Nummer 9 Heimweh I.März I92Z �.___ Unterhaltungsbeilage öes Vorwärts <%> Machtspruch. Latzt>me nur ins Blaue schweifen: scheltet nur.«ie weit wir'» treiben. Aber ein Band sollte bleibend Jeden,»ie er strebt, begreifen. Richard Dehmes. Ebbe Wulfs?ung. Vmi 5>a n s Fr. Bl u n ck. Thies Möller, der Watlenarbeiier. packt« langsam Draht und Axt susammen. hing die dicken, gelb geschälte« Pfähle, die«r van der Arbeit übrig behalten hatte, über die Schulter und sah noch einmal prüfend über die ousg« belferte» Buhnen, die in dunNen Streife» uxu über de» graublauen Schlick liefen. Dann holt« er bedächtig seine furje Pfeif« aus der Rocktasche, stopfte sie. riß ein Streichholz an und sah einen Augenblick in die hell aufflackernd« Flamme in seiuer hohle» Hand. Als die Pfeif« brannte, wandte er sich und stapfte mit schweren Schritten durchs Watt dem Deich �u, der fern wie eine dunkle Welle vor dem Land lag. Bom Meer, das in grauen Strichen fern unter der Kimmung lauerte, wehten JrühlüigsbLc». herb hoch, doch lenzfroh und flügge wie jung« Möwen. Ein«infamer, versonnener Mann:var der Arbeiter. Einsam wie sein Werk mitten in der braunen, unendliche» Weile. Ein paar Fischersraucn, die mit ihren hohen Kiepen am Priel eniiang wanderten und die Wasser, die täglich stieget, und fielen, ivaren seine einzigen Nachbarn geblieben. Thies Möller schaute auf. Boiu Priel war ein Helles Lachen zu Ihn» herübergedrungen. Scheu blickte er sich um und sah Hans Wulf und hinter ihm Fritz Lassen, die luulters-elenaUetn»ach Brunstoog liefen. Er droht« ihnen:„Wohin?" „Na Hus." lachte Hans Wulf und sprang wie ein Wiesel mit uackten Füßen durch Pfütze» und Rimie», daß der Größer« Mühe hatte gu folgen. „Paß op, Hans, de Tide iFlut) kommll" rief der Arbeiter ivar- i.end, aber der Junge war längst vorbei und wirbelte im Laufen mit beiden Armen durch die Lust, als spiele er mit dem Wind. Ebb« Wulfs Jung! Thies Möllers Gedanken flogen zehn Jahre zurück, damals, als er als Bursch Z» de» Soldaten sollt«. Zwanzig Jahre mag«r gewesen sein, und Ebbe Wulf war achtzehn. Und Thies Möller und Ebb« Wulf»varen ausgemacht im Dorf bei den Leuten und jeder dachte, daß es ein schwerer Abschied würde. Aber die Leu:« hätten zuviel gesprochen und zuviel geneckt, und keiner von Heid«» wollte dem andern das erste«niste Wort geben und ihm zeigen, wie lieb er ihm sei. Der Waltenarbeiter schritt schwer über de» Schlick. Ans Rillen und Lachen wuchs das Wasser heimlich unter ihm, als strömte es aus der Erde empor. Möwen segelten hoch, und ihr verwunschener König schri« ungrsühnt vor Neid und Qual. Ein mariner Tiegen trieb im West, der pfeifend in furze» Böen vom Meer auffuhr. Thies Möller dacht« an di« Jahre. Ebbe Wulf war verheiratet, als er wiederkam, und hatte ihn angesehen wie einen Fremden, so lange war er fort gewesen und so müde kam er zurück. Da war sein Trotz liefer gegangen bis ins Herz und er war noch einrnal hinausgezogen in die Welt. Und Ebb« Wulf war Wilfrau, als er wiederkam, und ihr Jung« spielte um ihre Knie. Aber der Trotz war der alte geblieben bei beiden. Si« grüßten stch kaum und stchcn sich feindselig an, wenn sie sich trafen. Ein gelber Widerschein brach laugiaiu vom Meer. Die Tropfen begannen zu blinken, wi« splitternde Steine zu fallen. Eine riestge Lohe schlug dunkelrot auf im Westen und verbrämte Watt und Lathen mü brennenden Farben. Die Wolken schienen tief zu sinken, wurden bunt im Glanz der sterbenden Sonne und ließen rötliche Nebel weithin über die Fläch« sinken. Thies Möller sah sich um und wunderte sich, daß der Abend der gleich« war wie damals, als er aus seiner ijeimat sollte. Und «r vergaß die Zeit, die verronnen war. und lief mit seinen Gedanken noch einmal durch de» dämmernden Abend über den Deich zu Ebb« Wulfs Haus. Und in seinen Gedanken war er statt des anderen, der sie freit«, war der Jung sein. Thies Möller reckte sich, drehte sich um und starrte mit weilen Augen auf da» Watl. Die Sarne war gesunken, und fern vom Meer krochen braune, dunkle Wolke» auf. Frtiz Lasse» lief unruhig den Priel entlang, dem Land zu. Einen Augenblick starrte der Ar- beiter über die Weite. Dann brach ein gurgelnder Ton:„Der Jungk" ous seinem Mund. In wenigen Schrillen war cr am Wasser. „Wo ist Hans?" schrie er den Jungen an. Der blickte angstlich auf.„Ick nxet»ich, he is oileen wider- lopen." Thies Möller sah den anderen bestnnungslvs an, dann fuhr cine zitternde Angst in ihm aus. Mit einem Ruck wandte er sich, setzte in langen Sprüngen am Priel entlang über Rinnen und Lacken und rannt« in das weite, braune Watt zurück, dahin, wohin er Hans Wulf zuletzt gesehen hatte. Das Wasser wuchs unter ihm >md schob vom Priel ans weiße Schaumstreisen über den geriffelten Schlick. Möwen flogen krächzend aus und suchten Schutz vor dem sinkend:» Abend. Thies Möller rannte, als geile es sein Leben. Ihm fiel jäh«in, daß der Sonnpriel seit drei Tagen einen neuen Weg weiter ab von Brunskovg wählte, der tief und reißend mar, daß kaum einer sich darüber uxigcn durfte. Bom Meer kaum langsam ein dichter Dunst. Der kroch heran wie«in fahles Tier ohite Augen, das tausendfach wogende Arme ausstreckte und mit ihnen Flut und Land grau und endlos um- schlang. Di« Möwen flogen zmn Land, und der Wind lag lautlos auf den Walten, als fürchte er sich. Thies Müller irrt, tappt verzweifelt durch die ivachfende Flut und sucht eine» Weg durch den Nebel. Dan», als er am Priel mit ! teuchendein Atem entlangg«laufen war, ohne jeinonden zu finden. Wieb er plötzlich stehen und schrie laut a»? vor Qual und Angst mn ' Ebbe Wulfs Jung, daß es gellend über di« Wallen schallt« und den Abend zerriß. Fern, jenseits des Priels kam eine dünne Knabenstimme, äugst- sich, als wagte sie nicht, den Nebel zu wecken. Da sprang Thies Möller in die aufspritzende Flut, watete bis cn die Brust durchs Waste r. bis langsam der Boden stieg und in weil«, überschiveminto Wattenfeider verlies. „Thies, Thies." der Ju»g« hing fich zitternd an ihn. Seine Glieder bebten, wittenlos ließ er sich aus den Arm nehmen. Langsant suchte Thies Möller seinen Weg durch die Flut zurück. Zwei alte, lchlbgesüllte Priel«, die er guer durchschritt, gaben ihm i die Richtung noch Brunstoog. Dann verlor sich wieder alles in einer wachsenden, einsarbenen Wajsersläche, in der er sich mühsam durchzuarbciten suchte. Aber der Rebcl wurde dichter, braungelb, lind das Master um sein Knie wurde uuruhig, sing an, schaumige Wellen zu Wersen, spritzte und pischtctc ringsum aus unter seinen Schritten. Thies Möllers Bnist ging schwer. Er keuckl«, als brenne i der Nebel in seiner Brust. Mitunter stolpert« er, rassle sich wieder aus und suchte ün Gva» iveithi» nach Wegen und Händen, die ihm i Helsen könnten. Aber unbarmherzig quoll das Dämmern von allen Seiten auf ihn ein, und ihm mar, als müßte er ersticken unter den dichten Leibern, die ihn rings umdrängten und sich schwer aus ihn und seine Brust legten. Da wlichs das Wasser wieder uiüer seinen Schritten. Ihm war, als neigte sich der Boden langsam, als griffe die Flut gierig und schadenfroh»ach seiner Kehle. Thies Möller blieb stehen und schrie den esiien Namen um Hilfe, als müßte der ihn erlösen von einer Last. Der Junge auf seinem Arm griff nach seinen Backen, als wallte er die streicheln. „Mudder, Mudder," sagte er leise und begann zu wimmern. Thies Möller war, als dürste er nicht vergehen, als dürfte Gott i es nicht zulassen, um des Jungen, um des Weibes willen. Da hörte er, wie weit rechts hinaus der Schlepper, der vor Heltmort lag und beim Nebel kein« Einfahrt sand, laut und warnend pfiff, und wußte, daß vor ihin Brunskoog Ileaeii mußte, und daß er mitten im alten Priel war. Mit letzter Kraft beugte er sich vor, drängte gegen die Strömung, suchte Halt an dem gleitenden Sand« unter seinen Füßen und reckte den Leib aus dem Wasser, das gegen fein« Brust stieg. . Bis der Bode« wieder näher wurde, und die Flut niedriger und ous dem Nebel«in zitterndes Feuer, das Lolsenfeuer von Brunskoog, auftauchte. Da riß Tbies Möller noch einmal das Kind an sich. Ihm war, ' als müßte er jubeln, faul aufjubeln. Lackend schrie er in den Nebel hinein:„Komm, Jung, nu wüllt wi to Mudder." Filmaufnahme von Operationen. Don Ernst Degner. Bis vor kurzem war die Verwertung von Filmen für den chirurgischen Unioersttätsunterricht ein ungelöstes Problem. Seit Doyen mit seinen Operationsaufnahmen, die er vor über IS Iahren zeigte, einen glatten Mißerfolg hatte, weil sie nur den theatralischen, äußerlichen Teil einer Operation zeigten, war es nicht gelungen, die Kinematographie in den Dienst der Chirurgie zu stellen, und doch lag da? Bedürfnis vor, chirurgische Technik auf andere als die bis- her geübte Weife dem Studierenden klar zu machen. Darstellungen in Lehrbüchern find langatmig, und selbst wenn sie durch gut« Zeich- nungen, Photographien oder Beschreibungen unterstützt sind, unklar und mißverständlich. Auch die prakttsche Borführung einer Operation im Krankenhaushörsaal kann den gewissenhosten Studenten nicht be- friedigen. Die Erfahrung, daß bei einer Operation Blut fließt, daß eine Unzahl von Instrumenten benutzt wird und daß sie Entschluß- sähigkeit und Fixigkeit erfordert, hat er schon nach den ersten Malen gemacht. Welches Maß von Krastentfattung bei den Manipulationen anzuwenden ist, kann er durch Anschauung auch nicht lernen. Die „weiche" oder„harte" fjand ist Sache des Gefühls und der Ersah- rung: das hat ihm der Professor auseinandergesetzt. Wozu ihm der Hörsaal verhelfen soll, ist die Vermittlung von Kenntnissen in der Operationstechnik. Aber, so sonderbar es auch klingen mag, es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß er im Operationssaal von der Operationstechnik etwas sieht. Denn abgesehen davon, daß die Moni- pulationen viel zu schnell ablaufen und die einzelnen Objekte so winzig sind, daß eine genaue Beobachtung unmöglich wird, ist um den Pattenten in der Regel ein ganzer Stab von Personen be- schäfttgt, der dem Zuschauer nur zusallsweise eine Aussicht läßt. Aber selbst im günstigsten Fall bleibt ein großer Teil des komplizierten Hergangs der Operation dem Auge verborgen, weil die meisten Eingriffe von oben her an dem liegenden Patienten vorgenommen werden, so daß den Studenten alles vorenthalten wird, was in der Tiefe der Wunde vor sich geht. Demnach schien der Film berufen, eine empfindliche Lücke im Universitätsunterricht auszufüllen. Indessen hat die übliche seitlich aufgestellte Aufnahmckamera einen ebenso ungünstigen Platz wie der zuschauende Student. Die entstehenden Bilder werden noch dazu häliflg verschwommen und undeutlich, weil die für jede Filmauf- nahm« notwendige intensive Beleuchtung durch den Rücken des Operierenden abgeblendet wird. Was aber über diese Mängel hin- aus dem bisherigen Operottonsfilm das Mißtrauen und die ab- lehnende Haltung der Fa6)gelchrten eintrug, ist ein U ebelstand, der in der Tat äußerst bedenklich war. Die gewöhnliche Appa- ratur ermöglichte es nicht, die Filmaufnahme mit den Kunst regeln der Chirurgie zu vereinen. Weder die Ausnahmekomera noch die Scheinwerser lassen eine aseptisch« Operatton zu. Es war also«in Patient, dessen Operation im Film festgehalten werden sollte, im höchsten Grade gefährdet Der Direktor des Wilmersdorfer Städtischen Krankenhauses Dr. von Roth« stellte für den besonderen Zweck die Ausnahmetechnik auf ganz neue Grundlagen und löste damit das Problern— Jahrzehnte nach der Einführung des Films. Er gab der Aufnahme- kamera den günstigsten Platz, der sich für Operottonsfilm« denken läßt, nämlich über dem Operationstisch, wo sie an einem senkrecht verstellbaren Rohr aufgehängt ist. Die gesamte Apparatur ist elektrisch betrieben und läuft, vom Chirurgen selbst in Tätigkeit ge- setzt, automatisch. Durch«ine sinnreiche Vorrichtung trifft das aus Nebenzimmern dringende Scheinwerferlicht von oben her auf das Operationsgebiet. Infolge der geschilderten Anordnung gestattet die Rothesche Apparatur, die In allen Teilen sterilisierbar ist, einwand- freie, von der Operattonstätigkeit nicht ablenkende Aufnahmen und ll�crt zum erstenmal wissenschaftlich wertvolle Filme, die den chirurgischen Unterricht nicht nur zu ergänzen, sondern zu verttefen vermögen. Wer einen der zahlreichen von Rothe hergestellten Filme Hot abrollen sehen, ist überrascht, mit welcher Klarheit sich hier der speziell? Eingriff bis in die feinsten Einzelheiten darstellt. Die Filme haben denn auch bei seinen engeren Fachkollegen sehr rasch Anerkennung gesunden. Prof. Bier war der erste, der in der chirurgischen Klinik in der Ziegel st ratze einen Auf- nahmeapparat erhielt. Seit einigen Tagen verfügt die Breslauer Universitätsklinik ebenfalls über diese aussichtsreiche Einrichtung. Auch von dem bekannten Institut Rubio in Madrid wurde sie im Anschluß an eine spanische Vortragsreise in Austtag gegeben, die Rothe auf eine Einladung der Madrider Universität Ende des ver- gangrnen Jahres unternahm. Bedeutende spanische Gelehrte er- boten sich, ein besonders erfreuliches Ergebnis seiner Vorträge, durch Vermittlung seines Filmoerfahrens mit den deutschen Kollegen am gemeiusamen Werk zu arbeiten. Sie beweisen damit, daß echte Wisienschaft über politische Grenzen und politische Beschränktheit erhaben ist. Die Kinematographie nach dem Rotheschen Verfahren hat jetzt auch ein eigenes Heim erhalten. Im Januar wurde in der Charit« das Institut für medizinische Kinematographie eröffnet, das Dr. von Rothe unterstellt ist. Es wird nicht nur am dem Ausbau des chirurgischen Unterrichts mitarbeiten, indem es die Universitäten mit Operationsfilmen versorgt, sondern es verfügt auch über die modernsten Einrichtungen kinemolographischer Technik, die In den Dienst speziell-medizinisckier Forschung gestellt sind. Nach rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten geleitet, berechtigt es zu hoch- gespannten Erwartungen und verdient daher von den maßgebenden Stellen in jeder Hinsicht gefördert zu werden. Bor allem sollte es als zeitsparendes Bildungsinstitut bei der nun schon seit Jahren ge- planten Reform des medizinischen Studiums in Rechnung gestellt werden. Crübebengebiete. Von Johann Charte t. Die Ereignisie die jüngst von der Westküste Amerikas und dem Stillen oder Pazifischen Ozean gemeldet wurden, erinnern un» wieder einmal daran, daß die Kräfte, die an der Umgestalttina des Antlitzes unserer Mutter Erde arbeiten, noch Immer am Werke sind. Wir denken hier nicht an jene Kräfte, die von außen ein» wirken und zu denen Hitze, Kälte, Wasser, Eis, Wind gehören. Ihre Tätigkeit vollzieht sich so langsam, daß die Folge« sich nur in längeren Zeiträumen überblicken lassen. Die gemeldeten Ereignisse weisen uns vielmehr auf die inneren Kräfte hin, die als Vuikanis» mus und Erdbeben in die Erscheinung treten. Die Folgen dieser Kröfie sind sofort zu spüren und für uns Menschen oftmals recht unheilvoll. An allen Stellen auf der Erde, wo sich große Gebiete gesenkt haben, also ausgedehnt« Erdschollen in die Tiefe gesunken sind, finden wir die Randzchnen dieser Bruchgebiete mit Vulkanen besetzt, die noch tätig oder schon erloschen sind. In diesen Gebieten sind auch die Erdbeben besonders häusig. In Deutschland ist die oder» rheinisch? Grobenversenkung ein solches Gebiet. Als Horste blieben im Osten der Cchwarzwald, im Westen die Vogesen stehen, während das zwischen ihnen licaende Land in die Tiefe sank und zum Rhein» tal wurde. Die erloschenen Vulkane der Eifel deuten aus eine äußerst rege vulkanische Tätigkeit hin in einer erdgeschichtlich nicht allzu fern zurückliegenden Zeit. Hin undjoieder kommen hier auch Erdbeben vor, so in der Pfalz, im Schwarzwald und in der Gegend von Aachen. Das amerikanische Küstengebiet des Sttllen Ozeans ist ein solches Absin kungsgebiet von riesigen Ausmatzen. Beinahe vom Nordpol bis zum Südpol reicht die Zerreißung der Erdoberfläche. Der westliche Teil dieser gewaltigen Landscholle sank tief in das Meer hinab, während der östliche Teil als die gewaltige Gebirgs- kette der Anden die Westküste des gesamten amerikanischen Fest- landes bildet. Obwohl d'ese Veränderung in der Tertiärzest ge- fchah, also schon einige Iahrmillionen zurückliegt, wirken die Er- schüstcrungen jetzt noch nach. Die Landschollen sind noch nicht zur Ruhe gekommen, in senkrechter und wagerechter Richtung verschie- den sie sich fortwährend. Auf der gesamten Erde traten in de? Tertiärzeit gewaltige Veränderungen ein; mächtige Gebirge, wie die Aloen, entstanden in jener Zeit, und die Vulkantätigkeit war äußerst rege. Wir erleben gewissermotzen die Rochwehen jenes erd- erschütternden Zeitabschnittes, dem das Antlitz unserer Mutter Erde hauptsächlich sein« heutige Gestalt verdankt. Die nördliche Grenze der amerikanifch-pozifisttschen Grobenversenkung bildet die Inselgruppe der Alcuten, die die Reste einer ursprünglichen Landverbindung zwischen Amerika und Asien dar- stellt. Sie ttägt einen durchaus vulkanischen Charakter. Auch der Meeresboden wird in dieser Gegend von Bulkanausbrüchen und Seebeben(d. f. Erdbeben des Meeresgrundes) heimgesucht. Mit» unter steigen tätige Vulkan« urplötzlich aus dem Meere auf, wie die beiden Bogoslos-Dulkane. von denen sich der ein« am 7. Mai 1796 vor den Augen entsetzter Seesahrer über den Meeresspiegel erhob, ivährend dar andere am 27. September 1883 zuerst gesehen wurde. Weiter südlich zeigt die Westküste Nordamerikas allerdings nur erloschen« Vulkane. Die letzten Reste der vulkanischen Tätig- keit in dieser Gegend sind die Geise? des Belowstonepark». Daß sich in diesem Gebiet auch Erdbeben ereignen, zeigte u. a. da» gewaltige Beben vom 18. April 1906, bei dem San Franzisto zer- stört wurde. Als Fortsetzung schließt sich die Bulkanzon« Miiteiamerikas an, deren Vulkane gegenwärtig in voller Tätigkeit sind. Zu groher Höh« steigen sie auf, so der Colima bis 4300, der Acotenango bis 4150, der Tolura bis 4600, und der Popokatepetl bis MSÜ Meter. Hier liegt auch der Iorullo, der 1759 vor den Augen der erschreckten Bevölkerung inmitten einer furchtbaren Eben« aufstieg, nachdem der Erdboden sich vorher schon wi.d bewegt hatte. Die pazifische Küste Südamerikas weist die höchsten Vulkane' der Erde auf, wie den Ootopaxi in Quito mit S943 und den Sojama in Peru mit 6-11S Mettwn. Auch in Südamerika finden sich zwischen den einzelnen Gruppen tätiger Bulkan« Gegenden, in denen die vulkanische Tätigkeit erloschen ist. Hier treten häufig Erdbeben auf. In einem solchen Gebiet liegt auch Valparaiso, das bei dem heftigen Beben von Mittelchile am 16. August 1906 stark gelitten hat. Die in der Nähe des Nordpols beginnende amerikanisch-pozis.sttsche Bruchspolte setzt sich fort von der Süd- spitze Südamerikas, hier von der Magelhaensstrahe unterbrochen, bis zur Antarktis, dem Erdteil des Südpols. Hier liegen, begraben unter einer mächtigen Eisdecke, die beiden Vulkan« Erebus und Terror, der erster? bis<000 Meter hoch. Wir sehen, daß die Gegend, aus der uns jüngst wieder Erfchüt- terungen der Erbe gemeldet wurden, ein an solchen Erschütterungen äußerst reiches Gebiet ist. Wir dürfen hier im Lause der Zeiten noch manche Ueberraschung erwarten von den umaestaltenden Kräi- ton der Erde, die Inseln im Ozean versinken lassen, wie jetzt die Ostcrinsel, die aber an anderer Stell- wieder Neuland aussteigen lassen aus dem Schoß des Meeres. Kunstgeftbichte. Von John Schitowsti. (eins gewoltige Umwälzung vollzieht sich gegmwärrtg im Kunst- schassen aller Kulturvölker, eine Umwälzung, wie die Welt sie seit länger als einem halben Jahrtausend nicht mehr erlebt hat. Der Schossensgeist ist ein anderer geworden, neue Ziel« tauchen auf und die Entwicklung schlägt Vohnen«in, die von den bisher verfolgten weit abweichen. Kein Wunder, daß die neuen Tendenzen, die das Kunst schassen bestimmen, auch dem Kunst urteil neue Ee- stchtspuntte eröffnen und daß man das, was frühere Zeiten auf dem Gebiet der bildenden Künste geleistet hoben, heut« anders wertet, als es bisher geschah. Die kunstgeschichtliche Epoche, die mit der italienischen Renaissance begann, im sogenannten Impressionismus unserer Tage ihren Höh«. punkt und Abschluß erreicht hatte und jetzt zu Grabe getrogen wird, sah das Ziel alles künstlerischen Schaffens in der Nachahmung der äußeren, sinnlich wahrnehmbaren Wirklichkeit und sie lebte in dem Irrtum, daß das künstlerisch« Schassen aller Völker und aller Zeiten dieses Ziel verfolgt habe. Di« Kunsthistoriker der jetzt ablaufenden Epoche, die man kurz als die naturalistische bezeichnen kann, gingen von dem Standpunkt aus: Di« Kunst strebt nach möglichst vollkommener Wiedergabe des äußeren Naturbilde«, und wenn sie zu irgendeiner Zeit dieses Ziel nicht erreicht hat, so lag das nur daran, daß die Künstler nicht über die notwendigen tech- nischen Mittel und Fähigkecken verfügten. Der inzwischen verstorbene Wiener Kunstgelehrte Alois Riegl war der erste, der diesen Emndpunkt ausgab und in die kunst- geschichtlich« Untersuchungsmethode den Begriff des„Kunst. wollens" einführte. Er sagte: nicht mangelndes Können, sondern ein aus andere Ziele gerichtetes Wollen ist die Ursache, daß die bildende Kunst lang« Jahrhundert« und Jahrtausend« hindurch die äußere Natur nicht nachgeahmt Hot Die alten Aegypter z. B. konnten die Natur sehr getreu nachahmen, wie zahlreiche Porträt- stotuelten beweisen Ihr Kunstwvllen aber war nicht daraus«inge- stellt, und wo es sich um eigentlich« hohe Kunst bei ihnen handelte. da sind ihre Schöpfungen nichts weniger als naturalistisch, sondern, wie man heute sagen würde,„« r p r e s s i o n i st i s ch". Das zeigen ihr« für die Ewigkeit geschasfenen Pharaonenmonument«. Und ebenso verhält es sich mit der Kunst des gesamten europäischen Mittelalters von den frühchristlichen Zeiten bis zur Gotik. Mehr als zwanzig Jahre sind vergangen, feit Riegl der Kunst- bctvachtung diesen neuen Standpunkt anwies, aber bis heute haben die Männer der zünftigen Wissenschast von dieser bahnbrechenden Erkenntnis fast keinen Gebrauch gemacht. Unser« bekannten großen kunstgeschlchtlichen Werke behandeln die Entwicklung nach wie vor unter einseitig naturalistischem Gesichtswinkel. Di« Einzelforfchung hat«ine Fülle von neuem, zum Teil sehr wichtigen Material zu- iammengebracht, aber sobald es sich um Sichtung und Würdigung des Materials handelt, kommt man zu den schlessten Resultaten. Dann erscheint z. B. die grandiose, in ihrer Art vollendet« altorien- talische Kunst lediglich als eine unzulängliche Borstuf« der griechischen, die tatsächlich ganz andere Ziel« verfolgt« als jene und daher gar nicht mit ihr zu oerglcichen ist. Malerei und Plastik des Mittelalters werden ihrem innersten Wesen nach mißverstanden, weil man sie mit den Maßstäben des Naturalismus mißt, dem sie absolut wesensfremd sind. Als Gipfelpunkte der altorientalischen und der mittelalterlichen Kunst preist man einige Werk«, die zufällig naturalistische Züge trogen, aber für das Kunstwollen ihrer Zeit keineswegs kennzeichnend sind. Auch die große„Geschichte der Kunst oll«r Zeiten und Völker von Karl Woerman n*), deren zweite Aufloge jetzt mit dem Erscheinen des sechsten Bandes vollständig vor- liegt, krankt an diesem Grundübel der salschen Einstellung. Man bewundert die Riesenleistung deutschen Gelehrtensleißes, aber man darf sich nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Wert heute eigentlich nur als Materiolsammluna und Quellennachweis brauchbar ist Wer zur Kunst in lebendige Fühlung kommen, wer in den schassenden Geist fremder Völker und ferner Zeilen eindringen will, der findet hier keine Erleuchtung und kein« Führung. Er wird, wenn er die sechs Bände durchgearbeitet Hot, ein« Fülle positiver Einzelkcnntnisse gesammelt haben, aber auf die Frag«, aus die alles ankommt, wird er ein« Antwort vergebens suchen: welches Wollen spricht au» dem Kunstschaffen der einzelnen Epochen und aus welchen materiellen Grundlagen wirtschaftlicher und sozialer Art ist dieses Wollen jeweils erwachsen? In dem neuen Band«, der die Kunst der Neuzeit von 1750 bis zur Gegenwart behandelt, treten dies« Mängel weniger hervor, weil die jüngst« Vergangenheit eine naturalistische Betrachtungsart sehr wohl verträgt und weil der Verfasser osfensicbtlich bemüht ist, auch der jetzt im Werden begriffenen Kunst nach Möglichkeit gerecht zu werden. Nach Möglichkeit— denn daß der heute 79jährige Gelehrte noch«in lebendiges Einfühlen in den Expressionismus zustand« bringt, wird niemand erwarten. Aber er bleibt objektiv, er sucht, da er«inen eigenen Standpun't zu dem Neuen nicht recht finden kann, aus den theoretischen Erörterungen literarischer fflWrtsührer des Expressionismus einen Etardpuntt zu gewinnen und für den ßeser zu formulieren. Daß er dabei nicht immer aus einwand- freien Quellen schöpft und daher zu manchem schiefen Urteil gelangt und auch mancher tatsächlich« Irrtum ihm unterläuft, wird man dem alten Herrn nicht allzu siharf ankreiden. Es gebt aber wirklich '*) Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig. nicht an, fast in einem Atemzu« mit Kundinsky und Chagall einen Lassar Eegall oder gar Sjerrn Jefim Eoihschesf zu nennen, und der mehrmals erwähn«: Maler„von Maltzahn" existiert überhaupt nicht, sondern beruht wohl aus einer Verwechselung mit dem braven Johannes Molzahn, der nichts weniger als«in Junker, sondern» wenn ich nicht irre, der Sohn einer sehr schlichten Bauernfamill« ist. Im großen und ganzen aber sind die positiven Daten des Bandes reichhaltig und zuverlässig und er ist daher als Rachschlage» buch durchaus zu enipfehien. Die große, wirklich moderne Kunstgeschichte aber, die die Relul» täte nicht nur der ncuestcn historischen Forschung, sondern auch der ästhetischen Kritik und Theorie sich zu«igen gemacht hat, fehlt uns noch. Ob ein einzelner imstande sein wird, sie zu schreiben, erscheint fraglich. Denn es gehört mehr als ein Menschenalter dazu, um das gesamte Material sich so zu eigen zu machen, wie es der greis« Woermann in der unermüdlichen Arbeit seines langen Lebens vermocht hat. Aber es wäre schon«in großer Gewinn, wenn ein dazu Berufener sich entschlösse, den deutschen Kunstfreunden ein knappes Kompendium zu schassen, das die richtigen Gesichtspunkt« aufzeigt und klärende lleberblicke gibt. Sei öen Noröftefisthern. Von I. Kl i che. Frei ist der Fisch und frei ist der Fang. Das alte Wort der Küstenbewohner, es gilt heute noch ebenso wie zu Zeiten Störte» beckers. Alle», was in Schlick imd Schlamm patscht und kraucht, was im Sonnenspiel der Meeresoberfläche oder in grausiger Tiefe sich tummelt, ob Muschel, Krebs oder Molch, ob Hering, Seehund oder Walfisch: jeden! steht ein Jagdrecht gegenüber diesen Meeres- bewohnern zu. Fragt sich nur, ob er über Mittel und Möglichkeiten verfügt, es auszuüben. Am leichtesten wird» dem Krabbe nfänger, der zur Ebbe» zeit seinen Schiickschlitten übers Wott zieht, die Fangkörbe befestigt und sich nun durch die nächste Flut die kleinen, grünlich-grouen, lang- schwänzigen Krebse, auch Garnelen genannt, in diese hineintreiben läßt. Mit aufgekrempelter ftofe im Sommer, in hohen Wasser- stiefeln im Winter ratscht dieser in: gurgelnden Ustrfchlamm umher, holt nach jedem Flutwasser seine Beute, kocht diese bei lebendigem Leibe in Salzwasser und verkaust sie dann psimd- oder literweise für menschliche Telitotehzwecke, als Vogelfutter, oder, falls die Maffe schon in Verwesung übergegangen ist, auch als Düngemittel. Sein Fanggerät ist priimiiv, und mancher huldigt dieser zumeist recht lohnenden Beschäftigung im Nebenamt. Wenn er von der Acker- scholl«, vom Bau oder aus der Fabrik kommt. Mit ganz anderen Mitteln als der im quirlenden Userschlamm watende Krabbensänger arbeitet der K ü st e n f t s ch e r. Mit großen Booten fährt er hinaus auf die See, wirft seine Netze aus und birgt nach mehrstündiger Arbeit seinen fett oder mager ausgefallenen Fang. Freilich, zurzeit befindet sich auch der Küstenfischer in einer Notlage. Während des Krieges»var das anders.. Da ruhte der Hochseefischsang, die Küsiensischer waren ohne Konkurrenz und emp« fanden ihr Gewerbe als lohnend. Der Fisch war dazu ziemlich ? gutmütig, er gondelte arglos im Küstenwasjer, heute hat er sich er- ahrungsgemöß wieder in die tieferen Gewässer zurückgezogen, wo es schon seetüchtiger Schiffe bedarf, um ihn zu sangen. Zumal jetzt im Winter. Zweifellos befindet sich die mit geringem KapckÄ arbeitend« Küstenfischerei in einer Depression. Das hat auch d>» Reichsregierung anerkannt und daher den Fischern staatliche Unter- stützung zugesichert. Das Rennen machen die H o ch f r e f! s ch e r e i g e s e l l s ch a f» t« n. Allerdings mit wechselndem Erfolg.. Angeblich je nachdem die Ausfuhr der Fänge regierunasfcilig erlaubt oder verboten ist. In dieser Frage ist man sich völlig im Un klaren. Als seinerzeit die Grenzen geöffnet wurden, gingen regelmäßig deutsche Fischladungen nach der Schweiz und nach Holland, was mr Folg« hatte, daß bei uns die Preise stiegen und der Fiscb in den Markthallen und noch mehr auf den Tischen der deutschen Verbraucber zu einem seltenen Gast wurde. Also verrieg?lte man vor gut Jahresfrist erneut die Türen. Doch hier und dort verstand man das Verbot zu um- gehen. In den ersten zwei Wochen des Bestehens der Sperre hatten nicht weniger als 27 deutsche Fisckdampfer ihre Ladung in Amuiden gelöscht. Trotz Verbots waren für rund aebt Millionen Mark Fische ins Ausland gebracht worden. Valutafifcher. Um die Ausrede mar man nicht verlegen. Man bätte sich in Seenot befunden und den nächsierreicl- baren Hasen aufsuchen muffen. Da- bei hotte die Regierung die Fischereigesellschaften noch vorzugsweis« mit Kohle versorgt.. Ein« mißliche Sache. Kurzum: am ersten Märztage des vor!- gen Jahres öffnete man wieder die Grenzen, um das freie Spiel der Kräfte sich ausleben zu lasten, ein halbes Jahr später aber schloß man sie ,aus Rücksicht aus die augenblickliche Ernährunqslaae" zum drittenmal. Um sie in diesen Tagen auf den dringenden Rat der Fischereigesestsckaften hin voraussichtlich wi-der zu öffnen! Da finde sich einer noch zurecht. Zu allem Ueberffuß meldete kürzlich der römische Korrespondent eines großen Berliner Blatte», daß sich in Italien eine Gesellschaft sllr�den Großbetrieb des Fisch» fanges in der Nordsee gebildet habe und daß Deutschland hierzu 25 moderne Fischdainpfer aus Reparationsrechnung liefere. Man sieht: die deutsche Nordsee bleibt immer ein Problem, so» wohl für die internationalen Morinestrategen wie für die Fischer«!- spekulanten. Wissen und Schauen Arabische fiutot in der Südsee? Daß die Südsee mit ihren gcwnttigen Wasser- und Landkomxtexen noch viel Stoff zu wi'sfenschafltichen Funden und Studien geben kann, ist wohl klar� Nun sucht Dr, Ludwig Cohn in Bremen in den„Deutschen Geographischen Blättern" dort Spuren einer großen Tätigkeit der Araber nachzuweisen. Er hat dazu ein sehr reichhaltiges Material gesammelt, das sich in erster Linie an sprachliche Erscheinungen anlehnt. Ost haben wir es hier init gut erhaltenen Sprachresten aus dein Arabischen zu tun, oft aber lirzcn Umnwnblmgen nach dem Charakter der jeweiligen Eingeborenen- sprachen vor. Dr. Cohn geht besonders aus die Palau Inscln und Mp ein, knüpft an Südsee-Märchen an und behauptet, manche wie die von, bösen Zauberer Thrtifi könnten nur importiert sein. Duo Geld der Polau-Inseln ist nach ihni zweifellos von Arabern und nicht von Malayen eingeftihrt, ebenso wohl die Fadenspicle, die Erzeugnisse höherer Töpferei u. a. In manchen Gotternamen sieht er Prädikate und Ausrufungen Allahs. Roch viel« Inselgruppen zieht er heran und knüpft an das Erbracht« ethnologisches und anthropologische Betrachtungen. Nach jener Vermutung haben die Araber schon im jrühen Mittelalter in Mi kröne sie n in großem Umkreise Kolonien«»»gelegt, hauptsächlich zu tyinbelsatocrten. Von der unfruchtbaren Küste Reu-Guineas sind sie vielleicht durch den Goldrcichtum der Flüsse virgelockt morden. Die dem Islam cnt- stammende Lehre vom Weltschöpser und viele Kulturgaben. wie die Weberei, rühren von ihm her. Daß durch sie semitisches Blut aus die dortigen Volker übertragen worden ist, läßt sich an häufig vorkommendem semitischen Typus nachweisen. Di« arabische Nieder- lassung stellt er als Tatjache hin und überläßt den Sprachforschern die weiteren Erhebungen Daß sich gegen seine Ansichten viel einwendet» läßt, ist wohl sicher. So geht denn auch Professor v. Luschon in der„Zeitschrist für Ethnologie" scharf dagegen vor und erklärt es für ganz unmöglich, diese Arbeit enist zu nehmen. Das ist nun aber doch wohl enlschiedeu zu weit gegangen. Cohns Schrift verdient unbedingt Beachtung, und wir glauben, daß sich hier noch viel erforschen und bestätigen läßt, wenn er auch wohl das Wirke» der Araber in der Südsee etwas sehr überschaut haben mag. M. Sch. Zerlegung der Atome. Seitdem die Physik sich die Atvine nach dem Borbild des Sonnensystems aus einem schweren Kern und darum kreisenden leichten Elektronen gebaut denkt, ist von vielen Forschern gleichzeitig der Versuch unierneinmeri»vorden, die Atome in ihre Bestandteile zn zerlegen und die Elemente ineinander um- zuwandeln. Bor wenigen Jahren ist es dem englischen Physiker Ruthersord geglückt, den ersten erfolgreiche». Schritt auf diesem Wege zu lun. Er bombardierte die Atome des Stickstoffs mit den schnelle» »-Teilchen, di« das Radium enthält, und diese schlugen hin und wieder aus den Kernen der Stickst ossatom« Wasserm.sssatvine heraus. Damit war der Beweis geliefert, daß auch die Kerne der Atome nicht einfach und«n>teilbar sind, sondern daß wenigstens die Kerne der schwereren Atom« aus einfacheren Bestmidteiien zissommengc- setzt sind Dieser Versuch legte eine Erklärung nah« für eine astronomische Erscheinung, die schon seit längerer Zeit bekmint war. Die spcktroskopische Untersuchung der Sterne hat ergeben, daß gerade auf den heißesten Sternen die sch»v«ren Elemente fehlen, und diese Beobachtung führt« zu der Vermutung, daß bei der hohen Tem- peratnr dieser Neri« die Atome so heftig gegenernauder prallen, daß die aus vielen einzelnen Bestandteilen zusamengeftizten Kerne der schweren Atome dort nicht bestehen tonnen. |BDC3feS>a}[l| Naturwiffenfthast Leber das Bellen der Hunde bemerkt der Ticrpsychvlog Roruancs: „Diese Gewohnheit, vielleicht eine Folge der Züchtung seitens des Menschen, ist den meisten Hunderasse,, angeboren und so allgemein, daß es als ein wahrer Naturtrieb angesehen werden kann. Ulloa (ein spanischer Naturforscher des IL. Jahrhunderts) indessen bemerkt, daß auf der Insel Juan Fcriiandez die Hunde niemals den Versuch zu bellen»nachten, bis sie es vo», einigen neu aus Europa ein- geführten Hunden lernten. Ihre ersten Versuche sollen aus sehr wunderlichen, gewissermaßen unnatürlnhen Tönen bestanden haben. Nach Lames Angabe jollen die eingeborenen südamerikanischen Hunde überhaupt Fremde nicht anbellen, und Hancock schreibt, daß die Nachkommen der nach Guinea aus Europa cingeführien Hund« in der l. oder 5. Generation zu bellen aufhören und nur noch wie die eingeborenen Hunde- jenes Landes heulen. Auch die Huude von Labrador sollen nicht bellen. Aus alledem ergibt sich, daß die Ge- wohnheii des Bellens, die den Haushunden so allgemein zukommt und hier wirklich instinktiv zu sein scheint, sich„ach der geographischen Lage ändert." Soweit Rvmanes. Es sei. aber hinzugefügt, daß doch auch milde Hundearten bellen oder kläffe»», denn de« sonoren Ton von Haushunden bringen sie allerdings nicht zustande. So belle»» di« allen Füchte in der Begattungszeit und die jungen,»vsnn sie Hunger haben. Dem Wolf ist die Gabe des Brllens versagt, aber er versteht, wenn er sehr hungrig ist und besonders bei starker Kälte nachts entsetzlich zu heulen.... Neues von der Mistet. Die zur Weihnachtszeit auch bei uns beliebt geworden« Mistel ist eil» botanisch interessantes Gewächs. Sie schmarotzt bekanntlich aus Nadelhölzern und Laubhölzern, auf Kiefern, Tannen. Eichen, Pappeln, Ahorn, Linden, Akazien, Kastanien usw. Es scheint ihr also eigentlich ziemlich gleichgültig zu sein, aus was für eine,, Baum das Samenkorn gerät. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Es haben sich nämlich im Laufe der vielen Jahrtausende eine Menge von Rassen der Mistelpflanze her- ausgebildet,"die der Botaniker nach ihren äußeren Kennzeichen nicht auseinanderzuhalten vermag, die sich aber nach ihren Wirtspflanzen streng unterscheiden. Brächte man ein Samenkorn von einer Mistes, die auf einer Eiche gewachsen war. auf die Rinde eines Kiefernastes (in der Natur besorgen bekanntlich die Vögel mit ihrem Schnabel diese Uebertragung). ja würde das Korn unter keinen Umständen Wurzel schlagen. Ja die Spezialisierung ist sogar soweli vorge- schritten, daß die Tannenmistel, die aus unserer Weißtanne ge- wachsen ist, sich zwar aus die nahe verwandte Nordmaimstaime übertragen läßt, aber schon nicht mehr auf Fichte oder Kiefer. Bei den Laubholzmisteln findet ähnliches statt. Die Lindenniiste! zeigt nur auf dem Haselmißstrauch kräftiges Weiterwachstmn. nicht da- gegen auf der Kastanie, der Pappel und dem Ahorn. Die Misteln von Apftltäumen pslanzen sich zwar auf Birnbäumen auch.noch fort, aber sie werden nickst mehr so kräftig wie auf einem Apfelbaum. Ebenso will eine Birncnniiflel am lievst-m einen allderen Birn- bannt zur Fortpflanzung. Merkwürdig ist auch die Langlebigkeit und Zähigkeit dieses Schmarotzers. Hat mau die Pflanz« von dem Wirte lstruiitergeschuitten, so kommen inonchrnal nach mehrjährigem Vcrborgensein»»och neue Sprosse zum Vorschein. Vt�czgQgiäW Technik Die Grenzen des Höhenfluges. Bisher hat man mit Flug- zeugen schon Höhen bis zu lOtzöv Metern erreicht. Roch Ansicht der FUigtechniker sollt« es möglich f'in,.Höhen bis zu 30 000 Meiern zu erre'ck>en,»venn es gelingt, dem Flieger in dieser Höhe den nötigen Sauerstoff zuzuführen. N«cht der Insasse allein braucht in diesen Höhen künstlichen Sauerstoff, sondern auch der Motor. Bei jedem Hub beansprucht natürlich der Motor zur Verbrennung ein bestimmtes Quantum Srucrstcft, und da die dünn« Luft in den oberen Schichten naturgemäß weniger Sauerstoff bietet, leidet darunter die Verbrennung und die Leistung des iRetors, fein« Ge. fchlvindigkeit und seine St.igkrafk. Dos Problem besteht dentge- mäß darin, ceuicrstcff in komprimiertem Zustand« mit nach oben zu neynien, von dem man in jedem Augenblick der Verbrennung»- stelle des Motors in getlügender Dosis abgebe,» kann. Ebenso muß für den Flieger gesorgt werden. Man Imt daran gedacht, den Flie- ger zu diesem Zwecke in eine» luftdicht«» Taucheranzug zu stecken, aber dessen Gervichi dürfte das Flugzeug zu stark belasten. Viel- leicht empfiehlt sich der Embau einer lustdicksten Kabine mit Glas- wanden. Bei dem htntigen Sta>»de der Technik dürfte die Lösung solcher Ausgaden nur eine Frag« der Zeit sei», wenn ein Bedürfnis vorliegt. Für Verkehr--- und Belärderungszweck.' ist di« Erreichung solcher Höhen«lierdings wertlos. Es»vare aber, abgesehen von dem sportlichen Inbresie. gewiß wissenschaftlich von Wert. iiKtm ma» anstrebte, die größtmögliche Höhe mit den» Luftfahrzeug zu erobern. In der kapitalistiseistn Gesellschaft wird freie Zeit für eine Klasse produziert durch DerivoMuug aller Lebenszeit der Massen in Arbeitszeit. Karl Marx. Das europäische Konzert. Denn der Militarismus noch lange die erste Geige Europas spieU.»Verden bald die Saiten reiße«.