Mend-Vorwaris Nr. 1» Beilage zum Vorwärts 25. Dezember 7»25 Wilhelm Liebknecht an öie �ugenö. & L Am Jahr« 1808 saß Wilhelm Lt«b lnecht. der greis« Vorlämpfer der sozialistischen Bewegung, wieder«lnmal im Be» sängni». in da, ihn die preußische Dreiklassen-Iustiz gesteckt hatte. Damal» schrieb der ZweiundsiebzigjShrige in da, Gästebuch der ihm befreundeten Familie Neustätter für die klein» Tochter Elli ein« ..golden« üebensregel' ein. dt« un» in dtesen Tagen zur Aeimtnt» gebracht und von der Besitzerin de» Buche«, Eilt Neustätter, zum ilbdruck überlassen wurde. Die„goldene Lebensregel". die Wil- Helm Liebknecht fand und weitergab, ist wert, auch heut« noch von allen Menschen, vorzugsweise aber von der Äugend, beherzigt zu werden. Ei« ist kurz In die Wort« gefaßt: Handle, sei tätig, auch tm tletneni C» kommt nicht nur darauf an, «in g r o ß«» Z t« l vor sich zu sehen: wichtiger ist die Tat im einzelnen, der Schritt auf dem Wege, der zum Ziele führen soll. Wer kennt nicht die Problem- sucher und Problemwälzer, dl« vor lauter Betrachtungen über fem» Möglichkeiten versäumen, den Fuß zu heben und zu senken. Die gebannt blicken auf Zutunftsdinge und darob dl« für die Gegenwart notwendig« Entscheidung vergessen. Sin Mahnwort zu Ent- schlußkrast liegt in dieser„gol- denen Lebensregel' beschlossen. Deshalb glauben wir, unseren jungen Freunden einen Dienst zu erweisen, wenn wir dt» Niederschrift Wilhelm Lieb- knechl» au, dem Gästebuch au»- groben und st« der breiteren Oeffentlichteit mitteilen. Wa» der.Alte', wie Wilhelm Lieb- knecht in der Partei allgemein genannt wurde, einer einzelnen kleinen Freundin schrieb, ist für alle wertvoll. Diejenigen aber, dl» schon einige» von dem.Alten' gelesen haben, werden sich freuen, auch die charakteristischen Schrift- züge Wilhelm Liebknecht» kennenzulernen. Deshalb haben wir dl« erste Seit« der„goldenen Lebensregel' photographisch wiedergeben (faksimilieren) lasten und sehen sie mitten in diesen Text. Eine golüene Lebensregel find« ich in einem englischen Scherzgedicht au» dem vorigen Jahrhundert: Gil» pin's Ride to London. Einem Wanderer, der auf der Straße nach London den Weg erfragen will, wird die Antwort: ..One koat up and tlie othcr koot down, That's the waV to London Town—** Zu deutsch: Den einen Fuß auf, und nieder den andern, So wirst du sicher nach London wandern.' One koot up and the other koot down— wie einfach! Und ein jeder— und eine jede— kann das. Und in diesem glatt Einfachen, das ein jeder kann, liegt der Erfolg, liegt da» "SX-y v 'V« /Ve 9»» /"'/'Xw för ft~C, 2� "tr �.(rfrl;,-V Gelingen. Wieviele Hunderte von jungen Leuten Hab« ich zugrunde gehen sehen, weil fie nicht ono koot op and th« other koot down setzen wollten oder tonnten, bi» sie am Ziel waren. Die Klippe, an der die Jugend so leicht scheitert, ist die Unfähigkeit, ein Ziel fest im Auge zu halten und auf dem Weg zu ihm hübsch«inen Fuß vor den anderen zu setzen. Statt Unfähigkeit sollt« ich sagen: die Abneigung. Dt« Jugend wechselt gern, da» Neue lockt sie, der Weg zum Ziel wird langweilig, und dem ersten besten Irrlicht, da» irgendwo auftaucht, wird nachgelaufen. Kein gefährlicheres Wort, als das de» römischen Dich- ters: in großen Dingen genügt schon der— Wille. Nein, nein! Im kleinen gehandelt zu haben, ist weit mehr al, im großen g« w o l l t zu haben. Großes wollen und nicht handeln, nicht arbeiten, da» ist das Genie der Faulheit. das seinen Träger ins sichere Verderben führt und nur von Dummköpfen bewundert werden kann. Alle Menschen, die Großes und Gutes ge- leistet haben, hatten da» Geni« de» Fleißes. Fleiß allein ist nicht Genie. gewiß. Aber Genie ohne Fleiß ist Nicht», und Fleiß ohne Genie ist Vieles. Und wenn wir di« ungeheure Summe der /iy«6»y w i. 0�1 Arbeit betrachten, die in unser«? Kultur(das Wort nicht im Sinn« der modischen Mordkultur genommen) steckt, so werden wir finden, daß da», was dem Genie einzelner zu danken ist, im Nicht» zusammenschrumpft neben dem, was der Fleiß ohne Geni« geschaffen hat.! Da» Begonnene vollenden, auf dem Weg« zum Ziel nie stehen bleiben, stet» einen Fuß vor den anderen setzen, so„geistlos' das auch sein mag— nicht ruhen und rasten, bi» da» Ziel erreicht, die Aufgabe gelöst ist— da» ist das Geheimnis des Erfolges. Das bringt den Erfolg in neunundneunzig von hundert Aufgaben, die da» Leben stellt: und wer die neunundneunzig Aufgaben gelöst hat, wird auch an der hundertsten nicht scheitern, die mehr erfrischt, al» daß ein Fuß vor den anderen gesetzt wird. Jedenfalls wäre es sehr zweckmäßig, wenn junge Leut« sich vor ihr Bett, so daß jeden Morgen ihr Auge darauf fällt, den englischen Knittelvers an die Wand schrieben: „One koot up and tiie other koot down, That's the way to London Town." 21. Februar 1898. W. Liebknecht. Me Sozsaliften. Heut« ist Sonntag. Der erste Schnee fällt. Abend ist's. Der Himmel ist mit Wolken dkdeckt. so daß nicht einmal der Abcndstern auf die Erde blicken kann. An solchen Abenden treibt es mich hinaus. Sind Erinnerungen an die Jugendzeit daran schuld? An Schneeballschlachten? Und ist nicht frisch gefallener Schnee am schönsten, wenn die Gaslaternen die Flocken von neuem aufglitzern lassen? Frisch und g, unter stapfe ich durch den knirschenden Schnee. Die dichten Flocken weht mir der Nord ins Gesicht, so daß ich oft für«ine Sekunde die Augen Ichließen muß. Da ein Zusammenproll mit einem anderen Mann. Ein De- tannter. Wir beide haben nur das eine Gemeinsame: Unsere beiden „Söhne" gehen in die gleiche Klasse. Wir gehen zusammen den gleichen Weg. Bald sind wir am Hause des Bekannten angelangt. Ein angesangencs Gespräch läßt den Wunsch auskommen, die Aussprache fortzusetzen. Die Einladung, in die Wohnung mitzukommen, nehme ich gerne an. Bier Stiegen werden erklettert. Die Frau, der Junge empfangen uns. In der sauberen Wohnung sitzen aber noch vier Menschen. Ein Gerichtssekretär nebst Frau, die Schwester des Bekannten(Typ: deutscher Beamter, alte Schule!), und«in liebes, munteres altes Ehepaar mit jungen, leuchtenden Augen: die Ellern der Frau meines Weggenossen. Nach gegenseitigem Sichoorstellen und ansang» zögerndem Ge- loräch werden wir in politischem Disput lebhafter. Ich katalogisiere: Der Gerichtssekretar: gedankenloser, dafür desto Phrasen- reicherer Nationalist, Kricgsfreund, Heimkrieger! Der jugendliche Alte: Mindest linksstehender Demokrat!.Die drei Frauen und mein Weggenosse: Unbestimmt. Vorläufig nur Zuhörer. Ich spreche von dem Religiösen im Sozialismus. Bon der Liebe zum Nächsten. Gegen den Krieg Da unterbricht mich der Alte: »Ich bin Sozialdemokrat. Schon während des Sozialisten- gefetzes war ich Mitglied der Parteil" Und nun begann der Alte zu erzählen: von der Agitation wäh- rend des Zuchthausgesetzes, von den Schikanen der Polizei und der Arbeitgeber. Er schloß:»Und heute noch muß Ich in der Fabrik orbesten. Könnte schon längst Aufseher, Meister sein, wenn ich mich nicht mit sedem meiner Kollegen solidarisch fühlen würde. Denn— Sie müssen wissen— Meister sein in unserer Fabrik Ist gleich- bedeutend mit„anschwärzen" können. Als mir der Direktor schon vor langen Jahren«inen Meisterposten antrug, Hobe ich ihm offen in» Gestcht gesagt: Nein! Ich kann meine Kollegen nicht anschwärzen, denn es sind Klaisengenossen von mir. Ich will kein Angeber sein! Ich will nicht mehr und nicht weniger sein, als ein einfacher Prolet!" Nach einer kurzen Pause meinte er:„Man muß seiner UeberAeugung treu bleiben und ihr zu lieb auf materielle Borteile verzichten können!" * Als ich an diesein Sonntagabend ollein durch den Schnee heim- wärts ging, dachte ich über diesen Abend voll Andacht ernstlich nach. Ich sagte vor mich hin: „JIst dieser opferbereite alte Genosse nicht den großen Märtyrern vergleichbar, die sich im Dienste ihrer Ideale aufopferten? Wo wären wir heute ohne den Opfer- und Bekennermut unserer Eiroßen Vorkämpfer und den vielen namenlosen Streitern in den iebziger und achtziger Iahren des letzten Jahrhunderts? Hätten lie kaufmännischen Angestellten die Sonntagsruhe, Arbeiter und An- gestellte den Achtstundentag? Wären sie nicht noch mehr gepeinigt« Sklaven des Kapitals, als sie es ohnehin noch sind? Was würde man ihnen nicht alles an Erniedrigung zumuten, wenn wir keine Arbeiterpartei und keine freien Gewerkschaften hätten? Denkt doch nur an die furchtbare Zeit der Inflatiost, wo die Benreter der Gewerkschaften Woche für Woche die Löhne einiger. maßen der Entwertung anzupassen versuchten! Wo wäret ihr, Arbeiter, mit euren Frauen und Kindern geblieben, wenn man euch am Monatsende den Lohn in der gleichen Papicrmark gezahlt hq.te, wie er am Monatsersten vereinbart war, trotzdem die Mark oom Ersten bis zum Letzten um das Hundert- und Mehrsache an Kauf- krast verloren? Ich weiß aus der Geschichte, daß diese alten Sozialisten da» historische, unauslöschliche Verdienst haben, daß die Arbeitszeit und Arbeltsbedingungen um manches besser geworden sind, daß die Macht des organisierten Arbeiters heute vom schlimmsten Scharfmacher in Rechnung gestellt wird. Ich weiß auch, daß wir erst am Anfang der Befreiung der Arbeiterklasse sind, weiß, daß es noch unmenschlich viel zu arbeiten. jju werben gibt, um die große, unbesiegbare Phalanx der gesamten Arbeiterschaft aufzustellen, an der die wenigen Tnistmagnaten und Lankaktionäre zerschellen werden. Folgen wir alle dem Beispiel des jugendlichen alten Genossen, der da sagte:„Man muß seiner Ueberzeugung treu bleiben"� ihr zulieb aus materielle Vorteile verzichten können!" Dann werden wir das Tempo der Entwicklung zum sozialistischen Staate um ein Gewaltiges beschleunigen. # Für unsere Jugend aber werde dieser Ausspruch des liebens» werten alten Kämpfers unumstößlicher Grundsatz! Fünfzigtausend alle Generalfeldmarschälle, zehn Millionen Leut- nants wiegen vom Standpunkt wahrer K»lwr und echter Menschlichkeit aus nicht einen solchen alten sozialistischen Kämpfer aus! Darum, liebe Iugendgenossen, ehret mir die ölten Kämpfer des Proletariats! Seid dankbar für Ihren Kampf Im Interesse der Enterbte»! Dank bezeuge», heißt nachahmen! Werdet opferbereite Kämpfer, wie fie es waren! • Auf meinem Nachhauseweg in dieser Winternam habe ich still für mich dem alten, wackeren Genossen von Herzen gedankt für die Worte eines wahren Sozialisten. Auch der lieben alten Genossin! Denn ihre klugen, lustigen Lugen strahlten vor heller Freude, als sie mich mit ihrem Lebenskameraden so eifrig über dos Ideal, die hohe, höchste Religion absoluter Gemeinschaft, über den Sozialis- mus, diskutieren hörte. Von ihr weiß ich, daß sie nicht nach spieß- bürgerlicher Weiberart den Kopf hängen ließ, ihre Augen mit Tränen füllte, wenn ihr Mann wegen seiner sozialistischen Gesinnung aus- gesperrt, au» der Werkstätt« oerjagt wurde und Schmalhans Küchenmeister war. Nein! Dann lachten ihre Augen vielleicht noch leuchtender, klarer, heller, als wenn sie damit lagen wollte:.Wir lassen uns n i ch t k l e i n k r i e g e n!" Ihr Jugendgenostimien! Auch euch empfehle ich diese liebe, tapfere Genoffin ols Beispiel, wenn ihr einst Gattinnen, Mütter seid! Werdet mir um Himmelswillen keine Kopfhängerinnen. Werdet Mit- kämpferinncn! 1 Und ich weiß, es sind und waren Hunderte, dann Taufende, die uns besonders unter dem Sozialistengesetz solche Beispiele gaben, ohne aus Dankbarkeit, aus Anerkennung zu rechnen. Es war ihnen Dank und Anerkennung genug, einer heiligen Sache dienstbar sein zu können. Laßt mich daher diese wenigen Zeilen ollen.lebenden und toten unbekannten Soldaten" des Sozialismus widmen, die still und opferbereit Vorkämpfer, Wegbereiter waren! Max Eck-Troll. Neue?ugenö, neuer Heist.- Jugend von heut« hat von dem, was wir selbst einst köstlichen Morgenbesttz des Lebens nannten, das eine Große voraus: früheres Anrecht, früheren und stärkeren Anteil an der Persönlichkeit. Das ist nicht nur Folge geistiger Erneuerung durch edleren verfasiungs- mäßigen Begriff vom Volk, es ist auch natürliche» Ergebnis der Ueberwindung des ollen Geestes und der Ueberfpannung seine« Wesens, di« den eigenen Zusammenbruch beschleunigte. Niemals war ein wachsendes Geschlecht zu so raschem und starkem Reifen gezwungen wie die Jugend von heut«, die Kind- heit von gestern war— einem Gestern von unbarmherzigem Zwange zur Selbsterziehung, zur Schulung jugendlichen Empfin- dens an Erscheinung und Maß ungeheuerlichen Weltgeschehens. Es ist schwer für uns, die wir in anderer, w weit kleinerer und stillerer Zelt Werdende waren, di« ersten Eindrücke auf das Bewußtsein, die ersten Offenbarungen an den erkennenden Sinn der Werdenden des Krieges nachzuleben. Da» Gewordene aber ist etwas so ausgesprochene? Neues und Selbständiges, daß wir dar- aus die Entwicklung zurückverfolgen können. Wer immer in der Jugendbewegung Umschau hält, der nimmt als Ausfälligstes die starke Einstellung auf dos Gemütsmäßlge wahr. Aus diesem heraus wuchs der Sinn für Gemeinschaft und Aus- gesprochenheit äußerer Formen des Zusammenhaltens— Folgen der Kriegseinwirkung auf das kindliche Gemütsleben, Rückwirkun- gen der Freudlosigkeit und Entbehrungen der Kriegsjahre, die den Willen zum Leben, zum Nachholen des Versäumten lebhast und farbenfreudig steigern mußten. Hierin liegt ober auch der Grund zu den vtelseitigen Irrwegen nicht sozialistischer Jugend: Ge« sühlszwang zur Gemeinschaft In leere und schädliche Bahnen ge- lenkt, läßt den Krieg als Spielerei nachhinken. Jugend von heute ist früh gereist, früh erwachsen geworden. Wir staunen oft, wenn wir den Maßstab unserer eigenen Jugend anlegen, über die Selbständigkeit des einfachsten und schlichtesten Arbeiterjungen. Diese Selbständigkeit fällt besonders erfreulich gegenüber bürgerlicher Schuljugend auf, die, verschont vom Schlimmsten de» Krieges und nicht angewiesen aus Selbsterziehung, euch nichts gelernt und in den überwundenen Bahnen des Alten Unfruchtbares übernommen Hot. Diese Jugend dringt nach dein Militarismus, während unsere eigene sich dazu beglückwünscht, daß ihr das Böseste erspart bleibt, was am Volksleben zerren kann. Aber freilich: bürgerliche Jugend sah im militärischen Spiel den Weg zum Herrentum, während es der Arbeiterjugend Niederhalten des'Lebensrechts bedeutete. Arbeiterjugend— im weiten Sinne genommen— hat sich nicht nur vom Feldwebel freigemacht, sondern auch vom Obe�' lehrer, der sie nur den Krieg verlieren und. als ein endgültig Ge- fallener und Begrabener, den Frieden zu gewinnen half. Wohin wir auch tn unseren eigenen Reihen sehen, gleichviel, ob es sich um Betätigung auf dem Gebiete des Staatsrechtlichen und des wirtschaftlichen Freiheitsringens handelt, oder ob jugend- liche Kraft sich dein Sport, jugendliche Geistesfreude sich_ dem Lernen und Wissen zuwendet: überall tritt das Gemüt, das Fühlen, das Temperament als Grundlage von ganz besonderem Wert und Reiz des Neuen In Erscheinung. Und dabei wollen wir es uns gar nicht verhehlen: Jugendbewegung ist der Vorkriegszeit gegen- nber ein ungleich stärkerer Teil des Gesomtorganismus sreihelt- liehen Kämpfens und Erfüllens geworden, ja, eines Eifüllens. da� Echtheit des Lebens aus natürlichem Drängen mit dem vereint, was wir Kunst zu nennen pflegen. Jugend von heute hat Kultur und weiß sie zu verbreiten. Unserem Jungvolk sitzt die Musik, Sang und Reigen in den frischen Gliedern, die wirklich nicht erst militärischer Folter unter- warfen werden müssen. Niemals hörten wir in früheren Zeiten Rhythmus und Weise so unmittelbar aus Lebendigem hervor- brechen, nie vernahmen wir so sehr Einheitlichkeit und Einheit in Stimmen und Sangesgeist— mag es ein Marschlied sein oder mögen Marseillaise und Internationale machtvoll aussteigen. Diese Jugend lebensvoller Gestaltung und Berechnung des Augenblicks wandelt feuriges und freudig gettagenes Marschieren in Stille und lauschen andachtsvoller Ergebung, wenn zu ihr im geschlossenen Raum Wort des Dichters oder Weife des erfindenden Musikers dringt. Kein Beifall— aber während vieler Vortragsstunden auch nicht der leiseste Laut. Nichts Gekünsteltes und Gelehrtes. Gefühl' und Verhalten der Natur. Gesichter, die wir früher nicht gekannt. sehr ernst und doch nicht frühreis, Kraft, die sich selbst zu Ge- horsam zwingt. Frühe Bollendung und Erprobung des Gemütslebens, be- schleunigt und gestützt durch höchste Lebens- und Schicksalssteigerung. warf allen Schulglouben über den Hausen und suchte aus sich her- aus Verbindung von Körper und Geist, von enger Zeitumklamme- rung und dem Wertvollen, dos außerhalb und über der Zeit steht. Reicher, vielgestaltiger entwickelt sich proletarische Kunst, aus Sturm und Drang der Revolution kehrt sie zu dem einfach Schlichten, nicht Versuchenden und Tastenden der Dolksempsin- dung und Ausnahmefähigkeit zurück. Einheit und Gemeinschaft nd Losung neuer Kunst, die in Sprechchören bisher ihre stärkste eistung fand, wobei gerade die Jugend von erfolgzwingender Be- deutung war. Aus dem Höhenwege zum freien Volk können wir selbst wieder aar nicht genug Wort und Weise der Kunst unter die Mosie und deren aufnahmefähigste Vorkämpfertruppe, die Jugend, tragen. Kunst will mehr sein als guter Klang und schönes Bild, aber sie will, wenn sie Not der Gegenwart betont und Recht der Zukunft . verheißt, auch nicht zum bloßen Kampf- und Tendenzwerk entarten. Der natürliche Mittler zwischen fernem Ziel und Lebenswirtlich- telt ist die Jugend. Wenden wir uns an sie, suchen wir ihr selbst Empfinden und Weggefühle im Freiheitswandern abzulauschen— wir werden ein mächtiges Schallrohr finden, wir verbürgen uns selbst Unerschöpflichkeit an Gestaltung des Neuen und Wahren. Hat die Arbeiterjugend heute unter den Dichtern als Verleger ftihrende Stellung erlangt, sammelt sich um sie der Kreis der Frei- beitskämpfer des Liedes, so ist das kein Zufall, sondern das An- sprechen folgerichtiger Entwicklung. Je mehr wir der Iugeckd als einer Hüterin der Kunst vertrauen, desto mehr strömt Kraft auf uns selbst zurück. Und wir wissen das«ln» und freuen uns darüber: Jugend- feuer und Stürmergeist ist und bleibt die notwendige Ergänzung zur Mäßigung und Weisheit, die notwendig im polittschen Leben sind und teuer erkauft werden müssen— und langweilig würden, gäbe es nicht eine Jugend von Feuer und Fehlern. Die soll uns Hüterin der Kunst fein, bis sie Empfangenes in Verstärkung der Lebensfrische zurückerstattet. Neidlos werden es die Alten anerkennen— die Welle, die immer aufs neue Gewalt des sozialistischen Ringens und Gestaltens auf Höhen trägt, wird immer Jugend genannt werden. Franz Rothenfelder. flus üem tzamburg-Such.� vor Heinrich Heine. In einer frühen Morgenstunde liefen wir— staunende Betrachter— durch die stolze Mönckebergstraße. Hanseatischer Wille. schöpferische Gestaltungskrast atmet aus den mächigen Bauwerken. hie davon künden, daß nicht nur in unseren Herzen und Hirnen »ine neue Zeit heranreist. Aus einmal standen wir vor dem Denkmal Heinrich Heines. Im Dunkel eines Straßendurchganges steht es, mit Breitern vernagelt. Warum? Dumme, niedrige Narren, in deren Seelen gewiß nicht das ewige Deutschland wohnt, haben es beschmiert. Es half nichts, daß unsere Hamburger Arbetterjugendbündler eines Abends ln spontaner Regung Echeuergeräte schwangen, das Steinbild reinigten und singend schmückten. In gleicher Nacht wiederholt jene feige Bande ihr.Werk". Run brachte die Stadt »inen BretterschlG um das Denkmal an. Wir sahen uns den Kasten an und dachten uns das leidende, spöttische Gesicht dahinter. Sie seiern die tausendjährige.Zugehörig- reit des Rheinlandes zum Reich deutscher Nation. Keiner erinnert sich beim Feiern des Sängers vom Rhein. Man müht sich, Heine zu vergessen. Wir nicht Wir sannen, vor dem Denkmal dies und das. Plötzlich drängte sich uns ein Plan auf.— Sonntag morgen. Eine kleine Jugendfchar, sonst in den Ruhr- bergen daheim, marschiert in festem Schritt zum einsamen Denkmal. Sie trägt einen kleinen, mit rotseidener Schleife gezierten Lorbeer- kränz bei sich. Bus der Straße sehen erstaunte Menschen zu. Aber die Jugendschar selbst kommt ins Verwundern: denn das Denkmal ist schon geschmückt.— Ein grüner Tannenkranz prangt an der Bretterwand. Sie sehen näher zu. Ah. brave Genossen aus dem Horzgebirge, die von der Ruhr grüßen euch brüderlich! ')„Volk von morgen." Der Hamburger Reichsjugendtag der deutschen Arbeiterjugend: von ihr selbst erzählt. Arbeiterjugend- Verlag, Berlin SW. tzt. Preis 2 Mark. Unser Kranz findet auch noch einen Platz Ein weißes Käri- chen befestigen wir darunter. Daraus steht: Des Rheinlandes vergessenem Sohne, dem Sänger der Loreley, dem Künder sozialer Zukunft. Deutsche Arbeiterjugend von Rhein und Ruhr. Ein Lied. Ein Händedruck. Wir gehen davon. Mögt„Jh� auch morgen früh unsere Kränze längst in ein Fleet geworfen haben: Heine, sein Edelstes, hat in unserem Herzen ein Denkmal. Das könnt Ihr nicht beschnneren. Vielleicht hat jetzt hinterm Bretterkasten Heines Gesicht den traurig-sarkastischen Zug verloren. Vielleicht glüht es jugendlich und denkt in stolzem Erinnern: Ich bin das SchwertI Ich bin die Flommel W. H., Bochum. Kleine Bilder. Lasse ist ein reichlich ernährter Schwede. Eine Seele von Mensch, nur etwas unbeweglich und dick, aber sonst voll sprühender Fröhlichkeit. Aber während der drei Tage war er doch limnol sehr aufgeregt. Irgendein überzünftiger Jugendlicher hatte wohl eine Randbemerkung darüber gemacht, daß er nicht so gekleidet war wie die anderen Iugendgäste. Lasse hatte oerstanden und machte feinem Herzen unbeholfen, aber recht deutlich Luft:„lleberzeugung nicht in Büx, aber hier," und dabei trommelte er erregt gegen seine Herz- gcgend. • Meine Frau bat sich ein Kleid gemacht. Ich finde es schön, und das scheint auch bei anderen so zu fein. Sitzt meine Frau in der Bahn, saust plötzlich eine Berliner Jugendgenojsin auf sie zu: „Hast Du abcrn fcheenes Kleid an!" Meine Frau, wohl ein wenig erstaunt gewesen, scheint nichts zu antworten gewußt zu haben. „Hast det selber jemacht?" �Ia." „Wat is det for Stoff? Wollrips?". Allein, Ripsleinen!" „Wat kostet det denn?" „Fünfundzwanzig Mark!" „Na, denn man Frei Heil!" und damit ist die kleine frische Berlinerin schon aus und davon. spioniere• A* Mit Eiser verfolge ich alle großen und kleinen Meldungen aus Kampf und Leben der deutschen und tnternottonalen Jugend- bewegung. Hier glüht noch heilige Begeisterung für neue Gestaltung: hier werden die Kruste gesammelt und herangebildet zur schöpferischen Arbett einer besseren Zukunft: hier wird Lebensfreude gesät und gepflegt: Lebensfreude, die erst froh und frei macht, die den Kops erheben läßt aus dem düsteren Sein der Umwelt, um einen weiteren Blick für die Notwendigkeiten von morgen zu gewähren: Lebens- freude, die überhaupt Vorbedingung jeder Kraftentfaltung ist und bleiben wird. Hier in den Kreisen der Jugendbewegung bricht man mit dein Geiste der Kaiernierung des Lebens und des Kadaver- oehorfams. Airs ihren Reihen wachsen Pioniere der neuen Welt- schöpsung... Blatt um Blatt wendet sich. Ich lese von der Entsaltmig freien Menschenttims, von neuer Gemeinschaft, von solidarischer Talkrastl— Run wieder«ine neue Schrift:„Jung-Sparlacus", Zeitschrist für Arbeiterkinder. Jung-Spartacus, ein kraftvolles Wort. Vor meinen Augen gestaltet sich ein Bild ans der römischen Antik«. Sklaven der römischen Patrizier erheben sich aus dem Dunkel ihre« Kettendaseins, scharen sich zusammen zur gemeinsamen Befreiung aus römischer Knechtschaft. In ihrer Mitte eine kraftvolle Heldengestalt: Spartacus! Dem Gedanken der Sklavenbefreiung zu folgen, ihn auf die henttge Zeit der Rot mit Ihrem Sklavendienst zu übertragen ist Tat. Mit Spannung folgen die Augen den Zeilen... „Wenn ihr im roten Moskau durch die ctraßen geht, dann hört ihr auf einmal Trommelwirbel. Ihr bleibt stehen, ihr dreht euch herum und wartet, was da wohl koinnien wird. Dort kommen sie um die Ecke und marschieren dem Roten Platz zu. Vorne der Tambour, die Trommel fchtstgend. Roch ihm der Fahuenlräger, das rote Banner hoch empor. Dahinter etwa ZO bis 40 Pioniere, frische Jungen und Mädchen. In straffer H-ituna. iin gleichen Takt, schreiten sie in Zweierreihen dahin, alle mit ihren rot»~ Halstüchern und In Ihrer schönen PionierNeidung... Doch dröhnt es von komtnunlstischen Wuhlverjaminlungeu her In meinen Ohren:„Nieder niit/hem Militarismus! Niederl Nieder! Nieder 1"— Ich sehe junge �Arbeiter mit dem Sowjetstern stolz geschmückt:.. Nieder I Niederl Nieder!"... Wieder wenden sich die Sinne dem Blatte zu:.... Im Herbst 1924 waren etwa 250 000(?) Pioniere in Rußland organisiert. Moskau, das in 6 Rayons eingeteilt ist. hatte zu dieser Zeit allein 20 000 Pioniere: es sind In diesen S Rayons 400 Gruppen mit je 50 bis 60 Pionieren im Alter von 10 bis 15 Jahren. Dazu kommen ctzt noch die Oktoberklnder sich Alter von 6 bis �10 Jahren. Sie tragen einen großen roten Ätcrn aus der Brust."— Entsetzliche« Beginnen..., Jugend wird hier vom Beginn ihres Eigenlebens an eingespannt In den Drill eines rein militarifltisch organisierten Systems. Jugend, das elementarste und kraftvollst*- Gegengewicht gegen einen seit Jahr- Hunderten der Menschheit cinveimpste» militaristischen Geist wird hl« von frllhauf ln alte Bohnen der Menschheltsverhetzung geleitet. Jugend, die reinste Flamme der Revolution— nach Karl Liebknechts Worten— wird hier zu Kadavergehorsam, Knechtseligkeit und Menschenmord erzogen?— Man schändet da» Andenken großer Toten und setzt ein pseudorevolutionäres Geschlecht in die Welt, das etnlt an den Feinheiten des menschlichen Zusammenlebens und Zusammenwirken» zugrunde gehen wird, dos den Klippen des Lebens immerdar nur ein militärisches Gebot entgegenzusetzen weiß. Jugend, hier in ihrer heiligsten Entwicklung gehemmt und geschändet, wird dereinst seiner Erzieher fluchen, wird verbittert zur Seit« stehen, wenn neue Lebensgesetze, die zii erkenne« ihm kein Revolutionär lehrt«, die Menschen zu neuer Arbeit zusammenführen.— Pioniere pennt man diese armen Jungen und Mädel. Pionier«?... Auch in deutschen Landen machen.Pioniere' die Welt um stcher.— Schöne» Wanderwetter hatte un» mit unseren Mädeln und Jungen hinausgelockt. Fröhlich schallt« es im Walde vom Jubel wider In die Tiefen des Grün» waren wir untergetaucht, in Tiefen, die fetten eine» Wanderer» Fuß beschritt. Da, Heller Kindergesang... In strammem Marschtritt naht eine Schar Jungen. Hell erschallen Lieder: Lieder, die au» dem Kampf der Arbeiter gegen ihre gesell- fchaftlichen Feinde geboren sind, verklingen In dieser Abgeschiedenheit wie Schall und Rauch. Ein kleiner Knirps munter vorauf schwenkt hoch empor die rote Fahne. Man.demonstriert", demonstriert In auter Selbsterkenntnis an Orten, wo kein Schaden angerichtet wird. Pionierel?... J Die Lebendigkeit unserer Umwelt läßt uns dies düster« Erlebnis einer Jugend, die in klösterlicher Bedrücktheit Lebenslust und Lebensfreude vermissen muß, schnell vergessen.— Wir schreiten vor- wärt» in» Leben hinein. Offene Augen und offen« Herzen sollen immerdar aufnehmen, was da» Leben un» beut, sollen innere Menschenwerte gestalten zu freudvoller Entwicklung, sollen unser« Jugend zu einem reifen Geschlecht heranbilden, da» militaristisch-n Geist und Fetischglauben in die Rumpelkammern der Dergangenhett »«bannen wird. So baut aufgeweckte Proletarierjugend am Bau der Zukunft: Pioniere einer neuen Zeit! al. 7*U0 See Jugend-Internationale. Ein Aufruf für die italienische fugend. Die Sozialistisch« Jugend. Internationale veröffentlicht folgenden Aufruf: »Unser italienischer Bruderverband steht im schwersten Ab- »ehrkampf gegen die Gewaltpolitik Mussolinis. Durch ihre un- «schrockene und unermüdliche Arbeit für die Ideen der inter- nationalen sozialistischen Arbeiterbewegung und für die Wieder- aewlnnung der politischen Freiheit in Italien haben sich unsere Italienischen Genossen schon seit langem da» besonder« Mißfallen de» Italienischen Faschismus zugezogen. Jetzt Ist nun den dauernden Schikanen, dem Verbot der vortrefflichen, unter großen Opfern ge- fchaflenen Zeitschrift.Liberia' die Auflösung der Organisation gefowt. Durch diese Maßnahmen ist jede öffentliche Betätigung für die sozialistische Jugendbewegung in Italien unmöglich gemacht, die Verbindung der Ortsgruppen untereinander auf» äußerst« er- schwert und die persönliche Sicherheit der Funktionär« der De- wegung in hohem Maße gefährdet worden. Das Ziel dies« Maßnahmen ist ofsensschtlich. Mussolini und seine Helfer wollen dem italienischen Sozialismus den Todesstoß versetzen, sede freiheitlich« Regung im italienischen Volk mit den Mitteln der brutalen Gewalt und de» blutigen Terrors unter- drücken. Ebenso klar ist. daß diese» Ziel«ich- erreicht wird. Dl« italienische Jugend und Parteigenossen werden sich nur noch fester ausammenschließen, und wie die Ermordung Matteottl» statt der Stärkung de» Faschismus die moratiich« Isolierung der gegen- wärtigen Machthaber Italiens zur Folge hatte, so wird auch dt« neue Maßnahme nur dazu beitragen, die Mächt« der vpposslion gegen derartige Regieruvqskünste zu stärken. Die italienischen Ge- nassen haben In ihren Mlttellimgen o« dt« Internationale keinen Zweifel darüber gelasse», daß sse auch in der Illegalität den Ideen der Soziallstischen IugenbIntemotlonal« treu bleiben und alle« tun werden, um die sozialistisch« Jugendorganisation Italien» stark und kampfbereit zu«rhauen Die Sozialistische Jugend-Internationale hat den Italienischen Genossen da» Gelöbnis übermittelt, daß st« in ihrem schweren Kampf um die Existenz ihrer Bewegung auf die Solidarität und die herzlichste Sympathie der in um'erer Internationale zusammen- geschlossenen arbeitenden Jugend rech.ien können. Da» Bureau der Sozialistischen Iugend-Internationgl» fordert nun aber die ange- lchlossenen Verbände dringend auf, e» nicht bei ihrer moralischen Unterstützung bewenden zu lassen, sondern den italienischen Genossen auch materielle Hilfe zu gewähren und sofort mit den Ihr geeignet erscheinenden Mitteln eine Hilssaktivn für den Italienischen Bruder- verband einzuleiten und die eingehenden Beträge dem InterNaiio- nalen Sekretariat zur Weitergabe an dl« italienischen Genossen zu übermitteln. Genossen und Genosfinnen! Toer Kampf der italienischen sozialistischen Jugend für Demokratie und Sozialismus Ist ein Kampf von großer internationaler Bedeutun g. Wir haben ihn darum niil ollen uns zur Verfügung stehenden Kräften zu unterstützen. Es 8 ist fetzt, die Idee der international»'« Solidarität der arbeitenden ugend durch die To» zu beweisen, oem Beispiel nachzueifern, da» die italienischen Genosse» gaben, als sie im Jahre 1923 die Hilfsaktion für die deutsche sozialistische Arbeiterjugend unterstützten, obwohl sie damals schon schwer um dl« eigene Existenz ringen mußten. Treue um Treuel Stärker als Mussolinis Gewaltpolitik muß sich die international« Verbundenheit und Solidarität der jungen Generation des Soziallsmus erweisen." m isauBI Nunöschau est DSi js Kongreß der katholischen Zugend-Znternatlonale. Vom IS. bi» 19. September fand in Rom der vierte Internationale Koirgreß der katholischen Jugend statt. E» waren 24 Völker der Wett vertreten. Oesterreich, Belgien, Brasilien, Kanada, Chile, China. Frankreich, Tschechoslowakei, Dänemark, Deutschland, Ingo- slawien. Italien, Spanien, Litauen, Mexiko, Holland. Ber» einigte Staaten von Amerika, Polen. Portugal, Ungarn. Uruguay. Es wurde auf dem Kongreß gesprochen über die polt- tisch« Tätigkeit der katholischen Jugend, über den Kampf gegen den Alkohol und über die Organisation der katholischen Arbeiter« jugend. Zum ersten Referat wurden folgend« Leitsätze angenommen: „1. Die katholischen Jugendbünd« enthalten sich jeder eigent- lichen Politik und weigern sich z. SB., an den Wahlkämpfen der Parteien teilzunehmen. 2. Nichtsdestoweniger vertreten sie entschieden auch in der Politik die katholischen Interessen, wenn e» die Verteidigung und Ausrechterhaltung der Rechte unserer Kirche und der katholischen Moral gilt: si« wenden sich dabei an die Zivilbehörden durch Vitt- schriften, Pröteste oder andere gemeinsam« Kundgebungen. 3. Di« Bünde setzen sich zum Ziel, bei ihren Mitgliedern für ein« staatsbürgerlich« Erziehung Sorg« zu tragen, die sie zu guten Christen und auch ausgezeichneten Staatsbürgern macht.-- Die Teilnahme an der aktiven Politik ist unterschiedlich, je nachdem e» sich um Leiter oder Mitglieder der Bünde handett." Der Kongreß legt« ferner die Satzungen de» Sekretariat» fest. da» In Zukunft„Zentral« der internationalen Kongresse der tatho« tischen Jugend' heißt, um so schon im Namen die Hauptaufgabe de» Zusammenschlusses zu bezeichnen. In den Berichten der katholischen Iugendpresse wird besonder» da» herzliche Verhättnis zwischen den deutschen, französischen und belgischen Delegationen hervorgehoben. Di«„Wacht", die Zeitschrift de» Verband«» der katholischen Jugend- und Iungmännerverein« Deutschlands, sagt am Schluß ihres Berichte«: „Er war von Bedeutung, der Kongreß. Nicht von einer Internationalen, wie die Kongresse des Völkerbundes. Aber viel- leicht war die Gesinnung, mit der alle zusammenarbeiteten, ein« viel lautere und ehrlichere. Und dann die deutsche Jugend auf diesem Kongreß! SlBir freuten uns, einmal die anderen zu sehen und kennenzulernen. Freundschaftsbande wurden fester geschlossen oder neu geknüpft. Vergessen waren Haß und Feindschaft von früher, an denen wir keine Schuld hatten. Wir, das neue Ge- schlecht, wollten ander» sein! Und wie wlr heute über die bestta- tischen Kampsszenen der Römer im Zirkus den Kopf schllttetn, s» muß es auch einstens werden mit unserer Meinung über den Krieg. Und da» war die schönste Frucht de» Kongresses, daß jeder sich Mühe gab und geben wird, den anderen zu verstehen, damit der„Friede Christi im Reich« Chriftt" nicht nur ein schöne» Wort bleibt, sondern zur lebendigen Tat werde. Der nächste internattonale Kongreß soll 1927 in Lourde» statt- finden. Urlaub und Berufsschule. Soweit bisher die werktätige« Jugendlichen Urlaub erhielten, standen sie immer vor der Schwierig- keit, während der Dauer de» Urlaub» auch vom Besuch der Fort- bildungsschul« befreit zu werden, falls der Urlaub nicht in die Aett der Schulferien fiel. Der Ausschuß der deutschen Iugendverbänd« Hot darauf die in Frag« tonuneitden Ministerien der deutschen Länder gebeten, anzuordnen, daß die Lehrling« und jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen für dt« Dauer ihre» Urlaub» vom Unterricht b»- freit werden. Der preußisch« Minister für Handel und Gewerbe hat daraufhin durch einen Erlaß vom 12. August 1S2S(IV 11 948) wie folgt«nt- schieden: „Der Ausschuß der deutschen Iugendverbänd« hat beantragt, Jugendliche während Ihre» Geschästsurlaub» von dem Besuch« der Berufsschulen zu besreien, damit sie mehrtägige Wanderungen oder Reisen unternehemn können. Ich verkenn« nicht die hohe Beden tu i�. die ein« solche Verwendung der Urlaubszeit für die gesundheitlich« Kräftigung und geistige Förderung der Jugendlichen hat. Auf der anderen Seit« ergeben sich erhebliche Störungen für den Schul- bettieb, wenn eine größere Zahl von Schülern avßerhalb der Ferien von dem Schulbesuch befreit wird, zumal, da die Unterrichtszeit be- reits mit Rücksicht auf die Bedürfnisse de» Berusslebens auf 49 Unter- richtswochen jährlich herabgesetzt ist. Es muß daher da, Bestreben sein, den Geschäftsurlaub, soweit ein solcher erteilt wird, möglichst so zu legen, daß er in die Schulserlen fällt. Ich ersuche die Kuratorien der Berussschulen, sich mit der Frage zu befassen und in geeigneter Weise auf die Vertreter des Berufsleben» einzuwirken, daß st« bel der Festsetzung des Urlaub» soweit wie irgend möglich auf die Schul- ferien Rücksicht nehmen. Nur in besonderen Ausnahmefällen, wo au» dringenden Gründen der Urlaub nicht in die Ferien gelegt werden kann und aus gesundheitlichen oder erziehlichen Gründen eine längere Abwesenheit vom Schulorte notwendig Ist, kann eine Befreiung vom Unterricht erfolgen."