Zuaend-Vorwarls Nr. 3 Beilage zum Vorwärts Maigeöicht! U, Mai 1925 Ertx. mütterlich« M (Emlgjung«, schenk uns wt«v«c dein« Sonn«, dein« Stern«. dein« Blumen, dein« eieder! Sieh, wir haben un» gesangen zwischen Mauern, zwischen Steinen. sehen kaum noch dein« Sonne. deine tausend Stern« scheinen. Statt un» an dein Her, zu legen. flehen wir. der Zeit zn dienen In den Hallen, in den SSlen an den sausenden Maschinen. Bauen, schassen, werken, mühe». denken, trachten und erfinden, jagen, hasten, streben, suchen ohne Ziel und Mah zu sindeni Keine Grenze, kein Genügen. sriedlo» wird da» Herz getrieben. zwischen himmeln, zwischen Höllen. zwischen hassen, zwischen Lieben. Bruder kennt nicht mehr den Bruder. Freude, dt« muh betteln gehen; und die Menschenlieb« lassen wir am Markte einsam stehen. Erde. liUtterliche dttt Ewigjunge, dein« Lieder, dein« Sonnen, deine Sterne. deinen Frieden gib un» wieder! «lsred Ihieme. Die Jugend und hinöenburg. ~ In der sogenannten„nationalen" Jugendbewegung hat »«an dem Gedanken des„Führertums" stets mit besonderer Begeisterung gehuldigt. Alle Hoffnungen auf den Wiederaus- stieg Deutsästands, wie ihn sich diese„nationale" Jugend vor» stellt, waren gegründet auf einen„starken Mann", auf den großen deutschen Führer". Er sollte mit eiserner Hand die Flügel der Regierung ergreifen, sich des Volkes Gefolgschaft erringen und dann Deutschland zu neuem Glück verhelfen. Es ist zweifelsfrei, daß ein sehr großer Teil dieser Jugend diesem Gedanken durchaus ehrlich und ernst anhängt. Ihm ist die Demokratie einfach Unsinn, und Führertuni ln der Demo- kratie etwas Unmögliches. Er wünscht die Beseitigung der Demokratie und Wiederaufbau der Monarchie, in der sich noch seiner Meinung der Gedanke der„Führerschaft" am edelsten verkörpere. Die jetzt vollzogene Reichspräsidentenwahl gibt den An- laß dazu, einmal nachzuprüfen, ob mit dieser starken Sehn- sucht nach dem„einen großen Führer, der uns alle errettet", auch der sichere Blick gepaart ist, um die Qualitäten des Mannes, der da der Große sein soll, zu erkennen. Diese Frage konnte erst gestellt und beantwortet werden, nachdem die Rufer nach dem„Führer" einen Mann als den Führer be- zeichnet und erkoren hatten, ihm huldigten und dem ganzen Volke präsentierten. H i n d« n b u r g soll dieser Mann sein. Allerdings hat man vor Hindenburg bereits Hitler, Kahr, Ludendorff besonders in der„nationalen" Jugend zugejubelt, ihnen Lobeshymnen gesungen. Wie nahe schien ihr damals die Stunde, da diese Männer, umbrandet« vom Meer echt deutschnationaler Begeisterung, das Reichs- steuer ergreifen, die„national, Wiedergeburt und die endlich« Befreiung aus den Sklavenketten der Entente" uns bescheren würden. Wo sind diese Männer heule? Was sind sie heute? Hitler und Ludendorff, die die Republik bezwingen, die Nation befreien wollten und sollten, sie sind über den Stroh- Halm Münchener Polizei gestolpert und waren erledigt. Welch kläglicher Abschluß einer„Führerlaufbahn" war die Präsident- schaftskandidatur Ludendorff. Reden wir nicht mehr darüber Aber wie stehen diejenigen da, die so etwas als„Führer" erkorest hatten? Dieselben Leute haben jetzt Hindenburg mit auf den Schild gehoben und bejubeln in ihm den Führer und Retter. Sind ste diesmal auf dem richtigen Wege? Rein und dreimal Nein! Ist Hindenburg der„große Führer", warum dann erst Jarres, den Führer von kleinerem Format, wo man doch den größeren, fähigeren, bedeutenderen genau kannte? Hindenburg ist zur Uebernahme der Kandidatur erst gepreßt worden. Nach manchen anderen, die kein Glück hatten, ist es endlich Tirpitz gelungen, ihn zum Kandidaten zu machen. Ist das ein Führer, der zum Handel« getrieben werden muß, der nicht führen wi l l? Er ist es schon des- wegen nicht; aber er ist es um so weniger, weil er auch nicht führen kann. Das stellt niemand anders besser fest als die- jenigen selbst, die diesen Mann erkoren haben, indem sie, kaum daß er gewählt ist, darüber streiten, wer diesen Führer, diesen Retter beraten und führen soll. Ist jemals der Gedanke des„Führertums" mehr verhöhnt worden als hier? Hier wird geradezu Schindluder damit getrieben, und abwenden muß sich derjenige, der wirklich fähigen, charaktervollen Menschen die Führung anvertrauen will. Die sozialistische Jugend wendet sich ab von diesem srevelhostem Spiel. Bor ihrem Geist steht die Gestalt Friedrich Eberls, der aus der Kraft seiner Persön« lichkeit mit dem Schicksal rang und vom Sattlergesellen zum rrsten Präsidenten der Republik ausstieg, der aus Trümmern Neues formte und diesem Neuen auch durch seine ureigene Persönlichkeit Geltung lind Achtung erschuf. Ja. an ihn denken wir gerade in diesen Tagen und unser Herz schlägt einen stolzen Takt. Konraö Haenifth unü öie �rbeiterjugenö. Vielleicht der schönste Zug an KonradHaenisch, der Ende April uiierwartet aus dem Leben schied, war sein« starke Liebe zur Jugend, sein teilnehmendes Mitleben mit der Jugend. Das kommt überall in seinen Schriften zum Ausdruck und ist auch, durch eigene» Erleben gestützt, mächtigster Antrieb seines kulturpolitischen Wirtens gewesen. Deshalb hat sich auch gerade die Jugend, die den Geist der neuen Zeit begriffe» hat, so eng mit ihm verbunden gefühlt. Anfang September 1l»22 sprach Konrad Haenisch in einer ösfent- lichen Versammlung im Stralsunder Gewerkschaftshause...Zwei Jahre preußischer Kuiturpolitik" lautete das Theina des Vortrages, der eine Schilderung von Haenisch's Ministeriätigteir gebe» sollte. Aber i>ae»isch war viel zu lemperainenwoll und viel zu stark von heißer Inbrunst für sei» Ideal der Ausbreiiung und Verliefung so- zialistischen Geistes fortgerissen, als daß«r ein bloßes sachliches Sie- ferat hätte halten können. Er ließ das Rednerpult forträume», stellte sich mitten auf die Bühne und sprach in feuriger Begeisterung r» »in ÜSrffsrcb'ncr hn schönsten Ginne des Wortes— von dem, mos ihm im Herzen überquoll.„Um zum Soziaiismus zu gelangen, braucl)en wir zuerst sozialistische Menschen", bekannte er unter stür> mischem Beifall aller Anwesenden. Nach Schluß der Versammlung trat ein Mann im schlichten Arbeitskittel auf ihn zu und gab sich als Kamerad jener Greifswalder Sturm- und Drangperiode zu erkennen, da Haenisch wegen„sozialistischer Umtriebe" von der Schule gewiesen wurde. Es«var ein ergreisendes Wiedersehen, bei dem zwei reife Männer, die stch ZV Jahre lang aus den Augen verloren hatten, Erinnerungen aus ihrer frühen Jugend austauschten. Dann folgte ein einzigartiger Weiheakt. Di« Arbeiterjugend marschierte unter Abstngung eines ihrer Kampslieder aus und brachte dem Sohne Vorpommerns ihre Huldigung dar.. Ein« Jugendgenossin hielt eine kurze, schlichte Ansprachschund drückte Haenisch den Dank der Jugend für seinen idealistischen Kamps mn die geistige Befreiung der Jugend und das Gelöbnis, fein Lebenswerk fortzusetzen, aus. Dem überraschten Haenisch rollten die dicken Freudentränen über beide. Backen. Als das Mädchen geendet hatte, sprang er auf, dankte für die Kundgebung und gab, während anfangs manchmal die Rührung seine Stimme zu ersticken drohte, Erinnerungen aus den ersten, oft an harten Entbehrungen und Entsagungen reichen Jahren seiner Tätigkeit im Dienst« des Sozialismus wieder. Immer froher und leuchtender wurde fein Blick, als er schließlich die geistige Wand- lung der letzten beiden Jahrzehnt« feststellte und den vecheißungs- vollen Aufstieg der Jugendbewegung mit dem anfeuernden Hinweis auf die Jugend als Träger der Zukunft des Voltes begrüßte. Selten hat wohl jemand andächtigere Zuhörer gehabt wie Kon» rad Haenisch bei der Arbeiterjugend. Und als zum Schlüsse die jungen Burschen und Mädchen das Lieb»Wann wir schreiten Seit' an Seit'" anstimmten, da sang auch Haenisch mit«wig jungem, brennendem Herzen mit und gab seiner Verbrüderung mit der Jugend in den Worten Ausdruck:„Mit uns zieht die neue Zeit!" _ Dr. Bolz«. Literatur und?ungproletariat. Das Individuum durchläuft von der befruchteten Eizelle bis zum Eintritt der vollen geistigen und körperlichen Reife in' raschen und abgekürzten Stadien die gesamte, über uugeheure Zeiträume aus- gedehnte Entwicklung seiner Art. Diesem großartigen Prozeh ist nicht allein seine organische, also psycho-phgsijche Existenz unterworfen, er erfaßt auch den Menschen als Träger überorgantscher, soziologischer Funktionen. Dieses von Engelbert Graf zuerst scharf formulierte, doch auch von Müller-Lyer schon betonte und von Höckel angedeutete kultur- genetische Grundgesetz als eine Ausdehnung des allgemeinen bio- genetischen Grundgesetzes der modernen naturwissenschaftlichen Eni- wicklungslehre auf das Gebiet der Soziologie, der Wissenschast von der Kultur, tritt jedoch keineswegs nur in dem Wechsel der geselligen Neigungen beim jungen Menschen zutage. Nicht minder deutlich zeichnet es stch In dem Wandel der inneren Borstellungs- uizd Erlebniswelt ab, der stch In der Litcraturwahl in so Naren Konturen offenbart. „Sage mir, was du liest, und ich sage dir, wer du bist!"— dieser oft gedankenleer hingleitende Satz weist dem Jugendpsychologen eine breite und an Aufschlüssen reiche Straße in das schwer zugängliche und ost argwöhnisch gehütete Seelenleben des Jugendlichen. Die Straße führt den Sehenden zugleich an den Stationen vorbei, an denen das jugendliche Gemüt rastet und an den Trümmern der Er- lelmisformen tastet, die frühe Generationen seiner Kulturrasse zurück- belasten haben. Vorzeitliche Mythenbildung, epische Heldenverehrung und aus dem realistischen Erkenntnistrieb geborenes nocherlebtes Gestalten — das sind die ganz großen Phasen, die das dichterische Schassen in dem kontinuierlichen Werden einer Kullur durchläuft und die sich ungefähr decken mit entsprechenden Abschnitten in der Entwicklung des philosophischen Denkens: die erste mit der naiv-utilitarischen, die andere mit der theologisch-anthropomorphen Naturauffassung, wäh- rend die dritte sich über die verschiedenen Stufen erstreckt, die mensch- liche Eiiistcht seither erNomm. Mit dein Märchen versenkt sich das lesende Kind tief In dl«, mythische Vorstellungswelt. Beim Abschluß der Kindheit erfährt das Märchen eine starke unwillige Ablehnung, die oft unvermittelt zum Ausbruch kommt. Das Heldenzeitylter tritt in feine Rechte, und die historische Erzählung, die abenteuerliche Schilderung, die Detettio-, Indianer., Rciseerzählung müssen der plötzlich erwachten Erlebüisgier des Jugendlichen, seinem Drang nach äußeren Spannungen genügen. Dabei ist die Beobachtung charattertstisch, daß für die historische Sage oder— selbst beim katholischen Jungproletarier— für die Heiligen- legend« kein Sinn vorhanden ist. Grund dafür ist ein« Nebeneinstellung, die das Interesse am Stoff, an seiner subjekttv entschiedenen Wahrheit und an seiner Anwendbarkeit aus die eigene Person orien- iiert. Wir sind damit mitten in den wucherischen, phantastegeschwän- zertcn Urwaldsümpfen der Schundliteratur, wo feindliche Horden treisen und wild« Tiere lauern. Ob sechzig Bände Karl May oder echshundert schreiende Zehnpsennighesie während dieser Zeit ver- chlungen werden, will mir herzlich gleichgülttg bedünken. Zwischen Zederstrumpf und Winnetou, die man doch den Jugendlichen de- dentenltzS in die Hände gibt, und den endlosen Serie» von Texa? Jack und Bussalo Bill ist doch nur ein formaler Unterschied bei völliger Gleichheit der Stosfgattung und vor ollem der Erlebnis- struktur. Der fanatische Lippenlärm gegen die Schundliteratur' erscheint daher aus dieser Stufe als blinder Eifer: es wird eine Geldsrage sein, dep sensalionshungrigen Köpfen den echten Sherlock Holmes, mit dem Evnan Doyle in die Bezirke der Wellliteratur eintrat, preis» zugeben und ihnen die Tortur zusammenhangloser, im Schmier- stil verzapfter Nat-Pinkerton-Heftchen zu ersparen,— doch wird e» sich immer als vergebliches Mühen erweisen, ihnen mit Theodor Storm oder Gottfried Keller zu Gefallen zu sein. Man soll der Natur ihr Recht gewähren und das Bedürfnis nach Heldenromantit zur rechten Zeit erschöpfen, statt es zu verdrängen, was ost ein ge- fährliches Experiment bedeutet. Ganz im Rahmen des Asfekterlebnisses liegt in diesem „Robinsonalter" auch die Empfänglichkeit für das Drama(ohne daK darum der tragische Konflikt in seinen seelischen Tiefen ersaßt würde). Man wende nun nicht ein, daß die Abenteuerliteratur den Jugend» lichen umklammere. Wenn der spannungssüchtige Typus in un» zähligen Fälldn ein dauernder wird, so findet das eine andere Be» gründuna. Im Jugendlichen wird sich beim Abschluß der Pubertät zu seiner Zeit der realistische nüchterne Erkenntnistrieb einstellen, an dein steh das Literaturerlebnis umorientiert und mehr nach den inneren Eni» ladungcn und Spannungen stillen, tragischen Geschehens begehrt. Da aber schiebt sich das Bildungsprivilegium der herrschenden Schicht dem jungen Werktätigen in Gestalt eines nur schwer übersteigbaren Hemmnisses in den Weg. Er resigniert in den msiften Fällen vor den formalen Schwierigkeiten der köderen Literatur. Das Volt spricht zwei Sprachen— und die Schriftsprache der Gebildeten hat Denkzeichen für seelische Vorgänge ausgebildet, in deren Handhabung der junge Proletarier nicht unterwiesen wurde. Die östere Folge ist dann der endgültige.Leseabsall". Wir haben den Typus des.Fertigen", des erschreckend früh Erwachsenen. Die Intelligenteren dieses Typus ergeben stch dann in den proleta- rischen Parteien der Neigung, fertige Denkresultate zu übernehmen «nd fördern einen Jntellektual-Dogmatismus, der besonders in der Kommunistischen Partei, die sich ja mit Stolz den Hort des Jung- Proletariats nennt, seine Blüten treibt. In einem anderen Falle verharrt der Jugendliche aus der Stufe des Asfekterlebnisses, das in seiner unzeitgemäßen Romantit leine Ersüllung sucht. Wir- haben den Typus des ewig Jugendlichen, des hysterischen Naturschwärmers, des Sektierers der Jugendbewe» gung, mit seiner wissenschafts- und traditionsfeindlichen Einstellung, mit seiner linversöhnlichkeit gegenüber der erwachsenen Generation der eigenen Klasse, der allein daran Schuld trägt, daß die Jugend» dewegung bisher nicht schäpferisch war im Sinne einer proletarischen Eigenkultur. Beiden gemeinsam am Literaturerlebnis ist die Berständnislosig» keit für Lebenstragik und deren Gegenmacht, den befreienden Humor. Ausgebildet jedoch ist der Sinn für handgreifliche Komik, Senil» Mentalität und Pathetik. Man glaube nicht, daß stch dieser formal« Mangel am Schatz abstrakter Begriffe auf das Literaturerlebnis allein erstreckt: er hemmt auch beim Genuß der darstellenden und der bildenden Kunst, denn dos Kunsterlebnis taucht erst dann In da» voll« Licht des Bewußtseins, wenn das Gehirn stumm oder laut da» erlösende Wort formt. Aus dem Umstände, daß dies« Erscheinung zum größten Teil der werktätigen Bevölkerung gilt, ist überwiegend auch die Massenbeliebtheit der auf grobe Scnsattonen hinzielenden Lichtspielkunst unserer Tage zu erklären. Wie hier Wandel schassen? Da kann es nur heißen: Schulung. Schulungl für die Gesellschaft,— und Lernen, Lernen! für jeden einzelnen. Zeit und Mittel hierfür zu schassen, ist eines der tultu» rellen Hochziele des proletarischen Befreiungskampfes. _ Richard Rainer. Zur Psychologie ües Jugendalters. Auf der letzten Konferenz der älleren Mitarbeiter der Groß» Berliner Sozialistischen Arbeiter-Jugend hielt Genosse Dr. H o d a n n einen ausschlußreichen Vortrag über psychologische Fragen der Jugend- und Reisezeit, um den Jugendbeiräten dadurch ein bessere» Verständnis für gewisse Eigenhelten des Jugendlichen gerode itt dem von uns erfaßten Alter zu vermittein. Ueber den wesentlichen Inhalt der für jeden Iugendleiter wertvollen Ausführungen soll Ictt folgenden kurz berichtet werden. Beim normal veranlagten jungen Menschen beginnt mit dein 13. Lebensjahr die sogenannte Entwicklungszeit, die stch in der Regel bis zum 1?. Lebensjahr erstreckt. Da« geschlechtlich neutrale Kind entwickelt sich in dieser Zeit zum geschlechtlich reifen Mann oder Weib. Die Geschlechtsdrüsen verändern ssch und sondern Betandteile ins Blut ob. Dadurch wild der Blutkreislauf, durch die es das Gehirn und damit wieder dos Gemütsleben beeinflußt. Be diesen Vorgängen hat der Jugendlich« das dumpfe Empfinden, daß etwas in ihm vorgeht, daß ssch etwas in ihm verändert, vhn« stch aber über dieses.Etwas" recht klar werden zu können. Es entstehen in seinem Gefühlsleben Konflikte, er wird unsicher und mit stch selbst unzufrieden. Um seiner Umgebung, Eltern, Lehrherrn, Geschwister usw.,„nichts merken zu lassen, verfällt er aus Methoden, die. vom Standpunkt des Erwachsenen aus gesehen, nicht immer.schön sind: er wird gegen seine nächste Um- gebung grob, unflätig, gegen Eltern und Meister ungehorsam. Es entsteht ein gespanntes Verhältnis zwischen Jugend und Alter, und dieser Zustand wird noch verstärkt durch die körperliche Unterlegen- heil und ökonomilche Abhängigkeit des Jungen im Verhältnis zum Erwachsenen uniz durch die menschlich begreifliche, aber pädagogisch unkluge Ueberhebung der Alten. Aus dem Bedürfnis heraus, sich durchzusetzen, verübt der Jugendliche mancherlei Streiche, nur um sich den anderen, den Erwachsenen, ebenbürtig zu zeigen. So entwickelt sich allmählich ein starkes Selbst- und Jch-Bewuhtsein. Der junge Mensch wird jedem Eindruck gegenüber kritisch und will allem„auf den Grund gehen". Es ist nun besser, den Jugendlichen In seinem kritischen Streben zu hestärken und seine Aufmerksamkeit auf die Gegenstände und Einrichtungen des gegenwärtigen Staates und der bürgerlichen Gesellschaft zu lenken, als daß man, wie es die Kirche und die Schule tun, diese Probleme geflissentlich umgeht. Durch die erwähnte Veränderung der Geschlechtsdrüsen wird der junge Mensch nun vor allem nach der erotisch- sexuellen Seite beeinflußt, und es entstehen hier' Konflikte, die für den einzel- nen noch weit schwerwiegender stnd als die bisher erörterten. Es entwickelt sich zuerst in den meisten Iällen eine„Schwärmerei". »in Liebesverhältnis, das nicht eigentlich sexuellen Charakter trägt und mitunter einer Person des gleichen Geschlechts gilt, z. B. Zu- Neigung eines Burschen zu seinem Lehrer oder eines Mädchens zur Freundin der Mutter. Wenn aber die Entwicklung fortgeschritten ist, dann lösen sich diele Verhältnisse, und an ihre Stelle treten solche mit erotischen und sexuellen Motiven. Zeit und Art ihres Austretens sind individuell ganz verschieden. Di» Reifezeit, aus deren mancherlei» Krisen und Problemen der Bortrag des Genossen chodonn«inen Ausschnitt bot, erfordert ver- pöndnisvolle Leitung seitens der älteren Führer; diese müssen sich aber vor allem davor hüten, den Jugendlichen in dieser Period« fühlbar bevormunden und gängeln zu wollen. Vielmehr muß alle Erziehung das Ziel haben, den jungen Menschen stch möglichst selb- ständig«ntsasten ju lassen: der beste Erzieher ist der, der sich am schnellsten überflüssig zu machen weiß. Vor allem bei der proletarischen Jugend ist Aengstlichkeit und Scheu den Krisen der Reifezeit gegenüber nicht am Platze, chker gilt da« Wort:„Wenn Männer werden solle«, müssen Jüngling« gewagt werden." Karl Freymann. Lehrlingsnot. Sticht der Mangel an Lehrlingen, über den wir oft laute Klagen hören, sondern das Schicksal des Lehrlings soll hier kurz betrachtet werden und auch die Möglichkeit, ob es denn wirklich nicht zum Besseren gestaltet werden kann. Der eben im Norden Berlin« ge- schehene Totschlag an einem Lehrling durch seinen Meister muß jedermann zu der Ueberzeugung bringen, daß solche Vorkommnisse tn Zukunft unmöglich gemacht werden müssen. Hier handelte es sich um einen Fall, der mit einem so furchtbaren Ende abschloß, dem Tod des jungen Menschen, daß die ganze Oesfentlichkeit wieder einmal entsetzt ist darüber, daß solch« Falle geschahen können. Be- kanntlich sind aber nicht d I e Leiden im menschlichen Leben die schlimmsten, dl« in einer Katastrophe enden, sondern die sich täglich wiederholenden kleinen Schikonen, Mißhandlungen, Beschimpfungen und dergleichen, an die man stch schließlich gewöhnt, weil man eben abgestumpft wird. Und diese kleine» Nöte, sse ergeben im Laufe de« Geschehen» eben«ine große Not, so groß, daß sie von der öffentlichen Meinung nicht mehr übersehen werden kann. Worin bestehen denn die Nöte des Lehrling», die, wie gesagt, ia glücklicherweise nur selten in der Form eines Totschlags ihren Ausgang finden. Sie haben zweierlei Natur— einmal werden all die vorkommenden Mißhelligkeiten in den menschlichen Eigen- fchaften der an der Lehrlingeausbildung beteiligten Personen und zweitens tn den Unzulänglichkeiten des Betriebes zur Erlernung des Berufs begründet sein. Dos Gesetz schließt nur den von der Lehrltngshaltung au», der die bürgerlichen Ehrenrecht« nicht besitzt; ob eine persönliche Eignung des Meister» oder de« Lehrgesellen zum Umgang mit§ugendlichei� vorhanden ist, danach wird nicht gefragt. Und doch hat der Lehrmeister nach dem Gesetz„erziehe- rische" Pflichten gegenüber dem Lehrling: dl» Handwerksorgani- fationen stützen auf dies« Gesetzesphrase ja ihre Ablehnung der Einbeziehung der Lehrling« in die Tarifverträge; daß ss« ohne Tarifverträge stet» zu niedrigeren Kostgeldsätzen kommen als mit diesen, ergibt sich so nebenbei al» Belohnung für die erzieherische Leistung. Leider hat man in den Handwertsorganisationeu nur ganz vergessen, stch auch einmal die Erzieher selbst anzusehen. Man ha» wohl Zeit für so wichtige Dinge wie eine Bestimmung, daß nur Lehrlinge in einen Beruf hinein dürfen, die auch konfirmiert worden sind, aber an«tn« Ausscheidung der sür den Umgang mst Jugendlichen ungeeigneten Meister hat man bisher noch nicht denken können. Die von den Gewerkschaften bereit» ISIS erhoben« Farbe- rung nach Neuregelung der Lehrlingsgesetzgebung ist bis heute noch nicht ersolgt, und so haben wir das. merkwürdige Bild, daß tn emer Zeit, in der allseitig die Wichtigkeit der guten Berufsaus- dildung anerkannt wird, die Regelung der Lehrlingshaltung ganz In dt« Hände der als Arbeitgeber der Lehrlinge materiell lnter- «liierten Handwerksmeister gegeben ist. Die organisierte Arbeiter- schast hat heute so gut wie gar kein« Möglichkeit, dabei mitzuwirken. So ist es allerdings kein Wunder, voy nicht nur ungeeigner« Personen, sondern was oft noch schlimmer ist, auch durchaus un- geeignete Betriebe in der Lehrlingsausbildnng eine unheilvolle Roll« spielen. Wer seine Meisterprüfung bestanden hat, hat auch das Recht, Lehrlinge zu halten. Ob in seiner Werkstatt sich jemals die Möglichkeit zur wirklichen Erlernung des Berufes bieten wird, da» spielt keine Rolle. Und wie oft ist es so. daß ein derartiger„Be- trieb" nur Reparaturen ausführt oder nur eine ganz bestimmt« Teilarbeit für einen Glohbetrieb leistet und nichts weiter. Dann lernt der Junge in den vier Jahren, darunter geht's ja selten, eben nur die Herstellung eines einzigen Gegenstandes und kann, nach- dem er seinem Meister vier Jahre lang nützlich gewesen war, dann sehen, wo er als ungelernter Arbeiter weiter ein Unterkommen findet. Diese Ausnutzung jugendlicher Arbeitskräste ist schamlos und muß beseitigt werden. Sie geht zu beseitigen, wenn die Arbeiter« schast bei all diesen Dingen mit zu bestimmen hat und wenn die gesetzlichen Gnindlagen für die Lehrlingsausbildung der Neuzeit entsprechende geworden sind. Man kann gespannt darauf sein, ob die angekündigte Gesetzesvorlage des Reichswirtschaftsministers über die berufliche Ausbildung Jugendlicher nun bald erscheinen wirh. Enthält sie nicht solche Bestimmungen, die die hier gekennzeichneten Mißstände in Zukunft unmöglich machen, dann hat sie ihren Zweck von vornherein oerfehlt. Denn di, Grundübel des jetzigen Zu- stände» sind die Ausschaltung der Arbeiterschaft und di« Nicht- beachtung der Eignung der Person de« Lehrherrn und des Be- triebe?. Hieraus ergeben sich gewissermaßen automatisch all di« vielen Differenzen und Reibungen in der Lehrzeit, die an inancher verfehlten Existenz schuld tragen. Echasst hier das kommend« Gesetz Abhilfe, so ist ein guter Schritt vorwärt» aus dem Weg« oernünstiger Eingliederung unserer Jugend in da» Wirtschafts- leben getan worden. W. Maschke. Die Jugenö in See Gesetzgebung. o M» M l Zurück zum Achlstundenlagi In der letzten Zeit steht die sozialpolitische Tätigkeit Im Vorder- grund der Arbeit vieler großer deutscher Jugendverbände. Wir be- richteten bereits kürzlich, daß der Ausjchuß der deutschen Jugend- verbände, dem 10 Reichsjugendverbände mit etwa 3H Millionen jugendlichen Mitgliedern angeschlossen sind, den Entschluß gefaßt hat, die geletzliche Festlegung von drei Wochen Urlaub für die werktätige Jugend bis zum 16. Lebensjahr und zwei Wochen Urlaub für die werktätige Jugend von 16 bis 18 Jahren zu fordern. Auf der letzten Sitzung de» Ausschusses, die am 21. April In Berlin stattfand, stand die Frage der Arbeitszeit der werk- tätigen Jugend zur Debatte. Die gegenwärtigen Verhältnisse aus diesem Gebiete erfordern dringend eine durchgreifende Abhilfe. Di« Arbeitszeitverordnung vom Dezember 1823 laßt für die Jugend bis zum 16. Lebensjahr eine n e u n st ü n d t g e und sür die Jugend über 16 Jahren eine zehnstündig« tägliche Arbeitszeit zu. Wenn diese Bestimmungen nicht baldigst ausgehoben werden, sind bei dem gegenwärtigen körperlichen Zustand der deutschen Jugend die schwer- wiegendsten Schädigungen der Volksgesundheit unvermeidlich, da ein« zehnstündige Arbeitszeit die Grenze des Erträglichen weit übersteigt. Der Ausschuh der deutschen Jugendverbände beschloß daher nach einem Referat seines Vorsitzenden einstimmig, von den gesetzgebenden Körperschaften oie unverzügliche Verabschiedung eines Arbeits- zeitgesetzes zu fordern. Der Ausschuß stellte Im einzelnen folgende Forderungen hinsichtlich der Bestimmungen über dl« Arbeitszeit der Jugendlichen auf: 1. Di« wöchentliche Höchstarbeitszeit sür Lehrlinge, jugendliche Arbeiter und Angestellte bis zum vollendeten 18. Lebensjahr« darf 48 Stunden nicht übersteigen. 2. In die 48stündige Arbeltswache sind einzurechnen di« Zeit für den Besuch der Psllchtfortbildungsschui« und für Aus- räumungsarbeiten. 3. Di« Arbeitszeit Ist nach Möglichkeit so zu legen, daß der Eonnabend nachmittag sür all« jugendlichen Arbeit«» arbektssrei ist. 4. Die N a ch t a r b« i t ist sür di« Jugend bis zum vollendeten 18. Lebensjahre zu verbieten. ö. Das Schutzalter der Jugend ist in allen Fällen aus 18 Jahr« �er Ausschuß beschloß ferner. Ansang Oktober«tn« ösfentlich« Tagung in Kassel abzuhalten, in d«r vor den Bertretem der B«- Hörden, der Parlamente und den an der Jugend besonder» inte«- esfierten Kreisen der Oefsentlickkeit die obigen Forderungen der send hinsschtlich der Ferien und der Arbeitszeit vertreten und d«- >d«t werden sollen, um so weitere Krsise für den Kampf um di« ft« Verwirklichung dieser Forderungen zu gewinnen. Aesorm der Berufsausbildung. Di« seit Jahren währenden Be- mühungen der sozialdemokratischen Reichstagssraktion, dl« Reichsregierung zu der Einbringung eines Gesetzentwurses über die Berufs- ausbildung zu oeranlassen, damit endlich«in zeitgemäße» Berus», ousbildungsgesetz verabschiedet werden kann, haben jetzt insofern ein?» Fortschritt erfahre», vss Ht dir Beratung des Etqts d«q Rclch-wlrlschaftsmlnlslerluin» Im �mishciltsausschuß des Reichswgs eine Entschließung der sozialdemokratischen Fraktion, die die Reichsregierung ersucht, die Lorlage eines Berussausbildungsgesetzes so zu deschleuuigen, dah die Verabschiedung durch den Reichstag im laufenden Etatsjahre möglich ist, e i n st i m m i g a n g e n o in in e n wurde. Es wird auch die Aufgabe der Jugendverbände sein, darauf hin- zuweisen, daß die Reichsregiermig nicht versäumt, diesem einstimmigen Beschluß des Hauptausschusses rechtzeitig Folge zu leisten. Zugendurlaub in der Tschechoslowakei. Seit mehr als drei Jahren tobt in der Tschechoslowakei der Kamps um den Arbeiter- urlaub. Da mit dem Arbeiterurlaub auch der Urlaub für die Jugendlichen kommen mußte, haben sich die sozialistischen Jugend- organisationen von alleni Anfang an mit größter Leidenschaft an diesem Kampf« beteiligt. Zweimal lagen bereits Gesetzentwürfe vor, beidemal wurden st« jedoch wieder zurückgezogen. Die vorletzte Ge- jetzesvorlag« kam den Forderungen der so-ialistischen Jugendorgani- sationen, die sich auf«in« Mindestforderung von 14 Tagen geeinigt hatten, ziemlich nahe, da IS Arbeitstage Urlaub für all« Jugendlichen unter 18 Jahren vorgesehen waren. Die zweijährig« Paus«, während welcher diese vorlag« zurückgezogen wurde, hat zu einer Verschlechte- rung geführt. Das Gesetz, da« jetzt Im tschechoslowakischen Parlament äuge- nonunen wurde, bringt den erwachsenen Arbeitern einen Urlaub von S Arbeitstagen, der nach Mjäbriger Beschäftigung aus 8 Arbeitstage erwettert wird, und den Lehrlingen einen dezahlten Urlaub von 8 Tagen, bei welchen, jedoch die Sonntage, di» in die Urlaubszelt fallen, eingerechnet werden tonnen. Di» übrigen jugendlichen Personen erhalten nur einen Urlaub von 6 Tagen. Der sozialistische Jugendverband für di« deutschen Gebiete der tschechoslowakischen Republik hat noch in letzter Stunde versucht, durch Ausrufe in der gesamten Oefsentlichteit auf eine Verbesserung de» Urlaubsgesetzes i»i Sinne seiner Forderungen einzuwirken. Er hat am 22. Mär« in allen größeren Städten groß« öffentliche Kundgebungen veranstaltet, in denen«r für seine Forderungen eintrat und die inafsenhait von der arbeitenden Jugend besucht waren. In einigen Orten fanden auch anschließend an diese Aersammlungen Demonftrationszügs der Arbeiterjugend statt. Di« Konimunisten, di« gegenwärtig soft voll- ständig von der Bildsläch« verschwunden sind, versuchten einige Per- sammlunaen zu stören, was ihnen aber nicht gelang, da sie überall nur höchsten» ein Dutzend Anhänger auf die Beine zu bringen«er- machten. Obwohl da» Urlaubsaesetz keinesfalls den Wünschen der Arbeiter- jugend vollständig entspricht, so bedeutet e» doch gegenüber den die- herigen Zuständen einen nicht unbeträchtli-hen Forlschritt. In der kommenden Zeit wird es vor allem die Aufagbe der Jugendorgani- sationen sein müssen, dem neue» Gesetz auch überall Geltung zu ver- schaffen. Ts wird besonders bei den Kleinmeistern heftige Wider- stände zu überwinden geben. Di« sozialistischen Jugendorganisationen werden auf dem Plan sein. > M» M o J\üß der fugend-Internationale Ausschwung der sozialistischen Zugendbewegung in Frankreich. Wir entnehmen einem Artikel de» Genossen Hoyouix im belgischen„Peuple", daß im Dezember 1924 die französische sozio- iistisch« Jugendorganisation zweimal mehr Mitglieder zählt« als im Jahre 1923,»ich daß die ersten Monate von 192ö wieder ein beträchtliches Anwachsen der Mitgliederzahlen aufweisen. Im übrigen hat der Parteioorstand der französischen sozialistischen Partei(SFZO.) beschlossen, sich eifrig um den Aufbau der Jugend- bemcgung zu kümmern. Er hat die Prooinzialverdänd« der Partei anfgesordert, spezielle Ausschüsse mit der Organisienmg und Aus. ficht der Iugendgruppen aller Art(Turnverein«, Kuustgruppen, Bühnengri�ppen, Kindergruppen usw.) zu beauftragen. Eine außerordentlich« Tagung hat am 20. April In Pari, stattgefunden, um diesen Plan welter auszuarbeiten. Räch einer längeren Debatte wurde einstimmig folgende Resolution ange- nommen: 1. E» wird ein gemischter Vorstand aebildet, der aus � Mitgliedern de» Parteivorstande» und 4 Mitgliedern de« Landes- komitees der sozialistischen Jugend bestehen wird. 2. Di« sozialistischen Iugendgruppen werden an die Provinz- sederation der Partei angcliedert, welche für die Frage der sozialistischen Jugendbildung und für alle Jugendsrogen lLehr- lingswesen, Berussorientierung, Kainpf gegen den Militansmns usw.) in ständiger Verbindung verbleiben werden mit dem ge- mischten Vorstand,"der die allgeineine Jugendbewegnng leitet und ordnet. 3. Die Parteifederationen werden den Iugendgruppen ge- statten, sich in einem Provlnzkomite« zu vereinigen. 4. Die Iugendgruppen werden mit Genehmigung der Pro- vinzfederation der Partei eine selbständige Organisalioit bilden können unter Aufsicht der Parteisederation. ü. Der gemischte Vorstand ist beaustragt, die Verwirklichung des Jugendprogrammes anzustreben. Diese Resolution zeigt, daß di« sranzösische sozialistisch« Parte! die Initiative ergriffe» hat, um aus aller Kraft unseren sranzösischen Jugendgenossen zu helfen, elne mächiige Jngendorganisatio» auf- zubauen. Ersie sozialistische Zugendkonferenz ln England. Zu Ostern 192? fand in Gloucester die erste sozialistische Jugeiidkonfercnz in England statt. Die sozialistische» Jngcndgilden der Unabhängigen Arbeiter- xarrei(JLP. Guild af Bourh) nahmen ihren Ausgang von einer Zusanimentünst zu Ostern vergangene» Jahres in Aork, bei der eine Reihe Mitglieder der Unabhängigen Arbeiterpartei den Versuch zu unternehmen versprach, im Anschluß a» Lokalorganisationeu der Partei Jugendgilden ins Leben zu rufen. Der vom provisorischen Verbandsoorstand vorgelegte �edruckle Tätigkeilsbericht über das erste Geschäftsjahr rühmt sich schöner Er- folge: 112 Jugendgilden mit über ZlWO Mitgliedern fonnten bereits A der Konferenz ihre Delegierten entsenden, weitere 46 Gruppen >i«d UI Bildung begriffen. An erster Stelle steht Schottland, da» alcln über ein Drittel aller bestehenden Gruppen zählt, schon zwei Lmideskonserenzen abgehalten hat und an die Anstellung eines jchotlifchen Jugendsetretärs denkt. Die Stimmung der Konserenz erreichte ihren Höhepunkt, al« die Jligendgenossen unter der begeisterten Zustimmung aller Anwesende»— die bekanntesten Führer der Unabhängigen Arbeiter- pari«! wohnten den Beratungen bei den alten Führer der eng- tischen Bergarbeiter, Robert S m i l l I e, zu ihrem Ehrenvorsitzenden wählten. In der bunten Reih« der Anträge, über die die 56 Iugendele- gierten— unter denen eine erfreulich groß« Anzahl von Mädchen war— in sehr lebhaften Diskussionen berieten, fielen besonder» jene auf, die di« noch ein wenig ungeklärten„Aufgaben der Gilden" zum. Gegenstand hatten und ein« Reihe von Anregungen, die tnter- nationale Bindung der Gilden mit aleichgesinnten Jugendorgani« sationen so innig wie möglich zu gestalten. Eine recht lebhaste De» balle wurd» über die Altersgrenzen für Mitglieder der Gilden geführt. Politisch« und wirtschaftlich» Fragen nahmen in den Be« ratungen einen verhältnismäßig fleine» Raum ein. Die Begrüßungsworte der Vertreter der Sozialistischen Ju- gend-Internationale, des deutschen und de» österreichischen Ver- bandes wurden mit großer Wärme aufgenommen. Alle» in alleni: Die Konferenz in Gloucester war erst ein Anfang. Aber die Be- aeiftmmg, mit der die englischen Iuoendgenossen am Werk sind, ihr« Organisation auszubaue», zeigt, daß die großen Möglichkeiten, die in Enalind für eine Arbeiterjugendbewegung gegeben find, nun end- lich erkannt worden find und dag ernste Arbeit am Werk ist, sie an»- zunutzen. Verfolgung der sozialistischen Zugend in Ztalien. Unser italieni- scher Brudirverdand, der bekanntlich erst nach der Machtergreifung durch di« Faschisten neu in» Leben gerufen wurde, hat«inen äußerst schwierigen Kampf mit de» gegenwärtigen Machibabern Italien» zu bestehen. Abgesehen von dem Mangel der persönlichen und Rede- freiheit außerhalb der industriellen Zentren kommt noch die Unter- drückung des Verbandsorgans„Liberia" auf Grund des bekannten Pressedetrets, das den Präsekten(Oberstes Regierunasanit der Provinz) völlig freie Hand gibt, nach Gutdünken einen Artikel als ..staatsgesährlich" zu bezeichnen und durch fortwährend« Beschlag- nähme den Oppositionsblättern das wirtfchaftllche Fundament zu entziehen. Die„Liberta" genießt dabei ein« besonder« Bevorzugung. Während das jozialdemotratisch« Parteiorgan bei täglichem Er- scheinen kein einzigmal der Beschingiiohm« verfiel, wurden bei dem Organ des Jugendoerbandes auf 14 Nummern nicht weniger als 8 beschlagnahmt und neuerdings di« ersorderliche Genehmigung des verantwortlichen Redakteurs zurückgezogen, wodurch das Erscheinen völlig eingestellt werden mnßte, bis die unendlichen Formalitäten der Bestätigung eines neuen Redakteurs«rledigt sind. Diese und andere Umstände führten auch uir Vertagung des ursprünglich für den Monat März angesetzten ersten Verbandsiage». Lediglich di« führenden Genossen der einzelnen Provinzen kamen End« März anläßlich der Tagung de» Parteirols in Rom zu einer Besprechung über den Stand der Bewegung und die Möglichkeit ihrer Ausgestaltung zusammen. Aller Schwierigkeiten ungeachtet nimmt aber die Mitgiiederzohl und Kampfbereitschaft der Organisation ständig zu. Für die Wochen vom 18. April bis zum 3. Mai war elne Propagandawoch« angesetzt, deren Ergebnis hoffentlich eine weitere Stärkung des sozialistischen Gedankens in der Jugend fein wird. Znternotionaler Zugendtag*in Zlorwegen. Di« norwegisch« sozialistisch« Jugendbewegung hat lang« Jahr» fast völlig danieder- gelegen. Di« Spaltungsarbeit der Kommunisten hat d»» Arbeiter- bewegung Norwegen» großen Schoden zugefügt, und e» gelang der kleinen sozialdemokratischen Minderheit unter der arbeitenden Jugend lange Zeit nichi, eine lebensfähige Orguniialion zu bilden, Erst im Lause des letzte» Jahres hat sich die Situation gebessert. Di« Sozialdemokralische Partei gewann bei der letzten Wahl an Boden, die kommunistisch» Bewegung flaut« ab und der sozialistischen Juaend gelang es mit tatkräftiger Unterstützung der dänischen und fchwedischen Bnlderorganisationen, die eigenen Reihen erfreulich zu stärken. Diese Aufbauarbeit wird jetzt wiederum eine»eu« starke Anregung erhalten aus dem internationalen Jugendtag, den die skandinavischen Verbände der Sozialistische» Jugend-International« zu Pfingsten d. I. in F r e d r i t s st a d« in Norwegen veranstalten. Dieser Jugendlag wird eine gemeinsame Kundgebung der sozialdemo- kralischen Jugend und Partei Norwegens und der sozialistischen Jugend aller skandinavischen Länder werde» und soll Zeugnis ab- legen von dem Aufstieg der norwegischen sozialistischen Jugend und Porteibewegung. Das Bureau der Sozialistischen Jugend-Inter- nationale wird ans diesem ersten internationalen Jugendtag der sozialistischen Jugend in Norwegen nach dem Kriege durch de» Ge- nassen Ollenhauer vertreten sein.........