Nummer 1» � 1H.Mai1H2Z Anterhaltungsbeilage öes Vorwärts !»«»,!>!!,,»........- IHM.ll� � V Arbeit. Von Fritz Martin Ninieltn. hört Gesang der Geister in den Lüften von des Reiches Herrlichkeit und Kraft. Zählt den Drang des Lebens au» den Grüften. Zunge Brüder, nun seid stark und schafft! Schürt die Flammen heih aus Rot und Zammer. Ballt die braunen Fäuste um den Hammer: brouzeuer Glockenklang ist jeder Schlag. fleht erglüht und schmiedet euere« Tag. hebt die blanken Schilde weißer Stirnen. Brüder, in den Glanz des blaue» Licht»! Golden strahlt von den besonnten Firnen uns ein Schein de» göttlichen Gefichts. ■»-»-»-»le-*-«-*-*-*-*-*-«-»-»-»-®-»-*-*-*-*-»«-«»-»-*-*-* 3m Gleichgewicht. Von Edith Neb«long-Mode. Gerat»« als die Verlobten im allerbesten Zonken waren, rasselte der Ofenrost mit großem Gepolter auf den Boden. Das macht« weiter nichts— autzer dem Spektakel— denn der Ofen war leer. Der Frühlingstag war mild und warm gewesen, und die Sonne ließ noch spielend einen ihrer Sirahlen über die Blumentöpfe am Fenster und dos braune haar des jungen Mädchen» gleiten, um dann als roter Funken in dem vergoldeten Spiegel der gegenüber- liegenden Wand zu endigen. Sogar der Osen bekam einen Strahl ab und stand in kalter chwarzer Majestät und leuchtete, als er also das Unglück hatte, einen Rost zu verlieren, gleichwie ein altmodischer steifer Kavalier ein Gebiß verlieren kann. In der Zänkerei der Verlobten trat einen Augenblick lang eine Pause ein. Das junge Mädchen stieß einen kleinen nervösen Schrei aus und ging aus dem Sonnenstreifen heraus, um den Rost mit deck Fuß fortzustoßen, und der junge Mann versuchte ihn wieder an seinen Platz zu setzen: gab es aber auf. weil er stch die Finger schmutzig machte, worauf beide bereit waren, fortzufahren. Wenig- stens sie. „Daß Du glauben kannst," sagte sie und fand glücklich den eisigen überlegeneu Ton von vorhin wieder,„daß Du Dir bloß einen einzigen Augenblick einbilden kannst"— hierbei wandt« sie ein Paar sehr blauer und sehr kalter Augen zur Decke—„daß es mir auch nur im Traume einfallen wird, Dich zu heiraten, wenn Du so bist!" „Ich glaubte, wir hätten uns deswegen verlobt," antwortete der jung« Mann verbissen. Ihre Stimme wurde schwebend leicht. „Rein, Du mußt wirNich entschuldigen, mein Freund, ich sagte ausdrücklich— ausdrücklich, von heiraten wäre vorläufig keine Rede bei mir." Der junge Mann wollte etwqs erwidern, unterließ cs aber. Er hatte eine unberechenbare Braut, noch dazu eine unberechen- bar süß« Braut, aber alles, nxis Recht ist, sie hatte das ausdrück- lich gesagt. „Es ist doch schon ein ganzes Jahre her, meinte er zögernd. „Ein ganzes Jahrl Als ob dos ein« Zeit wäre!" Die blauen Augen verduntelten sich und ein schmaler Fuß wurde energisch auf den Teppich gesetzt.—„Es könpen vielleicht noch zwei Jahre oder drei Jahre oder vier Jahre vergehen, damit Du's weißtl" „Gut— vielleicht können wir noch unseren silbernen Der- lobungstag feiern." sagte er bitter. .Bielleicht," antwortete sie freundlich,„das hangt jedenfalls ganz von Dir ob." „Bon mir?". „Ja, von Dirl" Sie sah ihn voll und triumphierend an. „Wenn Du die Absicht hast, mich zu tyrannisieren, wie Du mich die ganz« Zeit, seit wir verlobt find, tyrannisiert l>ast— wenn Du die Absicht hast, dazusitzen und mich mit einer Alleinherrschermiene zu bewachen, wem» ich mit anderen tanze oder rede— wenn Du die Absicht hast, wegen all und jedem, mos ich anfange, Fzenen zu machen— so könnten wir vielleicht sogar dahin kommen, unseren goldenen Lerlobungstag zu feiern— wo» übrigens rechter Unsinn ist." Wem» sie nur bloß unerträglich gewesen wäre— wie ander« Mädchen— dann hätte er einfach seinen Hut genommen und wäre seiner Wege gegangen, aber fit war nicht nur unerträglich, sie rvac auch unerträglich reizend, wie sie da stand und versuchte, eine königiimenmäßige Haltung anzunehmen aus lauter Kampslust und Trotz und furchtbarer Sicherheit. „Die Sache ist die," sagte er und versucht« sehr objektiv und kühl und streng gerecht zu sein,„die Sache ist die, daß kein Gleich- gewicht in unserem Verhältnis besteht. Du willst Deine Freiheit haben— Deine unbegrenzte Freiheit— während ich-- während ich—" Er schwieg, weil er tatsächlich dahin gelangt war, wo er keinen Boden inchr fühlte: sie hatte nie seiner Freiheit, für die er auch niemals Gebrauch gehabt hätte, Zügel anlegen wollen. Und sie roar nicht faul, ihn zu fassen.„Während Du—?*> sagte sie ermunternd,„während Du— was denn--?" I „Du bist eben nicht eifersüchtig," sagte«r bitter. Sie warf den Kopf in den Nocken. „Kann ich etwas dafür?— Glaubst Du, ich würde etwa» sagen, uxnn Du Dich ebenso unterhieltest wie ich mich? Tanztest—•" „Liebeliestt" fiel er ein. fortgesetzt»nit großer Bitterkeit. „Nun ja—" sagte sie großmütig.„Bitte schön— meinetwegen gern!— Glaubst Du, das würde mir was machen?" „Nein," sagte er und seus.zt« unwillkürlich. „Ich finde es direkt verächtlich," sagte sie und war ungeh«uer obenauf,„wenn man eifersüchtig ist: es ist etwas ganz Minder- wertiges und Unwürdiges, und ich meine, offen gestanden, es genügt, wcnn Du so bist. Es könnte leicht etwas zu bunt werden, wenn ich nun auch noch verrückt würde." „Eifersucht ist ein sehr normales Gefühl." sagte er halsstarrig. „Es ist ein ekelhaftes Gefühl," antwortete sie mit Roch- druck und allen Zeichen des Abscheus.„Ich würde mir einfach das Leben nehmen, wenn ich merkte, daß ich selbst so würde." Darauf begann sie im Zimmer herumzuspozieren, um bei dem Klavier zu landen, auf dem sie einen modernen Tanz zu spielen s war zu viel. Er sprang auf wie»in gereizter Löwe und brüllte beinahe: „Ist das der? Ist das der— ist das der, den Du gestern getanzt hast, während ich dasitzen und zusehen mußte? Antworte, ist das der?" Sie dreht« sich mit dem Klavierstuhl herum und musterte ihn kaltblütig von oben bis unten. „Ich oersteh« nicht, roas Du mit der meinst? Glaub Du viel- leicht, ich hätte die ganze Zeit nach einer Melodie getanzt? Und willst Du im übrigen die Güte haben, und Dich wie ein Mensch und nicht wie ein wildes Tier benehmen!" Di« letzte Bemerkung schien ganz angebracht, denn er sah ge- fährlich aus. Und sie empfand mit einem gewissen Kitzel, daß, wcnn alles zu allem kam, cs für seine Geduld doch Grenzen geben tonnt«. Aber sie»vor wirtlich mchi das Mädchen, das vor irgendeinem Manne die Augen niederzuschlagen brauchte: daraus ging sie mit großer Würde und mit Schritten, die nichts.Fluchtartiges an sich hatten, zum Ofen hin, wo st« begann, sich mit dem Rost herumzu- boxen, erst mit dem einen und dann mit dem anderen Fuß. „Wenn bloß der Rost nxnigstens an Ort und Stelle kommen könnte," sagt« sie gereizt, und dann ohne Uebergang:„Die Sache ist die. Du müßtest eben ein« ganz andere Art Braut haben." „Ich habe einen Versuch gemacht, der mißglückte aber," sagte er kurz. Sie stierte ihn sprachlos an. Doch er sah es nicht, denn»tun hatte er angefangen, umher- zustolzieren. „Du hast einen Versuch gemacht?" sagte sie schwach und tastete nach einem Stuhl und bekam ihn auch zu fassen. „Ja, aber ohne Erfolg," antwortet««r in demselben kurz hin- geworfenen Ton«, den sie ganz und gar nicht begreifen tonnte. Es klang so brutal und war doch wirklich kein Spaß mehr. Sie hatte ihn schlecht behandelt, das stimmte-- und sie befaß vielleicht kein Recht, sich irgend etwas von ihm zu versprechen: aber trotzdem— sie rvar seiner so sicher gewesen. Sie hatte ihm ganz vertraut- Aber mit wem hatte er es versucht— und wann?— Die Frage» brannten ihr im Hals« und erstickten sie soft. „Hast Du— hast Du wirtlich"— sagte sie leise und tonlos— und fühlte voller Scham die erniedrigende Träne der Eisersucht in den Augenwinkeln brennen. Cr hielt inn« in seinem rastlosen Gang.„Ja, das habe ich," sagte er immer noch kurz, fügte aber in erklärendem Tone hinzu: .Ich habe mich nur schwarz dabei gemacht." „Du hast Dich schwarz dabei gemacht?" wiederholte sie und klammerte sich in wirrem Jammer an den Stuhl, während sürchtcr- liche Bilder von tanzenden Negermädchen in ihrer Phantasie herumwirbelten. „Ja, als ich den Rost anfaßte," sagte er ruhiger und verstand noch weniger als j/ ihr merkwürdiges Betragen.„Ich versuchte ihn einzusetzen, konnte es aber nicht. Ich habe mich nur schwarz dabei gemacht. Sie schnappte einen Augenblick nach Lust und sing dann zu lachen an, ein kurzes verstörtes Gelächter, das ohne vernünftigen Ucbergang zu richtigen Tränen wurde. „Aber mein Liebstes," sagte er unglücklich und nahm sie in sein« Arme,„was ist denn, was ist denn nur!" Und wenn es ihm nicht vorher schon ganz klar gewesen wäre, daß sein« Braut die merk- würdigste und entzückendste Frau von all den- rätselhaften Frauen war, würde ihn dieser plötzliche Weinanfall, weil er den Ofenrost nicht hatte einsetzen können, doch davon überzeugt hoben. „Ich werde es noch einmal versuchen," sagt« er ganz unglücklich, „weine nicht, ich werde es noch einmal versuchenl" Aber dann fing sie plötzlich an zu lochen. „Rein, um Gottes willen," sagte sie und sckmncgte sich an ihn, „versuch es bloß nicht noch einmal!" Dann platzte sie los:„Das heißt, mit dem Rost kannst Du es gern versuchen, aber-- ach Gott sei Dank, Gott sei Dank, ich bin so glücklich." Worauf sie den Kops ganz in seiner Weste versteckte und ihm ilberließ, das Weitere ins Reine z» bringen. Wäre es etwas Unangenehmes gewesen, was ihm zugestoßen war, so hätte er sich stehenden Fußes eine Erklärung auspebeten. Aber so, wie die Dinge einmal lagen, fand er keine Veranlassung, das Schicksal mit unnötigen Fragen herauszufordern. Dagegen be» nutzte er den Anlaß, in das klein« Ohr, das fast ganz unter brgunen Locken versteckt war, zu flüstern, ob nicht trotzdem die Rede von einer baldigen Hochzeit sein könnte. Was sehr leise bewilligt wurde. In der übertriebenen langen Dämmerpause, die darauf folgte. stand der Ofen steis, aber etwas verlegen da und schielte zornig aus seinen Rost herunter: wie ein alter zahnloser Herr, dessen Knie ihm nicht gestatten, sich nach seinem Gebiß zu bücken. Aber der Rost lag auf dem Boden und grinste. r bis sttzt noch keine Anhaltspunkte, da eine lnstema- tische ärztliche Ueberwochung und Kontrolle der Gesamtbcvölkerung noch nicht durchgeführt ist. Ansätze dafür sind vorhanden in den Säuglings- und Klemkindersürsorgestellen und in den regelmäßigen Untersuchungen der Schulkinder: ferner bietet uns das Dersicherunas- wese», da» einen immer größeren Teil der erwerbstätigen BcvAkc- rimg ümsaßt und wenn, wie zu hosscn ist, die Fnmilienoersicherung eingeführt wird, fast der gesnmten Bevölkerung eine geordnete ärzt- liche Hilfe und Beratung gewährleistet, die Möglichkeit, unsere Kennt- nisse über Vererbung und Entartung zu erweitern und zu festigen. Denn das sind die Grundbedingungen für jede ärztliche Beratung. Die Erblichkeetssorschung hat durch die sogenannten Mendelschen Kreuz ungsregeln große Fortschritte gemacht. Gregor Mendel war ei» Augustinermönch in Olmiitz in Mähren. Er kreuzte eine rot und eine weiß blühende Pflanz» der gleichen Art. Von den Nachkommen waren ein Viertel rot und ein Viertel weiß geblieben, d. h. rot bzw. weiß sind dominant(herrschend), während die ver- schwundene Farbe als recesfiv(zurückweichend) bezeichnet wird. Der Rest der Pflanzen war rosa, also Bastarde. So einfach liegen beim Menschen die Dererbungsvorgänge nicht. Wir kennen aber schon mancherlei Leiden und Gebrechen, die vercrbbar sind, z. B. hoch- gradige Kurzsichtigkeit, Sechsfingrigteit, Schwimmhautbildungen zwildjen Fingern und Zehen, manche Geisteskrankheiten, gewisse Nervenleiden, die Bluterkrankheit, die aber nur auf die Männer ver- erbt wird. Aus den Kreuzungsregeln von Mendel wissen wir aber, daß nicht jedes Leiden, das ein Elternteil hat, auf die Kinder vererbt zu werden braudjt, sondern es kann recejsiv werden, d. h. von den Eigenschaften des anderen Elternteils unterdrückt werden. Es bleibt aber trotzdem in den Keimanlagcn des Individuums vorhanden und kann bei einer sogenannten ungünstigen Kreuzung wieder dominant werden. Es ist also die Hauptaufgab« der Eugenik, festzustellen, welche Kreuzungen von Menschen zu vermeiden, welche zu befürworten find. Dies könnte erscheinen, als wollte man eine Zuchtanstalt für Edclmenschcn gründen, wc« man heute Edelnndvieh züchtet. Diese Idee wird von manchen Völkischen, die die Edelgermanen mit blonde» Haaren und blauen Augen züchten wollen, propagiert. Für die Sozialhygieniker und Eugeniker besteht aber die Aufgabe nach Fest- ftellung der Vererbungsvorgänge, die wer in absehbarer Zeit noch nicht erreichen werden, die Individuen von der Fortpflanzung aus- zuschalten oder doch in ihrer Nachkommenschaft zu beschränken, die durch ihr immerwährend fortgezeugtcs Elend der Allgemeinheit zur Last fallen. De? Mittel find verschiedener Art. Erstens die Geburten. Prävention, d h. die Verhütung unerwünschter Na ch» kommen. Sic wird in der heutigen Zeit au» sozialen Gründen geiibt, um nicht die Lebenshaltung der großen Masse noch weiter herunterzudrücken. Sie ist ober gerade für uns Sozialisten ein zweischneidiges Schwert, indem wir durch Gcburteneinschränkung gerade unsere eigenen Reihen schädigen, während bei einer besseren Ausnützung der Produktionsmittel ohne das kapitalistische Interesse am Profit für alle Lebenden in Deutschland ausreichende Lebcnsmög- lichkeiten beständen. Für die Individuen, die asozial sind, d. h. gesellschastsunmöglich, kommt die Asylierung In Betracht, wie wir es in den Irren- anstalten, den Ärüppelheimen usw. sehen. In Amerika und neuer. dings in der Schweiz wird bei diesen unheilbar Kranfcn die künstliche Unfruchtbarmachung angewendet durch operative Unterbrechung der Samenleiter beim Mann und der Eileitrr bei der Frau. Bei ollen Erwägungen, zu denen un» die Eugenik führt, dürfen wir Sozialisten als Sozialhygieniker nicht oergefsen, daß der Mensch nicht allein»in Produkt seiner Vorfahren, fondern zum größten Teil wie diese«in Produkt serner Umwelt ist. Schaffen wir darum erst dem Proletariat menschenwürdig« Wohnungen, geben wir ihm Licht, Lust und Sonne und«ine ausreichend« Ernährung, und es werden viel« min&erwertige Keimanlagcn nicht zur Auswirkung kommen, und dadurch wird der Eugenik der allergrößt« Dienst geleistef. Raumfahrt. Bon Willy M ö b v». Wenn wir über einen Grabe» oder«ine Heck« springen, so hoben wir im Grunde genommen die gleich« Leistung im kleinen vollbracht, die ein Flieger im großen vollendet«, wenn er den Kanal zwischen England und Frankreich überquerte, oder wenn er sich hoch in die Lüfte schraubte, um die Alpen zu überflieg«». Die kurze Zeitspanne nur ließ uns unsere durch„Massenwirkung" erzielte turnerische Leistung nicht als vollendeten Flug empfinden. Jahrtausend« hat die Menschheit sich nach dem„richtigen" Flug« gesehnt, aber ebenso lange hat sie die an diesem Problem Schassen- d«n als Utopisten, Projektenmacher, als nicht ernst zu nehmende Zeitgenossen gekennzeichnet, bis die Ausgabe dennoch gelöst wurde. Nun aber erscheint das Erreichte wieder unter dem Einfluß der Ge- wöhnung als etwas ganz Selbstverständliches. Man betrachtet jetzt umgekehrt denjenigen, der noch kein Flugzeug oder keinen Ballon gesehen hat, als eine seltsame Ausnahme. Merkwürdig muß es erscheinen, daß der Mensch, der sich ost für das vollkommenste Wesen, für den„Herrn der Erde" hält, gerade diejenigen seiner technischen Leistungen besonders hoch schätzt, die von den„niederen" Lebewesen unseres Planeten seit Menschen- gedenken mit angeborener Eefchicklichkeit vollsiihrt �verden. Ein wundersamer Kreislauf: das höchstentwickelte Wesen der Erde strebt noch den Fähigkeiten der niedrigsten Geschöpfe. Di« Fische schwebten im Wasser und taud)t«n tn unbekannte Meerestiesc», long« bevor der Mensch sich zum gleichen Zwecke das Unterseeboot schuf. Die Vögel waren unbestritten« Beherrscher des Luftnweres, noch che der Mensch Mittel sand, e» ihnen gleich zu tun. Nach der Ansicht des großen schwedischen Forschers S»ante Arrhenius durcheilen die niedersten Lebewesen, die Bakterien, den Raum zwischen den Welttörpern mit einer dem Licht« angenäherten Geschwindigkeit. Sie werden durch den Lichtdruck geradezu aus d«r Atmosphäre eine» .Weltkörpers herausgequetscht und fliegen dann aus den Flügel» des Lichtes in den weiten, unbekannten Raum, in den der Mensch mit Staunen und Bewunderung hinausblickt und der ihm die Unendlich. keit verkörpert, bis sie vielleidst aus irgendeinem anderen Weltkörper einmal landen und dort heimisch werden. Der Lichtdruck, d«r an der Grenze unserer Atmosphäre nur 0,7 Milligramm auf den Quadratmeter betrögt, drückt dennoch auf die Gesamtob«rfläche der Erde mit einem Gewicht von 3 Millionen Kilogramm. Wenn nun das Gewicht eines Körpers kleiner wird, als d«r Druck d«s Lichtes auf feine Oberfläch« beträgt, so wird er vom Lichte fortgetragen, wie ein Blatt oder Staubtörnch«» vom Druck de» Windes. Die Sporen einiger Bakterien find so klein, daß sie die zur„Raumfahrt" nötigen Bedingungen hinsichtlich ihrer „Schwere" erfüllen. Sie sind aber auch so widerstandsfähig, daß sie die Kälte des Raumes dos Fehlen der Lust und die Stärke der Licht- strahlung zu ertragen vermögen. Lichtstrahlen und Bdkterien die ersten Raumfahrer, sind Vor- bilder des Menschen, dem der Flug im begrenzten Luftnicer bald nicht �knehr genügen wird und der seinen Blick weltenwärls wendet. Im Geist« haben wir schon ost das All durcheilt. Geistvoll« Schriftsteller haben anschaulich künftige Raumfahrten beschrieben. So Hot unter anderen Kurd Laßwitz, der vor«inigen Iahren ver- storbcne Chemiker, ein«n Roman„Auf zwei Planeten" verfaßt, in dem er di« Verbindung der Erde mit dem Mars schildert. In wundervollem Wechsel zwischen Phantasie und Wirklichkeit entrollt er vor unseren Augen ein grandios«» Zukunftsbild. In ähnlicher Weise hat ein Wissenschaster, S a h u l t a, eine Theorie aufgestellt, die, wenn sie richtig wäre, den Weg zur Erreichung der Raumfahrt aufzeigte. Danach ist die Erde einem ständigen Bombardement von Aeth«rotomen ausgesetzt. Die Atom« durchdringen den Planeten. Dadurch oermindert sich ihre Geschwindigkeit so, daß die mit unver- minderter Kraft neu austreffenden Atome ein Uebergewicht erhalten und alles aus der Erde Befindliche an den Boden drücken. Diese Theorie leugnet also die Anziehungskrast der Erde. Sie schreibt di« als An- ziehungskraft bezeichnete Wirkung den aus dem Weltenraume von irgendwoher zu uns gelangenden Aethcratomen zu. Gelänge es nun, einen Stoff zu finden, den diese Atom« nicht zu durchdringen ver- mögen, so wäre damit die Möglichk«!» gegeben,„R a u m s ch i s s e" zu bauen. Die von diesem ätherhemmenden Stöfs umgebenen Schiffe wären nad) der Theorie völlig gewichtslos und würden, ähnlid) wie die oben erwähnten Bakterien, durch den Luftdruck aus unserer Atmosphäre herausgehoben werden. Wenn man nun Flächen dieses blonderen Stoffes entfernte und so dem Aether wiederum die Mög° lichkeit gäbe, auf die im übrigen aus gewähnlichen Stoffen bestehen- den Teile de» Schiffes zu wirken, fo könnte man durch geschicktes Verstellen d«r Flächen eine beliebig« Richtung im Wellenraum er« zielen. Das Führen solcher Schisse setzte außerordentliche astro- »omisch« und mathematisch« Kenntnisse voraus und wahrscheinlich würde manches Schiff sich in den imbekannten Weiten de» All» verirren und als selbständige? Weltkörp«r kleinsten Umfang« um- Hertreiben. Di« Wissenschaft pellt Probten»« und sucht Wege, fi« zu lösen. Niemond hat da» Recht, sich über lolch« Theorien lustig zu machen. Oft schon hob«» phantasiebegadt« Menschen Dinge gesagt, an die sie selbst und ihre Mitmenschen nicht glaubten und di« dennoch von der Wirklichkeit in späteren Zeiten nicht nur erreicht, sondern sogar noch übertroffen wurden. Die Klingel. Bon E. Echeunpslug. Die Klingel schrillt, Hort, brsehlend, ousrcizend, einmal kurz, zweimal lang, lang, kurz, alle Klingelzeichen durcheinander, die die Arbeitsgcister ins Allerheiligste zum Ches und Meister rufen. Diese» Klmgelrcgister ist das Lieblingstind feiner Ideen, mit dem er gerne und andauernd spielt. Man drückt auf den Knopf, di« Puppen tanzen. Kurz, hart, der Laufiunge spritzt herein.„Tee aufsetzen!" Da liegt ein Akt auf dem Tisch, irgendeine komplizierte Auge- legenheit, man muß fi« erledigen. Di« Klingel schrillt mit einen» Unterton von Höslichkeit. Die„rech!« Hand" ersdieint.„Lieber Wurm, nehmen Sic sich doch etwas tiefer Sache an." Lang, kurz, das niedlici)« Lehrmädchen.„Lottchen, gib mir doch einmal die Tafle herüber, schenk doch einmal den Te« ei» und da muß wohl ein Brief von der„Ebag" liegen.-- Hast Du ihn nad) nicht?" Eben gibt der Bote einen groben Mahnbrief von d«r„Ebaq" ab. Die ande Laune ist hin.„Hast D» noch nicht den Brief? Mad> doch d'e Augen ausl" Lotlchcn zögert mif rotem Kops:„Sie hoben ihn gestern schon an Fräulein Lange gegeben."—„Natürlich die alte Dummelei!" Edpnllt viermal heftig. Fräulein Lange läßt seelenruhig Grobheiten aus sich niederprasseln. Gewohnheit. Im Bureau schnellen die Klingelzeichen, kurz, lang, lang, kurz, hart besthlend; ausreizend. Di« Leute werden gerufen, weggerissen von dringender Arbeit, nervös gemacbt. Hochbetrieb wird einge- schaltet mit einem Klingelknops.— Der Korvespondent knallt die Türe. Die Buchhaltern fährt unter der zornigen Klingel in die Höhe. Der Fakturist fängt an sich zn verrechnen. Hat niemand den Mut, die wahnsinnige Klingel abzustellen?. Goethe über Liebe und Ehe. Aus dem Nachlaß der Julie v. Eg l o f f st e i n. eines Mitgliedes der Weimarer Hofgesellschaft während der letzten Lebensjahre Goethes, sind jetzt Erinnerung?- blätter unter dem Titiel„Alt-Weimars Abend" im Verlag von Beck in München erschienen. Unter anderem ist darin auch die Rede von Goethes letzter Lieb« zu Ulrike v. Lewetzow. Der greise Dichter- trug sich damals bekanntlich mit dem Gedanken, trotz seines hohen Alters noch einmal zu heiraten, und es ist daher doppelt inter- essant zu hören, was er bei Gelegenheit einer übereilten Heirats- geschichte Zum Kanzler von Miller sagte:„Sie wissen, w> ich alles Extemporieren hasse, vollends eine Verlobung oder Heirat aus dem Stegreife war mir von jeher ein wahrer Greuel. Eine. Liebe kann wohl im Nu entstehen, und jede echte Noigung muß irgendeinmol gleich dem Blitz plötzlich aufgeflammt sein, aber wer wird sich denn gleich heiraten, wenn man liebt? Liebe ist etwas Ideelles, Heiraten etwas Reelles, und nie verwechselt man ungestraft da» Ideelle mit dem Reellen. Solch eig wichliaer Lebensschritt will allseitig überlegt sein und längere Zeit hindurch, ob auch all« indi. vtduellen Beziehungen, wenigstens die meisten, zusammenpassen."" Woher stammt die Form der Flasche? Die Flasche ist dazu be- stimmt, eine Flüssigkeit aufzunehmen. In der Natur gibt es zwei Möglichkeiten, Flüssigkeiten aufzubewahren. Die ein« findet sich in der Pflanzenroett verwirklicht, in den Melonen, Kürbisien, Gurken vsw., die in sich Flüssigkeit enthalten; die ander« ist in der Tierwelt verwirklicht. Hier ist die Bedeutung des Aufhebens von Flüssigkeit sehr viel wichtiger, denn die Euter der Tier«, die Brüste der Frauen ermöglichen allein di« Aufziehung der Kinder. So wurde das Tier- euter wie die Menschenbrust zur Quell«, die für jed« Art von nährender Flüssigkeit die größte Bedeutung hatte. Das spiegelt sich deutlich in der Sprache. Da» Euter ist französisch„cuttre" geworden und bedeutet Schlauch. Die Basken trinken noch heute aus dem Schlauch, der also zunächst ein abgeschnittenes Euter war, das dann an der Basis zugenäht wurde. Später wurde der Schlauch größer, die ganzen Felle der Ziegen wurden zur Aufbewahrung von Flüssig« keiten benutzt. Di« Grundbeziehung von Gefäß zun» Euter hat sich bis heut« erhallen. Wir haben für das Euter eine andere Bezvch- tnmg, nämlich Beutel. In den Euter-Beuteln werden die Weine aufbewahrt, wie noch heute der„Bocksbeutel" und das französische Wort„bouteille", das englische„bottle" beweisen, daß jede Flasche ursprünglich ein Beutel, ein Euter war. Wir haben flache Euter- slaschen, die den Brüsten der Menschen entsprechen, und langgezogene Flaschenformen, die den Eutern der Tiere nachgebildet wurden. Dieser Ursprung der Flasche ist noch in manchen alten Satralaesäßen aufbewahrt, die deutlich die Euterzitzen erkennen lassen. Aus der Pflanzenwelt sind Kokosnüsse und Kalebasienkürbisse die Grundtypen mancher Flasthenformen geworden. Noturwissenfihaft Die Schuppeuwurz ist eine im zeitigen Frühjahr im Wald« blühende Würgerpslanze. die sofort durch ihre fleischfarbenen Blüten- stünde, denen jed« Spur von Blattgrün fehlt, auffällt. In der Nähe von Haselbüschen und Erlen, aber auch nahe der Eichen, Eschen und Ulmen sind die unmittelbar über dem Boden stehenden Blütenstände oft in großer Zahl anzutreffen. Di« eigentliche Pflanze lebt unter- irdisch: von oiner mit weißen Blättern besetzten, korallenstockartigen Knolle geht ein gewaltig entwickeltes Wurzelwerk aus, das einen weitverzweigten Saugapparat darstellt: den» die Schuppenwurz ist ein Schmarotzer und saugt sich au» den Wurzeln der Büsche und Bäume die nötigen Nährstoffe heraus. Di« Blüten erzeugen ein« vnermeßliche Menge winziger Samen; das ist zur Erhaltung der Art nötig; denn nur ganz wenige Samen entwickein sich weiter, weil sie nur in unmittelbarer Nähe einer Wurzel, die der Keimlina sogleich anzapfen kann, zu keimen beginnen. Mehrere Jahre lang kann der Keimling auf eine passende Keimwurzel warten, in den meisten Fällen gehl er aber zugrunde, weil sich die Gelegenheit zum Anfallen einer Wurzel nicht bietet. Hat er aber Glück gehabt, dann entwickelt er sich ganz langsam, vergrößert das Saugwurzelwerk ollmählich und greift eine Wurzel nach der anderen an. Noch Iahren ist er so weit, vm zum erstenmal oberirdische Blütenstände zu treiben. Wenn dann im Frühjahr der Blütenstand wieder verschwindet, ist bis zum nächsten Jahre von der Anwesenheit des Schuppenwurz nichts mehr zu bemerken |lij>ss