Nummer 24 14. November 1424 „ HeinnvM� ilnterhaltunHsbeilage öes vorwärts <-ic> � Leoni«. Von Henri Barbusse. Al» Leonie aus Pari» in da» Dorf zurückkehrte, regnete e» an diesem Abend. Aus dem Dorsplatze hatten sich die Kinder»er- sammelt und erwarteten da» Mädchen, um es auszulachen. Leoni« hatte, als st« noch Pari» gezogen war, versprochen, dort reich zu werden, und stehe da: sie kehrt« ärmer, al» sie je gewesen war. zurück. Der Tag ging gerade zur Neige, als das groß« Mädchen aus dem Bahnhofsgebäude in einer Haltung herauskam, wie man sie hat, wenn man ein Gefängnis verläßt. Im gelblichen Nebel der Coelestinengaffe sah man die gutmütige Silhouette de» Mädchens auftauchen, in dieser Gasse, die, von Wagenfpuren zerfurcht und schlecht gepflastert, wi« das schartige Rückgrat eines alten Droschken» gauls aussah. Als Leonie die Gass« hinabstieg, schwellte und rollt« der Wind ihren grmien Rock und den farblosen Schal dem Abend entgegen. Das Heimatdorf bereitete ihr«inen schlechten Empfang. Wo sie vorüberging, schloffen sich die Fenster, wurden die Nasen gerümpft, Die alten Leute, die ihr guten Tag boten, taten es sehr zerstreut. Gefährten und Gefährtinnen vom Borjahr« betrachteten sie mit leeren Augen, die nicht zu erkennen schienen— wo man sich doch bei einigem guten Willen erkannt hätte Nach ihrer Abreise flügge gewordene Jugend wandte sich ab, als hätte man s« unterrichtet. Man konnte ihr nicht verzeihen, daß sie keinen Erfolg gehabt hatte. Sie war schlimmer als sreniid geworden. Verstohlen blickte sie nach rechts imd links. Sie beschleunigte ihren Schritt, sie keuchte, st« iveinte Schweiß, si« flüstert« verlegen ihr„Tutu", das sie fett ihrer Kindheit gewohnt war. Ihr schwarzer Hut sah wie verwitwet, wie degradiert aus. Si« wandte sich zum Hause ihrer Schwester, zuin einzigen Asyl, zur einzigen Verwandten. Vor der Tür blieb sie stelM» und flätete ein ersticktes„Tutu". Wie ein« Bettlerin streckte sie die Hand aus und ergriff schwerfällig den Glockenzug, der sich in semem Winkel zu verstecken schien. Die Tiir ging aus: die magere Frau Diez« erschien und betrachtet« ihr« Schwester. Acht Sie war weniger lebhaft und heiler, als wie sie in dl« Hauptstadt gezogen war, um sich auszubilden und viel Geld zu verdienen. Damals hatte sie ein so unschuldvolles und fröhliches Gesicht, daß man sie fast darum beneidete. Als Frau Diez« di« groß« Leoni« so besiegt und zermürbt vor ihrer Tür stehen sah, beschlich si« ein Gefühl der Scham(lvas würden die Leute sagen?): innerlich aber frohlockte sie, und dieses Gefühl kam aus ihr selbst. Di« Augen zun» Himmel austchlageiid, rief si« den Schatten des Herrn Diez« an: heuchlerisch bedauert« sie, daß er diese erbärmliche Rückkehr, die mit Frau Diezes gehe! nisten Hoffnungen so sehr übereinstimmt«, nicht mehr sehen konnte, da er im Vorjahre ahnungslos verschieden war. lind nach einer Paust sagte sie zu ihrer Schwester: „Du bist es?" Leoni« wollt« fast«in Lächeln versuchen, aber sie rieb nur ver» legen die Hände und verzog mit einem Achselzucke:, den Mund. Ihr Sklavenrücken beugte sich und zog durch das schwarze Türloch in» Haus vi». An den folgenden Tagen streifte Leoni« durch die Gafstn. Der Empfang, tun man ihr am ersten Abend beleitet harre, änderte sich nicht. Üebervll stieß sie aus die gleichen, gelegentlich mißttauischen und bvshajten Gesichter. Nein, sie würde sich nie mehr an diese Leute gewöhnen, von denen sic.korlgezazen war. Die Leute genierten sich gar nicht vor Leonie. die Leute zeigten ihre Seel« ganz nackt. Wild, stlbstjüchtig und habgierig, das loarei» sie alle. Und mehr noch: knechtisch in, Angesicht der Macht, hatten sie nur vor den Bedienten des dörjlichen Schlosses Respekt. Das Schloß in feiner phantastischen Gestalt herrschte über das Dorf schlim» mer noch eis die Kirche. Di« Heimgekehrt« fand sich so von allen Seelen verlassen, sah bei jeder Begegnung überall so verschlossene Gesichter, daß ihr eines Abends sogar eine Kuh auffiel, die sie ohne Bosheit. betrachtete. Ein andermal rührten sie di« Zeichen, welche ihr die vor der Pfarre stehenden Pappeln gaben, all« gleichförmig zu beiden Seiten der Stembank, die— immer am gleichen Platz— sie wie ein Mensch im Schatten erwartete. Man wollte sst nicht mehr. Sie fühlte es. So konnte es nicht mehr lange bleiben. Eines Morgens— ein« halbe Stunde, nachdem Leonie aus ihrer Wohnung geflüchtet war— begegnete sie einem Menschen mit einem seltsamen Kopf. Das ganze Haupt war schwarz um« wickelt: die Haar« mischten sich mit dem Bart« und untereinander, fiebrige Augen ttugen den Schein einer Lampe in den Tag. Sie erinnert« sich:— der Narr. Bon der Seite her sah sie ihn an und erstaunte: immer noch war er wahnsinnig? Aber dieses Geschöpf lachte sie an und rief si« bei ihrem Namen. Dieser zag« Anruf in der Oede ließ sie erbeben. Wider Willen lächelte sie ihn, so gut sie konnte, an und machte ihm eine klein« Verbeugung. Ja, sie ging an ihn heran und macht«„Im»" wie ein kleiner Vogel. Einen Augenblick später blieb sie auf dem Wege stehen und fragte sich: Ist er ein Narr? Ohne zu wissen wie, fanden sie sich wieder. Als sie ihn zum zweitenmal sah, streichelte er zärtlich einen verkrüppelten Hund, ein Beweis, daß es nnt seinem Wahnsimi so arg nicht sein tonnte. Sein« Haare waren nicht weih. Er war eher elend als alt. Er vegetiert« armselig dahin. In einen weiten Malerkittel gehllltt, schien er dasselbe Schicksal.mit sich zu schleppen wie Leonie. Er ivar verhaßt und verachtet wi« sie, und beiden machten die Leute das Leben gleicherweise unmöglich. Am dritten Tage konnte sich Leoni« nicht enthalten, dem Manne ganz leise zu sagen: „Ich habe Ihnen ein Geheimnis anzuvertrauen." „Ich Ihnen auch!" sagte er. Si« flüsterten und flüsterten. Jeder sprach sehr lange imd der andere hörte sehr lange zu. Nach dieser Unterhaltung schüttelten sie die Köpfe: einen Augenblick herrscht« Schweige», dann murmelte sst! „Sie sehen wie ein Künstler aus!" „Und Si« wie ein« Rost!" sagte der Mann. Und indes sie errötet» imd änflacht«, sah sie wirtlich wie eine pausbäckige Blume ans. -> Plötzlich verschwanden Leonie und der Narr. Welch ein Skandal! Nach der Messt bildeten die Damen Arup- pen, um darüber zu sprechen. Wohlverstanden: man bracht« das Verschwinden, dieses Verschwinden zweier Menschen, in Zusammmen« hang, um daraus«in doppeltes Verbrechen zu machen. Es gab Geflüster, halberstickre Flüche und das gewisst verständnisinnig« Lächeln. „Ich tverfe sie hinaus, wenn sie zurückkommt!" sagt« Frau Diez«. Und fügt« hinzu:„Uebrtgens hätte ich sie auch so hinaus- geworfen." Plötzlich trat ein Herr zur Gruppe der Damen. „Pardon," sagt« er und lüftete den Hut. Er trug eine Brill« lurd hau« rote, ivi« Spielkarten leuchtende Wangen. Es war der Notar des Schlosses. Er sagte sehr laut zu Frmi Diez«: „Ihre Schwester wird zu Ihnen nicht mein zurückkehren. Sie wird einen Herrn ehelichen, der zu gleicher Zeit mtt ihr diese Gegend verlassen hat— einen Herrn, den Si« kennen." „Ah!" glucksten drei gestreckte Weiberhälse. „... Und Ihre Schwester hat das Schtoß gekauft von dem Geld«, das sie ni Paris erwarben. Sie wollte nicht, daß man es wisst. Sie wollt« Si« überNfichen!" Und mtt kleinen, abgehackten Schritten entstrnl« sich der Notar aus dem Bereich von sechs verdutzt dreinschauenden Augen. (Deursch von Josts Kalmer.) Die Teufelsblume. Von Wilhelm B ö I s ch e. Mit Sen«dmimii«n des Berlaacs Carl Zieikner, Dresden, brinatm wir aus einem demotchit erscheinenden Buche Wilketm BSlkche» „Der sinnende Baum", neu«««schichten aus de« Bara. diese, dieses rar Probe. Sott ich eine Blmnenform nennen, die mir! elber immer am meisten etwas Unheimliches gehabt Hot, so sind es die Orchideen. So herrlich sie besonders in ihren riesigen sarbenfrohen Arten de? heißen Tropenurwaldes prangen— sie glichen mir von ie ein in Typ dämonischer Fratzenmäuler. ich malte mir aus, daß sie beißen könnten, wenn sie wollten, sich mit grimmigen Zrhnen und S�achM» zungen plötzlich einhakten, wenn man chnen zu nahe käme— zum Nichtmehrloslassen und schauerlich zähen Auslutschen und Aussaugen mit gierigen Polypenlippen. Tatsächlich— wie sie gewöhnlich und echt sind, tat ich den Harm- losen und bunten Märchentindem doch damit das bitterste Unrecht. Noch nicht einmal für dos geflügelte Kleinvoik ihres feuchten Dämmerwaldes find die wirklichen Orchideen»insektensreflende Pflanzen". Alles an chnen ist. soweit ein Zweck überhaupt ersichtlich, seh- nende Liebe von Pflanze zu Pflanze, und nur zu ihren eigenen brennenden Liebeskünsten treiben sie auch mit diesen Insekten für gewöhnlich ein gänzlich gefahrloses Spiel. Nehmen wir fiir die Grazie dieses Spiels irgend einmal eine der schönsten aus der Fülle als Beispiel. Etwa eine zauberhast süße, duftende Phaiänopfls. wie sie auf den fernen Phttipppinen ihre großen Blumenougen verlangend Qttffchtägt. So' siedelt die Pflanze im ganzen gleich unserer Mistel, obwohl nicht so eng, auf fremden Urwaldbäumen, deren Borke ihre bunt wie Schlang enhaui schillernde Wurzel in anderthalb Meter lang m Bändern schon phantastisch genug umwindet. Das Blütenwunder selbst mit feinen scheinbar lechzenden Lippen aber zieht von weither die Insekten an die inmitten der cherrtühkeit aus der Unterlippe jeder vrchtdeendlüte hier ein richtige, bequemes Stühlchen finden, von dem aus fich gerod« in Sitzhöhe der Kops durch ein kleines Fensterchen in die appetitlichste Honigkammer stecken läßt. Schleckt die Fliege, die da Platz genommen, nun lustig los, so kleben sich ihr dabei zugleich die befruchtenden Swubpaketchen der Blüte wie zwei gestielte Kügelchen an den Kopf, und wenn der genäschige Gast setzt gleich daraus weiter Honigmet kneipen geht und bei einer nächsten Blüte zu fensterin begehrt, so haben sich die an- sangs kerzengeraden Kugelftielchen auf seiner Nase inzwischen hübsch sekbsstätig wie ein Vahnsignal nach oorne abgeklappt, so daß sie diesmal schon beim Emstieg glatt wieder mit durch das Fensterchen eingehen. Drinnen aber berühren sie die Narbe der zweiten Blüte und vollziehen so das Liebesmysterium der Orchidee— während die Fliege doch, außer daß sie für einen Moment ihrer Metreise verwunderliche Hörner aufzesetzt bekommen hatte, nicht den geringsten Schaden von dcr ganzen Geschichte leidet. Um solcher nieoiichen kleinen Liebesstücklein willen aber lebt das friedlich? Orchideenvolk, scheint es, jahraus jahrein seine unfaßbar üppige Biumenorgie aus, die in einer Art aus den Sundaiinseln b'S zu mehr als Halbhundert Blütenrispen aus einmal gediehen ist. von denen jede ihre paar Meter lanq wird und über hundert qelbrot«, braungefleckie Einzelb listen trägt— ein hängender Garten der Eemirnmis in Gestalt einer einzelnen blühenden Pstanze, dem keine Menkchenkunst je hat nachkommen können. Und doch.. In der nie geschriebenen Chron'ka des Insektenstamnies. die vielleicht nur einmal in dumpfen Warninftinttm später Enkel zum Ausdruck kommen könnte, müßte ein Kapitel stehen von einer Orchidee. die auch alle iene schwärzesten Verdachte mehr als rechtfertigte. Die furchtbare Sage von der„Teuselsorchidee". die, wenn nicht Menschen, so doch leichtsinnige Faller und ander« Jnfelten wirklich packt und festnagelt mid aussaugt ganz und gar im Sinn» metner wilden Vampirphantasie. All dos eben von den.harmlosen Orchideen" Gesagte trifft näm. lich nur den normalen— du darfst auch sagen, den wahrhastigen Fall. Nun aber bist du m Ostosnka— dort, wo es einst Deutschostafrika hieß, Laitd, ach, unserer verklungenen Träume.... lind du sollst in einen Schmetterling verzaubert sein— einen der großen, sarbenschönen dieses uralten, gluth-ißen. sagenumwobenen Erdenbkocks Afrika.... Da erscheint diesem Schmetterling auch von weitem eine solche geheimnisvoll gleißende Wunderblume, wie sie gleich der legendären Rose von Seron aus dem Paradies seines Landes lockt. Ganz unverkennbar deutlich heben sich auch hier aus grünem Strauchwerk die fleischigen Wangen, die porzellanhasten Lippen her- ans, die der echten Orchideenbliite so oft wirklich ein Gesicht zu geben scheinen, wenn auch ein sratzenhoftes, das an die grellbemalten Tanz- n, asten popoanischer Wilden erinnert— in der Mitte gekielt, am Rande leicht wellig eingekerbt, ems die wachsartige Fläche aber wie von der Hand eines impressionistischen Molers die stärksten Farben- kontraste mächtig wirksam nebetieniander gesetzt: quer durch ein dickes Kalkweiß über mehrere Blätler fortlaufend ein breites Band von westhin leuchtendem Rotviolett-- durchaus Stil etwa einer der großen Cattieyen im tropischen Orchideenvolt. Magisch gezogen im Bann deiner eigenen unwiderstehlichen Sympnhie, die auf solche Form, solchen Farbengegensatz eingest:llt ist. schwebst du, schöner Falter, der du selber einer befreit fliegenden Duftdkü'e gleichst ans d*- r'iir-ute ffiunfer herab. „Keine F.rn« macht dich schwierig. Kommst geflogen und gebannt, Und zuletzt, des Lichts begierig. Bist du. Schmetterling verbrenn i. Du suchst das StLhlchen und die Vhoniqkommer. Aber indem du dich mit der ganzen Sorgt ostgckeit alter Lokal» kennlnis niederlassen willst, die Hand gleichsam schon reckst zum„lecker- bereltei.n Mahl«"— da geschieht«es mal das ganz Unmögliche wirk! ch das aus allem traditionell geheiligten Orchideensrieden herausfällt. Du bist im selben Augenblick gepackt, geklemmt, angespießt, mit sieben Scheverlern ins Herz gebohrt... Und nun langsam, wie nach endlich gefallener Maske sich herandrehend, äugt aus dem jählings zerflossenen Phantom ein wahrer kleiner, böser Koos herfür, die Blüte lxnvegt sich, schnappt, beißt— da wird das helflos sterbende Opfer gefressen, ganz regelrecht mit Zerkauen mid Schlucken gefressen... Der schöne Schmetterling war in die entsetzlichste Falle der Nawr geraten. Di« Beule geworden ist er des Idolnrn diaboliernn— der .Teufeksblume"_ Lala Sabu. Ein indischer heiliger der Ikeazeik. Bon Sautos Hazra(Kalkutta— Wien). Es ist ein sehr altes Sprichwort in Indien: JD Gatt, gib mir Leid.— sonst werte ich dich vergessen!" Dieses Wort hotte das erstemal Kuntidevi. b*- Mutter des berühmten Pandovas. zu Shritrishna gesagt. Indien ist das Land, wo dre Menschen statt Reich»»w und Be° quemlichkest des Leben»— eher Leid wünschen. Wie merkwürdig— wie tief ist diese Art; dort denken die Men. scheu nich» in erster Linie an sich— sondern zuerst an den anderen, besonders aber haben sie immer das hohe Ziel de» Lebens im Lug«. Wer nicht Leid an sich selbst ertragen kann— wie kann er Fri"de und Freude genießen?— Jeder soll dürften nach der höher-n Er- kenntni,— nicht soll es Durst des Leben? und Vergnügens sein; — sondern noch Erlösung— dieses Vergangen— und nach Gotthcltt Die Inder haben diese» Verlangen nach Erlösung gefühlt— so gingen diele Menschen immer— ihr friedvolles Heim, ihre eigene Bequemlichkeit des Lebens, R-ichtum und alles verlassend, nach der Suche eines hohen Zieles. Ich werde Ihnen dos Erv">.hen eines Menschen, eines Manne» unserer Familie erzählen: man kann ihn„modernen Buddha" nernu«. Er heißt: Lala Babu: in allen heiligen Städten der Hindu wird sein Name genannt, und leine Temrel stehen dort, wo täglich Tau- sende von armen Menschen frei ihr Essen erholten. Er war ein Naja. Ein kleines Mädchen sagte zu seinem Bater:„Vater— steh auf— der Tag ist zu Ende!(Bela jai!)" La'a Babu war zu dieser Stunde mit se"--? Dienerschaft und seinen Hofleuttn durch die'e Straße gefahren. Er horte dieses Mädchen sprechen:„Bela jai"— sagte er zu seinem Minister—„Ja— ja— ich habe keine Zeit mehr— halte an!" Und er ist aus seinem Wagen gestiegen— hat seine kostbaren Kleider und feinen Schmuck verschenkt und ging von nun an nur in einem einfachen Kleid umher: leinen Reichtum— alles batte er verlassen— um in seinen noch jungen Jahren ein—„Sanvasi" zu werden. Ja— ein echter Savyasi— der keinen Durst noch äußerlichen Versuchungen hat— dessen Ziel Erlösung ist... Diese einfachen Worte: Bela jai— waren ihm wie ein Nus von Gott selbst:—„wirklich" sagte er in großem Schmerz„Bela jai!— Und ma» habe ich getan? Nun ging er zu Fuß von einer heiligen Stadt zm anderen— in Ruhe zu denken— in Einsamkeit zu leben... Wo er auch hinkam— waren alle Leute bezaubert von dem heiligen Strahl, der aus seinen Zügen leuchtete. Nur einmal deg Tages nahm er Nahrung zu sich: er ging nicht. wie die buddhisti'chcei Vikhu(Bettelm Önche). um sein Essen bis zum Mittag zu sammein, sondern ging des Tages nur einmal In ein Haus, und was er auch dort erhielt— es war genug für ihn. Alle wußten, daß er nur einmal um fein Essen gehe— und die Leute im genuzen Lande waren sehr besorgt, daß er nicht Hunger leide: so erhielt er vielmals soviel, daß er noch mit den Armen teilen konnte, und man mochte fiir ihn einen besonders großen Kuchen, den man noch bis heute„Lala Babu ruti" nennt. Jeder hatte fclch«inen Ruti vorbereitet, wenn er Lala Babu erwartete: man sah es als eine große Ehre an. wenn La!a Babu in fein Haus kam, um zu betteln. So verbrachte er sein ganzes Leben in tiefen Gedanken— auf der Suche nach Frieden und Erlösung... Was er für die Menschen getan hatte, das weiß ich nicht: aber wenn man es eine Religion nennt, den Armen zu helfen, so hat er sie geübt: in allen keiligen Stätten findet man seine Tempel für dl« Armen: und noch eines hat er für ganz Bengalen getan— nein— vor dem ganzen Indien hat er ein Beispiel der Selbstlosigkeit für das Wohl der Dienschen gegeben. Der Messter unserer neuen Santnoten. Die neuen Banknoten, die uns mu erstenmal wieder«ine richt ge Goldwährung bringen sollen,»eigen in ihren höheren Werten von IQ M. W» 1000 M. lauter ViSer von Han» Holbein dem Züngeren. Während man bei früheren Serien neben dem Groß- meister Dürer auch andere alldeursche Maler berücksichtigte, hat man Si diesmal gan» auf Holbein beschränkt, den Sohn des Augsburger aler» Hans Hoibein, der zuerst in der Schweiz, in Basel, und dann in England heinrfch wurde. Für die Auswahl der Bilder, die olle Porträts find, dürsten wohl nKder kunst- noch kuiturgeschichUich« Gründe maßgebend gewesen sein, sondern man wird gewiß die- femgen bevorzugt hoben, die llch technisch am besten wiedergeben lallen, denn irgendein Snstem ist in d'efe kleine Holbein-Gateri« nicht zu bringen: es find wohl Arbeiten aus feiner früheren Zeit wie ems'einen S�ättaaen. männliche und weiblich« Kövse. Bon dem Zehnmarkschein grüßt uns das jetzt in Schloß Windfor befind- «che Porträt des. Kölner Kaufmanns Dietrich Born, der im Dienst der Hansa nach London ging und dort In den Jahren 1542 bis 1549 urkundlich nachweisbar Ist. Der eindrucksvoll« Kopf, der von Hol- dem auch auf einer Miniatur lesta« holten wurde, ist nach der In« Jchrifl im Jahre 1533 gemalt. Holbein war ein Jahr vorher zum zweitenmal«ms der Schweiz, in der er nicht mehr lohnende Arbeit fand, nach London«kommen. Die Beziehungen zum Hofe, die Ihm feinen ersten Aufenthalt so glänzend gestaltet hatten, fehlten ihm d'esmal. und er mußte sich deanüqen. die deutschen Handelsherrn im Stahlhof, der großen Niederlassung der Hansa in London, im Llld- nis festzuhalten. Eine fiattt'che Anzahl dieser Hanso-Kausherren und anderer Mitalieder der deutschen Kolonie in London, ho« er damals gemalt, darunter auch den Dietrich Bon,. Der Zwan- ziamarkschein ist mtt dem weiblichen Bildnis des Haager Museums geschmückt, in dem mau nach der Aehnlichkeit mit anderen B'ldern ein Porträt von Hoibeins Frau vermute«, bellen Echtheit abm iHtrch-n-« nicht über all?.stweikek erholen ist Berschiedentlich fit das Bild wegen feiner iveichen tonigen Malerei für eine Kopie oder das Werk eines Zeitaenosten erklärt worden. Die Frau, die aus ihrer Haube ernst und nachdenklich hervorschaut, hat dieselbe Gesichtsfarm, dieselben matten, unter schweren Lidern hervorblicken» den Augen, sog. Schurnnangen. wie die vergräm»? Frau auf dem berühmt--n Familienbild van 1528 deren Augen nun srelich. wie vom vielen Weinen, noch trüber und schm-rer aussehen. Gewiß hat die Witwe des Baselers Ulrich Schmid. Elisabeth, die kurz nach 1520 den unruhigen, viel aus Reisen befindlichen Maler heiratete, kein sehr gkück'iches Los gezoaen. Das Bildnis im Haag muß in der ersten Zeit der sunqen Ehe«malt sein. Auf dem Fünfziqmarkschein begegnen wir einem wun« dervolsen Wert aus seiner letzten Reisezeit, dem Bildnis eine» jungen Mannes im Wiener Museum. Das Werk stammt aus dem J'hre 1543. und In dieselbe Zeit etwa ist das ebenfalls im Wiener Museum befindliche Bildnis einer engfischeu Dame zu setzen, das unteren neuen Hundertmarkschein zieren lall. Kurz nach der Schövfuno d'eser in idrer Schlichtheit und Größe unübertre". lichen Werke starb er im besten Mannesalter, kaum 46 Jahre alt. 1543. mabr'ch'iTtnch an d-r R-st. Für ben Taulendmart» sch e i n hat man sich das berühmteste Holdeinwerk der Dresdener flVrli-w» /-w?? in FrmttalsteNana gegebene Pv'-mät des Morett«, wohl aus dem Jahre 1534. Man hat in diesem Bilde zunächst die Darstellung des Goldschmiedes Hub'rt Morett«sehen: abm auf Grund einer Medaille, die chn im selben Alter und der- se'ben Kl�d'-nn zeiat, Netz sich seststesien, daß es sich um ein« viel habere Perlörsichkeit hardelt, nämlich um Charles de Morette, der 1534 französischer Gesandter am englischen Hof w<- Was alles gemacht wirö. Zunächst wird der Mensch selbst«macht. Der Ausdruck ist in dieser Bedeutung nicht etwa nur in der derben Bolkssprache qe- bräuchlich, sondern auch en Schiller sagt:.Wcr keinen Menschen machen kann, dar kann auch keinen liebend Ja. sogar Gott hat nach Luther«sagt(1. Mos. 1, 26):«Lasset uns Menschen machen!" Das jun« Menschenkind macht dann«räum« Zeit sich und sein« nächste Umgebung schmutzig lfm. Sein Spielzeug macht es entzwei. Zugleich macht es Geh- und Sprechversuche, weiche den Eltern viel Freude machen. Bald macht es nach, wie de Haussier« machen. Später macht es bereits mancherlei Unfug und der Mutter viel zu schaffen. Zwischendurch macht es Zähne. Es macht Fvrtfchrilke. In der Schule lernt»s hernach Buchstaben machen und zu Haus? muß es Schularbeiten machen, macht aber noch wele Fehler, unter die dar Lehrer rote Striche macht, sofern er nicht vom Stock Gebrauch macht: wobei er«wohnlich ein grimmiges Gesicht macht. Ziemlich früh werden auch schon Lü«n gemacht. Es werden Ansprüche gemacht, imd der Eigei finu macht sich stärker bemerkbar. Zindercrvris m-ckä daz Kind auch allerlei Handreichungen, wodurch der v�lbeschäftiqten Mutter das Leben leichter«macht wird. Nach der Schulzeit macht der Bab-r für stinen Sohn ene geeignete Lehrstelle aus, der jun« Bursche macht die Lehre durch. Rachher macht er sich aus die Ar- beitsuche. Macht allmählich Bekanntschaft mtt dem anderen Ge- schlecht und macht herbei sein Glück oder macht einen Fehlgriff, ivegen «ssen er sich und öfter auch der Auserwählten sein Lebtag bittere Borwürfe macht. De heranwachsende Maid liebt es vielfach, Staat zu machen, Bergnügmigen.mitzumachen und mehr aus sich zu machen, als not- wendig ist. Andere Mädchen pflegen mens«? herzumachen, lassen sich aber gern« blonen Dunst vormachen und haben dann ostmal« viel durchzumachen. Wieder andere machen sich gar nichts au» Männern, sie machen keine Hochzeit und keine trüben Erfahrungen in der Ehe. Immerhin-st es te neswegs ousgemocht. daß sich da» lebi« Leben schöner macht; das hat jeder mit sich ab»umach«n. Di« Ansichten sind oerichieden, wie die Menschen selbst: dagegen ist nicht» zu machen. Eine Hausfrau hat zweifellos oel zu machen. Am Morgen muß sie dem Mann das Frühstück machen, die Betten machen, rein machen, im Winter Feuer machen usw. Danach macht sie Einkäufe und macht die Hauptmahlzeit zurecht. Sie kann m'elsach keine Pause machen, bis sie abend» das L cht ausmacht. Noch oiei«stalti«r ist die Tätigkeit der Männerwelt. Einer macht Schuhe, der ander« macht in Schuhwichs«,«in dritter»nacht Theater. Mancher macht früh seinen Loden auf. da aber d e Auf» machung schlecht ist macht er kein« Geschäft« und schließlich macht er zu oder macht Pleite. Nicht selten werden mich Schiebun«n gemacht. um schnell und mühelos viel Geld zu machen. Da mm, sich dabei strafbar macht, so macht sich mancher, der sich vorher dick«macht hatte, rechtzeitig dünn und aus dem Staube. In lechteren Fällen wird das Vermö«n der Frau vermacht, so daß die Geschädigten nichts machen können. Zuweilen wird auch blau gemacht, und abends oft ein Skat«macht oder ein Abwesender ordentlich heruntergemacht, wenn niemand da fit. über den man sich lust g macht, nachdem man Ihn betrunken«macht. Schließlich wird sich zur Heimkehr aufge- macht, derweil der Wirt die Rechniivg macht. Mitunter wird auch schlapp gemacht und der Gattin etwas weis«macht. damit sie kein« Szene macht. llm den Leser nicht müde zu machen, sei Per Schluß gemacht. Dl« Beispiele ließen sich vertausendfachen. Doch kann sich wohl jetzt schon jedermann eine Vorstellung machen, was olle» gemacht wird. Kein anderes Tätigkeitswort wird so unendlich ost und o elseittg an» «wandt; selbst vom Gestorbenen sagt der Bo'k°mund vielfach noch: er hat sich fortgemacht oder: hat sich weggemocht.— In den romanischen Sprachen und selbst in dem nahverwandten Englisch spielt da» unserem„machen" entsprechend« Zeitwort keine ebenso große Roll«. ___ Dr. L. Allerlei Lebensweisheit in Scherz unü Ernst Wenn du willst orgeln, so besorge erst Wind, * Allez min leben ist ein tromn. o Wer lebt in äulri jnbilo, der stirbt nicht in adagici. « Betrieger seynd der Wahrheit Secretary. » Geld ist seines Herzens Osterspiel. Er frißt, daß ihm der Nadel protzt. » Wenn man dem Bolke di« Ziegel(und Frohnen) verdoppelt, so kommt Mose». * Die Freiheit spinnt sich da» Garn zu ihrem Zelte selbst. * Je höher der Affe steigt, je mehr er den Hinteren zeigt. e> Ein Herz, das Knochen hat, verbläst nicht der Wind. * All« Frauen sind Evas Töchter. 0 Gescheite Männer haben ihren Mund im Herzen. » Wer liebt, dem ist jeder Tintenktex eine Bern». Man tonn den Frühling an keinen Pfahl binden. '* Ein Lehrer ohne Leb«, Ist eine Wolke ohne Regen. » Die wissen, was im Himmel«schieht. wissen meist nicht, wa» vor der Nase ist. ch Er weiß alles, er hört das Gras wachsen und die Flöhe husten. * Grünes Holz wirf! sich. Es gehört ein Mönch dazu, um das Leben Jesu in Maria» Leib zu beschreiben. kAua bem demntlchit bei Suaen Dieberich» in Jena erschelnendeu ffierJ ..Deutsch« Sprichwörter". Ausaeirlhlt im«ioeeleitet von Balther G. Oschi» l-wski.! —..l- „u* wissen und Schauen Botschafter alten Stils. Am 11. Mai 1833 kam der Graf von Saini-Aulaire in Wien an als Botschafter des Königs von Frankreich, des Bürgerkönigs, am kaiserlichen chos. Man kann sich leicht denken. daß er von der ältesten, Vorurteils- und diinkelv ollsten Aristokratie des damaligen Europas recht kühl ausgenommen wurde und in ein Dornengestnipp von Schwierigkeiten geriet. Schon sein Vorgänger, der Marschall Maison, hatte der Unaimehmlichkeiten ein gerüttelt und geschüttelt Matz erdulden müssen, besonders von feiten der un- verhüllt f mdleligen Gattin des kaiserlich russischen Gesaudien. Als schlauer Fuchs erschlich sich Saint-Aulaire zunächst das Wohlwollen der allmächtigen Fürstin Metternich. Um ihre Haltung zu entschul- feigen, nannte sie ihn„viel zu gepudert und zu vornehm, das revo- lutionäre Frankreich zu vertreten". So wurden manche klippenreiche Ctikettenf ragen erledigt; aber es blieb die Feindschaft der Russin. Als der Boischafter die furchtbare Gegnerin zum ersteninal zu Ge- ficht bekam, ward er iune, daß er ebenso furchtbare Waffen gegen sie zur Verfügung hatte. Eine Erinnening tauchte in ihm auf, die 20 Jahre zurücklag. Er sah sich mit vielen Herren in einem koketten Damaisalon zu Poris; auf einem Divan lehnte ein ent- zückendes Weib, ein köstliches Modell für eine neu« tizianische Venns, dn ein Wunder zartester Stoffe gehüllt, aber nicht verhüllt. Der Herzog von Guise hielt ihr«.ftände in seiner Hand, während ein junger russischer Masseur ihre Vein« mit den dustigsten Salben be- Handel!? und den rosigen Nägeln ihrer Zehen die denkbar, peinlichste Sorgfalt widmete. Saint-Aulaire hatte die Göttin von damals wiedererkannt. Ein« ganz, ganz zart« Hlndeutung darauf bei Tische und seine Feindin streckte bedingungslos die Waffen.„Sie werde-, nie von der Vergangenheit sprechen," flüsterte sie.„ein Edel- mmin kann schweigen." Nach einiger Ueberlegung, noch leiser: „Besuchen Sie mich! Ich will Ihnen meine Fühe zeigen. Sie sollen sagen, ob sie noch sind wie damals!" 5). O. Naturwissenschaft E E Gottesurteil und Leidensrostsche» Phänomen. Ordalien oder Gottesurteile waren mittelalterliche Gerichtsverfahren, um in schwic- ritzen Fällen Gott selber die Entscheidung über Schuld oder Unschuld emes Angektagten zu übertragen. Es lag nal>e. sich dazu solcher Ralurerscheinnngei zu bedienen, die unter vermullich genau gleichen Bedingung«, i des Zustandekommens«inen verschiedenen Verlauf nahmen. Unter den Gottesurteilen dieser Art erfreute sich die Feuer- oder Eiseuprob« besonderer Beliebtheit: Die augeschuldigte Person ruutzie mit unbekleideten Füßen über glühende Plarten schreiten und kam dann merkwürdigerweise manchmal mit heiler Haut und ohne iveiter« Belästigung durch eine hochnotpeinliche Gerichtsbarkeit davon; denn der Unversehrt« galt als unschuldig. Die heutige Physik führt die Erscheinung des Unversehrtblelbens aus das Leidenftostsch« Phänomen zurück: Bringt mar, einen Tropfen Wasser auf eine glühende, reine Platte, sö läuft der Tropfen, ohne zu sieden und ohne die Platt« zu benetzen, unruhig hin und her. Gießt man dann de» Trapsen aus die 5)aid. so zeigt sich, daß er nur mäßig warm ist. Der Tropfen berührt nämlich die Platte gar nicht; er wird von einer Dampsschicht getragen, die aber nicht von einem Sieden. londern von einer lebhafte» Oberstächenverdu.istuiig herrührt. Di« Dampfschicht ist aber, wie alle Gase, ein sehr schlechter Wärmeleiter, mithin geradezu ein Wärmelchutz. Ist also ein« Platte hinreichend heiß und sauber, so kann sie ohne Nachteil betreten werde», solaige die natürliche Körperfeuchtigkeit zur Bildung einer schützenden und genügend tragsähioen Damvfschicht ausreicht. Noch heute wird der Beweis für die Möglichkeit des Unverletztbleibens oft freiwillig erbracht durch Arbeiter In Gießerei«», die ihre Hand in das glühende Metall tauchen und luwertetzt wieder herausziehen. Meöizin sQ>SS