jtSl Aufmunterung zum Wandern. Nimm den Rucksack, nimm den Stock. An den Nagel häng die Plage Langer banger Wintcrtage— Schlüpfe in den Wanderrockl Wintergrübler, laß zu Haus Deine dummen, dunklen Sorgen, Wandre in den frischen Morgen, In das heitre Licht hinaus! Wintertage, mürrisch, kalt, Sind mit Schnee und Eis zerronnen— Frühlingstage, milde Sonnen Rufen dich in Feld und Wald. Draußen sprießt ein neues Grün Jung und keck aus allen Zweigen, Sonnentrunkne Lerchen steigen In den Himmel selig kühn! Frühling ruft dich, Frühling lockt! Alte lust'ge Wanderlieder Summen dir im Herzen wieder— Tor, wer noch in Stuben hockt! Walter Schenk. vom Schulhaus zum Arbeitsfaal. Eine kurze Weile nach, dann kommt Ostern und junges Volk wandert In den Arbeitssaal, in Werkstatt und Schreibstube. Junge Menschen nähern sich wieder dem Grenzstein, der sich zwischen Schule und Arbeit erhebt Der Schulranzen wird abgelegt, Hammer und Feile werden zur Hand genommen. Das Schulzimmcr, die Bilder, die Landkarten, die großen und kleinen Sorgen der Grammatik sind vergangen, aber auch die Blumen, Bäume, die abenteuerlichen Fahrten und romantischen Heldentaten im Kinderland. Neu aus- gerichtet steht eine W°.lt strenger Gesetzmäßigkeit mit starren Mauern, steilen Schornsteinen, Ärbcitsvorschristen, Maschinen und peinlicher Zcitordnung. Der Eintritt ins Leben, sagen wir, unser Leben ist Arbeit. Nur Arbeit? Nur Feilen und Hämmern, Zeichnen und Schrei- ben, Rechnen, Nähen, Wirken? E? muß noch etwas anderes dabei sein. Das junge Volk fühlt das sicher in der Brust, es könnte sonst wohl nicht so wagemutig und zuversichtlich das Neue suchen. Tie Jugend steht nicht' zagend und schüchtern vor diesem großen neuen Leben. Es ist ihre besondere Tugend, daß sie sich immer stark fühlt, immer zu siegen glaubt, auch wenn ihre wirkliche Kraft gering und ihre Ausrüstung mangelhaft ist. Wer dürfte ihr diese frohe Zu- verficht rauben mit allerlei„ernsten" Hinweisen auf die Härte des Arbciterlebens und die schwere Zeit? Gewiß sehen es die kleinen Proletarier im Arbeitssaal bald, daß ihr Leben hart sein wird und die Zeit Schweres zu tragen auf- gibt. Die Arbeit hat kalte Augen und eiserne Hände. Sie fordert rnnachsichtlich auch von dem kleinsten ihrer Sklaven Hingabe aller Kräfte. Sie zermürbt, verzcbrt ihn, hungert ihn seelisch und geistig aus. Welche andere innere Kraft könnte aber die jungen Menschen aufrecht und lebenstüchtig erhalten als ihr froher Jugendmut? Diese Lebenskraft, die im Mahlen der Räder, in der nervenzerrüttenden Monotonie der Maschinenarbeit sich aufreckt und einen Jubelruf ausstößt, der eigentlich leichtsinnig ist und in den Wald am freien Sonntag gehört: die in den Pausen Frohsinn und Sonne in die grauen Räume des Werktags wirft, gehört zu den k o st b a r st e n Gütern, die wir haben. Dieses Gut müssen wir bewahren, schützen, wir können nicht bestehen, wenn es zugrunde geht. Wir treten darum nicht an die jungen Klasiengenosien heran mit müder Gebärde- Seht, der Weg, den ihr nun wandern müßt, ist freudlos und hart. An seinen Rändern wachsen nur Sorgen und Mühen. Bor euch liegt nichts als graue Hoffnungslosigkeit. Nein, fa sprechen wir nicht, das wäre grausam und unwahr, ge- ziemte sich auch nicht für Sozialisten. Denn in unserem Leben der Armut ist rsicht nur Hoffnungslosigkeit und Armut, da lebt auch Siegeszuversicht, und da liegt der reiche Schatz der Solidarität. Don diesen Dingen laßt uns zu ihnen sprechen. Noch besser: nicht sprechen, sondern handeln in diesem Geiste. Den Jungen eine Hand entgegenstrecken, sie führen, ihnen helfen, darauf sehen, daß sie tüchtig und froh bleiben. Das iE eine Aufgabe aller Sozialisten. Hilfeleistung und Sorge für die arbeitende Jugend muß als eine Angelegenheit der Arbeiterschaft erkannt werden, sie kann nicht mehr Pflicht der Eltern allein sein. Dem Schulkinde waren Eltern und Schule die wichtigsten Lebenskreise. Hier wuchs das Kind, bekam die Nährfäfte für sein Wachstum. Diese Kreise werden gesprengt, der junge Arbeiter tritt auf neuen Boden. Das Kind Im Arbeitssaal ist nickt allein aus dem geistigen Zirkel der Schule getreten, es ent- fernt sich auch vom Clternheim. Auch wenn es noch am elterlichen Tisch seine Mahlzeiten einnimmt, all der Fürsorge teilhaftig wird, deren Mütter fähig sind. Die Erlebnisse und Erfahrungen draußen, vulzcrhalb der Familie, im Arbcitsraum, am Feierabend, auch in der Gesellschaft der Altersgenossen, wirken viel tiefer als Ermahnungen und Ratschläge am Eltcrntisch. Für Arbeitereltern, für die gesamte sozialistische Arbeiterschaft ist es notwendig, zu erkennen, aus welchem Erdreich ihre Jugend Lebenskräfte saugt. Es sind die großen Bezirke außerhalb der Fa- milie: Fabrik, Werkstätte, Swo.ße, Kameraden, Geselligkeit, Stätten des Lebensgenusses. Jede Mutter ringt um die Gemeinschaft mit ihrem Kinde, und der Vater sucht es zu führen im Bewußtsein seiner hohen Verantwortung. Es kann zwischen Eltern und Kindern Liebe und Achtung lebensstark sein— und doch ein„Fremdsein" eintreten, das sehr natürliche Ursachen hat. Es wäre ein Vorteil für die Jugend, die Arbcitereltern und die große sozialistische Sache, wenn man das einsehen lernte. Wenn ein Vater herkäme und seinem Kinde sagte:„Halte dich von Menschen fern, bleibe bei uns, in der Familie, denn hier allein kannst du Nützliches und Gute? erfahren. An der Arbeitsstelle kommt es nur darauf an, tüchtia die Hände zu regen, geschickt und fleißig zu sein. Schau aus dein Werkzeug, deine Maschine, doch nicht auf die Menschen. Gehe nicht in die Gesellschaft junger Menschen am Feier- abend. Sie treiben brotlose Künste und die können dir kaum nütz- lich sein." Wenn ein Vater so sprechen würde, es klänge sehr fürsorglich und gut und wäre doch kein guter Rat. Sein Kind muh doch ein- mal hinaus ins feindliche Leben und muß sich behaupten gegen Menschen. Es kann sich die Menschen nicht aussuchen, gegen die es sich durchsetzen, mit denen es zu gehen hat, es muß die Lebensgesell- schast nehmen, ln die es hineingeführt wird. Der Vater, die Mutter können nicht mitgehen, den Kreis wählen, das Kind schützen. Des- Nummer 4/ 5re!tag, öen 7. 1922 halb darf dem arbeitenden Kinde nicht verwehrt werden, die Men- schen draußen schon aufzusuchen in den Jahren der Jugend, in der wichtigsten Periode der eigenen Entwicklung. Es muh draußen seine Kräfte messen mit anderen, muß Menschen beurteilen lernen, sie geistig zu beeinflussen suchen, sich bei ihnen durchsetzen, zugleich sich eingliedern und fähig werden, für eine gemeinsame Sache sich hinzugeben. Arbeitereltern und Sozialisten können für die Jugend kein anderes Ziel aufstellen als dieses. Vertreter der Arbciterjugendbewegung werden feit Jahren nicht müde, darauf hinzuweisen, daß dr arbeitende Jugend die Elemente ihres Wachstums aus Arbeit und Gesellschaft außerhalb der Familie zieht, es sei daher eine Aufgabe der Arbeiterklasse, an der Arbeits- stelle der Jugend Tlufmerksnmkeit zu widmen, ferner aber auch ihr Zusammenleben in freien Stunden so zu gestalten, daß sich tüchtige Menschen dabei entwickeln können. Das sei«in Wirken für die Jugend und für den Sozialismus. Es wird häufig die wenig kluge Einwendung gemacht, die be- sonderen Organisationen und Einrichtungen für eine sozialistische Jugenderziehung seien nicht nötig, denn wenn erst einmal das Leben in seiner ganzen Härte an die arbeitenden Menschen heran- trete, würden diese schon den Weg zur Arbeiterorganisation, zur sozialistischen Bewegung finden. Hier ist ein Fragezeichen zu setzen, denn nicht immer finden Arbeiter, die ein hartes Los zu tragen haben, den Weg zum Sozialismus Aber selbst wenn sie die Not zu uns führte, wäre es für sie und die Sache nicht besser, wenn sie in der Jugend schon der begeisterte Kampfeswille, die Freude an der Gemeinschaft gleichgesinnter Menschen zu Sozialisten gemacht hätte? Wie ganz anders steht der Mensch zum Sozialismus, der nicht erst in großer Not bei ihm Hilfe sucht, sondern aus innerer Lebensfreude heraus zur großen Bewegung kommt, deren innerster Sinn auch ist, Freude und Sonne zu erringen kür alle schaffenden Menschen. Echte Jugendlichkeit bedeutet Gemeinsinn, bedeutet Sozialismus des Gebens ohne Anspruch. Die Arbeiterjugcndvereine wenden sich wieder an Arbeiter- eltern, an junge und alte Arbeiter, an die jungen Freunde, die zu Ostern die Schule verlassen. Sie weisen auf die große Bedeutung hin. die unsere Jugendbewegung für junge Arbeiter und Arbeiterinnen selbst und für den Sozialismus hat. Sie rufen be- sonders den Jüngsten zu: Kommt zur Arbeiterjugend! Kommt jetzt schon in den Wochen vor Ostern. Ihr braucht den großen Akt der Schulentlasiunq nicht abzuwarten, könnt jetzt schon die Jngendveranstaltunqen besuchen. Ihr seid willkom- mchr, werdet Freunde finden. In ihrer Gesellschaft werdet ihr tüchtige Menschen. Jugend und Politik. Jugend und Politik! Das Wort vom Nichtreifsein der Jugend ist billig. Welche Jugend meint ihr? Faßt ihr„Jugend" als geisti- ges Cntwicklungsstadium oder als Lebensperiode? Habt ihr den Vierzehnjährigen oder den Achtzehn- bis Zwanzigjährigen vor Augen? Denkt ihr an bürgerliche oder proletarische Jugend? Wenn w i r von der Jugendbewegung sprechen, meinen wir g e i st i g wenig entwickelten Arbeiterjugend von sechzehn Jahren. Ihr Verhältnis zur Politik bleibt zu untersuchen. Ist eine Stellungnahme dieser Arbeiterjugend zu tagespolitischen Fragen unbedingt abzulehnen? Man hört oft diese Auffasiung. Dennoch: als die Demonstrationen gegen den Erzberger-Mord statt- fanden, war die proletarische Jugend zur Stelle. Niemand hat sie nach Hause geschickt. Als die Kapp-Revolte durch Deutschland tobte, hat die proletarische Jugend das ihre getan. Wer hat sie daran gehindert? Es gibt tagespolitische Fragen, deren Problem- stellung so einfach ist, daß auch der Lehrling und der jugendliche Arbeiter sie in vollem Ernste begreift, zumal wenn es sich um Lebensinteresien des Proletariats handelt. Anders, wenn es heißt, durch Beitritt zu einer Organisation Einfluß auf politische Entscheidungen auszuüben, wenn es sich nicht um eine einmalige Stellungnahme, sondern um eine Festlegung auf längere Zeit handelt. Zwei Gebiete der inneren Politik sind es, die die arbeitende Jugend besonders angehen: die Sozialpolitik(Jugend- fchutzgesetzgebung)— wer wollte behaupten, daß die arbeitende Jugend ihr kein Verständnis entgegenzubringen vermöchte?— und die Kulturpolitik, der seit nicht allzu langer Zeit ihr besonderes Jnter- esse gilt. Auf diesen beiden Gebieten ist eine grundsätzliche Stellung- nähme der Jugend durch Beitritt oder Zugehörigkeit zu einer vor- wiegend sozialpolitische Ziele verfechtenden Organisation— gewerk- schaftliche Jugendsektion— bzw. einer im wesentlichen kulturpolitisch eingestellten Organisation— Arbeiterjugendverein— ohne Zweifel nicht zu verwerfen. Abzulehnen aber ist eine allgemein Partei- politische Stellungnahme. Hier allerdings fehlt dem Arbeiterjungen oder dem Arbeitermädel das tiefere Verständnis für wichtige Fragen der Reichs-, Landes- und Kommunalpolitik und für parteitaktische Maßnahmen. Die gefühlsmäßige Stellungnahme, der die Jugend in solchen Fragen nur zu oft huldigt, kann das mangelnde Ver- ständnis nicht ersetzen. Und Parteien, die auf sie zählen, vergehen sich an der Jugend. Die Sozialdemokratische Partei aber tut gut daran, wenn sie der Arbeitersugendbewegung eigene Aufgaben zu- erkennt. Die Kommunisten allerdings spannen auch die Jugend vor den Karren ihrer Partei. Mit alledem ist nicht gesagt, daß jede all- gemeinpolitische Debatte in der Arbeiterjugend zu oermeiden fei. Wer sich eine politische Meinung bilden will, muß mit anderen, mit seines- gleichen über politische Dinge sprechen. Eine solche Diskussion ist durchaus zweckmäßig und erwünscht, wenngleich sie in der Regel nur von den älteren Mitgliedern der Jugendbewegung gepflogen werden wird. Die Arbeiterjugendbewcgung ist eine große Erziehungsgemein. schaft. Dieser Umstand nötigt, die Politik vom Standpunkt der Er- Ziehung zu betrachten. Die Arbeiterjugendorgani- sation muß den Gedanken einer politisch- st aats- bürgerlichen Erziehung stark betonen. Das Deutsche Reich ist eine demokratische Republik. Was heißt das? Was ist eine Verfassung? Wie kommt sie zustande? Was sagt die Reichsver- fassung über den Aufbau des Reiches? Welche Grundrechts besitzt der Deutsche? Wie kommt ein Gesetz zustande? Was ist eine Partei? Welche Parteien gibt es? Ihre Programme? Ueber alle diese Fragen muß der junge Staatsbürger unterrichtet sein, wenn er mit dem zwanzigsten Lebensjahre zum erstenmal an die Wahlurne tritt. „Heute lebt die bürgerliche Jugendbewegung neben der Gesell- schaft, nicht i n ihr." schreibt Joh. Schult in seiner kleinen Arbeit über das Iugendproblem in der Gegenwart. Wenn die Arbeiterjugend- bewegu'ng bewußt in der Gesellschaft leben will, kann sie an der Politik nicht vorübergehen. Und wenn sie sich einmal ein festum- rissenes Programm geben sollte, so wird die staatsbürgerliche Cr- Ziehung einen seiner wichtigsten Punkte bilden müsien. Diese politische Erziehungsarbeit aber wird sich fruchtbringend in unserem öffent- lichen Leben auswirken. H. U Geistige Kultur in öer Jugenöbewegung. Von Rudolf Abraham. Alle Kultur ist dreifacher Art: es gibt materielle, geistige und sittliche Kultur, mit anderen Worten: Wohlstand, Bildung und Mo- ral. Die Förderung der materiellen Kultur, des äußeren Wohlstandes seiner Mitglieder kann nicht zu den Aufgaben unseres Verbandes gehören: sie fällt in das Arbeitsgebiet der wirtschaftlichen Verbände der Arbeiterschaft, der Gewerkschaften und Genossen- schaften. Der proletarischen Jugendbewegung verbleibt die Aufgabe der Hebung der geistigen und sittlichen Kultur, die Förde- rung von Bildung und Moral unter der arbeitenden Jugend. Bildungsarbeit,— in diesem Begriff können wir also die erste große Aufgabe unserer Organisation zusammenfassen. Welches sind nun die Ziele und Wege dieser Bildungsarbeit? Viel- fach hört man die Ansicht, unsere Bildungsarbeit habe den Zweck, das nachzuholen, was die Volksschule versäumt hat. Was die Schule des alten Staates an unserer Jugend gesündigt hat, das ist ja all- gemein bekannl: sie hat die Gliederung in hohe Schulen und„Volks"- schulen vorgenommen nicht nach der Begabung und dem Lerneifer der Kinder, sondern nach dem Umfang des väterlichen Geldsacks, als ob Fleiß und Intelligenz nur in den Palästen zu finden mären und nicht auch in den Hütten. Sie hat den Kindern der Reichen den Weg zu hohen Aemtern geöffnet, gleichviel, ob sie besähigt waren oder nicht; mangelnde Befähigung wurde ersetzt durch„Ausdauer": wem es auf ein paar Jahre mehr oder weniger nicht ankam, der konnte sich schon langsam, aber sicher durch die Kette der Prüfun- gen hindurchwinden. Den in den Volksschulen zusammengepferchten Kindern der Minderbemittelten dagegen wurde— und wird noch heute— eine„Bildung" verzapft, die kaum das zum Lebenskampfe notwendigste Wissen umfaßte und von vornherein diese Jugend ver- dämmte, ewig die dienende Klasse zu bleiben.— wobei wir ganz von der Frage absehen, ob die bisherige„höhere Schulbildung" unserem Bildungsideal entspricht. Nachzuholen, was die alte Schule versäumt hat, bedeutet also zweierlei: es bedeutet einmal, eine sinnvollere Schülcrauslese zu treffen als die plutokratische, das ist die unter dem Gesichtspunkt des Portemonnaies. Es bedeutet ferner, die Lücken der Bolks. schulbildung auszufüllen. Auf die Erfüllung der ersten dieser Aufgaben kann unsere Or- ganisation indirekt hinwirken. Es übersteigt ihre Kraft, den Jugend- lichen, denen die bisherige unsinnige Schülerauslese eine ihren Anlagen entsprechende höhere Bildung vorenthalten hat, die Möglichkeit zu geben, sich nachträglich eine solche anzueignen, um so doch noch mit den oberen Zehntausend in Wettbewerb treten zu können. Dazu ist unsere Organisation nicht imstande. Aber sie ver- mag das herrschende System zu bekämpfen, indem sie es in seiner ganzen Sinnwidrigkeit kennzeichnet, es allerorten brandmarkt und im Kampf um die Schulreform laut ihre Stimme erhebt. Auf diesem Gebiete hat unser Verband bisher entschieden zu wenig getan. Jetzt aber, nachdem die innere Selbstklärung in der Bewegung zu einem gewissen Abschluß gelangt ist, jetzt ist es an der Zeit, auch diese Aufgabe beherzt in Angriff zu nehmen. Gewiß sind wir auch in dieser Beziehung auf die Unterstützung der Parteigenossen ange- wiesen, die durch ihre fachkundigen Vertreter in den Parlamenten, Ministerien und Gemeindeverwaltungen die Revolutionie- rung des Schulsystems durchführen und den reaktionären Parteien den Boden Schritt für Schritt abringen müssen. Aber alle diese Bemühungen können nur Erfolg haben, wenn sie in der Jugend selbst Widerhall finden. Unsere Arbeiterjugend muß gerade im Kampf um die Schulrevolution in vorderster Linie stehen. Wer wäre an dieser wohl innerlich stärker beteiligt und interessiert als sie? Was das andere große Versäumnis der alten Schule betrifft, so ist es für unseren Verband immöglich, dieses gut zu machen: wir sind nicht imstande, unseren Mitqliedern das an allgemeiner Bildung zu geben, was die Volksschule ihnen zu geben unter- lassen hat. Was wir nach dieser Richtung tun können, daß ist auf der einen Seite ein energisches Eintreten für die Vervollkommnung des Volksschulwesens, also wieder Kamps um die Schulreform, und auf der anderen innerhalb der Organisation die Pflege gewisser Wissens zweige. Da wir nicht in der Lage sind, alle Wissens- zweige zu betreiben, so müsien wir uns aus diejenigen Gebiete be- schränken, deren Pflege uns als proletarisch-sozialistischer Bewegung besonders nahe liegt: können wir das Nützliche, das die Schule unserer Jugend vorenthalten hat, nicht nachholen, so müssen wir das Schädliche, das sie ihr eingeimpft hat, bekämpfen, durch eine Art Gegengift unwirksam machen. Byzantinismus, Na- tionalismus, Autoritätsgläubigkeit und all die anderen„Tugenden", zu denen die alte Schule die Jugend erzogen hat, um sie vor der Verseuchung durch die„vaterlandslosen Gesellen" zu bewahren, sie müssen mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden: freie, selbständig und vorurteilslos denkende Menschen, die ihre Klasicnlage und ihre notwendigen Interessen klar erkennen und demgemäß handeln, das ist es, was wir brauchen, und dementsprechend haben wir unsere Bildungsarbcit zu gestalten. Die Betrachtung der Geschichte unter dem Gesichtspunkt des Klasienkampfes, nicht unter dem der Helden- Verehrung, die Erkenntnis der Entwicklung von Wirtschaft und Ge- sellschaft, die vorurteilsfreie Anfchaung der Naturvorgänge als be- stimmten Entwicklungsgesetzen notwendig unterworfen, und, als Krö- nung des Ganzen, die Einführung der Jugendlichen in die Geistes- weit des modernen Sozialismus, das sind die wesentlichen Gebiete unserer Bildungsarbeit. Was wir mit dieser Bildungsarbeit erreichen wollen, ist zweier- lei: zunächst gilt es, die Masse der— vorerst indifferenten und gleich- gültigen— Jugendlichen zum Denken zu bringen, sie zu eigener Weiterbeschäftigung mit den betreffenden Wisienszweigen zu voran- lasien. Darüber hinaus aber müssen wip die befähigsten und«if- rigsten unter diesen Jugendlichen aus der Masse herausheben und ihnen durch Arbeitsgemeinschaften, Volkshochschulkurse usw. eine in- tensivere Ausbildung zuteil werden lassen, als dies durch die all- gemeinen Veranstaltungen möglich ist. Diese Aufgabe ist nicht minder wichtig als die vorige: denn nicht nur darauf kommt es an, allen ein gewisses, natürlich bescheidenes Maß von sozialistischer „M a s s e n b i l d u n g" zuzuführen, sondern zugleich eine Art geistiger Aristokratie, will sagen: eine geistige Führerschaft aus den älteren Generationen unserer Jugendbewegung heran, zu- bilden, eine Führerschaft, die nicht nur zu agitieren, zu organisieren und zu— bureaukratisieren versteht, sondern die auch, tief erfüllt und innerlich durchdrungen von den großen Aufgaben der sozia- listischen Bewegung, voll Verantwortungsgefühl dereinst das Ruder ergreifen kann. Es Ist ja ein offenes Geheimnis: mögen die sozio- listischen Verbände in reichem Maße organisatorisch und agitatorisch, mit einem Worte: praktisch geschulte Kräfte haben, so fehlt es ihnen an einer geistigen Führerschaft, die neue Wege zu gehen, die die Bahn des Sozialismus von der Wissenschaft zur Wirklichkeit voran- zuschreiten vermag. Hier einzusetzen, ist— neben dem Kampf für die Schulreform und der Masienbildung— die wesentlichste Aufgab« der soziallstischen Jugendbewegung aus dem Gebiete der geistigen Kultur. �Cebivl k Mi U'FASN riil/ÜÄ 7 /Hargarfne I Schmalz MlllltlllllHIIIilllN kaufen Sie zum Osferfesi am lesfen leSlf€ Är/ iiiüininininiiimnininnimnmniimiminmiiEnnriiiinnfiiiniiininiiiiiniiniiiiiHiiniiiniiiiiniiiiFifiiniiiiiiniiHfniniiinninn MOoldacker Centrale jBrunnenstr. 129 Z0. SamMWeMckSKi Wfo M AHtz-; ZA x MW'' ItSmorrKoicksl »»»»-»»»««oiros«»,«»»»»»»»»»«>>,»»» - 2Apfc:Kon unc!-Sslbsn (L2ue7stofk-�.!umin!um» Präparate) €h wirken sdimer?- u.juckreizstiilcnd $ desinfizierend, zusammenziehend, entzündungswidrig u. blutstillend. ErhftliHch In Apotheken«:: Prospekte kostenlos. Pbarmax Q. m. b. 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