Zuaend-Vonvarl JIM Beilage zum Vorwärts 29. Januar 1927 Das GeseH der /lusnahmen. Ztürzlich ist der Entwurf des Arbeitsschutzgesetze» veröffentlicht worden. Das Gesetz soll bekanntlich eine Zu» fammenfassung der jetzt bestehenden Schutzbestimmungen für die Arbeiterschaft sowie eine endgültige gesetzliche Regelung der Arbeitszeit bringen. Es ist hier nicht der Platz, auf die Frage einzugehen, inwieweit der Entwurf diesen Zweck nach der Meinung der Arbeitnehmcrschaft erfüllt. Worauf es uns hier ankommt, ist. einmal zu prüfen, ob die Interessen und Wünsche der arbeitenden Jugend in dem Ragierungsentwurf berück- sichtigt worden sind. woche von 48 Stunden, nach Gewährung der Sonntagsruhe, nach Verbot der Nachtarbeit für Jugendliche: dagegen findet das Verlangen nach Gewährung eines ausreichenden Urlaubs sowie eines freien Sonnabendnachmittags überhaupt keine Berücksichtigung. Aber auch die zuerst genannten Forderungen werden gar nicht erfüllt, denn das Gesetz ist ein Gesetz der Aus- nahmen. Einige Beispiele beweisen das. Wir jagten schon, grundsätzlich sieht der Entwurf die Erhöhung der Altersgrenze für die Schutzbestimmungen auf 18 Jahre vor. Die Aus- Die gesetzliche Einführung bestimmter Iugendschutzforde-> nahmen lassen jedoch zu, daß sechzehn» bis achtzehnjährige rungen wird von der sozialistischen Jugend nun schon seit j Jugendliche Sonntags beschäftigt werden. Sie lassen weiter mehr als zwei Jahrzehnten gefor» dert. Schon vor dem Krieg« mach- ten sich auch die Gewerkschaften und die Sozialdemokratisch« Par» tei diese Forderungen zu eigen, und in der Nachkriegszeit ist die Anhängerschaft eines ausreichen- den gesetzlichen Iugendschutzes weiter erheblich gestiegen. Wir haben auch im„Jugend-Vorwärts" wiederholt über die Freizeitbestrebun- gen der deutschen Jugendverbände berichtet. Gegenwärtig liegen die Dinge so, daß sich alle deutschen Jugendverbände und alle Jugend- wohlfahrtsorganisationen einmütig für ein Iugendschutzprogramm einsetzen, das in der Hauptfache «ine ausreichend« Freizeit für die erwerbstätig« Jugend verlangt und im einzelnen folgende Forderun» gen enthält: 1. Ausdehnung der Schutzbe- stimmungen für d»« Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter und Ange- stellten auf das Alter vom 14. bis zum vollendeten 18. Jahre. 2. Drei Wochen bezahlt« Ferien für erwerbstätige Jugend- $ Arbeiterjugend. I s- i? €4 ist in uns ein ruheloses Sehnen. gleich Tagen stürmend und wie Züchte tief. Berauscht von SiegeSgewtßhett, AulunftSwühneu. von Tatdegier, die dumpf im Znnern schlief. erwachen onsrer Seele Springfontünen, ein Lied entquillt, das höchste Zreud« rief. Züh. in der Aacht, im Aufschwung der Gesichte. vom Sonkel schwarz umlauert und omhöhnt. erwuchs ein Bild uns. o. von Licht verschönt! GS hat mll Zacht und Sonkel uns versöhnt. entflammte ln uns stürmende Gedichte. & »«» S« ist in an» ein Srang. ein selig Ahnen. das trunken uns in Zreudenhimmel reißt. bis an die Sterne streifen unfre Zahnen. der Sterne Leuchte« Sieg. Triumph verheißt! Laßt uns den Weg zum höchsten Gipfel bahnen. hoch über(hm der Stern Zukunft kreist I »alter»Gent. .;•> tut ,3iiHt$*%ttoUtrikMmt",tritHerlnttni»trUn,9ttV* -i}»»/ •>*••>••>'••»•>•.»•>'-■>.••>"■.».••••>.••.»<»7»«.. »,»»,»»,»»»»-i-«»»•»"••••••••• ff: S •f ih & liche einschließlich Lehrlinge unter 16 Jahren und zwei Wochen bezahlte Ferien für erwerbs» tätige Jugendliche einschließlich Lehrlinge zwischen 16 und 18 Jahren. 3. Festsetzung einer Arbeitswoche von höchstens 48 Stun- den einschließlich des Fachunterrichts und der Zeit, die für Aufräumungsarbeiten beansprucht werden könnte. Bezahlung der durch den Pflichtschulbesuch versäumten Arbeitszeit. 4. Beginn der sonntäglichen Arbeitsruhe mit Sonnabend mittag oder Gewährung eines freien Wochennachmittags. 5. Festsetzung ausreichender Arbeitspausen. 6. Verbot der Nachtarbeit für Jugendliche. Das Arbeitsschutzgesetz ist die beste Möglichkeit, die hier erhobenen Forderungen durch, zusüliren, und da sie getragen werden von der gesamten deutschen Jugend und von der grohcn Mehrheit des Volkes überhaupt, durfte man an- nehmen, daß das Reichsarbeitsmin-fterium wenigstens den Versuch unternehmen würde, um diesem Verlangen nach aus- reichender Freizeit für die Jugend Rechnung zu tragen. Was ist mm von den hier erhobenen Forderungen in das Arbeitsschutzgesetz aufgenommen wordcn? Der En'wurf bietet ein sehr eigenartiges Bild. Auf den ersten Blick sind berücksichtigt worden d'e Forderungen nach Erhöhung des Schutzalters auf 18 Jahre, nach Festsetzung einer Arbeits» zu, daß der Arbeitsminister für die sechzehn- bis achtzehnjährigen Jugendlichen die Nachtarbeit an- ordnen kann. Es wird ferner weiterhin gestattet, daß sechzehn- bis achtzehnjährige Jugendliche in der Woche bis zu 58 Stunden be- schäftigt werden dürfen. Man er- sieht schon aus dieser kurzen Auf- stellung, daß nichts versäumt wurde, um das zuerst verkündete Prinzip— die Altersgrenze von 18 Jahren— so of» zu durch- brechen, daß praktisch nichts davon übrig bleibt. Ebenso steht es mit dem Ver- bot der Nachtarbeit. Prin- zipiell ist sie für Jugendliche bis zu 18 Jahren verboten. Praktisch besteht aber die Möglichkeit, daß der Retchsardeitsminister anord» neu kann, daß Jugendliche von 16 bis 18 Jahren in Walzwerten und Hüttenwerten in der gleichen Weise wie die erwachsenen Ar- beiter in Nachtarbeit beschästtgt werden dürfen. Noch kurioser muten die Be- stimmungen über die Arbeits- zeit an. Grundsätzlich legt da» Gesetz die 48stündig« Arbeitswoche fest. Die Ausnahmen sorgen dafür, daß der Grundsatz aus dem Papier stehen wird. Wir sagten schon, daß für Jugendliche von 16 bis 18 Jahren eine wöchentliche Höchstarbeitszeit einschließlich der Zeit für den Besuch der Fortbildungsschule von 58 Stunden fest- gesetzt ist. Selbst für Jugendliche von 14 bis 16 Jahren wird die Einschränkung gemacht, daß sie in Betrieben, d'e nicht mehr als vier Arbeitnehmer beschäftigen bis zu drei Stunde« in der Woche zu sogenannten Vorbereitungs» und Ergänzungsarbeiten herangezogen werden können. Diese Bestimmung ist einfach ein Skandal. Es ist eine allbekannte Tatsache, daß gerade in den Kleinbetrieben eine schlimme Ausbeutung der Lehrlinge besteht, und diesem unerträglichen Zustand werden hier von neuem Konzessionen aus gesetzlicher Grundlage gemacht. i Ebenso unmöglich sind die Bestimmungen über die Sonn« tagsarbeit. Hier sind die sechzehn- bis achtzehnjährigen Jugendlichen wieder den Erwachsenen gleichgestellt. Selbst für die vierzehn- bis stchzehnfährigen Jugendlichen kann durch Verordnung des Reichsarbeitsministers Sonntagsarbeit zu- gelasien werden. Wo man auch hinblickt, den Wünschen der Mehrheit des Volkes nach ausreichendem Iugendschutz wird mit einer flrfmlpUHen Erklärung Rechnung getragen, und dann werden dt« Ausnahmen, die in der Praxis die Regel bilden werden, «Ingesügt. di« alles wieder aufheben, was eingangs feierlich als Grundsatz verkündet wurde. Wird der Entwurf in dieser Fassung Gesetz, dann werden die jetzigen völlig unzu- «Ichenden Schutzbestimmungen über die Arbeitsverhältnisse der Jugendlichen gesetzlich sanktioniert, und das Arbeitsschutz- Ssetz wird zum Gesetz gegen den Jugendschutz. enn ein Gesetz, das einen Zehnstundentag und eine 58stündige Arbeitswoche für Jugendliche unter 18 Jahren zuläßt, kann niemals als Schutzgesetz angesehen werden. Es ist bei dieser Einstellung der Gesetzgeber nicht verwunderlich, daß die Frage des U r l a u b s in diesem Gesetz mit keinem Wort Cr- wähnung findet, rmd daß auch derFrühschlußam Sonn- abend als eine der wirkungsvollsten Jugendschutzmaßnahmen ebenfalls unberücksichtigt bleibt. Wir haben wiederholt und ausführlich dargelegt, daß ein ausgedehnter Jugendschutz eine Lebensnotwendigkeit für das ganze Volk bedeutet, und wir werden angesichts dieses Eni- wurfes, der erneut beweist, daß die soziale Reaktion allen not- wendigen Schutzmaßnahmen verständnislos gegenübersteht, den öffentlichen Kamps um den Jugendschutz unvermindert weiterführen. Wir werden uns vor allen Dingen wehren Müssen, daß dieses Arbeitsschutzgesetz zur Annahme gelangt. Di« arbeitend« Jugend muh«in solches Schutzgesetz als einen Hohn auf ihre berechtigten Forderungen nach Freizeit und nach Schonung ihrer körperlichen und geistigen Kräfte«mp- finden. Das Arbeitsschutzgesetz muß erst noch wesentlich u m- g« st a l t e t werden, ehe es auch als Jugendschutzgesetz angesehen werden kann. Das deutsche?ugenöherbergswert. In den letzten Iahren ist in Deutschland ein Iugendwerk von erheblicher Größe entstanden. Ich meine die vom Verband für deutsche Jugendherbergen(Geschäftsstelle Hilchenbach i. W.) eingerichteten und verwalteten Jugendherbergen für wandernde Kinder und Jugendliche. Dieses Werk, das heute weit über 2000 Jugendherbergen in allen Teilen des Reiches umfaßt, schließt zwar einen Teil leider nur notdürftig eingerichteter Herbergen ein, aber die meisten sind heute schon gut eingerichtet. Ja, es gibt bereits ein paar Dutzend großer Herbergen, die eigens für diesen Zweck gebaut wurden und die— was die Einrichtung, vor allem in hygienischer Beziehung, betrifft— allen Anforderungen genügen, die die wander- frohe Jugend an solche Uebernachtungsstätten stellen kann und auch muß. Einige dieser neuen Heime befinden sich auch in der engeren und weiteren Umgebung von Berlin, so daß Interessenten leicht die Gelegenheit haben sie anzusehen. Die wandernde Jugend— darunter die Arbeiterjugend— kennt die Herbergen schon lange. Uebernachtet sie doch regelmäßig auf mehrtägigen Fahrten in diesen Jugendherbergen. Wir können uns heute das Wandern gar nicht mehr vorstellen ohne die Jugend- Herbergen und die Jüngeren unter uns benutzen sie mit einer Selbst- Verständlichkeit, als ob das immer so gewesen wäre. Deshalb möchte ich an dieser Stelle doch kurz einiges über die Entwicklung des Iugendwandcrns und der Jugendherbergen schreiben. Wer um 1900 herum Gelegenheit hatte, Sonntags morgens stch einmal die Bahnhöfe der Städte anzusehen und sie mit dem Wander- verkehr von heute vergleicht, wird mir zustimmen müssen, wenn ich sage, daß man damals Gruppen wandernder Jugend kaum sah. Einzelwanderer(Touristen), Angler und Jäger dann und wann, selten sah man wohl einmal Turner in weißem, unpraktischem Wanderkleid, hier und da auch einmal eine Schule. Das war dann aber auch alles. An den Sonnabendabenden, an denen jetzt während der Sommermonate ein beängstigender Berkehr statisindet, konnte man selten einmal einen„Touristen" sehen. Waren doch damals durch den Neun- und Zehnuhrladenschluß, nach dem sich auch oft andere Handels- und Industriezweige richteten, weite Kreise der Arbeiter und Angestellten einfach verhindert, am„Wochenende" die Freizeit mit dem Sonnabendnachmittag zu beginnen. Das hat sich im Laufe der Jahre vor dem Kriege doch allmählich durch die Arbeit der Gewerkschasten und die unter dem Druck der Sozialdemokratie entstandene Sozialgesetzgebung gebesiert. Diese Entwicklung ermöglichte der körperlich und geistig tätigen Bevölkerung die so notwendige Ausspannung und Erholung von der ausreibenden Tätigkeit, von der Hast der Großstadt und der In- dustriegcbiete. In immer stärkerem Maße begann man nun zu wandern. Wander- und Touristen- sowie Gebirgsvereine wurden in den Städten gegründet. Zahlreiche Bücher, Zeitschriften, ja selbst Zeitungen erschienen und dienten dem Neuen. Bon amtlicher Stelle begründete Verkehrs- und Fremdenvereine suchten diese Entwicklung zu fördern. Wanderbücher und Wanderkarten wurden in Mengen herausgegeben. Die Heimatbewegung nahm stark zu, Heimatmuseen entstanden. In Kunst und Literatur spiegelte sich diese Bewegung wider. Der Dürcrbund. entstand und wirkte auch mit seinem„Kunst- wart" unter Avenarius fördernd, ebenso der.Kosmos" als natur» wissenschaftliche Zeitschrift. Di« Molerei unter Han» Thoma, Volt- mann, Fidu» u. a. wirkte anregend, die Dichter waren vertrete« durch Fontane, Trinius und zuletzt durch Hermann L ö n». Anton Fendrich schrieb neben vielen� die hier ungenannt bleiben müsien, da» hohe Lied des Manderns. Pioniere unter den Lehrern suchten hier und da, trotz des immensen Gegendrucks aller„Beständigen", das Schulwandern als Unterrichtsgegenstand«inzusühren. Heimatkunde wurde im Lehrplan aufgenommen. Das systematische Wan- dern aber konnte bis vor wenigen Jahren offiziell nicht gepflegt werden. Die Namen von Fritz Eckardt, Neuendorsf und Richard Schirrmann seien hier genannt. Daneben kam aber allmählich auch in allen jugendpslegetreibenden Verbänden und Einrichtungen da» Wandern der Jugend selbst, die hier dem Neuen und damit sich selbst Bahn brach. Denn auch hier machten Berständnislosigkeit ost Schwierigkeiten. Der Gerechtigkeit halber muh jedoch erwähnt werden, daß auch hier verständnisvolle Persönlichkeiten und einzeln« Behörden fördernd tätig waren. Dazu kam dann der letzte ent- scheidend« Stoß, der von der Jugendbewegung— dem Wandervogel— ausging. Eines der größten verdienst« dieses Wand«« vogels, dessen Geschichte und Kendung heute wohl als abgeschlossen gelten kann, ist es. das Jugendwandern zu einer sellenen Höhe«« hoben zu haben. Alle Iugendverbinde in Deutschland, ja sogar inz Ausland, find durch den Wandervogel beeinflußt vorden. Die G« schichte des Manderns und besonders des Jugendwonderns ist jeden-, falls hochinteressant, sie wurde bisher leider noch nicht geschrieben� Die Arbeiterjugendbewegung in Deutschland, di« merkwürdigerweise etwa zu gleicher Zeit wie der Wandervogel al» Reaktion aus schlechte Behandlung. Lehrlingsausbeutung und politische Unterdrückung entstand, sah ihr« Hauptaufgabe ganz natür- lich in der Besserung der geistigen und wirtschaftlichen Lage ihrer Jugend. Als auch hier allmählich merkbore Fortschritte eingetreten waren, nahm in allen Jugendorganisationen wie Körperpfleg« treibenden Verbänden der Arbeiterschaft das Wandern den ihm gebührenden Rang ein. Als Richard Schirrmann um 1909 herum zuerst nach Schüler- wanderherbergen und später nach Jugendherbergen für die gesamt« wandernde Jugend rief und auch selbst gründete, fand er bald in beinahe allen Teilen des Reiches in den verschiedensten Kreisen> Widerall und damit Gönner und Freunde. So waren aus den zwei Jugendherbergen Schirrmanns im Jahre 1909 bei Kriegsau»- bruch bereits 200 geworden. Als dann nach 1918 aus Betreiben von R. Schirrmann, W. Münker und I. Schult der Verband für deutsch« Jugendherbergen begründet wurde und die Bewegung damit eine ganz breite Basis erhielt, beteiligte sich auch sofort im Interesse seiner Jugend, die er vertrat, der Verband der Soziali st i- schen Arbeiterjugend Deutschlands am Jugend- Herbergswert. Seit der Zeit gehört unser früherer erster Vorsitzender und Mitglied des Parteivorstandes der SPD., Genosse Staats- sekretär Heinrich Schulz, dem Vorstand« und der Unterzeichnete al» Vertreter der SAJ. neben anderen Vertretern der sozialistischen Be- wegung dem Nerwaltungsausschuß an. Ich möchte bei dieser Ge- legenheit bemerken, daß im Iugendherbergsverband alle Richtungen im Interesse des großen Werkes bis heute einträglich nebeneinander gearbeitet haben. Heute steht das Wert mit einer Zahl von weit über 2000 Jugendherbergen und mit einer Besucherzahl von wahrscheinlich über 1 500 000 Iugendwanderern Im letzten Jahre da. Wenn man bedenkt, daß es in einer großen Notzeit aufgerichtet wurde, so er- scheint die Leistung, dl« hier im Interesse der Körperpflege und de» Manderns vollbracht wurde, doppett groß. Notwendig ist aber auch weiterhin di« Mitarbeit aller Jnter- essenten an einem Werte, das sehr dazu angetan ist. der beruf»- tätigen Jugend Ausspannung und Erholung zu geben und die so notwendige Gesundheit zu erhalten und zu stärken. Aug. Albrecht. Die Fabriken sind unendlich besser« Einrichtung«« für die Propaganda de» Soziali»mu», al» di« Kirchen für die Propaganda der heiligen Ordnung. Bebel. Der allerelendeste Zustand ist: Nicht wollen können! Feuchtersleb««. Leben heißt nicht atmen, sondern handeln:«s heißt sich unserer Organ«, unserer Sinn«, Fähigkeiten, kurz, sich aller der- jenigen Teil« von uns zu bedienen, welch« uns di« Empfindung unseres Daseins verleihen. Nicht der Mensch hat am meisten gelebt, welcher di« höchsten Jahre zählt, sondern derjenige, welcher sein Leben am meisten empfunden hat. Rousseau. durch Winterwalöer. Kein« Freude Ist so beglückend al» die heimliche Freude, nach endlos grauen Wochen die Eonnenscheibe wieder überm Horizonte höher schweben zu sehen. Das Leben steigert sich in uns, wenn wir mit der steigenden Wintersonn« über Berge und durch Wälder aus unbetretenem Schnee wandern. In erhabener Jungsräulichteit liegt die Erde rein und unberührt vor uns hingebreitet. Pfeilspitze Knospen tragen schon die Buchenzweige. Der Waldes- hang, der durch die Lichtung leuchtet, ruht duftlos wie ein weißes Blütenmeer. Marmorbrüche, blau und grün durchädert, sind die Waldtäler. Die rotgewelkten Buchenblätter hasten noch, und jedes Blatt ist hochgehäuft voll leichter Schneekristalle, als hätten Kinder- Hände es getan. Dompfaffen mit roten Brüsten sitzen in einem Holunderstrauch. Sie leuchten aus den Zweigen, als wären ihr« roten Leiber lauter rote Herzen. Zaunkönige huschen durch die Schneisen, und Meisen klettern im Kreisspiel die riesige Eiche entlang, turnen kopfüber topfunter von Ast zu Ast. Eine Krähe sitzt in einer Birke, spät Minuten- lang herab ins Laub, schießt dann nieder und erwischt im letzten Augenblick di» Haselmaus. Schon früh am Nachmittag blinzeln die Sterne. Silberner leuchten die Birken und kupferner blinken die Kiesern im Zwielicht der Gestirne. Kristallen glitzem die Wege, und der Abendstern grüßt hell und klar durch di« Fichtenkronen. Blauer neigt sich das Stemengewölbe über die Wälder. Alle Zweige, di« vor einer Stunde noch im Tageslichte glänzten, leuchten jetzt, als sei in jedem Eiszapfen ein Licht angezündet. Mond und Sterne mischen Ihr Licht im unend- lichen Räume. Da— ein Knall—«in singeich Klingeii hinterher, und waldüber rauscht der Schall. Drunten in der Talschlucht hat der Frost da» Eis im Mühlenieich gesprengt. Der Nare Mond ziseliert den Schatten jeder Knosp«, jedes Zweige« auf den Schnee. Golden« Räume öffnen sich unter hohen Tannen. Wie mächtige Säulen stehen riesige Kiefern. Das Harz fließt aus den Stämmen wie geschmolzenes Gold. Talwärts lispeln Quellen Rätsel. Spurlos ist ein Rinnsal unterm Schnee geflüchtet. Feste Siegel drückt das Eis auf jedes Silber- band— Sirgel, die die Sonne nur zu lösen weiß!--- E. P. Hiesgen. proletarierjugenö. Tagebuchnotizen eines Zugendleiiers. Manchmal drängt es mich, etwas niederzuschreiben über das, was man mit den Menschen In der Gruppe erlebt. So ging es mir auch heute, und es wurde ein knappes Bild der Schicksale junger Menschen. Da ist der eine: Cr wäre gern Schlosser geworden, doch der Bater starb. Der Stiefoater ist krank und trinkt. Da gilt es nun Geld zu verdienen, und der Traum voin Schlosser zerrinnt. Jetzt trögt er Milch aus, da gibt es gleich IS M. die Woche. Der Tag beginnt sehr früh, und abends ist er dann zu matt zum Denken. Ich versuch«, ihn an die Gruppe zu binden. Zu Hause wird er aus- ielacht, wenn er erzählt, wir rauchen und trinken nicht. Die guten freunde im Haus rauchen auch und die rauchen ordenllich. So chwankt er hin und her. er ist verschlossen und hat noch wenig freunde bei uns. Ob wir ihn wohl halten werden? s Da ist ein Mädel. Zwei Jahre Ist sie nun schon In der Gruppe und mit allen gut Freund. Wir wissen, daß sie«» zu Hause nicht leicht hat und Helsen, wo wir können: doch es ist alle« halb. Wie schlimm es steht, erfahre ich neulich. Sie kam zu mir. Ich sollt« ihr »i» Bewerbungsschreiben aussetzen. Sie verdient so wenig und sucht nun eine andere Stellung. Ich brachte sie nach Hause und unterwegs sagt die Neunzehnjährige zu mir, dem Glcichallrigen: Das beste war« der TodI Ich tragt« sie aus. Warum das, sie hätte doch die Gruppe und all« wären ihr gut. Und sie erzählt: Bater ist tot. Mutter hat genäht, jetzt kann sie nicht mehr, der Unterleib ist kaputt. Nun ist sie arbeitslos. Die groß« Schwester verdient ja auch, aber sie. verbraucht alles für sich und kümmert sich nicht um die Familie. So muß sie denn, die selbst noch Pflege braucht, für all« verdienen, und es will nicht reichen. Di« Last wächst ihr über den Kopf, und nun kommt die Verzweiflung. Wi« schwer ist«s da, mit Bernunstgrllnden zu konimen. Nur «Ines hält sie aufrecht: Die Gruppe. * Ja, die©nippe. Da sind wirklich Freunde. Zuerst der alte Gruppenleiter: schon lange ist er aus dem Gruppengetrieb« heraus; aber er kümmert sich um alle. Dabei geht es ihm selbst wirklich nickst gut. Er war Freischüler. Klug, nicht gerade fleißig, denn er laß lieber auf den Bäumen, wo sie am höchsten waren. Als er das Einjährige hatte, kam die Inflation. An der Bank wurde viel ver- dient, so wurde er denn BanNehrling. Doch er war zu frei gesinnt, «r konnte nicht katzbuckeln. So kam es bald zum Krach: und als er ausgelernt hatte, flog er. Ein Jahr Arbeitslosigkeit folgte, doch er ließ sich nicht klein kriegen. Schließlich ging er in die Fabrik, und setzt ist er aus dem Bau. Abends geht er zum Gewertschaftsfeminar und bildet sich weiicr. Er hat die Äelteren unter uns um sich g«. sammelt: und es ist schön, wenn er eine Fahrt leitet. * Wir haben setzt sehr viel Junge in der Gruppe. Da ist A/, Bierzehnjähriger. Er macht alle Arbeitsgemeinschaften mit. Neulich kam er zu mir. Er hatte niedergeschrieben, was der Kursusleiter durchgesprochen hatte. Ich sollte nun nachsehen, ob er alles richtig wiedergegeben hat. Natürlich sofort. Doch auch andere gibt es: Ganz stille, die nur immer in sich auf- nehmen. Sie versäumen nie einen Abend: man kann sich auf sie verlassen, wie auf di« anderen alle auch. Und das macht die meiste Freude. Ich wünschte, jeder Bursch' und jedes Mädel käme zu uns, ob sie da» Elend auch noch so drückt; denn wir tragen gemeinsam Elend und Not. und gemeinsam wollen und werden wir sie von uns werfen! Unsere Selbsterziehung. Wenn man mitten drin steht In der Jugendbewegung und selber mitten drin ist im Werden und Selbsterziehen, dann ist es viel heikler, sich über diesen Prozeß auszulassen und klar zu werden, als wenn man von hoher, abgeklärter Warte»us. rückschauend theoretisiert. Nicht zuletzt auch deshalb, weil alles Gestmden««inen viel perfön- licheren„Anstrich" hat und oft irgendwie indiskret empfunden wird. Die Druckerschwärz« und noch mehr die Rotationsprefs« hat ja etwa» Kaltes, Unpersönliches an sich; manchen überläuft ja schon ein Gruseln bei einem.getippten" Prtvatbrief. Dies« Gesühle mögen verständlich sein, zeitgemäß find sie nicht mehr. „Es bildet ein Charakter sich Im Strom der Welt" und nur dort. I« mehr Menschen wir um uns haben können, an je mehr Menschen wir uns reiben können, um io adgaschllffener and kantiger weiden wir. Es ist doch so, daß das Zusammenleben mit vielen Menfchen nicht allein nivelliert, sondern auch erst recht behaupten lehrt und Eigenort g«Winnen läßt. Die Gemeinschaft fördert uns, st« bringt Anregung,«eckt einen gefunden Ehrgeiz, sie läßt tausend««gvistische Gedanken schwinden, s!« stellt Anforderungen an uns, verlangt unsere Zeit, Kraft, unser Können—, kurz sie gibt uns erst den richtigen Blick für unfern eigenen Wert. Wir lernen nie besser als in der Gemeinfchaft und durch sie, w o wir noch zu feilen oder auch zu beschlagen haben. Ein Etwas aber Hab« ich noch nie ausgesprochen gefunden und doch liegt erst darin der Kern„unserer" Selbsterziehung. Es ist das innerlich« Zügeln, das Zurückhalten und Hemmen, das Ueberlegen dessen, wag wir aussprechen und tun. Wie selten eigentlich fällt heut« In unserer Jugendbewegung jemand„cuis dem Rahmen" durch irgendein« Zote, einen Zynismus. Und doch schläft das Tier nur in uns, es gärt und brodelt in unserem Inneren und manchmal wirst es trüb« Blasen, wo aber? Immer mir und erst dann, wenn wir allein sind. Sowie wir im Kreis der Genossen, in der Gemeinschaft sind, dann schwindet all das»nd mit dem Reiner» werdenwollen— das zuerst immer nur ein Spielen,«in Wollen vor den andern ist—, geht die innerliche Umwandlimg des Charakter» vor sich. Es ist nicht wahr, daß wir unseren Charakter, unseren Wert ohne eigen« Arbeit bekommen. Der bildet sich nicht einfach-natürlich, son» dern will durch eigenes Wollen geformt werden. Wir stehen zuerst fremd unseren Trieben und Naturkräften, die uns herabziehen, gegen- über. Dazu gehört auch der in krassen Egoismus ausgeartet« „natürliche' Selbsterhaltungstrieb. Dann sehen wir an andere», daß sie besser sind oder sich wenigstens so geben, wir versuchen ihnen gleich zu werden—, müssen aber schon vom ersten Moment der Bekanntschaft so-tun-als-ob und fo weiden wir fest am Beispiel. das wir zuerst nur nachahmen, dann aber unser eigen werden lassen. Liegt hier schon«in Stück neuen Geistes, so noch mehr in der m unseren Reihen«pflegten rücksichtslosen Ofsenbeit, Ehr. lichkeit, auch die bittersten Wahrheiten zu sagen, ist«in Merkmol der Jugend. Und oft genug wird das, was weh tal beim ersten Aus- sprechen und Anhören, nachher der Ausgangspunkt zum Ausmerzen und zur Operation. Die Jugend selbst ist gröber, unverfälschter, derb, als die älteren Jugendgenossen. Bei diesen kleidet sich die Kritik, da« Mißfallen In«Inen Scherz, einen Hieb, der zwar sitzt, aber nicht verletzen soll. Das kommt daher, weil wir„Etwas-Aelieren" schon mehr in das Seelenleben des Rebemnenschen einzudringen v«rmögeii, weil wir uns auch gerechter mit dem anderen beschäftigen, vielleicht auch well es uns darum zu tun ist, wirklich zu bessern, zu helfen, nicht nur negativ zu tadein und abzulehnen. Schließlich erfassen auch die älteren Genosien schneller und kennen sich oft länger, so daß man den einzelnen nach feiner Art behandeln muß. Di« Kritik, di« Offen- heit g«gen«inaiiber, bringt uns wieder ein Stück vorwärts. Was ober uns Sozialisten allein«igen ist und darum unser« gemeinfame Arbett fo läutert und hebt, das ist die t r a g e n d« I d« e. Wir fangen alle mit Schwärmen an, mit der Utopie. Sie entspringt dem Gefühl von der Ungerechtigkeit der Welt, ist oft nur«in Resfenti- ment gegenüber dem Elternhaus, den Alten überhaupt. Wo sich aber dieses Wehren und Bäunien verdichtet und heraushebt«us dem Rahmen des Emzelmenschen, wo es sich entwickelt zum Denken an dl« anderen, wo wir nicht mehr nur unsere Not lösen wolle», nicht mehr nur individualistisch unsere Ketten sprengen wolle« im Einzelkampf»nd Streben über die Köpse unserer Klaff«, da erst wird der Kampfgeist wertvoll, da erst wird aus dem egoistischen Revolutionär ein sozialistischer Kämpfer. Und dies« Idee verbindet ton# auch. reißt uns heraus au« dem Alltag, stellt uns vor groß« Aufgaben, an denen unser« Kräfte sich messen sollen und an denen sie wachsen. Hier erst beginnen unsere Welta'.�youungskämps«, hier werden wir vor Problem« gestellt, hier führt un» die Bewegung, der polirische Will« zu Männern und Lüchern, die uns sonst ewig gleichgültig bleiben würden. Hier fühlen und lernen wir. daß wir uns schulen müssen, daß wir Wissen erwerben müssen, daß das stärtit« Feuer, der heiligste Zorn einmal erlischt, wenn er nicht von einem Quell genährt wird, der immer wieder neue Nahrung, neues Material liefert. Co hat unsere Selbsterziehung starte Helfer, so wirken in ihr Kräfte von außen nach Innen und entfallen die Menschen zu offenen, reinen, starten, bewußten Kämpfern für die grüßt« Aufgab« unserer Zeit: zu dem Endkampf, wo au» der Wissenschost die Tat wird! Peter H« y m a n n» Mannheim. Der Faschismus als �ugenüfeinö. Das eigentliche Wesen der saschifrischen Bewegung bestand bisher darin, daß sie ihre reaktionäre Zweckbestimmung im Gegensatz zum Jeudalen Regiment des kaiserlichen Deuijchtands nicht durch eiw chränkende Gesetzesbestimmungen. Pockzeimaßnahmen und mit dem Schein des Rechts verkleideten Urteilssprüchen, sondern durch den außerhalb jedes, auch des vom faschistischen Regime anerkannten Rechts wirksamen Terror bewasfneter Banden durchsetzte. So kam es, d>rß, lange nachdem jede Organisationsfrecheit der Arbeiter» organifalionen unterdrückt war. die Verbände in den meisten Landes- teilen sakrisch nicht mehr existierten, auf dem Papier des geschriebe» nen Rechts nichts an den Freiheiten der liberalen Tradition ge- ändert war. Di« durch die Eigenart der faschistischen Bewegung als diktatorisch austretende Minderheit bedingte Selbstübersteige- rung führte nun aber nach einigen mehr oder weniger vorbereiteten Attentalen auf da» Leben des geheiligten Größenwahnsinnigen zu einer Anpassung der Gesetzgebung an die tatsächlich bestehenden Berhältnilse, zu einem teilweisen Uebergang der reaktionären Tätig- teil auf die nunmehr saschistisierte Slaatsmaschine. Aus diesen Gesetzen spricht der wahre saschiftische Geist, spricht der eigentliche, wirkliche Inhalt dieses blutbefleckten, Geist. Freiheit, Menschenwürde vernichtenden Systems. Die Strafe der Verbannung auf einsame Inseln für politische Unbequeme— soweit sie nicht er- mordet wurden oder, wie unser greiser Genosse Turari, bei Nacht und Nebel das Land verlosten konnten— wurde neben anderen„ge- eigneten" Maßnahmen, wie die Zurückziehung sämtlicher Auslands- päste. die Treibjagd aus nichlberechtigte Grenzüberschreiter, die Todes- strafe für Derbrechen gegen den Konig, den Thronfolger— und den Ministerpräsidenten und die Errichtung eines„Reoolutionstribu- »als, auf dem üblichen Weg der königlichen Dekrete vorgenommen. Daß»nter der Hochflut derartiger die N»l)« des Landes und die Begeisterung der Italiener für den Faschismus bester als alle ofsl- zielten Verlautbarungen illustrierenden Verordnungen sich auch ein Dekret befand, demzufolge alle antisaschistischen politischen Organi- sationen aufgelöst sind, versteht sich von selbst. Das kümmer- llcke, auf wenige Hauptzentren sich beschränkende offizielle Leben unserer Organisationen und unseres Iugendvcrbandes ist damit er- loschen, nicht aber die sozialistische Ueberzeugung. Meinungen kann man selbst in Mustolinien noch mcht reglementieren, auf Leinwand projezieren und dann nach irgend einem Gesetz bestrafen. Roch weniger kann Mustolini und der Ihm gehorchende Machtopparat e» verhindern, daß die zahtreich«, durch die letzten Ereignisse ver- mehrte italienisch« Emigration im Ausland, vor allem ln Frankreich, sich wieder politisch zusammenschließt Einem großen Teil der führenden Genosten der italienischen politischen und gewerkschaftlichen Bewegung gelang es, nach Frank- reich zu entkommen und dar! unter ihren Landsleuten für die sozialistische Sache zu wirken und die Kadres kür die tünstige Organi. satian der itatienischen Arbeiterschaft zu schassen. Sie haben sich bereits mit dem Sekretariat der Hozialisrijchen Jugendinten, attonal« in Verbindung geletzt und werden bei ihrer Werbearbeit auch dt« Jugendlichen unter den Auswanderern erfassen. Einzelne Gruppen haben sich bereits gebildet. Rolf R e o e n t l o w. M- ng] Nunöfthau r�i Berufsschule und»eligionsuaterrtcht. In der neuen Zeitschrist de» Allgemeinen Deutschen Kewerkschostsbundes für die Leiter der Iugendabteilungen in den Gewerkschaften, dem„Jugend-Fuhm", lesen wir: Die Entschiießung unserer Hamburger Iugendkonserenz zur Lerussschulfrage enthält folgenden Absatz:„Die Erteilung von Re- ligionsunterricht, auch die wahlweise, ist nicht Ausgabe der Berufs- schule." Die meisten Delegierten werden diesen Satz nur als eine Grundsatzerklärung angesehen haben, die kaum praktische Bedeutung erlangen dürste. Daß den« nicht so ist, zeigen die Verhäilniste im Rheinland. Hier ist in einer Reihe von Städten des Bezirks Köln der wahlweise Religionsunterrlcht bereits eingeführt. Die Praxis der llaterrlchtsobteilung wird zum Teil so gehandhabt, daß in den Schülern der Eindruck hervorgerufen wird, es besteh« eine Der- pilichtung zur Teilnahme. In verschiedenen größeren Städten soll dieser freiwillige Unterricht daher säst von sämtlichen Schüler» besucht werden. m.. i» Düsseldorf hatte die Stadtoerordnetenversamnilnng mit Mehrheit beschlosten, ledenekundlichen Unterricht auf konfessioneller Grundlage einzuführen. Die Stadtverwaltung hatte darauf hin» weisen müsten, daß das den Gesetzen widerspricht und die Anae- legenhett dem preußischen Handelsministerium unterbreitet. Diese» erklärte, daß Religionsunterricht nur sakultativ im Anschluß an den Berufsschulunterricht erteilt werden könne. Die Stadlverwaltung wollte nun feststellen, wie groß das Intereste der Schüler für den Religionsunterricht ist. In den Schulen wurden Listen ausgelegt» und dle Lehrerschaft erläuterte den Schülern den Zweck der Maß- nahm«. Trotzdem haben sich nur 14 Proz. aller Schüler als Teil- nehmer am Religionsunterricht eingezeichnet. Dieses Ergebnis zeigt, daß die Absichten der kirchlichen Kreis« ziemlich leicht vereitelt werben können, wenn die Arbeitervertretung tm Sradtparlament Hand in Hand mit allen in Betracht kommenden proletarischen Organisationen arbeitet, wie da» tn Düsteldors der Fall war. Unsere Kollegen müssen darauf hinwirken, daß, wenn sich schon im Stadtparlament eine Mehrheit für den freiwilligen Religionsunterricht findet, dieser nicht während, sondern erst nach Beendigung de» allgemeinen Unterrichts angesetzt werden darf. Wir sind überzeugt, daß dann stets nur ein qeringer Teil der Schüler sich freiwillig für eine Berlänoerung der Schulstunden erklären wird. Auf Kosten des allgemeinen Unterrichts darf der Religionsunterricht nicht gehen. K- ■«( ' � r Bua öer �ugenö-Internationale. Werbearbeit für Lonüons?trbe''terfugenüdewegung. Vor mehr als eineinhalb Iahren hat die Britische Arbeiter- Partei die ersten Schritte unternommen, um die vrgamsation der männlichen und weiblichen Jugend zu einem wesentlichen Bestand- teil der Porteitätigkeii zu machen. Obwohl im Lande mehrere „Iugendgruppen" in Verbindung mit den Ortsgruppen der Partei gegründet wurden, ist man der Ansicht, daß auf diesem wichtigen Arbeitsgebiet bis jetzt relativ geringe Fortschritte erzielt wurden. London geht daran, die Führung aas dem Gebiet der Propaganda unter der Jugend zu übernehmen und hat natürlich ein unbegrenztes Arbeitsgebiet vor sich. Der Londoner Beirat der Jugendlichen der Arbeiterpartei organisiert sechs Konferenzen in verschiedenen Ge- bieten, um das Interesse an der Tätigkeit der Liga zu steigern. Die Konserenzen werden in Verbindung mit der Exekutive der Arbeiterpartei von London abgeholten werden. Einladungen er- gingen außer an die Delegierten»er Gruppen der Liga noch an die Gruppen der Arbeiterpartei und die Frouengruppen in jenen Wahl« kreisen, wo Iugendgruppen bisher noch nichr bestehen. Die Kon- ferenzen werden an verschiedenen Tagen in der Zeit vom Ii). Januar bis Mitte Februar abgehalten werden. Am 26. Februar wird die zweite Jahreskonferenz des Beirates der Jugendbewegung in den neuen Räumen der Londoner Labour Party abgchallen werden. Von den 60 Gruppen der Labour Party Im Verwaltungsgebiet von London haben mehr als zwei Drittel bis jetzt noch keinen cner- gischen Versuch gemacht, dt« Gründung von Gruppen der Iugendliga der Arbeiterpartei in ihrem Wahlkreis zu veranlasten. Wenn auf die bevorstehenden Konferenzen Besuche der einzelnen Wahlkreis« und die Gründung wenigstens von Zellen neuer Gruppen folgt, so wird das den Weg für das Entstehen einer kraftvollen Arbeiter- jugendbewegung in England ebnen. Wendet«? öer polnischen?ugenöorgonifation. Am 16. Oktober fand in ungefähr 96 Ortschaften Polens ein Werbetag de» Berbandes statt. Der Zentralausschuß TUR. entsandt« 66 Redner zu den Festversammlungen in die einzelnen Ortschaften. Außer den Meetings fanden Umzüge, sportliche Beranstaltungen, Vor- stellungen usw. statt. Am imposantesten fiel der Werbetag in Warschau aus. Am Vorabend wurde ein Umzug In Lastwagen mit Fackeln, Fahnen imd Aufschrift«» organisiert. Am Vormittag wurde«in Meeting veranstaltet, an dem Redner der Polnischen Sozialistischen Partei und ander« Redner austraten. Nachmittags fand«ln Straßen- wettlausen statt, an dem mehr als 166 jugendlich« Arbeiter teilnahmen. Abends veranstaltete man«in« Festseter. Ein Umzug durch die Stadt schloß den Werbetag. B«t allen Veranstaltungen sang man das Lied ..Dem Morgenrot entgegen", das wir in Verlin und Amsterdam kennengelernt haben. Der Werbetag und die nach folgende Werbewoch« gab uns 17 neue Lotaiverbände. verbanöstag öer bulgarischen Organisation.» Anfang Oktober fand in Sofia der acht« Venbandstag der bulgarischen Organisation statt. Es waren SS Delegiert« anwesend, die 21 Ortsgruppen vertraten. Die Orgamsation hat auch in der letzten Zeit wieder mit Schwierigkelten zu kämpfen gehabt. Die inneren Auseinandersetzungen in der bulgarischen sozialistischen Bewegung, dl« mit dem Ausschluß einer rechlsgerichteten Gruppe endeten, Hot auch die soziaiistische Jugendbewegung gehemmt, obwohl durch den Aus- schluß keine Ortsgruppe verloren ging Gegenwärtig zählt die Organisation 1S66 Mitglieder in 270 Ortsgruppen. Die Konferenz beschloß, in Zukunft das Jugendblatt wieder regelmäßig monatlich erscheinen zu lassen. Welter wurde beschloffen, im Lande Kundgebungen gegen den Krieg und den Faschismus und ftir die Einheit der sozialistischen Jugend durchzuführen. Es wurd:» Resolutionen gegen die llnterrichtspefttit der Regierung und über die sozial« Loge der arbeitenden Jugend angenommen.