Nummer 26 Heimweh 2S.7uni 1623 Anterhaltungsbeitatze öes vorwärts �Swana, Krokodile Von David Neckschi es. Da die Jagdbeute geringer und der dauernde Aufenthalt an einer Stelle uns langweilig wurde, beschlossen wir, unser Lager nach Fondisvilla zu verlegen. Es ist dies eine Bahnstation der Beira-Mashonaland Railway, etwa sechsunddreißig englische Meilen von Beira. Die Station liegt auf dem linken Ufer des Pungwe, über den an dieser Stelle eine Eisenbahnbrück« führt. Auf beiden Seiten der Station erstreckt sich eine unabsehbare Grasebene, in der groß« Herden Büffel hausten. Dicht neben der Station hatte«in portugiesischer Kaufmann eine kleine Kneipe eingerichtet. Auch besaß er ein kleines Wellblech. gebäude, das vorbeimarschierenden Negerkarawanen als Nachtquar- tier diente. Diese Hütte wurde nun gründlich gesäubert und uns als Wohnung und Jagdquartier überlassen. Wir tonnten von dort aus mit Leichtigkeit meilenweite Jagdausslüge unternehmen, wobei der Abtronsport der Beute durch die Bahn erleichtert wurde. Auf der rechten Seite der Bahnlinie, aufwärts, war die Gras- steppe mit tiefen Bächen und Altwässern durchzogen, was darauf hin- oeutete, daß der Fluß hier vor Jahren fein Bett gehabt hatte. In diesen Bächen wimmelte es von Krokodilen und Flußpferden. Eines schönen ÜKo-rgens besuchte uns ein Eingeborener aus dieser Gegend. Er bat inständig, wir möchten doch mit ihm in sein Dorf kommen. In der letzten Nacht sei sein Weib von Krokodilen gefressen worden, auch seien schon viele Kinder des Dorfes Opfer der scheußlichen Tiere geworden. Wir sagten zu, versorgten uns mit Lebensmitteln für einige Tage und befahlen unseren Trägern, die Traglasten zu ordnen, damit wir ohne Zeiwerlust aufbrechen könnten. Nach der Aussage des Negers hatte wir etwa vier Stun. den Weges. Da es früh am Morgen war, konnten wir also noch im Laufe des Vormittags an Ort und Stelle sein. Unterwegs erzählte uns der schwarze fröhliche Witwer allerlei spaßhafte Geschichten, so daß uns die Zeit nicht lang wurde. Gegen 9 Uhr trafen wir am Ziele ein. Am Ufer eines großen Altwassers lag in der Steppe ein Dörflein von etwa zwanzig Hütten. Die Leute erzählten, sie hätten sich hier vor zwanzig Iahren angesiedelt. Sie waren aus dem Stamm« der Mschangani und ftüher als Sklaven von den Makombes verschleppt worden, die in den Wäl- dern von Masikasi an der Grenze von Britisch-Rhodesia wohnen. Wegen schlechter Behandlung waren sie dann entflohen und hatten sich mit Weib und Kind drei Monat« in der Wildnis umhergetrieben, biz sie das einsam« Plötzchen fanden, an dem sie nun wohnten und sich glücklich fühlren. Ihre Felder gaben reichlich Mais und Reis, wie ja überhaupt Mittelafrika ein Paradies für die großen schwor- zen Kinder ist. Wo der Neger sich ansiedelt, gedeiht in verschwand«. rischer Fülle, was«r pflanzt. Wär« er strebsam, so könnte er sich leicht zu großem Wohlstande heraufarbeiten. Aber er kennt den Mammon nicht, strebt nicht danach und ist vielleicht deshalb um viele» glücklicher als der Weiße. Der Neger baut auch nur so viel, wie er selbst braucht. Fällt er in die Hände indischer Wucherer, so vertauscht er gegen Perlen und sonstigen billigen Tand nicht selten den Hauptbestandteil seiner Ernte und muß dann trotz einer guten Ernte tüchtig hungern. Trotzdem ist er dabei lustig und guten Mutz und denkt nicht an das Morgen. Bietet das Haus nicht» mehr, so findet er draußen in Gottes Küche noch immer genug, was den Hunger stillt. Seien es Früchte oder Wurzeln, Grazsamen oder Kle'mtiere, alles verdaut ein Negermagen. So gleichgültig und anspruchslos der Neger im Essen ist, so unvorsichtig ist er auch im Leben. Wie oft habe ich e» doch erlebt, daß Neger der Wildnis bei Pombe und Tanz im freien Felde die Nacht verbrachten, trotzdem die Löwen dabei so manchen Genossen wegschleppen! Kommt s» etwas vor, so heißt es:„�.mri-armineo" (der Wille Gottes). So ist der Negerl Es fällt ihm gar nicht ein, sich selbst vor- zusehen, trotzdem ihn die Gefahr auf Schritt und Tritt verfolgt. Wie konnte es z. B. das Weib de» Schwarzen, der uns zu Hilfe gerufen, wagen, bei Nacht Wasser zu holen? Und doch tun sics tausendfach, obgleich sie wissen, daß die Krokodile in der Nacht auf Beute lauern. Aber dem Neger ist nicht zu raten; amri-amunxio — Gottes Wille— das ist der Schlüssel zu manchem Unheil, ist aber auch�ie Quelle seiner unversiegbaren Frohlichkeil. So ging's denn auch mit unserem Führer. Die gefressene Frau und die gefräßigen Kronkodile hatte er schon vergessen. Cr trank sein Pombe und lachte dazu. Und als wir ihn daran erinnerten, daß wir doch gekommen seien, Krokodile zu schießen, meinte er: „Das hat noch Zeit. Schießt zuerst ein paar Dogoros(Wasferböcke), damit wir zum Pombe auch Fleisch haben. Heute ist große Ngoma (Trommelfest). Da gibt es viel Pombe und Tanz. Da will ich mir aus den Tänzerinnen eine neu« Frau aussuchenl"' Diese Charakterlosigkeit und Gleichgültigkeit fiel uns aber doch erheblich auf die Gefühlsnerven. Wir hörten nicht mehr auf fein Geschwätz und gingen dem Teiche zu. Alz wir eine gute halbe Stunde den Teich beobachtet hatten, sahen wir an verschiedenen Stellen die mächttgen Köpfe der Krokodil« sich hin und her bewegen. Wir kamen leider nicht zum Schuß, da die schlauen Reptile uns schon gewittert hatten. Läßt sich jedoch eine Zeitlang kein Mensch am Ufer eines krokodilreichen Gewässers sehen, so kann man von weitem beobachten, wie sich die Tiere langsam nähern und das Ufer vorsichtig besteigen, um sich zu sonnen. Nicht selten verfallen sie dabei in Schlaf. Doch scheucht sie auch dann das leiseste Geräusch auf, worauf sie so unhörbar und schnell ins Wasier gleiten, daß man gar nicht zum Schusse kommt. Wir beide beschlossen angesichts der Dinge, die Reptile vom Dache einer Negerhütte, die SO Meter vom Ufer entfernt lag, zu belauern. Kaum hatten wir es uns auf dem Dache bequem gemacht, als sich an mehreren Stellen die Krokodile dem Ufer näherten. Zwei besonders große Exemplare bestiegen, sich behutsam um- schauend, das jenseitig« Ufer, indem sie sich mit dem Kopfe nach dem Wasser hinlegten, um bei nahender Gefahr sofort in ihr Element schlüpfen zu können. Collingwood legte sich platt auf das Dach und machte sich bereit, liegend aufgelegt zu schießen. Ich tat das gleiche. Auf das Kommando„Drei!" flogen die Kugeln, und zwei Echsen bemühten sich vergeblich, ihr« schweren Leiber in Sicher. heit zu bringen. Die Neger, mit Messern und Speeren bewaffnet, eilten sofort nach dem jenseitigen Ufer. Ehe wir beide dort ankamen, hatten die Kerls den Tieren schon den Bauch ausgeschlitzt. Sie fanden jedoch nur einig« Dutzend kleinerer Steine und große Stücke Schild- patt, aber keine menschlichen Ueberrcste. Die Läng« der Reptile betrug rund 2,75 Meter, die Dicke 0,75 Meter. Da sich sehr viele dieser Menschenfresser in dem Teiche befanden, kamen wir aus den Gedanken, eine Rrditalkur mit Dynamit anzu. wenden. Am unteren Ende dez Teiches lagen an einer flachen sandigen Stelle sechs Kibokos(Flußpferd«), Seit« an Seite in fried» lichem Schlaf. Eins, ein stattlicher Bulle, mutzte das Leben lassen. Wir ließen ihm sogleich den Kopf abhauen, der Zähne wegen, um dann den 49 Zentner schweren Rumpf als Köder für die Krokodile zu verwenden. Da diese gefräßigen Tier« von wett herkommen, um ihren Teil an dem leckeren Mal zu erhalten, hätte es kaum einer Zeit von 24 Stunden bedurft, um den Bullen völlig aufzu- fressen. Wir schickten darum einen unserer schnellsten Träger nach Fondisvilla, um einige tüchtige Ladungen Dynamit von unserem portugiesischen Wirte zu holen. Roch am gleichen Abend kam er damit zurück. Wir verboten nun den Negern, sich am Teiche herumzutreiben, damit die Krokodile nicht bei ihrer Todesmahlzeit gestört werden. In der Abendstunde hörten wir schon vom Dorf auz das Plantschen der Tiere bei dem toten Hippo. Wir banden nun die Dynamit. Patronen zu drei Bündeln von je fünf Ladungen zusammen, ver- sahen jedes Bündel mit Zündschnur und Detonator und warfen di« Bündel zu gleicher Zeit in die Nähe des Köders, um den sich die ahnungslosen Echsen balgten. Nach einigen Minuten hörte man einen ohrenbetäubenden Knall, dem nach einigen Sekunden zwei weitere folgten. Das ganz« Gewässer ward bis zum Grunde auf- gewühlt von den wild zuckenden, aufschlagenden, im Schmerz sich bäumenden und in die Tiefe schnellenden schweren Körpern der Tiere. Wie ein Stück Weltuntergang im Tierreich« war es. Während wir uns nun des gelungenen Streiche» freuten, war im Dorfe«ine furchtbore Panik ausgebrochen. Alles, alt und jung, lief in die Wildnis hinaus, die Kleinen und Kleinsten mit sich sortschleppend. Bon weitem hörten wir �noch das Geschrei:„Schei- tani— Scheitani!"(Satan). So etwas hatten die armen Kerle bisher noch nicht erbebt und fühlten schon den leibhaftigen Goitsei- beiunz in ihrem Nacken. Da wir diese Wirkung weder beabsichtigt noch bedacht hatten, ward uns nun das Bergnügen, die wie von Furien gejagten, angst- schlotternde» Negerlei» s» dex Wildnis zum Stillstehen zu briirgeir, Da wir am Abend, um die Krokodile nicht zu verjagen, das Ngomaschlagen verboten hatten, das Verbot jetzt aber nicht mehr in Frage kam, holten di« schwarzen Burschen noch in der dritten Morgenstunde sämtliche Trommeln herbei, um den erledigten Kroko. dilen ihren Totenmarsch zu schlagen. Wir beiden Weißen sahen noch ein Weilchen der Tragikomödie zu, dann begaben wir uns zur Ruhe. Doch schlafe einer bei einem Negertrommelfestl Endlich gegen Morgen glückte es uns,. einzuschlafen. Aber die Ruhe dauerte nur kurze Zeit: um acht kam der ver. onügte Witwer, der uns herbeigeholt hatte. Er hielt vier schwere Messingringe in den Händen, die er vor unseren Augen immer wieder zusammenschlug unter der Versicherung, daß dies die Ring« seiner toten Frau seien. Er hätte sie im Magen eines der toten Krokodile gefunden. Bekanntlich tragen viele Negerweiber Ringe aus Kuvfer, Messing oder Etahl an ihren Beinen, und zwar häufig eine solche Last von Schmuck, daß sie kaum laufen können. Al, wir an das Ufer des Teiches kamen, fanden wir dort ein wüst-idyllisches Bild. Fetzen von zerrissenen Tieren lagen am llfer, stellenweise auch schon.Häufchen des moschusduftenden Koch- fleisches für einen Festschmaus, die sich einzeln« Freßsäcke und Feinschmecker zusammengetragen hatten. Achtundzwanzig Tiere waren schon ausgeschlachtet. Trogdrn lagen noch viele im Wasier umher. Aus„k o fa r i i=iilet« man die Zusammenziehung der Erdkruste durch l«»g» hame Erkaltung als die alleinige und ausreichende Ursach« für die Mnljteha»« der Gebirg«. Diese Theorie stieß aber auf immer erheb- ülchcre Schwierigkeiten physikalischer und geologischer Art und wird paher heut» nur noch von wenige« Forschern ausrechterhalie«. Ma» Hm dann zwei Wege eingeschlagen, um die Kraft« am zp zeigen, die pie Gobirgsbildung bestimmen. Entiveder sucht ma» den Kitz dieser Kräste miterhald der festen Erdrinde, in der plastische»»der stüMgen Zone,»eren Bewegungen sich di« feste Oberfläche nur passiv anpaßt, pd-r man sucht die Veischiebungeu der Oderfläche, die di« Gebirge- bildnng«nzeig», durch Kräfte zu ertlären, die in der starren Erdrinde selbsk! iege». Die Aktivität in der Tätigkeit der Erdrind? könnte pbsr nur w ihren relattven Massen- und Schwereserhälmiss»» de- sgriindzt sein und als Funktion der Log« von Pol und Aeglwtsr be- Ircch'fl»erden, führt also auf kosmische Ursachen zurück. Dem«rsteren Weg dürft« wohl die größere Bedeutung zuzusprechen sein, und er Ist von S ch w i n n e r mit Erfolg in einer Theorie eingeschlagen »Vörden, die in den„Naturwissenichaflen" besprochen wird. ut der üxiDiujui der geMllshichenden Kraft in der äußeren Schale der Erde, die vom Nickeleisenkern unabhängig ist, zu suchen, und zwar kommt dabei nicht ihr äußerer, fester, sondern ihr innerer plastischer Teil in Frage, dessen obere Grenze in etwa 120 Kilometer Länge zu suchen ist. Die Ursache der Kraftentwicklung besteht in thermo-dynamischen Vorgängen. Es sind nämlich thermische Strö- mungen im Erdinnern anzunehmen, die nach Art der Strömungen im Lustraum entstehen. Die gegen den Erdmittelpunkt absteigenden Ströme kann man als Zyklone, die auffteigenden als Antizyklone bezeichnen. Die Zyklone erzeugen nun unter der starren Erdrinde einen Materialoerlust, in dieser einen Materialübersluß, der durch Stauung oder Faltung beseitigt wird. Auf diese Weise entstehen an der Oberfläche die schmalen Gürtel der Faltengebirge. Die Anti- Zyklon« führen der Oberfläche heißes Material zu: sie sind also in der Erdrinde ein Gebiet der Zerrung und der vulkanischen Ausbrüche. Zwischen dem zykionalen und antizyklonalen Ecbiei des Erdinnern vermitteln horizontale Ausgleichsströmungen. Danach wäre die Erdrinde tektonisch passiv: sie reproduziert nur indirekt die Bewe- gungen de» plastischen Untergrundes, und die entstehenden Wärmeströme heben sich allmählich durch Ausgleich selbst auf, was mit der verhältnismäßigen Kürze der gebirgsbildenden Perioden überein- stimmt. �lus der Praxis fflDtsoliil Schwierigkeiten des Tabakbaues. Wohl bei keiner Pflanze, deren Selbstanbau in den letzten Jahren empfohlen und versucht wurde, hat e» so viel Enttäuschungen gegeben wie beim Tabak. Aber denen es dabei schlecht gegangen ist, die mögen fich damit trösten, daß das Gebiet überhaupt schwierig ist. Die großen Betriebe, die über alle Einrichtungen verfügen, haben auch oft genug Fehlschläge. Eine besondere Stellung nehmen z. B. die gelben Tabake ein, die als ttir- kifcher Tabak, Shag, Zigarettentabak verarbeitet werden. Streng zu unterscheiden ist da zwischen Sorten orientalischer und Nordamerika- nischer Herkunft. Gemeinsam ist beiden das Bedürfnis nach hoher Smnmertemperatur und hoher Luftfeuchtigkett: dagegen verhalten sie sich In bezug auf den sommerlichen Regensall grundverschieden. Die amerikanischen Sorten oerlangen reichlich« und möglichst gleichmäßig verteilt» Niederschläge, dagegen sind gerade die edelsten oriemalischen Tabake an eine sommerliche Trockenzeit gewöhnt: sie büßen sofort ihre besten Eigenschaften ein, wenn sie in eine regenreich« Gegend oersetzt werden, namentlich, wenn sie in der zweiten Hälfte der Eni- Wicklung Regen erhalten. Deshalb ist es auch niemal, gelungen, die feinen türkischen Tabake im Osten der Bereinigten Staaten einzn- bürgern, und deshalb haben ähnlich« Versuche auch anderwärts stet» mit«inem Fehlschlag geendet. Man kann sich daher leicht vorstellen, wi» schwierig der Anbau dieser heiklen Pflanze in unserem unbestän- digen Klnna sein muß, und wie leicht Mißerfolg in einer Zell wie die unsere eintreten, wo aus di« Zuverlässigkeit der Samenauswahl wenig Verlaß ist. Es wird noch geraume Zeit vergehen, bis wir die für unser Klima angepaßten und zugleich edlen Sorten heraus- gezüchtet haben. m. Warum es keine Kartoffeln gibt. >./