Nr. 2 Beilage zum Vorwärts 17. /Ipril 1925 Die soziale Nl Die soziallstische Jugendbewegung hat von jeher in Gemeinschaft mit der Sozialdemokratischen Partei und den freien Gewerkschaslen den Hauptteil ihrer Bemühungen auf die Arbeit konzentriert, die der arbeitenden Jugend durch eine umfassende Jugend schütz- gefetzgebung«ine durchgreifende Erleichterung ihrer sozialen Lage bringen soll. Das Wert wurde in der Vorkriegszeit in Angriff genommen, tonnte freilich unter den damaligen politischen Verhält- »lissen nicht durchgeführt werde» und mutzte daher in der Nachkriegs« zeit mit erhöhtem Nachdruck gefördert werden. Der Verband der Sozialistischen Arbeiterjugend hat betannllich als erst« deutscht Jugendoraanisalion der Weimarer Nationalversammlung ein um- fassendes Jugendschutzprogramm unterbreitet. Leider ist es den Be- mühungen der Sozialdemokratie sowohl während der Amtszeit der Nationalversammlung als auch in allen späteren Reichstagen der deutschen Republik nicht gelungen, in einem großzügigen Gesetzes- werk die Lebensforderungen der werktätigen Jugend zu verwirk- iichen. In dem Matze, wie sich die soziale Reaktion in den Par- lamenteu durchsetzte, schwanden nicht nur die Aussichten aus eine baldige Erledigung dieser Vorschläge, sondern der Jugend wurden auch noch die wenigen Vorteile genommen, die ihr unmittelbar nach der Revolution im Zusammenhang mit den Erfolgen der Arbeiter- schast zugefallen waren. Das gilt besonders hinsichtlich der Arbeits- zeit. Die noch heute in ftraft befindliche Arbeitszeitverordnung vom Dezember IRR(ätzt für die Jugend bis zu 16 Jahren eine neunstündige, für die Jugend von 16 bis 13 Jahren sogar eine zehnstündige Arbeitszeit pro Tag zu, und es braucht nicht besonders betont zu werden, daß diese Arbeitszeit für die Jugend im weitesten Umfang zur Norm geworden ist. Hinzu kommen die schlechte Entlohnung, die grotze Arbeitslosigkeit während der Stadl- lisierung und die unvermindert fortbestehenden Mißstände im Lehr- lingswesen des Handwerks und der Industrie. So hat sich die soziale Lage der arbeitenden Jugend im letzten Jahre ganz erheblich v e r s ch l e ch t« r t, chie Verwirklichung fahrzehntealter Forderungen scheint für lange Zeit geschwunden. Datz diese Zustände bei der gegenwärtigen Generation der Jugend, die durch Kriegs- und Stachkriegszeit körperlich und geistig schwer gelitten hat, besonders verheerend wirken, braucht nicht besonder» erwähnt zu werden. Die Sozialistische Arbeiterjugend hat es daher als ihre selbstverständliche Pflicht betrachtet, auf die hier drohenden großen Gefahren für die Jugend und damit für die Zukunft des ganzen Volkes immer wieder hinzuweisen und schnelle Abhilfe zu fordern... Der Sozialdemokratischen Reichstagsfroktio» find un mittel- bar nach den Dezembermahlen die dringendsten Wünsche unlerbreiiel worden. Der Verbandsvorstand hat die Fraktion ersucht, alles zu tun, um 1. die achtundoierzigstündige Arbeitswoche, einschlietzlich der Zeit für den Besuch des Fortbildungsunterrichts gesetzlich sicher- zustellen, 2. die Reform de» Berussschulwesen» in zeitgemäßer Art schnellstens herbeizuführen und 3. einen ausreichenden Urlaub gefetz- lich festzulegen. Die Fraktion hat, wie an anderer Stelle berichtet werden kann, sofort die notwendigen Schritte eingeleitet. Wenn auch kein Zweifel darüber bestehen kann, datz bis zur Verwirklichung dieser Matz- nahmen noch ein weiter Weg zurückzulegen»st, so zeigt sich doch jetzt, datz in dieser Frage das öffentliche Gewissen erwacht. Die Schäden, die der Raubbau an der Jugend anrichtet, sind so os,eu- sichtlich, datz alle Stellen und Verbände, denen e» ernjliich um da» Wohl der Jugend zu tun ist, ihre Stimme erheben. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle alle Einzelheiten zu verzeichnen, mit Beispielen zu belegen, wie sich der Zehn- und Zwöljstundentag aus- »virke», aber einiges sei doch angeführt. So erheben die Jugendverbände immer dringender die Forderung nach einem ausreichenden Arbeiterschutz für Jugendliche. Neben den fortschrittlichen Elementen in der sogen, rechen Jugend- bewegnng, die ja schon seit längerer Zeit auf diesem Gebiet rührig geworden sind, tresen jetzt auch die große» konfessionellen Verbände mit bestimmt formulierten Forderungen in die Oesfentlichkeit. Der Verband der katholischen Jugend- und Jungmäimer- vereine hat auf seiner vorjährigen Tagung bereits seine Forderungen an die Sozialgtsetzgevimg dargelegt und verlangt: „Der Berbandstag erkennt an. daß die wirtschaftliche Roilage Deutschlands die höchste Anspannung der Arbeitskraft des ge- t der?ugenö. samten Volkes erfordert. Er kann jedoch die G e f a h« e n, dle eine rücksichtslose Steigerung der Produktion für Leben und Gesundheit der Jugend mit sich bringt, nicht übersehen. Er stellt daher für die Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahre folgende Forderungen: Ausnahmebehandlungen bel der Bemessung der Arbeilszeitt Verbot der Beschäftigung in gesundheitsschädlichen Betrieben: Verbot der Nacht- und Sonntagsarbeit: Gewährung eines angemessenen Urlaubs: Schutz der Lehrlinge vor Beanspruchung für anderweitig» Arbeiten." Auch der Verband der evangelischen Jungmännerverelne, der noch bis vor kurzer Zeit allen sozialen Fragen aus dem Weg« ging, hat kich kürzlich veranlaht gesehen, t» einer Eingabe an den Reichstag seine Stimme f ü r Jugendschutz zu erheben. In der Ein» gäbe heißt es: „Mit ernster Besorgnis sieht der Reichsverband Evangelischer Jungmännerbünde Deutschlands, wie die Arbeitszeit der Jugendlichen immer mehr erhöht wird, besonders in kleineren und kleinsten Betrieben, wo eine Kontrolle schwer möglich ist. Nicht selten müssen Jugendliche jetzt wieder ü bis 10 Stunden und mehr arbeiten. Die jetzt allgemein geltende durchgehende Arbeitszeit mit einer kurz bemessenen Pause bedeutet geradezu Raubbau an jungen Menschen. Für die körperliche und geistige Entwicklung der Jugend ist eine solche Ueberspannung der Kräfte höchst gefährlich, zumal bei dem jetzt so traurigen Gesund» heitszustond unserer Jugend. Die geistige Ausbildung und Ber- tiefung der Jugend leidet naturgemätz stark darunter. Da die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit für Jugendliche noch nicht er- folgt ist, bitten mir dringend um schärfste Beachtung dieser Frage. Wir sind uns bewußt, daß eine schematische Regelung der Arbeitszeit nicht angängig und wünschenswert ist. Dazu sind die Arbeitsverhältnisse, die örtlichen Bedingungen zu verschieden. Uns ist weiterhin klar, daß die Arbeitskraft des Voltes stark itl Anspruch genommen werden muß, um wieder normale wlrtscyasl- liche Verhältnisse zu erkämpfen. Es muß für einige Zeit ein großes Opfer an Arbeltskraft gebracht werden. Aber es darf diese La st nicht auf junge Schultern gelegt wer- d e n. Gerade der Blick in die Zukunft unseres Voltes erfordert stärksten Schutz der Jugend. Darum fordern wir: 1. V e r b o t der Nacht- und Sonntagesarbeit für Jugend- liche. 2. gesetzliche Regelung der Arbeitszeit durch.zachgruppen sin Verbindung mit Innungen, Gewerkschaftenj mit der Höchst- arbeitszeitgrenze von acht Stunden für den Tag. Eine baldige Regelung der Arbeitszeit ist besonders für das Handwerk sehr notwendig, well hier leider am stärksten dagegen gesündigt wird. Die Schulstunden sind als Arbeitsstnnden zu rechnen." Zum Schluß fei»och der Beschluß des Ausschusses d e t deutschen Jugendverbände erwähnt, der von der Reichs- rcgierung dringend die Einbringung eines Gesetzentwurfs fordert, der für jugendliche Arbeiter und Lehrling« von 1t bis 16 Jahren e>i«en Urlaub von drei Wochen, für die Jahresklassen von 16 bis 18 einen zweiwöchtaen Urlaub festlegen soll. Dieser Beschlutz ivurde von dem Ausschuß, dem alle wichtigen deutschen Jugendver- bände mit Ausnahme der Kommunisten angehören, e i n st i m m« g gefaßt. Eine Entscheidung dieses Ausschusses über die Arbeitszeit- frage steht bevor, und es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß angesichts der Lage der arbeitenden Jugend ebenfalls eine einmülige Willensäußerung zustand« kommt. Die Dringlichkeit, mit der diese Forderungen von den Gruppen der verschiedensten Weltanschauung jetzt erhoben werden, lassen«r- kennen, wie ernst es um die deutsche arbeitende Jugend steht. Wenn irgendwo der soziale» Reaktion Einhalt geboten und die Hand ange- legt werden mutz zu einer umfassenden gesetzlichen Maßnahme, dann ist es auf diesem Gebiet des Schutzes der jugendlichen ArbsiiSkraft. Hier kann es zwischen Männern und Frauen, die es ernst meinen mit ihrer Sorge um den Bestand und die Zukunft unseres Voltes. die für ihre Handlungen nicht da» egoistische Interesse bestimmter Gruppen unsere» Voltes ausschlaggebend sein lassen, kein Feilschen und Zögern nichr geben, hier heißt es jetzt nur noch: Handeln! und zwar: safort handelnl S. Ollenhauer. die Jungen und öie Men. .Du bist jung, du sollst nich? syrechc«! Du bls» jung, wir find die Alten! Luft die Wogen erst sich brechen Und die Gluten erst erkalten! Du bist jung, dein Tun ist eitel! Da bist jung und unersahren! Du bist iung, kränz deinen Scheitel Erst mit unsern weihen Haaren! Lern, mein Lieber, erst entsagen, Last die Flammen erst verrauchen, Laß dich erst in Selten schlagen. Dann vielleicht kann man dich brauchen'" Kluge Herren! Die Gefangnen Möchten ihresgleichen schauen: Doch, ihr Hüter des vergangnen. wer soll denn die Zukunft bauen? Sprecht, was find euch denn verblieben, Außer uns, für wackre Stützen? Wer soll eure Töchter lieben? wer soll eure Häuser schützen? Schmäht mir nicht die blonden Locken, Nicht die stürmische Gebärde! Schön find eure Silberflocken, Doch dem Gold gehört die Erde. Schmähet, schmäh» mir nicht die Zugend, Wle fi« auch sich laut verkündigt! 0 wle oft hat eure Tugend An der Menschheil sich versündigt! Georg hei wrgh. Lichtenau. Das Leuchten über den Bergen, das Himmelsblau und die Wälder erhoben sich und wurden Frühling. Fünf Menschen aus der roten Hütte hörten leinen Lockruf und liefen über Felder, und höhen bis zum Abend. Da lag vor ihnen im Tal eine Anzahl Häuser und Gärten. Darüber schwebt« auf silbernen Schwingen«in Lied. .Es ist Lichtenau," sagte Gutknecht..Hier treffen sich die Freund« zum Osterfest und wohl auch sonst an Feiertagen." .lind was geschieht an den Arbeltstagen?" „Da wird auch in Lichtenau gearbeitet. Wo lömüe es auch «inen Ort ohne Arbeit geben. In Lichtenau arbeiten sie zuni eigenen Lebe», arbeiten aber auch, damit wir ein gutes Fest haben." .Wo kommen die Gäste her?" „Aus vielen Orten. Sind da Holzsaller, Steinhauer, Berg. arbeiter, Fabrikarbeiter." „Wen» sie hier waren, wollen sie gewiß nicht wieder zurück ins Bergwerk und in die Fabrik. Sie gehen wohl sehr traurig heim zur Arbeit?" „Sie können fröhlich oder traurig sein, springt beides aus dein Herzen und Hilst ihnen. Nur dumpf und ohne Fühlen für die Ge- meine sollen sie nicht heimkehren." Ein schmaler Weg führte zum Tal. Durch einen Eichenhain kamen sie, über den, schon ein grünes Gespinst des Frühlings schimmerte. In einer Halle war ein großes Summen und Lachen. Viele Menschen gingen umher, scherzten miteinander, ordneten ihre Kleider, hingen Taschen und Wandergeröte an die Wand und trieben mancherlei Kurzweil. Die Wände waren bemalt mit lustigen Bildern. die mit vielen Farben und Figuren den frohen Lärm der Menschen tüchtig förderten. Christofs und Gottsried sprangen kopfüber sn diesen See des grohseins und verstanden sogleich das Schwimmen. Die Tante aber hielt sich lachend dl« Ohren zu und meint«:„Auch an diese Musik müßte man sich gewöhnen." Die Jungen liefen dann ins Freie, suchten hier und dort, entdeckten Ställe und das unruhvolle Werk einer Mühle, fanden Gärten und stille Wege. Von einer Bank tonnten sie die Kolonie über- schauen. Im großen Fefthau« waren die Lichter angezündet. Das Haus klang in den Weich hiiurn, wie eine große Orgel. Als sie zurückkehrten, wurden fi« in«inen Saal verwiesen, wo an festlichen Tafel»«ine groß« Gemeinde zur Abendmahlzeit saß. Die Jungen blieben an der Türe stehen, wache» nicht teilzunehmen. Ein Mädchen trat aus si« zu:„Warum kommt ihr nicht an den Tisch?" „Wir habe» nicht gesehen, wo noch»in Platz war." „Plag finde: man in unserem Hause immer." Nach dem Mahle zogen all« in den Festsaal. Es tönte von irgendwoher' Musik. Di« Jungen meinten, sie schritten In einer Eturninacht durch den Wald. Dann trat ein Mann aus einer er- höhten Tür, blieb auf einer Kanzel stehen und redete zu den Menschen: ... ,,E« war«ine Sehnsucht in uns- wir wollen Freund» lein. Ein Wille erwacht«: die Framdschast soll sichtbar werden unter der Sonne und eil» Denkmal haben in Sturm und Wetter. So ist das Haus entstanden, so wurde ihm«in lebendiger Odem eingehaucht von Menschen. Es warm Hütten auf diesem Grunde, darin liagt« die Angst der Armen. Keiner hörte den Nachbar, hört« nur aus sein« Not. Die Hütten sind vergongen, konnten nicht bestehen, dies Haus ist entstanden, es kann nicht untergehen." Der Mann schlug mit einem Hammer gegen die Wand, der Saal sing an zu klingen wie ein Instruinmt. Zu dem Klingen kam Gesang von jungen Menschen. Als Stllle eingetreten war, sprach ein anderer. Dann träte» Männer und Frauen aus der Gästeschar hervor und hielten an um Rat und Auskunst. Es war, als wollten sie am Abend vor dem Feste ihre herzen freiinachen von Sorgen und Zweifeln, um am Ostermorgen leicht und froh zu sein. Und wenn einer austrat, wurde er von der Gemeinde empfangen wie ein Wanderer, der eine bc- schwerlich« Fahrt vollenden will. Alle fühlten sich als Gastgeber. waren aufmerksam und sreundlich. Erzählte eine Frau:„Die Nachbarsleut« daheim wollen gar nicht daran denken, ihr Leben neu einzurichten. Ihre Kinder schauen voll Mißtrauen und Feindschaft aus die anderen. Wollen viel gewinnen, doch wenig geben. Sie bekommen den Stock vom Vater und schlagen andere Kinder. Ihr Leben ist arm und klein, ober voll Unfreundlichkeit. Wenn ich die Nachbarinnen frage, ob sie nicht auch an einen Neubeginn denken, lachen sie und sagen: wie es war. muß es bleiben. Ich stehe allein und bin doch an sie gefesselt. Ick, reiße an Gitterpäbm, sie aber lachen." Darauf antwortete einer:»Sieh zu, daß du nicht ungerecht wirst gegen die Nachbarinnen. Deine Sorgen sollen sich nich« wandeln und Hochmut werden, damit du nicht dastehst und sagst: ich bin besser al» ihr. Ei« leben noch tm Gefängnis der Gewohnheit." „Was soll uh Km?" „Dir und uns treu bleiben. Dann kommen sie zu dir und weinen." So gingen die Gespräch« bis zu später Stunde. Trotzdem sprang am srühen Morgen schon wieder festliches Treibe»: durch das Hans und über die Plötze. Die Gäste zogen am Bach entlang durch den Eichenhain zur höh« hinauf. Dort sand sich bald eine kuriose Gesellschojt ein. haiGwerksburschen sangen, kamen ins Gespräch. Mädchen, Schüler, Bürgersleute, Bettler, Soldaten. Das Volk, wie es in der Faustdichking Auserstehimg feiert, schritt über eine Wiese. Die Zuschauer lachten:„Komisch spielen die jungen Menschleli» ihre Rollen." „Laßt nur, alles Werdende erscheint erst einmal komisch." Fairst trat auf. Ein schlanker Bursche war Spieler, Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick, im Tal» grünet hostiningsglück: der alte Winter in seiner Schwäche zog sich in rauh« Berge zurück. Der Bursche schaut« dabei weit in die Ferne und rief die Verse in den Ranm, als sollten Wind»i»ld Wolken si« um den Erdball trogen. „Was muß ihn wohl so tief erregen?" fragte Lederstrumps, „Wie er spncht, ist es ein« Klage und ein Kampsnis zugleich." „Laßt uns still lauschen und— Antwort geben. Die Jungen rufen wohl in jedem guten Spiel aus dem Nebel ihres Morgens heraus: wo geht ihr anderen und wo führt mein Weg?£>i« haben «in« Angst, daß alle herzen stumm bleiben«»»d die Augen leer." Das war die Antwort des Allen, den sie am Bache getroffen hatten, Bald tanzte viel buntes Boll nach dem Schäferlied. Ein junge« starkes Weib»nit einem Kind auf dem Arm stellte sich vor die alten Männer hin und entschuldigte sich, sie müsse einen guten Plag für das Khld haben, damit es recht»riel Frohes hören und sehen kann. Das wird ihm das ganze Leben hindurch tm herzen liegen. Nach einer Ruhepause kamen»vieder Burschen angezogen. Der Anführer trat hervor und sprach zur großen Gemeinde, seine Kum- panei wolle nicht»nehr in der Schulstube sitzen, e» sei«in Ruf an fi« ergangen, auszuwandern»md die Arbeit zu suchen. Wollte nun jeder ein Gewerde eckeinen, sie wüßten jedoch nicht, welche Talente si« haben mühten, darum würden sie nunmehr»rnsthast sragen, Daraus fragt««In windig Bürschletn: Könnt einer sagen»vie's die Schneider machen? Zwei ander« stellten sich gravitätisch hin« So werden sie es machen; hier ein Läppchen, da«w Läppchen. machen draus ein Ktnderröckchen, si« schneiden große Stück« aus und machen kleine Mützen draus sie schneiden'» Tuch in alle Ecken und schieben'« Best' in die hosensäck, to»noch«» ste's, ja, so machen st«'«, ZZus fcfi Nil!, de km» dir Jr»gc:..Wik steh! es mit den Schustern?' I»! Antwort wurde gegeben: Sind dos nicht di« besten Sohlen, soll mich gleich der Teusel hole»! Sie ziehen das Leder in die Läng' und mnchen die Schuhe gor zu eng— fle rühmen auter Arbeit flch: bei jedem Tritte platzt ein Stich. Der Festgesellschaft wurden noch mancherlet Gewerbe kund. getan. Sie dankte mit fröhlichen Zurusen. „6» wäre freilich ein arger Schluß, käme über den Platz ein schwarzes Ungetüm von einer Maschine und schnarrte unsere Hans Sausewinds an: Was mache wohl ich?' Die Schmiede. Schuster, Schneider zum Schatten metner selbst.' Diese Worte richtete Keder- stnnnpf an den Alten. .Sie werden wohl zur Maschine gehen müssen. Sie sollten aber nicht hinstarren aus das Ungetüm wie der Frosch«ms die Schlange. Der quakt erschrecklich und läuft ihr doch in den Rachen. Sie sollen darüber hergehen und trotzig sogen: du mußt uns unter- tan sein. Und damit sie die törichte Wut ablegen, die halt auch nur — wie alles Löse— in der Furcht ihre Mutter hat. müssen sie den Ursprung suchen. Wird anderer vssenbar als durch die Hand?" So entgegnete dieser. Gulknecht nickte vergnügt, schaute dem alten Lederstnimpf stolz in» Angesicht:.Siehst du, zur Quelle müssen ste: die beiden Jungen aus eurer schwarzen Straße werden wohl zu dieser Ursprünglichkeit kommen in der Roten Hütte. Ich bin darob guten Mutes. Es soll kein Falsch an ste herankonlmen. Und was dort in ihre Herzen fließt, soll fle auch im Innersten beherrschen." Sa sprachen die drei würdigen und guten Männer. Lobten sich selbst und freuten stch der Neinen bunten Welt, die ste hurtig aus Wünschen und gutem Willen geschaffen hatten. Auf der Wiese war aber eine große Bewegung entstanden. Ein Lied, seltsam weich und übermütig wie der Frühling, hüpfte über die Wiese, die Kinder, die Frauen tanzten. Die Männer wiegten sich im Takt der Freude. »Die beiden fremden Jungen haben es gesungen,' rief eine alte Frau..Und gleich haben alle Kinder gesungen und gehmzt.' Gnttnecht sah Gottfried und Christoff im Kreise. Ihre Wanzea glühten. In ihren Augen gingen Sterne ous und nieder. Werk der Gemeinschaft den arbeiten- den Menschen adelt und ihn zur Führung des Volkes und der Menschheit beruft. Die sozialistische Jugend aller Länder erkennt die ihr zufallende riesengroße Ausgabe mehr und mehr. Sie ist berufen und verpslich- tet, dies« Erkenntnis bei sich selbst zu vertiefen, sie auszubreiten unter den Massen der Jugend, die noch indifferent abseits stehen, und für sie zu werben In den Reihen der erwachsenen Arbeiterschaft, die bisher unler anderen Bedingungen und mit anderen Mitteln zu kämpfen hatte. Der 1. Mai, der Tag des jungen, werdenden Lebens, der ungebrochenen Lebenskraft, das Symbol unseres Ideals vom kommenden Reich der Welt, ist allein berufen, der großen Auf- ?abe zu dienen. Wir Jungen müssen sorgen, daß er zum sozia- i st i s ch e n F est wird, das nicht nur zum Kampf ruft, zum Sammeln bläst, zur Besinnung auf das große Ziel- mahnt, sondern das auch in die Zukunft weist, die das Gesicht imse-er Klasse tragen soll. Erst dami wird er die Kräite und die Legeif.erung auslösen. die wir zur Erfüllung unserer Mission niemals entbehren können." Zugenderzichuug beim Reichsbanner. Die Erziehungsaufgabe der Jugendgruppen des Reichsbanners ist in den Satzungen der Jugendgruppen im Gau Magdeburg-Anhalt wie folgt umschrieben worden: „Aufgabe und Ziel der Ortsgruppe ist es, die deutsche Jugend im Sinne öer Weimarer Versassting zu überzeugten Republikanern zu erziehe». Insbesondere der Inhalt des Artikels 148 der Versassting, die sittliche Bildung, staatsbürgeiliche Gesinnung, persönliche und berusliche Tüchtigkeit im Geiste des deutschen Volkstums und der Völkerversöhnung zu erstreben, bildet den Leitgedanken der Er- Ziehung. Durch geistige und körperliche Pflege sollen die jungen Menschen zu Männern erzogen werden, die sich ihrer Rechte und Pflichten in ihrem Heimatland bewußt sind, um dadurch»titzuhelsen am Ausstieg des deutschen Volkes und der gesamten Menschheit." Die„soziale" Reichsbahn-Gesellschaft. Die Deutsche Reichsbahn- Gesellschaft hat in de» letzten Wochen überzeugende Beweise ihrer sozialen Einstelluna erbracht. Zuerst hat sie sich mit Händen und Füßen gesträubt, de» Eisenbahnarbeitern eine Lohnerhöhung von 3 Pf. sür die Stunde zu gewähren. Erst die Verbindlichkeitserklä- rung des vom Reichsarbeitsministerium gefällten Schiedsspruches konnte sie zur Zahlimg der Erhöhung bewegen. Aber die Rache ist auf dem Fuß gefolgt. Die Reichsbahn-Gesellschaft hat nämlich unverzüglich bekanntgegeben, daß sie die durch die Erhöhung entstehenden Mehrausgaben dadurch einbringen müsse, daß sie die Ermäßigung für Ingendsahrten abbaut. Diese Ermäßigung, die bisher 50 Proz. betrug. werde in Zukunft nur in der Höhe von 33'? Proz. gewährt werden. Da» nennt man großzügige Sozialpolitik. Drei Pfennig Lohn- erhöhung für die Arbeiter werden auf die wandernde Jugend abge- wälzt, für die jeder Pfennig Fahrpreiserhöhung gleichbedeutend ist niit Verzicht auf Sonntags- und Ferienwanderungen. Die Jugendverbände aller Richtungen habe» gegen das unge- heuerliche Verhalten sofort schärfsten Protest eingelegt, und e» ist zu hoffen, daß ihr Einspruch nicht ungehört bleibt. Ein würdiger Protest. Der Evangelische Bund deutscher Jugend- vereine hat befchlosjen, den sür dieses Jahr vorgesehenen Bundestag in Kötn wegen dcr Nichträunmng dcr Kölner Zone a b z u j u g«». Dieser Beschluß zeigt vo» neuem, daß die Organisationen, die nichi wie die deutjchnalianaie Jugend das Wort deulschnalional in dcr Firma und bei jeder Gelegenheit im Munde führen, besser wissen als die Rechbsorganisationen, in welcher Form man den Protest gegen einen Recht-bruch würdig zum Ausdruck bringt. Werktätige Zugend und Zentrum. Die katholische Zeitschrift: ..Großdeutsche Jugend" veröffentlichte in der Januarnummer de» Brief eines werktäiigen Jungen, in dem es heißt: „Entscheiden inuß sich das Zentrum in der Frage des Prole- tariats. Die Erlösung des Proletariats ist die politische Aufgabe der Katholiken. Es handelt sich nicht darum, daß die Arbeiter in ihren Bezügen besser und erträglich gestellt werden. Es handelt sich um ein.heimholen des Proletariats aus der Verbannung in die eine umschließende Gemeinschaft des. Volkes. Daß das Zentrum dieje „lauteste Frage der Zeit" nicht hört, hat mich an ihm verzweifeln lassen. Mit den sozialen Theorien der Vergangenheit komnicn wir heute nicht n-ehr zurecht. Der tiefinnerst« Kern der sogenannten sozialen Frage ist die Frage nach dem Reich Gottes in der Welt. Wir verlachen so oft den„Zukunstsstaat" der Sozialisten und Komm»- nisten. Und doch: wie unchristlich ist dieses unser Lachen. Wie christ- lich ist die Hoffnung der„unchrisilichen" Sozialisten auf de»„Zu- kunfisstaat". Hier kommt unser ganzer Unglaube zum Ausdruck. „Zukvmme uns dein Reich" beten wir, und in welch krassem Gegen- satz dazu steht unsere sogenannte Realpolitik, sür die die realen Dinge der Aaterunserbitten keine Geltung inehr haben. Wir glauben nicht mehr an das Kommen des Gottesreiches in dieser Welt, glauben nicht, daß das Jenseits bereits im Diesseits seine» Anfang nimmt. Tief steckt dieser Unglaube in der Poli'ik des Zentrums. Wenn dieses Gotiesreichwerden als lebendige 5)assnung und Gewißheit in uns lebte, dann würde uns die soziale Frage mehr sein als jetzt, wo wir deren Losung zu finden glauben in Lohnerhöhung, Fürjorge und Vcr- sicherungswesen. Eine soziale Erneuerung und Umwälzung vo» Grund auf wäre unser Streben. Und wir würden ertennen, wie christlich in ihren Folgewirkungen so viele soziaiijtlsche oder gar kommunistische Forderungen sind." Weiter unten heißt es in demselben Brief: „Der Kamps dieser beiden politische» Wellen in Deutschland Halle sich zugespitzt und war zum Ausbruch gekommen in der Frage: Für oder gegen den Bürgerblock. Es ist klar, daß diese Frage ernsthaft Entscheidung bedeutet, daß die Menschen von der Partei hierin eine klare Haltung verlangen müssen. Die bisherigen Zustände sino darin � unmöglich. Bei der Abstimmung über die bedingt« Zustimmung des Zentrums zum Bürgerblock haben von über lii« Abgeoednelen 13 gegen uno die übrigen für den Börgcrblock gestimmt,«oiche Zu« jtäirde sind unhaltbar. Wer m!ti?» nn Volk steht, weiß, daß das um- gekehrte Cigebius dem Willen der Zentrumswähletschaft entstnochen hätte. Die FraliivN tat also da» schlagende Gegenteil von dem, was sie tun mußte. Solchen Zustanden gegenüber tatenlos die Hände i» den Schoß zu legeil oder sich damit zu begnügen, was die Jugend- beweming bisher tat. wäre Omide." Dieser Brief zeigt deuttich das schwere geistige Ringen in ein- zelnen Teilen der katholischen Jugendbewegung.