Nr. 3 Beilage zum Vorwärts 3«. ms-z m? Zum Gruß! iTHj�iiminpuY�....... nn'fi...... v||j�...... Euch Jungen, die ihr in diesen Wochen den schicksals- schweren Weg vom Schulhaus zum Arbeitsplatz geht, gilt heute unser erster Gruß. Wir grüßen euch als Kameraden der großen Armee der Arbeit, denn von nun an werden wir zusammenstehen in Freud und Leid. Ihr könnt auf uns rechnen, wenn ihr in euren freien Stunden die neuen Kreise der Geselligkeit und der Freundschaft sucht, die an die Stelle des Freundeslebens der Schulzeit treten sollen. Ihr findet in der sozialistischen Jugend- bewegung Gleichaltrige und Gleichgesinnte, die sich ein reiches Leben der Jugend- freude und des Frohsinns geschaffen haben. Ihr könnt aber vor allem auch auf uns zählen, wenn das Leid des neuen Lebensabschnitts euch bedrängt, wenn euch der Ernst dieses Arbeitslebens amactt und euch nieder- zwnrgen will. Ihr wißt schon, daß für die Arbeiterjugend die Ju- gendjahre nicht eitel Freude sind. Hinter uns allen steht der unerbittliche Zwang zum Broterwerb, und so manchem unter euch wird der größte Widersinn dieser Wirtschafts- ordnung gar als Geschenk zur Schulentlassung präsen- tiert: die arbeiten wollen, können keine Arbeit finden. Doch auch die„Glücklichen", die eine Lehr- und Arbeits- stelle finden konnten, wer- den bald spüren, daß für die Romantik der Jugendzeit im Leben der jungen Arbeiter wenig Platz ist. Lange Ar- beitszeit, schlechte Entloh- nung und vielfach auch schlechte Behandlung beherrschen den Alltag unseres Daseins. Da gilt es, nicht mutlos zu werden, den Kopf oben zu behalten. Seht um euch und denkt an diese Zeilen, wenn die Traurigkeit euch übermannen will. Wir stehen zu euch, wir leiden die gleiche Not und uns hat der Wille geeint, diese Not gemeinsam zu überwinden. Das Proletariat hat eine gute Waffe in diesem Kampf um ihr Lebensrecht, um eine hellere Zukunft: das ist ihre Soli- d a r i t ä t. Alle für einen und siner für alle. Diesen Grund- satz wahren Gemeinschaftslebens macht zur Richtschnur eures Handelns; dann gewinnt ihr festen Boden unter den Füßen» auf dem ihr den Stürmen des Lebens trotzen könnt. Die Gemeinschaft der sozialistischen Bewegung wird euch schützen vor den Härten. eures Arbeitslebens, sie wird euch eine Stätte ernsten und heiteren Iugendlebens bereiten, wenn der Ar- beitstag zu Ende ist, und in ihr seid ihr nicht nur eine Husfahrt der Jugend. Ilun llbreitet Ihr hellen Blicks Aber öle blühende Schwelle Mitten ins Leben hinein. Schön leuchtet der tag. Cs donnert das Meer. Buflprlngt eine grflntanzende Welle Und füllt an den Strand mit Braulen und dunklem Schlag. Bald kommen die Sterne und zünden Ihr helliges f euer, Die nacht kommt leile mit sahnen aus wehendem Samt, Das ift die Stunde der Sehnlucht, vir fahren nach Beute und Bbenteuer, Kommt, Kameraden, und iehf, wie das Sternenreich flammt. vir haben nur unter herz und die stahlharten Glieder Und untre Sehnsucht. Sonst sind wir arm. vir singen zur Busfahrt untere stürmischen Lieder, lind wenn wir frieren, macht uns die Brbelt warm. hallo, schon fahren Ins Meer die schnellen, stampfenden Schiffe, Steigt alle an Bord, die Glücksfahrt beginnt! Dort donnert das Meer und brandet um felfenriffe Und tausend fliegt über die Wellen der stürzende Wind. Kun tanzt unter Schilf hinauf in die unendlichen KZume. Die Sterne streifen mit weißen flammen unter weißes Gesicht. hin Obers Schitt fliegen die nachtgrünen Wogen und fressenden Schaume, Der Sturm stößt ins herz. Wir zittern, aber verzagen nicht. Kommt, Kameraden, der Sturm hat laufend begonnen, Steigt ein In das Schiff:„Das stürmende Leben" genannt, hinter den Stürmen leuchten unendliche Sennen, hinter den Meeren finden wir endlich nach Kampf und Gefahr unterer Sehnsucht blühendes Land. max Bartb(,. iMiiOTnfthr Nummer, ein Teilchen im seelenlosen Getriebe, in ihr seid ihr Kamerad und Mitstreiter. Ihr seid durch sie eingereiht in die große Bewegung der Arbeiterschaft der ganzen Welt, die für ein neues Reich der Gerechtigkeit und Freiheit kämpft. O, wir wissen es, unter euch sind eine ganze Anzahl, die nicht zögern, diesem Ruf der sozialistischen Jugend zu folgen. Ja, sie haben ihn nicht einmal abgewartet, wir sehen sie schon mitten unter uns. Es sind die Jungen und Mädchen, die von den Kindergruppen der Kinderfreunde den Weg zu uns gefunden haben. Sie haben schon in der Kind- heit erfahren von dem hohen Wert des Gemeinschafts- lebens gleichgefinnter Ar- beiterkinder. Sie fühlen sich längst als Glied der großen Bewegung und wollen nun im Kreise der Organisation der Schulentlassenen, der So- zialistischen«Arbeiterjugend, neue Aufgaben erfüllen. Recht so, Gruß und Hand- schlag. Wir werden schnell zueinander finden und un» vereinigen können in dem Bestreben, diejenigen eurer Altersgenossen, die noch ab- feits stehen, mit in unseren Kreis zu ziehen. Ein Wort aber auch noch an die eigene Mitglied- schuft. Dieser Aufruf zur Solidarität gilt nicht nur den Jüngsten. Auch mir, die wir bereits in der Bewegung vereinigt sind, müssen ihn jetzt besonders beherzigen. Den jungen Mitstreitern müssen wir in erster Linie Kamerad und Freund sein. Sie müssen wissen, daß wir nicht nur von Gemeinschaft und Solidarität reden und schreiben, sondern daß wir st« auch üben. Wenn wir in den nächsten Wochen zusammenkommen in den Heimen oder auf den Wanderungen ins lachende Frühlingsland, dann gilt unsere erste Sorge nicht dem eigenen Vergnügen und Wohlergehen, sie gilt den jüngsten Mit- streitern, damit sie hineinwachsen in das Leben unserer Be- wegung und nicht nur mitmachen, sondern regsten und tätigsten Anteil nehmen am Leben und Treiben in der Organisation. So sind diese Frühlingswochen für uns alle ein neuer Anfang und unser Bestreben muß sein, daß die Jungen und die Jüngsten sich zusammenfinden zu harmonischer Gemein- schaft für den weiteren organisatorischen und geistigen Aus- bau der sozialistischen Jugendbewegung. Mtlei»!- Reckt! Elegant gekleidete Menschen sitzen in den ersten Rechen des Theaters. Sie lehnen stch zurück in die weichen Polster und lauschen den qualerfüllten Puccini-Melodie». Heute gilt ihr Mitleid jenen � jungen Künstlern, die in elenden Räumen ihren Kamps führen um Ruhm und Geld, manchmal auch um wahres, großes Künstlertum. Wie ist der junge Dichter dort aus der Bühne doch zu bedauern, den bitterste Not zwingt, an das Mitleid jener Satten und Reichen im Parkett zu appellieren. An das Mitleid von Menschen, das erst geweckt werden muß durch die Gestalten, die die Phantasie des Dichters geboren, das aber unberührt bleibt von der Not der Taufende, die tagaus und tagein den gleichen verzweifelten Kampf kämpfen. Im Morgengrauen könnt ihr es sehen, wie die gierig auf- gerissenen Fabriktore die jungen, abgehetzten Menschenkinder ver- schlingen. Erst in den Abendstunden werden sie dem Leben wieder zunickgegeben, au�epreht und ausgesogen. Und sie alle sind doch auch junge Menschen, in denen es brodelt und gärt, in Venen Sehn- sucht nach Freude und Licht lebt. Aber sie können nicht hingehen und thr Leben leben, sie sind eingespannt in das harte Muß des Alltags. In heimlichen Minuten nur können sie ein Lied singen von Sehnsucht und Leid. Ihrer denkt niemand! Keine der geschmückten Frauen, deren Tränen angesichts des Elends auf der Bühne so reichlich fließen, verspürt den Willen, auch nur eine Seele der Maschinenskloven zu befreien, daß sie aufjubelnd ins Licht entfliehen kann. Nein, wir wollen auch kein Mitleid, wir wollen Recht! Und wo wir es nicht freiwillig erhalten, da werden wir es uns er- Eingen. In unserer Gemeinschaft der sozialistischen Bewegung äffen wir am neuen Werk, das uns die Freiheit gibt, damit auch Seelen der arbeitenden Menschen sich frei entfalten und ins Helle steigen können. Senta Petzon. Spaltung öer Bei den Kommunisten herrscht eitel Freude. In ihren Zeitungen berichten sie über Masienausschliisse und Massenaustritte bei der KAI., ja, sie erwarten deren Spaltung. Was ist in Wahrheit vorgefallen? In Berlin und Westsachsen haben sich die dortigen Gruppen einiger Störenfriede entledigt, nachdem die Bersuche, mit diesen Leuten trotz gewisser Meinungsverschiedenheiten kameradschaftlich zusammenzuarbeiten, immer wieder fehlgeschlagen waren und die Betreffenden alle Mahnungen und Warnungen wegen der Folgen ihres Treibens mißachtet hatten. Die Anführer der„Opposition", in Leipzig der Genosse Otto und in Berlin ein gewisser Goldenberg, hatten in ihren Gruppen einen kleinen Anhang gesunden, der sich leider erst im letzten Augenblick, wo er den vollen Ernst der Sach- läge und zugleich auch den wahren Hintergrund der Opposition er- kannte, von den Anführern trennte. Angeblich richtet sich die Opposition gegen die falsche Verbands- taktik, gegen Verwässerung des Kampfgedankens in der SAJ. Man forderte mehr politische und wirtschaftliche Aktivität und besonders auch den Abbruch jeglicher Zusammenarbeit mit bürgerlichen Iugendverbänden. Ueber diese Dinge kann man sich in der SAI. durchaus auseinandersetzen, ja, In diesen und jenen Gruppen- und Bezirkskonferenzen: auch in Reichskonferenzcn sind diese Fragen diskutiert worden. Die Debatten endeten in allen Fällen mit Mehrheit«- beschlllssen, die dann selbstverständlich die Grundlage der Verbands- arbeit bildeten. Trotz dieser Entscheidungen kann man natürlich auch einer nur kleinen Minderheit nicht das Recht verwehren, ihre Ansichten bei all den Gelegenheiten immer wieder vorzutragen, wo grundsätzliche Entscheidungen über die Vetbandsarbeit zu fällen sind. Es muß jedoch die gesamte Organisationsarbeit empfindlich stören, wenn einige wenige Leute, die mit Ihren Ansichten immer wieder in der Minderheit blieben, einen Kampf innerhalb der Organisation beginnen. In Berlin gab es z. B. nicht nur Oppositionskonferenzen, es gab auch gedruckte Willenserklärungen der Opposition und schließlich sogar eine besondere Zeitung. In Leipzig gab Otto, der sein Amt als Vorsitzender des Bezirks Westsachsen bisher immer mit Hilfe eines für seine Zwecke gut konstruierten Delegations- fystems für Bezirkskonferenzen hatte halten können, ein Flugblatt > gegen seine eigene Organisation heraus, in dem rein kommunistische Gedankengänge propagiert und entsprechende Forderungen gestellt wurden. Der Führer der Berliner Opposition hat zugeben müssen, daß er der kommunistischen Presse Material zu Artikeln gegen die SPD. und SAJ. geliefert hat. Die hier zutage tretende geistige und organisatorische Verbindung zu den Kommunisten war wenig- stens für die führenden Leute die eigentliche Triebkraft chres Handelns. Diese Feststellung wird besonders erhärtet dadurch, daß auf dem Parteitag der Kommunisten in Essen die Leitung des kommunistischen Jugendoerbandes die O�osition in der SAJ. als das Ergebnis ihrer Arbeit, ihrer direkten Verbindungen mit Mit- gliedern und Mitarbeitern der SAJ. darstellte und in der Debatte diese Behauptung der kommunistischen Jugcndzentrale noch mehr- fach unterstrichen und bekräftigt wurde. In dem Augenblick, als diese Zusammenhänge vollständig klar wurden, war natürlich für die betreffenden Ortsgruppenleitungen der Zeitpunkt für energisches Zugreifen gekommen. Die verant» wortlichen Führer der sogenannten Opposition wurden von Partei- und Jugendorganisation ausgeschlossen. Die erste Tat des Berliner Führers Goldenberg war die Einberufung einer Versammlung in Berlin, in der er über das Thema:„Mein Weg zur kommunistischen Partei" referierte. Von den zur Versammlung erschienenen rund 65 jugendlichen Teilnehmern schieden über die Hälfte noch vor Beginn der Versammlung wieder aus, weil sie nun das Spiel durchschauten. Die SAJ. hat durch diesen Vorfall keinen auch nur irgendwie nennenswerten Schaden erlitten. Die paar Dutzend Jugendliche, die sich in Berlin und Leipzig von ihren Anführern nicht trennen wollten, werden wir oerschmerzen müsien. Es kann einem nur leid tun, daß sich immer noch wieder Menschen finden, die sich von einigen unverantwortlichen Leuten aus der großen sozialistischen Bewegung herausziehen lassen. Die Kommunisten aber werden ihre Fahnen bald wieder auf Halbmast senken müsien. Ihr augenblickliche» Freudengefchrel ist lediglich Taktik und hat in den wahren Vorgängen bei der SAJ. keine Begründung. Sie möchten gar zu gern»ine Panik erzeugen, aber sie werden sehr schnell ersahren, wie die SAJ. über Ihr Treiben lacht. Die Onkel und öle Tanten. Wem von den Burschen und Mädel der proletarischen Jugend- bewegung wäre es nicht schon einmal so gegangen: Wenn wir nach der Schulentlassung einige Jahre in Lustix.kett und Freude, aber auch in Kampf und Kampfbereitschaft inmitten der sozialistischen Jugend- bewegung verbracht haben, kommen eines Tages die Onkel und Tanten zu uns und wollen uns überzeugen, daß dieses„Vagabunden- leben" nun mal ein Ends haben müsse. Ueberhavpt sei es— behaupten sie weiter— für einen 18- oder Lvjäihrigen Burschen nicht mehr schicklich, in Kniehose und Schillerhemd herumzulaufen. Und übrigens feien Tabak und Alkohol, mit„Maßen" genossen, keines- wegs schädlich. Im Gegenteil: Das mache erst den richtigen Mann aus. In einem solchen Alter müsse man mal an ordentliche Ler- gniigen denken(das kommende„Vergnügen" des Sparoereins .Mauerblümchen" im„Blauen Roß" z. B. sei ein solches). Untere Beschäftigung mit politischen Fragen führe ja doch zu nichts GuW,. Die Mädel müssen hören, daß es gar kein anständiges Leben sei, mit Burschen in der Welt herumzuziehen. Was soll aus so einem Mädel werden, wenn es sich dazu noch um Politik und Wissenschaft kümmert. Ja früher, da..... Und so räsonnieren die guten Onkel und Tanten und warnen und mahnen. Und wir? Lachen herzlich über ihre Sorgen und bekennen frei- mütig, daß es für uns kein größeres Vergnügen gibt, als so ver- nünftig und so bequem wie möglick gekleidet Sonntags lustig In Feld und Wald herumzustreifen, unser« freie Zelt in froher Geselligkeil und emsiger Selbstschulung zu verbringen und unsere lunxe, frische Kraft für bessere Gesells-baftszustände einzusetzen. Und das Rauchen und Trinken, der Tanzsaal- und Kneipenbesuch? Wir sehnen uns nicht im geringsten danach und halten es mit unserem Vorkämpfer Lasiall«, der schon gesagt hat, daß dem aufstrebenden Proletariat nicht di« Laster des Bürgertum» zieme.i. Ja, wir versichern zum Entsetzen der besorgten Onkel und Tanten, daß wir diese liebgewonnenen Lebensformen, weil sie uns gesund, frisch und tapfer machen, bi« in» hohe Alter hinein zu bewahren gedenken. Und gerade weil uns die heutige Gesellschaftsordnung hindert, in jeder Beziehung nach unseren Idealen zu leben, nehmen wir regen Anteil am Befreiung». kämpf der Arbeiter gegen ihre Ausbeuter. So antworten wir. des rechten Weges wohl bewußt, den lieben Verwandten. Wenn sich aber nun zu ihnen di« Eltern gesellen, viel- leicht, weil sie keine überzeugten Sozialisten sind und unser Tun nicht verstehen? Mit ihnen sind wir unmittelbar verbunden. Wir müssen versuchen, ihrer Einstellung Verständnis abzugewinnen und ihre aus mancherlei Enttäuschungen entstandene Resignation zu b«. greifen. Wir probieren es ihnen zu erklären, daß der Sozialismus nicht nur neu« Wirtschaft, sondern auch neue Menschen verlangt""d daß wir als Jugend ernstlich beginnen müssen, neben dem Wirtschaft, liehen Kampf auch die Kulturziele de» Sozialismus nach Möglichkeit in die Tat umzusetzen. Und die haben nichts mit dm Idealen des bequemen Spießbürger« zu tun, sondern setzen neue Lebensanschau- ungen, neue Lebensformen voraus. An uns Jungen liegt es, durch persönliches Beispiel zu beweisen, daß unser Streben doch kein leerer Wahn, sondern lebendig, erfüllbar ist. Wenn wir uns so bemühen, die Resignation der Altm zu begreisen und daneben unsere Achtung und Kindesliebe für sie noch verstärken, dann werden sie uns, wenn nicht ganz verstehen, so doch unsere eigenm Wege gehen lassen, die uns augenscheinlich so glücklich und froh machen. Freilich: Nicht alle von uns stehen io fest. Manch' einer oder eine hat sich still aus unseren Reihen geschlichen und ist zum größten Jubel der Onkel und Tanien„vernünftig" und ein richtiger„Herr", eine feine„Dame" geworden. Vergessen sind die Ideale: wie ein Strohfeuer sind sie niedergebrannt, und übriggeblieben ist nur ein schwaches Menschenkind, das, am Gängelband des„Herkömmlichm" geführt, inmitten der croßen ficrbe gleichgültiger, bequem lebender Menichen dahinzieht. Gern möchte wohl mancher zurück. Aber die Onkel und Tarnen! Brr! Ja, ja, die Onkel und Tanten haben schon manchem jungen Menschen in seinem ernsten Wollen, neue, vom Althergebrachten ab- ireichende Wege zu beschreiten, graulich gemacht. St« brauchen durchaus nicht Immer als lebende Wesen aufzutreten und um uns zu leben! Auch In uns wirken oft solche Angstmacher, und da heißen sie„Vorurteile,„Tradition",„Kleinmut" usw.. die un» wie Unken. rufe aus der Tiefe wieder hinabzieben wollen in das schläfrig«, stumpfsinnig« Leben, das das erwachsene Proletariat immer noch verhindert, aufzuwecken und seine Peiniger abzuschütteln. Aber auch mit diesen inneren Dämonen werden wir fertig werden, wenn wir uns das helleuchtende Ziel vor Augen halten: Glück und Friede jedem Menschenkind! Dafür ja kämpfen wir und darum können uns alle Tanten und Onkel nichts anhaben. Wir rufen mit William Mornis: Laß' kältere Herzen nur lachen und scherten In flüchtiger Luft, von der Furcht vergällt: Indes wir erglüheich und Leben versprühend Dem Kampfe uns weih'n für die neue Welt! Gewerksthastliche Jugendarbeit 1 92H. Ließ da» abgelaufene Jahr infolge der Wirtschaftslage kein Vor. wärtsftürmen zu. so brachte es der gewerkschaftlichen Jugendarbeit doch starte innere Festigung. Di« Arbeit wird jetzt gewürdigt und gejördert. Di« Jugend selbst nimmt vermehrten Anteil. Eine Reihe größerer Ortsausschüsse wie Berlin, Hamburg, Breslau, Dresden, Duljeldorf, Frankfurt o. M. führten Schulungskurs» für Jugendliche, bejonders für Jugendfunkttonäre, mit Erfolg durch. Einige dieser Kurse waren zugleich Freizeitwochen für Erwerbslose. Der Metall- arbeiteroerdand veranstaltete in seiner Wirtschastslchule Dürrenberg vom 1. bis 20. November einen Jugendleiterkurlu» mit 50 Teilnehmern im Atter von 17 bis 50 Jahren. Der Lehrplan fach alle Gebiete der gewerkschaftlichen Jugendarbeit vor. Der Unterricht wurde ergänzt durch Betriebsbesichtigungen. Bom Verlauf wird Gute» berichtet, wenngleich in einigen Fächern(so Arbeitsrecht) in- Iolge verschiedenen Alters d:r Teilnehmer eine Teilung der Hörer- chaft vorgenommen wurde. Auch der Dachdeckeroerband hat seine geplante Lehrlingsschule im November eröffnet. Für diesen Lehr- gang steht unser Interesse voran. Hier handelt es sich nicht nur um «nen Berufszweig mit besonders engherziger Meisterschaft, sondern auch um schwer zu behandelndes Menjchernnaterial. Hier wird alles versuch. Der Eröffnung der Schule ging am 21. November in Frankfurt a. M. eine künstlerische Feier voraus; dann begann die Arbeil im Schulheim im Tmnms. Im Bordergrund standen solche Fächer, die die Lerussschul? vernachlässigt. Ferner Materiallehre, Bauarbeilerschutz und Berufsgefahren,»lantsbürgerkunde und So- zialverficherung. Unterrichtszeit täglich sechs Stunden: in der Frei. zeit schriftliche Arbeiten, welche allerdings für viele Teilnehmer mühe- voll waren. Forin des Unterrichts war die Arbeitsgemeinschaft. Die Diskussion war lebhaft, besonders im beruslichen Teil, mutzten doch fir eine Reihe von Begriffen erst neue Wort« geprägt werden, denn ie Bezeichnungen in diesem kleinen Handwerk sind in verschiedenen Gegenden unterschiedlich. Bom Berlaui und Ergebnis des ersten Kursus, für den starker Andrang herrschte(die dreifache Zahl von Meldungen war eingegangen), ist der Berbandsoorftaird sehr be- friedigt. Neue Iugendzeitungen sind im Lahre 192S nicht hinzugekommen: wohl soft alle verbände aber, für die Jugendlich« in Betracht kommen, haben rnt Berbandsorgan einen gut ausgebauten, regel- mätzigen Jugendteil, fo Schuhmacher, Fleischer, Nahrung», und Ge- nußmtitelarbeiter, Buchbinder, Verkehrsbund, Bergarbeiter, Sattler, Lederarbeiter u. a. Die Jugendzeitungen haben teilweise lebhaftere Ausgestaltung, oerwenden oermehrt das Bild als Anschauungsunter- rtcht und bnnaen einen gut ausgebauten, allgemeinbildenden und Echtechnischen Teil. Auch sonst welsen die Verbandszeitungen und «riebsratsbellagen in Artikeln auf die Jugendarbeit� Berufsous- dildung und den Jugendfchutz hin, oder appellieren' an die Gesellen- ousschutzmitglieder und Betriebsräte. Das gibt der gewerkschaftlichen Sugendbewemmg Stärk«, die Verbindung mit den Aelteren schafft »in festeres Organlifationsverhältnls zum Besten der Jugend und der Gewerkschaft. Auch örtlich durch die Ortsauslchüsi« geht die Arbeit voran, wenn auch noch nicht in erwünschtem Tempo. Di« Zahl der örtlichen Jugendzeitungen hat sich um einige vermehrt. Neben Ber. tin, Dresden geben jetzt auch Frankfurt a. M. und Wilhelmshaven solche heraus. Einige Bezirkstreffen, gewerkschaftliche Jugendtagungen(so Rheinland) und gegenfeiiige Besuche in den Städten verbreiteten und vertieften den gewerkschaftlichen Jugendgedanken. Zu begrüßen wäre einmal ein vom Iugendfekretariat des ADGB. veranstaltet«» Reichstrefsen. Das Iugendabzeichen, das von Berlin und Dresden tefördert, vom Iugendfekretariat des ADGB. herausgegeben und vertrieben wird, ist,u. a. auch von dem bekannten Maler Professor H. Balutschek als vortresflich beurteilt worden und hat bereits eine gute Verbreitung durch die Ortsausschüsse gefunden. Ihm wohnt sicher eine propagandistische Note inne und es trägt zur weiteren Verbreitung des Gedankens gewerkschaftlicher Jugendbewegung und Jugendarbeit bei. Im Interesse des gemeinsamen Gedankens und der gemeinsamen Idee wäre eine weitere Verbreitung des Jugend- abzeichens wünschenswert, es mühten aber mehr die Verbände werbend arbeiten. Der vom Jugendsekrewrtat des ADGB. herausgegebene Jugend. führer hat seinen ersten Jahrgang abgeschlossen. Er diente der In» sormation und bracht« manches Grundsätzliche. Es will uns scheinen, daß letzteres ein wenig zu kurz kam. Manche der an- geschnittenen Fragen hätte mehr Beleuchtung verdient. > W» M o Ms öer Jugenü-Internationale. 1 Maiaufruf öer Sozialistischen Jugenö-Jnternationale Zugendgenoss-n! Zugendgenossinneol In wenigen Wochen vereinigt sich die internationale sozialistisch« Arbeiterschaft'wieder zu den Kundgebungen ihres weltseierlags für Sozialismus und völkerftieden. Der 1. Mai 1S27 sieht die internationale sozialistische Arbeiter- beivegung im fchweren Kampf mit den Mächten des politischen und sozialen Rückschritts und des Nimmersatten Imperialismus. Der Faschismus hat in dem hinter uns liegenden Jahr neue Gebiete erobert und sein Gewaltregiment gegen alle demokratischen und sozia- listischen Elemente verschärft. Die Anarchie der kapitalistischen Wirtschaftsordnung hält unvermindert an, Millionen und aber Millionen arbeitswilliger Hände sind zum Nichtstun gezwungen, ihre Not ist das Druckmittel der Unternehmer für eine weitere Ber» sihlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter» ichaft. Dazu ist die Welt beunruhigt durch neue ernste Kriegs- gefahren in Amerika, Asien und auch in Europa. Sozialistische Arbeitennternationale und Internationaler Gewerkschastsbund führen einen zähen und unermüdlichen Kampf gegen diese Gefahren, und die Maifeiern dieses Jahres werden eine Generalmusterung der Kräfte des Friedens und des Fortschritts, des Sozialismus und der Völkerbefreiung von eigener und fremder Unterdrückung fein. Die sozialistische Zugend steht an der Seite der sozialistischen Arbeilerschast. denn die Not der arbeitenden Klasse ist ihre Not, der Kampf der arbeitenden Klasse ist ihr Kampf. Der Faschismus hat die sozia- listische Jugend in Italien drangsaliert und verfolgt, hat ihrer Be- wegung das Lebensrecht aberkannt, er hat ihr in Ungarn und Litauen die Arbeitsmöglichkeiten genommen, und er wird überall da, wo es ihm gelingt, sein blutbeflecktes Banner aufzurichten, brutal und rückstchtslos gegen die Organisationen vorgehen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Jugend zum Sozialismus und zur internatio- nalen Solidarität zu führen. Die soziale Reaktion richtet sich mit aller Schärf» gegen die arbeitende Jugend. Tausendsach ist sie heute der bitteren Not der Arbeitslosigkeit ausgeliefert, ungezählte junge Arbeiter und Arbeiterinnen.verkümmern und verdorren in der Form eines viel- stündigen Arbeitstages, im Elend der Unterentlohnung und der Wohnungsnot. Die Kriegsgefahr steht dräuend über den Häuptern des arbeitenden Jungvolkes, denn die Jugend wird die ersten Sturm» bataillone des Militarismus füllen müssen, wenn der Kriegsbrand erneut die Böller überzieht. Schon jetzt wird in den stehenden Heeren der imperialistischen Staaten das Selbstbewuhtsein der jungen Soldaten geknebelt und die friedenswillige Jugend verfolgt und unterdrückt. Doch diese Gefahren stöhlen unseren Willen. Der An» 'türm der Gegner steigert unseren Kampfesmut. Die international« äzialistische Jugendbewegung steht einiger und geschlossener da denn e. Die Maifeiern werden es bekunden. Die sozialistische Jugend ist bereit I Wir werden den Parolen der Sozialistischen Arbeiterinternationale im Kampf gegen Faschismus und Kriegsgefahr Folge leisten. Wir werden mit der erwachsenen Arbeiterschaft gemeinsam unsere Pflicht erfüllen Im Befreiungskampf des Proletariats. Wir stehen in ge- meinsamer Front mit dem Internationalen Gewerkschastsbund und der Sozialistischen Arbeiterinternationnle für unsere Forderungen für Iugendschutz und Jugendrecht.. Dieser Kampf wird nunmehr auf der ganzen Linie geführt. Die gesamte internationale sozialistische Arbeiterlnternationale hat sich vereinigt in dem ernsten Willen, dem jungen Proletariat Schutz und Recht im Wirtschaftsleben zu Ichaffen, ihm den Weg freizumachen zu einem Leben des freudigen Ringens um eine neue Gesellschaftsordnung. Die Maifeiern dieses Jahres müssen uns Gelöbnis sein, auch In der Zukunft nicht in dem Bestreben nachzulassen, Gefahren ab» zuwehren und der Arbeiterbewegung neue Fortschritte erkämpfen zu helfen. Bor allem wollen wir den Blick aus die Aufgabe richten, die Massen der jungen Arbeiterschaft in unseren Reihen zu orgam» sieren. Millionen müssen unter unseren roten Fahnen marschieren! Indifferente, Irregeleitete, Müde und Verzweifelte mülsen wir zu gewinnen suchen für die hohen Ziele unserer Bewegung, denn das ganze Proletariat mutz es fein, wenn wir siegen wollen. In diesem Sinne: Auf zu den Maifeiern! Ts lebe die internationale sozialistische Jugendbewegung! Das Bureau der Sozialistischen Iugendlnter-. � nationale: Karl Heinz- Wien, Josef de Graeve-Gent, Erich Ollen» haucr-Berlin, Ernst Paul-Prag, Richard Lind ström- Stockholm, Koos V o r r i n k- Amsterdam. §ür Sie Serien! Eine ganze Anzahl der SAI.-Bezirksleitungen Veranstalter in diesem Jahre Fericnfahrren. Auch der Hauptvorstand des Ver- bandes bietet den Mitgliedern unserer Organisation die Möglichkeit, ihr« Ferien recht gut zu oerleben, und zwar sinden nachstehende Veranstaltungen statt: Ferienwochen im Friedrich-Ebert-Heim Tännich. 1. Vom 12. bis 18. Juni, Thema:„Arbeiterjugend und Kunst", Leitung Willi H o f m a n n- Dortmund. 2. Vom 26. bis 2. Juli, Thema:„Arbeiterjugend und Politik", Leitung Otto Schröter- Leipzig. 3. Vom 16 Juli bis 16. Juli, Thema:„Der sozialistische Ge' danke als formendes Element unseres Lebens", Leitung Erwin S ch ö t t l e- Stuttgart. 4, Vom 24. Juli bis 30. Juli, Thema:„Der Jugendliche in der Gesellschaft", Leitung Siegm. C r u m m e n e rl- Magdeburg. ö. Vom 7. Juli bis 13. August, Thema:„Die Jugend im Ringen um neuen Lebensinhalt und neue Lebenssorinen", Leitung Gerhard B o t h u r- Berlin. 6. Vom 21. August bis 27. August, Thema: Wandern, Heimat- künde, Körperpflege", Leitung August A l b r e ch t- Berlin. Diese Ferienwochen sollen keine Arbettswochen sein. Die Leiter der Ferienwochen lzoben vielmehr die Aufgabe, die fich in Tännich zusammensindende Feriengemeinde zu einem harmonischen Ganzen zu ammenzufassen und die zur Verfügung stehende Zeit gut auszu- ge talten. Während der Ferienwochen soll das Geiueinschastslebeir die Hauptsache sein. Also Wanderungen, Spiele, Tanzen, Singen sollen die Haüptzeit ausfüllen: doch soll auch täglick» in gewissem Grade geistig gearbeitet werden, dergestalt, daß man sich vormittags, nachmittags oder abends über ein Reserot oder eine Vorlesung unter- hält oder über einzelne Fragen, die die Teilnehmer inter-.ssieren. Die Feriengemeinde regiert sich selbst und kann die Einzelheiten der Zeitverwendung selbst bestimmen. Das für jede Ferienwoche ange- gebene Thema bleibt natürlich unverändert. An diesen Ferienwochen können sich alle Mitglieder und Mit- arbeiter des Verbandes beteiligen. Sie müssen sich rechtzeitig beim Genossen Karl Heintz, Tännich, Po st Remda in-Lhü» ringen, anmelden. Sie haben außer den üblichen Pensionskosten im Heim lediglich pro Person eine Teilnehmergebühr von 2 M. zu zahlen. Diese Teilnehmergebühr ist ein kleiner Unkostenbeitrag für die Stellung des Leiters und Referenten durch die Vcrbandsleitung. Wir hofsen, daß diese Ferienwochen von unseren Jugendgenojsen und-genossinnen recht stark besucht werden. IS SSS Usbernachtungen im Ikieörich- Ebert- heim. Im vergangenen Geschäftsjahr hat das Friedrich-Ebert-Heim der SAJ. 1045 Gäste gehabt, davon waren SS4 männlichen und 451 weiblichen Geschlechts. Unter 18 Jahre alt waren 373 und über 18 Jahre all 470 Gäste. Die Uebernachtungszifser der Gäste betrug insgesamt 7606. In der Jugendherberge hoben insgesamt 1600 Wanderer übernachtet, davon 1342 unter 18 Jahre. Die lieber- nachtungszahl stieg auf 2424. Damit beträgt die Gesamtzahl der Uebermachtungen 10 030. Die meisten Besucher unseres Ferienheims und der Jugendherberge kamen aus den Orten Berlin, Leipzig und Jena. Berlin steht weitaus an der Spitze mit 2934 Uebernach- tungcn im Ferienheim. !»Vtf! Die fugend in der Gesetzgebung. Di« Zugcndverbände und das Lustbarkeiksgeseh. Der Reichs- ausschuß der deutschen Jugendverbände hat dem Reichstag folgende Entschließung zum Lustbarkeitsgesetz übermittelt: Der Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände erklärt zu dem Entwurf eines Gesetzes über den Schutz der Jugend bei Luft- barkeitcn, daß er gesetzliche Maßnahmen zum Schutz der Jugend für wünschenswert hält bei Veranstaltungen wie Rummelplätzen, Tanz- dielen, Kabaretts, soweit diese geeignet sind, die Jugend geistig, sittlich und körperlich zu gefährden. Der Reichsausschuß ist der Meinung, daß die Fassung eines solchen Gesetzes eindeutig die Mög- lichkeit ausschließen muß, es zu Beschränkungen des politischen, geistigen und kulturellen Lebens unseres Volkes anzuwenden, die nur formal mit der Jugendschutzaufgabe des Gesetzes begründet werden können. Der Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände ersucht daher, in der jetzt vorliegenden Fassung, des Gesetzes die im fj 1, Absatz 3 enthaltenen Worte:„als solcher" zu streichen, ferner ersucht der Reichsausschuß, dem Z 1 noch einen neuen Absatz 3a mit folgendem Wortlaut einzufügen: „Von dem Gesetze werden nicht betroffen künstlerisch« und wissenschaftliche Veranstaltungen und Schaustellungen, Kunst- ausstellungen, sowie die Veranstaltungen der Volksbildungs- organisationen, Jugend- und Sportverbände." Der Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände ist ferner der Auffassung, daß der durch das genannte Gesetz ersttebte Schutz der Lugend nur Hilfsmittel sein kann. Wertvoller und wichtiger ist die tatkräftige und ausreichende staatliche Unterstützung und Förderung der öffentlichen Einrichtungen und freien Organisationen, die der Jugenderziehung dienen und sich die Heranbildung eines körperlich, geistig und seelisch gesmiden Nachwuchses zum Ziel gesetzt haben, Die„republikanische" Reichswehr. Die Reichswehr bestreitet, daß sie bei der Einstellung von Mannschaften nur rechtsgerichtete Leute aussuche. Es ist aber nicht zu bestreiten. Männer mit republikanischer Gesinnung werden abgewiesen. Dafür zwei Bei» spiele, die die Königsberger„Bolkszeitung" bekannt gibt. Diese Beispiele entstammen einer Zuschrift von zuverläsiiger Seite au» Osterode in Ostpreußen: „Der Tischler P. O. meldete sich nach Kiel zur Marine. Auf Grund des Untersuchungsbefundes wird ihm in Aussicht gestellt, daß er zum 1. Oktober auf Einstellung bei der Reichsmarine rechnen könne. Hierauf sendet er die vertangten Papiere(polizeiliches Führungs- und Lehrzeugnis) ein. Einige Zeit später findet sich dann bei ihm zu Hause der evangelische Pfarrer, Herr Büchler, ein, fragt ihn, ob es zutrifft, daß er sich zur Marine gemeldet habe, und sagt dann, daß wohl nichts zu machen fein werde. Der Pfarrer er- kundigt sich weiter, ob O. im Jünglingsverein fei. Als er den Bescheid erhält, daß O. jetzt in der SÄJ. und in der„Freien Turner» schaft" ist, war der Wissensdurft dieses Vertrauensmannes gestillt. Einige Zeit später traf die Mitteilung der Marinestelle Kiel ein, daß wegen Mangels an freien Stellen eine Einstellung des P. O. bei der Marine nicht stattfinden könne. Der Stellmacher W. W. meldete sich im Sommer ebenfalls zur Marine. Er bekommt die Anweisung, sich untersuchen zu lassen; auf Grund des Untersuchungsbefundes erhält er die Nachricht, daß er auch im Hinblick auf seinen Berus bevorzugt eingestellt werden kann. Kurze Zeit daraus suchten einig« unbekannte Herren sein« Wohnung auf, ohne ihn jedoch zu Hause zu treffen. Einer derselben, der Gemeindehelfer der evangelischen Kirche, suchte ihn auf seiner Arbeitsstelle auf und erkundigte sich, in welchem Sportverein er Mitglied sei. Als ihm hierauf geantwortet wird: in der SAJ�, zieht er die Stirn« kraus und entfernt sich. Nachdem einige Zeit verstrichen ist, erhält W. W. ebenfalls die Nachricht, daß wegen Mangels an freien Stellen seine Einstellung nicht erfolgen könne." Hier ist also der Nachweis geführt, daß Mitgliedschaft in der SAJ. die Einstellung in die republikanische Reichswehr ausschließt. Ein rigoroser Orlsvorsteher. Der Rückweg von einer Wände- rung führte die Tnngermünder Arbeiterjugend Anfang Oktober 1925 durch den Ort Hämerten. Der Trupp, dem eine Jugendgenossin «ine rote Fahne vorantrug, marschierte in wohlgeordneten Reihen und sang das jedem Arbeiter heilige Kampflied:„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!" Als sich die singenden Burschen und Mädel dem Ausgang des Dorfes näherten, lief plötzlich ein Mann auf sie zu und gebot ihnen„Halt!" Es war der Gemeindevorsteher, Mit- glied des Stahlhelms. Herangekommen, stürzte er sich sofort auf die rote Fahne und entriß sie dem Mädel mit dem Ausruf:„So«in lausiges Mädchen! Trägt folch einen roten Lappen!" Dann wandt« sich der„Held", der ein Hüne von Gestalt ist, mit unvermindertem Eifer gegen die anderen unserer jungen Freunde, von denen der älteste 17, der jüngste noch nicht 14 Jahre alt, noch schulpflichtig war. Mit der 214 Zentimeter starken Fahnenstange schlug er blindlings in die Schar hinein. Auf dein Rücken eines Jugendgenossen zer» trümmerte er die Stange, so daß dieser dicke Blutstriemen auf» zuweisen hatte. Auch Nase und Auge dieses Jugendgenojsen wurden verletzt: seine Brille zersplitterte. Die Arbeiterjugend meldete dieses Vorgehen des Kemeindevor- stehers von Hämerten der Tongermünder Polizeibehörde. Der Staatsanwalt in Stendal, dem die Anzeige weitergegeben wurde, lehnte aber einen Strafantrog ab mit der merkwürdigen Begrün- dung, daß„kein öffentliches Jnt«resse vorliege" und daß der Ge- meindevorsteher nicht in seiner Amtseigenschaft, sondern als Privat- mann gehandelt habe. Der Staatsanwalt empfahl PrivatNage. Die Verhandlung fand endlich Anfang März 1927 statt. Die Vernehmung ergab einwandfrei, daß der Herr Ortsvorsteher in un- glaublich roher Weise seine'Wut über die rote Fahne und das sozialistische Kampflied an den jungen Menschen ausgelassen hatte. Der Angeklagte hatte trotzdem die Stirn, zu behaupten, er habe in „Notwehr" gehandelt, da ihn die Jugendlichen wegen seines Stahl- Helmabzeichens gereizt hätten. Er hatte aber mit diesem Märchen kein Glück, denn das Gericht verurteilte den Herrn Stahlhelmführer zu 30 Mk. Geldstrafe wegen Beleidigung und 70 Mk. Geldstrafe wegen Mißhandlung. Man muß schon sagen, daß dieses Urteil eine sehr milde Sühne für dieses rohe Verhalten ist. Gewerkschastsausschuß für Berussausbildung. Die gewerkschaft- lichen Spitzenverbände(ADGB., AfA-Bund, Deutscher Gewerkschasts- bund und Gewerkschaftsring) haben einen gemeinsamen Ausschuß gebildet, der sich mit allen Fragen der Berussausbildung beschäftigen soll. Hierunter sind besonders die Angelegenheiten der Lehrlingshaltung, Berufsberatung und Berufsschule zu verstehen. Es soll der Versuch gemacht werden, durch gemeinsames Auftreten der gewerkschaftlichen Auffassung mehr Nachdruck zu verleihen. Der seit Iahren sich in der Vorbereitung befindende Entwurf«ine» Berufsausbildungsgesetzes, der jetzt endlich dem R«ichs. kabinett zur Verabschiedung vorliegt, wird dem Ausschuß für die nächste Zeit ein weites Betätigungsfeld bieten. Weitere Arbeits- gebiete ergeben sich für den Ausschuß durch die Notwendigkeit, in gemeinsamen Besprechungen mit anderen Stellen zur Regelung praktischer Fragen der Berufsausbildung zu kommen, für die gesetz- siche Maßnahmen nicht in Betracht kommen.