Nummer 5$ 2H.September?H2Z ilnterhaltuntzsbeilatze öes öorwÜr�s Die Wolfseiche. Bon Charte» Deulin. Zu ali«: Zeit stand am Fuß« des Berg«» Peruwelz, auf der belgischen Seite, im Felsg«klüft eine alte Eich«, die Wolfseiche ge- »rannt. Sie stand dicht am steilen Hang und ihre Krone reichte just bi» zur Kuppe de» Hügel», also daß man«denen Fußes mitten tn ihre Aeste hinetnschritt. Eines Morgens geschah«twa. Seit- same» und wahrhaft Unglaublich«?. Ein Wolf. d«r einen Hasen jagte, war so im Schuh, daß«r vgn der Anhöhe in d«n Baun» geriet und sich mit der Hinterpfote in dem Efeugeschlinge verfing. So blieb er mit dem Kopf nach unten hängen und versuchte um. sonst, sich zu befreien. Damals stand die Wallfahrtskirche unserer Lieben Frau noch nicht, und der Berg von Peruirelz uxir wüst und leer. Zwei ge- schlagen« Stunden quält« sich der Gehängte ab, und seine Ein- geweid« kullerten ihn» im Leibe, wie Steine in einem Schiebtarren. Da glaubte er in der Nähe Geräusch zu hören. Er hielt seine beiden Vorderpfoten ans Maul, nahm alle Kraft zusammen und rief um Hilfe. Ein Mensch kam auf sein Geschrei herbei. Als er das arme Tier in so kläglicher Lage sah, platzte er heraus und sprach: „Was machst du da eigentlich, Gevatter? Seit»vann klettern die Wölfe auf die Bäume, um sich zu erhängen?" „Es geschah nicht mit Absicht, Meister," entgegnete der Wolf. „Ich verfolgt« nur den räuberischen Iltis, der da» ganze Land verwüstet. Ich fiel in den Bium und verfing mich tn dem ver- dämmten Efeu." „Da, muß man sagen, Gevatter, du bist«in großer Tolpatsch." „Ich leugne es nicht, Meister, aber befreie mich, bitte, unge- sSmnt, sonst bin ich ein verlorener Wolf." „Und wenn ich dich befreit habe, w«r steht mir dafür, daß du Mich nicht auffrißt?" „Ha, wofür hältst du auch? Außerdem fresse ich nur schäd» liche Tiere, Iltisse, Marb«r, Wiesel und Frettchen. Statt den Menschen zu schaden, leiste Ich ihnen vielmehr die größten Dienste." „Was Hab' ich davon? Ich Hab weder Hühner noch Schafe. Ich bin nur«in armer Korbflechter." „Korbflechter? Nun erkenn« ich dich. Du wohnst tn La Cicogne, gerade neben dem dicken Medard»», dem Schäfer. Be- frei« mich, Meister, und ich schwör« dir, die Schafe de» braven Medard»» nie anzurühren." „Da» ist mir einerlei. Dem dicken Medardu« geht e» lange g»ck. Er düngt seinen Acker Mit seinen Schafen." „Er düngt seinen Ackert Da» trifft sich gut. Ich wollt« just nach seinem Schafstall, um nachzusehen, was er treibt." „Schwörst du, mich nicht zu fressen?" „Ich schwöre es," sprach der Wolf und saßt« sich mit dem freien Fuße an» Maul, wi« es landesüblich ist. Der gut« Korbmacher befreit« ihn. Sobald der Wolf auf seinen vier Beinen stand, gähnt« er, reckte sich, leckt« sich di« schmerzende Pfote, versuchte zu gehen und humpelte fort. Beide schlugen un- vermerkt den Weg nach dem Weiler ein. Nach einer Biertelstunde, al» der Wolf wieder laufen konnte, begann er seinen Retter heiß- hungrig anzuschauen. „Weißt du, Gevatter," sprach er,„du bist ein schöner Mann, und in La Ticogn, ist's gut leben, nach deinem Bauch zu schließen." „Hoho," macht« der Korbflechter. „Ein prächtiger Mann, fett wi««in Mönch der Abtei von Trespin. Und ich Hab««inen Hunger...!" „Keine Scherze, Gevatter! Du weißt, wa» du mir ge» lobt hast!" „Ich»veiß, ich weiß... Aber mein« Eingeweid« sind unzu» frieden. Si« knurren so stark, daß ich di, Stimme meine« De- wisien» nicht mehr hör«. Ich fürchte, ich werde mein Wort brechen." „Hüte dich, Gevatter! Ist das dein Dank? Ich habe dir das Leben gerettet! Fürrvahr, das ist nicht recht getan, und es gibt auf Erden kein Wesen, außer dem Wolf, das so schlimm« Gedanken hegt." „Glaubst du?" „Ich stehe dafür ein. Wenn'» dir recht ist, nehmen wir zum Schiedsrichter di« Hündin, die da angehinkt koinmt. Sie ist alt, sie muß also Erfahrung besitzen." „Schön, fragen wir sie, aber rasch." Sie hielten die Hündin an. „Frau Hündin,", sprach der Korbmacher,„dieser Wolf hat sich mit der Pfote tn der Eiche am Berg« von Peruwelz aufge- hängt. Er hätte seine Seele aufgegeben, hätte ich ihn nicht de- freit. Zum Dank dafür will er mich fressen. Ist das recht?" „Du kommst an den Falschen, Mynherr," entgegnete die Hündin.„Ich kann kein Urteil über euch sprechen. Ich habe meinem Herrn bis heute treu gedient, und nun fetzt er mich auf mein« alten Tage vor dle Tür, um mich nicht mehr eniähren zu müssen. Sucht euch anderswo einen Nichter." Damit verabschiedet« sich die Hündin. „Potzblitzi" rief der Korbflechter,„ich erkenne sie. Es ist die Hündin des dicken Medardus. Aber gibt es einen größeren Lum- pen als ihn? Da si« sich weigert, können wir den Fall wohl der ehrbaren Stute vorlegen, die dort weidet." „Schön, aber rasch," entgegnete der Wolf und bleckte die Zähne. Sie riefen die Stute und der Mensch legt« ihr den Fall dar. „Du kommst durchaus an die falsche Schmiede, Mann Gottes," sprach die Stute.„Zeitleben» habe ich mich abgerackert, um den Acker für meinen Herrn zu pflügen, und jetzt, da ich zu nichts mehr gut bin, will er mich schlachten lassen. Ich wäre also ein« sehr schlecht« Richterin in eurem Streit." „Nun, Mann Gottes, was sagst du dazu?" sprach der Wolf. „Die elenden Haustiere sind nie zufrieden," entgegnete der Korbflechter.„Aber da kommt«in Fuchs, der den Kopf aus seinem Bau hervorgestreckt hat. Rufen wir ihn. Er ist ein freies Tier und wird in voller Freiheit richten." „Meinetlvegen, fragen wir ihn. Aber ich sag« dir im voran», ich Hab« sech» Ell«» leere Därme und»nein« Zähn« rvachsen,»oachfen mir zum Maul heraus... Wirst du von meinem Gevatter Rein- Harb verurteilt, so verspreche ich dir, du kriegst sie zu spüren!" Si« riefen den Fuchs herbei und der Mensch legte ihm noch. mal» den Fall dar. Gevatter Reinhard sann«in Weilchen nach. Schließlich sagt« er: „Den Hunger de» Wolfes versteh« Ich wohl, denn man kann nicht leugnen, mein Lieber, du bist«in leckerer Dissen." „Nicht wahr?" sprach der Wolf, über diesen Anfang entzückt. „Ader ich muß zu meiner Schande gestehen, ich begreife nicht recht, wi« man sich mit der Pfote im Efeu verfängt. Ich kann alsg kein Urteil über euch sprechen,«he ich nicht gesehen habe, wie die Sache vonstattcn ging. Führt mich nach dem Berge von Peru« welz." „Meinetwegen," sprach der Wolf. Als si« auf dem Berge dicht bei der Eiche waren, blickte der Iuchv den Baum lang« an. Dann kratzte er sich am Ohr und sprach: „Fürwahr, ich begreise noch immer nicht, wi« der Wolf«« fertig gebrocht hat, sich aufzuhängen." „Trotzdem ist«» sehr einfach," entgegnete der Wolf arglo«. „Es geschah so." Damit sprang»r in den Baum. „Und dann?" fragte der Fuchs. „Und dann fo," sagte der Wolf und steckte sein« Hinterpfote bt den Efeu. „Und dann?" fragt» der Fuch». „Und dann so," sprach der Wolf und ließ sich kopfüber fallen. „So also hingst du?" „Ja, Gcvailer." „Also bleibe hängen l"' entschied der Fuchs. „Ein trcssliches Urteil I Ein herrlicher Epruchr ries der Korbslechter begeistert.„Du verstehst dein Geschäst, Meister Rein- hard; man kann nicht schlauer sein!" „O," versetzte der Fuchs bescheiden,„da» war kein Meisterstück. Der Wols ist nur ein Tngpf, der in anderer Fuhtapsen tritt. Ich hatte es ihm vorhergcsagt, er würde eines Tages schlimm enden/ „Einerlei. Ich bin dir trotzdem großen Dank schuldig und ich will ihn dir beweisen." „Nicht nötig. Mann Gottes." „Doch, doch. Erwarte mich morgen hier. Ich bring« dir zwei Mosthühner mit." „Fette?" sragte der Fuchs und leckte stch die Leszen. „Speckige," sagte der Mensch. „Gut, ich werde da sein, Gevatter." Damit trennten sich die neuen Freunde. Am nächsten Morgen früh, als die Hühner von der Stange flogen, kam der Korbflechter mit einem großen Sack an. Meister Reinhard erwartete ihn unter der Eiche. .Oesstie den Sack," sagte der Mensch,„und du sollst was er- leben." Der Fuchs öffnete ihn und heraus sprang ein großer Hund, der Meister Reinhard erwürgte. Die Eich« ward Wolfseich« genannt, und seither gibt es bei uns ein Sprichwort: „Tu dem Wolfe was zu gute Und er lechzt nach deinem Blute." tssrdr. v. Oppcrn.Bronikowskl«itt Jil eug«n Di«d»rich», Jena,«in» Auswahl aus dem Werk des Wallonen Tbarlcs Deulin(1827— 1J77) hrrous, das«in Ecilenstllck ist|a dem vollsaktiaen Ulenspieyel d« Coster»! auch in diesen„Erzählungen de» fllintg»®o«i6tinu»' Jrtt In d»r tranzälische» Einkleidung«cht»lämischer Doltsgcist.) Der Weltflugverkehr. Von Dr. M. B lasch ke- Charlottenburg. Den Luftverkehr in Deutschland besorgen mehrere Gesellschaften, sie unterhalten mit ihren 1CK> Postflugzeugen einen regelmäßigen Passagierluftoerkehr und eine Luftpost, für die seit IS21 ein Luft- kursbuch mit internationalen Anschlußstrcckcn erscheint. Von den deutschen Luftverkehrsgefellschasten, der deutsche»„Lustreederei" (Herzog), Loyd-Luftdienst,„Sablatnig",„Rumpler", verkehren die Iunkers-Metallflugzcuge des Loyd-Ostslng mit ihren Luxuskabinen sür fünf Fahrgäste nach Ostpreußen, ander« Flugzeuge von den Hauptoerkehrspunkten Berlin, München, Bremen, Nürnberg, Kon- stanz. Am beliebtesten sind die Verkehrsflugzeuge von Dornier und Junkers, die Sablatnig-Eindecker(12S PS.) und Doppeldecker (Limousine 220 PS). Unentbehrlich ist bereits der Luftverkehr im Pressedienst, im Ileberseepassagierverkehr im Anschluß an die An- kunft- und Abfahrtzeilen der Schnelldampfer(Kuxhaven und Bor- kam). Die Schweiz benutzt vor allem Wasserflugzeuge und Flug- boote, u. a. das Dornierschs Verkehrsboot für sieben Personen. Hier gehen die meisten Verkehrslinien von Zürich aus, die Linie nach Konstanz hat Anschluß nach Stuttgart, die nach München mit Sa- blatnig-Flugzeugen nach Norddcutschland: die Strecke Zürich— Lugano wird in einer Stunde durchflogen, während die Bahnfahrt einen halben Tag dauert. Holland hat wie Belgien keine leistungsfähige eigen« Flugzeug- industri«, doch werden setzt Fokk«r-Flug.zeuge dort gebaut. Für den internationalen Luftverkehr ist Holland von großer Bedeutung, führen dock, tägliche Linien nach Hamburg, Brüssel, Paris und London und auf der Strecke Amsterdam— Hamburg fliegen regelmäßig Fokker-Berkehrseindecker. Italien besitzt«in Riesenwasser-. flugzeug von Caprossi mit 8 Motoren zu je 400 PS., 33 in Spann- weit« und neun Tragflächen von zusammen 715 gum. Sie sind an «inen 24 m langen Schiffskörper angebracht, der 100 Personen auf- nehmen kann. Das italienische Berkehrsfchiff„Roma" faßt 34 000 kbni Gas, ist 125 m lang, hat etwa 18 000 Kilogramm Nutz- last, Platz für 80 Fahrgäste, leine 0 Motor« zu 480 PS. entwickeln 2880 PS. und geben dem Schiff eine Stundengeschwindigkeit von zirka 125 Kilometern. Im französischen Luftverkehr ist die Hauvtverkehrslinie Paris— London 350 Kilometer lang und ist zeitweise täglich mit 4 Flug- zeugen bedeckt. Andere Postlinien führen von Paris nach Brüssel und Straßburg, von Bordeaux nach Nizza. Bon England ist der Flugverkehr über den Kanal nach dem Festland sehr bedeutend und befördert im Sommer wöchentlich 300— 500 Reisende, während der Flugverkehr in England selbst gering ist. Hier sind die Entfernungen zu klein und die Nebel zu häufig. England baut Flugzeug« für seine überseeischen Interessen und Kolonien, hat In Indien ver- schiedene Luftlinien eingerichtet, führt«in« Linie von Kairo durch die arabische Wüste nach Bagdad. Der Luftverkehr in Amerika ist am stärksten entwickelt, wurden doch innerhalb drei Jobren 40 Millionen Kilometer zurückgelegt, 80 Millionen Briefsachen, SO 000 Kilogramm Lasten und über 200 000 Fluggälte befördert. Tägliche Luftpost verkehrt seit ISIS auf der Strecke New Port— Washington. Junkcrs-Flugzeuge befördern auch hier große Postmengen, die sonst nur die zwei- motoriycn de Havillard-Großslugzeuge tragen können. Ein« zweit« Luftlinie ist New Port— Chicago, bi» Omaha oder St. Louis ver- längert. Di« 5680 Kilometer lange Transkontinent-Luftlime geht nach Et. Franziska über Bergkämm« bis zu 4200 Meter Höh« und überwindet Ostwinde bis zu 80 Metersekunden. Bewährt hat sich dl« tägliche Luftpost zwischen Festland— Kuba. Kanada besitzt 16 Flughäfen, sie förderten im Sommer 1920 zirka 15 000 Fluggäste in 6500 Stunden. Auch Kolumbien besitzt Flugzeug, verkehr. von öer Million zur Zentefillion. Cin trauriges Geschick zwingt alle Kreis« unseres Volkes, beute mit zehn-- zwölf- und mehrstelligen Zahlen zu„jonglieren", denn wir sind ja nun leider auch bei jenen sonst dem gewöhnlichen Sterblichen unbekannten„astronomischen" Zahlen angelangt, von denen Tschitscherin seinerzeit bei einer Darlegung des russischen Budgets sprach. Es gibt nur ein Volt der Weltgeschichte, das augenscheinlich ein Vergnügen an großen Zahlen gehabt hat. Das ind die Inder, deren Zahlenbegabung sich auch darin äußerte, daß ie die heutig« Zifsernichrift erfunden haben. In Indien gab e» »ereits zu Buddhas Zeiten Zalriwörter für alle Zahlen bis zu hunderttausend Millionen, und Buddha soll die Zahlwortbildung bis zur Nonillion sortgesetzt haben. Der nächste Schritt wäre dann die Zentesillion gewesen, die durch«ine Eins mit sechshundert Nullen dargestellt wird. Die Zahlenliebe der Inder offenbart sich in ihrer Dichtung- wenn von einem König erzählt wird, der 1000 Billionen Diamanten besaß, von einer Schlacht die Rede ist, in der 10 000 Sextillioncn Assen kämpften und von Buddha berichtet wird, er habe 600 000 Millionen Söhne gehabt. Von dieser Ausnahme abgesehen, kann man ein« allmählich« Entwicklung des Zahlensinns in der Kultur feststellen, die langsam bis zur Million ansteigt und sich erst in der Ausbil- dung der exakten Wissenschaften zu Zahlenungeheuern, wie der Zentesillion, ausbildet. Interesiante Einzelheiten über dies« Cnt- saltung der Zahlenbegrisfe teilt G. Bergmann in der Leipziger „Illustrierten Zeitung" mit. Es gibt primitive Völker, die tatsächlich nicht„bis drei zählen können", so z. B. die Botokuden, die schon für zwei und drei ein und dasselbe Wort haben und nur zwischen «ins und viel unterscheiden. Die Baccairi, die am Tingu, einem Nebenfluß des Amazonenstromes, wohnen, können nur bis sechs zählen und fasten sich, wenn sie größere Zahlen nennen wollen, in die Haare, um damit etwas Unzählbares auszudrücken. In allen Indogermanischen Sprachen zeigen die Zahlwörter für 1 bis 100 große Verwandtschaft, während bei den Zahlwörtern für 1000 de- reits starke Verschiedenheiten auftreten. Man hat daraus mit Recht geschlossen, daß erst in einer Kulturveriode, in der die Indogerma- nischen Völker sich bereis getrennt hatten, das Bedürfnis entstand, eine so große Zahl wie 1000 sprachlich auszudrücken. Adam Rief«, der berühmte deutsch« Rechenmeister, kennt um die Mitte des 16. Jahrhunderts das Wort„Million" noch nicht, sondern umschreibt es durch 1000X1000. Erst im 18. Jahrhundert trat die Menschheit eigentlich in das„Zeitalter der Million" ein, und die Wörter „Milliarde" und„Billion" sind noch viel später entstanden. Vi» in unsere Tage' hatte man im praktischen Leben selten mit mehr als achtstelligen Zahlen zu tun. Erst die Wissenschaften, namentlich die Astronomie, erweiterten unsere Zahlenb«jrisfe bis ins Ungeheure, und so entstanden die Wortbildungen„Trillion" für«in« 1 mit 18 angehängten Nullen,„Ouadrillion" sür eine 1 mit 24 Nullen,„Ouinquillion",„Sextillion" bis„Zentesillion", wobei die letztere, mathematisch gesprochen, die 600. Potenz von 10 oder die 100. Potönz von einer Million darstellt, da eine Million di« 6. Potenz von 10 ist. Bei wissenschaftlichen Berechnungen finden diese Riesenzahlen ihre Anwendung. So beträgt z. B. das Gewicht der Erde 5 Qua- drillionen 980 000 Trillionen Kilogramm oder 5900 Trillionen Tonnen. Ein anschaulicherer Begriff für diese geheimnisvollen Wort«, di« ungeheure Mengen von Einzelwerte» darstellen, läßt sich aus einigen Beispiele» gewinnen. So durchläuft der Sekunden- zeiger der Uhr in einer Stunde 3600. in einem Tage 86 400 und in einem Jahr«, zu 365 Tagen gerechnet, 31 536 000 Sekunden. 1 Million Sekunden ergeben umgeformt demnach nur 11 Tage. 13 Stunden, 46 Minuten und 40 Sekunden, während sür die Zurück. legimg von 1 Milliarde Sekunden bereits 31 Jahre, 159 Tage, 1 Stunde, 46 Minuten und 40 Sekunden ersorderiich sind. Eine Zeit von 1 Billion Sekunden hat das Menschengeschlecht in histori- scheu Zeiten überhaupt noch nicht erlebt, denn die Zahl entspricht einem Zeitraum von 81 709 Jahren, 289 Tagen. Daß di« Ästro- nomie mit solchen Zahlen operiert, ist ja bekannt: zu ähnlichen Riesenziffern führt aber auch die Kombinationslehre. Das Etat« spiel, bei dem bekanntlich 32 Karten so unter drei Personen ver- teilt werden, daß jede 10 erhält und 2 Karten als Skat gelegt wer- den, führt zu der Frage, auf Wievielsache Weise sich die Karten ver- teilen lasten, und die Kombinationslehre gibt die Zlnzahl mit 2753 Billionen 264 408 Millionen 504 610 an. Um eineJSorstellung von der Größe dieser Zahl zu geben, wird angeführt: Spielte die ganz» lebende Menschheit von rund 1,5 Milliarden Seelen ohne Unter. brechung Tag und Nacht Skat, und zwar durchschnittlich«in Spiel in rünf Minuten, dann müßten zunächst einmal all« Menschen 52 Jahre, 139 Tage. 21 Stunden und 20 Minuten spielen, und in> den letzten 5 Minuten könnten 247 486 080 Menschen als„Kiebitze" zuschauen, bis sämtliche Kombinationen gespielt wären. Ms öee Staöt am Nko öe la plata. Buenos Aires, 1ö. Juli 192Z. Mit meinem Schweizer Freund hatte ich verabredet, den Sonn» tag zu einem Kreuz, und Quermarsch durch die nordwestlichen Vier- tel der Riesenstadt zu benutzen. Es mußt« doch— zum Teufel— in der Hauptstadt Argentinien» noch mehr und Interessanteres aeben als das, was sich dem Fremdlmg sofort ausdrängt, als den Gegensatz zwischen raffiniertem Luxus im Zentrum und den er» bärmlichen Blech» und Holzbuden der Arbeiterquartiere. Bis zur Aoenida Santa Fe brachte uns die Straßenbahn. An einer Kaserne vorbei, in deren Vorgarten üppiges Unkraut über— umgestürzte Lichtkandelaber wuchert, gingen wir die groß« Straße, die nach Belgrano führt. Ein Maueranschlag interessiert uns:„Psra beneficio de la biblioteca Augusto Bebel..."— Eine sozialistische Veranstaltung, die Mittel für den Ausbau des lite- rarischen Kulturwerks bringen soll, das den Namen unseres großen Bebel trägt. Hatte uns unser Hauswirt frühmorgens gesagt, man sähe uns die Deutschen auf ein« Meile Entfernung an, so sind wir nun doch stolz darauf, als deutsche Sozialisten in Südamerika den Namen unseres alten Kämpfers zu lesen und wir empfinden den Maueranschlag wie einen Gruß.— Zu unserer Linken erheben sich— aus anscheinend künstlich er- höhtem Gelände eine Reihe militärischer Institute. Alle sind keines- wegs alt, aber ihre an alte spanische Zitadellen erinnernde Bauweise und mehr noch ihr aus echt südamerikanischem Schlendrian resultie- render Versall gibt ihnen ein fast mittelalterliches Aussehen. Häuser und Gärten tragen den gleichen Charakter. Es fehlt an Erdboden in Buenos Aires. Drum sehen wir links und rechts am Wege Schilder, die da ankündigen, daß man„Erde annehme". Das heißt auf gut Deutsch:„Hier kann Schutt und Asche abgeladen werden." Di« Folge dieser freundlichen Einladung ist, daß Bauplätze und Hühnerhöse— dicht neben marmor- und messingglitzernden Villen— besät sind mit unmöglichem Gemisch von Palmstrünken, Alteisen- teilen und-- verfaulenden Pferde deine». Man brennt hier kein Holz: niemand bückt sich um ein altes Huseisen, denn es gibt keine Schmelzöfen hierzulande, und die Pferde sind so billig, daß man nicht mehr dafür zahlen muß als für ein Paar guter Stiefel. Krepiert irgendwo irgendein Gaul, so nimmt der Reiter Sattel und Zaumzeug mit und überläßt den Kadaver samt dem Fell den kleinen und großen Leichenbestattern der Tierwelt. In einer Parkoase rasten wir einige Minuten. Hier— wie übrigens an jeder möglichen und unmöglichen Stelle— finden sich einig«„Denkmäler". Sie sind von der üblichen Geschmacklosig- keit. Di« Bäum« des Parks sind zum größten Teil Palm«», zum kleineren immergrüne Eichen oder Coniferen. Eine Bahnlinie überquerend kommen wir in ein typisches A r- beiterviertel. Unglaubliche„Straßen", baufällige Häuser oder solche, die eben erst aus dem Blech alter Petroleumbüchsen zu- sammengenagclt sind. Regelrechte„Pfahlbauten" trifft man. Hieran, wie an der Schlammkruste, die di« spärlich vorhandenen Gehwege bedeckt, sehen wir: wir sind in einer Gegend, die der Rio periodisch mit Hochwasser beglückt. In einer primitiven Fonda nehmen wir unser Essen ein. Mit gutem Rotwein kostet die Sache für jeden von uns 70 Centavos, also noch heinen Stundenlohn. Als wir auf die Straße treten, sehen wir an jeder Straßeneck« eifrig diskutierende Gruppen. Aber sie treiben beileibe keine Politik. Sie haben das Rennprogramm vor sich und schließen Wetten ab. Diese Seuche ist hier— gerade in Arbeiterkreisen— schlimm verbreitet. Ein gerittener„Bigilante". passiert die Gruppen. Kein Gedanke daran, daß er den: verbotenen Wettbetrieb zu Leibe geht. Er läßt sich vielmehr ein Programm zureichen. Wer weiß, vielleicht auch er---! Wir legen einen Schritt zu und sind bald auf der breiten Straße, die am Rio entlang läuft. Sie grenzt an einer Seit« an das große Golffeld und ist ganz unargentinisch dauerhaft aus Asphalt gebaut. Links und rechts flankieren Eukalyptushaine die Straße. Rechts vor uns erhebt sich ein« riesige Wasserkläranlage. Weiter voraus wird die Gegend„romantisch". Grasbestandene Hügel tauchen auf, und wir gewinnen den Blick auf den gewalttaen Rio de la Plata, dessen argentinisches Ufer hier mit einer fast chinesischen Mauer geschützt ist. Elegante Automobile halten an den Hügeln. Freilich, für deutsche Augen will dieser Fleck Natur recht armselig erscheinen, denn selbst die Eukalyptusriesen vermögen nicht ein einziges Bild zu schaffen, das der schlichtesten märkischen Idylle gleichkäme. Hinter großen Kugelfanghügeln eines Schießplatze» hervor dringt wahnwitziges Geknalle in die Sonntagsstille. Wir umgehen das Terrain, sehen beim Umschauen gerade noch, wie ein Rio- Fischer seinem Handwerk im flachen Wasser zu Pserde„nachgeht". Wir tornnwn am Eingangstor zum Schießplatz vorüber, das von der von uns belächelten Inschrift geziert wird:„Hier lernt man, sein Vaterland verteidigen I"— dann schreiten wir der Ave- nida Sarmiento zu. Ein mächtiges Monument au» weißem Mar- mar zieht unsere Ausmerksamkeit an. Ich habe so manche» wirkliche Kunstwerk und so manche steinerne Scheußlichkeit gesehen: dies Monument hat mich bcqeistert. Ein Geschenk Spaniens zur Zen- tenarfeier der argentinischen Republik(früher spanische Kolonie!) vermeidet es jeden Anklang an kriegerische Reminiszenzen. Ge- wältig im Ausmaß zeigt das meißschimmernde Werk nichts als die Verherrlichung der Arbeit. Zllle Völker schicken ihr« eine neue Heimat suchenden Söhne und Töchter in die Arm« der großen Argentina. Vier Riesenallegorien in Bronze zeigen den Rio, dw Pampa, die Cordilleren und den Urwaldchaco. Meisterhände haben dieses herrliche Werk geschafscn, das hoch oben die Göttin mit de« phrygifchcn Mütze krönt. Ueberquert man die Aoenida, fo steht man vor den PforteH des Zoologischen Gartens. Wir opfern zehn Centavo» und treten ein. Zwar finden wir wenig von der Vielgestaltigkeit der Tierwelt, die vor dem verbrecherischen Krieg in deutschen Tier« parks zu sinden war. Aber um so interessanter ist die peinlich genaue und vollzählige Sammlung der südamerikanischen Fauna. Die Sonne sinkt eben bedenklich, und wir eilen, eine Straßenbahn zur Heimfahrt zu erwischen. Um das Garibaldi-Denkmal auf dem Plaza d'Jtalia herrscht ein Fahrzeug, und Fußgängergcwühl, gegen das der Potsdamer Platz ein„Buen Retira" ist. In einundeinhalb Stunden werden wir unser Quartier in Sicht haben. Zeit wird'», denn der Magen rumort. Zum Glück kennt Argentinien weder di« Fleischnot noch di« Fbcischpreis« unseres lieben Heimatlandes. Karl Berg. wie Hugo Wolf öen„Coeregiöor' sthuf. (Aus neuen Briefen.) Hugo Wolf, der geniale Koniponist, hat auf seinem In hastigem Schassen durchsttinnten, in tragischer Umnachtung endenden Lebens« weg« wenigstens das Glück gehabt, treue Freunde und Verehre« zu finden. Einer der innigsten und hingehendsten dieser Freund« war Dr. Heinrich Potpeschnigg, ein Grazer Zahnarzt, de« zugleich ein leidenschaftlicher Liebhaber der Musik war. Potpesch« nigg setzte sich ftüh für die Liederkunst des jungen Wieners ein unkt kam dadurch in eine Beziehung zu ihm, die in den letzten Jahren von Wolfs Leben immer inniger wurde. Die Zeugnisse dieser seltenen Freundschaft, Wolfs Briefe an Potpeschnigg, werden jetzt von Han« Nonveiller bei der Union, Deutsche Verlagsanstalt, in Stuttgart herausgegeben. Die liebenswerte, bei aller nervösen Unrast geistreich-herzlich« Persönlichkeit des Komponisten tritt uns aus diesen Schreiben le« bendig entgegen, mag er feine literarische Urleile abgeben oder von seiner durch Wanzen arg geminderten Freude an der neuen Woh« nung oder von seinen Versuchen im Radfahren plaudern. Am au»« fül)rlichsten aber wird die Entstehung von Wolfs wundervoller Oper» dem„E o r r e g i d o r", behandelt, denn Potpeschnigg war bei diese« Arbeit des Meisters rechte Hand. Er verfolgte das Schaffen Wolf« mit leidenschaftlicher Anteilnahme.„Eine Niederschrift nach der an« deren wird, kaum erst vollendet, eiligst nach Graz geschickt," schreibt der Herausgeber,„und Wolf kann es gar nicht erwarten, bis da« Urteil des Freundes eintrifft, das ihm maßgebend und bedeutungs« voll wie nicht leicht eines der anderen Menschen geworden ist, Ueberdies weiß er auch, daß der Freund jedes seiner neuen Werk« vor Freude und Begeisterung abschreibt und abschreiben läßt und es van nun an nicht mehr als einzige Niederschrift in der Welt herumfiattert, sondern in einer oder sogar zwei Abschriften lebt» die gut aufgehoben und im Gebrauchsfäll immer zu finden sind. Der Freund beschäftigte sogar sllr Wolf einen und mehrere vortresf« liche Abschreiber. Bei der Schöpfung des„Corregidor" schickt die einzelnen Teil« nach Graz und schreibt oft täglich zwei, drei Karten mit Bitten um Aenderungen und Verbesserungen nachträglich! entdeckter Fehler, die die Kopisten ausmerzen sollen. Wolf vollbrachte dl« schwierige Instrumentierung dieses Werte« im Sommer 1896, wo er als Gast auf Schloß Matzen in Tirol weilt», Potpeschnigg wohnte im nahegeliegenen Bixlegg init seiner Familie� „Wolf bewohnte das tief im Park verstecklc einsame„Jägerhäusle", erzählt Potpeschnigg.„Die Bauernstube, in der er fast den ganzertz lieben langen Tag über seinen Noten saß, war sehr nieder und hatt« nur drei ganz winzige Fensterchen, die wenig von der Außenwelt hereinließen. Aber wenn die Sonne schien, schenkten sie dem emsigj Arbeitenden dennoch Licht genug für seine zierlichen Zeichen. Dissen Sommer regnet« es aber nun schon an die drei Wochen hindurch Tag und Nacht. Alles triefte vor Nässe. Am Iägerhäusl herum dampften förnilich die geduldigen Bäume, und dunkle Nebel schoben sich dichtgedrängt wie Kulissen nahe an den kleinen Fenstern vorbei, So eingesponnen, umstellt und abgesperrt, hielt Wolf trotzdem un« unterbrochen bei seiner Arbeit aus. Erlahmten ober einmal doch seine Hände, oder erblindeten seine Augen, dann sprang er auf unos stürmte, unter dein eilig übergeworfenen Lodenmantel geborgen, die schmalen Iägersteige des Parks hinab nach Brixlegg. Er wüßt«, er fand mein« Familie und mich ständig gerüstet, mit ihm einen seiner bekannten„Renner" zu wagen."! In den Briefen verfolgen wir das mühevolle Ringen des Kam» ponisten mit der Bewältigung des schwierigen Stoffes. Manchmal wollte er fast erlahmen. So schreibt er am 15. Oktober 1895 an den Freund:„Deine Bemerkung von dem„gedeckten Tisch" unds der Mühe, die diese» Tischdecken verursacht, war mir wi« aus de« Seele gesprochen. Tausendmal schon sagte ich mir, wenn ich vfH verzweifelte, über«ine schwierig« Stelle hinwegzukommen: für wetts schindest Du Dich denn eigentlich? Wozu diese schändlich« Plackerei, diese Sselenangst, es möchie nicht gelingen, diese schlaflosen Nächte, wirren Träume und diese verfluchte Hetze, in die ich mich selbe« hineinhusse? Wahn! Wahn! Ueberall Wahn! Ja, da steckts. Diese« alte tolle Wabn hat mich doch einmal drangekriegt. Ob ich ihn auchs werde„bemeistern" können? Denn das ist der einzig« Ausweg, diesen alten Satan loszuwerden.> Wissen und Schauen Ein Zlutoausfwg nach der Wüste Gobi. Die Wüst« Gobi in der Mongolei, die sich zwischen den Städten Kalgan und Urg« aus- dehnt, ist Jahrhunderte hindurch«in« schwer passierbare öde Land- strecke gewesen, durch die wenige Karawänenstraßen führten. Es ist eine Wildnis von zerklüfteten Felsen und steinigen Wegen, von Schluchten, durch die reißende Gießbäche strömen, und zum Teil aus- getrockneten Flußbett««. Himderltansend« von Kamelen sind hier im Laufe der Zeit langsam ihres Weges gezogen, um Wolle und Pelze nach Ehina zu tragen und andere Waren wieder zurückzu- führen. Die mühsame Wanderung über 12v<1 Kilometer zwischen Kalgan und Urga dauerte für die Karawane mindestens 30 Tage; Reiter, die an b«stimmten Stationen frische Pferde nahmen, konnten den Weg in 12 Tag«n zurücklegen. Der Kraftwagen hat nun alles geändert. Auch die Wüste Gobi ist keine unwegsame Einöde mehr, sondern ein Ausflugsort für Reis«nde, die der chitze von Peking auf ein paar Tage entgehen wollen. Der Peking«? Korr«spondent d«r „Times" hat einen solchen Ausflug in die Mongolei unternommen und schildert seine Erlebnisse in einem Aufsatz, der noch dadurch be- sontwres Interesse erhält, daß er über die politischen Verhältnisse dieses Lande» Licht verbreitet, die durch die kürzliche Ermordung der Gattin des„Lebenden Buddha" die Aufmerksamkeit erregen. Das moderne Auto legt den Weg zwischen Kalgan und Urga trotz des Fehlens guter Straßen innerhalb ä8 Stunden zurück. Freilich werden an die Kraftwagen die größten Anforderungen ge- stellt, und es ist fast«in Wunder, daß die Wagen, die über die stei- nigen Wege rasen, heil bleiben. Ein« ganz primitive Autostrahe ist allerdings angelegt. Hat man die Wüste Gobi überwunden, fo ge- langt man innerhalb der eigentlichen Mongolei in eine Nomaden- k u l t u r, die noch an die Tage der biblischen Patriarchen gemahnt. Es ist«in Land mit niederen Hügeln und weiten Steppen, die im Sommer von einer grünen mit Blumen besprenkelten Decke über- zogen sind. Ueber das weite Gebiet sind die„Hurten" der Mongolen in Abständen von einigen wenigen Kilometern verteilt. Immer ein halbes Dutzend dieser Hütten smd von den Nomaden aufgeschlagen, die von der Milch und dem Käse ihrer Herden und dem Fleisch ihrer fetten Schafe leben. Der kostbarst«-Besitz sind die Pferde. Die Hurte ist«ine aus leicht abzubrechendem Holzwerk gebaute und mit Fellen verkleidete runde Hütte, die oben an der Spitze ein Loch hat, durch das der Rauch herauszieht. Je nach dem Wetter werden die Felle entweder„gelüftet" oder fest herumgelegt. Die mongolischen Ponnys fressen nichts anderes als Gras und werden bei dieser mag«- rni Nahrung so ausdauernd, daß sie«inen Reiter 80 Kilometer den Tag«ine Woche lang tragen. Die Chinesen, die diese slinüen mageren Tiere erwerben, füttern sie dann erst auf. Die Mongolei ist in den Jahren nach dem Krieg der Zankapfel der chinesischen und der Sowjetregierung gewesen. 1919 eroberte der chinesische General„Klein-Hsu" Urga und hauste mit«benfo großer Brutalität wie Dummheit: er wurde von dem russischen General Baron Ungern, dessen Heer zum großen Teil aus Mongolen bestand, besiegt und seine Truppen wurden aufgerieben. Aber Ungern wurde wieder von einer roten Armee geschlagen, die eine Sowjetreoierung unter der Leitung de»„lebenden Buddha" oder Hutuktu aufrichtete. Di« Bolschewisten liehen der roten mongolischen Regierung alle Freiheit. bildete sich«in Ministeriuni, dessen Kb cgsmimster«in früherer Fleischer wurde, während einen anderen Ministerposten einer der großen mongolischen Khans übernahm. Diese Regierung, die einem aus Vertretern aller Klaffen bestehenden Nationalkonvent verantwortlich ist, führte für die Mongolei glückliche Zeiten herauf. Die alten Fürsten und Adligen schimpfen zwar, weil sie nach ihrem Reichtum Steuern zahlen müssen? in einzelnen Teilen herrscht noch chinesisches Räuberivesen, aber im allgemeinen ist überall Sicherheit, reicher Handel und r«g«l- mähiger Eingang der Steuern. Als Münze gelten Silberdollars und russisches Gold. Die Mongolen haben ein Heer aufgestellt, um irgend- welchen neuen Bedrohern ihrer Unabhängigkeit entgegenzutreten. Die Sowjetregierung hielt sich bisher sehr zurück: erst die neuen Um- trieb« am Hof« des lebenden Buddha lassen eine Gefahr von feiten der Bolschewisten befürchten. Der Schöpfer der Briefmarke. Allenthalben wird Sir Row- land Hill, der bekannte Schöpfer des Pennyportos und der erfolg- reiche Reorgonisator des englischen Postwefens, als der Erfinder der Briefmarke angenommen. Jedoch neueste Forschungen haben nun nachgewiesen, daß diese Annahme unrichtig ist. Der wirkliche Schöpfer und, wenn man so sagen darf, geistige Urheber der Brief- marke nannte sich vielmehr I. E h a l m e r s. Als Herausgeber des„Dunde« Chronicle" inacht« er im Jahre 1881 den Borschlag der Einjührung einer ausklebfcaren Postmarke, um dadurch eine Vereinfachung der Portovorauszahlung zu erzielen. Jahrelang blieb feine gut» Absicht unbeachtet. Endlich im Jahr« 1839 wurde En Vorschlag, gemeinsam mit der Pennyporto-Bill, vom Unter- us angenommen und, unmittelbar damit zusamnunhängend, verfügt««in Erlaß vom 26. Dezember 1839 die behördlich« An- fertig ii ng ausklebbarer Briefmarken sowie gestempelter Briefbogen und Umschläge. Dies war die Geburtsstuno« der Briesmark» und zwar war dies« Marke dle jedem Markensammlet wohlbekannt« rot« Mark» mlt dem Kops der damals noch jugendlichen Königin Viktoria- am oberen Markenra-rd steht„Postage", der unter« Mar- kenrand bringt die Wertbezeichnung„One Penny", beide Aus. schriften sind in einfacher Antiquaschrift ausgeführt. lVV�MZiW Naturwissenschaft Wie ein Storch heranwächst. Ein eigenartiges Experiment, das die Entwicklung eines Störchleins vom ersten Tage ab in allen Einzelheiten zu beobachten gestattet, schildert Dr. O. Heinroth an der Hand von eigenen Aufnahmen im neuesten Heft der Leipziger i„Illustrierten Zeitung". Da man die Störche in ihrem Rest auf dem Dachfirst nicht gut beobelchten kann, so läßt man am besten ein paar Storcheier von einer Henne ausbrüten: zum Aufziehen gehört natürlich Erfahrung, aber man kann so die körperliche und geistig« Juaendentwicklung des Tieres völlig ungestört beobachten und auch feststellen, da die Beeinflussung durch die Eltern fehlt, welche Hand- lungen und Aenßerungen dem Tier« angeboren sind und welch« erst durch Nachahmung gelernt werben müssen. Ein neugeborener Storch wiegt ungefähr 70 bis 73 Gramm, zwei Drittel des Gewicht« des frischen Eies. Im Gegensatz zu den Singvögeln kommt er mit osfenen Augen zur Welt und trägt«in gleichmäßiges kurzes weißes Daunentleid. Schon nach wenigen Stunden pickt er nach dem vor- gehaltenen Futter, aber noch früher klappert er, er hat dies also nicht von den Eltern erst erlernen müssen. Wenn er einen Tag alt ist, sitzt der klein« Storch bereits auf den Fersen, die Füße bleiben anfangs noch im Wachstum zurück, was wohl«in Schutz aegen das Herausfallen aus dem Nest« ist. In der ersten Woche steigert sich das Gewicht auf 270 Gramm, in der zweiten auf 800 Gramm, und nun bekommt der Nestling«in zweite», schnee- lveißes Daunenkleid, das viel länger ist wie das erst« und nicht ver- loren geht, sondern als Wärmeschutz zwischen den nun bald sprossen- den Federn stehen bleibt. Mit 88 Tagen sind die Umrisse de» fertigen Storches schon deutlicher, nur die Bein« fallen durch ihre Dick« auf und Schnabel und Flügel sind noch recht kurz. Stehen kann der jung« Storch schon für kurz« Zeit mit 2% Wochen. Mit 0 Wochen ist das Endgewicht von etwa 3M, Kilogramm fast erreicht, aber die Jungen müssen noch im Nest« bleiben, da die Schwingen schwer von Blntkielen sind und den Körper noch nicht tragen können. Die längsten Federn des Flügels wachsen in der Hauptzeit täglich fast 1 Zentimeter. Di« Tier« bleiben solange im Nest, bis sie richtig fliegen können und üben in der letzten Zeit Schwingen und Brust- muskeln durch häufiges und kräftiges Flügelschlagen. Auch da» Stehen auf einem Bein ist rein triebhaft. völkerkunöe DlZ�UZD Ein entdecktes Geheimnis. Zu den zahlreichen Rätseln, deren die Wissenschaft von velgangenen Menschen und Völkern voll ist, gehört das Geheimnis der Ouipu, der seltsamen Faden- und Knoten- fchrift, deren sich die alten Peruaner unter der Herrfchaft der Inka, vor der Ankunft der Spanier, bedienten. Die Eroberer des Landes haben mit so vielem anderen auch die Kenntnis von dem Wesen dieser Miiteilungsart vernichtet. Reste von Quipus gibt es in den Museen, aber die Gelehrten haben sich fruchtlos die Köpf« darüber zerbrochen, was sie bedeuten. Meist neigten die deutschen Forscher zu der Ansicht, daß es sich überhaupt nicht um eine eigentliche Schrift Handel«, sondern eher um ein Rechnungsverfahren, eine Art von komplizierten Kerbstücken oder dergleichen. Dies« Vermutung scheint sich jetzt in der Tat zu bestätigen, denn au» Amerika kommt die Kunde, daß der Professor Leland Locke vom naturwissenschaftlichen Museum zu New Park das Quipu-Rätsel gelöst Hobe. Er hat an Ort und Stelle Nachforschungen angestellt und dabei gefunden, daß manch« Schäfer und Besitzer von Schafherden oder Lamaherden noch heute sich eines Systems von Schnüren, Fäden und Knoten bedienen, um gewissermaßen über ihr« Bestände, Zu- und Abgang, Lieferungen, Berkäuse usw. Buch zu führen. Auf Grund dieses Rechnungsver- fahren», das auf alt» Tradition zurückzugehen scheint, soll es nicht allzu schwer sein, die überkommenen peruanischen Quipu» der Inka- zeit zu oerstehen. E» ist nur merkwürdig, daß dies Hereinragen der Knotenschrist bis in unser« Tag« bisher noch von allen anderen Forschern übersehen wurde. Himmelskunöe Wl�lfllinsW Die hihe der Fixsterne. Unsere Sonne hat ein« Temperatur, die von den Astronomen auf 3320 Grad angegeben wird. Es muh dabei dahingestellt bleiben, ob die Temperatur der Sonne überall die gleiche ist, oder ob der Kern etwa noch heißer ist al» die Atmo- sphnre. Merkwürdigerweise bleibt die Temperatur zweier der hellsten Sterne unseres Nachthimmels, des Zlldebaran(ober Alpha im Stier) und des Beteigeuze(Alpha im Orion), hinter der der Sonne zurück: sie hoben nur 3800 und 2880 Grad. Die Azetylen- flamme erreicht dieselbe.Hitze von 2880 Grad! Zum Vergleich muß bemerkt werden, daß das Platin bei 1980 Grad schmilzt, während bekanntlich dos Blei schon bei 800 Grad flüssig wird. Di< Schmelzpunkte unserer übrigen Metalle, Kupfer, Eisen, Silber, Gold usw, liegen zwischen diesen Grenzen. Di« meisten großen und helleuchtenden Sterne unseres Himmels sind heißer al» die Sonn«. Als Beispiel soll eine klein« Auswahl aufoesührt werden: Alpha im Perseu; 8000 Grad, der Polarstern 8200 Grad. Alpbo in der Andromeda 10100 Grad, Bega in der Leier 12 000 Grad, Gamma in der Eassiopeja 13 800 Grad, Beta im Widder 17 800 Grad, D«l:a im Perseus 18300 Grad. Gamma im Perfeus 22 800 Grad und Zeta im Perseus sogar 28 800 Grad. Die» ist der heißest« Stern, den wir kennen. Natürlich sind bi« Weg«, die zur Fest- stellung solcher Temperaturen auf den Fixsternen führen, äußerst kompliziert und durchaus nicht ganz zuverlässig.