Nr. 6 Beilage zum Vorwärts 22. /lugust 1H25 Der?ugenütag von Hamburg. Die Reichsjugendtage von Weimar, Bielefeld und .Nürnberg waren ln der Beschichte der deutschen Arbeiterjugend von kaum bestrittener, fördernder Bedeutung. Auch wo sie nicht das Geschent eines unerwarteten Erlebnisses brachten, wie in Weimar 1320. wirkten sie vorantreibend, werbend, formend. Tausend von jugendlichen Sozialisten aller Landschaften Deutsch- lands wurden für ein paar festliche Tage zusammengeführt. Biel- f ä l t i g k e i t und Einheit, zahlenmäßige Größe und geistiger Sinn zeigten sich ihnen anschaubar und erlebnismägig. Unoer- geßlich grub sich das in das Bewußtsein jedes Einzelnen ein, gab ihm Richtung und Belebung. Diese Tage der Jugend hatten für den Gesamtsozialismus festigende Kraft: denn auch die alte Generation empfand den Ab- glänz dieser wachsenden Gemeinschaftsbildungen. Ganz gewiß war nicht nur die Pflicht und Beobachtungsabsicht Anlaß, wenn von Jugendtag zu Jugendtag stets größere Scharen führender Sozial- demotraten teilnahmen. Wie Moses, dem nach vierzigjähriger Führung seines Volkes durch die Wüste— so wollen auch sie, die Alten, einen Blick in ihrer Kinder Land tun, das ihnen auf dem Grund dieser großen Jugendgemeinschast aufzutauchen scheint. Un- bestimmt in den Umrissen, aber spürbar im Wesen, zeigt sich ihrer Ahnung das neue Zeitalter und.dieses Bild lohnt ihre harten Kämpfe, die jahrzehntelangen Mühen und Entbehrungen. Nun ist der vierte Jugendtag in die Geschichte der Arbeiter- jugendbewegung eingegangen. Noch ist er frisch, gestrig in der Er- innerung und die zusammengeflutete Kraft muß noch ihr Wert tun, im Osten und Westen, in Süd und Nord. Noch sind die fünf- undzwanzigtausend, die Hamburg sah, nicht alle in den Werktag heimgekehrt: Wandertrupp» werden noch vom Anblick des Meeres und vom Lilaschimmer der Heide festgehalten— aber für alle ist auszusprechen:„Hamburg" war nach„Weimar" der g est alt- t r ä f t i g st e Jugendtag.* Ein sicheres Gefühl hat diesen Jugendrag in die großlinige, von Arbeit brausende Weltstadt„an der Elbe Auen" gelegt. Nach Ham- bürg mußte die Arbeiterjugend gezogen werden, D a n k darzu- bringen für die guten Einflüsse, die ihr vom Ursprung an von Ham- bürg kamen. In Hamburg ist aber auch am besten der Herzschlag der industriellen Zeit zu vernehmen. Ihre Großartigkeit— hier drängt sie sich jedem vorwärtsgerichteten Geist aus. Hamburg: Der Mastenwald in seinem Hafen: die Werften mit ihren Riesen- krönen: die breiten, stolzen Straßen: die zweckmäßigschönen Bauten der Mönckebergstraße, das Chile- und Ballinhau»— hier ist die Stadt der freigesinnten Arbelt. Hier wohnen d e m o- k r a t i s ch geprägte Menschen. Hier drängt es den Blick in die Zukunft. Der Weimarer Jugendtag verknüpfte die Gedanken der arbeitenden Jugend mit Deutschlands edelstem Geisteserbe. Er rief sie auf, ihre seelische Kräfte zu entfalten und Persönlichkeit in Gemein- fchast zu gestalten. Der Hamburger Jugendtag wies den Tat- willen auf die große Aufgabe hin: Das Gesicht der neuen Zeit zu hämmern. Hamburg begünstigte keine romantischen Gefühle,— auf keinen Jugendtag wirkte das übliche Dugend weibisch drein- blickender Langschöpse lächerlicher als hier. Die drei bedeutendsten, die Kernstunden des Hamburger Iugendtages weisen in die gleiche B o r w ä r t s r i ch t u n g.» Die Stunde, als Radbruch vor der gedrängten Jungsozialistenver- sammlung in einem feingeschlisfenen Vortrag über die„staatlichen und revolutionären Ausgaben der Jugend" sprach und sie inahnte, sowohl die„Soziologie" als auch die„Ideologie" der Demo- t r a t i e zu achten. Und dann die Stunde, als in ganz Hamburg munter machenden Fackelzügen die Jugend zum- Heiligengeist- feld zog, den Riesenplatz mit einein feurig beschienenen Menschen- meer stillte, das sich in grüßende«» Dank vor den hochherab- schauenden Veteranen des Sozialismus neigte und ihnen feierlich Fortführung des Werkes gelobte. Das eigentliche Bild aber war w den großangelegten S t a d t p a r k gelegt und diese Stunde, al» dt« hunderttausendköpfige Masse, lautlos im Grase liegend. Schönlant« einsach-großes Sprechchorwcrk aufnahm und sich am Schluß zu Schiller»„Hymne an die Freude" erhob, wird unvergeßlich bleiben. Das war„Hamburg"! Möge sein Geist die Bewegung voran- reißen. „Wir kommen von Süden, Wir komme» von Norden, Bon Sonnenaufgang Und Niedergang. Wir kommen, Wir kon. nen, Ein junges Geschlecht. Wir kommen, Wir kommen, Mit fliegendem Recht." Franz Osterroih. Zur Sozialismus unü?ugenöMutz. Der Hamburger Iugendtag brachte am Sonnabend etwa 20 Vor- träge und Feiern, über die teilweise schon berichtet wurde. E» mögen noch einmal die Vorträge genannt sein. Es sprachen Hermann Müller über„Sozialismus und Politik", Professor R a d b r u ch über„Sozialismus und Kultur", Schulrat Schult über„Sozialismus und Wirtschaft", Frau Dr. Wegscheider über „Sozialismus und die Frauen". V o o g d- ijolland über„Völker- Verständigung", Staatssekretär Schulz über das„Bildungsziel der proletarischen Jugend", Dr. B e h n e- Berlin über„Jugendbewegung und die neue Kunst", Prof. I ö d e über„Jugendbewegung und Musik", M ü l l e r- Magdeburg über die„Pflicht zum Neuen", Dr. Viktor Engelhardt über„Jugendkultur oder sozialistisch« Kultur", der Rektor der Hamburger Universität Professor Dr. L a u n, Dr. Adolf Braun und Dr. F r i e d l a e n d e r sprachen vor den sozialistischen Studenten über den Sozialismus und die geistigen Ar- beiter. Karl Bröger, Max Barthel und Bruno Schönlank lasen au» eigenen Werken. Die Forderungen der Jugend für Jugendschutz und Jugendrecht wurden am Sonntag in einer gemeinsamen Kon- serenz von Vertretern der Arbeiterjugend und Gewerkschaftsjugend aller deutschen Gaue vor Vertreter» von Behörden und Verbänden, ferner vor Vertretern der Sozialdemokratischen Partei und des Allge- meinen Deutschen Gewerkschastsbundes erhoben. Erich Ollen- Hauer hielt einleitend ein Referat über„Sozialismus und Jugend- schütz". Er führte aus, daß die Erfolge jeder Jugendarbeit abhängig von ausreichendem Jugendschutz sind. Auf die arbeitende Jugend würde ein großer Teil der Stabilisierungsunkosten abgewälzt. Arbeitslosigkeit und schlechte Arbeitsbedingungen erschweren ihre Lage. Aus dieser Not heraus ist die gemexnsameFord«- r u n g der deutschen Jugendoerbände nach größerem Recht»- schütz geboren, so daß hierin die bürgerlichen Jugendverbänd« gegen die ihnen weltanschaulich naheliegenden Parteien stehen. Für die Sozialdemokratische Partes ist die Ertenntnis eine alte/ daß der Weg zum Sozialisinus über einen ausreichenden Jugendschutz führt. Selbst den Gegnern des Jugendschutzes müsse klar sein, daß es ökv- nomischer und vernünftiger ist, Jugendschutzpolitik zu treiben. Die ausgeworfenen Millionen für Sport und Körperpflege sind ohne größere wirtschaftliche Freiheit, ohne die nötige Freizeit, ohne die so notwendigen Ferien ein Nichts. Der Kampf geht auch zugleich um eine sittlichere und gerechtere Weltordnung. Der sozialistischen Jugend ist die Arbeit das heilige und bewegende Clenrent des Wer- dens. Ihren großen Adel kann sie erst empfangen, lvenn wir über den Jugendschutz zum Sozialismus gekommen sind. Die Arbeiterjugend bewies nach der Lockerung der politischen und ge- scllschaftlichen Fesseln, daß die Freizeit geistigen und kulturellen Auf- stieg bedeutet. Der Jugendschutz ist somit eine Forderung nach einer gesünderen Zukunft des Volkes und der Menschheit geworden. Für Deutschland liegt in seiner Erfüllung ein Schritt mehr zur sozialen Republik. Peter Graßmann führte für den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund aus, daß hinter den er- füllbaren und gerechten Forderungen die politischen und gewerk- schaftlichen Formationen der Arbeiterschaft stehen. Die Kräfte der Arbeiterschaft müssen von tiefstem Pflichtbewußtsein erfüllt werden, so nur kann der Kamps in der kommenden großen Krise gemeistert werden. Für die Sozialdemokratische Partei sprach Hermann Müller. Er legte dar, daß die Geschichte der Sozial- demokratischen Partei die Geschichte des deutschen Arbeiterschutzcs tst. Den Verelendungstendenzen der kapitalistischen Ordnung gelte es entgegenzuwirken für' die gesamte Arbeiterschaft und besonders für die arbeitende Jugend. Die deutsche Arbeiterjugend muß sich in dem Kamps gegen die Ausbeutung als vierte Generation des Sozialismus ihrer hohen Aufgaben bewußt sein. Letzten Endes wird die Geschichte von Menschen gemacht. Für den Zentraloerband der Angestellten be- kannte sich Georg U ck o zu den aufgestellten Forderungen. Er wies darauf hin, daß selbst zum Gesetz gewordene Forderungen hinfällig sind, wenn nicht die Macht der gesamten Arbeiterklasse hinter ihnen steht, woraus sich die Notwendigkeit für die Verstärkung der gesamten Arbeiterbewegung ergibt. Nach den mit viel Beifall aufgenommenen Reden der oer- schiedenen Redner wurde nach einem Schlußwort von Max W e st p h a l folgende Resolution angenommen:- Die gemeinsame Konferenz der Delegierten des Verbandes der Sozialiftischen Arbeiterjugend Deutschlands und der Vertreter des Allgemeinen Deutschen Gcwerkschastsbundes richten an die ge- setzgebendcn Körperschaften der deutschen Republik das dringende Ersuchen, die nachstehenden lebenswichtigen Jugend- schutzforderungen so schnell wie möglich gesetzlich fest- zulegen. l. Festsetzung einer Arbeitswoche von höchstens 48 Stunden, einschließlich der Zeit für den Besuch der Fort- bildungsfchule und der Zeit fiir die Aufräumungsarbeiten. Be- ginn der sonntäglichen Arbeitsruhe am Sonnabendmittag. Ver- bot der Nachtarbeit und Festsetzung der Altersgrenze für Schutz- beftimmungen für Jugendliche auf 18 Jahre. 2. Gesetzliche Sicherstellung eines bezahlten Urlaubs von 3 Wochen für die erwerbstätigen Jugendlichen und Lehrlinge bis zum 16. Lebensjahr und von 2 Wochen für die Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr. 3. Reform der Berufsausbildung unter Be- rücksichtigung der wiederholt von den Organisationen der arbeiten- den Jugend gestellten Anträge hinsichtlich der Begrenzung der Höchstdauer der Lehrzeit auf 3 Jahre, der Ueberwachung in der Berussausbildung durch paritätische Kommissionen, der Siche- rung des Koalitionsrechts der Lehrlinge und der An- erkennung des Rechtes der Gewerkschaften auf Festlegung der Arbeitsbedingungen für Lehrlinge in den Tarifverträgen. Die Konferenz nimmt mit großer Genugtuung Kenntnis von den Erklärungen der Vertreter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands und des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, daß diese Organisationen gewillt sind, sich für die Verwirklichung der oben genanMen Forderungen tatkräftig einzusetzen. Sie be- grüßt ferner, daß der Ausschuß der deutschen Jugendverbände sich die hier genannten Forderungen hinsichtlich der Arbeitszeit und der Ferien zu eigen gemacht hat und erklärt, daß sie alle Maß- nahmen des Ausschusses zur Verwirklichung seiner Beschlüsse auf diesem Gebiet nachdrücklichst fördern wird. Die Konferenz ist sich darüber klar, daß in dem Verlangen nach ausreichendem Iugendschutz die Verpflichtung für alle Jugend- arbeit leistenden Organisationen eingeschlossen ist, dafür zu sorgen, daß die der Jugend gewährte Freizeit In zweck- mäßiger Weise zu ihrer körperlichen, geistigen und fit blichen Ertüchtigung oerwendet wird. Die an der Konferenz beteiligten Organisationen werden nach besten Kräften an der Erfüllung dieser Aufgabe im Rahmen ihrer Er- ziehungsarbeit mitwirken. Die Konferenz wendet sich aber gleich- zeitig an alle öffentlichen Körperschaften, an die staatlichen und kommunalen Behörden mit dem dringenden Ersuchen, durch Schaffung und Unterstützung von Jugend- e i m e n, Spielplätzen und Ferienheimen und durch die ewährung sonstiger Erleichterungen der erwerbstätigen Jugend die fruchtbare Ausgestaltung ihrer Ferien zu ermöglichen. Die Konferenz erklärt weiter, daß sie über die hier genannten Gegenwartssorderungen hinaus festhält an den Jugendschutz- Programmen, die die Reichskonferenzen der Sozialistischen Arbeiter- jugend und die Jugendkonferenzen des ADGB. bereits früher als Grundlage für ihre soziale Arbeit im Interesse der Jugend be- schlössen haben. Diese Organisationen erstrebe» mit der Ver- wirklichung dieses Programms keine Vorrechte für die erwerbs- tätige Jugend, sondern sie sehen in der Erfüllung ihrer berechtigten Forderungen eine wesentliche Voraussetzung für den wirtschaftlichen und kulturellen Wiederaufstieg des deutschen Volkes. An die Mitglieder der auf der Tagung vertretenecn Organi- sationen richtet die Konferenz die dringende Aufforderung, die Er- reichung dieses Zieles zu fördern durch eine rege Propaganda der Jugendschutzbestrebungen der erwerbstätigen Jugend in Stadt und Land, durch eine tatkräftige Mitarbeit in den sozialistischen Jugend- verbänden und vor allem auch durch eine restlose Organisierung in den freigewerkschaftlichen Berufsorganisationen. Zur gleichen Stunde fand im Musiksaal des Gewcrkschafts- Hauses eine gleichfalls überfüllte Kundgebung der I u n g s o z i a l i- st« n statt, in der Genosse Profesior Dr. R a d b r u ch ein mit großem Beifall aufgenommenes Referat hielt über das Thema„Die staatliche und revolutionäre Aufgabe der Jugend". Hewertsihastliche?ugenötagung. Seit einigen fahren ist die Iugendfrage innerhalb der Gewerk- schastsorganisation dringlich geworden; das Erwachen der Jugend, das sich in der Jugendbewegung ihre großartige Aeußerungsform schuf, wurde auch in den Gewerkschaften spürbar. In Cassel (19 21) und L e i p z i g(1 9 2 2) fanden zum ersten Male eigene Kow ferenzen zur Besprechung gewerkschaftlicher Jugendarbeit statt; die Sorgen, Wünsche und Bedürfniffe der arbeitenden Jugend wurden hier erörtert, Abhilfsmaßnahmen gegenüber der jugendlichen Arbeits» not wurden geprüft. Es setzte sich die Auffassung durch, daß die in besonderem Maße schutzbedürftige Stellung des jugendlichen Arbeiters und Lehrlings im Produktionsprozeß erkennbare Berücksichtigung im Rahmen gewerkschaftlicher Tätigkeit verlange. Diese Einsicht führte zur Einrichtung eines Iugendsekretariats beim ADGB., zur Gründung von Jugendsekretariaten bei verschiedenen Verbänden, zur Herausgabe eigener gewerkschaftlicher Jugendzeit- schristen. Bon Zeit zu Zeit lud der ADGB. die in der Jugendarbeit der Verbände erfahrenen„Sachverständigen" zur sachkundigen Be- ratung zusammen. Gewerkschaftliche Jugendgruppen entstanden in allen Teilen des Reiches; sie wollten bewußterinahen Pslegestätten eines wertvollen gewerkschaftlichen Nachwuchses sein. Mit ihrer Ausbreitung wuchs ihr Geltungsbedürfnis: sie wollen beachtet sein und von den obersten gewerkschaftlichen Stellen gehört werden. Während der Jnflations- zeit hatten sie mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt: seit diese überwunden sind, trat das Verlangen nach einer neuen dritten Konferenz immer stärker hervor; in Hamburg tagte sie schließlich am 6. und 7. August. Im Mittelpunkt der Beratungen stand die Frage der Berussausbildung. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch einen Rechenschaftsbericht des Jugendsekretärs beim ADGB. M a s ch k e. Er behandelte die Entwicklung der gewerkschastlichen Jugendorganisationen, das Schicksal der Arbeitszeit- und Urlaubsbestimmungen. Erfahrungen im Hinblick aus das Berufsschulwesen, die Beziehungen zu den mannigfachen Iugendpflegekörperschaften. Nach seinen Angaben erreicht der gegenwärtige Mitgliederstand der gewerkschastlichen Jugend die Zahl 267 060 jjcgem'iber 464 000 im Jahre 1922. Dem Bericht folgte eine umfangreiche Debatte; sie war lehrreich und aufschlußreich insofern, als sie zeigte, daß in den Ge- werkschaften Strömungen vorhanden sind, denen das Mag' von Rücksicht noch nicht genügen tut, das bisher der Jugendarbeit einge- räumt worden ist. Die einen forderten' einen Jugendbeirat beim ADGB. mit bestimmendem Einfluß: andere wünschten«in gewerk- schaftliches Reichsjugendferienheim: verschiedene Kritiker waren der Ansicht, daß das zentrale Iugendsekretariat nicht aktiv genug fei. Der Drang, die Dinge ungestüm oorwärtszutreiben, ist der Jugend naturgemäß, sie mag nirgends warten und mag nichts von der Weisheit hören, daß man alle Gebilde, die Bestand haben sollen, wachsen und ausreifen lassen muß. Ernst N i e k i s ch(Deutscher Textilarbeiterverband) hielt da» Referat über das Thema „Zugend und Beruf". Er versuchte vor allem die ganze Schwere der fragwürdigen Situa- tion, in der das Berufstum steckt, fühlbar werden zu lassen. Der Mensch hat das Bedürfnis, sich als einen besonderen Wert zu er- leben; er will sich auszeichnen, will nicht durch jeden beliebig anderen ersetzbar und auswechselbar sein. Für den Arbeiter ist das beruflich« Können, die qualifizierte Leistung, das Gut, von dem her ihm das Bewußtsein seines besonderen Wertes, Persönlichkeitsgefühl und Selbstsicherheit zuzuwachsen vermag. Indes hat die moderne indu- striell-kapitalistische Entwicklung dem Berufstum die sachlichen Grundlagen entzogen. Die Arbeit ist mechanisiert, der Mensch wurde zum Hebel, zum Maschinenteilchen. Die Arbeitsteilung und Arbeits» Zerlegung hat die Totalität des Berufs zerstört. Darunter leidet niemand mehr als die Jugend, sie will aus der Fülle ihres Daseins heraus den Dingen ihr Gesetz aufdrücken: es ist für sie unerträglich, die Rolle eines Maschinenteilchens zu übernehmen. Mit dieser Ge- ftaltung der Arbeit scheint die Berufsausbildung ihren Sinn ver- lvren zu haben. Es ist nicht zu leugnen, daß augenblicklich ein be- friedigender Ausweg aus dieser Lage nicht vorhanden ist. Was vorgeschlagen werden kann, ist nur Milderung, Notbehelf, nicht Erlösung. Handwerkslehre und Industrielehre, ergänzt durch die Berufsschule oerleihen wertbetontes Können, Sicherheit der Stofsbeherrschung aus begrenztem, aber immerhin in sich abgo- schlosienem Gebiete, aber ihre Wirkung wird dadurch beeinträchtigt, daß keine Aussicht vorhanden ist, dieses Können in einer organisch sich entfaltenden Laufbahn anzuwenden. Freizeitkultur, Werkstattaussiedlung, Gestaltung des Produktionsprozesses nach den Forde- rungen der modernen Arbeitswissenschaft sind Vorschläge, über deren Unzulänglichkeit man sich nicht hinwegtauschen darf. Der Ausbau des Jugendschutzes zieht der Ausbeutung Jugendlicher Grenzen, gibt aber nicht unmittelbar Berussgesiihl. Da muß sich der Blick letzten Zielsetzungen zuwenden: die Arbeitsnot entspringt aus den Bedin- gungen der kapitalistischen Ordnung, sie kann nur mit der Beseiti- gung dieser Ordnung ausgehoben werden. Die Problematik, die dieses Refercu zum Bewußtsein gebracht -hatte, wirkte als Anregung zu einer fruchtbaren und hochstehenden Aussprache. Daß eine befriedigende Lösung nicht geboten wurde, beunruhigte den jugendlichen Sinn, der sich nicht damit abfinden will, daß unser Dasein mannigfaltige Widersprüche und Schwierig- teilen enthält, deren man niemals Herr werden kann. Der Ein- wand wurde erhoben, ob die Würdigung des Berufstums nicht viel- leicht Rückschritt und Romantik sei. Ein Redner schilderte mit hin- reißender Begeisterung die positiven Elemente, die die moderne In- dustriearbeit enthält: die Freude am gemeinsam vollbrachten Werk, den Stolz über den gewaltigen meerbeherrschenden Dampfer, über das leichtbeschwingte Lustschisf. Aber immer brach doch wieder das Eingeständnis durch, daß die persönliche Bindung des Menschen an seine Arbeit zerstört und damit die Quelle der Befriedigung durch die Arbeit zum Versiegen gebracht worden sei. Die nachfolgenden Gegenstände waren nicht mehr theoretisch- problematischer, sonder praktischer Natur. Paul K o s k e, Handelslehrer in Berlin, redete über Gewerkschaften und Berussschule. Aus seiner fachmännischen Erfahrung heraus entwickelte er seine Gedankengänge: er unterstützte den gewerkschaftlichen Anspruch auf Milwirkungsmöglichkeiten, vertrat die Auffassung, daß der Unterricht in Staatsbürger- und Lebenskunde umgestaltet, daß Betriebsräte, Arbeitsrecht, Tarifverträge usw. Lehrstoise sein müßten, daß eine reichsgesetzliche Regelung der Berussschulfragen notwendig sei. Einige wertvolle Ausklärungen und Anregungen gab in der Aus- spräche über dieses Referat die Genossin Olga Essig, die in der Praxis des Homburger Berufsschulwesens steht. Richard Timm (Deutscher Holzarbeiteroerband) nahm als Referent zu dem Referenkenenkwnrf für da» Berussausbildungsgeseh Stellung. Er zeigte, wie er zwar in Hinsicht auf die ungelernten Arbeiter gewisse Fortschritte enthalte, doch aber andererseits noch immer dem Handwerk eine unbillige Vorzugsstellung einräume. In temperamentvoller Weise schilderte der letzte Referent Albrecht ülle(Deutscher Buchdruckerverband), wie durch die Mitarbeit der ewcrkschaften die Loge der Lehrlinge verbessert werden könne. Wirkungsvoll warnte er die Regierung davor, fortschrittliche tarisoertragliche Abmachungen in Lehrlingssachen durch ihren Ein- spruch zu durchkreuzen. Die Anträge, die zur Annahme gelangten, fordern ein besonderes Organ zur Funktionärschulung, Jugendleiterkurse, Schafsung eines Ferienheims, Betätigungsmöglichkeit auf allen Gebieten, auch auf denen, auf welchen die sozialistische Arbeiterjugend ihre Auf- gaben sieht. Diese gewerkschaftliche Jugendkonferenz stellte an ihre Besucher erhebliche Anforderungen: es ist erfreulicherweise zu sagen, daß ihnen durchaus entsprochen wurde. Bon Bereitwilligkeit zum geistigen Mit- gehen und zum ernsten llcberdenken der aufgeworfenen Fragen zeigte sich die Konserenz durchaus beherrscht: der sachliche Geist, in dem die Konserenz ihre Arbeit erledigte, mag als ein Merkmal dafür genommen werden, mit welcher inneren Hingabe die gewerkschaft- lichen Jugendfunktionäre ihre Ausgaben zu bewältigen trachten. Die jugendlichen Arbeiter und Lehrlinge sind der schwächste Teil der menschlichen, in den Produktionsprozeß verflochtenen Arbeitskräfte, ihnen zu Hilfe zu kommen, ihre Interessen zu wahren, ist eine der vornehmsten gewerkschaftlichen Verpflichtungen. Die Hamburger Jugendkonferenz hat dargelan. wie sehr die Angelegenheiten der arbeitenden Jugend Gegenstand gewerkschastlicher Sorge sind: indem sich die arbeitende Jugend immer vollzähliger in die gewerkschaft- liche Front einreiht, trögt sie selbst unmittelbar dazu bei. daß Er-. folge im Ausbau des Iugendschutzes erfochten werden. E r n st R i e k i s ch. Staatliche und revolutionäre Aufgaben. Radbruchs Vortrag auf der Iungsoziolisten-Kundgebung. Genosse Radbruch sprach aus der Jungsozialisten-Kundgebung in Hamburg über„Die stoatlichen und revolutionären Aufgaben der Jugendbewegung". Er erfaßte das Thema als Aufgabe, aus der anscheinenden Gegensätzlichkeit des staatlich- nationalen und des revolutionären Elements der sozialistischen Jugendbcwe- gung zur Synthese zu führen. Das beherrschende Problem der jungsozialistischen Bewegung, so führte Genosse Radbruch aus, ist der Gegenstand der staatlich-natio- »ole» und der revolutionären Haltung gegenüber der deutschen Republik, der zugleich der Gegensatz zwischen Ideologie und Soziologie der Demokratie ist. Während die i d e o l o- gische Betrachtung sich begeistert sür die freie Selbstbestimmung. des Staatsbürgers, sieht die soziologische Anschauungsweise statt dessen gebundene, auf Wirtschastsintereisen sundierte gesellschast- liche Gruppen und die Verfälschung des politischen Lebens durch eine voin Kapital finanzierte Presse, sie sieht im Parlament keineswegs einen reibungslos funktionierenden Mechanismus zur Ausführung des Volkswillens, sondern ein eigenwilliges soziologisches Gebilde, sie erkennt die Gebundenheit der Abgeordneten gls Beauftragte von Jnteresfentengruppen, die nicht überzeugen, sondern überstimmen wollen, und weiß um die Eigenwilligkeit des Beamtenkörpers, der unter dem wechselnden Mehrheitsregime im Selbsterhaltungsinlereffe immer wieder zu einer politischen Mittellinie hindrängt. Jedoch bei allem Verständnis für die soziologische Kritik müssen wir uns eingestehen: eine bessere Staatsordnung als die Demokratie ist einstweilen noch nicht ge- s u n d e n. Der Gedanke der bsrufs ständischen Verfassung is! unbe- dingt abzulehnen, setzt er doch an die Stelle der möglichen Majorität der Arbeitenden die Parität zwischen der gesamten Ar- beitnehmcnchaft und einer Haiidvotl Kapitalisten. Gerade dieser Umstand hat die berufsständische Verfassung bei den Kapitalisten beliebt gemacht. Wir müssen begreifen, daß die Demokratie noch große Möglichkeiten für uns birgt, daß auch die idealistische Anschauung von ihr, sofern sie sich ihrer Bedingtheit durch sozio- logisch« Faktoren bewußt bleibt, ihre volle Berechtigung Hot. Denn jede Ideologie strebt dahin, sich zu verwirklichen, die von ihr ver- tretenen Ideen, aus Grund deren sie ihre Anfänger gcfainmclt hat, in die Tat umzusetzen, da sie sich sonst auf die Dauer selbst auf- geben würde. Die Ideologie der Demokratie ist nun dem Sozia- Iis m us in keiner Weife hinderlich, sondern es liegt durchaus im Sinne des Sozialisnius, daß in jedem Staatsbürger das Gefühl für Gleichheit und Bürger st alz geweckt wird. Wohl ist Demokratie nicht Volksgemeinschaft, aber sie ist wer- d e n d e Volksgemeinschaft. Sie muß ernst genommen werde», damit sie das wichtigste leistet, das sie zu leisten imstande ist, nämlich die Laslösiing des Staates von der Gleichsetzung mit irgendeiner sostalen Gruppe— wie es im Feudalstaat am ausgeprägtesten war—, um ihn fähig zu machen, bald mit dieser, bald mit jener sozial mächtigsten Gruppe die Verbindung einzugehen. Hierdurch wird eine Freisetzung der soziologischen Gesetze erreicht, die ihnen eine ungehinderte Entfaltung gewährt, zugleich aber ihr Wirken mit nie- nials vorher gekannter Deutlichkeit sichtbar macht. Von der Sekte der Ideologie und der Soziologie stellt die Demo- kratie sich uns dar: die vorwiegende Betonung der einen oder der anderen Seite ist Sache des persönlichen Temperaments. Die Ein- stcllung zur Demokratie ist nur ein Teilgebiet des Problems, in das die materialistische Geschichtsauffassung uns heute stellt und bet dem auf demselben Wege ein Ausgleich gesunden werden muß. Diese Probleme stets neu zu durchdenken, keine Selbstverständlich- leiten zu kennen, die geistigen Grundlagen der Partei stets neu zu prüfen, ist das schönste Vorrecht der sozialistischen Jugend, mag sie auch wegen der Unruhe, die sie in die Bewegung trägt, als das Sorgenkind der Partei gelten. Die Arbeiter-Iuoend ver- kündet und lebt Gemeinschaft: Gemeinschaft aber fordert Persönlich- tcit und verbraucht auch viel Persönlichkeit. Die Jung sozio- l i st e n aber wissen um die Notwendigkeit der Verstandesbildung, und in ihren Reihen verwirkliche sich immer aufs neue das schönste Symbol der Arbeiterbewegung: der junge Arbeiter, der nach des Tages Last und Mühen sich des Nachts beim Lampenschcin über die Werke der sozialistischen Klassiker beugt. Hedwig Schwarz. Lichter in öer Nacht. Nach den Ereignissen des ersten Tages, dem Ansturm der deutschen Arbeiterjugend auf Hamburg, die Eroberung der Stadt und des Hafens durch das Herzblut des Sozialismus, der prole- tarischen Jugend, begann, als die Dunkelheit herabstürzte und die vielen Referate und Feiern ausgeklungen waren, der Marsch durch die Stadt, lieber 20000 junge Menschen marschierten Seite an Seite nach dem Heiligengeistselde. Die Marschierenden langen ihre Jugend- und Kampflieder. In ihren Hände» aber, die sonst im grauen Werktag die Maschinen bedienten, leuchteten viele tausend Fackeln. Immer schon trug die Jugend Licht in den Händen, doch auf diesem Marsch war dieses Licht voll besonderem Glanz: Licht der Dankbarkeit und Liebe für die alt« Garde der Arbeiterbewegung, die vor vielen Jahren die feurige Saat des Sozialismus in die Nacht menschlichen Elends streute. Heute th-ronen sie aus erhöhtem Ehrenplatz auf dem Heiligen- geistfelde und sehen, daß jene Funken, die sie ausstreuten, gezündet haben. Sie sehen die namenlosen Helden des Hamburger Prole- tariats und die alten Führer der deutschen Bewegung, die vielen Lichter wandern und sausen. So wanderte und zündete auch das Licht des Sozialismus in dunkler Zeit durch alle Länder. Inmitten der alten Garde sitzen B e r n it e i n, F r o h m e, Stalten, Bock und Molkenbuhr. Ihnen gilt der flammende Gruß des deutschen Jungvolks, ihnen schlagen die vielen Lichter und die vielen Flammen- herzen entgegen, ihnen und dem Siebzigjährigen der Hamburger Arbeiterbewegung. Das Licht, das var vielen Jahren ausgestreut wurde, ist nickt erloschen. Immer brannte es. Auch im Weltkrieg glühten die Funken uikter der schwanen Ascbe blutmer Schlachten. Lichter leuchten durch die Rächt. Trommeln klingen durch die Dunkelheit. Das proletarische Deutschland sammelt sich aus diesem Feld. In dieser Stunde stehen nicht nur Molkenbuhr, Bock, Bern- stein, Stötten, Frohine und die- alten(genossen aus Hamburg im Feuer großer Liebe: allen allen Kümpsem in Deutschland und der ganzen Welt gilt der Gruß. Das Heiligengeistfeld flammt und gleist. Es gibt keine Jugend und es gibt kein Alter mehr: in dieser Stunde sind sie verschmolzen. Das Herz des Aolkes schlägt, das unsterbliche Herz. Die Hamburger überreichen der deutschen Arbeiterjugend eine rote Fahne. In ihrem Tuch lodert eine schwarze Fackel mir goldenem Licht. Rede und Gegenrede, Gruß und Gegengruß, und dann erhebt sich der alte Frohme aus Hamburg, der Greis mit dem Jünglingsherz, und spricht im Namen derer, die heute aus ihrem Dunkel getreten, sind, die das Licht sehen, die im Licht stehen und genau so gläubig sind wie der junge Arbeiter aus Stuttgart und das junge Mädchen aus Berlin, die sich mit ihren Freunden auf diesem Felde gesammelt haben. Einmal werden wieder Fackeln durch die Städte leuchten. Dann sind sie, genau so wie jetzt in Hamburg, auf einige Tage für immer in den Händen des Volkes. Von den jungen Menschen, die einst die alten Genossen begrüßten, stehen dann einige auf erhöhtem Ehren- platz, sehen das Licht, stehen im Licht, sind stolz und lächeln. Sie können stolz sein, sie können lächeln: eine neue Jugend hat sich formiert und bringt ihnen Dank und Gruß. Der letzte Kreis hat sich endlich geschlossen: Der Kreis des Sieges. Die Erde ist frei und erlöst. Es gibt keine Grenzen mehr. Es gibt nur noch schaffende und schöpferische Menschheit auf grenzenloser Erde. B a l l u s. M helgolanö verunglückt. Auf Helgoland ist die Jugendgenossin Ltsbeth Schoos aus Groß-üttersleben bei Magdeburg durch Absturz tödlich o e r- U n g l ü ck k. Sie nahm an der im Anschluß an den Hamburger Jugendtag veranstalteten Helgolandfahrt der Arbeiter. fugend teil, ist auf Helgoland noch gesehen und dann vermißt worden. lieber die Umstände, die das Unglück verschuldeten, ist nichts Genaues bekannt. Es wird vermutet, daß sich Lisbcth Schoos abseits von den anderen Jugendgenossen zu weit hinausgewagt und daß die Erdmasse nachgegeben hätte. Inzwischen ist sie auf Helgoland als unbekannt beigesetzt worden. Erst durch die Quartierleute in Hamburg, die vergebens auf ihre Rückkehr nsarteten, ist ihr Name festgestellt worden. Die Partei- und die Jugendorganisation werden nun, wenn Wunsch und Einwilligung der Mutter in Hamburg vor- liegen, für die Uebersührung in die Heimat sorgen. Mit der so schwer betroffenen Mutter und den Angehörigen und Bekannten trauern alle Iugendgenossen und Jugendgenossinnen, denen die 17jährigc Lisbeth eine liebe Gefährtin in Spiel und Streben gewesen ist. Die sozialistische Jugenöbewegung in deutjchlanö. Der deutsche Verbandsvorstand hat der in Marseille stattfinden- den Exekutivkomiteesitzung der S o z i a l i st i s ch e n Jugend- Internationale einen Bericht über den Stand der deutschen Organisation unterbreitet, dem wir folgende Angaben entnehmen: „Wenn am Beginn des Jahres 1924 im Verband der Sozialisti- scheu Arbeiterjugend eine recht erfreuliche Mitgliederzunahme fest- «stellen war, so hat dieser Aufschwung sich in der zweiten Jahres- älfte leider nicht fortgesetzt. Es ist im Gegenteil ein Mitglieder- rückgang zu verzeichnen. Ende des Jahres 1924 zählte der Verband in?4 Bezirksverbänden 95 lM Mitglieder im Alter von 14 bis 18 Jahren. Die Organisation aber steht gefestigter da, was besonders daraus zu erkennen ist, daß im Laufe des Berichtsjahres die Zahl der sestaugestellten Jugendsekretäre im Reiche auf 29 gestiegen ist. Jin� Bureau des Hauptvorstandes des Verbqndes arbeiten neben den 4 Sekretären 11 Angestellte. Das Pressewesen der Organisation ft gut ausgebaut. Reben den zentralen Zeitschriften erscheinen in 1 Bezirksverbänden monatlich besondere Mitteilungsblätter. Im Lause des Berichtsjahres sind 48 Parteizeitungen zur Einrichtung einer Jugendbeilage geschritten. Der Hauptvorstand des Verbandes «ab monatlich eine„Sozialistische Jugend-Korrespondenz" heraus, die an alle Parteizeitungen Material über die Jugendbewegung ver- mittelt. Die Erziehungsarbeit in der Organisation war ekne regere als in vorhergehenden Jahren. Es haben allein 34 Kurse zur Llusbildung von Jugendfunktionären und Juaendleitern in den Be- airksoerbänden stattgefunden.. Die Dauer dieser Kurse betrug 3 bis 9 Tage. Voi» Häuptvorstand wurden die meisten dieser Kurse durch Stellung von Referenten unterstützt. Der Hauptvorstand veranstaltete im Reichsferienheim der Or- Sanisation im Laufe des Jahres einen Wanderführeriehrgang, eine Rädelarbeitswoche und eine Bezirksleiteraussprache. Diese Kurs« hatten die besondere Aufgabe, für die Bezirkskurse Lehrkräfte heran- zubilden. In der Bezirkeleiteraussprache wurden im Kreise der verantwortlichen Bezir.ksoerbaiidsleiter � alle Fragen unserer praktische» Orgaiiisations- und Erziehungsarbeit durchgearbeitet. Diese Zusainmenkünfte der Bezirksleiter sollen regelmäßig wiederholt Werde».— Die vom Verband eingerichtete„Einkaufszentrale*, die den Ortsgruppen im Reiche das Verwaltungsmaterial liefert und lic daneben auch mit allen weiteren für die Organisationsarbeit erfor- derlichen Arbeitsmitteln versorgt, erzielte im Berichtsjahr einen beträchtlichen Umsatz. Auch der„Arbeiierjugend-Verlag" �hat jm Berichtsjahr außerdrdentlich günstige Eniwicklu»� geizpmmen. Es:.hat 2i)■vki-' jchiedcue Schriften, die alle der Forder.&qg, ütif�rer Arbeit chienest,' hcraüsg?bracht und konnte von 6 früher erschietten EchrifteA-Hieu- auflagen verösfentlichen.— Das in Thüringen errichtete Reichs- ferienheim des Verbandes„Schloß Tännich* ist zum Andenken an den verstorbenen Reichspräsidenten, der früher jahrelang Leiter der Zentralstelle für die arbeitende Jugend gewesen ist, in„Friedrich- Ebert-Heim* umbenannt worden. Das Heim hat eine lehr erfreu- liche Entwicklung genommen und hat im Laufe des Jahres fast 2999 junge Gäste zum Ferienaufenthalt beherbergt. Jm neuen Geschäftsjahr sind die Aussichten auch für einen zahlenmäßigen Wiederausstieg der Organisation recht gut. Es wird iin ganzen Verband eifrig daran gearbeitet, die Organisation sür neue Mitgliederntengen aufnähme- und tragfähig zu machen. Sowohl von den Bezirksleitungen wie vom Hauptvorstand wird in zahlreichen kleineren und größeren Kursen eine eifrige Funktionärschulungs- arbeit betrieben. Milte Oktober wird wieder eine Bezirksleiter- aussprach« in Tännich sich in eingehenden Beratungen mit den Aus- gaben sür das Jahr 1926 befassen. Um nur zwei dieser Aufgaben zu nennen, sei angeführt: eine im Januar 1926 beginnende und sich zu Ostern fortgesetzt steigernde Werbeaktion und die Organisierung von mindestens sechs großen Ferienreisen. Die jugendlichen Mitglieder der Gewerkjchasten. Die gewerkschaftliche Jugendkonserenz in Hamburg gab dem Iugendsekretariat des ADGB. Anlaß, im Juli d. I. den Stand der gewectschafllichen Erfassung der Jugend erneut festzustellen. E» ergab sich, daß 23 Verbände 252 866 Mitglieder unter 18 Iahren organisiert halten, 13 Verbände hatten keine Angaben gemacht, doch kann nach früheren Feststellungen geschldssen werden, daß diese min- bestens 15 999 Jugendliche umfassen, so daß im ganzen über 267 999 organisiert sind. Die höchsten Zahlen weisen aus: die Metallarbeiter niit 67 594, die Fabrikarbeiter mit 67 999, die Textilarbeiter mit 25 999, die Holzarbeiter mit 23 999 und der Baugewerksbund mit 19 596 Jugendlichen. Betrachtet man das Verhältnis der Zahl der organisierten Jugendlichen zu den Erwachsenen, so ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Bon der Gesamtmitgliedschaft waren Jugendliche im Fabrik, arbeitervcrband 29,5 Proz.: im Buchbinder-Verband 12,4 Proz.; bei den Lithographen 11 Proz.i bei den Dachdeckern 19,4 Proz.,' bei den Sattlern 9,9 Proz. und bei den Buchdruckern 9,7 Proz. Iin Metallarbeitervcrband sind die Jugendlichen 9,4 Proz., im Textil- orbciterverband 7,6 Proz., im Holzarbeiterverband 7,2 Proz. der Gesamtstärke. Man kann aus diesen Zahlen nicht ohne weiteres auf gute oder schlechte Organisationsverhältnisse schließen, denn der Anteil der Jugendlichen an der Gesanttarbeiterschaft ist in den verschiedenen Industriegruppen sehr unterschiedlich. So haben die Lederarbeiter unter ihren Mitgliedern nur 5,2 Proz. Jugendliche(2128) und doch können sie berichten, daß nur 262 unorganisierte Jugendliche in ihrem Gewerbe vorhanden sind. Diese Jugendlichen werden von ihren Verbänden in mehr gl» 1299 besonderen Iugendabteilungen zusammengefaßt, die berusliche und allgemeine Bildungsarbeit, aber auch Sport, Spiel, Wandern und Geselligkeit pflegen. Zehn Gewerkschaften geben besondere Jugendzeitschriften heraus: die durch die Inflation erzwungenen Ein- schränkungen tonnten im letzten Jahre bereits wieder ausgeglichen werden._ Die Lreizeit der Jugenü. Der Ausschuß der deutschen Iugendver bände veranstaltet am 6. und 7. Oktober in Kassel eine öffentllche Kon- serenz. die sich mit dem Probien, der Freizeit der Jugend unter Zugrundelegung der vom Ausschuß hinsichtlich der Arbeitszeit und der Ferien der Jugend gefaßten Beschlüsse beschäftigen wird. Als vorläufiger Tagungsplan ist vorgesehen: Dienstag, den 6. Oktober. 1. Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden und Einführung in die Tagung. 2. Die Bedeutung einer ausreichenden Freizeit für die Gesund- heit der erwerbstätigen Jugend. Referat. 3. Die Bedeutung der Freizeit für die Erzkehung der erwerbs- tätigen Jugend. Referat. Mittwoch, den 7. Oktober. I. Die wirtschaftliche Durchsührbarkelt eines ausreichenden Ur- laubs und einer angemessenen Arbeitszeit für erwerbstätige Jugend- liche. Referat. 2. Die Mithilfe an einer förderlichen �Verwendung der Freizeit Jugendlicher a) durch die Jugendverbände, b) durch die öffentlichen Wohlsahrtseinnchtungen, c) durch die freien Wohlsahrtseinnchtungen. Referate. _ 3. Schlußansprache des Vorsitzenden. Ort und Beginn der einzelnen Tagungszeiten sowie die Rainen der Referenten� werden im sozialpolitischen Sonderheft des„Jungen Deutschlands*(Sept.-Oktober) und durch Rundschreiben bekannt- gegeben. Die Teilnehmergebühr für die Tagung beträgt 19 M. Anmeldungen und Anfragen sind an die Geschäftsstelle des A. d. d. I.— Berlin NW. 497 Moltkestraße 7— zu richten.