Nummer 32 9. Kug. 1923 ir—-—- � Unterhaltungsbeilage öes Vorwärts Dalars Rache. Van Max Dauthrndeq Die Frau des Dakar stand an einer Straßenpumpe in«in«? der Eingeborenenstraßen von Bombay. Sie drehte den Hahn auf und hielt den Kopf ihres sechsjährigen Knaben darunter und wusch ihn mit den Händen. Es ist morgens fieben Uhr, und die Straße wimmelt von Indiern, die wie nackte Rudel Rotwild aneinander vorübereilen. Ziegenherden und Scharen von Truthühnern treiben neben zwei- räderigen hohen Lasttarren über das Pflaster. Indier sitzen am Trottoirrynd, lassen sich rasieren, die Ohren reinigen und den Leib massieren. Die Strahenfriseure, mit dem Toilettenwerkzeug im Gürtel, und bis auf Gürtel und Turban unbekleidet, hocken neben ihrer Kundschaft am Trottoirrand. Die Frau des Dalar hatte ihrem Knaben das schwarze Haar blank gestrichen, daß sein Kopf wie der Lackschuh eines Europäers glänzte. Sie öffnete jetzt ihr eigenes Haar und hielt ihren Kopf unter die Straßenpumpe; sie ließ den Wasserstrahl wie einen Glas- kolben aufschlagen, und das Wasser zerplatzte weit im Kreise. Ein Zebukalb, ein wilder Hund und ein paar Truthühner, die sich um die Pumpe tummelten, kanien herbei und schlürften die Wassertropfen auf. Die zwei indischen Arbeiter in Dalars offener Schneiderbude, welche Turbanbonder und Schleier auf englischen Nähmaschinen säumten, lachten über den spritzenden Wasserstrahl, und Oliman, der eine der Gehilfen, rief der Frau des Dalar den Brahmanenjpruch zu:„Ebda, nimm Dein Haupt in acht, daß es nicht zu Wasser wird unter der Quelle." Elida, die Frau des Dalar, ant- wartete ihm nicht. Sie schickte ober, als sie ihr schwarzes Haar auswrang, und sich ausrichtet«, mit. der Wimper zuckend, den Knaben zu dem, der ge- sprachen hatte. Oliman legte seine Hand eine Sekunde auf das frische schwarze Haar des Knaben, murmelte ein Gebet über ihn und ließ ihn wieder gehen. Dann beugte er sich demütig und scheu über seine Nähmaschine, tropfte Oel aus der Kanne in die Räder und nähte weiter. Niemand in der Straße dachte darüber nach, warum Oliman den Knaben jeden Morgen segnete. Aber Dalar, der Besitzer der Nähmaschinen, saß jetzt tagelang drüben beim Silberschmied an der Ecke und dachte nach. Er ließ seine Wasserpfeife oft ausgehen, zün- dete sie wieder an und dachte weiter. Dalar konnte quer über das Gewühl der Zebukarren und über das Gerenne des Basarvvlkes und heimlich über die Schulter feines Freundes, des Silberschmieds, hin- weg seinen Laden beobachten, seine Nähmaschinen, sein Weib an der Pumpe, den Knaben und Oliman. An diesem Morgen, als die Frau mit dem Kind ins Haus ge- gangen war, wischte sich Dalar mit der Handfläche den Schweiß von der Stirn, stand auf, schlüpfte mit den Füßen in seine Pantoffel, ging finster in Gedanken fort in das Straßengewühl. Im Geschäfts- getricb« bemerkte niemand bei dem Silberschmied, daß Dalar ver- schwand. Dalar ging, bis er in ein« Gaffe vor eine Zeltbude kam. Bor dem Zeltvorhang saß die rächende Göttin Kali, die Niel- armige, aus Holz geschnitzt. Drinnen im Zelte sind die rächenden Todesgöttcr der Indier aufgestellt, die bei Prozessionen an Fest« tagen durch die Straßen getragen werden. Bor dem Zelteingang neben der Göttin steht ein großer Blechkasten als Opferstock. Dalar warf«in Silberstück hinein und wünschte sich einen rächenden Ge- danken. Er starrte dabei sinster auf die hölzerne, schwarze Gestalt der Göttin Kali, die auf einem zitronengelben Tiger sitzt, welchem statt Menschcnblut rote Oelfarbe um das Maul gemalt ist. Die-vielen schwarzen Arme der Göttin schwingen vergiftete Dolche, vergiftete Säbel und vergiftete Speere; sie hält ein ganzes Arsenal blitzender Waffen in die Luft. Alles Stroßrnvolk geht grüßend an ihr vorüber, und aller Indier Augen blitzten für eine Sekunde beim Gruße, wie Raketen in der Nacht. Dalar verbeugte sich dreimal und klatschte in die Hände, um die Aufmerkjamkeit der schwarzen Göttin zu erwecken. Daß ihn sein Weib Elida mit Oliman betrogen hatte, wußte er jetzt, und er sah es deutlich an dem Kinde, welches Oliman täglich ähn- licher wurde. Heute hatte er endlich beschlossen, sich an Elida zu rächen. Dalar trat in die staubige Tempelbude, um sich«inen Tod für sein Weib auszusuchen. Lang« Reihen hölzerner, rot, gelb und grün gemalter Puppen standen drinnen unter dem grauen Zelttuch auf langen Tischen. Da waren Menschen an Marterxfähle gebunden, mit brennenden Pfeilen gespickt: englische Soldaten, welche vom wütenden Elefautengott zer- stampft wurden; die Göttin Kali in unzähligen Gestalten auf roten und schwarzen Tigern, Feuer und Pest darstellend; der blaue Affengvtt, der die Menschenr.vgen irrsinnig macht mit seinen Grimassen und Verrenkungen. Es wurden Menschen von der Rache- götttn zu Tode gepeitscht, der Tiger hielt Verzweifelte in seinen Tatzen und riß ihnen die Gedärme aus der Bauchhöhle. Der gelbe Tigergott hatte grüne Glaskugeln als Augen und echte, heilige, zor- nig« Tigerkrallen. Jede mögliche Folter und jeder schrecklichste Tod i hatte sein Bild hier. Um das vergossene Blut zu schildern, war an den plastischen Wgurengruppen nicht mit Scharlachfarbe, Purpur i und Rötel gespart. >. Dalar grübelte: Seine Augen liebtosten die rotgemalten Folter- quälen, als stünde er vor den Blumenbeeten in den Gärten des Poradiefesl Aber als er die langen Reihen zweimal auf und ab ge- gangen war und alle Todesfchmerzrn am eigenen Leibe nachgefühlt ! hatte, fand er unter allen grausamen Todcsarten keinen Tod grau» fam genug für fein Weib. Nicht den roten Tod, das Feuer, das den Menschen zernagen konnte;' nicht den schwarzen Tod, die Pest, mit ihren schwarzen Beulen; nicht den blauen Tod, den Wahnsinn, mit seinen verrenkten Grimassen; nicht den gelben Tod, den Tigerhunger, mit den eigenen Därmen im Maule; den Tod, den Dalar für Elida suchte, fand er nicht unter den dreihundcrtsechzig Todesarten. Wie von der Götttn gekränkt, wollte Dalar schon die graue i Tempelbude verlassen. Da— unter dem Zeltausgang blieb sein ! Turban an einem rostigen Nagel der Zeltstangen hängen, das Turbantuch schlitzt« auf, und Dolors ganzer' Gewvorrat, den er, wie alle ärmeren Orientalen, stets in den Turban' gewickelt trug, rollt« in hundert Silbermünzen über Schultern, Rücken und Brust a, ihm herab, auf die Erde, der vielarmigen Göttin Kali zu Füßen. Dalar sah und horchte erstaunt auf die klingenden Münzen, als hörte er jedes Silberstück sprechen. Erleuchtet von einem plötzlichen Gedanken, beugte er sich drei- mal tief und ehrfürchtig vor den: Götterbiw, oerließ dann das Zelt und ließ fein ganzes Gew hinter sich bei der rächenden Göttin liegen. „Die Göttin Kali hat gesprochen!" „Den grauen Tod, die Armut, wünscht dir die Göttin Kali, Elidal" Und Dalar nickt« ernst und zustimmend, dann verschwand er im Strahengewühl. Tief in der Nacht, als die grellem Tropensternbilder wie Stachel- zäune über den Häusern standen, schlich Dalar an seine Haustür und malte mit«in wenig Jndigofarbe einen blauen Kreis an den Tür- pfosten, zum Zeichen, daß einer im Haufe gestorben sei. Dann ging der Mann weiter durch die Nacht. Sein Weib würde am nächsten Morgen glauben, er wäre an der Türjchwelle umgefallen und von der englischen Nachtpatrouille als pestverdächtig in die Baracken fort- getragen worden. Der Offizier der Patrouille- hätte, dann das blau« Zeichen, wie gewöhnlich, lakonisch an die Tür gemalt. Dalae. wanderte unter den Ketten der schweren'Sterne durch die Nacht. Morgen war der Monatsanfang, an dem die beiden Näh- � Maschinen dem unerbittlichen englischen Fabrikanten bezahlt werden mußten; morgen war der Monatsansang, an dem die Hauspacht ent- richtet werden mutzt«. Die armseligen feigen Ladcngchilsen konnten Elida nichts nützen. Morgen mußt« Oliman sich eine andere Stelle suche», morgen mußte Elida mit ihrem Knaben betteln gehen. Dalar schritt unter dem Sleingewichte der Sterne durch die Nacht, und ihm war, als hätte er alle Arme der Göttin Kali am Leibe, so glücklich fühlte er sich ! Dalar wanderte in dieser Nacht, reich wie die Finsternis, als � Pilger zum Berge Abu, um ein Jain zu werden. Die Iains leben l dort am Berge nackt und sprechen dem Weibe jede Seele ab. Mutterrecht auf Zormosa. Von I. B. M c G o v« r n. Mein Aufenthalt unter den amerikanischen Indianern von Neu- mexiko, Arizona und Nevada und«ine geringe Kenntnis der Einge- borcnen der Pazifikinfeln, besonders jener von Hawaii und den Philippinen, hatte mich dazu geführt, die Vorstellung aufzutzeben, jemals ein echtes Matriarchat(Mutterrecht) unter primitiven Volkern zu finden. Stämme, die ihr« Namen mütterlicherseits ableiten oder in denen die jungverheirateten Ehepaare sich im Stamme der Braut ansiedeln, hat es innncr gegeben. Das Vorkommen solcher Stämme innerhalb oewisfer primitiver Volker ist schon längst festgestellt. Aber ihr Vorhandensein sagt noch nicht mit Notwendigkeit, daß die Frau vor- wiegend die Macht in Händen hat. Ganz das Gegenteil findet in vielen Fällen statt, wie«ine genau« Erforschung von Völkern, unter denen solche Sittels vorherrschen, bewiesen hat. Billigerweise sollte jedoch hinzugefügt werden, daß unter solchen Stämmen die Stellung der Frau eine besser« zu sein pflegt als unter den vaterrechtlichen Stämmen. Dort wird der Ehemann mehr oder weniger als Gast, als„Fremder" von den Angehörigen seiner Frau betrachtet, ein «nsch, aus den der Einsluß seines Schwiegervaters und Schwagers «ine reinigende Wirkung ausübt, da in matrilokaien Stämmen die wahre Macht gewöhnlich in den Händen des Vaters oder ältesten Bruders der Frau liegt, denen ein« völlige Autorität über sie und ihre Kinder zusteht. Es war in Formosa, wo ich tatsächlich matri- archisch organisierte Stämme fand. Unter den Paiwans, auch unter dem kleinen benachbarten Stamm der Piyumas, scheint das Häuptlingsamt erblich zu sein und von der Mutter auf die Tochter überzugehen, wenn auch über einzeln« Gruppen männliche Häuptling« herrschen. Dies kommt gewöhnlich vor, wenn die alt« Königin stirbt, ohne«in« Tochter zu hinterlassen. Solche Fäll« treten oft genug bei einem Volk«in, bei dem kleine Familien die Regel sind. Ein ziemlich strenges Cysten' der Altersgrad«, nach denen der Rang bestimmt wird, scheint bei den Paiivans und Piyumas zu herrschen. Je älter ein Mann oder eine Frau ist, desto mehr Ver- «hrung wird ihnen gezollt. Unter den Amis herrscht ein verwickeltes System"für die Altersunterschiede. In«inigen Gruppen dieses Stammes gibt es zehn Altersunterschiede, in anderen zwölf. Männer und Frauen gleichen Alters genießen die gleichen Vorrechte, während stets den ältesten Leuten die größte Verehrung erwiesen wird. In mancher Hinsicht können die Amis als der demokratischste aller Stänim« betrachtet iverden, da Altersvorherrschast, die jeden der Reihe nach einmal treffen muß,«her denn erbliche Rangstufen sowohl Macht wie Vorrang verleiht. Unter den Taiyals hat jede Untergruppe ihren eigenen Häuptling oder ihr«„Häuptlingin". Bei diesem Stamm scheint jedoch der Rang mehr vom Wahlrecht als von« Erbrecht abhängig zu sein, da die Wahl gewöhnlich auf ein« Pri«st«rin fällt, deren Amtshandlungen besonders erfolgreich entmeder im Bertreiben des Regentfufel» oder in der Auslegung von Zeichen waren, di« zu glücklichen Kopfjagd- «xpeditionen gesührt haben. Di« Speicher, die. die Jahresernte an Hirse bergen, werden eben- falls von Frauen verwaltet. Dies« t«ilen die täglichen Hlrferationen an die Frauen der verschiedenen Famlien aus, di« zur Stammes- grupp« gehören. Der Hirs«speicher Icheint«ine Art Banngebiet für Männer zu sein, wenigstens für die d«« Toiijalstammes. Welcher Ursache eigentlich di« Frauen der Formoser Urein- wohner ihre Ueberlegenheit verdanken, ist schwer zu sagen. Als Volt haben di« Ureinwohner die Stuf« der„Hockbaukultur erreicht, «in« Stuf«, di« sowohl Deniker wie auch ander« Forscher scharf von „eigentlichem Ackerbau", der sich der Pflugschar bedient, unterscheiden. Gewöhnlich ging der Hackbau dem Hirtenstadium voraus, während eigentlicher Ackerbau diesem folgt. Sicherlich stimmt dies« Richtschnur der Kulturordnung für di« Formoser Eingeborenen. Sie haben weder Herden, noch Trog- oder Zugtiere; sie stecken noch durchaus im„Iägerstadium" der Zivilisation, wenigstens was die Männer betrifft. Di« Frauen jedoch bearbeiten den Boden mit einer primi- tiven. kurz gestielten Hacke und bauen auf dies« Weise sowohl Hirse als auch Kartoffeln an. Außerdem verstehen sie di« Tabakpflanzungen vom Unkraut zu säubern. Ob nun alle dies« Dinge, das Erzielen und Aufbewahren der Lebensmittel, Hirse und Kartoffeln, das Sammeln und Säubern der Tabakblätter, das Bereiten des Weines, dl« zum Teil den Luxus des Lebens bilden, deii Frauen die Vorherrschaft gegeben.haben, die sie zweifelsohne besitzen, ist fraglich. Ich selbst neig« zu der Annahm«, daß das der Fall Ist, nach dem Grundsatz, daß, wer über den Beutel verfügt, gewöhnlich auch die Macht hat. Aber was nun auch di« Ursache für die Vorherrschast der Frau bei den Eingeborenen- Formosos fein mag, sowohl im politischen wie im religiösen Leben, di« beide eng miteinander oerwoben sind: das Ergebnis scheint das Glück aller Beteiligten Innerhalb der Stammesgruppe nur zu fördern. Streitigkeiten inmitten der Gruppe kommen selten vor. Wenn sie aber doch eintreten, so werden sie fast imm«r entweder durch die Königin oder Hauptpriesterin allein be- feltlgt oder von einer Versammlung aller älteren Frauen der Gruppe in der Form von Gegenvorstellungen überwunden. Diebstahl in- mitten einer Gruppe scheint bei allen Stämmen unbekannt zu sein, das gilt auch für jene, die man als Freund« der Stammesange- hörigen betrachtet. Ihr« Treu« in der Freundschaft ist geradezu ergveifend, ebenso ihre Zuverlässigkeit bei Versprechungen, die ihnen immer heilig find. Weiter ist die strenge Monogamie und die eheliche Treue während der Dauer der Ehe ein ausfallender Zug ihrer sozialen Gliederung, der i» scharfem Gegensatz zu der Aussassung vieler anderer primitiver Völker steht— wie der Afrikaner, Australier, Mongolen, der meisten Indianer, auch der anderen ozeanischen und malaiischen Völker, vor allem aber der Chinesen und Japaner. Unter all den„Chin-huan",' den„grünen Wilden", jenen, die nicht in nah« Berührung mit den Chinesen und Japanern gekommen sind, wird Ehebruch mit dem Tode bestraft, und«in untreuer Ehemann erleidet die gleiche Straf« wie«in« ungetreu« Frau. Prostitution ist unbekannt. Ueber die Besitzrecht« unter den„Chinchuan" ist zu erwähnen, daß alle Glieder dieser Namensgruppe in Gemeinschast sowohl Iagdgründe als auch die für den Anbau von Hirse, Kartoffeln und Tabak, neuerdings auch von Reis notwendigen Ländercien besitzen. Niemals scheint ein« Streitigkeit wegen des Kommunalbesitzes vvrzu- kommen. Es wird als selbstverständlich betrachtet, daß ein jeder, der dazu körperlich imstande ist, an den Jagden teilnimmt und dazu beiträgt, die Gruppe mit Fleisch zu versorgen. Ebenso hält man es für selbstverständlich, daß jede Frau, die nicht krank oder zu alt ist, ihr Teil an Bodenkultur, an dem Einernten und Aufspeichern der Nahrungsmittel auf sich nimmt. Hirse und Kartoffeln werden in besonderen Speichern aufbewahrt und, wie in einem anderen Zusammenhange bereits erwähnt, von Frauen, die die Aufsicht über die Speicher haben, an jedes weiblich« Familienoberhaupt nach dem Bedarf der einzelnen Familie ausgeteilt. Der Grundsatz„von jedem nach seiner Fähigkeit, an jeden nach seinen, Bedürfnis" scheint sich erfolgreich und ohne Reibung unter den Eingeborenen zu vollziehen. Diksc Thi»«»orgrlagcrte, aber zu Japan gcWrrnb» Insel—«on d»r halbrn SrBgc Bayerns— hat besonders in drm(Kdtrflieen Innern noch«in« sehr urwllchjig« und weni««rsorscht« Bevöllernnv. die leider iin Aussterben bc» griffen Ist. Um to verdienstlicher Ist es. dag eine SnglSnderln, Ionct B. M. McGovcrn, die jahrelang auf der Infel in japonifchen Diensten tiili« war, dir Eingeborenen beobachtet und geschildert Hot. Ihr sehr interessant«» Buch?„Unter den gopfiltgern auf Rormof«", dem wir den Ab» schnitt Uber das Mntterrecht entnehmen, ist in deutscher llebcrsehung bei Strectir u. Schröder in Stuttgart erschienen. Warum haben Sie armen Leute Tiere? Von Max Hayek. Die armen Leute haben wenig zu essen, wohnen in dunklen Zimmern und sind schlecht gekleidet. Sie haben wenig Freude und sie mißtrauen den anderen Menschen, namentlich den reichen. Sic fühlen, daß sie von den reichen Menschen nicht gerade gern gesehen werden, daß die reichen Menschen ihre Gesellschaft melden, wenn es nur irgend möglich. Sie wissen, daß der Reichtum und die Arbeit feindliche Se. schwister sind, di« sich nicht leiden mögen, sie wissen, daß die Lieb« den schmalen Pfad vom Reichtum zur Armut nur selten und ungern geht, und meist mit verhüllten Augen, die wenig sehen wollen. Ja. die Liebe will der Arinut niemals tief genug in die Augen sehen, die Liebe der reichen Menschen. Es genügen ihr flüchtige Blick«— sie sieht gerne wieder fort—, in freundlichere, hellere Augen hinein. Denn Reichtum liebt Reichtum. Und zwischen den Reichen und den Armen schwingt wenig oder gar keine Liebe. Warum also haben die armen Leute Tiere? Ein Hündlrin,»in Kätzchen, ein Vögelchen, ein Hühnchen,«in Kaninchen, ein Meer- schweinchen, eine weiße Maus? Sie haben doch selbst wenig zu essen, die armen Leute! Warum noch die Obsorge für ein andere» Geschöpf Gottes übernehmen? Die arm«n Leute haben Tiere, weil sie etwas auf der Erde haben muffen, dem sie Li«be geben können! Zu jeder Zeit! Sie müsien etwas haben zur Ausnahme jener Liebe, die sie den reichen Mcn- scheu nicht zuwenden können! Ja, diese Liebe, die den anderen Menschen gelten soll, geben die armen Leute den Tieren! Denn sieht, die Tier« sind wahrhast sozial, sie lieben di« armen Leute ebenso sehr, wie sie die reichen Leute lieben! Sie sind immer fröhlich, immer treu, immer hingegeben und fragen nicht, ob ihr Besitzer goldene» Ringe trägt oder unrein« Wäsche: sie lieben ihn, wie er ist und nehmen seine Liebe allzeit dankbar auf. Sie freuen sich mit den Anri«n, sie erhellen ihm die Stube. Ihnen darf er Liebe geben, wann immer er will: sie sind da. Sie verachten ihn nicht, sie lassen ihn nicht merken, daß er arm sei und deklasiiert. Sie geben ihm das freudige Gefühl des Herrentums und beschenken ihn mit Würde. Sie blicken zu ihm auf als zu ihrem Ernährer, sie sehen ihn mit heiteren, treuherzigen Augen an, sie sind unbedingt«rgeben. Ihre Liebe ist unerschöpflich, und die Liebkosung der Armen ist Ihnen«in immer neues Glück und Geschenk. Hier kann der Arme freigebig sein. Helönarren. Die Rarren freut nicht» In der Welt. e» sei denn, daß c» schmeck' noch Geld. ... Geldnarreu, die find überall so viel, daß man nicht find't ihr' Zahl, die lieber hoben Geld denn thr. S, b s st i 0 n»ton». /In öer Kirchhofsmauer. Von Karl Fi s ch« r. Dir Tage war«« hrih gewesen zum Hinsallen. Noch in der Nacht glühten die Häuser und strömten ihren Gislhauch in die Straßen der Ctadt. Und in den Etraßen stank es noch Schmutz und Schweiß. Nur auf den Feldern draußen vor der Stadt war»nan am Abend befreit von dem Druck und dem Dumpfen, das um Häuser und Höf« sich duckt«. Aue den Kronen der vielen Bäume kam«in« köstliche Kühl«. Hier hing der Horizont wunderlich weih über der dürren, durstenden Erde, und alles war blau, und kluge Stern« atM hellen Himmel. Ueber der Stadt jedoch im Hintergrund lag ein Dunst, wie ein langer, grauschwarzer, gefährlicher Sack. Ab und zu klang aus der Stadt, gedämpft und dumpf. Geschrei, Geräusch, der gedehnte Pfiff »in« Lokomotive. Hier draußen auf den Feldern aber war Frisch« und Friede und Ruhe ringsum. Hans Schettler war in die kühle Weite gewandert und hatte stch schließlich aus den Rand eines ausgetrockneten Grabens gesetzt, ganz eng an eine Kirchhossmauer geschmiegt. Dieser Kirchhof war wie«in alter, prächtiger Park mit vielen breiten, buschigen Bäumen und über die Mauer weht« es aus dem grünen Gewirr wie aus einer Grotte, von deren Wänden winzig« Wasser, belebend und belustigend, sich winden. Mit eininal klangen Schritt« und kamen näher. Ein Liebespaar, Leib eng an Leib, wie zusammengeschmiedet von Lieb« und Luft. Sie gingen auf der anderen Seite des Grabens und sahen nicht im Schatten der schwarzen Mauer Hans Schettler sitzen. Der Mann wollte sich mit seiner Liebsten aus das Gras des Grabens legen. Doch sie wehrte ab, widerspenstig und unwillig. .Nein, nein! Es kann wer kommen und uns sehn. Was sollen die Menschen denken!" Er stand ein Weilchen zögernd, dann zog er sie hin zu einem Pförtchen in der Mauer, blickt« auf, umklammert« ihren Körper und schob das Mädchen, das nun nicht widerstrebte und«in wenig taumelt«, durch die Tür. .Komm Schatz! Gehn wir ausn Kirchhof, da kommt keiner. Da find schöne Bänke..." Di« nächsten Wort« konnte Hans Schettler nicht mehr hören, nur das Knirschen des Kieses unter ihren Füßen. Dann war auch dieses Geräusch wie plötzlich ausgerissen. Sie waren gewiß nicht weit gegangen, sondern hatten stch auf die nächste Bank gesetzt. Und Han» Schettler saß und sann und dachte, das Leben und die Liebe kommt zu den Toten. Er dachte, wie doch immer und ewig in einem Zirkel, dem stch niemand entziehen kann, Leben, sowie Luft, Leben zu zeugen und Tod, Grab und Wieg« zum G-r«ifen nahe deieinander wohnen.—% Und plötzlich schrie das Weib auf dem Friedhof, einmal, zweimal. Grell und gellend' zuerst und dann gedämpft und gurgelnd. Hans Schettler sprang auf und stürmte nach der Pforte in der Mauer. Furcht, wie Fieber folterte ihn, der Mann habe da? Leben von ihr gefordert. Da stürzt der Mann heraus. Hans Schettler packt Ihn am Arm. „Mann! Mann!" Seine Stimme klingt rauh, rissig. yener steht bestürzt, verstört. „Mann! Mann!" „Es hat sie ganz plötzlich gekriegt. Wie wrr so, so zusammen waren, fällt sie von der Bank. Ich denk' Ohnmacht. Aber es wird wohl Schlaganfall fein. Sie wird wohl tot sein!" .Mannl Mann!" „Ich lauf schnell zum Arzt. Hier wohnt einer nicht weit. Ich weiß wo! Der muß kommen! Vielleicht Ist sie noch nich' tot. Nein, nein..."" Dann reißt er sich loh und läuft, läuft... Hans Schettler sah ihm nach, und alles schien ihm so sinnlos. Noch immer schüttelte«s ihn, aber schließlich überwand er all« Scheu und schlich durch die Pforte auf den Friedhos. Er brauchte sich nicht lange bemühen- Reben der Bank am zweiten Ouerweg fand er sie, die Finger, in ein Kindergrab gekrallt, der Mund halb offen, als habe der Körper»ach dem zweiten Schrei nicht mehr die Kraft besessen, ihn zu schließen. Di« Augen von den Lidern beschaller. Das Gesicht, halb Verzückung, halb Verzweiflung. Hans Schettler faßte den Puls und fühlt« keinen Funken. Das Feuer des Lebens war verflattcrt- Langfam löste er stch und traurig tastet« er stch zurück zur Pforte. Seine Füße waren so schwer, als wären sie von Schlingen gefessell. Auf der Straße nach der Stadt kamen ihm Stimmen entgegen, „Wir sind bald da, Herr Doktor! Nur noch«in Stückchen. Hier is es gleich." Han? Schettler oder ging auf leisen Sohlen an die Seite in dos Dunkel unter den Bäumen. Der Lebenslauf öer Mark. Unsere Mark, die einst so stolze Münzeinheit de? Dculschen Reiches, ist auf ihrem Leidcnsgange jetzt auf etnem noch schwer zu überbietenden Tiefstand des Wertes angelangt, und uns bleibt nur noch die Hossnung, daß sie dereinst aus ihrem traurigen papierenen Dasein zu einem besseren, wertbeständigeren, dauerhafteren Löben auferstehen möge. Versolgen wir den Lebenslauf der Mark bis zur Wiege zurück, so gelangen wir zu jenen Uranfängen.des Münzwesen«, da man überhaupt noch nicht mit geprägten Münz«,- bezahlte, son- dern alle möglichen wertvollen Gegenständ« als Geld galten, Vieh, Pelze usw. Unter diesen als Geld dienenden Dingen gewann bald das Metall eine hervorragende Stelle, weil es sich am besten für dies« Zweck« eignete, und es wurden daher metallene Gegenstände als Zahlungsmittel benutzt, so z. B. bei den alten Germanen Arm», Bein- oder Halsringe. Daneben aber verwendete man auch Metall in rohem Zustand, wie dies aus dem alten Rom überliefert ist und uns in dem sogenannten Hacksilber germanischer Fund« entgegen» tritt. Das Hacksilber bestand aus rohen Gußkuchen, die mit der Hacke zerkleinert wurden, und als dann später in Europa des Mittel- alters das von den Römern übernommene Münzwescn mehr und mehr der Zerrüttung anheiinskc, da ging man wieder zu der Form des Rohmerallgeldes über, indem man Rohsilber oder Silberborren als Zahlung benutzte. Man wog sich das Edelmetall gegenseitig zu. um nicht durch schlechtes Gewicht betrogen zu werden, und balür gebrauchte man. das alte römische Pfund von 12 Unzen, das den Namen Mark erhielt. Statt der bis dahin üblichen Pfennige er» scheinen nach dem Jahre llivl) Angaben von Geld, das als d-e ge- bräuchliche Silbermark bezeichnet wird, und es unterliegt keinem Zweifel, daß es sich dabei um zugeivogenes Silber oder Gold handelte. Die Mark war also damals ein Gewicht, das zunächst dem römischen Pfund von 12 Unzen entsprach: bei den Franke» aber wurde dieses Gewicht bereits auf zwei Drittel verringert, nämiich auf 8 Unzen oder 16 Lot, und um einer weiteren Verringerung vorzubeugen, drückte man den Gewichtstücken ein Zeiche» auf, eine Marke, die dem Gewicht den Namen gibt. Zum erstenmal kommt „Marca" für ein Geldgewicht im Jahre 1042 vor. In diesem durch mehrere Jahrhunderle dauernden Geldvcrkehr in Silbermark herrschte große Unsicherheit, weil sehr verschiedene Gewichte unter dicjem Namen gingen. So war z. B. die Wiener Mark 280 Gramm schwer, die von Trayes 246 Gramm. Eine allgemeine Geltung erlangte allmählich die kölnische Mark, die 233, 285 Gramm wog und deren äliestes Exemplar in Köln aufbewahrt wlrd. Dies« kölnische Mark wurde eingeteilt in 8 Unzen, 16 Lot, 64 Quentchen, 256 Pfennig», 512 Heller, 4020 kölnische As und 4362 Eschen. Sie ist desholib von besonderer Bebeulung geworden, weil ste 1816 für tue preußische Maß. und Gewichlsordmmg zur Krundlagc genommen und 1830 in Leipzig eingeführt wurde: sir dient« auch von 1837 bis 18S7> als Münzmark der Zollvereinstaaten. Nach dem größeren oder geringeren Grab der Reinheit, in der das Silber sich in den verschiedene»»- Markgewichten befand, unter» schieb man Derfchieden« Mark nach dem Eilberseingehalt. In Aug«» bürg war bi« Mark z. B. 12lötig. in Wien lange Zeit 13lötig usw. Zur Verbürgung des Feingehaltes wurden die Gußkuchen mit einem Zeichen versehen und hießen dann gezeichnete oder— in niederdeutschen Urkunden—„geteknete" Marken. Man unterschied zwischen der„leinen" Mark, die aus reinem unvermifchten Gold oder Silber bestand, zwischen der„rauhen" Mark aus legiertem Edel» metoll»nd der„löligen" Mark, die zwar nicht ganz rein war, aber keinen absichtlich beigegebenen Zusatz unedlen Metalls enthielt. So bilidele die Mark, die zunächst nur ein Gewicht horftellte, früh» zeitig einen Geldwert und wurde zu Geld ohne direkt als Münze geprägt zu fein. Die Mark enthielt so viele Silberpscnnigc als au» einer Gcwichtsmark von gesetzlicher bestimmter Feinheit geprägt. wurden. Wenn aber nun die Pfennige außer Kurs kamen, so wurde doch die gleiche Anzahl Pfennige, die früher die Mark ausgemacht hatte, als eine„Mark Pfennige" angesehen, und da es zu schwierig war, von der Silbermark soviel abzuschlagen, äis man für kleiner« Zahlungen bedurfte: so wurden die außer Kurs gefetzten Pfennige nxiter als Teile einer Mark behandelt. Es ist dies das sogenannt« „Mark-Gewcgens", bei dem man ältere ihres Geldcharakters«nt» kleidete Münzen nach dem Markgewicht zuwog. In der„Kipper. »nd Wipperzeit", in der eine gewaltige Münzverschlechteruno ein» setzte, wurde das Markgewicht immer geringer, und der Geidbegriff der Mark ging mit dem Gewid'lsbegrifs so völlig apseinande' daß man in einzelnen Staaten die Geldmark als Münzeinheit einführte, obwohl sie an Wert tief unter dem Gewicht der Silbermark stand. Diese Markrechnung wurde zuerst in norddeutschen Staaten, wie Hamburg, Lübeck, Holstein und Schleswig üblich, und zwar wurde die Mark in 16 Schillinge a 12 Pfennig« geteilt. Diese„Mark Kurant" enthielt% Taler preußisch oder 12 Silbergroschen. In anderen Teilen Deutschlands nKir in dieser Zeit' der Kleinstonleret die Mark gleich Mi Taler, während die Hamburger Grohkausleute Einigung des Deutschen Reiches ein Ende gemacht, in dem die Mark Feinsilber gingen. Diesem Mark-Wirrrvarr" wurde dann mit de? iniguna des Deutschen Reiches ein Ende gemacht, indem die Mart als" Münzeinheit angenommen wurde. wissen und Schauen , Die Arauentracht de» Priester». Der Priester der römischen und griechischen Kirche ist noch heute sogleich an seinem langen Gewand« zu erkennen, und auch die Geistlichen anderer Relegionen, wie der protestantischen Prediger und der jüdischen Rabbiner, legen wenigstens beim Gottesdienst einen langen Talar an. Diese Tracht ist vermutlich ans einer ursprünglichen Verkleidung als Frau hervorgegangen, wie sie der Priester bei primitiven Völkern und auch bei manchen Kultur- Völkern des Altertums zu tragen pflegte. So wissen wir, daß sich im alten Borderafien die Priester der Kybele und der Astarte als Frauen zu verkleiden pflegten, daß die Priester des ursprünglich wohl phönikischen, aber über die ganze alte Mittelm«erkultur verbreiteten cherkulesdienstes gleichfalls weibliche Kleidung trugen, und ebenso berichtet Tacitus von den Germanen, daß der Oberpriester des Nahanarvalenstammes in Frauentleidern ging. Heute kommt die gleiche Sitte noch bei vielen Stämmen in Nord- und Südamerika vor, ebenso herrschte sie auf den mikronefstchen Pelauinseln und bei den Aleuten in Nordostsibirien. Vermutlich ist dieser weitverbreitete Brauch ein Ueberlebsel aus mutterrechtlicher Zeit, in der das Priester- omt vornehmlich den Frauen zufiel: eine Sitte, die noch später mannigfache Nachwirkungen hatte, wie etwa bei den alten Germanen Frauen mit Borliebe priesterliche Funktionen versahen und in Grie- chenland wenigstens einzelne wichtige pricstcrliche Aufgaben, wie da» Orakel von Delphi, durch Frauen verrichtet wurden. Ansätze zu einer priesterlichcn Betätigung der Frau finden sich übrigens schon bei Völkern, die die mutterrechtliche Stufe noch nicht erreicht haben: so gelten bei manchen australischen und sibirischen Jägerstämmen Frauen zouherkräftiger als Männer, wohl weil sie bei weitem erreg- barer sind, schärfer beobachten und mehr zur Hysterie neigen als Männer, was sie besser zum Priesterberuf disponiert. Daher gelten auch bei Naturvölkern besonders invertierte, sich selbst als Frauen fühlende Männer, für geeignet zuni Priesterstand. Sie legen beim Eintritt in diesen Beeuf darum weibliche Tracht an, und wechseln mit ihr auch ihre Lebensgewohnheiten, indem sie sich vollständig wie Frauen benehmen. Die Kybelepriester des Altertums schritten im Bestreben, ihren männlichen Charakter abzulegen, sogar bis zur Selbstentmannung, und einen Rest dieses Geschlechtswandels stellt noch das Zölibat der katholischen und buddhistischen Geistlichen dar. himmelskunSe Die Atmosphäre unseres Nachbarplaneten Venns. Man hat immer geglaubt, daß die Gashülle, die die Venus umgibt, von ähn- licher Beschaffenheit wie die irdische Lufthülle sei, zumal da diese An- nähme durch die Beobachtungsergebnisse berühmter Astronomen wie Vogel, Rheinec u. a. bestätigt zu werden schien. Auch der hohe Glanz dieses prächtigen Planeten deutet« daraus hin, daß die Sonnenstrahlen von«iner Wolkendecke zurückgeworfen werden. Vor kurzer Zeit ist nun auf dem Mt.-Wilson-Observatorium eine eingehende photogra- phische Untersuchung des Venusspektrums vorgenommen worden, wo- bei man zu dem überraschenden Ergebnis kam, selbst unter den gün- ftigsten Bcobachtungsbedingungen keine Spur von Wasserdampf oder Sauerstoff auf dem Planeten entdecken zu können. Danach müssen «vir«ine vollständige Aenderung der Anschauungen über unseren Nachbarplaneten vornehmen, doch wäre es völlig verfehlt, wollte man föhon jetzt eine neue Theorie der Venusatmosphäre aufstellen: denn die bisherigen Untersuchungen haben nur ein negatives Ergebnis ge- zeitigt, sie haben nämlich bewiesen, daß wir augenblicklich fast noch gar nichts über die Zusammensetzung dieser Atmosphäre sagen können. Ganz im Unklaren sind wir auch noch über die Venusmeteorologie, da diese außer von den Bestandteilen der Atmosphäre von der Uin- drehungszeit um die eigen« Achse abhängig ist. Ueber die Ge- schwindigkeit dieser Rotation wissen wir genau so wenig, wie über die Atmosphäre, und auch die neuen Messungen auf dem Mt.-Wilson- Observatorium können in dieser Frag« keine Klarheit schaffen. Da- mit stürzen auch alle Annahmen über Feuchtigkeit der Luft, Nieder- Wäge, Pflanzenwuchs und Lebensdauer der Organismen auf der Venus in sich zusammen. Die Behauptung jedoch, daß dos Sonnen- licht von Wolken zurückgestrahlt werde, laßt sich kaum widerlegen. Sie wird init den neuesten Beobachtungsergebnissen am besten durch die Annahme in Einklang gebracht, daß die zurückstrahlend« Decke aus lehr hohen, zirrusartigen Wolkenschleiern gebildet wird. |a||K»*i||I�Mi|(B| Vom Menschen Die mangelnde Behaarung des TTlenfchen. Als einer der größten Unterschiede gegen die sonstige Säugetierwelt fällt die Haarlosigkeit, oder besser gesagt, geringe Behaarung des mensch- lichen Körpers auf Sie tritt aber nicht als scharfe Grenze auf, denn auch viele' Affen zeigen nackt« oder wenig behaarte Körper- stellen. Nack! ist die Brust des Gorilla, der Keblsack des Orang- Utang, die auffallenden Stellen der Paviane, sowie das Brustdrei- eck des Dscheloda und andere Körperteile bei verschiedenen Affen. Man darf also nicht annehmen, daß der Gebrauch der Kleidung oder des wärmenden Feuers die Abnahme der Behaarung beim Menschen veranlaßt hat. Vielleicht spielen besondere Eigentümlichkeiten der Nervenfäde» hier eine Rolle. Es gibt unter den Menschen Völker- schoste», die trotz der mangelnden Behaarung fast ohn« Kleidung einem unwirtlichen Klima Trotz bieten. Am bekanntesten sind wohl dle Feuerländer im südlichsten Südamerika. Die mittlere Jahres- temperatur beträgt dort 5% Grad Celsius, so daß Tag« unt«r Null im Winter die Regel sind. Trotzdem kennt der Feuerländer kaum ein Kleidungsstück. Man hat bei den Feuerländern eine ganz bedeutende Steigerungesfähigkeit her Wärmeerzeugung g«- funden: manche wollen festgestellt haben, daß die Wärmeerzeugung auf der Haut des Feuerländers das Fünfzehnfach« des Mindest- wertes betragen kann. Es wäre interessant, zu erfahren, worauf diese uns abgehende Fähigkeit beruht. fltaksoiliil Völkerkunde Vedmniiche Gastfreundschaft. Wenn man das Zelt eines Be- duinen betritt, so wird zunächst der schönst« Teppich des Hauses unter die Füße des Gastes gebr«itet. Es folgen dann Begrüßungen, die ein« Viertelstund« währen. Der Hausherr fragt sislxn« oder achtmal:„Wie geht es dir?*, worauf man ebenso oft ein verbind- liches„Gott fei Dank, gut* zur Antwort gibt. Dannn folgt die Frage noch dem Berus, dem Tagesverdienst und den Famtlienver- hältnissen des Gastes. Inzwischen bereitet dos Weib, das beim Eintritt des Fremden sofort verschwunden ist, nebenan den Kaffee. Das Zelt füllt sich mit halbnackten, fchmutzstorrenden Kindern, mit Nachbarn und Neugierigen, die herbeigeeilt sind, den europäischen Gast zu besichtigen. Dos Weib bringt dann den Kaffee und wirft dabei einen verstohlenen Blick aus den Fremden, verschwindet aber sofort wieder Die Frauen werden überhaupt nicht zur Unter- Haltung zugezogen, mit Ausnahme der alten, wobei erwähnt sein mag, daß die Beduinin schon mit dreißig Jahren als alte Frau gilt. Nichts ist im übrigen trauriger als das Leben, das diese Frauen zu führen gezwungen sind. Mt zwölf Jahren wird das Mädchen schon die Gattin eines Mannes, der sie gekauft hat, als wenn er im Bazar ein paar Pantoffeln ersteht. Mit fünfzehn Jahren ist die Frau schon Mutter von zwei oder drei Kindern. Im allgemeinen geht die Frau nicht einmal in die Moschee, denn Gott will es nicht. Nach dem Religionsbegriff der Mohammedaner dient sie ausschließlich deyr Zweck. Kinder zu gebären. Dafür wahrt aber der Beduine seiner Lebensgefährtin auch unweigerlich die Treue. Den Ehebruch kennt man nickst. Naturwiffenfchafi Eineiige Zwillinge. In Röschitz bei Eggenburg hatte ein Leser der„Blätter für Naturkunde und Naturschutz* Gelegenheit, ein neu- geborenes Kalb mit zwei Köpfen zu sehen. Das Kalb war damals zwei Tage alt. sehr kräftig entwickelt und hotte einen Hals mit zwei Ohren, von hier vollständige Teilung in zwei Köpfe, also vier Augen und zwei normal entwickelte Schnauzen. Der Doppelkopf war äußerst schwer und lag bewegungslos am Boden. Durch das eine Maul ver- suchte man die Ernährung. Zu derselben Zeit wurde im nieder- österreichischen Landesmuseum in Wien ein junger Feldhase mit doppeltem Hinterkörper(vier Beinen) eingeliefert. Alle diese Miß- geburten sind unvollständige Entwicklungen, sogenannte„eineiige Zwillinge". Im Falle einer Doppelbefruchtung eines Eies entwickeln sich zwei Keime, die bei normalem Ablauf jenen Zwillingsfall er- geben, in dem die beiden Teile einander zum Verwechseln ähneln (gelegentlich bei menschlichen Zwillingen). Erfolgt ist« Isolierung nicht vollständig, dann entsteht die Erscheinung der„siamesischen Zwillinge*. Und auch hier gibt es natürlich, wie die Beispiele zeigen, gewisse Abstufungen. Münchhausens Pferdekur. ■*'' ,.-7- Die arme deutsche Rofinaule wird dank PoincarS» Operation nicht mehr mehr satt; sie kann das Banknoten- futter nicht verdauen.