Der„Zugend-Vorwärks" ist ein Diskusflonsorgan der Arbeiter-Zugend und der Zungsozialisten. Es können hier gelegentlich auch Meinungen zum Ausdruck kommen, die dem Standpunkt der Partei nicht vollkommen entsprechen. Die Redaktion trägt daher für den Inhalt dieser Beilage nur die preßgefehliche Verantwortung. Redaktion des„Vorwärts". Erlangen. Von Franz Lepinsti. Am 10. August hielten die Jun gsoziolisten in Erlangen ihre Reichskonferenz ab. Zeit und Ort waren im chinblick auf den 3. Arbeiterjugend tag gewählt, der zwei Tage später größer und leuchtender noch über Nürnberg niederging. So war äußerlich kundgetan, was auf der Tagung der Jur.gfozialisten in streng formulierten Beschlüssen und weniger streng gefügten Reden Ausdruck fand: Jungsozi allsten und Arbeiterjugend gehören zusammen. Den Austakt zur Tagung gab ein lohender Fackelzug am Abend zuvor. Die gastfreundliche Arbeiterschaft Erlangen» demonstrierte mit den Jungsozialisten in endlosem Zuge durch die engen Straßen der kleinen, dunklen Stadt im dunkelsten Teile Deutschlands für die Ideale der sozialistischen Jugendbewegung. Die Glut jener unzähligen Fackeln und die Wucht de» Fackelspruch» werden die Tagung über» dauern. Neues 5)ofsen werden sie bei manchem alten Kämpfer ge- weckt haben, den Mutlosigkeit übermannen wollt«. Verhohlene» Bangen werden sie dort hinterlassen haben, wo man, Umsturzpläne spinnend, die Macht der jungen sozialistischen Generation in Rechnung zu ziehen vergessen hott«. Impuls zu neuem Schassen nahmen die Jungen mit. Erlangen wird, von späteren Tagen gesehen, nur ein schlichter Markstein fein. Aber ein Markstein, der, wenn nach ihm Jahr um Jahr ebenbürtige gesetzt werden, gutes Gedeihen verspricht. Erlangen brachte Festigung nach außen und Klärung nach innen. Festigung! Arbeiterjugend und Jungsozialistcn werden künstig, organisatorisch eng verzahnt, inniger im Schassen verbunden, an ihren Ausgaben arbeiten. Die Achtzehnjährigen der Arbeiterjugend treten zu den Jungsozialisten über. Die Jungsozialisten werden ge- meinsam mit ihren jüngeren Genossen in guter Kameradschaft für die Erneuerung der menschlichen Gesellschaft kämpfen. Der Beschluß fand ungeteilten Beisoll. Man stritt nur darum, in weichem Geist er Wirklichkeit werden solle. Man wehrte sich gegen ein« zu primitive Behandlung der Dinge. Arbeiterjugend und Jungsozialisten kann man nicht wie ein paar Hundertschaften Reichswehr nach Belieben zusammenwerfen und getrennt marfchie- ren lassen. Die jungsozialistische Bewegung ist ebensowenig ein« Fortsetzung der Arbeiterjugend, wie die Arbeiterjugend eine Vor- Kereitung für den Jungsozialismus ist. Und beide zusammen sind nicht einfach Rekrutenschulen für Partei und Gewerkschaft. Jede Bewegung hat ihren eigenen Sinn und ihren eigenen Wert. Wer die Jugendbewegung verstehen will, muß sich abgewöhnen, in so veralteten und grobschlächtigen Begriffen über sie zu denken. Jugend will nicht auf Dogmen festgelegt fein. Jugend will Entwicklung zum ungeteilten Menschentum. Sie will Ausreife ihrer Persönlich- teit, Vollklang ihrer Gemeinschaft. In diesem Geiste werden die Jungiozialistm» mit der Arbenerjltgcnd zusammenarbeiten. Erlangen brachte auch Klärung nach innen. Es ging um Bröger, den Redakteur der«Blätter". Nicht um Bröger als Person, so sehr der Anschein es wollte. Es ging um ihn als Aus- druck einer Strömung, als Symbol für eine bestimmte Sinngebung, Zielsetzung. Der Name Bröger ist auch innerhalb der Arbeiterdichtung Symbol. Wo er auftaucht, tritt die Arbeiterbewegung in ein neues Stadium. Da springt sie, die bisher nur um politisch« Grundsorde- rungcn und wirtschaftliche Besserstellung kämpfte, selbstschcipserisch in das Reich der höheren Kultur. In diesem Reich war sie bisher fremd. Bürger hatten, vom Mitleid überwältigt, bis dahin das Lied der Arbeit und der Arbeiterseele gesungen. Mit Bröger stehen Arbeitersöhne aus, die selber Formen finden für das, was in den Masten lebt. Und diese Formen tragen«in eigenes Gepräge, einen neuen Stil. Sie sind Ansänge einer neuen herausziehenden Kultur. Dielleicht ist Bröger nicht der erste und markanteste dieser neuen Gestalter. Gleichviel, er ist einer von ihnen, und sein Bild steht scharsumrissen da. Bröger bleibt! Dje überwältigende Mehrheit der Jungsozia- listen steht hinter ihm. Damit ist gekennzeichnet, welchen Weg die Bewegung gehen will. Die, die anders dachten, werden dieser Eni- wickliwg nicht im Weg« sein. Mancher, der nicht dabei war, wird sagen: was soll das Ge- schwätz von so hochtrabenden Dingen jetzt, wo e» um das nackte Leben geht! Er hätte recht, wenn die Jungsozialisten über ihrem Kulturwillen die Wirklichkeit vergäßen. Wenn sie darüber über- sehen, was das Heute und Morgen von ihnen erheischt. Er mag beruhigt sein: die Jungsozialisten sind aus dem Posten! Sie werden auch die Pflichten erfüllen, die dl« Gegenwart von ihnen fordert. Aber e» geht noch um mehr. Es muß heute eine Schar da sein, die den Glauben a n ein« bessere Zukunft nicht im Morast der Zeit ersticken läßt. Es muh eine Schar bereit stehen, die die Fackln durch das Dunkel der Degenwart trägt. Der fozlallstisthe Stuöentenbunö. An der U n i v e r si t S t B« r l i n besteht ein sozialistischer Studenienbund, der programmäßig für die Ausbreitung der sozialistischen Idee unter der reaktionären Studentenschast wirken soll. Es dürfte sich deshalb wohl verlohnen, einmal zu untersuchen, warum bis jetzt die Tätigkeit dieses Bundes so ergebnislos im sozia- listischen wie in jedem anderen Sinne gewesen ist und, wie man mit ruhigem Gewissen sagen kann, auch bleiben wird. Dazu«ollen wir uns erst einmal die Satzungen beirachten. Dieselben werden so ziemlich bei jeder Sitzung, d. h. am Anfang und Ende«Ines Se- mesters. geändert, öfters hält es der Vorstand nicht sur noilg dle Mitglieder zu berufen, und genügt deshalb«in Blick auf� irgendein Exemplar, um etwas von dem Geist diestr«sozialistischen Bereim- gung zu verspüren.„„ § 1 lautet: Der sozialistische Studentenbund, Ortsgruppe»erlin, bezweckt den Zusammenschluß der sozialistischen Studenten an den Berliner Hochschulen zu gemeinsamer Klärung praktischer sozialisti. scher Arbeit und zu gemeinsamer hochschulpolitischer Tätigkeit im sozialistischen Sinne. § 2. Es ist nicht die Aufgabe des sozialistischen Studentenbunde,, zu den Fragen der allgemeinen Politik Stellung zu nehmen. Poli- tisch interessierte Mitglieder werden auf die OrganisaNonen der sozia. listischen isÄrteien und Grirerkschaften hingewiesen. tj 8. Der sozialistische Studentenbund steht allen sozialistischen Akademikern offen, sowelt sie die Einheit des sozialistischen G-dan- kens anerkennen und sich verpflichten, ihr« Handlungen nach seinem Grundsatz einzustellen..... Nummer S/ SonnabenS, den 25. August 192? Soviel Worte, soviel Phrasen. Hier erkühnen sich junge Leute, die noch nie im Leben gestanden haben, nicht mit der Arbeiterbewe- gung in Berührung kamen, ja zum größten Teil nicht ein- >l>al organisiert sind, die Klärung und Vertiefung der sozio- listischen Gedankenwelt als ihre hochschulpolitisch« Tätigkeit zu betrachten. Alle Bestrebungen der in der BSPD. organisierten Mitglieder des Bundes, zu erreichen, daß als oberster Grundsatz die Zugehörig- keit zum Bund die Mitgliedschaft bei der BSPD. zu verlangen sei, wurden von den verschiedenen Borständen hintertrieben. Als Grund wurde angegeben, daß junge Leute, wenn sie auf die Universität kommen, noch keine feste politisch« Meinung hätten und durch eine so eindeutige Forderung nicht dem Sozialismus gewonnen werden könnten. Hier sehen wir wieder die typische Entschlußunfähigkeit der aus der Bourgeoisie kommenden Intellektuellen, andererseits aber auch das vollkommene Verkennen der Psyche dieser Kreise, die durch die Milieueinflüfse doch schon so umgarnt sind, daß sie nicht mehr zum Sozialismus durchdringen können. Also von dieser sind und waren keine Soziallsten zu erhoffen. Dagegen wurden viel« varteimäßig geschult« Mitglieder durch diese absichtlich« Indifferenz des Bundes veranlaßt, ihm den Rücken zu kehren. Wenn wir die ZZ 1 und 2 gegenüberstellen, sehen wir ganz klar, daß das Bestreben der Bundesleituna nur einen Versuch darstellt, die sozialistische Idee zu verwässern. WaswillderBundfür Mitglieder haben, wenn er die politisch inter. essiertenaufdiesoziolistischenPorteienverweist? Das zeigt uns die Taktik dieses famosen Bundes. Es hotte der Vorstand bei den letzten Wahlen zum B e r l i n e r S t u d e n t e n. Parlament, besser Ouatschbude und Hindernis für die Ausbrei. hing des republikanischen Gedankens an der Universität zu nennen, die Absicht, einen Jugendring zu gründen, der alles umfaßt, was Jugendbewegung heißt. Auf die Liste sollten sowohl Vertreter des j u n g d e u t f ch e n Ringes wie anderer völkischer rechts- stehender Organisationen kommen. Niese Absicht miih blitzartig die Situation erhellen und kann uns der Psych« dieser Sozialisten in Gänsefüßetzen etwas näher bringen. Die inneren Triebkräfte de» Bundes sind Leute aus der bürgerlichen Jugendbewegung, die gern etwas harmlose und zur Unter. tzaltung beitragende Opposition machen wollen und sich dazu des Aushängeschildes..Sozialistischer Studentenbund" bedienen. Der tiefere Zweck ist ober, den Sozialismus als Arbeiterbewegung zu zerstören oder ihn doch so zu verwässern, daß er für ihre bürgerliche Ideologie paßt, die ihren Ausdruck in der sreideulschen Jugendbewegung findet. Diese Leute betrachten die Jugend nicht als eine vorübergehevde Zeit» sondern wollen sie zu einem Dauerzustand mack>en. Die Typen dafür sind die Männer zwischen 2l) und 40 Jahren, die mit langen Mähnen, Lodenkostüm und Kniehosen ohne Hut herumlausen. Es l>at sich schon ein bestimmter Typ van Hochschulpolitikern daraus gebildet, die diese Jugendbewegung als einen bleibenden Endzusiand ansehen also durch ihre ewige Jugend Steinachs auch in-iO Jahren nicht bedürfen werden. Gerade die Jungsozialisten sind vor solchen Führern aus den Zrejsen der Akademiker zu parn en, wie ja in die Bewegung der Jungsozialisten eigentlich Leute, die das Wahlrecht haben, also 20 Jahre sind, nicht mehr hincingehörcn. Wenn einer mit 20 Jahren noch nicht so alt geworden ist, daß er der Jugendbewegung entwach- sen ist, so soll er der Politik fernbleiben. Aus diesem Grunde sind gerade in einem sozialistischen Studenienbund all« Tendenzen, die sich von der Parteibewcgung entfernen und eine Vertiefung oder Klärung des Sozialismus ohne Beziehung zu seinen Trägern, den arbeitenden Massen, anstreben, nicht nur zu verwersen, sondern alsschädlichfürdieSozial- demokratische Partei z» bekämpfen. Zum Beweis, wie berechtigt diese Auffassung ist, mag§ 11 dienen. Er lautet:«Nur Mitglieder sozialistischer Parteien können dem Borstand angehören." Das ergab in der Praxis folgende häufig eingetretene Konsequenz. Es wurde irgendein Mitglied, das sozio- listische Empfindungen verspürte und deshalb dem Bund beigetreten war. in den Vorstand gewählt. Innerhalb von acht Tagen mußte es sich das Parteibuch irgendeiner sozialistischen Partei, theoretisch also auctz ein kommunistisifccs, kaufen, und solche Leute sollten dann sozialistische Hochschulpolitik treiben! Daß dadurch noch keine Spitzel in die Parteibewegung gekommen sind, verdanken wir nur der an- erkannten Bedeutungslosigkeit dieses Bundes. Die mangelhafte Geschäftsführung des sozialistischen Studenten- bundes und sein« Mesalliance mit dem repuMikanisch-m Studentenkartell und anderen bürgerlichen Organisationen wollen wir mit Stillschweigen übergehen. Der Zweck dieser Zeilen ist, einmal Auf- klärung zu schaffen über den«Sozialismus" und die T a k- tik!xs sozialistijchen Studentenbundes. Wo» kann aber geschehen? Und hier muß ich nach meiner mehr- jährigen Erfahrung gestehen: Nicht». Die Studenten, die in der Partei organisiert sind, wenden sich mit Entsetzen von der Tätigkeit eines solchen Bundes ab, der der offizielle Vertreter für den Sozia- lismus an der Universität fein will, aber nur die BSPD. diskreditiert, und arbeiten lieber in der Partei, da sie die Hochichul- zeit nur als eipe Uebergangszelt betrachten. Die Bertreter de» Bun- des aber, die. wie schon ausgeführt, bürgerliche Ideologen sind, wür- den besser verschwinden. Die einzige politisch« Studentenvereiniaung, die zielbewußte, wenn auch negative Hochschnlpolitit treibt, ist die kommunistische. Hier ist strenger Organlsationszwang und wird Mitarbeit in der Partei verlangt. Das ist von dem Sozialistischen Studentenbund nie zu erwarten, und es würde sehr zur Klärung beitragen, wenn Parteiorganisationen, die zu dem Bund in Be- Ziehung getreten sind, diese auf Grund der Satzungen lösen würden. und wenn eine Mitteilung im Jugend-Aorwärts erscheinen würde. eine Mitgliedschaft in der Partei und beim Sozialistischen Studenten- bund schließen einander aus. Zur Reform des Lehrlingswefens. Von Otto Lamm. Schon seit Jahren ist man sich an den maßgebenden Stellen darüber klar, daß die unzulänglichen und veralteten Bestimmungen in der Gewerbeordnung und im.Handelsgesetzbuch über die Lehrlinge einer gründlichen Neuordnung bedürsen. Ganz abgesehen davon, daß dies« Borschriften nicht aus alle Lehrlinge Anwendung finden— und auf die übrigen jugendlichen Arbeitnehmer überhaupt nicht—, stimmen si« auch mit dem sozialen Geist unserer Zeit nicht überein. Bon einem sozialen Geist In diesen alten Vorschriften ist wenig zu spüren, sie atmen vielmehr noch den Geist des Manchestertums. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß nach den Bestimmungen der Ge- werbeordnung der Lehrherr das Züchttgungsrccht ausüben darf. Trotz der Dringlichkeit der gesetzlichen Neuordnung de» Lehr- lingswesens ist ein amtlicher Gesetzentwurf der Oefsentlich- teit bisher noch nicht übergeben worden. Statt dessen werden wir schon seit Jahren damit vertröstet, daß ein entsprechender Gesetz- «ntwurf„demnächst" verössentlicht werden soll. Nach den bisher in die Oessentlichlett gedrungenen Angaben soll diese» Gesetz da» gesamte Lehrlingswesen in Handwerk, Industrie und Handel einheitlich und umfassend regeln. Daneben soll es auch Bestimmungen über die Ausbildung sämtlicher jugendlichen Arbeitnehmer— also nicht nur der Lehrlinge— enthalten. Nur solche Betrieb« sollen das Recht zur LehrlingslMltung bekommen, die sachlich dazu geeignet sind. Un- fähigen Lehrherren und Arbeitgebern kann das Aüsbildungsrccht entzogen werden. Durch das Gesetz sollen weiter auch geeignete Maßnahmen gegen die Lchrlingszüchtcrei getroffen und soll das Züch» tigungsrecht beseitigt werden. Der Lehrfyerr bzw. der Arbeitgeber hat nicht nur die Zeit für den Schulbesuch freizugeben, sondern auch die Jugendlichen zum Schulbesuch anzuhalten. Der Lehrvertrag soll stets schriftlich abgeschlossen werden. Er soll sich beschränken auf Bestimmungen über die Ausbildung und die Erziehung des Lehrlings: während EntsMdigung und Ferien der tarisvertraglichen Regelung vorbehalten bleiben. Die Aufstellung des Lchrvcrtrages soll von den gesetzlichen Berufsvertretungen, also den 5iandels-, Handwerks- und Landwirtschastskammern, erfolgen. Zu diesem Zweck ist die Bildung von paritätisch aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammengesetzten Kommissionen bei diesen Kammern vorgesehen. Der Gesetzentwurf will anscheinend eine theoretische Teilung des Lehrverhältnisies in ein Erziehungs- und in ein Arbeits. Verhältnis vornehmen. Soweit das Arbeitsverhältnis(gemeint ist Entlohnung und Urlaub des Lehrlings) in Frage kommt, soll dieses durch den Tarifvertrag geregelt werden. Im übrigen soll die Re- gelilng des Lehriingsverhältnisses den Berussverttetungen überlassen werden. Es ist nicht recht einzusehen, warum nur ein Teil des Lehr- Verhältnisses, nämlich die Lehrlingsentschädigung sowie die Ferien, durch Tarifverttag geregelt nud der übrige Teil der Zuständigkeit des Tarifvertrages entzogen werden soll. Die Referenten in den zu- ständigen Ministerien hoben hierbei anscheinend übersehen, daß der große Streit darüber, ob der Lehrvertrag ein Arbeitsvertrag ist, ob also das Lehroerhältnis nach der Verordnung vom 23. Dezember 1918 durch Tarifvertrag geregelt werden kann, doch nur ein rein theoretischer Streit ist. Die Praxis hat sich längst damit abgefunden, daß das Lehroerhältnis durch den Tarifvertrag geregelt wird. Nach den in Nr. 11 des„Ncichsarbeitsblattes"(1923) enthaltenen Mittei» lungen aus dem Tarifwesen werden nicht nur seit Jahren die geld- liehen Leistungen an den Lehrling sowie seine Ferien in weitem Umfange durch die Torisverträge bestimmt, sondern darüber hinaus sindsn wir auch in einem nicht unbeträchtlichen Teil der Tarifverträge Bestimmungen über das gesamte Lehroerhältnis, z. B. über die Vor- oussetzunge» für die Lehrbcfugnis, die gegenseitigen Rechte und Pflichten des Lehrherrn und des Lehrlings, das Prüfungsivesen usw. Die Erfahrung hat gezeigt, daß durch dies« tarisverttagliche Regelung cm weit«irksamerer sozialer Schutz der Lehrlinge erreicht werden konnte, als es durch das Gekjz bisher möglich war. Wir müssen verlangen, daß das zu schafsende Gesetz über da» Lehrlingzwesey ein Teil des nach Artikel IS? vom Reich zu erlassen» den einheitlichen Arbeitsrechts sein muß. Das bedeutet keines. wegs. daß wir mit der Neuordnung des Lehrlingewesens bis zur endgülttgen Fertigstellung des Arbeitsgesetzbuches warten wollen, sondern es bedeutet, daß der Ausbau sowie der Inhalt des Gesetze» über die Lehrlinge und die Berufsausbildung der anderen jugendlichen Arbeitnehmer in den Rabmen des Arbeitsgesetzbuches hin- einpassen muß. Wenn im Artikel IS? der deutschen Retchsver» sasiung weiter festgelegt ist, daß die Arbcitskrast unter besonderem Schutz des Reiches steht, so muß mit allem Nachdruck gefordert werden, daß dieser besondere Schutz in erhöhtem Maße der jugand- lichen Arbeitskraft zuteil wird. Nur wenn das kommende Gesetz diesen Anforderungen entspricht, kann es die Zustimmung der ar- bettenden Jugend finden. Msflug nach Zreienwalös. Bon SimonOppenheimer. Gelegentlich einer Wanderung nach Freienwalde knüpWi'Ber- liner Jungsozialisten nicht nur Beziehungen zu den dortigen Partei- und Jugendgenossen an, sondern lernten auch im Freienwalder Kinderheim arme, verwaiste Kinder kennen, denen sie durch Spiel und Tanz etwas Sonnenschein in ihr armes, eintönige» Leben brachten. Sowohl diesen Kindern, als auch unseren Freienwalder Genossen mußten wir das Versprechen geben, recht bald wiederzu- kommen. Dieses versprechen erfüllten wir an einem schönen Sommertage. An der Fahrt beteiligte sich der größte Teil der Berliner Jung- sozialistengruppen und auch einige Arbeitcrjugcndgruppen. Nach u» serer Ankunft am Sonnabend abend in Freicnwald« wurden wir von den dortigen Jugend- und Parteigenossen vom Bahnhof abgeholt, die uns in geschlossenem Zuge, der im reaktionären Freienwalde einiges Aufsehen erregte, zu einer Schule fvhrftn. In dieser Schule fand ein Begrüßungsabend statt, den allerdings wir Berliner ausgestalten mußten. Ein Freienwalder Genosse hielt«in« Ansprache; die mitgekommenen Musiker produzierten sich, einige Genossen rezi- tierten und alle übrigen Anwesenden wirkten mit ihren frischen Kehlen«n dem Gelingen d»s Abends mit. Nach Schluß der ver- anftaltung ging es ins M a s s« n q u a r t i e r, Am folgenden Morgen trafen sich all« Berliner Genoffen aitt Teuselssee bei Freienwalde. Der Morgen verging bei Freibad und Spiel recht schnell. Im Laufe des Vormittags marschiert« der größte Teil nach Freienwalde zum Kinderheim, um unsere kleinen Freunde wieder zu besuclien. Dieselben hatten Inzwischen von der Leiterin des Heimes erfahren, daß wir kommen würden, und harrten unserer in Ungeduld. Wir führten die Kinder zu einer in der Nähe des Heimes gelegenen Wiese und spielten einige Stunden mit ihnen. Auch unsere mitgebrachte Kapelle mußt« wiederum ihr Bestes her- geben. Zum Schlüsse machten wir den Kindern noch eine besonder« Freude mit Keks und Bonbons, die«ir sür ffe von der Berliner Konsumgenoffenschast besorgt hatten. Darauf ging es wieder zum Teufelssee. Dort wurde schnell das einfache Mittagsmahl eingenommen. Danach erfrischten wir uns noch mal schnell im Wasser und gingen dann zur Waldschenkk, wo das W a l d f e st der Partei und dec Arbeiterjugend stattfand. Ge- meinschastlichen Liedern folgten Rezitationen und Volkstänze und die markige Ansprach« eines Berliner Jungsozialisten. Im zweiten Teil des Festes beschränkten wir uns darauf, mit den in großer Anzahl anwesenden Kindern zu spielen, und an den Gesichtern der anwesenden älteren Parteigenoffen konnten wir sehen, haß auch dies« daran ihr« Freude hatten. Nur zu schnell verging die Zeit. Bald mußten wir aufbrechen, um noch rechtzeitig den Zug, der uns nach Berlin bringen sollte, zu erreichen. Wir konnten mit dem Bewußtsein zum Bahnhof gehen, daß wir bei unserer Anwesenheit in Freienwalde die dortige Partei- und Arbeitersugendbewegung etwas gestärkt hatten»nd daß wir durch unser Spiel mit den Kindern den Acrmstetz der Armen, bei denen sonst selten die Sonn« scheint, einig« frohe Stunden bereitet baben. Durch derartige Veranstaltungen wird dos Verhältnis der Jung- sozialisten zur Partei und die Verbindung zwischen Arbeiterjugend und Jungsozialisten vielleicht mehr gefördert als durch Diskussionen und Resolutionen.______