Nummer 1 4, Januar 1Y24 _« � J cü" Anterhaltungsbeilaße öes!)orwärts Ghne Sleibe. Von Oskar Maria Graf- Es war schneidend kalt.— Der Schutzmann an der Ecke sah einem angeheiterten Doppel- paar gnehgramig nach und knurrt« mürrisch. Die Stimmen der Spätlinge verschwammen mehr und mehr. E» wurde wieder still. Wie ausgestorben dehnte sich das ver- lassen? Geviert aus. Düster und drückend ragten die Hauswänd« empor Der Schnee fiel dicht und sehr ruhig.— Mißmutig schwenkt« der Schutzmann in eine breitere Straße ein. Durch die gleichmäßiger verteilt« Schneeflüche schien es hier Heller und weiter zu sein. Er btlckte erleichtert in die weiße Ein- tönigkeit. Ein« strichhaft hagere Gestalt kam auf ihn zu. Der Mann schien weder Kopf noch Arme zu haben. Nur die Beine warf er inechanisch noch vorn wie ein aufgezogenes Gespenst. Lil» er kaum noch fünf Schritt« von ihm entfernt war, hustete der Schutzmann sehr vernehmlich und hob sein verärgertes Gesicht. „Siel" rief er dem 5)«ro»kommenden gehässig laut entgegen und mctf sich in straffere 5>altung. Die Gestalt blieb stocksteif stehen. Nur der Frost schüttelte sie. „ljct"!! Sie Papiere?" fragte der Schutzmann, noch einen Schritt machend, und musterte den Mann. Der rührte sich nicht. „Siel!" brüllte der Schutzmaim wie fluchend und leuchtete dem Fremden mit der Ta'chenlatern« entgegen. Alles an ihm war wieder in bester dienstlicher Ordnung. Ein harkiger, abgerissener, verdorrter Baumstamm oder eine arg ramponierte Säule tonnte es sein, was da im Lichtkreis stand. Raschen Blicks überflog ste der Polizist. Ihre Papiere!— Sind Sie denn taub?" schrie er abermals, wütend über das Aufgehaltenwerden bei sicher Kälte, und setzt« schnell, wie witternd hinzu:„Od«r haben Sie keine?" Der Fremd« zog endlich seine erstarrte 5)and aus der ti«f«n yolenlasche und reichte ihm die schmutzige», durchnäßten Ausweise. Karl Pruvik, Klcmpnergehilse" stand aus der überleuchteden Snvo'idcnkarte. Herkunft. Geburts- und letzter Dienstort und Datum waren verzeiehnet. AbgestmipcCte Marken klebten auf der ersten Hälfte. Der Schutzmann steckte das Papier unter den blauen Militär- paß und schlug diesen auf. „Infanterist Pruvik, Karl— 14. Regiment" orientierte die erste Seite. „Verwundet bei Luneoille(Armschutz rechts), desgleichen bei Tornopol(Knieschub links), verwundet bei Berdun(Schurterfchuß links)" war im Anhang eingetragen, und soundso viel« Gefechte «nd Schlachten erwähnte das nächste Blatt. Das Gesicht des Schutzmanns verlor mehr und mehr die stiere Härte, hob sich etwas höher aus dem Mantelkragen. „Hm!— Auch Krlegsteiilnehmer?.. Ohne Bleibe, was?" sogt« er mit zufriedener Ruhe und streckte dem regungslos Da- stehenden die Papiere hin. Dessen Gestalt schwankt« ein klein wernig nach vorn. „Hundekälte das! Warten Sie, es geht schon! rief da der Schutzmann noch loyaler und steckte dem Mann die Papiere hilfs- bereit in dl« Rocktosch«!„3st ja noch nicht so spät. Roch alles offen in der Stadt. Sie kommen sicher unter!" „So," sagte er eben, als in nächster Nähe die Uhr zehn sch.ug. CiiKn Augenblick horchte er auf, nickte und entfernt« sich eilsamen Schritts. Schon von weitem erspäht« er die Ablösung. Karl Pruvik riß sich fest zusanimen und schritt wieder weiter. Der Schnee fiel und fiel. Nach einer eangen Weite wurde es endlich etwas lichter. Men- fchen stapften vorüber. Grelle Autolaternen glotzten über einen freien Platz, lieber einem mächtigen Säulcnportal leuchteten groß ole Buchstaben„Schauspielhaus. Vickeicht vom Licht angezogen, beschleunigt« Karl Pruvik un- willkürlich leine Schritte, eilte geraden Wegs aus den Theaier- ausgang zu. Eben strömte die Besucherschar aus den großen glitzernden Taren. Er befand sich im Nu mitten im dichtesten Gemeng und dränqte sich vorwärts. Eine warme Duftwelle schlug ihm entgegen, startgeschminkte Gesichter tauchten aus und seltsam kühn« Rellexe warf das grelle Licht auf alänzende, rauschend« DamentoiCctten. Ueberschnell schwirrten geschästtge Stimmen inein- ander, Seidenrauschen, Lächeln, Aulohupen und das sadendünne Zirpen süßlicher Tonfälle vermischten sich zu einem betäubende» Geräusch.„Einfach glänzend!" rief wer.„Rührend, wie die Hohl» mann spieltt"—„Nein, einfach entzückend!" zwitscherte«ine über» helle Stimme.„Huw, dieses Schweinewetter!— Kommt schnell ins Auto!" ließ sich zwischendurch vernehmen. Und wieder:„Kri- tisch gewertet—: Eine Glanzleistung in Regie und SpiaT' Es plätscherte fort und fort, oben, unten, überall. Abschiede nehmen, Handküsse, Einladungen für das morgige Festessen, Lachen, Autovor- und-abfahren— alles wie ein flimmernder Hexentanz!— Karl Pruvik war mittlerweile unbemerkt bis an das Eingangs» tor gckangt. Noch eine geschickte Finte und er hatte für' heut« nacht ein Dach über dem Kopf. Sein Herz schlug heftig. Es war wieder Leben in fem« froststarren Glieder gekommen. Behende gCitt er an den aufeinandergedrängten Gestalten vorbei und fühlte auf einmal Raum und Wärme. Cr lugte spähend nach dem betreßten Portier, duckt« sich mehr noch zusammen, hielt den Atem an, arbeitete sich an der Wand entlang Im selben Augenblick aber stockte die Bewegung des Menschen, trupps. Er zerteilt« sich» und jäh brachen die Neben ab. Durch eine glotzende Gaffergass« hastete der Portier mit steinernem, finster drohenden Gesicht auf ihn zu. „Was suchen Sie denn da?— Hei Siel Siel" schrie der Tür« Hüter. Karl Prumk zog wie ein gezüchtigter 5)und die Schultem hoch und verbarg den Kopf völlig in seiner schlotternden Brust. „Was Sie wollen, frag' ich!?" bellte der Portier hinter ihm und packte ihn heftig am Arm, riß ihn zurück. Ohne Wort und ohne Abwehr ließ sich der Eingedrungene von dem belfernden Tür» Hüter und zwei inzwischen herbeigeeilten Logendienern ins Frei« schieben.„Hm, sowas?— Sich ins Theater einzuschleichen!" sagte lemand von den Stehengebliebenen uno schüttelte den Kopf. Der lns Stocken geratene Menschenhauf« bekam wieder Bewegung und drängte sich durch den Ausgang. Die Tore schlössen sich finster. Schmätzend trabten die letzten Paare vorüber.— Karl Pruvik stand zögernd und benominen im glitzernden Schneegeflock. Einen Augenblick hatte es den Anschein, als straff« sich fein Körper, als hole er zu einem Satz aus und wolle in die vorbeigleitenden, duftenden, rauschenden, geschwätzigen Menschen springen: aber schließlich torkelt« er doch über die verschneite Frei- treppe hinunter und bog. in die Seitengasse ein, die vom Theater» platz abzweigte. Karl Pruvik hob den Kopf hilflos. Ein« knapp« Wurfweile von ihm ragte etwas Schwarzes aus dem Schnee und bewegte sich wie schwebend von det Stelle. Willenlos und ohne Grund folgte er der Erscheinung.'. Lange ging er so. Es mußte schon ttef nach Mitternacht sein. Trist gähnten die menschen-leeren Straßen und Plätze. Man stand am Rande des Stadtparks. Di« kerzengerade Gestalt verschwand zwischen den Bäumen. In der aufgeworfenen Bahn der Spur schritt Karl Pruvik weiter. Es war viel dunkler hier. Di« fchneebeladenen Baumäste lasteten schwer herab. Nur zeitweilig gab sich eine hellere, freiere Stell« und undeutlich ließen sich ein- gemummte Bänke erkennen. Auf einer solchen hockte die zusanimen- gekauert« Gestalt nun, der er die ganze Zeit gefolgt war. Stoisch ließ sich Karl Pruvik neben ihr nieder und legte, wie aus einer plötzlichen Eingebung heraus, seinen steifen»Arm um nasse, scharf« Schultern. Lahm schmiegten sich die beiden Körper aneinander. „Kalt!" murmelte es kaum hörbar aus dem Kopf, der haltlos auf seine Brust herabgliit. „Kalt!" brummte Pruvik ebenso leise und schloß sein« Augen. Auch sein Kopf sank herüber auf das Genick des anderen. Kein Schnee siel mehr. Es war seltsam—: Jetzt, da man schonungslos der Kälte ausgeliefert war, wußte mau nicht Mehr, war's eine rasende Hitze oder eine gänzliche Eisiakeit, was in den Gliedern brütete. Der ganze Körper hotte das Gewicht verloren. Es schnell, als schwebte er durch eine unsäglich friedliche Stille... Auf einmal drückte ettvas 5)artes an den Arm, umklammert«, zerrte. Es schrie wie durch Nebelschivaden, dann näher. Es rüttelte stärker. Das Geschrei schwoll. Der Kopf an der Brust bewegte sich stumm. Karl Pruvik öffnete die Augen. Das grelle Licht einer Taschen» laterne stach ihm in- Gesicht, blendete schmerzte. „He— He! Was ist da!" schrie ein Schutzmann, riß erregt am Arm. ..Was ist denn das! Auf! Auf!!" Alles tat wieder weh. Die zerfrorenen lochen rührten sich, fchnierzten. als seien sie alle ciuzeln clKicfchlcflcn und bewegten sich wie in einem geplatzten EipsverbouÄ klappernd von bormcn. Erst in der Stube der PokiZeistuüon sah Kai? Pruvik, daß voll) einer neben ihm stand, genau so reglos und stumpf wie er. Auf den redeten die zwei Schutzleute ein, fragten, schrien ihn an. Endlich nach einer Weile schritt man durch ein« Tür und das Licht war aus den Augen. Die'bei�«n logen auf cincr Pritsche, in Wörme Decken gewickelt. Die Glieder bewegte« sich ohne Schmerz. Wänne kam tangfam. Von Zeit zu Zeit berührten sich Arm oder Fuß. Es stet gläseriges Tageslicht durch d« vergitterte Luke, als er die Augen öffnete. Ein etwas ins Rundliche gehender Schutzmann mit gemüt- lichem, wohlig gerötetem Gesicht stand vor ihm und sagte in fried- sichem Baß:„Sie können sich wieder fertigmachen. Es liegt nichts vor gegen Siel" Karl Pruvik hob feinen übermüdeten Oberkörper auf der Pritsche. „Haben Sie denn den anderen gekannt?" fragte der Schutz- mann. Pruvik schüttekt« dumpf den Kops. .Hat ein paarmal eingebrochen,"«rzühlte der Polizist beiläufig und redte te weiter:.Stehen Sie dann auf und kommen Et?. Sie können wieder gehen." Karl Pruvik sah Ihn verständnislos an. .Eine harte Zeit setzt— und Hundekall diesen Winter!" brummte der Schutzmann und bat Pruvik abermals, aufzustehen. Der erhob sich endlich und gmg mit ihm durch die Tür in die Polizeiftube hinaus. Karl Pruvik stand zögernd da und machte kein« Bewegung. .Es liegt nichts vor gegen Siel— Daß einer keine Bleibe hat, kann jedem einmal passieren," sagte der Wachtmeister menschlich. Pruvik nahm mechanisch feine Poptcre. „Grüß Gott!" fagten die beiden Pokizisttn und nickten lern Gehenden zu. Einer öffnet« freundlich die Tür. Kar? Pruvik ging. Es ichneite nicht mehr auf den Straßen. Das Bleich des Tages tat den Augen weh. Ein Wind hott« fich erhoben und pfiff schonungslos um die scharfen Hausriffr. Es war kalt. Es war wirklich grausam kalt... Gott im Wmter. 3n dieser Landschast empfinde ich dich ganz, du bist in nichts so sehr wie i« dem Glanz de» Schnee» und der zittern den Sristalle; ous dem nnirdisch bleichen Abend licht kritt. wie aus einem Spiegel dein Gefichk «mrahmi von einem goldnen Wolkenkraaz und lauklos ist es in der weilen Halle. die Erde heißt. Zn dich versunken stehen Strauch und Baum. nur einer Amsel schwarzer ZlSgelsanm streift einer Föhre glitzernde» Gehänge; de» nahen Hauses blauer Essenrauch dünkt mir. ist deiues Mundes feiner hauch und wie ein Lied Ichwebt es, man hört es kaum. durch meines Gartens übcrjchncilc Gänge: es singt dein Seist. __ Alfons P e tz o i d. Ckhof. 1720—1778, Von Herbert Eulenberg. Eine» Abends blieb Ekhof auf der Bühne flecken. In fein«? tragischen Lieblingsrc lle des Odoardo in Lefsings„Emilia Galotti". Er hatte sich während der letzten Tag« wieder besonders über den Zustand feiner Gattin aufgeregt. Die Unglückliche ieb'e in völliger geistiger Umdimkeinng. Er aber mochte die Wahnsinnige, an der er noch immer mit tiefer Liebe hing, nicht in«in« Anstalt bringen losten, in der man sie oleichgültig oder gar grausam behandeln könnte, und hielt sie darum bei sich In Gewahrfam. Sie brütet« meist in einem dumpfen Zustand vor sich hin. Nur zuweilen ha'te sie mehr oder minder starke Ausbrüche von Wildheit und Gemütszerrllttuna So hatte sie. die früher Schauspielerin gewesen war, Herne ihren Mann. als er sich daheim zum Tbeater ankleidete, fortwährend mit ein paar Reimen ange'allt, die sie früher vielleicht einmal rich'ig gelernt batte und nun verballhornt«. Sie hatte diese Verse wohl in der klaffl'chsn Rolle der edelmütigen Arria zu sagen gebabt, der heldenhaften B?r- schmörersqattin, die sich nach der Entdeckung des Anschlags exsticht vnd sterbend den Dolch ihrem Gat'en zum Selbstmord reicht. Immerzu hatte d!« verstört« ssrau ihren Mann, noch kurz bevor«r das Haus oerlollen hatte, andeklamiert: „Es schmerzt nicht. Poetus. Stich nur zui Dann hat die arm« Seele Ruh." V. An diesen kümmerlichen Ha'bunsinn mußt« der große Schau- ! fpieler unaufhörlich während der Vorstellung denken. Und sa geschah es, daß ihm, der häufig über fein schwaches Gedächtnis zu Nage» i Ivette, plötzlich im letzten Akt der Faden des Textes ausging. Bei der Stelle, wo Odoardo den Prinzen frag!:»Wie? So soll ich sie aar nicht sprechen, meine Tochter?" Hilst flehend bohrte« sich seine nicht großen, at�r in einem cicencn Feuer funkelnde« Augen in de» Souffleicrkasten. Aber o Schrecken! Der Mann bei der Kerze dort hatte sich seinerseits in das anziehende Spiel des bedeutenden Ckhof verguckt. Und als ihn dieser nun zornig und angstvoll zugleich an« starrte, da verblätterte sich der arm« verwirrte Kerl In feinein Kasten und ließ nun den gewaltigen Schausvieler auf der Bühne vollends im Stich. Da trat Ekhof dicht an ihn heran. Der tragische Ba'er Odoardo schien gänzlich von ihm hcruntergerukscht zu s-ln. Er ließ sein« soeben noch straff angezogenen Schultern schloff tzerunterhang««. Seine geraden Knie bogen sich nach außen und seine Beine wurden krumm wie Türkensäbel oder Rokokoständcr. Cr sah plötzlich trotz seiner Offizlersunisorm wie ein« seiner vortreffliche« Banernfiguren aus, als er auf den entsetzen Souffleur zuwostchelt«. Selten war er feinem Vater, dem- mickerigen, oerhimgerten Harnbnrqer Stadt» foldaten, so ähnlich wie jetzti Im Näselndsten hambsvaschen Dialekt hielt er ihm nun ein« halb komische, halb ernsthaste Strafvredigt, die er damit krönt«, daß er dem Soufileurkafien samt ß»i»em Insassen voll Ingrimm sein« etwas plumpe Rückseite präsentierte. Da» Pudli« tum, das anfänglich aufs höchste verdutzt war, nabm nach und nach dies« Entgleisung seines bewunderten Lieblings teilweise mit Humor auf. Ja, vielen schien es sogar nicht unancerebm z« lein, daß Ckhof ihnen kurz vor Abschluß dieses traurigen Siückes noch«'«« Art von Holbergfchen Rüpel ober Molierelchen komischen Cbavak'er zu sehen und zu hören gab. Nachdem sich aber der vollendet« Ecbouspieler � genug ausqetobt hotte, brach er diese Einlage ebenso söhlinas ob, wie er sie begonnen batte. Wandte sich zu dem sprachlos gewordenen Prinzen zurück, der sich scheu vor dem berühmten Mann, der derart aus der Rolle eesallen war, binter eine Kulisse pedrückt hat'?, und znq ihn mit den Worten hervor:.Sie wollen verzeihen, gnädiger Herr! Bringen Sie mir nochmals ihr letztes Stichwort. Wir wollen'» zu End« machsn!" Dann iondt« der Aus�ewittet« dem Subjekt in dem Kasten, das ihm dlrrch Gebärden und Rufe anzeigte, daß es dte S>lle des Anstoßes im Teet lönast gefunden hätte,«ach einen gut» mütiqen, wieder ausgesöhnten Blick zu»nd trennte sich unter der Drrbung:„Unterstab dich noch einmal, mich upsete« w« loten, ohler Döskoov, dul" von Ihm und der Alltagssprache. Mit einem Schwung wie nie führte dann E�bof zum Erstaunen aller die so grob unterbrochene Szene wei'er. Da» Publikum, da», zuerst noch völlig oufaerührt und unbeleiliqt, seinen Worten folgt«, mar nach wenden Sätzen von ihm wieder ganz in stinem Bann. lind alz der«in'igartige würdige Mann, der Vater aller deutschen Komödianten, nach dem Abaang des Prin'en seinen tetzwn Monolog dielt, da herrtch�e anfs neue«'emlofe tvag'lche Stelle in dem Hause, das vor wrnloen Sek>md«n noch vom Gelächter der W-moe widerhallt hatte. A's Ekdof in das unheimlich« Lochen der Berza'-ifiung ausbrach und ibm imf-r wildem ismb-rh'ttken rmch dte wabnsmniqe« Wart« folgen ließ:„W»r facht da? Bei Gott, ich«'anb', ich war e» selbst," da lief ein Beben durch alle, das er durch stne berühmt« malende Gebärde, mit der er ein« Feder ous stinem Huchefatz zog und kanastim verloren fallen sieh, noch«nte-ch'mnft«. sind nie nraor und nie nachher ist mobl jener lebte Ausruf Cdoordos«rsifmiVntder" geg'n de,, Tbeaterhimmes geworfen worden als«n diesem?lbend von Ekbof. d-r dabei leiner arnvn verlorenen Gatttn«edacht', kner Ausruf des Vater«, der vor dem Mords der eiarnen Tochter erzittert: „Wer sie unschuldig-!n diesen Abarund oeltiirtt bat, der ziehe fi« wieder heraus. Was braucht er meine Hand dazu?" Sogar zwei anwesende deutsche Schulmeister wurden milcierisseu van diefmi aus dem Grund einer Seele hervorgesch'enderten Gefühl. „gtzal'rl'ch!" bemerkte der eine zum andern auf dem Heimweg: „Dieser Ekdof verdient immmbin traun nicht ganz z« Vnvecht de» Ehrentitel eines„deutschen Rvseius"." Das Karussell. Von Artur Stibergieit. Mit seinen Lichtern und Lampen, wi« mtt den glühenden MSrchenkuppeln aus Tausend und einer Nacht, mit seine» Perlenschnüren und gegcneinonderklirrenden Kristallkegeln, Fackeln, Fahnen und Fächern tollt es beim Äubel der Jahr« marktsorgel in phantastisch wilder Fahrt dahin. Seine hoch» aufgebäumten, schneeigen, goldbraunen und schwarzen Renner tragen schillernde Schabracken. Sie gleißen gleich Schlangen» häuten und lassen sich von der Grellheit bäuerisch bunter Trachten noch überflimmern. Unter dem Dreieck seines aus» gespannten Segettuchdachs kreischt die Lebenslust, blitzen Kna» benblicke, fliegen bauschige Mädchen- und Frauenröcke. Wun» dervoll, wenn es als kleinster farbiger Wel'krei» im Taumel des kühnsten Daleinsübennutes hinstürmt: aber so wild es auch wirbelt: dem abenteuerlich raschen Rhythmus seine» großen Bruders, des Siemenkarussells, sucht er vergeben» nachzurasen. SchkiKenfahren In alter Zeit. Bon Dr. Johannes Kleinpaul. Mchts löftlicher, als eine Schlittenfahrt an srostrlaren Wwter- t«g«n,»vre fk uns jetzt wieder der Winter beschert. Ursprünglich «ssr freilich auch der Schlitten reines Verkehrsmittel und auf dein stachen Land« ist«r es noch jetzt, wovon freilich viele von uns, in den großen Städten, nichts mehr zu spüren bekommen. Noch immer «arten in Ostfriesland die„Moeriente* sehnlich darauf, daß die Wässtr ihrer weiten Niederungen gcsriercn und sie sich die Sch'i t» schuhe unterfchnallen können," um ihre Flechtkörbe auf großen Schtebeschlitten in die Stadt zu bringen und endlich abzusetzen. Mehrfach wurden auch in früherer Zeit große gemeinsame Schlitten- fahrten vom Festlande nach den Nordseeinseln unternommen, um sie mit dem Nölizen zu versorgen, und andererseits, über die Ost- fr«— hin und her—, um den arglosen Nachkar plötzlich mit Heeres- macht.zu überfallen. Ein besonders eigenartiger Schlittentransuort ereignete sich im Februar 1721, wo man die ganze, damalige fürst- Äche Bibliothek von Zeitz auf 78 Schlitten nach Dresden überführte. Doch alles das liegt jetzt weit zurück. Ebenso gehören ober «och der Der.ztmzenheit die großen, meist überaus pompölen Schilttenfahrlen an. die bösilch« und bürgerliche, unter letzteren namentlich auch Studenienkreife, zu eigenem und allgemeinem Ver- gnügen veranstalteten. Aus Alt-Jsna hat sich«in Deckfarbenbild in einem Skudentenstammbuch aus dem 18. Jahrhundert erhalten, das einen starken Schlitten korso zeigt, bei dem die Musensöhn« den großen Brunnen cuch dem Markte mit ihren Herzallerliebsten immer wieder ttmrunden. und aus Mt-Worburg ein ausführlicher Bericht über eine �noch m'emols hier gesehen« kostbare Stickwntenschlittenfahrt�, die am 18. Februar 1731 stattfand. Am Schlüsse der Schilderung «efes Umzugs, der„etliche Stunden' dauert«, heißt es:„Dabei machten auch zwei masiierte Bauern zu Fuß. welch« in ihrem Ranzen Hühnereier usw. hotten und solche Stücke unter die Leute »srfen, eln großes Aufsehen'. Was waren das für Jetten und was für Sitten I In Dresden veranstaltete die Hofgesellschaft schon im Zeitalter des Dreißig', ährmen Krieges bisweiten reibt ausaedehnde Schlitten- fahrten bis nach Meißen. Pirna oder auf die Bastei, von denen man dann abends bei Fackelbeleuchtuna zurückkehrte und die schläfrige Einwobnerlchast nochmals auf die Beine brachte. Auch dabei hatte jeder Kavalier seine Dame vor oder neben sich auf den Sitz, und wem? diese Vergnügungen in die Fastenzeit fielen, macht« man durch Veranstaltung historischer und allegorischer Maskeraden mit opern. batiem Ausputz und Mummenschanz auch den aanzen Olqnrp nwbtl. ManchmoC wurde auch ein verguüaliches.Damenrcnnen' damit verbmiden. wobei die Schönen mit der Lanze nach dem„Ringel' stachen, mit dem„J�n-lln' nach der Scheibe warfen oder mit dem Degen Aepsel oder Apfelsinen von der Erda aufspießten. Derar'-g« Veranstailunaen waren bestimmt, die Macht und den Reichtum des Hofes aller Auaen kund zu furi.„und je prächtiger die Schlitten, je größer der A-'f'-ug, je rnanisikcr der Comitat, je regulärer die fem je Ordnung, desto an!ebnlick>er und solenner waren die Schlitten- akubm', wie<-s in al'en Blättern heißt. Freilich, nicht immer, wenn man schlittenfahren wollte, lag Schnee. So in Dresden Anno 1721 um Fastnacht. Da mußten denn über 100 Bauern aus den umliegenden Dörfern an 2000 Fuhren Schnee in den Großen Karten schaffen und ausbreiten, worauf der Korso in gewohnter Weife vor sich ging. Und«in andermal, kurz na>>e feigem „Augustusbrücke' hieß, neu herrickstete und mit einem Gelände versthen ließ, weil kurz vorder der Wind emen Bauern mit seinem Schlitten in die Elbe hrnabgeweht hatte, wurde auch darauf mühsam Schnee geschüttet, damit der Fastnachtszug darüber hinweg nach Pillnitz oder Moritzburq gehen konnte. Aber nicht nur Schnee! In Theodor Fontmies„Schach von Wuthenow' lesen wir. daß das Regiment„Gendarmes' ein ganzes Berliner Stadtviertel für eine Schlittenfahrt herrichtet«, indem es die Hauptstraßen mit Salz bestreuen ließ, worauf«s dann der Faschingszug mehreremal in voller Fahrt umraste. War dies nun„Mär oder Mehr', jedenfalls gibt es dazu ein geschichtlich beglaubigtes Gegenstück: die Zarin Alexandra Feodo- rowna. die Gemächlin Nikolaus äußert« eines Tages, mitten im Sommer, in Gegenwart des Barons Stieglitz, des millionenreichen Präsidenten der russischen Reichsbank, den Wunsch, ein« Schlitten- fahrt zu unternehmen. „Majestät haben nur zu befehlen!' erwiderte Ihr der Baron. „SBirMch. bei dieser Hitze?' fragte die Kaiserin erstaunt. „Wenn Ew. Majestät geruhen, mich nächsten Sonntag mit ihren, hohen Besuche zu beehren, so wird eine Schütten partie zu- stände gebracht!' Die Zarin willigte ein, und die eigenartige Belustigung fand tottächkich statt. Allerdings fuhr man nicht auf Schnee und auch plcht auf Satz, faudern auf— Zuckert Der Baron belaß nämlich die«roßte Zuckerfabrik in Rußland und hatte feine Vorräte auf die Alleen seines Parkes schütten lassen.— Für das Weoräumen d-s..Kunstschnees' brauchte er hinterher nicht zu soraen. Nach der Fahrt gab er den Zucker dem Belke frei, und dieses Holl« stm fo schnell und lo qründ'ich weg. daß die Zarin ihr« Heimfahrt schon wieder zu Waeen antreten mußte Auch abgesehen von diesen ßchtergn außergewöhnlichen Fällen blieben sedoch alle dsole Berorftaltimgien überall auf dt« ersten Ge- sellschaftstreif« beschränkt. Selbst den, wohlhabendsten Bürger wurde es in diesem Zestalter der Standesunterjchied« und Rangstre« i-kefeen verwehrt, sich auf so harmlose Wesse zu»er- gmken. So wurde i. I 1öS3 vom Fisldl(dem heuti'cn Staats- amoalH«ins llnt«rsn«>nng gegen mehrere Bürger zu Bautzen„in : i'ur.cto prächtigen Schlittcnfahrens' cinye'eikt. Leider ist unbe- könnt, was ihnen schließlich eeschehen ist. Wahrscheinlich ist, daß der Prozeß sich in gewohnter Weise mehrere Jahre lang hinzog,«nd daß die endliche Fo'ge jene„Schtitten'ahrtsordnung' war. die Kur- fürst Johann Georg It. von Sachsen am 12. Februar 1682 erließ. Darin war genau bestimmt, wer mit Eelaute und ohne Geläute, wer zwcispänmg oder nur i» Rennschlitten fahren sollte, und— wer nicht._ Winter. Don Max Doriu. Di« Flocken schweben. Di« Flocken wirbeln, sausen, flattern, huschen und brennen. lind der Wind durchrast seine Flocken. Ganze Flockenwvlken. Flockenstaub. Zerriebene Flocken. Der Wind zerrieb sie. Und est, Musiker ist der Wind. Hei, er sitzt aus den Telegraphen- drähten— und er pfeift aus einem Eiszapfen. Und der Fluß treibt grün. Durch den Fluß hin glasige Inseln— Schneeinseln— die treiben nun zum Wehr— und da rutschen si« glatt hinüber— — uns» das Wehr perlet— Silberglanz— Rixenzanber— Dust und Schönheit. Erken schauen uitter den weißen Augenbrauen schwarz hervor. Die Birke trägt ihren neuen Pelz. Di« Tannen feiern mtt. Alles feiert. Die Gärten feiern atkasweiß. Und die Häufer feiern atlasweiß. Eine große Blütenliebe., Winterttebe. Reines heiliges Weiß. Aber die Böglein? i: Aufgevluflert die Amseln. Huschend die Weisen. Kein Rabe. Kein« Eule. Kein Specht. Der Bofmlfcf Stark« Männer schaufeln Schnee. Starke Maschinen brausen nüsternschnaubend daher. Und aus der Bahnhofsball« heraus Jäger— arme Hafen—* nun auch noch diese Roti' Hei, wie pfeift der Wind. Ena« Alfftodtgosien. Häuserlein und Häuschen drücken sich fest aneinander— Schulter zu Schütter. Der Schupamann geht wie ein Storch. Grün und blank. Zwei Hunde wirbeln Im Schnee hmim— ganz« Wolken»oft Sckmee wirbeln st« auf— Konkurrenz dem Wind«— Aber nein! Der Wind versieht's beffer, von den Dächern herab schüttet er Lawinen— leise, feine, ungefährliche Schnee- lawinen. Wo aber der Berg sich senkt— dort ist Kwderparadies. Fein! Di« neuen Schlitten. FeinI Die neuen Halsschals. Fein! Der Winker. Juchhe und juchhei— der Schlitten fliegt— und die Kinderseele fliegt mit. Du gehst weiter. Du gehst im Teppich— im persischen Wcißwollteppich. Dein Auge wird rot: Da stekt es— frtlch— blutig— riesengroß: „Die K. P. D. kebt!' „Edert? Was machst du??' Und mein Herz bekommt einen Ritz: Menfchenk unvollkommen. Meufchenk Kampf. Menschen! Haß. Und dennoch: Es lebe die Lieb«. Kein. Bl,tt— nein— weiße, weiße EchSnhrit. Milde Hoffnung. Gemeinschaft.' Und leise geht sie nun neben mir: Gerda! Dornröschen i Di« Lenzlochter. Gerda. Früh'ing. Werde. Ja! Sonne. Liebe. Lenz. Und einmal wird Lenz fein bei den Menschen. Gerda I Gerda! ich lieb« dich. Weißer schöner Schnee. Wissen und Schauen Der Erbauer des Eiffelturms. Im Alter von VI Jahren ist, wie bereits gemeldet wurde, in Paris der Ingenieur Alexandre Gustav« EiffÄ gestorben, dessen Name ein« Wcltberühmtheit wurde durch den von ihm erbauten, zum Wahrzeichen des Pariser Stadt- bilde» gewordenen Eiffelturm. Dieser Turm, der sich über die Stadt in einer Höhe von 1984 Fuß erhebt, ist das höchste Bauwerk, das je errichtet worden ist, mag man auch all« die Hochbauten der Wolkenkratzer, Pyramiden. Domkuppeln usw. in Betracht ziehen. Als der Eiffelturm vor 3S Jahren sich erhob, wurde er allgemein als ein Weltwunder gefeiert, obwohl man damals die Bedeutung, die er in wissenschaftlicher Hinsicht bei der Entwicklung der d recht- losen Telegraphi« und der Luftschiffahrt erlangte, noch nicht voraus- sehen konnte. Eissel baut« den Turm auf eigene Kosten und aus eigener Initiative, um seine großzügigen Konstruktivnsmethoden zu erproben. Er hatte sich vorher als Brückenbauer ausgezeichnet und im Jahre 18S8 durch den Bau der Eisenbahnbrück« über die Garonne bei Bordeaux seine Tüchtigkeit bewiesen. Später koimte er sein« Krllckenkonstruktionen an anderen Brückenbauten in Frankreich, in Portugal und Ungarn zeigen. Bon ihm stanrmt auch der Entwurf des Bahnhofs von Budapest, und dann war er als Ingenieur bei dem ersten Panamakanalunternehmen tätig, bis der Krach eintrat. Im Jahr« 1886 erklärte Eiffel sich bereit, für die Weltausstellung von 1889 einen Riesenturm zu bauen, und das gewaltige Wer? blieb 26 Jahre hindurch sein Eigentum, bis es dann in den Besitz der Stadt Paris überging. Eiffel verwendete bei diesem Turmbau. wie bei seinen anderen Inqenieurarbeiten, neue Formen der Bogen- konstruttionen von möglichst großer Weite. Er hat sich aber nicht nur«l» Ingenieur betätigt, sondern auch wisseuschaMiche Unter- suchungen vorgenommen, zu denen ihn sein Turm hinführte. Er rmternahm regelmäßig« meteorologische Beobachtungen. 1967 brachte er ein Wert heraus mit dem Titel„Eeaebnisfe der Arrsuche über den Widerstand der Luft, aus dem Eissclwrm ausführt*. Als die Flugkunst aufkam, trat er zu den bedeuiendsten Pionieren der Luftschiffolmt in näbere Beziehung, und sowohl die Brüder Wriqht. wie Bleriot, Boism und ander« haben aus seiner Mitarbeit großen Nutzen nezogen. Er hatte auch auf die Ausbildung der Malchin«» der Flunzeuge einen heträchllichen Einfluß. Selbst seine Irrtümer waren für die Forschung nicht ohne Nutzen, und sein« Versuche über die Fluakunst aaben Anlaß zu weitereu' Experimenlen. Cr hat sich bis zu seinem Tode ununterbrochen mit flugtechnischen und meteorologischen Arbeiten beschäftigt, und es war ihm eine besonder« Genugtuung, als der Eifselturm zu einer der wichtigsten drahtlosen Stationen wurde, wo.�u er sich iiisolg« seiner flöhe besonders gut eignet�. Auch die ästhetische Wertung heg Eiffelturms. der zunächst als«in„häßliches Gerippe" viel g-schmaM wurde, hat sich in unserem Maschinenzeitaltcr diirchqesebt. Btele Künstler haben sein« charakteristischs Silhouette in ihren Bildern von Paris»er- herrlicht, und die Dichter haben diesen„neuen Turm von Babel" besnnaen. ÜiltpH! EH] IS] vom Menschen Genie und Wahnsinn. Den vielangefochtenen Satz Lombrosos, daß das Genie eine An Wahnsinn fei, unterzieht der hervorragend« Psychologe Kretzschmer einer erneuten Betrachtung. Er spricht ihm nach einer Mitteilung der„Umschau" ein« gewisse Berechtigung zu. Das Genie zeigt oft mildere Formen eines psychopathischen Zu- ständes: es ist stolz auf feinen Dämon, und es hat darin recht, denn dieser pathologische Zustand ist das Ferment, das fein geniales Schaffen entstehen läßt. Während das Talent vererbt werden kann, ist die große geniale Veranlagung kein Erb« der Vorfahren. Wohl finden sich günstige Bedingungen für di- Entstehung des Genies in einer begabten Familie, aber erst gewisse krankhaft«'Faktoren er- möglichen den Ausbruch der Leidenschast, die inner« Unruhe, be- reiten den Boden, auf dem der schöpfieriscks Genius entsteht. Aus diesen milde» Formen des Wahnsinns erklärt es sich auch, warum sich der Genius dem Leben oft so schwer anpaßt und ein ganz un- verträglicher Mensch Ist. Dies gilt auch im weiteren Sinne für hochtalentiert« Notumn. deren unstetem, selbstgualerischem Wesen trotz aller Anzeichen des Genies dos Gleichgewicht fehlt. Damit scheiden auch die Hemmungen und Kontrollen aus, ohne die genial« Schöpfung »licht möglich Ist. Räch den Forschungen Kretzschmers gehören die Geschichtsschreiber und Humoristen in ihrem Körperbau, der mit der geistigen Entwicklung in enger B'ziehuna steht, zu dem gedrunge- neu korpulenten Typ, der hauptsächlich Melancholiker und Sangu- iniker repräsentiert. Dramatiker und Lyriker gehören ebenso wie die abstrakten Denker zum schlanken oder athletisäien Typ, der cholerische, überempfindliche oder kalte Naturen umfaßt. WI�W Gesundheitspflege jE�ilüIW Geteilte und ungeteilte Arbeitszeit. Di« Finge, ob di« unge- teilte Arbeitszelt(mir einer halben Stunde Mittagspause) oder dl« gek«il>e Arbeitszeit(mit drei Stunden Mittagspause) mehr zu emp- fehlen ist, hat in vorigem Jahre Georg Windsheimcr zum Gegenstand einer Untersuchung gemacht und berichtet darüber in den Leipziger„Psychologischen Arbeiten". Es wurden Stichproben von beiden AvbeitsoerteHunoen genommen und auf di« Ermüdungs- Wirkung hin geprüft. Auffallend war die starke Erhöhung der Lei- pungen, di« bci der ungeteilten Arbeitszeit nach der kurzer. Mittagspause eintrat. Windsheimer führt diese günstige Wirkung auf den Fortfall stärkerer Bcrdaunngstätigkeit zurück, teils aber auch dar- auf, daß in der kurzen Paus« der Gedanke an die Notwendigkeit, in der Arbeit fortzufahren, gar nicht aus dem Bewußtsein entichwond und demgemäß die Einstellung auf die neu« Tätigkeit rasch und reibungslos von ftat-en ging. Ein abschließendes Urteil kann auf Grund dieser immerhin mehr vorläufigen Versuche noch nicht ge- geben werden. Man wird die Beobachtungen erst noch vermehren müssen. m. P>�s!sa>siQ Crökunöe wie alt ist die Erde? Der Londoner Akademiker Henry Norri» Russell hat sich letzthin die Frage nach dem Alter der Erde vor« gelegt. Er will dem Problem auf dem Weg« der Radiumforschung näherkommen. Wenn nämlich die ganze Erdkruste urspüngkich aus Uran bestand, so würde nach seinen Berechnungen für das fierab- sinken der Uronmenaen durch Atom.�erfall auf die jeßige Menge eine Zeit von 88 Milliarden Jahren nötig geioesen sein. Eine ander« Berechnuni von Clarka. die sich aus ähnliche Gedankengänge stützt, aber von der Zusammensetzung des gewöhnlichen Bleies aus Uran- blel und Tboviumbtei ausgeht, kommt auf bloß ein« Milliarde Jahre. Und eine dritte Berechnuna, die annimmt, daß all« Element« von höherem Atomgewicht als 166 durch radioaktiven Zerfall enfftanden find, führt zu einem Ergebnis von 36 Milliarden. Rusiell hält freilich diese Zahlen meist für zu hoch. Er meint, es genüge, einen Spie'raüm von 2666 bis 8666 Millionen, also 2— 8 Milliarden, anzunehmen. Das wäre die Zeit nach dem Zusammenstoß, der zum Herauswirbeln der Massen der Erde und der übrigen Planeten �ilis dem Sonnenball führte. Einen anderen, mehr astronomischen Weg hat Iefsteys eingeschlagen. Er will aus der Exzentrizität der heutigen Planetenellipsen schließen, daß das Sonnensystem 3 Milliarden Jahre alt wäre. Naturwissenschafl Merkwürdige Znsckteninstlnkte. Zu den noch unerklärten Wun- dern der Tierweit gehören die Instinkte mancher Insekten, von denen Prof. B. Schmid in der Leipziger„Illustrierten Zeitung" berichtet. So ist es z. B. ganz unerklärlich, daß die männliche Hirschkäfer- i a r v e bei der Herstellung ihrer Pupp-nwieg« Rücksicht auf da» künftige Geweih nimmt und größere Ausmaße verwendet als die weibliche. Da das Tier als Raupe keine solchen Zangen besitzt und seine Eltern nie kennen gelernt lzat, so kann hier weder eine Crinne- rung vorliegen noch kann die Intelligenz des Tieres so groß sein, um die Fo'gen seiner Handiungsiveifs vorauszusehen. Ein anderes Beispiel bietet das Weibchen des Rüsselkäfers, das durch einen Stich dem Blatt eine tiefe Wunde beibringt: dadurch wird das Blatt an der oerletzten Stelle Ivel? und nunmehr für ihre Nachkommen-. scherst geeignet. Der Käser rollt das Blatt In einer unglaublichen Ausdauer in ein« klein« Zigarre zusammeit, in die di« Eier gelegt werden und in der die Nachkommenschast Schutz und Nahrung ge- nießt. Wieder steht man vor einem Rätsei und kann sich nicht er- klären, wie das Tier zu dieser im höchsten Grade zweckmäßigen Handlung kommt. Ganz eigentümlich« Instinkte haben auch die Nachkonnnen unseres Matwnrm- und Oelkäsers. Die kleinen, etwa zwei Millimeter großen Larven. Triunguiinen genannt, sitzen auf den Btüte» der WIesenpstanzen auf der Lauer. Kommt ein« honigsuchendc Biene vorbei, so schwingen sie sich mit einem Satz in deren HaorNeid und klammern sich dort mit ihren Klauen fest, ohne daß die Trägerin etwas merkt. Di« Biene baut an ihrem Nest und läßt dann ein Ei hineingleiten. Diesen Augenblick benutzt die kleine Reiterin, macht unbemerkt einen küynen Sprung auf das Ei und läßt sich von der nichtsahnenden Erzeugerin in die Nestzell« einmauern. Die Larve verzehrt dann das Ei vollständig, häutet sich und enl wickelt sich nach weiteren verschiedene» Formen, die sie an« nimmt, schließlich zu dem ansehnlichen stahlblauen Maiwurmtäker. Das Mannchen stirbt bald nach der Paarung, das Weibchen bald nachdem es di« Eicr gelegt bat. Wenn die jungen Larven nach 4— 6 Wochen auskriechen, müssen sie ganz instinktiv ihren Gang ins Leben auf dem Rücke» eines anderen Tieres antreten. B. Kulturgeschichte Marstpan. Wahrscheinlich ist dies feine Mandelgebäck«in Er« zeugnis des Moraenlandes und kam von da, wie so viele«, über Byzanz nach Venedig. Die klugen Kaufleute von Venedig erlernten d'e Produktion und brachten die Ware in den Handel als panis Marci", Brot des heiligen Markus. Bei den Beziehungen Zwilchen Venedig und den Hansestädten wurde der Geschöstszweig auch nach letzteren übertragen und faßte besonders in d-m Ostsee- städten festen Fuß, von wo wir»och heute den Marzipan be- ziehen. Bestimmend für dos Gedeihen und di« Ausbreitung der Erzeugung w Lübeck. Tilsit, M-m«l und anderen Orten war jeden- falls die in den benachbarten Wäldern der Letten, Kurm und Lioen blühende Honiggewinnung, die man schon fast als fionigindustrie bezeichnen könnte. Pastor Bielenstein hat in stinen Abhandlungen über lettische Z stände Honiqbänme erwähnt, die, wie in Stock- werten, sechs Bienenstöcke übereinander enthi'lten. Wahrscheinlich waren es Luden. Vor der Ausbreitung des Anbaues von Zucker in ben Siedlungen und vor Erfindung der Zuckergewinnimn au» Runkelrüben stand der Preis der Süßmittel hoch. Die polnischen Fürsten und der Deutsche Orden bezogen davon nicht unbedeutende Einkünfte.