Nr. 1 Beilage zum Borwäris 24. Januar 1924 Sozialismus im Mittag. In Berlin gibt es einige Zehntausend arbettslose Jugendliche. Seit Wochen, ja seit Monaten lastet auf diesen jungen Menschen das harte Schicksal, inachtlos der bittersten Not aus- geliefert zu sein. Bestenfalls können sie der elterlichen Wirtschafts- lasse die paar Mark Unterstützung zuführen, die nicht ausreichen, um die Kosten für ein kärgliches Mittagsmahl in den sieben Tagen der Woche zu bestreiten. Die Wirtjchastslnse{ordert aber nicht nur diese materiellen Opfer, sondern sie schlägt der arbeitslosen Jugend auch .tiefe seelische Wunden. In der Ausweglosigkeit und jämmerlichen Dürftigkeit Ihres Daseins zerbrechen Lebensfreudigkeit und Glauben an eine bessere Zukunft. Wenn man die bürgerliche Presse liest, die gerade jetzt in be- wegten Worten das Klagelied von der verwahrlosten Jugend an- stimmt, dann müßte man fürchten der eisige Sturm der großen Wirt- schastskrise nähme uns neben vielem anderen auch die ideale Schwungkraft unserer schafsenden Jugend. Wir könnten es verstehen, wenn es so käme, denn wir empfinden tagtäglich die große Not dieser Jugend. Wir kommen wie sie aus den Hinterhäusern der Proletarierviertel, wir kennen die duinpsen Wohnstätten, in denen sich die Not als ständiger G a st mit an den Tisch setzt und den Mann gegen die Frau, die Mutter gegen die Kinder, den Bruder gegen die Schwester hetzt, weil Liebe und Gemeinschaft hier nicht atmen können. Feindschaft gegen die Gesellschaft und gesellschaftliche Untüchtigkeit sind natürliche Folgen. Aber das ist nicht das wahre Bild des Seelenlebens unserer heuligen Jugend. Da gibt es in Berlin die 10 Ortsgruppen unserer Sozialistischen Arbeiter-Jugend, die jede Woche mehrere Tausend junger Proletarier zusammenführen zu gemein- schaftlicher Arbeit und zu gemeinsamer Freude. Kürzlich diskutiert« eine Gruppe im Osten das Problem des Jugendschutzes. Eine rege Aussprache zeigte die Mißstände in der Gegenwart, behandelte das Problem der sozialistischen Arbeitsordnung. Es war ein heißes Mühen um die Klärung von Fragen, die weit über den persönlichen Jnteresscnkreis des einzelnen hinaus das Schicksal der ganzen Arbeiterschaft und des ganzen Volkes berühren. Die Not des einzel- nen ging unter in dem Leid seiner Klasse, die wirtschaftlich noch immer hörig ist, die persönlichen Wünsche nach einer gesicherten Grundlage des Lebens wandelten sich in den Willen, mit der ganzen Klasse durch die Macht der arbeitenden Massen aufzusteigen aus den Niederungen unseres sozialen Elends. Unklar und unbeholfen waren manchmal die Redewendungen. Aber jeder fühlte sich mit dem anderen ver- bundcn durch eine Gesinnung: Sozialismus. Alle fühlten sich hinein- gezogen in den großen Strom einer bedeutsamen Bewegung, sahen die eigene Not von der höheren Warte des großen Ganzen, sahen trotz allem wieder einen Sinn ihres Lebens: Der sechzehnjährige Malerlehrling, dessen Ausbildung darin besteht, daß er die Farbtöpfe von einer Wohnung in die andere trägt, ebenso wie der achtzehn- zährige Arbeitslose, der jetzt statt mit dem tarifmäßigen Wochcnlohn mit 5,90 Mark Unterstützung nach Hause gehen muß, sie zählen zu denen, die dabei sind, das Leben zu bezwingen, den freien Menschen, die befreite Arbeit in den Mittelpunkt des Geschehens zu stellen. Und die Bewegung wird auf diele Jugend zählen können, denn sie wird nicht untergehen. Der Sozialismus hat ihnen die sittliche Kraft gegeben. » Ende März veranstaltet unser Jugendverband eine Reichs- werbewoche. Die Jüngsten des Proletariats in den Werkstätten sollen für die Bewegung gewonnen, die indifferenten älteren Jugend- lichen ebenfalls in den Bannkreis der sozialistischen Ideen gezogen werden. In den zweitausend Ortsgruppen ist ein eifriges Rüsten. Rcichszentrale und Bezirksleitungen geben Material und An- Weisungen heraus, um die technischen Voraussetzungen für den guten Verlauf der Aktion so weit wie möglich sicherzustellen. Dann aber sind sie am Ende ihres Könnens. Das entscheidende Werk, die Werbung des jungen Menschen, müssen die organisatorischen In- stanzen in die Hände des Lehrlings oder jungen Arbeiters legen, dl» als Funktionär» i» unseren Reihen stehen, und sie werden ihr« Aufgabe erfüllen. All die Namenlosen werden in den nächsten Wochen jede frei» Stunde opfern, werden Zeit und Kraft, den legten Groschen darangeben, um der Sache zu dienen. Sie haben nicht» zu erwarten an persönlichem Vorteil. Niemand wird sie in da» gleißende Licht der öffentlichen Belobigung zerren, wemr ihre Arbeit besonder» erfolgreich war, ihr Name wird nicht durch die Presse gehen, und trotzdem sind alle auf dem Posten. Sie fragen nicht, ob sie nun auch am richtigen Platz stehen, damit sie mit ihrem Können in Erscheinung treten, sondern sie sorgen nur, daß sie an ihrem Platz feststehen, daß sie alles daran geben, ihre Kraft und ihre Be- geisterung, um den Letzten für die Bewegung heranzuholen. lind so wachsen sie olle heraus aus der elterlichen Woh. nung, aus der Kleinheit ihres persönlichen Lebens, hinein in die große Weltbew-egung des Sozialismus! Ais Sinn ihres Lebens offenbart sich ihnen das sozialistische Ideal: Dienst an der Gemeinschaft! Rang und Würde tritt zurück vor der einzig richtigen Wertung dieses Dienstes, vor der Frage nach dem Grad der Hingabe für das Ganze. Und in diesem Geist bilden sich aus den jungen Pionieren unserer Bewegung, still aber ständig, die Charaktere der sozialistischen Bewegung von morgen. Im Geist sehen wir ein höhnisches und ein mitleidiges Lächeln. Die Gegner wollen das Werden dieses neuen sozialistischen Menschens nicht wahr haben, weil sie nicht zugeben können, daß es eine sozialistische Sinnsetzung des Lebens gibt, lind mancher der Alten in der eigenen Bewegung ist müde geworden im harten Kampf der Vergangenheit und hat unter den Enttäuschungen eine» Lebensalters seinen Glauben längst begraben. Wir hören, es sei Jugendart, leidenschaftlich bis zum Fanatismus für eine Sache einzu- treten und jedes Opfer zu bringen, die eigene Not als gering hinzu- nehmen. Das werde alles mit den Jahren anders. Auch der Schwung unserer heutigen Jugend werde zerriebe» werden zwischen den Mühlsteinen der Alltagsarbeit Und frohlockend schließen daraus die Gegner, im Sozialismus stecke keine sittliche Kraft, er sei nur noch Organisation, die Bewegung nur noch eine politische Zweck- gemeinschast. Sie mögen spotten, wir werden dennoch glauben. Wir sehen nicht nur die Hingabe der Jugend, die Trunkenheit sein könnt», sondern wir sehen auch die Alten, die trotz allem»ach einem Menschenalter von Kämpfen und Entbehrungen als gläubige Sozla- listen der Sache dienen. Es gibt in jedem Ort und in jeder Abteilung heute wohl noch den einen odtr anderen dieser wackeren Alten, dl« ihren Dienst tun wie vor mehr als 30 Jahren. Wir nehmen das oft als selbstverständlich hin, aber rnonchmal stehen ihr Werk und ihre Art doch vor uns als ein leuchtendes und ergreifendes Beispiel für die starke sittliche Kraft des Sozialismus. Um nur einen Fall herauszuziehen. Vor einigen Wochen tagte in Aussig der Verbands- tag der deutschen sozialistischen Jugend in der Tschechoslowakei. E» war eine arbeitsreiche und fruchtbare Konferenz. Aber wie ein schwerer Alpdruck lastet auf der deutschen sozialistischen Bewegung dieses Landes die Hoffnungslosigkeit ihres politischen Wirkens. Sie sind nicht nur gehemmt durch die Wirtschaftskrise, sondern sie sind ein Teil der deutschen Minderheit, die der junge tschechische Staat erbarmungslos von jeder Mitarbeit ausschließt und mit Gewalt unter tschechischen Einfluß zu bringen sucht. Auf Jahre hinaus wird der politische Kampf ohne jede Aussicht auf Erfolg geführt werden müssen, und niemand würde es daher überraschen, wenn sich Re- signation und Passivität in der Bewegung ausbreiten könnten, wenn die Alten nun mutlos und ermüdet abtreten würden. Nichts davon. Auf der Konferenz der Jugend war auch der Parteivorsitzende der deutschen Sozialdemokratie in der Ischechoslowakei anwesend. Er sprach in einer Abendseier zur Jugend und wohnte den Verhand- lungen des Derbandstages bis zum Schluß bei. Er griff nicht in dl« Debatten ein. stellte nicht die Autorität seines Alters heraus, sondern beobachtete still den Gang der Beratungen.„Ich will die junge» Leute, die jetzt in die Partei hineinwachsen,»och kennenlernen, möchte einen lebendigen Eindruck von ihnen mit nach Hause nehmen." Und am Abend vorher hat er den Jungen als der Partei von morgen die Ausgabe zugewiesen, das von seiner Generation begonnene Werk zu beenden:«Wir Alte» werden den Sozialismus nicht erleben. Ihr müht die Generation der Vollendung sein." So spricht der grau- haarige Alte von seinem unvollendeten Lebenswerk ohne Erbitterung und ohne Hader mit dem Schicksal. Seit seiner Studentenzeit hat er mit den Proletariern in Reih und Glied gestanden, hat sich wegen seiner sozialistischen Gesinnung einsperren, aber nicht beugen lassen. hat das alte Oesterreich-Ungarn zerbrechen sehen und steh» nun am Spätnachmittag seines Lebens mit seiner Bewegung Im neuen Staat, sast wieder am Ansang des Weges, im Kamps um das Recht aus die «igene Sprache, auf die Selbstverwaltung des Landes, in»inem Kampf ohne Ausficht auf nahen Erfolg. Und trotzdem ist er in seinem Glauben an den Sozialismus nicht wankend geworden. DI» nächsten müssen e« schassen. Tin Menschenleben ist nur eine kleine Etappe in der Geschichte. Im Weltgeschehen, und wir erfüllen st« »echt, wenn wir bis zun« letzten Atemzuge uns selbst und der selbst- gewählten Gemeinschaft der sozialistischen Arbeiterbewegung treu bleiben. Und so kommt der Alte zu den Jungen, um noch da» Bild der Menschheit mit ins Grab zu nehmen, die morgen sein Wert vollenden wollen. Wahrlich, wo gibt e» eine Idee, eine Weltanschauung, die so Sorte Menschen sormt, daß st» sich ganz hingeben können an die >tenschen dieser Welt, nur der Erfüllung ihrer Sehnsucht dienen, und sich nicht für die Stimden des Zweisels die Hintertür an ein besseres Jenseits osfenzulassen: die nichts halten von der schalen Freude einer billigen Essetthascheret, die aber all ihren Glauben und all ihren Idealtsmus hinwenden auf den Menschen, der heute noch oft kleinlich und ärmlich, im Grunde doch sähig Ist zu wahrer Kultur und Wirtschaft. So glauben wir nicht an das Ende vom Tod des Sozialismus, sondern wir gehen getrosten Mutes in den nächsten Wochen hinaus und werben. Werben um die Köpfe und Seelen der jungen Menschen. Wir wollen ihnen Kameraden sein, die in ständigein Bemühen die Last Ihres Lebens zu erleichtern suchen, die aber auch den jungen Proletarier durch die Bewegung de« Sozialismus hin- einstellen wollen in das grohe geistige Ringen der Gegenwart, In dem der Sieg nach unserer festen Ueberzeugnng dennoch dem Soziallsmus zufallen wird. Student und Sozialismus. lb««: Freiheitlich gesinnte Studenten, stolz das schwarzrot- goldene Band auf der Brust, kämpfen Seite an Seite mit den Revolutionären um gemeinsame Ideale:«Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!" Sie waren es, die es verstanden, den Gedanken eines„Groh-Deutfchlands" volkstümlich zu machen, sie waren die eigentlichen Träger des Revolutionsgedankens. IS26: Welch anderes Bild! Zwar tragen noch heute die studentischen Burschenschasten das schwarzrotgoldene Band als Wahr- zeichen ihrer Ideale: aber sind es noch die Männer von 1848, die ihrer freiheitlichen Gesinnung wegen ihr Leben in die Schanz« schlugen; sind es überhaupt solche, die den Anschauungen ihrer Väter treu geblieben waren? Nichts von alledem! Die freiheitlichen Vor- bilder sind vergessen,«in anderer Geist ist an ihre Stelle getreten, »in Geist schärfsten politischen Reaktionärtums. Wodurch und warum diese Wandlung? Sie liegt zum Teil wohl mit im Wandel der Zeit begründet, weiterhin aber auch des- halb, und dies scheint der Kernpunkt zu sein, weil der Student von heute e« nicht mehr versteht, die soziale Gesellschaft so zu würdigen, wie es sein Kommilitone von 1848 verstand, weil er nicht mehr da» Herz de« deutschen Arbeiters versteht sondern ihm fremd gegen- übersteht. Teilweise nur des Studiums halber liest der jung« Student dl« grohen Werk« der sozialistischen Führer, vietteicht bringt er ihnen gor nicht da» Interesse und das Verständnis entgegen, dt« zu einer »ollen Würdigung dieser Arbeiten sühren. voll von den großen Theorien eines Marx, Engels, Lassalle usw. steht er doch der Praxis so weltfremd gegenüber, daß er wohl selten eine Kritik hierzu au» sich selbst heraus bilden kann. Er hört die Kritiken seiner Lehrer, er liest die Kritiken der Lehrbücher, die doch nicht immer dem Können der ersten sozialistischen Führer freundlich oder anerkennend gegenüberstehen. Er übersieht dabei, daß diese Kritiken doch einseitig gefärbt sind, er übersieht ferner, daß der KritWer sich hierbei vom Standpunkt der Wksienschast leiten läßt, ein Standpunkt, der natür- sich von der politischen Meinung des Lehrers nicht ohne Einfluß bleibt. Gerade dies ist ein Punkt von nicht zu unterschätzender Wichtig- keit, der auch bei Marx selbst von großem Einfluß gewesen ist. Wie er überhaupt seine Anschauungen und Theorien au« der Praxi« schöpfte, so diktiert ihm die Rot der Arbeiter die Feder, und durch alle seine Werke zieht sich wie«in roter Faden sein Mitleid mit den Armen und Elenden, was ihm stet» vor Augen geschwebt ho«. Da» ist es nun gerade, was vielen jungen Studenten jehit: ein« tatsächliche Kenntnis der Lage des Arbeiter», und zwar diese so, wie sie tn Wirklichkeit ist, und nicht nur so. wie sich der Arbettsmorkt durch wisienschastliche Betrachtungen und statistische Erhebungen allein ergibt. Hier kann nichts durch Bejchlüsie und Bericht« vom grünen Tisch au» beurteilt werden, hier müssen Männer«Ingretsen, die au» der Praxi» geboren sind. Deshalb ihr jungen Studenten, krankt nicht an einer lieber- schätzung des eigenen Ichs, erhebt euch nicht- über den Arbeiter, ver« geßt nicht, daß ihr noch nichts seid, sondern erst etwas werden wolltl Besaßt euch mit der praktijchen Arbeiterbewegung, sucht da« Herz »ine» Arbeiter» zu erkennen, und ihr werdet mit desierem Menschen- blick und klarer Erkennini» da» zu würdigen wissen, wa» vor euch an sozialer Arbeit geleistet worden ist. Dann werdet Ihr auch den großen Werken der sozialistischen Liteiabir»in regeres Interesse entgegenbringen! E M Das£*btn. Da» Leben ist kein Hontgbro», Sein Marzipan und Kuchen. Die Süßigkeiten auf der welk. Die müssen wir nn» suchen. Zuerst kommt viele Bitternis, Biel Sommer und vedrängnt», Da ist die weil wie«in Berste», Ein Käsig und«vefängnl». Die Arbeit ratter,. die Fabrik Da» Zahr gar viele Stunden. Mr alle sind mli einem Strick An dieses Haus gebunden. wo ist die schöne Zugendzeil? Das Menschlein wird sehr einsam. Rur die Erkenntnis Ihn befreit: wir leiden ja gemeinsami Geineinsam geht der Herzensschlag Aus dieser großen Erde, And einmal kommt wohl auch der Tag, Daß Arbeit Freude werde. Daß nicht mehr Rot und Kummer sei And laut Gelächter schalle. Daß unsere Erde einmal srel Und freudig sei für alle. Da» wissen wir. So treten wir Bor dein Gesicht, du Leben. Wir lieben dich und wollen dir An» ganz zn eigen geben. Mr reichen un» die Bruderhand. Rlchts kann uns mehr bedrücken. Mr bauen nach dem neuen Land Die Bseiler und die Brücken. _ Max San h ct. Gedanken im Vtnterwalö. Froh und frei an Seele und Körper izog» mich hinaus tn den stillen Winterwold. Gigantisch und möchtig wälzten sich riesig« Woltenmossen über den sternenbesäten Nachthimmel, von Zeit zu Zelt fällt da, fahl» Mondltcht aus die Baumlichtung und zeichnet auf den weißen Waldesboden die Schatten der mächtigen Kiefern. Stumm, ergriffen durch den herrlichen Anblick— trete ich langsam—'zagend— fast als hielte mich etwa» zurück— In ein« Lichtung. Mir ist als recken sich vlotzlläz Bäume und Sträucher, aeweckt durch meine Tritte, aus ihrem Winterschlaf und wenden sich dem nächtlichen Besucher zu. In der Ferne schlägt eine alte Turmglocke dumps zehn Uhr. Nacht Ist e«.— Uno indem ich welterschreite, ist»» mir, als rief« der ganze Wald: Zurück, du Eindringling, willst du auch das heiligste der Natur ,erstSren, wie es andere vor dir toten. Vieles wurde durch Ihre Hand sinnlos vernichtet. Doch ich schließe ein Bündnis. Nicht kämpfen, nicht vernichten, ich will nur die Schönheiten dieser Winternacht erleben. Ich ergebe mich, laste meinen Gedanken freien Lauf und kann frei wandern und schauen im nächtlich, winterlichen Walde— dem Dom der Mutter Erde. Sinnend schreite ich ziellos durch die Stille und iühl« mich geborgen. Die Natur Ist doch die wahre Kirche der nach Frei» heit strebenden Menschen. Sie spendet die Krafi, zu kämpfen und zu wirken für ein frekes sonnemimschienenes Leben, auch In der Still« de» winterlichen Waldes, I. D, Internationale Kleinarbeit. Als Sozialistische Arbeiterjugend ist unser« Stellung zur Frage der Jnternatlonale fest umrissen. Wir bejahen die Internationale «us jeden Fall. Flir uns ist es selbstverständlich, dah die Arbeiter aller Länder siir die gemelnsamon Jnteresien auch geniein sain über die Landesgrenzen hinweg eintrcten. Trotzdem, oder vielmehr deswegen, stellen wir die Frage der internationalen Kleinarbeit zur Debatte. Das crsordert einige Erläuterungen. Die Länder der ganzen Welt sind durch wittschastlich« Fäden sest aneinander gekettet. Sie stehen in engen wirtschaftlichen Be- Ziehungen zueinander. Eine Störung dieser Beziehungen bedeutet gleichzeitig«ine Störung in den einzelnen Volkswirtschaften. Wir haben den abschreckendste» Beweis für diese Tatsache in den wirt- schoftllchen Zuständen während des Krieges. Es liegt vor allem im Änteress« der Arbeiter, solche Störungen zu vermeiden. Eine endgültige Lösung der Kriegssrage ist erst möglich In einer Gesellschaft, in der Einzelinteresse und Gesamtinterejs« überein- stimmen, im Soziatisinus. Ihn gilt es als endgültige Lösung zu erstreben. Das soll aber nicht heihen, daß wir unter den gegen- wärtlgen Zuständen den Ereignissen passiv gegenüberstehen sollen. 8m Gegenteil I Wir müssen schon jetzt nach Mitteln suchen, die einer kriegerischen Verwicklung entgegenwirken können. Gerade hier setzt dt« Meinarbeit ein. Wir gehen dabei davon aus, datz ein Krieg nur möglich Ist, wenn die Mehrheit der Bevölkerung, d. h. die Proletarier, ihn trägt. Bisher haben alte Vorurteile gegen die Nachbarvölker, Unkenntnis der Verhältnisse des anderen Landes es den Herrschenden leicht gemacht, die große Masse der Bevölkerung sür einen Krieg zu gewinnen. Es gilt also, diese Vorurteile zu beseitigen und Kenntnis zu bringen von den Verhältnissen in den anderen Ländern. Das kann am besten geschehen durch persönliche Fühlungnahme, der einzelne muß erkennen lerne», daß jenseits der Grenzen gena» so Menschen leben wie im eigenen Land. Es müssen Freundschaftsbande entstehen zwischen den Mitgliedern der verschiedenen Ratio- neu. Nicht Überall kann persönliche Fühlungnahme zustande kom- men. Briesoerkehr kann ihn ersetzen oder ihm vorausgehen. Für uns soll der I u g e n d t a g in Amsterdam zum erstenmal eine solche Fühlungnahme ermöglichen. Viel wird dort erreicht werden. Es ist aber notwendig, daß in so kurzer Zeit entstandene Bande nicht wieder zerreißen: es wäre gut, wenn hier ein Brie'wechsel die angeknüpften Fäden fortspinnen würde. Nach diesen kurzen, durchaus nicht erschöpfende» Darlegungen möchte ich noch darauf hinweisen, daß in Berlin ein kleiner Kreis von Parteigenossen die Frage der Kleinarbeit eingehend behandelt. Er hat sich auch zur Ausgabe gesetzt, eine Lösung der Sprach- schwierigkeiten in Uebersetzungsbureaus zu suchen, wenn genügendes Interesse vorhanden Ist. An diesen Bestrebungen mitzuarbeiten, muh auch Ptlicht der Ingendgenossen sein. Georg Albrecht. Zeste. Maschimn rasjeln, Räder surre», Riemen sausen. Am Schraub- Jock, an der Bohrmaschine, an der Drehbank stehen Arbeiter, seilen, ohren, drehen, nieten, arbeiten an einem Teil einer großen Maschine, eines Autos, kurz, eines Gegenstandes, dessen Konstruktion, desien Aussehen sie oft nicht einmal kennen. Arbeitsteilung, Diife- renzierung, das ist der Enderfolg des Entwicklungsganges der Technik.— Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre hindurch oft immer denselben Griff, den gleichen Schlag oder Druck, dieselbe Monoton«, geisttötende Arbeit. Alle zwei Minuten ein Auto, schreibt Ford, täglich so und so viele Motorpslüoc, Straßenbahn- wagen, sagen andere, und Dritte nennen die in die Taufende gehende Zahl der geschlachteten Ochsen, Schweine und Hammel. Niemand aber schreibt von dem Geist, den diese Arbeit tötet. Der- Mensch ist ein Sklave der Maschine. Wie kann Maschinenarbeit geistanregend, sreudebringrnd werden? Das ist ein Problem.— Sicherlich nicht durch das„Zurück zum Handwerk", wie es von einem Teil der bürgerlichen Jugend propagiert wird. Sicher niemals, indem man sich den Fortschritten der Technik entgegenstellt, sondern nur durch die größtmöglichste Differenzierung aller Arbeiten, aller Produktion, gleich welcher Art. Eine noch größere Arbeitszeitbeschränkung als es heute der Fall ist, wäre dadurch In greiiborc Nähe gerückt und ausreichender Freizeit märe der Gewinn.„Uns fehlt nichts, um so frei zu sein wie die Vögel sind, nur Zeit," heißt es in eineni Gedicht. Doch das ist Zukunftsmusik. Wie könne» wir heute schon Freude in unsere Herzen und Hirne tragen?— Müde gehen jung und alt nach des Tages Mühe und Arbeit heim. Graue Not empfängt sie und doch wollen sie sich freuen, und manche greisen zun, Schundroman statt zum guten Buch, sitzen im Kino und schaue» sich sinnlos zu- sammengcstellte, blöde und seichte Filme an, statt des Lehrsilms, des guten Films, gehen kn die Operetten, um Schlagerzoten und häß- liche Musik mit anzuhören, statt in ein gutes Theater oder eine Oper. Auf dem Tanzboden amüsieren sie sich bei Jozzn iisik, häßlichen Schieber, und Wackeltänzen und beim Gesang gemeiner Lieeer- iexte, bei Alkohol und Tabaksdunst. Und das alles, weil sie nicht unterjcheiden können zwischen gut und schlecht. Kein Fest können sie seiern ohne Zotengesang, ohne erotische Reize, ohne den ihre Hirne verblödenden Alkobol. Das ist das Fest, ein Spiegelbild unserer morschen Kultur, der Erfolg falscher Erziehung»nd'mono-- toner Arbeit. lind doch sind Kräfte am Werte, Vertreter der neuen Menich. heitsidee unserer sozialistischen Weltanschauung, im Bunde mit der vorwärtsstrebenden Arbeiterschaft und ihrer jungen Generation, um Neues zu schaffen, eine neue Festkultur zu bauen, getragen vom Gedanken der Gemeinschaft. Arbeiterdichtung, Voltsniusik und-lied, Sprechchor, Laienspiel und neuer Tairz. das sind jene Dinge, die uns dienen. Freude, Erhebung und Begeisterung, das ist der Sinn unseres Festes. Das sind die Feste, durch die man schon heut« Sonne in das Getriebe der Arbelt bringen kann. Wir als arbeitend« Jugend müssen auf dem Wege zur neuen Fcstkultur vorangehen, wir müssen nach neuen Möglichkeiten des Ausdrucks unserer Sehnsucht, nach neuen Menjchheitsideen siir den Sozialismus suchen. Arbeitsgemeinschaften, Vorträge, Kurse sür dos Hirn der Arbciien- den. Feste für das Gefühl, für die Seele der Schassenden. Karl BIrnbau m. Drei Tage Gemeinschaftsarbeit. Schon während der Tagesstunden hatte der Stnrniwind das Regiment geführt. Nun aber, da das Dunkel der Nacht sich zu ihm gesellte, wurde er noch herrischer. Mit hellem Pfeifen fuhr«r über den Ouenzsee bei Brandenburg und peitschte launisch dessen Wellen, Io daß sie hoch aufsprangen vor Zorn. Doch wen» sie sich dem Ifer nahten, versickerte klatschend ihre Lebenskrast im märkischen Sand. Der Sturm aber sauste davon. In den Kiefernwäldern, die weit und breit de» Boden beleben, wurde lein helles Singen zum dumpfen Brausen. Unwillig beugten sich die Wipfel der Bäum« und ein Zittern lies bis in die knorrige> Stämme der alten Riesen. Schwarzer Rauch, der aus dem Schorustci» eines Hauses, des Land. heims der Arbeiterjugend quoll, sloh demütig in östlicher Richtung. Schneller als sonst zerzaust« der Sturm sein Gewand. Da» Licht einer Oellampe, das die Treppe zum Tagesraum der Jugend be- leuchtete, flackerte in ungewissen Schwingungen und malte tanzend« Schatten aus die Diele» der Beranda. Wir, eine kleine Zahl von Genossen, die der großen Scbar um einige Stunden vorausgefahren waren, hatten die Tische des Tagesrmnnes mit weißen Tüchern belegt und das Zimmer mit harzigen Kiefernzweige» geschmückt. Die weihgestrichcncn Laden wurden vor die angelaufenen Scheiben der Fenster gezogen, und der grüne Kachelofen bekam einige Scheite Holz als Nahrung, so daß bald eine�wohlige Wärme das Zimmer durchwogte.' Als der Sturm uns den Klang frischer Jugendliebe r entgegen trug, brachten wir flugs dampfende Kannen voll duftenden Gc« tränkes auf die weißgedeckten Tische und eilten unleren Genossen entgegen. Lachen, Jodeln, kräftiges Händeschütteln, energisches „Füße abtretenl"— und die angekommene Schar stürzte in die Schlafräume, um sich dort sür drei Tage einzurichten. Nach dem Abendbrot zogen wir in die dunkle Nacht hinaus, um die Jahre s- wende zu seiern. Fünfzig junge Menschen waren wir, die wir uns versammelten, dort, wo Wald und See zusammentrcfsen.- In den Händen hielten wir knisternde Fackeln, und während der Sturm- wind sein eigenartiges Lied sang, während gespenstisch der Fackelschein unsere Gesichter beleuchtete, gelobten wir uns heiligen Ernstes, fern von dem Silvcstertrubel der Großstadt, unser Leben dein heiligen Kampfe unserer Klasse zu weihen und für ihn auch die drei Tage, die wir hier verbringen wollen, zu nutzen, um uns Waffen zu schmieden für kommendes Ringen. -i- Das Gelöbnis brachten wir auch zur Ausführung. In de» drei Tagen behandelten wir das Thema:„Die Jugend in der Gesell- schaft." Jeden Vormittag- und Nachmitiaa dienten mehrere SImiden ver gemeinsamen Arbeit. Wir ließen die soziale Entwicklung der Jugendliche» an uns vorüberziehen und warfen dabei unser« Blick« bis In die Zeit der Antike zurück � Familie, Schule und Kirche als Verbände, welche stark das Leben des Jugendlichen bceinjlussen, wurden unseren kritischen Blicken unterzöge» und unsere Stellung zu ihnen lebhaft erörtert. Auch das wichtige Gebiet dos Jugend- rechts, der Jugendpflege und-fürsorge vergaßen wir nicht und lernten in diesen Stunden die Stellung des Jugendlichen im Ge- triebe des Staates keimen. Am letzten Tage weilten wie bei den Problemen der Jugendbewegung, und bejondero lebhaft kam unser» Abstinenz gegenüber Alkohol und Nikotin in diesen Stunden zum Ausdruck. Den vorletzten Abend, den wir dort verweilien. füllten wir mit einer schönen Literaturstunde. Die übrige Zeit aber waren wir lustig und ausgelassen. Wie toll wurde über de» Traben gesprungen, bis... ktaisch, einer im Wasser lag. Um dieses Unglück zu schauen, sprang einer der Reu- gierigsten ans dem Fenster und die Scheibe mußte seine Neugierde mit dem Leben bezahlen. Während man den wasserdurchträukten Freund in die warme Behausung brachte, hißte man ans Trai.«r eine grüne Strickjack« aus halbmast. Daß auch„Seppei eine wunderschöne Bulldogge, in unserem Tollen eine Hauptrolle spielte, versteht sich von selbst.' Bevor es dunkel wurde, letzten wir sür die geplanten..Mondscheinsohrteii" eine allgemeine Polizeistunde sest, und wehe dem, der dann noch nicht in der„Bude' war: undarm- herzig schloß man ihn aus; er durste sich einige Stunden beim Mondschein vergnügen. Die Krone des luftigen Treibens war die „hochpolitische" Zeitung, welche wir in jene» Tagen jchufen, mU ihret Bilderbeltage„Volt und Zelt" und der Kindelbeilage„Jung Sieg- sried". Der dritte Tag setzte allem Lernen und Tollen ein jähes Ziel. Gegen abend brachen wir auf und marschierten aus der Landstraße wieder der grauen Großstadt zu. Es währte nicht lange— und durch das feuchte Dunkel des Abends brachen die feurigen Schlote eines Eisenwerkes: erstes Zeichen kommender Wertarbeit. Aber noch lange sangen wir, während der graue Leib des Zuges sich der Millionenstadt näherte. Und wenn wir hinausblickten aus dem Fenster, sahen wir die Sterne am Nochthimmei stehen und fühlten, daß sie draußen für uns einen anderen Glanz gehabt hatten. Doch nicht Trauer um verflossene Stunden schlich sich in unsere Brust ein, sondern das Feuer, das wir draußen in uns aufgenommen hatten, schlug höhere Flammen angesichts der harrenden Arbeit und des Kanipfes. Artur Reichard t. 1- 1 n /»us der Sewegung im fcSi Freiligrath-Aeiern der Arbeiterjugend. Der Verbandsvorstand der Sozialistischen Arbeiterjugend hat beschlossen, an alle Ortsgruppen des Verbandes die Aufforderung zu richten, am 50. Todestag Ferdinand Frelligraths, den 18. März, Freiligrath-Feiern zu veranstalten. Selbstenthüllung der Kommunisten. Wir haben an dieser Stelle bereits berichtet, daß die Kommu- nisten auch bei der Jugend die Entsendung von Delegationen nach Sowjetrußland propagiert haben. Die Leitung der Sozialistischen Arbeiterjugend hat schon im Oktober vorigen Jahres erklärt, daß alle Mitglieder, die sich an der kommunistischen Aktion beteiligen, außerhalb des Verbandes stellen. Inzwischen haben die Kommunisten selbst bestätigt, daß es ihnen gar nicht daran liegt, der Arbeiterjugend die Wahrheit über die Verhältnisse in Rußland zu beweisen, sondern daß sie auch hier nur ein Parteigeschäst betreiben. Die Soziali st ische Jugend- internationale hatte den Kommunisten unter bestimmten Bc- dingungen die Entsendung einer Delegation der führenden Genossen der internationalen sozialistischen Jugendbewegung vorgeschlagen. Tie Kommunisten hatten hier die Möglichkeit, mit einem Schlag die gesamte internationale Jugendbewegung durch ihre anerkannten Führer unterrichten zu lassen. Die Antwort der Komniunistlschen Iugendinternationale aber war: „Was Ihren zweiten Vorschlag anbetrifft, eine Delegation der SJI. nach der USSR. zu entsenden, so handelt es sich hier anscheinend um eine P a r t e i d e l e g a t i o n, die von Ihnen nach dem Parteiprinzip aus den Leitern der Sozialistischen Jugend- organisationen zusammengesetzt werden soll. Wozu wird eine solche Delegation nach der USSR. kommen? Für eine objek- t i v e Beurteilung der Lage des Sowjetlandes und der russischen Arbeiterjugend? Es ist aber doch lächerlich, über die Objektivität eines unversöhnlichen politischen Gegners zu sprechen, wie Sie es uns gegenüber sind, Sie, die Leiter und Führer der SJI. Sie wollen eine Delegation entsenden für ein Parteigericht einer Partei(der Partei der II. Internationale, zu der Sie gehören) über eine andere Partei. Jeder bewußte Arbeiter wird den Sinn Ihres Vorschlags begreifen, und jeder bewußte Arbeiter wird den Sinn verstehen, daß eine unparteiische, objektive Einschätzung der Lage der Dinge in der Sowjetunion nur eine solche Dele- gation geben kann, die nicht nach einem Parteiprinzip zusammen- gesetzt, sondern von breiten Massen der jungen Arbeiter gewählt ist, unabhängig von Partelüberzeugung und Differenz." Nach dieser Selbstenthülluug der Kommunisten ist es für jeden Jugendlichen klar, daß die ganze Aktion nicht anderes ist als ein kostspieliger Wiederbelebungsversuch de: Kommu- Iiistischen Jugend, und jeder, der sich auf diese kommunistischen Machenschaften einläßt, dient nicht der Wahhreit, sondern macht sich zum Werkzeug t o m mu n i st i sch e r I) e u ch e l e t und Schaumschlägerei. In den Ankündigungen ihrer Veranstaltungen spricht die kam- munistiscko Leitung stets von Mitgliedern der Sozialistischen Arbeiter- jugend, die ebenfalls als Redner auftreten sollen. Es ist dazu zu bemerken, daß die Mitglieder der Delegation, die sich als Mit- glieder der Sozialistischen Arbeiterjugend on der Rußlandreise be- tciligt haben, durch den Beschluß der Berbandsleitung aus dem Verband ausgeschieden sind und nichts mehr mit der Sozialistischen Arbeiterjugend zu tun haben! Es ist also ein glatter Schwindel, wenn die Kommunisten einige der Delegationsmitglieder als Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend ausgeben. Reichskonserenz der Zugend. Die Reichskonferenz der Soziali- siischen Arbeiterjungend wird am 17. und 13. April 1326 in ch i l d e s- heim stattfinden. Auf der Tagesordnung stehen»eben der Erledi- gung der geschäftlichen Angelegenheiten zwei Vorträge, und zwar wird voraussichtlich der Reichstagspräsident Paul L ö b e über das Thema:„Der Kampf um den Sozialismus in Deutschland und die Aufgabe der Jugend" sprechm, während der Verbandsvorsitzende, Genosse Wektphal, die Stellung der Sozialistischen Arbeiter- jugend Deutschlands in der Sozialistischen Jugendinternationale be- handeln wird. M- /»US üer �ugenS-?nternationale. 1 ftz*<5' verbandslag des österreichischen ZszKrdverbandes. Kürzlich tagte in Wien der achte ordentliche Verbandstag de» Verbandes der sozialistischen Arbeiterjugend Deutschösterreichs, an dem neben einer großen Anzahl von Vertretern österreichischer Ar- beiterorganisationen für die sozialistische Jugend-Jnternationale Genosse O l l e n h au e r, für den deutschen Verband Genosse W e st- p h a l teilnahmen. Der Vorsitzende, Genosse ch e i n z, erstattete den Geschäftsbericht, aus dem hervorzuheben ist, daß infolge der über- aus schweren Wirtschaftskrise, die über das Land hereingebrochen ist, ein Rückgang an zahlenden Mitgliedern zu verzeichnen ist. Während am Beginn der Berichtsperiode, Ende 1922, die Mitgliederzahl ve» österreichischen Verbandes 34 632 betrug, zählte der Verband Ende 1324 28 541 Mitglieder, wovon 21 379 männlichen und 6532 weib- lichen Geschlechts waren. Daß die inner« Kraft der österreichischen Jugendbewegung dennoch ungebrochen ist, beweist nicht nur der Um- stand, daß der Anteil der weiblichen Mitglieder in der Berichts- Periode von 6334 auf 6562 gestiegen ist, sondern vor allem die Tat- fache, daß die Zahl der Ortsgruppen des Verbandes von 232 zu Ende 1322 auf 259 zu Ende 1324 gestiegen ist. Der Verbandstag hatte die Aufgabe, das Verhältnis der sozio- listischen Jugendbewegung zu den in Oesterreich im Entstehen be- griffenen gewerkschaftlichen Jugendsektionen klar- zustellen. Genosse K i m m l erstaltete ein Referat über den wirk- schastlichen Kampf und das Verhältnis zu den gewerkschaftlichen Jugendsektionen, in dem er aufzeigte, daß das Entstehen einer ge- werkschaftlichcn Jugendbewegung sehr zu begrüßen ist und bei dem derzeitigen Stand der wirtschaftlichen Entwicklung im eminentesten Interesse der arbeitenden Jugend liegt. Nach einer eingehenden De- b a t t e wurden die vom Verbandsvorstand vorgelegten Antrüge und Vereinbarungen, die das Verhältnis zu den gewerkschaftlichen Jugendsektionen im Detail regeln, mit allen gegen 14 Stimmen a n- genommen. Die Vereinbarungen sehen eine weitgehende Zu- sammenorbeit zwischen der politischen und der gewerkschaftlichen Jugendbewegung vor. Für die Mitglieder der gewerkschaftlichen Iugendsektion wird der monatliche Mitgliedsbeitrag des Verbandes von 39 auf 16 Groschen ermäßigt. Die Monatszeitschrift„Der Jugendliche Arbeiter" erscheint ab Januar 1926 als gemein- sames Organ der politischen und gewerkschaft- lichen Jugendbewegung, so daß künftig nicht nur jeder politisch, sondern auch jeder gewerkschaftlich organisierte Jugendliche die Zeitung erhält. Ferner erstattete Genosse Könitz ein ausführliches Referat über die A r b e i t s m e t h o d e n der Jugendorganisation. Durch die vom Verbandsoorstand im Einvernehmen mit dem Parteioorstand vorgeschlagene Heranziehung pädagogisch geschulter Genosien als B i l dungsbeiräte, für deren Ausbildung eine eigene Schule eingerichtet wird, soll die Arbeit gleichfalls bereichert werden In einer ausführlichen Debatte wurden die entsprechenden Anträge an- genommen. Sodann erstattete Genosse Heinz ein Referat über die körperliche Ertüchtigung, in dem er daraus verwies. daß die ganze internationale Lage auch heute noch die Wchrhastig- keit des Proletariats erfordere. Der Verbandsvorstand hat daher mit der Zentralstelle der österreichischen Arbeiterturner ein Uebereinkommen abgeschlossen, das vorsieht, daß alle Mit- glieder der Tunivercine unter achtzehn Jahre» gleichzeitig auch Mit- glieder der Jugendorganisation sein und ein gemeinsamer Mitgliedsbeitrag erhoben werden loll. Auch diese Jugend- turner sollen die Monatszeitschrift„Der Jugendliche Arbeiter" er- halten. Ferner sei es notwendig, der Frage der Jugcndordner größtes Augenmerk zu widmen. Nach einer kurzen Debatte wurden die Anträge des Verbandsvorstandes einstimmig angenommen. t�. Runöschau 3 1 rs3 Der gesundheitliche Werk des Manderns. In der Zeitschrift„Die Jugendherberge" Nr. 11 werden über das vorstehende Thema recht wichtige Feststellungen gemacht. Entgegen den hier und da aus- tauchenden Meinungen, daß z. B. die Schüler nach dem durch Ministerialerlaß festgesetzten monatlichen Wandertag im Unterricht unaufmerksam und überanstrengt wären, muß festgestellt werden, daß bei richtig geleiteten Wanderungen, die auf die Leistuiigssähig- keit der Schüler Rücksicht nehnien, solche Folgen nicht eintreten. Neben den günstigen Wirkungen der Wanderfahrten aus die Seelen der Schüler, sind auch sehr gute Einflüsse auf die Körperbeschafsen- heil sestzustellen. Ein Schularzt in Dortmund untersuchte 156 Knaben und 33 Mädchen unmittelbar vor und zwei Monate nach einer Ferienwanderung.(Die Nachuntersuchung fand erst zwei Monate später statt, weil man aus früheren Erfahrungen wußie, daß erst nach einer Reihe von Wochen die günstige Wirkung einer Wanderung in Erscheinung tritt.) Die Nachuntersuchung ergab: bei 156 Knaben 33 Mädchen durchschnittl. Zunahme de? Gewichts.. 1.3 1.7 lex „, der Körperlänge. 1.6 1,3 cm ,, deS Brustumfang« 2,0 2,0 cm Diese Zunahmen bedeuten fast das Doppelte des durchschnitt- lichen Wachstums.