Mitteilungs- Blatt Nr. 1. des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Berlin, den 12. April 1916. Gemeindevertreterkonferenz. Am Sonntag, den 2. April, tagte die zweite Konferenz der sozialdemokratischen Stadtverordneten und Gemeindevertreter Groß- Berlins während der Kriegszeit, an der auch der Zentralvorstand des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine teilnahm. Auf der Tagesordnung stand: Die Lebensmittelfrage in den Gemeinden. Der Referent, Genosse Wurm, besprach die Verordnungen und behördlichen Maßnahmen, welche zur Regelung der Lebensmittelfrage getroffen worden sind. Er führte u. a. aus, daß die Gemeinden jetzt oft dafür verantwortlich gemacht werden, wenn in der Lebensmittelversorgung nicht alles klappt. Aber solche Kritik ist unberechtigt, denn die Gemeinden haben nur das zu vollziehen, was ihnen durch die Verordnungen des Bundesrats und des Reichskanzlers auferlegt worden ist. Das Reich hätte eingreifen müssen wie es die sozialdemofratischen Anträge im Reichstag von Anfang an forderten mit Zwangsmaßnahmen für den Anbau bestimmter Lebensmittel und Regelung des Verbrauchs durch Beschlagnahme bei den Erzeugern und Ueberweifung an die Verbrauchsverbände. Die Regierung hat erst die Teuerung ruhig entstehen laffen, in der Absicht, die Volksmassen dadurch zur Einschränkung zu zwingen, und wenn die Teuerung eingetreten war, dann wurden Höchst preise festgesetzt, die den Agrariern recht waren. Die Rationierung durch das Kartensystem ist bei allen Lebensmitteln zu spät eingetreten. Da die Höchstpreise von Zeit zu Zeit steigen, so halten die Landwirte natürlich ihre Waren so lange wie möglich zurück, und so entsteht zeitweise ein Mangel bei den Verbrauchern, wie wir das in besonders frasser Weise bei den Kartof feln gesehen haben. Um dem vorzubeugen, haben wir von Anfang an verlangt, daß die Höchst preise nicht mit der Zeit steinen, sondern fallen. Bezüglich der Kartoffeln soll das ja jezt ge schehen. Ob es wirklich der Fall sein wird, wollen wir abwarten. 11. Jahrgang. machen. Demgegenüber sind die Gemeinden in einer schlechten Lage. Sie haben nicht die Macht, die Erzeuger von Lebensmitteln zum Verkauf zu zwingen. Wenn die Gemeinden nicht genug Lebensmittel zur Verfügung haben, dann kann reichendem Maße stattfinden. Ein Uebelstand natürlich auch die Verteilung nicht in ausist es, daß die für die verschiedenen Lebensmittel festgesetzten Höchstpreise nicht in dem richtigen Verhältnis zueinander stehen. Die Fleischpreise sind so hoch, daß es für den Landwirt vorteilhafter ist, die Kartoffeln zu verfüttern, anstatt sie auf den Markt zu bringen. Daraus schließen die Agrarier, die Kartoffelpreise müssen erhöht werden. Wir aber sagen, die Fleischpreise müssen herabgesetzt werden. Es ist nach wie vor unsicher, ob wir so viel Kartoffeln bekommen werden, wie die städtische Bevölkerung braucht. Es ist zu bedauern, daß Charlottenburg mit der Startoffelfarte besonders vorgeht und sich der Groß- Berliner Gemeinschaft, mit der wir bei der Brotkarte die besten Erfahrungen gemacht haben, nicht angeschlossen hat. Wir müssen an der GroßBerliner Gemeinschaft schon deshalb festhalten, um zu zeigen, daß Groß- Berlin als einheitliches Wirtschaftsgebiet zusammengehört. In Charlottenburg wird darüber gejammert, daß das Brotfartensystem zu hohe Kosten verursacht.. Es ist richtig, daß diese Sosten verhältnismäßig hoch find. Aber wir müssen bedenken, daß das für die Gemeinden Kriegskosten sind, die getragen werden müssen im Interesse der ärmeren Bevölkerung. Wir müssen verlangen, daß alle Lebensmittel rationiert werden, also das Kartensystem noch weiter ausgebaut wird, damit man sich nicht stundenlang vor den Läden drängen braucht, um das bißchen Lebensmittel zu bekommen. Bezüglich der Butterberteilung ist bis in die neueste Beit nichts geschehen. Von dem Verbrauch an Butter wurden ja nur 13 Prozent durch Einfuhr aus dem Ausland gedeckt. Aber in Groß- Berlin wurden fünf Siebentel des Butterverbrauchs durch die Einfuhr gedeckt. Da diese fehlt, hätte längst eine Regelung der Verteilung stattfinden müssen. Endlich ist ja jetzt die Butterkarte eingeführt, und da haben wir wieder die Groß- Berliner Gemeinschaft. In einer gewissen Presse ist uns zum Vorwurf geJe länger der Krieg dauert, desto mehr macht worden, daß wir den Kindern unter vierwird sich die Lebensmittelknappheit bemerkbar zehn Jahren nur die Hälfte des Quantums der Friedrich Ebert Stiftung Bonn Bibliothek Z 19346 -2Erwachsenen und den Kindern unter 2 Jahren gar keine Butter zuteilen. Das soll in gesundheitlicher Beziehung bedenklich sein. Dieser Vorwurf wird uns gemacht, obgleich wir gar nicht anders handeln können, denn so schreibt es die Verordnung des Reichskanzlers vor. Butter und Milch werden noch knapper werden. Das ist eine Folge der Futterknappheit. Der Redner besprach die Verhältnisse auf dem Fleisch- und Viehmarkt und führte aus, daß uns die Einführung der Zwangssyndikate für den Viehhandel nichts weiter gebracht haben als eine Festsetzung von Höchstpreisen, die den ungebührlich hohen Teuerungspreisen entsprechen. Dann beleuchtete der Redner die sich jetzt bemerfbar machende Zuckerknappheit und zeigte, daß die Heraufsetzung der Höchstpreise für Rohzucker und Rüben keine Besserung schaffen werde, weil infolge der zu hohen Preise für Hafer und Gerste der Anbau dieser Getreidesorten zugenommen habe, während der Rübenbau um 32 Prozent zurückgegangen sei. diesem Gebiet haben die Gemeinden eine große. Aufgabe zu erfüllen. Die Einrichtung öffentlicher Küchen wird erwogen werden müssen. Wir werden nach wie vor tun, was wir können, um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zu regeln. Wir werden aber immer darauf hinweisen müssen, daß die Gemeinden jetzt nur die Vollzugsorgane der Regierung sind und daß sie in ihren Absichten durch den Widerstand der Agrarier gehemmt werden. Wir Hierauf wurde die Diskussion eröffnet. Scholz- Neukölln: Wir empfinden es als einen Mangel, daß die Gemeinden, namentlich die sozialdemokratischen Vertreter derselben, so wenig Fühlung miteinander haben. Eine enge Fühlung ist notwendig, damit nicht in derselben Sache in verschiedenen Gemeinden verschiedene versorgung wollte Neukölln nicht mit der GroßBeschlüsse gefaßt werden. In der KartoffelBerliner Gemeinschaft gehen, weil es ohne dieselbe die Kartoffeln billiger verkaufen könnte. Soweit darf es nicht gehen, daß durch die GeDie angeführten Beispiele so schloß der meinschaft für eine einzelne Gemeinde die KarRedner könnten noch vermehrt werden. Ich toffeln verteuert werden. Das sage ich im wollte nur zeigen, daß die Gemeinden nicht in Namen unserer Stadtverordnetenfraktion. Es der Lage sind, in der Lebensmittelfrage durch muß erwogen werden, ob man nicht in der Gegreifend zu wirken, denn sie können mur tun, meinschaft eine Preisdifferenzierung für die einwas die Regierung ihnen aufbürdet. Alle Ab- zelnen Gemeinden vornehmen kann. Heute ist sichten, die Lebensmittelfrage im Interesse der es so, daß die Bewohner der östlichen Vororte die großen Masse der Bevölkerung zu regeln, stoßen Preise zahlen müssen, die in den westlichen Vorauf den Widerstand der Agrarier, welche ihren orten mit ihren teueren Preisen üblich sind. So Einfluß auf die Regierung geltend machen. Die haben wir auf Verlangen von Charlottenburg Ausschaltung des Zwischenhandels und Ueber- bie höheren Brotpreise bekommen. Die Benahme desselben durch die Gemeinden könnte ein denken des Referenten bezüglich der Ausschalwirksames Mittel in der Regelung der Lebens- tung des Zwischenhandels teile ich nicht. mittelfrage sein. Aber in der Kriegszeit lassen haben in Neukölln mit dem Verkauf durch die sich die hierzu nötigen Handelsorganisationen Gemeinde gute Erfahrungen gemacht. Natürlich nicht aus dem Boden stampfen. Mit dem Ver- in dem beschränkten Maße, wie wir den eigenen fauf von Lebensmitteln durch die Gemeinden sind Verkauf durchführen konnten. Durch die Ausdeshalb schlechte Erfahrungen gemacht worden. Es ist uns nichts anderes übrig geblieben, als schaltung des Großhandels mit Mehl haben wir die vorhandenen Organisationen des Kleinhan 300 000 Mt. Ueberschuß erzielt. Es lassen sich dels unter Kontrolle zu nehmen. Im Frieden ja nicht die organisatorischen Einrichtungen schaf müssen wir es durchzusetzen versuchen, daß der Aber wir können doch den Händlern soweit Konfen, um die ganze Bevölkerung zu versorgen. Kleinhandel mit Lebensmitteln so viel wie mög- furrenz machen, daß sie die Bevölkerung nicht lich Sache der Gemeinden wird. Für die Versorgung der Bevölkerung in nächster Zeit wird noch die Frage an uns herantreten, ob die Gemeinden Volksküchen einrichten und betreiben sollen. Solche Maffenabfütterungen können ja nicht jedem Geschmack Rechnung tragen, aber volkswirtschaftlich sind sie durchaus rationell. Wie wir uns auch zur Frage des Krieges stellen mögen, wir müssen anerkennen, daß die Gemeinden die Pflicht haben, dafür zu sorgen, daß der Bevölkerung die Nahrungsmittel zugeführt werden, die ihr gegeben werden können. Das ist notwendig, damit keine Hungersnot eintritt und feine Krawalle stattfinden. Das zu verhindern liegt in unserem Interesse. Die Knappheit an Lebensmitteln und die Teuerung wird auch nach dem Kriege noch anhalten. Die Versorgung wird also in Permanenz bleiben müssen. Auf über das Ohr hauen. Das Beispiel unserer Volksküchen zeigt uns, daß man hierin auch in Wir haben Kriegszeiten etwas leisten kann. diese Einrichtung mit autem Resultat durchgeführt. Mit dem Vertrieb von Lebensmitteln durch Geschäftsleute haben wir schlechte Erfahrungen gemacht. Sie haben die Konsumenten und zum Teil auch die Gemeinde über das Ohr gebauen. Im Auftrage unserer Fraktion bitte ich um ein einheitliches Zusammenarbeiten unserer Gemeindevertreter von Groß- Berlin, damit in den verschiedenen Gemeinden einheitliche Beschlüsse zustande kommen. Loojodzinski- Wilmersdorf betont ebenfalls, daß ein einheitliches Zusammenarbeiten notwendig ist und führt aus, durch das in Spandau eingeführte Bonsystem werde die Verteilung der nua - 3 Lebensmittel besser geregelt als in anderen Ge-| meinschaft nicht ausschlaggebend seien. meinden. Kloth- Neukölln bemerkt, daß er gegen das Referat nichts einzuwenden habe. Die Hauptsache sei, daß wir wissen, ob in der Lebensmittelversorgung durch die Gemeinden die richtigen Mittel angewandt werden. Hinte- Berlin: Die Ausführungen des Genossen Scholz waren nicht sehr ermunternd für ein einheitliches Groß- Berlin. Der Einheitlichfeit müssen, wenn nötig, die augenblicklichen Interessen einer einzelnen Gemeinde untergeordnet werden. Das Spandauer System ist nicht so einwandfrei, wie es der Genosse aus Wilmersdorf hinstellt. Auch in Spandau kommt es trotz der dortigen Regelung vor, daß sich die Käufer vor den Geschäften drängen. Wenn Groß- Berlin eine einzige Gemeinde wäre, wie wir es wünschen, dann könnten ja die besonderen Interessen von Neukölln auch nicht in jedem Falle berücksichtigt werden. Hierauf erfolgte die einstimmige Annahme der folgenden Resolution: Die sozialdemokratische Gemeindevertreterfonferenz von Groß- Berlin erklärt, daß die Verordnungen des Bundesrats den Gemeinden nicht die Möglichkeit geben, in ausreichender Weise für die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu sorgen. Die Konferenz erwartet, daß die Gemeindeverwaltungen in energischer Weise auf die Reichsregierung einwirken, damit endlich eine gleiche Verteilung der Lebensmittel zu mäßigen Preisen ermöglicht wird. * * * Die Konferenz war beschickt von 74 Delecrdnete, 16 Zentralvorstandsmitglieder, 28 Stadtverordnete resp. Gemeindevertreter aus TeltowBeeskow und 8 Stadtverordnete resp. Gemeindevertreter aus Niederbarnim. Th. Fischer führt gegenüber dem Genossen Scholz aus, daß es nicht am einheitlichen Zusammenarbeiten unserer Gemeindevertreter gierten. Anwesend waren 12 Berliner Stadtverfehlt. Wir haben ja zu diesem Zweck den Ausschuß der Gemeindevertreter, in dem Berlin sowie die Kreise Teltow- Beeskow und Niederbarnim bertreten sind. Der Ausschuß tritt zusammen, wenn es von den Genossen beantragt wird. Ein solcher Antrag ist aber nur in wenigen Fällen gestellt worden. Die Mitglieder des Ausschusses fehlen zum Teil leider auf dieser Konferenz. Wenn Sonderinteressen der einzelnen Gemeinden vertreten werden, dann leidet die Einheitlichkeit des Zusammenarbeitens natürlich Mangel und so kann auch die Arbeit des Ausschusses nur Stückwerk sein. Wuzki- Neukölln meint, die sozialdemokratischen Gemeindevertreter Groß- Berlins hätten es am einheitlichen Zusammenarbeiten fehlen lassen. Daran habe auch Fischer durch seine Ausführungen nichts retten können. Der im Verborgenen rubende Ausschuß der Gemeindevertreter müsse durch eine Organisation ersetzt werden, die ihren Zweck besser erfülle. Ein einheitliches Zusammenarbeiten unserer Vertreter in Groß- Berlin müsse zustande gebracht werden. Dazu sei eine Instanz erforderlich, die nicht erst wartet, bis man an sie herantritt, sondern die sich als leitender Geist betätigt. Die Delegierten verteilen sich auf folgende Gemeinden: Adlershof, Alt- Glienicke, Briz, Charlottenburg, Coepenick, Eichwalde, Friedenau, Friedrichshagen, Grünau, Johannisthal, Ketschendorf, Lankwitz, Lichterfelde, Lichtenberg, Mariendorf, Marienfelde,. Neukölln, Oranienburg, Reinickendorf, Sachsenhausen, Schöneberg, Steglitz, Stralau, Tempelhof und Wilmersdorf. Aus dem Zentralvorstand und Aktionsausschuß. Zentralvorstand. Situng vom 10. März 1916. Vorstandswahlim vierten Wahlfreise. Der vierte Wahlkreis hat durch Schreiben rom 6. März d. J. mitgeteilt, daß die Neuwahl des Kreisvorstandes in einer Kreiskonferenz Gebert- Charlottenburg tritt ebenfalls für vorgenommen worden ist. In den Zentraldas einheitliche Zusammenarbeiten ein. Basner- Berlin verteidigt den Ausschuß gegen die Ausführungen der Genossen Scholz und Wuzki und meint, sie hätten doch ihren Ausschußvertreter beauftragen fönnen, eine Sigung zu beantragen. Scholz- Neukölln bemerkt, daß der Ausschuß nicht funktioniert habe, deshalb werde die Einsegung einer anderen Instanz gewünscht, damit zu aktuellen Fragen rechtzeitig Stellung genommen werden könne. vorstand sind durch die Konferenz gewählt: Aktionsausschuß: Paul Hoffmann, H. Barenthin. Preßkommission: E. Eichhorn, Ch. Gutekunst, G. Müller. Frauenvertretung: Agnes Fahrenwald. Revisor: P. Burghardt. Schiedskommission: Karl Kunze. Kinderschutzkommission: Martha Demmning. Lokalkommission: Karl Rott. Der Vorsitzende unseres Verbandes, Genosse Wurm führt im Schlußwort aus, daß die Ernst, stellt in bezug auf die erfolgte Neuwahl der westlichen Vororte in der Groß- Berliner Ge- 3entralvorstandsmitglieder fest, daß die Wahl 1359 - 4 Das Resultat der Beschlußfassung ist folgendes: Für Generalversammlungen haben sich entschieden der dritte und vierte Berliner Wahlkreis und Niederbarnim. Gegen Generalversammlungen sind der erste, der zweite, der fünfte, der sechste Wahlkreis nur als ein Provisorium betrachtet werden könne, genau so wie alle übrigen Wahlen, durch welche Genossen als Ersatz für einberufene Zentralvorstandsmitglieder in den Zentralvorstand entsandt worden sind. Rechtmäßige Zentralvorstandsmitglieder müßten nach dem Kreisstatui in einer Generalversammlung gewählt werden. und Teltow- Beeskow. ( Im vierten Wahlkreise sogar durch UrabstimDie Mehrzahl der Kreise ist demnach gegen mung.) Die Gewählten bedürfen der Bestäti- Generalversammlungen. Dieser Beschluß ist nach gung durch die Verbands- Generalversammlung. dem Verbandsstatut für alle acht Wahlkreise Da wir beschlossen haben, Generalversammlungen während des Krieges nicht abzuhalten, und da dieser Beschluß nicht aufgehoben ist, gelten alle Ersazwahlen nur so lange, bis eine Generalversammlung Parteivorstand werden folgende. findet. Von dieser tatsächlichen Feststellung Broschüren zur Verbreitung unter den Mitnimmt der Zentralvorstand ohne Widerspruch gliedern empfohlen: Renntnis. ordnungsmäßig stattbindend. Neue Broschüren. Vom " Für die Einheit der Partei!" und Beschwerde des Berliner Jugend- Sozialdemokratie und nationale Verteidigung!" ausschusses. Der Berliner Jugendausschuß führte Beschwerde über das Verhalten des sechsten Wahlfreises in der Verwaltung des Jugendheims in der Brunnenstraße. Seitdem die Finanzierung der Heime den Kreisen übertragen ist, hat der sechste Wahlkreis einen obligatorischen Beitrag zur Erhaltung des Jugendheimes eingeführt und auch einen eigenen Vorstand für das Heim gewählt. Er hat den Jugendheimleiter angestellt, und andere Maßnahmen selbständig getroffen, die eigentlich dem Jugendausschuß zur Erledigung bleiben müßten. Der Jugendausschuß wünscht, daß er die Leitung und Aufsicht behält, weil die Jugend. heime nicht aus dem Rahmen der allgemeinen Jugendbewegung herausgerissen werden können. Die Vertreter des Kreises erklärten hierzu, daß keineswegs die Absicht bestehe, den Jugendausschuß Schwierigkeiten zu bereiten, jedoch müsse sich der Kreis seine Rechte vor behalten, weil die Mitglieder des Wahlvereins dies verlangen, da sie die Unterhaltung durch Zentralvorstandsbeschluß zu tragen hätten. Mit einer Regelung der Differenzen würde der Kreis einverstanden sein. Infolge dieser Erklärung beschließt der Zentralvorstand, daß der Jugendausschuß mit dem Vorstand des sechsten Kreises in gemeinsamer Beratung sich verständigt. Zu dieser Sizung sollen auch die Vertreter des vierten Kreises hinzugezogen werden, damit gemeinsame Vereinbarungen für die Berliner Jugendheime getroffen werden. Unsere Generalversammlungen. Die Wahlkreise hatten sich über die Frage zu entscheiden, ob sie die fälligen Generalverfammlungen abzuhalten gedenken, oder ob der Beschluß vom 8. Oftober 1914, der von Generalversammlungen während der Kriegszeit absieht, weiter in Kraft bleibt. Die erste Broschüre legt in warmen Worten den Arbeitern klar, welche Gefahren eine Spaltung der Partei heraufbeschwören würde und wie notwendig die Aufrechterhaltung der Einbeit für die Partei und auch für die Gewerkschaften ist. Die zweite Broschüre weist nach, wie die Sozialdemokratie sich in der Zeit vor dem Kriege zur Frage der Landesverteidigung geäußert hat und zeigt, daß die jetzige Haltung der Partei in dieser Frage mit den früheren Aeußerungen übereinstimmt. Im Zentralvorstand wandten sich einige Genossen gegen die Anschaffung. Man habe jetzt genügend Material, in dem der Standpunkt der Mehrheit vertreten werde. Dies geschehe besonders durch die Parteiforrespondenz" und durch die Fackel". Der Zentralvorstand lehnte dann auch die Anschaffung ab. " Für die Anschaffung und Verbreitung stimmten 16, dagegen 24 Genossen. Schiedsgerichtskommission. Genossen Melle, der bei der erfolgten Wahl des Die Schiedsgerichtskommission hat für den Vorstandes in der Kreiskonferenz des vierten Wahlkreises nicht wiedergewählt worden ist, den Genossen Gustav Laukant zu ihrem Obmann gewählt. Zentralvorstand. Sigung vom 22. März 1916. Auf der Tagesordnung steht: Die Erhöhung des Vorwärts" Abonnements. Durch die Steigerung der Preise aller Rohmaterialien sind auch die Zeitungsbetriebe in ganz erheblichem Maße in Mitleidenschaft gezogen worden. Die wichtigsten Druckmaterialien sind - 5um 100 Proz. im Preise gestiegen. Noch schwerer| nisse begreifen, daß der Beschluß nicht zu umfällt ins Gewicht, daß die Papierpreise eine Er- gehen war, daß von den Lesern das Opfer verhöhung um 40 Proz. erfahren haben, die am langt werden muß. 1. April in Kraft getreten ist und den Zeitungsbetrieben gewaltige Mehrausgaben aufbürdet. Die sozialdemokratischen Zeitungen sind fein Objekt der Spekulation. Insbesondere hat Für die sozialdemokratischen Zeitungs- der Vorwärts" seine Ueberschüsse stets für die unternehmen fällt diese Betriebsverteuerung am Arbeiterbewegung verwandt. Darum ist es auch schwersten in die Wagschale. Während die bür Pflicht aller Arbeiter, in dieser wirtschaftlich gerlichen Blätter noch große Einnahmen aus schweren Zeit treu zu ihrem Blatt zu stehen, sich den Inseraten zu ziehen vermögen, hat mit der dadurch selbst zu dienen und die Waffen blant Unterbindung und Einengung des normalen und scharf zu erhalten, deren sie jezt und erst Verkehrslebens der Inseratenteil der sozialdemo- recht nach Friedensschluß bedürfen werden, um fratischen Blätter eine erhebliche Einschränkung ihre Forderungen und Rechte energisch zu vererfahren. Das Stocken der gesamten öffentlichen treten. Tätigkeit, die Ausschaltung des politischen Preiserhöhung für die Neue Zeit". Lebens hat den Annoncenteil der sozialdemokratischen Presse weiter eingeengt. Der Verein Gleichzeitig teilt die Buchhandlung Vorwärts deutscher Zeitungsverleger, dem die Verleger mit, daß der Verlag Diez- Stuttgart die„ Neue der bedeutendsten bürgerlichen Blätter Deutsch- Beit" vom 1. April ab nur noch zu 16 Pf. pro lands angehören, hat trop seiner relativ gün- Exemplar abgeben kann, dadurch ist die Buchstigeren Lage die Ankündigung erlassen, daß die handlung gezwungen, 1612 Pf. zu nehmen. Für Erhöhung der Papierpreise und die Verteuerung die Kreise würde sich der Preis einschließlich Fracht der sonstigen Druckmaterialien sie zu einer Er- und Botenlohn pro Exemplar auf 17 Bf. stellen. höhung des Bezugspreises für die Presse um Die Kreise werden zu dieser Preiserhöhung 20 Proz. nötige. Zahlreiche deutsche Blätter Stellung nehmen. sind zudem bereits früher zu einer Erhöhung des Abonnementspreises geschritten. Ausschuß der Stadtverordneten und Gemeindevertreter. Genosse Basner berichtet, daß der Ausschuß Auch eine Konferenz der Geschäftsführer der sozialdemokratischen Presse, die unlängst stattfand, hat sich einhellig für die Notwendig am 15. März eine Sigung abgehalten hat, um allen Gemeinden in Aussicht feit ausgesprochen, eine Erhöhung des Abonne- zu der in mentspreises eintreten zu lassen. genommenen Erhöhung der Gaspreise Stellung zu nehmen. Die von Neukölln gegebene Anregung, in dieser Frage einheitlich vorzugehen, wurde im Laufe der Erörterung von allen Seiten eingehend geprüft, wie es bereits auch schon im vorigen Jahre geschehen ist. Man überzeugte sich auch jetzt wieder, daß ein einheitliches Vorgehen so lange nicht möglich ist, als in den Groß- Berliner Gemeinden nicht nach denselben Grundsätzen verfahren wird. Bis dies nicht der Fall ist, steht der Ausschuß auf dem Standpunkt, daß die Tarifpolitik der städtischen Werke nach den besonderen Verhältnissen jeder Gemeinde gestaltet werden muß. Grundsatz ist jedoch in allen Fällen, daß entsprechend unserem Programm wohl mäßige Ueberschüsse erzielt werden dürfen, daß aber jede sogenannte Ueberschußwirtschaft zu vermeiden ist. Eine ganze Anzahl sozialdemokratischer Blätter hat demgemäß schon jetzt zu dieser unbedingt gebotenen Maßnahme schreiten müssen. Aus allen Gauen des Deutschen Reiches find bereits solche Erhöhungen des Abonnementspreises gemeldet worden. Andere Parteiblätter werden am 1. April folgen müssen. Auch der ,, Vorwärts" sieht sich genötigt, von seinen Refern vom 1. April ab das Opfer einer Abonnementserhöhung zu fordern. Und zwar muß der Bezugspreis des Vorwärts" von 1,10 Mt. auf 1,30 Mt. monatlich erhöht werden und dem entsprechend das Wochenabonnement von 25 Pf. auf 30 Pf. Redaktion, Verlag und Aufsichtsinstanzen des Vorwärts" haben nach sorgfältiger Ralfulation und eingehendster Beratung diese Maßnahme einmütig für unabwendbar erflärt. " 1 Weiter beschloß der Ausschuß, in nächster Zeit in einer größeren Zusammenkunft die Lebensmittelfrage und die Finanzgebarung der GemeinFeldabonnements sind jedoch von der Er- den zu besprechen. Diese Besprechung soll cehöhung ausgeschlossen. meinsam mit dem Zentralvorstand stattfinden. Der Zentralvorstand hat die Anträge der Preßkommission eingehend beraten und die angeführten Gründe als berechtigt anerkannt. Wenn das Erscheinen des Vorwärts" nicht ernstlich in Frage gestellt werden soll, bleibt kein anderer Weg übrig als die vorgeschlagene Abonnementspreiserhöhung. Der Beschluß ist den verantwortlichen Stellen nicht leicht geworden. Aber die Genossen werden bei richtiger Würdigung der VerhältZentralvorstand. Sigung vom 31. März 1916. Der Vertreter Groß- Berlins berichtet aus dem Parteiaussch u B. Am Montag, den 27. März, fand eine Aussprache über die gegenwärtige Situation in der Partei statt. Am Schlusse der Sigung hat der -6Parteiausschuß mit allen gegen 6 Stimmen dem Aufruf„ An die Partei", der in der Parteipresse veröffentlicht ist, zugestimmt. Außerdem faßte der Parteiausschuß folgende Beschlüsse: I. In dem von einer Sondergruppe von Fraktionsmitgliedern geheim beschlossenen Vorgehen des Genossen Haase in der letzten Sibung des Reichstags und in der Gründung einer besonderen Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Abgeordneter erblickt der Parteiausschuß eine vorbedachte Untergrabung unserer gemeinsamen politischen Tätigkeit für die deutsche Arbeiterschaft in schwerer Zeit. Damit wird das Vertrauen der Massen in unsere Partei aufs schwerste erschüttert. Die Sprengung der Einheit unserer Bewegung ist auch ein schwerer Schlag gegen die Interessen des ganzen deutschen Volkes, dessen Friedenswillen nur durch die folgerichtige Anwendung der bisher von der Partei gewählten Mittel erfüllt werden kann. Der Parteiausschuß erklärt, daß die Gründung einer zweiten sozialdemokratischen Reichstagsfraktion unvereinbar ist mit den Grundsäßen des Organijationsstatuts, das nur eine sozialdemokratische Reichstagsfraktion fennt und anerkennt. Der Parteiausschuß erachtet es als eine unabweisbare Pflicht des Parteivorstandes, die sich aus dieser Sachlage ergebenden Folgerungen zu ziehen. Gleichzeitig verurteilt der Parteiausschuß, daß einige Genossen zu den inneren Parteifragen in bürgerlichen Blättern Stellung nehmen, und bei Erörterung von Zukunftsfragen jezt Ansichten propagieren, die Verwirrung in die Reihen der Massen bringen. Der Parteiausschuß empfiehlt, daß der Parteivorstand in seiner jebigen Zusammensetzung die Geschäfte der Gesamtpartei bis zum nächsten Parteitag weiter führt. Dieser Beschluß wurde mit 28 gegen 7 Stimmen gefaßt. II. Die Tatsachen, die dem Parteiausschuß bekannt geworden sind, zeigen unzweideutig, daß ein Teil der Parteimitglieder in führender Stellung sich eigene festgefügte Organisationen geschaffen hat, die eigene Beiträge erheben und eigenes Organisationsleben führen mit dem Ziel, die Gesamtpartei zu bekämpfen. In Uebereinstimmung mit den früher gefaßten Beschlüssen erklärt der Parteiausschuß: In der deutschen Sozialdemokratie gibt es nur eine politische Organisation. Sonderorganisationen müssen zur Parteizerstörung führen. Wer für solche Sonderorganisationen wirkt oder in ihnen Mitglied wird, stellt sich außerhalb der Organisation der Gesamtpartei. Da die Abhaltung eines Parteitags zur Erledigung der schwebenden Streitfragen während des Krieges unmöglich erscheint, erachtet der Parteiausschuß es als eine Aufgabe des Parteivorstandes, gegenüber den Sonderbestrebungen alle geeigneten Maßnahmen in Anwendung zu bringen, um die Geschlossenheit der Organisation zu wahren. Die Einleitung und der erste Absatz wurden mit 30 gegen 6, der zweite Absatz mit 28 gegen 6 Stimmen angenommen. III. Der Parteiausschuß erklärt, daß er nach unserem Organisationsstatut nur ein gutachtlicher Beirat des Parteivorstandes ist und daß er es daher ablehnt, über das Verhalten der Reichstagsfraktion, die allein dem Parteitag verantwortlich ist, zu Gericht zu sitzen und abzuurteilen. Dieser Antrag wurde mit 28 gegen 7 Stimmen abgelehnt. IV. stellung der Ursachen und der Entwickelung, die zur Der Parteivorstand wird ersucht, eine DarSpaltung der Fraktion geführt haben, schleunigſt herauszugeben, damit die Parteimitglieder im Reich Gelegenheit haben, sich in einwandfreier Weise zu informieren. Der Antrag wurde gegen 3 Stimmen an genommen. Der Zentralvorstand nahm am Freitag, den 31. März, Stellung zu der Beschlußfassung des Parteiausschusses und zu der gegenwärtigen Situation in der Partei. Anwesend waren 61 Mitglieder des Zentralvorstandes, 8 Reichstags- resp. Landtagsabgeordnete und ein Vertreter der Redaktion des„ Vorwärts". 6 Mitglieder des 3entralvorstandes und 4 von den in Groß- Berlin gewählten Abgeordneten fehlten. Nach einer kurzen Aussprache wurde folgende Resolution in namentlicher Abstimmung ange nommen: Der Zentralvorstand des Verbandes der Sozialscharf das Verhalten der Fraktionsmehrheit in der demokratischen Wahlvereine Groß- Berlins verurteilt Reichstagsfizung vom 24. März, zu dem die Rede des Genossen Haase nicht die mindeste Beranlassung bruchs ist durchaus unberechtigt; nachdem die Frakbot. Auch der Vorwurf des Disziplin- oder Trentionsmehrheit abgelehnt hatte, den Parteivorsitzenden Haase als Fraktionsredner für die allgemeine poliminderheit mit Recht befürchten, mundtot gemacht tische Debatte guzulassen, konnte die Fraktionszu werden. Daß die Fraktionsmehrheit Genossen Haase mit gehässigen Zwischenrufen unterbrach, ihn unter dem tosenden Beifall der bürgerlichen Feinde des Proletariats am Weiterreden hinderte und schließlich teilweise sogar für Wortentziehung stimmte, muß daher als gröbliche Verlegung der parteigenös sischen Pflichten bezeichnet werden. berDer Zentralvorstand billigt die Bildung der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft und pflichtet sich, sie tatkräftig und in jeder Weise zu unterstüßen. Nach der Aberkennung der Fraktionsrechte war die Schaffung einer von der Fraktionsmehrheit unabhängigen parlamentarischen Arbeitsgemeinschaft das einzige Mittel, den gemaßregelten sozialdemokratischen Abgeordneten die pflichtgemäße Vertretung der Interessen der Arbeiterklasse zu ermöglichen. Der Zentralvorstand erwartet von der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft, daß sie unbe fümmert um Angriffe und sinnlose Verdächtigungen sich energisch freimacht von allen.... Hemmungen und allein die..... Richtschnur ihres Handeins sein läßt. -7Der Zentralvorstand verurteilt aufs allerschärfste die Art, wie Genosse Haase aus dem Parteivorstand lich gedrängt wurde und spricht der Mehrheit des Parteivorstandes das Recht ab, den Vorsitzenden zur Niederlegung des ihm von der Gesamtpartei übertragenen Amtes zu nötigen. Gegen die Resolution erklärten sich nachträgdie Landtagsabgeordneten Hirsch und Haenisch. Der Vorsitzende brachte folgendes Protestschreiben, Der Zentralvorstand richtet an die Kontroll- das 20 Mitglieder des vierten Kreises unterzeichkommission das Ersuchen, Genossen Haase wieder net haben, zur Verlesung: zum Vorsitzenden der Partei zu wählen. Von Genossen Ernst erwartet er, daß er in diesem Sinne in der Kontrollkommission wirft." Die Abstimmungsliste wird auf Beschluß des Zentralvorstandes veröffentlicht. Für die Resolution stimmten vom Zentralvorstand: Karl Petermann, Mathilde Wurm, Paul Hoffmann, Wilhelm Jöchel( für Barenthin), Paul Binting( für Leid), Hermann Miller, Richard Herbst, Minna Reichert, Paul Feller( für Scholz- Neukölln), Otto Glöckner, Emilie Brühl, Ernst Däumig, Martha Demmning, Paul Burghardt, Justin Braun, Emil Eichhorn, Gustav Müller( Berlin III), Ch. Gutekunst, Agnes Fahrenwald, Adolf Wacker, A. Leßle, Oskar Witzke, Johanna Ludewig, Rosa Luxemburg, Albert Dehmigen, Paul Jakob, Karl Runze, Eugen Rosemann, Karl Rott, Karl Rohr, Ernst Werkmann, Anna Kiesel, Friz Zimmermann, Ernst Andree, Hermann Weise. Insgesamt 35 Genossen. Von den Abgeordneten: Otto Büchner, Georg Ledebour, Frib Zubeil, Artur Stadthagen, Heinrich Ströbel, Adolf Hoffmann. Insgesamt 6 Genossen und Hans Weber als Vertreter der Redaktion des Vorwärts". Gegen die Resolution stimmten vom Zentralvorstand: Eugen Ernst, Theodor Fischer, Emil Boeske, Heinrich Schröder, August Pohl, Franz Thurow, Adam Bittorf, Albert Hahnisch, Emil Basner, Richard Weimann, Alex Pagels, Julius Meyer, M. Wardin, Heinrich Umlauf, Friz Woik, Hermann Radtke, A. Stieffenhofer, Julius Jänicke, Elfriede Ryneck, Franz Lucht, Gustav Schmidt, Alexander Fröhlich, Kaspar Wenzel, Karl Aboldt, Otto Wels, Richard Fischer. Ins gesamt 26 Genossen. Von den Abgeordneten: Robert Schmidt, Otto Braun. 2 Genossen. Zusammen stimmten für die Resolution 42, dagegen 28 Genossen. Am Erscheinen verhindert waren vom Zentralvorstand: Gustav Laukant, Friß Schäfer, Hermann Elias, Gustav Müller( Berlin IV), Salomon Joseph, Robert Wengels. Von den Abgeordneten: Wilhelm Pfannkuch, Konrad Haenisch, Paul Hirsch, Karl Liebknecht. * Nachträglich erklärten von den fehlenden Genossen ihre Zustimmung zu der Resolution: Gustav Müller( Berlin IV): Gustav Laukant, Salomon Joseph und Landtagsabgeordneter Hofer. An den Berlin, den 15. März 1916. Zentralvorstand der Sozialdemokratischen Partei Groß- Berlins. Werte Genossen! Die unterzeichneten Mitglieder des 4. Berliner Wahlkreises halten es für ihre Pflicht, dem Zentralvorstand folgendes zu unterbreiten: In der Kreiskonferenz vom 7. Februar 1916 haben die Funktionäre des 4. Kreises beschlossen, Neuwahlen des Gesamtvorstandes vorzunehmen. Der Aktionsausschuß hatte aber am 8. Oftober 1914 einen Beschluß gefaßt, wonach während des Krieges Neuwahlen nicht stattfinden sollten. Nur für die im und durch den Krieg entstandenen Lücken sollte Ersatz geschaffen werden. Diesem Beschluß des Aktionsausschusses hat der Zentralvorstand und haben seinerzeit auch alle Kreise zugestimmt. Dieser Beschluß besteht also auch heute noch für alle Kreise und somit auch für den 4. Wahlfreis. Ein dahingehender Einwand wurde aber mit der Bemerkung abgetan, daß man sich jetzt im Kriege nicht nach Beschlüssen richten könne. Weiter müssen nach dem Kreisstatut die Vorstandswahlen durch Urwahlen vorgenommen wer= den. Auch darüber hat man sich hinweggesezt, und in der Kreiskonferenz vom 5. März 1916 haben die Funktionäre die Neuwahl vollzogen. Der Kreiskonferenz sind weder im Statut noch in den„ Ausführungsbestimmungen" irgendwelche Aufgaben und Rechte zugewiesen sie dient in der Regel nur zur Information der Funktionäre. Am allerwenigsten fann ihr das Recht der Vorstandswahl zugesprochen werden, zumal eine große Anzahl von Funktionären in der Kriegszeit selbst nur ihr Amt in Vertretung" führen bzw. ernannt" worden ist. Ferner sind nach dem Verbandsstatut die Mitglieder des Zentralvorstandes nur in der Verbandsgeneralversammlung zu wählen bzw. zu be= stätigen. Die neugewählten Mitglieder zum Zentralvorstand aus dem 4. Kreis können demnach vom Zentralvorstand gar nicht anerkannt werden. Der Zweck der ganzen Aktion war der, einige Genossen, die auf dem Standpunkt der Fraktionsmehrheit stehen, aus dem Vorstand zu entfernen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat man sich nicht ge= scheut, alle von der Organisation selbst geschaffenen Bestimmungen niederzutrampeln, Treu und Glauben unter den Genossen zu vernichten. Mit der Maßregelung der Genossen, die auf dem Boden der Mehrheit stehen, glaubte man wohl auch das freie Verfügungsrecht über die Gelder der Organisation erlangt zu haben. So sind bereits 50 Mt. für Sonderzwecke verwandt worden, trotzdem man angeblich wegen Mangel an Mitteln seit August 1915 keine Gelder mehr an den Zentralvorstand ab= führen konnte. Weiter wollen wir dem Zentralvorstand unterbreiten, daß die Viertelsführer, die zugleich Beisitzer im Vorstand sind, regelmäßige Propagandawww -8schriften und Sammellisten für die sogenannte seines Vortrages, daß in den letzten 20 Monaten Opposition an die Abteilungs- und Bezirksführer fast keine Möglichkeit bestand, innerpolitische ausgeben und Gelder einziehen. Die Parteimitglieder sind der irrtümlichen Auffassung, daß diese Schriften und Sammellisten von der Parteileitung herausgegeben werden, währenddem, wie ja dem Zentralvorstand bekannt ist, diese Aktionen von einer Gruppe unverantwortlicher Personen veranlaßt werden. Niemand weiß in der Partei, wie die von den Parteigenossen gesammelten Gelder verwaltet und verwendet werden. Niemand weiß, wer diese Sonderaktionen veranlaßt. Niemand weiß, wer die Propagandaschriften herausgibt. Die Organe der Partei werden hier von Vorstandsmitgliedern in unverantwortlicher Weise zu Sonderzwecken benutzt, die die ganze Parteiorganisation in Gefahr bringt. Fragen von so eminenter Bedeutung in der Deffentlichkeit zu behandeln. Der Redner nahm dann auch die seltene Gelegenheit wahr und zerpflückte mit Sachkenntnis und Temperament das ganze Steuerbukett der Regierung und wies unter vollster Zustimmung der Anwesenden auf die Unmöglichkeit hin, mit solchen Steuern den Reichsfinanzen wieder auf die Beine zu helfen. Wir erheben deshalb Protest beim Zentralvorstand, daß Der dritte Wahlkreis hielt seine Versammlung im Gewerkschaftshaus ab. Genosse Heinrich Ströbel hielt unter lebhaftem Beifall seinen instruktiven Vortrag, dem die Versammelten mit größter Aufmerksamkeit folgten. Im vierten Wahlkreise schilderte Genosse erstens der 4. Kreis entgegen dem Beschluß der Versammlung den Einfluß des Krieges auf die Büchner unter ungeteilter Aufmerksamkeit der Berliner Parteiorganisation Neuwahl vorgenommen hat; daß wirtschaftlichen Verhältnisse. Nach einer Beleuch zweitens bei dieser Wahl das Kreisstatut über- tung der Steuervorlagen vertrat der Redner unter gangen und nicht die Mitglieder, sondern die Funktionäre den Vorstand gewählt haben; daß drittens vom Vorstand des 4. Kreises Gelder aus Parteimitteln für 3wede bewilligt worden sind, die mit den Zielen und Aufgaben des Wahlvereins nicht zu tun haben; daß viertens von den Viertelsführern Flugschriften und Sammellisten der sogenannten Opposition an die Parteimitglieder ausgegeben und Gelder eingezogen werden. Wir erwarten, daß der Zentralvorstand diesem organisationsschädigenden Treiben sofort Einhalt gebietet. Denn dieses ganze Gebaren muß zur Zerrüttung der Partei und damit zu einer Schwächung der Arbeiterklasse führen. ( Unterschriften.) lebhaftem Beifall den Standpunkt: die durch den Krieg notwendig gewordenen neuen Steuern müssen so gestaltet werden, daß sie den Wohlhabenden und Reichen, besonders den durch Kriegsgewinne Bereicherten, nicht aber den schwer um ihre Existenz ringenden Volksmassen auferlegt werden. fünften Reichstagswahlkreises hielt Genosse Robert Vor einer stattlichen Zahl von Mitgliedern des sachkundigen Kritik der Steuervorlagen zu dem Schmidt das Referat. Redner fam nach einer Schluß, daß unsere Aufgabe nicht nur in der Kritik der Regierungsvorlagen bestehe, sondern wir müßten auch darlegen, welche anderen Steuerpläne in Frage kämen, um die durch den Krieg ist nicht leicht. Um jedoch das durchzuführen, was verursachten Ausgaben zu decken. Diese Aufgabe Da der Zentralvorstand sich in seiner Mehrheit auf den Standpunkt der Arbeitsgemein schaft" gestellt hat und somit das Vorgehen der- im Interesse der Arbeiterschaft notwendig sei, selben unterſtüßt, wird der Protest nicht weiter müsse unsere Partei einig und geschlossen zuverhandelt, sondern durch die Bekanntgabe als ſammenſtehen. Dann werde auch unser Weg vorerledigt angesehen. wärts und aufwärts führen. Die neuen Steuervorlagen wurden am Dienstag, den 21. März, in allen Berliner Wahlkreisen und in einer Anzahl Orts vereinen der Vororte in Mitgliederversammlungen besprochen. Referenten waren die Berliner Reichstags- und Landtagsabgeordneten. Im ersten Berliner Wahlkreis hielt Landtagsabgeordneter Paul Hirsch den Vortrag. Seine vom sozialistischen Geiste getragene Behandlung des Themas fesselte die Hörer bis zum letzten Augenblick. Er schloß seinen Vortrag mit einem Ausblick in die Zukunft und dem Wunsche, daß die Zeit nach dem Kriege eine einige und geschlossene Partei vorfinden möge. Starker Beifall folgte seinen Ausführungen. In der Versammlung des zweiten Kreises betonte Genosse Richard Fischer in der Einleitung Der Vertreter des sechsten Reichstagswahlfreises, Genosse Ledebour, behandelte in den„ Germania- Sälen" die brennend wichtige Frage der Steuern vor überfülltem Hause. Mit zwingender Logik wies er an Hand der Tatsachen nach, daß die neuen Steuerentwürfe in der heutigen Form nimmermehr die Zustimmung der breiten Volfsmassen finden könnten. In Neukölln fanden drei Versammlungen statt. Die Leiter der Versammlungen gaben 31nächst die Schwierigkeiten bekannt, welche bei Ab haltung dieser Versammlungen überwunden werden mußten. In den„ Passage- Festsälen" waren zirka 600 Personen, größtenteils Frauen, zusammengekommen, um den Abgeordneten ihres Kreises, den Genossen Zubeil, zu hören. Der Redner kritisierte die neuen Steuerforderungen, er bezeichnete sie als ein schlechtes Steuerbukett, das für die Sozialdemokratie unannehmbar sei. Im Karlsgarten" sprach Genosse Eichhorn ebenfalls gegen die Steuerforderungen. Redner erläuterte in fachlicher Weise die einzelnen Steuern und ihre voraussichtliche Wirkung. Diese Versammlung war von zirka 300 Personen besucht. In der Knesebeckstraße nahmen auch zirka 300 Personen an der Versammlung teil. Genosse Braun hatte hier das Referat. In allen Lokalen zeigten die Versammlungsteilnehmer eine starke Mißstimmung gegen die geplanten Steuern, und manch unmutiges Wort über die drohende Mehrbelastung des Volkes wurde aus den Reihen der Besucher Hörbar. In Lichtenberg- Stralau hatte Genosse Stadthagen das Referat. Er unterzog das Steuer bufett der Regierungsvorlage einer eingehenden Kritik und wies den fulturfeindlichen und unsozialen Charakter der Verkehrs- und Tabasteuer nach. Die Haltung der sozialdemokratischen Ab geordneten diesen indirekten Steuern gegenüber fönne unserem Programm entsprechend nur eine ablehnende sein. Die Kriegsgewinne seien in der Vorlage viel zu niedrig getroffen. Eine noch malige Erhebung des Wehrbeitrages würde mit Leichtigkeit die geforderten 500 Millionen ergeben. Zu fordern sei nur stärkere Heranziehung der Besitzenden durch Reichsvermögens- und Erbschaftssteuer. Außer diesen Versammlungen fanden noch solche in Charlottenburg, in Schöneberg und Pankow- Niederschönhausen statt. Als Referenten fungierten in diesen Versammlungen die Genossen Adolf Hoffmann, Emanuel Wurm und Dr. Herzfeld. Störende Zwischenfälle wurden aus keiner dieser Versammlungen gemeldet. In Adlershof fand an einem späteren Termine eine Versammlung statt. Hier referierte ebenfalls Genosse Eichhorn. Die Versammelten waren sich darin einig, daß eine neue indirekte Besteuerung des notleidenden Volkes den stärksten Protest herausfordert. Gemeindewahlen. Die diesjährigen Gemeindewahlen in den Kreisen Teltow- Beeskow und Niederbarnim sind im Zeichen des Burgfriedens in aller Stille vor sich gegangen. An dem Besitzstand der einzelnen Parteien hat sich wenig geändert. Vielfach sind Vereinbarungen getroffen, die jeder Partei die bisherigen Mandate garantieren. Die Beteiligung war infolge der vielen Einberufungen im allgemeinen gering. Das auch sonst nicht allzu rege Interesse hat sich durch die Kriegswirren noch verringert. Soweit wir die Berichte verfolgen konnten, geben wir hier eine furze Uebersicht: In Adlershof wurde unser Genosse Schwarzlose mit 332 Stimmen gewählt. Gegnerische Stimmen wurden nicht abgegeben. 9Bohnsdorf. In der dritten Klasse wurde Genosse Buchbinder Paul Schifffe mit 97 Stimmen gewählt. In Borsigwalde- Wittenau wurden 200 Stimmen abgegeben. Davon erhielt Genosse Kabel 168, der Gegner 30 Stimmen, für ungültig wurden 2 erklärt. Brit. Unsere Kandidaten wurden mit je 217 Stimmen gewählt. Gegnerische Kandidaten waren nicht aufgestellt. In Buchholz wurde Genosse Soost gewählt. Ein Gegenkandidat war nicht aufgestellt. ter In Friedenau sind die Genossen Paul Richund Ferd. Paasche gegen eine Stimme wiedergewählt. sind unsere Genossen Dehlert und Bachnicka geFriedrichsfelde. In der dritten Abteilung wählt worden. Gegnerische Kandidaten waren nicht aufgestellt. Friedrichshagen. Bei der stattgefundenen Wahl der 3. Klasse wurde unser bisheriger Vertreter, Genosse Otto Barth, mit 170 Stimmen wiedergewählt. In Glienicke wurde der Genosse Karl Pethfe ( Angesessener) mit 24 Stimmen gewählt. Durch diesen Mandatszuwachs ist nunmehr die 3. Abteilung ganz aus Vertretern der Sozialdemokratie zusammengesetzt. Hohenschönhausen. Bei der vollzogenen Stichwahl zur Gemeindevertretung wurde Fabrikbefizer Frohloff mit 170, Genosse Mar Thiele mit 167 Stimmen gewählt. Der bürgerliche Kandidat erhielt 165, Genosse Ferd. Krause 162 Stimmen. Hermsdorf. Bei der stattgefundenen Gemeindewahl wurden die Genossen Bruno Hagen ( Angesessener) und Rudolf Prießmeier mit je 105 Stimmen neu- resp. wiedergewählt. Der Gegenkandidat erhielt 8 Stimmen. Johannisthal. Bei der Ersatzwahl zur Gemeindevertretung wurden in der 3. Klasse die Genossen Radumfe und Pirsich mit 151 bzw. 149 Stimmen wiedergewählt. Gegnerische Kandidaten waren nicht aufgestellt. mit 50 Stimmen gegen 2 gegnerische Stimmen In Kaulsdorf ist Genosse Friedrich Hempel gewählt worden. In Lankwitz übten unsere Genossen Stimmenthaltung. Marienfelde. Es wurden gewählt in der dritten Klasse Gastwirt Wilhelm Mannz, Genosse Friz Greulich. Die Beteiligung war sehr gering, es wurden nur 113 Stimmen abgegeben. Neuenhagen. Es wurden die Parteigenossen Karl Arndt und Wilhelm Buggert gegen 3 Stimmen wiedergewählt. In Mariendorf wurden die Genossen Paul Weber, Reinhold Geiseler, Hugo Eberlein und Hermann Waldheim mit 387, 380, 382 und 378 - 10 Stimmen gewählt. Die Kandidaten der Hirsch Dunckerschen Vereine mußten sich mit 3 Stimmen begnügen. Reinickendorf. Unsere Genossen wurden ohne Gegenkandidaten gewählt: im 1. Bezirk Genosse Monkowski, im 2. Bezirk die Genossen Höpfner und Zeising, die je 244 Stimmen er hielten. erwachsene Arbeiterschaft die Mahnung, ihre schulentlassenen Söhne und Töchter der Jugendbewegung zuzuführen und für sie die ArbeiterJugend", das berufene Organ für die Interessen der jungen Arbeiter und Arbeiterinnen, zu abonnieren. Der Bezugspreis derselben beträgt 20 Pf. pro Monat. Bestellungen werden entgegengenommen bei Emil Boeske, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, 4. Hof links 3 Treppen. Steglitz. Bei der Gemeindewahl wurde folgendes Resultat erzielt: Jm 1. Bezirk der dritten Die freie Jugendbewegung hat sich auch in Klasse wurde Genosse Fritz Hamburg ohne den Nöten der Kriegszeit als die Führerin und Gegenkandidaten mit 73 Stimmen wieder- Beraterin wieder- Beraterin der arbeitenden Jugend bewährt. gewählt, während im 2. Bezirk die bürgerlichen Tausende von jungen Leuten wissen ihr dafür Kandidaten Häusler und Windler sogar mit nur Dant. Sie gewährt allen Jugendlichen Rat und 34 Stimmen ihre Mandate erobern" fonnten. Freundschaft, wirtschaftlichen Schutz und BeiGegenkandidaten waren auch dort nicht aufgestellt stand bei etwaigen ungesetzlichen Uebergriffen der Meister und Unternehmer, Gelegenheit zur sportlichen Betätigung, zu frisch- fröhlichem Wandern; sie vermittelt ihnen reiche Anregung und Belehrung sowie freundschaftlichen Umgang mit gleichgesinnten. Alterskameraden und Kameraworden. Stralau. Unser bisheriger Vertreter Ferdinand Aschendorf wurde mit 109 Stimmen wiedergewählt. Die Vertreter der zweiten und ersten Klasse ziehen ausgerüstet mit dem Vertrauen von 9 bzw. 1 Stimme aufs neue in das Dorfparlament ein. Schönow. In der dritten Klasse wurde Genosse Mende mit 34 Stimmen gewählt. Der Gegenkandidat erhielt 10 Stimmen. Die Sozialdemokratie verfügt jezt über 4 Mandate. Tegel. Die Ergänzungswahlen hatten folgendes Ergebnis: Jm 2. Wahlbezirk der 3. Abteilung wurden 200 Stimmen abgegeben, davon erhielt 186 Stimmen Genosse Karl Radunz, unser bisheriger Vertreter; auf die gegnerischen Randidaten fielen 13 Stimmen und 1 Stimme war ungültig. In Tempelhof wurden die sozialdemokratischen Kandidaten gewählt. Gegenkandidaten waren nicht aufgestellt. Treptow- Baumschulenweg. Im ersten Wahlbezirk wurde der in Ermangelung eines Hausbesizers aufgestellte Kandidat Herr Architekt Adolf Kröbel mit 65 Stimmen von unseren Genossen gewählt. Jm 2. Wahlbezirk erhielt der Genosse Josef Hartmann 122 Stimmen. Gegnerische Stimmen wurden nicht abgegeben. Wildau- Hoherlehme. Unser Genosse Otto Schumann ist mit 75 Stimmen wiedergewählt. Ein Gegenfandidat war nicht aufgestellt. Jugendbewegung. Die Zeit der Schulentlassung ist herangerückt, und wieder treten Tausende junger Arbeiterkinder in das Erwerbsleben ein. Allen Arbeitereltern wird daran gelegen sein, der geistigen Weiterbildung der Schulentlassenen die Wege zu ebnen, ihnen für ihre freie Zeit möglichst wertvolle Unterhaltung und Anregung zu verschaffen. Wir richten daher an die dinnen. Besonders zu empfehlen ist allen Jugendlichen der Besuch der Jugendheime. Hier finden Die Zahlabendleiter werden gebeten, alle Parteisie willkommene Unterhaltung und Belehrung. genossen und Genossinnen, die schulentlassene Söhne und Töchter haben, auf die Jugendbewegung und Heime aufmerksam zu machen. Die letteren befinden sich: Berlin: N., Brunnenstr. 70, D., Große Frankfurter Str. 123. Adlershof: Bismarckstr. 31. Baumschulenweg: Ernststr. 24. Charlottenburg: Volkshaus, Rosinenstr. 3. Friedrichshagen: Scharnweberstr. 59, Hof pt. Johannisthal: Friedrichstr. 63. Köpenick: Grünauer Str. 7. Lichtenberg: Dossestr. 22. Oberschöneweide: Klarastr. 2. Pankow: Maximilianstr. 43a. Rosenthal: Fontänenstr. 10. Reinickendorf- Ost: Hoppestr. 32. Reinickendorf- West: Wachholderstr. 44. Steglit: Kniephofstr. 59. Tegel: Bahnhofstr. 15( im Hause des Tegeler Konsumvereins). Tempelhof- Mariendorf: Kaiser- Wilhelm- Str. 76. Treptow: Graehstr. 64. Weißensee: Gäblerstr. 46. Wilmersdorf: Mannheimer Str. 51. Die Heime sind mit wenigen Ausnahmen geöffnet: wochentags von 6-10 Uhr, Sonntags von 4-10 Uhr abends. Ihre Besichtigung ist auch Erwachsenen gern gestattet. Darum auf, Parteigenossen und Genossinnen, unterſtüßt nach Kräften die freie Jugendbewegung! Zahlt gern und freudig Euer Scherflein für die Aufrechterhaltung der Heime! Auskunft in allen Fragen, die die Jugendbewegung und den Jugendschutz betreffen, wird erteilt im Jugendsekretariat Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, 4. Hof links 3 Tr.( Fernsprecher Morigplak 4740/41; Geschäftszeit 9-5, Mittwochs und Freitags 9-1 und 26-29 Uhr abends.) Akademische Unterrichtskurse für Arbeiter. Die„ Akademischen Unterrichtskurse für Arbeiter", die auf ein mehr als zehnjähriges Bestehen zurückblicken, verfolgen auch in dieser Zeit ihr Ziel, Männer und Frauen, die nicht mehr die Fortbildungsschule besuchen können, in den elementaren Unterrichtsfächern auszubilden. Vor allem sollen die Hörer richtig schreiben, sprechen und rechnen lernen; doch sollen zur Erweiterung der Kenntnisse besondere Kurse in Literatur und Erdkunde sowie Vorträge und Führungen dienen. Der Unterricht wird wie bisher von Studierenden der Berliner Hochschulen erteilt. Wir möchten noch besonders darauf hinweisen, daß im Sommer das frühere Unterrichtslokal in der Friedrich- Werderschen Oberrealschule, Niederwallstr. 12, wieder eröffnet wird. Jeder Kursus findet wöchentlich einmal in den Abendstunden von 8-10 Uhr statt. Die Anmeldungen werden in den folgenden Unterrichtslokalen von 8-10 Uhr entgegengenommen: 1. im Zentrum: Gemeindeschule Gipsstraße 23a, nahe dem Bahnhof Börse, am 26. und 29. April; 2. im Zentrum: Geschäftsstelle des Vereins, Dorotheenstr. 49, Quergebäude parterre, am 28. April; 3. im Osten: Fortbildungsschule Langestr. 31, am Schlesischen Bahnhof, am 27. April; 4. in Neukölln: Realgymnasium KaiserFriedrich- Straße 208/210, in der Nähe des Hermannplates, am 26. Oktober. 11 Der prüfende Arzt konnte allen 30 Prüflingen das Zeugnis ausstellen, nunmehr als vollgültige Mitglieder der Kolonne, insbesondere für die Arbeiterschaft und die Allgemeinheit, tätig zu sein, wo sich ihnen Gelegenheit dazu bietet. Troßdem der größte Teil der männlichen Mitglieder der Friedensarbeit entzogen ist, war es der Leitung der Kolonne doch möglich, den Kursus durchzuführen. Der Zweck unserer Kurse ist genügend befannt. Sie sollen allen Arbeitern und Arbeiterinnen Gelegenheit bieten, ihr Wissen auf dem Gebiete der Bekämpfung der Gesundheitsschädigungen und Verlegungen zu bereichern. In einer Zeit, wo leider so viele Leben und Gesundheit opfern mußten, haben die Zurückgebliebenen die Pflicht, die Opfer des Schlachtfeldes der Industrie auf das geringste Maß zu beschränken. Krankheiten und Verlegungen zu verhüten ist wichtiger, wie sie zu heilen. Ist aber ein Unglück passiert, so ist es Pflicht jedes Menschen, helfend einzuspringen, bis weitere ärztliche Hilfe beschafft werden kann. Dieser sozialen Pflicht darf sich niemand entziehen. Der Erkrankte hat ein Recht, diese Nächstenhilfe vom Gesunden zu fordern, dazu ist aber ein genügendes Maß an Samariterkentnissen erforderlich, um die leider noch vielfach geübten Quadsalbereien und Vieltuerei zu unterlassen und den Verletzten oder Erkrankten vor weiteren Schädigungen zu bewahren. Der am 3. April, abends 812 Uhr, im Vereinshaus Köpenicker Straße 62, begonnene Kursus bietet Gelegenheit, die Grundregeln der ersten Hilfeleistung zu erlernen und in den Grundzügen der Kranken- und Gesundheitspflege unterrichtet zu werden. Wer beabsichtigt, an den Kursus teilzunehmen, wolle sich in dem benannten Lokal einfinden. Der Unterricht beginnt mit der Beschreibung vom Bau des menschlichen Körpers, dem im Laufe des Kursus weitere Vorträge über alle Arten von Verlegungen und Verbandübungen folgen. Am Sonnabend, den 29. April, findet in der Aula Gipsstr. 23a um 8 Uhr eine allgemeine Hörerversammlung statt, in der über den Unter- Wegen weiterer Auskunft wende man sich richt nähere Mitteilung gemacht wird. In dieser an den Vorsitzenden Gustav Dietrich, BerVersammlung werden auch noch Anmeldungen lin NW. 23, Klopstockstr. 25. entgegengenommen. Bei der Anmeldung ist eine einmalige Gebühr von 50 Pf. für den Besuch jedes Kurses sowie 30 Pf. für Lehrmittel zu entrichten. Jede Stufe dauert ein halbes Jahr. Unterrichtsbeginn: 1. Mai. Unterrichtsschluß: Anfang August. Neuer Samariterkursus. Die Kolonne Berlin des Arbeiter- Samariterbundes hat die Winterkurse mit der Prüfung der Teilnehmer abgeschlossen. Aus den Kreis- Wahlvereinen. Vierter Wahlkreis. Die Wahl des Vorstandes, der Kommissionen und der Mitglieder zum Zentralvorstand für Groß- Berlin hatte folgendes Ergebnis: 1. Vorsigender P. Hoffmann, 2. Vorsitzender A. Hoffmann, 1. Rassierer H. Barenthin, 2. Kassierer W. Jöchel, 1. Schriftführer W. Thiem, 2. Schriftführer Margarete Wengels, als Beisigerin Agnes Fahrenwald; Viertelsführer: für das Görliger Viertel P. Laaser, für das Köpenicker Viertel KHITHW ZEMPITS MILITIPY Panareuner INDTITOSTOMI T 12 M. Monatsbeiträge für März 1916. " R. Sinner, für das Frankfurter Viertel H. Rosen-| 2137 auf Amt Humboldt 2137 umgeschaltet werberg, für das Stralauer Viertel Ch. Gutekunst, den. Der Taa der Inbetriebnahme wird später für das Petersburger Viertel O. Valeske, für das bekanntgegeben. Landsberger Viertel Fr. Rader. Als Revisoren wurden gewählt May Demmning. E. Gernth, E. Klein, Fr. Kupferschmidt, G. Orlowski, W. Borchert. In die Beschwerdekommission wurden gewählt Fr. Aidam, E. Lode, G. Franz, 1. Kreis B. Kupsch, G. Langner, D. Markan, Elisabeth 2. Strauß. In den Jugendausschuß wurden gewählt C. Köhler und E. Grün. In den Aktionsausschuß wurden gewählt P. Hoffmann und 4. H. Barenthin; in die Preßkommission E. Eich- 5. horn, Ch. Gutekunst, G. Müller; in die Lokal- 6. fommission R. Rott; in die Schiedskommission Teltow- Beeskow K. Kunze; als Revisor für Groß- Berlin P. Burg- Niederbarnim hardt; als Vertreterin der Frauen Groß- Berlin Agnes Fahrenwald; in die Kinderschutzkommission für Groß- Berlin Martha Demmning. 3. " " " " 150, 100, 400, Diverse: B. Gutenberg Repkow 10, 3, Fernsprechants Humboldt" wird voraussichtlich Kinderschußfommission: Mitte Mai unser Fernsprechanschluß„ Norden" Dr. Landau, Wandlik 5, Sechster Wahlkreis. Anläßlich des in Berlin N 58 neu errichteten . Berantwortlicher Redakteur: Th. Fischer; Berleger: E. Ernst; beide Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Drud: Borwarts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. 68, Lindenstr.&