Nummer 17 Heimwelt 14. Mgust 1H24 Unterhaltungsbeilage öes vorwärts .......................■!■< �>"......■IIIWI■■"■UM Durch den Haperifthen WaZö. Erinnerungen an Bebel und Auer von Richard Aischer. Auer, Bebel und ich machten im Frühjommer 1893 eine Fuß- Wanderung durch den Bayerischen Wald, der damals noch nicht als Sommerfrische„entdeckt" war, Nazi— mi« Auer im parteigenossischen Freundeskreis« hieß— hatte sein« Heimatsliebe in all den Jahren, die er in Norddeutschland verlebt hatte, nicht bloß nicht erkalten lassen, sie war im Gegenteil je länger je mehr gewachsen. Soundso oft und mit vielem Stolze erzählte er uns in Verlin von den Schönheiten seiner niederbayerischen Heimat, dort gab es «och hier und da ein Stück Urwald und Urwald-Riesenbäume in Höhe und Stärk«, wie wir sie, nach seiner begeisterten Schilderung, noch nie gesehen haben sollten. Und wenn wir etwas Phantasie zu Hilfe nahmen, konnten wir später dmm seine Darstellungen be- stätigen. So schlugen wir denn eines Tages ein, unter feiner Führung die Reis« in den Bayerischen Wald zu unternehmen. Von Berlin bis Cham bracht« uns die Reichstagsfahrkarie. Dort übernachteten wir und brachen am andern Morgen in oller Frühe auf. Herrliches Frühsommerwetter begünstigte uns. Wir marschierten nie allzulange„in gleichem Schritt und Tritt". Nazi, dem sein Heimatsdialekt Musik war— die einzige, die er verstand und die sich auf„Schnadahüpfl" beschränkte—, fing mit jeder Bauersfrau, mit jedem Bauern oder Knecht, Buab'n oder Moadl, die uns begegneten, ein Gespräch an, August, dem Sprache und Landessitt« völlig fremd waren, besaß die köstliche Gabe überhaupt nicht, ein Gespräch zu führen, während Na.zi ganz ihrem Gedankengang sich anpassen und in ihrem Wortschatze sich ausdrücken konnte. Und einigermaßen konnte ich auch„mitdiskurieren". Wenn wir beide nun bei solcher Begegnung ein paar Minuten stehen blieben und Nazi mit der Kunst des Virtuosen ausfrug: woher, wohin, was, warum, wieso, wozu?— dann marschierte August in feiner raschen Gangart voraus, als gelte es, möglichst bald an die Tor« des Zutunftsstaates zu gelange». Alle unser« Neckereien waren umsonst und August mußte soundso oft im Tage aus uns warten. Und er wartete mit freundlicher Geduld und freundlichem Lächeln. Meine fchtvach« Seite waren die Kirchen, die Friedhöf«, die Ka< pellen; in den Kirchen die Altäre, Kan.zeln und Beichtstühle! die Altarbilder, die vierzehn Stationen des Kreuzwegs: aus den Fried- Häsen die Grabsteine, die Gedenktreuz«, die Totenbretter(die auch aus Straßen und Feldwogen standen und lagen), die Widmungen und Marterlsprüch«. Und gar erst in den Kapellen und Wallfahrts- kirchen die Votivtafeln und Weihgeschcnke! Entdeckt« ich gar einmal «in« besonders liebliche, kindlich geschnitzte Madonna öder einen fürchterlich malträtierten Christus am Kreuze oder auf einem Fried- Hof ein in seiner Einfachheit prächtig wirkendes, von irgendeinem Dorskünstler geschmiedetes und mit inniger Lieb« smnig verziertes Grabkreuz, darin rief ich mein« beiden„Heiden" herzu— und Schnitzereien und Schmiedearbeiten erfreuten August s Herz und Auge ganz besonders. Diese Berschiedenheit unserer Auffassung und unseres Ge- schmackes tat unserer Fröhlichkeit und Harmonie, mit der wir abseits der Hauptstraße durch Wald und Dorf zogen, keinen Ein- trag, einer richtet« sich nach dein andern, wollte einer einmal ruhen, lagerten wir uns zusammen. August— ein„Böhm". Am ersten Tag« unserer Wanderung kamen wir mittags zur „Schanze", einem einsam auf einer Hö'l>e gelegenen Vauernhof«. D!« alten römischen Legionen, die längs der Donau bis nach Ru- mänien ihre Bosatzungstruppen vo-gefchoben hatten, Haiden hier wohl gegen Norden einen Wachtposbm aufgestellt und ihn durch Wall und Graben gegen Ueberfälle gesichert. Aus dem Lager war im Laufe der Jahrhundert« ein Bau-ernhof und Bauernwirtshaus geworden, das seiner schönen Lage wegen auch Gäste aus Eham und den umliegenden Orten anzog. Heule waren wir die einzigen Gäste. Die Wirtin bedient« uns: gutes Bier in Flaschen und kalte Küche. Gar bald ivar Nazi in eifrigem Gespräcke mit ihr und die Wirtin erzählte ihm all ihre Familienfreuden und-leiden. Dreizehn Kinder hatte sie schon znr Welt gebracht und war doch noch in den besten Jahren. Als die Wirttn zur Erledigung eines Auftrages gerade ivezgegangen war, belehrt« August den Nazi, daß es sich nicht schicke, ein« Fra» nach der Kinderzahl zu befragen.„Was." lachte Nazi, der immer den Schalk im Nacken hatte,„Du willst mich lehren, was ich mit meinen Landsleuten zu reden Habel Sollst es gleich Höven!" Ms die Wirtin wiederkam, frug Nazi leutselig nach allen Familienangelegenheiten. Und wie aus einer Wassermühl« flössen die Antworten der Wirtin, die sich freut«, unter den drei fremden Herren«inen Landsmann gefunden zu haben, der„gar? so nett zu disturieren" wisse. Ein Glück, daß August den„Diskurs" nicht verstand, aber daf manchmal schnell herausbrechende übermütige Lachen der Bauer ig, Nazsts schelmisch« Züge um den Mund und seine spitzbübisch bltn» zelnden Augen ließen ihn vermuten, daß Nazi sich bei diesem nieder- bayerischen Dialog sich nie die Reserve auferlege, die Knigge in einem„Umgang mit Damen" vielleicht gezagen hätte. Nazi aber kannte seine Landsleute, er sprach in ihrer Ausdrucksweise und Gedankenwelt, ohne je die Grenze des dort üblichen Anstandcs zu verletzen. Plötzlich schlich im Hintergrund cin Mann in Unterhofen eilig um die Eck«:«s war der Wirt.„Ja, meinen Sie, der leidet eben an der Jnfaullenzia!" beantwortet« die Wirttn etwas weg- wersend NazVs Frage, ob das der Wirt und ob er trank sei. Der schelmische Nazi führte dos Gespräch lachend weiter, bis August aus den lachenden Antworten der Wirtin schlußfolgert«, daß Nazi den Vorwurf der„Insaullenzia" auch auf das Schlafgemach be- zogen hatte, was die Wirtin unter Lachen nicht verneinte. Er gab Auer einen Puff und mahnte thn, seine Spottlust zu zähmen. Die Wirtin verstand Slugust auch nicht, meinte ober, halb zur Seite gewandt und auf Bebel deutend:„Das ist w o h l e i n Böhm!" Allen Ernstes bejaht« Nazi diese Frag«, die in dem Grenzland«, wo das Sprichwort gilt:„Trau, schau wem. besonders wenn ein Böhm!" nichts weniger als eine Schmeichelei war, und erntete dafür«in verständnisvolles Blinzeln der Frau. Mich hielt sie, weil ich ein« Brille trug, für einen Doktor. Auch diese Frage bejaht« Nazi. Nun ließ die Frau an mir nicht mehr locker, ihr doch für ihren Mann etwas„gegen die Insaullenzia" zu verschreiben. Auf einen Wink vom Nazi schien ich nicht ganz abgeneigt zu sein, auf den energischen Protest August's lehnte ich ab, was die Frau noch mehr gegen den„Böhm" aufbrachte. August hielt uns dann eine scharf« Strafpredigt über unfern leichtfertigen Uebermut, lackend verteidigten wir uns und entfernten uns d- nn, nachdem wir über den einzuschlagenden Weg uns von der Wirtin hatten unterrichten lassen. Kaum waren wir fünf Minute» weit gegangen, als wir vor einem Kreuzweg standen, von dem nicht weniger als drei Weg« nach rechts abgingen, während wir„den Weg nach rechts" ab- biegen sollten. Ich mußte also zurück, um den rechten Weg zu er- fahren. Nun die Wirtin mich aber allein hatte, machte sie noch- mals einen dringlichen Versuch, etwas„verschrieben" zu erhallen, und lachend erzählte ich bei der Rückkehr, daß ich mir gegen die Wirtin nicht amders Hab« Helsen können, als daß ich auf«in Notiz- blatt ein paar unleserliche Wort« geschrieben hätte. Auch darüber war aber August noch ärgerlich, während Nazi den Scherz sofort durchschaut hatte. Noch lange Zeit später gab uns der„Böhm" oft Anlaß zu Scherzen. Bebel und Bismarck. Am ersten Nachmittag unserer Wanderung durch den Boye- rischen Wald besolgten wir den Rat eines Bauern, den Weg„ab- zuschneiden". Ein Fußweg, den man nicht verfehlen könne und der mitten durch den Wald führe, kürze uns den Weg der Fahr- straß« ganz bedeutend. Uns lockte der Weg durch den Wald. Er war auch prächtig. Während draußen auf den Wiesen schwälende Sonnenglut, brannte, gingen wir im herrlichen Tannenwalde, deir ab und zu«in Schlag Buchenwald durchbrach, in angenehmer Küble und gedämpftem Lichte plaudernd unfern Weg. Kein Laut außer Finkenschlag und dem Widerhall unserer Stimmen unterbrach die Kirchenstill« des Waldes: allmählich fanden wir, daß die uns an- gegebene Zeitdauer für die Waldwanderung reichlich überschritten sti. und auf einmal war auch der Weg unter unseren Füßen ver- schwunden. Zurück gingen wir: rechts bogen wir aus, links— wir fanden keine Fuß- oder Wegspur außer der. die wir gekommen nxn'en und die ganz zurück zu verfolgen zu lang« gedauert hätte. Auf Geratewohl gingen wir so ein halbes Stündchen kreuz und quer durch den Wald, ob wir nicht doch einen Menschen oder einen Weg finden könnten: das unangenehmste war, daß es all- mählich zu dämmern anfing und weit und breit auch nicht«in Laut auf unsere Rufe antwortete. Plötzlich war mir, als hörte ich einen Arttlang: wir standen still«:„Nein, man hört nichts!" Kurz darauf erscholl wieder«in Axthieb dann noch einer und noch einer. Nachdem wir uns über die Schallrichtung gceinigt hatten, gingen wir darauf zu. Ikber ein« geraume Weile schimmert« etwas Weißes durch die Stamme: ein Holzfäller in Hemdärmeln! Er war über uns nicht weniger erstaunt als wir über ihn erfreut! Während er uns auf den Weg nach Heiligblut führte, kamen wir mit ihm ins Gespräch. Er erschien uns als ein kräftiger Sechziger, erklärte aber, 82 Jahr« alt zu fein und eine noch«ganz junge Frau" zu haben: es stellte sich dann allerdings heraus, daß diese„ganz junge Frau" nur im Verhältnis zu ihm ganz jung war: sie zählte auch schon Sv Jähret und daß das„jung" gleichbedeutend mit kurz verheiratet ,war! Wir hatten in unserem Handgepäck noch«in paar Berliner Butterbrötchen, die wir ihm anboten. Wie wundert« er sich über das weiße Mehl der Brötchen! er aß sie nicht, er steckte sie ein: dainit wolle er seine Enkel beglücken! Aber als er von unserm Kognak kostete, da ging es wie« n Leuchten über sein Gesicht und seine Zunge schlürft« das«dl« Naß, als wäre es Nektar der Göttertrank! So was Feines hatte er in seinem ganzen Leben noch nicht gekostet! Seine Augen leuchteten, so oft wir ihm anboten. Zuletzt wurde«r ganz gesprächig: seit seiner Jugend, als er sich „zur Assentierunq(Rekrutierung) gestellt" hatte, in Cham drüben, war er nicht mehr„aus dem Walde" herausgekommen! Jahraus jahrein hatte er als Holzknecht gearbeitet: er hatte geheiratet, seine Kinder erzogen, Kinder und Weib begraben— alles„im Wolde".— Er hatte auch noch nie in seinen: Leben eine Eisenbahn gesehen, die Welt da draußen war ihm«in Geheimnis, nach dessen Lüftung er kein« Begierde trug. Die Politik war ihm gleichfalls ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch und da er nicht lesen konnte, wußte er auch nichts von Zeitungen. Aber«ine Kunde war auch in fem« Waldeinsamkeit gekommen: die Kund« von einem Volts- mann, der für dl« Arbeiter gesorgt habe! Man kann sich unser Erstaunen vorstellen, als«f uns den Namen dieses „Voltsmannes" nannte: Bismarck! „Bismarck?" —„Ja. Bismarck! Das sei noch ein rechter Mann! Der habe für die Arbeiter gesorgt! Jetzt brauche«r nur alle Quartal seine Frau aufs Bezirksamt„eimschicken"— nicht einmal«ine Eingabe brauche er zu machen!— und da krieg« si« seine—„Pension"! Und wie schön sei das! Früher, wenn so ein Alter, wie er, am Sonntag auch mal ins Wirtshaus gegangen fei und«in oder zwei ..Stamperl" Schnaps getrunken habe, da hätten ihn die Bauern „schiach"(scheel) über die Achsel angesehen und voll Verachtung zu verstehen gegeben, daß der„alte Schnapser" doch bloß auf ihr« Kosten„lumpe":— jetzt sei das ganz anders: jetzt verzehre er fein Geld, sein«—„Pension", könne sich neben den Bürger- Meister setzen, und wenn diesem das nicht paff«, so könne er— und nun zitterte der �autochthone Bajuoar«, der nie etwas von Goethe und seinen Götz von Berlichingen gehört hatt«, ganz riehtig und wortgetreu das im ganzen Bayernlande wohlbekannt« Zitat! Nazi konnte natürlich das„Frozzeln" in diesem Augenblicke nicht unterlasien, er kniff sein linkes Aug« zu und sagte ganz Harm- los zu Bebel:„Na, August, was saast Du nun?" August lächelte, denn er verstand Nazi's Bosheit! Aber Nazi wandt« sich jetzt an seinen Landsmann und meinte:„So, so, Bismarck hat Dir«in« Pension ausgesetzt?"--„Na, na," unterbrach ihn der bieder« Waldler.„j«der Arbeiter kriegt jetzt so ne Pension!"—„So, j«ber Arbeiter— ober, sag' mal, Host Du nie was von einem anderen Volksmann gehört, von einem August Bebel?" Von diesem hott« nun der prächtto? Alte nie ein Wort gehört. er wüßt« auch nichts von der Sozialdemokratie und ihren Be- ftrebungenl Als«r uns aus den Fahrweg nach Heiligblut gebracht hatt«, verabschiedet« er sich voll Dank und Freude über das gespendete kleine Trinkgeld, das in seinen Augen viel höheren Wert darstellte als in unseren, und wir gingen fröhlich Heiligblut zu. August mckcnd! Armer August! Wie oft mußt« er in späteren Jahren noch unser« Neckerei ertragen über den„Volksmann Bismarck"! Dorfabenö. Von Otto Köhler. lue Glut des Tages ijt vorübergebrcmnt und zerrt matte Schatten huiter sich her. Alles ist M und müde. Nicht ein Vogel schlägt seine Stimm« in die stumpfe, träge Lust, nicht ein Wind bewegt das Achrenmeer, das wie goldgelber Samt über sanfte Hügel und Hänge gebreitet ttegt und nicht«in Wald und nicht ein Busch, der nicht im Warten hängt: im Warien um die Nacht, um den cchlaf. So taub liegt das Schweigen der Lust über allen Dingen, daß sich mein Ruf nicht sortpslanzen kann, so taub, daß auch ich müde werde und benommen. Ick, singe mcht ein Lied, ich denke keinen frohen Ge- danken. Nur schreit«� schreiten, langsames, wmrfchloses Schreiten. Ein Prometheus, seftgeschmiedet an den schroffen Felsen der Stim- mung.— Und immer wieder nur Schreiten durch Schluchten und Wälder, Weizenpäss« und staubige Straßen in die erstarrte Land- schast. Kiefernwälder und kühle Gärten zu meiner Linken blicken mich mit matten Augen an ml« duftlose, glasige Gemälde alter Mörchenbilder. Langsam sickert die Nacht über die ersten versteckten Dorshäuser, über den nahen glatten See und durch die Linden- baldach.ne der Dorfftraße, in der längst schon das Spiel der Kinder ««rftnninrt ist. Ost könnte ich mir und gut vorstellen: vor den Gärten und in den Friodhösen stünden riesige Zypressen, deren zitternde Kronen bis in die ernstkühlen Bezirk« des blauen Schweigens stechen, irgendwo im dichten Wald« läge«ine verborgen« Ruine, von der aeheimnis- voller Zauber und ängstliche Schreie der Eule zu mir herüber- drängen und fern cnn Horizont gleit« über silberne Rebenhäng« der letzte gelb« Gruß der sinkenden Sonne. Es muh wohl so fein, daß dem Ansässigen, dem Hiesigen, dem Märker immer fremde Bilder und rmmer fremde Sehnsüchte die Ruhe zerreißen: es muß aber auch sein, daß?hm durch alle Farbe», und' Heimaten die eigene, eine Heimat brennt, ewig innen brennt und ihn verzehrt, so«r ihr nickst folgt. Diele haben es fertig gebracht, chre Sehnsucht zu unterdrücken, so wie man täglich kleine Uew arten unterdrückt, viel« habe,, sie aus ihrem Leben gewiesen und haben sich selbst dabei des Lebens entsagt und viele wissen deshalb auch nicht um rhre Heimat. Aber Glück und Heimat erkennt man erst, da man es verliert: doch dem wahren Menschen ist Berlore.r- heit Gewinn, so w e ihm Leiden Lehren sind und mütterliche Hände. Ich liebe noch die Sehnsüchte und die Leiden: noch die Mädchen und Blumen und nenn« nur zeitweilig den Namen der Mutter. Morgen die Ferne, heute die Mark, heute die Landstraße, den Dorf- abend mit fernen von Ernten pkmlternden und ruhend rauchenden Bauern vor ihren Häusern und Gärten. Um dies« Zeit ist unter den Männern jeglicher.Haß und Zwiespalt geflohen, wenn sie so noch der Arbeit sitzen. Zu ihren Füßen lagert die Dämmerung und der Feierabend. Kein Fluch unterbricht den Frieden, kein Viehlaut, kein Tanz und keine hitzige Musik:«s ist noch nicht Sonnabend nach den Ernten. Hier inmitten dieser traulichen Häuser duftet es wieder nach Lupinen, denn die bedrückende, beklemmende Lust hat nicht Gemalt, bis m die Gaffen zu dringen, sie liegt wie feindliche Wesen über den Wäldern und Landstraßen, von denen nur zu Zeiten dünnes Ge- rausch später Heuwagen herüberweht. Fern über dem Sc« erhebt sich eine Vahnböschung. auf der ein« einsame, wuchtig« Lor« in den Himmel ragt. Dics« Nacht, diese Dorfnacht nur ist so schön. Man wird weiter draußen bleiben. Kein Laut, kein Windhauch. Denn es ist Nacht. Nur schreiten, schreiten, langsames Schreiten voller Sehnsucht.--- Oer Teufel und öer Menfih. Don Erna Büsing. Ein Mensch tat einen tiefen Schlaf am Fuße eines Berges. Di« guten Gedanken und das gute Wollen der Menschheit gingen als Engel durch seinen Traum. Und die Engel wollten ihn beschen» ken, und sie ließen ihn Menschenleben sehou.> Da war ein alles Mütterchen. Sein« Körperkräft« waren schon stark herabgemindert,«s hatte schwer mit wirtschosttichen Sorge>, zu tämpfsn, und dennoch nahm«s sich eines verlassenen Kindleins an. Es wußte, daß der Vater sich nicht um das Kind kümmert« und die Mutter sich seiner schämte. Als Antwort darauf gab dach alte Mütterchen dem kleinen Wesen seine ganze Liebe. Und da» Kind lächelte froh, lebensunbewußt, und das alte Mütterchen nahm dankbaren Herzens die selbstgewählt« Bürde auf sich. Ein Engel aber neigte sich zu dem Menschen und fragt«:„Soll lch Dir das Mitleid schenken?" Darauf sah der Mensch«inen geveiften Mann. Em heimlich«» Feind,«in Freund des Dunklen und der Intrige, hatte ihn unt sein« Stellung und um die Ehr« bei den Menschen gebracht. DockJ nrm gereute den Missetäter sein Tun, und er stand zerknirscht vor dem Manne. Der streckte ihm in Versöhnung seine Hand entgegen, ging aufrecht seines Weges und schuf sich ein neues Leben. Em Engel fragte den Menschen:„Soll ich Dir dos Vergeben- können schenken?"! Hernach sah der Mensch einen Jüngling. Der war in Prunk, Wohlleben und Weichheit erzogen.- Aber er verließ sein elterliche» Haus und ging unter fein« Arbeitsbrüder. Er faß hinter Büchern und rechnete, er stand an der Maschine und wurde ihr Handianger,' er verlebte mit einfachen Menschen sein« Feierstunden und horcht« auf. Mit ganzer Seele trat er für seine Arbeitsbrüder ein. IM Zusammengehörigkeitsgefühl mit der Mass« sagte er:„Ich veti stehe meine Mitmenschen, daher lieb« ich sie."> Und ein Engel fragte den Menschen:„Soll ich Dir das Ber- stehen schenken?" Da kam das eingeschlafen« Gewissen der Menschheit, der Teufel, und zeigte dem Menschen die Gewalt. Und der Mensch grlff zu und Macht wurde sein einziger Gedanke. Im selben Augenblick stand der Egoismus vor allen Menschheitsfragen. Der Mensch stampfte über die Erde, brutal, waffenklirrend, das Gesiihl zertrat er, und den Versiand machte er sich Untertan. Die Gewalt war sein Recht, und sein Erfolg ließ Philosophen erstehen, die. seinen uneingeschränkten Machtrausch alz Guttat an der Menschheit begründeten. Des Geldes bemächtigte er sich und der Maschinen, und seine Macht wurde, für sich— schaffend, für andere— zerstörend. Er raffte und raffte, und um seines Ueberfluffes wegen schwand da» Wohl anderer dahin. Hohn hatte er für die Armen und Schivachen und sagte:„Euer Leben und das Leben Eurer Kinder ist nrir v«r- fallen." Immer ichsüchtiger wurde er und betet« schließlich seine» Ratgeber in sich selbst an, und die Leute sagten von ihm, er sei ein Großer im Zeitalter des Kapitalismus. Der Deutsche Reichstag. Von F r I t? Müller, Chemnitz. Seiner Regierungsform nach ist der Deutsche Reichstag eine Monarchie. Er hat �war keinen Kaiser, wohl aber«inen König, einen Koenig, zwei Graes« und einen Herold. Auch sind die Fürstennamen Albrecht, Dietrich ltzmall� Leopold und Philipp vertreten. Obwohl die Titel abgeschasst-Pnd, gibt es im Reichstag eine Erkelenz. Di« einzelnen Länder find nur unvollkommen vertreten. Es ist kein Preuß� kein Bayer oder Payer vorhanden, wohl aber ein Sachs, ein Düringer, ein Rheinländer und ein B ö h m e. Ein« bekannte Industriestadt hat Kemnitz, ein Gebirge Steger- w a I d, die Bergstraße Bergslräßer, eine Stadt am Bodensee Lindau und Holland Haag als Abgeordneten. Hinsichtlich des Glaubensbekenntnisses herrscht das Heidentum ziemlich stark, z. B. Heydemann und He y de b reck. Kein Wunder, wenn solche Leute in die Hölle in kommen! Es gibt im ganzen Reichstag nur einen C h r i st. Reichlich sind hingegen bib- lische Gestalten anwesend, wie der Stammvater Adam, der König David, der Erzvater Jakob, sein Sohn L e v i, der Jünger T h o- m a s, zwei Simon und I u d a s ch Jscharioth. Nicht zu vergessen sind auch die heilige Agnes, Sankt Florian, der heilig« Mar- t i n urrd der durch Scheffel berühmt geworden« B« i d t von Staffel- stein. Berühmtheiten aller Zeiten und Länder hoben ebenfalls Sitz und Stimme, so der Polarfahrer Andre, Ritter Goetz von Ber- lichingen, der Waffenmeister Hildenbrand, der Zauberer K l i n g s p o r, der Freiheitsdichter Körner, der Altkanzler Bis» marck, Wieland der Schmied, Marx, der Theoretiker des So- ziollsmus, und der Eßkünftler Fletcher. Der Reichstag ist ferner eine geradezu ideal« Berufsständcver- treiung. Die Grundlage bildet die Landwirtschaft. Da gibt es ein«n Bauer, einen F e l d m a n n, zw«i H o f m a n n, vier Schulzen, «inen B o g t und einen S a u p e.— B ae ck« r und Becker sorgen, nachdem vier Müller das nötige Mehl geliefert haben, dafür, daß Brodaus den Tisch kommt. Ein Fleischer, ein Fischer und ein Biener schaffen, was sonst noch zum Essen nötig ist. Zwei Köche verderben den Brey, während zwei Esser«ine Vorliebe für Kaa s haben und im Ruckdäschel davontragen, was sie nicht verzehren können. Trinkgelegenheit gibt es mehr, als manch- mal gut ist. Ein W i r t h, zwei männlich« und ein weiblicher K r ü- ger, sowie ein Kröger, walten ihres Amtes. Es gibt auch«inen Zapf, ein«n Seidel und einen S ch ö p f l I n für den M o st. Saeng«r und Pfeiffer liefern die Tafelmusik, während der Klöckner den Seger auszieht. Der Schreiber hat seine Feder, der Schneider und Weber den Fleck, der Schütze den B o l z, der S t o« k e r den Stock, und Holzamer, fünf Schmidt« und ein Silber- schmidt stellen Rädel und Nagel her, während der weiblich« B ä u m c r mit Z u b e i l, Keil und B r e i t s ch e i d drauflos- arbeitet, daß der Spahn nur so fliegt.— Sonst sind noch ein G e i s l e r, ein Glaser,«in L a d e m a n n, ein A u f h ä u f e r für den Damm, ein Steiger,«in Schiffer, ein Schröter, ein Ahl« mann, zwei Schumann er, ein Chemiker« Abzmeigung vom Altägyptischen Hier in Afrika sind dann gleich noch zwei große Sprachstäinnte zu erwähnen, erstens die Sud an sprachen(Elve in der früheren Kolonie Togo, Alchanti u. a.); zweitens die Ba n t u- sprachen, wozu z. B. das Suaheli gehört. In Asien nehmen die Türk sprachen ein weltes Gebiet ein, deren östlichster Vertreter das Jakutische ist. Der größte Sprach- stamm jedoch ist der i n d o- ch! n e s i s ch e, zu dem das Chinesische (300 bis 400 Millionen Sprecher), das Tibetische, Siamesische nsw. gehören.— Die in Südind'ie» gesprochenen Sprachen sind nicht arisch, sondern bilden den besonderen Dr a v i d a sprnchstamm. Ein lehr großes Gebiet nimmt der in a la! i s ch- p o l y n e- fisch« Sprachstamm ein. Die wichtigsten Sprachen sind das Malaiische und Javanische. Malaiisch ist auch die Sprache der Hova in Madagastar. Der Stand der Frauen, mahllich ist ein harter Stand. E u r i p i 0 e s. Alle Vclker, die Gefittung hatten, haben die Frauen geachtet. Rousseau. Wissen und Schauen yewald und der„Hewdlder Anzeiger". Zu den reichsten Millionen- dauern in Schöneberg bei Berlin gehörte Albert Hewald, der vor jetzt etwa einem Vierteljahrhundert verstorben ist. Schon der Vater Albert Hewalds halte aus dem Verkauf von Lündereien in Schöne- berg ein riesiges Vemögsn erworben, und die an den Sohn ver- erbten Lündereien wuchsen weiter jeden Tag an Wert. Albert Hewald war ein völlig ungebildeter Mensch, dessen einziges Ver- gnügen lange Jahre darin bestand, mit seinem„Hofmeister" in einem extra eingerichteten Trinkzimmer jeden Tag ungeheure Quantitäten Alkohol zu oertilgen. Schließlich kam Hewald auf den Gedanken, eine Zeitung herauszugeben. Er ließ sich in seiner Villa eine Druckerei einrichten, ging einige Wochen zu einem Buchdrucker in die Lehre, und dann erschien der„Hewalder Anzeiger"— allerdings ganz unter Ausschluß der Oeffentlichkcit..Höchstens das Dienst- personal durfte einmal einen Blick in dieses Schöneberger Weltblatt tun. Hewald war Verleger, Redakteur, Thcaterkrititer, Musik- rezensent, Lokalberichterstarter, Kunstrcfevent, Setzer und Drucker in einer Person. Er nahm in seiner Zeitung auf, was ihm gerade in den Kopf kam-- Politisches, Wirtschaftliches, Lokales usw. Hatte er irgsidwo eine Notiz gelesen, die die Sternkunde betraf, so modelte er sich den Inhalt in seinem Kopf zurecht und brachte es in die Zei- imrg. Daß dabei fast immer recht großer Unsinn herauskam, zumal Hewald von den Regeln des Satzbaues und der Orthographie rncht viel hielt, das kümmerte den Herausgeber nicht, kam ihin auch gar nicht zum Bewußtsein B-.liebt ivaren bei ihm die alten Bauern- regeln, und diese setzte er auch seiner Zeitung öfter als Leitwori vor. „Wenn die?lauche stinkt und der Floh dich beißt, dann gibt's Regen schon am nächsten Tage meist", diese alte Bauernregel wandte er öfler an. Hatte Hewald am Nachmittag genügend getrunken, so fing er auch öfter an zu dichten. Diese selbstfabrizierten Gedichte kamen dann auch in die Zeitung. Den Frauen widmet« er einmal solgondes Gedicht:„Die Frauen sind wie Zucker, doch sind's auch große Mucker, sie sind manchmal wie Honigseim, doch darf man keine frein" Seine eigene Flau lzatte ihn frühzeitig verlassen, wurde aber von ihm reichlich mit Geld beliefert und vergnügte sich auf ihre Art in einer Villa in Potsdam. Die glücklichen Erben Hewalds sollen nach dessen Tode sänitliche»och auffindbaren Exein- plare des„Hewalder Anzeigers" vernichtet hoben, ober da und dort dürften einzelne Stücke dieser eigenartigen Zeitung doch noch auf- bewahrt werden. Ei« gehören jedenfalls mit zu den größtoa Kuriositäten des Zeitungswesens. A. M. Kulturgeschichte Minist lUlM Die Geschichte der„Sterne und Streifen". Der Ursprung der Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika, des Sternenbanners, ist recht wenig bekannt. Im Jahre 1775 wurde ein Ausschuß ein- gesetzt, der ein« gemeinsame Flagge für die dreizehn Kolonien ent- werfen sollte, aus denen die Vereinigten Staaten ursprünglich nach dem Unabhängigkeitskriege, der sie von der englischen Herrschaft frei- gemacht hatten, bestanden. Die Flagge, aus die man sich einigt«, unter- schied sich nicht ivesentlich von der jetzigen, ausgenommen dadurch, daß sie nur dreizehn Stern« trug, die zusammen mit den dreizehn roten und weißen Streifen die dreizehn Staaten symbolisierten. Durch Kongreßbeschluß vom 17. Juni 177? wurde die amerikanisch« Flagge endgültig eingeführt: aber erst später wurde bestimmt, daß die Htreifc» aus sieben roten und sechs iveißen Bändern bestehen sollten, und es gibt noch einige sehr alt« Flaggen mit sieben weißen und sechs roten Streifen. Man hat lange geglaubt, daß der amerika- nifche Adler und die Flagge aus Washingtons Familienwappen ent- nommen seien, doch ist das nicht sehr wahrscheinlich, da Washington «inen Rabe» und einen Adler im Wappen führte, allerdings aber horizontale rote Balken, beschienen von roten Sternen. Jndcsien hat man hier vielleicht die Inspiration zur amerikanischen Flagge geholt, deren tiefe Bedeutung war, daß jeder Staat der Union in der Nationalflagge mit einem Stern und einem Streifen vertreten sein sollte. Als später dazugekommene Staaten anerkannt wurden, so Vermont 1799 und Kentucky 1792, handelte man nach diesem Grundsatz und vermehrte die Zahl der Sterne wie der Streifen von dreizehn ans fünfzehn. Einige Jahre später betrug ihr« Zahl schon 25. aber schließlich fand man das System unpraktisch, und 1813 beschloß man daher, zu der ursprünglichen Zahl von dreizehn Strei- fen zurückzukehren, aber dafür die Anzahl der Sterne bei jedem neu dazugekommenen Staat zu vermehren, so daß man aus den Sternen der Flagg« genau ersehen kann, aus wieviel Staaten die Union besteht, liebrigens hat jeder der Unionstaaten auch noch sein« eigene Flagge, häusig mit einem englischen oder lateinischen Motto. Naturwissenschast Eine untrennbare Ehe. Die Liebe, die die Menschen im Ehe- frund auf xwig einander ketten soll, erweist sich leider nicht immer als stark genug, um die Trennung zu verhindern. Es scheint, als ob solch« idealen Fesseln nicht die nötige Stärke besitzen, um alles Widerstrebende auszulöschen. In der Tierwelt ist die Natur in dieser Beziehung wenigstens in einem Falle vorsichtiger gewesen und hat Mann und Weib so eng miteinander verbunden, daß sie nicht auseinandergehen können, ohne zu sterben. Diese merkwürdige Herstelbug einer untrennbaren Ehe ist, wie in„Reclams Universum" erzählt wird, bei dem heiligen H uia vogel der Maori erfolgt. Das Männchen besitzt nämlich einen beilsörmigen, kurzen, fpccht- arttgen Schnabel, mit dem es Löcher in die Bamnrinde und Stämme zu hacken vermag. Das tief in den Löchern ätzende Ge- würm ist ihm aber unerreichbar, und so müßte dem das Männchen verhungern, wenn ihm nicht die Natur«irr Weibchen mit einem dünnen, langen und gebogenen Schnabel zur Seite gegeben hätte. Mit diesem Schnabel kann das Weibchen wie mit einer Pinzette die Larven und Maden aus ihren Schlupfwinkeln hervorziehen. nachdem das Männchen die Löcher gebohrt hat. Die beiden Tierchen find also vollständig aufeinander angewiesen, und wenn sie auf den Einfall kommen sollten,«inander zu vevlassen, dann müßte jeder der beiden Gatten unfehlbar zugrunde gehen. Die„ideale Ehe" in Freud und Leid, in fetten und mageren Zellen ist also hier ge- währleistet, und es zeigt sich wieder einmal, daß der Hunger doch noch ein stärkeres Bindeglied im Ehelsben ist als die Liebe.... künstliche Flohstiche. Das Wasserleitungsvermögen des Gewebes wird vom Säuregehalt des Organismus in weitestgehender Weis« reguliert. Sammelt sich aus irgendeinem Grunde im Organismus Säure an einer Stelle an. so findet ein« Flüssigteitsanhäufung, eine als Oedem bekannte Quellung statt. So sammelt sich bei Störung des Blutkreislaufes Säure an, es entsteht ein Stauungsödem: oder es wird von außen her Säur« in das Gewebe gebracht wie beim Insektenstich. Deiarlig« Oedemerscheinungen lassen sich auch nach- ahmen. Sticht man z. B. mit einer Ameisensäure enthaltenden In- jektionsnadel in eine Gelatineplatte und bringt sie dann br Wasser. so quillt die gestochene Stelle stark auf: man hat«inen„künstlichen Flohstich" erzeugt. Völkerkunde Seltsam« Tabakspseisen. Di« Tabakspfeife hat bekanntlich bei uns die mannigfachsten Formen auszuweisen. Zurzeit herrscht bei uns die kurze Pfeif« vor, aber auch die halblang« Pfeife, die so- genannte Jagdpfeis«, hat ihr« Verehrer. Di« lange Pfeife, früher als Studenlenpseif«, auch in Rauchklubs beliebt, ist gänzlich ver- schwunden. Von orientalischen Pfeifen ist bei uns das Tschibuk und das Norgilch bekannt, aber es gibt viel mehr Formen. Das Vor- handcnsein nationaler Pfeifenformen hat schon vor fimfzig und mehr Jahren zu der Vermutung Anlaß gegeben, daß die Pfeife' in Europa viel älter ist als man früher annahm. Ein« solche Verschiedenheit braucht Zeit zur Entwickelung. Tatsächlich hat man ja denn auch schon Pfeifenköpfe in vorgeschichtlichen Gräbern gefunden. Auch die römischen Soldaten haben geraucht, vielleicht nicht die gebore- nen Römer, aber im römischen Heer« dienten ja auch Thraker. Skythen, Syrer und sonstiges Volk. Was für ein Kraut sie damals, als man den Tabak noch nicht hatte, geraucht haben, ist noch unklar: vielleicht Hanf, Bilsenkraut, Tollkirsche oder dergleichen. Die größten Pfelfenköpfe haben die Bali in Kamerun, hergestellt aus riesigen Kürbissen. Aber auch aus Ton brennen sie sich Pfeifenköpse, manch- mal mit originellen Verzierungen, humoristischen DarstellunWii, Karikaturen von Europäern u. a. m. Da der afrikanische Pfeifen- ton eine ziemlich brüchig« Masse ergibt, ist die auf dl« Herstellung der Pfeifenköpse verwendet« Kunst und Arbeit um so mehr zu be- wundern. In Uganda, weiter östlich in Mittelasrika. liebt man riesig lange Pfeifenrohre aus dem dort wachsenden Schilsrohr oder auch aus Holzstämmen, deren Mark herausgebrannt ist. Rohre aus Eisen befinden sich in Ostafrika bei den Wanyamrvesi. Hier hat sich vielleicht ein Brauch aus uralten Zeiten erhalten: manche Kultur- forscher neigen zu der Ansicht, daß die Eisengravierung und-bcar- bciiung überhaupt eine Errungensthast ist, die wir dem vorgeschicht- lichen Afrika oerdanken. Pfeifenköpfe, die menschliche Figuren dar- stellten, hatten auch die alten Azteken in Mexiko. Wi— vom Nlenschen ZNaul- und klauenseuckze beim Menschen wird seit dem Krieg« häufiger beobachtet als früher. Di« Uebertrogimg geschieht am häusig- sten durch den Genuß roher Milch von kranken Kühen! feie kann aber auch durch direkte Berührung mit dem Vieh Melken!) oder durch den Genuß von Käse, Schlagsahne. Butter und dergleichen oder auch direkt durch Fliegen erfolgen. Der Erveger ist beständig gegen Trockenheit und Kälte, bei Temperatur über 89 Grad stirbt er ab, also beim Kochen der Milch. Die Ansteckung kann auch durch kleine Hautwunden erfolgen, bleibt dann gewöhnlich isoliert und führt nur zu leichten Reizerschemungen in der Mundhöhl« und zu leich- teren Allgemeinsymptomen. Das Fieber ist beim Menschen meistens auffallend niedrig, der Picks klein. hören mik dem Rückgrat. Oer merkwürdige Fall eines Taub- stummen, der vermittels seines Rückgrates Musik hört, beschäftigt gegenwärtig die Schweizer Aerzle. Ein junger Berner namens Eugen Butermeifter, der taub geboren wurde, betrat kürzlich den Berner Kurjaal und war überrascht, daß er Musik„hören" konnte. Er nahm die Schallwellen nicht mit den Ohren, sonder» mit dem Rückgrat auf.„Mein Rückgrat", erklärt er.„scheint eine Art Leiter von Schallwellen zu sein, und ich fühle genau, wie die Wellen durch das Rückgrat auswärts zum Gehirn steigen. Die Aerzi« haben die merkwürdige Erscheinung untersucht und gesunden, daß der Taub- stumm« die einzelnen Melodien genau unterscheiden und die Jnstru- ment« angeben kann, die spielen. Er kann sogar„hören", wenn Leute zwischen ihm und dem Orchester stehen. Butermeister kann die menschlich« Stimm« oder ein lautes Geräusch in seiner Nachbar- schaft nicht hören und„spricht" nur mit Hilf« der Zeichensprache.