onvaris Nr. 5 Beilage zum Vorwärts I». Mal Arbeitgeber unö �ugenöfthutz. Dab dl» Arbeitgeber kein« Freund« der sozialpolitischen For derungen der deutschen Jugendverbünde sind, ist sicherlich für nie manden etwa» Neue». Aber e» ist dennoch interessant zu sehen, wie die Unternehmer versuchen, stch der verstärkten Propaganda der Jugendverbände und den damit unzweiselhaft aus»ine weitere Oesfentlichkeit erzielten Wirkungen entgegenzustellen. DI« Aeltschrtst der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberver- bände bringt au» der Feder eine» Dr. Klein- Uerdingen einen längeren Aufsatz, de«„die Sozialpolitik der deutschen Jugendoer- bände' kritisiert und einen Hausen Griinde zusammenstellt, die die Unerfüllbarkeit der Jugendförderungen dartun sollen. Drei oder zwei Wochen bezahlt« Ferien für erwerbstätige Jugendlich«, die 48 stlindig« Arbeitswoche einschließlich Fortbildungsschulunterricht— unmöglich! Die Unternehmer können e» nicht bewilligen, und wenn sich die gesamten deutschen Iugendverbönd« mit den Wohlfahrt s- verbänden, mit Lehrerschaft und Aerzte zehnmal über die Berechti« gung und Notwendigkeit dieser Forderungen einig sind. Diese Einigkeit der Jugendverbünde nimmt Herr Dr. Klein zu- erst unter die Lupe. Sie ist für den wirklichen Kenner der deutschen Jugendbewegung, wie z. B. Dr. Klein einer ist, etwa» Unmögliche». Nach ihm sind sozialpolitische Forderungen allermeist lediglich Mittel der Parteidemagogie. Die„wahre' Jugendbewegung, die nicht .Parteicnhaß, sondern Volksgemeinschaft wolle, könne deshalb mit solchen Forderungen eigentlich nicht» zu tun haben; sie wolle nicht die Befriedigung egoistischer Wünsche, sondern erstrebe unter Her- gäbe aller Kräfte die Schaffung einer neuen, staatlichen Zukunft unsere» Volke». Diesem Geist« würden Forderungen an die Jugend selbst entsprechen, z. B. Einführung der Arbcitsdienstpflicht. nicht Forderungen an andere. Mit dieser Betrachtung kann Dr. Klein die sozialpolitische Ein- heitsfront der deutschen Jugend nicht aus der Well schaffen. Diese Front ist au» dem starken Gerechtigkeitsgefühl der Jugend entstanden, da» sich dagegen aufbäumt, daß vielen Hunderttausenden werktätiger Jugendlicher die jährliche Erholungspause versagt sein soll, die dem gleichaltrigen Schüler gewährt wird, die jeder Handwerker und Kauf- mann sich gönnt, die dem Beamten zusteht und auf die am aller- wenigstens unsere Unternehmer verzichten, Herr Dr. Klein sicherlich eingeschlossen. Diese Front ist nicht da» Resullrt parteidemagogifcher Jugendverführungskünste, sondern au» freiem Meinungsaustausch der Jugend gewachsen. Wenn selbst Dr. Klein an einer Stelle seine» Aufsatzes aussprechen muß:„Gewiß ist es richtig, daß ein großer Teil unserer werttätigen Jugendlichen in unserer modernen In- dustriewirtschast nicht mehr die nötige Gelegenheit und Ruhe zur Entfaltung ihrer inneren und körperlichen Kräfte hat. ja, daß viel- fach diese Kräfte durch den Druck der Jndustriewirtschast zum Schaden unseres Volke» zu verkümmern drohen'. Dann erhellt dies« Fest- stellung durchaus die Schwere der Situation, die die Jugendverbände zum Handeln zwingt; denn diese aufrüttelnde Feststellung stamnit sa von einem Manne, der gegen die Forderungen der Jugend ist und allen Anlaß hat. die Lage mit größter Vorsicht zu schildern. Der Ideale Wille der Jugend ist hier durchaus nicht auf Abwegen, im Gegenteil. Nur böser Will« kann da» Bemühen, der großen Masse werktätiger Jugend einen Weg zu mehr Licht und Luft zu bahnen deuten als«inen Versuch egoistischen Wünschen zu dienen. Es geht Herrn Dr. Klein besonder» nahe, daß ein Führer der katholischen Jugend, Herr Generalpräse» Mosterts, zur Begründung der Jugendförderungen gelegentlich geäußert hat:„Wir sind nicht tn der Loge, die Harmonie, den Sinn und den Zweck der Arbelt wieder herbeizuführen, wohl aber dazu, einen Rhythmus zwischen der lähmenden und zermürbenden Arbeit und der den Menschen wieder veredelnden Muße zu bringen.' Eine solche niederdrückende Feststellung könne nur ein Mann machen, der von parteipolitischem Denken beherrscht sei, der tn seinem Denken davon ausgehe, daß es in Deutschland Volksschichten mit entgegengesetzten Interessen gebe, In diesem Falle Unternehmertum und Arbeiterschaft. Solch« Ein» sichten und Ansichten hoben vor Dr. Klein natürlich keinen Bestands sind für ihn lediglich Resultate falscher Anschauung, falschen Denken», für die e» in der Wirklichkeit kein« Grundlagen und Anhaltspunkt» gibt. Jedenfall» hat die.wahre' Jugendbewegung de» Dr. Klel» (wer damit gemeint ist, erfährt man leider nicht genau) mit solche» Anschauungen nicht» gemein; sie trägt in stch da» Ideal der Volk»« gemeinschaft, einer neuen staatlichen Lebensform, die besonders da» durch dauerhaft und fest gestallet sein wird, daß der im BGB. auf den arbeitenden Menschen angewandte römisch« Sachenrechtsbegriff (bei den Bestimmungen über da» Dienstverhältnis) ausgemerzt sein wird, zugunsten eine» Arbeitzverhältnisses, das der deutschen Auf. fassung von Arbeit, als einer Angelegenheit der schöpferischen Seelen- tröste entspricht. Damit kann sich nun trösten, wer will. Ob Dr. Klein, wenn er nur einmal ein Jahr al» einfacher Kumpel in die Grube gefahren ist, oder ein Jahr an» Bandsystem gearbeitet hat oder sonst ein» andere Arbeilsleistung eine» werktätigen Menschen ausübte, noch etwa» von den schöpferischen Seelenkräften hören will? Ob er stch befreit fühlen wird, lvenn im BGB. einige andere Begriffsbe- sttmmungen über da» Arbeitsverhältnis niedergelegt sind, ohne daß auch grundlegend« Aendemngen im Wirtschaftssystem vorgenommen wurden? Er macht über Tatsachen, die jeden ohne Voreingenommen- heit betrachtenden Menschen erschrecken, leer« Redensarten, lim die Forderung, der angestmnnten, lähmenden und zermürbenden Arbeih die wegen ihrer Einförmigkeit und Eintönigkeit ohne innere Be» frtedigung getan wird, eine ausreichende Muß« folgen zu lassen, in der der Mensch sich erholen kann, tn der er stch Beschäftigung hin- geben kann, die ihn erheitern und auffrischen, tn der der Mensch soin seelisches Gleichgewicht wieder herstellen kann, drückt er sich»nit der Aeußerung vager Zukunftshosfnungcn herum. Die von Herrn Mostert» ausgesprochene Wahrheit hat er nicht entkräften können. Und weder er noch ein anderer kann es überhaupt. Nach Dr. Klein verstoßen die Forderungen der Jugendverbäud« gegen jegliche erzieherisch« Grundsätze. Wer kennt sie nicht, all dt« schönen Sprüchlein: Man muh der Jugend zuerst ihre Pflichten zeigen, bevor man sie Ansprüche stellen lehrt; erst et»vas leisten, bevor man etwas fordert; erst die Arbeit, dann das Spiel; nur wer arbeitet, soll auch essen,— er schenkt uns keinen, er bringt sie all«. Gerade als kämen die Forderungen aus dem Munde einer vor Wohl- leben zerplatzenden Jugend, als handle es stch nicht um Forderungen zur Lsbenserleichterung für junge Menschen,.die nicht mehr die nötige Gelegenheit und Ruhe zur Entfaltung ihrer inneren und körperlichen Kräfte haben, deren Kräfte in Äefahr stehen, zu ver» kümmern.' Aber Herr Dr. Klein sucht eben„Gründe" gegen dt» Jugendforderungen. Nur sieht er mehr auf eine möglichst groß« Zahl von„Gründen" als auf deren Richtigkeit und Durchschlag». traft. Wirkt es nicht wie eine Heuchelei, wenn Dr. Klein tm Namen der Arbeitgeber fragt, üb denn auch die Gewähr gegeben sei, daß die Freizeit von den Jugendlichen richtig angewandt werde? Da» fragen dieselben Leute, die sich niemals scheuen. Jugendliche bedenken- los auf die Straße zu setzen, wenn es„der Geschäftsgang erfordert.' Herr Dr. Klein wird amüsant, wenn er aus die Kostenfrage für den Jugendurlaub zu sprechen kommt. Er gibt dabei ein glänzende» Beispiel für die Kalkulationskunst deutscher Unternehmer. Für ein» genaue Besprechung der entstehenden Kosten ist ein« sichere Grund- lag« noch nicht vorhanden. Aber Herr Klein stimmt den proviso- rischeu Berechnungen der Jugendverbünde zu und nimmt mit ihnen an, daß etwa 3 Millionen Jugendliche in Frage kommen, für die bei Zugrundelegung eines durchschnittlichen Stundenlohnes von 20 Pf. ein- Lohnfumme von 70 bis 100 Millionen Mark»vährend der geforderten Ferien zu zahlen wäre. Dr. Klein scheint auch da» Empfinden zu haben, daß da» noch kein Betrag ist, der eine glatte Ablehnung der Jugendforderungen rechtfertige. Er rechnet darum priter und stellt fest, daß zu diesen Kosten hinzukämen für: Um- Ci Lnlernung von Ersatzkräften, sür deren Beurlaubung, Schaden ch Produktionsausfall, größeren Maschinenoerschleiß und ver- »«hrte Brucharbeit, insgesamt noch(festhalten!)!500 bis 400 Millr- Cienl Wundert sich nun noch jemand über die Preise in Deutsm- nd? Fünfhundert Millionen, oder besser noch: eine halbe Milliarde, das wirkt doch schon stärker als 100 Millionen. Man braucht an d�e vrt Kalkulation kein ernsthaftes Wort der Kritik zu oerschwenden. Diese Methode richtet sich von selbst. Sie wird noch beleuchtet durch folgende Tatsache. Es wurde ßchon die Feststellung, die Dr. Klein selbst über die mangelnde Ruhe Und Gelegenheit zur Entfaltung der Kräfte der Jugend machte, •ttiert. Wenn er diese Not anerkennt, kann er natürlich nicht umhin, Besserungsvorschläge zu machen. Er tut es auch und zwar meint er fen tlnschluh an seine Feststellung, es sei falsch, die Gegenwirkung «uf einem anderen Boden als.dem mütterlichen Boden der Werk» JlatT zu entfalten. Die Arbeit am Wohl der Jugend müsse da be- ginnen, wo die Erkenntnis der Notwendigkeit der pfleglichen Be- Handlung der Jugend zuerst entdeckt sei.(Also die Arbeitgeber haben ßuerst eingesehen, daß es der Jugend nicht gut geht und daß etwas für sie getan werden muß. Wer es nicht glaubt, zahlt einen Talerl) Don allen Bindungen sei die an die Arbeit die stärkste. Der Bolks- Mund sagt: Arbeit macht das Leben süß. Der Jugend muß die Arbelt süß gemacht werden: das Gelingen hängt ab von den Mit- arbeitern des Jugendlichen, und zwar vom Lehrling bis zum General» dlrektor.(I) In und aus der Fabrik selbst muß das Crziehungs- Problem der Werkjugend gelöst werden. Was Dr. Klein damit melnt? Nun, er empftehlt die Gründung von Werkjugend» vereinen. Für eine Arbeitgeberjugendpflege, die den werk- tätigen Jugendlichen auch nach Feierabend unter den Fittichen des Unternehmers hält, ist man bereit viel Geld auszugeben. Da soll es an Unterstützungen nicht fehlen für Jugendheime und Spielplätze. Man will die werktätige Jugend ganz in der chand haben. Im Werk- jugendverein, da würde kein.Parteidemagoge" den jungen Geist vergiften können, da könnte man die jung« Arbeiterschaft so er- ziehen, wie man sie als.humaner Unternehmer" braucht. Ueber die Kummen, die man für diesen Zweck auszugeben bereit ist, macht Herr Dr. Klein keine Angaben. Ihre Höhe ist auch gleichgültig, denn sie verzinsen sich auf all« Fälle. Selbstverständlich hat Dr. Klein noch eine Reihe weiterer Gründe Sir Hand, aber es Ist immer dasselbe Niveau. So, wenn er seinen esern grauslich machen will mit dem Hinweis auf die Kosten, die für die Errichtung all der Ferienheime auszubringen wären, In denen die Jugendlichen doch untergebracht werden mühten. Ver- pflegungs- und Fahrgeld kämen auch noch hinzu, so daß es ohne kteuererhöhungen gar nicht abgeht. Oder wenn er seine Leser glauben machen will(vielleicht glaubt er es selbst), daß die Jugend- verbände die gesetzliche Regelung der Jugendferien sich so dächten, daß ganz genau festgelegt wird, wann und wie die Feriengc- Währung zu geschehen habe. Die Jugend fordert nur die gesetzliche Festlegung des Rechts auf Ferien und sie weiß ganz genau, daß man in den einzelnen Wirtschaftszweigen dann eine spezielle Regelung herbeiführen muß Die Jugend weiß ebenso, daß die von ihr geforderten gesetzlichen Maßnahmen eine Reihe schwieriger Fragen zur Lösung stellt und sie ist bereit, nach ihren Kräften an deren Lösung mitzuwirken Die Tendenz de» Aussatze« de« Dr. Klein aber zeigt, daß man auf der Gegenseite überhaupt nicht will, daß man sich nur dem Zwang beugen wird. Darum darf die Jugend nicht ruhen und rasten, bis der Reichs- tag es zum Gesetz erhoben hat, daß der Jugend ausreichende Frei- zeit zu gewähren ist. Max W e st p h a l. > Genosse-! Komm, junger Freund, reich mir die Hand, verweile wenige Augenblicke nur und hör' mir zu: Du riefst vorhin den Kameraden Und nanntest ihn Genosiel Es huschte dieses Wort leicht über deine Lippen wie andere auch. Ich merkte es, du dachtest, fühltest kaum etwas dabei, es war Gewohnheit, Alltag, du gebrauchtest es wie tausend andere Worte. Drum nochmals, junger Freund, banne deine Freiheit suchenden Blicke, denke nach: suche die unendliche Tiefe dieses Wohlklangs zu erfassen. Pflanze den Geist, der aus ihm fpricht, fest in dein Innerstes, laß dein Gemüt erfüllt sein von Ge- nassen schaft. Cs ist ein eigen Ding mit diesem Wort Genosse. Wo es ertönt, tft allerhöchste Bindung, schlägt nicht nur ein Herz, sondern viele eine gleiche Melodie. Du bist nicht einsam inehr, bist wohl geborgen im Schoß des ganzen und schöpfst daraus die starke Kraft zum Lebe», Kämpfen, Leiden. Und kannst nickt müde werden, kennst nicht mehr Verzweiflung. Bist hofsnungsstark und frei in der Gebundenheit der Solidarität. Wenn du dann wanderst weit in fremde Fernen und fremde Augen gleichgültig dich streifen, wenn du verzweifeln möchtest in Erinnerung an liebe Freunde deiner Heimat, in deren Sinn du lebtest, mit denen du gemeinsam dich erfreutest am Gleichklang, am gemeinsamen Rhythmus eures Lebens, wenn du ein Körnchen bist, lose ins ganze eingestreut, ohne innere Gemeinsamkeit und Bindung mit dem Ungewohnten, Neuen, wenn Trübsinn dich ereilen will und du haltlos dich der Verzweiflung preis gibst und du dich rückwärts sehnst-- l Dann möge jenes Zauberwort. Genosse, dein Ohr er- reichen! In dir wird'» jubeln, tausendfach wird's widerhallen, du bist nicht mehr allein!— Dann wirst du recht empfinden, was Ge- meinsamkeit der Seelen uns bedeutet, dann wird dir's deutlicher werden als alle unsere stümperhasten Worte es dir zu sagen ver- mögen: tiefer heiliger Emst wird in dich ziehen. Genosse bist dul Mitglied einer kühnen Schar, die mit Kops und Herz und Hand frisch kämpft für ihre hohen Ziele, die nichts mehr wankend machen kann. Junger Freund, gebrauche unser köstliches Wort Genosse spar- sam, mit Bedachtsamkeit. Gib ihm die Weihe, die ihm ziemt— und sei von ganzem Herzen auch du uns ein Genosse. Pmn. /Us ich Zur /lrbeiteejugenö kam. Meine Mutter schimpfte zuerst sehr und meinte, ich sei noch viel zu jung, und ich müsse doch nun lernen im Bureau und könne nicht noch abends fortgehen, und dann feie» überhaupt Jungens und Mädchen zusammen da, und das schicke sich nicht. Aber mein Vater sagte. Ich solle ruhig mal hingehen. Ich hatte nun wohl große Lust, aber ich traute mich nicht. Da verabredete ich mich einfach mit Rudi. Das ist der Sohn von einen« meinem Vater bekannten Partei- genossen, und wir hatten zusammen die Jugendweihe bekommen. Da erlaubte es denn meine Mutter schließlich, aber sie sagte, ich solle min.Sie" sagen zu dem Rudi, denn wir seien doch nun erwachsen. Ich dachte:„Ist das aber komisch!" Denn er hatte mir doch noch vorige Woche im Lebenskundeunterricht immer heimlich die Schürze ausgebunden. Aber ich sagte„Sie". Da fragte er, ob Ich„dos" wäre. Da wurde ich wütend und sagte:„Du, Ich hau dir eine." Dan» kamen wir hin. Es war in einer Schule in einem schönen großen Zimmer, ober es waren keine Bänke da und kein Pult, sondern wir sahen alle um einen großen Tisch herum. Das freute mich, denn ich bin doch nun groß und geh nicht mehr zur Schule. Zuerst standen wir beide rum, und die anderen erzählten laut, und in einer Ecke übten ein paar Mädchen Voltstänze. Dann kam auch ei» Mädchen zu mir und sagte„Guten Tag" und fragte mich alles Mögliche. Aber sie war schon älter als ich, und da sagte ich bloß immer ja und nein. Da ging sie wieder. Dan» fing es an. In der Zeitung hatte gestanden:„Distusstons- abend: Zweck und Ziele der Arbeiterjugend." Ich wollte ordentlich aufpassen, aber ich mußte mir Innner die Leute, die da waren, so genau angucken, da vergaß ich manchmal hinzuhorchen. Aber ich glaube, die Hauptsache habe ich doch behalten, und wenn ich meiner Mutter erzähle, was ich da gehört habe, läßt sie mich sicher öfter hin- gehen. Also: Jetzt, wo ich doch nicht mehr zur Schule gehe, muß ich Gelegenheit haben, mich weiter zu bilden und noch mehr zu lernen, auch solche Sachen, die uns Arbeiter speziell angehen, dannt es uns einmal besser geht. Ich habe ja nun die Schule satt, aber ich glaube, in der Arbeiterjugend lerne ich gern noch mehr. Ein Junge war da, der war höchstens 15 Jahre alt und ha! schon tüchtig mitgesprochen. Ob ich das auch bald können werde? Zum Schluß kam das Schönste: Sonntag wollten alle auf Fahrt gehen, und der Leiter sagte extra zu uns beiden hin, die Neuen sollen ruhig mitkommen. Wenn ich bloß darf! Dann sagte ich zu Rudi „Ans Wiedersehen!" und ging noch Hause. Einer von den großen Jungen hatte denselben Weg wie ich, und als er das merkte, saaie er, er würde mich schnell ganz noch Hause bringen, es sei besser. Ich hatte ja auch Angst gehabt und freute mich nun eigentlich, aber vor ihm halte ich noch mehr Angst, denn ich hatte ja noch nie mit einein so großen Jungen gesprochen. Rudi zählt nicht, der ist ja auch erst 14. Aber er erzählte sehr lustig von den Heimabende» und den Fahrten und fragte auch, ob ich Sonntag mitkäme. Bloß ich konnte Ihm immer nicht viel antworte», da lch doch nicht„Du" zu ihm sagen tonnt? und mich schämte,„Sie" zu sogen, weil er mich dann sicher ausgelacht hätte,»nd er hat ja auch recht, und das nächstemal sage Ich auch„Du"! Meine Mutter stand vor der Haustür und wartete aus mich. Zuerst machte sie ein böses Gesicht, aber der Junge begrüßte sie gleich, sagte, daß er mich drav wieder ablicsere, und bat meine Mutier auch, mich doch Sonntag mit aus Fahrt zu lassen, sie würde» alle aus mich aufpassen. Und zum nächsten Heimabend möchte sie doch selbst mitkonmie» und sich alles mal ansehen. Ich freute mich sehr. Dann gab ich ihm die Hand«nd er sagic:„Ra dann Frei Heil bis Sonntag!" Meine Mutter schüttelte dann noch«In wenig de» Kops und sagte:„Siehst du, gleich den ersten Abend hat man dich nach Hause gebracht!" Aber sie meinte es nicht so, im Gegenteil, ich glaube, sie war froh, daß sie mich nun in sicherer Obhut wußte. Aber ein- schlafen konnte Ich noch lange nicht. Ich erzählte gleich alles, wie es gewesen war, bis meine Mutter sagte, ich solle man nicht gleich zu eifrig sein, sonst dürfe ich nicht mehr hin. Da war Ich six still. Aber es war doch alles so neu und hatie mir so gefallen! Da wird doch nicht solch Unsinn gemacht, wie die Mädels Iii der Schule reden, oder wenn wir aus den Rummel gehen oder vor der Haustür sind. Jetzt komme ich mir erst richtig erwachsen vor! Und Sonntag geh ich mit auf Fahrt. Frei Heil! Von eine m M ä d e l. Thif nach �msteröaw! (Zum lniernaklonalen Zugendiag in Amsterdam.) Aus Amsterdam wollen wir fahren, Wir wollen in Amsterdam frein. Wenn Freihell und Schönheit sich paaren: Wird Freude seint Zu Amsterdam wollen wir Zungen, Europas jüngstes Geschlecht: Uns enger und enger verbünden, Das Ziel heißt— Friede und Recht! Wir wollen aus Amsterdam fahren, Wir segeln mit Wolke und Wind. wir rudern mit Herz und mit Seele, Wir reisen, wir reisen geschwind!, Max Dar tu. Mit Kinüerfteunöen auf großer Zahrt. Di« letzten Nachtbummler kehrten heim, als sich die ersten kleinen Geister mn Stettiner Bahnhof einfanden, um für sechs Tage der Millionenstadt den Rücken zu kehren und hinaus In die erwachende Natur zu wmidern. Das war eine Freude, als sich der Zug, der uns nach Gierswalde führen sollt«, in Bewegung setzt«! Aus 72 Kehlen ein frohes„Freundschaft"', ein letztes Winken. Der Himmel, der ein gar trübes Gesicht ausgesetzt hatte, schickte in Eberswalde Frau Sonne zur Begrüßung heraus. Was sie da für blaffe Gesichtchen zu sehen bekam! Sie strengte sich ordentlich an, um auf, die Gesichter der Proletarierkinder ein frohes Rot zu malen. stlls wir mittags am„Großen Buckowsee" rosteten, da war es ihr schon ein ganz wenig geglückt. Ans Esten dachte keines mehr. Was gab es nicht auch alles zu sehen! Da war ein Frosch, den man so gern mitnehmen wollte, dort ein Baum, der zmn Klettern einlud. Einig« spielten Völkerball, andere rauften sich, um ihre Kräfte zu messen. Einer nahm sich seinen Rucksack und boxte sich mit ihm. Dem Rucksack ging e» dabei nicht gar zu gut. Dann ging es munter mit Gesang weiter. Kurz vor der Jugend- Herberge in Eichhorst werden die zerzausten Haare glattgestrichen und mit:„Wenn wir schreiten Seit an Seit" ziehen wir in die Jugendherberge ein. Jede Gruppe aus acht Kindern bekommt«wen Gruppenoater oder eine Gruppenmutter. Alsdann führt jeder seine acht Kinder in den Schlastaal, um ihnen ein Bett anzuweisen. Da werden erstaunte Augen über die übereinanderstehenden Betten ge- macht. Jedes Kind möchte sich einen Platz an der Sonn«, ach nein, an der Decke erobern. Nach der Generalreinigung wartet auf der Veranda schon der Kaffee und die frischen Semmeln. Zu Anfang ein Lied und„laßt es euch gut schmecken". In wenigen Minuten war alles aufgezehrt, nicht«ine Semmel blieb zurück. Bis zum Abendbrot streiften wir in der Umgebung muher. Hier wurde die Schleuse, dort der Askanierturm, auf den leider niemand hinaus konnte, bewundert,«In Stückchen weiter der durkle, schöne Werbellinsee, der aus die Kinder einen ungeheuren Eindruck machte. Um S Uhr ging es ins Bett. Die Helfer lasen noch aus Wunsch Geschichten vor. Den Schluß der Geschichten hat kein Kind mehr gehört: sie waren alle eingeschlafen. Ein Helfer hatte sich«w de« sonders gutes Bett mit schöner Matratze ausgesucht. Mit großem Wohlbehagen schlüpft« er hinein und schlief ein. Doch o Schreck, o Graus, des Nachts um Zwölfe ein Krach, ein' Bums, und der nicht all zu leichte Helfer lag mit seiner Matratze unten. Darob große Aufregung in den unteren Schlassälen. Zuerst dacht« man, das Haus sei eingestürzt. Ein Helfer faßte sich ein Herz und drehte dos Licht an, fand aber nichts. Am Morgen lag der Durchgefallen« ruhig auf seiner Matratze an der Erde: er hatte von seinem nächtsichen Ausflug nichts gemerkt! Eine Portion Spott mußte er jetzt gc- duldig auf sich nioderraffeln lassen.„War es fein da unten?" „Bist du heute nacht Rutschbahn gefahren?" u. a. m. Zmn Frühstück gab es Kakao, Schnecken und Brötchen. Di« Helfer machten 160 Paar Schnitten für den Tag zurecht, da erst abends warm gegessen wurde. Feine Arbeit! Dann zogen die einzelnen Gruppen los. Abends gab es«in großes Erzählen. Eine Gnippe hatte Reh« gesehen, ein« andere Fischreiher, eine Hatte sich o weh. verlausen. Die einen halten Kähne und Herzen aus Bamnrinde geschnitzt, andere Völkerball gespielt. Wieder andere waren Abhänge herunterge« trudelt. Der Höhepunkt jedoch wurde erreicht, als die letzte Gruppe «nkam, die mit dem„durchgefallenen" Helfer fortgewesen war. Aus der Fern« schon riefen sie:„Ami ist ins Wasser gefallen." Und richtig, da kam er pudelnaß an. Er machte zwar gut« Miene zum bösen Spiel. Das gab. ein Gelächter, daß es nur so sein« Art hatte! Alle bekamen sie es zu erfahren. Vom Herbergsvater Ks zu den Wanderern, die außer uns in der Herberge waren. Armer, armer Ami! Er oerkroch sich mit einer geliehenen Hof« in die dunkelste Ecke des Tagesraums, denn das war doch zu viel! Ersj ins Wasser fallen und dann noch obendrein geneckt zu werden! 9 An den folgenden Tagen war uns Frau Sonn« nicht mehr hold. Ob sie dachte, daß sie uns schon genug gebräunt hätte? Regnete es gar zu sehr, so waren wir im Tagesraum und ver- brachten uns die Zeit mit Spielen, Vorlesen und Singen. Bei dem Singen erfreuten uns einige Wanderer durch ihr seines Lauten- und Klampfenspiel. Während dieser-Stunden erlebten die kleineni Menschenkinder etwas Großes, Schönes. Die Gemeinschaft. Zum Schluß gab's noch was Feines! Der Herbergsvater hatte uns zwei Kähne zur Verfügung gestellt. Das gab einen Jubel, als es die Kinder hörten. Der Himmel lächelte wieder«in wenig, ex verstand uns ja, er wußte, daß junge Menschenkinder die Sonne sq gern hatten! Gar zu schnell kam der Sonntag. Die Rucksäcke wurden ge» packt, denn es sollte heim gehen. Di« Kinder mochten noch gar nicht wieder zurück. Die zurückbleibenden Wanderer machten uns da» Herz recht schwer. Sie konnten noch einige Tag« am schönen Werbellinse« weilen, während wir zurück mußten in die dumpfen Eroßstadtstraßen. Sie spielten uns noch eins zum Abschied unij dann ging' nach vielen: Winken heimwärts. Am Stettiner Bahn» Hof standen viele Eltern, um ihre Kleinen in Empfang zu nehmen. Da scholl durch die Bahnhofshalle ein so frohes„Freundschaft", daß dl« Menschen da draußen auf dem Bahnhos sür einig« Minuten ihr griesgrämiges Gesicht abtaten und. gleich den Kindern von? ganzen Herzen froh waren._ Rosa Katz. Kurse für erwerbslose?ugenöliche. Durch die Verschärfung der Wirtschaftskrise verloren auch immer mehr Jugendliche ihre Stellung. Gerade die Jugendlichen werden aber durch die Erwerbslosigkeit in viel stärkerem Maße gefährdet, wie die erwachsenen Arbeiter. Die Sozialistische Arbeiter-Jugend und die Jugendorganifa« tionen der Gewerkschaften unternahmen deshalb sofort beim An» schwellen der Erwerbslosigkeit bei den Behörden energische Schritte, um für die erwerbslosen Jugendlichen besondere Fürforge» maßnahmen jju erreichen. Die Sozialistische Arbeiter-Jugend� die freigewerkschastliche Jugendzentrale und die Jugendgruppe de» ZdA. erhielten auf besonderem Antrag Mittel, die sie in die Lag« setzten, In der Zeit von Anfang Februar bis Ende April dieses Jahres im Landheim der Arl�iter-Jugend am Ouenzse« fünf Kurse, mit InegesaM über 200 Teil- nehmern für ihre erwerbslosen Mitglieder zu veranstalten. Der Jnternatskurs hatte den Vorteil, daß durch das enge Zu- sammenleben und die Trenmmg von der niederdrückenden Umgebung ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, das äußerst fördernd auf die Arbeit im Kursus einwirkte, meistens aber erst am Schluß der«Ine Woch« dauernden Kurse voll zum Ausdruck kam. Dadurch, daß einzelne Verbände Mitglieder entfandt hatten, die vorher nie in ihren Iugendaruppen mitgearbeitet hatten, dl« also absolut nicht jugendbeweglerisch waren, war es schwierig, den Unterricht für alle gleich anregend und lehrreick zu gestalten. In dem Genossen Hans Krauß von der Berliner Gewerkschaft»- schule hatte man aber einen Leiter gesunden, der alle diese Schwierig- leiten auf das beste tiberwand. Als Unterrichtssorm wählte er dt« Arbeitsgemeinschaft. Der Beginn der Arbeit bildete ein Vortrag über die Technik der geistigen Arbeit. Daran anschließend wurd« durch bestimmte Text« die Konzentrations-, Kombinations- und CIn- fühlungsfähigkeit der einzelnen Teilnehmer sestgeftelll. Unterricht»- thcmen waren Wirtschastslehre, Staatsbürgertuno», die sozialpolitischen Organisationen und Arbeitsrecht. Alle Gebiete wurden an Hand täglicher Vorkommnisse behandelt, wodurch ein« Ermüdung der Teilnehmer verhindert wurde. Von sämtlichen Stunden mußten Protokolle angefertigt merden» wodurch das Gehörte nochmals verarbeitet und besser verstanden wurde. Den Abschluß bildete, bis auf den letzten Kursus, wo ein« Maifeier stattfand, ein leichterer Vortrog über Kunst, Erztehungs» fragen oder Gemeinschaftsleben. An einem Tage fand außerdem eine Besichtigung des Brandenburger Gaswerkes oder ein Theater- besuch statt. Die anderen Abende wurden mit Spiel. Tanz, Liedern und Spaziergängen ausgefüllt. Alle Teilnehmer nahmen wohl nach Berlin die E r k e n n t n i« mit, welche ungeheure Arbeit zur Verbesserung unserer Lage geleistet werden muß, und damit hosfentlich auch den Willen, in der Or- ganisation mit verdoppelter Kraft mitzuarbeiten. Hossenlich be» herzigen alle das Wort unseres Lehrers: Für uns darf Erwerb»- losigkeit noch nicht Arbeitslosigkeit heißen. WalterEhlen, Reukölln. Wenn es Menschen gibt, die eine hergebrachte Meinung be» kämpfen, oder die solches tun wollen, wenn Gesetz oder öfsentlich« Meinung es zulassen, so laßt uns ihnen danken, ihren Worten lauschen und uns freuen, daß jemand da ist, der für uns tut, was wir sonst mit viel größerer Mühe selbst tun müßten, sofern uns an der Zuver- lässigkeit oder Lebenstrast unserer Ueberzeugung etwas gelegen ist. John Stuart MIll. Internationale Sureausitzung. Jin Anichluß an die Reichskonferenz der deutschen Orgaitisotion trat nm 19. April in Hiidesheim das Bureau der Sozia- i t sOf ch e n Iugendinter nationale zu einer Sitzung zu» famine». o» der die Genossen Voogd(Holland), Heinz(Oesterreich), Paul(Tschechoslowakei), de Graeoe(Belgien), Ollenhauer und Albrecht(Deutschland) als Mitglieder des Bureaus und die Genossen Borrtnk(Holland) und Westphal(Deutschland) als Gäste teilnahmen. Die Sitzung beschäftigte sich im wesentlichen mit den letzten Borbereiningen für die Pfingsten stattfindenden grasten Tagungen der Sozialistischen Iugendinternationale: dem ersten internationalen sozialistischen Jugeudtag und dem zweiten internationalen sozia- ltstlschen Jugendkongrest in Amsterdam. Aus den geschäftlichen Mitteilungen des Sekretariats ist her» vorz» heben der Bericht ül>er die Gründung eines Landesoerbandes der Sozialistlschen Jugend In der Schweiz. An der von der Iugendinternationale veranstalteten Sammlung für die italienischen Genossen haben sich bisher die Organisationen in Belgien, Dänemark, Deutschland, Deutschösterreich, Holland, Norwegen, Spanien und der Tschechajluwakel beteiligt. Die Sammlung ist auch in den genannten Landern noch nicht abgeschlossen. Sie sind ferner noch im Gang in Amerika und Finnland. Das Bureau nahm ferner Kenntnis von dem Beschlust der Exe- tutiv« der Sozialistischen Arbeiterinternatirnale, der dem gemeinsamen Borgehen des Internationalen Gewcrkschaftsbundes, der Sozialistischen Arbeiterintcrnationale und der Sozialistischen Jugend- fnternm'ionaie in Fragen des Jugendschutzes zustimmt. Die nächste Sitzung des Bureaus wird am 26. Mai in Amfter- dam stattiinden. /ws ösr Sewegung Kurse und Jerienveranstaltungen. Der Verband der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands veranstolle! folgende Kurse und Ferienwochen: l. Bom 8. bis 11. August: F« r t« n a r b e i t s w o ch e für Mädel nn Frtedrich-Ebert-Heim in Tännich. Die Leitung siegt ßn Händen der Genossin Klara Bohm-Schuch, Berlin, und Annemari« Hermberg. Leipzig. Tagungsthema: Die Frau in Staat und Wirtschaft. Anmeldungen sind an den Hauptvorstand zu richten. Jede Teilnehmerin hat bei der Anmeldung einen Kursusbeitrag von 2 Mark zu zahlen. Die Unterkunft»- und Verpflegungstostcn pro Tag betragen für bis IS-ährige 2,59 Mark und für über 18jShrige »L0 Mark. 2 Vom 85. bis S1. Muli: Zweite Arbeltswoche für die Leiter der Jugendspiel-, Jugendchor-, Sprechchor- und Musttanten» gruppen der SAJ. im Friedrich-Ebert-Helin. Als Lehrer werden mitwirken: Für Musik und Gesang Fritz Vost, Hamburg: für Jugendspiel und Festkultur E. R. Müller, Magdeburg: Praxis der Sprschchöre I. Iohannesson, Hmnburg: Sprechchöre und Arbeiterdichtung Bruno Schönlank, Berlin: Organlsatorische» August A l b r e ch t, Berlin. Anmeldungen für den Kursus müssen durch die Bezirksleitungen erfolgen. Letzter Tennin 19. Jult. Jeder Teilnehmer zahlt für pnterkiinft und Berpflegung 2,75 Mark pro Tag. X Bom 16. bis 80. August ist das Hamburger Jugend» ssertenlager Puan-Klent auf Sylt von unserem Berband« gepachtet worden. Wir wollen dort ein fröhliches Fertenleben gestal- ten. Anmeldungen müssen sofort an den H-auptvorstand gerichtet werden. Die Teilnehmer versammeln sich am 15. August in Ham- hurg. W Hamburg gehto per Dampfer nach Sylt, ebenso erfolgt die Rückfahrt. Diese Dampferreise kostet Insgesamt 25 Mark. Der Aufenthast im Lager kostet für Jugendliche von 11 bis 13 Iahren 2,80 Mark, von 18 bis 21 Iahren 3,50 Mark, für ältere 1 Mark pro Tag. MM ftus der �ugenö-Internationale. V Internationale IugenSaebeit. Im Verlag der Sozialistischen Iugendinternationale ist eine neue, umfassende Veröffentlichung über die internationale sozialistisch« Jugendarbeit erschienen. Das Sekretariat gibt aus'Anlast des .u Pfingsten stattfindenden Internationalen Kongresses einen Ar- »eitsbericht über die Tätigkeit der Internationale feit dem 5)amburger Kongreß heraus, dem eingehende und wertvolle Bertchte über die Entwicklung der sozialistischen Jugendarbeit in den angeschlossenen Verbänden in den Iahren 1923 bis 1925 angefügt sind. Das über 290 Seiten starke Buch gibt eine erschöpfende Ueber- 6 hl über die vielseitige Arbeit, die die Internationale in der ersten ertchtspe�ode seit der Vereinigung geleistet hat. Der Bericht ist ein tiberzeugender Beweis für die Lebenskrast der Sozialistischen guaendinternationale und ein verheißungsvolles Zeichen für die weitere Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit der sozia- ltstlschen Jugendbewegung. Alle Gebiete sozialistischer Jugendarbeit werden behandelt: Oraanisatton, Iugendschutz, polittsche Erziehung, Kampf gegen den Militarismus, kulturelle Arbelt, Schaffung neuer verbände, Verhältnis zu befreundeten internationalen Verbindungen, Verhältnis zu den Kommunisten und anderes mehr. AusterordentlilK abwechselungs- und lehrreich sind die Bericht« der Verbände. Hier gewinnt der Leser ein eindrucksvolles Bild von der außerordentlich regen und vielseitigen Arbeit, die die dreißig sozialistischen Jugend verbände leisten. Diese Bertchte geben die feste Gewißheit, daß die sozialistisch« Jugendbewegung fester denn je da- steht und sicker schon in der nächsten Berichtsperiode über einen erheblichen Mitgliederzuwachs wird berichten können. Das Buch gewinnt auch dadurch besonders an Wert, daß ihm zum erstenmal eine große Anzahl Photographien beigefügt sind, bjt die Berschiedenartigkeit der Jugendarbeit in den einzelnen Ländern, wie sie durch die besonderen und politischen Verhältnisse des Lande» bedingt sind, deutlich erkennen lassen. Alle Verbände sind mit einigen photographischen Aufnahmen aus ihrer Arbeit vertreten, so daß da» Buch annähernd 89 Photos, auf gutem Kunstdruckpapier gedruckt, enthält. Das Buch dürfte die erste Berösfentlichung einer internaiio- nalen Iugendverbindung sein, das in so umfassender und anschaulicher Welse die Jugendarbeit einer Bewegung in der ganzen Well dar- stellt. Selbstverständlich muß jeder Amsterda.n-Fahrer dieses Buch beziehen, damit er weiß, wie sich in den anderen Ländern die Jugend- «rbeit gestattet. Nur so wird er von dem Iugendtag und von den Aussprachen mit den ausländischen Genossen den rechten Gewinn haben. Da» Buch ist aber auch wichtig für die praktisch« ArbÄt, denn die Berichte enthalten in ihrer Vielseitigkeit eine Füllt von Anregungen für die Arbeit in der Gruppe. Da die Schrift nur in einer kleinen Auflage hergestellt wurde. ist baldige Bestellung beim Arbelterjugend-Verlag. Berlin SW. St. Belle-Alltance-Platz 8, zu empfehlen. Solidarität der fugend. Da» Sekretariat der Sozialisttlchen Iugendinternatwnal« hat au» Anlaß des großen Streit» der englischen Ar- betterschast an den Internationalen Gewerkschaftsbund In Amsterdam folgende» Telegramm gerichtet:> „Die tn der Sozialistischen Iugendinternationale vereinigt« arbeitende Jugend oerfolgt mit großer Anteilnahm« den Rtesentampf der englischen Arbeiterschaft. Sie übermittelt dem Internationalen Gewerkschaftsbund das Gelöbnis, daß die junge Garde des internationalen sozialistischen Proletarlat» an der Durchführung aller aus diesem Anlaß notwendig werdenden Unterstützungsaktionen der internationalen sozialistischen Arbeiter- bewegung mit aller Kraft mithelfen wird. Die sozialistisch« Jugend ist erfüllt von dem Bewußtsein, daß der Kampf der englischen Arbetterschast um menschenwürdige Lebensbedingungen gleichzeitig ein Kamps für«in« Heller« Zutunst oer arbeiten- den Jugend Ist."_ Mcht aus der kommunistischen fugend Kußlands. Auf dem 11. Parteitag der Koinmunisttlchen Partei Rußland» hat ein Redner festgestellt, daß in der letzten Zeit zahlreiche Austritt« aus der K. I. in Rußland erfolgt sind. Die austretenden Mitglieder begründen ihren Schritt damit, daß die Arbeiterschaft in de» Be- trieben vom Sowjetstaat ausgebeutet werde. Diese Feststellung macht die in der.Roten Fahne", dem Zentral- organ der deutschen Kommunisten, am 13. Dezember 1925 verösfent- lichten Thesen über die Arbeit der russischen K. I., von Buchann verfaßt, erst ganz verständlich. In diesen Thesen legt Bucharin dar, daß die Arbeit der K. I. sich den Eigentümlichkeiten der gegen- wärtigcn Lage in Sowjetrußland anpassen muh. Das wirtschaftllche Wachstum zeitige ein« Zuspitzung des Gegensatzes zwischen den sozialistischen Elementen In der Wirtschast und dem sirivaten Kapital» vem durch die sogenannte neue ökonomische Politik eln gewisser Spielraum gegeben wurde. Diese Entwicklung bringe eine Ber- änderung der Klassenverhättnisse de» Landes mit sich. Besonder» bedeutungsvoll sei das Erstarken der neuen Bourgeoisie. Der wlrt» schaftliche Aufschwung veranlasse eine Steigerung der Ansprüche der Massen. Es heißt dann tn den Thesen: „Das wirtschaftliche Wachstum ruft unvermetdlicherweise b»l diesen Schichten(besonder» bei der Jugend) das ganz natürliche Bestreben hervor,->) ihre materielle Lage zu verbessern(vor allem Fragen des Arbeitslohnes), b) sich die nösig« Gewerkschaftsbildung und eine möglichst große Qualifikation anzu« eignen, c) den nötigen Platz im Produktionsprozeß überhaupt zu finden» cl) womöglich an dem Wirtschaftsverlaus des Betriebe» teilzunehmen und seine Geschicke zu beeinflussen, t) Im Alltagsleben über eine gewiss« Menge von freier Zeit, ein gewisses Minimum von Zerstreuung usw. zu verfügen. In bezug auf diese im Grunde genomnien gesunde Bewegung sind zwei unrichtige Abweichungen möglich: ersten» eine bedlngungs- und kritiklose Billigung dieser Elementarbewe- gung, zweitens eine direkte Bekämpfung dieser Bewegung. Dies« beiden Richtlinien sind falsch und nur dazu angetan, die Arbeit unter der Jugend zu zersetzen." Die.neue Aufgabe" ist nach Bucharin, die„persönlichen und Gruppeninteressen mit den Interessen der Sesamttlasse zu vev- knüpfen", d. h. auf gut deutsch: zu bremsen! Bucharin rügt, daß hg der Arbeit der K. I. noch zu viel aus der früheren Etappe der Be« wegung stamme. Inhalt der Agitation und Propaganda habe mit der neuen Entwicklung nicht Stritt»ehalten. Daß dieser Widerspruch zwischen Theorie und Praxis, zwische« Agttationsverkündigungen und Wirklichkeit vielen Jugendlichen dt« Augen öfsnet, Ist nur zu verständlich.