n«. i Beilage zum Vorwärts«. k-w.-- ,»»« Vorarbeit für D«e Soztalt»»m» will da» heutig« IL kg en einanderleb»« der Mensche« t« ein Miteinander, und güretnanderlebe« verwandet«. Er will de« Zustand, daß Menschen von Mensche« ausgebeutet werden, beseitigen und da. Lebe« aus einer neue« ökonomischen Grundlage zur brüderlichen Gemeinschaft gestalten. Diesem Ziel dienen alle Organisationen der reich gegliederten sozialistischen De» wegung. Eine Aufgab» von besonderer Bedeutung kommt dabei der Jugendbewegung zu. Dabei huldigen wir allerding» nicht dem Glauben, daß dt» Jugendorganisation für sich allein de« Soziali». mit, verwirklichen kann. Wir betonen da» von vornherein, da viel« die Erneuerung der menschlichen Gesellschaft von der Jugend allein erhofft haben. Gewiß ist die Jugendbewegung eine besonder« und eigenartig« Erscheinung in der Gegenwart, sie tft-aber nicht d i» Be» wegung, die die augenbltltlich« Kulturkris« allein überwinden kann. Di» proletarisch« Jugendbewegung hat die Grenzen ihrer Kraft stet« erkannt und ihre Ausgaben immer im Rahmen der gesamten sozialistischen Bewegung zu erfüllen oersucht. Sie ist darum auch nicht zu der weithin üblich gewordenen Verallgemeinerung de« ..Jugend'-Begrifse» gekommen, die e« ermöglicht«, daß vierzehn- bl» Siebzigjährig« sich„Jugendbewegler" nannten, während dt» Mannhett mißachtet, sa gefürchtet war. Wir haben unter'.Jugend' nie da» Lebensalter vergessen, da» letzten Ende» doch ein allerdtng» grund». legende» Durchgangsalter zum Mann- oder Frausein ist. Wir brauchen über Form und Leben der heutigen proletarische« Familie und über die Wohnungsnot de» Proletariat» kein« au»sühe> l>ch« Darstellung zu geben. Di« Verhältnisse sind im allgemeinen bekannt: e» ist nur daran zu erinnern, um daran anschließend fest- zustellen: dl« Mehrzahl der proletarischen Jugend hat kein« Heim» statt, weder räumlich noch seelisch. Ihr« Lebensstätt«. d. h. dt» Stätte, wo sie außerhalb der Arbelt ihr Leben verbrtngt. ist dl» Straß«, von der sie, wenn sie über ein paar Pfennig» verfügt, in» platt«.Vergnügen' de» Kinos und de« Tanzsalon» flüchtet. Dies» Jugend geht unter in der Mass«, im großen Heer der Indifferenten. Da» Proletariat aber braucht seine Jugend, darf st« nicht der Straß» und den.Lastern der Unterdrückten" überlassen: r» muß sich auch In seiner Jugend höher arbeiten. Jede Proletartergeneration muß nicht nur im wirtschaftlichen und politischen Kamps«eu, sack� lich« Erfolg« erzielen, sondern auch gletchzeltlg für da» durch dt» Ersolg« vergrößert» Wirkungssew de» Sozialismu». für die neuen Aufgaben besähigte und geschult« Kämpfer heranbilden. Da» Auf- gabengeblet de» sozialistischen Kämpfer» ist ja längst nicht mehr wie zu Anfang der Bewegung auf dl« eigene Organisation deschränkt, sondern wir sind zu gestaltender Arbeit tm Volksganzen vorgerückt, stnd in Wirtschaft und Verwaltung vertreten als Beirtebsrät«, Eltern- rät«, Gemeinde- und Staatsbeamte, arbeiten in der Genoflenschaft»- bewegung, in der Wohlfahrtsarbelt u. a. m. All» dies» Aufgaben müssen tm sozialistischen Geist« durchgeführt werden, da» bedeutet. daß«» nicht genügt, dl« Tätigkeit nur einfach auszuführen, sondern wir müssen umgestaltend wirken, zu neuen sozialistischen Formen zu streben. Da» alle» kann nur«rsüllt werden, wenn jede neu« Proletariergeneratton über die vorhergegangene Generation an Leiftungsfählgkelt hinauswächst. Für diese» Wachsen und Reifen ist dt« sozialistksch« Jugend- organisatton die Stätte. Sie schafft aber gleichzeitig für dl« prole- tarisch« Jugend ein« neu« Lebensbasts. Durch dl« Jugendorganisation wird nicht nur dt« proletarische Jugend für den sozialistischen Kampf mobilistert, wird nicht nur die Kampffront verlängert, sondern in ihr verkörpert sich auch ein neuartiges Wirken für den Sozialt». mu». Die Organisation wird Lebensstätt«, Lebensgemeinschaft. Di« Jugendorganisation ist wohl dt« erste sozialistische Organisation, dt« alle ihre Mitglieder, nicht nur die Funktionäre, ganz beansprucht und ganz erfüllt. Man vergleiche nur dt« Zahl der Partei- oder Gewerkschaftsveranstaltungen mit der Zahl der Jugendveranstal- tungen. Hier werden dl» Mitglieder nicht nur zu gelegentlichen Ver- iarnnilungen beansprucht, hier wird von der Organisatton her di« s die Zukunft. ganz» Freizett ausgefüllt. Werktag»feiemb«nd und der vonntnß «ehalten durch dt« Veranstaltungen der Jugend orgontsotlonen ihren Inhalt, der von dem, wa» dt« Straß» bietet, weit unterschiede« O. E» herrscht der Will«, nicht nur«w besondere» Jnteressengedtch wahrzunehmen, sondern da» ganz» Leben zu durchdringen und m neuer Gestaltung zu führen. Da, ist sehr wichtig, denn solang« nicht all« Sozialisten mit Leid und Beel» bei der Sache stnd. ist m um die Verwirklichung sozialistischer Ideal» schlecht bestellt. Dies« will» darf natürlich nicht an AeußerUchkeiten haften bleiben, v» ist z. B. dl« Kleidungsreform nur»in sehr äußerliche« Zeichen für ihn. Bedeutungsvoller ist, dt» sozialistisch« Weltanschauung tn de» Köpfen und Herzen zu verankern. Die Arbeitermassen gewinnen K» meisten» In einfachsten Formen lm harten Daseinskampf. In d»r Jugendorganisation kann dl« Jugend, di» sich im blldungsfähtgst«» Lebensalter befindet, die gerade die Periode de» Erwachen» zur Weltanschauung durchlebt, frühzeitig in die sozlalistlsch« Gedanke» welt eingeführt werden. Die Gedanken können fester Wurzel schlage«: st« führen die Jugendlichen zu einem Lebensziel, zu bewußt«« Lebensführung im Dienst einer großen Aufgabt. Da» gibt Ihn« ein starkes, stolze, Lebensgefühl. Sie werden zu kampfbereiten, oou idealem Lebenswillen erfüllten Proletariern und Sozialisten. Da» Wissen allein aber tut'» ntchtl Sri« Träger muß et» charakterfester, verantwortungsbewußter Mensch sein, mit einem stet» wachen sozialen Gewissen. Zu solchen Eigenschaften soll neben an- derer direkter Beeinflussung durch di« Führung der Gruppen auch di« Selbstverwaltung der Jugend In ihrer Organisation führen. Der wei� verzweigte Organisation»- und Funkttonärdienst ist kein« bureau- kratisch« Spielerei, sondern Dienst für die Gemeinschaft, verantwort- llche» Handeln für di» Gesamtheit. Gerade vom Jugendlichen, de« nach de» Tage» Werken am Abend Abwechslung und Erheiterung sucht, fordert die Arbeit al» Funktionär Opfermut, Pflichttreue uich Verantwortungsgefühl. Aber er wird eben tn dies« Schule gesteM. um In diesen Eigenschaften stark zu werden, di« unentbehrlich sind für den Sozialisten. Auch stark« politisch« Erziehungswert« entsprießen au» dies«« Selbstverwaltung der Jugend. In der Zugendgruppe herrscht da» Gesetz der Demokratt«. gilt die Gleichberechtigung wie Gletchvev- pfltchtung der Geschlechter. Di» Demokratie wird zur Lebensform, zur Selbstverftändlichkrit. Der einzelne lernt dt« Einordnung In» Ganze, ohne di« keine Gemeinschaft bestehen kann. Der Will« d«r Gemeinschaft hat tn der Jugendorganisation alleinige Geltung, vo» ihm wird nicht nur dl« Entscheidung taktischer Fragen, sondern, rot« schon weiter oben erwähnt, auch da» persönliche Leben de« einzeln« weitgehend beetnfiußt. Diese» starke Hineinziehen der Jugend in ein Semetnschastsleb« ist ein« sehr wichtige Vorarbeit für die Zukunft. Der einzelne«st bewußt eingegliedert In» Ganze. E» ist sogar so. daß vielfach dt« Famiiiengemeinschast, soweit st« noch besteht, vor dieser großen G«. meinschaft zurücktritt. DI« Verbindung zum Krei» der Genosien wich häufig stärker al» Bindung der Familie: über dl« Bande de» Blut« hinaus wächst dt« Verbundenheit durch die Gesinnung. Die West wird brüderlicher, weil nicht mehr nur leibliche, sondern mehr noch die geistige Bruderschaft gilt. Der Soziallsmu» fordert die Gleichberechtigung der Geschlechter. E» ist häufig bemängelt, daß dieser Forderung in der Arbeiterbew«- gung selbst wenig Folg» geleistet wird. In der Jugendorgantsati»« ltegen die Dinge schon besser, und e» ist die Hoffnung berechtigt, daß durch ihr Wirken der bedeutsani« Besreiung�ampf der Frau nicht wenig gefördert wird. Schon dl« zahlenmc�ige Beteiligung d« weiblichen Geschlecht» ist in der Jugendorganisation stärker al» in d« Verbänden der Erwachsenen. Während in der Gründungszett der Jugendorganisationen der Anteil der Mädchen nur 5 Prvz. betrug, ist er heut« auf fast SO Proz. gestiegen. Und, wa« bedeutungsvolle« Ist, im gleichen Verhältnis bewegt sich auch di« Teilnahm« der MÜb- che« an den Veranstaltungen und an der Organtsatlonsordeit. Selbstverständlich ist zu beachten, daß das unoerheiraiete Mädel «mdcrs gestellt ist, als die verheiratete Frau. Aber unsere Fest- pellung erfolgt ja auch nicht im Sinne eines Vorwurfs. Die Mädel leben heute ander» al» früher, haben mehr Bewegungsfreiheit, Selbststcherhett gewonnen. Die Welt ist weiter für ste geworden. Und ste werden flch au» dieser Weite immer weniger in die engen »ter Wände des Zwerghausholts zurückdrängen lasten. Die Kräfte zu dessen Ueberwindung werden immer stärkeren Antrieb erhalten und so wird auch aus diesem Gebiet« das Drängen zu neuen Lebens« formen verstärkt. Der Sozialismus bedeutet nicht nur materielle, sondern auch menschlich« Veränderung, nicht nur Besterung und Sicherung der Lebenslnögltchteiten. sondern auch neue Lebensformen und Inhalte. vie die vorstehende Betrachtung zeigt, stnd in der Arbeit der Jugend- Organisation bedeutungsvolle erste Anfänge dazu enthalten. Aber »» ist noch viel Ardelt und nicht wenig Zeit vonnöten, um aus Weser Vorarbeit für die Zukunft die bester« Zukunft selbst entstehen zu lasten Max Westphal. Zahlen üer Not. Der letzte Retch»jugendtag der Sozialistischen Arbesterjugend in Hamburg stand unter dem Motto:»Für Jugendschutz und Jugend« recht!" Der Verband nahm die große Tagung nicht nur zum An- latz, um die von ihm oertretenen sozialpolitischen Ziele erneut zu be- tonen, sondern sucht« auch Material zu sammeln über die gegen- »Artige soziale Log» der arbeitenden Jugend, um so fich neue Ar- Smente für den Kampf mit den Gegnern einer au»r«tch«nden etzeit zu verschossen. Cr gab an die jugendlichen Teilnehmer im Alter von 14 bi» Iii Jahren Fragebogen aus. die Auskunft über die Arbeitszeit« und Fertenoerhältnist« dieser Jugendlichen ver« langten. C» stnd insgesamt 9440 Fragebogen ausgefüllt zurückge- ßen worden und wenn ste auch nur einen Ausschnitt au» dem >en der großen Zahl der Jugendtagsteilnehmer darstellen, so gewähren st« doch«inen guten Cinbllck in die Arbeitsverhältnisse dieser Jugend. Bezüglich der Arbeitszeit hat die Bearbeitung der Frage« bogen folgende« ergeben: von den 9440 befragten Jugendlichen. von denen übrigen« 1949 Lehrlinge und 721 Ausgelernt« und nur 773 Ungelernte waren und von denen stch 1909 Jugendliche im Alter von 14 bi» 19 Jahren und 1894 Jugendlich« Im Alter von 19 bis 18 Jahren befanden, hatten nur 2088 gleich 9 OL Proz. eine 48stündige Arbeitswoche. 1094 Jugendliche gleich 91,9 Proz. mußten wöchentlich 94 Stunden arbeiten, während 189 gleich 9,4 Proz. 90 Stunden und 79 gleich 2,6 Proz. 99 und mehr Stunden Ar- beitszeit In der Woche meldeten. Von den 23 ermittelten Jugendlichen, die mehr al» 99 Stunden In der Woche arbeiteten, waren nicht weniger al» 12 Hausangestellte, die übrigen meist Lehrlinge in Netnen Handwerksbetrieben. So berichtete eine 1 9 s ä h r i g e Hausangestellte au» Lübeck über eine tägliche Arbeitszeit von 19 Stunden. Ein lljähriger Schneiderlehrling au« dem Bezirk Hannover arbeitet täglich 11 Stunden. Ein freier Sonnabendnachmittag und Urlaub wird nicht gewährt. Ein 18jShriger Zugver- käufer muß für 40 M. Monatslohn täglich 13 Stunden arbei- ten, ohne freien Sonnabendnachmittag und ohne Urlaub. Di« übrigen Fälle stnd nicht weniger kraß. Bon den 9440 befragten Jugendlichen hotten nur 1729 gleich 90 Proz. den freien Sonn« abendnachmittag. Nicht weniger trostlos liegen die Dinge hinsichtlich des Urlaubs. 827 hatten überhaupt keinen Tag Urlaub. Einen Urlaub von 1 bis 8 Tagen hatten 489. von 4 bi, 9 Tagen 1929 und von 7 bis 14 Tagen 499. Man kann sagen, daß für Jugendliche von 14 bis 18 Jahren erst ein Urlaub von 7 bi» 14 Tagen al« einigermaßen genügend angesehen werden kann. So ergibt unsere Aufstellung, daß von den 9440 Jugendlichen nur 495 einen genügenden Urlaub hotten, während die erdrückende Mehrheit von 2945 keinen oder un- genügenden Urlaub erhält. So liefern dies« wenigen Zahlen«in erschütterndes Bild von den ArbeitsverhälMisten einer Jugend, die schon insolg« der Eni- dehrungen der Krieg»- und Nachkriegszeit anfällig genug ist und darum de» besonderen Schutzes In der Entwicklungszeit dringend dedarf. Es zeigt sich aber hier, daß von einen, einigermaßen ge- nügenden Schutz nicht die Rede sein kann, von einer weitblickenden, vorausschauenden Sozialpolitik zur Schonung der jungen Volkstrast gar nicht zu reden. Bei alledem muß aber noch besonders niederdrückend das Be- wußtfein wirken, daß die obigen Zahlen ein schiefe« Bild geben, da sie zweifellos di�Lage der Jugend noch zu günstig darstellen. In Hamburg war nur eine Auslese der proletarischen Jugend, «» war die Schicht, der es, gemessen an der allgemeinen Lage de» jungen Proletariats, noch verhältnismäßig gut geht. Wenn man also von den Ergebnissen der Hamburger Tagung Schlüste ztehen will auf die Gesamtlage der Jugend, dann muß man die genannten Zahlen al»«inen über dem Durchschnitt stehenden Aus- schnitt betrachten. Neues �ugeuMeö. wir sind der Frühling der neuen Saat, die Vorbereitung zu frischer TatI In uns ist knospen und vlüheaslust, Erwartungsscligkeil sprengt uns die Brust. ver Zugend Sehnen in uns wird» Lied. wenn e» aus fröhlichen Augen erglüht. Wenn unfre Fahnen im winde wehn, wenn wir uns lustig im kreise drehn. wenn wir verkünden, wa» un» bewegt, wenn wir verraten, wa» un» erregt. Za ansrem Blute drängt lenzhast Glühn, wir wollen werden, wir«ollen dlühn. wir find der Frühling der neuen Saat. die Vorbereitung zu frischer Tat! Znitn» Arrfaß. Rote Zalken. Eo nennen stch in Oesterreich die sozialistischen Psadsinder, dt« im Rohmen der Kinderfreundebewegung sich ihrem Alter gemäß austoben dürfen. Die Schulbuben— auch Schulmädel— deginnend mit dem dreizehnten Lebensjahre, haben flch in kletnen �Horden" «usommengesunden. Hot solch ein.Zungsalke" nach einem halben Jahr Hordenzugehörigkeit seine Prüsung destanden, so legt er»in Gelöbnis ab und wird.Roter Falke". Was ist das aber für«ine Prüsung? Der Junge muß Abstinent und Nichtraucher sein, muß das Turnen pflegen und Disziplin hatten, schwimmen und tauchen, flicken und nähen können, muß seine Zähne und Nägel reinzuhalten oerstehen, Namen von Arbeiterführern wissen und Kanipslieder singen können, muß Gruppenarbeit geleistet und die .Zausestunde pünktlich besucht haben, den Verständigungspsiss kennen u. dgl. m. Und dann erst mit reinem Gewissen das Gelöbnis ablegen können, die 12 Gebote der„Roten Falken" zu befolgen. Und wie lauten diese? 1. Der Rote Falk« bekannt sich zur Arbeiterklasse. 2. Der Rote Falke ist seinen Genossen stets treu. 9. Der Rote Falke sieht jeden arbeitenden Menschen als Freund und Bruder an. 4. Der Rote Falke ist stets h i l s s b e r e i t. 9. Der Rote Falke achtet jede ehrliche Ueberzeugung eine» anderen: auch dann, wenn er sie bekämpft. 9. Der Rote Falke führt stets die Anordnungen seines selbst- gewählten Führers aus. 7. Der Rote Falke ist mutig und nie verzagt. 8. Der Rote Falte ist wahr: aus sein Wort kann man bauen. Er Ist zuverlässig und v ü n k t l i ch. 9. Der Rote Falke ist stets r«!n in Gedanken, Worten und Taten. 10. Der Rote Falke ist« n t h a l t s a m und»in K ä m p s» r gegen alle Rauschgifte. 11. Der Rote Falke hütet seinen Körper und stählt ihn. 12. Der Rote Falke ist ein Freund und Schützer der Natur. Sind das nicht feine Gebote!? Etwa zehn.Rote Falken" und ebenlo viele.Jungsalken" bilden eine Horde. Der selbftgewählte Führer dieser Horde ist der Horden- führer. Er wird vom Gruppenführer vorgeschlagen und in der „Zausestunde" von der Horde bestätigt oder abgelehnt. Jungfalken sind in der Regel keine Hordensührer. In der Zausestunde, die wöchentlich einmal stattfindet, wird dem Führer tüchtig die Wahr« beit gesagt. Unter Umständen wird er abgesetzt. All« Horden eine« Ortes bilden die Gruppe. Die Gruppe entsvricht der Ortsgruppe der Schul- und Kinderfreunde. Der Führer Ist der Gruppenführer und muß von der Ortsoruppenleitung der Schul- und Kindersreund« bestätigt worden sein. Alle Gruppen eines Landes bilden den Kreis, und alle Kreise zusammen den Bund. Jede Horde führt einen Hordenwimpel. Ein doppelseitiges rote» Tuch, gletchfchenkeliges Dreieck mit einer Basi» von 39 Zentimeter und einer Höhe von 70 Zentimeter. Auf beiden Seiten sind Kreise im Durchmesser von 20 Zentimeter aus weißem Stoff. Aus dem einen Kreise in schwarzer Silhouette des Hordenzeichen, nach dem die Horden sich benennen: Panther, Löwe, Wolf, Adler, Hammer, Ambos.... Auf der anderen Seite ein rote Falke in weißem Feld. Die Tracht ist bequem und einsach. Zur kniefreien Hose, zum kurzen Rock das Pfadfinderhemd oder die Wanderbluse mit aus- gesteppten Taschen. An der linken Brustselte wird da» Falken- «bzeichcn getragen, am linken Aermel sind die Führer- und Priifungs- zeichen, eine Kopfbedeckung wird nicht getrogen. Die Roten Falten begrüßen einanocr durch Erheben der rechten Hand, die Hand- fläche dem Begrüßten gegenüber, mit dem Gruße Freundschaft. Da- bei lst der Körper strass. Der Gruß ist für alle gleich. Das sind die„Roten Falten", sie durchstreijen Feld und Wiese, kampieren in Zelten, sind immer hilfsbereit und tätig. Es ist noch nicht lange her, als die erste Horde sich zusammensand, aber schon Sid es ihrer viele. Wie Pilze nach dem Regen erstehen sie allerorts. ie Abenteuerlust, der Bewegungstrieb, der Hordcngemeinschafts- aetst des Jugendalters von 12 bis 15 Jahren finden hier ihre beste Ausdrucksmöglichteit. Selbstgewollte Zucht, Disziplin, Pflichttreue, Hilfsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit und andere fürs Leben wertvolle Eigenschaften nennen sie ihr eigen. Sie wollen Kämpfer werden, um dann auch in der jozialistischen Arbeiterjugend und später im Leben ihren Mann zu stehen. Geistiger Voter dieser Rote-Falken-Bewegung ist einer der Führer der österreichischen Kinderfreunde, Genosse Tesarek. Er ließ sich von dm Gedanken leiten, daß die zwölsjährigen Jungen und Mädel in der Kindersreundebewegung ebensowenig auf ihre Kosten kommen wie die Vierzehnjährigen in der Sozial stischen Arbeiter- fügend. So wollte er im Rahmen der Kindersreund« den einen wie den anderen eine dem Eigenleben dieses Alters angepaßte Organi- iationsform schassen. Cr lehnte sich hierbei an die bürgerliche Pfadfinderbewegung an, erfüllte diese aber mit dem Geist der Aktivität des kämpfenden Proletariats, dessen Buben und Mädel die Roten Falken sind. In Wien hat sich vor kurzem bereits ein Kreis von Roten- Falken-Führern zusamniengefunden, die den Versuch unternommen haben, ein«' Reihe von Lestllnien für die einzelnen Gruppen au»- zuarbeiten.__ Leo R o s e n t h a l. Der Ruf an öie Gesetzgebung. Seit der Kasseler Tagung des Reichsausschusie» der deutschen Lugendverbänd« hat die Bewegung für die Freizeit der Jugend»ine immer größer« Ausdehnung angenommen. In ein- dringlichster Weise kam das auf einer Kundgebung zun, Ausdruck, die der Reichsausschuh der deutschen Iugendverbände Ansang Februar im Vorläusigen Reichswirtschostsrat in Berlin in Gemeinschaft mit annähernd 30 Reichsorganisationen der Wohlfahrtspflege, der Frauenbewegung, des Gelundheitswesens, des Berussschulwesens, der sozialen Reform und der Jugendwohlfahrt veranstaltete. Der Dorsigende des Ausschusses betonte in seiner Begrüßungsrede, daß es der Zweck der Kundgebung sei, die Forderung weiter kreise der Bevölkerung auf gesetzliche Regelung der Freizeit für die Jugend zum Ausdruck zu bringen. Es sprachen dann in diesem Sinne für das Gesundheitswesen Professor Dr. L e w a n- dowski, für die Wohlfahrtspflege Graf Lerchenfeld, für die Frauenbewegung Frau Oberin v. Illing, MdL., kür das Berufsschulwesen Gewerbeoberlehrer Heinrich, tür die sozial« Reform Fräulein Israel, für die Jugendwohlfahrt Iugcndsekretör Ollenhauer. All« Redner betonten vom Standpunkt ihres Fachgebiets die Dringlichkeit der vom Reichsausschuß erhobenen sozialpolitischen Forderungen und verpslichteten sich, an der Durchführung der Forderungen mitzuwirken. Die Kundgebung schloß mit der ein- stimmigen Annahme folgercher Entschließung: „Die unterzeichneten Organisationen haben sich in Berlin am 4. Februar 1926 im Plenarsitzungssaale des Vorläufigen Reichs- wirtschaftsrates zu einer gemeinsamen Kundgebung für die Freizelt der Jugend zusammengeschlossen. Die unterzeichnete» Organisationen haben es als ihre Pflicht betrachtet, das deutsche Volk, seine Reichsregicrung und seine Landes- regierungen, alle Träger der öffentlichen und freien Volkswohlfahrt owie die deutsche Arbeiterschaft nachdrücklich und einmütig aus die chweren gesundheitlichen, erzieherischen und volkswirtschaftlichen Ge- ahren hinzuweisen, die der erwerbstätigen Jugend aus dem Mangel an Freizeit erwachsen. Sie halten es zur Abwehr der Gefahren für dringend notwendig, daß alsbald gesetzliche Maßnahmen erarissen werden, dl« den erwerbstätigen und in der Berufsausbildung stehen- den Jugendlichen eine ausreichende tägliche Freizeit und einen aus- reichenden jährlichen Urlaub gewähren. Ueberzeugt von dem Rechte der Jugend auf ein jugcndhaftes Leben und überzeugt von der Tatsache, daß eine unzureichende Freizeit der Jugend die Erhalwng der deutschen Volkskraft gefährdet und«inen Raubbau an dem volksteile darstellt, von dem wir erst in Zukunft Leistungen er- warten müssen, überzeugt von diesen Tatsachen ersuchen wir die Reichsregierung, die Landesregierungen» die deutschen politischen Parteien und die deutsch« Oeffentlichkeit. sich für eine gesetzliche Er- füllung der folgenden Forderungen einzusetzen: 1. Grundsätzliche Ausdehnung der Schntzbestimmungen für die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter und Angestellten auf das Aller vom 14. bis zum vollendeten 18. Jahre. 2. 8 Wochen bezahlle Ferien für erwerbstätige Jugendliche (einschließlich Lehrlinge) unter 16 Jahren und 2 Wochen bezahlle Ferien für erwerbstätige Jugendliche(einschließlich Lehrlinge) zwischen 16 und 18 Jahren. I. Festsetzung einer Arbeitswoche von höchstens 48 Stunden -(einschließlich des Fachunterrichts und der Zeit, die für die Auf- räumungsarbeiten beansprucht werde» könnte). 4. Beginn der sonntäglichen Arbeitsruhe mit Sonnabend- mittag oder Gewährung eine» freien Nachmittag» in der Woche. 5. Festsetzung ausreichender Arbeitspausen. 6. Verbot der Nachtarbeit für Jugendlich«. Wir sind überzeugt, daß die Erfüllung dieser Forderungen der deutschen Volkswir tschast nicht zum Nachteil«, sondern vielmehr zum Vorteile wirkt, da eine ausreichende Freizeit die Jugendlichen an Leib und Seele zu trästigen und dadurch ihr« Arbeitssreudigkeit und Leistungen zu heben vermag. Wir unterzeichneten Organisationen werden uns mit allen Mitteln und durch Schaffung geeigneter Einrichtungen dafür einsetzen, daß die Jugendlichen ihre Freizeit förderlich verbringen." Es folgen die Unterschristen von 28 Reichsorganisationen.- Der Knabe, öer öas Gute suchte. Den Anlaß hotte eigentlich der Pfarrer gegeben, der den drei- zehnjährigen Beruhard des Tagelöhners Bath aus seine Frage,„was ist denn das Gute", zur Antwort gab:„Wir alle sind sündige Menschen, der Einzige, der Gute, der Sündenlose, ist Ehristiis, der für uns am Kreuz gestorben ist. In dieser Welt ist nichts Gutes» das Böse hat hier seine Herrschost, aber wer in Christus lebt, wird von seinem Guten überdeckt, und wird einmal die Seligkeit haben, und frei von der Sünde sein." Das wollte dem Jungen nicht in den Sinn, daß alle Menschen voll Sünde sind und daß nur das Böse herrscht. Denn wenn er mit seinen großen fragenden Augen durch den Wald ging, und sah, wie die Sonne mit ihren goldenen Strahlen den Rachttau. der aus den Gräsern und Blumen lag, wie kostbare Perlen, die er einmal in der Stadt gesehen hatte, schimmern ließ, und den Morgengesang der Vögel hörte, dünkte ihm, es könne nichts Größeres und Schönere» sein. Auf diesen Streifen, die er de« Morgens, bevor er zur Schule ging, schon tat, als er noch mit Echtesertafel und Grissel die ersten Buchstaben malte, waren es die Worte seines Vaters, der eine» Abends, als er müde nach Haus» kam, zur Mutter sagt«:„Der gut« Mensch findet seine Ruhe In sich selbst, die ihn nicht rasten ließen, hinter ihren Sinn zu kommen. Sein Empfinden wußte wohl Gute» und Schlechtes zu trennen, aber sein Knabenhirn strengte sich an, den Begriff zu klären, und als er damit nicht zu Ende kam, und in dem Pfarrer den Menschen sah, der es doch wissen müßte, wagt« er die Frage. Daß es schlecht« Menschen gibt, hatte er oft gesehen, denn wenn der reiche Merken seine Hunde so toll schlug, daß sie schreiend und winselnd in die entsernteste Ecke des großen Met keuschen Hose» liefen, um möglichst weit von ihrem Peiniger zu sein, war da» schlecht, und er tonnte kein guter Mensch sein. Aber daß es über- Haupt keine guten Menschen gab, tonnte er nicht glauben. Und als er eines Tages dabei war, wie der Dorschullehrer dl« kleine Enkelin der alten Kate, die sich zu weil in den Fluß gewagt hatte, und nun vergeben» versuchte, das Ufer zu erreichen, so ws« er war, mit allen Sachen, in den Fluß sprang, und das Kind herausholte, wurde sein Empfinden noch fester, es muß Gutes geben. „Gut ist alles, was den Menschen Hilst," schrieb er aus der letzten Seite seines Schulheftes. Er atmete aus, als er glaubte, die ihn so lange gepeinigte Frage beantwortet zu haben. Als er aber am anderen Tage in der Schule sah, wie Johann, des reichen Merkens Sohn, einem anderen armen Mitschüler sein Frühstücksbrot gab, nur um zu zeigen, wie mildtätig er war, stand er von neuem vor seiner Frage. „Nicht ob inan Hilst, sondern wie man Hilst ist entscheidend," setzte er unter den ersten Satz. „Wenn nun aber ein Mensch helfen will, und so arm ist, daß er nicht helfen kann?" fragte etwa» in ihm. Das mühsam erbaute Gebäude begann zu wanken. Der alt« Schäfer, zu dem er in seiner Ratlosigkeit ging, sagte Ihm,„das Gut« kann man überhaupt nicht in Worte fassen, es ist da, oder es ist nicht da, in den Augen der Menschen kann man es manchmal schimmern sehen". Damit konnte er sich natürlich nicht zufrieden geben. Wenn das Gute etwas ist, da« Im Menschen vorhanden ist, muß man auch genau sagen können, wa» dieses ist. Immer toller wurde sein Begehren. Jedem Bekannten, von dem er annahm, daß er ihn nicht auslach«, legte er die Frage vor. I« öfter er ober fragte, um so unbefriedigender erschien ihm di« Antwort. Und eines Abends, als die Eltern schon schliefen, zog er sich wieder an, schlich leise zur Tür hinaus und hoffte dort in der großen Stadt, wo eine Schwester seiner Mutter wohnte, Antwort aus sein« Frage zu finden. Doch al» er eine halbe Stunde auf dem Landweg, der zur Chausiee, die zur Stadt führt«, gelaufen war. und der Mond so hell durch die Schatten der Bäume glänzt«, seine Aufmerksamkeit von der ihn so bewegenden Frage ablenkte, überkam ihn die Still« dieser Sommernacht wie»in großes befreiendes Ausatmen. Aus einem riesigen Stein, der abseits vom Weg lag. ließ er sich nieder. Ruhiger geworden legte er sich noch einmal die Frage vor: „Was ist das Gute?" „Das Gute." und er lachte dabei,„Ist das warme Herz de« Menschen, der mit allem Lebenden mitfühlt, und so weit er tan« anderen hilft." Am anderen Morgen ging er wieder zur Schule, und sein« Augen glänzten, wie der Tau der Gräser und Blumen, der am Morgen von den Strahlen der Sonne wie blinkende Perlen anzu» sehen ist. H a n» E ck. Der zweite internationale Zugendkongreb- Da» Bureau der Sozialistischen Jugendinternationale beruft jetzt den zweiten internationalen sozial! st Ischen Jugend tongreß für die Tag» vom 26. bis 29. Mai nach Amsterdam ein. Als Tagesordnung ist in Aussicht genommen: 1. Die Tätigkeit der Sozialistischen Iugendinternational« seit » dem Hamburger Kongreß. 2. Internationaler und nationaler Kampf für den Iugendschutz. Referent: Anton K i m m l. Wien. S. Die Bedeutung der Kulturarbeit in der Jugendbewegung für den Sozialismus. Referent: Erich Ollenhauer. Berlin. 4. Die internationale Zusammenarbeit der Jugend als Mittel sozialistischer Friedenspolitik. Referenten: Rickard Lind» ström, Schweden, und Archur Tetley, England. S. Das Verhältnis der sozialistischen Jugendorganisationen zu den bürgerlichen Iugenoverbänden und zu den öffentlichen Einrichtungen für Jugendpflege und Jugendbewegung. Referenten: Max Weftphal, Deutschland, und Joses ' de Graeve, Gent. >- 6. Wahlen. 7. Anträge. Teilnahmeberechtigt lind dt« Delegierten der Landesverbände, die Mitglieder des Exekutivkomitees und die Mitglieder de» Bureau». l2t m DS Runösthau UliBÖl □2? j5i Probleme der Arelzeilgeftaltung. Anfang Februar fand in Berlin eine Tagung des Reichsausschusses der deutschen Jugendver- bände statt, die sich im wesentlichen mit den Problemen beschäftigte, die sich für die Jugendverbände de» Reichsausschusses au» der Forde- rung einer gesetzlichen Festlegung einer ausreichenden Frei» ?e i t der erwerbstätigen Jugend ergeben. Auf der Freizeit-Tagung n Kassel wurde von einigen Seiten darauf hingewiesen, daß die Er- füllung der Forderungen in sehr starkem Maß davon abhängig sein wird, ob es den Jugendverbönden gelingt, die Jugend in ihrer Freizeit zweckdienlich zu beschästtgen. In der Sitzung de» Reich»- ausschusses wurde mit Rech« darauf hingewiesen, daß es nicht allein die Aufgabe der Iugendverbände ist, für die Ausgestaltung der Frei- zeit der erwerbstätigen Jugend zu sorgen, sondern daß auch dl» öffentlichen Stellen hier die Verpflichtung haben, dt« not- wendigen Einrichtungen zu treffen. Diese Forderung kam besonders stark zum Ausdruck in der Di»- kussion über ein Referat von Pfarrer Donndorf-Hamburg über Jugend und Erholungsheime der Jugendbünd«. Der Referent konnte auf Grund einer Rundfrag« bei den Iugendverbänden fest- Sellen, daß die Jugendverbände bereits eine ganze Reihe von eigenen ugend- und Erholungsheimen besitzen, daß aber dem weiteren Au»- bau dieser Einrichtungen erhebliche materielle Schwierigkeiten gegen- überstehen, die nur mit Unterstützung der behördlichen Stellen über- wunden werden können. In der Diskussion wurde weiter daraus hingewiesen, daß infolge de» geringen Entgegenkommen» vieler kommunaler Verwaltungen heut« ein großer Mangel an guten Jugendheimen besteht, in denen die Jugendgruppen ihre Abend- und Sonntagsveranstaltungen abhalten können. In vielen Fällen müssen die für die Zwecke der Jugendarbeit an der schulentlassenen Jugend reichlich ungeeigneten Klassenräume der Schulen oder gar Verein»- zimmer in Gastwirtschaften in Anspruch genommen werden. E» wurde ein Unterausschuß eingesetzt, der di« Ausgabe hat, Richtlinien ftir die Finanzierung, Verwaltung und zweckmäßige Einrichtung von Erholungs- und Ferienheimen auszuarbeiten und außerdem Vor- schlüge zu machen, wie auf die Landesregierungen und Kommunen «ingewirkt werden kann, um sie zu einer stärkeren Initiative bei der Schaffung von ausreichenden und zweckdienlichen Jugendheimen in ihren Verwaltungsbezirken zu veranlassen. Der andere Einwand der Gegner der Freizeitbewegung der Augend, daß die Verbände nicht die genügende Zahl von Jugend- kührern zur Verfügung stellen können, um der Jugend in Ihren Ferien eine Anleitung für die erfolgreiche Ausnutzung der Ferientage zn geben, wurde in einem zweiten Vortrage von Herrn Wiegand- Berlin über die Ausbildung von Jugendsührern und Jugendsuhre- rinnen innerhalb der Iugendverbände behandelt. Der Referent tonnte feststellen, daß nach den jetzt vorliegenden noch reichlich»n- vollständigen Angaben der Iugendverbände über di« Zahl ihrer Führer und die Veranstaltungen zur Ausbildung dieser Führer al, sicher angenommen werden kann, daß schon die Zahl der bisher ge- Meldeten Führer und Führerinnen ausreicht, um für mehr als die Hälfte der bei den Forderungen de» Reichsausschusses in Frag« kömmenden Jugendlichen für die gute Verwendung ihrer Freizeit Führer und Helfer zur Verfügung stellen ju können. Um der Oefsent- llchteit einmal ein umfassendes Bild zu geben von der bereits bl» jetzt von den Jugendverbänden geleisteten Erziehung?- und Kultur- abbcit, wurde beschlossen, im Frühjahr 1927 in Berlin unter Führung des Reichsausschusses eine große Ausstellung„Die Freizeit der Jugend" zu veranstalten. Um für diese Ausstellung stichhaltiges und einwandfreie» Material über die gegenwärtige soziale Lage der deutschen erwerbs- tätigen Jugend zu erhalten, beschloß die Sitzung der Arbeitsgemein- lchaft der Laudesausschüsse des Reichsausschusses der deutschen Iugendverbände, die am 4. Februar stattfand, im Laufe des Sommers in allen Teilen des Deutschen Reiches statistische Erhebungen anzu- stellen, die zum ersten Male die ungeheure gesundheitliche, soziale und sittliche Not der erwerbstätigen Jugend sowohl in den verschiedenen Landesteilen als auch in den einzelnen Wirtschaftsbezirken zahlen- mäßig wiedergeben werden. Kurfu» für erwerbslose Zugendliche. Vom 7. bis 14. Februar veranstaltet« das Bezirkssekretartot des ADGB. für Rheinland und Westfalen einen achttägigen Führerkursus für die zurzeit e r w e r b»- l o f e n freigewerkschaftlichen Iugendleiter. Al» Tagung», und Auf- enthaltsort diente die Vestische Jugendherberge bei Recklinghausen, deren moderner Ausbau allen gastlichen Anforderungen besten« genügte. Zu dem Kursus hatten sich über 100 Teilnehmer gemeldet l diese Zahl muhte auf 70 beschränkt werden. Das Arbeitsprogramm der Tagung war reichhaltig und zweck- entsprechend. Im Mittelpunkt der Betrachtungen standen folgend« Thenien: 1. Ursachen und Auswirkungen der gegenwärtigen Wirt- schaftskrise; 2. Die moderne Gewerkschastsbewegung, ihr« Aufgaben in Staat und Wirtschaft; 3. Jugendfragen: 4. Di« geschichtlich« Entwicklung der Arbeit: ö. Arbeiterdichtung und Festkultur. Al» Referenten an diesem Kursus wirkten folgende Personen mit: Dr. Meier, Dr. Seelbach, Düsseldorf, Schönlank, Maschke, Berlik Dr. Berger, Vogt, Bochum, Meier, Aannen, Triem, Bochum. Da» tägliche Arbeitspensum belies sich auf je vier Vorträge bzw. Arbeit»- gemeinschaften. Die Kursusteilnehmer bezeugten einen ernsthaften Bildung»- drang und bewiesen großes Berständni» ftir vi« ausgeworfenen Fragen.* kommunistisch« Schwenkung? Die Kommunistisch« Jugend kommt allmählich zu der Einsicht, daß sie mit den bisherigen Me- thoden ihrer Jugendarbeit niemal» an die Massen der Jugend heran- kommen wird. Die Ursach« zu dieser vernünftigen Erkenntnt» ist in der Tatsache zu suchen, daß sich ihr Verband in einem jämmer- lichen Zustand befindet. E» gibt zwar gerade in dieser Zeit ein« Menge Mitläufer, aber so viel ist auch den Kommunisten schon klar geworden, daß mit derartig unsicheren Kantonisten nichts Vernünf- tiges anzufangen ist. Die Zentrale klagt in der Zeitschrift, daß die Bezirksleitungen die Rundschreiben nicht beantworten, und di« Leser der„Jungen Garde" werden ernsthaft daraus aufmerksam Semacht, daß die Zeitschrift auch abonniert werden kann. Bisher heint man also diese Methode gar nicht zu kennen. Im übrigen sollen auch di« Arbeitsmethoden in den Gruppen völlig umgekrem- pelt werden. Revolution? Ueberholt. Unterhaltung ist Trumpf. In einer Resolution ist der neue Kur» wie folgt fest- gesetzt worden: „Die Hauptursach« für dt« Tatsach«, daß der KIVD. trotz feiner großen Werbekraft noch auf sehr schwachen Füßen steh( ist zweifello» die im Jugendverband noch heut» vorhanden« sektiererische Einstellung gegenüber den Massen de» Iungprole- tariat». Dieselbe kommt zum Ausdruck in der Ueberschätzung des formalen Wissen» und im Stehendleiben beim Ad- fassen großartiger Arbeitspläne und Reso- lutlonen. ... Dies« Juaendlichen, die noch kein entwickelte» Klassen- bewußtsein haben, suchen im Jugendverband auch U n t« r h a l- t u n g, einen Ersatz für ihr durch die Arbeit zerstört«, Familien- leben und den Verkehr mit gleichaltrigen Kameraden, obwohl sie bereit» soviel Klasseninstlnkt besitzen, daß sie nicht dem„Christ- lichen Verein Junger Männer" oder einer ähnlichen Organisation anschließen, sondern zum KIVD. kommen. Um die zu diesem Zweck notwendige Verbreiterung unsere» Arbeitsgebietes herbeizuführen, beschließt da» ZK. de» KIVD.r a) Der KIVD. muß zukünftig größeren Wert auf dl« Veranstaltung von Unterhaltungsabenden(besonder» von öffentlichen) und ähnlichen Veranstaltungen legen. Ein gute» Beispiel für sehr werbekrästige Veranstaltungen dieser Art sind die Berliner Roten Rummel. Ebenso sind solch« Veranstaltungen, wie Dichterabende(Heine, Glaßbrenner u. a.), Fahnen- weihen usw. zu empsehlen. E» wird ohne groß» Schwierig ketten möglich sein, jede dieser Veranstaltungen mit den Tag«»- ereignissen zu verbinden. b) Der Veranstaltung von Jugendtagen, Jugendtreffen und Roten Tagen, wie überhaupt dem demonstrativen Auftreten unseres Verband«» muß ebenfall» größere Aufmerksamkeit zu- gewandt werden. o) Die„Junge Garte" muß verbessert(II D. Red.j werden: V« r t ü r z u nH de» au» der Tagespreis« kopierten politischen Teile», Ausbau der Rubriken„Au» den Be» trieben" und„Au» den Gewerkschaften". Ferner: Aufnahm« neuer Stoffgebiete in die.Lunge Garde": Naturwissenschaft, Geo- graphie, Technik. Sport und Unterhaltung. ä) Die Partei soll an olle Bezirke die. Anweisung heraus- geben, daß überall kommunistische Jugendheime zu schaffen und auszubauen sind." Man wird die Entwicklung der Kommunistischen Jugend in der nächsten Zukunft abwarten müssen, ehe man sagen kann, ob di« Kommunisten mit den obigen Beschlüssen tatsächlich zur besserem Einsicht gekommen sind, oder ob es sich wieder einmal um eine unter vielen Resolutionen handelt, die man heute mit Feuereifer als die allein richtige propagiert und niorgen ins Feuer wirst.