Nr. 2 Beilage zum Vorwärts». ,»2? Das junge Deutsthlanü. Eine Ausstellung der Jugend. Unter den zahlreichen Ausstellungen, die in diesem Jahre für Berlin angekündigt sind, befindet sich auch eine Aus- Stellung, die zum erstenmal eine umfassende Dar- tellung des Lebens der deutschen Jugend bringen wird. Der Plan zu dieser Ausstellung ist entstanden im Kreise des Reichsausschusses der deutschen Jugendver- bände. Dieser Reichsausschuß hat in den letzten Jahren eine lebhafte Propaganda für die Verbesserung der Arbeitsbedin- gungen der erwerbstätigen Jugend entfaltet. Seine Forde- rungen sind an dieser Stelle wiederholt besprochen worden. Gegen die Durchführung dieser sozialpolitischen Aufgaben des Neichsausschusses haben sich nicht nur die Kräfte gewehrt, die sich jeder Sozialpolitik so lange wie möglich widersetzen, sondem es ist auch in Kreisen, die an sich bereit sind, der Jugend Erleichterungen ihrer sozialen Lage zuzustehen, immer wieder der Einwand erhoben worden, daß eine E r w e i t e- rung der Freizeit die Garantie einer guten Verwen- dung dieser Freizeit, vor allem der verlangten Ferien, zur Voraussetzung haben müsse. Obwohl es von einer eigenartigen„jugendfreundlichen" Haltung zeugt, wenn man mit dieser Begründung einer schnellen Verbesserung der Arbeitsbedingungen der erwerbs- tätigen Jugend widerspricht, so mußte doch der Versuch ge- macht werden, die Hinfälligkeit dieses Arguments in aller Oeffentlichkeit klarzulegen, indem einmal der Nachweis ge- führt wird, was heute bereits von Iugendverbänden und von der öffentlichen und privaten Iugendwohlfahrtspflege für eine nützliche Verwendung der Freizeit getan wird. Aus dieser Ueberlegung heraus entstand der Gedanke, die Möglichkeiten einer Ausstellung in den Dienst der Propa- ganda für eine vernünftige Sozialpolitik an der Jugend zu stellen. Es liegt jetzt ein genauer Plan für die Ausstellung vor, so daß es sich lohnt, einmal kurz die Hauptgedanken dar- zulegen. Di« Ausstellung wird in der Zeit von Mitte August vis Ende September im Schloß Bellevue stattfinden, das der preußische Staat der Ausstellungsleitung kostenlos zur Ver- fügung gestellt hat. Die Ausstellung wird nicht nur getragen von den Jugendverbänden, sondern in dem Verwaltungsausschuß sind vertreten die in Frage kommenden Reichsministerien, die Vertreter der Landesregierungen» die Organisationen der Kommunen und Landkreise sowie alle sonstigen privaten Kör- perschaften, die sich in der Jugendwohlfahrt betätigen. Der Ausstellungsplan selbst geht von dem Gedanken aus, zunächst einmal eine Gesamtübersicht über die deutschen Ju- fjend und ihre Lage zu geben. So wird einleitend zur Dar- tellung kommen, welchen Anteil die deutsche Jugend von 14 bis 21 Jahren an der Gesamtbevölterung hat, und wie sich die Jugend in erwerbstätige und in studierenoe Jugend gliedert. Es ist wohl das erstemal, daß hier an Hand von statistischem Material dargelegt wird, in wie starkem Maße die gesamte deutsche Jugend heute als erwerbstätig anzusprechen ist. Dieser erwerbstätigen Jugend gelten dann auch im wesentlichen die weiteren Darstellungen, die sich auf ihre Lage in der Gesell- schaft und in der Wirtschaft beziehen. Zurzeit laufen um- fangreiche Erhebungen in den verschiedenen Landesteilen über die Arbeitszeit, die Arbeitsverhältnisse, die Wohnungs- Verhältnisse und über die Berufsgliederung der erwerbs- tätigen Jugend. Selbstverständlich wird auch der körperliche Zustand der jungen Generation, wie er sich unter den Nach- Wirkungen der Kriegs- und Nachkriegszeit zeigt, zur Dar- stellung kommen. In weiteren Abteilungen der Ausstellung werden dann die Jugendverbände mit Selbstdarstellungen in Erscheinung treten. Hier wird der Nachweis zu führen sein, daß heute schon die Jugend in hohem Maß organisatorisch erfaßt ist, und daß durch die Arbeit ihrer Bünde schon eine ziemliche Sicherheit für eine gute Verwendung der Freizeit gegeben wird. Neben den Selbstdarstellungen der Jugendver- bände werden aber auch die privaten und öffentlichen För- derer der Jugendpflegearbeit auf der Ausstellung vertreten sein, damit der breiteren Oeffentlichkeit ein Bild davon ge- geben wird, welche vielfachen Anstrengungen heute bereit» auf dem Gebiet der Jugendpflege gemacht werden. Die Ausstellung wird aber auch aufzeigen müssen, wo noch Män- gel an diesem Werk sind, die beseitigt werden müssen, wenn die Jugendpflege vollen Erfolg haben soll. Den Hauptteil der Ausstellung wird die Abteilung bie- ten, die sich mit der Verwendung der Freizeit der Jugend be- schäftigt. Hier wird den Jugendoerbänden in erster Linie Gelegenheit geboten werden, statistisch, bildlich und plastisch darzustellen, was sie für die gute Verwendung der Freizeit der Jugend tun. Dieser Teil gliedert sich wieder in verschie- dene Unterabteilungen, und zwar kommen zur Darstellung die Maßnahmen für die Allgemeinbildung der Jugend, für die berufliche Fortbildung, das Wandern der Jugend, Ferien- Heime und Herbergen der Jugend. Ein besonde'rer Abschnitt ist der Fürsorge für die erwerbslose Jugend gewidmet, ein Problem, das ja gerade heute im Vordergrund der jugend- pflegerischen Arbeit der freien und öffentlichen Körperschaften steht. Neben der Arbeit der Jugendverbände werden selbst- verständlich auch die Leistungen aufgezeigt werden, die öffentliche Bildungseinrichtungen, wie Volkshochschulen, öffentliche Bibliotheken, gemeinnützig« Theater und Bildungs- Vereinigungen für die Jugend aufweisen können. Die Ausstellung wird aber auch das Argument mit an- schaulichem Tatsachenmaterial belegen, das stets stark im Vordergrund der Freizeitbewegung gestanden hat, nämlich, daß es sich bei dieser Bewegung letzten Endes um eine be- deutsame kulturelle Bewegung handelt. Die Bünde der Jugend sind nicht nur eine Sammelstelle vielgestaltiger Arbeit für eine anregende und nützliche Unterhaltung und Belehrung der Jugend, sondern in der jungen Generation verkörpert sich auch eine neue Kulturbewegung, deren Ent- Wicklung stark gefährdet ist, wenn ihre vornehmsten Träger vorzeitig durch ungünstige Arbeitsbedingungen in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Der dritte Hauptteil der Ausstellung stebt deshalb unter dem Motto:„Der Kultur- wille der deutschen Jugend". Hier wird sich ein reichhaltiges Bild zeigen von den kulturellen Bestrebungen der jungen Generation. Hier werden Themen behandelt werden, wie: Jugend und Gesellschaft, Jugend und Musik, Jugend und Literatur, Jugend und Fest, Jugend und Handwerkskultur, Jugend und moderne Wohnungskultur. Da-sich vieles von dem, was auf diesen Gebieten in der Jugend lebendig ist, weder statistisch noch bildlich darstellen läßt, wird die Ju» gend selbst im Rahmen der Ausstellung zur Mitwirkung herangezogen werden. Während der Ausstellungszeit wer» den in Berlin eine Reihe von grundlegenden Vorträgen von Führern der deutschen Jugend über ihre Stellung zu wich» tigen Zeitproblemen, Aufführungen von Tanz- und Spiel- scharen, Darbietungen von Sing- und Musikgruppen, statt- finden. In dem schönen Part des Schlosses Bellevue, der der Ausstellungsleitung für diesen Zweck zur Verfügung ge- pellt ist, wird sich also ein reges Iugendleben entwickeln, das ncher wette Kreise der Berliner Bevölkerung anziehen wird. Geplant ist auch ein yon der Jugend getragenes Volksfest, das die Festgestaltung der neuen Jugend zum Ausdruck brin- gen soll. Die Vorbereitungen für diese bedeutsame Ausstellung, die die erste dieser Art ist, sind in vollem Gang. Eine große Zahl von Mitarbeitern ist dabei, das große Material au sichten und ausstellungsfertig zu machen. Es ist die Hoff- nung berechtigt, daß diese Ausstellung ein wirksames Mittel sein wird, die breitesten Kreise der Oeffentlichkeit aufzu» klären über die Lage der deutschen Jugend, über ihre Nöte, aber auch über ihren Willen zu neuer Kulturgestaltung, der schon jetzt über die Kreise der Jugend hinaus das kulturelle und geistige Leben unseres Volkes stark beeinflußt. unö Erwerbslosigkeit. Der Verband der Sozialistischen Arbeiterjiwnd Deutschlands hat kürzlich ein« Erhebuna über die Zahl der erwerbslosen Mit- Glieder veranstaltet. Die bisherigen Ergebnisse lassen erkennen, daß die Mitgliedschast in den einzelnen Bezirken verschieden stark von der Wirtschaftskrise betrossen worden ist. Im allgemeinen kann ge- sagt werden, dah etwa 10 Prozent der Mitgliedschaft arbeite- los sind. Diese Zahl erscheint gegenüber dem großen Umfang der Cr- werbslostgfeit überhaupt verhältnismäßig gering. Das ist vor allein daraus zurück.viführen, daß die große Mehrheit der Mitgliedschaft tm Lehrverhältnis steht und daher nicht ohne weiteres entlassen werden kann. Außerdem finden die jungen Arbeitsburschen auch leichter wieder Beschäftigung als erwachsene Arbeitslose. Die große Mehrzahl der Erwerbslosen ist von der Erwerbs- lostgkeit unmittelbar nach Beendigung der Lehrzeit betroffen worden. Ein anderer nicht unbeträchtlicher Teil wird von den Jugendlichen gestellt, die nach der Schulentlassung überhaupt noch kein Arbeits- oder Lehrverhältnis finden konnten. Die bedrohliche Lage der erwerbslosen Jugendlichen überhaupt hat den Verbandsvorstand der SAJ. veranlaßt, sich init der Durch- sührung von Hilfsmaßnahmen zu beschäftigen. Zunächst wurde be- schlössen, an alle Bezirksleitungen des Verbandes ei» ausführliches dringendes Rundschreiben zu richten, das auf die besonderen Ge- fahren der Erwerbslosigkeit sür die Jugend hinweist, dann eine ge- drängte Uebersicht über die jetzt geltenden Bestimmungen sür die Unterstützung der erwerbslosen Jugendlichen und sür die Durchfüh- rung besonderer Hilfsmaßnahmen und Veranstaltungen für die Jugendliche» gibt und die Bezirksleitungen auffordert, die Ortsver- eine ihres Bezirks zu einer energischen Aktion für die Durchführung dieser Hilfsmaßnahmen durch die kommunalen Behörden zu ver- anlassen. Diese wichtige Arbeit soll in engster Zusammenarbeit mit den sozialdemokratischen Fraktionen der kommunalen Körperschaften erfolgen. Damit auch die Parteiorganisationen erneut aus die Dringlichkeit dieser Aufgabe hingewiesen werden, beschloß die Sitzung einstimmig, folgende Resolution an den Parteivorstand zu richten: „Der Hauptvorstand der Sozialistischen Arbeiterjugend nahm in seiner Sitzung am 5. Februar zur Notlage der erwerbslosen Jugendliche» Stellung. Der Hauptvorstand ist der Ausfassung, daß im Hinblick auf die Gefahren, die der Jugend durch die lang- andauernde Erwerbslosigkeit drohen, energische Schritte unternommen werden müssen, um die auf Grund der gesetzlichen Ver- Ordnungen und ministeriellen Erlasse möglichen besonderen Für- sorgemaßnahmen für erwerbslose Jugendliche im weitesten Aus- maße zur Durchführung zu bringen. Der Hauptvorstand hat deswegen an alle Bezirksvorstände der SAJ. ein Rundschreiben gerichtet und sie darin ausgefordert, die Leitungen aller größeren Ortsgruppen zu veranlassen, sofort die Arbeit auf diesem Gebiete auszunehmen. Um dieses Vorgehen zu fördern und ihm zu Erfolgen zu ver- helfen, bittet der Hauptvorstand der SAJ. den Parteivorstand, durch die Bezirksvorstände der Partei die sozialdemokratischen Fraktionen in den Kommunalverwaltungen zu ersuche», Ihre be- sondere Aufmerksamkeit den durch die Kommune zu treffenden Fürsorgemaßnahmen sür die erwerbslosen Jugendlichen(Spei- sungen, Osfenhaltung von Jugendheimen, Veranstaltung von Fort- bildungs- und Benifsausbildungskursen, Verschickung in Erholungs- Heime) zu widmen. Die Bezirksleitungen der SAJ. werden die Ortsleitungen der Iugendgruppen auffordern, bei ihrem Vorgehen mit den Partei- instanzen Hand in Hand zu arbeiten. Der Hauptoorstand bittet den Parteivorstand, den vorstehend unterbreiteten Wunsch zu erfüllen." Es wurde weiter beschlossen, mit dem ADGB. die Aufstellung eines Programms zu erörtern, das gegeignet ist, über die augenblicklich möglichen Hilfsmaßnahmen hinaus der Erwerbslosigkeit der Jugend eiitgcgenzuwirken. Die Beratungen werden sich vor allem mit der Frage des neunten Schuljahres, mit dem Ausbau der Be- rufsschulc und mit der Schaffung ausreickzender Ausbildungsmög- lichkeite» für schulentlasiene Jugendliche, die keine Lehrstelle oder Beschäftigung finde» können, sowie mit der Durchführung unserer Freizeitsorderungen überhaupt beschäftigen. die Kulturiöee öes Sozialismus. Di» nachfolgenden«»danken rntstammen«In«« Rede, di» G«n»>» Pr»s«fsor R a d b r u ch kürzlich vor>w«iiund«rt sozialistisch«» St» dcnte» Eitddcutschlands in Frankfurt a. M. hielt. In den Grundzllgen der heute noch herrschenden kapitalistisch»«» Kultur lassen sich die Grundzüge der kapitalistischen Wirtschaft er» keimen. Dem Gegensatz von Kapital und Arbeil entspricht der Gegensatz Gebildeter und Ungebildeter, das Widerspiel der kapita« listischen Arbeitsteilung ist die Versclbständigung der Kulturgebiet«: das Werden eines Kulturspezialistentums. Auch der quantitative Zug der Prositwirtfchoft kehrt in der ihr entsprechenden Kultur wieder: Riesige Wilsensmassen werden angehäuft, in Speichern allerdings, zu denen nur die bare Zahlung Zukritt schafft. Und schließlich schwebt wie über den Produzenten der kapitalistischen Wirtschast auch über de» Produzenten der kapitalistschen Kultur die Geisel des Wett- bewerbs: Erstrebt wird der Vorsprung, das Neue, Niedagewesen», „die Pest der Originalität" ist ausgebrochen. Nicht die Geduld--» das Fieber, schnell scrtig zu werden, nicht die Freude am Werk der Wille, sich«inen Namen zu machen, sind sür heutiges Kunstichassen bezeichnend geworden. Die Kunst kommt in Gefahr, ein Jahrmarkt der Eitelkeiten zu werden. Der Kunstgenuß selbst wird Mode, Sache des Snobismus. Wo die Unterklasse eine Mode der Oberklasse aus« genommen hat, muß dl« obere Klasse ein neues Unterscheidung». merkmal haben. Kunstrichtungen werden wie Kleider gewechselt Die letzt« Kunstrichtung im Kapitalismus, die noch eine wahr» hafte Kulturbewegung auslöste, war der Naturalismus. Lange hat diese Kunst im Arbeiterherzen weitergelebt und lebt noch jetzt weiter. Doch sie war deshalb nicht der Beginn einer neuen sozialistischen Kultur. Noch hatte die Arbeiterschaft sich nicht selbst entdeckt: ge» tragen wurde der Naturalismus von in ihrem Gewissen wachen Bürgern, genau wie der Kathedersozialismus. Der Sozialismus war im alten Gemeinwesen eine Sekte, und alles, was von ihm ausging, trug Sektencharakter. Durch Krieg, Umwälzung und schließlich« Erhebung der Sozialdemokratie von der reinen Oppositions- zur Regierungspartei wurde das anders. Di« Arbeiterschaft, besonders aber die Arbeiterjugend wurde tut» turofsen und kulturosfensiv. Fabrik, Mietskaserne, Volksversammlung, Sport, Kino— das sind die Erscheinungen, von denen soziolistisckses Kulturjuchen aus» zugehen hat. Alle haben sie ein Gemeinsames: Untrennbar steht in ihnen der einzelne in der Masse. Im Gegensatz zum bürgerlichen ist der proletarische Mensch genötigt, immer mit anderen zusammen zu sein. Der Proletarier ist nie allein. Die Kultur kommt a» den einzelnen als einzelnen darum auch gar nicht heran. Proletarisch« Kultur kann nur Massenkultur sein, Kultur, die von der Masse ge» tragen ist und sich zur Masse wendet mit dem Ziel, sie zu veredeln, Veredelte Masse aber ist Gemeinschaft. Die Jugendbewegung aller Klassen setzte sich zuerst bewußt die Gemeinschaft zum Ziel. Die geschaffene Form zu füllen vermochte die bürgerliche Jugend indessen nicht. Im Suchen nach einem Inhalt diskutierte sie sich entzwei. Und so wirlt heut« innerhalb der Jugend- bewegung nur die Arbeiterjugend weiter im Verfolgen des aufgezeich- neten Ziels. Neben der Arbeiterjugend sehen wir heute in Jung- soziallsten, Kinderfreundcn, Arbeitersängern, Arbcitersportlcrn unk» Sprechchören Förderer der neuen Kultur. Sie alle haben eine groß« Ausgabe: Formung der Masse. Es ist die Aufgabe des Sozialismus. Man sagt, wir feierten zuviel: Feiern ist sür eine junge Demo- kratie Lebensnotwendigkeit. Feiern gewinnen. Bei Bebels Be- stattungsfeier in Zürich wurde ich Sozialist. Als die gan.ze Stadt still stand, als ich im Zuge ging, der beseelt war von einem großen. einmütigen Gedanken, da hatte ich zum erstenmal das Gefühl„Wir sagen zu dürfe», Genosse zu sein. Solch eine gesainmelte Mass« schreit nun auch förmlich nach Ausdruck, sie ist trächtig von Kunst. Sie wartet aus den Geburtshelfer. Sic verlangt zunächst, daß sich eine weite Halle über ihr wölbe, nach architektonischer Gestaltung. In ihr finden sich bereits auch Ansatzpunkte neuer Kunst(Buch- druckerhaus, Chilehaus, Turmbauten usw.). Es gibt Forme» individuellen und kollektivcn Kunstgenüsse»! In einer Gemäldegalerie freuen wir uns, wenn wir sie leer an- treffen, im Theater ärger» mir uns im gleichen Falle. Die Ent- Wicklung gehl von einer literarischen(individualistischen) Kultur zu einer architektonischen tkollektivistischen). Immer weniger Bücher werden gelesen, immer mehr Menschen gehen zu Menschen in» Theater, zur Musik, zum Kino, zum Sport. Das alles aber ist nicht der Hauptinhalt des Arbeiierlebens. Ist nun auch eine neue Arbeitskultur möglich, eine neue Arbeits« freude? Das alte Älrbeitsideal„ein ganzer Mensch, ein ganzes Werk" ist mit dem Aufkommen der Arbeitsteilung wohl unrettbar verloren gegangen. Die schwierige Wahl zwischen Arbeitskultur oder Arbeitsverkürzung, Kultur innerhalb oder außerhalb des Be- triebes, dürfte so ziemlich zugunsten der letzteren entschieden sen». Der Sozialismus hat sich zu einer Weltanschauung gerundet. Sie wird sich nur halten, wenn sie über die Formen der Ileberltefe- rung, über Schulen verfügt. Die Schule des Sozialismus ist Arbeitsschule, Gemeinschaftsschule und weltliche Schule. Das Wesen der weltlichen Schule liegt nicht darin, daß sie etwas nicht hat, was die anderen haben, nämlich die Religion, sondern daß sie etwas hat, was die anderen nicht haben: eine Weltanschauung. Wir sor» der» damit nicht eine besondere Schule für Sozialisten. Eine Schule für alle soll diese weltliche Schule sein: sie kann es sreilich erst, wenn der Geist dieser weltlichen Schule der Geist aller geworden ist, also im sozialistische» Staat. Da sie heute noch Sonderschule sein müßte, werden wir sie überall, wo nur möglich, unterzuordnen haben der vimultanschule, der Schule demokratischer Toleranz. S. L. Crögesang. Wie driinstig liegt die braune Ackerkrnme, Die sich in Wellen an die Höhe schmiegt. Di« Lonne zittert durch die hagern Aeste, Von frischem Morgenwind gewiegt. Ist auch der Winter noch in allen Wegen, So wartet doch im Hag der Frühling schon, Stimmt seine Geige auf die alten Lieder Und findet hier und da den rechte» Ton. Schon hebt er leise seinen leichten Bogen, Di« Erde atmet, wenn sein Lied ertönt, Und alles, olles wird sich neu beleben, Was sich nach Farben, Licht und Sonn« sehnt. Alfred Thiem».(Aus„Hammer und Herz".) Gefühlsäußerungen. Nürnberg— Reichsjugendtag 1923. Begrüßungsfeier. Burschen und Mädchen aus allen Gauen Deutschlands fitzen beisammen. Ein Jugcndchor singt, ein Mädel spricht den Prolog, Heinrich Schulz, Max Wcstphal und andere sprechen. Alles da» weckt in mir Fest- ltimmung und alle die jungen Menschen um mich sind in Andacht stumm, so wie ich. Kirchenstille herrscht im Raum, feierliche Andacht. All die Menschen im Raum sind mir so nah und doch so fern.— Da, Piet Voogd, der Holländer, erscheint aus der Rednertribüne. Bewegung geht durch den Saal. Begeisterung glüht und bricht sich Bahn. Tausende Hände schlagen aufeinander gleich einem Regenguß, dessen Wasser in einen breiten Strom münden. Begeisterung des einzelnen wird Bewegung der Masse. Das war mein erstes Erlebnis der Gemeinschaft. Rcvolutionsfeier der Berliner SAJ. 1926. Der große Raum des Großen Schauspielhauses ist bis auf den letzten Platz besetzt. Auf der Bühne steht ein Genosse und spricht. Als er geendet, tlat- lchen einige in die Hände, sind begeistert. Aeltere Genossen sind es, die Jugend ist stumm. Zischen ermahnt die Klatschenden zur Ruhe. Klatschen ist„bürgerlich". Zum Schluß ertönen hier und da„Frei- Heill"-Ruse. Aber die Seelen der Massen schwingen nicht mit. Die Rufe verklingen leer und dünn. Unbefriedigt gehe Ich nach Hause, ohne Erlebnis. * „Das Grabmal des unbekannten Soldaten" wird ausgeführt. Es wird mir zum Erlebnis. Reben mir sitzt ein Mädel, dessen Augen tränenfeucht sind. Es fühlt den grausamen Krieg so wie ich. — Pause— Im Vorraum gehen die Besucher auf und ab, lache» und scherzen, erzählen von neuen Kleidern und anderen flachen Dingen. Keine Spur von Erlebnis. Die Vorstellung ist beendet. An der Garderobe drängelt und schimpft man sich.— Das Mädel, das neben mir saß, steht abseits und weint. Auch mir stehen die Tränen in den Augen. Verständnis- los schaut man das Mädel an. Eine Kluft tut sich auf zwischen uns und ihnen. Für uns war es ein Erlebnis, sür jene Theater. * Stille ist in der Straßenbahn. Interesselos sckaut einer den anderen an.— Haltestelle.— Drei lustige Mädels steigen«In, lachen und scherzen. Entrüstet schauen die Fahrgäste auf, brummeln etwas vor sich hin. Ich aber lache mit. * Gefühlsäußerungen sind heute verdammt. Man lächelt über Weinende, man entrüstet sich über Lachende und bei uns Ist gär das Klatschen unschicklich. Klatschen Ist„bürgerlich" und Ruhe soll auch die erste Bürgerpflicht sein. Ja, Friedhofsruhe ist bürgerlich, aber niemals Begeisterung und andere Gefühlsäußerungen, die wirklich aus dem Innern kommen.— Verstand und Gefühl machen den Menschen erst zum Mensch und deshalb dürfen wir uns niemals gegen irgendwelche Gesühlsäußerungen entrüstet oder lächelnd wenden. Karl Birnbaum. Das Such öer Noten Zalken. Vor einem Jähr ist an dieser Stelle zum erstenmal über die österreichischen„Roten Falken" berichtet worden. Damals befanden sie sich erst im Werden: jetzt zählen sie bereits viele tausend Jungen und Mädels im Alter von 12 bis 16 Iahren. Sie haben weder den Kindcrsreunden noch der Sozialistischen Arbeiterjugend Abbruch getan. Sie bilden einen Teil der ersteren und beginnen prächtige Burschen und Mädel der letzteren zuzuführe». Mitglieder, die dank setbstgewollter Disziplin, durch ihre Selbsterziehung zur Pflicht- ersüllung, zur Treue, zur Ordnung, zur Kameradschaftlichkeit sich vorzüglich i» das Leben der proletarischen Jugendorganisation ein- ordnen werde». Wie In Oesterreich die„Roten Falken" entstanden slnJ»,«a» sie wollen, über ihren Ausbau und ihr Leben und Treiben— Ober all das berichtet in einem aufschlußreichen und erzieherisch wert- vollen Bändchen der bei den österreichischen Kindersreund«» sührende Genosse Anton Tessaret. Er nennt es„Das Buch d«r Roten Falken"(Verlag Jungbrunnen, Preis 1,23 Mk). Sein« Zeilen richtet er an die Roten Falken selbst, an deren Führer und an alle Eltern, Lehrer und Erzieher. Und es ist wirklich ein Leit- sadcn für alle, die da glaube», daß die Roten Falten ein« not- wendige Ergänzung zu den Kindersreunden und der Sozialistischen Arbeiterjugend sind. Aber selbst, die da meinen, daß Klndersreundt und Sozialistische Arbeiterjugend all die Ausgaben zu erfüllen in der Loge wären, die sich die Roten Falken stellen,«erden In Tessmeks Büchlein sür ihre Arbeit äußerst wertvolle Hinweis« finden: über Wandern und Orientierung nach Sternen, über Fest« feiern, Spielen, Sport, Erzählen usw. Das Büchlein ist jedoch«uch im höchsten Maße dazu onget«n, zu überzeugen, daß die Rote-Falken-Bewegung auch in Deutschland festen Fuß sassen müßt« und dies auch tun wird. Ansänge dazu sind bereits»orhanden. und ein Rotes-Falten-Treffen ist ja schon sür den Sommer in Kiel beabsichtigt. Ein großes Zeltlager sür etwa 1000 Jungen und Mäd«l ist geplant. Ein jeder, der sich in der Altersstufe von 12 bis 14 Jahren auskennt, und diese kommt ja in erster Linie für die Roten Falten in Betracht, weiß, daß em ungebundenes Leben in Freiheit und in selbstaewollter Disziplin bei selbstgewähsten Führern für einen Teil dieser Jungen und Mädel unbedingte Notwendigkeit ist.' Die Kindersreunde-Gruppen und die Sozialistische Arbeiter- fügend sagen gerade den„kessen" Berliner Jungen in mancher B«- ziehung nicht zu. Gerade diese Jungen— Mädels kommen j«l weniger in diesem Falle in Betracht— könnte die Rote-Falten« Bewegung zusamnninsassen, damit sie sich hier in Pslichtersüllung, Ordnung, Pünktlichkeit, Hilfsbereitschaft, freiwilliger Unterordnung unter selbstgewählten Führern üben, sich der Natur, der Lust, dem Licht und der Sonne erfreuen. Zweifelsohne fallen hier die Auf- gaben der Roten Falken mit denen der Kindersreunde und der sozialistischen Arbeiterjugend zusammen. Nur in der Form de» Gemeinschaftslebens werden sie sich ein wenig unterscheide». Sie werden in höherem Maße der Psychologie des Alters von 12 bis 14 Jahren angepaßt sein. Es ist ja kein Zufall, daß die Roten Falken in Oesterreich in so kurzer Zeit sich derart entwickelt haben. Man lese das Büchlein und überzeug« sich selbst davon, welch günstiger Boden gerade Berlin für die Entstehung der Raten Falkenhorden wäre. Leo R o s e n t h a l. Srief eines„Crbfeinöes". Einer unserer deutschrn Freunde Ubermittelte unn die Ueder- setzung eines französischen Briefes, den er bekommen bat. Der fran- zbsische Berfasser ist ein junger 24jäl)ri(ict Eiscnbaulsnflrukleur aus Paris. Aus Naumgründcn sind einige starke ftUrzungen vorgenommen worden. Ich denke immer daran und wiederhole: Ich habe einen Deut- scheu gefunden, einen Menschen, dem viele Franzosen noch miß- trauen, und dieser Mensch denkt wie ich. Er ist jung und seine Ideen sind pazifistisch wie die meinigen. Wenn Sie wüßten, mein Freund, wieviel man in Unterhaltungen kämpfen muß, um ganz allmählich diese Volksmasse mit Gefühlen der Liebe sür andere Menschen zu gewinnen. Wie oft ist meine Unterhaltung derart: Nehmen Sie zwei Kinder, eins deutsch, das andere sranzösisch, flößen Sie ihnen auf gleiche Art eine gute Moral ein, und Sie werden sehen, daß, wenn sie Männer geworden sind, sie sich wie Brüder lieben werden.— Oder das, was Sie ohne Zweifel kennen, ich richte es meistens an diejenigen, die den Krieg mitgemacht haben: Erinnern Sie sich, daß besonders 191S und ebensalls später, Deutsche sich ruhig während bestimmter Stunden in die sranzösischen Gräben begeben haben, und die unsrigen in die ihrigen kamen. Aber leider haben es die Befehlshaber erfahren(die sranzösischen ebenso«ie die deutschen), die Truppen wurden gewechselt, die Artillerie dannert« los. Haßten sich diese Menschen? Eicherlich nicht, aber der Krieg ist prositbringend für die Bankiers und politischen Manner, und man stirbt immer sür die Industriellen... Ich hatte Ihnen gesagt, man müßte die Schulbücher prüfen. Warum ist e» nicht Sache der Nationen, daß sich ein« Gesellschaft damit beschäftigt, sie nach einem einzigen Muster zu drucken, besonders für Geschichte, damit man nicht mehr mit diesen Schlachtenschilderungen die Phantasie der Jugend vergisten kann? Wenn Sie vor zwei Jahren diese tausende Männer und Frauen gesehen hätten, die der Ueberführung der Asche»an Jaurö« ins Pantheon folgten, würden Sie sich sagen, der Krieg ist nicht mehr möglich. Was für Reden und Ansprachen an jenem Tag gegen dieses große Erbübell Seien Sie gewiß, daß ich Ihnen die Wahr- heit sage, und vielleicht ist bei Ihnen dasselbe passiert, als Rachen«» beigesetzt wurde. Es gibt sicher in den unteren Ständen ein tiefe» Gefühl für den Frieden. Was verlangt das Volk? Es will von seiner Arbeit leben können, Frieden haben und sicher sew, nicht ge- zwungen zu sein, das ganz« Leben zu arbeiten... Sie sehen, mein Lieber, daß die Arbeit ungeheuer ist, aber nicht» ist unmöglich, wenn man Mut hat.(Pressedienst der Weltjugendliga.) Ms öer öewegung o n D R � □ Die Sozialististhe flrbeiterjugenü im Jahre 192H. Bci einem Rückblick über die Entwicklung des Verbandes der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands müssen wir feststellen, daß der Mitgliederstand leider nicht den gehegten Erwartungen entspricht Die vom 22. bis 27. März durchgeführt« Werbewoch« brachte zwar gute Erfolge, der erhöhte Mitgliederstand konnte aber Nicht gehalten werden. Äm 31. Dezember 1926 zählte der Verband in 31 Bezirken 1343 Ortsgruppen mit 36 239 Mitgliedern, davon 20 299 Mädchen. Dieser Mitgliederrückgang erstreckt sirb auf die ländlichen Bezirke, während die großen Städte Mitglieder- zuwachs melden. Die überall herrschende Arbeitslosigkeit der jugendlichen oder ihrer Familienangehörigen, die verlängerte Ar- beitszeit, die Zersplitterung in der proletarischen Jugendarbeit sind ebenfalls Faktoren, die einem zahlenmäßigen Aufstieg der sozio- listischen Jugendbewegung hindernd im Wege stehen. Unter besonders ungünstigen Verhältnissen arbeitet die Be- wegung in Bayern. Dort wird auf Grund einer ministeriellen Ver- Ordnung den Berufs- und Fortbildungsschülern die Mitgliedschaft in der Sozialistischen Arbeiterjugend verboten, da diese als politische Organisation erklärt worden ist. Um der Bewegung auch eine ge- sicherte flnanzielle Grundlage zu schaffen, beschloß die im April in »ildesheim abgehaltene Reichskonferenz die Einführung einer ein- heitlichen Beitragsregelung ab 1. Juli 1926. Die Ausführung dieses Beschlusses hatte zur Folge, daß sämtliche„Papiermitglieder" ge- strichen wurden. Die Zeitschriften des Verbandes,„Arbeiter-Iugend" und „Führer", konnten eine Erhöhung ihrer Auflageziffer erreichen. Die Geschäftsbetriebe des Verbandes— Arbeiter-Iugend-Verlag und Einkaufszentrale— zeigen ebenfalls eine gesunde Aufwärts- entwicklung. Ein erfreuliches Ergebnis zeigt der Rückblick auf die im Jahre 1926 geleistete Arbeit. In 34 Bezirkskonferenzen mit 20S9 Delegierten wurden die organisatorischen Arbeiten der Bezirke erledigt und neue Wege für die Arbeit der Bewegung gezeigt. In 274 von den Bezirken veranstalteten Führeraussprachen und Kursen, die orga- nisatorische, allgemeinbildende und politische Fragen behandelten, schafften sich die Funktionäre das geistige Rüstzeug für ihre Arbeit. Hinzu kommen noch die vielen von den Bezirken veranstalteten Wochenendkurse usw. In 160 000 Veranstaltungen der Gruppen allgemeinbildender und unterhaltender Art, an denen insgesamt etwa L Millionen Jugendliche teilnahmen, spiegelt sich das rege Leben der Bewegung wieder. Der Hauptvorftand veranstaltete eine Bezirksleiteraussprache, «wen Kursus für Musikanten und Leiter von Jugend- und Sprech- chorgruppen und mit Unterstützung des preußischen Wohlsahrts- Ministeriums einen oierzehntägigen Lehrgang für Jugendführer und Spielleiter an der Preußischen Landesturnanstalt in Spandau, an dem 108 Delogierte teilnahmen. Am Internationalen Jugendtag in Amsterdam nahmen 1200 Mitglieder teil. In 20 Bezirken und 23 Unterbezirken fanden Jugendtreffen statt mit insgesamt 58 360 Teilnehmern. Bon den Bezirken wurden 21 Ferienfahrten mit 334 Teilnehmern durchgeführt. Unser Kampf für Jugendschutz und Jugendrecht wurde allerorts mit großer Energie und Tatkraft weitergeführt. Die Forderung nach einer ausreichenden Freizeit wurde gemeinsam mit dem Reichs- ausschuß der deutschen Jugendverbände erhoben, und dieser Ruf Eand m der Oeffentlichkeit Widerhall Gegen die der Jugend durch te Einführung des Schmutz- und Schundgesetzes und des Gesetzes zum Schutz der Jugend bei Lustbarkeiten drohende Gefahr trat die Organisation auf den Plan durch die Veranstaltung großer Kund- gedungen. Die Verbindung zu den Organisationen der erwachsenen Ar- beiterschaft wurde weiter gefestigt und überall darauf hingewirkt, daß die Jugend beim Verlassen der sozialistischen Jugendbewegung sich einreiht in die Bewegung der erwachsenen Arbeiterschaft. Diese Arbeit wird im neuen Jahr noch verstärkt werden durch die Herauf- setzung der Altersgrenze vom 18. auf das 20. Lebensjahr. Die Acht- zehn- bis Zwanzigjährigen sollen durch eine bewußte politische Er- ziehungsarbeit zur Organisierung in der Sozialdemokratischen Partei gebracht werden So können wir am Schluß des Jahres die Feststellung machen, daß die Arbeiterjugendbewogung gefestigt dasteht und daß ihre Arbeit von einem regen Leben der lungeii Generation des Sozialis. mu» Zeugnis ablegt. Sorgen wir dafür, daß in der kommenden Werbewoche noch Zehntausende junger Kämpfer sich um die Fahne der sozialistischen Arbeiterjugend schare», damit der Rückblick auf das Jahr 1927 auch in dieser Hinsicht ein erfreulicheres Bild zeigt. » M- VxI i Mb öer Jugenö-Znternationale. Die internationale sozialistilche Stuöentenföüeration. Kürzlich fand in Berlin eine Sitzung des Exekutivkomitees statt. Es waren anwesend Genosse B o h m a n n. Wien. Genosse O u d e- geest, Amsterdam, und der Sekretär, Genosse Dr. Friedlän- der. Genosse Friedländer erstattete zunächst den Tätigkeitsbericht. Dl« Fühlungnahme mit den Organisationen in Belgien, Frankreich, Holland, Deutschland, Oesterreich. Polen und Tschechoslowakei ist stetig gewesen. Reue Verbindungen wurden mit schwedischen uiio schweizerischen sozialiftiichen Studentengruppen angeknüpft, und es steht ihr Eintritt zu erhoffen. Ebenso schweben zurzeit VerHand- lungeii mit der großen englischen Organisation, die in diesen Tagen auf ihrer Verbandsfitzung die Leilrittsfrage zur Föderation zu er- örtern gedenkt. Vertrauensleute konnten auch für Rumänien, Griechenland und Dänemark gewonnen werden. Mit Norwegen» dessen Partei im Januar über den Beitritt zur sozialistischen Arbeiterinternationale beraten wird, hofft man alsdann in Verbindung zu kommen. Während der Genfer FUJ.-Tagung gelang es dem Zusammen- wirken der sozialistischen Vertreter aus diesem Kongreß, ihre Dele- gation dahin zu beeinflussen, daß im ersten Wahlgang eine Auf- nähme der faschistensreundlichen italienischen Studenienorganisation verhindert worden ist: in einem, durch das Eingreifen des Departe- mentschefs des Instituts für geistige Zusammenarbeit notwendig werdenden zweiten Wahlgang blieben leider die von unseren Freun- den beeinflußten Gruppen mit ihrem Votum in einer allerdings starken Minderheit, zu der übrigens die Delegationen sämtlicher Großmächte gehörten. Dem Sekretär gelang es, während seiner Anwesenheit in Paris Fühlung mit dem Institut für geistige Zu- sammenarbeit aufzunehmen. Ein gegenseitiger Materialaustausch und die Einladung unserer Föderation zu eventuellen weiteren Ta- gungen der internationalen Studentenverbände soll erfolgen. "Es kam dann vor allem die Frage der Mitarbeit sozialistischer Vertreter in größtenteils bürgerlichen Organisationen, wie der FUJ.» zur Sprache. Die Tätigkeit des Sekretärs fand Billigung, da sie gemäß den Grundsätzen erfolgt war, daß stets �auch in der Zu- sammenarbeit mit anderen Organisationen oberster Leitsatz die Wahrnehmung der sozialistischen Interessen zu sein hat, was auch für die Zukunft einstimmig zur Forderung erhoben wurde. Zur Frage der nachbarschaftlichen Zusammenkünfte, die all- festig begrüßt wurden, wurde ausdrücklich festgestellt, daß es sich dabei nicht um Veranstaltungen von tongreßähnlichem Charakter, sondern um Tressen mit Bildungsveranstalwngen handeln soll, die vor allem der Information über die kulturellen und wirtschaftlichen Zustände der Nachbarstaaten dienen soll, wie dies auch anläßlich der ersten derartigen Zusammenkunft zwischen den deutschen(Königs- berger Studenten) und polnischen Studenten der Fall war, die Aus- gang des Sommers in Warschau stattfand. Zur weiteren Festigung der internationalen Beziehungen soll versucht werden, in den von Ausländern reich besuchten Höchschulstädten besondere international« Studentenkomitees zu errichten, wie das bereits in Wien geschehen ist. Die Sitzung nahm ferner zur Kenntnis, daß anläßlich des Genfer FUI.-Kongresses bereits ein Diskussionsabend der zur Föderation zugehörigen Studenten der verschiedenen Länder, englischen, indischen, schwedischen und norwegischen Genossen, stattgefunden hatte. Eine zweite internationale Jühreraussprache. Im Mittelpunkt der Internationalen Veranstaltungen des Jahres 1927 werden die Exetutivkomiteesitzung und die zweite internationale Führeraussprache stehen. Diese Führeraussprache war bereits vor zwei Jahren angeregt worden, nachdem die erste Tagung dieser Art im holländfichen Ferienhelm einen so erfolgreichen Verlauf genommen hatte. Es sollen auch diesmal eine Reihe von Punkten behandelt werden, die in der sozialistischen Jugendarbeit der Gegenwart«Ine erhebliche Rolle spielen und die nun in zwangloser freier Aussprache der führenden Vertreter der sozialistischen Jugendverbände zu klären versucht werden. Dere Plan, den das Bureau in seiner Sitzung am 30. Januar angenommen hat, umfaßt folgende Punkte: Erster Tag: Sozialistische Jugenderziehung durch Massenorganisation oder Auslese? Referenten Karl Heinz- Wien und Koß B o r r i n k- Amsterdam. Zweiter Tag: Vereinheitlichung der sozialistischen Jugend- arbeit. Referenten Ernst Paul- Prag und G. Vanderveken- Brüssel. Dritter Tag: Die Bedeutung der Jugendführung. Referenten Erich Ollenhauer- Berlin und Otto K a n i tz- Wien. Vierter Tag: Die politische Aktivierung der Jugend. Referenten Max W e st p h a l- Berlin und Richard L i n d st r ö m- Stockholm. Die Durchführung der Führeraussprache, die mst erheblichen Kosten für die Internationale und die angeschlossenen Verbände ver- Kunden ist, wird dadurch wesentlich erleichtert, daß die skandinavischen Genossen der Internationale ein Schloß auf der Insel Fünen zur Verfügung gestellt haben und die Delegierten während der Tagung als Gäste ihrer Organisation betrachten. Die Tagung findet statt vom Mittwoch, den 15. bis einschließlich Sonnabend, den 18. Juni 1927. Die jüdischen sozialistischen Zugendorganisalionen in Polen, die „Jüdische Sozialistische Arbeiterjugend" und die.Zionistisch Soziali- stische Jugend" haben sich zum„Sozialistischen Verband der jüdischen Arbeiterjugend„Freiheit" in Polen" vereinigt. Die vereinigte Organisation umfaßt 115 Ortsgruppen mit 3100 Mitgliedern. Der Verband hat eine besondere Akademiker- und Schlllersektion, der drei Gruppen in Warschau, Krakow und Wilno angeschlossen sind. Der Einigimgsanfruf wurde in vielen tausend Exemplaren unter der jüdischen Arbeiterjugend Polens oerbreitet. Die geemigte Organisation gehört der Sozialistischen Jugend- Internationale an.