Nr.S Sfcifoo? zum 3JOf Märte 2S. September �92S Sozialistische Die" Erziehungsarbeit der sozialistischen Arbeiterbewegung hat in der Nachkriegszeit einen großen Umfang angenommen. Schon dem außenstehenden Beobachter fällt die große Zahl von Organisationen auf, die sich innerhalb der Arbeiter- bewegung die Aufgabe der Erfassung der Jugend zum Ziel gesetzt haben. Während früher die Jugend- ausschüsse der Partei und der freien Gewerkschaften im wesentlichen die einzigen Träger der Jugendarbeit waren. hat sich in den Iahren seit der Revolution eine große Anzahl von selbständigen Jugendorganisationen entwickelt. Die gemeinsame Jugendarbeit von Partei und Gewerkschaften ist durch die Spaltung der Arbeiterbewegung unmöglich ge- worden, und neben den Verband der Sozialistischen Arbeiter- jugend Deutschlands find seit Kriegsende die Iugendsettionen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes getreten. Außerdem haben die Iugendgruppen der Arbeitersport- bewegung, insbesondere die des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes und der„Naturfreunde" einen starten Aufschwung genommen. Dieses Nebeneinander von sozialistischen Jugend- verbänden hat vor allem in der örtlichen Arbeit zu manchen Unzuträglichkeiten geführt, und da teilweis« tatsäch- lich in der Schaffung von eigenen Iugendgruppen durch viele kleine Arbeiterorganisationen zu viel des Guten getan wurde, wollen die Klagen über die Z e r f p l i t t e r u n g der Jugend- arbeit kein Ende nehmen. Es ist zweifellos richtig, daß es nicht im Interesse der Sache liegt, wenn zum Beispiel jetzt auch der Arbeiteranglerbund zur Gründung von eigenen Iugendgruppen auffordert, denn das bedingt eine Zersplitte- rung der Kräfte, die die Arbeiterbewegung sich nicht leisten kann. Auf der anderen Seite wäre es aber falsch, die Aus- weitung der Jugendarbeit überhaupt nur als ein Uebel zu betrachten. Die Zahl der arbeitenden Jugendlichen, die heute noch außerhalb unseres Einflußbereichs stehen, ist so groß. daß wir jede Möglichkeit und jede Gelegenheit benutzen müssen, um hier voranzukommen. Nur der kleinste Teil der Jugendlichen ist von vornherein politisch und kulturell so stark interessiert, daß er sich Partei und Gewerkschaft sofort anschließt. Wesentlich leichter ist es dagegen. Jugendliche zu interessieren in beruflichen Angelegenheiten oder sie gar zu packen bei ihrer Freude an Sport und Spiel. Aus diesen Gründen ist die Jugendarbeit der Gewerkschaften und der Arbeitersportbewegung eine Notwendigkeit. Dazu kommt aber noch, daß die Jugendarbeit dieser Organisationen auch einen hohen Eigenwert besitzt. Wir brauchen für den Kampf der Arbeiterbewegung eine körperlich gesunde Ar- beiterschaft, und wir brauchen auch Männer und Frauen. die in ihrer Berufsarbeit leistungsfähig sind. Außerdem ist es durch die starte Gliederung der sozialistischen Jugend- organisationen möglich gewesen, die Zahl der erfaßten Äugendlichen wesentlich zu steigern. Heute umfassen der Verband der Sozialistischen Arbeiterjugend, die Jugend- gruppen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und die Iugendgruppen der in der Zentralkomniission für Arbeitersport und Körperpflege vereinigten Verbände im ganzen Reich weit über 800 000 Mitglieder. Mit diesen Einheitsfront. Zahlen ist die Stärke der großen Gruppen katholischer und evangelischer Iugendverbände erreicht. Wenn wir also die neuere Entwicklung der sozialistischen Jugendarbeit durchaus positiv bewerten müssen, so ist auf der anderen Seite der heutige Zustand des Nebeneinander- arbeiten? und Gegeneinanderarbeitens nicht befriedigend. Der Zustand darf nicht fortbestehen, daß sich die verschiedenen Organisationen als Konkurrenzunternehmungen betrachten und daß sich die gegenseitigen Beziehungen, wie es örtlich manchmal noch der Fall ist, darauf beschränken, daß man sich gegenseitig der Ueberschreitung des Arbeitsgebietes beschul- digt. Notwendig ist. daß sich alle Teile einig wissen im gemeinsamen Ziel, und daß sie auch nach außen hin als eine Einheit die Forderungen und Interessen der sozialistischen Jugend vertreten. In der letzten Zeit sind wir einer derartigen Zusammen- arbeit ein Stück näher gekommen. Zwischen der Sozialistt- schen Arbeiterjugend, dem Allgemeinen Deutschen Gewert- schaftsbund und dem Arbeiter-Turn- und Sportbund besteht seit geraumer Zeit eine enge, freundschaftliche Fühlung- nähme, und wenn es auch zurzeit nicht möglich ist, diese Zu- sammenarbeit in die Form einer Arbeitsgemeinschaft zu bringen, so wird diese gemeinsame Arbeit dennoch jetzt öffent- lich sichtbar werden. Am 14. Oktober findet in Berlin eine Kundgebung für sozialistische Iugender- Ziehung und Iugendschutz statt, die von den drei großen Organisationen der sozialistischen Jugendarbeit ein- berufen ist. Die Veranstaltung soll die Bedeutung der Jugenderziehung für die sozialistische Arbeiterbewegung auf- zeigen, sie wird den Kampf um den Iugendschutz behandeln und sie wird sich schließlich beschäftigen mit der Freizeit- gestaltung der erwerbstätigen Jugend. Die Konferenz ist keine öffentliche Tagung, die jedem Interessierten zugänglich ist, sondern sie dient in erster Linie der Verständigung der leitenden Funktionäre der beteiligten Organisationen über die Notwendigkeit und die Möglichkeit einer engeren gemein- samen Arbelt. Der Konferenz kommt bei der Größe der Aufgaben, die wir sowohl auf dem Gebiet der Jugend- erziehung als auch im Kampf um bessere Lebensbedingungen der Jugend zu erfüllen haben, eine große Bedeutung zu. und es ist zu hoffen, daß sie einer einheitlichen sozialistische« Iugenderziehungsarbeit den Weg bereiten helfen wird. Das Programm der Tagung. Die Tagung findet am Sonntag, dem 14. Oktober» 10 Uhr vormittags, im Berliner Gewerkschaftshaus mit fol- gender Tagesordnung statt: 1.„Die Bedeutung der Jugenderziehung für die sozia- listische Arbeiterbewegung." Referent Erich Ollen- Hauer. 2.„Der Kampf um den Iugendschutz." Referent: Walter M a s ch k e. Z.„Die Gestaltung der Freizeit der erwerbstätigen Jugend." Referent: Fritz Wtldung. Die Einladungen zu d'eser Kundgebung ergehen von den veranstaltenden Organisationen. Lugendfchtchforöerungen der Gewerkschaften. Der.<)nmburstr Kongreß des Allgemeinen Deuischen©«• «« r k j cha s t» b u n de s Ijct auch»in« Reihe von Frag«» b«. bandelt� die jür die A r b e l t e r j ug« n d von dciionderer Bedeu- tunq sind. So hat der Genoß« Hehler ausMrllch über die Biidnngsaujgaben der Gewerkschaften gesprochen, di« ja in erster Linie mit der Jugend durchgeführt uxrden müssen. Der Kon- greh hat die Verbände verpslichtet, der geaverkschastlichen Biidungs- arbeit die größte A�usmerksamkeit zuzuwenden. Bedeutsam ist die in der Debatte über diesen Vortrag vom Reichsinrenminister, Genossen Levering, abgegebene Erklä- rung. daß er durch die Abschassung der Technischen Nothitse Mttel für weitere Bitdungsmvgtichkeiten der Arbeiterjugend fteimachen «erde. Der Kongreß nahm ferner ein« Entschließung über den g u g e n d s ch u ß an. in der es heißt: „Die von den Gewerkschaften seit langem erhobenen Forde» rungen nach besonderen sozialpolitiilchen Echiihbestimmimgen für die erwerbstätige Jugend sind von der Gesetzgebung bisher nicht erfüllt worden. Der vorliegend« Enlwurs des Arbeilsschutzgesetzes enthält wohl die geforderte Erhöhung des Kinder- und Jugend- ichugalters und auch eine weitere Einschränkung der Nachtarbeit Jugendlicher: er bringt aber nur eine unzureichend« Regelung der taglichen Ardeikszeil und geht aus die Freizeitsordeningen für die Jugendlichen(Irühschluß vor Sonn- und Feiertagen und jährlicher Urlaub) gar nicht ein. Die große Zahl derjenigen Jugendlichen, die nicht in den Genmß der bisher allein durch Tarifverträge gc- fchassenen Urtaubsanspriiche tc-mnwn, macht jedoch«in« sosortig« gesetzliche Regelung des Urlaubs für Jugendliche zur Notwendigkeit. Der Gewerbschaftskongreh richtet deshalb an die Reichsrcgierung und an den Reichstag das dringende Ersuchen, die von weiten Kneifen des deutschen Volkes vertretenen Freizeitsorderungen für die erwerbstätige Jugend so bal» als möglich zu verwirtlichen und zu diesem Zweck das Arbeitsschutz- gesetz entsprechend auszugestalten. Weiter ersucht der Eowcrk- schastskongreß die Reichsregierung, Beginn und Beendigung der allgemeinen Schulpflicht im ganzen Reich einheitlich zu regeln, um den Schwierigbeilen vorzubeugen, die sich sonst aus den er- weiterten Kinder- und Jugendschutzbeftiinmungen ergeben könnten." In einer dem Kongreß vorangegangenen Ausschußsitzung hat sich der Allgemein« Deutschs Gewei�schastsbund auch mit den Be- stredungen veschäftipt, die eine Bertürzung der Lehrzeit beabsichtigen. Er hat in dieser Frag« sotgenden Beschluß gesoßt: „Seit einiger Zeit sind in verschiedenen Bernsen die Organi- siuivnen des Handwerks bestrebt, die Lohrzeit, soweit sich noch nicht die gesetzliche Höchstdauer von vier Jahren erreicht hat. zu ver- Uingern. Der Bundesausschuß des ADGB. lehnt diese Be- prebungen als sachlich nicht gerechüsenigt ganz entschieden ab und erwartet von den gewerkschaftlichen Mitgliedern der Ge- sellenausschüsse der Innungen und Handwerkskammern, daß sie gegen Beschlüsse der Innungen und Handwerkskammern zur Ber- längerung der Lehrzeit Einspruch bei den Aussichtsbehörden er- heben. Bon den Aufsichtsbehörden fordern die Gewerkschaften, daß sie solchen Absichten mit allen Mitteln entgegenwirken" Die gemeinlame internationale Aktion der drei Internationalen, Sozialistisch« Jugcnd-Jnternational«, Sozialistische Arbeiter-Jnter- nationale und der Internationale Gewerkschaftsdund für den Jngendschutz wirkt sich auch in anderen Ländern au». Der Kongreß de» belgischen G«werkschastsbund«s, der von?. di» S. Juli tagte, nahm folgende Entschließung an: „Der Kongreß ratifiziert den Beschluß der Exekutive und des Rationalen Komitees des Gewertschastsbundes, die das vom Jnternaüonolen Gewerkschostsbuud» der Sozialistischen Arbeiter. Jnternalionai« und der Sozialistischen Jugen>Jn>ernationaIe aus- «eardeiteie Jugendschutzprogramm gutgeheißen haben. Er stellt fest, daß in Belgien die Foedernngen k, 2 und 7 dieses Pro- gvamms ganz und jene des Punktes 5 teilweise verwirklicht find. Sr ist der Ansicht, daß die Durchführung der anderen Punkte die parlamentarisch« Mithilfe bedingt und es wünschenswert ist. die Jugend selbst in der Arbeit zugunsten der Berwirtlichung des Programms heranzuziehen. Der Kongreß beauftragt die Exekutiv« de» Gewerkschaft«- bimdes, sich mit dem Bureau des Eeneralrots der Partei und dom Zentralen Jugendkomitee in Verbindung zu setzen, um zu- famaien die zweckmäßigsten Mittel zur Verwirklichung der Forde- rungen der jugendlichcn Arbeiter aussindig zu machen." Die Verwirklichung aller dieser LeM+üsse wird in hohem Maße davon abhängen, daß sich di« werktätige Jugend in den freien Gewerkschaslen organisiert. Nur die organisierte Macht schafft den arbeitenden Lagendtichen Jugendschutz und Äigendrecht. Gelöbnis der Gewerkschastsjugend. „Wir wollen, daß die arbeitende Klasse frei werde von wirt- lchastlicher Ausbeutung daß sie gleich wird allen andern Mitgliedern «er Kesellschast. Wir geloden brüderliche Kameradschaft allen, die mit uns verbunden sind für die gleichen Ausgaben und das gleiche Siel; unwandeldare und unverbrilchliche Treu« der gewerkschaftlichen rganisation, die uns führen soll und der wir dienen wollen." Lugend, unsere Znknnst. Was wir nicht mehr hören wollen. «!» Iu«,»Sgcn«sse Ich, ritt an» nachlotgnite?.«i>e», di« da- al!» and t»ch ewig jung« Prodlcm dr» lwltchrn ,»It»ut jung" trhontrlt. Wir»»den Mike tcmp»rain»ntvolle und trotz«Her Hörte und koitzr» ehrlich genuint« ttritit zum Nechdentc» für alt« nnd jung« Ec, logen wieder. DI« Nednkt.o». Gehen wir in Versammlungen oder zu Vorträgen, dann werden wir immer die schmeichelnden Worte hören: der Jugend gehört die Zukunst. Wie ost mußten wir uns schon aus diese Worte„freuen", sie h!»nehmen als„währ" und„ehrlich" gemeinti Laßt uns einmal ehrlich sein und unsere wirklich« Meinung über dieses von uns als verlogen empfundene Wort äußern. Wir wollen gar nicht bestreiten, daß jeder Redner objektiv daran glaubt, daß nun einmal die Junend die Zukunst bedeutet. Es wäre auch gar seltsam von einem Alten, diesen Glauben nicht zu haben, denn fchließlich lösen doch die Jungen die Alten ab. Und nicht um- gekehrt die Alten die Jungen. Möge auch manchesmal ein alter Veteran der Arbeiterbewegung die Last der Arbeit einem Jungen abnehmen, so ist die» ein menschlicher Fall, läßt sich aber keines- weg» allgenxin ausdeuten, daß die Alten die Jungen ablösen. So weit werden wir ja auch die Zustimmung aller Beteitigicil bekommen. Erkennt man objektiv an, daß die Zukunft der Ar. beiterbewegnng von der Jugend abhängig ist, dies« also Träger der Zukunstsardeit sein muß. so kommt man jedoch nlckü aus dem Sta- drum dieser Erkenntnis heraus, gibt dies« Selbftoerständlichkeit wohl theoretisch zu, aber versucht keineswegs aus dieser Erkenntnis prak- tische Schlußkolgernngen zu ziehen. Der Jugend gehört die Zu- kunst, und kommt einmal die Jugend nicht bittend, sondern fordernd, dann weiß man nicht mehr, was man tags zuvor über die Zntunlt und so weiter gesagt hat. Zwischen Wort und Tat klosst«ine unge- heure Klust. Was wir nicht mehr hören wollen? Daß wir die Zukunst sind. Macht aus einer Seldstoerftändiich- teit kein« Phrase, sagt lieber ofsen, wir erwarten von dieser Jugend nichts, sind von ihr enttäuscht und gehen unsere eigenen Weg« auch ohne Jugend. Das ist Ehrlichkeit, Ofsenheit, mit der man sich aus- einanderfetzen kann. Bitter ist es für die proletarische Jugendbewegung, wenn sie nur deshalb anerkannt wird, weil man notwendig eine Nachwuchs- r rganisation braucht. Die Anerkennung der proletarischen Jugend- bewegung muh noch aus ganz anderen Quellen stießen, und nicht nur aus der Erkenntnis der Zweckmäßigkeit und des Orqanisations- egoismus. Daß zwischen den Alten und Jungen nicht die Gemein- samkeiten so stark hervorgehoben werden, ist Schuld der beiden Or- ganisationen der Alten und Jungen, die immer wieder die äußer- lichen Gegensätzlichkeiten betonen, ohne sich ernst ha st aus die Ge- meinsamkeiten zu besinnen. Daß hier den Organisationen der Alten aber mehr Schuld an der Nichtzzusammenardeit gegeben werden muß, erklärt sich schon daraus, daß stets di« Klügeren nachgeben mußten, und da die Alten doch immer die Klügeren sind, mühten sie immer«her geneigt sein zu einem Walsenstillstand mit der immer tampstrvtzigcn Jugend Man übt heute nicht die Nachsicht aus tameradschasilicher Hilssdereltsckzajt. sondern aus einem lieber- legenheitsgefühl heraus. Daß unter solchen Umständen das Wort:„Der Jugend gehört die Zukunst" immer sehr mißtrauisch von den Jungen ausgenommen und belächelt wird, wer wollte das den Jugendlichen verübeln, die schon hundertmal dieses Wort aus dem Mund« prominenter Ge- nosjen gehört haben, und dann von denselben Genossen bchandelc wurden wie Nein« Schulkinder vom Lehrer. Wenn wir schon von der Zukunst der Jugend sprechen, dann müssen»vir wissen, daß damit auch Verpflichtungen verbunden sind. Als Gleichberechtigt« müssen wir nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch anerkannt uxrden. Nicht nur in Bersammkungen von der Jugend reden, die im gleichen Schritt und Tritt mit den Alten mar- schiert, sondern sie dann auch als gleichwertig« und gleichberechtigte Mitstreiter in solchen Augenblicken anerkennen, wo nicht der Beisall der tausend Zuhörer zu erwarten ist. Gemeint ist die Zusammen- arbeit Im ttcincn. Wer hat nicht schon die Ueberheblichkeit der Alten bitler schmerzlich empfunden, die sich aus ihr« Erfahrungen stützen, und mit Recht stützen können, aber damit schtimmer prunken wie der Psau mit seinen buntesten Federn. Kommt lu diesem Verhakten der Alten gegenüber der Jugend dann das gesprochene Wort von der Zukunst der Jugend zun, Ausdruck? Rein, hier außer- halb des Verfammlun zsronmes zeigt sich die wahre Ausfalsung der Alten gegenüber der Jugend, die kindmmidchenhast betreut werden muß, deren Meinung weniger gilt als das Gackern der Hühner aus dem Hose, und die man wohlwollend beruhigt, wenn die Wogen des Sturmes allzu stark sein sollten. Was wir wollen, dos ist nicht nur di« schöne Aersammlunqs- geste, sonder» die praktisch« Anerkennung durch dl« Allen. Die Gereiztheit der Jungen ist nur erklärbar aus der Intoleranz der Alten, die lächelnd sich über die Jugend hinwegsetzen, oder erbittert schimpfen über die„freche" Jugend, die keine Achtung mehr habe vor dem ehrwürdigen Alter usw. Behandelt einmal die Jugend wirklich als Menschen, die„auch eimnal" eine» vernünftigen Ge- danken äußern und die vielleicht auch einmal eine gute Idee haben können, d!« nicht inimer so unerfahren sind, wie man sie hinstellt, und die auch etwas leisten können, wenn man sie gewähren läßt. Wenn so der Jugend gegenüber gehandelt wird, nicht»u» der tteb«rh«blicl>ke'lt der Alten heraus, sondern aus dein Vcrsiändms heraus gegenüber der Eljtenart der Jungen, dann erhält der Sah: „3Zer Jugend gehört die Zukunft� auch wieder»inen wahren und echten Sinn, der phrajenhast verschüttet wurde. Bringt den Inhalt des Satzes wieder zur wahren Geltung, laßt in der Jugend nicht ein Mißtrauen dagegen ouskomn«», das zugleich ein Mißtrauen gegenüber den Absichten und Menningen der Alten wird, sondern gebt den, Satze einen wirtlichen ehrlich gemcinicn Inhalt. Absichtiich habe ich nichts von den Fehlern der Jugend ge« schrieben, die ebenialls für das Mißversiändnis verantwortlich ist, denn zur Klärung ist es besser, man behandelt selbst mit etwas krassen Farben die eine Seite des Problems, als daß man alle Fehler auf�igend ein Bild mit verschwimnnmdcn Farben gibt. Was wir nicht mehr hören wollen? Di« Phrase von der Ankunft der Jugend, die gerne aus dieses Prädikat verzichtet, wenn sie mehr in der Gegenwart anerfaiuit wird. K. D. Jack London— Llpion Sinclair. Wer hat nicht schon von Jack London»nd Upton Sinclair ge- hör»? Awei der größten Schriftsteller des amerikanischen Prvle- tariots, Kinder derselben Generation, zw«, Lebenswahre trennten sie mir voneinander. Trotz ihrer großen Bersct�denheil in Herkunft und Erziehung trafen sich ihre Lebenswege doch bald; muhten sich tresfen,— kämpften dock) beide jiir das gleiche Ziel, dienten doch beide dem Prcletariqt, für das sie beide die Feder führten, llnd doch find ihre Eharaktere grundverschieden, ihre Auffassungen vom Leben so grundsätzlich ander», daß sich«in« vergleichende Betrachtung »erlohnt. Jack London ist das Kind eines verarmten Farmers. Jedoch gerade das Unglück seine» Baters, die Farm vollständig aus« geben und nach St. Franzisko ziehen zu muffen, läßt Jack in feinem neunten Lebensjahre erst dos Glück zuteil werden, hier«in« Schule besuchen Z» lönnen. Bis dahin waren die weiten Felder sein Spielplatz, Tiere und an manchen Tagen Kinder anderer Farmer seine«achelHesährten,„Männer in schweren Stiefeln, mit mächtigen Fäusten und rauhen Stimmen"' seiae Lehrer. Doch auch in der Stadt biieb der Einfluß der Schul« gering. Drei Jahne konnte er ß» mir dcfuchen. Drei Jahr», in denen die„freie Zeit" ausgefüllt mar mit dem Berkout von„alten Flaschen, Lumpen, altem Eisen, Korn- und Mehlsäcken', oerini Ertrag dazu diente, das Schul- geld zu bestreiten und die ewigen Lücken im Wir�chaftsetat zu Haufe ausküllen zu helfen. Doch bald wurde die Not zu groß. Mit 12 Iahren nutjjle er die Schule oerlassen und arbeitet« nun zwei Jahre lang in einer Dleckwarensabrik. ftani täglich 12 Stunden vor der Malchin« sür 10 Cents die Stunde. Dann aber führte ihn sein Weg zum Hasen, wo er zum Austernräuber wurde, er— der Sechzehnjährige— der„Fürst der Austernbänke" wurde ein Mann unter Männern. Hier begann auch sein« große Fahrt, sein Land- streicherleben: er fährt als„Tramp" durch die Staate» Amerikas, folgt dem Lockrus des Goldes und weilt in den Gewäffern der Südsceinfeln, imirer erfüllt von der nnstiflboren Begierde zu er- keben, immer bereit, alles auf eine Karte zu fetzen, kein Hindernis umgehend, stets gerade auf das Ziel zusteuernd. In diesen unruhigen Jahren gewinnt er seine Ansck�uimq vom Leben, wird er zum Soziatislen. Nicht Bücher jährt«» ihn dorthin, auch keine Schul« »der llniversttät: fönten, das Leben, das Siebrn, dem er selbst sich »oll hingab mit feiner ganzen Urwüchfigteit, und das ihn packt« mit oll der Härte und Grairfamkeit, mtt der es«in Prokekorierkind packen kann. Er aber ging als Sieger aus di»s«m Kampf hervor. Ein Sieger, der mi> 40 Jahren das Leben, den Schauplatz fein«? Kämpfe, schon wieder verließ, krank von den vielen buntfarbigen Likörs und satt des Ledens, dessen„Lust, Reichtum und Ruhm sich aus feinen Lippen in Asche verwandelt hatte'. Ander» als das Leben Jack Londons verläuft dos N p t o n S i» e l a i r s. Kind eine» Bürgerhauses, konnte er von Ansang an regelmäßig dl« Schule in Baltimore bef.nhen, wo fein» Eltern wohnten, um noch deren Abschluß die Unwerfitäl in New Port zu beziehen. Doch h:«r wich er schon von ber vorgeschriebenen Lauf- bahn ab, pvdierte er nur die Dinge, die chn interessierten, und ver- nachiäßig!« die anderen. Vis Jack London noch in der Blechwaren- fadrik stanzte, begann llpton Sinclair schon zu schreiben. Mit 15 Lohren wurde es schon feine Haupteinnahmegueil«. Aber e» waren kein« fogiatipilchen Effaiis, die er schrieb, sondern Humor«- ken, Novellen und andere harmlose Geschichten. Erst nach seinem 2» Lebensjahre, als er Sozialist geworben war. begann er, die Werke zu schreiben, durch welche«r dem Proletariat bekannt wurde. Doch sein Weg zum Sogialismu» kam aus einer anderen Richtung als der Jack Londons. Woher er kam, sagt Upton Sinrlair lelblt: „Was mich zum Sozialismus brachte, war mehr dos Christentum als irgend etwa andere».' Jetzt begann Upton Sinrlair sich eins zu fühlen mit dem Proletariat, ging er i» dieses hinein, lernte er die Leiden des Proletariers kennen nnd Ktt mit ihm Monatelang arbeitete er in den Schlachthäusern von Chikago. spürt« das Elend dieses„Sumpfes' am eigene» Leibe und durchforscht« mit seinem Intellekt die Ursachen dieser Not. Dann riß er draußen der Kapitalistencliqn« die Moste vcm Gesicht, indem»r seinen Roman „Der Sumpf' schuf. Tatsachen waren die Grundlage, aus der er seine Romane ausbaute. Da» sehen wir im„Sumps', im„Jirnrnl Higgings", in einem seiner neueste» Werk«„Pelroieum', und Tatsachen werden auch da» Fundament seines kommenden Ronmues „Boston' bilden. Dem„Pelroieum' liegen die großen Oelskandale zugrunde, im„Boston' wird die Affäre Sacc»»nd Danzetti den Stoff liesern. Gleich ein«» Habicht kchwebi stptvn Sinclair über Amerika, ausspähend nach t«n gröbsten t ilerstellen des Kapitalismus, um sich dann herabzustürzen, und in sie h.neinzuwMen Und der Haß der kapitaltragenden Kreise verfolgt daher ihn: den ,Schmutzouswirblcr'. So duldet er nirgends reriMende Masken. Alles durchdringt er, überall läßt er uns das Wesentliche, die Ur- fache der Dinge fehen. Die Berfchiedenartigkelt des Lebens beider Schriftsteller läßt di« verschiede na rtigkeit ihrer Arbeiten verstehen. Bewußt ging Upton Smeiair in di« Schiachthäufer Ehikagc» um der Welt di« Zustände zu schildern. Er konnte feine Au Wabe. Jack London aber lebte sein Leben aus feinen Trieben Hera»»,>chn« zu wissen, daß er jemals schreiben würde. Er kommt vcm Quell des Leben« und gibt den Mer/chen von feiner unerschöpflichen Füll«, er kommt ans den Elendsguartieren des Protetariots und schildert au» dem Erleben heraus, wie dem Arbeiter zumute ist, der zwölf Stunden on ber Maschine stand und nur noch dt« Kraft besitzt, sich zur nächste» Destille zu schleppen. Hat er doch selbst am eigenen Leibe dos alle» erlebt. Upton Sinclair kommt von draußen, er muß erst hineingehen in dies« Elendsqsarliere, er ist niemals in die Kneipen gegangen, hat niemals erlebt, daß di« lange Arbeitszeit der Weg ist der von der Fabrik zur Kneipe führt. Wohl weiß er um de« Dinge, aber er hat sie nicht erfahren. Upton Sinclair meidet den Alkohol. In so mauehem Brief und mancher Diskussion zwischen Jack London und Uplon Sinclair, di« früh Freund« geworden waren, spielt das Problem des Alkohols und auch das der Sexualität«in« Rolle. Upton Sinclair trat für Bfkef«, für Mäßigung, für Disziplin des Lebens ein. Er war für Jack London der„Wefchkappen" wie er selbst schreibt. Iock London aber war der Slollblutrnensch. für den « nur ein Sichausleben gab. Er, der aus dem Bollen gab, wollt« aus dem Bollen schöpfen. Und diese überwuchernde Ledenskraft machte für die Amerikaner feine Kurzgeschichten so lesenswert. Wohl wenige sind durch Schrifkftellerei z» st» schnellem Reichtum gelangt wie Jack London. Während er lchon Erfolge buchen konnte und »u den meistgelesenen Schriftstellern Amerikas zählte, mußte Upton Sinclair noch zäh kämpfen, um sich derrchgafetzen. Desien R»- mone, die Anklagefchristen gegen den Kapita!i«nu», wollte Hein Ber- toty nehmen, und nur durch Jack Londons Hilf« gelang es dem damals SOtZhrigen Uptvn Sinclair, dos Buch„Der Eumpj' heraussubringer», das schnell nach Europa herüberkam und feinen heutigen Ruf als protetarifchen Schristftelier begründete So verschieden der Weg war. der beide zum Sozialismus führte, so verschieden die Methoden sind, nach denen sie arbeiteten, und so entgegengesetzt lhoe Auftaffung von der Gestaltung de» eigene,! Leben» war, so einig waren sie in der Aussassung ihr« Aufgaben und ihres Ziel«»: der tätigen Mithilfe im Kampfe des Proletariats um die Freiwcrdunq der Menschheit von den Kette« ein« falschen Gesellschastsordnunz. Wohl ist Jack London vorzeitig vom Tode«reitt worden: aber noch lange nicht sind feine Bücher von uns als Proietarieriugend ausgeschöpft. Biel« warten noch ber Ueberfetzung, unter diesen«in groß« Teil feiner sozialistifchen Essays. Und Upton Sinclair steht noch in ber Kampfbahn, uuer» müdlich neue Lanzen für den Kampf des Pevletor�ats»inlegend. A r k u r Reichardt. Herbst. Der werten Wälder Tvderflawme», Der späten Blunren bunte Fracht, Wie schlägt r!« Sarbennieer zusarnrne» Dem Herbst, de, solch« Glnt entsacht. taKt keine schwache Wehmut riuncn. Wenn avch Altweibersommer Aleht. VMe zag war doch das 5enAbegluner» Tbrd ward ein solches Erntetted. 2??arla soll die Fäden weben Für selne Schläsen welAas Haar...» Doch er. w glühendem Erleben Wir steht er da so mlttagsklar. Wie fällt von seinen starken Gliedern Der leht« grau« DIebetstreif. Wie sanchzet er in Sonnenliedern Und haucht er sort den SSloxQtnxtlf, 'Wie lehret er schon alle»'Winden Sein stolzes, starkes Etnrrngeb-tx Dah sie ihn brausend wlederfinden» Wenn es mit lhm zn Ende geht. Br»»» Schöntank. au».«,»»—>»»«,»»'.«ß-a-aMd-«»»» l�fj Aus der Bewe�una Oer Vormarsch der EA). Es gcht w«tter voran in der sozialistischen Jugendbewegung. In den Monaten Juli und August wurden wiederum 17 neu« Orts- gruppen gegründet. Der gut« Verlauf des Reichsjugendtage» in Aortmund hat die Werbetätigkeit stark angeregt. So berichtet der Bezirk Hall«-Merseburgs „So können wir mit Stolz feststellen, daß unser Bezirk In dem letzten halben Jahr um zehn neue Ortsgruppen vergrößert werden tonnt«. Bot Beginn des Jahres konnten wir 25 Gruppen mustern, «BähKnb e» heute bereits 35 lind!" Dabei ist zu bedenken, daß in diesem Gebiet durch das unselige Wirken der Kommunisten, de- sonder» im mitteldeutschen Ausstand, der Boden für die Arbeiter- bewegung äußerst steinig ist. Eine ebenso erfreuliche Meldung kommt au» der Pfalz. Die dortige Bezirksleitung schreibt:„Beiliegend der Berichtsbogen für das zweite Ouartat. Ergänzend möchte ich be- merten, daß wir zum Abschluß de» dritten Quartals über 19 Bereine mit 620 Mitgliedern berichten können. Demnach ist unsere Mit- gliederzahl um 229 vom ersten Quartal gestiegen.' Exetuttvkomiteesihuna der Iuqend«Internationale. Das Bureau der Sozialistischen Iugendinternationale hat die angeschlossenen Berbänd« zu der diesjährigen Sitzung des Exe- tutiokomitee» eingeladen. Die Tagung wird am 16 Ro- vember in P r a tz stattfinden. Die Tagesordnung ist sehr reichhaltig. Sie enthält zunächst eine Reihe von Berichten. Genosie Ollenhauer erstattet den Geschnstsbericht d«» Sekretariat». Genosie Kimml de- richtet über die Arbeiten des Komitees für Jugendsragen beim Internationalen Gewerkschastsbund. Genosse Paul-Prag wird über die Verhandlungen berichten die die Sozialistisch« Jugendinternatio- pale mit der Sozialistischen Arbetter-Sportinternationale und der Sozialistischen Erziehungsinternationale über ein engere» Zu- sammenarbeiten geführt hat. Einen besonderen Punkt der Tagesordnung bildet der Bericht tiber den Brüsseler Kongreß der Sozialistischen Arbeiterinternatio- nale, da hier die für die Jugendverbande so wichtig« Frage der Abrüstung eingehend besprochen werden soll. Einen wesentlichen Teil der Sitzung werden die Beratungen über die großen internationalen Veranstaltungen des nächsten Jahres, da» zweite internationale sozialistische Jugendtressen und der dritte internationale sozialistische Jugendkongreß, ausfüllen. Beide Leranstaltungeu finden bekanntlich Mitte Juli 1929 in Wien statt. Der Sitzung des Exekutivkomitees geht am 15. November eine Sitzung des Bureaus voraus. Eine sozialistische Jugendorganisation in Argentinien. Da» Sekretariat der Soziasistischen Jugendinternational« hat au» B u e n o» Aires die Mitteilung von der Gründung einer jo- tzialistischen Jugendorganisation erhalten, die in engster Verbindung mit der der Sozialistischen Arbeiter-Jnternatlonale angehörenden Sozialistischen Partei die Organisierung der argentinischen Jugend In Angriff nehmen will. Der junge Verband hat vom internatio- «alen Sekretariat Material über die Organisation der Sozialistischen Äugendarbeit angefordert, um seinen Anschluß an unsere Internatio« nale vollziehen zu können. ifeÄ Rundschau 123 n�i JS Oer kommunistische Pazifismus. Die Kommunistische Jugend gehört mit zu den Veranstaltern de» famosen Volksbegehren» gegen den Bau von Panzerkreuzern. Sie gebärdet sich jetzt als eine radikale pazifistische Bewegung. In diesem Fall wirkt der Gesinnungswechsel besonders verlegen, weil aerade die Kommunistische Jugend, in erster Linie die russische Organisation an Begeisterung für Militarismus und Knegsfpielerel nt«ht zu übertreffen ist. Wie die„Praroda" am 26. Juli berichtet, wurde der russischen kommuntsttschen Jugend anläßlich de» zehn- jährigen Jubiläums der Roten Armee ein Ordenszeichen der „Roten Armee' verliehen. Darauf haben die Jungkommunisten einen Eid gelelslet. in dem sie u. a. feierlich versprachen:«).heilig und unzerstörbar die ruhmvollen Traditionen der Roten Armee und der Roten Flotte zu bewahren' und bs.die gegenwärtig« Atempause auszunutzen, um die Waffen handhaben zu lernen, und zwar das Gewehr, das Maschinengewehr, die Gasmaske und im Gefahrenfall Divisionen der Scharfschützen, Schwadronen der un- erschrockenen Kavalleristen, Abteilungen der furchtlosen Krieg»- ftteger, Rotarmisten usw. zur Verfügung zu stellen. Der Monat Juli ist in Rußland für gewöhnlich die Zelt einer besonders regen militärischen Propaganda. In Moskau wurde zu btefem Zweck ein zweitägiger.militärischer Feldzug" der Jugend »eranstaltet. Ueber die Vorbereitungen zu diesem.Feldzug' schreibt bte„Prawda' samtliches Organ der Sowjetregierung in Moskau) «m 13. Juli 1928:„Der für den 14. und 15. Juli angesetzte mili- tärische Feldzug der Arbeiterjugend Moskaus verspricht fehr Inter- «slant zu werden. Am Feldzug werden 2500 Personen teilnehmen. Beteiligt ist dl« Arbeiterjugend de» Kreml, der Roten Presnja und 9»K Sokolnikt. Die Hauptleitung der Manöver hat der stellver- tretend« Dolkskommissar für Heer und Marine, Genosse S. S. Kamenew, übernommen. Die Kam mundo laders werden zu- sammengesetzt sein aus den militärischen Leitern der Hochschulen, den Lettern der Militärtabinctte, den Kommandeuren und Kursus- teilnehmcrn der Schicke des Zeiitralexekutivkomitees und den Reservekommandenren. E» werden doppelseitig« Manöver veranstaltet werden, die Teilnehmer des Fcldzugcs werden in Rote und Blau« eingeteilt werden... Zur Steigerung der belehrenden Wirkung der Manöver werden beide Parteien mit Tanks, Flugzeugen, Feu«rwerfern, Fahrrädern, chemischen Angriffsmitteln, Verbindungsmitteln stech- nischen Mitteln sowie Kriegstauben und Militärhunden) ausgerüstet werden. Zwei Wochen vor dem Feldzug wurden große Borbereltungs- arbeiten zur militärischen Unterweisung der Jugend durchgeführt. E» wurde Unterricht in Taktik erteilt, die Teilnehmer des Feld- zuges wurden mit der Landkarte und den Aufgaben der Abteilun- gen und der Horchposten vertraut gemacht. Während der Manöver selbst werden von den Kommandeuren belehrende Ausklärungen er» teilt werden. Di« Manöver werden mit einer allgemeinen Zu» sammenfaffu.ig und mit Kampfschießen beendet werden. Die Mehr» zahl der Teilnehmer der Manöver wird mit Iungsturmuniform be» kleidet sein und volle Bewaffnung und Feldausrüstung erhalten...- Das ist doch eine herrliche Illustration zu dem neuesten Kampf- ruf der Kommunisten:„Nie wieder Krieg!" Die Jagend and die„rote Gefahr". Im bürgerlichen Lager hat der Ausgang der Maiwahlen ver- wirrend gewirkt. Der starte Zuzug, den die Sozialdemokratie au» den Rethen der Jungwähler erhalten hat, hat im gegnerischen Lager zu einer heftigen Erörterung des„Iugendproblems" geführt. Man spricht wieder von der.roten Gefahr". Kürzlich ist ein .Presiedienst der deutschen Jugendbewegung" gegründet worden. Der Name läßt den Anschein erwecken, al» handle es sich um eint neutrale, überbündische Einrichtung, die die deutsche Press« mit Material aus allen Lagern der deutschen Jugendverbünde versorgen möchte. Di« wahren Absichten werben jedoch in einem Schreiben des Leiters des Presiedienstes. Werner Kindt, erkannt, das«c an die bürgerlich« Presse gerichtet hat. Darin heißt es: „Die Maiwahlen haben auch weiteren Kreisen bewußt ge» macht, daß die Verbindung zwischen der heute führenden Gene- ration und der Jugend nicht so sest ist, wie dies im Interess« der Zukunft unseres Volkes läge. Fast über Nacht ist dies« Tat- sache und das Problem ihrer Ueberwindung zu einem der mit am stärksten diskutierten Themen der deutschen Innenpolitik ge- worden. Ini Zusammenhang« hiermit möchte der Unterzeichnete auf das Ergebnis einer Erhebung aufmerksam machen, die er im Frühjahr d. I. im Auftrage der Ausstellungsleitting der .Pressa' für die Abteilung„Jugend und Presse" unternommen hat: Von den mehr als 3200 Zeitungen der bürgerlichen Presse aller Richtungen haben nur ungefähr 50 Tageszeitungen—- also etwa 154 Proz.— ständige Iugendbeilogen. Von de» etwa 160 sozialdemokratischen Tagesblättern dagegen verfügen rund 110=- 68 Proz. über eine Jugendbeilage. Sie werden gewiß mit mir darin übereinstimmen, daß diese Zahlen eine deutlich« Sprach« reden und nicht ganz ohne Einfluß auf die Ent» fremdung der Jugend au» den Lagern der bürgerlichen Parteien geblleben sein dürsten...' Run. wir können in Ruh« abwarten, ob«» dem Pressedienst Werner Kindts gelingt, die„Entfremdung der Jugend" aufzuhalten. Kommunistische Zahlen. In der kommunistischen fugend-Internationale" wurde kürzlich mitgeteilt, daß die Mitgliedschaft der Kommunistischen Jugend- Internationale außerhalb Sowjetrußland im Oktober 1927 109000 b«trug. E» wird wetter bemerkt, daß man den russischen Jugendverband nicht«inbeziehen könne, da er unter anderen Ver- hältntssen arbeit« und so zu einer Mitgkiederzahl von 1.9 Mil» lionen Jugendlicher komm«. Wir haben da» schon immer behauptet, denn die staatlich« Jugendpflege in Rußland, die sich kommunistischer Jugendverband nennt, hat mit selbständiger Jugendorganisation nicht» zu tun. Wenn wir also nun einmal die übrig bleibenden 100 000 in der ganzen Well ansehen, dann steht diese Zahl schon in einem recht «igenartigen Verhältnis zu den großsprecherischen Reden d«r Kam- munisten. Unsere Jnternattonale ist jedenfalls erheblich stärker. denn sie zählt außerhalb Rußland 195 000 Mitglieder. Dabei Ist zu bedenken, daß die Kommunisten nicht sagen, in welchen Ländern diese 109000 Mitglieder sitzen: denn es ist sehr wahrscheinlich, daß di« Berbände mitgezählt sind, die nur in der Phantasie der Kommu- nisten bestehen Hinzu kommt, daß die Kommunisten selbst bei diesen Zahlen jedes Mitglied doppelt gezählt haben dürften, da da, zu ihren Propagandamitteln gehört. Wir sind aber gern bereit, mit den Kommunisten einmal ernsthaft über die Stärke der beiden Internationalen zu diskutieren, wenn sie eine Ausstellung beibrlugen, aus der die Verteilung der Mit- glieder auf die einzelnen Berbände hervorgeht, so wie wir seit Jahr und Tag öffentlich über unsere Bewegung berichten. Außerdem mögen die Kommunisten noch beifügen eine Aufstellung der Bei- träge, die die einzelnen Berbände an ihr« Internationale geleistet haben, damit auch an diesen Zahlen die Leistungsfähigkeit abge- schätzt werden kann.