Zuaend-Vorwarls Ttr.S Beilage zum Vorwärts Oer Ruf des März. 25. JDl&rti929 Märzlust geht über das Land. Noch ringen die Mächte de» Winter» mit den jungen Kräften des Frühlings. In den Nachtstunden schlägt der Frost das Land noch in seine Fesseln. aber die wärmende Kraft der Sonne dringt früher und früher durch die kalten Morgennebel und weckt da» junge Leben in Wald und Feld. Der Kampf ist schon entschieden. Da» jung« Leben wird den Sieg davontra- gen und früher oder später— nur um wenige Tage kann e» sich verschieben— wird die Welt neu erstehen im hellen Grün der ersten Blätter, im freudigen Far- bensptel der ersten Frühlings- blumen. Märzlust weht auch durch unser Volk. Wenn der Mai da» Land regiert, dann wird Deutsch- lands Wählerschaft Abrechnung halten. Der Kampf steht gut. Die finsteren Mächte der Reaktion sind in die Abwehr gedrängt, die Kräfte des Fortschritts ringen um den Sieg, und Märzlust, frische, lebenweckende Märzlust wird einziehen in die Parlamente des Reichs und der deutschen Länder, Märzluft wird die Amts- stuben säubern von den stillen und offenen Feinden de» freien demokratischen Volksstaates.— Märzluft des Sozialismus wird in der Arbeiterschaft die Kräfte wecken zur Neugestaltung unseres staatlichen und wirtschaftlichen Lebens. Märzlust ruft auch die Lugendl März und Jugend sind eins, denn Jugend ist auch Beginn, ist Neugestaltung. Lugend ist vor allem dann Neu- geftaltung und dem März der Natur doppelt verbunden, wenn sie zum Sozialismus steht. Sozialistische Jugend ficht gleichermaßen am Anfang des eigenen Lebens und am An» fang eines neuen gesellschaftlichen Lebens. Sozialistische Jugend soll wie ein Märzsturm die Menschheit immer wieder von neuem erfüllen mit Glauben und Zuversicht, mit Kamps» geist und Schaffensfreude. Die sozialistische Arbeiterjugend ruft euch, ihr Brüder und Schwestern in den Betrieben, in den Mietkasernen, in den Warenhäusern und Kontoren. Kommt her zu unsl Reiht euch ein in die Bewegung der sozialistischen Jugend. Hier findet ihr Freude und Geselligkeit, hier umfängt euch der Geist der Kameradschaft und der Solidarität. Durch sie seid ihr eingereiht in den großen Kampf der arbeitenden Menschen um eine bessere Gesellschaftsordnung, die uns Raum und Luft zum Leben gibt, die vor allem auch der Jugenh der Werkstatt und des Kontors Freizeit und Schutz vor Ausbeutung gewährt.— Die sozialistische Arbeiterjugend wendet sich in diesen Wochen aber vor allem auch an die jüngsten Glieder des großen Arbeitsheeres. An euch« ihr Jungen und Mädchen, die ihr in diesen Märzentagen den Weg ins schaffende Leben beschreitet, ergeht unser Ruf. Ihr steht von nun an mit uns Seite an Seite im Werktag. Ihr werdet wie wir euch durchbeißen müssen durch all die Widerwär- tigkeiten und Fährnisse eines Ar- beitslebens. Ihr werdet bald er- kennen, daß dieses Leben nur zu meistern ist in der Gemeine schaft mit den Klassengenossen, mit den Arbeitsbrüdern und Schwestern in Stadt und Land. Unsere Kräfte müssen frühzeitig zerschellen, wenn wir uns allein dem Kampf des Lebens stellen. Unsere Kraft wird aber tausend- fach wachsen, wenn wir alle ein« große Gemeinde bilden, wenn wir uns oereinen zu gemein- samem Handeln. Die arbeitende Jugend hat in der sozialistischen Jugendbe- wegung ihren Wirkungstreis ge- funden. Sie ist uns nicht nur starker Helfer im Kampf des All- tags, sie ist uns vor allem auch die Heimstätte unserer Jugend- freude in der Freizeit. Wir wöllen hier nicht erzählen, was wir im einzelnen treiben; besucht unser« Veranstaltungen, und ihr werdet selbst prüfen und selbst entschei- den können. Uns ist um eure Entscheidung nicht bange. Nur ein Wort noch für heute. Wenn ihr jetzt, am An- fang eures Lebens, einen Platz sucht, an dem ihr für alle Zukunft mitschaffen könnt an einer großen Aufgabe, die das Leben lohnt und die euer Leben immer wieder erfüllt von der frischen Kraft einer großen Idee, dann kommt zur sozialistischen Bewegung, dann reiht euch ein in die Bewegung eurer Alterskameraden, die sich für den Sozialismus entschieden haben. Diese sozialistische Jugend ist weit hinausgewachsen über den Kreis der alltäg- lichen Nöte und Sorgen. Sie muß sich verbinden mit den Gleichgesinnten in Stadt und Land, sie weiß zu jeder Stunde« daß sie mit vielen Tausenden im gleichen Schritt marschiert. Im August dieses Jahres wird das sozialistische Jungvolt in Dortmund zu einem Reichsjugendtag zusammentreffen. Auf der roten Erde des Industriegebiets wird die rote Jugend ihr Bekenntnis zum Sozialismus erneuern. Der März läßt seinen Ruf ertönen. Laßt ihn nicht ver- klingen. Folgt ihm. Werdet selbst Künder und Mitgestalter der großen Märzidee unserer Zeit, des Sozialismus! Trotzlied. 333ir wollen niGt trunken bei Blee und'Wein Verlogen« Reden tauften. BZir wolle« in Sonne und Sterneuschel» Den» großen Äieu» lauschen. Dem Ätem, der durch die Tage weht» Die neue Saat zu erwerkeu, Räch der wir im langen, heißen Gebet Sehnsüchtig die Hände strecken. Doch unser Gebet ist kein hilsloses'Wort, Durch Äugst und Jammer gebunden— Es ist die Tat! lind die Tat reißt uns fort, Fort aus den kleinlichen Stunden. Sie stellt uns stolz an den rechten Fleck, Die heiligen Flammen zu schüren, Daß helle Fanale aus Rloder und Dreck Die neue Rlenschhelt einst sühren. 'Wir wollen die Glut, die uns anvertraut» iMit schirmenden Händen betreuen. 'Wir haben die SJtauern uns Hingebant— �ein Sturmwind wird uns zerstreuen. lind Schulter an Schüller, so wachsen wir breit» lind Hand in Hand In die'Weiten, lind leuchtend legt stch aus unser �leid Das Frührot besserer Leiten. zuberis.i». Der junge Sozialist. Gespräch eines Alten mit einem Zungen. Auf der einsamen Landstraße, die von der Industriestadt hinaus nach den Arbeiterdörfern führt, weht ein kaller Märzwind. Die auf beiden Seiten der Straße stehenden Obstbäume sind noch kahl und leer; wie ein grau glitzernder Silberstreifen zog sich die naßfeuchte Landstraße durch das öde Feld. Unbekümmert um Wind und Regen, durch die stete Gewohnheit abgehärtet, ziehen morgens die Arbeiter den weiten Weg zur Fabrik, um— nach harter Arbeit— abends müde und abgespannt zur FamUie zurückzukehren. So»st es immer gewesen und— so wird es auch bleiben.„Solange wird dies dauern/ sagt Fritz zu seinem Freund Franz,„bis wir alle Arbeiter für den Sozialismus ge- wonnen haben/ Längst schon war der Gedanke des Sozialismus in die Arbeiterdörser gedrungen, doch nur wenige wurden erfaßt, wenige haben der Partei die Treue gehalten. Ein« kleine Schar rühriger Arbeiter hat sich in der Partei zusammengefunden, ihre Zahl hat sich jedoch nie erhöht. Man war in einer Sackgasse, das fühlte Franz, weshalb er Fritz antwortete:„Ja, ja, du hast recht, aber bis dahin wird es noch lange dauern. Schau nur, nun besteht unsere Ortsgruppe schon über ein Jahrzehnt, und noch nie sind wir über 40 Mitglieder hinausgekommen. Wenn ich nur wüßte, wie wir den Kreis unserer Gesinnungsfreunde erweitern könnte»/ „Richtig/ sagte Fritz,„darüber habe ich mir schon ost den Kops zerbroiben. Tag und Nacht habe ich schon darüber nachgedacht. Aber fetzt bin ich der Lösung des Rätsels nähergekommen. Höre und ftounei Du weißt doch, daß bei uns einer von den Jungsozialisten arbeitet?" Franz:„Ach, du meinst die mit den langen Haaren, Schillerkragen und Käuehosen, ohne Strümpfe in Sandalen, die mit Abstinenz und Antinikotin die Welt verjüngen wollen?" Fritz: „Richtig, doch was die langen Haare usw. betrifft, so ist das halb so schlimm. Denn ich habe sestgestellt, daß das Sprichwort„Lange Haare und kurzer Verstand" auf diese jungen Sozialisten nicht zutrisst." Als Franz eine abwehrende Handbeioegung machte und mit hohnlächelndem Munde witzeln wollte, kam chm Fritz In rascher Rede zuvor:„Höre, was ich dir Neues zu erzählen habe. Wir sind viel zu sehr geneigt, Dinge zu beurteilen, die wir eigentlich nicht kennen. So ist es auch bei den Jungsozialisten, wenigstens mir ging es so, bis— dieser Junge zu uns in den Betrieb kam. Schon am ersten Tage kam er zu mir, dein Betriebsrat, zeigte sein gewerk- schastlichcs Mitgliedsbuch, erkundigte sich nach der Zahl der Organi- sierten, nach dem Verhältnis der Belegschaft zum Unternehmer usw. Ich war erstaunt, denn er tat dies nicht so nebenbei, sondern hinter seinen Fragen verbarg sich«in« innere Anteilnahme. Meine Ab- neigung gegenüber diesem„Wassertrinker" blieb zwar bestehen, aber nach einigen Tagen, nachdem wir uns täglich unterhielten(über die Politik, die Partei, das Arbeitsrecht usw.), merkte ich, daß das kein Romantiker war. Er ist mir. zu dir gesagt, geistig weit überlegen, auf alle Fragen weiß er eine richtige Antwort zu geben. Antworten, sage ich dir, die den Nagel aus den Kops treffen und mich immer in Erstaunen versetzten. Und dabei ist dieser Kerl erst 20 Jahre alt. Denke nur einmal zurück, was wir als zwanzigjährige Burschen getan haben. Jeden Abend in der Kneipe oder auf der Straße bei den Mädels; Sonntags am Billard oder auf dem Tanzboden, wo wir immer Streit hatten» Kriege mit Flaschen und Bierseideln führten usw. An die Arbeiter» bewegung, die Politik dachten wir nicht im Traum, Zeitungen lajen wir nicht, van Büchern ganz zu schweigen. Wann haben wir Ver- sammlungen besucht? Oder sind wir heute In der Lage, einen Bor- trag zu halten? Wir vertrödelten unsere Zeit, während diese Jungen in der Jugendbewegung viel Freude erleben und— was das Wichtigste ist— sich über alle Fragen des Lebens unterrichten. Einmal, als er mir ohne große Anstrengung den Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur in klaren, eindeutigen Worten darlegte, fragte ich, woher er dies alles wüßte. Er lächelte und sagte nur:„Das habe ich einmal gelesen." Mich befriedigte dies« Antwort nicht, und ich stellte daher die Frag« umfassender:„Wie kommt es überhaupt, daß du mit deinen jungen Jahren über alle Dinge Be- scheid weißt?" Nun wurde er nachdenklich, strich sich mit der Hand über die Stirn und erwiderte:„Das ist eine lange Geschichte, und sosern sie dich interessiert, will ich sie dir heute abend erzählen. Abends begleitete er mich und erzählte, wie er mit 16 Jahren in die Arbeiterjugend gekommen war, hier sich dem Spiel und Tanz gewidmet hatte. Wie er dann in den Versammlungen zuerst nur genau zuhörte, dann Fragen stellte und später mitdiskutierte. Aeltere Genossen, die aus ihn aufmerksam geworden, unterstützten Ihn bei der Auswahl der Bücher und bei der Lektüre. Doch die Hauptsache war. so erzählte er mit Begeisterung, sie waren uns ein Vorbild. Von der Arbeitsgemeinschaft der Jüngeren kam er in dl« der Aelteren. wo er sich die Grundbegrisse des Marxismus aneignete. Vieles hat er mir noch erzählt. Vor allem wird mir seine Schilderung über den Kampf zwischen den Jungen und den Alten in der Erinnerung bleiben. Wie die Alten sie Immer als Lang- haarige beschimpft, sie höhnisch als die Bewohner des Wolkenkuckuck- heims bezeichnet haben.„Anfangs hat mich dies jehr geschmerzt, bis ich erkannte, daß sie gar nichts dafür können. Ihnen ist die bürgerliche Auffassung, daß der Jünger« dem Aelteren Widerspruchs- los gehorchen müßte, in Fleisch und Blut übergegangen. Für alle Sozialisten, die die Jugend nicht verstehen, ist der Sozialismus eine schöne Idee, die sie Aber auf ihr Leben anzuwenden vergessen haben." So sagte er wörtlich. Aus mich hat dies einen tiesen Eindruck gemacht Unwillkürlich mußle ich daran denken, daß auch ich zu den Alten gehörte, die nicht die Kraft haben, die Jugend zu verstehen. Statt In der Entwicklung der Jugend noch einmal unser Leben mit zu erleben, stehen wir abseits und trauern, weil die Tage unserer Jugend ohne Glanz verschwunden sind. Wir kleben an dem Alten und hemmen damit die Jugend, unsere Jugend, die doch das große Erbe des Sozialismus übernehmen und sortsühren soll. Wie Schuppen siel es mir von den Augen. Klar erkannte ich, welch ein Unrecht ich diesen jungen Menschen zugefügt. Jetzt habe ich mein Urteil gegenüber der Jugend gründlich geändert/ Mit wachsender Anteilnahme hat Franz seinem Freund Fritz zugehört. Er erkannte ihn nicht wieder. War dies der alte, stille Fritz, der zuletzt so begeistert gesprochen hatte?— Eine kleine Atem- pause entstand. Franz, der sich eifrig überlegte, was er Fritz er- widern könnte, sagt« nun iin gelassenen Ton:„Mag sein, daß an der ganzen Sache etwas Wahres ist, doch hast du sie sicher gewaltig überschätzt. Aus der Ausnahme machst du eine Regel. Bist du so ganz sicher, daß der eine nicht ein weißer Rabe ist, während die anderen alle Romantiker geblieben sind?" „Das war auch meine Befürchtung," erwiderte Fritz.„Doch bald habe ich mich von dein Gegenteil überzeugt. Ich war ver- gangen» Woche bei einer Zusammenkunft der Jungsozialisten, und da habe Ich alle meine Vorurteile gegen sie verloren. Sie hatten einen schönen Vortrag, und die Diskussion hatte ein so hohes Niveau, daß ich nur mit Mühe alles verstanden habe." „Aber was hältst du von den Arbeitsgemeinschaften?" Run war jede Zurückhaltung bei Franz verschwunden, und eisrig nickend gab er seine Zustimmung:„Ich finde sie sehr gut. Rur habe ich noch ein« Frage: Können wir die Themen vorschlagen, welche in den Arbeitsgemeinschaften behandelt werden?" Und als Fritz bejahte, erwiderte Franz:«Nun, dann schlage ich vor, daß wir uns am ersten Abend über die Frage unterhalten: Warum muß jeder Ar- beiter in der Sozialdemokratischen Partei sein? Ich will dann sehen, was dieser Iungsozialist, dein Steckenpferd, zu sagen weiß." Fritz lächelte befriedigt. Da die beiden Freunde nun in chrem Dorf angekommen waren, verabschiedeten sie sich mit fröhlichen» Gruß und eilten ihrer Wohnung zu. ArturSchweitzer. Krühlingsgebanken. Ich sitze am Fenster und blicke traumverloren über die Ctraste und den Platz an der Kirche. Di« Menschen eilen an meinem Fenster vorüber, ihren Wohnungen zu. Es ist ein linder Februar- nachmittag. In den Kronen der Parkbäume hantieren die Gärtner mit ihre» langen Baumsägen. Sollte der Winter schon an das Ende seiner Regierungszeit gekommen sein? Fast will es so scheinen. In den Boden- und Rumpelkammern harren noch immer die Rodelschlitten mit rostigen Kusen auf einen kräftigen Schneefall. cheitza, sollte es dann lustig über den hartgefrorenen Schnee gehen. Fröhliches Kinderlachen würde dann über den jetzt so grauen und stillen Platz klingen, und die allezeit kampflustige Jugend würde sich an Schneeballschlachten ergötzen. Die roten Nasen und Wangen wür- den der blassen Grotzstadljugend recht gut stehen, und das Umher- tollen in der frischen und kalten Winterluft vor Krankheiten schützen. Nun sitzen sie, die Buben und Mädel, in den Stuben. Der Tag wird zur Ewigkeit. Di« Märchenbücher und Iugendschristen sind längst zwei- und dreimal durchgelesen und das tägliche Schulpensum ödet langsam an. Die Wangen sind blatz: die graue Großstadt hat sie schon srüh gezeichnet. Ein Geräusch aus der Straße läßt mich aufwachen aus düsteren Gedankengängen. Kinder sind es, Arbeiterkinder, die mit Fahnen und lustigem Gesang durch die Straßen ziehen. Freudig glänzen die Augen und schauen so trotzig und kampfesmutig in den grauen Tag. Sie singen das Lied von der neuen Zeit, die mit ihnen ziehen soll, einer besseren Zeit, der Freiheit, entgegen.„Mit uns zieht die neue Zeit---* Der Gesang verliert sich im grauen Nebel des nahenden Abends. Wieder ist es still über der Straße und dem weiten Platz, und meine Gedanken wandern der Zeit voraus, in den Frühling, in den goldenen lachenden Sonnenschein. Auf stiller sonniger Wiese liegt noch der Morgentau auf den Blumen und Gräsern und blinkt in der Sonne wie gleißendes Gold. Die Vögel singen ihre Morgenlieder und freuen sich des neuen Tages. Da kommt auf der Landstraße«in Zug Kinder geschritten. Fahnen flattern über ihren Häuptern. Und hell klingen wieder die Stimmen:„Mit uns zieht die neue Zeit." Bald tummeln sich die Kinder aus der Wiese in sröhlichem Spiel und Tanz. Jubel tönt laut in den lustigen sonnigen Frühlingstag. Schnell, viel zu schnell ver- geht der Tag der Freude und Freiheit. Die graue Großstadt wartet schon wieder auf ihre Kinder mit grauem Elend und Sorge. Der morgige Tag wartet mit den dumpfen Schulstuben. Ein heftiges Geklingel schreckt mich auf. Draußen ist es dunkel geworden und die Gaslaternsn lasten ihr fahles Licht über die Straße geistern. Vermummt eilen die Menschen fröstelnd an meinem Fenster vorüber. Es ist ja noch nicht Frühling: mir träumte es ja nur. Da klingelt es wieder, als risse jemand meine Türklingel ab. Ich ösfne und lasse mein« kleinen Freundinnen und Freunde ein- treten. Heute soll ja der Gruppenabend in meiner Stube abge- halten werden, weil das Heim renoviert wird, sind wie eine Ge« dankenübertrogung schien es mir, als meine kleinen Freunde mich bitten, ihnen etwas voin Frühling zu erzählen. Und ich erzähle ihnen, was ich an meinem Fenster geträumt und wie wir im kam- mendcn Frühlahr auch bestimmt auf Fahrt gehen und uns draußen austummeln wollen. Von der alles erfreuenden und belebenden Sonne sprechen wir, von Spiel und Tanz, von den Schönheiten des Frühlings. Auch der bunten Blumen und schlanken Gräser gedenken wir, und der Vögel bunter Chor zog an uns vorüber. Viel zu schnell entschwinden uns die wenigen Stunden, die wir fröhlich beisammen waren. Vergessen waren Kummer und Sorgen des Alltags für wenige und doch so freudige Stunden. Die sonst so gleichgültigen Kroßstadtaugen der Kinder erglänzten in stiller Vor- freude kommender Fahrten, und hell erklangen die Stimmen:„Mit vns zieht die neue Zeit!" Henry Backhose r. Kahrienbilder. Ein Sitzplatz. Um die Osterzeit vor dem Stettiner Fern- bahnhos. Man sieht es sofort an der Erregung des Wanderleiters der dort postierten Gruppe, daß wenige Minuten vor Abgang des Zuges wieder einmal jemand fehlt.(Setzt dieses jemand bitte in Anführungsstriche, denn es ist immer derselbe.) Schließlich kommt er über doch noch um die nächste Straßenecke gerannt, um un». wie schon immer, ganz außer Atem die Worte„man los, damit wir «och'nen Sitzplatz kriegen" von weitem zuzurufen.— Auf dem Bahnsteig. Hinten Ist e» voll.„Geht man alle nach vorn, da ist es sicher leerer." Aber vorn ist es ebenso voll.„Ob der Vorzug da drüben leerer ist?" Aber auch er ist voll.„Na, dann wieder nach hinten", und Inzwischen fährt der Vorzug ab. Dann eine erregte Diskussion mit dem Aufsichtsbeamten über die Oesfnung eines Frei- abteils, die negativ ausläuft. Und dann wird der Wanderleiter, es sei zu seiner Ehrenrettung gesagt, plötzlich energisch und schiebt seine Gruppe in das erste beste Abteil und ausgerechnet in einen „Raucher". Pech, sagt ihr? Nun, unser„Jemand" denkt ander» darüber.„Entschuldigen Sie, darf ich mich aus diesen Kofser setzen?" „Gewiß," antwortet ein Reisender.„Und'nen Eitzplatz Hab' ick doch." * Eine R a st. Rast am Nonnensließ. Ein lebhaftes Treiben entwickelt sich. Hier springt jemand über da» Fließ. Ein anderer Bursche ist damit beschäftigt, einen schräg über den Bach ge- wachsenen Baum zu erklimmen. Er rutscht aber ab und eine große Wasserfontäne zeigt uns die Unglücksstelle an. Zwei Burschen, die sich gerade in den Haaren lieoen. lassen voneinander ab, um zu sehen, ob ihr Genosie im flachen Flieh nicht etwa ertrunken wäre. Der denkt aber gar nicht daran und klettert eben wohlbehalten, allerdings ein wenig naß ans Ufer. Um eine Sorge leichter prügeln sich die anderen weiter. Eine andere Gruppe beschäftigt sich«in» gehend mit der Generalstabskarte. Darunter befinden sich auch die Mädel, die rege die Möglichkeit einer Wegkürzung beraten. Es kommt zu keiner Einigung. Erfolg: eine ganze Gruppe prügelt sich, bis schließlich der Schiedsspruch des Wanderleiters dem Streit ein Ende macht. Es bleibt alles beim alten.— Weshalb nicht gleich so? * Besser«in Mädel. Wir marschieren einen kleinen Heide- bach aufwärts. Drüben auf der rechten Seite liegen die mit Heide bestandenen roten Höhen des Mudener Schießplatzes, links ein dichter, kaum zu durchdringender Wald. Diese Wiesen zu beiden Seiten des Baches find mit vielen Gräben, die alle quer zu unserer Marschrichtung verlausen, durchzogen. Diese einmal breiten, dann auch wieder schmalen Gräben macben unseren Mädel viel Kopf- schmerzen. Durch«ine schnell geschaffene Organisation werden jedoch diese Schwierigkeiten überwunden. Erst springt der Wanderleiter über den Graben. Dann noch einige Burschen, danach alles Gepäck. daraus die Mädel von drüben gezogen, von hinten geschoben und schließlich der Rest der Burschen. Warum erst das Gepäck und dann die Mädel hinüberkommen, fragt ihr? Bei vieler Arbeit lasten bekanntlich die Kräfte nach, und bester ein Mädel fällt ins Wasser, als unser Brot wird naß. Iugendnoi auf der Landstraße. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts war es in verschiedenen Handwerken noch Brauch, daß der Lehrling nach Beendigung der Lehrzeit aus die Wanderschaft aehen niuftie, um sich hauptsächlich in seinem Handwerk z» vcrvollstönd-gen. Gleichzeitig war ihm die Ge- legendeit aegeben, Land und Leute kennenzulernen. Wie sieht es heute damit aus? Wird heut« noch auf die Walze gegangen? Trotz Eisenbahn und allen modernen Verkehrsmitteln gibt es leider immer ncch viele Menschen, die ihr Leben lang nicht aus ihrem Geburtsort herauskommen. Ist es ihnen gegeben, einen Beruf zu erlernen und haben sie dann ihre drei oder vier Jahre Lehrzeit beendet, so heißt es Geld verdienen, wenn— für sie jetzt Arbeit da ist. Ist ihnen das Glück hold und sie können nwh bei dem Lehrmeister bleiben oder sie bekommen sofort ein« andere Stelle auf ihrem erlernten Beruf, so wird der Verdienst bald ausreichen, um ihren Unterhalt bestreiten zu können. So sind st« qrzwunqen oft iür immer in ihrem Ort zu bleiben, und es wird ihnen nicht einmal die Gelegenheit geboten, dos Land, in dem ihre Sprache gesprochen wird, kennenzulernen. Denn die Ersparniste vom Lohn reichen schließlich auch nicht aus, um«In« Reise zu unternehmen oder die dazu er- forderliche Zeit ist wieder nicht vorhanden. Wie steht es aber bei denen aus. die ibre Lehrzeit beendet haben und dann keine Arbeit finden? Monatelang« Arbeitslosigkeit nach Beendigung der Lehrzeit bringen es mit sich, daß sie ihr er- lerntes Handwerk aufgeben müssen, well st« die nötige Berufskennt- nis nicht mehr besitzen. Oft finden sie auch al» Arbeiter keine Be- schäftigung mehr und so wurden die jungen Menschen auf die Land- straße getrieben, wo sie dann auf die planlos« Arbeitssuche gehen. Em Einblick in die Rot dieser Jugend zeigt uns eine Statisttt der Alfelder Wanderarbeilsstätte in Hannover über den Besuch der jugendlichen Landstraßenwanderer, und zwar in der Zeil vom 1. Oktober 1926 bis 3t. März 192t>. Es wurden insgesamt SlS Jugendliche ersaßt, die sich nach folgendem Lebensalter gruppieren: IS— 16 gleich 2. 16—17 gleich t, 17—18 gleich«3. 18—19 gleich 121, 19—26 gleich 194 und 26—21 gleich ISS. Diesen jugendlichen Landstraßenwanderern ist allerdings die Gelegenheit gegeben, die Welt kennenzulernen, sogar richtig kennen- zulernen mit der Not und den größten Entbehrungen Ost enden diese Fahrten damit, daß die jungen Menschen von der richtigen Bahn abkommen Hier liegt eine wichtige Ausgabe für Staat und Kommunen. Sie müssen soziale Einrichtungen schaffen, In denen die erwerbslosen Jugendlichen unterkommen können. Bisher stnd diese Einrichtungen noch nicht in dem Maße varhanden, wie e« notwendig ist, um die gesamte Jugend vor der Not zu bewahren, da für die Jugendpflege immer noch am wenigsten Geldmittel vorhanden sind. Jugendnot ist aber Bolternstl Das fällten die gesetzgebenden Körper- schasten bedenken. Erwin Krüger, Köpenick. Empfang der„Feuen". Ostern naht und damit der Jeitpunkt, an dem viele tausende junger Menschen die Schulbank mit einem Platz nt dem großen WIrtschastsgetriebe vertauschen. In allen unseren Jugendgruppen wird eifrig gearbeitet, um den Schulentlassenen, die zur Armee des werktätigen Jungproletariats stoßen, zu zeigen, was wir, die sozialistisch« Arbeiterjugend find und was wir wollen, und jeder von uns strebt danach, einen neuen Freund für unsere Sache zu gewinnen. Werbeseiern werden vorbereitet und ausgeführt, Propa- aandazettel werden verteilt— kurz: Alles rüstet zum Empfang der„Neuen". Hier soll nicht von all' den notwendigen Vorbereitungen die Rede sein, um die schulentlassenen Buben und Mädchen für die Arbeiterjugend zu gewinnen und ihnen den Aufenthalt in unseren Gruppen so angenehm und freundlich wie möglich zu gestalten. Hier soll gezeigt werden, wie wir die„Neuen" bei ihrem Eintritt im Wirtschaftsleben, in der Fabrik, im Kontor, in der Arbeitsstätte empfangen wollen. Denn unsere Ausgabe erschöpft stch ja keineswegs in der Tätig- keit in den Jugendgruppen, sondern auch in der Werkstatt, im Bureau wollen wir für unsere Ziel« wirken und zeigen, daß wir den Titel verdienen, worauf wir so stolz sind, nämlich Mitglieder der sozialistischen Arbeiterjugend zu sein. So sehen wir es als unser« heilige Pflicht an, bei dem Ein- tritt d«r„Neuen" im Betrieb, in der Schreibstube ihre treuen, willigen Berater bei ihrem zaghaft tastenden Einfühlen in dem gesellschaftlichen Organismus zu sein. Der junge Mensch, der aus der friedlichen Schulstube ins„feindliche Leben" geraten ist, muß wissen, daß wir seine Freunde sind und daß er immer unser« Hilfe finden kann. Denn was muß der(oder die)„Neue" oft nicht alles ertragen! Er ist der„Stift" oder sie ist die„Kleine" und das scheint jedem das Recht zu geben, alles auf sie abzuladen. Die übelste Arbeit bekommt der„Stift": hat jemand schlecht« Laune, so ist der„Stift" der Blitzableiter. Alles was in der Wert- statt nicht m Ordnung ist: der„Stift" hat's ausgefressen. Hier muß unsere Tätigkeit im Anschluß an di« Arbeit in der Jugendgruppe einsetzen. Wir helfen dem Sündenbock„Stist", wie wir nur können. Wir zeigen ihm dies und jene», wir sagen ihm von Zeit zu Zeit ein heiteres, aufmunterndes Wort. In den Pausen fordern wir ihn auf, sich mit an unseren Platz zu setzen und unter- halten uns mit ihm, wie wenn er unser jüngerer Bruder wäre. Ein echter sozialistischer Bursche denkt niemals: Ach, mir ist es als Stift auch dreckig gegangen, möge er es nur auch austostenl Nein, er denkt daran, w« es ihn damals, in seiner Stiftzeit so oft innerlich gekränkt hat, als er Immer wieder Unrecht erleiden mußte und vergebens nach Hilfe ausschaute. Er beschneidet nicht die karge Freizeit des Lehrlings, indem er ihn in der Essenspause hinausschickt, um etwas Zukost zum Brot holen zu lassen, nur, weil man zu bequem ist, sie mitzubringen oder sich selbst zu bemühen. Wir lassen un» von unserer Fürsorge für den Stift auch nicht ab- bringen, wenn die anderen Arbeitskollegen von„oerderben und „verhetzen" munkeln. Denn wir sehen mit Freude, wie gern der Neuling zu uns kommt und wie wir verständnisvoll mit ihm reden können. Roch eins gilt es zu beachten: In viele» Arbeitsstätten ist es leider üblich, ohne Rücksicht aus die Anwesenheit solcher junger, unerfahrener Menschen rohe Späße in sexueller Beziehung zu machen und zotige Redensarten zu führen. Wenn wir das schon nicht verhindern können, so machen wir aber in keinem Falle mit. Für uns ist das Geschlechtsleben etwa» Hohes, da» wir nie in den Schmutz ziehen. Der neu in die Werkstatt eingetretene sunge Mensch, der erschrocken solche Reden hört, muß auch daran erkennen, daß wir zur sozialistischen Jugend gehören und reinere Begriff« von solchen Fragen haben. Mancher von uns wird stch erinnern, wie tief es ihn verletzte, als er da» erstemal große, erwachsene, selbst verheiratete Männer oder Frauen so rücksichtslos gemein über ge- fchlechtliche Beziehungen reden hörte. Wie wohl hätte einem da ein einziger Aufrechter getan, den man hätte dazu schweigen sehen! Wenn wir so handeln und un» bemühen,«in guter Freund unv ein Borbild der„Neuen" zu sein, wird un» bald ein feste» Band mit ihnen verknüpfen, und mancher, der den Weg noch Nicht zu uns gefunden hatte, wird unserer Einladung, zum nächsten Jugendabend zu kommen, gern und freudig Folg« leisten! G— e. Aus der Jugend-Internationale ■M Internationale Veranstaltungen. Das Bureau der Sozialistischen Jugend-Internationaie hat fol- gende Termine für di« nächsten größeren Tagungen festgelegt: Das zweite internationale sozialistische Jugendtreffen wird vom 12. bis 14. Juli 1929 in Wien ftnttfhüden. Das vorläufige Programm sieht folgende Beranstal- rungen vor: Freitag, den 18. Juli, vornuttags: Begrüßungsfeier für die ausländischen Teilnehmer im Artadenhof: nachmittags: Besichti- f gingen de» alten und neuen Wiens: abends: Jugendfeiern in ver- chiedenen Stadtteilen. Sonnabend, den 13. Juli, vormittags! Vorträge(in Aussicht genommen find die Genossen Bauer, Renner, B reit n er und Adler): nachmittags: Besichtigungen: abends: Feier der Wiener Arbeiter- schaft auf der Hohen Worte mit anschließenden: Fackelzug in di« Stadt. Sonntag, den 14. Juli, vormittags: Morgenfeiern in den Wohnbezirken; dann große politische Kundgebung auf der Ring« straße und vor dem Rathaus, unter Beteiligung der Wiener Ar* beiterschast: nachmittags: Jugendfest. Dem internationalen Jugendtreffen wird sich der drttt« international« Jugendtongreß anschließen:«r wird vom 16. bis 18. Juli dauern. Die diesjährig« Exekutivkomtteesitzung wird Ansang November in Prag abgehalten. Die Schweizer Jugend tritt der Internationale bei. Die Sozialistisch« Jugend der Schweiz hat auf ihrem Verbands» tag, der am 3. und 4. März in Zürich stattgefunden hat, mtt großer Mehrheit den Anschluß an die Sozialistische Jugend-Jnternatio» nale beschlossen. Damit ist nun auch die sozialistische Jugend der Schweiz zurückgekehrt in die internationale Organisatton der sozialistischen Jugendbewegung. Wir freuen uns über diesen neuen Zuwachs, und wir hosten, daß die Sozialistisch« Jugend der Schweis die trotz aller inneren Schwierigkeiten stets treu zur internationalen sozialistischen Jugendbewegung gestanden hat, nun auch ein reger Mitarbeiter in unserer Sozialistischen Jugend-Internationale werden wird. Auf der anderen Seite wird die Sozialistische Jugend-JMer- nationale alles tun, um die Arbeit der jungen Organisation zu, fördern und zu erleichtern. Ueber die Tagung selbst ist noch zu berichten, daß im Mittel» punkt der Beratungen die Diskussion über den Anschluß an di« Sozialistisch« Jugend-Internationale stand. Nach einer lebhasten Aussprache wurde mit großer Mehrheit der Beitritt zur Sozia» listischen Jugend-Internationale beschlossen. Die Versammlung bv- grüßte dieses Ergebnis mit großer Begeisterung. Die Tagung b«- ichäftigte sich im übrigen mit einer Reoistonn der Statuten und mtt Borschlägen über den Ausbau der Organisation. E» ist«ine lang» same aber stetige Vorwärtsentwicklung der Bewegung festzustellen, Pfingsten wird ein Iugendtag des Verbände» in Äarburg statt* finden. Als Sitz der Berbandsleiwng wurde Zürich gewählt. Dt« Genossen Zobrist, Keßler und Roler bilden die Geschäftsleitung- Der Berlauf der Veranstaltung berechtigt zu der Hoffnung, daß die Schweizer Organisation nunmehr eine gute Aufwärtsentwick- lung nehmen wird. Die sozialistische Jugendarbeit in Estland. Estland ist kein alter proletarischer Kampfboden. Die sozia- lsstische Jugendbewegung ist erst vor einigen Jahren entstanden. Die Mass« der Jungproletarier ist heute noch politisch gleichgültig. Die Ursach« dieser Gleichgültigkeit ist zu suchen in der Wirtschaft- lichen Not der Arbeiterklasse in Estland und in der mangelhaften und verfehlten Schulbildung. Die zehnjährige staatliche Unat» hängigkeit Estlands hat der proletarischen Jugend keine Borteil» gebracht. Die Kraft der Arbeiterschaft ist auch durch die bolsche- wistische Wühlarbeit sehr geschwächt worden. Die schonungslos« Verfolgung der Kommunisten durch die Regierung seit dem Jahr« 1924 hat sich verhängnisvoll unter der ganzen Arbeiterschaft aus- gewirkt. Die Anfänge der sozialistischen Jugendbewegung reichen bis zum Jahre 1982 zurück. Damals wurde die erste Jugendoraani- sotion in Tallin(Reval) gegründet. Der zweite Berein entstand 1924 in Tartu(Dorpat). 192S wurde ein zeitweiliges Zentral- bureau der schon existierenden sozialistischen Jugendvereine gebildet, da» sich zur Aufgab« machte, ein Netz der Ortsoereine zu organi- sieren. Bon diesem Zentralbureau wurde tm Oktober 1926 ein» Konferenz einberufen, auf der schon sieben Berein« vertreten waren. Zu gleicher Zeit begann der Verband die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift.Rünnak"(.Der Sturmlaus"). Seit der ersten Konferenz geht«» tangsam aber stetig vorwärt». Augenblicklich zähtt der sozialistisch« Jugendoerband Estlands 20 Ortsgruppen mit ungefähr SOO Mitgliedern und arbeitet in engster Gemeinschaft mtt der Sozialistischen Partei Estland». Die theoretische und politisch« Schulung erfolgt hauptsächlich in Zirkeln und Bereinen. Leider hat der Berband kein« Ortsgruppen für Kinder. Wenn man di« ungünstigen Verhältnisse berücksichtigt, in denen stch die Arbeiterschaft Estlands befindet, so ist dieser Fortschritt er» freulich Ein große» Hindernis in der Arbeit ist der Mangel an sozialistischer Literatur in estnischer Sprache. Diese» Hindernis versucht der Vorstand de» sozialistischen Jugendverbandes mtt Hilfe der Zeitschrift.Rünnak" zu überwinden, soweit es überhaupt durch eine kleine Zettschrift möglich ist. Neben der politischen Schulung haben einige Verein« auch der proletarischen Sportbewegung, dem Theater, der Musik und dem Gesang große Aufmerksamkeit ge- widmet. Die wirtschaftliche Loge der arbeitenden Juaend zu bessern ist der sozialistische Jugendverband Estlands nicht imstande gewesen. Am 31. März und I. April findet in Tartu(Dorpat) die zweite Konferenz des Verbandes statt. Die Tagesordnung sieht vor allem ein« Besprechung der Methoden der Bildungsarbeit vor. Vor der Konferenz wird im März eine Werbeaktion veranstaltet. Da ein Teil der proletarische» Jugend bürgerlichen Vereinen angehört, ein anderer beträchtlicher Teil sich mit der Rolle des gleichgültige» Zu- schauers genügt, so mißt der Vorstand de» sozialistischen Jugend- Verbandes dieser Werbeaktion die allergrößte Bedeutung zu. Zweifellos wird die Werbeaktion dazu beitragen, einen Teil der proletarischen Jugend für den großen sozialistischen Gemeinschafts- gedanken zu gewinnen.