Der„Jugend-Vorwärks" ist ein Diskussionsorgan der Arbeiter-Zugend und der Zungsozialisten. Es können hier ge- legentlich auch Meinungen zum Ausdruck kommen, die dem Standpunkt der Partei nicht vollkommen entsprechen. Die Redaktion trägt daher sür den Inhalt dieser Seilage nur die prejzgesctzliche Verantwortung. Redaktion des«vorwärts". Zreiheit! Von K u r t K e ck. Sind wir freie Menschen? „Jawohl", tönt es einem im Brustton der Ueberzeugung aus den Reihen der Jugend entgegen. Die Antwort scheint doch etwas voreilig. Zeigen sich nicht Ju- gendliche häufig auf Iugendveranstaltungen, in der Fortbildungs. schule, in der Werkstatt jeder Selbstbeherrschung bar? Muß man nicht oft auf Wanderfahrten feststellen, dah hunderte und aber hun- derte Jugendlicher nicht einmal der Natur, die ihnen die reinste, er- Habenste Freiheit bietet, die nötige Achtung entgegenbringen? Freiheit bedeutet ihnen Zügellosigkeitl Freiheit ist ihnen Schlag- wort und Zügellosigkeit wird mit„Freiheit" motiviertl Und doch sind gerade diese Menschenkinder di! Unfreiesten, sind in die schweren Fesseln des Unverstandes und der Unvernunft ge- schlagen, denn sie wissen ja gar nicht, was Freiheit bedeutet oder wollen es nicht wissen. Was ist denn Freiheit? Zunächst muh jeder Einzelmensch davon absehen, Freiheit für sich, sür alle seine Handlungen in Anspruch zu nehmen. Freiheit kann nur die Gesamtheit der Gesamtheit geben, und jeder einzelne hat für den Teil Freiheit, dessen er sich dadurch er- freuen darf, der Gesamtheit Rechenschaft zu leisten. Wie oft kommt es vor, daß, wenn Unverstand und Unvernunft sie regiert, die Freiheit des einen zur Geißel des andern Siaats- bllrgers wird! Denkt zurück an die vergangenen Wochen und Jahre. und an erschreckend vielen Beispielen werdet Ihr die Bestätigung hierfür finden. Nicht nur Kraft ist zur Erhaltung der Freiheit notwendig: sie bedingt vielmehr auch Pflicht- und Berantwortungs- g e f ü h l in gleichem Maße. Ohne diese drei Eigenschaften der Menschen ist Freiheit in jedem Staatswesen undenkbar, völlig unmöglich aber in der sozialistischen Gesellschaft. Verlangt letztere doch gerade die aufopfernde, hin- gebungsvollste Tätigkeit ihrer Mitglieder, die sich voll bewußt sein müssen, daß sie unentbehrliche Rädchen in der großen Staatsmaschine sind. Da höre ich den trutziqen Einwurf: „Ist nun schon der Mensch in seinen Handlungen als Staats- bürger zur Rücksichtnahme auf die Allgemeinheit verpflichtet, so ist doch sein Geist frei... gänzlich frei... losgelöst!..." Weit gefehlt! Auch in dieser Beziehung bedeutet Freiheit nicht Schrankenlosigkeit, sondern sie soll nur die Gewähr dafür geben, daß olles Gute, Schöne und Edle auf geistigem Gebiete sich ungehindert auswirken kann. Schmutz und Schund darf beileibe nicht mit der Begründung,„es herrsche doch geistige Freiheit", verteidigt, sondern muß auf das erbittertste bekämpft werden. Erst derjenige, der die Bedeutung„Freiheit" ganz erfaßt ha:, kann ein wirklich freier Mensch sein. Ein freier Mensch aber achtet die Freiheit anderer: er schützt sie, wie seine eigene! Ein freier Mensch weiß, daß unverantwortliches Spiel mit der Freiheit Knechtschaft bringt! Bon diesem Standpunkt aus gesehen, wird die Zahl derer, die von sich noch im Brustton der Ueberzeugung behaupten können, freie Menschen zu sein, recht klein werden. Wir Arbeiter-Jugend aber wollen uns zum freien Menschen durchringen! Wir wollen, soweit es in unfern Kräften steht, mit dafür sorgen, daß mit der Freiheit, die uns die Verfassung als Staatsbürger gegeben hat, nicht Schind- luder getrieben wird, sondern wir wollen uns ihrer zu unserer geisti- gen Fortbildung, körperlichen Ertüchtigung und zur Besserung un- serer wirtschaftlichen Lage bedienen. Wenn wir in diesem Sinn von unserer Freiheit voll und ganz Gebrauch machen, dann wird sie uns ein unschätzbares, unersetzliches Gut werden. . Die Nlöröersthule. � Bon Walter Schenk. Dem Prszeh gegen die Mörder Rathenaus vor dem Staats- gerichtshof zum Sch'-iz öer Republik ist die Oeffentlichkeit mit größtem Interesse gefolgt. Allgemein erwartete man, daß dieser Prozeß endlich einmal in die dtr-.ki� Tätigkeit der unzweifelhaft hinter den Mördern stehenden Organisationen zum Zweck der Bor- bereitung politischer Morde hineinleuchten würde. Diese Erwar- tung ist leider so gut wie betrogen worden. Jetzt, wo alle Republikaner— bedauerlicher- und bedenklicher- weis« nur die Republikaner— darauf sinnen, künftig politische Morde zu verhindern, ist es an der Zeit, auf eine Tatsache auf- merksam zu machen, die das Berhör der Angesagten im Mord- Prozeß ergeben hat und über die man nicht hinwegsehen darf. Die chouptbesckildigtm im Prozeß gegen die Mörder Rathenaus und andere Angeklagte und Zeugen, die in die Vorbereitungen des Morde- in verdächtiger Weise verwickelt gewesen, nanpten sich Mitglieder des Deutschnationalen Iugendbundes. des Jungdeutlchen Ordens oder des sogenannten„Bun- des der Aufrechten". Ernst Werner Techow, chans Gerd Techow, Günther und Steinbeck waren Mitglieder des Deutschnatio- nolen Iugendbundes Hans Gerd Techow sogar schon mit fünfzehn Jahren Vorsitzender und Günther vorübergehend stellvertretender Vorsitzender einer Ortsgruppe. Ernst v. Solomon war Mitglied des „Zungdeutschen Ordens" und der achtzehnjährige Primaner Shiben- rauch, deffen höchstes Jugendideal eine Pistole war. schon mit fünf- zehn Jahren ein Bundesbruder der monarchistischen„Aufrechten". Es steht, also fest, daß die Gehilfen und Begünstiger des Rathenau-Mordcs ihre politische„Aufklärung" und Erziehung auf Nestabenden des Deutschnationalen Iugendbundes genossen haben. Ist«s übertrieben, wenn wir den Rathenau-Mord als eine Frucht besonders der Jugcndverhetzungsarbeit des sich immer noch„UN- politisch" nennenden Deutschnationalen Iugendbundes bezeichnen? Der Deutschnatimiale Jugendbund ist im Derein mit den anderen monarchistischen Jugendgruppen, wenn man ihn an seinen Früchten erkent.«ine Schule politischer Mörder. Der Deutschnational« Juaendbimd ist wie die„Bismarck- Jugend" eme Filiole der Deutschnationalen Volkspartei. Er steht in freundscholtlich-inniaen Beziehungen namentlich zur„Alldeutschen Irgend" und zum„Iungdeutschlandbund". Der Jungdeutschland- bund erhiest vor der Revolution alle Gelder der staatlichen Jugend- rflege zugewiesen, während damals die Pflege der Arbeiterjugend er Polizei überlassen wurde. Der Deutschnationale Iugendbund. Nummer 10/ SonnabenS, öen 11. November 1022 dessen Mitgliedschaft sich vornehmlich aus dreizehn- bis achtzehn- jährigen Schülern höherer Lehranstalten zusammensetzt, wird heute in seiner Werbearbeit von vielen von der Republik bezahlten Di- rektoren und Oberlehrern begünstigt und lebhaft unterstützt. In Bayern, dem Lande der unmöglichsten politischen Verrücktheiten und Gemeinheiten, wird, wie der rechtsdemokratischen„Vossischen Zeitung" aus München berichtet wurde, der monarchistische Deutsch- national« Jugendbund bei Bewerbungen um die Rekrutcnschast der republikanischen Landespolizei gehört und stellt zu diesem Zweck Zeugnisse aus! Ueberall in Deutschland ziehen die Jünglinge des Deutschnationalen Iugendbundes, oft halbe Schulklasscn, Sonntags in die Wälder hinaus und gröhlen die schönen Lieder vom„Henker- blut, Franzosenblut" und dem neuesten Text des Mörderliedes mit dem Refrain:„Es lebt noch manche Judensau". Die Republik aber scheut sich anscheinend immer noch, dieser Mörderschule das Handwerk zu legen. Und die Parteigenossen unterstützen immer noch viel zu wenig die Arbeiterjugend- bewegung, deren Stärkung der beste Kampf gegen den Deutsch- nationalen Jugendbund ist. /trbeitersthast unö hochjchulftuöium. Don Alfred Korach. Man hört nicht selten die Behauptung, eine Hochschulreform setze eine allgemeine Schulreform voraus; von Reformen an den Hochschulen sei so lange wenig zu erwarten, als die heutigen Gymnasiasten, die Zöglinge der alldeutschen Oberlehrer, das Menschenmaterial darstellten, das die Universitäten bevölkert. Dieser Einwand ist in weitem Maße berechtigt. Das Bildungsmonopol der besitzenden Klassen besteht in kaum vermindertem Umfange fort. Vor der Revolution war es für jeden, der nicht eine höhere Lehranstalt absolviert hatte, so gut wie unmög- lich, jemals als Student die Hochschule zu beziehen. Galt doch mit Recht in weiten Kreisen das Abiturientenexamen des Extraneers vor der„Kommission" als die schwierigste Prüfung in Preußen- Deutschland. Jetzt liegen die Dinge leider immer noch ganz ähnlich. Vier Jahre sind verstrichen, seit wir die deutsche Revolution erlebten; diese kostbare Zeit ist dahingegangen, ahne daß„Uebergangs- Hochschulen" gegründet worden sind. Eine genügend große Zahl solcher Anstalten hätte, wie dies so oft gefordert wurde, so früh wie möglich eingerichtet werden sollen, um begabten Menschen insbesondere aus den Schichten der Bevölkerung, denen der Zu- tritt zu den Hochschulen so lange verwehrt worden war, den Weg hierzu zu bahnen. Für die Arbeiterschaft ist die Art der Zusammen- setzung der Studentenschaft von hoher Bedeutung. Man darf sich über eines nicht täuschen: ein erheblicher Teil der fachmännisch vorgebildeten Angehörigen der intellektuellen Berufs- kreise kann durch Laien nicht ersetzt werden. Die Borbereitung zum Berufe des Richters, des Baumeisters, des Arztes, des Gymnasial- lehrers erfordert aber außerordentlich viel Zeit. Die deutsche Arbeiterschaft darf sich der Einsicht nicht verschließen, daß auch sie einen Anlvnich und damit zugleich d!« Pflicht hat. einen erheblichen Teil der Plätze an den Ausbildunasstätten der akademischen Berufe mit den dazu befähigten Jugendlichen aus ihren Schichten zu be- setzen, sobald der Staat, wie wir dies heute entschiedener denn je fordern müssen, für den Lebensunterhalt der im Vorbereitung?- dienst« befindlichen, wirtschaftlich bedürftigen Personen ausreichend zu sorgen sich entschließt. Gegen diese Auffassung macht sich des öfteren Widerstand be- merkbar. Erstens trifft man von Zeit zu Zeit Leute, Arbeiter, die ihren eigenen Partei-� und Klassengenossen Ueberheblickkeit nach- sagen, wenn diese ihre besonders begabten Söhne und Töchter— selbst unter schweren eigenen Opfern— auf eine höhere Schule schicken. Derartige Vorwürfe sind der Ausdruck einer noch nicht überwundenen spießbürgerlichen Lebensausfassung. Ernster zu betrachten ist ein anderer Einwand, der gegen die Einweisung begabter Proletarierkinder in höhere Schulen und ihre Vorbereitung zu den akademischen Berufen gemacht wird. Viele Eltern befürchten, ihre Kinder würden ihnen auf diese Weise ent- fremdet werden, womöglich sich der eigenen Eltern schämen. Eine vernünftige Erziehung in Haus und Schule dürfte aber solche Be- gleiterscheinungen zu verhindern imstande sein. Schließlich werden noch Bedenken geltend gemocht derart, daß ein Hochschulbesuch der geistig besonders qualifizierten Arbeiter- kinder das Proletariat seiner besten Kräfte beraube, deren es als Klasse im Kampfe um seine politische und wirtschaftliche Wertgeltunq bedürfe. Es ist nicht zu leugnen: in dieser Beziehung bringt die Arbeiterschaft geqebenenkalls ein gewisses Opfer zugunsten des Staates. Gemessen an der Größe des deutschen Proletariats und der Stärke der in ihm und gerade in seiner Jugend schlummernden Intelligenz, handelt es sich aber vm einen Aderlaß von nur be- schcidenem Umfange, der obendrein insofern eine günstiae Wirkung haben dürfte, als den intellektuellen Berufsschichten Männer und Frauen zugeführt werden, die nach ihrer Herkunft im Proletariat wurzeln und vielfach besonders geeignet lein werden, die Lebens- interessen der Schichten, denen sie selbst entstammen, mit allem ihnen nach ihrer Ausbildung zur Verfügung stehenden Wissen zu vertreten, insbesondere auf vielen Arbeitsgebieten, zu deren Beherrschung eine sachliche Ausbildung unentbehrlich ist. Auch in diesem Sinne täte man gut, recht häusia des Losungswortes Wilhelm Liebknechts zu gedenken„Wissen ist Macht". Eine Vorbildung geeigneter Kräfte, begabter Köpfe aus den Kreisen des Proletariats auf den höl>eren Schulen und Hochschulen wird bis zum Studienabschluß im Durchschnitt etwa zwölf Iabre .dauern. Man muß daher damit rechnen, mindestens bis 1935 Tausende von öffentlichen Aemtern, für deren Wahrnehmung ein jahrelanger, regelrechter Studienaanq die Voraussetzung ist, aus- schließlich mit Angehörigen der Kreise zu besetzen, die— jetzt wie früher— ihre Kinder auf die Gymnasien und Universitäten zu schicken gewohnt sind. Die Zahl der an deutschen Hochschulen studierenden Arbeiterkinder ist so verschwindend gering, daß man sie fast gleich Null setzen kann. Die große Mehrzahl der heutigen deutschen Hochlchüler ist politisch reaktionär; in wirtlchastlicher Beziehung muß man jedoch die deussche Studentenschaft, die Haupt. sächlich den Schichten des verarmten Mittelstandes entstammt, als arg proletaristert bezeichnen. In dieser vorodox anmutenden Der- bindung politischer Reaktion mit wirtschaftlicher Proletarisierung bei demselben Perlonenkreise liegt aber eine Tragik der Studenten- schaft. die nur erklärt werden kanp au» der eigenartigen Einstellung der Bourgeoisie im alten monarchischen Staat. Auf fast ollen ausländischen Hochschulen existiert seit Iahren eine durchaus beachtliche Zahl von Studenten, die bestrebt und gewohnt sind, für politische und soziale Freiheit mit aller Entschiedenheit und aus vollster Ueberzeugung sich einzusetzen. Es gab und es gibt in anderen Staaten unter der akademischen Jugend Tausende von .Menschen solcher Gesinnung. In Deutschland trat in den letzten Jahrzehnten immer mehr die universelle Ausbildung auf den Hoch- jchuleu in den Hintergrund: das Spezialistentum mit einer vielfach vorzüglichen Fachbildung entwickelte sich immer stärker. Für Pokitik, namentlich Parteipolitik, herrschte unter der akademischen Jugend früher nur wenig Interesse, zumal die Machtbefugnisse des Reichs- tages und Landtages recht gering waren. Der frühere General- stabschef Graf Schliefsen machte einst die Bemerkung, nicht der Reichskanzler, sondern er sei eigentlich der oberste Beamte des Reiches; in ganz ähnlichem Sinne glaubten die deutschen Aka- demiker— nach der Ideologie der damaligen Zeit mit vollem Recht— auch im Beruf dann eine besonders geachtete� soziale Stellung einzunehmen, wenn sie Mitglieder des Reserveofsizierkorps waren. Der Weg dorthin wurde aber wesentlich erleichtert durch die Zugehörigkeit zu bestimmten studentischen Verbindungen. Das Streben nach einer bestmöglichen Geltung der sozialen Stellung im monarchistisch-militärischen Staat«, das als ein wichtiges Lebens- ziel der Akademiker galt, behinderte ihre vorurteilslose gedankliche Arbeit auf vielen Gebieten. Die Arbeiterschaft hat nach allen traurigen Erfahrungen, die sie machen mußte, ein vitales Interesse daran, die soziale Struktur, die geistige Einstellung und die Art der Ausbildung der jetzigen Generation der Hochschüler gut zu kennen. Sie sollte in steigendem Maße den Hochschulproblemen ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Herkunft, Gedankenwelt und Schulung der zu- künftigen Staatsdiener, die auf den Hochschulen ihre Fachausbildung genießen, sind die maßgebenden Faktoren für die Art der späteren Amtsführung, an der die breiten Schichten des arbeitenden Voltes lebhast interessiert sind. �ungfozialististhe flrbeitsgemeinsihasten. Von Dr. Otto Friedlaender. Wenn heute die Acnderung der politischen Verhältnisse auch eine Besserung der Bildungsmöglichkeiten hergeführt hat, so tritt damit eine neue Gefahr in den Gesichtskreis der arbeitenden Klasse. Es droht dos H a l b w i.s s e n. Wenn das Wort„Wissen ist Macht", das nur ein Kampfruf war und bleiben darf, dazu führt, richtunggebend für alle Mldungsarbeit zu werden, wenn da'? Mittel zum Ziel proklamiert wirb, kann es nicht ausbleiben, daß schließlich ein« Fülle des Wissens erstrebt wird, die nicht erreicht werden kann, unvollständig, unbeherrscht und damit ein toter Ballast bleibt. Gerade wir in Deusschland leiden unter diesem quantitativen Wissensidcal des Obrigkeitsstaates, der wohl ein Kennen vieler Tatsachen und Ursachenreihen, weniger aber ein Der- stehen und Deuten der Sinn zusammenhänge von seinen Beamten und Untertanen verlangte. Soll der alte polstische und Wirtschaft- liche Zustantz wahrhaft beseitigt werden, so gilt es zuerst dieses Wissensideal zu überwinden, wozu der notwendige Beginn wäre, den Zielspruch„Wissen ist Macht' zu ersetzen durch die Erkenntnis „Wissen ist Verantwortung". Mehr als ein Zufall mag es sein, daß in dem Lande Verhältnis� mäßig gesunder, politischer Praxis, in England, der Erziehung des Chacrakters eine weit höhere Bedeutung beigemessen wird als bei uns. Wollen wir dazu gelangen, den Grundsatz weitgelMder Selbstverwaltung, einen der wesentlichsten Grundsätze demokratischen und sozialistischen Aufbaues, weiter auszugestalten, als es heute i.t der häufig lästigen und langsamen Form der bloßen Kontrolle der Fall ist, so ist der Ruf nach Menschen, die nicht nur über Kennen, sondern über Können verfügen, stärker zu erheben als je. Können, das heißt hier die Möglichkeit besitzen, Zusammenhäng« zu sehen, Fragestellungen entscheidender Art hervorzuheben, kurz gesogt, selbständig zu urteilen, um frei zu handeln, nicht aber lernen allein, um anderer Willen auszuführen. Daß unsere ganze Erziehung dem nicht gerecht wurde, sondern die Bildungsarbeit der Schule so stark auf Vermittlung bloßer. Lehrstoffes aufgebaut war, mag die traurige Ursache einer überaus erfreulicfcn Erscheinung gewesen zu sein, einer Erscheinung, als deren Glied wir uns fühlen: der deutschen Jugendbewegung. Wandervoge', freie Schulgemeinden, Freideusschtum wurzeln im Bereich der Revolte gegen den geistigen Vielfraß nicht minder als gegen seine notwendige Ergänzung: die Ungeißigkeit eines Alltags- lebens, dem sich Professorenweisheit bewußt fernhält. Die Jugend protestierte, aber sie blieb im Gefühlsmäßigen des Protestes stecken, oder bog der Kampfstellung aus, und begnügte sich mit dem Aendern der Formen. Erst als eine neue Zeit neue Frage- stellungen, neu« Möglichkeiten des Handelns ergab, sah man, daß weder Reigen noch Wanderfahrten, weder das Reden von Erlebnis »och von Gemeinschaft und neuem Menschentum weiterhals. Viele wurden sich dessen bewußt, daß Gemeinschaft um der Gemeinschaft willen Spiel sei, dah nur«in gemeinsames Ziel und«in gemein- sames Arbeiten an diesem Ziele, jenes Reifen zur Gemeinschaft aus Kameradschaftlichkeit erzeugt, wie es Radbruch in seiner Kultur. lehre des Sozialismus vor Augen stellt. Der auf der' Berliner Reichskonferenz der Iungsozialisten aufgetauchte Gegensatz, per auch im Streit um dag geistige Gepräge der Jungsossalistischen Blätt--- seinen Ausbruch fand, ist, kurz ausgedrückt, der Gegensatz von Bil« dungswlmsch und Gestaltungswillen. Aber der Bildungseifsr läuft ebenso Gefahr, ein unlebendiges Vielwissen zu werden, wie der Ge- stalhngswitten. sich leer zu laufen und aus Enttäuschunug dem un- rühmlichen End« der Problemspinnerei und der Gefühlsromantik zu oerfallen. Beide Strebungen wirksam zu einen gilt es. Arbeitsmöglich- leiten zu schaffen, aus denen Kameradschaft erwächst. Solche Ar- beitszemeinschaften können neben den Lehranstalten aller Art ihre Berechtigung erweisen, wenn es ihtzen gelingt, unserer Jugendbewegung, die eine politische ist. jene Vorbedingungen zu vermitteln, die als das Morkmal der politischen Erziehung betrachtet werben müssen: Verstehen der Zusammenhänge Schärfung des Blickes für entscheidende Fragestellungen und zuletzt, aber nicht am wenigsten durch eine geeignete Gestaltung der Arbeitsweise, das Ermöglichen von Diskussionen, die das höchste Ziel einer wesent- lichen Politik erkennen lassen: die Sachlichkeit. Praktische Vorschläge, wie sie kürzlich anläßlich eines Vor- träges im Kreise der Berliner Iungsozialisten gemacht wurden. ausführlich zu wiederholen, scheint hier nicht der Platz zu sein. Der Wollende wird den Weg finden, zu uns und unserer Arbeit, sei e» zu der wirtschaftspolitischen Arbeitsgemeinschaft über „Wiederaufbau-Fragen" oder der soziologischen über„Wesen, Ge» schichte und Notwendigkeit der modernen Parteibildungen". Versuchen wir diesen Weg zu gehen, so wird aü» gemeinsamer Arbeit gemeinsamem Erblichen aller Fragen uns auch das er- stehen'was viel« von uns noch entbehren: nicht nur eine besondere Form' sondern auch einen besonderen Inhalt unseres Strebens zu finden. Dann wird mit größerer innerer Berechtigung und tieferer Bedeutung das wiederholt werden können, was bereits vor zwei Iahren anläßlich einer Auseinandersetzung über unser Sein und Wollen gesagt wurde: „Wir stehen als Sozialdemokraten in der Jugendbewegung und als Jugend in der Sozialdemokratie." Gpernhaus TV» Uhr: Oberon Sehanspielhans 7 Uhr Maria Stuart Dentsch. Theal P, Gespeuttr (Alexander Moiasl) Ste. Vif. Du QIm Wasser 7 Uhr: Der lebeade Leichnam (Alexander Moissl) Xammerspiele S: Vatermord St j.P/, U: Oer Rtab der Sabinerinnen I Unr: Timotheus hl flagranti dr.Schauspielh. (Karlstraße 1 J: Lather'dieNach- tigali ron Wittenberg) Stg.!>/,: Orpheus in der Unterwelt 7 U. Luther(die Kacntigal ron Wittenberg) Theater I. d. Mniggrätz.Str. «u: jOdioi.TolBils llnta. Onhtk. lim, Nil Um», liiit». K-dj Stg. nachm. 3 Uhr: Wund. Oes. Kreisler SU.: JOdiar. Toledo Komödienhans 7.30 Uhr Das neue erfolijr.Lustsp: Die Erwachsenen Berliner Th. 7.15: Madama Prltsi Roberts. assary a.U. WM. Hntsl Conlral-Theater u? DieKlelobörger Deutsch Opernhaut Die So_ SropeVolltsoper Im Tneat.d. Westens 7 Uhr; Lohencrln Stg.2/, er Biberpelz Montag 7: Paust Deot. HH-Ib. heule u.morcen Vi, KAlhe Derach in: Liebelei. OleLore Mtg. I'v IIb» fcndi in Mad. Sana.GAnt Kleines Tb. Täglich 8 Uhr: (pes Man Jrene Triesch Buffan Bure Olga Limburg Trlanon-Tb. Täglich»/,8 Uhr Erik* CISssner in Sissi d I a Kakatla Personen unt 18 J haben keinen Eintr. Theater des Ostens 4Roa««Theateri 7*/4U.: Dur Tod der Lady Pembroke WZT Tägl. S Uhr Internat. Variete Sonntag 3.Z0 tu halben Prois, das volle Programm Komische Oper I [(71 1) Dir.: James Klein(7Vi)| Die grobe internationale Revue in 25 Bildern; Europa spricht davon!! Dn FaMbsflnlt 11 irotiftiif S Pracht- Ballelle Iii 200 nihvirüende I! Mister Jackson v. Alhambra- 1 Theater in London mit seinen 1 engl. Qirls sowie die ersten I Bühnen- und Pilmdarsleller 1 (Strausbergor Rennverein) Sonnabend, 11. November mittags 12 Ubr Circui| Heute Sonnabend, TVg Uhr: Basgr. Sportprogramm 3 Klassische Hohe Schulen an einem Abend! Maria Mohnke Carl Hess Charlotte Wagner Außerdem 10 Clrcus-bensailonen "scbalmucK Vis Jiibelnngen mit Amanda Lindner als Brunhilde. Morgen Sonntag: 3+ 7'/, Uhr, Nachm. 1 Kind frei,»elfter Träume. Walhalla. Theat M Die totle Lola »usik von H. Hirsch Molly Wessely Paul Heidemann Jolies Caprice Allabendl. Uhr Meyersteins Liebesaacht usw. mit Siegfr. ßerlsch URANIA Taubenstr. 8 Uhr Flimgchelmn ssc und Filmwunder Klein. Saal 8 Uhr Muslkat. Akustik invaiiaenstr.: 8 Uhr Oroflglockner und (ia»tein Reichshallen-Th Allabendl. VI, Uhr Stcili, MdB. Z S. halbe Preise STETTINER Säng. DBnticfl- Brettl m.ti u BWÄ Varletß- Spielpian laedieg gestattet nie3t.a.Kon!ifls.Toi norltxplatz 16077 jeden Abend Vi, U. und Sonn- tab nachm 3 Uhr ELITE- ( Sänger Voika- prt'lu«*! Vorvkf. ll-l1/,:: 4-6 Ausschneiden! 4 Damen-Vorträge mit KM) Lichtbilder» nur für Frauen und Mädchen über IS Jahre von dtfnna Kube Direktorin d. Frauen.Helltnstltnto. w. Potsdamer Str.»» Dienstno, 14. Rooember, abend, 7», Uhr: Allem, Fest- IS.«(.. De rpn., Palast Sr.-Beriin"), Hasenheide I» 15. Donnerstog, l«. Rooember. obrnd« 7>st Uhr-„Brauerei ASni„stodt". Schönhauser Bllee I» 12. Tlenataa, 21. Rouembee. abenbs T. Uhr:„Prachlsäle de» Osten»", Frankfurter Buer 4? 48. Donneritoa. den 23 Rooember, abeub» 7'/t Uhr: Siegiik, ?lbrech!»h»t, tlldrechtftr. I». Frauenleiden Frauen- nnd Mädchenkrankheiten wie: TntzUnbungen, A-:arrhe, Fluß, Senfungen, Anickun- gen, Verwachsungen. Fehlende ober zu starte. Ichmerzhaste Menstruation. Wa» bedeuten: Röcke nschmerzen, Hüst- und Sritenschmerzen t Die W e ch s-e l j a h r e die oesahriichsten Jahre der Frau. Die«raniheiten der Wechseljahre, wie: AeschwUIfte, Mnome, Biuiungrn, Ared», Hysterie, Semsttsieiben. B.h�biuna Ohne Operation Müssen die Frauen so surchtbar leiben? Jede Frau i h r eigeuer Arzt. TaS Geschlechtslebe» des Weibes und seine Gefahren. Die Verjüngung der Frau. »orten zu 20—, 24—. 28.-, 32.— Mk. und Steuer a« der Adendkaffe.— Aasseneröffnunp I Slunde bor Beginn. Erscheint nur I mal-RHi MfllHiriTI Qold=u.Silber| zu höchsten Preisen verkauft man In der Trauringfabrik Alb. Thal ft Co. 1. Geschäft C 19, Seydclstrafie 5(Spiitelmarkt) 2. 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