunden aller Völker werden gesammelt und zum Vergleich der verschiedenen gciltunge» auf diesem Gebiete versandt: die Sammlung enthält Volksliederarchive sowie Musikleistungen be- rühmter Virtuosen. Das Institut bearbeitet außerdem bestimmte Aufgaben der Naturwissenschaften, wie Studium der Tierstimmen, Untersuchungen der„Naturlauke"(Rauschen der Blätter, Brausen des Wassers usw.) und der künstlichen Geräusche, wie Kirchengeläut, Trommelsprache der Wilden usw. Endlich ist diesem Archiv noch «ine Dokumentensammlung von„Stimmporträts" berühmter Männer angegliedert: so finden sich Schallplatten vor von Hinden- bürg, Ebert, Bethmann Hollweg, Even Hedin u. v. a. bei' Taschenkalender bürgerte sich mnner mehr ein und ist heute fast unentbehrlich geworden.— Noch unentbehrlicher erscheint uns jetzt allerdings der Abreißkalender Ueber sein erstes Auftauchen weiß man jedoch nicht mehr, als day im Jahre 1859 in der„Jllu- s strierten Zeitung" eine Anzeige zu™-fcn war, in der ein„neuer l Kalender, von dem alle Tage ein Blättchen abgerissen werden kann", � angepriesen wurde. Hergestellt wurd» dieser Kalender, der in der . Anzeige auch abgebildet war, von ein»r Heidelberger Firma. Gin Jahr später erscheint ein Abreißkalendu von Heinrich Ebhardt, der übrigens nach einigen Angaben der eigentliche Erfinder des Abreiß- kalenders gewesen sein soll, und vom �ahre 18(5? ab wurden auch zu Lahr in Baden Abreißkalender hergestellt. Merkwürdigerweise nannte man diese Kalender„amerikanismc Kalender", und es scheint in der Tat auch nicht ausgeschlossen, daß die deutschen Abreißkalender nur Nachahmungen eines amerikanischen Borbildes darstellten. Jedenfalls erfolgte die Einführung des Abreißkalenders bei uns nicht vor Beginn der sechziger Jahre. Kulturgeschichte Wie Taschen- und Abreißkalender auskamen. Während im 11. Jahrhundert das Volk fast nur die sogenannten„Fliegenden Blätter" gekannt hatte, auf denen, in groben Holzschnitten illustriert, die Weltereignisf«,„Krieg, Hungersnot und Pestilenz" verkündet waren, fand im 13. Jahrhundert der in Buchfonn erschienene Volks- kalender Verbreitung und wurde alsbald zum wichtigsten Hausbuch, das in keiner Familie fehlen durfte. Als wiederum etwa hundert Jahre später aus dem Kalender ein Ding geworden war, das sich' ewig wechselnd der jeweiligen Mode anpaßte, als der Almanach der Liebling der feinen Welt wurde, da kam es eines Tages auch in Mode, winzig kleine Kalenderchen bei sich zu tragen. Der erste, der sie herstellen ließ und in den Handel brachte, war der bekannte B c r» l i n e r Buchhändler Christoph Friedrich Nicolai. Es war gerade iur Zeit des Siebenjährigen Krieges, als In der Nicolatschen Buch- Handlung die ersten Taschentalender verkauft wurden, und Nicolai machte denn auch glänzende Geschäfte mit den zierlichen Dingern: sie gingen reißend ab. Zunächst waren sie noch ziemlich einfach ausgestattet, enthielten aber kleine Kupfer mit den Porträts de» Königs und der berühmtesten Feldherren sowie ein paar schwung- »olle Huldigungsgedichte. Da sie, wie gesagt, gleich bei ihrem ersten Auftauchen großen Betfall fanden, ließ Nicolai nun jedes Jahr hübschere und elegantere Muster herstellen, und zu Beginn des i9. Jahrhunderts war es bereits zur Mode geworden, daß tnan an der Uhrkette ein kleines in Leder gepreßtes Taschenkalenderchen Naturwissenschaft Eine merkwürdige Zortpflaznngsweise. Im Atlantischen Ozean und im Mittelmeer lebt ein Tintenfisch, dessen Weibchen durch den Besitz einer zarten, papierdünnen Schale ausgezeichnet ist: es ist das Papierboot, von Zoologen /Xrsonauu arge genannt. Die Fortpflanzung ist bei diesen Tieren außerordentlich merkwürdig und interessant. Die Männchen sind Zwerge und werden kaum 1,5 Zenti» meter lang, auch fehlt ihnen die Schale. Ihre Fortpflanzungs» Produkte, die Samenfäden, werden in eine lange„Samenpatrone" verpackt, die auf höchst sonderbare Weise aus das Weibchen über» tragen wird. Bekanntlich besitzen die Tintenfische kräftige Arme, die mit Saugnäpfen ausgerüstet sind. Einer dieser acht Arme ist nun beim Papierboot völlig umgestaltet und steht im Dienst der Fortpflanzung. Dieser„Begattungsorm" fällt durch feine Länge auf: sein Ende ist zudem peitschenförmig ausgezogen. Anfangs ist er in ein Säckchen eingeschlosien, das später platzt und den Arm frei« gibt. Damit die Samenpatrone, welche der Begattungsarm auf- genommen hat, auf das Weibchen übertragen werden kann, löst sich der Arm vom Männchen vollständig los und kriecht wie ein selb- ständiges Wesen aus der Schale des Weibchens umher. Schließlich gelangt er in die sogenannte Mantelhöhle: der peitschenförmige An- bang dringt in die Eileiter ein und vermittelt das Uebertreten der Samenpatrone. Es hat natürlich lange gedauert, ehe die wahre Natur des sich selbständig bewegenden Armes erkannt wurde. Da er einen komplizierten Bau zeigt, Nervenbahnen' und fortdauernde Blutzirkulation besitzt, wurde der Begattungsarm anfangs für einen parasitisch lebenden Arm angesehen. Die Berwandten des Papier- bootes besitzen ebenfalls solche sreibeweglichen Arme: bei anderen Tintenfischen ist zwar ein Arm auch immer besonders für das Ueber- tragen der Samenpatronen umgebildet, ein Ablösen de» Begattung?- armes vom männlichen Körper findet aber niemals statt. Naöek im Haag. „Nichts wie Bourgeois auf diesem Friedenskongreß! trug, ein„Berlocken-Kaleriderchen", wie man es nannte. Die Mode Der einzige Proletarier, den ich sehe, bin ich selber.' der Berlocken-Kalenderchen verschwand allerdings bald wieder, aber t lAus dem Amsterdamer„Nötcnkraler".)