Mend-Vorwärts 7tr.2 Beilage zum Vorwärts i. März 1931 Aufwärts durch Arbeit. Oos Wirken der Berliner SAZ. im Lahre'ISSv. Der Beztrtsverband Eroh-Berltn der Sozialistische» Arbeiter- jagend hält am t. Mörz im Plenarsaal des Reichswirtschastsrate» istin« Jahresgeneralsersammlung ab. Hierzu legt der Bezirtbvorstand einen gedruckten and illustrierten Bericht über das vergangene Jahr vor, der zeigt, daß die Bertiner SAJ. durch unermüdliche Arbeit aller Funktionär«, aller Hugendgenofstnnen und Jugendgenossen vorangekommen ist. daß e» ouswärtsgegangen ist. Zum Beweis bringen wir einig« Angab«, au» dem Berichtsbuch. Zwei Momente waren es, so heißt es dort, die im Jahre 1VZ0 die Oefsentlichteit stark beschästigten und die sich wie auf fast alle Organisationen auf unsere Arbeit aue- wirkten: die furchtbare Wirtschafts- t r i s e und die damit verbundene Er- werbslosigkeit und die Reichstags- wählen, sowohl in ihrer Vorbereitung als auch tn dem durch die Erwerbslosigkeit stark beeinflußten Ergebnis des Anwachsens der Stimmen der staatsfeindlichen Parteien. Durch die Erwerbslosigkeit wurden ins- besondere die Jugendlichen aus dem Wirt- schastsprozeß ausgeschieden, die eben ihre Lehrzeit beendeten. So ist d!« Zahl der Erwerbslosen gerade unter den älteren unserer Mitglieder, den 18- bis sojährtgen, im Berichtsjahr sehr erheblich gestiegen. Für die erwerbslosen Mitglieder wurden neben etner Reihe von Veranstaltungen in den Werbebezirken drei zentrale FIlmver- anstaltungen und ein« Besichtigung(West- Hasen) durchgeführt: Mangel an Mitteln oerbot notwendige und erwünschte Mehr- arbeit. Im Reichstagswahikampf hat die Sozialistische Arbeiterjugend ihr« Pflicht getan. Der Vormarsch der Berliner Ar« beiterjugend in den letzten Iahren hat trotz Wirtschaftskrise und Erwerbslosigkeit auch im Jahre lSSO angehalten: ebenjo der Ausbau der Veranstaltungen aller Art. Den 104 Abteilungen mit 3831 Mitgliedern am Schluß des Jahres I9R stehen im Dezember 1930 III Abteilungen mit 4211 Mitgliedern gegenüber, es ist also eine Zunahme von sieben Abteilungen und 380 Mitgliedern zu verzeichnen. Der Ausstieg hat also angehalten, wenn auch nicht in gleichem Um- fange wie 1929, das mit einem Mitgliederplus von 636 abschloß. Die Zahl der Abteilungsveranstaltungen stieg gegenüber 1929 von 10 538 aus 12 324, die der Besucher von 234 272 (darunter 81 287 weiblich) auf 271 426(94 140 weiblül)). Es wurden durchgeführt 4878 Vorträge mit 113831 Teilnehmern, 2846 unter- haltende und gesellige Veranstaltungen(eiirscht. Feiern) mit 67 722 Teilnehme r», 2222 Wanderungen und Außenspiele mit 36695 Teil- nehmern, 2378 Mitgliederversammlungen mit 53 178 Teilnehmern. Zu diesen Abteilungsveranstaltungen koinnicn hinzu die große Zahl der von den einzelnen Werbebezirken und von der Gesamt- organlsatlvn durchgeführten Veranstaltungen. 2ln Veranstaltungen der Gejamtorganisation haben weit über 60 000 Jugendliche teilgenommen, an denen der Werbebezirke wenigstens die gleiche Zahl, so daß im Jahre 1930 an Veranstaltungen unserer Or- ganijation mindestens 400 000 Jugendliche beteiligt waren! Die Vorbereitung und Durchführung so vieler Veranstaltungen vomvitö w $ e f" VATOM. � WCLVERS; mst so hohe» Bssucherzohlen und daneben die Erledigung aller der notwendigen organisatorischen Arbeiten ist nur möglich durch die große Zahl der zur Verfügung stehenden Helfer. 1200 Funktionär« (darunter 372 weiblich«) zählte die Organisation am Jahresende, davon waren 797(277 weibliche) unter 18 Jahr« alt. An Blldu ngs-«n d Schulvngsarbeit wurde erheb- liches geleistet. Dafür spricht die große Zahl von Vorträgen in den Abteilungen. Daneben fände» sich Nemere Kreise besonders interessierter Jung«, und Mädchen im Rahmen der Abteilungen oder Werbebezirke zu Arbeitsgemeinschaften zusammen. Dann wurden veranstaltet«tn politischer In- sormationsabend unmittelbar nach der Septemberwahl, der Genosse Georg Decker sprach über„Das Ergebnis der Wahl", und drei zentrale Vortragsabende. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Funktionärschulung gewidmet. Je zwei Werbebezirke wurden zu diesem Zwecke vereinigt. Ein Teil der Kurse fand in Form von Wochenendkursen statt. Di« Mehrzahl der Kurse tagt« in Berliner Jugendheimen. Insgesamt fanden acht solcher Kurse mit über 400 Besuchern statt. Die Mitglieder des Bezirksvorstandes sprachen in diesen Kursen über den Ausbau unserer Organisation, die Arbeit unserer Organisation und über die Werksbezirks- und Gruppenarbeit. Reben den Funktionären a«s den Reihen der Jugend sind die Iugendbeiräte und Referenten wichtige Teile des Mit- arbeiterstammes. Für sie wurde eine Zu- sammenkunst veranstaltet, in der Genosse Erwin Marquardt über„Methodik und Grundlagen unserer Bildungsarbeit" sprach. Er gab äußerst wichtige Anregeungen für die Jugendarbeit. Der lieferen Einführung in einzelne Fragen dienten B i l- dungskurse. Sie werden im Rahmen der Werbebezirke ver- aNstaltet und erstreckten sich über je 5 bis 8 Abende Insgesamt iverden 17 Kurse mit 360 Besuchern durchgeführt. Die Ausgestaltung der Kurse ist je nach de» Verhältnissen in den Werbebezirken vor- schieden. Es fanden Kurse mit folgenden Themen statt:„Warum bin ich Sozialist?"„Einführung in die Wirtschafislehre",„Die Geschichte der Arbeiterbewegung". Doneben beteiligten sich in fast allen Bc- zirken die älteren Mitglieder an den Kurjen der Arbeiterbrldnngs- schule. An einem besonderen, sich mit Frauen- und Mädchenfrag«» befassenden Kursus über 5 Abend« beteiligten sich etwa 40 Jugend- funktianiirmnen. Für alle Fragen des Jngeudschutzes und Jugend- rechtes wurde ein„Sozialer Ausschuß" eingesetzt Der Ausschas; stellte sich die Aufgabe, söigeiide Fragenkomplexe einer besonderen Bearbeitung zu unterziehen: 1. Die Jugend in der Gesetzgebung (Stellung der Partei«« zu Jmzendschntz und Jugcndrecht. Jugend bei den Etatberotnngcn, Arbeitssthutz, Arbeitszeit, Lerussmisbildung und Lernssschulc)! 2. Die Jugend in den Berichten der Gewerbe- aufsicht! 3. Jugendt'cratungsstellen. Eine sehr wichtige Aufgabe lag in der S o r g e für die erwerbslosen Mitglieder. Die Bemühungen der SAJ. gingen vor allein darauf aus, die von der -1,30 Stadt auf ihre Anregung hin getroffenen Maßnahmen für Erwerbs- lose zu erhalten. In Zufammenarbeit mit befreundeten Organt- sationen, mit der sozialdemokratischen Stadtverordnetensraktion, mit dcn Parteigenossen in den Jugendämtern, ist dies auch trog der immer katastrophaler werdenden Finanzschwierigkeiten der Kommune im wesentlichen gelungen. Zur Arbeit in Gewerkschast und Berufsschule wurde jede Abteilung verpflichtet, einen Gewerkschasts- und Berufs- lchulobmann zu wählen, dessen Aufgabe es ist, daraus zu sehen, daß alle SAJler freigewerkschaftlich organisiert sind. Durch diese Tätigkeit wurde eine Zunahm« der gewertschastlich organisierlen Mitglieder und eine Steigerung des sozialistischen Einslusses in den Berufsschulen über die Schülerräte erreicht. Selbstverständlich wurde auf diesem Gebiet mit den Gewerkschaften eng zusammengearbeitet. Wie denn überhaupt gesagt werde» kann, daß die Verbindung zur Freien Gewerksclzajtsjugend im Berichtsjahr enger und besser ge- worden ist. Das gute Verhältnis zur Sozialdemo- tratischen Partei kam immer wieder zum Ausdruck bei Kundgebungen und Demonstrationen und im Wahlkampf. In aller- engster Zusammenarbeit steht die SAJ. mit den Kinde rsreun- den und der A r b e t t« r b t l d u n g s s ch u l e. Di« Arbeit unter den Schülern an mittleren und höheren Schulen diente im Jahre 19ZiZ vor allem der Vertiefung. Die Werbung neuer Mitglieder aus Schülerkreisen stößt verständ- licherweise aus Grund der Zusammensetzung der Schülerschaft für eins auf besondere Schwierigkeiten. De» chauptstützpunkt bilden die stark mit Söhnen und Töchtern aus Arbeiterkreisen durchsetzten Aus- bauschulen. Die Schülersprechstunde erfreut sich regen Besuches. Die Schüler sind in Sozialistischen Schülergeineinschasten zusammengefaßt und kommen regelmäßig zusammen. Außerdem wurden mehrere gemeinsame Ausspracheabend« durchgeführt So wurden u. a. be- handelt:„Die soziologische Bedingtheit der Schule und die Struktur der Schülerschaft", und„Die grundsätzliche Bedeutung der Berlänge- rung der Schulpflicht". Einige Wochenendfahrten diente» dem Aus- lausch von Erfahrung und der Besprechung organisatorischer Fragen. , Arbeitermädel in Bon den sechs Million«» Wählern, die den Nationalsozialisten am 14. September ihre Stimm« gaben, sind 33 bis 55 Proz. Frauen. In Berlin erhielten die Nationalsozialisten 51,6 Proz. Frauen- stimmen. Weiter: die Nazis haben ihren Wahlersolg zum größten Teil de» Jungwählern zu verdanken. Der prozentuale Anteil der weiblichen Jungwähler an den Nazistimmen wird derselbe sein. Der Weg ins Dritte Reich führt über die Vernichtung der sozialistischen Arbeiterbewegung. Hilf ihn zu verbauen. W®rde Mitglied der SAJ. Zwei gemeinsame Ferienfahrten trugen viel zur Erhöhung der Aktivität bei. Eine öffentliche Schülerversammlung sür Berlin und öffentliche Aussprachen in den Bezirken dienten der Werbung und führten zugleich zu Auseinandersetzungen mit den in den höheren Schulen stark vertretenen Nationalsozialisten. Vom„Roten Schüler", der sozialislrschen Schülcrzeitschrist, er- schienen im Jahre 1936 sechs Nummern m einer Auflage von je 1566. Sehr nachteilig macht sich sür die Verbreitung der Zeitschrift wie sür die gesamte Schülerarbeit die starke Zersplitterung der links- gerichteten Schülerbewegung bemerkbar. Die Schülerbewegung wird von Berlin aus auch im Reichsmaßltabe zu fördern versucht in engster Zusammenarbeit mit dem chauptvorstand der SAJ. In einer ganzen Anzahl von Städten im Reich sind bereits sozialistische Schülcrgemeinschaften im Rahmen der SAJ. oder in Anlehnung an die sozialistischen Studentengruppen geschaffen worden. Die vordringlichsten Ausgaben sür das angefangene Arbettsjahr sind größte Aktivität jedes ein- zelnen Riitgliedes in der Arbeit für die Bewe- gung, Stärkung der Organisation! Trotz des Bor- Marsches der Sozialistischen Arbeiterjugend in den letzten Jahren gibt es noch Tausende von Jugendlichen für unsere Bewegung zu gewinnen. Riesengroß ist die Zahl der in Beriin wohnenden und zur Arbeiterklasse gehörenden Burschen und Mädel, verschwindend klein im Verhältnis dazu d>e Zahl unserer Mitglieder. Die kam- mende Zeit, das ganze Jahr 1931 muß im Zeichen der Werbung, der Gewinnung neuer Mitstreiter liehen. Kampf der Verseuchung der cherzen und Hirne der werktätigen Jugend durch nationalistische, durch bolschewistische Phrasen: Kamps dem Jndisferentismus der weiten Schichten proletarischer Jugend! Jeder einzelne muß sich seiner Aufgabe bewußt sein, muß sich verpflichtet fühlen, neue Mitstreiter zu gewinnen. Auch sür uns für jeden einzelnen gilt die Parole: Wo bleibt der zweite Mann? Wer will mit einem„Nein" antworten, wenn an ihn die Frage gerichtet wird, ob er schon«in neues Mitglied geworben hat? „Dritten Reich" Auf Grund welcher Forderungen oder Zielsetzung der National- sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei kommt die weibliche Jugend zu Adolf Hitler? Haben sie irgendeine besonder« Aufgabe in den SA.-Abteiiungen zu erfüllen? Wir haben doch noch nie gehört, daß an den„politischen" Kämpfen der Nazis, ganz gleich, ob es sich um den Auszug aus dem Reichstag oder um die„Erledigung" politischer Gegner handelt, Frauen beteiligt werden. Aber irgendeine Stellung müsse» die Frauen und Mädchen doch im Dritten Reich«innehmenl Durchblättern wir also das Programm der NSDAP. Trotz ge- nauester Prüfung finden wir kein Wort über die Stellung der Frauen im Dritten Reich. Wir müssen darum einen von M. d. R. Walter Buch verfaßten, im„Völkischen Beobachter" erschienenen Artikel über ..Die Stellung der Frauen im Nationalsozialismus" als authentisches Material ansehen. Herr Buch stellt mit Entsetzen fest, daß wir uns heute im Zeichen der fortschreitenden Frauenemanzipation befinden, verursacht durch den immer größer werdende» Anteil der Frauen am Wirtschaftsleben. Ist das aber nun eine natürliche Entwicklung? Gleich erfahren wir des Rätsels Lösung. Die Nazis sind nämlich der Ausfassung, daß„die Frauensrage gar keineFrauen- frage, sondern vielmehr«in« Männ erfrage ist". Der Mann hat im Lause des vergangenen Jahrhunderts vergessen, so zu handeln, wie es seine natürliche Pflicht gewesen wäre, darum hat die Frau es nötig gehabt, sich z»„emanzipieren". Die Nazis sind der Auffassung, daß die Frau in demse'ben Maße verniännlichte wie der Mann verweichlichte. Erst wenn der Mann wieder„ganz Mann" geworden ist und sich seiner ritterlichen Pflicht der Frau gegenüber erinnert, wird sie sich wieder mit ganzem Herzen vom Broterwerb ab- und ihrem Beruf zuwenden. Was ist denn nun aber unser„Berus" im Dritten Reich? Hüterin und W a h r e r i n des Blutes zu sein, den Abstieg vom Edeling zum Köter verhindern! Auch die unverheiratete Frau darf nur «ine Arbeit oerrichten, die ähnlichen Ausgaben entspricht: Lehrerstand und Krankenpflege will man ihr im Dritten Reich gütigst zugestehen. Noch deutlicher und interessanter ist eine Aeußcrung des Pro- grammtheoretikers der NSDAP., Gottfried Feder.— Er schreibt: „Der Jude hat uns die Frau gestohlen durch die Form der Ge- fchlechtsdemotratie. Wir Jungen müssen ausziehen und den Lindwurm töten, damit wir wieder.zum Heiligsten kommen, das es auf dieser Welt gibt: Zur Frau, die Magd und Dienerin i st." Dieser Auffassung entsprechend sehen die Nazis jedes öffentliche Wirken der Frau als verdamnmngswürdig an. Die Nazi„politil" ifl frei vom mclMitfynt EinsläH. Nnier ihren 107 Reichstagsadgeord- neten ist nicht eine einzige Frau; es war nirgends eine Frau als Kandidatin aufgestellt. Kurz nach den Wahlen brachte der„Völkische Beobachter" die Photographie von sechs weiblichen Abgeordneten der„Poung-Parteien" mit der Ueberschrist„Aus dem Irrgarten des Porlamentarismus". Der besondere Kampf gilt den Frauen, die leitende Stellungen im öffentlichen Leben inne haben. Herr Goebbels entrüstete sich im„Angriss" darüber, dah ein« Frau Vor- sitzend« des Charlottenburger Schöffengerichts geworden ist. Er be- zeichnet das als„eine Herabwürdigung der Rechtspflege, wie sie ärger kaum gedacht werden kann". Man richtet sich hier ganz nach dem berühmten Vorbild, dem Faschismus in Italien. In der weit- berühmten Mailänder Oper sollte«ine Frau als Leiterin gewählt werden. Ihre hervorragenden Kenntnisse, die sie zu diesen! Amt befähigten, wurden allgemein anerkannt, aber„eine Frau als Leiterin des ersten Theaters Italiens—«in Theater, das, genau besehen, sogar eines der ersten Theater der Welt ist— stellt eine Unmöglichkeit dar, einen Widersinn und«ine Verhöhnung des männlichen Geschlechts; die Ernennung einer Frau— und wäre es selbst die Fäh'git«— ist «in schwerer psychologischer Fehler, ein schreiendes Unrecht.. So zu lesen im führenden Faschistenorgan. Aber nicht nur die politische und wirtschaftlich« Gleichberechtl- pung soll den Frauen genommen werden, in. Dritten Reich ist für die Frauen die Forderung„dein Körper gehört dir" eine Illusion. Alle fortschrittlichen Elemente kämpfen in Deutschland seit langem gegen den 8 218. Als kleiner Erfolg wurde erreicht, daß die Ab- treibung nicht mehr mit Zuchthaus, sondern nur noch mit Gefängnis bestraft wird. Jetzt haben die Nazis im Reichstag beantragt, die Zuchthausstrafe wieder«inzuführenl Im Interesse der Reinhaltung und Vermehrung der Rasse darf und muh die Frau soviel Kinder als irgendmöglich zur Welt bringen, muh sie Gebärmaschine sein. Warum? West die Menschen als Kanonenfutter gebraucht werden. Die Nazis wollen neuen Krieg! Gerade wir Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse müssen im Kampf gegen den Krieg in vorderster Reihe stehen. Uns ist es unbegreiflich, wie sich Frauen an den Krawallen gegen dl« Auf- sührung des Antikriegssilms„Im Westen nichts Neues" beteiligen konnten. Es war eine Frau, die dort die weihen Mäuse als Kampfes- mittel gegen die Kinobesucher losgelassen hat. Im Zusammenhang hiermit steht auch die Forderung der Nazis nach Einführung der A r b e i t sdi e n st p s l i ch t für alle Deutschen vom 17. bis 21. Lebensjahr. Arbeitsdienstpslicht bedeutet verkappte Militärdienstpflicht, die Nazis wollen die Arbeitsdienstpslicht auch für die Frauen. Wie ist die Stellung zum anderen Geschlecht? Wir wissen es schon, die Frau ist vom össentlichcn Leben völlig aus- geschaltet, sie soll Magd und Dienerin des Mannes sein. Herr Buch sagt in Ergänzung dazu noch, dah sie durch diese Tätigkeit erst den Mann zu den Arbeiten fähig macht, die das Leben von ihni ver- langt. Eine sührende Nazifrau hat sich einmal geäußert, daß dl« Frau durch den Mann wirken soll. Wir können hier wohl ganz klar zwischen den Zeilen lesen, dah die Frau durch die Erotik auf die Tätigkeit des Mannes einen Einsluh ausüben soll. Werden wir nicht erinnert an die Zeiten vergangener Monarchen, wo Mätressen völlig ungeeigneter Machthaber die Politik beeinsluhten? Und wie steht es mit der berühmten nationalen Moral? Gregor Straßer setzt sich in einem Aufsatz für die doppelte Moral ein. Chresredakteur Rosenberg propagiert die Vielweiberei. Welcher Umgangston im Dritten Reich herrscht und wie die Behandlung der Frauen gedacht ist, dafür gibt Manfred Killinger in seinem Buch„Ernstes und Heiteres aus dem Putschleben" ein Beispiel, er schildert dort die Festnahme einer Gefangenen folgendermahe.-i:„Zwei Mann packen sie. Sie will beißen. Ein« Maulschelle bringt sie zur Räson. Im Hof wird sie über die Wagendeichs-l gelegt und so lange mit Fahrer» peitschen bearbeitet, bis kein weißer Fleck mehr auf ihrer Rückseite war." Es sind aber nicht nur Männer, die diese Leitsätze für die Aus- gaben der Frau im Dritten Reich ausstellen. Es haben stch sogar Frauen gefunden und organisiert für diese Erniedrigung ihres Geschlechts. Es besteht ein sogenannter„Deutscher Frauenorden", der besonder« Mädelgruppen unterhält und«ine Zeit- schrift„Opferdienst" herausgibt. Hier können wir dasselbe Gestammel lesen. So zum Beispiel!„Jedoch äußert sich der politische Will« '.inmer nur mit Verstand und Faust. Und hier allerdings, ihr habt recht, ist die Frau nicht am Platze, überflüssig und entbehrlich." In Versammlungen erklären die„Ordensschwestern", daß sie-stolz auf das Dienen sind und hetzen im übrigen zu einem neuen Krieg. Die Nationalsozialisten sind also, wie auf vielen Gebieten, auch auf dem Gebiet der Frauenfrag««ine reaktionäre Bewe» g u n g. Von irgendwelchen sozialistischen Grundsätzen ist nichts zu merken. Die Frauen sollen im Dritten Reich eine Stellung ein- nehmen, die sie in einer längst vergangenen Zeitepoch« innegehabt haben und die entwicklungsgejchichllich überholt ist. Wir Zungen Sozialistlnnen sind stolz auf das Erreichte. Iii hartem politischen Kampf erstreben wir gemeinsam mit unseren männlichen Klassengenossen die völlige G'eichberechtigung der Geschlechter im Sozialismus. Die Tatsache, daß es den Nazis ge- lungen ist, auch unter der jungen Frauengeneraiion Einsluh zu ge- Winnen, muh uns aufs neue zeige», wie wichtig die Ausilärungs- und Schulung sarbeit gerade unter der weiblichen arbeitenden Jugend ist. Wir müssen eine Bresche schlagen in die Reihen der indifferenten weibliche» Jungarbeiterschast. Vergessen wir dabei auch nicht dl« junge Angestellte in den Warenhäusern und Kontoren. Gerade sie ist aus Grund des ost vorhandenen„Standesdünkels" leicht geneigt, den reaktionären Parolen der Nazis Folge zu leisten. Der Einsluh eines Bruders oder„Freundes", der Nazianhänger ist, muß bei de» politisch völlig indifferenten Mädchen ebensalls beachtet werden. Im W e r b e in o n a t der Sozialistischen Arbeiterjugend wollen wir allen jungen Arbeiterinnen und Angestellten ollen Mütter» zurufen: die arbeitende weibliche Jugend gehört in die SAI., II« darf nicht eine Anhängerin des Dritten Reiches, sondern inuh ein? Kämpserin für den Sozialismus sein. Käte Frohbrod». Zugend im Kampf. Geaen Faschismus und Wirtfchastsnot. Der Faschismus setzt seine größten Hofsnungen aus die Jugend. Er handelt konsequent nach dem Spruch„Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft". In Italien wird«in wahrer Kult mit der Jugend geiriebc». Das Lied der Schwarzhemde» beginnt mit „Jugend, Jugend, du schönste Blunie". Di« Führer erklären:„Jetzt kann keiner mehr Faschist werden. Es wird keiner mehr ange- nommen. Nur die Jugend kann in die Faschistenreihen einrücken." Das faschistische Iugendwerk umfaßt über zwei Millionen Jugend» liche unter 18 Iahren und ist eine großzügige Erziehungsanstalt sür den Faschisnius. Der deutsche Faschismus kopiert auch hier sein italienisches Vorbild. Die Form seiner Versammlungen und Kundgebungen, der Inhalt der Reden, Aussätze und Broschüren seiner Junltionäre, die Verschwommenheit seines Programms, die Zutunstemusik seines Dritten Reiches, die Verhimmelung seiner Führer, die Soldaten- spielerei seiner SA. und SS.: alles ist zugeschnitten aus die geistig« Haltung eines Teiles der jungen Generation; des Teiles nämlich, der geistig unvorbereitet und politisch unerzogen durch Verschlechterung seiner Existenzgrundlage und Zukunstsausstchten In die gigantischen Klassenkämpfe unserer Zeit hineingeschleudert wurde Diese Jugend klammert sich in ihrer Rat- und Hossnungslosigkeit an starke Wort« und laute Prophezeiungen, wie ein Ertrinkender an den Strohhalm. Der deutsche Faschismus braucht dl« Gefolgschast der gegen den fortschrittfeindüchcn Nationalsozialismus in den Reihen der SßJa Ju?end um so mehr, je länger die natikmolsoziaiistljchen Wähler auf die Erfüllung der hnusenweis für alle möglichen Interessenten abgegebenen Versprechungen warten müssen Die 6,4 Millionen Naziwähler erhoffte» von dem Einzug einer starken Braunhemden- fraktion in den Reichstag schnell« und durchgreifende Verbesserung ihrer materiellen Lag«� Aber das Gegenteil haben sie erleben müssen. Die Wirts lhaftsnot ist. nicht zuletzt durch den Stimnizettelsieg der Nationalsozialisten am 14. September, immer mehr angeschwollen. Sie haben weiter gesehen, wie sich die Widersprüche zwischen Worten und Taten, zwischen Agitation im Versammlungssaal und Abstimmung im Parlament anhäufen Enttäuschung wächst unter den Naziwählern. Die nationalsozialistisch einge st eilte Jugend wird von diesem Mißgeschick der Naztpolitik erst wenig oder noch nicht berührt. Ihr gläubiger Fanatismus, der durch di« geistigen Exzesse der chitler. Goebbet» und Kensorten immer von neuem künst- tich entfacht und gesteigert wird, hält sie zunächst noch davon ab, aus der Front zu brechen, enttäuscht und nüt dem Gefühl, mißbraucht und verraten zu sein, die Fakenkrcuzsahne zu verlassen. Die poli- tische Gefahr des nationalsozialistischen Einflusses auf die Jugend besteht darin, daß der jugendliche Anhang der Bewegung Schwung und Anziehungskraft auf weitere Ingendkreise verleiht und daß die Nationalsozialisten bei jeder Wahl einen Zuwachs an Stimmen aus den erstmalig wahlberechtigten Jungwähiern bekommen. Zwischen zwei Reichstagswahlen mit normalem Abstand kommen rund drei Millionen Ncuwähler zu. Die Zahl der Jungwähler zwischen 20 und 80 Jahren beträgt 12 Millionen. Für die Nationalsozialisten haben bei der letzten Reichstagswcchl schätzungsweise 25 bis 40 Proz. dieser Wähler gestimmt. Kamps gegen den Faschismus ist deshalb vor allemauchKampfnmdieIugend. WerdenFaschis» mus tödlich treffen will, der muß(hm seinen Ein- sl uß unter der Jugend nehmen. Die sozialistische Bew«. gung hat, ausgerüttett durch den Wahlausgang, in den letzten Monaten eine prächtige und Immer noch wachsende Aktivität im Kampf gegen den Faschismus entwickelt. Neues Leben durchflutet ihre Reihen und zieht die Jugend an. Die Aussichten einer sozialistlichen Werbung unter der Jugend waren nie so günstig wie setzt. Aue allen Teilen Deutschlands liegen Nachrichten vor, daß di« Kundgebungen der sozialistischen Jugendverbände gegen den Faschismus überfüllt und von großer Begeisterung getragen waren. In der Parteigenossenschaft wächst die Erkenntnis von der Notwendigkeit der sozialistischen Jugendorganisation. Immer mehr Parteiort-gruppen kommen aus eigenem Antrieb zur Gründung von Gruppen der Sozialistische» Arbeiterjugend. Kampf dem Faschismus ist Kampf gegen den politischen MIßbrauchderIugend. Aus ihrer politischen Unerzogenheit, aus Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit sind Scharen Jugendlicher den faschistischen Vogelstellern aus den Leim gegangen. Schindluder wird dort mit ihrem Idealismus getrieben. Sie werden zu dem Wahn gebracht, es sei«ine Tat, den Gegner, den politisch Andersdenkenden körperlich zu„erledigen". Tote und Schwerverletzte in großer Zahl gehen auf das Schuldkonto der nationaliozialistischsn Jugendverderber. Für den einzelnen Jugendlichen ist Flucht oder Gefängnis das Ende solcher„politischer" Laufbahn, liinter Kerker- mauern oder in der Fremde können sie nachdenken über das Ver- brechen, das ihnen angetan worden Ist. Der Weg des National- sozialismus ist besät mit seelisch zerbrochenen Jugendlichen. Kampf gegen den Faschismus ist Kampf für di« Friedenserziehung der Jugend. Durch die national. sozialistische Hetze ist die Kriegsbegeisterung zu neuer Blüte ge- kommen. Die Nazis gaukeln der Jugend vor, ein Reoanchekrieg gegen Frankreich und Pol«» wäre der Anfang vom Glück. Sie zeigen der Jugend den Krieg als ein fröhliches Geländespiel'. Das wahre Gesicht des Krieges soll die Jugend nicht sehen. Deshalb Terror gegen Antikriegsfilme und-kundgebungen, Verbot von Antikriegs- büchern in den Schulen, wie betipielsweis« auf nationalsozialistischem Antrag in Sachsen. Die Nationaisozalisten brauchen tricgsbegeisterte Jugend, die in ihrem Gefühlsüberschwang und in ihrer Gedanken- losigkeit ihr getreuester Verbündeter ist. Sage» und zeigen wir der Jugend, was Krieg wirtlich bedeutet, sie wird ihn dann nicht wollen. Gewinnen und begeistern wir die Jugend iür das Heldentum des Friedens, für das Heldentum des einfachen Soldaten im Klassenkampf um Lebensrecht und Menschenwürde für jede» Proleten. K a ni p f dem Faschismus ist Kampf für die Demokratie. Ohne Demokratie keine Arbeiterbewegung und ohne Arbeiterbewegung kein Kampf um eine bessere Zukunft. Erhaltung der Demokratie und damit der Arbeiterbewegung ist Dienst an der jungen Generation, an ihrer Lebensentwicklung. Der Weg ins Dritte Reich führt unter den Vrandfackeln zerstörter Gewerkschafts- und Konsumhäufer und durch das Blut erschlagener Arbeiterführer zurück in di« Knechtschaft der Vergangenheit. Italien soll der Jiigend Mahnung und Ansporn im Kampf für Freiheit und Demokratie sei«. T u r a t i, der greise Führer der italienischen Arbeiter, Hot bei der Einweihung des Denkmols am Brüsseler Volkshaus für seinen von den Mussolinibanden so grausam ermorde:«» Kampfgesährlen Matteotti ausgerufen:„Wir haben die Demokratie gehabt, aber wir haben sie nicht zu schätze» gewußt!" Dieser Ruf soll nicht ungehört verhallen an der deutschen Arbeiterjugend. Kampf dem.Faschismus ist Kampf gegen de« Kapitalismus. Di« Nationalsozialisten wollen an dem Grund» übel unserer Wirtschaftsnot mit fünf Millionen Arbeitslosen, darunter an siebenhunderttausend Jugendliche, nicht rütteln, am Privateigentum mit Profitstreben und Ausbeutung von Menschen durch Menschen. Der Nationalsozialismus will kein« Beseitigung der Klassenherrschaft der Besitzenden über die Besitzlosen. Er will sie verewigen durch dt« Rassenherrschaft der Herrenmenschen über die Untermenschen, z» denen die zahlreichen nationalsozialistischen Prinzen und Grafen, Generäle und Ossiziere die Arbeiter und Angestellten zählen. Kampf dem Faschismus iit Kampf für den Sozialismus, wie«r seit sechs Jahrzehnten in der Arbeiter- bewegung lebendig ist. Er mochte den Proletarier aus einem ver- achteten Arbeitstier zu einem selbstbewußten, für sein Recht kämpfen- den Arbeiter, dessen Millionenorganisationen sich anschicken, Staat und Gesellschaft zu einem wahren Gemeinwesen umzubauen. Das Schicksal der Jugend ist in dem Kampf der Arbeiterbewegung verflochten. Die Jugend ist um ihrer selbst willen zur Teilnahme verpflichtet. Der März ist Werbemonat der Sozialistischen Arbeiterjugend. Die Losung heißt„Gegen Faschismus und Wirtschaftsnot!" In Stadt und Dorf wird die wie Jugend auf- marschieren gegen den orbeiter» und jugendseindlichen Faschismus. Sie wird Zeugnis ablegen für die enge Verbundenheit von Jugend und Sozialismus, die zusammengehören, weil beide in die Zukunft wollen, weil ihnen beiden die Zukunft gehört. Arbeitslose Iogenv in liuhland. Das Volkskommissariat für Arbeil der Sowjetunion hat, nach „Sa Judustrialijaziju" vom 3. Februar,„die Bilanz der jugendlichen Arbeitskräfte in den Städten der Sowjetunion aufgestellt. Jnsge- samt wird die Zahl der Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Iahren in den Städten der Sowjetunion im Jahre 1SZ0 auf 1 805 000, im Jahre 1931 aus 1 895 000(darunter männlich« Jugendliche 952 000 bzw. 1 112 000) geschätzt. Von diesen Jugendliche» sollen 64 000 im Jahre 1930 und 97 000 im Jahre 1931 in verschiedenen Schulen(die Werkschulen nicht eingerechnet) in der Ausbildung begriffen sein. Der Rest— d. h. 1 741 000 im Jahre 1930 und 1 798 000 im lausen- den Jahre— kommen somit für den Arbeitsmarkt(und die Lehre) in Frage. Es haben gearbeitet(die Wcrkschulen und sonstige Formen der Lehrlingsschaft mit berücksichtigt) im Jahre 1930 nur 549 000 Jugendliche im angegebenen Alter(darunter 363 000 männlich« und 186 000 weibliche).' Im Jahre 1931 soll sich die Zahl der beschäftigten Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren in den Städten der Sowjetunion auf 1008090(610 000 männliche und 398 000 wetb- lichc) erhöhen. Die Zahl der Jugendlichen im Alter von 15 bis 18 Jahren, die weder eine Schule besuchen noch in die Lehre, noch in die Arbeit gehen, soll somit in den Städten der Sowjetunion im vorigen Jahre nahezu 1200 000, d. ß 66,0 Proz. der Gesamtzahl der Jugendlichen in diesem entscheidenden Alter betragen haben. Und selbst wenn der oben angedeutete Plan durchgesiihrt werden sollte, so wird im laufen- den Jahr die Zahl der Jugendlichen in den russischen Städten, die nicht arbeiten und nicht lernen, nahezu 800 000 oder rund 42 Proz. erreichen. Wenn man sich insbesondere di« Verhältnisse der prole- tarisierten russische» Städte vergegenwärtigt, so sprechen diese Zahlen von einer drückenden Arbeitslosigkeit unter der städtischen Jugend der Sowjetunion. Avolf H'.ller, von Gott gesandt. Im Kongreßsaal der Kolner Messe sprach in einer Jugendkund- gebung der Nazis der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Dr. Lei) die folgenden Worte:„Der Deutsche müsse zu einem Führer aufblicken köiinen. In der christlichen Religion sei das Wesen des Führertums in der höchsten Vollendung zu sehen. Hitler stände heute in der Mitte der Nation und von Gott ge- sandt im Mittelpunkt der Welt." Nach diesen Aus- lassungen wandte sich der Redner wieder etwas mehr den irdischen Dingen zu.„Wer heute die Welle der Revolution in Deutschland nicht sehe', dem köniie man nicht Helsen. Wenn wir an der Macht sind", so sagte der Redner wörtlich:„Das eiste, was wir dann tun werden: Wir errichten Galgen. Dan» können sie wählen, ob die Köpfe rollen sollen oder ob sie hängen wollen" Wilhelm II. nannte und ließ sich nennen von Gottes Gnaden. Hitler ist logar von Gott gesandt. Beide sind größenwahnsmiiig. Das deutsche Bolk hat Wilhelm II. abgesetzt. Es wird Hiller erst gar nicht ans Ruder lassen.