JIr.I Beilage zum Vorwärts 29. Luli4926 Verlin auf der Reife nach Aortmund Am Abend des Z. August werden zwei Sonderzüge mit über 1100 Burschen und Mädeln der Berliner Sozialistischen Arbeiterjugend nach Dortmund fahren. Am 4. und S. August findet in Dortmund der 5. Reichsjugendtag der Sozialistischen Arbeiterjugend statt. Aus allen Teilen des Reiches und aus den Ländern jenseits der Grenze der deutschen Republik wird die sozialistische Jugend nach Dortmund strömen, um ein Be- tenntnis abzulegen zu Sozialismus und Bölterfrieden. Die Iugendtage der Sozialistischen Arbeiterjugend haben eine besondere Bedeutung. Wenn Tausende und aber Tausende von Arbeiterjungen und Arbeitermädeln aus dem ganzen Reich zusammenströmen— allen Schwierigkeiten Trotz bietend, die sich gerade der Jungarbeiterschast dabei entgegenstellen—, dann ist das nicht nur ein gemeinsames Treffen und Demon- ftrieren. dann ist es ein Ausdruck innerer Verbundenheit und gemeinsamen Wollens und Handelns. Weimar, Bielefeld, Nürnberg. Hamburg, die Stätten der bisherigen Jugendtage der Sozialistischen Arbeiterjugend, find Wahrzeichen gemeinsamer Arbeit und gemeinsamen Wollens. W e t m ar. der erst« so wohlgelungene Versuch eines Reichstreffens sozialistischer Jugend im Jahre 1920. Ein Jahr später Bielefeld. Ausdruck der Verbundenheit von alt und jung in der sozialistischen Bewegung. Um ihre Jugend zu begrüßen, nahm die sozialistische Arbeiterschaft Bielefelds es auf sich, ausgesperrt zu werden. In N ü r n» b e r g. in der Industriestadt Bayerns— im Lande der da- maligen Putschisten—, bekannte sich die sozialistische Jugend begeistert zur Republik. Hamburg, die alte Hansa- und Handelsstadt, Deutschlands größter Ueberseehandelshafen, war der Ausdruck des Weltgeistes der sozialistischen Jugend, die hier zusammentraf. Dortmund!— Rote Jugend wird im Lande der roten Erde mit roten Fahnen marschieren. Es hat einen tieferen Sinn, daß die sozialistische Jugend gerade Dortmund, das industrielle Herz Deutschlands, zum Ort ihres Treffens erwählt hat. Im industriellen Herzen Deutschlands, im Lande des Eisens und der Kohle wird die Jugend aufmarschieren gemeinsam mit der erwachsenen Arbeiterschaft Westfalens. Die innere Verbundenheit von alt und jung innerhalb der sozialistischen Bewegung wird Symbol dieses Jugendtages sein. Kaum war unter regster Anteilnahme gerade der Sozia- listischen Arbeiterjugend der Wahlkampf geschlagen, da be- gann das Rüsten innerhalb der Berliner Arbeiterjugend für den Jugendtag. Nicht leicht wird es dem Lehrling und jungen Arbeiter, eine solche Reise durchzuführen. Die wenigen Pfennige seines Verdienstes müssen mit herhalten, den Lebens- unterhalt der Familie zu bestreiten. Die Frage der Beur- laubung für die Zeit des Jugendtages bereitet manchem Kopfzerbrechen. Da begann schon frühzeitig das Sparen und Verzichten auf alle irgendwie entbehrlichen Dinge. Lieber auf alles andere verzichten— zum Jugendtag muß doch jeder, wenn er irgend kann, dabei sein. Vorerst aber kam es noch darauf an, auch die Lauen aufzumuntern und ihnen zu zeigen, daß ein solcher Jugendtag auch ein Kampftag ist und ein Erlebnis für das ganze Leben. Auf„Dortmund-Abenden" machte sich die Arbeiterjugend vertraut mit dem Lande und seinen Bewohnern, das nun aufgesucht und nach dem Jugend- tag durchstreift werden soll. Aber auch die Alten sollten auf- merksam werden auf das Beginnen der Jugend. Durch Feiern und Filmvorführungen sind auch die Eltern tnter- essiert worden an der Tagung ihrer Jugend. Der Sinn des Jugendtages, die Verbundenheit von jung und alt in der sozialistischen Bewegung ist schon bei den Vor- arbeiten stark in die Erscheinung getreten. Was Solidaritäts- bewußtsein und Gemeinschaftssinn in der sozialistischen Be- wegung zu schaffen vermögen, das zeigte sich in vollkommen- ster Weise. Die Jugend, schwach im Geldbeutel, aber reich an Tatkraft und Begeisterung für die große Sache des Sozialis- mus, wandte sich an die erwachsene Arbeiterschaft. Die Ber- liner Arbeiterschaft hat durch ihre tatkräftige Unterstützung die Arbeit anerkannt, die die Jugend im Wahlkampf geleistet hat. Welch schöner Beweis von Kameradschaftsgeist und Soitdaritätsbewußtsein, wenn die Alten trotz Arbeitslosigkeit, trotz kargen Lohne, trotz aller ihrer eigenen Sorgen e» fertig gebracht haben, durch Beiträge zu den von der Jugend durch- geführten Sammlungen Mittel aufzubringen, die e» jetzt so manchem Jungen und Mädel ermöglichen, mit nach Dort- mund zu fahren, die die Kosten allein nicht aufbringen konnten. Ein Ausdruck dieser inneren Verbundenheit von jung und alt ist es, wenn über 1100 Berliner Arbeiterjungen und Arbeitermädel am 5. Retchsjugendtag in Dortmund teil- nehmen können. Wenn über die Hälfte die Möglichkeit hat, im Anschluß an den Jugendtag Fahrten zu unternehmen zur Besichtigung der Pressa in Köln und weiter den Rhein entlang, ins Sauerland, ins Weserbergland und in den Teutoburger Wald, dann ist auch das dem Wirken und Schaffen der alten Generation zu danken, die erst durch ihre Arbeit der Jugend die Freizeit geschaffen hat. 1100 Arbeiterjungen und Arbeiter- mädel allein au» Berlin fahren in zwei Sonderzügen zum Dortmunder Jugendtag. Was das heißt, muß man sich ver- gegenwärtigen an nur einigen ganz wenigen Zahlen Ueber 16 000 Mark allein waren aufzubringen für das notwendige Febrgeld auf der Eisenbahn. Die gesamte Tagung wäre illusorisch, würde nicht die Dortmunder Arbeiterschaft von sich aus die Jugend als Gast bei sich aufnehmen. Auch hier das Eintreten der Alten für ihre Jugend. Weit über 30 000 Ar- betterjungen und-mädel werden vom 4. bis 5. August bei der Dortmunder Arbeiterschaft zu Gaste sein. Wenn am Abend des 3. August zwei Sonderzüge aus Berlin, Sonderzüge aus Hamburg, Sachsen, Süddeutschlaud, aus allen Teilen des Reiches sozialistische Jugend nach Dort- mund bringen, dann wissen wir. daß es nur der gemeinsamen Arbeit von jung und alt zu danken ist. Das Solidaritäts- bewußtsein und der Opferwille der erwachsenen Arbeiterschaft hat die Dortmundzüge mit ins Rollen gebracht. Daran wird die Berliner Jugend denken auf der Reise nach Dortmund. Wenn am Nachmittag des 5. August die sozialistische Jugend gemeinsam mit der erwachsenen Arbeiterschaft Westfalens auf- marschiert zur Kundgebung für Sozialismus und Völker- frieden, dann wissen wir, daß mit uns kämpfen Millionen glelchgesinnter alter und junger Sozialisten. Der gemeinsame Aufmarsch soll uns Symbol sein für das Solidaritätsbewußte sein, für die Einheit von alt und jung in der sozialistischen Bewegung. Bruno Löshe. �coxx Gegenwärtigen 1 Vor uns sind andere gewesen, Illach uns werden andere kommen. Aber heute sind wir die Gegenwart» Diedarhäuptig undstngend durch die5änder marschiert. 'Wir sind der Erde verwandt 3Xnd der Sonne! 'Wir sind in den Städten zu eigen Und dem Rhythmus der Welt! 'Wir sind die Verkündung des bleuen Nnd tragen mit gläubigem ÄNut All unsere Sehnsucht, Xlnsere»'Willen Und unsere sunge Jitaft On die DXacht unserer Lelt; L)aß wir das Eisen besiegen, Daß wir die Steine beherrschen, Daß wir die roten'Wimpel Unserer Herzen Ausziehen über die drohenden Türme, Daß wir elnherschreiten Durch die Felder und Städte Tled der Sichel und im Takt der Hau« 3Xngebeugte sreie Diener Der menschlichen Gemeiuschast! Ai>r»d Sh>,w». Vorfreuden. Dos wor Kikt der schönsten Heimabende der letzten Zeit, als »vir alle im Krei-s« zusammensahen und uns iidcr unsere Jutzendlage, und vor allem über Dortmund, unterhielten. Und als ein alterer vlenosse uns von den Taqen in Weimar, Bieleseld, Rurnderg und Hamburg erzähile, was sie der Bewegrurg bedeuteten und was sie sur den einzelnen waren, da erwachte in uns allen die Sehnsucht iwch Dortmund, und der gröhlc Teil kann sie nun in die Tat umsehen. Mit welchem Eiier wird jetzt an unserer Fahrt gearbeitet, dir anschließend an den Jugendtag ins schöne Sauerland gehen solll Was uns in der Gruppe noch schlt, ist ein Einblick in die große Industrie des rheinisch-weslfälischen Reviers. Ihn uns zu geben, dazu muß einer der nächsten Heimabende dienen. Auch unsere Madchen interessieren sich jetzt nur noch siir die seuerspeienden Hoch. osen und sür den Werdegang der Kohle. Ob wir Gelegenheit hoben, ein Bergwerk zu besichtigen? Wir möchten so gerne einmal„unter Tag" sahrenl Rur die, die nicht mitkommen können, sind nicht so recht bei der Sache, wenn wir all diese Dinge durchsprechen. Diesen bitteren Tropfen aus dem Kelch unserer Freude zu entscrnen, ist jetzt unsere Houptausgabe. Wenn wir wenigstens unser Küken, den kleinen Will-i, mitkriegenl Er freut sich schon am längsten aus Dortmund, und nun soll es nichts werden? Unser Vorsitzender meinte, daß er noch einmal einen„Norsloß' bei der Parteiobteilung unternehmen wolle! solll« er„abgeschlagen" werden, so muß der Werbcbezirk dran glauben. Ich habe sogar geträumt, daß unser größter Wunsch in der Gruppe, plötzlich viel Geld zu bekommen, wahr geworden sei, und es brauchte nun keiner in Berlin zu bleiben. Aber es war nur ein Traum. Als ich in den letzten Tagen einmal einen„An- schnauzet" von meinem Meister bekam, war ich gor nicht so ärgerlich über ihn wie sonst, im Gegenteil, ich empfand etwas Mitleid mit diesem Manne, der sich so in seine Arbeit verbohrt hall« und sich wohl niemals aus ein Dortmund freuen tonnte. Ja, ich wurde mich nicht wundern, wenn wildsremdc Menschen mich aus der Straße fragten, ob ich mit nach Dortmund fahre, da ich ein so vergnügtes Gesicht mache. All unser Sinnen und Trachten kreist um diesen einen Punkt. Wie ein Leitstern steht er jetzt über unseren Tagen. Ob sich die Dortmunder Arbeiter auch so freuen aus die kommend« Jugend, wie wir uns aus de» Empfang? Als ich gestern in der Mittagspause aus unserem Fabrithos in der Sonne saß und an Dortmund dachte, da glaubte ich ein riesiges Fabriklor zu schen, durch das wir schritten! ober statt der dumpfen Werkstatt mit dem mürrischen Meister erwarteten uns sreudig die Zlrbciter, ihre Frauen und Kinder tnigen Blumen in den Armen, Blumen rankten an den grauen Wänden empor, Blumen bedeckten den Fabrikhos, der zur blühenden Wiese wurde, Blumen erblühten selbst aus dem große» Fadriktor, imd alles glich einem riesigen Festplatze, aus dem jung und alt die Hände schlang, das Fest der Arbeilenden zt> seiern. A. R. Opfermut. Die Rede vom Opfermut, von der Ausopscrung sür die Cache des Proletariats ist ostmals eine Phrase. Meist reicht die Begeistr- rung nur bis zum Geldbeutel. Dennoch gibt es innerhalb der klassenbewußten Arbelterschast einen wirklichen Opfermut, eine Auf» opserung, die über den Mammon hinausgeht, die soweit geht, daß man das Legte zu geben vermag. Auf Jugendtagen habe Ich diesen Opfermut kennengelernt. >» In Luckenwalde kam ich anläßlich eines Bcrlin-Branden- b'.irgcr Bczirksjugendtagcs zu einer kinderreichen Familie in Ouar» »icr. Der Vater war Arbeiter, die Frau mußte mit anfassen, um die große Familie zu ernähren. Mit ihren älteren Kindern trug sie die Luckcnwalder Parteipreise aus. Und doch hatten sie es sich nicht nehmen lasse», zwei Burschen in ihre kleine Wohnung, die fast sür die eigene Familie Z» eng war, zu nehmen. Selbstverständlich war, daß wir voll beköstigt wurden. Wir haben.sicherlich nicht wenig eingehauen, denn wir waren erst von einer achttägigen Harz- Wanderung, zu der wir uns das Geld von unserem Lehrlings- laschengeld zusammengespart hatten, ausgebrannt hier angekommen. Doch immer wieder war unsere Wirtin besorgt, daß wir auch satt wurden. Als unser Gastgeber dann crsuhr, daß wir kein Geld mehr hatten, wollte er uns gar ein Taschengeld geben. * Beim K o t t b u s s e r Bezirksjugendtag war die Bcgrüßungs- seier übersüllt. Die Arbeitrrjungen und Mädel aus der ganzen Mark Brandenburg saßen und standen mit den Kollbusser Partei- genossen durcheinander und solgten den Darbietungen in bester Stimmung. Nur die Jugendtagsleitung, Insbesondere die Quartier- kommission lies nervös umher, denn der Borraum stand voller Rucksäcke von Jugendgenossen, die noch kein Quartier hatten. Doch als in der Festpausc der Iugendsekrelär mitteilte, es seien noch viele Jugendtagsteilnehmcr ohne Quartier, da wurden die Parteigenossen und Genossinnen unruhig. Jungen und Mädel ohne Unterkunst? Das durste nicht sein, das ging wider ihre Ehre. Die Frauen de- rieten mit ihren Männern, wo sie noch jemanden unterbringen könnten. Ein über das andere Mol hörte man die Genossinnen bedauern, nur sür zwei Gäste Eßwaren eingekauft zu haben, und nun haben wir gar vier bei UNS. Und immer wieder mußte darauf hingewiesen werden, daß ja sür Malsenspeisung gesorgt sei. Bei Schluß der Feier waren jedenfalls alle untergebracht, und die Gastgeber zogen stolz mit ihren vier oder sechs Gästen, besser ge- sagt mit einer halben Ortsgruppe nach Hause. « Der Höhepunkt der Jnslgtion war fast erreicht, als wir 1923 nach Nürnberg zum Reichsjugendtag fuhren. Auf dem Nürn» berget Marktplatz, vor den Geschäften stand man Schlange. Die Frauen wollten sür Ihre Psundpaketc Papiergeld Lebensmittel ein- kaufen. Die Kartofseln waren sehr knapp. Die Löhne der Nürn- berget Arbeiterschaft waren niedriger als die der Berliner, und die Lebensmittelpreise höher. Und trotzdem, auch hier Opsersreudig- teit und Gastsreundschost im wahrsten Sinne des Wortes, trotz der Not der Zeit. Meine Gastgeberin wollte sechs Jungen aufnchmcit. Doch zwei bekam sie nur, und mich griff sie aus der Straße auf, als ich vor dem Hause stand, in dem meine eigentlichen Gastgeber wohnten, die nicht daheim waren. Kaum war ich in der Wohnung der Genossin, als im buchstäblichen Sinne die Mastkur begann. Ich mußte essen, soviel nur hineinging. Aus dem Tisch stand der Maß- krug mit Bier, dem bayerischen Kossce-Ersatz, und ich wurde ge- nötigt zuzugreisen. Kaum hatte ich erklärt, daß ich kein Bier trinke, wurde auch schon Tee gekocht. Beim Miltagkslen bedauert« unsere Genossin die Kartolselknappheit, denn sie wollte uns doch zu gern Knödel vorsetzen. Abends ging ich mit dem Sohn des Hauses au», der mir die Stadt zeigte. So ging dos zwei Tage. Am dritten Tage ging die ganze Familie arbeiten. Was sollte da werden» wo sollte ich hin, da wir Berliner erst gegen Nachmittag heim sichren. Die anderen Gäste waren schon am Abend vorher adge- fahren. Dos war einsacher, als ich dachte. Man drückte mir den Wohnungsschlüssel vertrauensvoll' in die Hand, stellte Essen sür den ganzen Tag aus den Tisch und ließ mich allein. Den Schlüssel mußte ich, als ich ging, bei den Nachbarsleutcn abgeben. Zum Opfermut, zur Gaslfreundschaft gesellte sich hier noch das Vertrauen zu einem fremden Menschen. Zeichen des Uesen Inhaltes der sozialistischen Idee. Neben dem Mosscnerlebnis des Iugendtagcs, dem Erleben eines Stück Sozialismus, jene Opjersrcudigkeit und Gastfreund- schns! der Bevölkerung. All das zusammen runden die Einwirkung des Fest- und Kampftages aus seine Teilnehmer zu einer Einheit ab, die begeisternd wirkt. Und mit jenem Gefühl fahren die Ju- gcndgcnossen, die schon einen Jugendtag erlebt haben, nach Dort- mund. Alle aber, die das erstemal an einem Jugendtag teil- nehmen, werden beaeistert sein und von der Idee des Sozialismus innerlich erfaßt werden. Karl Birnbaum. 'Vic rote Vtaot m Vewe�ano. Oas erste ReichszeKtager der SA). Das Walkdorj Quelle bei Bielcseld ist seit Montag in sröhlichcr Sfusrcgung. Mit Sang und Klang, mit vielen roten Fahnen und Wimpeln zogen an diesem Tage im Morgcnsommcrgold 350 bunt- gekleidete Jungen und Mädchen aus allen Gauen Deutschlands, aus Danzig, aus Holland und aus dem Soargebiet durch die Ehrenpforte am Ortseingang, unter den unzähligen Girlanden und lchwarzrot- goldenen Fahnen entlang hinaus zu dem von Kiefern umsäumten Platz, der für vierzehn Tage das erste Reichs Zeltlager der Sozialistischen Arbeiterjugend beherbergen soll. Hier am Sudabhang des Teutoburger Waldes werden junge Arbeiter und Arbeiterinnen in freier Natur ihre Freizeit und ihre Fcrientage vcr- leben und erleben. Denn diese Zcltlagcrtage werden Stunden der Iugendsrcude und des Lebens sein. Im Lause des Sonntags traf die erste Hälfte der Teilnehmer des Zeltlagers in Bielefeld ein. Bor dem Bahnhof grüßte eine Ehrenpforte der Stadt Bielefeld. Unter Vorantritt der lchncidige» Ii gendkapelle ging es zum Jugendheim. Hier sammelte sich ain Abend eine große Gemeinde zur Begrüßungsfeier. Die„Jnter- witioiiale" und andere Kampflieder flogen aus jungen frischen Kehlen in den stillen Abend. Für die Bielefelder sozialistische Ar- driterschast begrüßte Reichstagsabgeordneter Genosse Schreck in begeisternder Rede die Jugend. Für den Hauptvorstand des Ver- bandes der Sozialistischen Arbeiterjugend sprach Genosse August A l b r c ch t- Berlin. Dann ging es in die Quartiere. Di« Viele- selber Arbeiter rissen sich förmlich um ihr« jungen Gäste. Ein alter Parteigenosse wollte gleich vier mitnehmen. Am Momag um 7 Uhr standen die Zeltlagerteilnehmcr und viele Bielefelder Männer und Frauen auf dein Schillerplatz zum Abmarsch bereit. Mit Pauken und Trompeten ging es hinaus ans dein Lärm der Stadt in die Stille des Waldes. Die Queller Parteigenossenschafl hate sich, trotzdem ja der Mon- tag in unserem rationalisierten Zeitalter Arbeitstag und olle Blau- heit längst in das Meer der Vergangenheit versunken ist, in starker Zlnzahl vor dem Dorfe eingefunden. Ackergerät und Amboß ließen sie ruhe», um ihre Gäste begrüßen zu können. Die Begrüßung war sehr herzlich. Die Klust zwischen Stadt und Land ist verschüttet von dem großen Gedanken des Sozialismus, der all die Jungen und Mädchen aus den Städten und die Männer und Frauen des Wald- dorfes beseelt, der sie zu dieser wahren Menschengemeinschaft zu- sammenbringt. Im großen Queller Sportstadion fand die offizielle Bc- grüßung durch den Gemeindevorsteher Genossen Gonsgöke statt. Auf dem Lagerplag ist im Handumdrehen ein buntbewegtcs Leben. Die Gruppen bauen ihre Zelte auf, alles spielt sich ohne Schwierigkeiten ab. Die Bielefelder Jugendgenosscn haben gut vor- gearbeitet. Das Lager ist in sechs Zelldörfer eingeteilt. Sie tragen die Ranicn großer Sozialisten: Karl Marx, Friedrich Engels, Ferdinand Lafsalle, August Bebel, Ludwig Frank und Friedrich Ebert. Ucber jedem Zelt flattert eine große rote Jahne mit deni sozialistische» Arbeitcrjugcnd-Abzeichcn. Mit Lust und Liebe und auch mit Humor ist alles beim Bauen. Jeder Unternehmer würde vor Neid platzen über soviel Arbeitseifer. Zur Mittagszeit stehen alle Zelte. Bor dein riesigen Parlamentszelt, vor dem„luftigen Reichstag", steht auf hoher Bühne der 16 Meter lange Mast für die Lngcrfahne. Die längsten Burschen spazieren auf dieser Bühne. Das Lagcrvolk bildet einen Halbkreis. Alles ist voller Spannung: zwei große Augenblicke stehen bevor. Die Fahncnhissnng und dann «ine prosaische Sache, das erste Mittagessen. Unter Frciheilrufen steigt die Fahne in den Wind. Im Eillauf geht es dann zu den Esfenplätzen. Nach getaner Arbeit schmecken Erbsen und Speck wie ein Götteressen. Alle Heiligtümer der Weltmächte würde man nicht dafür eintauschen. Nach kurzer Mittagspause geht es ins Queller Freibad. Hei, wie das planscht und plätschert im großen Wasser. Die sozialistische Arbeiterjugend ist der Ueberzeugung, daß allein mit den Mitteln der Demokratie eine soziale Neuordnung aller Dinge durchgesührt werden kann. Sie weiß aber auch, daß Demo- krati« nur dann lebcnskrästig und gestaltungssähig ist, wenn ihre Brauchbarkeit immer und immer wieder erwiesen wird. Deshalb wird alles Organisationsleben in der Sozialistischen Arbeiterjugend vom Geiste der Dcnwkratie, der Mitbestimmung und Mitverant- Wartung getragen. Organisation und Verwaltung des ersten Reichs- Zeltlagers ist ebenfalls durchaus demokratisch. Gleich am Nachmittag des ersten Tages wurden die Wahlen vorgenommen. Jedes Zelt wählte sich einen Zelioberen, einen Zeltobmann. Die Zcltobleut« eines Zeltdorses den Gcmeinderat und alle Zeltobleute und Gc- meinderäte bilden das Logerkomnwndo, das die Logerlcitung wählte. Durch dieses aktive und passive Wahlrecht lernen die Jungen die Waffen der Demokratie gebrauchen. So wird das Zeltlager der Ardeiterjugend nicht nur zum Lager der Erholung, sondern mich zum politischen Anschaungsuntcrricht. unu UU9 mu;i uuem.-UUIO) ulk �ugetucuiuituu« oyNt OCtl Geist tiefempfundener Gemeinschaft läßt sich solch Lager auf zwei Wochen nicht durchführen. Den Festtcilnehmern, jungen Arbeitern und Arbeiterinnen und Lehrlingen, ist vielfach nur durch proletarische solidarische Hilse die Reise nach Bielefeld ermöglicht. Im Lager selbst wird aber einer auf den anderen angewiesen sein, wird jedes Mädchen und jeder Junge lernen zurückzustehen mit Sonderwünschen, wenn es sich um Interessen der Gcmeinschast handelt. Was seit Jahrzehnten erhofft, was in den letzten Jahren theoretisch ansei«- nndcrgesetzt worden ist, im Rcichszeltlager der Sozialist ischen Ar- bcilerjugcnd wird es zur Tat. G u st a r Webe r. Krieg und Lugend. Im August dieses Jahres waren Führer der Jngendorgani- sationen aus allen Erdteilen und aus den verschiedensten politischen und weltanschaulichen Richtungen in Eerde in Holland zusammen- gekommen, um gemeinsam über die Frage der Verhütung von Kriegen zu beraten. Wenn wir uns in den. Reihen der Sozialist- schen Arbeiterjugend auch klar darüber sind, daß Kriege restlos erst in einer sozialistischen Gesellschaft zu verhüten sind, so gilt es doch, in der Uebcrgangszeit zwischen kapitalistischer und sozialistischer Gr- sellschast, in der wir uns jetzt befinden, die Zahl der Kriege nach Möglichkeit zu verringern. Dabei dürfen wir nicht verkennen, daß die Macht und der Ein- fluß der sozialistischen Arbeiterbewegung im Augenblick noch zu schwach ist, um allein Krieg« verhindern zu können. Es ist daher notwendig, Bundesgenossen zu suchen und zu nehmen, wo immer wir sie finden. Und wer ist mehr dazu berufen, den Krieg zu be- kämpfen und siir den Frieden zu arbeiten, als die Jugend? Di« Jugend aller Länder? Ist es doch die Jugend, die in einem künfti- gen Krieg— wie in den vergangenen— i» erster Linie ihre Leiber, ihre Gesundheit, ihre jungen Glieder den, Moloch Krieg zum Opfer bringen muß! Auch die Sozialistifchc Arbeiterjugend ist daher an dem Verlauf und dem Ergebnis des Weltjugendfriedenskongresfes in Eerde ouss höchste interessiert, und die Sozialistische Jugendinter- nationale wird ja auch informatorisch den Beratungen beiwohnen.. Man darf sagen, daß alles getan worden ist, um diesen Kon» greß zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Bereits im vor!« gen Jahr war auf der Freusburg eine Tagung, die die Vorarbeiten für den Kongreß in Eerde zu erledigen hatte. Dabei wurden u. a. Ausschüsse eingesetzt, die Studienpläne ausarbeiten sollten, um den Diskussionen und Auseinandersetzungen auf dem Kongreß«ine gut« Grundlage zu sichern und den Delegierten zugleich eine Reihe lest umrissencr Fragen vorzulegen. Dici« Studienplänc über die wirk- schastlichen, politischen, pädagogischen, elhisch-rcltgiöscn und Rassen- fragen liegen jetzt vor. In einem geschichtlichen Ucbcrblick wird in dem Studienpkan über die politischen Fragen zunächst festgestellt, daß der Krkeg auf dem Gebiet der Politik stets eine hervorragende Rolle gespielt ha», und daß die meisten modernen Staaten sich mittels Krieg- führung entwickelt haben. Auch der Weltkrieg folgte.dieser Tra- dition" durch Errichtung neuer Staaten.„Äie auf solche Weise scstgelegtcn Grenzen" waren oft„unnatürlich, diktiert von wirtschast- lichen oder politischen Interessen und mit Gewalt errichtet". Die Folge davon: daß diese Staaten große Heere hielten, um stch mit Waffengewalt zu behaupten. Eine weiter« Ursache bilde! der Im- periaiismus, das Bestreben der Staaten, sich auszudehnen, neue Länder zu erobern und andere Völker zu nntersochen. Sehr richtig wird dann erkannt, daß die wirtschastliche und sozial« Entwicklung die Grenzen der einzelnen Staaten zu sprengen versucht:„Wir scheinen uns einer weltpolitischen Autorität lObrig- kcit) zu nähern, deren Keim vielleicht der Völkerbund bildet." Aus der Linie dieser Entwicklung liegt es,„daß die Staaten mehr als bisher von ihrer Souveränität(Hoheitsiechlen) an den Völkerbund abtreten". Auch die Verwaltung unentw.ckeller Völkerschajten sKolo- nien) könnte unter die Oberaussicht des Völkerbundes gellellt und damit manche Kricgsursache beseitigt werden. lBorausgesetzt natürlich, daß auch der Völkerbund sich umstellt und»in völlig anderes Gesicht erhält!) Sehr interessant sind die Abschniiie. die der D« m v k r a tt« gewidmet sind. Zunächst wird festgestellt, daß di« zum Weltkrieg die Entwicklung der Politik sich in der Richtung der Demokrotte bewegte, daß diese Tendenz noch jetzt allgemein vorherrscht, aber in Rußland. Italien und einigen anderen Ländern„eine starte Heransforderung erfuhr". Wobei gleichzeitig festgestellt wird, daß die Demokratie zwar theoretisch vorher scht, daß sie In Wieklichkeit aber stark begrenzt und eingeschränkt ist..durch Armut, mangelhast« Bildung, Presse, Klassenmncht und die dadurch hervorgerufen« Massenpsychologie". Eine Fest- und Klarstellung, die wir Gozta- listen nur Wort für Wort unterschreibe» können. Der Swdienplan legt dann dem Kongreß eine Reihe von Fragen vor: „Welchen guten Zwecken— wenn überhaupt solchen— hat der Krieg in der Vergangenheit gedient? Hätten diese Ergebnisse ohne Krieg erreicht werden können?" „Auf welche Weise führen Imperialismus, Natlonalismus, Gc- Heimdiplomatie und Kriegsrüstungen zum Krieg?" „Sind die Methoden der Versöhnung, des Schiedsgerichts und der gerichtlichen Schlichtung auf alle Streiisäll« zwischen Rationen anwendbar? Ist es wünschenswert, Schiedsgericht« oder gesetzliche Bcftinininngen aufzuzwingen?" „Wie kann Me Nützlichkeit dez pennanenten internationalen Gerichtshofes gesteigert werden? Welche Machtmittel hat der Völkerbund in bezug auf den Krieg? Hat er Kriege verhindert? Sollt« eine Internationale Polizei des Völkerbundes die nationalen Milttärgewalten ersetzen?" .Lst es wünschenswert, die nationale Souveränität(Hoheit!- rechte) einzuschränken, und bis zu welchem Grad?" „Ist die völlige Abrüstung möglich und wünschenswert?" „Wie kann die Kriegsgesahr, die aus dem wirtschaftlichen Interessengegensatz der Nationen entsteht, durch internationale Maß- nahmen(Völkerbund, Internationales Arbeitsamt) vermindert werben?" Fast alle diese Probleme sind auch innerhalb der sozialistischen Arbeiterbewegung noch ungeklärt und umstritten. Dazu kommt, daß die Frage: Krieg oder Frieden? gerade für die deutsche Arbeiter- jugend höchst zeitgemäß(aktuell) ist. Zwar Ist Deutschland durch den Versailler Friedensvertrag gezwungen worden,„abzurüsten". Das heißt, es sollte militärisch wehrlos gemacht werden. In Wirk- lichteit aber marschiert Deutschland in der Entwicklung der Heiden Hauvtwoffen eine» künftigen Krieges: Flugzeuge und Giftgase(che- mische Industrie) mit an der Spitzel Dazu kommt, daß Deutschland durch seine wirtschaftliche Verbundenheit und seine geographische Lage bei einem kriegerischen Konslikt zwischen anderen europäischen Großmächten es nur schwer vermeiden kann, in den Krieg mit hinein- gerissen zu werden. Darum ist es notwendig, daß diese Problem« und Streitsragen möglichst bald innerhalb der sozialistischen Bewegung geklärt werden, damit die sozialistische Arbeiterschaft allen Kriegsgefahren eine einige, geschlossene Front entgegenzustellen vermag. Diese Klärung und Einigung herbelzuführen, ist die Aufgabe des Kongresses der Sozia- listische» Arbeiterinternationale, der ebenfalls im August in Brüssel tagt. In Eerde aber gilt es, die Jugend für den Frieden und— für den Sozialismus zu gewinnen, weil nach unserer Neberzeugung erst die sozialistische Gefellschaft der Welt den Frieden sichert. Kurt H e i! b u t- Dresden. Zehn Lahre markische Lugendherbergen Der Ruf des Gaues Mark Brandenburg der deutschen Jugend- Herbergen hat einen besoiroeren guten Älong. Zehn Jahre sind ver- Tangen, seitdem im Bezirk Berlin-Brandenburg der mutige Versuch mir Schaffung von Jugendherbergen gemacht wurde. Zwischen de» tleinen Anfängen der„Wanderbletben" des Jahre» I91S und den Jetzig«» Großjugenicherbergen des Jahres 1928 liegt die Revolution mit der Umformung des Staate» von der Monarchie zur Republik. Die Grundstein« des Reichs-Jugendherbergswerkes waren zwar kurz vor dem Weltkrieg gelegt, aber die ersten Erfolg« des fystemati- fchen Aufbau» und der organisatorischen Zusammenfassung fallen in die Notzeit des deutschen Voltes. Erst als die Republik auch der Jugend Entwicklungsmözlichteiken gab. fand der Gedanke der Jugend- Herbergen feine ösfentliche Anerkennung. Trotz des ununterbrochenen Kampfes, den das neue Deutschland um das Dasein führte, trotz Inflation und Voltsnot wuchs ein Werk, das zum Ausgangspunkt vieler lebensnotwendiger Voraussetzungen für die Heranbildung eines neuen freien, gefunden Geschlechts werden muß. Mehr alz alle Reden ist das Jugendherbergswerk in diesen grauen Jahren ein Ausdruck des Mederaufbaues unseres kulturellen Lebens, von prat- tischerer Wirkung als alle Schundbetämpstrngs- und Iugendbewah- «ingsgesetz«. Die Entwicklung des Jugendherbergswertes im Reiche, dessen organisatorischer Träger der 191S begründete Verband für deutsche Jugendherbergen(OÄH.)«st, zeigt die Notwendigkeit dieser Be- streb ungen. Der Aufstieg des Jugendwanderns entwickelte sich der- maße» schnell, daß die Einrichtungen in manchen Teilen Deutsch- lande den Anforderungen nicht gewachsen sind. Deutlich spiegett sich dieser Ausstieg in folgenden Zahlen dar; Jahr 1913.., 83 Jugendherbergen 21000 Uebernachtungen . 1920.,. 700. 186000 „ 1927.,. 2383. 2i60000 Mehr als 200 Retchsoerbände stehen heute hinter dem DJH. Auch die sozialistische Arbeiterjugend nimmt regsten Anteil an dem Leben und Wirken des Verbandes. Fast 40 Prozent der Herbergsgäste fasd Schulentlassen«. Im alten wilhelminischen Deutschland war die arbeitende Jugend das Aschenbrödel der Gesellschast. Ihr Streben nach Wissen und Er- kennen und ihr Ringen um Iugendschutz und Jugendrecht wurde mit Verboten und Verfolgungen beantwortet. Die Dmge sind nach dem Krieg anders geworden. Oer Gedanke der Jugendwohlfahrt setzt sich mehr und mehr durch; das Reichsjugendmohlfahrtsgefetz, das nicht alle unsere Forderungen erfüllt, ist ein sichtbarer Beweis dafür. Unser Kamps geht setzt um Freizeit und Ferien, damit alle erwerbs- käsigen Jugendlichen wandern und sich erholen können. Dan» wird aber das Wert stärker als bisher von Ländern und Gemeinden überncenmen werden müssen, um allen modernen Anforderungen ge- wachsen zu sein. Die zehnte Hauptoersammlung des märkischen Jugendherbergs- Verbandes in Frankfurt a. d. Oder, die Ende Juni d. I. stattfand, legte ein Bild von der regen Arbeit ab. Nüchterne Zahlen zeigen am deutlichsten die Entwicklung des Gaues Berlin-Brandenburg: 1918 123 Mttgl. 20 Zugendherbergen 6000 Uebernachtungen 1927 9 000. 140, 226000 In mehr als 36 Eigenheimen versucht der Gau dem wachsenden Wandertriebe zu entsprechen. Alle Erfahrungen sprechen eindring- lich, daß nur in engster Zusammenarbeit zwischen alt und jung, zwischen Behörden und Wanderern das Iugendherbergswert wachsen kann. In diesem Sinne wendet sich auch die nachstehende„Kund- gebung" der 10. Hauptversammlung an die Oeffenllichkeit: „Der Gau Mark Brandenburg des Verbandes für deutsche Jugendherbergen feiert in diesem Jahrs sein zehnjähriges Jubiläum. Was in zehn Jahren rastloser Arbeit in, Dienst« der Bertiner und märkischen Jugend geleistet worden'st. davon zeugen die ge- schasse neu 140 Jugendherbergen mit 250000 Uebernachtungen im letzten Jahre. Hand in Hand mit dem Werden des Hcrbergswerkss ging die beispiellose Entovicklung des Jugendwanderns. Förderung der Liebe zur Natur, Schassung neuer Formen des Gemeinschafts- leben». Streben nach einer höheren Kultur, das find die Ziel«, noch denen die mit dem Herbergswerk innig verbundene wandernde Jugend strebt. Reich, Staat, Provinz, Gemeinden und Versiche- rungsträger haben die Lebenswichtigkeit dieser Arbeit am Volke erkannt, lndern sie durch Geld und geistige Förderung unser Wert unterstützten. Schicken, Verbände, Einzelpersonen sind Mitglieder geworden und helfen so das Werk fördern. Aber noch stehen weite Kreis« der Bevölkerung dem Herbergswerk gleichgiiltig gegenüber. Die Hauptoersammlung richtet an ihrem Iubettage an Behörden, Verbände und Schulen die Bitte, weiterhin in verstärktem Maße mitzuhelfen. Die Einwohner Verlins und der Provinz werden«e- beten, durch Beitritt zu den in fast allen Orten bestehenden Orts- aruppen das Hsrbergswerk ausbauen zu helfen, damit durch Zu- sammenwirken aller Kräfte der deutschen Jugend zu ihrer korper- lichen vird geistigen Höherentwicklung ch. immer stärkerem Maße Gelegenheit gegeben werdet" Gerd Bothur. »31 =J�r; Aus der Zugend-Internationale ->»».- a r/Vv1 1 Derbandstag der tschechisch sozialdemokratischen Lugend. Die tschechoslowakisch« sozialdemokratische Jugend hieli kürzlich ihren Verbandstag in Prag ab. An den dreitägigen Verhand- lungen nahmen 185 Delegierte und 23 Gäste teil. Der internationale Charakter der Tagung war durch die Anwesenheit des Vorsitzenben der Sozialistischen Jugend-Jnternationale, Genossen Karl Heinz, des Genossen Karl Korn für die deutsche und de» Genossen Ba dura für die polnische sozialdemokrakische Jugendbewegung in der Tschechoslowakei gegeben. Den Bericht des Sekretariats erstattete Genosse Arnost B i t a s e k. Am End« des Jahres 1927 zählte die Organisation in 133 Gruppen 5614 Mitglieder, das ist ein Beweis dafür, daß unser« Jugendbewegung den tomnnuüstischeii Umsturz ganz uberwu-nben hat und in einem neuen Aufstieg begriffen ist. Zu den ordentlichen Mitgliedern kommen noch ungefähr 4000 Jugmtckiche. die ln den verschiedenen Orten, in denen wir kein« eigenen Gruppen haben. in der Partei organisiert sind. Besonders diskutiert wurde das Probten, der Bereinheitltchung der Erziehungsarbeit in unseren politischen Gruppen(MSD.) und tn der Kulturbewegung (DTJ.). Auch das neue Programm war Gegenstand einer ein- gehenden Aussprache. Alle Resolutionen und Anträge wurden ein- stimmig beschlossen. Mit dem Verbandstag waren ein« autimilitaristische Ausstellung und«ine Ausstellung über die Tätigkeit unserer Bewegung oer- bimden. d-e großes Interesse bei den Delegierten fanden. Lugendtongreß in Jugoslawien. Vor einigen Wochen fand in Belgrad der erste Kongreß des Verbandes der Sozialistischen Jugend Jugoslawiens statt. Dem Kongresse wohnten 23 Delegierte, die 17 Ortsgruppen vertraten, bei. Unter den Begrüßungsschreiben war besonder» oos Schreibe» des bulgarischen Jugendoerbandes beachtenswert, in dem die Rot- wendizkeit eines gemeinsamen Auftretens, der sozialistischen Jugend des ganzen Balkans gegen die Reaktion, den Chauvinismus un» Bolschewismus hervorgehoben wird. Der Sekretär des Verbandes, Genosse Petar Rajkowitsch. erstatiets einen ausführlichen Bericht über die bisherig« Tätigkeit der Veröandslsitung Der Verband wurde 1923 unter den schwersten wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen gegründet. Seit seiner Gründung mußte er einen ständigen Kämpf gegen d'« nalionolisti- schen und kommunistischen Verirrunzen unter der Arbeiterjugend, Folgeerscheinungen eines junge» nationalistischen und wirtschaftlich rückständigen Staates, führen. Trotzdem ist es ihm im harten Ringen, besonders nach der Verlegung der Zentrale von Agram nach Sarajewo— wo sich eins Anzahl praktisch geschulter Jugendfunktio- när« befiudei—, gelungen, sich zu erhalten und ständig Fortschritte zu machen. Die Zentrale organisierte während dieser Zeit ein« Landeskonferenz und einige Kreistonferenzsn der sozialistischen Jugend, auf denen der Verband durch Gründung von Gau- und Kreisleitungen weiter organisatorisch ausgebaut wurde. Auch auf kulturellem und wirtschastlichem Gebiete war der Verband sehr reg«. Der Verband Zähtt jetzt 17 aktive Ortsgruppen mit etwa 1000 Mit- gliedern, davon 90 Prozent manuelle jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen. Der erste Kongreß, auf dem der Verband sich nun eine definitive Orqanisationsform und si» Aktionsprogramm geben soll, ist die Krönung dieser bisherigen Aufbauiätigkeit.