Nummer 14 5. �iprU 1Y2Z ilnterhaltungsbeilage öes vorwärts Schrecken. Erzählung von Alfons Paquet. „Ni«lleicht wäre ich damals unter die Räder gekommen, wenn mich«in heilsamer Schreck nicht zur Besinnung gebracht hätte. Zwei- mal schlief ich im Asyl. Da man dort nach dem Namen nicht gefragt wird, so ging ich ruhig hin, aber öfter als dreimal darf man nicht kommen. Mit zwei änderen Leuten war ich am zweiten dieser Abend« unter den letzten gewesen, die man«ingelassen hatte. Ueber unseren Drahtbcttstellen standen die Nummern 691, 692, 693. Der ein« war«in kleiner Knirps, ein Tischlergesell«. Wir waren vor dem Einschlafen miteinander bekannt geworden. Er hatte uns, die wir mit den Gesichtern ihm zugewendet dalagen, zugeflüstert, daß er seinem Vater fortgelaufen sei. Vor ein paar Tagen sei er aus Werneuchen gekommen und seitdem in der Stadt umhergezogen. Zuletzt mit einem alten Kerl, einem früheren Metzgermeister. Uebrigens Hab« er vor, Schiffsjung« zu werden. Wir sollten doch morgen mit ihm nach Hamburg gehen. Darüber war er mit einem vergnügten Gesicht eingeschlafen und hatte angefangen zu schnarchen. Der andere, im Bett Nummer 691, hatte mir erzählt, er fei früher Lederarbeiter gewesen und sei jetzt Kohlenträger. Er stand bis obenhin voll Jammer. Er habe ein« Stellung, aber er getrau« sich nicht mehr hinzugehen, weil er mit einem Kollegen in Streit geraten fei. Außerdem habe er feinen ganzen Lohn in der Kneipe gelassen, er könne seiner Wirtin das Schlafgeld nicht bezahlen.„Ich geh« mit nach Hamburg", sagt« er.„Gebt bloß auf mich acht, daß wir in keine Kneipe kommen. Alles, nur das nicht." Ich hatte den beiden am Abend ein Beispiel geben können, das ihnen Eindruck macht«. Beide hatten in ihren Schuhen schlafen wollen, denn es kam vor, daß einem hier in der Nacht die Schuhe gestohlen wurden. Ich aber hatte meine Schuhe ausgezogen und die beiden unteren Bettpfosten hineingesetzt. Das machten sie mir nach. Aber ich wollte ja von den beiden anderen Leuten erzählen. Um vier Uhr morgens riß uns eine überlaut« elektrische Schelle aus dem Schlaf. Das hieß sofort ausstehen, sich waschen und das Haus räumen. Wir fünfzig Mann im Saal erhoben uns fast gleichzeitig, mit uns all« die siebenhundert in den vierzehn Sälen an den Seiten des Ganges. Wir falteten unser« Drelldecken zusammen und legten sie nach Vorschrift ans Fußend« des Lagers. Dänn gingen wir zu den Waschbecken. Es schellte noch einmal durch das ganz« Haus. Das ivar das Zeichen, daß wir am Schalter der Küche anzutreten hatten. Dort bekam jeder«in altbackenes Brötchen und«inen Becher mit heißer Kaffeebrüh«, fünf Minuten später standen wir wieder an der frischen Luft: das Tor wurde sofort hinter uns geschlossen. Ich war wieder mit dem Kohlenmann zusammen. Der Kleine lief wie ein Hündchen bald hinter uns, bald vor uns her und schwenkt« sein« langen Arm« mit den großen Händen. Wir ver- spürten Hunger. Auf einmal war der Kleine verschwunden. Wir beiden gingen langsamer, doch ohne uns nach ihm umza'ehen. Nach einer Weil« war er wieder bei uns. Unter seiner Jacke hielt� er «inen weißen, mit blauen und roten Sternchen zierlich gestickten Sack voll frischer warmer Brötchen.„Wenn das einer sieht!" meinte der Kohlenmann erschrocken. Aber der Kleine verteilt« rasch die Portio- neu und schob das leer« Säckchen durch einen Gartenzaun. Dann, während wir gemächlich kauend weitergingen, meint« er:„Das muß für eine größer« Familie gewesen sein." Wir gingen quer durch die ganze Stadt bis zur Iungsernheide. Draußen legten wir uns ins Gras: der Tau war schon geschwunden, die Sonn« machte warm. Gegen Mittag, als es ansing heiß zu werden— es war im August—, setzten wir uns an den Kanal und betrachteten die Kähne, die vorüberzogen. Auch Angler saßen da, und indem wir ihnen zusahen, verging die Zeit. Als endlich die Schatten länger wurden, wurde es uns plötzlich klar, daß wir eilen müßten, um.zeitig ins Asyl zu kommen, denn es wurde schon um sechs geschlossen. Es war noch so schön hier draußen. Da machte der Kleine den Vorschlag, entweder im Freien zu übernachten, oder in die Stadt zu gehen. Die Kaserne ain Älexandcrplatz sei in? Abbruch. Dort könnten wir Quartier beziehen. Er hatte schon einmal dort geschlafen. Wir überlegten nicht lange. Wir konnten nicht mehr den ganzen Abend hier draußen bleiben und«ine endlose kalte Nacht. Der Kohlenmann fürchtete zwar, die Polizei werde uns in der Stadt ausheben. Aber das sagte er erst, als wir schon unterwegs waren. Es war ziemlich weit bis zum Alexanderplatz. Doch wir wollten die Straßen sehen mit ihren blinkenden Läden, den Elektrischen, den Wagen und Gäulen, wenn wir auch mitten in dieser großen leben- digen Lichterbewegung nichts als drei sehr bedenkliche Fußgänger waren. Erst nach elf Uhr kamen wir an unserem Ziele an. Bon dem Kasernengebäud« stand nur ein Flügel noch da mit seinen langen Reihen offener Fenster. Di« Laternen waren ausgelöscht. In den zerbrochenen Scheiben glitzert« das Mondlicht geisterlzaft. Das Hauptgebäude war schon niedergebrochen bis auf wenig« Mauern. Das Ganze, von schmalen, dunklen, unbelebten Gassen umgeben, lag da wie«in ungeheurer verwesender Koloß. Man hörte aber aus der Nähe das Geklingel und Rollen der Straßenbahnivagen. Der Klein« führte uns an einem Bretterzaun entlang bis zu einer Stelle, wo ein lockeres Stück Holz quer über einer schmalen Oeffnung hing, gerade so, daß ein Menschcnkörper sich noch hindurch- winden konnte. Hier versprachen wir einander, uns nicht zu ver- lassen, was auch kommen möge. Dann bückte sich der Kleine und verschwand. Ich folgte ihm, und der Kohlenmann kroch hinterher. Wir befanden uns im Kasernenhof. Bor uns stand«> in Rich- tung wie vergessen« Soldaten vier klein« Bäume. Im Untergeschoß der Kaserne stand ein Fenster offen. Der Kleine schwang sich hinauf und half uns nach: wir standen nun alle drei in dem öden Flur vor einer breiten Treppe mit eisernem Geländer. Rechts fanden wir einen Rauni offen, der früher«ine Küche gewesen sein mochte: in der Ecke stand ein halb zerstörter Herd. Di« andere Tür dieser Stube war geschlossen, und die Klinke fehlte. Unsere Tür wollt« durchaus nicht ins Schloß: wir stcnnnten uns dagegen und schlugen endlich mit Steinen, die wir aus dem Herd« lösten, den Riegel zu. Dann klemmten wir noch Holzstück« in das Schloß und streckten uns nebeneinander auf dem Boden aus. mit den Köpfen gegen die Tür. Wir drängten uns eng zusammen, die Nachtluft sank durch die offenen Fenster kalt herein. Die anderen schienen bald zu schlafen. Nur ich lag wach in einem unsäglichen Gefühl der Verlassenheit auf dem härten, von Mörtel und Ziegelsteinsplittern bedeckten Boden. Die Leiber der beiden unbekannten Menschen schützten mich nur wenig gegen die Kälte: ich verspürte plötzlich ein Zittern, ganz leise und nach innen gehend, wie das Zittern, das dieses feste Gebäude ergriffen hatte, als langsam der Putz von den Wänden abfiel und die. Decken lautlos sprangen, bis es nun, von den Menschen aufgegeben, in der dunklen Nacht sich selbst überlassen dastand. Der Mond und die SKaßen- lichter warfen gespenstische Flecken an die Wand. Zuweilen rasselte draußen ein« Droschke vorüber. Unfern schnauften die Stadtbahn- züg«: wenn sie in die gewölbte Halle einliefen, brach ein Donner aus. Ich sah einen dieser Züge fahren, fern, auf einer unendlich weiten grünen Eben«, und ihn plötzlich um einen Hügel biegen. Dort über einen Fluß führte«in« Brücke, dürr wie ein Skelett und ohne Geländer: auf ihr ginq ein Mann mit Medaillen auf der Brust. Der Zug kam rasch, der Mann auf dem Brückengleis, mit dem Strom tief unter dem Gestänge des Brückenbodens, begann erschreckt zu laufen, er rannte wie ein Besessener. In dem Äugenblick als die Maschine ihn fassen wollte, ließ er sich durch die Brück« hinunter- fallen. Cr fiel tief unten auf den Sand am Ufer, und als er auf- stand, griff er an seinen Kopf und taumelte und lachte hell und glücklich über das Blut an seiner Hand. Nun verwandelte er sich in einen anderen Menschen, der dort im Asyl den Namen Natur- doktor hatte, einen dicken Kerl mit Schmissen auf der Backe und einem Kneifer auf der Nase. Cr trug in einem Futteral aus Pappe ein dickes Buch über die Naturheilmethode unterm Arm, däs er nachts als Kopfkissen benutzte. Mit ihm erschien Reinhold, ein blasser Narr, der den Leuten für Zigaretten das Hemd, die Weste oder die Eyosenträger abzukaufen pflegt«. Er stand plötzlich neben mir und flüsterte mir ins Ohr, er habe gestern mit einem Kollegen von einem Neubau ein bleiernes Rohr gestohlen, ein schweres Ding, die Schultern feien ihm noch rot und blau davon. Das hätten sie gemeinsam versteckt... Ich wachte auf, mich fror am Halse. Ich hatte meine Jacke als Kiffen unterm Kopf liegen, neben mir rechts und links lagen die beiden Leute und schliefen. So wagte ich nicht mich zu rühren und schlief mit diesem Frostgefühl wieder ein. Jemand ergriff plötzlich meinen Arm. Ich sah den Kohlenmann halb aufgerichtet neben mir sitzen. Cr sah starr über mich hinweg und stotterte:„Du,— der Kleine— der Andere— ist w«g." Ich verstand ihn nicht gleich, doch erschrak ich sehr, als ich den Kleinen nicht mehr bei uns sah. Die Türen waren noch geschlossen, aber, dss Fenster stcnd ofscin Ich ivoll!« nufstehen,angsam wie ein Bündel Kleider zu Boden sinken. Ich beugt« Mick aus den Alten nieder und faßte ihn am Aerniel und sagte:„He!" Aber er sah mich nur mit offenen Lugen an, und sein Arm sank von selber. Da ging ich langsam zwei Schritt« seit- wärts und blieb stehen und sab mich nach ihm um. Er rührt« sich nicht. Ich oing noch ein paar Schritte, sah mich nochmals um, aber er rührte sich nicht und saß wie lausck�nd. Da ging ich weit?« und lief schließlich so rasch ich konnte, bis ich endlich weit von jener Stelle und ganz ersckwpst vor einein Brunnen stand. Erst als niir das Wasser eiskalt über Kopf und Hände floß, kam ich zur Besinnung. Ich machte mich sofort auf den Weg nack, Hamburg. Göttsche hieß das Heuerbureau, Vorsetzen LZ. Eine Woche später fuhr ich die Elbe hinab auf See."______ Schiller, der Jöeallst. Bon Karl Vorländer. Schillers philosophisch? Gedankenwelt ist eigentlich unerschöpf- lich, denn ihr innerster Lebenskem, die Idee, kann ihrer Natur nach nie verfügen. Das empfinden wir immer wieder, so oft wir in seine philosophische» Aufsäb.e, in den Ideengehalt seiner Dramen und nicht zum mindesten auch in seine vortrefflich« Gcdankenlvrik uns ver'enken. Wir haben schon seine„Resignation", seinen„Kampf", seine„Götter Griechenlands", se ne„Künstler" und vor allem die herrlichste und avck von ihm selbst am höchsten gestellte Schöpfung dieser Art:„Das Ideal und dos Leben" berührt. Ich erinnere des weiteren an das Goethe besonders mohlociavende„Die Ideale", die den schwärmerischen Idealismus des Jünglings zu dem scheinbar nüchternen, ober gehaltvolleren und bleibenderen des reifen Mannes vertiefen: dem Idealismus der nie ermatlenden und rcstlos. obzwar mit kleinen Schrillen vorwärtsbringenden Arbeit l„Teschästigung" sagt Schiller) und der Freundschaft, die wir uns erweitert denken können zur Gesumungsgeme-nschafi überhaupt. Oder an den «Spaziergang", d, r, von der Einzslperiönlichkeit oblenk'nd, in der anspruchslosen Form eines Spazierganges ,ms ein Wld des kulturgeschichtlichen Werdeganges der M?nsch??eit entwirft und von der ersten Einfalt der Natur durch die Spannungen und den Streit des Kulturlebens uns zuletzt in den Schoß der reinen Natur wieder .zurückführt. Oder an seine in köstlicher Fülle vorhandene, in der Regel in die anlike Form des Distichons gegossene Spruchdichtung. Hervorgehoben seien nur:.Die moralische Kraft",„Die Führer des Lebens": die zum Politischen bmüberleitenden:„Pflicht für jeden" und„An einen Weltverbesserer", sowie das fein psychologische kurze Distichon über die„Sprache". Und au das Wort von der „Philosoohie", das uns zum Schlüsse noch einmal io recht Schüllers allem pedantische» Nichtungs- und Schulwesen abgewandte philo- sopbi'che Art vor Augen zu führen aeeignet ist: „Welckie wohl bleibt von allen Philosophien? Ich weiß nicht. Aber die Philosoph'«, hoff' ich, soll cwi? bestehn." So wird denn auch der Dichter Schüler, solange deutsch« Philo. sopie besteht, d. h, hoffentlich noch für lanae Zeiten, als ihr zugehörig betrachtet werden. Und was für ein? Philosophie war, besser i st das? Das hat er uns in den letzten Zeilen feiner„Worte des Wahnes" gesagt. Das Schöne, das Wahre und twir dürsen in feinem Sinne hinzufetzen) auch das Göttliche oder Gute, „Es ist nicht draußen, da sucht es der Tor. Es ist in dir, du bringst es ewig hervor!" Es ist mit anderen Mortui die Philosophie des Idealismus von Platen bis Kant und Schiller und über sie hinaus bis zu uns, die .ewig bestehen" wird und soll, Denn der Mensch bedarf einer Erhebung über die alltägliche Wirklichkeit. Er wird sich nie völlig befriedigt fühlen allein durch die „Erfahrung", d. h. durch die auch noch so vollständig bis in alle Einzelheiten erforscht« Welt der Wissenschaft. Er wird sich immer aus der Tics« seines eigenen Innern noch eine andere, eine ideale Welt schaffen, die allerdings keine logisch oder naturwissenschaftlich benennbare Welt des Seienden sein w'rd, sondern eine von ihm selbst„gedichtete" Welt der Werte. Es kommt nur darauf an, was man unter„Dichten" versteht, und ob diese Werte haltbar sind. Eine solche Welt aber hat uns Friedrich Schiller gelehrt, wenn er uns„aus dem engen, dumpfen Leben" fuehen heißt„in des Ideales Reich", in das G�dankenlanv der Idee, wo alle Arbeit ihre Ruhe, allcr Kampf seinen Frieden, alle Rot ihr Ende findet. Damit steht er dem ursprünglichen Christentum vielleicht näher als die Dog- matik der Ainklärung feiner Zeit, die zuxir den Gottes- und Unsterb- lichkeilsbegnss festhielt, aber die Lehre von der Erlösung als ver- nunfiwidrig fahren ließ. Freilich, diese Erlösung ist nicht die kirchliche, von außen an uns herangetragene, und durch das Blutapser eines Gottes uns erkaust, sondern, wie bei Kant, ciue S« k b st crlösung des wahrhaft„glau- bsndcn" Nienschen, der des Ueberirdifche, Unaussprechliche,„Göll- liche" als sein wahres Wesen wieder erkennt und es deswegen„in den eigenen Willen aufzunehmen" vermag. Gewiß, solche Augen- blicke rkinster religiöser Erhebung können bei der Natur unicrer Seele nicht beständig andauern. Denoch w'rken sie, so oft sie wieder- kehren, befreiend und erläuternd aus das Gemüt. So bot unter anderen einer der edelsten Jünger und Dolmetscher uiisercr Dichter- Philosophen, Friedrich Albert Lang-(1828 bis 1875), seinen Schiller aufgefaßt. Und ebenso steht«s mit der K u n st. Denn wer will, um ein Wort desselben Lange zu variieren, die Neunte Sinfonie Beethovens oder die Lyrik Goethes«widerlegen" oder Naifaels Madonna des„Irrtums" z ihen? Unser praktisches Handeln aber stelle sich, damit Schillers„Staat der Vernunft" einst herausgeführt werde, unter das Banner jener Wille und Herz erhebenden großen Idee, die, wie Lange sagt,„den Egoismus hinwegfegt und menschliche Bollkominenheit in mensch? lich er Genossenschaft an die Stelle der rastlosen Arbeft setzt, die allein den persönlichen Vörie il ins Ange faßt". Auch das ist, wenngleich nicht mit den Worten des ge'ch chtlichen Schiltcr, ja vielleicht nicht einmal genau in den Grenze» seines in der Hauptsache noch indi- vidualistisch befangenen politischen Sinnes, wohl aber in der Rich- tun ii feiner weltumfpeinnendcn Liebe—„Seid umschlungen, Millionen!"—> seines Glühens für die Idee der Menschheit gedacht, den wir uns nur auf die sozial n Verhättnisse der Gegenwart übertragen denken, wenn wir für die Verwirklichung des weltumspannenden Gedankens eintreten, den Schiller noch nicht gekannt hat: den des S o z i a l i s ni u s. «Bntckcnschliigri' der Nesfisciies deuischrn Vhiwsovh»(Äcnl) lind fctm flcfSfriK" dkulschen Soticbsnius(SBorf) war Herl AorlLnder nie lein jnrtii« berufen, auch„die PHNnfopd'e unserer Rlnffifet" nn» deute wirtcr nah« ju bringen. In dieser Schrift(bei I. h. W. Dietz SJadif. in drr„Iniernationnlen SiMiclbrf" forden«rfchieneni, woraus wir ein Ropiirl dieir», bat der Wirderrrnruerrr lcanls in altgemeinuerfländücher fform die phiiofoxdi'che Weltanschauung Lefsing». Ander», Sch/.üets, lSoeibc» eatwicteH.) Oer Züchs bekehrt seine Hungen. Eine Fabel von Max Kolmsperger(München). Der alte Fuchs hatte sich, von der Kugel eines Jägers schwer getroffen, mit Aufwand der letzten Kräfte in seine Höhle gerettet. Er war schon öfter verwundet worden von erzürnten Bauern und pirschenden Jägern, aber so schwer noch nie, und er wußte wohl, daß er nur noch wenige Tage zu leben hotte. Heute waren seine Schmerzen milder, und so schleppte er sich, von der warmen Sonne angelockt, durch den breiteren Hauptcingang vor sein« Höhle. Seine Jungen, die das Unglück ihres Katers kaum erkannten, begleiteten ihn. Lustig sprangen sie um ihn herum, balgten sich und kugelten, einander haschend, übcr den sonnigen Rasen. Waren auch Pracht- tcrle, die jungen Füchsleni! Wie sie der sterbende Vater so vor sich sah, überkam ihn plötzlich eine tiefe Reue und ein heißes Begehrcn. seine Kinder besser zu wissen als sich selbst. Und er rief sie zusamnicu und sprach zu ihnen:.Ich habe viel gesündigt. Ich habe aus allen Wegen geraubt, gemordet und ge- stöhlen. Der Ruf unseres Geschlechts war von jeher kein guter, aber ich habe ihn noch vollends schlecht gemacht. Hühner und Haft», Hund« und Menschen können euch Greuliche» erzählen. Ost, wenn ich in Gefahr war, habe ich Besserung getobt, aber wenn die Gefahr glücklich bestanden war, trieb ich es ärger denn zuvor. Nun aber hat mich der Jäger getroffen und ich muß sterben. Folgt mir nicht nach! Laßt das Rauben und Morden und nährt euch redlich!" Er- griffen hörten ihm seine Kinder zu. Da hüpft« ahnungslos ein junger, feister Hase vorüber, vom delikaten Klee heimkehrend. Den alten Fuchs riß es in die Höhe, fast wie in gesunden Tagen. Aber der Sprung gelang ihm nicht. Kraftlos sank er zurück. Die jungen Füchft regten sich nicht. Ruhig ließen sie den 5zasen passieren.„S o h a b' ich»'- n i ch t g e m e i n t. ihr Dummköpfe", röchelte der Vater. h Ein letzter Atemzug krümmte den Leib des Bekehrers. Dann war der alte Fuchs tot. Die Chemie unö öie örotfrage. Von Prof. Svan»<- Arrhenius. Der schwedisch« Forscher, bisher bei uns durch seine oslrouo- mischen Bücher schnell bckenint geworden, gib! i» einen, neuen, Populäre» und doch von der Höhe überschauender Wiffenschast aus geschriebenen Buche„Die Chemie und das moderne Leben" eine ausgczeichnelc Einsllhrung in die Probleme der heutigen Chemie. Wir bringen mit Crlaubni» der Akademischen Berlagsgesellschaft in Leipzig eine Probe daraus. Die lebenden Organismen find aus wenigen, reichlich zu Gsboie stehenden Elementen aufgebaut Aus diesen auf künstlichem Wege Stoffe zu erzeugen, die den von der Natur gebotenen Nährmitteln entsprechen, ist vielfach versucht worden. Es muß jedoch eingc- standen werden, daß wir auf diesem Wege nicht sonderlich weit ge- kommen sind. Wohl ist man dahin gelangt, Kohlenhydrate, F.'tte und selbst eiweißöhnliche Körper synthetisch darzustellen, die als Nahrungsmittel dienen könnten, würde man aber versuchen, diese Etosfe prak isch herzustellen, so würde man auf die unüborsteigiiche Schwierigkeit stoßen, sie zu einein angemessenen Preise, das heißt, unter Aufwendung eines erreichbaren Ardcitsmaßcs, zu gewinnen. Lange Zeit glaubte man, daß die lebendige Zelle ganz anders arbeite als der Apparat des Chemikers. Le tiefer man ober die Vorgänge durchforschte, desto deutlicher wurde die Erkenntnis, daß die scharf« Grenze, die man sich zwischen der organischen und an» organischen Natur gezogen dachte, mehr scheinbar als wirklich ist. Ein auch industriell seit der grauen Vorzeit wichtiger Vorgang ist die Gärung, bei der Zucker durch die Vermbtciung von Gärungs- vilzen in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt wird. Man schrieb diese Umwandlung der ausschließlichen Wirkung eines Lebensoorgangs zu, bis der hervorragende französische Biochemiker D u c l a u x zeigte, daß Traubenzucker in Gegenwart von Basen, also von Hydroxyl-Janen, unter der Einwirkung ultravioletten Lichtes, ebenfalls in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt wird. Späterhin zeigten B u ch n e r und Meisenheim«r, daß das ultraviolette Licht für diesen Prozeß gar nicht durchaus nötig sei. Gerade umgekehrt verhält es sich bei dem wichtigsten Borgang in der Natur, bei welchem der Zucker und andere Kohlenhydrate in den grünen Pflanzenteilen aus der Kohlensäur« der Luft und dem Boden aufgenommenen Wasser unter Vermittelung des Ka- tolysators Chorophyll lBlattgrün) erzeugt werden. In diesem Falle wird«in« große Menge Energie oerbraucht und die Unisetzung er- folgt nur im Licht, Sonnenlicht, aber auch im elektrischen Licht, das zuweilen in Gewächshäusern angewandt wird. In letzter Zeit haben der Böhme S t o k l a s a und der Fron- zose D. V ert h e l o t und noch ander« Forscher versucht, diesen Vorgang ohne jede Mitwirkung eines lebendigen Organismus unter dem Einfluß des ultraoioletien Lichtes hervorzurufen. Di« Ber- suche, die Kohlenhndratbildung der Pflanzen nachzuahmen, sind sicherlich fehr interessant, aber sie haben selbstverständlich für die Gegenwart und leidcr auch für die Zukunft mit großer Wahrschein- lichkeit keinerlei praktische Bedeutung. Wir müssen uns also damit begnügen, solche Stoffe organischen Ursprungs, die durch einen unangenehmen Geschmack oder sonstwie sich nicht zur Verwendung als Nahrungsmittel eignen, derart um- zuwandeln, daß sie zur Erhaltung des Lebens verwendbar werden, oder auch die Produktion der von der Natur gebotenen Lebensmittel durch intensive Kulturen zu steigern. Was die erster« Möglichkeit anbetrifft, so sind wir durch S a- batiers Methode der Fetthärtung mit Nickel schon einen Schritt vorwärts gekommen. Die Hydrierung läßt sich in jedem beliebiqcn Stadium unterbrechen urtd man kann Felle in ollen Härtegraden erholte», von dem slüssigea Ode bis zum festen Fette. So werden große Mengen flüssiger Felle ausgearbeitet, die zum größten Teil aus dem Pflanzenreich stammen, hauptsächlich Palmöl, und teil- weise aus dem Tierreich hergenommen sind, wie der Tran, und nutzbare Fette von der Koasistenz der Butter erhallen. Die Be- reftung von Kunstbutter Margarine) aus minderwertigen Fett- sorten, durch deren chrnifche Reinigung und passende Mischung und V-rbullern mit Milch, ist allgemein bekannt. Die Margarine ist ein billiger Butterersatz, der in seinem Nährwert sich von dieser nicht im geringsten unterscheidet. Es fehlen jedoch die Vitamine im Margarin. Auf gleiche Weise wird fetter Käse durch Emul- sionierung gereinigter billiger Fette in Magern, ilch und Gerinnung der Emulsion bereitet. Dt menschliche Fetlbedarf kann so auf billigere Weise beschafft werden, a>s mittels der natürlichen, aus dem Tierreich stammenden Fette, Butter und Talg. Die Chemie der Zuckerarten ist in höchst verdienstvoller Weise von Emil Fischer in den Iahren 189« bis 1»«2 klargestellt worden. Ihm ist es auch geglückt, sowohl natürliche Zucker, wie Traubenzucker und Fruchtzucker, als auch Zuckerarten die bis jetzt in der Natur nicht gefunden worden smd, aus synthe'tiichem Wege darzustellen. Diese Synthesen haben jedoch wirtschojilich keine Be. beulung.. Von großem praktischen Wert ist hingegen die Darstellung des Starkezuckers und des Stärkesirups aus Stärkemehl(gewöhnlich aus Kcrrtosfeb oder Maisstärke). Diese beiden Präparate werden für Marmeladen und Konfitüren viel verwandt. Die pslonzensressenden Tier- können die in den Pflanzen ent- kwitene Zellulot. mit.fütse vag i" ihrem Verdnming-kanal Hrnnden Vakterien zum T-'-usr utzen. Für den Menschen' ist die Zellulose dagegen kein Nährstasf. Da die Zellulose den anderen Kohl-u. Hydraten gegenüber unvergleichlich billig ist, so ist ibre Umwandlung!» Zucker ein bedeutsames Problem. Zum Teil ist dasselbe berciiz geläst, ober noch nicht m einer Weise, die zu wirtschaftlich besriedigenden Resultaten führen könnte. Auch aus dem Gebiete der Eiweißstossc(Proteine) hat Fischer zu Anfang dieses Jahrhunderts eine außerordentlich wichtige Reihe von Untersuchungen ausgeführt. Obwohl dieselbe-i nicht obge. schlössen sind, so ist doch die Naiur der Eiweißstoffe als kondensierter Aminosäuren festgestellt werden. Nimmt ein Tier einen Eiweiß- nährstasf auf, so spaltet sich dieser unter der Einwirkung„prateo- lytischer" Ferments in einsicheee Aminosäuren, die dann von den Enzymen in den Körpersästen zu denienigeu Eiweißen aufgebaut werden, die dem betreffenden Tiere eigen sind. Da lag es nun nahe zu versuchen, ob der Eiweißbedarf des Tieres nicht durch die Aminosäuren gedeckt werden könnte, die in seinem Darmkanal aus der von ihm eingenommenen Eimeißnahrung abgespalten werden. Dies ist auch bei Versuchen mit Mäusen geglückt. Die betreffenden Arbeilen des Dänen H e n r i q u r s sind höchst interessant. Di« den Tiere» gereichte Kost war aber oicl teurer als eine Ernährung mit natürlichem Eiweiß, und so enispringt auch aus diesen Ber- suche» nicht die geringste Aussicht aus einen wirtschaftlichen Vorteil. Um nun die für den Menschen und die Haustiere vorhandenen Nahrungsmittel reichlicher zu gewinnen, bleibt als einziger und bester Weg die.Erhöhung des Bodenertrags durch intensiven Anbau und ganz besonders durch wettgeheude Benutzung der künstlichen Dungstofse. Götter im Exi!. Das Haus des als Oberamtearzt zu Weinsberg in Württemberg wohlbestallten Romantikers Juftinus Kerner, der als sentimentaler Mystiker und schalkiger Geistesseher«inen ebenso großen Ruf hatte wie als Dichter, war durch seine wohlhäbige Gastsreundiichkeit im vierten und fünsten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zu einer euro- päischen Berühmtheit geworden Reisend« Handwerksburschen und gekrönte Häupter, Künstler, Dichter(wie z. B. Nikoians Lenau) und Wissenschaftler wurden dort mit gleicher Bereitwilligkeit als Gäste empfangen. So wurde dieses Haus am Fuße der Burg Weibertreu zu«irnr Art Kulturzentrale, zu einem Bindeglied zwischen dem Rheinland und München einerseiis und Wien andererseits. Deshalb schickt« im Sturmjahr 1848 Ludwig von Bayerland sein« Maitvesse, die spanische Tänzerin Lola Montez, als sie der Volksunwille von seiner Seite hinweggefegt hotte, in dieses stille, poiit ch neutral« Haus zu«iner Echeinkur bei dem mnstischen Dichterarzt. Und d«s- ljolb benutzte auch der gestürzte Chef rorniärzlicher Reaktion, der Kanzler Metternich, dasselbe fjaus als Etappe auf feiner Flucht nach den Niederlanden. Gleichzeitig genossen die beiden gestürzten Größen die Gastfreundschast Kerners der in seinen Briefen mit seinem Humor über seine Pflegling« berichtet. Die Krankheit, die„Be- sessenheit" der lebrnsiustigen, üppigen Ermoilresse nimmt er boshafterweis« bitter enist und bebondelt sie mit einer Hungerkur. Die Angst des heuchlerischen Exkanzlers, der sich für einen heimlichen Demokraten und Republikaner aussvielcn möchte, verhöhnt der ehr- liche Schwabe ganz offenbar mit scheinbar sehr gelassenen Worten. Die größte Bosheit, die er aber den Göttern im Exil angetan hat, ist, daß«r sie in jenem„Geisterturm" im Garte» feines Hauses logieren ließ, in de», nach dem Volksglauben der Graf Helfenstein spukt«, der im Bauernkrieg hingerichtet wurde, ilnter den Ale- mannen, von denen im ersten Briefe die Rede ist, sind Mitglied«? einer Studentenverbindung zu verstehen.„Riembsch" ist d«r öfter- reichische Dichter Lenau. Weiterer Erläuterung bedarf es nicht. Die Briefe zeugen von sich selbst für die symptomatische Feigheit ge- fcllener Götter von 1848 und— 1918. Weinsberg, 19. Februar 1848. Die Lola Montez kam vorgestern hier an, und ich beuxihr« sie in meinem Turm bis aus weitere Befehle von München. Drei Ale- mannen lzalren dort Woche; es ist mir ärgerlich, daß sie der König gerade zu mir sandte, aber es wurde ihm gesagt, die Lola sei be- sessen und er solle sie nur nach Weinsberg senden, den Teufel aus ihr zu treiben. Interessant ist es immer. Ich werde, ch« ich sie magisch-magn«tisch behandle, eine starke fitingerkiir mit ihr vornehmen. Sie bekoninit täglich nur 13 Tropfen Himbeerwasser und das Viertel von einer weißen Oblate. Sage«s aber niemand! Ver- brenne diesen Brief! Weinsberg, 2. Avril 1848. Die Lola(Montez) befindet sich ieit voriger Woche bei mir. Sie ist erstaunlich abgezehrt. Tbeobold inagnetisierl sie, auch lass« ich sie Eselsmilch trinken. Den Mitlernich nahm ich in meinem Turm auf, in dem Graf 5)«is«nstein vor seiner Hinrichtung durch die Bauern gefangensaß. Das ist ihm ominös; es ist ibm unheim- lich, und mir sein ganzes Wesen unheimlich, besonders sein unver- schämtes Liberaltun nun. Er behauptet: Nur sein Wunsch, daß Deutschland eine Republik iverde, den er immerdar gebegk. habe ihn zu dem illeberalen System gebracht; nur so habe sich Deutschland so mächtig und kraftvoll erheben können. Das sei sein Werk und von ihm geflissentlich so durchgcsührt. Er ruht« nicht, bis ich auf meinen Turm ein« rote Fahne steckte. Er versprach mir ein Stück- saß vom besten Iohannisberger. aber bis sein Schreiben nach dem Johannisberg kam, nmr der Keller Ickian durch die Nassauer in Be- schlag genominen. So muß ich inick- überall nur mit Enadenbezeu- gungen begnügen, die nie in Erfüllung gehen. Das ist das Los der Dichter, wie es schon Schiller bejang. Notabene. Metternich svielt die Geige sehr gut. Es ist noch «in« alte von Niembsch im Turm Auf dieler spielt er immer tri« Marseillaise und pfeift konvulsivisch im Mondenschein. WMn unö Schauen Die Priesierlvcisheit der oltcn Ticgi pter ist sozusagen bei uns sprichwörtlich geworben. In Wirklichkeit waren die ägyptischen Priester genau so beschränkt wie andere auch. Das Jahr der Acgyptcr bestand aus 365 Tagen, und zwar 12 Monaten zu je 30 Tagen, worauf S Schalttage folgten. Der überschießende Aierteltag, der bei uns alle 4 Jahre einen Schalttag ergibt, wurde vernachlässigt. So rückte dann also der ägyptische Neujahrstag(der Tag des Sirius- ausgangs, der eigentlich mit dem Beginn der Nilflut zusanimenfallen sollte) alle 4 Jahre um einen Tag weiter, er wanderte in 4 x 365=1460 Iahren durch das ganze Jahr. Die Jahreszeiten stimmten nicht mit dem Kalender, auf dem Verwaltung, Steuer- emziehung usw. beruhten. Aus einem Papyrus steht folgendes Gebet zu lesen:„Komm zu mir, Gott Amon, rette inich aus dieser Not: der Winter herrscht, da doch Sommer sein soll: die Monate sind von ihrem Platz gerückt und die Stunden in Wirrwarr!" Die Könige versuchten oft genug zu reformieren, aber es sind uns Eides- formsln erhalten, die der Pharao bei seiner Krönung schwören mußte, nichts an der Einteilung des Jahres zu ändern. So wiederholte sich diese Ka'.enderkonwdie durch die Jahrtausende, bis endlich 238 vor Christo ein Piolomäer anordnete, daß alle vier Jahre ein Schalttag zugegeben werden sollte, etwa wie bei uns. Dieser Schalt- tag sollte als besonderer Tag der wohltätigen Götter begangen werden. Die Verordnung war gewiß ocrnüliftig, aber sie paßte offenbar den Priestern nicht in den Kram; es blieb alles beim alten, bis die Römer kamen und Cäsar seine Kalendcr-Resorm, den Julianischen Kalender, für das ganze Reich um das Mittelmeer herum diktierte und schuppig. Das Gesicht ist nur schwach. Gehör und Geruch besser entwickelt. An Nahrung nimmt er nur Pflanzenkost und frißt nie- mals Fische Hauptsächlich hält er sich an Baumrinde, und um diese zu gewinnen, werden selbst starke Bäume von ihm gefällt, indem er die Stamm« sanduhrariig anschneidet, sodaß sie umstürzen Dünnere Stämmchen und Zweige werden glatt in schräger Richtung abg�' schnitten Die Tiere der Kolonie haben in letzter Zeit auch Zucker- und Futterrüben genommen. Die Wohnung des Bibers ist ein unterirdischer Erdbau im hohen Ufer, der weite Röhren und einen Kessel enthält. Dicht am Ufer werden auch„Burgen" angelegt, die zum Teil im freien Wasser stehen und eine trockene Wohnkämmer haben. Sie sind aus zurechtgefchnittenen Holzstücken errichtet, mit Schilf und Schlamm abgedichtet: mit demselben Material baut der Biber Dämme durch das Wasser, um den Stand des Wassers zu erhöhen, damit er darin schwimmen kann. Seltener sind reine Landburgen, die den Tieren zum Verbergen dienen, damit man sie vom Lande aus nicht beobachten kann. Die Bermehrung des Bibers ist gering und beträgt meist 2— 4, selten einmal 5 Junge. Erökunöe Gesundheitspflege UM ZKenschliches©ist. In Laien kreisen wird es wenig bekannt sein, daß auch her menschliche Körper einen starken Giftstoff ent- hält. In den Nebennieren des Menschen wie auch der anderen Säugetiere findet sich das Adrenalin(auch Suprarenin genannt). Die physiologische Funktion der Nebennieren ist in den fast vier Jahrhunderten, die seit-hrer Entdeckung durch Eustachius 1543 ver- flössen sind, noch nicht ganz aufgeklärt Entweder werden von ihr wichtige Stoffe für die Erhaltung des Gefäß- und Muskeltonus erzeugt oder aber dem Organismus schädliche, durch den Stoff- Wechsel enistandene Produkte entzogen und entgiftet. Tatsache ist jedoch, daß Nebennierenauszüge Bergiftungserscheinungen hervor- rufen Bei intravenöser Einspritzung wird eine starke, wenn auch nur kurzdauernde Blutdrucksteigerung hervorgerufen. Die Wirkun- gen des Adrenalins betreffen in erster Linie Herz und Gefäßsystem, Steigerung des Blmdrucks, hervorgerufen durch Verengung der Seripheren Gefäße, Erregung der motorischen Apparate des Herzens. idrenaiin auf die Lippe» oder andere gefäßreiche Stellen gebracht, bewirken ein Blutleerwcrden der Stelle. Bei Hunden brachte ein Fünftel, bei Kaninchen ein Zwanzigstel Milligramm Adrenalin bei intravenöser Einspritzung den doppelt bis dreifach verstärkten Blut- druck hervor. Durch längere Zeit fortgesetzte intravenöse Injektion bei.Kaninchen erzeug!« W. Erb jun. schwere Erkrankungen der Aorta. Genhardts Bersuch: an Hunden zeigten, daß das Herz plötzlich versagen kann, während der Blutdruck noch hoch über normal gesteigeit ist. Praktisch angewandt wird das Adranalin bei Operationen, imi ein blust'eres Gebiet herzustellen, um Blut- Verluste zu vermeiden oder um Blutungen zu stillen und ferner, um ein plötzlich stillstehendes Herz durch direkte Einspritzung wieder zu neuem Arbeiten zu bringen Wie alt sind die Kohlenbergwerke? Der literarisch älteste Hin- weis auf Kohlenlager stammt aus dem Jahr« 853 und betrifft die � englischen Steinkohlenbergwerk«. Ein Jahrhundert später wurden i die Kohlenlager bei Zwickau in Sachsen entdeckt. Di« Stein- kohlengruben des Essener Reviers werden zum ersten Male 1317 erwähnt in einem Schriftstück, das die Kohlen für Mönche bestimmte. Danach muß man annehmen, daß damals bereits Bergwerke, wenn auch in primitiver Form, bestanden. Di« Akten des Essener Archivs allerdings reichen nicht über das Jahr 1663 hinaus: aber schon 15-12 hatte Herzog Wilhelm von Cleve-Berg dem unsystematischen Raubbau zu steuern versucht. Daß dieser Raubbau aber weiter- ging, beweist ein Bericht, den 1734 zwei preußisch« Rät« über die märkischen Gruben lieferten. Dieser Bericht war der Anstoß dazu, daß der preußische Fiskus energisch eingriff. Sein« Bemühungen wurden allerdings durch den Siebenjährigen Krieg wieder zunichte gemacht, und erst 1767 wurde durch das„Generalprivilegium für die Bergleute in dem Herzogtum Cleve, Fürstentum Meurs und ' Grafschaft Marck", durch das der Dienst im Bergwerk mit dem Militärdienst gleichgestellt wurde, indem die Bergleute von der : Werbung befreit blieben, ein neuer Zug in die Bergwerk« gebracht. | Der wirklich« groß« Fortschritt aber wurde erst 1784 erreicht, als der erst 24jährige Freiherr vom Stein, der nachmalige Reformator Preußens nach 1806, von Friedrich II. zum Oberbergrat und Leiter des gesamten Bergwerksdistrikts erimnnt wurde. In zwölfjähriger Arbeit schuf dieser geniale Organisator die Grundlage für das neue Jabrhundert, das man mit Recht das Jahrundert der Kohle nennen kann. ku!tu?gefchichte[BilDt�SDlIS Naturwissenschast Der Elbe-Biber als Naturdenkmal. Da der Biber bei uns in Deutschland nur noch in ivenige» Exemplaren vorhanden ist, so sind die etwa 200 Tiere, die an der Elbe oberhalb Wittenbergs und lfnter- halb Magdeburgs in einer sorglich gehegten Kolonie leben, ein erst- rlaisiges Naturdenkmal, lieber die Lebensgewohnheiten dieses heute so überaus seltenen Tieres berichtet der Direktor des Museums für Natur- und Heimatkunde in Magdeburg, A. Mertens, auf Grund feiner mehr als 30jährigen Beobachtungen in einer besonderen Schrift, aus der in den„Naturwissenschaften" das Wichtigste mit- geteilt wird. Der Elbe-Biber ist mit seiner Körperlänge von etwa 1 Meter, wozu noch 25—30 Zentimeter für den Schwanz kommen, das größte Nagelier der alten Welt. Als sein höchstes Gewicht sind 83 Kilogramm festgestellt. Der Körper ist plump, der Bauch hängt tief herab und berührt fast de» Boden, der Schwanz schleift auf der Erde nach. Die kurzen Beine, von denen die hinteren viel kräftiger und länger sind als die vorderen, haben fünf Zehen mit breiten Krallen; die Hinterfüße besitzen eine seste Schwimmhaut. Der Schwanz ist im vorderen Teil walzenförmig, dann aber länglich eiförmig. Die kleinen Ohren sind auf der Innenseite der Muschel behaart, die Augen besitzen eine Nickhaut, die Nase kann durch Muskeln in den Flügeln geschlossen werden, das alles, damit das Tier sich längere Zeit im Wasser halten kann. In ruhiger Lage kann der Biber gegen eine Viertelstunde unter Wasser bleiben: beim Schwimmen unter Wasser muß er jedoch nach 2 Minuten herauf- kommen, um zu atmen. Er hat ein echtes Nagctiergebiß mit Mächtigen scharf schneidigen Nagezähnen. Der Pelz ist sehr dick, Sport im alten Griechenland. In Athen ist jetzt ein altes Relief aufgefunden worden, das sechs unbekleidete Jünglinge bei einem Ballspiel darstellt. Interessant ist dabei, daß die jungen Leute in den Händen gekrümmte Hölzer tragen, die mit den jetzt beim Hockeyspiel benutzten Ballkellen Aehnlichkeit haben. Es hat also im alten Griechenland bereits Ballspiele gegeben, bei denen der Ball nicht einfach mit der Hand geschleudert wurde. Schon früher hatte man in Sparta auf Motivtafeln Darstellungen von ähnlichen Ball- kellen aufgefunden, wußte sie aber nicht recht mit Sicherheit zu deuten. Sörsenfrühling. von brauner Farbe, der Schwanz in seinem unteren Teile nackt> steigen? Was halten Se vom Preisabbau? Nebbich. Im Frühling steigt der Saft in die Bäume und der Kater auf die Dächer. Warum soll der Dollar nicht auch