Zugend-Vowarls sr. s Beilage zum Vorwärts so. August mi Wie ist es bei Für keinen Sozialisten ist es verwunderlich, daß eine so sehr von politischen und weltanschaulichen Gegensätzen zerklüftete Zeit wie die Gegenwart auch die Jugend zu politischer Stellungnahme zwingt. Es ist auch nicht ausfallend, daß die Beurteilung mancher politischer Tagesfragen bei der sozialistischen Jugend völlig anders ist wie bei der älteren Generation der Arbeiterbewegung. Man kann sogar ohne jede Einschränkung zugeben, daß die Sozialdemo- kratie durch den Zwang der politischen und wirtschaftlichen Ber- hältnijse zu Handlungen genötigt worden ist, die dem Gefühl über- zeugter sozialistischer Jugend und wohl auch dem Wortlaut mancher marxistischer Lehrsätze nicht aus den ersten Blick gerecht werden. Ueber solche Gegensätze läßt sich sachlich streiten und stets dürfte es in einer demokratisch gerichteten Bewegung zu einer für alle Teile tragbaren Einigung kommen. E» ist aber auch schon vorgekommen, daß in scharfer Debatte das W«rt gefallen ist:„Das kann man nicht mehr mit- machen. Man wird sa fast gezwungen, zu den anderen zu gehen." Zur Ehre der sozialistischen Jugend darf festgestellt werden, daß diesem zorngeborenen Wort bei reiflicher Ueberlegnng fast nie die Tat folgt. Die politische Schulung unserer Jugend bewahrt sie vor der Torheit, aus einer Gefühlsaufwallung heraus zu Thälmann oder zu Hitler überzulaufen. Irgendwelche Sehnsucht nach jenen„anderen" kann zweifellos nur der Jugend- liche empfinden, der nicht weiß, welche Rolle die Jugend bei den „anderen" spielt und zu welchen erbärmlichen Zwecken sie dort miß- braucht wird. Keine Meinungsfreiheit bei den Kommunisten. In der kommunistischen Bewegung findet der Jugendliche vor allen Dingen keinerlei Meinungsfreiheit, die dem Wesen der streng diktatorisch von Moskau aus dirigierten Bewegung widersprechen würde. Die Kommunisten sind nicht nur Gegner der Demokratie im Staate, sondern auch innerhalb ihrer eigenen Organisationen. Wer über politische Grundsätze oder über politisch-taktische Tages- fragen eine von der Führerschaft bekämpfte Ansicht hat, macht sich nicht nur mißliebig, sondern wird über kurz oder lang wegen Ber- stoß gegen die offizielle„Parteilinie" ausgeschlossen. Während sich die starke Sozialdemokratie über jede Frage Diskussionsfreiheit er- laubt und lediglich nach erfolgtem Beschluß geschlosienes Handeln verlangt, gilt in der KPD. schon das Aussprechen einer abweichen- den Meinung als„Verrat an der Partei Lenins". Gerade wer da irrtümlich meint, in der sozialistischen Bewegung herrsche zu wenig lebendige Deinokratie, würde von den Zuständen in der Kommuni- siischen Partei bitter enttäuscht werden. Gänzlich ausgeschlossen aber ist es, daß die KPD. jemals ihren jugendlichen Anhängern Diskutierfreiheit und offene Kritik an der Haltung der Partei gestattet, ein Recht, von dem die sozialistische Jugend ja weitgehenden Gebrauch macht. Ueberhaupt läßt sich die kommunistische Jugendorganisation mit unserer SAI. nicht vergleiche». Für die Kommunisten ist die Jugendorganisation nichts anderes als ein Zweig der Partei und für sie gibt es gleichfalls keine Demokratie, keine Meinungsfreiheit, keine organisatorische Selbstverwaltung, kurzum überhaupt kein Eigenleben. Gerade darum wird die Kommunistische Jugend auch nie nennenswerte Massen jugendlicher Arbeitnehmer erfassen. Der Versuch, aus den Jugendlichen mit aller Gewalt buchstabengläubige, hundertprozentige Schlagwortsowjetsternler zu machen, muß kläglich scheitern. Anbetung der brutalen Gewalt. Besonders abstoßend auf unser« für geistige Arbeit erweckte Jugend muß die bei den Kommunisten zur Parteiparole erhobene Anbetung der brutalen Gewalt wirken. In der scharfen Feindschaft gegenüber freiem geistigem Arbeiten sind sich die Kommunisten durchaus einig mit unseren Gegnern von ganz rechts und auch in manchen taktischen Fragen, wie z. B. beim Volksentscheid in den anderen? Preußen. Geistig selbständige Menschen sind ihnen verhaßt, er- wünscht dagegen sind solche Naturen, die sich stets mit den Wasser- suppen einiger Phrasen und Schlagworte abspeisen lasten, die jede „von oben" anbefohlene Schwenkung gehorsamst mitmachen und sich beim stumpfsinnigen Auswendiglernen des ihnen in die Hand gedrückten Referentenmaterials bewähren. Der kommunistischen Jugend wird der Klassenkamps im„Heugabelstil" gepredigt. Putsch, Straßenkampf, Schlägereien mit Gegnern und mit der Polizei, feige Ueberfälle, Versammlungsprengungen werden als Höhepunkte des Klassenkampfes gepriesen. Dagegen wird jede für den einzelnen Proletarier wie für die gesamte arbeitende Klasse segensreiche poli- tische, soziale und gewerkschaftliche Arbeit unserer Genossen als Klastenverrat abgetan. Es mag Jugendliche geben, die das alle» aus Unwissenheit und Krttiklosigkest mitmachen. Aber abstoßend auf jeden sozialistisch fühlenden jungen Menschen muß doch vor allem die Tatsache wirken, daß sich die gesamte Tätigkeit aller kommunistischen Organisationen, und darunter natürlich auch der kommunistischen Jugend, gar nicht gegen den wirklichen Klassenfeind der Proletarier, sondern gegen die sozialdemokratisch und freigewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft richtet. Dabei wird, angefangen von Verleumdungen und Be- schimpfungen gegen uns, bis herunter zur Anwendung von Schlag- ring, Dolch und Schießeisen, kein Mittel verschmäht. Man kann sich nicht vorstellen, daß diese Methoden proletarischer Selbstzersleischung, die allein der Reaktion dienlich sind, aus sozialistische Jugend irgend- welche Anziehungskraft ausübt. Im Gegenteil muß die KPD. allen idealen Schwung sozialistischer Ueberzeugung bei jungen Menschen e> sticken. Lind bei Adolf Hitler? Geradezu widersinnig ist der Gedanke, daß ein Jugendlicher aus Unzufriedenheit etwa von der SAI. zur Hitler-Jugend hiii- überwechselt. Der Sozialismus kann für einen jungen Menschen einfach keine„Durchgangsstation" zum National„sozialismus" fein, oder er müßte alles verbrennen, was er bisher angebetet hatte. Der „Sozialismus" Hitlers ist kein Ersatz für unsere sozialistisch- marxistische Anschauungskrife, sondern ihr striktes Gegenteil. Die Zugehörigkeit zahlreicher kapitalistischer Scharfmacher zur NSDAP. beweist am treffendsten, daß die Gegner der organisierten Arbeiter- schaft von der Hakenkreuzpartei nichts befürchten, sondern umgekehrt an ihrer Stärkung interessiert sind. Zuweilen hört man das Argument, weil die Nazibewegung völlig neu und von keiner Ueberlieferung belastet sei, wirke sie auf große Teile der Jugend anziehend. Für die proletarische Jugend dürfte das kaum zutreffen. Und was ist denn das„Neue"? Etwa der blindgläubige Gehorsam des einzelnen Nationalsozialisten gegenüber dem ihm aufge- zwungenen„Führer"? Hitler hat seinen Anhängern verboten, noch der Vergangenheit der von ihm oder seinen Kumpanen eingesetzten Führern zu forschen. Bon diesen ist, wie sich inzwischen heraus- gestellt hat, ein erheblicher Teil vorbestrast und alles andere als moralisch einwandfrei Auch in der Hitler-Jugend wirken solche zweifelhafte Elemente im Sinne der„arischen Läuterung der deutschen Volkes". Die homosexuellen Affären in der Münchener NSDAP.-Zentrale, dem„Braunen Hause", deuten auf erhebliche l seelische Gefährdung der Jugend in den Reihen der Hakenkreuz- parte! hin. In diesem Zusammenhang ein Wort über die C i n st e l l u n g der Nationalsoziali st en zum weiblichen Ge- schlecht. Die sozialistische Jugendbewegung hat von Ansang an die Gleichberechtigung von Burschen und Mädchen tn ihren Reihen durchgeführt, eingedenk der Erkenntnis, daß die Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse im sozialistischen Sinne nur gelingen wird, wenn beide Geschlechter dafür wirken. Alle Einsichtigen haben längst erkannt, daß nur eitle Selbstüberhebung davon reden kann, daß aller gesellschaftlicher Fortschritt„Männerwerk" se> Den Haken- treuzlern sind diese Gedankengänge verhaßt. In ihrer Pfaueneitel- Wt betrachken sie Frauen und Mädchen als„Magd und Dienerin". dem„aufgenordeten Mann" zur Luft und Bequemlichkeit geschaffen, Gebärmoschinen und dienstbare Geister, ohne das Recht zur Eni- saltung ihrer Eigcnpersonlichkeit. Dieser Rückfall ins schwärzeste Mittelalter kann keinen sozialistischen Burschen und kein Mädel aus der proletarischen Jugendbewegung begeistern. -,Hände an die Hosennaht!" Gerade in der sozialistischen Jugendbewegung sind wir es ge- wohnt, an die Führer den strengsten Maßstab anzulegen und ihr Verantwortungsbewußtsein durch das Mittel der demokratischen Selbstbestimmung unserer Organisationsmitgliedcr stets wach zu halten. Bei der Hitler Jugend gibt es nur—„Hände an die Hosen- naht!"— ein gedankenloses Parieren vor dem Führer, der sich all- mählich wie ein Halbgott fühlt. Und das sollte neu sein? Rein, das ist eine schlechte Nachahmung des im früheren preußischen Militarie- mus üblich gewesenen„Kadavergehorsams". Vor ollem ist es Aufgabe der Hitler-Iugend, ihren Anhängern engstirnigsten Nationalsozialismus einzupauken. Was die Nazis „Liebe zu Volk und Heimat" nennen, ist nichts anderes als über- spannte Selbstsucht und Haß gegen andere Nationen, denen Deutsch- lond angeblich nur durch einen neuen Krieg imponieren kann. Di« großen Erlebnisse der sozialistischen Jugend auf ihren großen inter- nationalen Jugendtagen sind den Nationalsozialisten ein Greuel. Ihre„Liebe zum deutschen Volt" betätigen sie u. a. in Gewalt« tötigkeitcn gegen sozialistische Volksgenossen, die nicht auf Hitlers Phrasengebimmel schwören. Sie erwarten wie die Kommunisten olles Heil von gewalttätigem Vorgehen und ziehen die„schlagenden" Argumente den geistigen vor. Ihr ganzer Sozialismus erschöpft sich in einem barbarischen Rassenhaß, der noch zu allen Zeiten das Kennzeichen geistiger Beschränkung gewesen ist. Schon die fanatische Wut, mit der die Nationalsozialisten alles vernichten möchten, was jahrzehntelang sozialdemokratische und frei» gewerkschaftliche Kämpfe unter großen Opfern erobert haben, rückt sie in die vorderste Reihe aller Arbeiterscinde. Bei der Hitler- Bewegung kann nicht landen, wer je aus tiefem Gefühl und mit klarem Verstand Sozialist gewesen ist! Dieses noch keineswegs vollständige Bild von den„anderen" mag genügen. Unsere sozialistische Bewegung hat einen Vergleich mit den Organisationen der Kommunisten und Nationalsozialisten nicht zu fürchten. Die sozialistische Jugend ist zumeist ein gestrenger Kritiker. Aber wenn sie die Tatsachen gerecht gegeneinander ab- wägt und sachlich zu allen politischen Streitpunkten Stellung nimmt, kann sie stets nur zu dem einen Ergebnis kommen: Treue der sozialistischen Idee— heute mehr denn jel Itans Hackmack. Gedanken der Daheimgebliebenen. Endlich war es beschlossen: Der 6. deutsche Arbeiter- jugendtag findet in Frankfurt a. M. statt. Zweifelnde Stimmen erhoben sich.„Jetzt in dieser Wirtschaftskrise einen Jugendtag vcr- anstalten? Wir haben fast 5 Millionen Erwerbslose. Der zehnte Teil davon sind Jugendliche. In der Organisation sind 10 bis 20 Proz. der Jugendgenossen arbeitslos." „Und trotz alledem müssen wir es schaffen", war die Zlntwort. Wie heißt die Parole?„Gegen Faschismus und Kriegsgejahr, für Demokratie und sozialistischen Ausbau." Kein rauschendes Fest sollte unser Jugendtag sein, sondern eine vom Geiste der Massen getragene Kampskundgebung. Nicht wie beim Jugendtreffen des GdA. mit der Ueberschrift:„Jenseits der Politik". Di« Jugend ist Objekt der Wirtschaft und der Politik und kann sich darum nicht abseits der Politik und des wirtschaftlichen Geschehens stellen.„Kinder noch, aber schon stehen sie im Produk- tionsprozeß."(Otto Wels in Leipzig.) Unsere Aufgaben und Ziele sind damit klar umrissen. Eine fieberhafte Tätigkeit wurde im Verband der Sozialistischen Arbeiterjugend entfaltet. Tausende von Plaketten wurden verkaust. Kundgebungen und Veranstaltungen aller Art brachten Einnahmen. Sammlungen in der Partei vergrößerten die Geldmittel. Die Soli- darität und Opferbereitschaft der Alten für die Jungen feierte Triumphe. Die Lehrlinge sparten Pfennig um Pfennig. Doch alle konnten nicht mitfahren. Mit brennendem Herzen und von heiligem Zorn erfüllt standen wir Daheimgebliebenen am Sonderzug. Wir sahen eure freudigen Gesichter, euren Kampfgeist, die ihr in Frankfurt dabei sein konntet. Ihr konntet milmarschicrcn für die großen Forderungen der arbeitenden Jugend. Aber Genossen, kein Neid erfüllte uns, sondern der starke Wille, mit ganzer Kraft dafür zu arbeiten, verstärkt zu arbeiten, daß am nächsten Jugendtag auch wir, die Arbeitslosen, wieder mit dabei sein dürfen. Worte schwirrten an jenem Freitagabend auf dem Zlnhalter Bahnhof durch das Abschiedsrnfen. „Warum fährst du denn nicht mit?" „Mensch, ich gehe schon zwei Jahre stempeln!" Oder:„Ich habe keinen Urlaub bekommen, aber jetzt soll ich plötzlich aussetzen." Und noch anders:„Mein Alter sagte, mich brauche er unbedingt Noch, um Morgen die Matratzen fertig zu polstern. Ja, ja, eilige Arbeit. Und dabei bin ich erst im ersten Lehrjahr. Aber nun mache ich morgen überhaupt nischt." Mit brausenden Freundschaftsrufen verließ der Zug die Bahn- Hofshalle und wir Daheimgebliebenen gingen schweigend nach Hause. Am Sonnabendabend. Ihr marschiertet am Römerbcrg auf. Gebannt warteten wir am Radio.„Achtung, wir unterbrechen die Uebertragung aus dem Funkhause und senden einen Ausschnitt vom 0. deutschen Arbeiterjugendtag in Frankfurt a. M." Wir hörten dann eure brausenden Rufe. Wir hörten den Sprechchor. Erich Ollenhauers Worte an uns. Ein kleiner Trost war es für uns, daß ihr in jener Stunde, die eure Herzen schneller schlagen ließ, der Daheimgebliebenen gedachtet. Jawohl, �iur die wirtschaftliche Not hielt uns davon ab, nicht auch da zu stehen, wo ihr standet. Genosse Grimme hatte recht, wenn er sagte:„Wirtschaft ist Schicksal, aber Wirtschast kann mich zum Verhätignis werden." Sorgen wir nun alle dafür, ihr Frantsurtsahrcr und wir„Da- hciingebliebenen", daß diese Wirtschaft einen anderen Sinn bekommt. Sorgen wir stärker als je dafür, daß die wirischastliche und politische Unvernunft einer planmäßigen und sinnvollen Ordnung weicht. „Und wir„Daheimgebliebenen" werden dann das nächstemal wieder dabei sein. Ernst Iloffmann. Die Zahl der ungelernten männlichen Berufsschüler. In einem Aufsatz in H«st 10, Jahrgang 1930„fiehriingsschutz", herausgegeben von der Wiener Kammer für Arbeiter, Angestellte und Beamte, ist ein umfangreicher Aufsatz von Johannes Schult, Ham- bürg, über das Berufsschulwesen für die männliche ungelernte Jugend in Deutschland, dem wir die folgenden Abschnitte entnehmen: Von den 49 Großstädten haben 43 nach eigenen Angaben die Berussschulpslicht für die gesamte männliche ungelenre Jugend eingeführt. Gladbach-Rheydt hat sie nur in einem Stadtteil. Von den 45 Mittelschulen berichten drei, daß sie die Ungelernten nicht eingeschult haben. Hildesheim hat nur einen Teil eingeschult. Von 54 Städten zwischen 20 000 und 50 000 Einwohnern haben 48 gc» anlwarlct, daß in ihnen die Berussschulpfilicht für männliche ungelernte Jugendliche bestehe, während sechs Städte mit Nein gcant- ivortet haben. Unter diesen kleineren«tädten sind inanche, deren Schiilerzahl weit größer ist als diejenige mancher Stadt aus der Größenklasse zwischen 50 000 und 100 000 Einwohnern. Von 148 Stadien mit einer Einwohnerzahl von mehr als 20000 ist in 137 d.c Berussschulpslicht für die männliche ungejernle Jugend eingeführt, in zwei Stödten teilweise. In neun Städten ist noch eigenen Angaben die Berufsschulpflicht für diese Jugendlichen nicht cingeiührt. Das Ergebnis dieser �Betrachtung ist also, daß bis auf ganz wenige Ausnahmen alle Städte von mehr als 50 000 Einwohnern die ungelernten männlichen Jugendlichen zur Berufsschule heran- ziehen, daß weiter auch ein sehr großer Teil der Größenklasse von 20 000 bis 50 000 Einwohnern so verfährt. Persönlich ist mir weiterhin bekannt, daß außerdem zahlreiche Orte mit einer Ein- wohnerzahl unter 20 000 Einwohnern die Berufsschulpslicht sür die männlichen ungelernten Jugendlichen eingeführt haben. Das Bild ist also immerhin einigermaßen erfreulich und dürste sich vorteilhast von der Bcrufsschulpsticht sür di« entsprechende weibliche Jugend unterscheiden, die auch in ganz großen Städten oft nur sehr dürstig durchgeführt ist. Nach den mir gemachten Angaben beträgt die Schiilerzahl in den Großstädten 73 774, in den Mittelstädten 12 206, in dm 48 kleineren Städten 6820. Die Zahl der Schüler in den noch kleineren Orten läßt sich auch nicht annähernd schätzen, dürfte aber nicht erheblich sein. Die Gesamtzahl beträgt also 92 800, wozu die Schüler der nichterfaßten und der noch hleincren Gemeinden kämen. Insgesamt kann, mit mehr alz 100000 Ungelernten in den deutschen Berufs- schulen gerechnet werden. Lugend i Notzeit! Von allen Seiten klingt dieser Ruf wider. Wohnungs- not, Wirtschastsnot, Erwerbsnot und nicht zuletzt: Jugend in Not! Gerade die letzten Wochen und Monate waren erfüllt von diesen Hilferufen der jungen heranwachsenden Generation, weiche vielfach ein trübes und freudcnarmcs Leben hinter den Mauern der Fürforgeerzichungsan st alten führt. Scheuen, Ricklingen, Gütergotz und Bethfeda find noch in aller Erinnerung. Wer hat nicht mit einer unendlichen tiefen Erbitte- rung an den Gerichtsverhandlungen und anderen Veröffentlichungen wieder die traurige Erfahrung machen müssen, wie junge Menschen, die hart vom Schicksal angepackt wurden, statt einer neuen und besseren Welt zugeführt zu werden, gerade durch Drangsalicrungen und Mißhandlungen aus die abschüssige Bahn getrieben wurden. Man kann hier nicht die Frage stellen: wer ist schuld. Denn mag auch der einzelne Erzieher ein hohes Maß von Verantwortung tragen, mag er das in ihn gesetzte Vertrauen schnöde mißbrau6)eii. er bleibt— wenn auch eine traurige— Einzelerscheinung. Es muß heißen: was ist schuld. Stellt man aber so die Frage, dann kommt man all diesen traurigen Erscheinungen des Systems um «in wesentliches näher. Verstaatlicht die Erziehungsansts-ien! Wir haben in Deutschland über 300 Crziehungshäuser. Hier aber zeigt sich gleich eines der Grundllbel. Fast olle diese Anstalten werden nicht von wirklich geschulten und für die schwere Aufgabe befähigten Pädagogen geleitet, sondern sie unterstehen in der Mehr- zahl kirchlicher Leitung. Selten hat sich bisher gezeigt, daß durch eine religiöse Erziehung sich die Schattenseiten eines Menschen beseitigen lassen, die in dem schlechten sozialen Milieu ihre Ursachen haben. Denn 98 Proz. aller Jugendlichen, die in den Erziehungs- Häusern untergebracht werden, sind verwahrlost oder sittlich gefährdet, weil ihnen in den proletarischen Wohnhöllcn nicht jene unbedingt notwendige Pflege und Sorgfalt zuteil werden kann, die im Jnter- esse einer guten Erziehung und Entwicklung des jungen Menschen erforderlich ist. Soll wirtlich dieser Jugend, die ein entrechtetes Dasein führt, geholfen werden, dann ist es erste Pflicht, die Leitung dieser Anstalten in andere Hände übergehen zu lassen. Hier hilft kein Beten und Frömmeln, hier sind Menschen not, die ein warmes Harz für den Jugendlichen, ein volles Verständnis für sein Milieu und die wirtlich« Befähigung haben, den Gestrauchelten und Ge- jährdeten den rechten Weg zu weisen. Dazu berufen sind aber in erster Linie der pädagogisch geschulte Arzt und ausgesuchte Erzieher. Die Not unserer Jugend erfordert staatliche und behördliche Anstalten. So wie auch die Schulen in den Händen des Staates liegen, so selbstverständlich müßte eigentlich auch schon längst das Anstaltswcsen verstaatlicht fein. Gewiß auch in den behördlichen Anstalten haben sich in letzter Zeit erhebliche Mängel offenbart, doch die wesentlichsten Beanstau- düngen kamen bisher aus den kirchlicher Leitung unterstehenden Er- ziehungshöuser». Woher kommt die Anstaltsjugend? Betrachten wir einmal näher die gesellschaftliche S ch I ch t u ng und die Umgebung, der diese Anstaltsjugend entstammt. Die 9K00 im Jahre 1926 in die Fürsorgeerziehung über- wiesenen Jugendlichen kamen aus 81S9 Familien, von denen 3005 mehr als«in Kind in der Zwangserziehung hatten. Sehr hoch ist auch die Zahl der Halb- und Vollwaisen unter den Zöglingen. Vor dem 6. Lebensjahr hatten 751 Kinder den Vater, 658 die Mutter, und 45 beide Eltern, zwischen dem 6. und 14. Lebensjahre 885 Kinder den Vater, 1134 die Mutter und 169 beide Eltern verloren. Wenn man dazu berücksichtigt, daß 1533 Kinder unehelich geboren waren, daß die Eltern von 854 Kindern geschieden waren, so ergibt sich: für über die Hälfte der Zöglinge waren die natürlichen Bedingungen für eine gesunde Entwicklung nicht voll gegeben. Neben den schlechten Wohnungs- und Erwerbsverhältnissen führen Trunksucht, Unzucht, Arbeitsscheu und andere schlechte Neigungen der Eltern zur Verwahrlosung der Jugendlichen und Kinder. 2844 Kinder stammten von Eltern, die erblich belastet waren. 538 Jugendliche hatten geisteskranke oder geistesschwache Eltern. Hier ist es nicht weiter verwunderlich, wenn unter diesen Verhältnissen die Eltern wiederholt mit dem Strafgesetz in Konflikt gerieten. In den 1430 ermittelten Fällen waren bei 955 Kindern der Vater, in 281 Fällen die Mutter und in 194 Fällen beide Eltern vorbestraft(meist mit Gefängnis). Geben diese Zahlen auch nur einen verhältnismäßig kleinen Ein- blick in die traurigen Familienverhältnisse der bedauernswerten jungen Menschen, so sind sie doch geeignet, einen Anhaltspunkt für n Ketten. die Schwierigkeit der Betreuung unS Förderung dieser Jugendlichen zu liefern. Eine weitere Erschwerung bedeutet es, daß für einen jeden Zögling durchschnittlich im Monat nur etwa 40 M. ausge- warfen werden. Bei einer solchen geringen Summe ist es auch nicht nur annähernd möglich, alle Errungenschaften und Erkenntnisse der Wissenschaft und Technik im Dienste der Aufzucht dieser Menschen» linder zu stellen. Es grenzt an Pflichtoergessenheit der verantwortlichen Stellen, hier, wo es sich um wertvollste Arbeit und um d>« Zukunft Tausender von Menschenkindern handelt, so lächerlich kleine Betröge bereitzustellen. Zwangserziehung und Oeffentlichkeit. Neben den Sorgen um das Los der FllrsorgezögstnZe geht das Ringen um die vollkommene Aus- und Umgestaltung der Zwangserziehung unter regster Anteilnahme der gesamten Oefsent» lichkeit. Wir müssen uns klar darüber werden, daß eine gänzliche Neugestaltung auch hier erst möglich ist, wenn der Sozialismus feine» entzzAtizen Sieg errungen hat. Solange dies aber nicht de: Ksll ist, müssen wir im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten an die Verbesserung der Zwangserziehung herangehen. Mit der Ilmgestaltung des Aufsichtsrechtes und der Einstellung wirklich befähigter Erzieher und Aerzte wird vieles sich zum Besseren wenden. Die gründliche berusliche Schulung der Zöglinge unter Berücksichtigung aller Erfordernisse der modernen Betriebsarbeit wird einem großen Teil der Anstaltsjugend die Befähigung geben, ein geordnetes Erwerbsleben zu führen. Es ist selbstverständliche Pflicht, diesen Jugendlichen in erster Linie olle freien Stellen zu vermitteln. Durch eine ständige Aufklärungsarbeit ist dafür Sorge zu tragen, daß ihnen aus ihrer Anstoltsvergangenheii keine Nochteile erwachsen. Die Abschaffung der Prügel st rase und ahn- licher niederdrückender Strafen ist oberstes Gebot. Immer aber sollen wir uns vor Augen halten: auch der Fürsorgezögling ist ein Mensch, der gerade durch seine traurige Loge und Kindheit ein doppeltes Anrecht auf Liebe und Sorgfalt hat. Ihn als gleichberechtigten Menschen zu werten, heißt viele hofsnungs- und lebensfreudige Elemente der Gesellschaft zum Nutzen der Allgemeinheit zu erhallen. Darum ist der Kampf für ein besseres Los der Anstaltsjugend ein Kampf von uns allen. Villi Xernix. Jugendliche vor dem Kadi. Dem flüchtigen Beobachter mag es scheinen, als ob die großen Strafprozesse gegen Jugendliche sich in den letzten Jahren in er- schreckendem Maße gehäuft hätten. Verschiedene Movdprozesse gegen Schüler und im Ansang dieses Jahres der Prozeß gegen Luise Neu- mann haben die breite Oeffentlichkeit vielleicht mehr als notwendig beschöstigt, und es ist bedauerlich, daß aus diesen Sensationen schlagwonartig die Ansicht von der Vcrderbtheit der modernen Jugend herausgewachsen ist. Aber die Jugend ist gar nicht so demo« ralisiert, wie sie von gewissen Seiten, Parteien und Gruppen hin- gestellt wird, und jeder Versuch ist dankenswert, der sich darum bemüht, zahlenmäßig zu beweisen, daß Verbrechen, wie sie den oben erwähnten Prozessen zugrunde liegen, nur Einzelerschrinun- gen sind, und daß die Jugend in dem Bemühen, ihr Leben zu gc« stalten, trotz der Schwere der Zeit verhältnismäßig selten vorn Weg« des Rechts und der Sitte abgedrängt wird. So veröffentlicht di« Zentrale für private Fürsorge in Frankfurt am Main in ihrer Zeit- schrift„Der Heiser" Aufzeichnungen über die Straftaten Jugendlicher, die unter ihrer Mitarbeit beim Frankfurter Jugendgericht verhandelt worden sind. lind es zeigt sich, daß im ganzen vergangenen Jahr nicht«in einziger Fall zur Verurteilung gelangte, dessen Schwere auch nur im entferntesten an die oben erwähnten Prozesse heranreichte. Ins- gesamt wurden im Jahre 1930 etwa 250 Prozesse gegen Jugendlich« zwischen 14 und 18 Jahren vor dem Frankfurter Jugendgericht gc- führt. Mehr als die Hälfte dieser Jugendlichen, etwa 57 Proz., haben sich Verbrechen wider das Eigentum zuschulden kommen lassen, 12,4 Proz. verübten Delikte wider die Person, und nur 2.8 Proz. haben sich eines Vergehens oder Verbrechens gegen den Staat und die öffentliche Ordnung schuldig gemacht, und mehr als-in Viertel der Jugendlichen haben überhaupt nur Uebertrctungen gegen Polizei- Verordnungen usw. begangen. Unter den Delikten„Eigentumsvcrgchen" stehen die Fälle ein» fachen Diebstahls an erster Stelle: sie lassen gewiß keinen Rückschluß aus irgendeine Verderbtheit des Charakters zu.„Eine immer wieder- kehrend« Erscheinung ist der Jugendliche,. der irgend etwas, einen Gegenstand, der ihn verlockte, ein Werkzeug, das er dringend be- nvttgte, um Reparaturen am Fahrrad oder ähnliche kleine Arbeiten zu erledigen, an sich nahm, ohne die Absicht zu haben, einen anderen geradezu zu schädigen. Da ist der Backerjunge, der Knndengelder >— hier und da einmal einen Zehner, später mehr, wein? es unent- deckt blieb— nicht ablieferte, de>5 Auslaufer, der gleich bezahlte Rech- nungen einbehielt, und der Kaufmannslehrling, der sich an der Porto- lasse bereicherte." Neben solchen DelUien, welche die Schwäche eines Augenblicks eingab, stehen solche, denen eine ausgesprochene Absicht, islch einen niateriellen Borteil zu verichaffen, zugrunde liegt. Daß hier die Arbeitslosigkeit mit all ihrer Not und Ber- zweislung die Verlockung, sich Geld zu verschasfe», einem dringenden Notstand abzuhelfen, nur allzu nahe ruckt, ist selbsiverftändiich. Auch noch in anderer Richtung beeinflußt die Arbeitslosigkeit den Jugend- fichen. Im„Helfer" wird folgender Fall erwähnt: Ein Siebzehn- jähriger, der mit seiner freien Zeit nichts anderes anzufangen weiß, besteigt aussichtslose Autos und unternimmt Spazierfahrten. An irgendeiner Straßenecke läßt er einige Stunden später den Wagen stehen und überläßt es der Findigkeit der Polizei, den rechtmäßigen Elgentimier zu entdecken und zu benachrichtigen. Und die Folge: Ein ganzes Leben hindurch kakru eir»e solche Tat des Leichtsinns dem Äugendlichen den Nlatel des Verbrechers anheften. „Offene Giellen." Ich suche Stellung. Seit langem. Und jeden Sonntag schließe ich Wetten mit mir ab, daß Ich Arbeit finde. Denn der Somrtag ist die Chance. Da kann man in offenen Stellen wühlen— und die schönsten Lustschlösser bauen. Vor mir liegen sechs dicke, fettbedruckte Zeitungen. Fachblätter aller möglichen Berufe. Die Tageszeitungen lese ich nicht-, denn dort findet man ja nur Hauslererberrrfe„offen": nobel gesagt: Vertreter. Aber die Fachorgane bieten wirkliche Stellungen. Heute habe ich sieben zu drei gewettet, daß ich Arbeit finde. ■* Ich schlage das erste Fachblatt ani: das Organ der Filmindustrie. -Denn, so sage ich mir, ivenn ich mir schon die Arbeit aussuchen darf, dann zuerst mal die leichteste. i„Filmstatisten gesucht für Tonfilms" Wunderbar! Das wäre etwa? für mich. Di« Adresse der Filmgesellschaft habe ick) bereits notiert. Im„Variete", der Zeitung der Artisten, sind heute drei«palten voll. Nur schade, daß ich so ein Federgewicht bin. Die Rachsroge nach starken Männern ist enorm. Zaubern kann ich auch nur sehr schlecht, sonst... Singen, Jongliere», Messcrschlucken, Sciltanzen i— kann ich auch nicht. Halt! Hier ist die Arbeit für mich! Ein„junger Radfahrer" zvird dringend benötigt. Da gehe ich hin! Noch ein Fachblatt, ein sportliches, der„Boxer". Sport ist gesund: warum sollte ich nicht sportliche Arbeit annehmen?! Ich habe als Junge immer alle Tore geschafisn bei unseren Fußballspielen. Eislaufen kann ich auch. Ueberhaupt beherrsche ich theoretisch jede Art Sport. Praktisch kann mau die Sache ja mal versuchen. Es soll nicht das Schlechteste sein, profcfsioneller Sportsinann zn werden. Was da alles gesucht wird: Mittelstürmer, Goalkeepcr, Masseur, Fechtlehrer, ein vierter Mann für einen Rennbob, Sparringpartner, Manager: aber so gefährliche Berufe sind nichts für mich. Trotzdem habe ich etwas gefunden, was mir liegen könnte: ein Sekundant wird verlangt. Was kann mir dabei schon passieren? Die Woche ist vorüber. Ich suche wieder Stellung. Wieso? Na klar, ich habe meine Wette verloren! Wie das kam? Sehr einfach. Nämlich: Bei der Filmgesellschaft konnten sie mich nicht brauchen. Ich stottere ein wenig, und das macht sich angeblich nicht schon beim Tonfilm. Die Sache mit dem„jungen Radfahrer" klappte auch nicht. Ich kann radfahren! Aber was der Mann alles von mir verlangt hat?! Kopfstehen auf der Lenkstange. Berkehrtfahren, ohne Lenkstange fahren, nur mit einem Bein beide Pedale treten und noch andere solche dumme» Sachen! Dafür Hab« ich sekundiert. Allerdings nur eine Runde! �Dann trugen mich die Sanitäter aus dem Ring. Weil ich meinem Schützling, als er schwitzend am Boden lag, das.Handtuch zugeworfen hatte! Ich konnte doch nicht wissen, daß mm? das nicht darf. Er soll den Kampf verloren haben, nur wegen des Handtuchs. Mir fehlt vorn ein Zahn. * Jetzt suche ich weiter Stellung. Ich weiß schon nicht mehr wo. Man könnte meinen, daß ich ein Pechvogel bin. Stimmt nicht. Ich gebe oll den Leuten recht, die mich engagieren wollen. Ich Hütt' ein besseres Haiidwerk lernen sollen... Heinz Prostauer. KUNDSCH�U Wenn Lächerlichkeit tötete... „Die Junge Garde" bringt ihre Nummer vom 26. August hev» aus init der dreispaltigen Ueberschrift:„SAJ.-Jugendtag— ein« Pleite." Sie macht ihren Lesern vor, die Industriebezirte seien In Frankfurt nicht vertreten gewesen. Hunderte von TAI.» Genossen seien der Demonstration ferngeblieben, in der(Eröffnungsfeier hätte eine äußerst schlechte Stimmung geherrscht... Man weiß nicht, worüber man sich mehr wundern soll, über den Redat« teur, der das geschrieben hat, oder über die Leser, die sich solchen Schwindel bieten lassen. Alkoholverbrauch in Deutschland. In Deutschland werden jährlich rund 4.2 Milliarden Mark für alkoholische Getränke ausgegeben. Das Ist in jeder Minute ein Ber- brauch von 8000 Mark, soviel wie ein Siedlungshaus für eln« Familie kostet. Der englische sozialistische Dichter BernardShaw schreibt über den Alkoholkonsum in seinem Buch„Wege der tnteltt- genten Frau zum Kapitalismus und Sozialismus"(S. 164):„Eine andere ösfentliche Einrichtung, die aus Abgabe» und Steuergeldern unterhalten wird, ist das Gefängnis mit setner Schutzmannschaft, den Gerichtshöfen, Richter» und dem ganzen anderen sehr kost- spieligen Zubehör. Die Vergehen, die hier zur Verhandlung kommen, sind zum überwiegenden Teil Folgen des Trunks. Nun ist aber'der chöndel mit Spirituosen gewinnreich. Dies so sehr, daß er in England der Handel heißt, als Abkürzung für den Handel alles Handelns. Aber worum'st er so einträglich? Weil der Spiri- tuosenhändler all das Geld einnimmt, das der Trunkenbold für sein Getränt ausgibt, ihn dann auf die Straße wirst und es dem Steuerzahler überläßt, für allen Schaden sufzukommen, den der Trunkene anrichten mag, für alle Verbrechen, die rr begehen, alle Krantheiten, die er über sich und seine Familie bringen und für alle Armut, an der er verkommen mag. Würden die Kosten hiekfü? den, Spirituosenhandel aufgebürdet und nicht aus Polizei- un» Armenabgaben bestritten, so hätte die Einträglichkeit des Händel» gleich ein Ende." AUS DER JUGEND-INTERNATIONALE Erfolge in Dänemark. Der dänische sozialdemokratische Iugendverband hielt kürzlich seinen fünften Kongreß in Aorhus ab. Es war der größte Jugend- kongreh, der bis jetzt innerhalb der sozialistischen Bewegung Däne- marts stattfand. 202 Delegierte, 27 Gäste und 27«Hauptvorstands- und Sekretariatsmitglieder waren anwesend. Als Gast nahm auch der dänische Staatsminister Genosse S t a u n i n g teil. Er sprach kurz über die politische Lage in Dänemark und unterstrich besonder» die Forderung»ach einer Herabsetzung des Wahlalters. Seine Rede fand lebhafte» Beifall. Für die Sozialistische Iugeiidinternationa)« sprach Genosse Koos B o r r i n k- Amsterdam. Den Tätigkeitsbericht gab der Vorsitzende Genosse Johannes Hanse n. Seit dem letzten Kongreß erhöhte sich die Mitglieder» zahl von 10 000 auf 13 800, die Zahl der Ortsgruppen stieg von 110 auf 162. 7-Z Prozent der Mitglieder sind unter 22 Jahre alt. 26 Prozent sino Lehrlinge und 26 Prozent sind Mädchen. Die Fortschiiite der Organisation kommen auch in der Zahl der Veran- stajtungen zum Ausdruck. 1028»vurden insgesamt 3326 verschiedene Veranstaltungen der Ortsgruppen gezählt, im Jahre 1S30 erhöhte sich die Zahl aus 6461: während 1928 91 Studienkreise mit 863 Teil» nehmern arbeiteten, bestanden 1930 143 mit 1664 Teilnehmern. Sportliche Veianstaltungen, Voltstanzabende und Nähturs« für die Mädchen sind in diesen Zahlen nicht einbegriffen. Für die Agita- tio» aus dem Lande wurde im Einvernehmen mit dem Landarbeiter- verband ein besonderes Landarbeiterjugendprogramm aufgestellt. Der Beiband hosft, dadurch die Voraussetzungen für neue Fort» schritte auf dem Lande geschassen zu haben. Der Umsatz des Ver- bandsverlags stieg von 11 242 dänischen Kronen im Jahre 1928 auf 30 644 Kronen im Jahr« 1930. Der wichtigst« Verhandlungsgegenstand des Kongresses war die Frage der engeren Zusammenarbeit zwischen der Kinder- und Iugenoorganisation. Es wurde einstim- mig der Borschlag angenommen, nach dem die beiden Organisationen einen gemeinsamen Vorsitzenden haben sollen. Ferner wurde be- schlössen, den Sitz oes Verbandes nach Kopenhagen zu verlexen. Dem Bericht über die International« folgte eine lebhafte Di-»» kussion über die A n t i k r i e g s a r b e i t. Sie endete mit einem Beschluß, in dem die Anerkennung der von der Sozialistischen Ar- beiterinternalionale und 0er Sozialistischen Jugendinternational« ausgestellten. Richtlinie» zum Ausdruck gebracht wurde. Es wurde ferner über dt« Alkoholfrage diskutiert. Zum Vorsitzenden wurde Genosse Johannes Hanse» wieder gewählt, ebenso erfolgt« Wiederwahl des Genossen H. E. Ha n s e n als Sekretär und des Genossen Lars M. Olsen als Redakteur der Zeitschrlst..