Mend-Vorwaris Mr. 5 Beilage zum Vorwärts 30. Mai 1931. Lunge Generation und Partei. Zur Iugenddebaiie auf dem Leipziger parieiiag. Es ist ein« besondere Eigenheit unserer Zeit, daß der Ruf nach der Jugend allenthalben ertönt, daß wieder und wieder die Frage diskutiert wird, wo dt« Jugend stehe, was ihre Anschauungen seien Und wohin sie sich schließlich zu wenden gedenke. Vielleicht nehmen an dieser Diskussion noch nicht einmal so sehr die politischen Par- teien Anteil, wenn man von den Wahlzeiten absieht und die ex» tremen Flügelparteien ausnimmt, die die Jugend besonders stark her» Ausstellen: die NSDAP, zum Beispiel behauptet ja geradezu, d i e Partei der Jugend zu sein. Aber in Vorträgen und Zeitungen, in Büchern und Broschüren wird dauernd die Jugendfrage bzw. die Frage nach dem Standort der„jungen Generation" aufgerollt. So kommt es, daß der Begriff der jungen Generation zu einem ziemlich abgenutzten Schlagwort geworden ist, zumal er fast so verschwommen ist wie die Alters- und die soziologischen Grenzen dieser Generation. E» ist recht schwierig, etwas wirNtch Konkretes über sie auszusagen, vielleicht wird gerade deshalb so viel über sie geschrieben. Was gesagt werden kann, wird immer nur annähernd richtig sein können: denn die in Betracht kommenden Altersschichten finden sich in allen Klaffen, Schichten, Partelen, Verbänden, und e» ist fast unmöglich, sie auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Kriegsteilnehmer und Lahrgang 1902. Die Hauptschwierigkeit besteht wohl darin, daß die junge Gene- ration nicht» Einheittiches und Geschlossenes ist. Tie zerfällt wieder in Generationen. Man wird zu ihr die K r i e g s g e n e r a t i o n rechnen, also jene, die mindestens die letzten Jahre de» Krieges mit- gemacht haben. Das ist eine Altersschicht, die bisher nicht recht fruchtbar hat werden können. Für viele ihrer Angehörigen ist Re- Marques Wort richtig, daß vom Kriege zerbrochen wurde, auch wer den Granaten entrann. Zehn Jahre hat es gedauert, bis ihr« lite- rarischen Vertreter sich zum Wort meldeten. Da ist weiter der „JahrganglSO 2", eigentlich die von 1S02 bis 1905 Geborenen umfassend. Sie haben den Krieg miterlebt, wenn auch nicht an der Front, und die Nachkriegszeit mit wachsendem Bewußtsein auf- genommen. So stehen diese beiden Generationengruppen der„alten" Generation noch in etwas nahe: sie haben die Wirkung der Kriegs- Und Nachkriegszeit am eigenen Leibe gespürt, haben die Schwierig- keiten, unter denen der neue Staat entstand, mit angesehen und sind daher bei gutem Willen imstande, sie. zu würdigen. Aber beide Gruppen sind in sich zerspalten, es besteht ein ausgesprochener Mangel an Homogenität und sie sind auch schon rein zahlenmäßig zu schwach, um als vermittelndes Bindeglied dienen zu können zwischen den alten und der eigentlichen jungen Generation, die von Jahr zu Jahr wächst: der Nachtriegsgeneration. Sie Unsicherheit der Nachtriegsgeneration. Dies« Nachtriegsgeneration hat den Krieg nicht mehr bewußt erlebt. Sie ist hineingeboren in die demokratische Republik und vielfach schon in anderen, neuen Erziehungsformen aufgewachsen. Den alten Staat kennt sie nur vom Hörensagen. Sie hat keine Mög- ltchteit, auf Grund eigener Erfahrungen Vergleiche aufzustellen. Daher liegt es nahe, daß diese Generation das Erreichte nach der eigenen Situation bewertet, und die ist für nur zu viele trübe ge- nug. Schwer lastet auf ihr die Zerrüttung, vor allem die völlige Unsicherheit auf allen Lebensgebieten, im Wirtschaftlichen wie im Sozialen und nicht zuletzt im Gelstigen. Wurde früher jemand in einigermaßen geregelten Verhältnissen geboren und aufgezogen, so war mit einiger Sicherheit anzunehmen, daß auch sein weiteres Leben in geordneten Bahnen verlaufen würde, eine Aussicht, die heute nur noch für verhältnismäßig wenige besteht. Diese Unsicher- heit ist etwas Neues, natürlich nur für die M i t t e l st a n d s- und Kleinbllrgerjugend, die proletarische Jugend wurde ja immer davon betroffen. Aber auch beim Proletariat ist in den letzten Jahren eins Veränderung eingetreten. Seine traditionelle, sozusagen zum Be- griff des Proletariers gehörige Existenzunsicherheit hat sich unerhört verschärft durch die langfristige Arbeitslosigkeit, die bei vielen dt« Befürchtung entstehen läßt, für immer aus dem Produktionsprozeß ausgeschlossen zu werden. Die Unsicherheit im Geistigen, da, Wankenfühlen von Werten und Maßstäben trifft auch einen gute» Teil der proletarischen Jugend. Daher erscheint die Behauptung nicht übertrieben, daß sich entwurzelte bürgerlich» und arbeitslose proletarische Jugend in ihrer wirtschaftlichen Lage wie In ihrer see- lischen Haltung weitgehend treffen. Von der proletarischen Jugend hat die Partei heute schon einen Teil erfaßt. Ob es gelingt, weiter in die junge Generation vorzustoßen, wird wesentlich davon ab- hängen, welch« Rolle sie innerhalb der Partei spielt. Der Radikalismus der Lugend. Die junge Generation I« der Partei: dazu rechnen wir die SAJ. und die jungen Parteigenossen bis zu etwa 30 Jahren. Sie ringt um den nötigen Spielraum, sie will ihre Unverbrauchtheit, ihren Elan, ihren Drang nach Betätigung für die Bewegung fruchtbar machen. Voraussetzung dafür ist, daß nicht etwa eine Ungleichung in der Haltung der Jungen an das erfahrene Alter erfolgt, sondern, daß der Radikalismus, den man der Jugend nachsagt, in wirklich« Leistung umgesetzt wird. Dieser Radikalismus hat neben einer negativen auch eine durchaus positive Seite. Es ist begreiflich, daß die Jugend zu klaren Entscheidungen neigt, wenn sie es sich auch leider oft zu leicht macht, sie zu fällen. Sie gebraucht oft Phrasen, von deren Inhalt sie sich keinerlei greifbare Vorstellung macht. I« ihren Urteilen bevorzugt sie eine Schwarzweißmalerei, sie sieht nur das Entweder-Oder, und es ist ihr unlieb, mit Möglichkeiten rechnen zu sollen. Hier liegt wohl der eigentliche Grund gewisser G« g e n s ä tz» lichkeiten zwischen den Jungen und den Alten. Die Jugend hält sich für revolutionärer als die Alten, die leicht in Bausch und Bogen als„Reformisten" und besonder» als„Kompro- mißler" angesehen werden. Eine solche Einstellung ist nur zu er- klärlich, wenn man bedenkt, daß über die Vergangenheit(Vorkriegs- zeit, Krieg, Revolution, aber auch die zehn Jahr« nach dem Krieg«) nur sehr, sehr wenig bei der Jugend bekannt ist. Man kommt daher sehr leicht zu einer Kritik an den Alten, die eben„nicht entschiede» genug" oder unter„Verletzung der sozialistischen Grundsätze" ihren Weg gegangen wären. Die erfreuliche Seite des Radikalismus wird wohl nicht nur zufällig zu einem guten Teil durch die Ideal« d«r Jugendbewegung bestimmt. Der Wunsch nach Gemeinschaft, der Drang sich«inzuordnen, auch sich unterzuordnen und sich aufzuopfern für die Gemeinschaft ist da und kann für die Partei und ihre Ziel« ausgenutzt werden. Mitarbeit in der Partei. Jeder, der die Jugend unter sich und im Kreise alter Partei- genossen beobachten tonnte, kann leicht feststellen, wieviel aufgeschlos- sener und zugänglicher sie im ersteren Falle ist. Es wird auch nicht immer der Jugend gegenüber der richtige Ton getroffen, ihre Met- nungsäußerungen, wenn sie überhaupt erfolgen, werden oft belächelt oder gar zurückgewiesen. Di« Möglichkeiten der Betätigung sind verhältnismäßig begrenzt, wobei nicht verkannt werden soll, daß auf diesem Gebiet vieles besser geworden ist, und daß zunehmend junge Parteigenossen Funktionärposten ausfüllen. Andererseits erscheint die Parteiarbeit oft trocken und besonders für junge Menschen, die nicht in der Tradition der Arbeiterbewegung aufgewachsen sind, ist sie nicht sehr anziehend. Aus diesen Gründen, die beliebig vermehrt werden können, sollte der Jugend die Möglichkeit zur Arbeit im eigenen Kreise, wenn auch im Rahmen der Partei, gegeben werden. Einen Ansatz dazu könnten die bereits vielfach bestehenden„Ar- VeNsgemetnschaften Zunger Sozialdemokraten" bilden. Um nicht mißverstanden zu werden, sei gesagt, daß hier nicht etwa einer Auferstehung der Jungsozialisten das Wort geredet wird. Es muh der Jugend auch klar werden, daß es nicht ihre Aus» gäbe sein kann, sich mit einer bestimmten Richtung in der Partei zu identisizieren, sondern daß sie sich erst einmal die geistigen Voraus» setzungen sür eine Stellungnahme schassen muß. Di«„Arbeitsgemeinschaften", die wir für ausbausähig halten, sollen nicht Beschlüsse fassen oder Resolutionen fabrizieren. Sie sollen der Schulung und der Vermittelung politischen Wissens dienen. Daneben kann man ihnen die Lösung zeitgemäßer Ausgaben übertragen, etwa die Ausarbeitung neuer moderner Formen der Agi» tation und der Propaganda. Eine sehr wichtige und an ihr Aktioi» tat große Anforderungen stellende Aufgabe wäre auch die, mit den Arbeitslosen die Verbindung aufrechtzuerhalten, damit nicht schließ- lich zwischen den noch in Arbeit befindlichen und den dauernd ar- beitslosen Proletariern eine Kluft sich auftut. Die jungen Partei» genossen, die diesen Arbeitsgemeinschaften angehören, hätten selbst» verständlich an den Arbeiten und Veranstaltungen ihrer Abteilung teilzunehmen. Sie würden nur eben noch ein besonderes Betäti» gungsfeld im eigenen Kreise eingeräumt erhalten, das nach erfolgtem Ausbau etwa der Organisation ähneln würde, wie sie die Frauen bereits innerhalb der Partei besitzen. Es würde dann auch nach außen, und gewiß nicht zum Schaden der Partei, mehr wie bisher hervortreten, daß auch bei uns die junge Generation den ihr ge» bührcnden Platz einnimmt. L-uil Bernstein. Immer wieder Arbeitsdienstpflichi. Die„Reichsarbeitsgemeinschaft sür deutsche Arbeitsdicnstpslicht" hat kürzlich ihre Grundsätze und Richtlinien sür die„Allgemeine Arbeitsdienstpflicht" herausgebracht. Man muß diese Richtlinien näher ansehen, sie prüfen und abwägen, um für alle Zeiten von dieser Schwarmgeisterei kuriert zu werden. Was hier vorgeschlagen wird, mutet so rückschrittlich an, daß man sich schon in die Vorkriegs- zeit zurückversetzen muh, um den Vorschlägen und Begründungen folgen zu können. Die Militärs scheinen in der Reichsarbeitsgemein- fchaft das Kommando zu führen. Zweck der Arbeitsdienstpflicht ist neben der„Beseltigung der anormalen Arbeitslosigkeit" die„geistige und körperliche Erziehung und Ertüchtigung sämtlicher Staatsbürger". Dafür, daß der Staat dem Bürger Schutz gewährt, müsse dieser„an irgendeiner Stelle Arbeit leisten", sei es bei der„Urbarmachung von Moor und Heide" oder bei der„Gestellung von Saisonarbeitern für die Landwirtschaft". Die Bemessung der Arbeitszeit richtet sich nach dem Zeitpunkt, zu dem die Arbeit fertig fein muß, der Stärke der Kolonne und der erforderlichen Zeit für Erziehung und Ertüchtigung". Sie unterliegt danach keiner Beschränkung, sondern kann willkürlich von dem Arbeitgeber oder Kolonnenfllhrer sestgesetzt werden. Wohin das führt, kann man sich denken, wenn man die Ansichten der deutschen Unternehmer und Gutsbesitzer über die Arbeitszeit kennt. Die Arbeitsgemeinschaft will nicht haben, daß die Arbeitsdienst» Pflicht als„militärische Spielerei" angesehen wird, aber trotzdem„kann sich die Organisation an die des früherem Heeres an- lehnen". Also doch Ersatzmilitarismus! Die Notwendigkeit der Arbeitsdienstpflicht„liegt erstens auf wirtschaftlichem Gebiet, zweitens In einer Ersatzerziehung, solange die allgemeine Wehrpflicht etwas Unerreichbares ist" Deutlicher kann man es nicht sagen, daß man «ine militärisch aufgezogene Organisation haben will. Die„Bekleidung besteht aus einem Arbeitsanzug und einem Ausgchanzug". Von welcher Qualität sie sind und von welcher Farbe, ob einheitlich, also Uniformkleidung, erfährt man nicht. Untergebracht werden die Arbeitsdienstpflichtigen in Kasernen und„zu er- richtenden Barackenlagern". Auch soll es„fahrbare Baracken" geben, die bei den Wald-, Chaussee- und Kanalarbeiten Verwendung finden sollen. Die auf den Gütern arbeitenden Arbeitsdienstpflichtigen werden in Wcrkwohnungcn oder„desinfizierten Polcnkasernen" untergebracht.„Das Bett ist einfach und militärisch". Die V e r- p j l e g u n g, die aus gemeinschaftlicher Küche erfolgt, hat sich der „beim Heere üblichen anzupassen." Festen Lohn, etwa Tariflohn, gibt es nicht, denn die„Dienstpflicht wird nicht nach ihren Leistungen bezahlt", sondern es handelt sich um Pflichtarbeit, bei der der Arbeitsdienstpflichtige„zu unbedingtem Gehorsam angehalten wird". „Sie werden beköstigt, untergebracht, bekleidet und erhalten einen kleinen Sold, über dessen Höhe man sich einigen muß." Etwa mit dem Unternehmer sich darüber einigen müssen? Dienstprämicn wer- den gezahlt an besonders tüchtige Arbeitsdienstpflichtige, oder, sagen wir, an solche, die eine gute Nummer haben oder gut katzbuckeln können. Bei der Arbcitsdienstpflichtarmee sollen insgesamt 200 000 Beamte Anstellung finden, und zwar Prooinzleiter, Oberleiter, Ein- hettssührcr, Oberwachtmeister, Truppführer usw. Das erste Führer- personal ist bereits da, gestellt vom Bund Artam und Bund Land- werk. Beide Organisationen habe» sich dort, wo Landarbeiter ge- streikt haben, als Streikbrechergarde gut bewährt. Während man unten so wenig Lohn zahlen will, daß man sich schämt, den Betrag überhaupt zu nennen, wirft man das Geld oben mit vollen Händen aus. Es bekommen an Bargehältern der oberste Leiter 25 000 M. im Jahre, 15 Provinzleiter je 15 000 M., 50 obere Beiräte je 10 000 M.. 1000 Oberleiter je 8000 M. usw. Dazu erhält das Per- jonal eine Verpflegungsgebühr von 2 M. pro Tag. Die Besoldung vorübergehender Fachleute, Bürobedürfnisse usw. erfordern im Jahre eine Ausgabe von 60 Millionen. An Bargchältern verschlingt das Personal rund 335 Millionen Mark im Jahr. Alles in allem kostet die Arbeitsdienstpflicht jährlich rund 2 Milliarden. Dieser Etat ist, wie zugegeben wird, vorsichtig aufgestellt, es kann auch noch mehr werden. Die Arbeiterjugend bedankt sich für die Arbeitsdienstpflicht. Das ist keine Rettung. Damit wird man keine tausend Arbeits- lose von der Straße bringen. Unsere Forderung ist Arbeitsbeschaffung in der gesamten Wirtschast, Verkürzung der Arbeitszeit, Ausbau des Schutzes für die arbeitslose und auch für die arbeitende Jugend. Den neuerdings stark propagierten Plänen eines freiwilligen Arbeits- dienstcs steht die arbeitende Jugend recht kühl gegenüber. Eine end- gültige Stellungnahme wird erst möglich sein, wenn konkrete Vor- Ichläge über Finanzierung, Organisation und Arbeitsaufgaben be- kannt geworden sind. Arbeitslose und kranke Jugend. Drei Viertel der gesamten Jugend Deutschlands im Alter von 14 bis 21 Jahren ist heute erwerbstätig, und bei den männlichen Jugendlichen sind es sogar 85 Prozent. Diese Zahlen beweisen, 'welche große Bedeutung der erwerbstätigen Jugend für unser ge- famtes Wirischaslslebcn und damit für Volk und Staat zukommt. Sellen aber hören wir darüber, wie diese Jugend lebt. Nur wenn uns Statistiken über die Kriminalität der Jugendlichen vor Augen geführt werden, wenn wir in den Zeitungen von jugend- lichen Selbstmördern lesen, dann, ja dann besinnen wir uns manch- mal ein wenig und fragen noch dem Leben und Treiben des Mil- lionenheeres arbeitender Jugend. „Arbeitslos!" das ist in der Gegenwart der Schreckens» ruf des erwerbstätigen Volkes in allen Ländern. Man schätzt die Zahl der jugendlichen Erwerbslosen auf etwa 700 000. Von Woche zu Woche hören wir mehrere Male von der Stillegung dieses und jenes Betriebes wegen Mangel an Austrägen, Rentabilität oder wegen Rationalisierung des Gesamtbetriebes. Trostlos ist der An- blick der in den Arbeitsnachweisen und um dieselben herum sich sammelnden Massen erwerbsloser Jugendlicher. Niederdrückend ist auch das Bild vor den Geschäftsstellen der Zeitungen, wenn die Blätter mit den Stellenanzeigen erscheinen und in wenigen Mi- nuten eine wilde Jagd nach den Arbeitsstellen ansängt. Einer kann immer nur die angebotene Stelle erhalten. Ein Dutzend oder fünf- zig oder hundert Menschen sind vergeblich gelausen und gefahren. Muß der junge Mensch dann dieses„Besetztl" und„Zu-Spätl" jede Woche einige Male hören, dann beginnt bei ihm leicht ein« Jnter- «ssclosigkcit, eine seelische Ermüduiig. Er gibt das Rennen noch nicht auf, ober es drängt ihn dann nicht mehr so, und es beginnt jetzt häusig die Zeit des Bummelns, die oft zu einer leichteren oder schwereren Verwahrlosung führt. Leidet die erwerbslos« Jugend unter ciner ganz besonders starken Not, so steht es im allgemeinen mit der gesamten prole- tarischen Jugend nicht viel besser. Nach den Berichten aus 23 Re- gierungsbezirkcn Preußens, die eine Bevölkerungszahl von rund 20 Millionen umfassen, waren von 1 051 062 untersuchten Schul- kindern— 34 358 tuberkulös. Tausende von Arbeiterkindern müssen schon in frühester Kindheit zum Lebensunterhalt der Familie bei- tragen. Früh um 5 Uhr sieht man sie schon durch die Straßen rennen als Zeitungsträger, als Milchjungen. Jede Gelegenheit müssen sie tagsüber ausnutzen, um nur etwas Geld zu verdienen. Großstadtjugend!— geboren in Hinterhäujern und Mietskasernen! Geradezu katastrophal wirkt sich für die Proletarierjugend auch die Wohnungsnot aus. In einer Erhebung über Berliner Wohnverhältnisse wurde festgestellt, daß volle 3317 Woh- nungen aus nur einem heizbaren Raum bestanden und bis zu X4(!) Bewohner beherbergten; 4068 Wohnungen bestanden nur aus einer Küche ohne jeden Ncbenraum; 9000 Wohnungen mii Küche hatten je 7 Bewohner und mehr; 3S00 je 8 und mehr; 100 sogar 10 und mehr. In Wohnungen von nur einem Wohn- räum wurden insgesamt 76 000 Personen festgestellt; von diesen teilten 6300 den Raum noch mit Schlafleuten und Einmietern. In 370 solcher Wohnungen befanden sich außerdem noch Kinder. Insgesamt muhten jahraus, jahrein in Berlin rund 600 000 Menschen in Wohnungen Hausen, bei denen mehr als 3 Personen aus jedes Zimmer kommenl Eine größere Strafanstalt gibt über ihre Insassen folgende Statistik: In ihrer Jugend bewohnten einen und mehrere Räume 13 Personen: einen Raum 154 Personen; weniger als einen Raum 414 Personen. In den„Blättern für Volkserziehung", Heft 5, Jahrgang 1930, gibt eine Berufsschulfürsorgerin interessante Zahlen über die Not der weiblichen Großstadtjugend. Nach einer Unter- fuchung bei 179 440 berufsschulpslichtigen Mädchen hatten nur 21 Prozent ein eigenes Schlafzimmer, 73 Prozent schliefen mit Ver- wandten in einem Zimmer und 1,9 Prozent mit einem Fremden im gleichen Zimmer. Nicht anders steht es mit den Arbeitsbedingungen der werk- tätigen Jugend. Millionen Menschen, Familienvätern und jugend� lichen arbeitssreudigen Menschen kann nicht eine einzige EtunSt am Tage Arbeit angeboten werden; aber eine Herabsetzung der Arbeitszeit kann die Volkswirtschaft nicht ertragen— so wird uns von Unternehmerseite entgegengerufen. Ein Viertel aller Jugend- lichen in Deutschland haben keinen Urlaub, nicht einmal wenige Tage im Jahre, um sich auszuruhen von all den Mühen und Sorgen. Von denen, die einige Tage Urlaub erhalten, bekommen ihn nur 48 Prozent bezahlt, d. h. praktisch: der größte Teil der proletarischen Jugend kommt nie für längere Zeit au» den grauen, düsteren Straßen der Stadt, nie aus den schlechten, niederdrücken- den Wohnungen. Nicht anders steht es mit der Arbeitszeit. Nach einer staiisti- schcn Feststellung bei 144 905 Jugendlichen arbeiten wöchentlich 48 Stunden 62 Prozent, zwischen 49 bis 60 Stunden 28 Prozent, und über 60 Stunden 9,4 Prozent. Rechnet man noch den täglichen Arbeitsweg dazu, der vor allem in den Großstädten und auf dem Lande eine sehr hohe Zeit in Anspruch nimmt, so kann man er- rechnen, wie wenig Freizeit die Arbeiterjugend für sich zur Ver- fügung hat. Erwerbstätige Jugend in Notl Ein Mahnruf geht durch die Land«! Karl Hönning. Die SAZ. Frankfurt in Aufruhr. Beschluß des Rcichsausschusscs der Sozialistischen Arbeiterjugend:„Der 6. Deutsche Arbeiterjugendtag findet am 21. bis 23. August 1931 in Frankfurt a. M. statt." Das war ein Schlag ins Kontor. Nämlich in das kleine Sekrc- tariat der Franksurter SAJ. im Gcwerkschastshaus. Der Borstand kam zusammen. Etwas betreten; denn er wußte, was das heißt: Reiä)sjugendtag! Nebe» der großen Ehre auch Arbeit, viel Arbeit mit den Kräften einer Jugenvorgani- sation. Ein gewaltiges und ge- wagte» Unternehmen. Doch nicht eine Sekunde kam der Gedanke auf, sich zu drücken. Im Gegen- teil! Trog aller nüchternen Uebcr- lcgungen herrschte Freude, große Freude über diesen Beschluß. Das Vertraue» des Reichsausschusjes und des Hauptvorstandes in unser« Organisation wußten wir zu wür- digen. Wird es doch nicht allen Gruppen zuteil, und jede Groß- stadtorganisation ringt um vi« Ehre des Iugendtages. Darum auch die Parole des Vorstandes: „Ran ans Werk!" Begeistert nahmen die Mitglieder die Mit- tcilung in der Generalversamm- lung auf. Reichsjugendtag in Frankfurt! Das lieh manches Herz höher schlagen. Ist es doch der höchste Fest- und Kampstag der sozialistischen Jugendorganisation. Die meisten jugendlichen Mit- glieder kennen die früheren Jugend- tage nur von Bildern, von Berichten in den Zeitungen, von Filmen und Erzählungen. Teils sind sie noch nicht lange genug in der Organisation, teils konnten sie die Teilnahme aus finanziellen Gründen nicht ermöglichen, lind nun in der eigenen Stadt, von der eigenen Organisation gestaltet, selbst mitzuschaffen an dem großen Werk, das mußte Begeisterung wecken. Doch Begeisterung allein schafft es nicht. Sie ist nur der Grund- ftoff, aus dem man immer wieder die Kraft zur Tat und zur zähen, unermüdlichen Arbeit nimmt. Nach der ersten Freude wurden die Köpfe zusammengesteckt, wurden Pläne entworfen, Arbeitsprogramme ausgearbeitet, wurde Arbeit verteilt, organisiert, verhandelt usw. Sitzungen und Kon- fercnzen jagten. In den Mappen häusten sich die Briefe und Akten. Was muß da auch alles gemacht werden I Zunächst: 15000 Burschen und Mädels müssen Quartier haben. Das muß ein Wohmingsausfchuß übernehmen. Er wurde gebildet. Der Iugendtag muß ein Programm bekommen. Große Massenseiern, Kundgebungen und Demonstra- tionen. Die Frankfurter wollen ihren Genossen aus dem Reich zeigen, was sie können. Da tritt der Programmausschuß in Funktion. Die große Festhalle, das Stadion, Kinos und Säle wurden imM! »ur Sahri»um 6. 3)eulsrhen JtrbeHeriugenälag vom 21. dt» 23. Jlugu»! In Frankfurt a. HL gemietet und um den Preis gehandelt. Der Organisationsausschuß findet hier seine Aufgabe. Da darf nicht einfach ins Blaue hinein organisiert werden. Alles kostet Geld, unheimliches Geld, lind der Hauptvorstand ist zähe. Er muß es auch sein. Denn er ist ja auf die Teilnchmerbeitrögc angewiesen, die eingehen. Mit größter Vorsicht und Sparsamkeit wird olle- in» Werk gesetzt. Langsam gewinnt der Rahmen des Jugend- tages Gestalt. Doch das ist alles erst vi» Vorbereitung der Vorbercilungs» arbeiten. Das groß« Geleckt de- ginnt erst. In diesen Tagen wird die ganze Stadt, die in Bezirke eingeteilt ist, von den Ouarti-r- machcrn bearbeitet. In Flug- blättern und Ausrufen werden die Genossen und Freunde aickgcsor- dert, Quartiere zu geben. Die Ouartnrkarten werden, wenn sie ausgefüllt zurückkommen, gesichtet und geordnet in einer Wohnung»- kartothek gesammelt. Daneben sind die Proben für die Feier», für die Iugendchöre und die Aufführungen. Di« ganze Organisa- t i o n ist in Aufruhr. Hun- derte von Jugendgenossen sind ein- gespannt in diesen großen Betrieb. Die Mitglieder der Franksurter SAJ. haben wenig Zeit i» den nächsten Wochen und Monaten, Man wird sie nicht mühig herum- stehen sehen, lleberall, wo man sie sieht, werden sie im Trab sein. Rennen über die Straßen mit Pflichten und Kömmissionen. Von Haus zu Haus, treppauf, treppab. Zu Sitzungen, zu Besprechungen, zu Versammsungen. Mit Notizbüchern, Flugblättern und Quartier- karten. Wer vor dem 23. August saulenzend angetrossen wird, wird ausgeschlossen I Aber das wird nicht vorkommen. Alle helfen gern und freudig. Was getan werden muß, wird getan. Nach Nürnberg, Hamburg und Dortmund soll auch Frankfurt ein würdiger Ausdruck der Kraft der Bewegung werden. Daran wird gearbeitet. Und es wird auch gelingen. Wenn in allen Bezirken die Vorbereitungen für den Rcichsjugendtag so energisch betrieben werden wie in Frankfurt, so braucht niemand bange zu sein. Also rüstet auch ihr, Jugend- genossen von Berlin, Frankfurt steht bereit, euch zu emps«�cn. Ernst Langendorf, M. Oas Schicksal der Ausgelernten. Eine Feststellung des ADGB., Ortsausschuh Harburg« W i l h e l ms b u r g, für den Stadtteil Harburg, veranlaßt uns, die Aufmerksamkeit auf ein besonderes Kapitel der Berufsausdüdung fenfcn. Mit Beendigung der Lehrzeit wurden im April 1931 Stadtteil Harburg arbeitslos: Ausgelernte in der Metallindustrie '46, hiervon je 23 aus Handwerks- und Industriebetrieben, Aus» gelernte aus baugewerblichen Berufen 30, aus dem Holzgewerbe 13, au» sonstigen Berufen(Bäcker, Friseure, Sattler, Schuhmacher usw.) Ii, aus den kaufmännischen und Angestelltenberufen 34, insgesamt 137. Nach drei- oder vierjähriger Lehre, in dem Augenblick, wo sie Mit ihren Berufskenntnissen sich einen einigermaßen Lohn verdienen zu können glaubten, wurden diese jungen Menschen auf die Straße gesetzt. Harburg ist kein Einzelfall. In allen Städten und Dörfern wird es taufenden Lehrlingen ähnlich ergangen sein. Da» Schicksal der Ausgelernten, die tn so starkem Maße in» Heer der Erwerbs- losen gedrängt werden, ist ein ernstes Problem: nicht nur für die Sozialpolitik, sondern auch für den Nachwuchs der Qualitätsarbeiter. viele dieser Ausgelernten werden ihren Beruf wieder verlernen. Und zum anderen: die Lust, einen Beruf zu erlernen, wird'immer geringer: denn wozu die Last der vier Lehrjahre den Eltern auf- bürden, wenn man doch nur die Aussicht hat, arbeitslos zu werden? Das Schicksal der Ausgelernten geht uns alle, die wir über den Tag hinaus sehen müssen, an, den Arbeiter ebenso sehr wie den Unternehmer._ Wir wollen den Frieden! Eine Stimme aus LlEA. Es gibt viel« Studenten und junge Arbeiter in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, die die Probleme des Friedens sehr ernsthaft betrachten und wissen, daß es sich dabei um die lebens- wichtigste Frage von heute handelt. Wir in den Vereinigten Staaten haben die Schrecken des Krieges nicht in demselben Maße erfahren wie unsere europäischen Freunde— aber wir lesen darüber und sind auf das Tiefste über die Abscheulichkeiten des Krieges erschüttert. Jedes Volk, da» einen Krieg billigt, begeht ein großes Unrecht, denn der Krieg ist nichts anderes als gesetzlicher Mord, er ist duinm, zerstörend und unnötig. Darum ist es unser ernstester Wille, zu jeder Zeit für den Frieden zu streben. Viele Leute sprechen heute über den nächsten Krieg, als wenn es sich um eine Wiederholung des letzten handelt. Wer wie irren sie sich! Durch die neuesten Erfindungen giftiger Gase, Raketen, Aeroplane und Hunderten anderer tödlicher Zerstörungsmittel, würde «in zukünftiger Krieg die vollkommene Auslöschung jeder Zivilisation bedeuten! Wir betrachten es darum als die Aufgabe der Jugend der gongen Welt, diesen Krieg zu verhindern. Wenn auch die ältere Generation für den Frieden arbeiten kann, und e» zum Teil auch tut, so wird doch die Hauptlast auf uns ruhen, der jungen Generation Im Februar 1932 soll eine große Abrüstungskonferenz statt- .finden. Wir vernahmen hier tn Amerika, daß in England und in anderen Ländern eine umfangreiche Kampagne unternommen wer- den soll, um dem Volt begreiflich zu machen, wie wichtig gerade diese Konferenz ist. Tausende von Petitionen sollen in den ver- fchiedenen Ländern unterzeichnet werden, um die Regierungen auf- zufordern, endlich Ernst mit der Entwaffnung zu machen, diese Konferenz mit einer wirklichen Abrüstung endigen zu lassen und Nicht wieder nur mit einer kleinen Rüstungseinschränkung. Auch wir wollen in unserem Land eine solche Kampagne durchführen. Wir wollen den Frieden und das Volk muß gehört werden! Hier ist eine Gelegenheit für die gesamte sozialistische Jugend, sich mit allen Kräften an der Arbeit für den Frieden zu beteiligen! Anne Fox, Syracuse, New Port, USA. Anmerkung de» Uebersttzers: Die amerikanische Genossin Anne ffox hat im Vorjahr mit einer amerikanischen Voltshochschule«ine Studienreise durch Deutschland gemacht. Sie brachte nichts mit, als großes Verständnis und Interesse für soziale Probleme. Die Be- rührung mit der deutschen Arbeiterbewegung, Filme, Besichtigungen, Vorträge, Diskussionen, Insbesondere mit der Sozialistischen Arbeiter- fugend haben jedoch einen so nachhaltigen Eindruck aus sie gemocht, daß sie als begeisterte Sozialisttn zurückkehrte und heut« die Leiterin «iner Gruppe sozialistischer Studenten und Jungarbeiter in Syracuse, New Jork, ist. Studenten in Frankreich. Der französisch« soztaltsttsche Studenten» k o n g r ejz fand in Toulouse statt. Er legte ein beredtes Zeug- ni» fünMrs Wachstum und die innere Konsolidierung der französi- fchen sozialistischen Jugendbewegung ab, die mit ihren rund 1209 Mitgliedern an einer großen Reihe ftanzösischer Hochschulen und Lehrerseminare Fuß gesaßt hat. Die Tagung wurde eingeleitet durch eine öffentliche Kundgebung, die am Sonntagoormittag im Stadttheater stattfand. Daran anschließend formierte sich ein Demonstrationszug zu dem Denkmal von Jean Jaures, wo der Sekretär namens der Internationalen Sozalfftischen Studentenföde- Nation Blumen niederlegte. Die Stadt Toulouse, deren Verwaltung rein sozialistisch ist. und ihr Bürgermeister, Genosse B t l l t e r e, luden die etwa 100 Tagungsteilnehmer in das Rathaus zu einem feierlichen Empfang ein. Die Tagung selbst nahm einen durchaus harmonischen Verlauf. Die Vertreter der einzelnen Gruppen erstatteten ihre Berichte, und die verschiedenen Organisationsfragen wurden eingehend diskutiert. Entsprechend den bejonderen französischen Verhältnissen(Sicherung der Demokratie, der Republik und des parlamentarischen Kräfte» spiels) ist die Haltung unserer französischen Genosien vorläufig Koa» litionen jeder Art gegenüber recht ablehnend. Es fand dies feinen Ausdruck darin, daß man ebenso gegen die französische Sektion der FUJ. wie gegen die republikanische Linksorganisation LAURS. ein» stimmig die Exklusive beschloß, das heißt also die Unvereinbarkeit der Mitgliedschaft in beiden Organisationen. Demgemäß wurde auch beschlossen, sich an einem tn Marseille geplanten deutsch-ftanzösischen Studententreffen, an dem auch bürgerliche ftanzösische Studenten» organisationen teilnehmen sollten, nicht zu beteiligen und den anderen Bruderorganisationen einen demenffprechenden Wunsch zu Übermittelm Zum Sekretär wurde Genosse I t a r d wiedergewählt. Die französische Redaktion des„Etudiant sodaliste" wurde dem Genossen B o i v i n übertragen und an Stelle des durch bevorstehen» den Heeresdienst verhinderten Genossen Häver der Genosse Mar- j o l i n zum Mitglied im Exekutivkomitee vorgeschlagen. Den Hauptteil der Tagung bildete eine auch in der Diskussion auf beträchtlicher Höhe stehende Auseinandersetzung über die Fragen der Kultur, da» ist in französtichem Sinn» der „Bildung". Eingeleitet wurde die Debatte durch ein Referat der Genossin L e f r a n c- Genf und abgeschlossen wurde sie durch Aus- führungen des bekannten Pädagogen und Abgeordneten Genossen Professor Z o r e t t t und des gerade eben durch sein Buch„Per- spectives focialistes" in den Vordergrund des Interesses gerückten Sekretärs der Kammerfraktion, Genossen Marcel D e a t. Im all» gemeinen kam in der Diskussion und in den Referaten die Forde- rung nach einer Demokratisierung de» Bildung»- wesens und die Sorge zutage, daß durch ein« Begabtenauslef« nicht eine Entproletarisierung des einzelnen, sondern ein wirklicher Aufstieg befähigter und fest in der proletarischen Bewegung ver» wurzelter Genossen erfolge. Genosse Friedländer wies in der Diskussion auf die deutschen Bemühungen in dieser Hinsicht hin und brachte auch die von der sozialistischen Studentenschaft Deutsch« lands und Oesterreichs gemachten Vorschläge zur Hochschulreform zum Vortrag. /OiS DER JUGEND-INTERNATIONALE Gruß an die spanische Jugend. An dem Sieg der Republikaner in Spanien hat auch die sozia» listische Jugend Spaniens ihren bedeutsamen Anteil, denn die jungen Sozialisten haben in der Presse und durch mündlich« Propaganda viel für dieses Ziel gewirkt. Dt« spanische sozialistische Äugend- organisation hat bei der Regierung beantragt, da» Wahlalter auf 21 Jahr« festzusetzen. Da» Sekretariat der Sozialistischen Iugend-Jnternationale hat den spanischen Genossen fol- genden Gruß übermittelt: „Wir haben mit großer Freude von den letzten Vorgängen in eurem Lande Kenntnis genommen, und wir möchten nicht versäumen, euch zu dem Sieg der Bepublit die herzlichsten Glückwünsche unserer Internationale zu übermitteln. Wir hoffen, daß«s der Tätigkeit der sozialistischen Arbeiterbewegung und der sozialistischen Jugend- bewegung in Spanien gelingen möge, auf der Grundlage des neuen Staates unsere gemeinsamen sozialistischen Ziel« der Verwirklichung näherzubringen. Ihr dürft überzeugt sein, daß ihr tn eurem Kamps für die Demokratie und den Sozialismus stets auf die volle Sym» pathie und die unbedingte Unterstützung der in der Soziallstischen Iugend-Jnternationale vereinigten jungen Generation der sozialistt- schen Arbeiterbewegung rechnen!Mnt. Wir zweifeln nicht daran. daß die sozialistssche Jugend Spaniens, die sich so tapfer tm Kamps gegen die Diktatur geschlagen hat, auch unter den neuen Berhält» nissen stets als eine Kerntrupve»er internationalen sozialistischen Jugendbewegung wirken wird. RUNDLONAU Mehr Lugendurlaub! Wie dem Amtlichen Preußischen Pressedienst mitgeteilt wird, hat sich der Arbeitsausschuß der Reichsarbeitsgemeinschaft für Jugend- erholungs- und Heilfürsorge(JEHRAG.) eingehend mit dem Antrag des Reichsausschuffes der deutschen Jugendverbände an die Reichs- regierung auf Herbeiführung eines Sonderschutzes für erwerbstätig« Jugendliche beschäftigt. Aus Anregung des Deutschen Städtetage« ist am 27. April 1931 mit den Vertretern der Arbeitgeber- und Ärbeitnehmerverbände nochmals die gesamte Frage des Jugend- lichenurlaubs beraten worden Nach eingehender Aussprache wurde von den an der Arbeit der JEHRAG. beteiligten Stellen einstimmig nachstehende Einschließung angenommen:„Die JEHRAG. hält vom Standpunkt der Gesundheitsfürsorge die gegenwärtige Urlaubs- regelung für erwerbstätig Jugendliche für unzureichend. Sie be- grüßt die Initiative des Reichsausschuffes der deutschen Iugendver- bände zu dieser Frage. Vom gesundheitlichen Standpunkt hält sie die sofortige gesetzliche Regelung einer ausreichenden Ur- laubsgewährung für dringend erforderlich."