Mend-VoMärt Ne. 4 Beilage zum Vorwärts 17. 7um 192S Rote Zahnen an roten Zeuern. Da» Sonnenwendgedichl, das wir an anderer Stelle dieser Nummer abdrucken, hat ein junger Arbeiter geschrieben, den es drängte, das Erlebnis einer Sonnenwendseier im Kreis« der Ge- sinnungsgenossen dichterisch zu gestaltem Es ist nicht da» einzig« Sonnenwendgedicht, das die Arbeiterjugend besitzt. Alt« und junge Freund« der Dichtkunst haben die Sonneniveiidfeiern der Arbeiter- jugend in Versen verherrlicht. In jedem Jahr kommen noch neue hinzu. Einige sindet man später ge- druckt, viele andere ruhen unbekannt in der Schublad« ihres Schöpser» und noch mehr bleiben ungeschrieben, weil nicht alle jungen Menschen das in Worte fassen können, was in ihrem Innern singt und klingt. Denn eine rechte Konnenwendfcier lebt in der Erinnerung eines jeden Jugendliche» fort, ift der Höhepunkt im Gleichlauf der Arbeit eines Jahres. Es gibt wohl niemand, der mit ganzem Herzen der Arbeiterjugend- bewegung zugehört hat, und der niäfl einmal in hellen Juninächten und lodernden Feuer in der Runde der Gssinnungstaineraden gestanden und sich mit ihnen aufs neue vereinigt hat in dem Gelöbnis, von Stund an mit neuer Kraft der großen Idee zu dienen, die Sonne, Licht und Wärme in jede Hütte, in jedes Menschenherz tragen will. Gibt es auch schönere Stunden im Jahr, um dieses Gelöbnis, für Freiheit und Menschheit zu streiten, abzulegen, als diese, da zwischen Gehen und Koinmen der Tage nur eine knappe Spanne dämmerigen Dahinträumens bleibt, da im Osten der erste Friihjchein des jungen Tages den Horizont erhellt, eh« noch im Weste» der letzte Widerschein des scheidenden erloschen ist? Und ist es nicht ei» herrliches Symbol des Glaubens und des Kraftgefiihls der Jugend, daß Jugend und Feuer sich in dieser Stunde vermählen, um selbst die karge Frist der Dämmerung zu bannen, um mit heißem Herzen und frischein Sinn den jungen Tag zu grüßen. Sonnenwendseiern der Sozialistischen Arbeiterjugend sind darum auch eine Selbstverständlichkeit geworden. In jedem Jahr flammen die Feuer rings im Lande auf, in jedem Jahr sainmeln sich Hundert- tausende junger Proletarier am Feuer zum Treuegelöbnis für den Sozialismus. Auch in diesem Jahr wird es so sei». Auch diesnial wird die Arbeiterjugend in hellem Feuerschein die Freiheit grüßen. In diesen Feiern lebt aber nicht allein eine starke Symbolik, die feste Wurzeln geschlagen hat in der ganzen Bewegung, in ihnen lebt auch ein starker Wille zur Tat, ein Bekenntnis zum Kampf in der Arena des Alltags. So hat die Berliner Arbeiterjugend die Sonenwenvseier, die wie alljährlich in den Gosener Bergen ab- gehalten wird— in diesem Jahr als eine Sonnenwendfeier des Ber- liner Kulturtartells—, die Idee der internationalen Soli- darität der Arbeiter in den Mittelpunkt der Feier gestellt. Bor dem Abbrennen des Feuers wird ein symbolisches Spiel von Sonnenroende. Wieder springen rote Flamme« kühn empor zum Firmament. Brüder, Schwestern sind beisammen, wo da» Sonnwendsener brennt. Weihevoll sind alle Herzen »nd von Zauber saust umwebt. Still entweichen Hafc und Schmerze«, wo da» Sonnwendsener lebt. Feuer, wecke in den Seelen frohen Sinn und frischen ONut. Tass' dt« Iugrudkrast erstarken bei der Sonuweubfeuerglut. Sei Symbol in nnsrrm Kampfe, der von Liebe sei gelenkt, daK der Liebe goldner Segen täglich nn» auf» neu beschenkt.— Fühlt ihr nicht ein heilig Ähueu? Bruder, nehmet wahr den Trist, der durch Trug und falschen Tlanben un» den Weg zum Ziel, weist. Brüder, zeigt auf unsrer Erde. LLlenschtum in dem schönsten Licht, dafj der« inst ein neue».Werde" au» der alten Llllenschheit bricht! Einigkeit im Geist de» Guten schwören wir beim Feuerschein. Sounwendfener— LVdrnschrnliebe soll dein tiefster Sinn uns sein! ,5iarl Riedel- Sca«ffutt>al( PMj)') »> Wir«»Inehmrn dieses Gedicht der im Arbeiter- Inge»d-Verisg erschlencn-n Sammlung.Iiinglle Arveiier-Dichtuug" '~" l'©obe Barthel aufgeführt werden, in dem nacheinander Arbeiter der fünf verschiedenen Erdteile ihren Freiheitskampf schildern und ihren Willen zur internationalen Berständigung und Solidarität bekunden. Zum Schluß einigen sich alle in dem Gelöbnis, fortan dem einen geineinsamen Ideal zu dienen:„Nun ist die Erde unser grenzenloses Vaterland.. Dann kommt ein Jüngling und entzündet den Heustoß. „Ich bringe Licht, die Flamme jaust, Feuer fällt aus meiner Faust. Flamme, falle in die morsche Zeit, Flamme, mach' uns're Herzen bereit, Flamme!" Diese Idee, die Sonnenwende zu einer Feier der internationalen Ber- vundenheit der Arbeiterschist auszugestalten, ist nicht rein zufällig. Sie liegt im Wesen dieser Feier, die eine Huldigung des Lichts und der Mensch- lichkeit ist, begründet. Schon einmal wurden nach dein Krieg die Sonnen- wendfeiern unserer sozialistischen Iu< gend durchgeführt als Bekenntnisse zur Völkerverständigung und zur internationalen Solidarität der Ar- beiterschaft. Das war im Jahr i922 und als am Abend des 2och können sie als Vorläufer der modernen Gewerkschastsbewezung betrachtet werden. In manchem wanderlustigen Junggeselle» wird dos Kapitel, das die da,»als übliche Wanderpflicht der Gesellen bilde», ein wehmütiges Gefühl hervorrufen. Besonders bei denen, die einige der hübschen Reiseschilderungcn und Ertednlsse von Zunft- gesellen gelesen habe». Roch viel Jnteressantes bietet uns die 144 Seiten umfassende Schrift über die Zunstverbote, die Gesellen- brüdcrschajte», dos Lehrlingswese», die Vcrrusserklärungen und Schilderungen der Kämpse der Gesellen aus fünf Jahrhunderten. Der zweite Band mit dem Titel„Arbeit und Volksklassen im Wandel der Geschichte" hat Franz I. Furtwängler zum Ver- sasscr. In einfacher Sprache führt er uns durch die Geschichte, um uns zu zeigen, welche Rolle die Arbeit und die Voltsklassen gespielt haben. Diese Aufgabe zu erfüllen war um so notwendiger, als die dickbändige» Werke, die die„Weltgeschichte" enthalten, in den aller- meisten Fällen gerade die Gesichtspunkte des Verfassers nicht oder nur sehr unvollkommen berücksichtigen. Von den Völkern des Morgenlandes, die die ersten Gcschichtsvölker unseres europäisch- asiatischen Gesichtskreises sind, führt uns das Buch durch die Geschichte des griechischen und römischen Reiches. In, zweiten Teil des Buches wird uns die Cutwicklung in Deutschland vor Augen ge- führt. Hier bekommen wir eine enge Verbindung mit dem Knall- schen Buche, das ja die Zünste eingehend behaitdeit Hot, die auch Furtwängler nicht umgehen konnte.' Nur gliedert sich die mittel- olterliche Gesellschaft hier systematisch in das Ganze ein. Der Ber- fajser führt uns in weiteren Abschnitten über die Auflösung der mittelalterlichen Gesellschaft zum Frllhkapitalismus, dessen Aus- Wirkung den Siegeszug des Bürgertums bedeutete. In einer Schluß- betrachtung wird der geschichtliche Sinn der Arbeiterbewegung be- handelt. Mit einen, Verzeichnis der von, Verfasser benutzten Schriften schließt die Arbeit. Im dritte» Bande führt uns der auf arbeitsrechtlichem Gebiete gutbekannte Genosse Clemens Nörpel in arbeitsrechtliche Fragen ein. Manchen llnbesangenen, der de» Titel„Gewerkschasten und Arbeitsrecht" liest, wird»ine Gänsehaut über den Rücken laufen bei der Vorstellung, daß so nüchterne Dinge,„Paragraphenreiterei", für die Jugend bestimmt sein sollen. Nu» soll man nie ein Urteil über eine Sache fällen, die man nicht kennt. Deshalb lese man Nörpels Buch, und man wird erstaunt sein, wie über ein an sich nüchternes Thema doch ein sehr lebendiges Buch geschrieben werden kann. Der geschichtlich« Rückblick zeigt uns, daß das Arbeitsrecht noch verhältnismäßig jungen Datums ist. Die alte deutsche Reichs- versassriiig unter de» Hohenzollern hat ein solches Recht noch nicht gekannt, ebenso nicht die Gesetzgebung der Vorkriegszeit. Es ist erstaunlich, in wie kurzer Zeit sich„ach 191» die arbeitsrechtlich« Gesetzgebung entwickelt Hot. Ein Rückblick auf die Entwicklung des Rechts, auf die Grundsätze des alten Schuldrechts, da» sich aus die Obligatio» des römische» Rechts ausbaute und der jetzt vollzogene Uebergang zum Personenrecht jpbt uns wertvolle Anregungen zum Berständnis der Dinge. In gleicher Weife interessant ist die Gegen- überstellung des'ndioiduellen und des kollektiven Arbeitsrechts, die Behandlung des Koalitionsrechts, des Streikrechts uitd der Tarif- vertrüge. Nörpel schildert weiter die Rolle, die der Staat bei Austragung von Gegensätzen wirtschastlicher Art seinen Bürgern gegenüber ein- nimmt und geht aus die Arbeitszeitsrage, das Rätewese», die Arbeits- gerichte, den Arbeitsnachweis, die Erwerbslojenfürsorge, das kollektivistische Prinzip und das internationale Arbeitsrecht in besoiideren Abschnitten ei». Ein Literaturnachweis gibt denen, die tiefer in die Materie eindringen wollen, ein wertvolles Hilfsmittel. Dieses Büch- Irin ist, trotzdem es im Rahmen einer Iugendbücherei erscheint, aber nichtsdestoweniger auch für jeden Erwachsenen eine ebenso nützliche wie anregende Lektüre. Die Sammlung soll sortgesetzt werden, und man darf hoffen, daß die arbeitende Jugend durch gute Verbreitung dafür Sorge trägt, daß das Ziel der Bücherei erreicht wird. Der Hamburger?ugenötag. Wir haben in der vorigen Nummer das vorläufige Programm des vierten Reichsjugendtagcs veröffentlicht. Inzwischen hat das Programm ein« weitere Ausgestaltung erfahre», so daß jetzt die dem Jugendtag zugrundeliegende Idee noch schärfer hervortrill. Am Eonnabend. den«. August, wird an, Nochmittag, wie ge- plant, die Begrüßungsfeier stattfinden, an der die ausländischen Gäste und die Delegierten der Ortsvereine teilnehmen. Der Abend ist für eine Reihe wichtiger Jugendvcranstaltungen freigehalten, die aber alle unter dem Kefamttitel:„Die sozialistische I u g e nd b e w e g n n g' den Zweck verfolgen, das Ziel und die Methode der sozialistischen Jugendarbeit sowohl für die Teilnehmer des Jugend- tage« als auch für die breitere Oeffentlichkeit herauszustellen. So werden eine Reihe von Borträgen stattfinden, in denen die Stellung des Sozialiemu» zu den Hauptproblemen unseres gegen- wärtigen wirtjchastlichen, politischen und kulturelle» Ledens barg«- legt werden soll. Es sind folgende Vorträg« vorgesehen: Sozialismus und Wirtschast, Referent: Dr. R. Hilserding, Berlin, M. d. R., Sozialismus und Politik. Referent: Parteivorfltzender Hermann Müller-Franken, Sozialismus und Kultur. Referent: Professor Dr. Gusta» Raddnich, Kiel, Der Sozialismus und die Frau. Rejerentin: grau Mari« Juchaez, Berlin, Der Sozialismus und die Bölkeroerständigung. Referent: Dr. R. Breitscheid, Berlin, M.d. R.. Die Pflicht zum Reuen. Kritisches über die deutsch« Jugend- bewegung in der Nachkriegezeii. Referent E. R. Müller, Magdeburg, Jugendkultur oder sozialistische Kultur. Referent Dr. Viktor Engelhardt, Bertin, Sozialistische Jugendbewegung und die neu« Kunst. Rescrenl: Dr. Adolf Behne, Berlin. Di« Jugendbewegung und die Musik. Referent: Profefior Fritz Jode, Berlin, Arbeitcrdichterabend. Max Barthel, Karl Bröger und Bruno Schönlank lesen aus ihren Werken. Außerdem finden eine Reihe von Iugendfeiern statt, in denen die in der sozialistische» Jugend gepflegte Festkultur zur Geltung kommen soll. Bisher haben folgende Bezirke derartige Iugendfeiern angemeldet: Dresden, Berlin, Hannover und Rheinland. Die Iugendfeiern und Vorträge werdeii so rechtzeitig beendet sein, daß all« Teilnehmer des Iugendtages an einem großen Fackel- z u g teilnehmen können, der zu Ehren der Beterancn der dculschcn Sozialdemokratie veranstaltet werden soll. Eine bedeutsame Steigerung erfährt der Iugendtag dann durch die große I u g e u d s ch u tz k u n d g e b u u g, die am Sonntag vor- mitttag i» Hamburg stattfinden wird. An dieser Kundgebung werden teilnehmen die Delegierte» der Ortsvereine, die Delegierte» des gewerkschastlicheii Iugendkongrefses, der am 8. und 9. August in Hamburg tagt, die Vertreter des allgemeinen Deutschen Gcwerk schaslsbundes, der Sozialdeniokratische» Partei und der jozialdcnw- kratijchen Reichs- und Londtagsfraktionen. Räch einem einleitende» Vortrag des Genossen Profcsior Dr. Sinzheimer über„Sozialismus und Iugendschutz"«erden die Vertreter der sazialistischen Ingendorgainsolionen ihr« Forderungen an die Gesetzgebung formulieren,»nd den Vertretern der Jugend- organifationeii wird Gelegenheit gegeben, sich zu den Forderungen uyd über die Möglichkeit ihrer Durchführung zn äußern. Das Ergebnis dieser Kundgebung wird den Jugendtagsleil- nehmern in der großen Demonstratio» am Sonntag nachmittag im Stadipark mitgeteilt werden. Im Rahmen der Stodtpark-Verau staltung wird außerdem eine Kundgebung für Sozialismus»ud Völkerverständigung stattfinden, auf der die anwesenden ausländischen Vertreter das Wort ergreifen werden. Schon jetzt läßt sich sagen, daß der Jugendtag den Beweis erbringen wird, daß die sozialistische Jugendbewegung aus dem besten Weg ist, echte und natürliche Jugendlichkeit und Begeisterung zu ver- binden mit ernster praktifcher Arbeit für die soziale Befserstellung und die politische und kulturelle Erziehung der proletarischen Jugend im Hinblick auf die großen Aufgaben, die die kommend»' Generation de» Sozialismus erwarten. ?ugenö unö Politik. Als in den letzten Iahren vor 1908 die proletarisch« Jugend bewegung in Deutschland immer stärker wurde, schuf die bürgerlich« Mehrheit des damaligen Reichstags ei» Ausnahmegesetz gegen die sozialistische Jugend. Das Reichsvereinsgesetz bekam einen Paragraphen. der es Jugendlichen unter 18 Jahren verbot, Mitglieder politischer Bereine zu sein oder an össentlichen politischen Der- sammlungen teilzunehmen. Alle Arbeiterjugendvereinc wurden von den Polizei- und Gerichtsbehörden in der Folge selbstverständlich »ls politische Organisationen bezeichnet und entsprechend behandelt. Natürlich«wrcn die Befürworter dieses Ausnahnwgesetzes»ichl ehrlich genug, um einzugestehen, daß es ihnen lediglich um die Zer- ftörung der sozialistischen Jugendorganisation zu tun war. In eNer Heuchelei behaupteten sie, ihre Absicht sei ganz allgemein, die Jugend vor politischer Verhetzung und politischem Mihbrauch zu schützen. In der Praxis wurde solch« Verhetzung und solcher Mißbrauch der Jugend natürlich nur bei de» Sozialisten festgestellt, während die bürgerlichen und nationalistischen Jugendorganisationen srei und ungehindert ihre politisch« Beeinflussung der Jugend fortsetzen konnten, ja in der Folgezeit bei dieser Beschäftigung sogar noch wohlwollendste staatlich« und reich- private Unterstützung fanden. B-i der bürgerlichen Jugend wurde nämlich diese politisch« Be- tätigung mit dein schönen Wort„nationale Erziehung" verkleidet, und dies,„nationale Erziehung" lag im Interesse de»„Baterlandes" von damals� bei den Sozialisten aber blieb dos Buge des Gesetzes klar, und Politik blieb eben Politik, also verboten und strafbar. Was seinerzeit allein durch die Sozioldemokraii« geschah, nämlich den Heuchler» die Maske vom Gestchl zu reißen und aller Welt deren wahre Absichten zu zeigen, das ist in der Nachkriegszeit vor der ganzen Oeffentlichkeit durch die Reaktionäre selbst geschehen. Sie haben sich in wachsendem Maße selbst entlarvt, und es ist jedermaml erkemUlich, daß es nur krassester parteipolitischer Eigen- nutz war, der diese Leute in ihrem Vorgehe» gegen die sogenannt« ..politische Verhetzung der Jugend" leitete. Es ist jetzt an Hun- derten von Beispiesen Nor geworden, i» welchem Maß« in den nationalistischen Jugendverbändeii, die sich alle der tatkräftigen Unterstützung der Rechtsparteien erfreuen, im wahrste» Sinne des Wortes die politisch« Verhetzung der Jugend betrieben worden ist und weiter betrieben wird. Bei de» schreeklichen politischen Mordtaten in Deutschland war meistens diese oder jene Gruppe der sogenannten„nationalen" Jugend irgendwie mit im Spiel. In de» Reihen dieser Organi- lationen galten die schändlichen Mordbuben Erzbergers, Eisners, Rathenaus und anderer weithin als„Helden". Erinnert sei an die »iclsachen Fememorde in diesen Organisationen»nd daran, daß so mancher Reichsbannerkamerad den Revolvern jchießlüsterner Haken- kreuzling« zum Opfer fiel. Das sind Zeichen politischer Ver- hetzung, wie man sie sich schlimmer nicht vorstellen kann. Wer aber ist es, der Zeter und Mordio schreit, wen» die republikanischen Behörden, die es ernst nehme» mit ihre» Pflichten, gegen solche Entartung des politischen Kampfes einschreiten und die Schuldigen zur Rechenschaii ziehen? Dieselben Leute, die gegen die proletarische Jugend seinerzeit das Ausnahmegesetz beschlossen, gegen die proletarische Jugend, der sie weder früher noch heute derartig« politische Schandtoten nach- weisen tonnten»nd auch niemals auch nur annähernd werden nach- jage» können. Die sozialistisch« Jugend nimmt e» ernst mit ihrer politischen Erziehungsarbeit und sucht den Geist und nicht die Schieß- serligkeit des jungen Menschen für dessen spätere» politische Wirken zu bilden. Nach dem letzten großen Wohltampf um die endgültige Be- setzung des Reichspräsidentenstnhls brachten die Zeitungen die Mel- düng, daß in Berlin am Wahltag ollein 21 Schüler unter IK Iahren wegen Randalierens und Belästigung politisch anders dcnkendrr Menschen oerhaftet worden sind. Damit ist die„politische Erziehung" einer größeren Anzahl höherer Schulen und natio- nalistijcher Jugendorganisationen schlagend gekennzeichnet. Die Hüter „politischer Moral" und„Beschützer" der Jugend, die, als stc allein a» der Macht waren, die ernsthafte und von hohen fittlichen Idealen durchdrungen« Echulungsarbeit der proletarischen Jugendbewegung durch»in Ausnahmegesetz verhindrr» wollten, sind entsetzlich bloß- gestellt. Ihr» schamlose Heuchelei ist restlos entlarvt. »Das Wirtshaus der �ugenö". Ein Wirtshaus... Grau und verschmutzt liegt e» in dem Block schmaler, verwahrloster Häuser, die Fenster krüb und beschlogen, die kurze» Gardinen dahinter braun vom Tabaksgriatm. An und für sich nichts Besondere», ein Wirtshaus, wie sie zu Dutzenden m nnferen Straßen stehen. Und doch hat diese« Wirtshaus etwas, was es von anderen Wirtschaften unterscheidet,«in« traurige Besonderheit: hier verkehren nur Jugendlich«, in»r junge Burschen und Mädchen von vierzehn bis zwanzig Jahren. Ein in der Nähe liegender Sporiplatz brachte dos Wirtshaus zu dieser iraurigen Berühmtheit. Hier zogen sich die jungen Burschen zum Fußbali um, hier„feirrien" sie abends ihre Sieg«, und ivas lag näher, als daß der gefchäftstüchiige Wirt die Lag« ausnutzte. Jeden Samstag und Sonntag dasselbe Bild: Drinnen Lärm, unierdrülkies Mädchenkreische», taumelnd« Schatten hinler den Fenstern! draußen aber, aus der Straße, gekrinnmle Gestalten. schmächtig» Jlmgen, kaum der Schule entwachsen, griin und gelb im Gesicht,»nd würgend an dem unverdauten Gift... Und je weiter die Rocht vorrückt, lim so toller das Treibe», um so mehr der Elendsbilder vor der Tür... bis sie nach Hanse ziehen. Bim in Arm, taumetnd, krank an Leib und Seele. Und dos traurigste: es ist fast ausnahmslos Proletarierjugend. die so Sonntag für Sonntag aus die Profitgier eines skrupellosen Wirtes, ans die Auswirkungen eines mißverstandenen Sportes hin- einfällt, die ihr in mühsamer Arbeit verdientes Geld zum eigenen Ruin ausgibt. Wenn ich morgens an dem üdernächtigk aussehenden Lokal vor- beigeh», wo aus den ossenen Fenstern der unerträgliche Dunst von Qualm mrd Rauch und säuerlichem Bier heansquillt, wo ein verschlafenes Dienstmädchen mit müden Händen den Eimer Wasser über den verschmutzten Bürgersteig gießt, dann sehe ich im Geist unser« frische, lachende Jugend, unser« Arbeiterjugend, mit den klaren Augen und der selbstbewußten Einfachheit und Natürttchteit vor inir. und dann srcue ich mich, daß, obgleich ihr zwar noch viel zu tun übrig bleibt, sie diesen ihren Weg geht und ihn zum Ziel« gehen wird. E&liMi der Sewegung. Generaloersammlung der sozialistischen Arbeilerjugend. Am»2s. Mai fand in der Aula des Kaiser-Friedrich-Real- gymnisitnn» in Reukölln die Frühsahrs-Generowersammlung d«r Berliner sozialistischen Arbeiterjugend statt. Nachdem der Gnwss« W e st p h a l den Geschäftsbericht gegeben und Genosse Meist«» über die umfangreiche Arbeit de» Hauptspediteurs berichtet hott«, »ab es eine lebhaste Debatte über die geleistete Arbeit. d«rei, Sachlichkeit besonder» hervorgehoben zu werden verdient. Im Mitt«lp»mkt der Diskussion stand die Frage der Jugendzruppen de« Reichsbonners und einige Anträge, die zur Jahn e nf rag» Stellung nahmen. Zur Fvhnensrage wurde fast einstinnnig ein Antrag angenommen, der folgenden Wortlaut Hot: „Die Genewloersammlung der.Sozialistische» Arbeiter- jugend Groß-Berlin" erkennt in Anbetracht der politischen Situation die Notwendigkeit an. dos Wohrzeichen der Republik gegen Angriffe der Reaktion zu schützen. Sir betont aber nach. drücklich, daß das Symbol unseres sozialistischen Wollen» M rote Fahne ist, und fordert alle Abteilungen sowie den Bezirk»- vorstand aus, bei allen Veranstaltungen und Kundgebungen die rote Fahne zu zeigen und in» Bewußtsein der Oefsentlichkeit zu rufen." Der dies, i»aligen Genenüversammlung war die Ausgabe ge- stellt, Beschluß zu fassen über ein neues Statut und damit die Orgonisaiionsgrundlage für di, nächsten Jahre neu zu gestellten. Genosse Hummel»«richtete über den der GeneraloeriainmAmg durch den Bezirksvorstand vorgelegten Satzungsentnnus. zu deni eine Reihe von Abänderungsanträgcn vorlagen. Der Entwurf wurde mit«inigen Aendermigen in der Setstußobstimmung gegen ganz wenige Stimmen gutgeheißen. Die wesenttichsten Aenderun- gen gegenüber den alten Satzungen seien hier ganz kurz verzeichnet. Im Namen ist da» Wort„Verein" gestrichen, so daß die Organisation jetzt heißt„Sozialistische Slrbeiierjpgend Groß-Berlin". Der B«. zirksausjchuß ist weggefalle» und an sein« Stelle di» aus breiterer Grundlage siehende Borsigendenkonserenz als beschließende Körper- schasl geireien, die in Zukunst am End« eine, jeden Monats tagen wird. Die Jugendbeiröt»«bisher Parteivertreter) nehmen mit beratender Stimm« an den Sitzungen sowie an der Seneraloer. Iwnmlung teil. Das Geschäftsjahr ist dem Kalenderjahr angepaßt worden, Generaloersammlungen finden nur noch jährlich einmal stait. Den Abteilungen verbleiben«jedoch erst von der Iilli-Afc- recbnung an) 20 Proz.(statt bisher 10 Proz.) der Beiträge für die Bestreitung lokaler Ausgaben. Di« Wahl«« hatten folgendes Ergebnis: I. Vorsitzender: Ludwig D i e d e r i ch, Hauptspediteur: Werner Meister, Jugend- Vertreter im Bezirksvorstand: Karl Birnbaum, Niederschöne- weide. Willi Kreßmann, Schönhauser Lorjtodt, Hans Martens, Lichtenberg, Karl T i t ch. Schönederg, Walter W»- gen er, Neukölln, Marie Junter. Mädelvertreierin. Partei- oertreter: Felix Fechendach, Rudolf Abraham, Dr. Max Hodann. Philipp Hummel, Köche Fröhdrodt. Revisoren: Karl Freymann, Fritz Liedke. Willi Beyers- dors, Arthur Hildesheim, Fritz Berg. Räch»inigen anfeuernden Worten de» neuen Borsitzenden, Ge- nassen Diederich, wurde die Genera lversammtung mit einem ge- meinfainen Lied geschlossen.__ Gewerkschaftliche Zugendiagungen. Die Jugendgruppen de» Zentralverbandes der Auge- stellt«« vercmstallen am 28. und 20. Juni in Bielesrtd eln«n Reichsjugendtag. der neben einer Begrüßungsfeier auf der Sparenburg am Sonnabend beruflich« Wettkämpfe, einen Umzug durch di« Stadt, eine große Kundgebung und ein Iugcndsest aus der Osf«»- heide nm Sonntag bringen wird. Ueber die Bedeutung des Jugend- tages unterrichtet ein Ausrus der Reichsjugendleitung: „Wir werden in Bielefeld gemeinsam sür einen ausreichenden Jugrndschutz eintreten Wir jordern srei« Zeit zu weiter« körperlicher und geistiger'Ausbildung und«inen angemessenen li rl o ud für jeden zur Erholung. Wir iverden zusammen in Bielefeld ein« gediegene»»d sorg- sättige Berufsausbildung fordern, weil wir wissen, daß nur ei» lüchliger Mensch der Gesamiheit gute Dienste leisten kann. Wir werden sür die deuischc Republik in Bielefeld unsere Stimme erheben Der preußische Minister des Innern, Karl E r v e r i n g, ein Hüter unserer jungen Demokratie, wird in großer Kundgebung zu uns sprechen." Ein zweite große gewerkschastliche Jugendtagung findet in Hain- bürg unmittelbar vor dem Hamburger Jngcndtag— am 7. und 8. August— in Gestali einer Iugendkonferenz des Zlll- ne meinen Deutschen Gewerkschastsdundes statt. Als Tagesordnung ist vorgesehen: 1. Unsere Jugendarbeit seit dem Leipziger Kongreß. 2. Jugend und Beruf. Referent Riekisch. Gewerkschaften und Berufsschule. Referent Koske. 4. Das kommende Berufsausbildungsgesetz. Am 9. August wird dann die bereits an anderer Stelle erwähnte große Iugendschutzkundgebung lm Rahmen des Ardciterjugendtages stattfinden. > M» M o flu» der Jugend-Internationale gongreg der belgischen Jugendorganisation.� Während der Pfingsttage fand in Brüssel die Jahreskonferenz der belgischen Sozialistischen Jungen Garden statt. Die Tagung war auherordentlich gut besucht. Es waren etwa TA) Gruppen durch rund 15V Delegierte vertreten. Außerdem hatten alle große Organisationen der belgischen Arbeiterschaft Vertreter enlsandt. Der Sekretär der belgischen Arbeiterpartei, Genosse I. van Roosbroeck, eröffnete den Kongreß mit einer Ansprache, in der er ausführte, daß die Partei auf die sozialistische Jugendbewe- gung große Hoffnungen setze. Er dankte der Jugend für die be- geisterte Hilfe während des Wahtkampfes, die zwetfellos zu dem großen Erfolg der Arbeiterschaft beigetragen habe. Die Partei werde es an Unlerstützung für die Jugendorganisation nicht fehlen la'fen. Schriftliche Begrüßungen waren dem Kongreß zugegangen vom Sekretariat der Soziallstischen Zugend-Internationale und von den Bruderverbänden in Frankreich, Spanien, Holland, Oesterreich, Dänemark und der Tschechoslowakei. Der Geschäftsbericht des Sekretärs de Bruyker war den Delegierten bereits vorher gedruckt zugegangen. Er wurde von der Konferenz einstimmig gebilligt. Die Tätigkeit der Gruppen war in der Berichtszeit reger als je zuvor, besonders im flämischen Teil Belgiens. Bei dem Bericht über die Aaitationsarbeit kam es zu einer interessanten Debatte, die mit dem Beschlüsse endete, auf dem Parteitag am 7. Juni eine Resolution einzubringen, die die Einrich- tung eines ständigen Jugendsekretariats fordert. Es soll ferner eine Tagung der Borsitzenden der Ortsvereine der Partei statt- finden, um mit diesen Vertrauensleuten die Mittel zur Stärkung der Jugendbewegung zu besprechen. Für die Funktionäre der Jugend- Organisationen selbst sind Führeraussprachen vorgesehen. Beschlossen wurde ferner die Gründung eines Ferienheim» der Jugend an der Nordsee. Am 19. August soll in Brüssel in Verbindung mit dem großen Parteifest eine Kundgebung der sozialistische» Jugend statt- finden. Im Anschluß an den Bericht des Genossen Vanderveken über den wirtschaftlichen Kampf der Organisotton wurden folgende Forde- rungen formuliert: Verabschiedung eines Gesetzes für die Einführung von F e r i e n für die erwerbetätige Jugend, Schassung eines Gesetzes kür die Regelung des L e h r l i n g s w e f e n s. Die Verwirklichui.g dieser Forderungen soll im Einvernehmen init den Leitungen der Parle! und der Gewerkschaften angestrebt werden. Eine lange Debatte ergab sich auch im Anschluß an den Bericht über die Kulturarbeit der Organisationen. Sie hat zweifellos dazu beigetragen, das Verständnis für die Notwendigkeit für die Kulturarbeit in der Jugend noch weiter zu verbreiten. Am leb- haftesten war die Debatte über den Bericht über die a n t i m i l i t a- r> ft i s ch e Arbeit der Organisation. Der Kongreß gab als Beschluß die Parole aus: Krieg dem Kriege, allgemeine Abrüstung. In bezug auf die belgischen Verhältnisse wurden folgende Forderunge» er- hoben: Beschränkung der Dienstzeit auf l> Monate, Demokratisierung der Armee, Aufhebung der Militärjustiz, gesetzliche Sicherstellung aller bürgerlichen Rechte für die Soldaten, Verbot der Uebernahm« von Streitbrecherarbeiten durch Angehörige der Armee. Aus Anlaß des Marokto-Konflikts wurde eine Resolution ange- Nammen, in der es heißt, daß der Kongreß in Hinblick auf die Ge- fahr, daß aus dem Konflikt in Marokko neue internationale Ber- Wicklungen entstehen können, an die Sozialistische Arbeiter-Jnler- nationale, die Sozialistische Jugend-Jnternationale und an die sran- zösischeu sozialistischen Organisationen den dringenden Appell richtet. alles zu tun, um diesen Konflikt zu einer friedlichen Lösung zu bringen. Der überaus gut verlaufene Kongreß endete mit Wahlen in die verschiedenen Körperschaften. Zum Sekretär der Organisation wurde wiederum""«ff* de Brunker-Gent gewählt. gongre�. s dänischen Jugendverbandes. Am 12. und 13. April hielt der Verband der dänische n sozialdemokratischen Jugend seinen dritten Kongreß in Odeuse ab. Neben zahlreichen Delegierten waren als Gälte der dänische Slaatsminifter, Genosse Stauning, und der Sekretär der schwedischen Bruderorganisation, der Genosse Hovberg, ver- treten. Der Vorsitzende der dänischen Organisation, Genosse C h r i st i a n s e n, berichtete über die Tätigkeit des Verbandes in den letzten 3 Jahren. Aus dem Bericht geht hervor, daß der Verband jetzt rund 1VOVV Mit- lieder in 132 Ortsoereinen zählt. Von den Mitgliedern sind 23 Proz. Mädchen. 27 Proz. Lehrlinge, 37Proz. unter l« Jahre, 43 Proz. zwischen 18 und 22 Jahren und 20 Proz. über 22 Jahre alt. 21 V'oy sind Mitglieder der sozialdemokratischen Partei. 55 Ortsvereine sind reine Landgruppen. Beim vorigen Kon- greß im Jahre 1922, zählte die Organisation 8000 Mitglieder in 104 Ortsvereinen. Die Arbeit der Ortsgruppen tonzentriert sich auf Vorträge, Distusfionsabende und Einrichtung von Studienireifen. Zur Unterstützung dieser Arbcir wurde halbjährlich ein Führer- blatt herausgegeben. Außerdem arbeitet man überall mit den lotälen Bildungsorganisationen zusammen. Zur Förderung der Verbreitung einer guten wissenschaftlichen und sozialistischen Literatur hat man vielerorts gemeinsam mit anderen Organisationen Büchereien ge- gründet, außerdem findet überall eine enge Zusammenarbeit mit den sozialistischen Kindergruppe» und mit der sozialistischen Partei statt. Bei der Gründung eines Landesausschuffe, für Volkserziehung hat die Organisation ebenfall» mitgewirkt. Da» Verbandsblatt„Rote Jugend" erscheint monatlich in 10000 Exemplaren. Der Leidensweg Georgiens. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht die„Sozialistische Jugend- Internationale" in ihrer Iuninummer einen Ausruf de» Zentral- komitees der junget, Marxisten in Georgien, der noch einmal in schlichten aber eindringlichen Worten die Leiden der georgischen Bevölkerung unter der bolschewistischen Besatzung schil- dert. Zunächst wird dargelegt, wie die russischen Bolschewisten mit allen Mitteln vorgehen, um Georgien in eine bolschewistische Kolonie zu verwandeln, in welcher rigorosen Weise die Russe» den wir!- tchaftlichen Reichtum Georgiens z» ihrem Vorteil ausnutzen und so die georgischen Sozialisten zu einem Kampf zwingen, der gleichzeitig ein Kampf um die nationale Unabhängigkeit und um die ökonomischen Interessen des werktätigen Voltes ist. Dann heißt es weiter: „Es gab in Georgien niemals eine so gewaltige Zahl von Arbeitslosen, Bettlern, Prostituierten wie heute unter dem bolsche- wistischen Regime. Die Hungerleidenden kommen auch moralisch leicht herunter. Dadurch erklärt sich eine große Zahl von Provo- kateurrn und Verrätern. Die» wa» die Lage in Georgien, die das Volk zwang, Tag und Nacht daran zu denken, wie man aus diesen entsetzlichen Ver- hältmssen herauskommen könnte. Di« politischen Parteien folgten nu. der Volksstiinmung, sie gaben ihr die organisatorischen Formen und suchten die Bewegung in die richtige Bahn zu führen. Endlich brach die Volkse«npörung aus, das allein gebliebene georgische Volk grijs i» seiner Verzweiflung zu den Waffen gegen das große Ruß- land. Der Aufstand breitete sich rapid über ganz Georgien aus. Ein- mutig und enthusiastisch griff das ganze Volk an: Die Alten und die Jungen, die Männer und Frauen. ieder nahm an dem Kampk teil, wie er tonnte. In lurzer Zeit wurden große Gebiete von den Kommunisten befreit, einige Tage atmete dort das Volk von neuem srei. Trotz de» großen Hasses wurde kein verhafteter Kommunist hingerichtet. Die acht bis neun Tage werden unvergeßlich sein für das Volk und bedeutungsvoll für feine Geschichte. Aber der Aufstand wurde niedergeschlagen. Die stark bewaffnete russische Zlrmee hat das waffenlose Volt besiegt. Es ist eine unverschämte Lüge, daß der Aufstand von den kloligen organisiert und geführt wurde. Die Bauern- und Arbeitermaslen bilden das hauptsächliche Element der Aufsländischen, und sie wurde» durch die Sozialdemokratie geleitet. Die Folgen des Aufstandes waren entsetzlich. Di« rachsüchtigen Kommunisten griffen zu neuen nnerhörten Terrormaßnahmen. Drei Wochen lang floß das Blut in Strömen. Allein in Tiflis, wo es nicht zum Ausstand kam. wurden 600 politische Gefangene erschossen. Die Mehrzahl von ihnen saß se't Jahren im Gefängnis und konnte an dem Aufstand in keiner Welse teilgenommen haben. Nach den Angaben der Kommunisten selbst sind 3000 Personen hingerichtet und gelötet worden. In Wirklichkeit ist die Zahl noch größer. Unter den Hingerichteten befinden sich die besten Parteiführer(wie z. B Khoniercke, Djugeli, Tschiewischwile usw.),«nassen- hast die Arbeiter und Bauern, dabei auch Frauen und Jugendliche. Viele von denen sind erschossen, die früher unter de» Drohungen die Erklärung abgaben, daß sie auf den Kampf gegen die Sowjet- gemalt verzichteten. Georgien ist in einen großen Friedhof verwandelt. Unsere Sprache, Genosse», ist nicht imstande, die Wirklichkeit richtig darzustellen: das von uns hier Gezeichnete ist nicht nur nicht über- trieben, es ist noch bei weitem nicht vollständig. Der. schwere Terror, de Veischlim.»erring der ökonomischen Verhältnisse, das ist unsere Perspektive. Doch entmutigt uns das nicht. Wir werden unsere Kräfte zusammenführen, neue Organisationen aufbauen und de» herrlichen Kampf um die Befreiung unseres Volkes, um die Demokratie und den Sozialismus weiterführen. I» diesem schweren und ungleichen Kampf sind unsere Augen, wie immer, auf euch ge- richtet. Wir haben unsere Hoffnungen nie auf die Imperialisten gesetzt, unsere Orientierung war ständig und blei<»t: die westeuropäische Demokratie, die Zweite Internationale, Amster- dam, die sozialistische Arbeiterklasse, die allmählich den Staat zu erobern beginnt, Wir glauben, daß d'e sozial-st'sche Internationale auf rein sozialistischen Grundlagen beruht. Darin liegt unsere Hoffnung und unsere Kraft für den Kampf. Das arbeitende Volk Georgiens hat feine Fähigkeit zum freien selbständige» Staatsleden bewiese». Es hat auch den Blinden gezeigt- wie es die Freiheit ersehnt. Es hat auch alles in seinem Kampfe ausgebracht, was es tonnte. Dieser Kampf für unsere bohen Ideale werden wir weiterführen, und wir rechnen auf eure Solidarität, Genossen."