nt, ♦ Beilage zum Vorwärts 22. November 1925 /kbeiterjugenö und Hewerkfthasten. Di« arbeitend« Jugend hat den in den letzten Monate» be- sonder» nachdrücklich erhobenen Ruf nach Jugendschutz und -recht mit Begeisterung aufgenommen. St« hat in den Kund- gedungen protestiert gegen ihre harten Lebensbedingungen und an hie Gesetzgebung Forderungen gestellt, deren Verwirklichung ein« wesentliche Erleichterung Ihre? sozialen Lage bedeuten würde. Die Kundgebungen der Jugend sind in den meisten Füllen in Gemein- schaft mit den polltischen und wirtschaftlichen Organisationen der sozialistischen Arbeiterschaft, mit der Sozialdemokratischen Partei und den Freien Gewerkschaften durchgeführt worden, in der Er- kenntni», daß der Kamps für die aufgestellten Ziele nur durchge- führt werden kann, wenn sich zu der Begeisterung der Jugend die entschlossen« und zSH« Mitarbeit der organisierten Ar- beiterschaft gesellt. Dt« Jugend darf»» aber nicht dabei bewenden lasten, dt» Unterstützung der erwachsenen Arbeiterschaft zu gewinnen, tn ihr da» Verständnis für die be- sonder» Notlag« der Jugend zu wecken und st» zu überzeugten Mitstreitern für den Ausbau de» Jugendschutzes zu machen, sie muß vor allem auch mithelfen, die Macht der G e w e r k- s ch a f t e n zu stärken durch dt« eigen« Mitgliedschaft tn den freien Gewerkschaften, durch die Gewinnung aller jungen Prole- tarier für die freigewerkschaftlich« Idee. Gerade tn diesen Tage« veranstaltet dl« fretgewerkschaft- liche Jugend Groß-Berlin» eine ' großzügig angelegte Werbe- wache, und es muß die selbst- verständlich« Pflicht jede» über- zeugten sozialistisch denkenden Jugendlichen sei.;, dies« Aktion nicht nur zu unterstützen durch ein« eifrige Erledigung der eigenen gewerkschaftlichen Verpflichtungen, sondern auch durch dt» Werbung von Mund zu Mund in den Betrieben, In den Zusammenkünften der Gruppen, überall da, wo wir mit Alter»- und Klastengenosten zusammentreffen. � E» gibt Jugendlich«, dt« der Meinung sind, ein« Werbung für die gewerkschaftliche Organisation unter der Jugend sei sehr schwierig und unfruchtbar, da man«» bei der gewerkschaftlichen Arbett mit einer so nüchternen und alltäglichen Sache zu tun Hab«, daß für sie die Jugend mit ihrer Begeisterung für letzt« und hohe Ziel« nicht leicht zu gewinnen ist. Diese Auffastung ist zum mindesten sehr oberflächlich. Wir haben oben schon gesagt, büß dl« Unterstützung der Gewerkschaften ein« der wesentlichsten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Au»- gang unseres Kainpfes um den Jugendschutz ist. Die Gewerkschaften können durch ihre wirtschaftliche Macht die gesetzlich« Regelung in starkem Maß beeinflussen, sie können aber auch bl» zur gesetzlichen Regelung durch Tarifvereinbarungen und durch den Ausbau der Tätigkeit der Betriebsräte Teilerfolge erzielen, die die sozial« Lage der arbeitenden Jugend erleichtern. Wa» da» im einzelnen bedeutet, weiß jeder Jugendliche, der im Erwerbsleben steht und schon«in- »ö»o»»»eeoeoeoeeeea»»e»e»o»eee»»s»»$io! Die Zugend kingelchwleäet im Sek»,»der im ßenrn die ffelheltsItOrine Suchen wir itühn In der Schlsngengkude der Zelt, 5 lleder der Rneditung und Rrrnut ßungergewürrne o viilbt sich der Morgenhimmel der kommenden Seligkeit filährend die ß-inde die vielen RSder und Bebel bedienen, Clnddle Arbeit In tanlendGeftaltenans untrer Schöpfung entfprlngt � Sind unlerrn Berk die neuen Führer erichlenen, Aus deren Ben die Glocke der Freiheit(chwlngt. Bas haben wir Mle» erduldet und Idwelgend erlitten. § Gepreßt In der Ausbeutung ellerne Schmach I 9 Ans haben die freuenden Melier zerlchnltten, Bis klirrend der Spiegel der Seele zerbrach. Aber wir meutern, die uns geichmZht und geiaitert, Blr beleelen das Berk und blalen Ihm ödem ein, Blr lind mit allen Dingen verbrüdert, verlchweltert, Blr brauchen auf dieler Bett nicht mehr elnlarn leint Spiel wird die Arbelt. Der RSder blitzendes Raten, Der Gang zur Fabrik wird Andacht und Canz. Beim die Sirenen wie goldne Polaunen blalen, Krönt untre Stirn der{Überwindung leuchtender Kranz... 0 ewiges C'ed, der Menlchenlrelhelt gelungen, Das wie ein Blitz leuchtet und feurig lauft. Blr haben das Berk von untrer Seele bezwungen; Cs gibt keine Crennung von Blrn und Fault! n•( o a r i v• L »e»oooooeoooooe««o«8»o«M>ooooooe»i» mal die Unterstützung de« Betriebsrates oder seiner Gewerkschaft t» Anspruch nehmen mußte, um sein« persönlichen Arbettsbedingunge» in Einklang zu bringen mit den geltenden Tarifverträgen oder mit betrieblichen Abmachungen. Und selbst wenn der Jugendschutz tu genügendem Umfang gesetzlich geregelt ist, bleiben die Gewerk« schaftrn für jeden Arbeiterjungen eine dringend« Notwendigkeit, denn was nützen die schönsten Gesetze, wenn die Gewerkschasten nicht in ununterbrochener Kleinarbeit dafür sorgen, daß die gesetzliche� Bestimmungen auch durchge« führt werden? Aber auch wenn wir von diesen mehr oder weniger ma- tertellen Dingen absehen, so baif gerade die Jugend nicht ver» gessen, ivelche groß« Bedeutung den Gewerkschaften hinsichtlich der Erreichung der kultu- rellen Ziel« de» Sozia« ltsmu» zukommt. In dew Kreisen der Jugendbewegung wird mit Recht darauf hinge- wiesen, daß die sozialistische An- beiterbewegung neue Form« de» Zusammenlebens der Men- schen finden muß, daß wir z>t einem sozialistischen Gemein- ch a f t s l e b e n kommen mästen, Eine der wesentlichsten Boraus- setzungen für ein derartiges Ge« meinschaftsleben Bilden wir aber im gewertschastltchen Zusammei»- schluß, in der gewerkschaftlichen Sollharitöt aller arbeitend« Menschen, denn sie schützt dls Mast« de» arbeitenden Volke« vor dem wirtschaftlichen Unteo. gang, vor einer Ausbeutung, die die edelsten und stärkste» kulturellen Regungen im Men- schen ersticken muß. Die g» werkschaftliche Solidarstät bildet ein« der stärksten Gnindlag« für den Au»� und Aufbau«ine« eigenen tullurellen Leben» der sozialistischen Arbeiterschaft. E« wäre durchaus unsozialistisch gehandelt, wollte die Jugepd dies» Hilf« der Gewerkschaften tn Anspruch nehmen, ohne ihrersett» die Verpflichtung z» erkennen, die gewerkschaftliche Organisation zu stärken und auszubauen.\ Und weiter: Die sozialistisch« Bewegung erstrebt keinesweg» nur«tn« höher» Kultur der Freiheit der Arbelterfchaft. Sie will den arbeitenden Menschen auch in ein neue» Verhältnis zu seiner Arbelt bringen. Sicher ist diese» Ziel erst völlig zu erreichen t« einer sozialistischen Wittschaftsordnung, die die Klassenscheidung und die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft aushebt. Manche« kann aber schon erreicht werden, wenn die arbeitend« Jugend b»- reit« jetzt in den Genuß einer umfassenden und durchgreifend«» vo» ruf»au«blldung kommt. Di» Gewerkschaften haben sich die Er- reichung diese» Zustande» tn erster Linie zum Ziel gesetzt. Sie er- streben, ein« Berufsausbildung für alle Jugendlichen, die nur begrenzt sein soll durch die Fähigkeiten de» einzelnen Jugendlichen selbst. E» würde über den Rahmen diese» Attikel« hinausgehen, Einzelheiten de» gewerkschaftlichen Iugendprogramm» hier zu be- handeln. Aber auf eine» sei noch hingewiesen. In dem besten Teil der arbeitenden Jugend lebt heute das stolze Gefühl, daß sie J olc die Arbeiicrklasse vo» inorgcn berufen sein wird, wichtige Teile des fozialiftiZchen Programins ja die Praxis umzufetzen. Soweit »s sich dabei um polUifchc und kulturelle Arbeiten handelt, hat die sozialistische Jugendbewegung durch ihre Erziehungsarbeit gute Lorarbeit geleistet. Aber wir wissen als Sozialisten, daß die Ver- wirklichung unserer Ideale abhängig ist von der Eroberung der Wirtschast, von der Durchsetzung unseres Wirtschaftslebens mit so- ztalistijchen Grundsätzen. Auch diese Arbeit kann nur geleistet wer- den von einer wirtschaftlich geschulten und reifen Arbeiterschaft. Diese Schulungsarbcit können aber in erster Linie die Gewcrk- schasten leisten, die als die stärksten Träger unseres wirtschaftlichen Kampfes mitten hineingestellt sind in die Problem« dex. modernen Produktion und Wirtschaftsführung. Ihre Bildungsarbeit an der Jugend ist ein lebensnotwendiger Bestandteil der heutigen sozia- kistischen Bildungsarbeit, und gerade die Jugend muß versuchen, in diese Materie trotz aller ihrer Schwierigkeiten soweit wie möglich einzudringen, damit sie in der Reife ihres Lebens auch auf dem Gebiet den Ausgaben gewachsen ist. Wir wollen es mit dieser skizzenhaften. Auszeichnung der Be- deutung der gewerkschaftlichen Organisationen für die Jugend ge-- nug sein lassen. Es dürfte aber jedem Jugendlichen klar geworden sein, daß die Stärkung der Gewerkschaften eine notwendige Boraus- setzung ist für den erfolgreichen Ausgang unserer Iugendschutzarbeit, also für die unmittelbare Hebung der materiellen Lage der Jugend, und daß darüber hinaus hie Gewerkschaften durchaus hineingehören in den Kreis der Organisationen, die arbeiten an der Schaffung der neuen politischen und sozialen Ordnung, einer neuen sozialistischen Kultur. Damit ist aber für jeden denkenden Jugendlichen die Pflicht gegeßen, nicht nur durch die eigene Mitgliedschaft in den Ge- werkschasten diese Organisation zu stärken, sondern unermüdlich unter der arbeitenden Jugend zu werben, bis der letzt« Junge und das letzte Mädel den freien Gewerkschaften als eifriges und be- wüßtes Mitglied zugeführt sind. Wohnungsnot unö?ugenö. Welchen in der Wohlfahrtspflege mitarbeitenden Bvlksfreund überfällt nicht bei dem Gedanken an die Wohnungsnot eine große Hoffnungslostgkezt und eine tiefe Traurigkeit? Denn jeder- mann erkennt, daß in dem Wohnungselend das Grundübel und die Quelle der schlimmsten Mißstände zu suchen sind. Nicht selten habe ich von amtlichen und ehrenamtlichen Kräften der Wohlfahrt»- pflege den Gedanken äußern hören, daß nutzlos Millionen in der Mrforge ausgegeben werden, um Gefallene wieder auszurichten, solange die Wohnungsnot besteht. Man täte besser daran, die ganze Fürsorge einzustellen und die Mittel im Wohnungsbau zu verwenden, um wenigstens für die Zukunft den Strom zum Ver- siegen zu bringen, der heute die verwahrlosten Menschenkinder massenweise auswirft. Ein radikaler Gedanke, aber undurchführbar, weil ohne Mftleid mit dem lebenden Geschlecht. Aber es ist schon so. Da» Wohmingselcnd läßt mehr Menschen verwahrlosen und verkommen, als die heilende Fürsorge retten kann. Ueber Ursachen und Umfang des- Wohnungsmangels noch etwas zu sagen erübrigt sich. Wer sich darüber unterrichten will, lese die Wohnungsstatistiken der Großstädte und besuche die Ob- dachlosenasyle. Besonders das Obdachlosenasyl in Berlin ist ein dankbares Studienfeld, denn hier kann man sehen, daß nicht nur das Lumpenproletariat die Asyle bevölkert, sondern daß hier viele vertreten sind, die bisher als tüchtige Hand- und Kopfarbeiter ihr Leben fristeten und nun als Opfer der Wohnungsnot, ohne Kleidung und ohne Einkommen, langsam vertieren. In den Asylen hocken die Aermsten stundenlang, im Stumpfsinn oder in Verbrechcrlust zusammen und werden unfähig, wieder zu sozialem Leben zu kommen. Ueber 5000 Männer und Frauen Nacht für Nacht im Berliner Obdachlosenasyl! Furchtbar und erschütternd! Und wieviele Menschen werden In Schuppen, auf Lagerplätzen, im Part in Wartesälen, in Fässern, in Türnischen schlafen? Es sind mehr, als man denkt-• Aber von all den verschiedenen Arten der gänzlich Wohnungs- losen soll hier nicht die Rede sein. Bielmehr will ich mich mit den Wirkungen des Wohnungsmangels bei den Familien be- schäftigcn, die in den Großstädten in ungenügenden Wohnungen, ziisanimengepfercht wie Tiere, leben müssen. Die kinderreichen Familien sind am bedauernswertesten. Ich habe Clendsquartiere gesehen in großer Zahl. In einem Zimmer, dos tagsüber als Wohnraum dient, schliefen auf Strohmatratzen, mit Lumpendecken zua.'deckt, b Personen: Bater, Mutter, ein LSjähriger Sohn, eine 20jährige Tochter, ein 18jähriger Nesse und eine 16jährige Tochter. Betten waren zwar zum Teil vorhanden, konnten aber wegen Platzmangel nicht ausgestellt werden. Die Familie Ist seit über zwei Jahren für eine neue Wohnung vorgemerkt. Ein anderes Beispiel: Eine Frau mit drei schulpflichtigen und zwei schulentlasseney Mädchen bewolmt � mit 2 Kostgängern zusammen 2 Zimmer. Ein Mädchen«e dient 30 Pf. die Stunde als Fabrikarbeiterin— 9 X 30— 2,70 M. täglich. Die Mutter bezieht Invalidenrente für sich. Der Vater ist durchgebrannt. Die Fannlie ist auf Nebenerwerb durch das Halten von Kostgängern angewiesen. Die schulentlassenen Mädchen haben Liebhaber; die Kostgänger schlafen wahllos bei Mutter und Töchtern. Die älteste Tochter an!- wartete aus meine Frage, wie sie so etwas mitmachen könnte: »Mir ist alles so egal. Wenn ich abends todmüde aus der Fabrik komme, will ich meine Ruhe und mein Vergnügen haben. Soll ich mich vielleicht mit den Kostgängern stundenlang herumzanken, wenn ich ihnen nicht zu Willen sein will. Je schneller, desto eher kann ich schlafen; ich muß um 6 Uhr wieder heraus.* Welche Szenen werden die schulpslichligen Mädchen in diesem Falle schon gesehen und erlebt haben, bevor sie ins Waisenhaus kamen, wo sie jetzt sind. Es sind nicht besonders krasse Fälle, die ich schildere. Die Akten der Fürsorgeerziehung enthalten viel schlimmere. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Beschlüsse auf Ueberwcisung in Fürsorgeerziehung die Wohnungsnot. Wie kann es auch anders sein; denn die Wohnungsverhältnisse sind ausfchlaggebeiid für Hygiene unh Sitrlichkeii. Wenn die Kinder mit den Eltern im gleichen Räume schlafen, lernen sie die intimsten Vorgange des Ehelebens kennen. Alles Ideale in der Liebe wird ihnen im Keim ertötet. Sie lernen nur.das Tierische im Menschen kennen.- Der Geschlechtstrieb entwickelt sich allzu früh und der Nachahmungstrieb bringt die Gelchwister zur Blutschpnde und zur Bersührung anderer Kinder. Die Zahl der Fälle von Blutschande zwischen Geschwistern und auch zwischen Eltern und Kindern ist gestiegen; der Alkohol Ist der Bundesgenosse der Wohnungsnot. Wenn Vater und Mutter. Bruder und Schwester, Bräute und Liebhaber. Kostgänger und' Verwandle Bett an Bett, Seite an Seite schlafen, dann cnt- steht von selbst der wahllose Geschlechtsverkehr aller mit allen. Das Wohnungselend verursacht die meisten Sittlichkeitsverbrechen. Sittliche Entrüstung ist hier nicht am Platze. Man muß den Menschen aus seiner Umwelt und aus seinen Verhältnissen heraus begreifen. Ich würde aber das Thema nicht erschöpfen, wollte ich nicht etwas über die Folgen des Wohnungsmangels auf hygienischem Gebiet andeuten. Wir klagen darüber, daß Tuberkulose und Ge- schlechtskrankheiten sich auch unter der Iugend so stark oerbresten. Auch hier ist der Wohnungsmangel die Hauptursache. Das enge Zusammenleben, Zusammenschlafen, der Mangel an Wasch- gclegenheiten, die unsauberen Toiletten in den übervölkerten Häusern bieten Infektionsmöglichkeiten in Hülle und Fülle. Was nützen Kuren und Heilstätten, wenn der Kranke nach der Ge- nefung In die alten unhygienischen Verhältnisse zurückkehrt? Haben alle syphilis- und tripperkrankcn Personen besondere Wäsche, be- sondere? Bett? Schlafen alle an offener Tuberkulose Leidenden allein im Zimmer? Unsere Iugend ist oft schon im vorschul- Pflichtigen Alter der Ansteckung durch Tuberkulose und Geschlechts- krankheiten ausgesetzt. Wenn es unter diesen Zuständen noch zu Epidemien kommt, dann ist eine Katastrophe kaum zu vernieiden. Es scheint mir, als ob ich nicht nötig habe, die Folgen des Wohnungsmangels noch weiter auszumalen. Sie sind, jedem der sehen will, auf Schritt und Tritt erkennbar. Wie ist zu bessern? Es werden überall große wirtschastliche Pläne verwirklicht. Es ist gut so. Aber kann nicht der einheitliche und feste Wille aller in der Wohlfahrtspflege tätigen Männer und Frauen, die hier am klarsten sehen, alle Behörden, alle Politiker, alle Industriellen und Volkswirtschaftlicher, alle, denen Deutschlands Zukunft am Herzen liegt, alle, alle überzeugen, daß das brennendste und dringendste Problem der Wohnungsbau ist. Was nützen die schönsten Vorbereitungen für Ausbau und Intensivierung unserer Produktion, wenn zwischenzeitlich wertvolle Güter verloren gehen. Gesundheit und Familie, Echik und Arbeits- kraft des deutschen Volkes sind gesährdet. Mit der Qualität des arbeitenden Volkes steht und fällt die deutsche Wirtschast. Die Wohnungsnot nagt am Marke de» deutschen Industrie- und Landarbeiters. Formen wir den Willen zu Behebung! „Wer auch immer Verantwortung trägt für die Zukunft des Reiches, sorge zuerst, daß die Iugend getreimt wird vom Lost«? der Alten. Jugend erlernt leicht das Gute und Schlechte, drum zeigt ihr nur Gutes. Jugendbewegung allein tut es nicht, denn das Heim gibt den Ausschlag.* Landesrat Wingender- Düsseldorf. langfristiger Jugenüerholungsaufenthalt. Jeder Beobachter weiß, wie oft die gedeihlichen Wirkungen des Ferien-Landaufenthaltes Mh kurzer Zeit unter dem Einfluß der üblen häuslichen Umgebung wieder verschwinden. Daher ergibt sich die Notwendigkeit, durch länger dauernde Verpflanzung der Kinder in gesundheitlich wertvolle Verhältnisse, Erfolg« zu erzielen, die nicht nach wenigen Wochen der Dergangei'.heit«ngehören. Daher hat die Zweigstelle Stuttgart des Roten Kreuzes, wie Professor Dr. G a st p a r in dem Sonderheft„Wohlfahrt und Sozialhygiene* der Blätter des Deutschen Roten Kreuzes berichtet,' beschlossen, in diesem Jahr in eines ihrer Heime am Bodensee vollständig gesunde Kinder, die in überfüllten'Wohnungen leben, für eine längere Reihe von Monaten auszunehmen. Zunächst in de? kalten Jahreszeit, in der diese Kinder am meisten leiden. Für regelmäßigen Schulunterricht wird gesorgt. Der Verfasser hält diesen Weg auch für die Tuberkuloscnfür- sorge kür gangbar. Er weist auch aus seinen Wert für die Siche- rung der Heime hkn, die sich von der Aufnahnie von Ferien kindern allein nur schwer erhalten können. Wir finden den Gedanke» sehr zweckmäßig. Vielleicht bezeichnet er einen Uebergang zur Schajsnng von Dauereinrichtungen, die erst den vollen Ertrag der Fürsorge gewährleisten./ SozialiftlscheJugenö in üetTschechoslowakei Unserer Sozialistischen Iugcyd-Jnternalionalc sind vier Vcr- bände angeschlossen, die in der Tschechoslowakei ihre» Sit? haben. Zuerst sind zu nennen die Ingen dg ruppen der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Ar- beitcrpartei. lieber den Eland dieser Organisation liegt solgender Bericht oor� Die tschechoslowakische Arbeiterjugend geht einer versprechenden Konsolidiciung entgegen. Trog aller Anstrengungen der Kommu- nisten, unsere Bewegung zu schädigen, gelang es un?, das Bertrauen der jungen Arbeiterschast in der tschechoslowakischen Republik zu ge- Winnen. Die Tätigkeit der Jugend erstreckt sich hauptsächlich aus rege Organisationsarbeit und Propaganda für die Bewegung. Es werden aber auch andere Fragen, die die Jugend betressen, behandelt. Wir haben bereits alle Schwierigkeiten, die uns durch die Spaltung der Partei gemacht wurden, überwunden. Seit dem Berbandstag, der im vorigen Jahr vom 7. bis v. Juni abgehalten wurde und der »ine neue Etappe der tschechoslowakischen Arbeiterjugend bedeutete, ist es ständig vorwärts gegangen, so daß sie jetzt etwa IVO Ortsgruppen mit mehr als 8000 Mitgliedern zählt. Schlechter steht es mit den finanziellen Verhältnissen. Bleie unserer Genossen können nicht einnial den geringen Mitgliederbeitrag bezahlen, da sie arbeitslos sind. Das Erhallen unserer zwei Jugendzeirschristen(„Mlady Sozia- liska" und„Oinladina") verlangt große Opfer von uns. Und doch hosten wir, daß auch diese Hindernisse überwunden werden. Gerade unsere schwere Lage stärkt uns für unsere Kämpfe. ♦ Ungefähr ebenso stark ist der Sozialistisch« Jugend« Verband für die deutfchen Gebiete in der tschecho- slowakischenRepublik. Der Verband zählt« Ende Juni IS25 8500 Mitglieder in 250 Ortsgruppen. Ueber seine Arbeit berichtet er folgendes: Im vergangenen Jahr wurde vor allem an der inneren Festigung der Organisation gearbeitet. Die in unserem Lande lange andauernde Arbeitslosigkeit hatte Mitgliederrückgang und Einschränkung der Beitraosleistung zur Folge, so daß der Verband mit großen Geld- lchwierigkeiten zu kämpfen hatte. Diese Schwierigkeiten dauern an. Aus dem Gebiete des Erziehungswesens wurde viel geleistet. Es wurden eine Unzahl Einzelvorträg« über die verschiedenstell Wissensgebiete veranstaltet: das Lichtbild wurde oft verwendet.— Unsere Schristenabteilung bewährte sich wiederum al» vorzügliche Bildungseinrichtung. Es gibt in unserem Verbände setz: noch etwa 400 Mitglieder der Schristenabteilung: die Arbeitsloflgkeit hat auch den Stand dieser Bildungseinrichtung geschädigt. Im letzten Geschäftsjahr wurden aber immerhin 6000 Bücher ollein durch die Schristenabteilung umgesetzt. Dos ist eine ganz bemerkenswerte Leistung.— Im Herbst 1924 gab der Verbandsvorftand ein„Hand- buch für Funktionäre" heraus, da» sich großer Beliebtheit erfreut und zur Festigung der Organisation beitrug. Die Jugendschutzarbeit macht erfreulich« Fortschritte. Unsere Ausschüsse für Jugendschutzarbeit, die im Einvernehmen mit den Gewerkschaften arbeiten, hatten schon in zahllosen Fällen Gelegenheit, die Arbeitgeber zum Einhalten der gesetzlichen Be- stimmungen zu oeranlassen und so vielen jungen Arbeitern zu besseren Arbeitsbedingungen zu verhelfen. Insbesondere wird die Einhaltung des Urlaubegesetzes beobachtet, da« im März 1925 im Abgeordneten- haus beschlossen wurde und den Lehrlinaen acht, den anderen sugeudlick�n Arbeitern und Arbeiterinnen sechs bezahlte Urlaubs- tage zusichert. Am 22. März veranstaltete unser Verband in allen & roheren Städten Kundgebungen, in denen die Verbesserung des rlaubsgesetzes verlangt wurde. Ueber da» Zustandekommen des Gesetzes wurde in der„Sozialistischen Jugend-Internationale" kurz berichtet. Der Verbandsvorstand bemüht sich, ein Reichsjugend- heim zu schaffen. Die Vorarbeiten sind scbon so weit gediehen, daß wahrscheinlich schon im nächsten Jahr mit dem Bau begonnen werden kann. Wir wollen un» da» Heim der holländischen Genossen teilweise als Muster nehmen. Eine Führeraussprache fand vor einigen Wochen statt, die sich mit den Fragen beschästtgte, die auch bei der internationalen Führcraussprach« in Holland zur Be- ratung standen. Ueber den Erfolg dieser Aussprache berichtet die August-Rummer der.Sozialistischen Jugend". Die„Sozialistische Jugend", unsere Verbandszeitung, erscheint am 1. sedeu Monats in elner Auflage von 6000. Gegenwärtig bat die Zeitschrift einen Umfang von 16 Seiten. Außer der„Sozialistischen Jugend" hat der Verband keine Zettschriii. Für die Benachrichtigung der Funktionäre steht uns die Parteipresse zur Versügung.— In unserem Verband sind 200 Abnehmer der„Sozialistischen Jugend- Internationale". Im Herbst findet der Berbandstag statt, der vor ollen, zur Frage einer Beitragserhöhung Stellung zu nehme» hat. * Die dritte Organisation ist der polnische Bildungs- und T u r n v e r�! n der jugendlichen Arbeit ei: und Ar- beiterinnen„Sila" in der Tschechoslowakei. Der Verein zählt im gegenwärtigen Moment 2000 Mitglieder, vor- wiegend jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen. Es sind meisten- teils Berg- und Hüttenarbeiters Die Tätigkeit erstreckt sich zwar Tiber die ganze Tschechoslowakei, doch ist der ErnnMtack der Mitglieder in Schlcsie.'! und Mähren, wo d'e polnische Minderheit Haupt- sächlich angesiedelt ist. Der Verein besitzt besondere Turn-, Wondcr-, Theater-, Gesang- und Sportgruppcn. Jede Seklion arbeitet selb- ständig, jedoch im Rahmen des ganzen Vereins. Die Geldgebarung im vergangenen Jahre betrug etwa 15 000 Krönen. Der Verein gibt eine Bildungsschrist heraus unter dem Titel„Oswiata", die monatlich in einer Auslage von 1200 Exemplaren erscheint. In dieser Zeitschrist werden alle aktuellen sozialistischen und Bildungs- fragen behandell und olle Bereinsankündigungen publiziert. Der Verein hat im vergangenen Jahre etwa 80 Vorträge über alle akttiellen Frage» aus dem Bildungswesen veranstaltet, ebenso wurden zirka 30 Lichtbiideroortröge, die sehr gut besucht waren, abgehalten. Der Verein steht im engste» Kontakt mit der polnischen sozialistischen Partei in der Tschechoslowakei, die hier und da unserer Täligkei! behilflich ist. Infolge wirtschastlicher Depression hat der Verein eine kleine Schwächung erfahren, die auf Arbeitslosigkeit zurückzuführen ist. Die Sektion der Turner veranstaltet ab und zu össentlkhe Darbietungen, in denen Freiübungen und liebungen an den Geräten vorgeführt werden. Die Turngruppe ist von allen die stärkste. Im nächtlichen Wildpark. Vor uns grüßte der schwarze, gewaltig große Wald, über uns des Himmels treue Sterne und hinter uns die letzten Lichter des zri- letzt durchstreiften Ortes. Vor uns lag jenes geheimnisvolle stark« Leben, das jetzl in weihevoller Stunde schwieg.... Dies Leben, voll Würde und Selbstbewußtsein, voll Stolz, es fehlt uns heutigen Menschen, die Kraft dieses Lebens mangelt uns. In siiUer Nacht im schlosenden Wald fühlen wir die Klust zwischen Mensch und Natur. Und darum suchen wir Jungen eine Brücke zu finde» zwischen Natur und Mensch dahin, wo unsere Seele wieder frei jauchzen, wo unsere Brust frei atmen kann, den Hauch jener Göttlichkeit, die unser Leben rein hält vom Sumps bürgerlichen Lebens. Wir können uns freier bewegen, unsere Gedanken werden neu und tiefer, die Ueberwindung alter, uns noch anhastender un» schöner Gewohnheiten wird uns leichter.- Wir suchen eine eigene Lebensweise, weil wir glauben, daß wir die bürgerliche Gesellschastsordnung nur dann erfolgreich bekämpfen können, wenn wir uns selbst fret und unabhängig von ihr gemacht haben, wem, wir das eigen« Leben leben, das unsere soziolistlsche Gesinnung von uns s ordert, sowohl in rein äußerer, materieller wie in geistiger Hinsicht. Wir haben als sozialistische Arbeiterjugend unsere Pslichten und Ausgaben erkannt.... Kurz vor dem dichten, schwarzen Walde machen wir Halt. Uns war, als dürsten wir hier nickst mit harten Schuhen weilergehe», als würden wir allen Schlaf stören. Schwarz war die Nacht, schwärzer noch war es im Walde drin. Der Fried« der Natur beklemmte uns wie ein sündiges Gewissen. Ruhig gingen wir wetter und waren bald am End« des schönen Waldweges. Beim Schein einer Toschenlampe sahen wir uns aar einem großen, aus Balten und Brettern zusammengefügten Tore stehen. Daß es nachts verschlossen war, war für uns kein Grund. nicht in den ehemalig großherzoglichen Wildpart zu gelangen: Das Tor war rasch überstiegen. Kein Laul.-- Schweigend marschierte unsere kleine Gruppe durch den stillen Herdstwald. Je tieser wir hinein kamen, desto schöner wurde er. Die Buben wußten allerhand zu erzählen von wilden Fahrten, dunklen Wäldern, Wildschweinen, Hirschen und aller- Hand Wildgetier. Trotz aller erhabenen, hohen Gefühle, dl« andächlig in uns wohnten, wichen diese einem kleinen Angstgefühl: wenn»un so ein Wildschwein—---! Die Jungen meickten dies, sie sühllen sich als unsere großen Be- schütze! und machten sich aus Grund dieses Bewußtseins den Spaß, uns zu ängstigen, zumal wir wußten, daß hier einst Wildschweine wäre». So oft wir>in unter dem dürren Laub liegendes Aestlein oder Zweiglein zertraten, wenn ein lustiger Nachtwind durch die dürre» Herbstzweige streiste, zuckten wir zusammen und schauten zur Beruhigung nach der eisernen Spitze des Geers, den jeder Junge mit sich führte. Ja, wir hatten großes„Vertrauen" zu unseren Buben!— Bis wir Mädels uns vor uns selbst schämten, daß wir so ängstlich und sowenig mutig waren, daß uns Jungens so ängst- lich machen konnten.—' Eine große Wiese zog sich im Part hin. diese wieder ward i»� zwei Teile geteilt durch den Herzogsteich. Es war bereits nachisG zwei llhr, als wir uns an den Teich setzten, um etwas zu verzehren, brachen aber bald wieder auf, da uns der Schlaf zu packen drohte. Weiter gings durch des Waldes nächtliche Stille, Die wir nur durch unsere knarrenden Schritte störten. Nach eitler halben Stunde Wegs durch den riesengroßen Park fanden wir wider Grwarten ein ideales Ruheplätzchen schön gebautes Futterhäuschen mit gut riechendem Heu. Nur keinen Zugang fanden wir. Der untere Teil des Häus- chens war aus schmalen Latten, aus denen die Tiere ihr Futter holten. Bald entdeckten wir aber ein kleines Lattentürchen. durch das ein Mensch kaum hindtirch konnte. Dennoch kroch einer durch, arbeitete sich durch das ganze Heu bis oben drauf, zog das Gepäck nach und mir krabbelten mühsam durch die Oefsnung nach oben. Bald störten auch unsere Stimmen nicht mehr die Ruhe der Natur— wir ruhten auch. Als wir wieder erwachten, stand die Sonne hoch am Himmel und jaate unck» heraus. Zu unserem nicht geringen Schrecken sahen wir dicht vor unserem Nachtquartier ein großes Försteranwesen, das wir im Dunkeln nicht gesehen hatten.« I» wenigen Augenblicken hatten wir alles aus dem Heu, alles wieder fchön in Ordnung und verschwanden wieder drin Im Walde. An einem klaren Quetlchen machten wir Halt, wuschen und ersrischt�l uns. Es.war schon Mittag, als wir weitergingen.— Sonnlag wars, ein warmer, sonniger Herbstsonntag— fern Mensch wett und brcit—, nur wir Jungen, voll F ende. Glauben und Liebe zur allmächtigen Mutter Natur. MariaDingeldei ti."1 Wir fthreiten in öer Sternennacht l Wir saßen im Tanzsaal. Wolken von Tabaksqualm stiegen zur Decke empor, ballten sich um die Kronleuchter, hüllten die Bühne oroben in undurchsichtigen Dunst. Da hielten wir's nicht länger aus. Hinaus zogen wir, durch dunklen Straßen, hinaus, und wurden sroh. Schreiten weckte Gesang. Droben am Himmel standen die Stern«. Millionen aber Millionen leuchtende Punkte, weit, weit fort, auf ewigen Bahnen durch den unendlichen Weltenraum eilend, gelenkt von den unbe> kannten Kraft«! der Natur. Still wurden wir, wanderten schweigend. Die Pappeln an�er Lgndstraße ragten schwarz in den Himmel empor. Auf einen großen, freien Platz machten wir halt. Wir standen im Kreise, Burschen und Mädel, mit verschlungenen Händen, ein» im Fühlen, Feierliche, zukunftsfrohe Worte wurden gesprochen. Dann ertönte in der Ferne Trommeln und Pfeifen. Der Rückschritt marschierte auf. Da klang es bei uns auk:„— Wenn wir schreiten.— Seit an Seit!'' Stumm zogen wir zurück zur Stadt. Trunkene stolperten grölend durch die stillen Straßen, er- wachten vielleicht anderen Tages in der Gosse. Wir fühlten die starke Berantwortung die wir übernahmen mit Unserem Lied:„Mit uns ist die reue Zeit.' Ja! Wir wollen die Wegbereiter einer neuen, besseren Zeit sein. Karl Birnbaum. Die Arbeiterjugend gegen kommunistische Manöver. Die Vcrbandsleitung der deutschen sozialistischen Arbeiterjugend hat den Vorschlag der kom.nunistischen Jugend, Arbeiterjugenddele- gationen nach Sowjetrußland zu entsenden, durch die Annahm« fol- icnder Resolution beantwortet: „Der Hauptvorstand warnt die Mitgliedschaft vor dem neuen kommunistischen Manöver, Jungarbeiterdelegationen nach Rußland zu entsenden. Der Verbandsvorstand wird in Ueberein- ftlminung niit der Leitung der Sozialistischen Jugendinternational« dem kommunistischen Vorgehen entgegentreten. Die Mitgliedschaft wird aufgefordert sich von allen tommu- nistische» Jungarbeiterkonferenze», Sammlungen und anderen Ver- . instaltungen, die der Propaganda der Jungarbeiterdelegation . dienen, fernzuhalten und jede Teilnahme an derartigen Delega- twnen abzulehnen. Wer diesem Beschluß zuwiderhandelt, stellt sich außerhalb unserer Organisation." Die Sozialistische Jugendinternationale, die ebenfalls aufgefor- dert worden ist, eine Delegation zu entsenden, hat den Kommunisten als Bedingungen für die Annahme der Einladung mitgeteilt: A. Die Kommunistische Jugendinternational« und die ihr an- geschkvssenen Sektionen erklären sich vorbehaltlos damit einver- standen, daß Rußlanddelegatione» nur in völliger Uebereinstim- mung mit den Zentralen unserer sozialistischen Jugendoerbände des betr. Landes zusammengesetzt werden. All« Moßnabmen der ' Propaganda und Vorbereitung für diese Delegationen erfolgen nur in völliger llebereinstimmung mit der Leitung unserer betr. Lan- deoorganisation. 2. Die Sozialistische Jugendinternationale ist bereit, eine Dele- gation nach Sowsetrußland zu entsenden, wenn folgende Bedin- gungen erfüllt werden: ») die Leitung der Sozialistischen Jugendinternational« be- stimmt die Mitglieder der Delegation: b) die Leitung der Sozialistischen Jugendinternational« be- stimmt die Dolmetscher der Delegation:; c) die Delegation der Sozialistischen Iugendinternational« bestimmt Ihre Retseroute und ihren Arbeitsplan während ihre» Aufenthalts in Sowsetrußland selbst. Sie erhält die Zustcherung dar vollkommenen persönlichen Freiheit ihrer t' Mktglieder während ihres Aufenthalts In Sowsetrußland. Al» selbstoerstifndllch betrachten wir«», daß den Mitgliedern der Delegation da» Recht gewährt wird," mit den in Sowjetrußland gefangen gehaltenen Mitgliedern der unserer So- zialistischen Juaendinternationale angeschlossenen russischen sozio- ilsttschcn Jugendverbände persönliche Fühlung zu nehmen:■ d) die Berichterstattung über die Ergebnisse r>er Reise obliegt allein der Delegation." Man darf gespannt sei», was die Kommunisten auf diese ein- deutigen und klaren Vorschläge antworten werden. Dreitausend Deutsche nach Amsterdam. Hauptvorstand und Bezirksleiter des Verbandes der Sozialist!- ichen Arbeiterjagend Deutschlands haben auf der Mitte Oktober im Friedrich-Ebert-Heim auf Tännich abgehaltenen Bezirksleiteraus- spräche auch zur deutschen Delegation zum internationalen Jugendtag in Amsterdam Stellung genommen und beschlos- fen, eine Delegation von 30X1 Jugendl'chcn nach Amsterdam zu or- jpnisiolen. Diese Zahl wurde unter den einzelnen Bezirksverbänden aufgeteilt, so daß jetzt jede Bezirksorganisation daran gehen kann, ihre Gruppe zujammenzustelleu. Bis 31. März 1926 müssen dem Haupt- corstand die namentlichen Teiinelii-ierlisteu r rü der Festbeil' ag von 40 M. eingereicht sein, Die Festsetzung der Teilnehmerzahl auf Mist war aus technischen Gründen notwendig. Eine größere Beteiligung hätte die Durchfüh- rung'der Organisation zu sehr erschwert. Da bei d'.iser Teilnehmer« zahl aber längst nicht alle Anmeldunaen zur Anisterdamer Reise be« sriedigt werden können, ist weiter beschlossen worden, daß zu Psing« sten 1926 im ganzen Verband Landes, und Bezirksjugendtage statt« sinden, die als Paralleloeranstaltungen zu dem großen Jnternatio« nalen Jugendtag in Amsterdam aufgezogen werden. Die Teilnehinerbeiträge der deutschen Delegation sind so bemcsse» worden, daß der deutsche Verband in die Lage versetzt wird, dem Internationalen Sekretariat eine Summe von mindestens rund 5000 Mark zur Unterstützung der Verbände der Internationale zur Vev- sügung zu stellen, ole au» eigener Kraft keine größere Delegation entsenden können. Zugendschuhsragen in Gens. Der'Weltkongreß für da» Kind in Gens beschäftigte sich eingehend mit dem Schutz de» Kinde» während der Uebergangszeit nach der Schulentlassung. Die bezüg« lichen Leitsätze lauten: 1. Das Kind bedarf eines besonderen Schutzes nach dem Au»« tritt aus der Schule. Eine sorgfältige Berufsberatung wird die Aufmerksamkeit der Eltern und Kinder auf die Berufe lenken, wo die Jugendlichen am Platz sind, die beste Arbeit leisten und sich selbst eine günstige Lebenslage sichern können. 2. Um die Berussberatung wirksam zu gestalten, ist«» erforderlich, daß sie sich auf dos Kind, die Familie, die Schul», die Aerzte und Psychologen, die Berufsorganisationen und dl« Arbeitsvermittlungen stützt. 3. Der Schutz des Kindes nach der Berufsberatung wird am zweckmäßigsten durch solche Einrichtungen ausgeübt werden, die es gewährleisten, daß Lehrherr, Lehrling, Eltern und Oessentllch- kett ihre Pflicht erfüllen, was zur erfolgreichen Erfüllung de» gewählten Berufes notwendig ist. Von diesen Einrichtungen ver» dienen besonder« Förderung: Ein System von Präniien an be« dürstige Eltern, der Pslichtbesuch von Fortbildungsschulen und Prüfungen.» 4. Die ärztlich« Ueberaiachung der Jugendlichen nach dem Schulaustritt bis zum achtzehnten Lebensjahr soll ebenso sicher« gestellt werden wie die ärztliche Fürsorg« für schulpflichtig» Kinder. 5. Die Regelung der Arbeitszeit und des Urlaube» für Jugendliche soll den besonderen körperlichen und geistigen Anforderungen dieser Altersschichten angepaßt werden. Im. Verwaltungsrat des Internationalen Arbeits« a m t e s wurde seitens des Arbeiterdelegierten Merten» folgende Resolution eingebracht: „Nachdem' die Frage des Lehrlingswesens und des beruflichen und fachlichen Unterrichts von ungemeiner Widstirjkeit für die gut« und intensive Weltproduktion ist, serner der Friedensvertrag im Slbichnitt XVIII erklärt, daß die Verbesserung der Arbeitsverhält« niste dringend fei und durch eine Reihe von Maßnahmen, unter anderem Orgavisierung des beruflichen und fachlichen Unterricht» und ähnliche Vorkehrungen angebahnt werden müsse, weiter der Wortlaut des Friedensvertrages cine vollkommene Reform des Lehr- lingswesens und des beruflichen wie fachlichen Unterrichts verlangt, damit die jugendlichen Arbeitskräfte die unerläßlichen beruflichen Fähigkeiten im vervollkommnete» Grade erlangen können, stellt dl« siebente Sitzung der internationalen Konferenz der Arbeit dem Ver«- waltungsrat anHeim» das Internationale Arbeitsamt mit den vor« bereitenden Arbeiten und de» nötigen Erhebungen, die für ein« Be« fprechung dieses Problems nötig erscheinen, zu beaustragen und dies« auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen der internatio- nalen Arbeitskonferenz zu setzen." Terror In Ungarn. Der ungarische Iugendverband hat der Internationale mitgeteilt, daß die arbeitende Jugend Ungarn» seit Monaten unter dem verschärften Terror der reaktionären ungarischen Regierung leidet. Die Regierung Hot im August dieses Jahres da» einzige sozialistische Jugendblatt..Jsjumunkas"(Der junge Arbeiter). verboten, so daß jetzt der Organisation jede Möglichkeit fehlt, ein« systematische Bildungsarbeit zu leisten. Als Motiv für da» Verbot wurde angegeben, daß die Zeitschrift durch ihre„auswiegelnden" Artikel die Jugendlichen gegen ihre Arbeitgeber aufhetze und sie parteipolitisch beeinflusse. Das Sekretariat der Sozialistischen Jugcnd-Jnternationale hat an die ungarische Organisation ein Schreiben gerichtet, in dem zum Ausdruck gebracht wird, daß die ungarische Jugend in ihrem Kampf gegen den Terror auf die Sympathien der gesamten soziaklstischen Welt rechnen könne. Gleichzeitig hat das Sekretariat den Verband um eingehende Berichterstattung über die Vorgänge In den letzten Monaten ersucht, damit das Material dem Bureau in seiner nächsten Sitzung zur Kenntnisnähme und zur Beschlußfassung über eventuell mögliche weitere Maßnahmen umerbreitet werden kann._> Aus der evangelischen Bewegung.' D-r Reichsverband der Evangelischen Jungmiinnerbiindnisi�k der zu Piingstc» dieses Jahre» auf seiner Reichstagring in Hannover 7000 Jugendliche vereinigte, whlt, wie in Hannover mitgeteilt wurde, etwa 200 000 Mitglieder. Die Verbandszeitschriften erreichen eine Auslage von über 100000. Die internationale Organisation der evangelischen Jvoendoerbünde umfaßt Ich Millionen Mitglieder. Borsitzender de» Aeltkomitee» der christlichen Jungniäiuierocreine ist ei» Chinese.