Rümmer S 0?.5ebrua?!H2Z Heimweh _,___ Antsrhaltungsbeilatze öes Vorwärts Die Noane. Von Alsred Fritzsche. Rrrrrr. Rrrrrr-- rrrrr! Die Nachtzlocke gellte durchs Haus. Angstvoll— rufend— hllfesuchend. lieber der Tür des Zimmers Nr. 36 flammte ein rotes Licht auf. Nuhlg. unbewegt, leuchtete es einen schwach er- hellten Gang hinunter. Das iah die Nachtwache. Eilig kam sie heran und im nächsten Augenblick stand sie im Krankenzimmer. Finsternis wurde dort zur plötzlichen Helle, in deren Flammen ein Stöhnen klang und sich qualvoll aufrang, als suche es Hilfe an den hohen weißen Wänden. Betten standen ringsum. Plötzlich Erwachte sahen mit erschreckten Gesichtern aus den Kissen. Einer reckte den Arm und sagte mit beschlagener Stimme:„Der dort— der Junge— in der Ecke!" Dort lag er. Ein Knabengesicht, in dessen Blässe ein Paar dunkle Augen ruhten. Fiebrig. Der Kops war vorn übergeneigt, die Arme zu beiden Seiten gestreckt, die Hände krampften in das weiche Bettzeug. Aus dem halbgeöffneten Mund brach in Stößen rotes Blut und färbte Bett und Kissen rot, dunkelrot. Stöhnend arbeitete die Brust, leise röchelnd, und dann schien der Atem des Kranken stillzustehen: er kämpfte gegen das Blut. „Dem blutet die Lunge," sagte die Stimme, die sich zuerst ge. meldet hatte. „Tja!" Die Schwester sprang h.nzu, riß eine Medizinflasche vom Tisch und flößte dem Kranken von ihrem Inhalt ein. Morphium. Der ließ mit sich geschehen was geschah und schluckte die Tropfen und kämpfte mit halbem Atem gegen das Blut. Die Nachtwache, eine junge blonde Frau, entfernte sich und kam wieder. Eine Nadel- spitze setzte sie an die Brust an und stach zu— drückte. Einmal, zweimal wiederholte sie das. Lauschte— starrte— streichelte im Warten das Haupt des Kranken. Legte ihm ein nasses Tuch über Stirn und Brust. Es half nichts: das Blut brach in Stößen empor. In der Brust brodelte und quirlte es. Die Schüssel, die die Schwester unter des Kranken Kinn geschoben hatte, lief voll. Da rannte sie zur Klingel. Die riß einen Schrei durch die nächtliche Stille und ließ hallmde Schritte laut werden, dann schlürfende. Erst trat ein Arzt ins Zimmer, hinter ihm eine Nonne. Schwarz in der Tracht— starken Körpers, mit rotem Gesicht und großen Augen, die abwechselnd in Güte und Strenge funkelten. Leise be- wegten sich die Lippen der Nonne:„Ach der— der junge Mann!" Sic sah auf die Tafel: 21 Jahre. Der Arzt hantierte mit ver- wickelten Instrumenten.. Di« Schwester schob die Bettdecke des Kranken zur Seite. Der Arzt setzt« an— stieß zu— tief. Langsam schwand die Flüssigkeit aus der Glasröhre der Spritze. Eine neue wurd« gereicht. Dieselbe Hantierung. Noch einmal— die dritte. Das Bein schwoll än. Man warf die Decke über und lauschte. Wartete. Minutenlang. In schwachen Stößen hob sich die Brust des Kranken und brachte das Blut nach oben. Quirlend, schäumend kam es in den Mund. Da troff es und floß in Husten- stößen über die Lippen in den Blechnapf. Unaufhaltsam. Der Kranke schloß die Augen. Wurde fahl im Gesicht. Der Arzt stand in hilflosem Warten zur Seite, die Nachtschwester machte sich mit den Instrumenten zu schassen.— Di« Nonne aber faltete die'Hände und trat ans Fußende des Bettes und sah dem Kranken ins Ge- ficht. Für sie war er ein Sterbender. Still« war im Zimmer. Der Tod war nahe. Da schlug der Kranke die Augen aus, wendete den Blick zur Seite und sah wie verwundert durch den Raum:— sein Blick wanderte von den hilflosen Menschen hinweg und blieb auf der Nonne haften. Die stand unbeweglich, die gefalteten Hände an die Brust gepreßr, die Augen starr auf den Kranken gerichtet. Blick ging in Blick. Der suchende, qualvolle des Kran- ken traf den ruhigen, unbewegten der Nonne: der war unbarm- herzig in seiner Starrheit. Ein leises Aufbäumen zitterte durch des Kranken Leib. Letzte Kraft der Gedanken arbeitete in dem fiebernden Gehirn. Haß stieg ihm empor. Tretzl Trotz im Todesringen. Trotz wider die Demut der Nonne. Hier lag er auf dem Bett und rang um sein junges Leben und dort sah er die Nonne, die ihn darum Vorwurfs- voll ansah. Sireng, gottergeben— dem Leben abgewandt. Die Leierstimme ihres Gebets, die des Morgens durch das Haus tönte, kam dem Kranken in den Sinn. Er hörte:„... wenn ich gesund werde, so nehme ich die Gabe mit kindlichem Danke an. Ist es aber dein Wille, daß ich bald sterbe, so bin ich bereit!" Dieses Bereitsein— Bereitsein auf den Tod im blinden Gottcsglauben, während sein« junge Seele verzweifelt um ihr Leben kämpfte! Der Aufstand der Gesichte, die der Krank« in dieser letzten, hoffnungslosen Stunde sah, verschwand vor seinen Augen. Nur das Bild der Nonne blieb. Ihm gegenüber. Mit der rang er— rang mit ihrem ergebenen Warten auf den Tod. Raffte seine letzte Energie zusammen, glaubte an Sonne und Leben und — siegte! Schlummerte sanft ein und schlief den Schlaf der Genesung: erwachte aus ihm im vollen Lichte des nächsten Tages. Die Nonne wurd« an ihrem Herrn irre.... SchWeizemifs. Bon 6. N e st r i e p k e. Wenn ein Deutscher heut« nach der Schweiz reist, so kann er ebenso gut darüber berichten, wie wenn er früher die ägyptischen Pyramiden besucht«. Denn die Valuta hat für uns Mark-Mensche» längst eine feste Mauer um das schöne Bergland gezogen. Daß ich hindurchmarschieren konnte, oerdankte Ich lediglich der Einladung des rührigen Schweizer Arbeiterbildungsausschusses, in der Schweiz eine Reihe von Vorträgen zu Helten. Ach, sie haben es drüben viel besser als wir armen Schluckerl Man kommt sich da so„vorkriegszeitlich" vor. In den Gasthäusern stehen noch Streichholzständer init ungezählten, für jedermann frei greifbaren Hölzchen auf den Tischen, man kann zu einer Suppe Weißbrot essen, so viel man inag, ohne etwas dafür bezahlen zu müssen, und geht man auf die Toilette, so liegen da noch Seife und Handtuch zur freien Benutzung aus. Es gibt wunderschöne große Portionen beim Essen und, wenn man den berühmten„Kaffee komplett" bestellt, Kannen mit herrlicher Milch, daß einem das Herz aufgeht. Dabei rechnet man noch immer mit dem kleinen Einmal- eins, zahlt mit Nickelmünzen und Silberstückchen und ist reich, wenn man ein« Banknote mit einer SV darauf besitzt. Man darf nur nicht anfangen, die kleinen Beträge, die man bezahlt, in deutsch« Mark umzurechnen. Dabei kann einem Hören und Sehen vergehen. Denn nun hat man für sein bescheidenes Mittagbrot nicht mehr nur„2,50"(in Frank) bezahlt, sondern 10 000 Mark, und das Schinkenbrötchen kostet 4000 Mark, und der Doppel- brief nach Deutschland 3000 Mark, eine Ansichtskarte mit Marke 1600 Mark und in diesem Stile weiter. Rechnet man die Frank in Mark um, so leben wir in Deutschland doch noch erheblich billiger. Wir essen für den vierten oder fünften Teil des Betrages, den wir (in Mark) auf schweizerischem Boden anlegen müssen, und kaufen Tertilien, Lederwaren usw. auch noch für etwa ein Drittel dessen, was der Schweizer entrichten muß. Mitunter kommt man zu ganz grotesken Beobachtungen. Wenn man(III. Klasse) die kurze Strecke von Zürich nach der deutschen Grenzstation Singen fährt, was knapp anderthalb Stunden dauert, so kostet das SLö Frank. Die sechzehn Stunden währende Schnellzugsfahrt Singen— Berlin aber kostet nur 1,30 Frank. Ist in der Schweiz olles erheblich teurer als in Deutschland, so oerdienen freilich die Leute auch entsprechend mehr. Man gibt ja nicht nur Frank aus, sondern nimmt auch Frank ein. In den Löhnen der Arbeiter sind allerdings sehr erhebliche Unterschiede. Verdienen hier einzelne Arbeitergruppen zwei Frank die Stunde oder vereinzelt auch noch mehr, so gibt es andere, die noch nicht einen Frank erhalten. Und überall hört und liest man das Wort„Lohn- abbau"! Das Schlimmste aber ist die große Arbeitslosigkeit: seit zwei Jahren schon drückt sie auf dem Lande. Nicht wenige Ort« gibt es, in denen seither ständig 10 bis 20 Proz. der Arbeiter ohne Beschäftigung sind. So reichlich und schön alles dem flüchtig hin- schauenden Fremden schewt, es gibt viel Elend in der Schweiz, auch da viel, viel Elend! Das kleine Land ist voller SchSnhelten, �uch wenn man nicht im Sommer hindurchführt und nicht über>i« nötigen Millionen verfügt, um einen der fafhionablen Wintersportplütze besuchen zu können. Wie wundervoll war jene Fahrt von St. Gallen zum Züricher See durch eine sonnenbeleuchtete Schneelandschaft! Diese weiten unberührt schimmernden Schneehänge, diese dunklen Wälder mit ihren Schneetupfen auf dem Geäst der Bäume, diese bewegten Schluchten mit rieselndem Bach in der Tiefe, über die einen der Zug dahintrug: und dann am Horizont die rosaschimmernden Massen der hohen Bergkette, hier Fels, dort Schnee und Eishald«, darüber ein göttlich blauer Himmel.... Silber nicht nur diese Landschaft hat ihren Zauber. Wieviele Reize bergen nicht auch die Städte! Was gibt es da noch für entzückende Gäßchen, für märchenhaste Plätze und Winkel zwischen lieben, bunten alten Häusern! Aarau, Rapperswil, St. Gallen— wohin einen der Zufall auch trug, selbst das industrielle Biel in seiner Silltstadt—, wie bieten sie alle dem Aug« Bilder von fesselnder SchönheitI Weit weniger als in den meisten deutschen Städten hat „moderne Baukiinst" die alten Gassen verunstaltet. Freilich, mit- unter gibt es auch hier tragikomische Konflikte zwischen Alt und Reu.� In St. Gallen tragen in den alten Stratzen die Häuser noch vielfach einen alten Namen. Da steht beispielsweise irgendwo das Hans „Zur Dattelpalme", rechts davon das Haus„Zur Klarheit", links das„Zur Wahrheit". Am selbigen Haus, auf dessen altem Giebel die Worte„Zur SWahrheit" lauten, sah ich neben der Eingangstür zn>ei„moderne" Firmenschilder. Danach hausten in diesem Gebäude friedlich neben- und miteinander die„Tanzschule Ideal von M. Flaks" und die„Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage". Das ist das Haus„Zur llLahrbeit"... Und welche Worte schildern den tiefen Eindruck, den die Haupt- stadt Sgern auf jeden Besucher machen muß. Kaum eine andere Stadt, die gleich herrliche Straßcnbilder zeigt. Nordisches und Süd- lick>es reicht sich hier die Hand. Wie freundlich und lebendig sind diese Strassen mit ibrcn Steinlaubcn zu beiden Seiten, unter denen die Geschäfte ihre Waren feilbieten. Und inmitten dieser Straßen dann all« paar hundert Schritte jene alten wundervollen Brunnen, die aus weiworgestreckten Röhren ihr Wasser speien, womöglich zur Rechten und zur Linken noch zwei große steinerne Becken als Pferde- tränken; als Abschluß der Straßen dann die Türme und Tore— und rings um die Innenstadt die Aare in tiefem Talbctt, von riefen- haben Brücken überspannt. Wie gerne denkt man an diese Bilder zurück. Im übrigen: die Stadt Bern Ist nicht nur altertümlich. Sie hat auch genug des Modernen, das es zu sehen lohnt. Das„Volks- haus" in SSern, das Heim der Berner sozialistilchen Arbeiterschaft, findet in Deutschland höchstens in den Gewerkschaftshäusern von Hamburg und Kiel etwas ivergleichbares. Ein prächtiaer, mann- mentaler Sau, große und kleine Säle(der größte zuneit leider an ein Kino vermietet), ausgedehnte und wirklich schöne Restaurations- räume, Läden, eine Badeanstalt, ein Hotel, das sich mit jedem anderen messen kann, lind neben diesem Volk-baus(nicht räumlich) bat sich die Berner Arbeiterschaft nun noch ein Zweites stattliches Haus erbaut, in dem neben einigen Gewerkschafts- und Partei- bureaus die Druckerei des sozialdemokratischen Blattes, der„Tag- wacht" untergebracht ist, eine Druckerei mit vierzehn Setzmaschinen und einzigartig hellen luftioen Arbeitsräumen. Dann führte mich der Genosie Reinhard, Nationalrat. Präsident der Schweizerischen Sozialdemokratie, Leiter des Schweizerischen Arbeiterbildungsausschnsses, Leiter zweier Zeltschriften und gleich- wohl(weiß Gott, wie er das fertig bringt!) noch immer im Haupt- beruf Lehrer, in die Schill«, an der er wirkt. Ich weiß nicht, ob- wir in Deutschland irgendwo eine ähnliche Schuleinrichtunq haben; alltäglich ist sie gewiß nicht. Man denke: Jedes der hübschen, bild- geschmückten.Klassenzimmer mit einem Projektionsapparat für Licht- bilder und Filme ausgerüstet! Bedeutende Sammlungen von An- scbauungsmaterial aller erdenklichen Art. Eine prächtige Turnhalle mit der Möglichkeit zur Aufrichtung einer Bühne, zwei Duschen- räume, Gesanasaal, Zeichensaas, Pbnsiksaal, Chemiesaal. Und dann Räume für Schreinerarbeiten und Buchbinderarbeiten(Werkzeug für jeden SchülcrN, ein Raum mit etwa rwanüg wohlansgerüsteten Crperimentiertischen für pbvsikalisch« Versuche,«in anderer mit ebenso vielen Tischen und Retortenschrönken für chemische Erveri- mente, damit die Schüler, immer zwei bei zwei, selbst die Versuche machen können, zu denen der Lehrer ihnen die Sllnleitung gab. Nebenbei: eine hübsche Sitte lernte ich in jener Schule kennen. Die Schüler, die zum Unterricht kamen, legten auf dem Flur nicht nur Hut und Mantel ob, sondern auch ihr Schuhwerk. Dafür zog jeder ein paar filzene Hausschuhe oder Pantoffel an. Dergestalt verbindet man in den Schweizer Schulen das Angenehme mit dem Nützlichen. Die Schüler werden vor kalten Füßen bewahrt und die Lehrer vor dem Lärm, den ein paar Dutzend Knabenstiesel verursachen können. Kinos dürste es in den schweizerischen Städten nicht weniger geben als in den deutschen. Aber etwas anderes, was für unser- einen nun einmal zur„Großstadt" gehört, fehlt merkwürdigerweise: die Likörstube. In Zürich mag es vielleicht auch einige dieser wert- vollen Kulturstätten geben, in Bern habe Ich wirklich keine einzige entdeckt. Und wenn wir in Berlin jetzt der nationalen Trauer wegen die II-Uhr-Polizeistunde haben, die meisten Berner Städte haben schon seit Jahren regelmäßig um II Uhr Lokalschluß. Weit verbreitet ist augenscheinlich in der Schweiz das Theater- spielen von„Liebhaber"-!L«reinen. Wohin man auch kam, überall hingen Plakate, daß der dramatische Verein Soundso im Saale des „Ochsen" oder des„Löwen" eine öffentlich« Vorstellung gebe. In einem kleinen Lokalblättchen— ich glaube, es war in Aarau— konnte man an einem Tage sieben derartige Ankündigungen theo- tralischer Dilettantenaufführungen lesen. SMan traut sich da in der Schweiz nicht wenig zu. In einem kleinen Nest spielte man den „Götz", in einem anderen die„Räuber", wieder anderswo die „Rabensteinerin", und zwischendurch gewisse„Voltsstücke", die schon mit ihrem Titel auf die Tränendrüsen drückten. Ich hätte mir gerne den„Götz" angesehen. Schon aus sprach- lichen Gründen. Ob man Goethe ins„Schwyzer Dütsch" übersetzt hatte? Beinah« sollte man es glauben. Denn unser Hochdeutsch ist da unten eigentlich eine fremde Sprache. Man versteht es zur Not. Aber gesprochen wird es selten. Nickt nur die unteren Volks- schichten unterhalten sich ini„Schwyzer Dütsch", auch die bürgerlichen Kreise sprechen es. Es ist die übliche Verkehrssprache, und sogar das Berner Stadtparlament verhandelt offiziell in der Schiveizer Mundart. Wer von Deutschland herüberkommt, hat oft seine liebe Not mit der Verständigung. Aber allmählich gewöhnt man sich. Wird hochdeutsch gesprochen oder gesckrieben, so hat das auch seine ländliche Eigentümlichkeiten. Die Schweizer Zeitungen be- richten jeden Tag von„Verunfallten". Und in einer amtlichen Be- kanntmachung las ich die schönen Worte: Der Soundso war„seit 186« zirka ohne Unterbruch vorbciständet". Das Schweizer Deutsch ist voll von Fremdwörtern. Man hört niemals ein„Danke", sondern stets ein„rnerci", niemals ein„Entschuldigen Sie", sondern nur das sranzösische„excusez" Ader in einem Falle durfte ich doch ein deutsches Wort feststellen, wo wir ein Fremdwort ge- brauchen. Und welch hübsches, lebendiges deutsches Wort! Das Kinderfräulein befahl seinem Schützling nicht, ein«„Serviette" um- zubinden, sondern sein„Frcßmänteli". SVeiin man eine kurz« Zeit in einem Lande gewesen ist, kann und darf man natürlich kein Urteil über den.Volkscharakter" ob- geben. Aber gewiß ist: Ich habe viele gute und liebe Menschen dort ini Schweizerland getroffen und danke ihnen eine überaus freund- liche Aufnahme. Sehr schön kam mitunter in den Arbeiteroersamm- lungen, an denen ich teilnahm, auch das Gefühl der Solidarität mit der deutschen Arbeiterschaft zum Ausdruck. Die Ruhrbefetzung fand überall den gleichen scharfe» Widerspruch, wie im deutschen Volke selbst. Eine von der Partei einberufene Volksversammlung in Sern, die sich mit der Ruhrbesetzung beschäfliote, war so überfüllt, daß wirklich kein Apsel zur Erde konnte. Und viele Hunderte mußten umkehren, ohne Einlaß zu finden. Di« Stimmung, die hier zum Ausdruck kam, herrschte auch sonst überall: Wann endlich wird die Zeit der Imperialistischen Abenteuer, der militaristischen Gewalt- Politik vorüber sein?! Man sagte mir allgemein, der Einmarsch der Franzosen Ins Ruhrrevicr habe die Snmpathien sür Frankreich sehr geschwächt, die für Deutschland gestärkt. Es kommt nun bloß darauf an, daß wir sie uns erhalten. Nationalistische Hetzer.'ien und reaktionäre Putsche sind dazu am wenigsten qeeianet. Das ist dort drüben die allgemeine Meinung. Und die Mahnung an das deutsche Volk, die darin liegt, ist vielleicht das wichtigste, rvas einer zurzeit aus der Schweiz nach Hause„mitbringen" kann. die letzten Tage bei Carl Hauptmann. (Gestorben am 3. Februar lg21.) Von Johannes Reichelt, Dresden. Oberschreiberhau. Wochenlang war kein Schnee gesallen. Die Sportfreunde jammerten. Wettrodeln und Sk'preissahren wurden von Woche zu Woche ver'chobcn. Die Hotels und Pensionen leerten sich. Einzelne Unverdrossene hielten aus. Regen, anhaltender, rich- tiggehender Schnürle-Regen im Januar. Da endlich, am 18. Ja- rn-ar schlägt daz Wetter um. Der Telegraph ruft in den Abend- Zeitungen in Berlin, Breslau, Dresden die Sportlustigen herbei. Mein erster Weg führt mich nach Mittclschreiberhau zu Carl Hauptmann. Seit der Dresdener Uraufführung seines Dramas „Die armseligen Besenbmder", das ich im Manuskript las, waren wir befreundet. So besuchte ich ihn- regelmäßig in Oberschreiber- hau und er kehrte bei mir in Dresden' ein. Bei meinem letzten Besuch im Sommer 1920 weilte er im Sanatorium Kurpark in Oberschreiberhau. Ich wandelte mit ihm im Kurgarten, er fübrte mich in seine Dramni-Trilogie„Auf goldener Straßen" ein. Wir pflückten ein paar Blumen im Karten. Der Botaniker und Poet verriet seine keusche Seele, die sich oft bei dem Klange eines ein- zclnen Wortes und eines Blickes offenbarte. Es waren herrliche Stunden, die der Dichter mir schl-nkte.„Fehlte das Wunder, was bliebe vom Leben," zitierte er sich selbst. Er war so hoffnungs- froh und freute sich über die Anteilnahnre der Zeitungen, die seiner ehrend gedachten. Er erschien niemals ein Gesunder. Auf dem Sterbelager sah ich ihn wieder. Mit Skiern bahnte ich mir den Weg zu seinem verschneiten Häusel, das er einst mit seinem Bruder Gcrhart gemeinsam be- wohnte. Eine Schneewehe-hat die Lrnustür verschüttet. Ich klopfe. Ein altes Mütterlein öffnet und erzählt mir, daß der Herr Doktor erkrankt fei, man habe vor ein paar Tagen aus Breslau einen be» rühmten Arzt gerufen. Ich sende meine Karte der Gattin. Sie empfängt mich herzlich, und ich erfahre von dem ernsten Zustand des Kranken. Carl Hauptmann schlief, mochte aber im Nebenzimmer durch unser Gespräch erwacht sei». Cr erkannte mich an der Stimme und verlangt nach mir. Ich erlchreck« über sein Aussehen und verberge mühsam meine innere Erregung. Er erzählt mir von seiner Krankheit und ist ganz voller Hoffnung. Ich sah an seinem Bette und suhlte Todesnähe. Das Herz tat mir weh, wie dieser grundgütige st lle Weise, ein vom Tod« Gezeichneter, voller Hoff» nung war. Ich trank mit ihm Tee, und er plauderte angeregt. Die besorgte Gattin und die Krankenschwester um ihn. Der Wind heulte um das Haus und verwehte die Fensterkreuze, und wir sprachen vom Frühling. Blumen standen auf seinem Nachtschränkchen. Die Gattin und Schwester ließen uns allein. Seine Sprache war leiser und longsamer als sonst, aber alte Erinnerungen machten ihn lebhaft. Er sprach von seinen„Arm- seligen Besenbindern", die«r in Dresden wiederholt gesehen, fast verklärt: er fragte mich, welches Drama mir am nächsten stünde. Ich sprach begeistert« Worte über seine Trilogie„Auf goldener Straßen", besonders über seine„Musik". Da drückte er mir die Hand und erzählte, welche Schwierigkeiten er hatte, sie an einer unserer Bühnen unterzubringen. Mir schien es, als ob der Dichter seinen„Abtrünnigen Zaren", den ich im Manuskript gelesen, am bächsten bewertete. Glücklich war er darüber, daß der ehemalige Regent von Gera zu seinem Geburtstage den„Abtrünnigen Zaren" im Friihsnhr aufführen wollte.„Auch Sie erhalten eine Einladung und müssen kommen. Denken Sie, Wegener als Abtrünniger Zar! Der Fürst stellt ein ideales Ensemble zusammen." Die Erfüllung seines schönen Trauines zerstörte der Tod. Eine Stunde verging. Er wurde lebhafter. Von der Literatur kam er zur Politik, er sprach über die Zukunft unserer Knust und unseres Vaterlandes. Nie hatte er sich mit Politik befaßt. Er, der Kranke, wollte mir Trostworte geben! Glücklicher Optimist Carl Hauptmann, der du wohl die Sprache der Blumen und Vögel be- lauscht host, das Summen der Bienen und die Untertim« des Orkans, wenn er über deine Riesengebirgsgipfel braust, der du selbst den 5?>inger an deinem Leibe spürtest, das danke ich dir, daß du in deinen letzten Tagen dir selbst Treue hieltest, daß du von deinem deutschen Volk« hoffnungsfroh und begeistert sprachst!„Kein Volk der Welt, dos glauben Sie mir, arbeitet jetzt so wie das deutsche Volk! Die Arbeit wird die Religion— die Weltmacht." Und r. iedcr zitierte er sich selbst:„Vom Menschen Großes deuten— das ist die Krafti" Das Schicksal„Einhart des Lächiers" stieg vor mir auf, des stillen Helden seines wundervollen Künstlerromans. In solchen Stunden spürte man in die Seele dieses Weisen und Poeten. Hllslos und stark war der feine Träumer und Philosoph. Aber trotz Kamps und Not in der rauhen Gegenwart hatte er sich das Herrlichste bewahrt, die Wundergabe, Kind zu sein. Und ich mußte daran denken, mi« mein lieber Berggeist, der jetzt hilflos im Bette lag und von Plänen und dem Frühling sprach, während der Tod seiner harrte, mich einmal in Dresden be'uchte. Wir wanderten von�meincr Wohnung in der belebtesten Strohe Dresdens nach dem Stadtinneren Arm in Arm. Im lebbaften Ge- spräche. Mir schien's, als dabe er seine Umgebung vollständig ver- pessen. Keine Straßenbahn und kein rasendes Auto vermochten seinen Schritt zu hemmen oder zu fördern. Lebhost gestikulierend, war er so in feine Gedankenwelt vertieft, daß mir schwindlig wurde bei dem Gedanken: Herrgott, wenn jetzt dein lieber Prediger in seiner Weltvergessenheit allein auf der belebten Großstadtstraße stände! Ich hatte plötzlich das Gefühl, daß er selbst ein verkapptes Märchen sei,«in guter Berggeist, der gegen alltägliche Hemmnisse gefeit ist, zu dem gläubig seine Gebirgler schauten, ein Arzt, dessen wunder- sam heilende Medizin seine eigene Hoffnung und Ueberzeugung auf Besserung ist, ein glücklicher Optimist, der mit seinem Wesen andere heilte, ein stiller Prediger, dem man in die leuchtenden Augen, die seinen Kindheitsglauben spiegeln, schauen muß, um die seinen Unter- töne und Regungen seines Herzens in feinen Worten erklingen zu hören, die werbende Liebe, die gern Leben zünden möchte. Ein heftiger Hustenanfall erlchütterte den Kranken. Ich fühlte: du siehst ihn nicht wieder. Vielleicht schon morgen... Unvergeß- (ich wird mir der prüfende Blick bleiben, der sich an mich heftete. Ich verabschiedete mich, doch immer zog er mich wieder auf den Bettrand zurück. Ein quälendes Abschiednchmen für immer. Mir war bang«, das anhaltend« Sprechen könnte dem Kranken schaden. „Verehrtes Schwesterchen, jetzt Helsen Sie mir, daß mich 5)«rr Dr. Hauptmann enläß, ich fürche..."„O, Herr Hauptmann freut sich, wenn er einmal plaudern kann." Und schon mußte die Schwester dies und das aus Truhen holen, das er mir noch zeigen wollte. Ich sah leine Rübezahlhandschrift, die fast keine Korrektur auswies. Cr lächelte über mein Erstaunen.„Wir mußten freilich beim Druck manche Worte streichen, da weder ich noch meine Schreiberin sie entziffern konnten. Mit nieinem inneren Schauen und Gestalten kann die Feder nicht Schritt halten..." Beim Abschiednehmen rief er mir noch zu:„Kommen Sie bald wieder! Morgen? Uebcrmargen?" Ich habe ihn nicht wieder- gesehen: ich wurde plötzlich heimgerufen. Wehmut liegt über meinen Erinnerungen. Die reine Stimme aus der Stille des lieben Träu- »ners und Schönheitsuch«rs klingt nicht mehr im unfroh-m Lärm unserer Tage... Am Bahnhofe empfingen mich die Meiniaen, denen ich zwei Tage zuvor Grüße von dem Dichter sandte.„Carl Hauptmann ist tot! rief mir mein Töchterchen entgeg«n. Der Tele- grapb war schneller als mein Zug. Ich vergaß in meinem Schmerz«, die Meinen zu begrüßen. Meine Gedanken weilten bei dem stillen Träumer, bei der tiesinnerlichen Schöpfcrnatur, die voller Märchen, Wunder und Gesichte war.„Kommen Sie bald wieder!" Zu spät. Der grundgütig« Mensch und tiefsinnige Dichter ist zu seinen Traum- gestalten und Wundern heimgegangen.,. berliner KontrokimZöchen. Von Hans Merz. Nicht von den„Oberen Zehntausend" will ich erzählen, von jenen, die draußen in Berlin W. ihre eigenen Wohnungen haben und im Telephonbuch als„Schausvielerinncn",„Schriftstellerinnen" und„Private" verzeichnet sind, nicht von jenen, denen der Eintritt ins Palais de Danse oder in die Animierknbinctts der Friedrichstadt gestattet ist. Wovon ich im Folgenden berichten will, das sind die Aermsten der Armen, sind die, die lang um da» Bewußtsein Mensch zu sein gekommen sind, die solange gleich herrenlosen Tieren im Dunkel umhrcschleichcn, bis sie einmal die Großstadt geschluckt hat. Auf Nimmerwiedersehen. Was von ihnen gefunden wurde, wandert in den„Nasenquetscher" und mit ihm in die Leichcnjammel- stelle. Die Nutte. Der Berliner Volksmund bezeichnet mit diesem nichts weniger als hübsch klingenden Wort das junge Mädchen, so von vierzehn bis zwanzig Jahren, das so lange mit lüsternen Augen in die Welt gesehen hat, bis es der Verführung zum Opfer gefallen ist. Aus der„Nutte" kann sich, wenn die Umstände, unter denen das Mädchen lebt, nicht entgegenwirken, die„Vohse" entwickeln, der Typus dessen, was man in Paris als Lorette bezeichnet. Bei der„Vohse" beginnt sich das Unterscheidungsvermögen zwischen dem was man im polizeitechnischen Sinne als gewerbsmäßige Unzucht versteht, arg zu verwischen. Sie huldigt nur mehr selten dem „Idealismus", in den meisten Fällen wird sie sich ihre„Liebe«. dienste" in bar bezahlen lassen. Dadurch macht sie sich aber nach dem Gesetz strafbar. Es dauert nicht lanae, und die Vohse wird von der„Sitte" aufgegriffen. Hat sie das Alter von 21 Jähren er» reicht, wird sie unter Kontrolle gestellt. In einer urlangen und am Abend nrdunklen Straße, die auf den„Alex" mündet, ist eine Konditorei� die dadurch bekannt ist, daß in ihr noch mehr kleine Mädchen verkehren als in anderen Lokalen gleicher Art. In dieser Konditorei gibt es einen Kaffee, der nie eins Kaffeebohne gesehen hat, Kuchem der keinen Zucker kennt und eine Limonade, deren Zubereitung Geheimnis der dicken Dame am Büfett ist. Trotzdem erfreut sich gerade dieses Lokal beim weiblichen Publikum großer Beliebtheit. Das macht, weil drei Musikanten da sind, ein Pianist, ein Geiger und ein Cellist, die sieben Stunden lang die neuesten Lieder und Tänze aussolelen, und weil es in dieser Konditorei gerade so„mnllich" ist. Da gibt e» Nischen, die Charnbre separ6s der kleinen Leute, di« so wahnsinnig eng sind, daß der Kontakt zwischen liebc rn Herzen um so rascher geschlossen wird, und Bilder hängen au den Wänden, an deren Buntheit man sich kaiWi satt sehen kann. In dieser hübschen Konditorei finden sich nun Nutten, Bohlen und Kontrollmädchen. Sie sitzen da und harren der Ding«, die kommen sollen. Ich nehme an einem Tischchen Platz, an dem be- reits drei junge Mädchen sitzen. Junge Mädchen? Sie scheinen es zu sein, trotzdem ihre Gesichter schon Farbe und Runen de» Alters zeigen. Sie haben sich bis zu meiner Ankunft lebhaft unter» halten, schweigen aber, als ich bei ihnen Platz nehm«. Um mir ihr Vertrauen zu erobern, biete ich ihnen Zigaretten an, nach denen sie mit Gier greifen. Sie sind unsagbar häßlich, meine Nachbarinnen, häßlich und /schmutzig. Sie stecken in alten, durchgescheuerten und zerfransten Mänteln, die sie trotz der herrschenden Wärme nicht ab» gelegt haben, wahrscheinlich darum, weil sie sich der Lumpen unter ihnen schämen. Ihre Hände und Fingernägel sehen aus, als ob sie wochenlang nicht gereinigt worden sind. Ihr Haar ist unfrisiert und klebt an der Stirn. Die Mädchen qualmen mit Eilzugsschnelligkeit mein« Zigaretten. Das bißchen Tabak hat sie wirklich zutraulicher gestimmt. Sie nehmen ihre unterbrochene Unterhaltung wieder auf. Sie dreht sich um den Aufenthalt im Polizeigewvhrsam und im Fröbelkran kenhau«. Dort hätten sie wenigstens ein Dach über dem Kopse gehabt. Keine von Ihnen kann es zu eine,- festen Wohnung bringen. Im Sommer läge ja nichts daran, im Winter aber.... Dann erzählen sie von ihren Kerls, den Bräutigamen. Natürlich hat jede einen. Durch eine Tasse Kaffee, die ich ihnen bringen lasse, bewirke ich, daß sie sich auch mit mir zu beschästigen beginnen. Ich weih, daß mindestens dreiviertel von dem, was ich aus ihrem Munde hören werde, Lüge ist, immerhin.... Die eine ist sechzehn, die zweite einundzwanzig, die dritte dreiundzwanztg Ialxre alt. Ihnen gemein- sam ist, daß sie alle drei im Elternhaus« so arg behandelt wurden, daß sie es vorzogen, sich auf eigen« Füße zu stellen. Di« jüngste ist erst acht Tage in Berlin. Sie ist aus einer kleinen Stadt in Thürin- gen. Die älteren Mädchen nehmen sich ihrer so lang« an, bis sie eines Kunden wegen mit ihr in Streit geraten werden. Vorläufig bemuttern sie noch in ihrer Art das„Kücken" und g«ben ihr Rat- fchläg«, wie sie sich am besten vor der Sitte schützen könne und wo» sie zu sage» hätte, wenn sie doch einmal„hochgehen" würde. Sind diese Mädchen einmal ins Sprechen gekommen, dann kargen sie nicht mehr mit dem Wort. Und doch: ein genü"«» Mißtrauen bleibt zwischen ihnen und dem. der sich mit ihnen unterhält. i Meine drei schmutzigen, häßlichen Mädchen ye.�en später ihre Anbeter gefunden: zwei ebenso verwahrlost aussehend« junge Bur- schen und einen älteren Mann, dem die Provinz au» allen Falten und Fältchen seines Gesichts sah. Ich war noch Zeuge, wie die sechs, nachdem der Alte gutmülig aus einer dickgefüllten Brieftasche dl« große Zeche für alle bezahlt hätte, aufbrachen und gemeinsam in die Nacht hinausspazierten..., Und ich rechnete bestimmt damit, morgen im Polizeibcricht von einem Ueberfall auf einen Fremden zu lesen. Wisssn und Schauen Welches war das älteste Volk der Erde? Diese interessante Frage wnrde schon im Altertum eifrig erörtert. Wie der griechische Geschichtsschreiber H e r o d o t berichtet, machten sich die Aegypter und die in Kleinasien wohnhaften Phryger die Ehre streitig, es zu (ein. Der ägyptische König Psamentich, der um die Mitte des iebenten Jahrhunderts vor Christi regierte, suchte die Frage durch ein eigenartiges Experiment zu lösen. Er übergab zwei nerige- boren« Knaben aus vornehmer Familie einem Hirten und befahl ihm, er solle sie in einem einsamen Gemache unterbringen, ihnen Ziegen zuführen, von denen sie gesäugt würden, und ihm berichten, welches das erste Wort wäre, das sie sprachen, nachdem sie über das kindliche Lallen hinaus wären. Der Hirt tat wie befohlen. Räch- dem die Knaben zwei Lahre hindurch außer ihm keinen Menschen zu sehen bekommen und niemals eine menschliche Summe gehört hatten, erlebt« er etwas Ueberrafchendes. Als er wieder zu ihnen hineinaing. drangen die Knabe» mit ausgestreckten Armen auf ihn ein und schrien:„BekosI", wiederholten es auch noch öfter. Dies Wunder wurde pflichtschuldigst dem König berichtet. Er zog Er- tundigungen bei Sprachgelchrten ein und ermittelte, daß Bekos im Phrygischen„Brot bedeutete Daraus wurde geschlossen, daß die phrygischc Sprache die Ursprache der Menschheit, die Phryger so- mit das öltest« Volk seien, und die Aegypter mußten ihnen diesen Rang überlassen. Herodot beruft sich bei dieser Erzählung aus Mit- teilunqen ägyptischer Priester, gleichsam als wolle er sich dafür ent- schuldigen, daß er seinen Lesern etwas Unglaubliches auftischt. Und »och klingt die Geschichte keineswegs all», unwahrscheinlich, nur hat es mit dem mysteriösen Wort Bekos wohl eine andere Bewandtnis. Es dürfte hier nicht das vhryqische Wort für Brot, sondern einfach der meckernde Naturlaut der Ziegen vorliegen, den die Knaben sich von ihren gehörnten Aminen angewöhnt hotten und aus dem sich recht wohl„Bekos" heraushören läßt. Freilich ist damit der Be- weis, daß die phrygische Sprache die älteste ist, gescheitert. M. Sch. �d!_ tp] Technik lDfe=�D!iDb=5