Ai£ Sl.Zebruar?�2Z _ che»»nwe� AnterhaZtunßsbsLlatze öes vorwärts - Ich tted« Otutfchland und die DeutfAen j aber ich Hebe mcht minder die Bewohner des übrigen Ceits der 6rde, deren Zahl viersigmal größer ilt als die der OeutfAen... Oovtlob 1 iA bin aifo vierzigmal mehr wert als jene, die liA mAt aus dem Sumpf« der JSationalfelbftfuAt bervorwtnden können.... � Heinrich Heine. jRls Vater lebte und starb. Bon Max Barth«!. Wenn der Wanderer nach langen Jahren wieder einmal die Wege der Kindheit gcht, bleibt er mitten im Wandern erstaunt stehen. In seiner Erinnerung wuchsen wilde Berge, brüteten dumpfe Täler, endlos dehnten stch damals die Weg« und in den schwarzen Wäldern sah das Grausen. Nun aber sind die Berge sanfte Hügel geworden, die Täler blühend, die Wälder lieblich. Die Landschaft, die seine Kinderseele mit Grausen füllte liegt jetzt gebändigt zu seinen Füßen, weiße Wolken schwimmen im Himmel, schwellend« Segel, die sein Boot neuen Küsten zutreiben. Wir waren erwachsen rmd gingen im Gespräch noch einmal die Wege der Kindheit. Das waren die alten, dunklen Wege: Arbeit und Kamps um den Bissen Brot, das dumpfe Tal: verstümmelte Kindheit, der Wald: schwarze Arbeit, aber schon leuchteten die Sterne: Lastet uns hoffen nnd: Trotzalledem der stürmischen Jugend. Der eine Kamerad war ein Schübling, der in Nizza aufgegriffen war und nun über G-nua, Neapel und Brindisi nach Trieft in seine Heimat abgeschoben wurde. Er war jung, kaum achtzehn Jahre alt. hoch aufgeschossen, mit verbittertem Mund und struppigem Haar, das nach allen Himmelsrichtungen wirbelte, große Arbeiterfäuste, die dein« 5jand quetschten, wenn der Kamerad dich begrüßte. Der Sturm hob und senkte das Schiff, einen alten Lastdampfer, der auf der nachtgrünen Flut tanzt«. Wir konnten nicht schlafen und standen am Heck des Schiffes in der unendlichen brausenden Wüste des Meeres, ergriffen und begeistert von der Gewalt der stch brechenden Wellen, die Täler und Berge bauten und phosphorn auf- glühten. »Nizza ist schön," begaim der Schübling,»die Riviera Ist ein blühender Garten, aber hinter den Landstreichern sind ste scharf her. Mit Hunden werden nacht» die Gebüsche abgesucht. Mich haben sie so gefunden. Wenn dich dl« Polizei in den Händen hat. bist du ver» loren. Sie machen furzen Prozeß. Ich saß vier Wochen wegen Vagabundage und wurde dann abgeschoben." »Was willst du tun?" fragte ich,„in Trieft werden ste dich greifen und ins Arbeltshaus stecken." „Weiß ich. mein Lieber," antwortete er,„aber in Brindisi baue ich ab, verblühe, mache mich unsichtbar. Mein Lehrer hat mir immer prophezeit, daß ich einmal am Galgen enden werde." Jonas, mein Wanderkamerad, lachte.„Tröste dich, ich soll ja auch einmal im Zuchthaus enden. Die Lehrer sind böse Propheten, mein Lieber. Erzähle, warum du an den Galgen sollst." „Das ist bald erzählt," antwortete der andere,„wir waren arm, darum also. Einmal wurde in t»r Schule eine Statistik nach den Berufen unserer Bäter angelegt. Die Väter der anderen Kinder arbeiteten im 5iontor, in der Fabrik, sie waren Gärtnereibesitzer, Großbauern, Schutzleute oder Beamte. Nur mein Bater war nichts. Er war ein lungenkranker, arbeitsloser Steinmetz, dem der feine Sandstaub die Lunge zersressen hatte. Also:„Wo arbeitet dein Vater?" fragte der Lehrer.„Mein Bater sucht Arbeit." antwortete ich.„Womit?" fragte der Lehrer, der mich nicht liebte,„mit dem Opernglas oder mit dem Schubkarren?" Die Kinder lachten herzlos. Ich, voll Scham und Wut, antwortete:„Mit feiner zerfressenen Limge, Herr Lehrer!" „Und da wünschte er dich an den Galgen?" fragte Jonas. „Da wünschte er mir den Galgen!" aniwortete der Schübling. „Sehl," fuhr er fort,„so ist das Leben. Als ich aus der Schule kam. starb mein Bater. Da lief ich davon, schwärmte bis an die Riviera, und da haben ste mich gefaßt. Nun gut, wir lasten uns nicht unter- kriegen, wir haben ein« dicke, geduldige Haut, aber in einem hatte der Lehrer doch recht! Schubkarren und Opernglas! Da fährt der Arme und Kranke auf einem Karren sein Elend durch die Stadt, die zerfressene Lunge, die großen Enttäuschungen des Lebens, das klein« Bündel Hoffnung, den großen Packen schmerzlichen Verzicht. Da aber ist der reiche Mann, der Satte lind Gesunde, der Sichere, der Lächelnde, er hat olles, er hört alles, er sieht alles, und was seinem scharfen Raubtierblick dennoch entgehen sollte, er findet es trotzdem. denn er hat die schärfsten Gläser der Welt, denen nichts verborgen bleibt: Zeit und Geld." Der Himmel hatte sich verfinstert, der Sturm sauste und heulte, wild tanzte das Schiff. Für Sekunden blitzte das Leuchtfeuer der nahen Küste geisterhaft aus wie ein weißbrennendes Auge, das über- nächtigt nach seinen Freunden ausblickt und unermüdlich brennt und wartet. „Ich will erzählen," begann Jonas,„warum mir das Zuchthaus prophezeit wurde. Es ist auch so eine Geschichte wie die deine. Kamerad, sinnlos, episodenhaft, die einen aber durch das ganze Leben verfolgt und die Ursach« für hundert Begebenheiten wird oder werden kann, die unbarmherzig in manches Leben eingreift und Schicksale beschwört. Meine größte, heftigste Kinderfehnsucht war, einmal nicht mehr in Lumpen und geflickten Kleidern herumzulaufen, ich inalte mir aus, am Morgen aufzustehen, auch innerlich ein neuer Mensch mit einem Lied oder einer goldenen Traumerinnerung zu erwache»— es gibt solch« Morgen, in denen du die Welt verklärt vor dir liegen siehst—» also aufzustehen, die alten Lumpen mit spitzen Fingern an- zufassen und in das Feuer zu werfen, singend dabei, eine unbekannte Melodie geht dir immer durch das Herz, und nun ziehst du neue Kleider an. Das Hemd dufte» nach Sonne und Wind, die Schuhe knarren und riechen nach jungen Pferden, die Strümpfe schmeicheln sich um deine Füße, der Anzug macht dich nachdenklich und feierlich, so schön ist er. Und immer geht dir die summende Honigmelodie durchs Herz. Ich habe mir das' hundertmal, tausendmal ausgedacht, wenn ich im letzten Traum lag und der Tag sich entschleierte. Aber ich bekam nie neue Kleider. Eine Tante schickte einmal getragene Kleider, die für ihre Kinder zu schlecht, für uns aber zu schön waren: für mich war ein Anzug dabei, nicht schlecht, nicht gut, aber der beste in meinem Leben, mit dem ich stolz zur Schule wanderte. Der Lehrer— es gibt immer einen Schüler in der Klasse, der den Haß des Lehrers zu tragen hat— der Lehrer also höhnte:„Nun, Jonas, ihr habt wohl geerbt?" Ich las damals schon die Arbeiterzeitungen und sagte:„Nein, Herr Lehrer, geerbt haben wir nicht, aber enterbt sind wir." Er inachte ein verdutztes Gesicht.„Wiest, enterbt?" Er wußte ganz genau, was ich meinte. Ich blieb stumm.„Nun, willst du antworten?" drohte er.„Weil wir arm find," sagte ich tapfer und sah ihn an." Jenas schwieg und sah aus das weiße Licht des Leuchtfeuers, da» suchend über die aufgewiegelten Wogen ging. „Weiler," sagte der Schübling,„weiter." „Was weiter? Das ist alles. Der Lehrer prophezeite mir das Zuchthaus, weil ich so s re ch geantwortet hatte." „Ich habe an der Riviera alte Männer gesehen," begann der Schübling von neucich„die siebzig, achtzig und noch mehr Jahre alt waren. Ich denke an'meinen Barer, der vierzigjährig an der Schwind- sucht starb. Die Brücken, die er baute, blieben bestehen, als er zu- sammenbrach, die Häuser stürzten nicht ein. die Maschinen in den Fabriken liefen weiter, wohl ging die Sonne jeden Abend unter, aber sie stand immer wieder von neuem auf. Ich war vierzehn Jahre alt, als mein Vater starb. Arbeiterkinder reifen früh, ich hatte viel gelesen, aber einen Toten hatte ich noch nicht gesehen. Mein Bater starb auf dem Bett der armen Leute, keiner kam, der ihm diente und die Schmerzen linderte. Er lag ruhelos und keuchend, den Tod vor Augen, in der einsamen Kammer, er schickt« uns von seinem Lager, er wollt« einsam sterben wie ein Tier, das sich in die blaue Wildnis der Wälder verkriecht und das Ende heran» rauschen hört wie den dunklen Donner in den unruhevollen Wipfeln des Waldes. Ehe er ober starb, blühte er noch einmal auf. Er ging im Zimmer umher, die eingefallene Brust voll neuen Mut, der Hunger nach Leben brannte in ihm, er schwärmte vom Frühling, der ihn ganz gesund machen würde, er erzählte von seiner Wanderschaft in das barbarische Rußland hinein, von den sternübersäten Nächten in der Steppe, wo das Gras mannshoch wächst und der Blumenduft in schweren Wolken über die Erde weht. Als aber der Herbst mit seinen Regenschauern einsetzte, legte der kranke Mann sich wieder aus das Folterbett und löschte aus. In der ersten Herbstnacht starb er. Als mein Vater starb, wußte ich noch nicht, daß der Tod so be- seligend sein kann. Wir weinten und schrien, als der Tote mit wächsernem Gesicht und erstarrten, staunenden Augen nach der Zimmerdecke sah und den Mund ein wenig ungläubig verzogen hatte. Das Begräbnis war die übliche pompöse und kalte Technik. Der Pfarrer, gesund, dick und rot, sprach über die Vergänglichkeit der irdischen Dinge in sonderbarer Eile, als dürfe er eine wichtige Be- sprechung nicht versäumen. Nach dem„Amen" drückte er jedem von uns die Hand, sah uns aus schwarzen, feuchten Augen an und ver- schwand. Der Schwärm der Trauernden belagerte unsere Stuben. Auf den Tischen standen wundervolle Speisen, die wir früher niemals ge- gessen hatten. Wir setzten uns zum Totenmahl und aßen und sprachen mit gedämpfter Stimme. Die Mutter stand mit verweinten Augen vom Tisch auf, schluchzte und floh in die Kammer, wo der Vater gestorben war. Sie ging an sein Bett und streichelte es. Als sie wieder an den Tisch kam, erzählte sie mit veräscherter Stimme, in der Sterbenacht habe der Hahn dreimal laut gekräht, auch die Uhr. sei stehen geblieben. Ja, der Tod zeigt sich an. Hundert Geschichten gingen krumm und verbuckelt durch die Stube. Als der Maurer Boom starb, siel «in Bild von der Wand, und sein Sohn, der als Matrose in Jokohama abgeheuert halte, hörte„Johann" rufen und fuhr auf dem nächsten Schiff nach Hamburg. Die Witwe Werner lag im Sterben. Ihre T'vtU-'r war in Berlin verlckollen. Jabrelang hatte sie nicht ge- schrieben, kein Sterbenswörtlein, aber in der letzten Stunde der Mutter kam sie heim. Die Witwe streichelte ihr Haar und sagte: „Ich wußte, daß du kommst, Gertrud, ich habe dich herbeigerufen, nun kann ich sterben." Und sie starb. Wir hörten schaudernd aus die dunklen Geschichten und ängstigten uns. Als die Verwandtschaft auseinanderging, sagte eine alte Tonte: „Weißt du, Schwester, ich will dir nicht wehe tun, aber du kannst eigentlich froh sein, daß Vater gestorben ist, er ist zuletzt doch nur ein unnützer Esser gewesen." Die Mutter schluchzte:„Aber Schwester!" und heulte laut aus." Jonas, der die ganze Zeit In die Wellenberge gestarrt hatte, sagte plötzlich laut«Gute Nacht" und ging ins Zwischendeck. Wir sahen uns an, wurden verstimmt und verlegen, denn auf einer Meerfahrt sollte man von anderen Dingen reden als von grauer, drückender Kindheit und sterbenden Vätern. Der Sturm hatte auch nachgelasien, und durch die treibenden Wolken schienen die Sterne. Der Morgen war nicht mehr fern, schon zuckte der östliche Himmel. (Aus der Mor-Barlhels-Rovellenkmmluna„Do« verxltterte Land", Bei log Hokfoioiin u. Campe. Hamdurg'Berlin). Oeutschlanös Zukunft: Die Steppe! Don Dr. Karl M i s ch k e. Wie sehr all« Kuttur von den materiellen Dingen abhängig ist, hat uns der Wellkrieg mit seineu Nahrungssorgcn wohl zur Genüge zu Gemüte geführt. Da dies« Rot feider noch lange nicht beseitigt ist, ergeht fortgesetzt von allen Seiten der Ruf nach intensiver Aus- Nutzung unserer Bodenschätze und nach möglichster Ausdehnung der Anbaufläche für Brotgetreide. Es wird Wald abgeholzt, Moore werden ausgetrocknet, es soll gesiedelt werden. Daß diese Be» strebungen aber Ihr Bedenkliches, zum mindesten eine Schattenseite habe», darauf lenkt jetzt die Aufmerksamkeit der Greifswalder Geo- log« Professor Otto Jaekel. In einer kleinen soeben erschiene- nen Schrift über„Die Gefahren der Entwässerung unseres Landes" betrachtet er das Aufblühen und die Zukunft der deutschen Landwirtschaft von einem Gesichtspunkte, der wenig. stens in weiteren Kreisen noch ziemlich neu sein dürste. Jaekel vertritt die Ansicht, daß die deutschen Grundwasieroer- hältnisie, auf denen die Luftfeuchtigkeit, die Regenbi'dung und somit der Ackerbau beruhen, durchaus kein zuverlässiges Softem darstellen. Das wäre der Fall, wenn Verdunstung und Reaenfall sich ständig ausgleichen und in Wechselwirkung träten, unterstützt vielleicht durch regenbringende Westwind«, die ihren Weg über den Ozean ge- nomme» haben. Aber in der Tat zehren wir, ohne daß wir kurzlebigen Menschen es wissen, noch immer von den kolossalen Wasser- Überschüssen des Diluviums, der Eiszeit. Als die mächtigen Gletscher, die 600 bis 1000 Meter hoch die norddeutsche Tiefebene bedeckten, abschmolzen, bildeten sich jene breiten Urstromtäler, die wir noch heut« feststellen können. Die Flüsse, die jetzt unser Land bewässern, sind nur zwergenhafte Reste von jenen gervaitigen Strömen. Größer als heute waren auch, wie die vorhanoenen Useninien zeigen, die Seen. Mecklenburg und wohl auch Pommern bestanden noch zur Bronzezeit, also etwa 1000 v. Chr., aus einzelnen Inseln. Kurz» es war viel mehr Wasser im Lande. Das ging nachweisbar bis in bistorische ZUten. Der bekannte Seeräuber Slörtebecker drang mit seinen Seeschiffen noch in die pommerschen Küstensiüss« ein, die also erheblich breiter gewesen sein müssen. Stadt- und Burgan.agen lassen deutlich erkennen, daß diese Siedlungen, vor allem die der Wcndenzeit, auf Jnsetn lagen, von Seen oder mindestens Mooren schützend umgeben: jetzt sieht man da aber Wiese» und Aecker. Das Wasser ist also bei uns immer weniger geworden. Daraus ergibt sich, daß wir der Gefahr entgegengehen, daß unser Land einmal ganz austrocknet, daß Deutfch.and sich in eine Steppe ver- wandelt, wie es mit den von Grünwedel, Stein und Lecog unter- suchten Gebieten Zentralasiens, der Dsungarei usw. geschehen ist. lind leider läßt sich gar nicht genauer angeben, auf wieoiei Jahr- hunderte oder Jahrtausende w r noch rechnen dürften Mit den „geologisch" langen Zeiträumen können wir uns keinesfalls de- ruhigen. Die Möglichkeit einer zunehmenden Bodenkultur hat bei uns in durchaus historischer Zeit begonnen. In Niederdeulschiand, in den zuletzt vereist gerne sin«» Teilen des Landes, beginnt diese Zeit überhaupt erst um 1200 n. Chr., also tausend Jahre später als im Rheinland. Bis dahin halie» die Klimaverhällnisse noch so unter dem Einflusie des zu vielen Wasiers gestanden, daß an viel Ackerbau nicht zu denken war. Breite Flüsse, große Seen, weite Moore, mächtige Wälder— daher Jagd und Fischerei: aber nur tvenig« trockene Kuppen dazwischen für Hausbau und Pf'anzung. Das wurde dann allmählich durch den natürlichen Verlaus besser. Erst in den letzten drei Jahrhunderten sind unsere nördlichsten, vom Eise zuletzt verlassenen Provin'cn, Pommern und Preußen, auch Posen, einer höheren Bewirtschaftung zugänglich geworden und haben sich zu Nährkammern Deutschlands entwickelt. So rückt die Agrar- entwicklung Deutschlands, speziell Lstdbicns, unerwarteterweise in eine kosmische Beleuchtung. Wir waren aus der Zeit schädllcben Wasseniberschusses in eine Periode eingetreten, die die günstigsten Bedingungen schuf, in«in sogenanntes„Optimum" der Wosserver- sorgung. In einer solchen Zeit schadete es auch nicht, wenn der Mensch, ohne den Zusammenhang zu ahnen, dem Waite» der Naturkrisle i.achhalf. Wir wissen aus der Geschichte, daß seit den Tagen Friedrichs II. in Preußen ungemein viel melioriert worden ist. Das berühmteste, ollen aus der Schule geläufige Beispiel ist der Oder- bruch, die im Frieden eroberte Provinz. Aber das ist nur ein Fall. Ueberall hat der Staat, babrn nachher auch private Landbesitzer ein- gegriffen, um feuchte Wiesen, mit denen sie nichts anzufangen mußten, in trockene zu verwandeln. Ueberall sind die Flüsse reguliert und kanalisiert worden, so daß sie jetzt viel gerader und schneller dem Meere zuströmen, überall sind die toten Seitenarme zugescküttet worden, und ebenso sind viele Seen verschwunden. Die Schiffahrt hatte gewiß Borteil davon, aber das dem Lande mit Beschleunigung entzogene Wasser konnte sein« natürliche Funktion, unterwegs Land und Lust zu durchseuchten, nicht mehr ausüben. Die Folge ist ein« ganz unvermeidliche Senkung des Grundwasserspiegels. Noch Mitteilung des Ingenieurs Ruppien in Greifswald bat sich der Wasserstand der märkischen Flüsse und Kanäle in den letzten Jahren um 6 bis 8 Zentimeter gesenkt. Allerdings hat der verganaene nasse Sommer, der in diesem Jahre erst noch«ine Fortsetzung sind«» wird, wieder stark aufgefiilll, aber dos ist eine vorübergehende Erscheinung, es folgen auch wieder trockene Jahre. Austrocknunqen von Mooren haben schon nachweislich, z. B. bei Anklam, benachbarte Waldungen zum Eingeben gebracht. Die in der letzten Zeit rapide erfolgenden AbHolzungen rauben dem Land« «inen anderen Regulator seiner Feuchtigkeit. Wir können da« end- gültige Ergebnis der natürlichen Austrocknung Norddeulich'ands nicht ändern, aber wir können es durch gewaltsame Eingrtsse beschleunigen. Jaekel meint, natürlich vorbehalt'ich genauerer Fest- stellungen, daß möglicherweise schon in hundert Jahren unler Boden so ausgetrocknet sein kann, daß die alljährliche schon sitzt stellenweise mäßige Regenmenge nicht Mehr ausreicht. Dann wird der Renen immer mehr abnehmen, und unsere Ernten werden sinken Nord- dentschland wird dann zur Steppe, wie es sch-m andere Kulturländer geworden sind Di« Grundlagen kr-ttiner Staatenbildung werden immer sraalicher. Di« Folgen des Berlailler Vertrages, den wir heute für das größte Uebel h. lte», werden nichts bedeuten genen die Katastrophe, die dann Dreußcn und Deutschland bevorsteht. Das Unalück ließe sich aber durch den Ausbau einer neuen Wolserwi'-t- schaft, deren Grund'aaen frei'ich erst zu finden wären, möglicherweise um ein oder zwei Jahrtausend« hinausschieben, und das wäre schon etwas, was der Müh« lohnte. Eine Zrau unter öen ftopfiagern. „Unter den Kopsjägern von Formosa" betittlt sich ein Werk von Janal B Montqomern McGovern, das vor kurzem tn London «schienen ist. Es ist ein Werk, reich an abenteuerlichen Erlebusssen und an wisscnlchostlichen Beobachtungen, liest sich wie ein grausiger und doch zugleich idnllischer Roman. Frau McGovern erschstn unter der Urbevölkerung Formosas als eine Göttin Durch einen Schiffbruch wurde sie an diese Küste verichlaqen, und sie betrat das Land sitzend auf dem Rücken eines Häuptlings der Kopfjäger. Er brachte tie«ste weiße F�au zu feinere Seumm, me er und die Seinen je jähen. Kein Wunder, daß sie diesen Eingeborenen des Südens als eine Meeresgöttin erschien, zumal die We hen in der Borstellung der Kopsjäger von Formosa als erhabene und mächtige Wesen sortleben, ein« Erinnerung an dos„goldene Zeitalter der 5n ei", das in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts unter der holländischen Schutzherrschaft bestand. Ttamals sind sie gut behandelt worden, und so hat sich eine Ueberlieserung unter iHnen erhalten, nach der die G ister der«großen weihen Väter von einst ein- mal wiederkehren würden. Bei einem Volk, bei dem das M.üter- recht gilt, konnte es n cht verwundern, daß der Geilt eines solchen auten Holländers in Gestalt einer Frau zu den Menschen herab- stieg. Tie Kopfjäger haben nach dieser kurzen Herrschaft der Holländer ein trauriges Schicksal gehabt. Die belgische Herrschaft am Kongo, die wegen ihrer Grausamkeit berüchtigt ist, erscheint men'chensreundlich und gefühlvoll verglichen mit der Art, in der die Chinesen aus Formosa wüteten. Sie waren, wie die Verfasserin erzählt, von einer geradezu unglaublichen Grausamkeit, drängten durch Niedermetzeluno, dann wieder durch List und Betrug die Ein- g borenen in die Gebirge des Inneren zurück oder beschränkten sie, wie es heute die Japaner tun, auf die nnsimchtbare, schlechtbewäsiertc Meeresküste, während sie als d's Herren sich das beste und frucht- barste Land sicherten. Di« Japaner folgten den Chinesen in der Herrschaft aus Formoso nach dtm chinesisch-sapanischen Krieg 1895, aber den Leuten der Insel gebt es deshalb nicht besser, und sie sind heute ein armes, elendes Völkchen, das viel mehr Mitleid als Cchr cken einflößen kann. Frau McGovern. d e lange Zeit unter den Formosanern lebte, hat sich in die'e Kopfjäger geradezu verliebt. Tic furchtbare Sitte, nach der sie ihren Namcn haben, erscheint in ihrer Darstellung ganz harmlos. Für den Eingeborenen von Formcsa ist die Krpsjagd eme altgcheiligte S'tte, wie etwa für den mitt lalterlichen Adligen der Ritterschlag. Dieses Koplab'chneiden ist durch strenge Gesetze geregelt und wird nach einem„Anstandskodex" ausgeübt, wie ihn der Gentleman zivilisierter Gebiete ähnl ch besitzt. Aber die Leute von Formola verstoßen viel seltener gegen diese Gesetze als die «abendländischen Gentlcmen. Das einfache und friedliche Leben der Kopfjä'er steht in einem geradezu idealen Gegensatz zu dem vielfach schmutzigen und gemeinen Benehmen der Iopaner, die sie beHerr- schen. Niemals fängt ein Eingeborener von Formosa mit seinen Stammesgefährten Streit an. niemals denkt er an Pr vatrache. wie sehr er ouch gereizt sein mag Schloß und Rieg'l sind unter ihnen unbekannt, denn niemand stiehlt, und jeder ist mit dem zufrieden, was ihm die Allgemeinheit zubilligt. Als Frau McGovern ihren Wirten unsere wirtschaftlichen Verhältnisse auseinanderzusetzen ver- sucht«, da verstanden sie sie nicht, denn es schien ihnen ganz unbe- greiflich, wie einer mehr nehmen könne als der andere, es fei denn, daß der andere d' rch schlechtes Benehmen seinen Anteil verwirkt hätte. Was Menschensieundlichkeit, Reinheit der Sitten, Wahrhe t onb langt, so kann es nach die'en Erfahrungen unsere vielgerühmte westliche Kultur auch nicht im geringsten mit dem Leben der Kops- jäqer oufnehmen. Ehe'chcidung ist ebenso unbekannt wie der Bruch eines Verlöbnisses, und Prostitution ejstiert hier nicht. Freilich wirkt die Photographie des„Schädelberg�s" in dem Dorf, in dem die Verfasserin wohnt«, etwas uube'mlich. Aber das ist nun einmal doch Sitte: kein Kopf, keine Frau. Der Jün-ling muh sich seine Stellung in der Gemeinschaft, sein Recht aus Familie durch die Er- legung eines F indes«robern. dem er nach einem ganz bestimmten Rsius den Kopf abschneidet. Aber diese Hauptfitte der Eingeborenen Ist stark im Abnehmen, ist ein ver'chwindender Sp�rt, und die Stämme sind bereits so weit, daß sie den Ztopf eines Mannes durch den eines Esels erl tzon. Der glückliche Jäger eines Wildes genießt heute schon fast dieselben Ehren wie früher der Jäger eines Kopses, und so schwindet diese Sitte mehr und mehr... Stine Gltmanns. Von Erna Büfing. Stine Olnnanns hotte schon, bevor sie dreihig Jahre alt wurde, dicke weihe Strähnen in ihrem sonst pechschwarzen Haar. Sie hatte Mann und Kind in einer Woche verloren, und deshalb drückte das Herzeleid ihrer Gestalt seinen Stempel aus. Der Mann blieb aus See, und das Kind starb an einer tückischen Krankheit. Da froh der Kummer an Ihrer Seele und etwa» Schlaffes kam in Stines ge- junden Körper. Doch sie raffte sich auf, in bitterschwerem Allein- sein kämpfte sie sich durch und legte sich schließlich klar und beut- lich die Frage vor:„Soll es denn nur ein« Vergangenheit für mich geben?" Und ebenso klar und deutlich wußte sie die Antwort, und die lautete:„Rein." Stine begriff, du bist ein Teilchen der Allgemeinheit, sonderst du dich von ihr ab, beraubst du dick) selbst, lebst du nur deinem Schmerz, wirst du zuletzt kalt und eigennützig. Gewinne jedem Tag seine Werte ab, erfreue Menschen, sie haben die Freude so nötig. Diese Beharrlichkeit im Freudemacheuwollen, die Treue im Neinen, die Ausnutzung dieser ewigen Kraft, die im Frauentum schlummert, wurde ihr Wegziel. Stine Oltmann» lebte in einer Neinen Hafenstadt, die. je nach Windrichtung und Schiffsladungen, abwechselnd nach Teer und Häuten, Seifen, Heringen und Petroleum roch. Hellhörig und scharfäugig ging sie durch diese Stadt, die angefüllt war von Ge- mürtichkelt und Klatsch, bürgerlichem Bravsein und einem Aus- tobenwollen der Lebensgier. Das Leid hatte Stine Oltmanns reisen und vorurteilsfrei werden lassen, ruhig ging sie ihren Weg und war im Bedarfsfall stets zur Stelle. Immer hatte Stine zu tun. Da war z. B. die Kathrin. Di« hatte ihre zwei Kinder genommen und war von ihrem Mann ge- gangen, weil er em Säufer war. Jetzt hotte sie von einem anderen Mann ein Kind und arbeitete nun bei den Fischen. Die Kathrin war hart enttäuscht, ewig müde und daher schlampig geworden. Ihre drei Kinder liefen immer in schmutzigen Kleidern und zer- rissenen Strümpfen. Da nahm Stine Olimanns Nadel, Faden und Stopfgarn und benähte und bestickte die Kinder.«Kathrin, ich nehme dir die Arbeit ob," sagte sie einfach und bestimmt. Kathrin lieh sie gewähren, aus Müdesein heraus, doch tat die Fürsorge und die Freundlichkeit ihr so wohl, und bald schlössen die beiden Frauen Freundschaft miteinander. Stine Oltmanns kümmerte sich ouch um das Dienstmädchen von Pastors. Das hatte früher einmal gestohlen und darum im Gefängnis gesessen. Nun hatten Pastors, ein Geistlicher muß doch stets die verzeihende Liebe verkörpern, es aus Gnade und Barm- Herzigkeit aufgenommen. Sie trieben die Fürsorge gar so weit, daß sie das Dienstmädchen an den abendlichen Spaziergängen, die sie am Bollwerk zwischen Heringstonnen und Seifenkisten voll- führten, teilnehmen liehen. Dabei ging der Herr Pastor stocksteif und schnauzgesichtig wie ein im Dienst ergrauter königlich preußl- scher Gefangenenaufseher, und die Frau Pastor war ganz von sich selbst gerührte Milde und verdrehte den Kopf wie ein Huhn, das eine falsche Schluckbewegung gemacht hät. Stine Oltmanns war von erstaunlicher Offenheit. Sie erklärte kurz und bündig, der ganze Kram passe ihr nicht, fuhr in die nächste Stadt, wo niemand das Mädchen kannte und suchte ihm dort bei verstehenden Leuten einen passenden Dienst. Dem Kaufmann Graewe paßte sie auch aus die Finger. Der war ein Geizhals und ein unbeherrschter Mensch, der sich berechtigt fühlte, sein« schlechte Laune immer an jemandem auszulassen. Als Opfer war aus Bequemlichkeits- und Gewohnheitsgründen meistens der Lehrling ausersehen. Stine Oltmanns trat für den mihhandelten Jungen ein. Und wenn Kaufmann Graewe wortreich von Er- ziehungsnotwendigkciten usw. erzählte, stemmte Stine Oltmanns nur lescllut die Arme in die Hüften. Der Kaufmann fürchtete Stine« als Stück lebendige Deutlichkeit, er war zurückhaltender mit seinen schlagenden Beweisen und litt es zu guter Letzt, daß der Lehrling, weil der Junge noch im Wachsen war, sich täglich eine Swlle von Stine holte. Für alle Menschen hatte Stine Oltmanns ein feines Verstehen. Da war die reiche Waldtraut, ein schwachbeqabtes Kind, das durch die höhere Schule gequält wurde. Waldtrauts Mutter war ehr- geizig, wollte mit der Tochter glänzen,„Steck deine Nase in die Bücher" waren nahezu ihre einzigen Worte für ihr Kind. Zum Spielen kam das überhaupt nicht. Damit es nicht abgelenkt wurde, schloß die Mutter sogar alle Spielsachen weg. Da kaufte Stin« Oltmanns ein paar blecherne Kleinigkeiten,, und Waldtraut stahl sich zuweilen heimlich von Haus, um mit und bei Stin« zu spielen. Als die große Not über die Menschen hereinbrach fand sie Stine ungebeugt. Die klagte nicht, doch mußte sie von ihren Neinen Freuden eine nach der anderen aufgeben. Gleich einer Schnecke verkroch sie sich in ihr Haus. Plötzlich, ohne vorhergehende Krank- heit, fand man Stine Oltmanns tot. Vielen unverstandenen Menschen in der kleinen Stadt ist e« blitzschnell klar geworden, was Stin« eigentlich für sie bedeutete. Der Aizt stellte Herzschlag fest, und über die Todesursache spricht man lebhast hin und her. Keiner jedoch kommt darauf, daß Sttn« Olnnanns starb, weil sie nicht mehr schenken tonnte. Der Hauer. Die breite Brust schweratmend HIngoftemmt, hämmert er Schlag für Schlag die Eiscnpflöck« in das Gestein, bis aus dem Sprung der Blöcke Staub sprudelt und den Kriechgang überschwemmt. Zm schwanken Flackerblih des Grubenlichts dlänkert der nackte Körper wlie metallen; Schweißtropfen stürzen, perlenrund im Fallen, aus den weit offenen Poren des Gesichts. Der Hauer summt ein dumme» Lied zum TaN des Hammers und zum Spiel der spitzen Eisen und stockt nur. wie von jähem Schreck gepackt. wenn hinten weit im abgeteuften Stollen Sprengschüsse dumpf wie Donnerschäge rollen und stockt und läßt die Lampe dreimal kreisen. Paul Zech. („Da» Ichwari� Stcsitr", Mulorion-V-rla«, Dillnch«») wissen unü Schauen Wieviel Linkser gibt es? Die red)'« Hand ist die Ziebeitshand des Menschen, aber seit AM Jahren zerbrechen sich die Philo- sophen, Aerzte und sonstige Gelehrte den Krpf darüber, weshalb die Linke nicht ebenso gebraucht wird wie die Rechte. Dr. Detter stellt sehr lehrreiche Ve rachtungen darüber im„Kosmos" an. Man rechnet, daß ungefähr S8 Proz. Rechtshänder sind. Genau weiß ,nan das nicht. Man sollte lagen, das wär: doch einfach festzu- stellen, man brauche nur die Rechtser und die Linkser abzuzählen. Indessen— so einfach liegt die Sache nicht. Es gibt viele Linkser, die durch den frrtwährendcn Zwang der Schule, der häuslichen Er- ziehung und mütterlichen Ermahnungen, und— um Verspottungen, Verdrießlichkeiten zu entgehen—, die ihnen sonst un- bequeme rechte 5) and zum Schreiben und zu allen 5)anti«rungen so ausgebildet haben, daß sie Mußrechtscr geworden sind. Und sind doch von Hause aus Linkserl Bei plötzlichem Zufassen, zu un. geübter, ungewohnter Tätigkeit(Nadeidnfädeln, Nagelausziehen) wird, die Linke genommen. Diele scheinbaren Rechtser machen die genaue Feststellung unmöql'ch. Es gibt Forscher, die dieser verdeck» ten Linkshandigkeit so eifrig nachgegangen sind, daß sie 28 Proz. Linkser gefunden haben wollen. Für gewöhnlich nimmt man nur t— t Proz an. Jedenfalls ist also die Menschheit in der über- wiegenden Mehrheit, fast ausschließlich, rechtshäirdig. Die Mensch- heit. das gilt zunächst von unserer gesamten jetzigen Kuttunvelt. Alle Forscher geben übereinstimmend dieselben Zahlenverhältnisse bei allen Kulturvölkern an. Ob unter den Naturvölkern die Link»- händigkett in einem höheren Maße vorkommt, ist nicht sicher. Se- merkenswert ist e'ne Mitteilung von Wilson Iohnstone, daß man inrter den Einwohnern von Pendschab?y Proz. Linkshänder treffe. Diese Angabe wird indessen stark angezweifelt. Man findet bei vielen Naiurväitern sprachliche Ausdrücke, die beweisen, daß euch ihnen schon die rechte Hand bevorzug) erscheint. klimatische Paradoxa. Ein amerikanischer Gelehrter hat kürzlich- darauf hingewiesen, daß die Siidpolkappe der Erde, die vom Pol bis zum Polarkreis reicht.>n der Zeit, wo sie Tag hat, von der Sonn« mehr Wärme empfängt als ein gleich großes Stück In den Tropen. Das liegt In der Stellung der Erdachse zur Sonne de- gründet. Zur Zek» der Midlernochtsionne treffen d-'e Sonnenstrahlen jene Region unter einem steileren Winkel als den Aeqnator. Aehn. liche Cigenilimlichteiten zeigen sich aber auch in gemäßigten Breiten. 'In den Bereinigten Staaten, z. B. in Kansas und Nebraska, find die KornerMen weit ergiebiger als in den Tropen. Die Wärme. menge beträgt allerdings nur 93 Proz. derjenigen, weich« die � Acquatvrgeqend erhält, aber der Unterschied der Togeslänge ist be- deutend. Am Aequator zählt der helle Tag 12 Stunden, in Phil- adephia aber im Somm-r 13 Stunden. Getreide braucht reichlich stetige Wärm«. Die kürzeren Rächte der gemäßigten Zone kühlen sich nicht so stark ab wie die der heißen Zone. Eine Nacht in der Sahara ist kühler als eine Nacht in Italien, manchmal sogar als eine in Deutschland. Die vereinigten Staaten sind deshalb im Getreidebau gegenüber den Tropen bevorzugt, ebenso aber auch, wi« Professor Kassner in Berlin mitteilt, gegenüber Europa, wo die Tag« nicht länger, ober der Aussaüwmkel der Sonnenstrahlen im Sommer und damit die eingestrahlte Wärmemenge kleiner sind. dessen Blätter noch heut in der Schweiz zur Spinatbereitung benutzt werden, dann der Holunder und der Aipenampser, die im Haushall der Alpenbcwohner mannigfache Verwendung finden. Eine besondere Kultur dieser Pflanzen war nicht nötig. Daß Unkräuter bisweilen zu Kulturpflanzen wurden, dafür ist der tatarische Buchweizen ein Beispiel, der in niederen Gegenden als ein lästiges, schwer nuszu» rottendes Unkraut gilt, in höheren Teilen der Alpen und des Himalaja aber als Getreide angebaut wird. Körpergröße und Klima. Die Körpergröße verringert sich durch Abgabe von Wärm« nach außen. Diese Abgabe ist um so größer, je größer die Körperoberslöche ist Allein es ist ganz bejonders zu brachten, daß ein größeres Tier im Verhältnis zu seiner Masse, also im Derhälttvis- zu seiner Wärmeerzeugung, eine kleinere Oberfläche bat als ein kleineres. Aus diesem Grunde, schreibt G. v. Burg- Ölten in„Natur und Technik", sind die im Norden lebenden Tiere in der Regel größer als die südlich lebenden: rulsische Hasen wiegen z. B. S Kilogramm, schweizerische 3,3 Kilogramm: die Beispiele sind leicht zu vermehren namentlich auch bei der Vogelwelt. Ein anderes Moment fällt ebenfalls wesentlich in Betracht: die Herzgröße. Im allgemeinen haben Gebirgstiere ein verhältnismäßig größeres Herz als Talbewohner, tl einer e Tiere ein größeres als große Arten. Vögel ein größers als Säuger. Die kleinen Tiere haben eben eine größere Wärmeabgabe und brauchen mehr Wärmeersotz durch Stoff- Wechsel. Die lebhasten Tier« haben bei gleicher Körpergröße ein größeres Herz als die zu weniger Bewegung neigenden: der Hase hat ein Hcrzgewicht von 8,78 Proz. des Körpergewichtes, das Wild- kaninchen dagegen hat bloß 2,g8 Proz. Herzgewicht. [DlUstSOlilfl Völkerkunde Genaue Verwandtschastsverhältnisse. Ein Onkel kann setn der Bruder des Vaters oder der Bruder der Mutter,«ine Tante die Schwester des Vaters oder der Mutter. Wir machen darin keinen Unterschied, aber bei den alten Römern hatte man für diele Be- Ziehungen ganz verschiende Namen: arnita(englisch aunt, Tante) war die Batersschwester, rnatertera die Mut.'erschwester: der Vater» bruder hieß patruua, der Mutierbruder avunculus(davon Onkel). Merkwürdig ist, daß gerade einige Naturvölker diese Unterschiebe äußerst genau beachten. Bei den Bakongo in Westasrika, teilt Pro- fessor de Iongh« von der Löwener Universität mit, darf ein junger Mann seine Kusir« nicht heiraten, wenn sie die Tochter der Tante mütterlicherseits ist, dagegen darf er die Tochter des Onkels von der mütterlichen Seite heiraten. Er darf ferner heiraten die Tochter der Tante väterlicherseits, nicht oder die Tochter des Onkels mütter. licherseits. Das hängt mit gewissen Vorstellungen vou einem Clan- wejen innerhalb des Voltes und Stammes zusammen, wie es sich u. q. bei australischen Ureingeborenen fand, als diese noch ihr ur- sprüngliches Leben lebten. Reste des Mutterrechts spielen hinein. Die Tante Mütterlicherseils und deren Tochter gelten für nähere Verwandte als die Tante väterlicherseits und deren Tochter-, die eine Kusine gehört demselben Clan"an und soll deshalb nicht A«» heiratet werden, dt« andere gilt als fernerstehend und eignet deshalb zur Ehe. (MIlDk�rallUii Natunvissenschast Aelleste Nutzpflanzen. Die spärlichen Altertumsfunde vermögen uns von den ältesten Nutz- und Kulturpflanzen der Menschheit kein genaue» Bild zu übermitteln. Deshalb sind andere Wege von Wich- tigkeit, die zur Austlärung des Lebens in jener Urzeit beitragen. H. Brockmann-Jerasch hat nun die Volkskunde herangezogen, um aus den Sitten und Gebräuchen von Voltsteilen in abgelegenen Wohn- gebieten die Frage nach den ältesten Nutzpflanzen zu klären. Ueber die von ihm gewonnenen Ergebnisse berichtet die„Naturwissenschaft- liche Wochenschrift". Die Böller haben sich im Urzustände weniger von der Jagd, als von gesammelten Pflanzen ernährt. Es wurden Blätter, Knospen, Wurzeln, Knollen gesammelt und dienten als Hauptnahrung. Auf Grund der alten Volksbräuche können wir noch solche vorzeitlichen Kulturpflanzen feststellen Besonders müssen die Mehl- und Vogelbeeren srither viel mehr gegessen worden sein als heutzutage. Diese nutzbaren Bäume wurden auch schon in früher Zeit geschont und an günstiger« Stellen verpflanzt. Auch die Eiche mag früh nicht nur ein wichtiger Nutz-, sondern auch ein Kulturbaum gewesen sein, da die Eicheln wertvolle Mehlnahrung lieferten. Daraus läßt sich die besondere Verehrung der Eiche durch die Germanen er- klären, denn es ist natürlich, daß Bäume, die Nahrung spendeten, dem primitiven Menschen als„heilig" erschienen. Auf Beschädigung der Eichen war bei den alten Deutschen schwere Strafe gesetzt. Ebenso lieserten andere Bäume, wie Buche. Haselnuß und Schlehe, den vor- geschichtlichen Menschen des Lebens Notdurft. Diese Stellung ver- schiedcner Laubhölzer wird zweifellos später zu größeren Anpslan. zungen geführt und das früh« Londschaftsbild beeinflußt haben. So- dann müssen manche unserer Sumpft und Wasserpflanzen zu den ältesten Naturpflanzen gehören. Wie jetzt noch hier und da, werden schon in frühester Zeit die getrockneten Wnrzelstöcke des Schilfes und des Fieberklees, die jungen Triebe des Rohrkolbens, die mehlreichen Samen der Schwaden- oder Mannagrlltz«, die Früchte der Wassernuß zur Nahrung verwertet worden sein Andere Nutzpflanzen sind ehe- mal- Ruderai-Pslanzen gewesen. Hierher gehört der Gute 5zeinrich, Der Sieger von Mecklinghausen.