Mend-Vorwaris Mr. 3 Beilage zum Vorwärts Si. März 1931 politische Erziehung der Zugend Eine wichtige Aufgabe der Partei./ von Ado» Grimme. Oft betont und doch noch nicht genügend ins allgemeine Bewußtsein gedrungen ift die Tatsache, daß von der rechten Einfügung der Heranwachsenden in das politische Leben für unsere Zukunft Entscheidendes abhängt. Die alte Forderung der sozialistischen Arbeiterschaft, den Zwanzigjährigen aktinen Anteil am politischen Leben zu geben durch Verleihung des Wahltechts, ist beim Neubau de» Staates verwirNicht worden. Aber nur dann wirkt sich das Wahl- recht der Zwanzigjährigen zum Nußen des Ganzen aus, wenn der junge Mensch die Möglichkeit hat, sich ausreichende politische Einsicht zu verschassen. Gegenüber einer überwiegenden Füll« politischer Parolen, deren Wirklichkeitsgehalt es.zu beurteilen gilt, muß schon der Seckzehn- und Achtzehnjährige Ein- ficht in das Gesamtgefüge unsere» politischen Lebens zu gewinnen suchen. Die Radikalisierung vieler Schichten gerode jugendlicher Menschen be- meist, baß es bisher noch nicht ge- lvngen ist. die Grundlagen unserer Existenz als Volk und Staat dem Bewußtsein der Heranwachsenden ausreichend deutlich zu machen: und wenn das meist auf ideal« Ziele gerichtete Streben jugendlicher Menschen sich heute immer wieder allzu leicht von den klangvollen Parolen verantwortungstoser polt- tischer Desperados einsangen läßt, so geschieht das nicht zuletzt des- halb, weil ihnen dl« großen und die besten Kräfte beanspruchenden Aus- gaben nicht deutlich geworden find. die ihnen die sinnvolle und gesunde Ausgestaltung unseres heutigen Staates stellt. Diese R o t w e n> digkeit einer weitschauenden polltischen Er- zlehungsarbeit besteht in ganz besonderen Maße sür die So- zialdemokratie, die oie schwerste Verantwortung in unserem Staat auf sich genommen hat. Nicht nur die führenden Paeteifreunb«, die die Wichtigkeit der Jugendarbeit erkannt und immer wieder betont haben, sondern auch die breit« Masie der Mitaliedschast. die unsere Bewegung im Lande trägt, muß sich darüber klar sein, was hier aus dem Spiel« steht. Das gilt besonder» sür die Partei, solang« sie Koalitions- Politik treiben muß. Es ist gewiß viel leichter, junge Menschen sür große Ziele zu begeistern und ihnen die Möglichkeit vorzutäuschen, daß die politischen Zie!« durch bloßen Willensatt in die Wirklichkeit umgesetzt werden können. Demgegenüber aber bleibt der Sozia.!- öemokrati« kein« andere Haltung möglich, als immer wieder darauf hinzuweisen, daß politisches Verantwortungsbewußtsein und poli- tisch« Einsicht die Grundlagen echter politischer Willensbildung sind und daß praktische Politik im Sinne des Sozialismus mir da ge- deiheu kann, wo nicht nur die Ziete gesehrn werden, sondern zu- gleich auch die volle Wirklichkeit des staatlichen, wirtschastlichc» und kulturellen Lebens erkannt wird, in der es dies« Ziel« zu verwirk- lichen gilt. Aber wi« kompliziert ist heute diese Wirklichkeit geworden und wieviel Arbeit gehört dazu. den jungen Menschen in diese Wirklichkeit einzuführent Denn um eine wirkliche Einführung muß es sich handeln. Es ist nicht damit getan, daß erfahrene ältere Parteifreunde unter Berufung auf ihr« viel längere politische Ersah- rung der Jugend autoritative An- Weisungen geben und das gewiß oft unfertige und gärende Wollen der Jungen verurteilen oder gar lächerlich machen. Denn dieses Wollen ist, auch wo es irrt, unsere Z'ikunftshvssnung. In ihm steckt der Wunsch nach Lei- stung, nach verantwortlicher Mit- arbeit. Deshalb müssen wir A.l- teren uns mit diesem Wollen verbünden. Wir müssen bereit sein zu kameradschastücher Mit- arbeit in den Organisationen der Jugeicd. Di« Arbeit a» der Jugend ist die wichtigste Arbeit innerhalb der Partei, die wir heute tun können, und deshalb haben wir allen Anlaß, die sozialistischen Jugendorganisationen zu fordern und zu stärken. Dies« Einführung unserer jungen Freunde muß aus echtem sozialistischem Willen erfolgen und aus der Tiefe sozialistischer lieber» " zeugung quillen. Nur dann können die Kräsie in der Jugend steige- macht werden, die den Kamps mit der Reaktion und dem Faschismus, in den, wir uns heute befinden, siegreich im Interesse der wert- tätigen Bevölkerung durchführen. Es handelt sich hierbei um eine Aaseinandersetzung, die keineswegs nur in der Ebene der Tagespolitik vor sich geht, son- dern der Kamps mit Faschismus und Kommunis- m u s verlangt«in« auf die Grundlagen zurückgehende Aicseinander- setzung. Niemand ist geeigneler, frisches Blut in die bisweklen schon recht trocken gewordene theoretische Diskussion über grundsätzliche Fragen einströmen zu lasien, als die Jugend, die ihrem Wesen nach immer auss Ganze gehen muß und sich selbst rÄcksichtstos für die von ihr ergriffene Wahrheit einsetzt. Hier liegt die große Aufgab« der sozialistischen Jugendsrxanl- jationen, deren günstige Entwicklung im Interesse der Partei und unseres Voltes aufs dringendste zu wünschen ist uns deren tat- kräftige Förderung wir alle anstreben müssen. Lahrgang 1912. Wohin, ihr schulentlassenen Lungen und Mädchen? euch, Ihr Jungs und .�elni, jetzt sind wir frei!" sagt jubelnd Karl?u semein Freund und schlägt Ihn dabei sehr unsanft auf die Schuller. Der Schlag ist so kräftig, daß Heini ausschreien und gleich Vergeltung üben möchte, aber da wird ihm schnell bewußt, daß Karl es ja nutk gut gemeint hat vor lauter Freude über die Schulentlassung. Und diese Freude ist auch seine Freude:„Setzt sind wir sreii"— Es tst dl« Freude aller Jungen und Mädchen, die in diesen Tagen das Schuitor hinter sich zuschlagen und den abgenutzten Schulranzen an den Raget hängen können Es Ist kein schlechtes Zeichen für Mädels, daß euch die Schulbank zu eng wird, daß ihr eure wachsenden und reisenden Krästc an größeren Auf- gaben erprobe» wollt Ihr habt alle einen starken Glauben an euer Können und eure Kraft, ihr seid voll der besten Hossnungen sür die Zukunst. Die Ersüllung eurer Hosknungeii ist aber jetzt wegen der schlechten Verhältnisse In Wirtschast und Staat weniger sicher als je: so mancher eurer schönen Pläne wird leider nicht Wirklichkeil werden. Ich will euch eure Hoffnungen aber nicht zerstören. Aber ihr dürft glauben, daß es auch jetzt— bei vielen von euch jetzt erst recht— harte und unangenehme tägliche Pflichten aeben wird, denen gegenüber die bisherige Schulpflicht nur ein Kinderspiel— im wahrsten Wort- sinne— war. Gewiß, ihr habt es auch bisher nicht leicht gehabt Das vielbesungene„sonnige und glückliche KIndcrland" war bei vielen nur Traum und Märchen. Ihr seid der Jahrgang 19I7I Ihr seid in die größte Rot des Krieges hin- eingeboren worden. Ihr seid in der großen Not der Inflation und W i r t s ch a s t k r i s« n aufge- wachsen Und nun mitten in der größten Wirtschaftskrise, die wir durch- lebten, werdet ihr der neue Jahrgang in der Armee der Schassenden. Arbeitsmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen sind sür Jugendliche außerordentlich schlecht. So hart und so schwer es auch kommen mag, ihr Jungen und Mädels werdet mutig und stark sein, euer Schicksal zu tragen. Ihr sollt und dürft euch aber nicht einsach abfinden mit diesem Schicksal. Seht doch und erkennt, was ihr erleiden müßt. Seht doch, wie ungerecht das Schicksal der arbeitenden Menschen ist. Diejenigen, die ihr ganzes Leben lang vom frühen Morgen bis In die sinkende Rocht arbeiten, wissen kaum, wie sie ihr Dasein fristen sollen, indessen die reichen Nichtstuer ein Leben in Saus und Braus sühren. Di« Reichen bereichern sich an den Armenl Der Mensch beutet den Menschen ausl Das'st der Kapitalismus! Seht und erkennt aber auch den großen Kamps des arbeitenden Volkes uin eine sozialistische Wirt- schasts- und Lcbensordnung. Das ist der größte Freiheitstamps der Weltgeschichte! Ihr Jungs und Mädels, ihr mit euren Zukunstshoffnungen und Lebensidealen, sogt, wollt ihr nicht dabei sein? Doch! Die Tage eurer Schulentlajsung sollen wirtlich eine Lebenswende für euch werden. Gebt euch in diesen Tagen das Gelöbnis, treue und mutige Kämpfer für Freiheit und Recht zu werden. Weiht euch der roten Fahnel Weiht euch dem Kampf um den Sozialismusl Reiht euch ein'n das Riesenheer der sozialistischen Arbeiter- fchast. Werdet Mitglieder der Soziali st ischen Arbeiterjugend! Dort findet ihr Tausende junger Menschen, die ihr Leben nicht verbummeln wollen, sondern die gcinenisai» für die Verwirklichung unserer großen Ideale streben. Dort findet ihr auch Kampfgenossen sür eine Besserung eurer materiellen Lage. z. V. sür Gewährung von Arbeiteserie» und sür Aushebung des Züchtigungsrcchts der Lehrmeister, Verkürzung der Arbeitszeit, bessere Berufsausbildung. Dort könnt ihr in Kursen und Vorträgen viel Jnteresiantes und Schöne» lernen. Besonders wird euch auch die Verbands- zeitung„Arbeiter-Jugend" wertvoll werden, die anerkannt die beste Jugcndzeitung ist. In der SAJ. findet ihr aber auch frohe Gesährten zu Spiel und Spaß, zu Sport und Wandern. Wenn ihr nur an eure bisherigen Familien- und Schulausflüge denkt, dann wißt ihr gar nicht, wie schön es auf unseren Gruppen- Wanderungen ist. Sa oft wir Zeit und Geld zur Verfügung haben, ziehen wir los. Da verzichten wir gerne auf die Bequemlichkelten zu Hause, auf einige Stunden Bettruhe und sogar aus den Sonntagsbraten. Wir verzichte» auch ganz gerne auf die„Reize" unfercr Straßen und Hinterhöfe. Wir sind sogar recht froh, wenn wir da einmal auf einen Tag herauskommen. Draußen lst es ja viel schöner, besonders in Gemeinschaft mit den Genossen und Genossinnen. In sportlicher Hinsicht sind wir besonders aktiv und sehr vielseitig. Obwohl wir eigentlich kein Sportverein sind, schaffen wir uns oft Gelegenheit zu sportlicher Betätigung. Bei unseren Tummel- und bei unseren Mannschaftsspielen geht es munter zu, da sind wir alle frisch und lebendig, selbst wenn wir vorher noch so müde und abgespannt waren von den An- strengungen der Berufsarbeit. Nun könnte ich noch lange weiter schreiben, wenn ich alles erzählen nwchte, was uns in der SAJ. so gefällt, was uns zu einer solch großen und starken Gemeinschaft bindet. Soviel nur noch: bei uns fühlt sich jeder richtige Junge und jedes richtige Mädel wohl und wenn Ihr erst mal dabei seid, werdet ihr auch froh darüber sein. Seht euch um, ihr Schulentlassenen, die ihr letzt„ins Leben" schreitet. Seht euch um nach einem Plag und nach einem Weg. Für die Kneipe und sür den Rummel müßt ihr euch zu schade sein, auch sür die gröhlenden Hausen vom Hakenkreuz und Sowjetstern. Nirgends anders kann euer Platz sein als in der Sozialistischen Arbeiter- jugend und kein anderer Weg kann euer Weg sein als der zu Freiheit und Gerechtigkeit untcr der Fahne des Sozialismus. Entscheidet euch! Kommt zu uns, zur Sozialistischen Arbeiterjugend! Freundschaft!______ Fritz. Die Verlängerung der Glbulpfbchi. Die von der Preußischen Regierung in ihrem Arbeitsbeschaf» sungsprogranmi vorgeschlagen« Verlängerung der Schulpflicht ver- di«nt unsere Unterstützung. An sich ist diese Forderung nicht neu, denn die Gewerkschaften haben sie längst in ihrem Programm auf- genommen und sich dafür eingesetzt. Aber während sie bisher noch als theoretische Frag« behandelt wurde, kommt ihr jetzt doch eine unmittelbare praktisch« Bedeutung zu. Es müsien schnell Mittel und Wege gesucht und gesunden werde», die geeignet sind, den Arbeit»- markt zu entlasten. Die von den reaktionären bürgerlichen Parteien und auch von den Nazis vorgeschlagen« Arbeitsdienst- pflicht ist für die Arbeiterschaft untragbar, well es sich hier um einen Ersatzmilitarismus handelt, in dem die Bessergestellten Führer und der Arbeiter der zum Gehorsam verpflichtete Untergeben« ist. Die Verlängerung der Schulpsllcht ermöglicht eine bessere Schill- bildung. Die Schuljugend kann heute die Masse des Kulturgutes gar nicht mehr bewältigen, es werden größere Ansprüche an ihr Können und Wissen gestellt. Auch der unaufhaltsame technische Fortschritt und die damit dauernd verbunden« Uinwälzung der Arbeitsmethoden erfordert eine umfassendere Allgemeiirbildung. Die Schule soll den jungen Menschen auf de» Ernst des Lebens vorbereiten. Es läßt sich nicht behaupten daß die im Ausland viel gerühmten deutschen Volksschulen diese Ausgabe befriedigend lösen. Die Verlängerung der Schulpflicht kaim wesentlich dazu beitragen. Die kürzlich vom Internationalen Gewerkschastsbund heraus- gegebene Btoschflre„Der Schutz der arbeitenden Jugend" enthält unter cmderem auch eine Ucversicht über vi« Höchstschulpslicht fn den einzelnen Ländern. Danach ist das Hbchslschnl. alter auf das 15. Lebensjahr sestgefetzt in Nonv-exen, Süoajrika Chile und noch eintgen anderen amerikanischen Staaten. Bis zum 16. Lebensjahr beste!)! die Schulpslichi in Rumänien, einigen Kan- tonen der Schrveiz, ein Teil von Kanaöa uird 28 Staaten der Bcr- einigten Staaten von Nordanierika. In acht Staaten der Ver- einigten Staaten besteht sogar Schulpflicht bis zum 18 Lebensjahr. Es sei bemerkt, dost es sich hier um die obligatorische Schulpflicht handelt. Deutschland mit seiner bis zum 14. Lebensjahr dauernden Schulpflicht nimmt unter den Landern kein« besondere Stellung ein. Bemerkenswert ist die Stellung der englischen Arbeiterpartei zu der Frage der Herausseguirg des schul- Pflichtigen Alters. Sie hat auf die Umfrage de» Jnlernatioiralen dewertschaftsbundcs folgendes geantwortet:„Die Arbeiterpartei hat sich in ihrem Mindestprogramm entschieden jür die Heraufsetzung des schulpslichtigcn Alters auf sünszehn Jahr« ausgesprochen. Sobald die nötigen Voraussetzungen gegeben sind, soll die Schulpflicht um ein weiteres Jalzr verlängert werden. Die Gemeinden sollen für den Schulbesuch Iufchüsse gewähren, und es soll dafür gesorgt werden, dah diese Zuschüsse aus dem nationalen Fonds gezahlt werden. Neben der Hcraussetzung des fchulpsllchligen Allerg betrachtet die Partei auch die Echöhung des Alters sür die Zulassung zur Arbeit in HI« Industrie als wichtiges Mittel.zur Verminderung der Arbeits- lofigkeit." Der Generolrat der britischen Gewerkschaften ünterstütz! diese Forderung energisch Erwähnt sei auch, daß die Jntenxuionate Bemmgung sür sozialen Fortschritt in ihrer Generaiversamnrlung im September 1929 beschlossen Hot. daß die Entlassung aus der Schote erst mit dem 15. Lebensjahr erfolgen soll. Der Schulplan soll eü»«n all- gemeinen Charakter tragen mit stärkerer Betonung des Berufsunter- richts im letzten Schuljahr. Die Vorbereitung aus den Berus ist eine der wich- tigsten Ausgaben, die mit der Verlängerung der Schulpsticht der Lösung näher gebracht werden kann. Das weiter« Schuljahr kann dazu benutzt werden, den Jugendlichen je nach seiner Einstellung auf einen bestimmten Berus vorzubereiten. Eine solch« Borbereitung wird ihm die Wahl des Berufes bestimmt erleichtern. Jetzt tritt er zumeist ganz unvorbereitet seinen Berus an und merkt erst später, datz er sich nicht dafür eignet. Die Rürlkchr ist dann sehr schiver, denn das Proletarierkind mutz oerdienen und kann sich nicht das Vergnügen leisten, den Beruf oft zu wechseln. Für die Eltern dedeutcr die Berufs«rierming ihres Kinde» eine erbeb! che Tin- schränkung. Aus all diesen Erwägungen heraus ist die Berlängerrrng der Schulpflicht eine im Interesse der ganzen Arbeiter' ach liegende Notwendigkeit. Der volkswirtschaftliche Nutzen>st ebenso erheblich wie die gesundheitliche Förderung. Krankfurt ist das Ziel! Parolen und Programm des Reichsjugendtages der GAZ. Ein grohes Rüsten ist überall in den Gruppen der Sozialistischen Arbeiterjugend. Pläne werden geschmiedet und jeder irgendwie entbehrliche Pfennig zurückgelegt sür dl« Fährt noch lFranksurt zum 6. Deutschen Arbeitersugendtog vom 21. bis 23. August in dieser hiftorlfchen Stadt am Main. Die Parolen der Frankfurter Jugendtagung sind: Für Demokratie und fozlaliftifchen Aufbau, gegen Faschismus und Kriegsgefahr! Das Programm steht noch nicht In allen Einzelheilen fest: es läßt sich aber fchon jetzt sagen, datz es eine Reihe von sehr ciudrucksvollen Kundgebungen bringen wird. Für den Sonnabendvonnittag ist«in« groß« Crössnungs- frier In der Fcsthalle vorgesehen, an der 16 060 Jugendliche teil- nehmen können und deren Programm verschiedene Gruppen des Verbandes bestreiten sollen. Am Nachmittag sind Besichtigungen, Filmvorfühningen, Ausführungen einzelner unserer Spicllrupps, vielleicht auch eine Festvorftellung In einem der städtischen Theater und sportliche Veranstoltungeii. Am Abend findet ein grober Fackelzug zu beiden Usern des Mains statt, der auf dem Römerderg mit einer Kundgebung enden wird. Der Haupttag der Bnanstaitung wird selbstverständlich der Sonistog sein. Er wird mit elnem Wecken eingeleitet, an dem alle Spielkorps der Organisation beteiligt werden sollen. Für den Bor- mittag ist eine Aeltercnkundgebung vorgesehen, während für alle übrigen Teilnehmer Gelegenheit zum Befuch anderer interessanter und wertvoller Veranstaltungen geboten werden. Mittags, 13 Uhr, beginnt in der Stadt der Aufmarfch zu der groben t n t e r- nationale» Kundgebung in dem prächtigen Stadion der Stadt Frankfurt. Zum Frankfurter Jugendtag sind insbesondere die französischen, belgifchen, Schweizcr und englifchen Genossen eingeladen, und wir werden mit starken Delegationen aus diesen Ländern rechnen können, fo daß wir Im Stadion mit ihnen gemeinfam unser Bekenntnis zum Frieden und zur Wlkerverständigung er- neuern können. Als Redner wollen wir namhafte Führer der Sozialistischen Arbettcr-Jnternationale gewinnen. Den Abschluß wird die Auf» führung eines stimbolifchen Mossenjestfplels bilden, das die Teil- nehmer des Rcichszeltlagers In Namedy vorbereiten werde». Die Kundgebung wird nicht nur die Jugend des Gefamtverbondes zusammenführe», fondern die foziatd-motratifchen Orgonifationen Südwestdcutfchlands werden die gefamt» Porteigenossenfchaft auffordern, an diesem Tag in Frankfurt gemeinfam mit der Jugend gegen Fofchlsmus und Reaktion zu demonstrieren. Es kann deshalb fchon heute gesagt werden, daß der Frankfurter Rechsjugendtag in der besonderen politischen Situation, in der wir stehen, ein« große Bedeutung erhält. Jeder Jugendgcnoffe, jede Jugendgenostin mutz daran teilnehmen. � Sie brachten den zweiten Mann! Im Straßenlärm steht wuchtig und gelassen eine Platatsäule. Grell und verwirrend drängen sich Lettern und Bi'der den Bor- übergehenden auf. Zwei junge Arbeiter, Karl und Willi, bleiben vor der Säule stehen. Rundum, von unten nach oben, von oben nach unten lesen sie Kinoprogramme, Wäschereiadressen, Abonne- mentsaufforderungcn, Berfa mmlu»zsankündigungen. Körle Blick bleibt an einem roten Plakat mit großen schwarzen Bochstoden haften. „Du. Karl, hier könnten wir eigentlich mal hingehen. Heiterer Abend im Jugendheim/ meinte Willi. Karl sah zwei Mädchen nach, die slink vorbeikamen. Das Jugendheim lag in der Richtung, die die Mädel hatten. Btelleicht deshalb rvar er mit dem Vorschlag des Freundes sofort etnver- standen. Und er ging auch mit ins Jugendheim, denn dort waren die Mädchen verschwunden. Ain Eingang zum Saal des Heimes, in dem der heitere Abend veranstaltet wurde, hielt ein keckes Mädel in einem blauen Kletd die Burschen an und drückte ihnen einen Ausnah in esche«n der Soziall st Ischen Arbeiterfugend in die Hand. Der Saal mar mit grünem und rotem Tuch, einfach aber ein- drucksvoll geschmückt. Karl und Willi, diesen beiden viel herum- gestoßenen und deshalb rauhbeinigen Proletarierfungens wurde ganz gegen ihre Gewohnheit feierlich zuiimt«. Ein Gongschlag ertönte durch den Raum. Auf der Bühne stand eine Jugendschor, Jungen und Mädchen. Sie fangen ausfordernd „Vorwärts, du junge Garde des Proletariats/ Au« der Gruppe trat einer vor. In wenigen Worten fchilt«rte er die Lag« der ar« beitenden Jugend und mit Begeisterung zeigte er den Weg. der au» Nacht zum Licht führt. Karl und Willi waren ganz bei der Sack)«. Der dort oben hat recht. Sie fühlten, der fpricht aus eigener Erfahrung, aus eigener Enibchrung. Was er sagte über die Arbeit in der Fabrik, über die Schule, über Lohn, Arbeltszeit und Ferien, da» alles hatten sie schon selbst»riebt. Ein Sprechchor trat auf. Dann zeigten Bilder da» Leben und Gegen UMchansnoine gegen Fascbisnius sprechen in einer öffentlichen Jugondkundgebung der Sozialistischen Arbeiterjugend am Dienstag, 31. März 1931. 20 Uhr, fmgroßenSaaii»Neuen Welt«, Hasanheide/Mctx Seydewilz-Zwickau M.ci.R. Qlfgj Hlllfil und LudwigDiederich-Benin./Beginnd.Kundgebung 20 Uhr, Unkostenbeitrag 10 Pf. IlttaSiilBlEl QllV tlllia Treiben in der SAJ.-Gnippe Ei, muß das ein Betrieb fein! Herrlich, tucnn man das auch alles mitmachen tönnls!£Kr die Wanderung, das war doch Sache! lind dann das Zeltlagerleben' Das war doch etwas anderes als der sonntägliche Schwof. Biel zu schnell waren die Bilder zu Ende. Für Karl und Willi stand fest: der nächste Gruppenabend der SAJ. wird besucht. An die Made! hatten fie gor nicht mehr gedacht. Am Ausgang trafen sie die beiden. Willi nahm seinen ganzoi» Mut zusammen und frug:„Fräulein, wissen Sie vielleicht, wann der nächste Gruppenabend ist?" Die Mädels lachten und gaben bereitwilligst Auskunft. Sie fügten hinzu, daß es in der SAJ. keine Fräuleins gebe und sich Burschen und Mädchen schlicht und schön mit„Du" anredeten. Dann machten sie gleich aus, wo sie sich mit den Burschen treffen wollten zum nächsten Gruppenabend. Auf diesem gab es eine Sensation ersten Ranges, als die Mädchen mit Karl und Willi ins Heim kamen. Die beiden Mädels hatten als erste die Werbelosung der Gruppe erfüllt, die Losung: „W o bleibt der zweite Mann?" /Udert Fischer, AUS DER BEWEGUNG Iugendsragen auf dem Leipziger Parteitag Der Parteiausschuß der SPD. beschloß in seiner Sitzung am 12. Mörz die Tagesordnung für den am 31. Mai beginnenden Parteitag in Leipzig. Danach soll Genosse Tornow über„Die kapitalistische Wirtschaftsanarchie und die Arbeiterklasse", Genosse Breitscheid über den„Faschismus und seine Ueberwindung" und Genosse Erich Ollenhauer über„Die Partei und die Jugend" sprechen. Den Bericht über Organisation und Kasse geben Genosse Westphal und Genosse Ludwig. Zur Begrüßung der Varteitagsdelc gierten werden von der sächsischen SAJ. durchgeführt am 3l). Mai eine inter- nationale Kundgebung mit anschließendem Fackelzug. Es sprechen Vertreter der Soziallstischen Arbeitcr-Jniernationale und der Jugend- internationale. Am 31. Mai(Sonntag) sind in vier großen Sälen Jugendfeier». Nachmittags beteiligt sich die Jugend an den Demon- strationcn der erwachsene» Arbeiterschaft. Gegen Abbau der Berliner Jugendpflege. Auf der Iahresgeneralversaimnluikg der SAJ. Groß-Berlins wurde die folgende Entschließung angenommen: „Dse katastrophale Finanzlage der Stadt Berlin zwingt diese zu starken Einschränkungen in ihren Ausgaben. Gerüchtwelse verlautet, daß dabei besonders starte Streichungen der Mittel für Jugendpflege und Leibesübungen geplant sind. Das würde nicht allein die bisherige Arbeit aller sozialistischen Organisationen, son- dem auch die gesainte öffentliche, vorbeugende Fürsorge ernstlich gefährden. Ganz besonders bedenklich sind in einer Zeit der größten Ar- beitslostgteit die Versuche, dte Aias; nahmen für erwerb-tose Jugendliche abzubauen. Die Gefahr der Berwahrlo sung würde dadurch wesentlich gesteigert. Die Generalversammlung der SAJ. Groh-Berlin erwartet von allen parteigenösfischen Instanzen(Bezirksvorstand, Fraktionen der Stadt- und Bezirtsverordn�enversanimlung u. a.). daß sie sich für bis Erhaltung der Jugendpflegeeinrichtungen mit allen verfügbaren Mitteln einsetzen." RUNDSCHAU Die beste JugenS...? Die H i t l e r- G a r d e n bezeichnen sich selber als„die beste Jagend Deutsihtoiids". Bom geistlzen Format dieser Leute sollen eimge Säpe aus nationaliozialiftischeu Zeitungen Zeugnis ablegen. Das Hstlsr-Organ„Di« Rhelnfroni" schreibt in einem Artikel»Der neue Lebcnssiil der SA."(erschienen am 1. Januar 1931): „Wenige werden es von den Außenstehenden begreifen, daß der Berkehrston innerhalb der SA. alles andere als keusch und stille ist. Hier herrscht vielmehr«in sinneesrohrr Londsknechtsstil: das Lager der Braunhemden ist nicht das puritanische Lager Eromwells. Wein, Weib und Würfel, zuniindest die miiiler« der drei allen Soldatenparolen, spielen keine geringe Rolle in der Armee des kommenden Deutschlands". Diese Kleinigkeiten hindern natürlich prominente Wortführer der Nationalsozialisten nickst, bombastische Redensarten über Lebens- stil und Stilgefühl ihrer Anhänger zu verzapfen. So vernehmen wir� Herrn Josef Goebbels am 10. Jamiar dieses Jahres im Berliner „Angriff" in folgenden Tönen: „Stilgefühl ist eine Gabe, und wer si« besitzt, gewinnt dadurch jedem anderen gegenüber einen großen Borsprung. Das Stilgefühl hält uns von Taktlosigkeiten unseres eigenen Selbst fern und bettet uns sicher in dem Bewußtsein unserer Stärk«. Wo sich in unserer Partei noch Ueberbleibsel einer allen Welt befinden, da ist e» Zeit, dag wir sie rücksichtslos ausmerzen. Was soll das heißen: ein Aschenbecher mit der Ausjchrllt „Deutschland erwache!"? Das setzt man dem Bürger auf den Rauch» tisch. Aber der SA.-Mann hat kein Berständnis dafür, daß ein Nationalsozialist seine Zigarren ausschüttet auf dem Wort, unter dem seine Kameraden in die Gefängnisse wandern. Zigarettenetut» mit dem Bild Adolf Hitlers und darunter die Ausschrist:„Der Führer zu Deutschlands Freiheit I" Welcher Parteigenosse schämte sich nicht, daraus seinen Rauchvorrat zu nehmen?" Nach diesen etwas sehr nach Eigenlob duftenden Aussührunaen erlauben wir uns nur den Hinweis, daß im Zentralvrgan der Natioiialsozialisteu, dem„Völkischen Beobachter", täglich Inserate zu finden sind, in denen Hakenkreuz-Ringe,-Halsketten,-Nadeln,-llh» anhänger usw., daß an den Litfaßsäulen von orangesardenen Pia« taten Hakenkreuz-Zigaretten und-Schokolade zum Bezug von der Feldzeugmeisterei des Hitlerschen Hauptquartiers angeboten werden. Widersprüche? Solche Kleinigkeiten verachtet ein National- sozialist. Lügen? Die sind nur beim Gegner. Im„Angriff" vom IV. März schreibt Dr. Goebbels: „Sie lügen, Sie lügen! Das muß dem deutschen Deutschland inuner fester in den Kopf gehämmert rnerden. Nichts glaube», was der Gegner sagt. Von vornherein davon überzeugt sein, daß er der Meister der Lüge ist, und daß ihm in seiner verzweifelten Angst nichts anderes übrig bleibt, als mll Verleumdungeil zu arbeilen, wenn anders er nicht von vornherein schon sein Spiel verloren geben will." In derselben Ausgabe des„Angriff" fleht auf Seite 3 ein« „Bekanntmachung, die wir bringen müssen". Es handelt sich um eine Strafsache gegen den Schriftsteller Or. phil. Joses Goebbels in Berlin-Wilmersdorf, wegen Beleidigung des Berliner Polizeivlzc» Präsidenten Dr. Weiß. In dieser Bekanntmachung h't zu lesen, dag Herr Goebbels vom Schöffengericht Charlottenburg wegen ö f f e n t» licher Beleidigung und übler Nachrede, begangen durch Ber- breitung von Schriften, mll einer Geldstrafe von 500 M. bestrast und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt worden ist. Deutschlands beste Jugend? Menschen ohne Klassem>erbunbe»» hell, sozial und kulturell entwurzelt, loben sich hier ihre Minder- wertigkeitsgefühle und ihre Flegeljahre politisch aus. AUS DER JUGEND-INTERNATIONALE Macdonald an die engiifche Arbeitenugeno. An die zweite Jahreskonferenz der Jugend- liga der Labour Party, die von 136 Delegierten beschickt war, die 71 Ortsgruppen vertraten, richtete der Ministerpräsident Macdonald ein Begrüßungsschreiben, in dem er der Liga zu ihrer prächtigen Arbeit Glück wünschte.„Die jungen Menschen unserer Tage", heißt es in dem Schreiben,„sehen rings um sich eine Fülle von Beweisen dafür, daß die alten politischen Ideen bankrott gemacht haben. Die rücksichtslose Konkurrenz auf internationalem und wirt- schastlichem Gebiet mußte, wie sich herausgestellt hat, zu mörderischen Kriegen und wirtschaftlichem Zusammenbruch führen. Nur, wenn sich die Äugend unserer Tage zu den Labourgrundsätzen der lfce- meinschaftsarbeit und der Planwirtschaft im Interesse des Gemeinwohls bekennt, darf sie hassen, dereinst in einer gesunden und blühenden Gesellschaftsordnung zu leben. Für die unter uns, die ei» Menschenleben dem Ausbau der Labour Party gewidmet haben, ist es eine Freude zu wissen, daß eine trästige, stets wachsende Orga' nisation junger Menschen existiert, die derselben Sache ergeben und entschlossen sind, sie zum Triumph zu führen." Der Vorsitzende der Konserenz. Genosse Hackett. teilte m seiner Eröffmmgsan.spmch« mit, daß die Liga mehr at» 325 Ortsgruppen aufweise, daß ihre Entwicklungsmögbcyketlen ober, besonders da sie sich noch im Pionierstadiiim befinde, unbegrenzt seien. Er bezeichnet« die Jugendliga als Sektion der Labourlleweguna, die der tatsächtiche Treuhänder des Sozialismus in diesem Lande sei. Im weiteren Verlaus der Verhandlungen wurde ein Antrag ans Schassung eines Organs für die Liga angenommen. Die Exekuiioe der Labour Party hatte ihr Einverständnis mit diesem Antrag erklärt. vorausgesetzt, daß die Ortsgruppen ihr Verlangen nach einem solchen Organ zu erkennen gäben. Eine lebhaste Aussprach« entspann sich Über Anträge, die die Veranstaltung eines Ingendtags und eines Zeltlagers forderten. In Anbetracht der ungünstigen Zeitumstände wurden diese Anregungen zurückgestellt und den Ortsgruppen empfahlen, lokale Veranstaltungen zu treffen. Allgemeinen Beisoll fand die Mitteilung des Sekretärs Windle, daß die Labourexekutive dem Anschluß der Liga c.» die svozialistische Iugend-Jnternationale zugestimmt Hab«(bisher waren nur die Jugendgruppen der Unabhängigen Arbeiterpartei der Jugend Internationale angeschlossen). Der Vorschlag soll den Ortsgruppen zur Genehmigung unterbreitet werden. Auch die Frage der Altersgrenze für die Mllglieder wurde ausgiebig erörtert. Zwei Gruppe» hatten beantragt, die Grenze von 25 auf 30 Jahre zu erhöhen, mit der Begründung, daß dann die Erfahrungen, die die älteren Genossen in der Bewegung gesammelt hätten, dieser noch längere Zell zu gut« kämen. Eine entsprechende Resolution wurde jedoch mit Rücksicht auf den Charakter der Liga als Jugendorganisation abgelehnt. Im Anschluß an diese Debatte wurde das Alter, m dem die Milgsteder der Partei bat- zutreten haben, auf 18 Jahr« festgesetzt.