Nr. 7 Reisage zum Vorwärts>»» Die IreiZeit Vor mehr als sechs Jahren, zu Anfang de« Jahre» ISIS, richtet» dt« damalig« Zentralstell« fiir dt« arbeitend« Jugend Deutschland, an die verfassunggebend« Nationaloersammlung ein» ausführlich« Dentschrift, die di« Schaffung eine» Reichefugendschubg»- fetze» fordert« und bi» in» einzeln« gehend« Vorschläge für dm Inhalt eine» derartigen Gesetze» unterbreitete. Dl» Regierung»- stellen der deutschen Republik haben e» bi» heut« noch nicht einmal zu dem Entwurf eine» derartigen Gesetze« oder anderer Vorschläg», die die Wünsch« der arbeitenden Jugend berücksichtigen, gebracht. Auch die bürgerlichen Mehrheiten de» Reichstag, haben sich bisher nie dazu entschließen können, den präzisen Forderungen der sozial- demokratischen Fraktion auf diesem Gebiet ihre Zustimmung zu geben. Jetzt endlich zieht die Bewegung für die Schaffung eine» ge- nügenden gesetzlichm Schutze» der arbeitenden Jugend weiter« Kreis». Den Anstoß gab vor allem die offensichtliche Verschlechterung der sozialen Lage der Jugend unter den Nachwirkungen der Jnflasjons- zeit. Der Abbau de» Achtstundentage» traf besonder» die jugend- lichen Arbeitnehmer, die auf Grund der jetzt geltenden Arbeitszeit- Verordnung zu einer täglichen Arbeitszeit bi» zu zehn Stunden angehalten werden können. Auch dt« sonstigen Begleiterscheinungen der großen wirtschaftlichen Krise, dl« wir jetzt durchleben, wi« Ar- beitslosigkeit, schlecht« Entlohnung und Wohnungsnot treffen di» Jugend besonders hart, weit e» sich um di» Jahrgang» handelt, di« tn ihrer Kindheit bereits die Entbehrungen der Krtegsjahr« durch- machen mußten und nun. unterernährt und körperlich geschwächt. den großen Anforderungen der Erwerbsarbeit ausgesetzt sind. Dieser bedrohliche Zustand für dt» körperliche und geistig« Eni- Wicklung der jungen Generation hat all» Kreis« auf dm Plan g«- rufen, die im engen Kontakt mit der Jugend arbeiten oder sich um ihre Erziehung bemühen. Besonder» hart ist durch diese Zustände dl« Arbelt der Jugendverbände betroffen worden. Die Jugendlichen kommen heute übermüdet und abgespannt in di« Veranstaltungen. st« haben nicht einmal di» geringen Barmittel, um an den Wände- rungen und Ferienfahrten der Iugendverbänd« teilzunehmen, und dl« lange Arbeitszeit schränkt die an stch schon knapp bemessene Zeit, dl« den Berbändm für die Beeinflussung ihrer jugendlichen Mitglieder zur Verfügung steht, weiter ein, so daß ein« geordnet«, auf weit« Slcht eingestellte Arbeit außerordentlich erschwert ist. Zwingt so da» elgme Interesse alle Verbände dazu, sich mehr al» bisher mit der sozialen Lage ihrer Mitglieder zu beschäftigen, so setzt sich auch mehr und mehr die Erkenntnis durch, daß es höchste Zeit ist, mit der Borstellung zu brechen, die Jugend mit ihrer frischen Kraft brauche nicht geschont zu werden, sie sei allen Anforderungen gewachsen. Mehr und mehr tritt di« Hohlheit der Auffassung der älteren �Jugendfreunde" zutage, die auf die eigene Jugendzeit hinweifen, tn der es die Jugend noch viel schwerer gehabt habe al» die gegen- wärtige, ohne daß Schaden entstanden sei. Dagegen steht die Ein- stcht, daß die Jahre zwischen 14 und 13 die entscheidenden Eni- Wicklungsjahre jeden Menschen» sind und daher eine über die Schutz- maßnahmen für di« erwachsenen Arbeitnehmer hinausgehende Be- Währung vor zu starker Anspannung der Kräfte de» jugendlichen Körpers und Geistes bedürfen. Alle diese Erwägungen haben dazu beigetragen, die deutschen Jugendverbände aller Richtungen auf bestimmte gemeinsame Forde- rungen der arbeitenden Jugend zu vereinigen. Der Ausschuß der deutschen Jugendverbände, da» Parlament der deutschen Jugend, hat, wie hier bereits berichtet wurde, im Früh- jähr dieses Jahres einstimniige Beschlüsse gefaßt, die von der Ge- sctzgebung die Festlegung der 48stündigen Arbeitswoche einschließlich der Zeit für den Besuch der Berussschule, das Verbot der Nacht- arbeit für die Jugend unter 13 Jahren, den freien Sonnabend- nachmittag sowie einen bezahlten Urlaub von drei bzw. zwei Wochen jährlich fordern. Diese bedeutsamen Beschlüsse sind bereits in einer Zusammen-: fünft den Parlamentariern all« Fraktionen unterbreitet worden I öer �ugenö. und stehen nunmehr im Mittelpunkt einer großen iffentltch«» T a g u n g, die der Ausschuß am 3. und 7. Oktober tn Kassel veranstaltet. Dt« Tagung soll di» Beschlüsse der weiteren Oeffentltchkett unterbreiten und den Weg für ihre gesetzlich« Festlegung freilegen. An der Veranstaltung werden teilnehmen die Vertreter der Jugend- verbände, der Arbeiterschaft, der Unternehmer in Handel, 5)andw«rk und Industrie, der Behörden, sowie Erzieher, Mediziner und Sozial» beamte, kurzum alle die Kreise, di« in irgendeiner Beziehung a» diesen Forderungen beteiligt sind. Der Tagung sind tm wesentlichen zwei Aufgaben gestellt. Ein- mal wird sie den Nachweis der Notwendigkeit einer ausreichenden Freizeit der Jugend zu erbringen haben, und zum zweiten wird der Beweis zu führen sein, daß die vom Ausschuß aufgestellten Forderungen wirtschaftlich tragbar sind, und daß auch dt« zweck- mäßige Verwendung der Freizeit gesichert werden kann, so daß ein Nutzen für die körperlich« und geistige Entwicklung der Jugend tot- sächlich erzielt wird. Di« Notwendigkeit der ausreichenden Freizeit wird b»> gründet werden mit bedeutsamem Matertal üb« den Gesundheitezu- stand der Jugend in der Nachkriegszeit und mit dem Nachwei» der Bedeutung einer vernünftigen Begrenzung der Arbeitszeit für dt« berufliche und allgemein« Erziehung d« Jugendlichen. Am zweiten Tag wird zunächst di« Frage der wirtschaftlichen Durch- führbarkeit zu prüfen sein, und hier sind dt» Ausetnand«s setzungen mit den Kreisen der Arbeitgeber zu erwarten, di« I«d« Ausdehnung der Sozialgesetzgebung mit dem Hinwei» entgeg«» treten, daß sie für die Wirtschaft nicht tragbar sei. Von dem Au»- gang dieser Beratungen wird die Entscheidung de» Ausschusses übir dl« Frage, in welcher Weise die Bemühungen um die Verwirklichung dieser Forderungen fortzusetzen sind, im wesentlichen abhängen. Nicht minder wichtig ist die Beantwortung der anderen Fragen nach der zweckmäßigen Verwendung der Freizeit der Jugend. E» gibt heut« noch zahlreich« Vertret« der Auffassung, daß ein« Erweiterung der Freizelt der Jugend zwecklos, ja schädlich sei. d« dl« Jugend-ihre Freizeit doch nur verwende, um Umfug zu trelb«»� so daß e» auch im Interesse der Jugend besser ist, wenn sie möglichst lange unter der Obhut Ihre» Arbeitgeber» steht. - Mit dieser oberflächlichen und unsachlichen Argumentation wirb tn Kessel gründlich abgerechnet werden müssen. Di« Vertreter d« Iugendverbänd« werden dort klarzulegen haben, welche Einrichtung«« und Veranstaltungen sie schon getroffen haben und noch treffe« werden, üm die gut« Ausnutzung der Freizeit sicherzustellen. Da ab« nur ein Bruchteil der Jugend, wenn auch ein erheblicher,— tm Ausschuß der deutschen Jugendoerbände sind 3H Millionen Jugendliche vereinigt— erst durch die Jugendverbände erfaßt wird, so wirb doch gerade die Betreuung der Nichtorganisierten ein« besonder« Rolle spielen, und h-er werden die Vertreter der privaten und öffentlichen Wohlfahrtseinrichtungen vorzutragen haben, wa» Reiche Länder und vor allem Kommunen sowie private Wohlsahrtsver» bände schaffen können oder bereit» geschaffen haben, um der g» samten Jugend genügende Voraussetzungen für die zweckmäßig« D«»> Wendung ihrer Freizeit zu geben. E» ist da» erstemal, daß vor einem derartigen Kreis die Frag« der Jugend nach Freizeit und die damit verbundene Problem» ihrer Verwendung öffentlich behandelt werden. Di« sozialistisch« Jugend begrüßt diese Konferenz von ganzem Herzen, denn st« sieht in ihr eine starke Förderung der Bestrebungen, die sie bereit» seit Jahrzehnten vertritt, für die sie bisher aber lediglich bei den politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter. schaft Verständnis gefunden hat. In Kassel wird es sich zeigen, welche Aussichten für die Verwirklichung der vom Ausschuß erhobenen Forderungen bestehen und e» wird weiter darüber Klarheit ge- schaffen werden, auf welche Kreise die Jugend sich stützen kann, wenn sie nach Kassel den Komps um dt« Verwirklichung Ihrer berechtigte« und notwendigen Forderungen ausnimmt. �ußLnöuriattb und Wirtschast. Die freien Gewertschosten fordern in ihrem Programm für die gewertschofkliche Jugendarbeit ein Verbot der Ueberftunden des Kstllndigen Arbeitstage» für Jugendliche und die Gewährung von L bis 3 Wochen zusammenhängenden Ferien im Jahre unter Fort- Sihlung des Lohnes. Diese Forderungen haben vor kurzem die illigung aller Jugendverbände gesunden. Auf einer gemeinsamen Tagung, die Anfang Oktober in Kassel geplant ist, sollen alle mit diesen Forderungen in Verbindung stehenden Fragen eingehend er- örtert werden. Eine der wichtigsten ist die Frage, ob sich die aufgestellten Forderungen mit den Erfordernissen der Wirtschast in Einklang bringen lassen. Es Ist ja immer ein beliebtes und sehr einfaches Mittel der Unternehmer gewesen, auszurechnen, wieviel Arbeits- stunden durch die Verkürzung der Arbeitszeit oder durch die Ge- Währung von Urlaub verloren gehen und deshalb so und soviel weniger produziert werde. Damit war dann bewiesen, daß die Forderungen undurchführbar sind. In den folgenden Zeilen wollen wir darlegen, daß diese Argumentation durchaus falsch ist. Durch die Verkürzung der Arbeitszeit ist die Produttion nicht geringer, sondern erheblich größer geworden. Untersuchungen, die von den Gewerkschaften angestellt worden sind, zeigen dies deutlich. Wir führen diese Beispiele an, weil an der Mehrproduktion genau wie die erwachsenen auch die jugendlichen Arbeiter beteiligt sind. Alle angeführten Vergleich« sind unter den gleichen Verhältnissen vorgenommen, d. h. dt« erhöhte Produktion bei geringerer Arbeits- et Ist nicht etwa auf»in« Verbesserung der Arbeitsmittel oder der triebseinrichtungen zurückzuführen. In einer Stuhlsabril in Frohburg In Sachsen betrug die wöchentliche Arbeitsleistung in S3 Stunden 30 Stühle oder 8 bis S Kessel. 1922 wird dieselbe Arbeitsleistung in 47 Stunden vollbracht. In Weinheim ist in der Stuhlindustrie bei 48stündiger Arbeitszeit die Leistung nicht geringer geworden als früher in S4 Stunden. In einer Möbelfabrik in Köln wurde an 12 Waschkommoden früher ö2 Stunden gearbeitet, jetzt 46 Stunden; an 12 Schränken früher 132 Stunden, jetzt 108 Stunden. In der Nürnberger Metallindustrie wurden für die Herstellung eines Motorgehäuse» 1914 12s4 Stunden £«braucht. 1922 nur noch 1l> Stunden. Von den Lüdenscheider lletalldrückern(200 Mann) sind folgende Produktionsziffern fest- gestellt worden: Vor dem Kriege wurden in Ivstündiger Arbeits- Uli 85 Wasserkessel 20 Zentimeter mit Deckel hergestellt. Nach dem Krieg« in Sstündiger Ardeltszeit 45 Stück. Schmortöpse 20 Zenti- Meter mit Deckel vor dem Kriege 70 Stüch nach dem Krieg« 88 Stück. Teller. 20 Zentimeter früher 800 Etück, jetzt 400 Stück iilw. Wir sehen hier also, in wie starkem Maße trog erheblich ver- kürzler Arbeitszeit die Produktion gesteigert wurde. Diese Bei- spiele sind der sehr lesenswerten Schrift von Herg und Seidel „Arbeitszeit, Arbeitslohn und Arbeitsleistung* entnommen. Interessant ist In diesem Zusammenhange auch da» Gutachten de» bekannten Großindustriellen Dr. Losch, das er dem Neichswirtichastsrat erstattete. In diesem erklärt er, daß er sich auch nicht während des Krieae» dazu habe bringen lassen, die Zfiündige Arbeitszeit zu überschreiten, weil er genau wußte, daß auf die Dauer kein« Erhöhung, sondern eine Verringerung der Produktion eingetreten wäre. Ein wesentliche» Moment der Produttionssteigerung ist auch die Arbeitslust. Wenn jeder Arbeiter, ob jung oder alt. weiß, daß er nach vollbrachter Arbeit genügend Freizeit zur Verfügung hat, die er nach seinen, Geschmack ausfüllen kann, und wenn er weiß, daß er im Jayre«inen bestimmten nennenswerten Urlaub bekommt, der ihn {esstig und körperlich auffrischt, so wird sich die Arbeitsfreude er- Deblich steigern. Schließlich darf man bei all diesen Erwägungen nicht ver- gessen, daß in erster Linie das Wohl de» jugendlichen Menschen stehen muß. In zweiter Linie kommt erst alles Weitere, auch die Nucksicht auf die Wtrtfchost. Was nützt eine blühende Wirtschaft, wenn die Menschen leiden. Nun heißt e», daß die Beurlaubung der vielen Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen eine /starke Störung der Betriebsfuhrung bedeute. Gewiß wird eine Störung durch den Urlaub eintreten. Aber schließlich läßt sich auch alle» einrichten. Viele Betriebe, darunter sehr große, schließen ihr« Pforten für die in Frag« kommend« Urlaubszeit und sind mit einem Schlage über alle Schwierigkeiten hinweg. Aber auch für die übrigen Betriebe bleiben Möglichkeiten offen, z. B. vorübergehende Ein- ftellung von Aushilfskräften usw. Auch für Jugendliche und Lehrlinge sind in einer ganzen An- zahl von Gewerben tarifliche Bestimmungen über den Urlaub ge- troffen worden, die doch zeigen, daß-die Durchführung eines Urlaubs durchaus möglich ist. So erhalten Buchdruckerlehrlinge 6 Tage, Echuftmacherlchrlinge 7 Tage, Buchbindcrlehrlinge in Großbetrieben 8 bis 14 Tage, Lehrlinge in der Branche Herren- und Damenwäsche 1 bis 3 Wochen, sugendliche Transportarbeiter bis 6 Tage, in ein- zelnen Branchen bis 12 Tage usw. Es sei auch noch aus die Talsache hingewiesen, daß durch die Aussperrungsmaßnahmen des Unternehmertums in jedem Jahre Millionen von Arbeitsstunden vergeudet werden. In diesem Lichte betrachtet, nehmen sich die Argumente der Unternehmer sehr sonder- bar aus. Achtstundentag und Urlaub für die arbeitende Jugend sind nicht nur wirtschaftlich möglich und trogbar, sondern sie de- deuten eine Pflege unseres wertvollsten Gutes, der menschlichen ! Arbeitskraft. Die aufgestellten Forderungen bedeuten Politik aus I weite Sicht. Möge die Tagung in Kassel dies allen Volksgenossen eindringlich vor Augen führen. Richard Timm. Mitstreiter. Die Beschlüsse des Ausschusses der deutschen Iugendoerbände in der Frage der Arbeitszeit und des Urlaubs für die erwerbstätige Jugend haben ein lebhaftes Echo geweckt. Während bisher nur die sozialistischen und srcigewerkschaftlichen Organisationen mit Nachdruck und Emschiedenhelt für«inen ausreichenden Schutz der arbeitenden Jugend eintraten, mehren sich jetzt die Stimmen aus anderen Lagern, die die Beschlüsse des Ausschusses unterstützen und ihre Verwirklichung fordern. Kürzlich fand auf Burg Lauen st ein in Oberfronken eine Konferenz zur Beratung s o z i a l et h i s ch e r Fragen statt, die aus allen Kreisen der Bevölkerung stark beschickt war. Sie beschäftigte sich unter anderem auch mit der Frage des Schutzes der arbeitenden Jugend und kam zu folgenden Beschlüssen: Die Konferenz fordert: 1. Die Ausdehnung der gesetzlichen Cchutzbcstimmungen für die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter und Angestellten anstatt bis zum vollendeten 16. Lebensjahr bis zum voll- endeten IB. Lebensjahr. 2. Die Festsetzung einer Arbeitswoche der Jugendlichen von höchstens 48 Stunden einschließlich des Pftichtunterrichts und der Aufräuinungsarbeiten. 3. Ausreichende Arbeitspausen an jedem Tage. 4. Arbeitsschluß am S o n n a b e n d mittag. 5. Unbedingtes Berbat der Nachtarbeit. 6. Einen bezahlten, zusammenhängenden Urlaub von min- bestens 18 Tagen im Jahr. Di« Konferenz ist stch der Veraniwortung für die Forde» rung einer längeren Freizeit voll bewußt. Dieselbe muß ergänzt werdeii durch nachdrücklichste Sorge aller in grage kommenden äfsenllickjen und privaten Stellen für die richtige Verwendung der Freizeit.* Die Jahresversammlung des deutschen Vereins für Schul- gesundbeitspfleae, die soeben in Bonn stattfand, erörtert« das Problem der Gesundheitsfürsorge für die schul- entlassene Jugend. Dr. med. S e t t k a n t-Schöneberg und Frau Dr. med. S z a g u n n- Eharlottenburg stellten in ihren Leit- lätzen folgende sozialpolitische Forderungen auf: Verbot der Nachtarbeit und Akkordarbelt für Jugendliche, Fernhalten von Jugendlichen aus gesundheitsschädigenden Betrieben, Wegsall von Abzügen am Arbeitslohn für die Zeit des Fortbildungsschul- Unterrichts: ferner einen gesetzlich zu bestimmenden arbeite- freien holbtag(den Sonnabend). Da die Leitsätze weiter die Forderung nach gesetzlicher Fest. legung einer 48stündigen Arbeitswoche für die Jugendlichen bis zum vollendeten 17. Lebensjahre und zwar in der Weise, daß die vier Stunden, die für den halb arbeitsfreien Sonnabend gewünscht wur- den, auf die anderen Arbeltstage verteilt werden sollten, enthielten, wurden auf Einspruch des Genossen Dr. K o r a ch, der darauf hinwies, daß diese Forderung die Ueberschreitung des Achtstundentages bedeute, da die tägliche Arbeitszeit dann 8 Stunden 48 Mimiren betragen würde, die Leitsätze so umgestaltet, daß st« die gesetzliche Festlegung einer Arbeitswoche für die Jugendlichen verlangen, deren Lage den hygienischen Forderungen entsprechen soll, welch« zugunsten dieser Altersklassen geltend zu machen sind. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Frauenberuf«. verbände hat auf ihrer Kölner Tagung in einer Entschließung gefordert:.Wir fordern für Jugendliche durcbgehend für olle Berufe bis zum 18. Lebensjahr jährlich 3Woch«n Urlaub. Die Frauen- berufsorganisotionen sehen es als ihre besondere Pflicht an, tm Interesse eines gesunden Nachwuchses diese Forderung mit Nachdruck zu vertreten.* Wenn auch diese Organisationen teilweise aus anderen Erwä- Sungen als wir zur Anerkennung der von der Jugend erhobene» sorverungen gekommen sind, so bedeutet ihr Dorgehen doch ein« wertvolle Unterstützung bei den Bemühungen der Jugend um di« Verwirklichung ihrer Ziele. Von entscheidender Bedeutung ist freilich die Stellung der Par- teien zu den Forderungen. Für die Forderungen haben bei den biehengen Beratungen lediglich Sozialdemokraten, Demokraten und teilweis« das Zentrum gestimmt. Das Zentrum ist durch einen Beschluß der Windthorsl� Bünde auf ihrer legten Reichstagung aufgesordert, die Beschlüsse des Aus- schusses der deutschen Iugendoerbände zu unterstützen. Für die Halhmg der Volkspartei ist von Interesse, daß die Fraktion der Bolkspartei Im Preußischen Landtag den Antrag gestellt hat: .Der Landtag wolle beschließe�: Das Staatsmiiiifterium wird ersucht, bei der R«ich«regicr"!ig dahin zu wirken, daß sobald als möglich ein Gesetzentwurs eingebracht wird, der 1. Nachtarbeiten für Jugendliche bis einschließlich zum 18. Lebensjahre verbietet, ?. den erwerbstätigen Jugendlichen bis zu 18 Jahren einen zur Wahrung ihrer Gesundheit ausreichenden Urlaub sichert.* Man darf gespannt sein, wie die R e i ch s t a g s s r a t t i o n der Volkspartel auf diesen Antrag reagiert und ihn zum Anlaß nimmt, ihre bisherige ablehnende Stellung zu revidieren. Gefahrenqusllen für öle?ugenS. Es lasten sich eine ganze Reihe besonderer Gefahrenquellen für unsere Tugend aufzählen, die aus den ersten Blick nicht als solche erkannt werden. Warum weiß man im allgemeinen so wenig davon, was falsche Erziehung tagtäglich an unseren Kindern anrichtet? Ein großer Teil— darf man nicht sogar sagen.- der größte Teih unserer Eltern ist selbst nicht erzogen und kann daher meist nicht richtig erziehen. Wl« manches Kind, das später in Fürsorgeerziehung kommt, ist von den eigenen Eltern und Anverwandten dorthin gebracht worden, weil sie es nicht verstanden haben, sein Vertrauen * sich zu bewahren.— Wenn die Kinder kein Vertrauen mehr zu ihren Eltern haben, so trifft die Eltern in den allermeisten Fällen selbst die Schuld. Fast alle Eltern strafen zu schnell und daher ungerecht. Auf diese Weise können leichte Vergehen zu hart und wirkliche Bos. Helten zu leicht oder gar nicht bestrast werden. Beides macht den werdenden Menschen irre, und er verliert die Achtung vor dem Erwachsenen.— Gerade die Kinder des Proletariats leiden unter dieser oerkehrten Erziehung am meisten, nicht well ihre Eltern schlechter sind, sondern weil sie noch viel weniger Zeit haben, sich um ihre Kinder zu kümmern, da auch die Mutter oftmals tagsüber mit- arbeiten muß, um die Familie über Wasser zu halten. Die vielfach noch sehr jungen Kinder werden für den Haushalt verantwortlich gemacht, erliegen oft dieser viel zu schweren Arbeit, werden unehrlich und mißmutig, da der überanstrengte Vater, die abgearbeitete Mutter die Leistungen Ihres Kindes nicht würdigen und nicht anerkennen. Und gerade Kinder brauchen Anerkennung und Lob für geleistete gute Arbeit.. Wird dann womöglich das Kind noch vom Vater oder der Mutter geschlagen wegen einer zerbrochenen Taste oder Schüssel, so ist alle sein« Arbeitsfreudigkeit gelähmt! es wird oerdrosten, unlustig, es lügt, um nicht wieder bestraft zu werden! Aber zwingen die Eltern ihre Kinder nicht geradezu zur Lüge? Ein ähnliches Bild bietet die Schule. Wieviel berufs» unfreudige Lehrer haben wir in allen Schulen. Sie mögen eine gute wtssenschastlich« Bildung haben, sie mögen gut unterrichten, aber mit engen Menschen verstehen viele nicht umzugehen. Sie halten für erstocktheit, was Schüchternheit ist, sie glauben an Frechheit, wo Unbedachtsamkeit vorliegt. Und sie können leider zu einem großen Teil noch nicht vor ihren Schülern zugeben, daß sie hie Lehrer— auch irren können, suchen Ausreden, wenn ein Schüler sie einmal auf einem Irrtum ertappt, und verlieren daher das Vertrauen chrer Schüler, die nun ihrerseits glauben, auch das Recht zu haben, den Lehrer zu himergehen. Und was für Duckmäuser werden tn unseren Schulen erzogen. Freimütigkell dem Erzieher gegenüber wird allzu oft noch als Frechheit hingestellt. Wie mir mal«in Lehrer ganz entrüstet»rzählle:.Hat der Kerl aus Faulhett feine Arbeiten nicht gemacht und hat auch noch die Frechheit, mir das goüz offen einzugestehen!�— Dies« Anschauung ist leider typisch und erzieht zur Heimtücke und Unwahrhastigkeit. So erzogen durch Elternhaus und Schule treten unser« Kinder ihre Lehrzeit an. Der Junge kommt in den Betrieb, in die Fabrik, da» Mädchen in die Schneider- oder Putzstube oder in» Geschäft. Aeltere Kollegen und Kolleginnen werden für den jungen Menschen sehr leicht d I e Autorität. Ihr Einfluß wird immer noch viel zu sehr unterschätzt. Wo ist der Mensch, der hier dem Werden- den, Hilflosen die hilsreiche Hand bietet? Langsam, aber sicher erliegt der Jugendlich« der gefährlichen Atmosphäre, die ihn umgibt. Den Stoff für die Unterhaltungen der Mädchen in der Arbells- stube, in der Fabrik liefern die erlebten und nicht erlebten Liebes- abeMeuer der Slteren Kolleginnen. Ei» gehen regelmäßig zum Tanz, ins Kino und erzählen den aufhorchenden Jüngeren von den vielen.Verehrern". Schöne Kleider, Schmuck werden zum einzig Erhebenswerten, um es den bevorzugten Kolleginnen gleich tun zu können. Und alles dies wlld nur Mittel zum Zweck, um bald einen Mann zu finden, damit man»versorgt" ist. Die einzige Lektüre der heranwachsenden Mädchen sind tn der Regel die Liebesromane Im Stile der Eourths-Mahler, die Romqn« in der Zeitung. Der junge Mann lebt in ähnlicher Umgebung. Alkohol und Zigaretten lind bei welleni nicht die schlimmsten Gefahren, die ihm drohen. Di» rohe körperliche Kraft gilt in diesem Aller als dos Erstrebenswerteste, der körperlich Schwächere wird gehänselt und verspottet. Gerichtszeitungen und ähnliche Broschüren, die das Dcrbrechertum verherrlichen, sind sein« Liebiingslektüre: Sensations- lilm« tragen mit dazu bei, seine Phantasie zu vergiften, ihn zu Ver- vrechcn fähig zu machen, wenn er sie mich nur in Gedanken begeht. Bei Jungen und Mädchen fällt noch erschwerend in» Gewicht, daß sie In der Pubertätszeit sich befinden und leichter schlechten Einflüssen zugänglich sind, vor allem, wenn kein Gegengewicht vor- banden ist. Leider ist die Schule noch nicht imstande, die besonderen Neigungen der Kinder zu berücksichtigen, sie für ein Spezialgebiet zu interessieren, auf dem die Kinder auch noch der Schulenttastung noch fortarbcllen würden. Unsere Jugendbewegung wird gerade hierauf ihr besonderes Augenmerk richten müssen. Mit sportlicher Betättgung, so wichtig sie ist, mit nur politischer Venn. slussung Ist noch sehr, sehr wenig getan. Gewiß, mir als Sozialisten haben das Recht, ja die Pflicht, die Jugend in unserer Wellanschau- , ung zu unterrichten, ober nicht, wie es leider so viel— auch bei uns— getan wird, in einer öden Hetze gegen Andersdenkende, sondern in Form von ernsthasten Belehrungen, lebhaften Dis- kussioncn, die von Verhetzung und Intoleranz well entfernt sein müssen. Diese Pflicht, unserer heranwachsenden Jugend Führer zu sein, haben noch viele nicht erkannt. Di« Jugend darf nicht sich selbst überlassen bleiben, oder sie wird immer ein Teil vom Wege abirren. Das ist gerade das Furchtbare, daß innerhalb der kapita- listischen Gesellschaflsordnung zwangsläufig ein Teil unserer Jugend oerurteill ist, zu Verbrechern, zu Prostituierten zu werden. Auch die körperliche Unsauberkert trögt bei zur Ver- wahrlosung unserer Jugend. Wer einnial Gelegenheit hatte, bei ein« nicht vorher angekündigten Schuluntersuchung dabei zu sein, wird entsetzt gewesen sein über den Schmutz, der dabei ans Tageslicht kam. auch bei Kindern, bei denen man nach dem äußeren Eindruck auf Sauberkeit schließen konnte. Bei dem wöchentlichen Baden in der Schule erlebt der Lehrer immer wieder, wie gerade die Kind« Eillschuldigungsbriese fürs Nichtbaden mitbringen, die ein Bad am allernötigsten hätten. Dieser körperliche Schmutz stellt aber eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar.»Die äußere Reinlichkeit ist der inneren Unterpfand." Ein körperlich schmutziger Mensch wird— ich glaube, man kann sagen— nie ein innerlich ganz sauberer Mensch sein. Das heißt natürlich nicht, daß es nichr körperlich saubere Menschen gibt, die moralische Schmutzfinken sind. Wie viele Erwachsene, die selbst ihre Lebensfreudigiell verloren haben, verstehen auch nicht mehr, daß ihre heranwachsenden Kinder, die den Tag über angestrengt arbeiten müssen,«in Recht auf Freude haben! Kinder müssen lachen, müssen übenrnllig sein. Bei aller Sorge um das tagliche Brot gönne man ihnen klein«' Freuden. Aber selbst das Taschengeld— wenn überhaupt eins ge» währ« wird— darf nur.nützlich" angewendet werden. Ein Buch, ein Bild werden meist schon als unnütze Ausgaben hingeiiellt. Der Besuch des Theaters gilt als unerhörter Luxus; das Kiird muß restlos abgeben, was es verdient und sieht doch auf der anderen Seite,«vi« der Bater einen großen Teil seines Lohnes für Alkohol eusgibt.— Der jung« Mensch verliert so die Lust zur Arbeit! denn man kann nur arbeiten— besonders in der Jugend, lvenn inan sein Teil Lebensfreude auch genießen kann. Man muh sich geradezu wunbern, daß trotz d« dumpfen, engen, freudlosen Umgebung noch immer j« viel Kraft in unserer Jugend steckt. So wirken viel« Faktoren zusammen, um den jungen Mensche» haltlos zu machen, so haltlos, daß er schließlich zusammenbrechen muß. Es gehört viel verstehende Güte und unbegrenzte Lieb« zur Jugend dazu, wenn man ihr wirNich helfen will.' Als Sozialiste» wissen wir. daß an wirklich durchgreifende Hilfe heute nicht zu denken Ist. Doch um so mehr gilt es sür uns, alles zu tun, um da» Urteil der Allzuvielen über„gefallene" Jugendlich« richtigzustellen, z» zeigen, daß die Hauptschuld selten den Jugendlichen triss«, der allen Einflüssen, gute« und schlechten, viel leichter erliegt als der reife Mensch, sondern daß die Gesellschaft so wie sie heille besteht, zum größten Teil selbst die Schuld trägt an der Verwahrlosung eine» Teiles unserer Jugend. .Ist es verdienstvoll zu klären der Fehlschritte Quellen und Ursachen? Wenn schon! Doch wertvoller ist es zu helfen, die Quellen verstopfen! Heute verhindert die.Ordnung" der Wirtschaft die Bess'rung d« � Jugend. Laßt uns drum kämpfen, daß siegreich und herrschend sich durchsetzt die Tat. Eoziaktsteni Ihr seid berufen, der Jugend zu geben die bessere Zukunft!" Landesrat W i n g e n d e r- Düsseldorf. Ittiheü, Gleichheit, örüöerlichkeitl Reben den zur Völkerverbrüderung und zum Kampf gegen den Internationalen Kapitalismus aufrufenden Worten»Proletarier aller Länder oereinigt Euch!" haben die Sozialisten der ganzen Erde dkl Worte:„Freiheit, Gleichhell. Brüderlichkeiti" auf ihr Bann« ge» schrieben. Worte, die das Wesen des Sozialismus selbst kennzeichnen. Auch wir betrachten sie als Leitsatz sür unsere Betätigung. Es ist aber die Frage, ob alle alten und jungen Sozialisten den Sinn gerade der Worte»Feiheit und Gleichheit" recht ersaht haben und danach handeln. Ich befürchte, daß das für einen großen Teil der in den soziali» ftischen Parteien als auch in der Jugendbewegung orgaiusierten Sozialisten nicht der Fall ist. Freiheit Im sozialistischen Sinne zu erfassen ist nur mögllch in Verbindung mit Brüderllchkett im wahrsten Sinn« des Wortes. So, wie sich Geschwister gegenseitig unterstützen und helfen, wie einer sich für den anderen verantwortlich sühll, so sollte es auch in de» Reihen der Kämpfer für den Sozialismus sein. Die Freiheit, dt« wir anstreben, ist nur möglich in Verbindung mit einem starken Derantwortlichkeitsgesühl gegenüber den Mitmenschen. Versuchen wir, auch in diesem Sinn« das Wort Gleichheit zu deuten. Das ein« ist wohl klar, daß Gleichhell nicht bedeutet, daß alle Menschen In ihren Lebensbedingungen und-äußerunge» gleich sein, alle dieselbe Arbeit verrichten sollen. Jede Arbeit, ob durch Hand oder Kopf ausgeführt, wird In der sozialistischen Ge» sellschast zum Wohle aller getan. Mit der Gleichheit isr's wie mit der Freihett: sie hängt mit der Brüderlichkeit genau so zusammen. So wie Geschwister glellh« Rechte aber auch gleiche Pflichten haben, so soll auch in der sozialistischen Gemeinschaft jeder Mensch seinen Fähiqkellen entsprechend oerpflichtet sein zu arbeiten, und er ist dafür berechtigt, am Lebensgenuß teilzunehmen wie alle sein« Mit« menschen.— Soweit die Gleichheit, wie wir sie erstreben. Unsere vornehmste Ausgabe muh es sein, innerhalb und außer- halb der Jugendbewegung den rechten brüderlichen Geist zu wecken und zu pflegen, denn sonst können Freiheit und Gleichheit nichr bestehen. Karl Viru bäum. SozwZiftistbeJugenS in der Tschecho)-oNa?ei 1 Unserer Sozialistischen Jngendinternationale sind 4 Aerbände an- yeschlojjen, die in der Tschechoslowakei ihren Sist haben. Zu- erst sind zu nennen die Jugendgruppen iier tf. Hechoslo- ßvaktschen sozialdemokratischen Arbeiterpartet. .Ueber den Stand dieser Organisation liegt folgender Bericht vor: Die tschechoslowakische Arbeiterjugend geht einer vielversprechen- den Konsolidierung entgegen. Trog aller Anstrengungen der Kam- muntsten. unsere Bewegung zu schädigen gelang es uns, das Vsr- trauen der jungen Arbeiterjchast in der tschechoslowakischen Republik yu gewinnen. Die Tätigkeit der Jugend erstreckt sich hauptsächlich auf rege Organisationsarbeit und Propaganda für die Bewegung. Es werden aber auch andere Fragen, die die Jugend betreffen, be- bandelt. Wir haben bereits alle Schwierigkeiten, die uns durch die JSpaltung der Partei gemacht wurden, überwunden. > Seit dem Verbandstag, der im vorigen Jahre vom 7. bis 9. Juni abgehalten wurde und der eine neue Etappe der tschechoslowakischen Arbeitersugend bedeutete, ist es ständig vorwärts gegangen, so daß pe setzt etwa 169 Ortsgruppen mit mehr als 8909 Mitgliedern zählt. ■ Schlechter steht es mit den finanziellen Verhältnissen. Viele Unserer Genossen können nicht einmal de» geringen Mitgliedsbeitrag bezahlen, da sie arbeitslos sind. Das Erhalten unserer zwei Jugend- Zeitschriften(„Mlady Sozialiska" und„Omladina") verlangt grotze Opfer von uns. Und doch hoffen wir, daß auch diese Hindernisse überwunden werden. Gerade unsere schwere Lage stärkt uns für Unsere Kämpfe. Wir haben das Bewußtsein, daß unsere Arbeit Nicht vergeblich ist. sondern im Gegenteil großen Erfolg hat. Die alle Forderung des gesetzlichen Urlaubs für Lehrlinge und jugendliche Arbeiter wurde erfüllt, das Wahlrecht unserer Soldaten wurde dank unserer Arbeit nicht abgebaut und so manche anderen Erfolge wur- den durch unser Bestreben gewonnen. Jetzt stehen wir vor den Wahlen. Es ist sicher nicht notwendig au bemerken, welche Arbeit hier die sozialdemokratische Arbeiter- jugend zu leisten hat. Sie muß der Partei behilflich sein, denn der Sieg der alten Genosien ist gleichzeitig unser Sieg. » ! Ungefähr ebenso stark ist der S o z i a l i st i s ch e Jugend- verband für die deutschen Gebiete in der tschecho- slowakischen Republik. Der Verband zählte Ende Juni 1926 8500 Mitglieder in 250 Ortsgruppen. Ueber seine Arbeit be- richtet er folgendes: Im vergangenen Jahr wurde vor allem an der inneren Festi- aung der Organisation gearbeitet.. Die in unserem Lande lange an- dauernde Arbeitslosigkeit hatte Mitgliederrückgang und Einschränkung der Beiiragsleistung zur Folge, so daß der Verband mit großen Geldschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Dies« Schwierigkeiten dauern an. Auf dem Gebiete des Erziehungswesens wurde viel geleistet. Es wurden eine Unzohl Einzelvorträge über die oerschie- densten Wissensgebiete veranstaltet: das Lichtbild wurde oft. ver- iwendet. Unsere Schriftenabteilung bewährte sich wiederum als vor- zügliche Bildungseinrichtung. Es gibt in unserem Verbände setzt noch etwa 400 Mitglieder der Schriftenabteilung: die Arbeitslosigkeit bat auch den Stand dieser Biidungsarbeit geschädigt. Im letzten Ge- [djästsjahr wurden aber immerhin 6000 Bücher allein durch die Schristenabteilung umgesetzt. Das ist eine ganz bemerkenswerte Leistung. Im Herbst 1924 gab der Verbandsvoi stand ein„5)and- buch für Funktionäre"' heraus, das sich großer Beliebtheit erfreut pnd zur Festigung der Organisation beitrug. Die Jugendschutzarbett macht erfreuliche Fortschritte. Unsere Ausschusse für Jugendschutzarbeit, die im Einoernchmen mit den Gewerkschaften arbeiten, hatten schon in zahllosen Fällen Ge- legenheit, die Arbeitgeber zum Einhalten der gesetzlichen Bestim- mungen zu veranlasien und so vielen jungen Arbeitern zu besseren Arbeitsbedingungen zu verhelfen. Insbesondere wird die Einhal- tung des Urlaubsgesetzes beobachtet, das im März 1925 im Abge- ordnekenhaus beschlossen wurde und den Lehrlingen acht, den an- deren jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen sechs bezahlte Ur- laubstage zusichert. Am 22. März veranstaltete unser Verband in allen größeren Städten Kundgebungen, in denen die Verbesserungen des Urlaubsgesetzes verlangt wurde. Ueber da» Zustandetominen de« Gesetzes wurde in der„Sozialistischen Jugendinternationale" kurz berichtet. Der Verbandsvorstand bemüht sich, ein Reichsjugend- heim zu schaffen. Die Vorarbeiten sind schon so weit gediehen, daß wahrscheinlich schon iin nächsten Jahre mit dem Bau begonnen »Verden kann. Wir wollen uns das Heim der holländischen Genossen teilweise als Muster nehmen. Eine Führeroussprache fand vor einigen Wochen statt, die sich mit den Fragen beschäftigte, die auch bei der interna'ionalm Yühreraursvrache in Holland zur Beratung standen. Ueber de» Er- folg dieser Aussprache berichtet die Augustnummer der„Sozialisti- jchen Jugend". Die„Sozialistische Jugend", unsere Berbandsze�'ung, erscheint dm 1. jeden Monats in einer Auflage von 6000. Gegenwärtig hat die Zeilschrift einen Umfang von 16 Seiten. Außer der„Sozia- vstlscheii Jugend" hat der Verband keine Zeitschrist. Für die Be- nachrichtiguug der F rnktionäre steht uns die Parteipresse zur Ver- fügung. In unserem Verband sind 200 Abnehmer der„Sozialisti- jchen Jugendinternationale". ♦ Die dritte Organisation ist der P o i n> s ch c B i l d u n g r- Und Turnverein der j u d e n.d l I ch e n Arbeiter und Arbeiterinnen„Sita" in der Tschechoslowakei. Der Berein zählt in, gegenwärtigen Moment 2000 Mitglieder, vor» wiegend jugendliche Arbeiter und Arbeilerinnen. Es sind meisten- teils Berg- und Hüttenarbeiter. Die Tätigkeit erstreckt sich zwar über die ganze Tschechoslowakei, doch ist der Grundstock der Mitglieder in Schlesien und Mähren, wo die polnische Minderheit hauptsäch» lich angesiedelt ist. Der Verein besitzt besondere Turn-, Wander-, Thealer-, Gesang- und Sportgruppen. Jede Sektion arbeitet selb- ständig, jedoch im Rahnien des ganzen Vereins. Die Geldgebarung im vergangenen Jahre betrug etwa 15 000 Kronen. Der Verein gibt eine Bildungsschrift heraus unter dem Titel„Oswiata", die monat» lich in einer Auslage von 1200 Exenrplaren erscheint. Der Verein hat Im vergangenen Jahre ekroa 80 Vorträge über alle aktuellen Fragen aus dem Bildungswcsen veranstaltet, ebenso wurden zirka 30 Lichtblldervortrüg«. die sehr gut besucht waren, abgehalten. Der Verein steht im engsten Kontakt mit der polnischen sozio- listische» Partei in der Tschechoslowakei, die hier und da unserer Tätigkeit behilflich ist. Die Sektion der Turner veranstaltet ab und zu öffentliche Dar» bietungen, in denen Freiübungen und Hebungen an den Geräten vorgeführt werden. Die Turngnippe ist von allen die stärkste. -i- Als vierte Gruppe ist noch zu nennen die Sozialistisch« Vereinigung, die etwa 500 Mitglieder zählt. Die Organisation steht zurzeit unter kommunistischem Einfluß, so daß mit ihrein Au«- tritt aus der Sozialistischen Jugendinternationale zu rechnen ist. Internationale Seratungen. Während des zweiten Internationalen Kongresse» der Sozia- listischen Atbeiter-Jniernaiional« fand in Marseille auch dt« dies- jährige Exekuttvkomiteesttzung der Sozialistischen Jugend- Internationale statt. Außer den Mitgliedern des Bureaus, den Genossen Voogd-Holland, Ollenhauer-Berlin, de Graeve-Geni und Paul-Tschechcs'owakei waren für die deutschen Jugendverbünde er» schienen: Max Westphal für den Verband der Sozialistischen Arbeiter- jugend, Maria Hodann für den Reichsausschuß der Iungsoziallsten, Dr. Friedlander für die sozialistischen Studenten. Es waren ferner vertreten die Aerbände in Oesterreich, Finnland, Frankreich, Ge- orgien, Holland, Litauen, Norwegen, Polen, Schweden, Tschecho- slowaket und Belgien. Für die Sozialistische Arbeiter-Jnternaiional« nahm der Genosse Crispien, für den Internationalen Gewertjchafts» bund der Genosse Oudegeest teil. Die Sitzung nah!» zunächst den vom Genossen Ollenhauer erstatteten Bericht über die Tätigkeit des Sekretariat« in der Zeit vom Januar 1924 bis Ende Juni 1925 entgegen. Di« bedeutfamfle Veranstaltung in der Berichtszeit war die erste inter- nationale Führeraussprache Anfang Januar 1925 in Holland, dl» einen sehr guten Verlauf nahm. Die Internationale beteiligte sich an verschiedenen politischen Aktionen, so an den Antitriegrtund- gebungen, die Im September vorigen Jahres gemeinsam von der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale, dem Internationalen Ge« werkschafisbund und der Soziasisttfchen Jugend International« veranstaltet wurden. Der Ausbau der internationalen Or- gauifationen wurde gefördert durch die regelmäßige Heraus- gäbe einer.Pressekorrespondenz und der Veröffentlichung einer Werbebroschüre, die einen Ueverblick über dt« Ent« Wicklung der Sozialistischen Jugend-Iniernationale und der ihr angeschlossenen Verbände gibt. Die Internationale war in der Be- richtszeit vertreten auf zahlreichen Tagungen der ihr angeschlossenen Verbände sowie auf der Internationalen Bildungskonferenz ln Oxford, auf dem Kongreß des Internationalen Gewerkschaftsbuude« in Wien und auf den Exetutivkomitecsitzungen der Sozialistischen Arbeiter-Internationale. Im Anschluß an den Bericht wurde der Plan für den nächsten Inter nationalen Iugendtag, der Pfingsten 1926 in Amsterdam stattfinden soll, besprochen und angenommen. Durch ein« entsprechende Organisation wird dafür Sorge-getragen, daß aus diesem Jugendtage alle angeschlossenen Verbände durch ein« größer« Delegation vertreten sind. Im Anschluß an den Internationalen Iugendtag wird der zweite internationale Kongreß der Sozialistischen Jugend- Internationale stattfinden, der sich vor allem mit der Frtedensarbett der Jugend und den Maßnahmen für die Schaffung eines ausreichen- den Jugendschutzes beschästigen wird. Bezüglich der Jugendschutzfragen wurde während der Marseiller Sitzung in einer gemeinsamen Beratung mit den Ver» tretern d.'s Internationalen Gewerkschastsbunde» und der Sozia» listischen Arbeiter-Jnternationale vereinbart, daß die drei Inter» nationalen in engster Zusammenarbeit Schritte einleiten, um b«- stimmte Mindejtsorderungcn auf diesem Gebiet durch ein Zusammen- wirken der nationalen Gewerkschasien, Partei- uno Iugendorganl- sationen in die Wirklichkeit zu überführen. Nach einem Bericht des Genossen Paul- Tschechoslowakei über die Friedenserziehung wurde eine Resolution angenommen, die sich an den Kongreß der Aibeiter-Jnternaiionale wendet und ihn auf die Bedeutung der sozialistischen Jugendbewegung für die Friedensarbeit der Arbeiter-Jnternationale hinweist. Beschlossen wurde serner, im Herbst des Jahres 1926 die zweit« Internationale Führeraussprache abzuhalten. DI» weiteren'Verhandlungen dientm der Erledigung organtsatorischer Angelegenhelten. Die Beratungen verliefen im besten kameradschaftlichen Geist und legten den Grund für weitere internationale Zusammenarbeit in den kommenden Monaten.