Nr. 8 Beilage zum Vorwärts».' Zwietracht und niedriger vahn grauer Vergangenheit Harrt. Hbcr Ihr kllrchtet euch nicht. Seht, wie die Zukunkt euch winkt! Kommende Männer und fraun! lllldet In Glflcti euch und Leid, formt euch in Luit und In Pein I Vandert zu höhen, weithin Ströme de» Leben» zu lchannl Schaut und lchreitet und wirkt, kühn eine Veit zu betrein I Gradans den Blick, P a r o 1« Kühneren Schritte» Ins welloffm Leben hinein: Bich grS» ich. junge» denilche» Geschlecht. Garde der Zukunft, schimmernd Im goldroten srßhtlchNchein. Du bitt die kämpfende Gruppe de» neuen Volke» Im Land, mutige Liebe zur vahrhell das Schwert in deiner Hand. Lreue zum eigenen Velen die sahne, die du iührlt, Vlile zur edlen Freiheit die Grommd, die du rührlt. tun sceiua. 3 vvvvvvvvvvwwwwwwww« genossen, darum warben wir unter unseren jungen Brüdern und Schwestern, und die Idee, die uns trug, war feurig und lebendig, war dringendes Gebot der Stunde. Wie ein wilder Strom jagten wir vorwärts, immer brausender, immer stärker werdend, und so sind wir heute eine schlagkräftige, internatio- nale Massenbewegung geworden. Eine Massenbewegung der arbeitenden Jugend. Unsere Forderungen aber sind die- selben geblieben wie damals. Wenn wir uns einen Teil von ihnen schon erkämpft haben, so sind an ihre Stelle nur noch größere und weiter- gehende getreten, und die Sehnsucht, die wir im Herzen tragen ist immer gebietender und gewaltiger geworden. In unserer Jugendbewe- gung erleben wir ein Stück Sozialismus, ein Stück der Ordnung, die wir für die ganze Menschheit erstreben: wir sind eine Menschenge- meinfchaft, in der niemand untergehen kann. Gegen- seitig stützen und helfen wir uns, damit niemand durch materielle Not ins Elend zurücksinken soll. Gemein- sam eignen wir uns Wissen an, schmieden uns geistig« Waffen, üben strenge Selbst- erziehung und Selbstzucht, um reif zu werden, mitbauen zu können an der Vollen- dung des Sozialismus. Im Geiste unseres heiligen Kanipfes aber gestalten wir auch unsere Feierstunden aus. Ja, sie iind est, Teil unseres Kompfes. Eigen Ge- staltetes bringen wir in diesen Stunden zum Aus- druck, eigene, selbstgeschöpft» Kunst. Und diese eigenen Feiern, die eine tiefe Must von den bürgerlichen Festen trennt, geben uns so vie! Ge- halt, schmieden uns so eng zusammen, daß wir doppelt schwer enipfinden den Druck und die Freudlosigkeit der Wert» tagsfwn. Doch wir stehen bewußt in unserer Arbeit; denn unsere Idee wird siegen, und dann wird alle Arbeit wieder Freude sein. Jubelhymncn werden emporsteigen au» schwarzen Fabriken und dumpfen Kontoren und werden das Hohe Lied der befreiten Arbeit zum blauen Firmament rufen. Ihr aber, ihr jungen Scharen, die ihr jetzt ins Leben hin- ausgeht: Werdet wackere Streiter sür dieses stolze Ziel! Gliedert euch ein in die Reihen unserer soziaiistischen. Arbeiter- jugend! Wir, eure Brüder und Schwestern, warten auf euch, wollen euch empfangen mit offenen Armen. Wir wollen uns die 5)ände reichen, wollen gemeinsam unseren Kamps führen: Wir. die Zukunftskämpferl Artur R e i ch a r d t(Berlin-Weißensee). ?ugenK, Elternhaus und Partei. Taujende von Arlieilerkindern verlassen jetzt wieder die Schule. Damit beginnt für die jungen Menschen ein neues Dasein: sie treten ins Erwerbsleben ein. Aber noch eine andere Veränderung vollzieht sich in ihrer Umwelt: während der Jugendliche in der Schulzeit zu- meist nur einen kleinen Freundeskreis hatte, wird er sich jetzt vielfach aus eigenem Interesse oder durch Werbung einem Verein, einem Kreise von Menschen anschließen, der ihm am meisten zusagt. In Arbeiterkreisen wird das zumeist die Arbeiterjugendbewegung sein. Hier wird der Jugendliche zwar zuerst etwas zaghast und zurück- haltend austreten, aber im Laufe der Zeit wird er bei wachsendem Interesse sich reger ani Organisationsleben beteiligen und schließlich »Funktionär" oder„Jugendhelser" werden; er wird mit einer Auf- aabe betraut und hat jetzt in einer bestimmten Art und Weise am Leben der Bewegung mitzuwirken. Dadurch wird er noch fester an die Organisation gebunden; denn er hat sür sie Arbeit zu leisten, und Arbeit bindet, zumal wenn sie freiwillig geleistet wird, und wenn der Jugendlich« ihr seine Freizeit, die er sonst zu Hause oder aus der� Straße zugebracht hat, opfern muß. Der Jugendlich« wird jetzt seine Gruppe zu leiten, die Kassierung oder die Zeitungsausgabe zu regeln, eine Bücherei zu verwalten oder einen bestimmten Kreis jüngerer Mitglieder zu besuchen und zu.bearbeiten" haben— alles Arbeiten, die am meisten lörderlich sind für den, der sie ausübt, weil sie ihn zu Verantwortlichkeit und Gemeinsinn erziehen. Aber der Jugendliche wird nun auch an dieser und jener Sitzung und Versammlung teilnehmen und die Gruppen- abend« regelmäßig zu besuchen haben, und das alle« hat oft zur Folge, daß die Eltern des Jugendlichen besorgt werden und oer- luchen, ihr Kind aus dem Organisotionsleben herauszuziehen. Der Jugendlich« wird in den meisten Fällen diesen Bestrebungen seiner Eltern gefühlsmäßig Widerstand leisten. Wir aber wollen uns ein- mal die Gründe ansehen, die zu jenen Besorgnissen der Eltern führen. Diese werden natürlich bei den Eltern gegnerischer Gesinnung, bei indifferenten und bei parteiaenössischen Eltern sehr oerschieden sein. Gewiss« Bedenken und Besorgnisse sind aber allen diesen Elterngruppen gemeinsam: sie glauben, dadurch, daß ihr Kind sich so stark und fest sür seine Bewegung einsetzt, werde es auch ihnen gegenüber zu schnell selbstbewußt und selbständig werden, und sie wurden daher bald die Gewalt über ihr Kind verlieren. Und dann fürchten sie oft, daß ihr Kind durch das Organisationsleben zu sehr In Anspruch genoinmen wird und dadurch Schaden an seiner Eni- Wicklung nimmt. Wir Jugendliche werden uns nun verteidigen:.Was treibt denn der Jugendliche, der keiner Organisation angehört?" werden wir unlere Eltern sragen. Der unorganisierte Jugendliche, der nicht das Leben in der Jugendgemeinschaft kennt, dem keine Jugendheime offen stehen, ist auf die Straße, dos Kino oder den Rummelplatz ange- wiesen, und diese mit allen ihren Gefahren haben auf ihn«inen für seine ganze Zukunft sehr gefährlichen Einfluß. Während wir auf unleren Gruppenabenden, bei unseren Vorträgen verschiedener Art, unseren Diskussionen, Lese- und Spielabenden und unseren Fahrten ein harmonisches, genossenschaftliches Gemeinschaftsleben führen, da» uns körperlich, geistig und seelisch stärkt und uns Wissen und Be- geilteruno gibt für den Kampf um unsere Ideale. Alle« die» sollte unseren Eltern zeigen, daß der Jugendliche in der Organisation weit besser ausgehoben ist als der Außenstehende. Abgesehen von den bisher besprochenen ollgemeinen Gründen, werden die Eltern je nach ihrer Einstellung oft noch weitere Be- denken dagegen haben, daß ihr Kind in der Jugendorganisation bleibt. Die Eltern, die selbst Gegner unserer Bewegung sind, werden bemüht sein, ihr Kind in derselben Gesinnung zu erzieben, von der Et erfüllt sind. Sie werden sagen, daß sie ihr Kino nicht.ins nheil stürzen" wollen, indem sie es in einer Anschauungswelt auf» wachsen lassen, die sie für verderblich und„unsittlich" halten. Gegen- über solchen Eltern— so wird man vielleicht sagen— wird der Jugendliche in den meisten Fällen machtlos sein, sich Ihrem Willen jügen müssen. Doch wir kennen aus unserer Bewegung mancherlei Falle, in denen auch Kinder gegnerischer Eltern diesen gegenüber Ihr soziallsttsches Wollen behauptet haben. Indifferente Eltern begnügen sich im allgemeinen mit den allen oder doch den meisten Eltern gemeinsamen Bedenken. Daneben führen sie, namentlich soweit sie zu den.Christlich-Unpolitischen" gehören, für chre Abneigung gegen die Jugendbewegung höchsten» noch den Grund an, daß sie befürchten, der Jugendliche könnte .sittlich gefährdet" werden, well Burschen und Mädchen bei un» xuscmunen sind. Aber auch solche moralischen Besorgnisi« sind un- oearündet. Gewiß entstehen im jungen Menschen gerade in der Zeit, In der er bei uns ist, infolge seiner geschlechtlichen Reifung die ersten Neigungen zum anderen Geschlecht. Diese können für den Jugendlichen gefährlich werden, aber nur dann, wenn er auf die Straße angewiesen ist. Gerade wenn der Jugendlich« in geschlecht- lichen Fragen ungenügend oder in falscher Weise aufgeklärt und wenn das Zusammensein mit i>em anderen Geschlecht für ihn etwas Ungewohntes, etwas„Besonderes" ist, wird er seinen Trieben zu weniig Einhalt gebieten und dadurch leicht auf Abwege geraten, während in unserer Organisation eben die gemeinschaftliche Arbelt, das gemeinsame Streben beider Geschlechter das Ver- hältnis von„Bub und Mädel" aus eine höhere Stufe hebt, verseinert und veredelt. Von den Eltern, welche Parteigenossen sind, müßt« man nun annehmen, daß sie ihre Kinder in ihrer Arbeit für die Bewegung unterstützen und fördern. Aber vielfach ist das gerade Gegenteil der Fall: Verständnislosigkeit, im besten Falle Gleichgültigkeit ist das, was die meisten unserer Jugendgcnossen, deren Eitern der Partei angehören, zu Hause finden. Auch diese Eltern bereiten den Jugendlichen Schwierigkeiten und bringen neben den schon genannten Gründen, auf die sich jeder Spießbürger stützt, noch vor, daß sie auch nicht in ihrer Jugend in der Bewegung gewesen seien und dazu später immer noch Zeit sei. Und so müssen wir bisweilen sehen, daß Partrtflenossen, die Jahrzehnte im Dienst der Arbeiterbewegung gestanoe» haben, ihre Kinder von uns fernhalten, sie zu allerlei seichten Vergnügungsstätten gehen lasien, anstatt sie von Jugend auf zum Gemeinschoftsdienst der Bewegung zu erziehen. In welcher Weise können wir nun versuchen, unsere Eltern von der Notwendigkeit der Arbeit in der Jugendbewegung und von der Schönheit unserer Ideale zu überzeugen? Der einzelne wird hier oft wenig tun können, da die Eltern sich von ihm.nichts erzählen lassen" werden. Hier aber müssen unsere Gruppen in ihrer G e- s a m t h e i t eintreten und das zu erreichen versuchen, was dem einzelnen nicht möglich gewesen ist. Wir müssen unsere Eltern ein- mal in unsere Heime einladen, ihnen zeigen, wie unsere Arbeit in der Praxis aussieht, und uns mit ihnen über das Thema„Jung und Alt" unterhalten. Nur so werden wir uns mit unseren Eltern ver- ständigen, soweit sie der Zugehörigkeit ihrer Kinder zur Jugend- bewegung mit Bedenken gegenüberstehen, und dadurch werden wir nicht nur viel Aufklärung schassen, sondern auch manchen häuslichen Zank und Streit au» dem Weg räumen, dem so mancher unserer Jugendgenossen um der Bewegung willen ausgesetzt ist. Zum Schluß wollen wir noch das Verhältnis der Jugend zur Partei ins Auge sasien. Während die bürgerliche Jugendbewegung eine Empörung dieser Jugend gegen ihr« eigenen älteren Klassen- genossen darstellt, gibt es bekanntlich in der Arbeiterbewegung keinen Gegensatz von Jung und Alt, sondern hier beruht alle» auf dem gemeinsamen Kampfe der Alten und der Jungen gegen di« gemeinsamen Bedrücker. Und doch ist da» Verhältnis von Partei und Jugend nicht imnier so ideal, wie man e» wünschen muß. Vielfach muß die Jugend erst kämpfen, um von den Partei- genossen anerkannt zu werden. Und warum? Weil sich viel« Parteigenossen der Jugend gegenüber aus denselben Standpunkt stellen, wie wir ihn bei den meisten Eltern kennengelernt haben. Diele Parteigenossen betrachten die Jugendbewegung unter ganz falschen Gesichtspunkten und ohne Verständnis für die jugendlich« Eigenart und die besonderen Lebensformen unserer Jugendbewe- gung, und dagegen lehnt sich die Jugend natürlich auf. Bisweilen macht es sogar Schwierigkeiten, aus den Reihen der Parteiorgani« sation die notwendige Zahl geeigneter älterer Mitarbetter der Jugend E finden. Aber auch hier muß gesagt werden: Voraussetzung er- lgreichen Kampfes Ist Verständigung und gegenseitige» Verständnis r Jungen und der Alten, nicht nur mit Worten, sondern auch mit der Tat. Es geht nicht an, daß manche Parteigenossen in der Jugendbewegung so etwas wie ein Konkurrenzunternehmen sehen, dessen Treiben man argwöhnisch beobachten muß. Nein, wir Jungen wollen Weggenossen und Nachfolger unserer Väter sein inl Kampf« für die großen Ziele des Sozialismus, und wenn wir diesen Kampf mit teilweise anderen Waffen sühren als jene, wenn wir uns manches Schön« erobert haben, was unsere Väter in Ihrer Jugend noch nicht besaßen, so wissen wir, daß wir ihrem Kampfe dies zu danken haben.__ Günter H e l n ß. Die Not der arbeitslosen Jugend. Es ist ohne Zweifel, daß der heranwachsend« Jugendliche start gefährdet ist und leicht auf Abwege gerät, wenn er ohne Beschäjti- gung in der Großstadt herumbummelt. Es oibt Jugendliche, dt« dieses Leben führen, weil sie faul und arbeitsscheu sind und lieber von Diebstählen und von der Prostitution leben, als sich ihren Unterhalt redlich verdienen; sie landen im Gefängnis oder in der Fürsorgeerziehung. Viel größer ist aber die Zahl der Jugendlichen, di« trotz eifrigen Bemühens keine Arbelt bekommen fßnnen. Zu Haus« sind si» überflüssig und werden von den Eltern bei dem niedrigen Lohn de» Bater» häufig als unnütze Esser behandelt. Den ganzen Tag bis spät in die Nacht treiben si« sich In den Straßen herum. Ihr« Kameraden sind nicht besser daran. Di« schlechten Elemente der arbeitslosen Jugendlichen haben in ihren Gemeinschaften oft di« Führung. Au» lauter Langeweil« machen sie Streiche. Um Geld für Alkohol, Zigaretten, Tanz, Sport, Wandern zu erhalten, da» der Dater nicht geben kann, nicht geben will, wird gestohlen. Soll ein Junge, der, bevor er arbeitslos wurde, zum Unterhalt der Familie mitbeitrug und Taschengeld sich verdiente, die Kraft hoben, plötzlich auf alle» zu verzichten, wa» ihm bisher lieb war? Soll er aus seiner Jugendorganisation ausscheiden, weil er di» Beiträge nicht mehr ausbringen kann, soll er feine Verbandszeitung abbestellen, oder soll er, wenn er der breiten Masse der Indifferenten angehört, zusehen, wie andere Zigaretten rauchen und den Kavalier spielen? Soll er sein Mädel, an dem er hängt, nicht mehr mit zum Tanz nehmen dürfen und sie einem Glücklicheren überlassen, der noch Arbeit und Geld hat? Hinzu kommt der natürliche Protest gegen die Allgemeinheit, die ihm keine Arbeit gibt, obwohl er arbeitssreudig ist. Der Junge steht, was andere sich leisten können; er fleht Luxus und Schlemmer- geloge der bevorzugten Klassen und aus dem Protest wird Haß und Radikaliemus. Au» dieser ganzen Geistesstimmung des jungen Mannes heraus erwachsen dann die verschiedensten Straftaten. Aehnlich ist es beim arbeitslos gewordenen jungen Mädel. Vor- her konnte sie mit Ihren Gespielinnen konkurrieren. Sie tonnte sich wie sie kleiden, ab und zu Schokolade essen, Ausslüge machen usw. Sie brauchte sich von ihrem Liebhaber nichts schenken zu lassen: denn dazu war sie zu stolz. Sie war gleichberechtigt im Kreise ihrer Altersgenossen, denn sie verdiente Ihren Unterhalt. Arbeitslos ge- worden, soll sie jetzt Aschenputtel sein und überall verzichten. Bei der vielsach nach Aeußerlichkeiten, Tanz und Vergnügen gerichteten Erziehung der Mädchen, wie wir sie zur Genüge kennen, ist dieser Verzicht unerträglich. Das Mädchen wird den Lockungen der Männerwelt nachgeben und sich für Kleider, Vergnügen und schließ- lich für Geld hingeben. Heimliche Prostitution. Man komme mir nicht als Gegengrund mit der Arbeitslosen- untcisüitzung. Sie reicht kaum zum nackten Leben. Bei der ver- gangenen Massenarbeitslosigkeit konnte man beobachten, wie Familien trotz der Unterstützung langsam aber sicher verkommen sind. Das letzte Möbelstück wanderte zum Althändler. Und nimmt nicht die Familie die sür den arbeitslosen Jugendlichen gezahlte Unterstützung meist ganz für sich in Anspruch? In den wenigsten Fällen bekommt der arbeitslose?ugendlich« ein geringes Taschengeld. Gerade das Taschengeld spielt aber Im Leben der Jugendlichen eine ousschlag- gebende Rolle. Wenn man die Arbeitslosigkeit als die häufige Ursache der Der- irrung Jugendlicher erkannt hat, so fragt man sich, ob nicht auch solche Jugendlich« gefährdet sind, die im Arbeitsverbältnis stehen. Di« Frage ist zu bejahen. Wenn man auch nicht sagen kann, daß, wie bei de» Arbeitslosen, ein sehr hoher Prozentsatz abseits kommt, so steht doch fest, daß manches Arbeitsverhältnis direkt gefahrbringend für die Jugend ist. Ich denk« dabei mehr an weiblich« Jugendlich«. Bekannt ist, daß das G a st w I r t« g e w« r b» für weibliche Minderjährige oft ein gefährlicher Boden ist. Bekannt sind auch die Gefahren, die den weiblichen Hausangestellten von den erwach- Ienen Söhnen, nicht selten auch vom Hausherrn, drohen. Hierüber wauch« Ich nichts zu sagen. Dagegen scheint e» mir notwendig zu sein, aus die Gefährdung von Arbeiterinnen, Derkäuserinnen, Bureaudomen und sonstigen Angestellten durch ihr« mannlichen Mitarbeiter und Vorgesetzte hinzuweisen. Die lax» Auffassung über geschlechtlich« Dinge In der männlichen Grohstadtjugend, der Ehrgeh so vieler Lebemänner, immer neue Mädchen zu besitzen, bringt so manches Mädchen zum Straucheln, wenn Vergnügungs- und Putzsucht bei ihm hinzukommen. Syst«. matisch bearbeitet der Mann, der so eingestellt ist, sein« weibliche Mitarbeiterin oder Untergeben«. Widerstrebt sie, so wird Druck angewendet. Schlechte Arbeiten, schwer« Posten, Mäkeln, An- K würzen unter Assistenz von Kolleginnen, da» sind so dl« Mittel. mn droht da» Gespenst des Personalabbau» und der Stellen- losigkeit. Da» geängstigt« Mädchen sieht, daß seine anderen Kolle- ginnen, die sich dem Willen des Aufsehers, Chefs, Mitarbeiters gefügt haben, sicher sind. Es muß schon sehr stark lein und einen guten Rückhalt am Elternhau, haben, wenn e» nicht— gegen seinen Willen— unterliegt. Wie ist zu bessern? Wer kann die Arbeitslosigkeit verhindern, die Gesellschastsordnuna veredeln, die Macht von Besitz und Stel- lung über die Besitzlosen und Untergeordneten veniichten? Wer kann die Sittenlosigkeit und die polygamisch« Geistesrichtung der Lebemänner beleitigen? Wird die fortschreitende Gleichstellung der beiden Geschlechter die Frau von dem sexuellen Druck befreien, den, sie unterworfen ist? Wird der kommende Sozialismus Menschen und Sitten idealisieren und Prostitution und Kriminalität beseitigen oder doch herabmin- dern? Wir glauben daran! Wir wissen aber, daß der Weg lang Und steinig ist und daß noch»iel, viel Ausklärung»- und Erzieyungs- arbeit geleistet werden muß. /Mitleid zu fühlen mit all' den verschiedenen Opfern der Ordnung, Pflicht ist» un» Allen: doch Pflicht Ist e» auch nach verbess'rung zu streben, Jeder zuerst bei sich selbst: zu vermeiden, den Andern zu knechten, Hindernd den Schlechten, die Macht zu benützen zur Knechtung der Menschen I Landesrat W« n g« d«. Düsseldorf. Wie ich Sozialdemokrat wurde. Aus den Erinnerungen eine» fünfzigjährigen. Nachdem jüngst«in Genosse der ältesten Generation im»Vor- wärt," au» seinen Erinnerungen geplaudert bat, soll heut« einer der nächsten Generation zum Worte kommen, der jetzt fünfzig Jahr« zählt. Als ich i8S0 au» der Schul« kam, war ich«In guter Schüler gewesen. Sehr gut, gut, sehr gut, standen In meinem Zeugnis, nur nicht bei Turnen und Singen, denn da hapert« es gewaltig. Reli- aion war aber jedenfalls sehr gut und auch Geschichte, königlich sächsische Geschichte. Und so auch dt« anerzogene Gesinnung und vi« ehrliche jugendliche Begeisterung. Als Waisenknabe kam ich zu einem Verwandten in Hamburg in die Tischlerlehre. Ganz in ein rote» Wespennest, in dem Föden der damals noch verbotenen sozialistische» Bewegung zu- lammenltefen. Das Sozialistengesetz lag gerade In seinen letzten Zügen. Der Meister und ein Lehrgeselle waren tätige Genossen. Und dahinein mußte ich Unglückswurm mit meiner glühenden Mon- archenliebe geraten. Keinen meiner schönen Gründe„für König und Vaterland" wollte m«>n gelten lassen. Und nicht einmal in die Kirche gingen diese Leute und ich war doch so schön an den Kindergottes- dienst gewöhnt. Aber freilich, Sonntags in aller Früh« mit Kind und Kegel In die Harburger Berge. Als Lehrbub, der Ich in Kost und Logis beim Meister war, durfte ich auch mit. Allerdings kam mir's oft vor, als wenn dort in den einsamen Bergen nicht nur gesrühstückt wurde, sondern die Männer auch ver- stöhlen über andere Dinge berieten. Doch das habe ich erst später begriffen. Mir gefiel das bißchen Räuberromantik nicht gerade übel und meiner jetzigen Frau wohl nicht minder, die als Tochter eines Vertrauten mit mir und anderen Kindern im Vorgelände wohl zur Deckung spielen mußte. So kam mit der Romantik des Geheinrtuens und den Belehrungen meiner Mitarbeiter Zweifel in das junge Herz. Aber so einfach war der Wandel nicht, ich habe manche Tränen vergossen und auch wohl verbissen ob meiner Verwandten und mich gewehrt gegen die„sozialistischen Irrlehren".„Naseweiser Lümmel", sagte ein über das andere Mal mein späterer Schwiegervater. wenn Ich alles besser wissen wollte als die Alten. Und doch, wie sich mir das Leben hier zeigte, hart und unerbittlich, und wie man mir die sozialen Zusammenhänge erläuterte, paßte so manches nicht mit meiner tönigstreuen Schulgesinnung überein. Ich begann das soziale Unrecht der Zeit zu fühlen. Nicht im Schwünge einer einzigen großen Versammlung ging der Wandel vor sich. Und doch war es auch bei mir eine solche, in der Ich, bis dahin immer noch zweifelnd, Mitglied der Partei ward. Es war im Sommer 189Z, als Bebel in Hamburg sprach, mit all seinem Feuer und seinem Ernst. Damals ward ich Mitglied, 18 Jahre alt, begeistert, stürmend, wie alle neu Bekehrten und— slegelhost im Vorgehen, so daß der damalige Vertrauensmann des zweiten Hamburger Wahlkreise» es einmal für zweckmäßig erachtete, in einer Mitgliederversamm- lung von„dummen Lausejungens" zu reden. Und das galt mir und meinem gleichaltrigen Anhang. Ich gebe ihm heute nicht Kanz unrecht, wenn er auch unsere ehrliche Begeisterung falsch einschätzt«. Aber so ganz schlecht muß der junge Trieb nicht gewesen sein, denn von den damaligen Jungen, die 1894 auch mit In dem kurzlebigen „Arbeiterjugendbund Hamburg" waren, habe Ich manche jetzt als tätige Kräfte in der Partei- und Gewerkschaftsbewegung wieder getroffen. Eines ober nützt mir diese Jugenderinnerung auch heute noch: ich versteh« und würdige, wenn unser Nachwuchs— sagen wir die dritte Generation— einmal überlebhast wird, wenn sie an den Maßnahmen des gesitteten Alters Kritik übt, auch dann, wenn sie dabei ebensowenig recht hat, wie ich damals. Die stürmende Jugend ist eben der Sauerteig unserer Bewegung. F. K— r. Lehrstellen für Schwachstnnige. Andauernd wachsen unter dem Einfluß des Alkoholgenusse» der Erzeuger und anderer sozialer Mißstände der Gesellschaft geistig Minderwertige zu, die sür den regelrechten Gang der Lebensarbeit ungeeignet, aber bei sachgemäßer Behandlung doch sür begrenzte Aufgaben gut verwendbar sind. Wie viele solcher Mindertauglichen wurden bisher als nutzlose Glieder des Bolkskörpers mitgeschleppt, waren durch das Elend der Landstraße verkommen, Stammgäste der Gesängnisse und Arbeitshäuser, oft auch unglückliche Opfer der Schul- und Kasernendisziplin oder wehrlose Zielscheibe rohen Spottes an Arbeitsstellen und Stammtischen. Viel Menschenwert kann erhalten, daneben auch viel wirtschaftliche Vergeudung erspart werden, wenn diesen, zumeist gutartigen Menschen die Möglichkeit einer ihrer Be- gabung entsprechenden Berufsarbeit unter menschlichen Bedingungen eröffne« würde.„Es wäre manches Unheil an der Gesellschaft, am geschwächten und am normalen Einzelmenschen verhütet worden," sagt Han» Münch, Direktor des städtischen Berufsamts Nürnberg, in einem Aufsatz Berufsfürsorge für Hilfsschüler in Nr. 18 de»„Reichsarbeitsblattes",„es wären Riesensummen staat- licher Gelder erspart geblieben, wenn man rechtzeitig den entarteten Menschen erkannt und ihn an den passenden Platz, ei e» Im ästent- lichen Leben, sei«» in der öffentlichen oder geschlossenen Fürsorg«, gebracht hätte." Zu diesem Zweck fordert Münch bei Abschluß der Schulzeit sür schwachsinnige Kinder«igen« Beratung und beruslich« Fürsorg». Dazu bedarf e» der eingehendsten, mit Geduld und Liebe ausgeführten Prüfung durch den psychologisch geschulten Berufsberater, wofür In Nürnberg ein eigener Prüfungsbogen eingesührt ist. Die Prüfung erfolgt in Gegenwart der Eltern, die oft erst dadurch vom Maß der Kräfte Ihre» Kindes unterrichtet werden. Dazu gehört Z e n t r a l i- s i e r u n g der Schwachsinnigenberatung, die erst die nötige Zahl wissenschastlkch und praktisch geschulter Kräfte sichert. Ebenso wichtig und sehr schwierig ist die Unterbringung im Wirtschaftsleben. Zum Handwerk reicht die Begabung zumeist nicht aus. So bedarf es Ausbildung zu Teilarbeiten, für die auch verständige und freundlich geduldige Anleitung erfordert wird. Münch regt an, nach Art der Schwerkriegsbeschädigtensürsorge durch freiwilliges Zusamemnarbeiten der I n d u st r i e mit der Beruf»- beratungsstelle zunächst die geeigneten Arbeiten und Handgriffe, die hier in Frage kommen, festzustellen und daraus die Einstellung In die Betriebe zu ermitteln. Er benist sich auf Beispiele im Ausland, so aus Ford, der berichtet, fast jedem, der nicht Vollidiot war, ein« nutzbringende Existenz verschafft zu haben. Notwendig wäre hier- bei, Im Interesse der Beteiligten wie der Gesamtarbeiterschast, auch die Heranziehung der Gewerkschaften. Es ist zu wünschen, daß die aus tiefer Einsicht und Erfahrung beruhenden Darlegungen Münchs überall Beachtung finden und zur Tat anregen. Es handelt sich hier um ein Stück Menschen- ö t o n o m i«, das wirtschaftlich und sittlich von Bedeutung ist. Ms der Bewegung Arbeiterjugend und Nelson-Sund. Eine außerordentliche Vorständekouserenz der Sozialisti- schen Arbeiterjugend Groß. Berlin nahm am S. Oktober Stellung zur Frage des.Internationalen Jugendbundes' (Relson-Bund). Dr. Ma; /) o d a n n hiell als Mitglied des Nelion- Bundes ein Referat über den Sinn und die Ziele des Bundes, tfüt den Bezirksvorstand erstattete Rudolf Abraham das Gegen» referat. Jin Mittelpunkt der Berhandlung stand«ine Entschließung des Berliner Bezirksvorstandes der Sozialiftifchen Arbeiterjugend mit folgendem Wortlaut: Wir betrachten das Wirken der Mitglieder des Nelson» Bundes wie jeder Sondervrganifation mit wachsendem Mißtrauen, da es nur geeignet ist, die Einheit und Ge- schloffenheit in unseren Reihzn aufs neue zu gefährden. Für jede Anficht, die sich im Rahmen unserer sozialistischen Grund» anschauung bewegt, ist im Rahmen der Gesamtorganisation hin- reichend Gelegenheit, sich auszuwirken und Ihre Gedanken zu ver- treten. Für Zellen innerhalb der Sesamtbewe» gung ist daher kein Raum. Der Bezirksvorstand macht es daher den Mitgliedern zur Pflicht, sich jeglicher Sonderorgantsation und damit auch dem Nelson-Bund fernzuhalten und der Bildung solcher Organisationen entgegenzutreten. Nach ausgiebiger Debatte wurde ein Antrag des Werbebezirks Westen mit 1l1 Stimmen angenommen. Er lautet: Die Borstiindekonferenz billigt die Haltung des Bezirks- Vorstandes in der Frage des Nelson-Bnndes. Sie ist der Anficht, daß eine Sonderorganisation in der Arbeiterjugend- organifation nicht tragbar ist. Sie verlangt von allen Genossen, dahin z» wirken, daß unsere große Bewegung durch Sonder» b ü n d e l e i e n nach jeder Richtung keinerlei Abbruch erfährt. Eine Entschließung- der Gruppe Reiniikendorf-Ost dagegen er- hielt 2? Stimmen. Sie lautet: Die Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterjugend, Abteilung Reinictendors-Ost betrachten die Arbeit der Mitarbeiter des »Internationalen Iugendbundes" nicht als Zellenarbeit für ihr« Ziele und nicht für organisationsschädigend. Wir kommen zu diesem Schluß aus der Tatsach«, daß in unserer Gruppe zwei Mitarbeiter des besagten Bundes tätig sind und die Arbeit bisher reibungslos und gut verlausen ist. Wir wenden uns daher ent- schieden gegen den Antrag des Genossen Abraham in, Bezirks- vorstand, dem gemäß diese Genossen verpflichtet werden, aus unserer Organisation auszuscheiden. Wir sprechen hiennit den Mitarbeitern des»Internationalen Iugendbundes' unser volles Vertrauen aus und erklären uns mit ihnen solidarisch. Bon 147 Stimmberechtigten auf der Konferenz enthielten fich 1? der Stimme. Eine lebhafte Diskussion ging der Abstimmung voraus. »"Mi' Aus der Jugend-Internationale. Die fozlaUstijche Jugend in Italien. Die Spaltung der poiitijchen Arbeiterparteien Italiens in drei eigene Parteiorganisatimien vom Jahre 1922 übertrug sich auch auf die Lugendbewegung. Diese hotte durch den damals zur Macht gelangten Faschismus ohnehin schon schwer gelitten, so daß die neu» begründete sozialdemokratische Jugendorganisation anfangs nur aus drei örtlichen Eettionen bestand. Die Herrschast der sajchistischen Partei, vor allem aber der Terror des faschistischen Bandenwesens, haben dem weitergehenden Aufbau der sozialistischen Iugendorgani» sationen fast unüberwindliche Schwierigkeiten eutgegengestcilt. Die Werbung und das sonstige Vcrbandsleben sind lediglich auf versteckte persönliche Verbindung der einzeluen Mitglieder angewiesen — wobei mit der größten Vorsicht vorgegangen werden muß, sollen nicht Leben und Existenz der Genossen auf» Spiel gesetzt werden. In einzelnen Städten, besonders in den industriellen Land- strichen, ist die Möglichkeit des Ausbaues der Organisalion etwas weniger schwierig, an öffentliche Wervnng irgendwelcher Art kann jedoch auch hier nicht gedacht werden. Trotzdem ist es der uns an- geschlossenen Federozione Socialista Nnitaria Jtoliana gelungen, sich über das ganze Land bis noch Sardinien und Sizilien auszubreiten und dank der opferbereiten Hilfe stmaer und älterer Genossen einen Grundstock für die zukünftige, hoffentlich unter besseren Vorbedin- gunpen zu schaffend- sozialistische Jugendbewegung zu schassen. Am besten veranschaulicht sich dos Ergebnis dieser Arbeit In der folgenden Ausstellung über die Zuuahme der Mitglieder»nd örtlichen Sektionen. Es bestanden Ende 1923... 20 Ortsgruppen mit 272 Mitgliedern Ende 1924... 41... 745 End- Juni 1925. 48,.. 1050 Die Arbeit des Verbandes umfaßt die Werbung, Erziehung zur Organisation unter besonderer Bcrücksschtigunz der gewcrkjchasilichen Organisation tmd die kulturelle Erziehung seiner Mitglieder. Natur- lich ist seine Wirkungsmöglichte-t denkbar beschränkt und durch die andauernden Verbote des Berbandsorgans»Liberia' noch besonder» erschwert. Jin März dieses Jahres traf den Berbaud ein besonders schwerer Schlag durch die auf Grund der bekannten Pressedekrele verfügte Absetzung des Redakteurs der.Liberia'. Unsere Zeitung kann seitdem überhaupt nicht mehr erscheinen. Alle Versuche, für einen anderen Genossen die erforderliche Bestätigung zu erhalten, waren erfolglos, weshalb jetzt als Notbehelf alle 14 Tag« eine Seite des Parteiorgans»La Prineipia' lediglich der Jugendbewegung vor» behalten bleibt. Auf gewerkschaftlichem Gebiet haben wir außerdem stark gegen den Einfluß der Kommunisten zu kämpfen, deren Tätigkeit sich bei der jetzt allseits begonnenen Wiedererrichtung der freigewerkschaft» lichen Organisationen m hemmender Weise bemerkbar macht. Unser« kulturelle Arbeit hat vorerst zum Ziel, für möglichst alle be» stehenden Ortsgruppen sozialistische Bildungsbibliotheken einzurichten. Sobald es sich ennöglichen läßt, sollen daneben noch aufklärende Broschüren herausgegeben werden. Natürlich können 2lrbeit, Mitgliedcrzohl und Wirtungsmüg- lichkeit der Federazione Giooenile Socialista Unitaria Jtoliana nicht mit dem Maßstab anderer Länder gemessen werden, denn außer den Schwierigkeiten, die durch die Herrschaft der faschistischen Re- attion bedingt sind, hat sie noch mit der Konkurrenz des sozialistisch- maximalistischen und des kommunistischen Verbandes zu kämpfen. Sie wird aber dessenungeachtet ihre Arbeit und ihren Kampf fortsetzen, als einzige wirklich sozialistische Jugendorgunifation in Streben und Inhalt ihres Geistes. Fortschritte in Eagland. End« August sand ein« Sitzung de« Nationalkonütees der Iugendgruppen der 2LP. statt, aus der über gut« Fortschritte in allen Abteilungen berichtet wurde. Während vor 6 Monaten die Mitgliederzahl 2000 betrug, wa» an sich ein guter Erjolg für eine Organisation war. die erst zwölf Monate existiert, sind jetzt 3 0 00 Mitglieder vorhanden. Im nächsten Jahr wird versucht werden, die Mitgliederzahl zu verdoppeln. Dt« »Flamme', die Monatszeitschrift der Organisation, ist sehr populär. Von der ersten Nummer im August wurden S000 Stück vertäust. Die Bezirkssekretoriate berichteten, daß der Aufbau von Distrikt»- und Lokalorganisationen gute Fortschritte macht. E» existieren de« reit? 9 Bezirksverbönde. Bon denen jeder einen Bezirksvorstand ouf- weist, der zusammengesetzt ist von Delegierten au» jeder Neineren Distrikt»- Federation iunerhaib des Bezirks. Die lokalen Gilden s nd sehr aktiv gewesen mit Eamps, Wanderungen. EsperantoNassen, Vortragen, Diskussionen usw. Auch find für den Winter zahlreich« dramatische Gruppen vorgesehen. Das nationale Komitee hat einen Unterausschuß gewählt, der ein Wirtschastsprogromm für junge Arbeiter vorbereiten soll. ftundffym £2? Da» Ergebnis der Belchskagung der Dindtherfibünde. Heber. die hier bereits früher erwähnte Retchstagung der Zentrunissugend ist zu berichten, daß das Ergebnis der Beratungen in Leitsätzen zu- sammengefaßt wurde, in denen es u. a. heißt: 1.„Die staatliche Einigung der Deutschen im großdeulschen Reich Ist uns innere Bedingung der Bestiedung Europas. Da» neue, große Deutschland soll ankiiüpfc» an die große deutsche Ge- schichte des Mittelalters, seinen Berus in der Ueberwindung der heutigen politischen Anarchie des Abendlandes und dein Aufbau einer neuen Välkerordnung erblicken. 2. Die innere Gesundung und Erstartung Deutschlands dedingt eine soziale Ordnung, iu der die deutsch« Arbeiterschaft orga- nisch eingegliedert ist. Aufgewühlt und erschüttert durch die soziale Not und Zer- rissenheü in unserem Volke, tief beunruhigt über den anarchischen Zustand seiner Wirtschaft tragen wir in uns den Willen, an der wirtschaftlichen und sozialen Neuordnung mitzugestalten. Wir sehen die Lösung heule nicht mehr in sozialpolitischen Maßnahme» allein, sondern in der Meisterung und Ordnung der Wirischast selbst, wobei wir den Primat des Staates gegenüber der Wirt- schaft und regelnde und zügelud« Ei.igrifst der politischen Macht durchaus bejahen. Der allgemem herrschenden Ueberwertung des Materiellen und der Uebcrsteigerung der Bedürfiüsse wollen wir entgegenwirken. Wir selbst wollen von un? aus zu vernünftiger und geordneter Regelung unseres Gebrauchsanteils an den wirt- schaftlichen Gütern streben. Ziel und Wirkung dieser Verbraucher- moral und der Wirtschaftspolitik nucß die Hinwendung der Produktion auf die notwendigen und nützlichen Güter sein. 3. In unserem Ringen und Streben zu dem neue» Deutsch- land und nach der Macht im Staate sind uns Symbol der Eint- gung der deutschen Stünnne in der deutschen Republik die alten deutschen Farben Schwarzrotgold. Sie versümbilden un» da» lebendige Zusammenwirken aller Kräst« unseres Botkstums, die Wiedervereiiiioung Oesterreichs mit dein Reich« im großdeulschen Staat, seine friedliche Mission tan Abendlande: in ihnen sehen wir die auf natürliche Lebensordnung ausgebaute Votksgenietnschost, den Willen zur Eingliederung der deutschen Arbeiterschaft in Bolt und Staat lebendig verkörpert.' Die aus früheren Tagungen noch vorhandene Opposition gegen ein unsingeschränktes Vekemunis zur demotratischen Republik war diesmal nicht mehr vorhanden. Für den Geist der Tagung ist weiter bezeichnend, daß di« Reichsleitnng ergänzt wurde durch die Abgeordneten Dr. Marz? und Dr. Wi r t h. Die entschiedene Stellungnahme der Windthorst- Jugend s ü r Wirth nach seinem Austritt aus der Jentrumssraktion. ist au» der Tagesprejje zur Genüge bekannt.