Nummer 7/ Freitag, den 28. Juli 1922 �BwawiraayjjHEiijsgBfe Der„Iugend-DonVarkz" ist ein Diskussionsorgan der Zlrbeiker-Jugend und der Iuns-�oziaiisten. Es können hier gelegentlich auch Meinungen zuni Ausdruck kommen, die dem Standpunkt der Partei nicht vollkommen entsprechen. Die Redaktion trügt daher für den Inhalt dieser Beilage nur die prcßgesetzliche Bcrankmortung. Redaktion des„Vorivärts". ?unge imö Me. Don Victor Engelhardt. Unsere Jugend ilt aufgestanden— und hat sich mit revolutionärer Gewalt gegen das Alte erhoben. Darob wurde mancher von Ken Alten böse.„Die Jugend fabuliert," so sagten sie,„schwelgt in Gc- fühlen, vergißt den Verstand— und verliert den Boden der Tatsachen, aus dem wir stehen." Je nun— Jugend hat ein Recht auf Jungsein. Und zum Jungsein braucht man keinen Verstand— aber iftan braucht Begeisterung!— Doch haben die Alten mit den Vorwürfen nicht ganz Unrecht. Eines darf die Jugend nie vergessen— so sehr sie auch manchmal gegen die Alten wettert— die Dankbarkeit! Äer war es denn, der ihr— der Jugend— den Grund bereitet hat, aus dem sie jetzt freudig tanzen kann und darf?— Der zähe Kampf der Alten, war s, von dem die Jugend nichts mehr weiß, der Kampf gegen böses Gesetz und böse Gewalt. Ja, nicht nur der Kamps— das große Opfer an Lebensglück und Lebensinhalt mar es, das die Alten in diesem Kampfe gebracht. Rur weil die Tllten verneinten, bitter kriüsicrten— nur weil ste die schwere und undankbare Last des Zerstörens auf sich nahmen, nur weil sie ihre Seele vergaßen über dem notwendigen Zerstörunzswsrk,— kann die Jugend jetzt auf- bauen und freudig jein— und ihre Seele, ihr Menjchsein gestalten. Das vergesse sie nimmermehr— und sei darum dankbar auch gegen die, die als mlldgewordene Kämpfer sie nicht mehr verstehen. In aller Dankbarkeit aber hat die Jugend zu einem volles Recht. Sie hat das Recht, den müdgewordenen Kämpfern, welche die Jugend nicht mehr verstehen wollen, zu sogen, daß sie sich um ihres Opfers schönsten Lohn bringen lassen, wenn sie die Jugend nicht verstehen. Wofür haben die Alten denn gekämpft? Ost haben sie es selber gesagt—„rastlos— ruhlos— find wir Streiter— für unserer Kinder Land." Und nun, wo in ihrer Kinder Land die ersten zarten Blumen blühen, wollen die Müdgewordenen den Frühling nicht sehen. Dag ist ein trauriges hartes Geschick.— Höchste Aufgabe unserer Jugend ist es darum, in ernstem, dankbarem Bemühen mag- lichst viele der Alten vor diesem Trauerjchicksal zu bewahren. So kann die Jugend Lehr Meisterin der Alten werden. Tut sic's in der rechten, durch die Pflichten der Dankbarkeit gegebenen Form, so wird ste Freud? schenken, Sonnenschein— Lachen und Glück. Aber mehr noch!. Sie wird auch empfangen. Eie nird von den Alten hören, daß auch sie.einst begeistert waren, hell entflammt für große Tat— und daß sie diese Begeisterung ihrer Lugend bitter brauchten. Sie mußte reichen,— nicht für eine große Tat— nein— aber für ein Leben klÄnlichcr, zermürbender Kämpfe.— Und das ist mehr. Solche Kämpfe werden auch der Jugend von heute nicht erspart bleiben. Möge die Kraft Ihrer Be- aeisterung sich stark erweisen, wie die der Alten,— dann ist die Jugend zum wahren Aufbau berufen, auf einem Grund, den die Kampfe der Alten bereitet. Und hier werden die Alten zu.denLehrmeistern der Jugend. Sie können berichten, wie in schweren und schwersten, zermürbendsten Stunden die Kraft der Begeisterung nicht reicht, wenn sie nur aus Gefühlen ruht, und wenn sie nicht vermocht hat. eia ocrstandesmäßiycs— vernünftiges Abbild ihres Mollens zu schaffen. Die Begeisterung— wo sie entflammt— muh Wurzeln suchen— im klaren Wissen von Zeit uni�Welt. Sonst jagt ste Trug- bildcrn nach. Jeder einzelne von uns— und das sei vor allem der Jugend ins Stammbuch geschrieben— muß erleben, wag der schasiende Künstler erlebt. Uebcr ihn kommt die Stunde des Rausches— da fliegen die Pulse— und das fiebernde Auge erschaut die große Visian.— Die große Vision haben viele er'ebt,— aber die wenigsten haben sie gestaltet, Gestaltung ist mähselige Arbeit an und mit den K-ästen, welch? Reecistenurg schenkte. Erst diese Arbeit macht den Künstler— macht den Mann, Was dem einzelnen großen Künstler nottut— verlangt auch die große Bewegung. Und hier liegen die Aufgaben der neuen Zeit. Aus der Begeisterung, welche sie uns geschenkt, aus der Freu.de', welche unsere Jugend aus der Tiefe der Menschenbrust geschöpft hat. muß'sie gestalten, was mehr ist als Freude und mehr ist als Be- geisterung— die T a t. In diesem Ziel vereinigen sich Junge und A"!e, die beide von- einander lernen müssen. An diesem Ziel wird letzte Sehnsucht wahr. An diesem Ziel kann sich Gemeinschaft he? Jungen und Alten bi'dcn. Wahre Arbeitsgemeinschaft zwischen Jungen und Alten. das ist die Forderung dieser neuen Zeit. Wird sie erfüllt und lernen Lunge und Alte voneinander, dann werden Gefühl und Verstand. Freude und Ernst. Lust und Festigkeit. Vegeisterimg und Arbeit im rechten Verhältnis sein— und wir werden dem Ziel näher kommen, nach dem wir alle streben— dem Ziel, dos uns die Jugend so schön bezeichnet hat, als sie den.sozialistischen Menschen" forderte. �rbeiterjugenö unö Wehrmacht. Von RobertKeller. Da» Erfurter Programm forderte:„Erziehung zur allgemeinen Wehrhoftizteit. Volkswehr an Stell? der stehenden Heere." Der Entwurf der vom Parteivorstand eingesetzten Programmkom- Mission hatte diesen Pregrammp- nkt n> ch t übernommen, sondern die Forderung erhoben:„Körperliche Ausbildung der Jugend unter Ausschaltung aller militärischer Zwecke." Genosse Echützinger unterzog diesen Vorschlag in einen-„Borwärtz"-Artikel «Wehrhaftigkeit im Parteiprogramm" einer Kritik und trat für eine entgegengesetzte Formel ein:„Erziehung der nationalen Wehrmacht zur Erfüllung der Aufgaben de»� internationalen Rechts, körperliche Ausbildung der Jugend zur Wehrhaftigkeit. unter Ausschaltung des Haß- und Rachegelstes." Der Görlitz?? Parteitag hat sich keinen der beiden Vorschläge zu figen gemacht, sondern sich damit begnügt, dem endgültigen Programmiert unter dem Abschnitt„Kultur- und Schulpolitik" die folgende Fassung zu geben:„Erziehung des heran- wachsenden Menschen in der Familie, in der Schule und der freien Jugendbewegung... zu den Idealen der Re- plib.Ik, der sozialen Pflichterfüllimg und des Weltfriedens." Di? Frage ist oifen geblieben, auf welchem Wege die Partei diesem Ideale de» Weltfriedens näher kommen min. Zweifellas wollen auch die parteigenöstischen Befürworter einer nationalen Wehrmacht letzten Endes der Sache des Lölkerfri-dens dienen. Es wäre verwegen, zu behanpten,. die Forderung nach Er- Ziehung zur Wehrhaftigkeit vertrage sich nicht mit der sozialistischen Weltanschauung; können sich doch die Befürworter auf Sozialisten wie Bebel, Jean Jaures u. a. berufen. Und doch ist es heute eine glatte Unmöglichkeit, das Problem der nationalen Wehrmacht unter dem Gesichtswinkel von Jaures"Neuer Armee", Bebels. Reichs- tags- und Parteitagsreden und der Verhandlungen des Partei- tagcs von!899 behand ln zu wollen, lisberhaupt wird es vergeh- liche Mühe sein, in den Schriften großer Theoretiker der Vergangen- heit nach Rezepten für hie Gegenwart Zu suchen. Auswirkungen und Folgen eines Krieges, der die ganz? Welt in ihren Grundfesten erschüttert hat, konnten nicht vorausgesehen und zu meistern ver- sucht werden.' Alte Richtlinien für die au? dem Schöße des Welt- kricgcs geborenen Problem« zurecht zu frisieren, sollte man endlich lassen. Die heutige und die kommende Generation wird ihre Zeit entweder vermöge eigenen Denkens bewältigen, oder sie wird scheitern. Diese Erkenntnis Ist insbesondere bei dem Problem der nationalen Wehrmacht notwendig. Es sei noch erwähnt, daß bei unseren Betrachtungen Art. l72 des Bersailler Vertrages, der uns das Freiwilligensystem vorschreibt, unmaßgeblichen Einfluß hat. da zeitliche Hindernisse lein Grund sein dürfen, das grundsätzlich? Wollen zu verleugnen.| Wir wollen über die Bestimmung des Bersailler Vertrages> hinausgehen und fordern, freiwillig auf die tönern« Mach- der| Woffen zu verzichten, nickt weil wir für absehbare Zeit militärisch � total geschwächt sind und als ernsthafter Wasfengcgner nicht in Frage kommen, sondern weil das Elend und die unermeßlichen Zerstörungen •Ks Krieges in uns den ernsten Willen wachgerufen haben, ein für allemal diesem Wahnsinn des Mordens und Vcrnichtens ein Ende zu fnachen. Der Einwand. Kriege seien ein Naturgesejtz ist so kindisch, daß es sich nicht verlohnt, ihn zu würdigen. Bleibt noch die Eni- gegnung, es sei eine unerträglich? Zumutung. Deutschland völlig zu entwaffnen, wo die Welt rinasherum in Waffen starrt. Gewiß be- darf es einer heroischen Selbstüberwindung, den Weg der Abkehr von jeder Wasfenmocht zu beschreiten in einer Zeit, in der noch immer Gewalt über Recht triumphiert. Man wird darauf hinweisen, daß die prominentesten Signatarmächte des jetzigen Völkerbundes bisher sehr geringe Neigung zu einer auch nur teiliveiscn Abrüstung zeigten und so den Glauben an die Völkeroerständigung harten Ge- duldsproben ausgesetzt haben. Das darf uns nicht irre machen: denn der Bölkerfrisde bleibt eine Utopie, wenn er den Völkern nur ein Lippenbekenntnis ist und sie nach wie vor gegen ihre Nachbarn; Sicherungen militärischer Art iressen. Die Völkerbunbidee bleibt! eine hohle Gelte, solange jeder Staat die Abnästung dep anderen vor| der eigenen fordert»nd auf diese Weise die Vernichtung der Mord- j instrumente hintanhült. Hier erheischt d ie tiieschiä)te ein großes Beispiel der Entsagi�ig und Ausopserung! Deutschland sühnt vor der Welt � i n e n Teil der Schuld am Weltkriege, wenn es aus dem Wege zum Völkersrieden konsequent vorangeht. Das deutsche Kaiserreich war ein Herd des Unfriedens, die deutsche Republik sollte ihr« Ehre u>rd ihren Stolz darein setzen, der stärkste Hort des Friedens zu fein. Da» Banner des Friedens in der Welt aufge- pflanzt, deutsche Republik! Dafür zu leide» und zu dulden adelt! Die Garantie des Dölkcrfried'ens wird schließlich durch die JJsuf» stellung einer internationalen Schutzpolizei gegeben werden müssen. Dieser Entwicklung ebnen wtv die Bahn, wenn wir unsere n a t i o- nale Wehrmacht auflösen und uns mit den Organen be- gnügen, die uir die Ehekut-ne der gewählten Volksvertretung er- forderlich sind. Die monarchistische Struktur der Reichswehr macht uns diesen Schritt besonders leicht, ganz davon zu schweigen, daß eminente Kultursorderunoen, ww Ausbau der Schulen und Steige- nmg der Volksbildung überhaupt lVeUshochschulen usw.) zurückgestellt werden müssen, damit unsere Reichswehr das Geld in Paraden vor ehemaligen Prinzen vervuloern kann. Dieser Zustand zwingt zur sofortigen Abhilfe. Der Mut zum Anfang ist allerdings Voraus- setzung. Schule und Elternhans kwlcviel Arbeilerelrern beglücken doch ihre Kinder noch mit Bleisoldaten, iwlz'äbeln und dergleichen schönen Dingen!) kommen vorerst für die Idee des Völkerfriedens und den Kampf für diese Idee nicht in Frage. Aufgabe der freien Jugendbewegung ist eo, im Kcnnxfz für den Frieden Kerntruppe zu werden. Wir haben in Bieleseld unseren Klassenbrüdern aus Belgien, Schweden und anderen Ländern gelobt:„Nie wieder Krieg!" Wlr werdetz zu beweisen haben, daß un» dieser Schwur hcilla ist und bleibt! Rollai ds Worte auf unsere Fahnen:„Unser Vaterland ist die Menschheit!" Jugenö imö volkerbunö. Bon Kurt Wegner. Eine Frage Ist es, die seit Kriegsende das gesamte Europa be- wegt: Was wird aus dem Völkerbund? Bis heute ist diese Frage noch nicht im Sinne der Völkerversöhnungsfreunde gelöst worden. In Versailles, wo 1gl9 der Friedensvertrag diktiert wurde, beschloß man auch die Organisation des von der Entente eingesetzten Völkerbünde», der damit zum Machtinstrument der Sieger wurde. Sitzen doch im Direktorium diese» Bunde» fünf(Iroßmächte, die gegen un» Krieg geführt haben, wozu sich noch vier kleinere Nationen gesellen(Belgien, Brasilien, Spanien und Griechenland), die als Dekaration dienen. Deutschland gehört diesem Bund« nicht cm. Seit Genua tritt nun die Frage in den Vordergrund: Wird Deutschland Mitglied des Völkerbundes? In wenigen Wochen tagt das Plenum des Bundes in Genf und wird wahrscheinlich auch über die Frage: Mit oder ohne Deutschlakid? entscheiden. Eine Kette von Ungerechtigk-eiten hat un» den Glauben ge- Nammen, daß wir hier die Rcchtsoraanisationen der Dölker var uns haben. Wir denken an E u p e n- M a l m c d y, an das Saar- l a n d, an W e st p r e u ß e n und nicht zuletzt an O b e r s ch l e s i e n. Auf einem solchen Boden des Unrechte und der Vergewaltigung wächst kein Vertrauen und gründet sich nicht die Hoffnung, daß der Völkerbund der Ort sei, wo sich die Staaten„versöhnen" sollen. Deshalb kann man verstehen, wenn weite Kreise gegenwärtig einen Eintritt Deutschlands in de» Bund der Völker ablehnen. 2!ber trotz alledem glauben wir, daß Deutschland als gleichberechtigter Staat iin Bunde der ALljer mehr wirken kann, als wenn es abseits steht. Di? internationale Jugend erhofft durch deutsche Mithilfe, daß der Völkerbund den Weg beschreiten kann, der Friede für alle verbürgt. Vielleicht kann Deutlchland allen anderen vorangehen. Durch Ab- rüstung und auf dem Gebiete der Sozialpolitik, der Wissenschaft und der Kunst wird e» wahre Friedensarbeit leisten können. Dadurch aber kann der jetzige Bund erst ein wahrer Bund der Völker werden. Nicht die ordenbetrcßten Potentaten von vorgestern sind die Der- treter der Völker, sondern die gewählten Sendboten der Volksmassen. Damit wächst aus der Zusammenkunft der Regieruqgemänner da» Weltxarlament empor, in des die Delegierten der einzelnen Länder je nach der Stärke der Parteien zu entsenden sind. Die Früchte aus diesem Gebiet reisen nur sehr langsam, deshalb greift die sozialistische Jugend tatbereit ein und leistet durch ihre Internationalen Jugend tage die Vorarbeit für eine wahre Völberversöhnung. Unvergeßlich wird allen Teilnehmern de» internationalen Jugend- tage? in Dielefeld im August 1921 der Augenblick sein, wo unsere Jungsozialisten und unsere Arbeiterjugend Zlrm in Arm mit den Freunden aus Holland, Dänemark, Schweden und Belgien ein intet- nationales Friedensmeeting veranstalteten, wo selbst die Acltesten wieder Mut und neu« Hoffnung schöpften. Denn hier reift ein neues Geschlecht heran. Die sich hier noch Frieden sehnten, sind die Väter und Mütter von morgen, die das kommende Geschlecht zeugen. Durch die Entbehrungen der furchtbaren Zeit doppelt geläutert, I?al!en sie fest, was sie in Bielefeld zum Schwur erhoben, und sehen in der Verbindung aller Kulturvölker zu einem wahren Völkerbünde das Heil der Menschheit.____ verieumösr! Bon C u r t K e ck. Wir sind als Aibeiterjugend gewöhnt, uns der liebevollen Auf- merksarnkeit der nationalgesinnte» Volksgenossen zu erfreuen, und wir wissen sehr wohl, daß ste voll Eifer bemüht sind, einen Splitter in unseren Augen zu entdecken. Meistens lohnt cs sich nicht, auf ihr Geschwafel einzugchen, was sich aber die„Tägliche Rund- I ck a u" in einem Artikel„Jungvolk— W i l d v o l k" in Nr. 275 leistet, veranlaßt uns doch, die Slussührungen etwas unter die Lupe zu nehmen. Nachdem der Verfasser absällige Bemerkungen über die über- triebene Ausdvuckskuitur gemacht hat(worin wir mit ihm einig sind), fährt er fort: ..Die unangenehmste Abart von allen Wandervögel» dürste jedcch die rote Jugend sein.... Kinder dürfen überhaupt nicht in einein bestimmten Varteigedanken großgezogen werden. Poli- tisch nehme man de? Jugend keine Entscheidung vorweg, indem inan sie in eine bestimmte Bahn zwingt und vor den Parteikarren spannt." Uns dünkt, genau mit demselben Recht, mit dem der Jugend der naiionalgesinnten Kresse die angeblichen Vorzüge des Kapita Iis- rnus gepredigt werden, dürfen wir Arbeiterjugend uns mit dem Sozialismus vertraut machen. Wir spüren die vorheerenden Wirkungen der kapitalistischen Wirischastsweise an uns selbst, im Elternhause, in der Arbeitsstätte, im ganze» deutschen Lande! Da ist es nicht nur unser Recht, sondern unsere Pflicht, nach neuen, nach besseren Lebensbedingungen zu suchen. Wenn der Verfasser oder, besser gesagt, der Verbrecher dieses Artikels aber weiterhin spnckt von: „... parteipolitischem Wandervogelunfug, den vengcls und Mädels mit roten Fahnen und Totschlügern verüben, wenn sie Sonntags das Gelände unsicher machen, die Ehrfurcht vor dem lllltcr nicht kennen und sich gleich den Spatzen im Kot tummeln"— so wird er sich jedenfalls selbst der Verleumdung bewußt sein. Die Jugend, die mit Fahnen Unfug verübt und nicht nur mit Tot- schlügern, sondern rnieli mit Eiergranatm und Maschinenpistolen ihre „Ehrfurcht vor dem Alter" zum Ausdruck bringt, ist in anderen Kreisen zu suchen. Im nächsten Absatz werden wir dann darüber belehrt. wcsl)alb sich die.linkspolitischen Wandervögel" gar nicht anders auf Fahrtm betragen können, nämlich: „Woil sie irregeleiteten Arbeitorkreisen entstammen, in denen man die weltliche Schule für ein erstrebenswertes Ziel hält, in denen man die Kinder am liebsten religionslos„wie das liebe Vieh" aufwachsen läßt.— Schuld daran sind di« Eltern, die die jungen Menschmpflanzm an rote Parteipfähle binden und sich so selber die Ruten großziehen, mit denen sie im Alter gezüchtigt werden." Lllso weil wir Jugendliche bereits emvfurchen haben, daß der Schablonenbetricb der jetzigen Schule uns jenes Wissen vorenthielt, nach dem jeder von uns, ach so sebr, dürstete, uns nichts, aber auch gar nichts gab, um den inneren Menschen zu festigen, dagegen uns mit nichtssagenden Bibolversm und trockenen Gcschichiszablen ab- gespeist hat. darum ergießt man über uns dm Schmutzkübsl! Jawolss. wir Arbeiterjugend lehnen es ab, wie jene Kreise zum Gott der Liebe für die Vernichtung vatt Menschenleben zu beten! Wir halten von unseren Reih?» blinde.Hetze fern. Wir wollen nickt zerstören, wir wollen auibauen! lipd wir find nberzengt: In unterer Weltanschauung ist mehr Religion enthallen, als diese „Christen" aus ihrer Bibel herauszulesen imstande sind! Wenn aber der Verfasser die Behauptung ausstellt, die durch die Schule der Arbeiterjugend gegangenen Jugendlichen werden sich einst nicht ihrer Pflicht gegen die alten Eltern bewußt sein, so lehnen wir es ab, ihm in diesen stinkenden Sumpf der Verleumdung zu folgen. Wir als„verrottete Heiden" rufen ihm und seinen„christlichm" Gc- sinnimasgenossen nur das 8. Gebot ins Gedächtnis:„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächstenl" Aber vielleicht legen die„kirchlichen" Kreise das Gebot anders au»,„wie sie es ausfassen". � Die Seschlechtskeankheiten— eine Wachsende Gefahe l Die O r t S kr a n ke n I a s s e der Stadt verlin stellte zahlenmäßig folgende? seit: Infolge von Wei chlecktskrankhelten wurde» von den Kasseiimitgliedern erwerbSunsähig niännlich weiblich 1918 959 0 782 3919 1?00 9 226 1020 3 000 11414 1021 2 035 14 767 Hiervon entfallen auf die j n g e n d l i ch e n Altersklassen: — UIaliro 15-18 tzalite 17-«> Ial,r« 21-55 tzoftre Zak>r tniiarl. wtlbl. m Knill, wklbt. miinnl. roeihl. etflnnl. weibl. 1019 6 7 45 123 258 1090 877 2020 1930 2 9 80 152 807 1880 577 3124* 1021 10 11 42 202 351 1879 034 8926 Ziebt man dabei in Betracht, daß scbr viel Erkrankte arbeitS« fähig bleiben und daß viele Kassenmitglieder sich bei solchen Er« krankungen von Privatärzten behandeln lassen, so bekonnnt man erst da? richtige Bild. Wichtig ist die Feststellung, daß gerade die weiblichen Jugendlichen mit einem besonders hohen und noch dazu schnell anwachsenden Anteil an diese» schrecklichen Zahlen der« treten sind. Alle erwachsenen Arbeiter sollten sich dadurch veranlaßt sehen, zu Hause und tm Betriebe für Auflläriliig zn sorgen. Eine besondere Aufgabe erwächst aber der Jugend selbst. Die von der sozialistischen Jugendbewegung erfaßte Jugend ist sicher gefeit gegen diese Gefahren. Geistige und körperliche Deschästigung und rechtes GemeinichaitSleben schützen am besten gegen die Lockungen, die zu den Erkranlungen führen. Noch steht aber ein groß-r Teil der tverliätigen Jugend nbieilS. verständnislos siebt er dem Treiben zu, zum Schaden seiner selbst, zum Schaden der Gesamtheit. Mag die proletarische Jugend sich deshalb der Wichtigkeit ihrer 2lufgobe be« wüßt sein und für immer weitere Berbreitinig der Gedanken der sozialistischen Jugendbewegung Sorg« tragen. Dadurch wird am besten den Geschlechtskrankheiten entgegengearbeitet. wstefesraer Brunnenstr.25 maxj okcäocxsbu�ouococxxxx c MWlM. Stcatstheat. (Sdianspidhaos) Operetten-Ciastsp. Tägl.V/iVhr: Die beniea NacbtlgaRea fieul�K�TSieat i1/»: BsbiaseSj und * Pcj�matter So. 71;-. �PetÄSCh u. Perlmutter Kamtasrspicls 8: Der Raub der Sabin erinkeu Gas'spiei Unis Tür!» vom Wieoor terjttMt« So. 8: Der d�aub d. Sabineristnen Dashpiei Ha ja iftrif wb Wiener BerfHiMfcr. fir.Schaaspielh. (Karlsiediie) 7Vs- Die ivlasch!« nenstürinzr So. V1/?: Die Mftc sciiin enatünncr Theater i. d. Käniggr3te.S{r 8: D. v/underllek. Cieschictat�n des Kapcllm. Kreisiar 1 3CX: 1 Vclksnübne Täjl. 7'/j Unr. Mosil Mm Lofising- Th. Sommcrs{/leIzelt. Aüfibendi. 8 Uhr: IilickiltzgMzlü! Ml Kfiiistler-Iä. äommerspielzeit Alladendl.«Uhr: lle jrste W Ccntral-Theater KeKiödteühEM s u.:„�nlghen" Berliner Th. 7 45: Madame PHrt Residesz-TM. Täglich t Uhr: Fedora Tiüa üiiTim Walilem. tvlstropsl- Vari«iQ Behrenstr. S-4 S Uhr Infolge a jroBen Sriolges veriän1- Certes Gastspiel Carl Bojesko und Sweilere Vnrirt�-.tcltftn p-S ijüW üiffier 8: Die rtilsciieund? - Lattl doch niohi immer nackt herum Heues Oporett.-Tlv Uc Ul» JKädels von Bavos Lichtensiein, Seidl NeuesVolksthealer Die erste 58138 Me'.ropol-Theater Ah I. August JVj ü Die Baiedere Schillor-Wi. Charl. 3 Uhr: Die kleine Sanderin Von Jean Gilbert. Thalia-Theater Uhr; PfiHZ flOil MS rjf. a. Nellendorfpl. Sr.hrll Theater d. Westens ! Ur: Itsl. Ballen Sta�lene. IImm Lasldilt frianoi-fh. Täglich S Uhn Eise Fraü Oboe gedeuiiisi L�! dele Sandrock sc Werkmdlf.ter SäfiiMi Piatsi- Theater Kastariicnallue TÜglich: 7-9. Spielplan vom 28.JBnbis4.Aag. 1922 Näheres Anschlagsäulen OFA.PAi.AST AM ZOO Lnstsplelwoohe: t'faapl&n-FiSmv irAüfiiNTZlEN-P. \ Der schwere J untre KDRFÜRSTBMD. NOLLEND.-PL. Das Fest der Venus MOZAKTSAAL Die kleine Stenotypistin �ÄliCDKICHbTß ALEXANDEKPL W EINBERGS W. Inlrrgiien und Dolche XAUbic.iULiCii'1 Fridericus Rex 1 u. II. Teil SCHÖN EBERG (■enflemen» Gauner RASEN BEIDE<& Sie ix. die Orcl Reichshallen»Th. Während der Perlen der Stettiner Sänger Tägl. 7V* Uhr Gastspiel der Residenz- Sänger Il!eal.aJlßtt!iDS.Tßr KoHbus. 51.6(daritz?!.! 6 Ö77) Jeden Abend 71/, U. Gastspiel FreyersLeip- zipsr Sänger Seil 24. PrBgr.-W-dKd Bläthgefl-Üönieri I.Aqj:: Wierier'' auftreten der Elite- Sänger. mmm PotsdsmerStr.33 Henny Pjrien in: Sic u. die 3. Turmstr. 12 Das Mädchen ohne Herz Uexand.-Pl. Pass. Roman einer Halbweltdame ginxaufntslie Osten 1 Srlier Weg>f labil Tegnprtisi Ur üiipfär, issi i M eil. Kiperolte in 3 Akten il owie Spezialitäten. Beginn S Ukr. l'a I a r i rotsaamsr Str. 19 Edii Wargarstaastr. UrauftDIining des Unitas-Füms JiraJeffries 10 Akte... 1. Teil: OerSokn d.Straßc z. Teil: )ie rätselhaft. Ehe 7 u.9 Uhr, Sonntags 5, 7«. 9Uhi SigtaSIverkayff von Herren-, Daniensüefaln und -schuhen zu Pabrik�reisers. Unenlbekflicl] in Haus, Werkstatt, Fabrik. Henkel& Cie. 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