Zuaend-Vorwarls 3Ir, 4 Beilage zum Vorwärts 30. April 1930 Maitag ist Kampftag! Maiaufruf der Sozialistischen Lugend-Lnternationale. Juzent>g«noti«nl Unser vorjähriger Moimjfruf nwr gleichzeitig ein letzter Appell an alle, sür die hohen Ziele des Welt- feiertags der Arbeit auf dem zweiten internationalen Jugendtreffen in Wien zu demonstrieren. Mit Stolz erinner» wir uns heute an die unvergleichlich schön« Kundgebung der SO 000 jungen Sozialisten im roten Wien. Unsere Internationale ist ein Kraftzentrum der internationalen faziolistifchen Arbeiterbewegung geworden, und Wien hat neu«, starke Impulse in allen Teilen der sozialistischen Bewegung ausgelöst. Wir find wieder im Vormarscht Auf dem Wiener Kongreß konnten wir über ein« Steigerung der Mitgliederzohl im Jahr« 1928 am rund 30000 aus 220000 be« richten. Das Jahr 1929 hat neue Erfolge gebracht, wir haben in diesem Jahr die ViertelmUlion fast erreicht. An diesem neuen Auf- stieg sind all« Verbände betelltgt, die die Möglichkeit zur unge- hinderten öffentlichen Arbeit habe». Am 1. Mai, dem Tag der internationalen Sammlung der Arbeiterschaft, fordern wir euch auf, in der Werbung für die Ideen des Soziaiismus unter der arbeitenden Jugend nicht zu erlahmen. Millionen junger Arbeiter und Arbeiterinnen stehen noch abfelt». Sie leiden die gleich« Rot, und sie tragen die gleiche Sehnsucht im Herzen. Sie gehören alle in unsere Reihen. Waikag ist Werbelagt N-utzen wir die Stunde, denn große Aufgaben liegen vor uns. Die internationale sozialistische Arbeiterbewegung steht noch immer in einem schweren Kampf mn die Demokratie. Hinter uns liegt ein Jahr harter Kämpfe gegen Faschismus und Reaktion. In Oester- reich wehrte die Arbeiterschaft den hartnäckigen Angriff des Faschismus auf die Demokratie erfolgreich ab. In Polen haben die Sozialisten die llebergriffe des Diktators zurückgeiwefen. In Litauen verschwand Woldemara», in Spanien Primo de River«. Die Demokratie hat sich behauptet dank der entschlossenen Gegenwehr der organisierten Arbeiterschaft. Mailag ist Kampftags Der Kamps mn dl« Dernakratie ist noch nicht zu End«, der Faschismus gibt da» Spiel noch nicht verloren. Er soll darum wissen, daß die junge Arbeiterschaft an der Seit« der erwachsenen Arbeiterschaft ficht, wenn e» gilt. Demokratie nnd Sozialismus gegen Unterdrückung und Reaktion zu behaupten. Es geht in diesem Kampf auch um unser« Freiheit, denn die Erfahrung lehrt, daß freiheitliche Jugenderziehung, Jugendrecht und Jugendschuh die ersten Opfer eines faschistischen Regimes sind. Wir lenken euren Blick an diesem Maiseiertag aber auch auf das große Ringen nm dl« Abrüstung. Di« englische Arbeiter- regierung hat mit großer Energie den Versuch unternommen, den Weg zur Abrüstung der Völker freizumachen. Di« Verhandlungen der Londoner Konserenz zeigen die Widerstand«, di« heut« noch einer sozialistischen Regierung in ihrem ernsthaften Bemühen um den Weltsrieden entgegengesetzt werden. Statt Abrüstung droht neue Aufrüstung. Wir wollen darum�gl, die junge Generation des Sozialismus unser Bekenntnis zum Weltfrieden und zur Völker- Verständigung erneuern. U eberall da, wo di« Arbeiterbewegung diesem Ziel in der praktischen Politik näherzutonunen oeriucht, soll sie auf unsere Unterstützung rechnen können. � Kampf dem Zaschismusk Kampf dem Kriegsgeisti Die!« beiden Parolen stellen wir an die Spitze unserer Willens- kundgebung, denn Faschismus und Kriegsgeift find die größten Widersacher jedes sozialen Fortschritts und joder freien sozialistischen Jugenderziehung.—- Jugendgenossen, Jugendgenosflnnenl Jahr um Jahr haben wir am 1. Mai unsere roten Fahnen zum Zeichen unseres eMschlossmn Kampfeswillens durch die Straßen getrogen. Wir sind damit der schönsten Tradition der internationalen Arbeiterbewegung gefolgt, der Tradition der internationalen Solidarität. Dieser Traditio« wollen wir auch in diesem Jahr treu bleiben. Wenn in Stadt und Land die Arbeiterorganisationen zu den Aufmärschen de» 1. Mat aufrufen, dann stellen wir uns In die vordersten Reihen. Wir marschiere« miti Es lebe die internationale sozialistische Zugeudbewegungt Es lebe Välkerfriede uad Sozialismus! Das Büro der Sozialistlschen Zngend Znlernalioaale: Karl Heinz- Wien, Erich Ollenhauer- Berltch Ernst Paul- Prag, Koos V o r r i n t- Amsterdam, Hans 5) a n s e n- Kopenhagen, Ludwik C o h n- Warschau, Joses M a r t e l- Braine-ie-Comte. Jugend heraus! Nur nicht brütend hingegangen Täglich in dem Niedern Joch. Den» das Sehnen und Verlang«« Und die Tat sie blieb uNs doch Karl Marx. Der erste Mai ist die Auferstehung des Proletariats. Aufruf zur Tat. Aufruf zur Besinnung. Geschichte bereits und Zukunft zugleich. Die Gegenwart ist Brück« und heißt: Kampf. Der Sozialismus ist der Kampf der Idee gegen den seichten Materialismus der bürgerlichen Ordnung. Er will die Befreiung der Menschen von den materiellen Fesseln für die Freiheit des Geistes und Verwirklichung einer neuen Kultur, in dercm Mittelpunkt der Mensch und nicht irgend- welche Götzen stehen: Profit. Mehrwert, Ware. Sozialismus ist der Kampf der Bernunft gegen das Borurteil— der Gerechtigkeit gegen die Ungerechtigkeit— der Unterdrückten gegen die Unterdrücker. Der Kampf für die Verwirklichung der menschlichen Güte, der Brüderlichkeit. Der Kampf der Wahrheit gegen die Unwissenheit, Heuchelei und des Muckertums, für freies Menschentum. Er hat den Proletarier die Würde des Menschen gelehrt. Der Sozialismus hat den Sinn einer neuen empor» steigenden Welt geoffenbart: daß sich das Volt wirt- fchaftlich u-nd politisch selbst reg leren will. Die Idee des Sozialismus hat die Klarheit eines Sonnen- aufganges— die das Wahre erleuchtet— den Aberglauben. das Dunkle zerstört. Die neue Ordnung ist proklamiert: Keine andere Herrschermacht als das Gefetz durch und für das Volk. Gleich die Rechte— gleich die Pflichten! Wohl heißt noch immer Macht: Gewalt. Sie ist in den Antlagezustand versetzt— die Wahrheit marschiert die künstliche Verblendung durch die alten Herrschermächte verschwindet und verblaßt. Der Soziakismu? wird die Welt verändern. Freies Land. wir wölken nicht in dumpfer Gruft verlohen wie ein Brand. wir wollen ticht, wir wollen tust, wir wollen freiea Land. wir wollen starke?eu«r fein 3m wind, im freien wind. wir wollen in die Welt hinein. wo unfere Brüder find. Und treffen wir im fernen Land vie gleichgepnnte Schar, vann brennt begeistert kfand in lfand Und tilgt, was früher war. Und tilgt den Hätz und tilgt die Wut, vi« einst die Welt zerriß— von ist auch unferem jungen Blut Gin neuer Mai gewist. Tin Mai, der pulst—«in Mal, der ruft— Gin Mai, nuz blutverwandt. ver gibt ua» licht und gibt ons lust Und gib« uns freies land. Robert Seist. politische Erziehung der Lugend. Zur Zieichskonferenz der SA), in Lünrbarg. vi« Eanmilung der Kräfte I» allen politische» Lagern ist ein Zeichen der Zeit.'Wenn dabei die Jugend besonders»miftritten >md ,m» vovben stärker als srüber auf den Plan tritt, fo ist das fekbstverständlich; de im rund 4 Millionen Jugendlicher im Alter von 14— 18 Jachren stechen Im Erwerbsleben,«ich bei den legten Wal/en 8 nn Reichstag wurden rund 3V Aiankwt« von der Jugend gewühlt. ür die sozialistisch« Bewegung muh dieser Kamps inn die Jugend »on stärkstem Interesse sein, denn die junge(Seneration wird es einnral fei», die später tatkräslig zugreisen und die Arbeit weiier- fiichren muh, dein Soziatiermis entgegen. Idie 8. Reichskonserenz der 5AJ. in Lünelnir� Hai!« min die Ausgabe, zu untersuchen, od einmal der Orgrmisatwnsapparot der Bewegung den an ihn gestellten Ansorderiingen gerecht werden kann, dann aber auch aufzuzeigen, wie sich die Arbeit in der Zutuwt gestalten soll. Der tSeschästsbcricht, den die Genossin Küche gröh- drodt gab,.zeigte, daß die Bewegung stark genug ist. um die ihr gestellten Ausgaben zu erfüllen. 7000 neue Mitglieder kamen in die Bewegung, über 250 neue Ortsgruppen wurden gegründet. Drei Punkt« aber sind aus diesem Bericht besonders sestzuchalten: Die Mädel haben in der AuswärtsentwickUmg der Bewegung nicht Schritt halten können, 75 Progent der'Mitglieder sind ausgesprochen stmge Genossen, und dann die einhellig« Fkststelim-rg der gesamten Konferenz, oost die Aelterenorbest noch immer nicht gelöst Ist. Die Diskussionen zum Bericht des Genossen Weber über die Preste und das Reicrat Erich Ollenhauers bestätigten besonders die Cchrvierigkeitcn der letztgcnawiten Frage. Aussprachen über die Arbeit gehören selbstverständlich aus eine Reichstonserenz, aber hier standen nicht Arbcitesragen zur Debatte, sondern rein pot irische Frag«». Die Bedeutung der Jugendsüchnrng wurde erneut sier immer darüber klar, dost der Einstust des einzetne» A eiteren durchaus nicht zu uuterschäg«n E Wir vertreten auch heul« noch di« Aufjassung, dast der Aeltere nicht leiten lassen dars von feinem persölÄichen Wissen, son- n sich einstellt aus die gedanklichen Aussasftingen und Bedürf- niss« der jüngeren Jahrgänge der Organisation. Die Diskussion in Lüneburg wäirde zu einer Parleidlskustiou, In der man vergast, dast die Bewegung sich einstellen must aus die Tatsache, dast wir 14— ZOj ährige Burschen und Mädel aus Stadt uud Land in unseren Neichen erfassen. Wir leben nicht von Auseinandersetnmgc» der Partei, sondern von der'Arbeit sür und am einzelnen Jugendticheii. Je mehr wir uns daraus einstelle» können, den Interessen dieser Alterslchichten gerecht zu werden, je größer wird der Kreis derer sein, die wir erfassen, on die wir die sozialistische Idee heranbringen, die wir einmal zu aktivem Nachwuchs der sozialistischen Arbeiter- bewegung heranbilden wollen. Wir seien uns aber aus jeden Fall der Berantwortung bewUßt. die wir damit übernehmen. Bor mir liegt rin Artikel einer Berliner Begirkszeitung, in der«in einmal leitend tütig gewesener Genosse solgendes schreibt:.Schon die Bc- jahung einer politischen E'r.ziechuug der Jugend ist als Forlschritt zu bezeichnen, wenn man bedenkt, dast noch vor wenige» Jachren der SM. laut Berliner Statut verboten wurde, sich mit„Tages- Politik" zu beschästigen. Die allgemeine Entwicklung halte mit diesem »ermattetem Standpunkt lurezn Prozeß gemacht, und auch der Versuch des Hauptvorstandes, aus der Not eine Tugend inachend, den natürlichen Drang der Jugend zur politischen Betätigung in eine schwarzrotgoldene slaotsbesachende Begeisterung umzumünzen, scheiterte nur allzu schnell." Man halte demgegenüber, was Engelbert Gros kürzlich über die poti tische Erziehung der Jugend ge- schrieben hat:«Einer eigenen Pomifienmg mit selbst erarbeiteten politischen Ideen wird mir eine relativ kleine Zahl älterer Jugend- licher.zugänglich sein." Ut'i> weiter:„Opposition, möglichst lärmende Opposition, sie wird in dieser Phase für den Jugendlichen zu einem Mittel, sich selbst zu beweise»! und oft entscheidist bei ihm nicht die Güte und innere Berechtigung einer Sache, sondern der„äußer- liche" Klamauk." Es ist leicht, durch ein paar radikale Redensarien, wie es die Säße des Berliner Genossen sind, die Lugend für eine Sache zu begeistern, es ist aber schwer, sie anfzuk'ären über oft ganz einfache Dinge der praktischen Arbsit. Mir kam es daraus an, mit aller Deutlichkeit diese Dinge her- auszustellen, die auch ein Ergebnis unserer Konseren., in Lüneburg sinn können, und die gipscl» können in dem lotsten Absatz der po- titischen Resolution des Hauptvorswndes: «Das Ziel der politischen Erziechnngsarbeit»st die Heran- bildung eines geschiiltc» Rachrouchses der sozialistischen Arbeiter- beu>cgung. Sie muß daher skeis getragen sein von dem Bestreben, In der Jugend den Willen zur Betätiguna»n der Arbeiterbewegung zu wecken und sie anzuspornen, in der Partei unmittelbar an der politischen Willensbildung und»m politischen Kamps der Arbeiter- schalst teilzunehmen." L.riel, l-intislaeiit. parteiweihe. In einer An, zahl Abteiwngcn der Berliner Sozialdemokratie ist in den letzten Togen und Wochen der feierliche Ueberttitt achtzehn- jähriger Mitglieder der SAJ. in d!« Partei vollzogen worden. Am 1. Mai werden weitere sölgen, fo daß aniohijch unseres Feiertages auch in langjähriger Arbeit durch die SAJ. geschul! e neu« Mitstreiter für die Partei zu verzeichnen sind. Di« Parieimeihe ist«ine Ver- enstaltung, die. vor«inigen Jahren ansgerujen, sich schnell eingesührt hat und dem 1. Mai unserer Partei«ine besondere Not« verleiht. Der Tag, der die Massenansmärsche der Proletarier in aller Weit sür den Soziaiismus erlebt, ist auch die würdigste Gelegenheit, um dem jungen Arbeiter und der jungen Arbeiterin zu lehren, daß das Gehein�iis des sozialen Fortschritt«» im Zusammenhalten der ar- bellenden Menschen begründet liegt. In einem Fall hat di« Partei- weihe der Jungen eine besonders seiertiche Not« erhalten, indem sie gleichzeitig mit einer Ehrung unserer Parteijubilar« verknupft wurde. Genossinnen und Genossen, die schon jnr Zeit des Sozialistengesetzes dkr Partei beitraten, waren sur ine neuen Mitkiimpscr die oindrlng» lichste Mahnung, der Bewegung die junge Kraft restlos zu geben, Unter der Jugend herrscht für die Bestrebungen der Partei Eympathie, obwohl nicht geleugnet werden darf, daß sich dies« '.Swpathie nicht immer in der einzig richtigen Schlußfolgerung, näm» lich dem Anschluß an die Partei, bekundet. Es ist sogar kerne Selten»)« it, daß die wahlfähigen Jungwähler in vielen Fällen mich mit der Stiinnwbgabc zögern und ihr wichtiges politisches Recht nicht ausüben. In einem Zeitpunkt, der sich vor allen Dingen für die Jugend politisch dadurch auszeichnet, daß„nationalsozialistische Sturmtrupps" und„amifaschistische sunge Garden" besonders eifrig um den Jungwähler werben und ihre Aktivität dazu näßbrauchen, um politische Rechte der Jugend zu diskreditieren und vor der Dessen tlichfrit verächtlich zu machen, nmß es als besondere Ausgab« der Sozialdemokratie gelten, daß sie den jungen Kräften in den eigenen Reihen Raum gibt, um mit diesen die Vorstöße der komnmnistischen und nationaljozialistischcn Kräfte unter der Jugend unwirksam M machen. Der Auftand der Bereitschaft, in dem sich die Jugend der Partei icUioeif« befindet, muß durch einen kräftigen Alarm abgelöst werden. Die Sozialdemokratie besitzt in der Jugend starke Reserven, die daraus warten, die Abläsmig vorzunehmen, um selbst und erfolgreich am Kamps um die eigene Sache teilnehmen zu können. Die sozialistische Arbeiterbewegung begeht diesntal zum vierzig- sten Male die Feier des 1. Mai. Jahrzehnt« erfolgreichen, aber auch schweren Kampfes kiegen hinter der Bewegung. Daß die Kämpfe der Gegenwort und Zukunft nicht minder schwierig sein werden, kehrten die letzten Wochen in der Politik. Wunsch der Jugend an die Partei anläßlich der Jubelfeier ist, beachtet die neue Frontstellung unter den politischen Kräften, berücksichtigt den Kamps um die * Jugend und führt eure siegesgewissen Reserven, die„Junge Garde", ins Gefecht, damit sie im bedeutsamen Kamps« der Gegemvart sich schulen und stählen kann, um in der Zukunft das Werk der Vor- kämpf er mit dein Siege zu krönen. Ludwig Dicdcrich. Mi der Arbeiterjugend auf Fahrt. Wenn der Frühling naht, dann bleibe» wir nicht in den Stuben Hocken. Don» geht's hinous in Feld und Wold, über Berge und Täler, durch Städte und Dörfer. Dann ziehen wir hinaus, erfreuen Uns an der Natur und gehen frisch und gestärkt wieder an die Arbeit. Wir lernen auf eigenen Füßen stehen, mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Ohren hören. Wir brauchen gesund« SJLn- fchen, Menschen mit freiem Sinn und klarem Blick. Die Pflege des Körpers muß deshalb mit der Pflege des Geistes Hannomsch ineinandergreifen. Darum wandern wir. Wir brauchen, Freude I Tagtäglich sind wir jungen Arbeiter und Arbeiterinnen eingespannt in eine eintönige Arbeit; denen, die keine Arbeitsstelle haben, also arbeitslos sind, ergeht es noch schlechter. Da wird mancher müde und gleichgültig. Zluf unseren Wanderungen «der erwächst neuer Mut im Kreis« Gleichgesinnter. Nicht ver- Hessen wollen wir die alltäglichen Sorgen. Reuen Kampfgeist wollen «Kr mit zurückbringen. Davum brauchen wir Freude, suchen sie, wo sie am billigsten zu haben ist: in der Nawr. Bei heiterem Spiel tgut auch der Vergrämteste aus. Sonn», Blumen«»cd Waldesduft tragen dazu bei Lustig wird über Felsen geklettert und kein Hindernis ist zu groß. Heiter wird es, wenn die Jungen» ihre Kochkünste zeigen wollen. Tressahrten mit anderen Gruppen sind immer ein srenbiges Erlebnis. Wir wollen auf unseren Wanderungen aber auch lernen. Das Hönze Werden«nscres Erdballs wird ausgerollt, wenn in einem Steinbruch irgendwelche fossilen Pflanzen- oder Tierreste gesunden »Verden. Di« Eide selbst wird uns zum lebendigsten Buch. Wenn » wir Geschichte studieren, suchen nur auch die alten Kultstötten, Aus- grolmnqcn und Muleen aus. Antike Bauwerk« erinnern an d>? Römerherischast. Ringwälle zeugen von den mühsam errichteten Derlei digungs werken der Ureinwohner. Das Mittelalter erscheint vor uns in schönen Jachwerkbanten und hohen Domen. Doch wenn wir in die Stadt kommen, dann besuchen wir nicht etwa nur prunkvoll« Kirchen und Paläste, nicht nur schön? Anlagen und Gärten. Auch durch die engsten Gassen,»vo das Elend und die sftot wohnt, geht unser Weg. Wo die Wohnungen soft bausällig sind. Wo Licht imd Luft durch stickigen Dunst ersetzt wird. Wir wissen dann: hier wohnen unsere Klasier: genossen. Sjo sehen wir die ganze Zwiespältigkeit unserer Gesellschaft und wissen, welche Folgerung uns daraus envächst. Wir werde», wir wollen mitarbeite» an der Abürabening dieser Berhältmsfe. Das alles bedeuten für uns die Wanderungen und das Vor- stehend« ist nur ein Ausschnitt aus oer Fülle der Möglichkeiteis, die wir auswerten können. So erwächst uns Freude, wir halten unser» Körper gesui�» und eignen uns Witzen an. Witzen, das wir an- wenden wollen im Kampfe für die Arbeiterbewegung und eine bessere Zukunft. Darum wandert die Arbeiterjugend. Und du, junger Arbeiter, junge Arbeiterin, wandere mit! Gustav Geiger. Von der Schulbank in die Ziegelei. Mein Schulbesuch fand früher ein End«, als ich es erwartet hott« und voraussehen konnte Eines Tages sagte der Baker zu mir, ich möge ei» Gesuch an den Schulleiter schreiben, aus das ich vvm Schulbesuch für das letzte halbe Jahr befreit werde. Als» schrieb ich mein Gesuch, und nach einer Woche schon tagte mir»er Lehrer, daß es bewilligt wurde. Run begann für mich die Arbeit. Bis dahin war sie doch immer noch durch den Schulbesuch unterbrochen morden. Aber jetzt hieß es beim Monsengrcue» aufstehe» und arbeiten, bis es wieder dtmlel wurde. Denn in der Ziegelei ist Akkorvardeit die Regel Je näher der Sommer kam, desto länger wurde» auch die Tage, um so früher hieß es vom Lager ausstehen und um so später wurde Feierabend. Obwohl ich die Arbeft doch schon finigeruMch«! kunnte und auch konnte, siel sie mir in den ersten Tage» sehr schwer. Denn mrn mußt« Ich sie nnuntei krochen den ganzen Te.g verrichte» und war am Mcnd todmüde. Aber noch größer ivor meine Müdigkeit, wenn ich am anderen Tage früh ausstand. Dann schmerzten mich alle Knochen. Dazu kam noch in der erste» Zeit wahrend der rauheren Frühlingswitterung hinzu, daß insalo« der immerwährenden Be- rührung mit dem nassen Lehm die Haut aus den Handrücken uird Füßen rissig wurde. Di« ersten Bewegungen»n der Frühe nxire» dadurch noch schmerzhafter, lieber'Rocht Ovaren die Risse halb ver- heilt; aber früh riß und sprang die Haut wieder ans und das Blut spritzte durch die Ritze. Mit der Zeil heilte die Haut. Erst im Herbst, als die Lust rauher wunde, riß ji« wieder. Aber die Müdigkeit blieb auch im Sommer. Die Arbeit war schwer, aber durchaus nicht eintöiüa. Bald strich ich mit der Mutter Maurerziegel, dann, wenn der Platz voll war, im Schuppen Dachziegel. Die konnte man auch bei Regenwetter machen. Wenn der Bater beim Einfahren der trockenen Ziegel, die am kommenden Tag gestrichen werden sollten, vorbereitet und ge- watzert, tagsüber kanten Fuhrwerk«, um gebrannte Ziegel zu holen. War der Ofen mit trockenen, rohe» Ziegeln angefüllt, bogann das Brennen. Das dauerte gewcchnlich sechzig Stunden. Erst wurde das Feuer in den vier Brandlöchern klein gehalten, dann gesteigert. bis die Ziegel Im Ofen mnßgiiihettd wurden. Auch da n rußte ich Mithelfen und den Vater ablösen, um ihm einige Stunden Schtas zu ermöglichen. Die Arbeil richte auch Sonntags nicht ganz. Meist begannen wir mit ihr auch Sonntags um fünf Uhr früh. Um acht Uhr etwa hörten wir auf. Dann war ich frei iir.d durfte zu den Großeltern gehen. Heinrieb Holek, » Lm Kino. Dm Bilder der Wochenschau lausen am Auge der Menschen vorüber, die nach ihrem Alltag hier Anregung und Abwechslung suchen. Sportfeste, politisch« Ereignisse und Persönlichieiten, was den Kino-Besucher nur zu interessieren vermag, wird hier gezeigt. Die einen sind müde und abgehetzt: bei denen gleiten in« Bilder wohl am Auge vorüber, sind aber im gleichen Moment schon wieder vergessen. Andere wieder erleben«in« Welt, die ganz verschieden ist von der ihnen sonst vertrauten. Da kommen ihnen denn die verschiedensten Gedanken- und Ideenverbindungen. So sah auch ich Riesenozeandampfer, die nach den Regeln neuester Technik erbaut, die größten Entfernungen bezwingen, die Welt iminer enger werden lassen, den Menschen aber dafür immer größer« Bewegungsfreiheit schenken.— So sah ich die erst« Aus- fahrt eines dieser Riesen aus dem heimatlichen Hafen, ein wirklich imponierender Anblick.— Da plötzlich tönt es uns entgegen:„Muß i denn, muß i denn zum Städtel« hinaus." Ein eigenartiges Empfinden trifft die Herzen der Zuhörer. Bei den Klängen diese» alten vertrauten Volksliedes stehen eiirem unwillkürlich zwei Welten vor Augen: Alte Zeit— neue Zeit: der äußere Eindruck so grundverschieden und Zweck und Endziel einander doch so gkeich. Das Bild der alten Zeit: Der Wanderbursche mit seinem Bündel u»>d knorrigen Stecken wandert über die Kandftraße. Wandert von Ort zu Ort, soweit ihn die Füße nur tragen wollen. Wandert, wenn er nur irgeird kann, über die Grenze, fremdes Land, fremde Sitten und Gebräuche kennenzulernen. Wohl auch, um Ihre Weltanschauung weiterzutragen, wie dl« sungen sozialistischen Wanderer es getan haben, die keinen noch so mühevollen Weg scheuten, den Arbeits- brüdsrn am anderen Orte ihr« erlosenden von Erniedrigung und Versklavung befreienden Theorien zu bringen. Und das Bild der Jetztzeit? Flugzeuge, Automobile, Ozeandampfer und noch unzählige Möglichkeiten, in kürzester Frist die Bewohner ferner Länder auszusuchen. Ferner Radio. Telegraph!«, Telephon, weiter« MäKlichkeiten, sich in kürzester Frist zu per- ständigen. „Und doch noch immer kein Steg unserer Idee," murmelt mein älterer Begleiter, als hätte er meinen Gedankengang erraten.„Roch Immer haben sich die Sozialisten der verschiedenen Länder nicht unter einer gemeinsamen Fahne gesammelt. Roch inuner kämpfen all« einzeln, ohne ein wirkliches Ziel zu erreichen." Es bleibt mir nicht Zeit irgend etwas zu entgegnen. Ein neues Bild erscheint auf der Leinwand, zufällig der gleichen Wochenschau eingefügt, ganz ohne Zusammenhang mit dem Ozean- dampfer. Und dieses Bld beantwortet wortlos und doch so«>n- deutig die Fragen, die das andere Bild in uns aufgeworfen hat. Es zeigt ein Treffen der sbzialistischen Iugcndinternationale.„Siehst du," sage ich triumpherend zu meinem Begleiter,„da haben wir die Antwort gleich, du alle? pesiimistischer Skeptiker. So liegen die Dinge: Aufgabe eurer Geiieration war es, Möglichkeiten zu schaffen für die Verständigung. Aufgabe unserer Generation ist es, diese Möglichkeiten auszunutzen. Du siehst, die sozial:- stische Jugend hat ihre Aufgab« erfaßt: Sie bedient sich der Ver- tehrsmittcl und sonstigen Errungenschaften der Neuzeit. Nicht ein- zelae wandern nur. sondern Massen treffen einander, gemeinsam neue Wege zu suchen und sicher zu finden zum Frieden und end- gültigen Sieg des Soziallsmus. Was ln der alten Zeit begonnen, glaube mir, In der neuen Zeit wird es vollendet weden." Scvta Lubranschik. oW» Ma Aus der Iugend-Znternationale IM Sine internationale Gommerfchule Die Sozialistische Iuzeud-Inter nationale veranstaltet in diesem Jahr zum«rstemna! ein« Internationale Sommerf�ule. D!« Auf- gäbe dieser Soinmerschule soll es sein, führenden Funktionären der sozialistischen Jugendoerbände die Möalichteit zu geben, mi Rahmen «ines zehntägigen Kursus Fragen der internatlonalen Arbeiter- bewegung zu behandeln und durch persönlichen Meinungsaustausch die intornatioiuilen Beziehungen zu festigen. Die Soinmerschule wird In der Zelt vom 17. bis einschließlich 27. Septeinber in einem Erholimgsheün in der Näh« von Innsbruck stattfinden. Als vorläufiger Kursusplan ist vorgesehen: Milttvoch. den 17. September: Anreise und Erüssnung. Donnerstag, den 18. September: Aufbau und Ziele der Sozia- listischen Jugend-Jnternationale. Referent: Karl Heinz. Freitag, den 19. September: Aus der Arbeit der Sozialistischen Arbeiter-Internationale. Referent: Friedrich Adler. Semiabend, den 20. September: Die International« Gewerk- schaftobewegung. Referent: Johannes Sassen Vach. Ssuntag. den 21. September: Wanderung cder Beteiligung an einer Iugeiidveranstoltung. Montag, den 22. September: Die inierivatimvale Genossen« schaftsbewegung. Referent: Karl Renner. Dienstag, den 23. September: Sonsteg« inderimtlonal« Ber« bindluigon. Referent: Erich Ollenhauer. Mittwoch, de« 24. September: Wandertag. Donnerstag, den 25. September und Freitag, den 2ö. Seplemberz Probleme der sozialistischen Jugendarbeit in den einzelnen Länder«, Referent: E. Ollenhauer. Sonnabend, den 27. September: Schlußb«spr«chm»g und Abreise» Die Durchführung des Kursus ist tm einzelnen so gedacht, daß die Bormittagsskmden für den Bortrag und die Airsprache verwendet werden, während dl« Rachmitta gestunden für Ausflüge und ander« ungezwungene Veranstaltungen freigehalten werden, um allen Teil« nehmern reichlich Gelegeicheit zu geben, sich persönlich kennen zu lernen und im kleineren Kreis die Aussprach« über die in den Bor» trägen behandelten Problem« zu führen. Die Abendstunden könne« dann wieder der gemeinsamen Aussprach« oder anderen g«nein» samen Veranstaltungen dienen. Die Kursusgobühr beträgt für jeden Teblnchmer 50 M. Für diesen Betrag wird frei« Unterkunst und volle Berpflegung ge» währt. Di« Delegation zur Sornmerschul« erfolgt durch die Skr* bandst« itungeir. Interessierte Genossen und Genossinnen wolle« sich deshalb mit ihrer Verbandsleitung in Verbindung setzen. Zugendinspektorate in der Tsckechoilowakei. Di« sozialistisch« Jugendbewegung in der Tschechoslowakei kaim einen wichtigen Erfolg verbuchen. Der sozialdei nokratische Fürsorge- minister Genosse Dr. Ezech hat durch eine Verordnung die Jugend« lnspektion durchgeführt. Venn Zentralgewerdeiirspektorat ist ein« eigene selbständig« Abteilung für Jugendschutz errichtet worden, dit alle Fragen, dt« den Schutz der arbeitenden Jugend betreffen, be» handeln soll. An all« Gowerbeinspektorate tm Lande ist die Weisung ergangen, einen ihrer Beamten zu bestimmen, dem die gesanil« Kompetenz in den Fragen des Jugeirdschutzes zufällt. Der Ab- teilung für Jugendfchittz beim Fürsorgeinmisterium wird«in Be» ratungsausschuß aus Vertretern der wichtigsten Organisationen de« arbeitenden Jugend beigegeben werde». Auch die Jugendschutz« referenten bei den eingeinen Gewerbeinspettorakn sollen in skän- digem Kontakt mit den lokalen Jugendorganisationen stehen. Dlos« Verordnung bedeutet einen großen Erfolg«iiilerer sozio» listischen Jugeiidoeibände in der Tschechoslowakei. Mt ihr wird eine alte sozialistische Jugendförderung verwirklicht, denn sie schafft die Möglichkeit einer schärfere» Ueberwachiuna bestebendcr Jugend- schutzbestim-nrungen. Di« Regelung, die setzt der sozio ldemotrati'ch« Fürsorgoininister getroffen hat, ist insofern noch bemerkenswert, als sie eine ständige Riikarbeit der Juqendverbände festlegt. Die sozna- listische Jugend erhält dadurch die MöAichkeit einer mieiistoen praktischen Mitarbeit am Ausbau und an der Durchführung de» Jugendschatzes. International« sozialistische Studenienarbeit Die Tätigkeit des Sekretariats der Jnternationalen Sozialistischen Studentenföderation konnte im vergangenen Monat eine bedeutende Erweiterung dadurch erfahren, daß der Sekretär al» deutscher Delegierter an der Ratstagung der h«6eration Univcrsi» taire Internationale ponr la SdN. in Parts teilnahm mtd so di« MögUchteit hatte, mit den sranzösischen und belgischen Genosse« persönlich Fühlung zu nehmen. Es fand eine gemeinsam« Sitzun, mit dem Vorstand der französischen Brlderorganisation statt,«» der besonders die nächsten internationalen Veranstaltungen für dl« westlichen Länder besprochen wurden. Der Sekre'är hielt auf einer gut besuchten Siudentenoersannn« lung einen Dortrag über, die Tätigtet der Internailomste« Sozialistischen Studentenföderation und entwickelt« in diesem Zu- sammenhang vor allem seine Gedanken zur Hochschulreform, die in der Diskussion ein allgemein zust-mmcndes Echo fanden. De« gleichen Vortrag hielt der Sekretär am darauffolgenden Tag vor einer interessierten Hörerschaft in Lüh ich. Der Besuch wurde kurz« Zeit darauf von dem Genossen Jadot in Berlin erwidert, wobei e» anläßlich eines Empfangs im Heim der Berliner sozialistischen Studenten zu einer angeregten Diskussion kam, in deren Verlaus auch der stärkere Austausch von Nachrichten Über das geistige Lebe« innerhalb der Parteien der einzelnen Länder beiderseits al» wünschenswert bezeichnet wurde. Laut vorliegenden Nachrichten hat sich di« im letzten Abschnitt der Tätigkeit Prima de Riocras aufgelöste spanische Grupp« wieder konsolidiert, ist aber gezwungen, illegal zu arbeiten. Di« polnischen, litauischen, lettischen und estnischen Genossen haben gemeinsam in Riga am 22. unfc 23. März e'me Konserenz abgehalten, auf der sie ein den deutsche« Anregungen stark entsprechendes Hochfchulreformprogramm be» schloffen haben. Aus Schweden liegen neuerlich Nachrichten vor. die eine«z baldigen offizielle» Anschluß der dortigen Gruppe in Airssicht stellen. Es soll daher der Nersiich gemacht werden, anläßlich de« Mitte Juli in Kopenhagen geplanten Exekutivkomiteesitzuug auch ein« nordisch« sozialistisch« Studententagung abzuhalten. Nach alledem kann damit gerechnet werden, daß auch im Somnwrfemcster die international« Zusammenarbeit ein« weiter« Belebung erfahren wird. Dr. Otto FriedlSndcr, Sekretär.