Nummer 2» ZH.?uli?Y2Z Anterhaltungsbeilage öes Torwarts- Krauses Kirchenaustritt. Bon Otto Schumann. Lehrer Kraus« hatte sich entschlossen. Schon seit Iahren bot ihm die Kirche nichts weiter, als daß er sein« Taschenuhr nach ihr stellte und sich über die Kirchensteuer ärgerte. Von der letzteren wurde er durch den Austritt srei, das erftere blieb' ihm nach wie vor unbenommen. Auch dem Religions- Unterricht, diesem Eiertanz zwischen Verlegenheit und Unausrichtig» teit, tonnte stch der Lehrer Krause auf diese Art und Weise am besten und sichersten entziehen. Und damit war es wirtlich eine Plage: von sieben bis acht Uhr lebte die Schlange im Paradiese, fraß Erde ihr Leben lang und besah Intelligenz und Sprache, von acht bis neun Uhr kam sie auch in anderen Erdteilen vor, fraß Meerschweinchen und Frösche und war stumm. Zwar bemüht« sich Krause nach Kräften, den Unterricht durch moderne Parallelen zu beleben. So hatte er gezeigt, daß der Apfel auch heute noch die Menschen zur Sünde verleite, z. B. die Werder- schen, die vom Baume der Erkenntnis so nachhaltig gegessen hatten, daß die Kinder aus Berlin N. seit Jahren Aepfel und anderes Obst nur noch im Naturkundeunterricht auf der Anschauungstafel aus Pappe zu sehen kriegten. Der Rektor Schleimig jedoch hielt solche Vergleiche für unpassend. Di« göttlichen Wahrheiten seien in sich selbst begründet und bedürsten derartiger Erläuterungen nicht. So gewähnte der Lehrer Krause es sich denn an, alle Zweifel und Fragen seiner Schüler mit dem Hinweis auf die götlliche Wahr- hell zu beschwichtigen. Das war nicht immer leicht. Als er den dreimal gesiebten Jakob, welcher seinen alten blinden Vater vorn und hinten betrog, und den König David, der seine Untertanen „f. v." schrieb, um ihnen ihre Frauen zu nehmen, als stamme Männer und auscrwählte Rüstzeug« Gottes hinstellte und zur Nach- eiserung empfahl, meldete sich der blasse, stets nachdenkliche Emil Rübekohl und brachte, zum Reden aufgefordert, nur die Worte heraus:„Ha Lehra, ick staune man bloß imma!" Und Krause schwieg, denn er fühlte sich geschlagen. Und die Mädchen waren noch kritischer..Der Herr Rektor Schleimig hatte einmal in einer„Bitte ganz vertraulichen" De- sprechung angesichts der Ruhrinvasion betont, die Geschichte der Judith, welche sich ins feindliche Lager schleicht und dem schlafenden Feldherrn Holofernes den Kopf abschneidet, müsse ganz anders als bisher auf ihren religiösen und vaterländisch-fütlichen Gehellt hin ausgeschöpft werden. Lehrer Krause hatte, wenn auch mit inner- lichem Widerstreben, die Anweisung des Rektors wenigstens soweit befolgt, daß er im Unterricht an Schluß dieser Geschichte zaghast an- deutete: Wir Christen müßten gotwertrauend in ähnlichen Fällen ähnlich handeln. Aber da kam er bei Minna Krawutschke schlecht an:„Au weih, Ha Lehra: wenn unsereens sowat machen bähte! Neulich ham se an de Schleusenbrücke n' Kopp jefunden von'n Moechen. Iustaf, wat inein jroßer Bruder is, hatte Jlück un jing jrade vorbei. De Pollezei war ooch jleich da. Na, Ha Lehra, wenn se den krirjen, wo det jemacht hat— Au Backe! Iustaf sagt, se sagen, der eijne Bräutgam is't jrwesen von det Mecchen, wat zu den Kopp passen duhtl— Und dann der Katechismus! Jedesmal, wenn Lehrer Krause seinen Jungens ans Herz legte, sie sollten ihren Nachbarn nicht sein Weib, Gesinde oder Vieh abspannen, abdrinaen oder abwendig machen, bedauerte er, keinen photographischen Apparat bei sich zu haben, um die Gesichter der erstaunten Zöglinge im Bilde fest- zu halten. Kurz und gut, von allen dielen Piagen erlöste ihn der Kirchen- austritt, und bald trug er stolz die Bescheinigung des Amtsgerichts in der Tasche. Noch morgen früh sollte der Rektor die Mitteilung davon aus seinem Tische vorfinden. Sie sollte ckurz und lapidar sein: „Seit gestern bin ich nicht mehr e v., sondern D i s s. Krause, Lehrer." Aber da stockte Krause, und eine verlegene Röte malte sich auf seinem Geficht. Ihm war entfallen, wie denn eigentlich das Wort „Dissident" im Grunde zu erklären sei. Daß«z aus dem Lateinischen komme, wußte er: aber er hätte sich doch noch einmal gern des Näheren aus dem Konversationslexikon unterrichtet. Denn feiner Gewissenhaftigkeit wäre es peinlich gewesen, wenn der Rektor Schleimig vergeblich an ihn die Frage richten würde:„Wissen Sie denn überhaupt, was Dissident bedeutet?" Krause war Gott sei Dank kein Philologe, und schließlich war ja auch die Sache das Wesentliche. Immerhin, besser war es schon, wenn er das Wort zu- nächst vermied.„Bekenntmslos" oder„bekenntnisfrei" waren ihn, zu umständlich. Unschlüssig und halb mechanisch blätterte er in einem Bande „Verfügungen", den er aus der Zeit, da man noch Bücher kaufen konnte, gerettet statte. Da fesselte ein« Stelle des Buches feine Auf- merksamkeit— und plötzlich brach er in ein höllenmähiges, dem ernsten Augenblick keineswegs angepaßtes Gelächter aus„Ich Hab's," und kurz entschlossen schrieb er:„Herrn Rektor Schleimig, hier. Seit gestern bin ich nicht mehr« v., sondern Ind. Krause, Lehrer."— Rektor Schleimig war ein Schulleiter, wie er sein sollte, echt deutsch und christlich-unpolitisch bis ins Mark der Knochen. Sein vom langen Dienst nivelliertes Gesicht war halb zugewachsen: denn er hatte sich geschworen, daß kein Schermesser ihn berühren sollte, ehe nicht ein dritter Friede von Bersailles, einer, den die Deutschen der Welt diktierten, zustande gekommen sei. Aber dann!!!— Schleimig hatte sich vorgenommen, die Regierung zu bitten, ihm Pöincare als Hilf-cheizer für seine Schule zu überweisen. Diesen wollte er dann auf legalem Wege zu Tode inartern. Schleimig hatte zwei Bücher geschrieben: Erstens:„Perlen aus den kleinen Pro- pheten, für Baugewerkschüler, mit einem Anhang: Baterländische Gedenktage". Zweitens:„Nationale Jugendbünde und Jungfrauen- vereine in der wechselseitigen Befruchtung ihres inneren Lebens. Ein Versuch." Als der Rektor die Mitteilung des Lehrers Krause in seinem Amtszimmer vorfand, schnellte er in die Höhe. Unfaßbar! Also auch in sein Lehrerkollegium war die Pest des Atheismus einge- drungen. Aber was hieß denn das?„Nicht mehr«v., sondern I n d."?— Ach so. Großartig wahrhaftig! Also gleich einen Ersatz für die angestammte Kirche hatte Krause gesunden, und zwar in der indischen, ober, wie Krause sich genauer hätte ausdrücken sollen, in der buddhistischen Religion. „Nun, ich will ihm gleich schriftlich meine Meinung mitteilen." Und Rektor Schleimig griff zur Feder:„Herrn Lehrer Krause. Eine mündliche Rücksprache über Ihren bedauernswerten Schritt muß ich mir versagen. Sie müssen das mit Ihrem Gewissen und der Reichsverfassung abmachen. Wenn Sie indessen glauben, indischen Religionslehren in meiner Schule Eingang verschaffen oder die Schüler zum Drehen Ihrer Gebetsmühle heranziehen zu können, so irren Sie sich. Schleimig, Rektor." Krause staunte. Hier tat schleunige Aufklärung not. Und Krause antwortete:„Sehr geehrter Herr Rektor! Zu Indien hat mein augenblicklicher Zustand keinerlei Beziehung. Ich verehre die religiösen Werte und Gedanken, die sich in allen Menschheits« religionen bergen: irgendeinem dogmenmäßigen Bekenntnis indessen, dem buddhistischen oder einem anderen, möchte ich in Zukunft nicht inehr anhängen. Die Sllbe Ind. hat auch eine viel bescheidenere Bedeutung. Ihnen, Herr Rektor, als Schulleiter, ist sicherlich die Ministerialvcrfügung vom 8. Mai 1847 Nr. 1097 II bekannt, lvelche bis in die neueste Zeit hinein Gebrauch gehabt hat. Sie schließt mit den Worten:„... ebenso kann weder ein aus den anerkannten Landeskirchen ausgetretener Lehrer in seiner Stellung an einer öffentlichen Schule verbleiben, noch ferner ein solches I n d i v i- duum an bestehenden öffentlichen Schulen als Lehrer angestellt werden." Wenn nun auch die Revolution manches geändert hat, so darf die köstliche, unnachahmliche und amtlich geheiligte Bezeich- nung„Individuum" wohl auch heute noch als die für uns arme Un- gläubige allein passende gelten. Ich jedenfalls möchte mir in aller Bescheidenheit diesen Name» zu eigen machen und bitte auch Sie, sehr geehrter Herr Rektor, mich von nun an zu würdigen nnd zu bezeichnen als Ihren ergebensten Krause. Lehrer und I n d i v i d n u m."_ vom Liberalen Zum Sozialöemokraten. Bon Paul Kampffmeyer. Der eiserne Besen des„Sozialistengesetzes" hatte bis zum Schluß des Jahres 1878 alles, was auch nur entfernt an die saziell- demokratische Bewegung erinnerte, nnt grausam-brutaler Energie aus der Oeffentlichkeit weggekehrt. Die sozialdemokratischen Zeitungen waren von der Straße verschwunden, die sozialdemokratischen Massttivsrsammlungen warfen keine Wellen mehr in dem stagnieren- den politischen Sumpf der Rcichshauptstadt. In der Oefsentlichkeit triuniphierte das alternde fortschrittliche Philistertum über den jungen, aber durch die Polizeiplempe zu Boden geschlagenen Sozialismus. Nur einige antifemitifch-demagogifche Steinwürse fielen von Zeit Zeit in das tote Wasser des Berliner politischen Lebens. Wahrlich, für jeden, der aus bürgerlicher Enge in die weite Welt des Sozialis- mns gelangen wollte, fiel es verteufelt schwer, sich einen Zugang zu der grundlegenden Literatur des Sozialismus zu bahnen. Diese konnte selbst in der sozialdemokratischen Wahlbewequng in den für den Tag geschriebenen Flugblättern nur schwach anklingen. Der Wahlkampf muhte zurückhaltend geführt werden. Der sozialdemokratische Stimm- Zettelverbreiter setzte sich schweren B-rfolgungen bei seinen Gängen durch die Berliner Vorder- und 5)interhäulcr aus. Folgender charakteristischer Borgang ist in meinem Gedächtnis haften geblieben: An der Hinterhaustür unserer Berliner Wohnung schellt es laut. Ich öffne die Tür, aber keine Menschensecle ist zu entdecken. Ich sehe mich um und finde schließlich im Dunkel auf der Türfchwelle einen Wahlzettel mit dem Namen August Bebels, des fozialdemo- kratifchen Kandidaten des 4. Berliner Wahlkreises. Für den Vorderhausmenschen war allerdings die Verbindung mit der arbeitenden Klasse nicht völlig abgeschnitten. Aber der So- zialismus wurzelte doch in den Köpfen und Herzen der Arbeiter im allgemeinen noch nicht so tkef, daß diese geklärte sozialistische Grund- anjchauungen einer bürgerlich erzogenen Jugend vermitteln konnten. Viele gelernten Arbeiter waren überdies noch dem Fort- schrittlertum mit Leib und Seele verfallen. Die ersten politischen Gespräche, die ich mit einem geweckten älteren Metallarbeiter, dem Dreher Iridis, führte, bewegten sich ganz in dem Geleise des fort- schrittlichen Liberalismus, der auch dem alteingesessenen Berliner Bürgertum durch die„Tante Voß" cingelösfclt wurde. Der Arbeiter Judis zählte zu de? Hirsch-Dunckerianern, die treu der Fahne Eugen Richters(Hagen) anhingen. Er las, wenn ich mich recht erinnere, die Berliner„Volkszeitung", die sich unter dem Ausnahmegesetz sehr wacker und anständig gegenüber der verfolgten Sozialdemokratie be- tragen hat. Aus dem demokratischen Kreise der Berliner„Volks- zeitung" gingen führende sozialdemokratische Schriftsteller, wie Franz Mehring und Georg Ledebour, hervor. Mit meinen wenigen Spargroschen tauft« ich mir Richtersche Broschüren, und ds« derbe Art, mit der dieser wilde izagen mit Bismarck abrechnete, gefiel mir ausnehmend gut. In den fortschritt- lich-dcmokratischen Kreisen Berlins, denen noch die Revolution des Jahres 1848 und die Konfliktzeiten 1861— 1864 lebendig vor Augen standen, haßte man den Gewaltmenschen Bismarck, verdammte feine brutale Innenpolitik und ließ nur seine mit von überraschenden Er- folgen gekrönte Außenpolitik gelten. In diesen Kreisen stieß auch der neudeutsche Schwärm für das herrlich« Kriegsherr auf festen Widerstand. Der demokratisch-fortschrittliche Liberalismus konnte in seiner junge» Anhängerschaft wohl einen starken Oppositionsgeist gegen den halb absolutistischen Obrigkeitsstoat entwickeln, aber er erschloß ihr nicht das Verständnis für die werdende neue soziale Welt. Die„soziale Frage" beunruhigte durchweg noch nicht dos sanft- lebende Fleisch der Berliner Fortschrittler. Das abgegriffene Wort der zur Neig« gehenden liberal-manchesterlichen Weltanschauung: „Jeder ist seines Glückes Schmied" war in de» liberal gerichteten Berliner Familien gang und gäbe. Der Weg zur wohlhäbigen bürgerlichen„Respektierlichteit" wurde durchweg tn strengem Fleiß und in gut rechnender Sparsamkeit gesehen. Die tiefe und innige Verknüpfung des Einzelschicksals mit der gcftmcken Organisation un- (eres sozialen Lebens blieb dem bürgerlichen Auge verhüllt. Jedes Menschenlos war selbst verdient. Die Arbeiter wirtschafteten„lieber- glich", sie hatten also ihre soziale Not selbst verschuldet! Die bürgerliche Anschauung von der ausschließlichen Haftbarkeit des Individuums für fein eigenes Wohl und Wehe schlägt zunächst den jungen bürgerlichen Intellektuellen mit Blindheit für olles, was sich sozial um ihn herumbewegt. Er versteht die Sprache des sozialen Elends nicht, die doch so eindringlich zu seinen fünf Sinnen redet. Die dumpfe Luft der Kellerwohnungen jagt ein Frösteln über seine Haut, der schlecht« Fettgeschmack des Zlrmeleute- esscns legt si«l> auf seine Zunge, die bleichen, abgehärmten Gesichter der Fabrikmädchen fallen ihm förmlich schmerzend aus die Augen, seine Nase schreckt zurück vor dem widerwärtigen Geruch der ver- schmutzten Arbeitskleidung, und sein Ohr wird heftig von dem wüsten, aus den Miebstasernen drängenden Lärm erschüttert. Aber die Sinn« sind sozial tot, sobald sie nicht durch eine soziale Weltan- schauung entslammk werden.. Zum Wecker der Sinne wurde mir Ferdinand Lassalle. Sein „Arbeiterprogramm" machte mich sehend. Ich erschaute die enge Verbundenheit des Individuums mit seiner sozialen Klasse, und die Abhünaigteit dieser sozialen Klasse von grundstürzenden Wirtschaft- liche» Umwälzungen. Der soziale Epringguell der großen Arbeiter- kulturbemegung erschloß sich mir, und diese erschien mir als eine neue Wende in dem großen Kampfe um die Befreiung des Menschen. Ich bin in oikrund zwanzig Stunden durch dos Lass-allesche„Arbeiterprogramm" zum Sozialisten geworden. Es kam mir blitzschnell zum Bewußtsein, daß in der großen Arbeiterbewegung um die höchsten Dinge gerungen wird. Nichts äußerlich Gemachtes, Willkürliches lag in dieser Bewegung. Als lächerlich, unsäglich lächerlich stellt« sich mir das bürgerliche Ge- schwätz von de» sozialdemokratischen Hetzern als de» eigentlichen Schöpfern der foxaldemokratlfcheii Bewegung dar. Wie kleinlich kanien mir nun die Parolen der bürgerlichen politischen Tcigeskämpfe vor. Von dem Tage an, da ich In dem Antiquariat meines Vaters das Lassallesche„Arbeiterprogramm" entdeckte, erhielt mein Leben einen ganz neuen Inhalt. Ich halte auch heute noch das L-issallesche „Arbeitervrogramm" für die wirksamste Einführung unserer Jung» Mannschaft in den Sozialismus, in die sozialwirtschaftliche Entwick- lungsgeschichte und in das Wesen der politischen Kämpfe. Etwas von öer hpgiene öer Ernährung. Bon Dr. med. Norbert Marx. In diesem Artikel sollen nicht nach dem Rate der Kochküche „man nehme" Ratschläge für die Zubereitung von billigen Mahl- zciten gegeben werden. Man versteht unter Hqgiene der Er» n ä h r u n g die Kenntnis der Methoden einer fiir die Gesund» heit zuträglichen Zubereitung der Nahrungsmittel. Auf diesem Gebiete wird noch oft gesündigt, wie die vielen Magen- und Darmerkrankungen beweisen, obwohl diese häufig auch aus der schlechten Beschaffenheit der den Konsumenten gelieferten Waren be- ruhen. Bon großem Einfluß ist auch die Sommerhitze, die für die meisten Krankheitskeim« erst die nötigen Bermehrungsbedingungen schafft. Der erste Grundsatz muß sein: all« Nahrungsmittel, die roh gegessen werden, müssen vorher gut gereinigt werden. Dazu gehören alle Obstsorten, besonders die am Boden wachsenden, wie die Erdbeeren. Diese werden sehr häufig beim Düngen mit Jauche bespritzt, die überreich an Krankhcitskeimen ist. Das gleiche gilt für die Salate; durch sie wird häusig der Typhus weiterverbreitet. An den übrigen Obstsorten ist, wenn kein großer Wert darauf gelegt wird, die Schale zu entfernen, sonst aber durch Abspülen und even» tuelles Abtrocknen«it etuem reinen Tuch der Schmutz zu beseitigen. Zum Obst, besonders zu Pflaumen und Kirschen, soll man kein Wasser oder Bier trinken. Jedes Jahr fordert dieser sträf- liche Leichtsinn seine Todesopfer. Welche Zersetzung dabei im Magen und Darm vor sich geht, warum diese bei dem einen Menschen töd- lich, beim anderen gar nicht wirkt, entzieht sich noch unserer Kenint» nis. Feststehend ist aber die Tatsache der großen Gefährlichkeit. Vor dem Kochen sollen vom Gemüse alle äußeren holzigen Teile entfernt werden, ebenso beim Fleisch die Sehnen und Bänder, da dieselben im Gegensatz zu den Knochen keine Nährstoffe wie das Mark oder Exirakticnsstosfe besitzen. Letztere verleihen z. B. den Bouillons und sonstigen mit Fleisch zubereiteten Suppen und Saucen den appetitanregenden Geschmack. Die Vorgänge beim Zu» bereiten des Fleisches bestehen hauptsächlich darm, daß das Eiweiß gerinnt. War das Fleisch nur kurz« Zeit einer größeren 5)itze aus- gesetzt, so daß diese nicht in das Innere«indringen konnte, z. B. beim Roastbeef, so erreicht die Temperatur im Innern ntcht 72 Grad und es findet keine Umwandlung des Hämoglobins(Blutfarbstoffs) statt. Das Fleisch erscheint also im Anschnitt roh. Das geronnen« Fieischeiweih ist leichter verdaulich, d. h. es kann vom Magen- und Darmsaft leichter in seinen Bestandteilen aufgelöst und schneller zu arteigenem Körpereiweih ausgebaut werden. Das gleiche finden wir bei rohen und wachsweich gekochten Eiern: hartgekochte Eier sind wegen ihrer festen Konsistenz(Dichtigkeit) und deshalb verlangsam. ten Aufspaltfähiqkeit schwerverdaulich. Fein geschabtes rohes Fleisch wird ebenfalls leicht verdaut, weil es den Berdauungsfäften reichlich Angriffspunkte bietet. Es ist aber in der warmen Jahreszeit von seinem Genuß abzuraten, da es unter Umständen eine große In» sektionsgefahr bietet. Bon Interesse dürfte es fein zu wissen, daß das Fleisch bei d»n verschiedenen Zubereitungsarten 20—56 Proz. seines Wassergehaltes verliert, also trocken wird. Die meisten Speisen, mit Ausnahme des Obstes, müsien gewürzt werden, da sie sonst für unseren Gaumen geschmacklos wären. Eine gut gewürzte Speise, die also sehr appetitanregend ist, braucht aber nicht nahrhaft zu sein. Diesem Irrtum begegnen wir de-- sonders bei der Fleischbrühe, deren Nährwert mit Ausnahme der paar Fettaugen, die darauf herumschwimmen, gleich Null ist. Ihr Wert besteht in der appetitanregenden Wirkung, die sie durch ihre aromatischen Fleischstoffe ausübt, und dadurch den Magen und Darm für die folgenden Speisen vorbereitet. Ein anderes Nah- rungsmittcl. dos in seinem Nährwert sehr überschätzt wird und das in gar keinem Verhältnis z» seinem Nreis steht, sind die E i e r. Sie enthalten nur 12,2 Proz. Eiweiß und 11.5 Proz. Fett, also rund ein Viertel Nä'hrstoffe und drei Viertel Wasser. Am ei weiß» r e i ch st e n ist von pl'xn üblichen Nährmitteln der Magerkäse mit 33,5 Proz. Eiweiß. Am fettreich st en sind das Schweineschmalz mit 95 Proz. und der Rindertalg mit 93,8 Proz. Diele Proaentzahlen stellen den nach der unumgäng- lichen Zubereitung verbleibenden wirklichen Nährwert dar. Sehr wichtig ist auch die Temperatur der genossenen Speisen, Durch zu heiße Speisen über 55 Grad leiden die Zähne. Es springt der Schmelz ab. dadurch werden die Eingangspforten tür die im Mynde immer vorhandenen Zalmfäulnisbaklerien ge» öffnet und die Zähne werden cariös, d. h. sie„stocken�. Diesrfte schädliche Wirkung üben auch zu niegere Temperaturen, wie z. B. bei Eis»nd Eisgetränken aus. Sehr disponierend für schlechte Zähne ill der reichliche Genuß von Süßigkeiten, wie wir ja hei den Zuckerbäckern und Zuckerarbeitern eine ganz bestimmte typiiche Erkrankung der Zähne als Berufskrankheit kennen. Der gewöhn- heitsmäßia« reichliche Genuß von sehr heißen Ge'ränkcn, z. B. Kaffee zwischen 50—60 Grad, führt oft zu einem Mascngejchwür, obwohl da noch and're Faktoren mitspielen.— Durch ten Gemrß von großen Mengen kalter Speisen imb Getränke findet eine plStz- liche und starke Entziehung von Blut aus den anderen Organen nach dem Magen und Darm statt und dadurch können auf bis jetzt noch nicht näher erklärbar« Weife Infettionstrankheiten zustande- kommen. Hierher gehört auch der Bolksglaube, daß durch Trinken von kaltem Wasser Lungenschwindsucht entstehen könne. Eine Ver. fchlimmerung einer schon bestehenden Erkrankung dieser Art, die noch nicht erkannt war, ist wohl anzunehmen. Ausfallend ist es, haß z. B. Wanderer, die in der Hitze kaltes Wafler trinken, aber in Bewegung bleiben und so keinen Wärmeverlust er« leiden, nicht erkranken. Nachdem wir uns über die Art des Essens unterhalten haben. wollen wir uns damit beschästigen, wie oft der Mensch essen soll. Ein Säugling soll S— Kmal alle VA— 4 Stunden angelegt werden. Diese häufige und regelmäßige Fütterung kann sich der Mensch in seinem späteren Leben nicht mehr leisten. Bevor bei uns die durchgehende Arbeitszeit eingeführt wurde, konnte die Hauptmahlzeit mittags zwischen 12— 2 Uhr eingenommen werden. Das hat sich durch die englische Arbeitszeiteinteilung geändert. Es ist deshalb zu empfehlen, während der zu gewährenden Pausen das zweite Frühstück und das Vesperbrot einzunehmen, so daß nur eine Ver- fchiebung zwischen Vesper und Mittagessen eintritt. Was die Men- genverteilunq der genossenen Nährmittel auf die einzelnen Mahl- zeiten betrifft, s« entfallen bei uns durchschnittlich aus das Frühstück 14 Proz., das Mittagessen 45 Proz., Abendessen 35 Proz. und die beiden Zwischenmahlzellen 5 Proz. der Nahrungsaufnahme. Das Essen selbst ist auch eine Kunst, die viele Menschen nie erlernen und'deshalb mit Magen- und Darmstörungen, Kopf- schmerzen usw. büßen müssen. Der fundamentale Grundsatz ist: „Gut gekaut, ist halb verdaut." Durch das sorgfältige Kauen werden die Speisen genügend zerkleinert und bieten dadurch dem Magen, und Darmsast mehr Angriffspunkte für seine Tätig- keit; dann werden sie auf Körpertemperatur erwärmt und entziehen dadurch dem Körper keine Wärm«. Durch ausgiebiges Kauen findet auch kein übermäßig schnelles Vollstopfen des Magens statt, das bei Ucberfüllung zu Magendrücken führt. Deshalb sich g e- nügend Zeit für das Essen nehmen, womöglich nicht dazu die Zeitung lesen. Daß die Grundbedingung für eine geregelte Kautätigkeit gute Zähne sind, braucht hier nicht weiter erörtert zu werden. Was man aber noch heute an Gebißresten als Arzt zu sehen bekommt, spottet jeder Beschreibung und es muß »llen Proletariern geraten werden, darüber zu wachen, daß ihre Kinder rechtzeitig in den Schulzahnkliniken behandelt werden und möglichst bald ihre schlechten Zähne plombiert de- kommen. Zum Schluß noch ein paar einzelne Punkt« zu unserem Thema. Das G c stü h l der Sättigung richtet sich nach den Volumen (Menge) der Speisen, nicht nach. ihrem Nährwert. Das hat insofern praktische Bedeutung, als die wohlhabende Klasse möglichst oo- lumenarme Speisen, z. B. Fleisch und Fette genießt, während Proletarier gezwungen sind, um das gleiche Quantum Nährwert zu erhalten, sehr volumenreiche Nahrung zu sich zu nehmen, z. B. Kar- tosfeln, Brot, Kohl und Rüben. Dadurch wird dem Darmkanal sehr viel Ballost zugeführt und die menschliche Maschine arbeitet deshalb»mrationell. Wie ich schon zu Anfang bemerste, wollt« ich hier keine Rat- schlüge für eine rationelle Lebenshaltung geben, sondern wir woll- ten uns nur über die Technik der Ernährung unterhalten, denn «ine richtig« Technik ist genau so wichtig wie das Materiol, an dem sie angewendet wird, und durch eine Verfeinerung der Technik kann auch aus nicht hochwertigem Material noch großer Nutzeffekt gc- zogen werden. Wucher unö Schiebertum im Nittelalter» Von Anna Blos- Stuttgart. Wir hören häufig die Meinung äußern, daß Wucher und Schiebertum eine Zeiterscheinung sei, die mit den demoralisierenden Einflüssen von Kiscg und Revolution zusammenbräche. Man meint auch zuweilen, nur die Todesstrafe könne als wirksames Mittel diese be'muerlichen Zeiterscheinungen beseitigen. Die das meinen, wisien nicht, daß zur Zeit der französischen Revolution Wucher und Schiebertum mit dem Tod auf der Guillotine bestraft wurden, daß diese harte Strafe auch den traf, der unerlaubt« Vorrät«, selbst in ganz kleinen Mengen, angesammelt hatte. Trotz der drohenden Guillotine ließ aber das Wuchern, Hamstern, Schieben nicht nach. Es hörte erst auf, als genügende Lebensmittel vorhanden waren und die Nachfrage nicht mehr viel größer war als das Angebot. Wir finden aber auch im Mittelalter«in weitoerbreiteies Wucher- und Schiebertum.„Der Wucher", schreibt ein Schrift- steller im 15. Jahrhundert,„ist in unseren Tagen immer schlimmer geworden, seitdem infolge all der fremden ins Land gebrachten Waren die Bedürfnisse sich gesteigert haben und kostbar« Kleidung und Nahrung auch von nritlleren Ständen gesucht wird. Greulich ist der Wucher, wie ihn die Ju�rn ausüben und viele Christen, die noch schlimmer als die Juden sind---- Beklaqensiverte Zeil, in welcher das Geld zu regieren anfängt und das Geld in immer wei- tereur Umfang Geld macht!" Nicht nur Bürger und Bauern, sondern auch Fürsten und groß«. Adlige steckten oft lief in Schulden. Di« Eeldgelchäft« wurden in � der Hauptsache von Juden besorgt. Der gesetzliche Zinsfuß stieg. nicht selten auf 86 Proz.„Die Juden Wucherer setzen sich fest bis in den kleinsten Dorfen, und wem sie fünf Gulden borgen, namert sie sechsfach Pfand und nemen Zinsen von Zinsen und von diesen wiedrumb Zinsen, daß der arme Mann kommt um Alles was er hat." In jener Zeit fegte» furchtbare Judenverfolgungen ein. Di« Verfolgungen der Juden brachten es mit sich, daß di« Städte eigen« Banken errichteten. Aus den Bewillizungsurkundcn für die Banken und aus dem gleichzeitigen Auftreten von selbständi- g«n Wechslerinnen und Zollpächterinncn ergibt sich die Tatsache, daß die Frauen der Kaufleute am Handel nicht bloß tätigen Anteil nahmen, sondern auch auf eigen« Rechnung und Gefahr Geschäfte machten. Mit der Vertreibung der Juden ging„der praktische Judengeist" auf die christlichen Wucherer über und bildete sich ln deren Händen infolge des Welthandels und des allgemeinen Luxus zu einem wahren Weltwuchcr aus.„Großwucher und Schleuderey" legte man insbesondere den süddeutschen Handelsgesellschasten der Welser und Höchstätter in Augsburg, den Jmhof, Ebner, Bolkamer in Nürnberg, den Neuland in Ulm und vielen anderen zur Last. Sie verfiele» dem allgemeinen Boltshah in gleicher Weife wie die Juden. Der Geschichtsschreiber Jansen schreibt ihrer ausgedehnten Kapitaiwirtschast und ihren künstlichen Preissteigerungen, durch die sie eine drückende Herrschaft im Reiche ausübten,«Msentliche Schuld zu an den späteren schweren Verwirrungen der gesellschaftlichen Zustände. „Diese sogenannten Handelsgesellschasten traten zur Ausbeutung einer bestimmten Handelsrichtung oder eines bestimmten Geschäfts- zweig«? auf bestimmte Zeit zusammen und teilten je nach den von den Mitgliedern eingelegten Geldsummen den erzieiten Gewinn. (Das entspricht den Dividenden der heutigen Aktiengesellschaften.) Durch die unmitielbare Schisfahrt noch Indien und die Gewürz- Handelsstraße nach Lissabon beherrschten s-e«inen großen Teil des Warenmarktes. Sie hatten z. B. den ganzen Gcwürzhandel in Händen und trieben die Preise willkürlich in die Höhe. Sie ver- einigten sich zu Aufkaufs- und Preisfteigerungs- und dadurch zu Voiksausbeutunosgefellschoften. die den Wein aufkauften, das Korn oder schon die Feldfrücht« in Halm und Garben.„Die Blutsauger, Korn- und Weinaufkäufer", eifert«in alter Schriftsteller,„schädigen die ganze Gemeinde"(weil sie, was zum Leben noltut, als Korn, Fleisch, Wein, in Monopolien auskaufen und die Preise schrauben nach ihrer Geldgier und Geizigkeit und sich mit der sauren Arbeit der Armen mästen).„Man soll ausziehen, sie zu vertreiben von einer ganze» Gemeinde als di« Wölfs, die Gott und die Menschen hassen, wenn sie weder Gott noch di« Menschen fürchten: si« machen Hunger und Teuerung und töten arme Leut." Ein anderer ver- gleicht ßc mit den Raubrsttern. Auf dem Reichstag zu Köln 1512 wurde zun, erstenmal gegen die Handesgesellschaften eingeschritten. Aber die Geldmacht war schon damals stärker als die Exekutivgewalt des Reiches. Ratspersonen und kaiserliche Räte waren empfänglich für die„starken Handsalben" der Kaufleut« oder l>«!eiligt«n sich heimlich an der kapitalistischen Ausbeutung des Volkes. Die Gesellschaften der Augsburger und der Nürnberger kauften auch in Oesterreich schon vor den Toren der Handelsstädte oder aus den Märkten selbst die Waren, auch die unentbehrlichsten, und brachten dadurch den ganzen Klrinverkehr und die Herrschaft über aSe Preis« in ihre Hände. Auch hier versuchte man vergeblich, namentlich de» Viehoufkauf zu verbieten. Es wurde auch darauf hingewiesen, wie di« ausländischen Waren, die in gutem Zustand ankamen, verschlechtert wurden. Der Gewinn war natürlich oft un- geheuer. Ein Augsburgcr Kaufmann gab SM Gulden einem Be- kannten zu Gewinn und Verlust in di« Handlung und erzielte damit von 1511 bis 1517 nicht weniger als 24 5M Goldgulden. Mit Recht wurde gesagt„Der Kaufleut Gewinn übertreffe der Juden Wuche» siebenfältig." Das Vermögen der berühmten Familie Fugger soll sich in sieben Jahren um 13 Millionen Gulden aebessert haben. Der übermäßige Handel erzeugt« übermäßig« Geldgier. Di« Kapitalwirlschaft wurde immer drückender für die arbeitend« Volks- klaffe. Man versucht« nun, den„rechten untrüglichen Wert" der Waren festzusetzen und den sich daraus ergebenden gerechten Preis. Der a>er«cht« Preis" nach dem Realwert und den lierstellungskosien berechnet sollte namentlich beim Verkauf der notwendigen Lebens- bedürfnisse als Richtschnur gelten. Es wurde deshalb als Wucher betrachtet, ivenn jemand derartige Bedürfnisse nicht zu eigenem Be- darf, sondern zur Aufbewahrung und zum möglichst teuer» Absatz zusammenkaufte.„Wer Korn, Fleisch und Wein aufkaust, um deren Preise in die Höhe zu treiben, um aus Kosten anderer Geld zu er- beuten, gilt nach den Satzungen des kirchliche» Rechtes als ge- meiner Verbrecher." Von c!n«m gut verwalteten Gemeinwesen wird verlangt, daß der willkürlichen Verteuerung der für Nahrung und Kleidung unentbehrlichen Ding« entschieden vorgebeugt iverdc. In Zeiten der Not soll man Kaufleute, die Waren besitzen, zwingen, sie zu verkaufen zu einem gerechten Preis, denn es fei nicht an» gängig, daß«in« kleine Anzahl sich zum Nachteil und Verderben der großen Masse ungebührlich bereichere. Auf die Armen und Minderbemittelten wüsse Rücksicht genommen werden. Für ihren Schutz müßten die Gesetze sorge». Darum müsse in einem geard- net«n Gemeinwesen der' gerechte Preis bestimmt iverden wie der gereckte Lohn der Arbeit. Niemand dürfe zu Schaden kommen. Man sieht, wie auch in: Mittelalter vergebliche Anstrengungen gemacht wurden gegen das Wucher- und Schiebertum. Auch hier versagte die Gewa't, und große aeschichtlick« Ereignisse mußten komm«», di« zum Zulamnienbruck führten. Allerdings würden nicht die einzelnen Schuldigen, sondern das ganz« Volk schwer davon betrossen. wissen und Schauen Das CharakterMld auf der Sllrn. Man sagt sprichwörtlich, das) es jemandem schon auf der Stirn geschrieben stehe, welch Geistes Kind er sei. Daß diese Anschauung auf scharfer Beobachtung und langer Erfahrung beruht, zeigt die Physionomik, die sich schon seit langem mit dem Studium der Stirne beschäftigt hat. Der bekannte Kenner der„Geschichtslese-Kunst" E. W. Geßmann stellt in„Heber Land und Meer" die Grundsätze zusammen, nach denen man den Charakter aus der Form und den Linien der Stirn beurteilt. Im allgeineinen ist eine normal entwickelte Stirn in ihrer Länge etwas kürzer als die Kopfbreite sein soll. Eine zu große Stirn verrät Trägheit und Langsamkeit: eine zu kleine Srirn Hurtigkeit und Ge- schwindigkeit. Ist die Stirn zu sehr gerundet, so läßt sie aus Zornig- keit, Hossahrt und Rachsucht schließen. Dem Besitzer einer zu hohen Stirn kann man ein ziemliches Maß von Dummheit zuschreiben, während eine eingedrückte Stirn«in weibliches Naturell anzeigt. Ist die Stirn zu breit, so deutet sie aus Hochmut, Prahlerei und Großsprecherei hin. Eine viereckige Stirn verrät Edelsinn und Großmut. Menschen mit übermäßig großer Stim lernen und be- greifen schwer, behalten ober dann das Gelernte gut. Sehr kurz« und kleine Stirnen verraten schweres Begriffsvermögen und man- geinde Wahrheitsliebe Unbewegliche Stirnen gelten als Zeichen von faulem und verdrossenem Wesen. Eine rauhe und haarige Stirn soll einen diebischen und liederlichen, eine glatte faltenlose Stirn einen jähzornigen und schinuckliebenden Menschen ankündigen. Diese allgemeinen Angaben werden ergänzt durch die Ausdeutung der Linien, die natürlich mit dem Gesamteindruck in Uebereinftim- mung stehen müssen. Die Erklärung der Stirnlinien stammt aus uralten Zeiten und wurde im Mittelalter unter dem Namen„Netos' topie" in ein System gebracht. Da die Stirnlinien— besonders bei Jungen Renschen— nur schwer zu erkennen sind, so läßt man bei der Untersuchung die Stirn runzeln, wodurch die Linien deutlich sichtbar werden. Bei der Deutung der Stirnlinien gelten im allge- meinen dieselben Grundsätze wie bei den Handlinien. Je normaler eine solche Linie in ihrer Lage und Entwicklung ist, um so günstiger ist das Ergebnis. Wenn eine Linie fehlt, so sollen der Person auch die Eigenschaften fehlen, die durch die Linie bezeichnet werden. Zoologische Gärten. Den ersten zoologischen Garten, von dem wir hören, soll der chinesische Kaiser Wu-Wang ungefähr im Jahre HSV vor Christo angelegt haben. Er nannte khn merkwürdigerweise „Garten der Intelligenz". In Europa gehen die ersten Anfänge auf di« Zeit der Kreuzzüge zurück. Seitdem wurde es Sitte, seltene Tiere in den Wallgräben von Städten, Schlössern und Klöstern zu bellten. Die Beziehungen zum Morgenlanbe, wenn sie auch in erster Linie feindlich gewesen waren, hatten doch den Blick erweitert und das Interesse für Fremdländisches verstärkt. Als die Spanier nach Mexiko kamen, fanden sie zu ihrem Erstaunen in den Gärten des Kaisers Montezuma einen wohleingerichteten und reichhaltigen Tier- park. In Wien interessierte sich Prinz Eugen für fremde Tiere und legte im Beloedere eine Sammlung an, die später mit der kaiser- lichen Menagerie vereinigt wurde. Ludwig XIV. richtete zu Versailles einen Tierpark ein und wurde dann hierin, wie in vielen Dingen, ein Borbild für andere Potentaten. Dieser Verfailler Tier- park wurde aber später von besonderer Bedeutung. Die Revolution von 1789 verlegt« diesen Tierpart nach Paris in den Iardin des tlantes, und das war der erste öffentliche Zoologffche Garten für das olk. Borher hatten die Tierparts nur der Belustigung und viel- leicht auch der Belehrung der Fürstlichkeiten und des Hofes gedient.