Mitteilungs- Blatt Ur. 2. des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Berlin, den 10. Mai 1916. Die Lebensmittelteuerung. Es hat sich bitter gerächt, daß sich die Regierung den sozialdemokratischen Anregungen auf Regelung des Verkehrs in Nahrungsmitteln gegenüber so ablehnend verhalten hat. Zu der ungeheuren Teuerung, unter der das Volk schon seit langen Monaten leidet, hat sich eine Knappheit an einer ganzen Reihe wichtiger Lebensmittel gejellt, eine Knappheit, die teils auf wirf lichem Mangel, teils aber auch auf eine fünstliche Zurückhaltung zurückzuführen ist. Daß wir kein Wort haben, das scharf genug wäre, ein so vaterlands- und volksfeindliches Gebaren gewisser Interessenten zu verurteilen, die sich nicht scheuen, die Not ihrer Mitmenschen auszunutzen, um sich selbst die Taschen zu füllen, bedarf keiner besonderen Betonung. Aber andererseits dürfen wir nicht außer acht lassen, daß gerade die Regierung es gewesen ist, die teils durch ihre Untätigkeit, teils durch falsche Maßnahmen den Boden für solche Machinationen wenn auch wider ihren Willen geebnet hat. 11. Jahrgang. Aber wir predigten tauben Chren. Und die Folgen? Was wir gefürchtet, ist eingetroffen; was wir vorausgesagt, hat sich leider erfüllt. Was für einen Zweck hat es, absichtlich vor der rauhen Wirklichkeit seine Augen zu verschließen? Mit Geheimniskrämerei, mit Verschleierung der Tatsachen wird nichts erreicht. Offen aussprechen, was ist und zu retten suchen, was noch zu retten ist, das ist es, worauf es im gegenwärtigen Augenblick anfommt. Die neue Ernte steht vor der Tür, und es gilt, aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen und die früheren Fehler zu vermeiden. Ganze Arbeit hat die Regierung einzig und allein mit der Brotversorgung gemacht; hier ist sie vor durchgreifenden Maßnahmen nicht zurückgeschreckt, sie hat dadurch verhindert, daß das Brot in demselben Maße wie die übrigen Nahrungsmittel verteuert wird, sie hat dafür gesorgt, daß jedermann ein bestimmtes Quantum Brot gesichert wird, ein Quantum, das zwar hinter dem in Friedenszeiten zurückbleibt, das aber zur Not ausreicht. Bei der Regelung des Verkehrs in allen übrigen Nahrungsmitteln ist sie auf halbem Wege stehengeblieben, sie hat gewöhnlich erst dann zugegriffen, wenn es zu spät war, oder auch Anordnungen getroffen, die sich in der Praxis als völlig verfehlt erwiesen haben. Wir erinnern nur an die behördlich befohlene Massenabschlachtung von Schweinen, deren Folgen sich heute in hohen Preisen und Mangel an Schweinefleisch so unheilvoll bemerkbar macht. Die Sozialdemokratie hat immer und wieder verlangt, daß im Kriege noch mehr als im Frieden die Interessen des einzelnen sich denen der Gesamtheit unterordnen müssen. Das vom Parteivorstand in Verbindung mit der Generalfommission gleich zu Beginn des Krieges ausgearbeitete Ernährungsprogramm, die Anträge, die unsere Genossen im Reichstage, in den Land. tagen und in den Gemeindevertretungen gestellt, die Forderungen, die die preußische Landeskommission im Verein mit dem Vorstand der sozial- Die Sicherstellung unserer Ernährung ist demokratischen Fraktion des preußischen Abge- die vornehmste Aufgabe und die erste Pflicht der ordnetenhauses an die Regierung gerichtet haben gesetzgebenden Körperschaften. Möge die Re- sie alle sind von dem gleichen Geiste diftiert, gierung, möge der Reichstag, mögen alle staatdaß es notwendig ist, planmäßig die Produktion lichen und städtischen Organe sich bewußt sein, zu regeln und den Vertrieb der Erzeugnisse in daß es darauf ankommt, die vorhandenen Legeordnete Bahnen zu lenken. Wir waren uns bensmittel für das Volk zu sichern und zu erbewußt, daß das Deutsche Reich in bezug auf die schwinglichen Preisen abzugeben. Nur ein InVersorgung mancher Lebensmittel vom Aus- teresse, das der Masse der Verbraucher, darf lande abhängig ist, daß die deutsche Landwirt. schaft trop des ihr seit vielen Jahrzehnten gewährten Zollschutes nicht imstande ist, alle Produkte selbst zu erzeugen. Wir verlangten, daß wenigstens mit den im Inlande erzeugten Produkten haushälterisch umgegangen und daß der zu erwartenden Preistreiberei vorgebeugt würde. jest maßgebend sein, Sonderinteressen einzelner Berufszweige dürfen fürderhin nicht berücksich tigt werden. Auf keinen Fall darf die Regierung auch jezt wieder vor der Beschlagnahme der Nahrungsmittel bei den Produzenten zurückschrecken. Das gilt in gleicher Weise für Kartoffeln wie für Zucker, Fleisch, Hülsenfrüchte und alle übrigen unentbehrlichen Lebensmittel. Nur auf diese Weise ist es möglich, die verfüg- baren Bestände genau übersehen und eine ge- rechte Verteilung herbeiführen zu können. Dah auch die Preise schleunigst eine entsprechende Herabsetzung erfahren müssen, bedarf keiner be- sonderen Betonung. Gewiß können sie nicht auf den �tand in normalen Zeiten gebracht werden, aber Wuclierpreise, wie wir sie jetzt vielfach fin- den, entbehren jeder Berechtigung. Sind doch sogar solche Nahrungsmittel, von denen genug auf den Markt kommt, nur zu kaum zu erschwin- genden Preisen zu haben! Der Lebensmittel- Wucher muß auf das schärfste bekämpft. Per- fönen, die sich in so niederträchtiger Weise gegen ihre Mitmenschen versündigen, müssen ohne An- sehung des Standes an den Pranger gestellt und der öffentlichen Verachtung preisgegeben werden. Die Organisationen der Landwirte wehren sich gegen die in weitesten Kreisen � nicht nur von der Sozialdemokratie— gegen sie erhobenen Vorwürfe. In der Allgemeinheit, wie es ge- wöhnlich behauptet wird, haben wir niemals Vorwürfe gegen bestimmte Berufe erhoben, wir haben auch niemals verkannt, daß auch Auge- hörige anderer Berufe jetzt während des Krieges ihre Sonderinteressen denen der Gesamtheit vor- angestellt haben. Wir, die wir unserer ganzen Weltanschauung entsprechend wie im Frieden, so auch im Kriege, den Kampf um die Volks- ernährung als einen Kampf um die politische Macht erkannt haben, wir wissen, daß das Uebel weit tiefer wurzelt. Und gerade deshalb haben wir ja von jeher gefordert und fordern wir auch jetzt wieder, daß den Schädlingen der Gesellschaft, die sich auf Kosten der Allgemeinlw'it zu bereichern suchen, der Boden entzogen wird. In erster Linie muß die Reichsregierung und ihre Drgane der Versorgung des Volkes mit Nahrungsmitteln ihre Aufmerksamkeit widmen. Aber auck die Gemeinden dürfen nicht untätig beiseite stehen. Ihr Tätigkeitskreis ist natur- gemäß weit enger umgrenzt, sie sind vor allem abhängig von der Gesetzgebung, sie haben die Aufgaben zu lösen, die die Gesetzgebung ihnen zuweist, und deshalb darf man von ihnen nichts Unbilliges verlangen. Hat das Reich und haben die Einzelstaaten die Pflicht, dafür zu sorgen, daß Nahrungsmittel in ausreichender Menge vorhanden sind, so ist es Sache der Gemeinden, den Vertrieb der Nahrungsmittel zu organi- sieren. Gewiß würde es um unsere Ernährung besser bestellt sein, wenn die Gemeinden sich schon in Friedenszeiten um die Ernährung ihrer Ein- wohner gekümmert, wenn sie Lebensmittel an- gekauft hätten und wenn sie zur Eigenproduktion übergegangen wären. An Anregungen von so- zialdemokratischer Seite hat es wahrlich nicht ge- fehlt, aber die Gemeinden haben sie nicht be- herzigt, sie"-aben es grundsätzlich abgelehnt, sich mit solchen Angelegenheiten zu befassen. Die Folgen zeigen sich jetzt. Um so mehr sollten sie es sich nun wenigstens angelegen sein lassen, die Aufgaben, die ihnen die Kriegsgesetzgebung überwiesen hat, restlos zu lösen. Die Gemein- den haben die Pflicht, Preisprüfungsstellen ein- zurichten, es bestehen auch überall solche Stellen. aber leider üben sie ihre Tätigkeit nur allzuoft vom grünen Tisch herab aus und hüten sich ängstlich vor jeder Berührung mit dem prak- tischen Leben. Daher die Höchstpreise, die viel- fach durch nichts gerechtfertigt sind. Daher auch die Erscheinung, daß der Verkehr nicht in ge- regelte Bahnen geleitet wird. Daher solche Vor- kommnisse, wie sie kürzlich in einem Berliner Vorort ans Tageslicht gekommen sind, daß die ortsansässigen Schlächtermeister— mau möchte sagen systematisch— sich an dein ihnen von der Gemeindebehörde zugewiesenen, für die Be- völkerung bestimmten Fleisch, zu bereichern suchten. Es ist überflüssig, hieriiber noch allzuviele Worte zu verlieren. Die Lebensmittelnot ist vorhanden, sie kann nicht geleugnet werden. Die Ursachen sind bekannt, sie sind mehr als einmal von uns dargelegt. An Vorschlägen zur Abhilfe hat es nicht gefehlt, die maßgebenden Stellen haben sie nicht beherzigt. Jetzt gilt es, das schlimmste abzuwenden und zu verhüten, daß das Uebel noch weiter um sich greift. Mit Nach- druck fordern wir, daß alle Organe im Reich, Staat und Genieinden, sich endlich der auf ihnen lastenden, furchtbaren Verantwortung bewußt werden, das Volk, das wahrlich genug Opfer gebracht hat, hat ein Anrecht auf Schutz vor Be- Wucherung. Die Männer, die draußen vor dem Feinde Blut und Gut opfern, können mit Fug und Recht verlangen, daß ihre Frauen und Kinder in der Heimat gegen Unterernährung gesichert sind. Aus dem Zentralvorstand und Aktionsausschuß. Z c n t r a l v o r st a n d. Sitzung vom 14. April 1916. Preßkommission und Z e n t r a l v o r- st a n d zu den Differenzen zwischen Redaktion und Parteivorstand. Als erster Punkt steht auf der Tages- ordnung die Berichterstattung der Preßkoi» Mission. Eine Vertretung des Parteivorstandes sowie die„Vorwärts"-Redaktion sind in der Sitzung zugegen. Der Obmann der Preßkommission berichtet über die Verhandlungen. Ihre Ursache haben die diesmaligen Differenzen in der Spaltung der Reichstagsfraktion. Tie Redaktion hat, nachdem sie- in der Nummer des„Vorwärts" vom 29. März einen Aufruf des Partei- Vorstandes veröffentlichte, am folgenden Tage ste Die ng ininen, oft ich ateluch geor= ner die hte der Beern iele ist Die nal ilfe Ten Das Daß acheich, nen ußt ge BeDem Fug und ing or= jen d. gesComndes. der chtet aben tung hat, rts" rteiLage - 3 auch einen Aufruf der Arbeitsgemeinschaft" an der Spize des Blattes gebracht. Hiergegen hat der Parteivorstand Einspruch erhoben mit dem Hinweis, daß der Vorwärts" als Zentralorgan der Partei die Einheit und Geschlossenheit der Partei zu erhalten bestrebt sein müsse. Aus seinen Spalten müsse deshalb alles fernbleiben, was die Parteizerrüttung fördert, denn es müsse verhindert werden, daß die die Arbeiterinteressen schwer schädigende Spaltung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zu einer Spaltung der Partei führt. Das Organisationsstatut fenne nur eine sozialdemokratische Reichstagsfraftion. Sonderorganisationen werden von dem Organisationsstatut der Partei nicht als gleichberechtigt anerkannt. Die Gruppe der Arbeitsgemeinschaft habe deshalb kein Recht, sich an der Spize des Zentralorgans mit Aufrufen an die Partei zu wenden. Die Redaktion fönne derartige Rundgebungen im politischen Teil des Blattes registrieren, wenn sie von denselben Notiz nehmen wollen. Auch das ,, Vorwärts"- Unternehmen dürfe nicht geschädigt werden. Gleichzeitig hatte der Parteivorstand dafür Sorge getragen, daß seine Anordnungen durchgeführt werden. Die Druckerei des Vorwärts" ist veranlaßt worden, den Maßnahmen des Parteivorstandes Geltung zu verschaffen. des Zentralorgans von der Preßtommission fontrolliert; Breßkommission und Parteivorstand entscheiden nur gemeinsam über alle Angelegenheiten des Zentralorgans. Wenn der Parteivorstand, wie geschehen, eigenmächtig in die Redaktionsführung eingreift, indem er die Geschäftsleitung oder das Druckereipersonal veranlaßt, gegen den Willen der Redaktion den Text des Blattes zu verändern, so muß das als Verlegung der Rechte der Redaktion und der Preßtommission und als Bruch des Organisationsstatuts entschieden zurückgewiesen werden. Die Preßkommission erklärt es ferner für eine Selbstverständlichkeit, daß der Geschäftsführer der Vorwärts- Buchdruckerei, Genosse Fischer, keinerlei Befugnis hat, sich in die Redaktionsführung zu mischen. Die Redaktion wird aufgefordert, sich allen mit dem Organisationsstatut in Widerspruch stehenden Eingriffen in ihre Rechte zu widersetzen. Der Parteivorstand hat diesen Beschluß der Preßkommission mit folgendem Schreiben beantwortet: An die Preßkommission des Vorwärts", z. H. des Genossen Adam Bittorf. Werter Genosse! Berlin N. Die Resolution, welche die Preßkommission am 6. April in bezug auf den Konflikt zwischen Parteivorstand und Vorwärtsredaktion faßte und die uns am 7. April zugestellt wurde, hat dem Parteivorstand in seiner gestrigen Sitzung vorgelegen. Der Parteivorstand beschloß, dieser Resolution nicht beizutreten. Mit Parteigruß Herm. Müller. Die Redaktion betrachtet dieses Vorgehen als einen Eingriff in ihre Rechte und hat dagegen sehr energisch Verwahrung eingelegt. Der Parteivorstand sei auf Grund des§ 24 des Organisationsstatuts wohl berechtigt, für seine Im Zentralvorstand wurden diese VorRundgebungen und Erklärungen eine hervorgänge eingehend erörtert. Am Schluß der Deragende Stelle zu beanspruchen dies Recht batte entschied der Zentralvorstand folgenderhabe ihm die Redaktion auch niemals streitig maßen: gemacht, darüber hinaus aber verlange die Redaktion volles Verfügungsrecht über Tert und Raum des Blattes. Der Parteivorstand hat jedoch die völlige Unabhängigkeit der Redaktion nicht garantiert, vielmehr hat er von seinem Mitbestimmungsrecht Gebrauch gemacht. Seit der Zeit ist im Bureau des Geschäftsführers Fischer ein Mitglied des vorstandes anwesend, und die Sezerei ist angewiesen, die Fahnenabzüge dem Parteiborstandsmitglied vorzulegen. Es darf nichts im Vorwärts" Aufnahme finden, was dem Genossen nicht vorgelegen hat. ParteiDie Preßkommission war vom Parteivorstand nicht informiert, so daß dieselbe vor vollendeten Tatsachen stand. Zu diesen Vorgängen hat die Preßkommission am 6. April Stellung genommen und folgenden Beschluß gefaßt: Die Preßkommission erklärt: Die Redaktion des„ Vorwärts" unterliegt keinen anderen, als den durch das Organisationsstatut der Partei festgesetzten Beschränkungen. Danach wird die prinzipielle und taktische Haltung " Der Zentralvorstand billigt die Entschließung der Preßkommission. Er erblickt in den Eingriffen des Parteivorstandes und des Geschäftsführers Fischer in die Redaktionsführung des Vorwärts" einen Gewaltstreich, der allen demokratischen Grundlagen der Sozialdemokratie ins Gesicht schlägt und namentlich seitens des Geschäftsführers Fischer eine unerhörte Anmaßung darstellt. Der Zentralvorstand erblickt in diesem Vorgehen einen Versuch des Parteivorstandes, das Zentralorgan der Partei zum Werkzeug der Politik der Frat-tionsmehrheit zu machen, einer Politik, die im schroffsten Widerspruch steht zu den Parteigrundjäßen, Parteitraditionen und den internationalen Pflichten der Sozialdemokratie, und die zur tiefsten Zerrüttung der Partei wie zur Untergrabung der Parteieinheit führt. Insbesondere bedeutet das Vorgehen des Parteivorstandes einen skandalösen Eingriff in die Rechte der Berliner Parteigenossenschaft. Der„ Vorwärts" ist nicht bloß Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie, sondern auch Organ der Berliner Genossen. Nach der Stellungnahme des Groß- Berliner Zentralvorstandes vom 31. März bedeutet der Versuch des Parteivorstandes, die Redaktionsführung des Vorwärts" durch gewaltsame Maßnahmen im Sinne jeiner Politik zu beeinflussen, eine unqualifizierbare Herausforderung der Berliner -4Parteigenossenschaft. Der Zentralvorstand weist einer so langen Dauer des Krieges. Deshalb die Gewaltpolitik des Parteivorstandes mit Ent- habe man sich damals mit der Vertagung der rüstung zurück und erklärt, daß, falls der Partei- Generalversammlung einverstanden erklärt. Man vorstand von seinen Methoden nicht Abstand nimmt und, den demokratischen Grundsäßen fol- glaubte in kürzerer Zeit zu geregelten Verhältgend, der Redaktion des Vorwärts" die unent- nissen zu kommen. Aber auch jetzt, nachdem in behrliche Freiheit der Redaktionsführung nicht zwei Jahren feine Generalversammlung geeinräumt, die Berliner Parteigenossenschaft mit wesen, sei ein Ende des Krieges nicht abzusehen. aller Energie ihr Organ von diesem Druck unab- Die Vorgänge in der Partei drängen jedoch zu hängig zu machen wissen wird, damit es im Sinne einer Aussprache, die auch von den Parteider Berliner Genossen und im Geiste der sozial- genossen dringend gewünscht wird. Die Berliner demokratischen Grundsäße geführt werden tann. Genossen verlangen, daß in der Vertretung des Der Zentralvorstand spricht ferner wiederholt Verbandes ihre Meinung Ausdruck finde und aus, daß die prinzipielle und taktische Haltung, daß ihre Ansicht überall rücksichtslos zur Geldie der Vorwärts" während des Krieges eingenommen hat und einnimmt, im Sinne der Ber- tung fomme. Die sich der Generalversammlung liner Genossen liegt. Der Zentralvorstand erblickt entgegenstellenden Schwierigkeiten müsse man in dem Vorgehen des Genossen Richard Fischer versuchen zu überwinden, andernfalls müsse man eine Ueberschreitung seiner Befugnisse, die einen die Tagesordnung so gestalten, daß für die Vergroben Vertrauensbruch gegen die wirklichen In- sammlung feine Gefahr bestehe. Ein derartiges Haber der Druckerei, die Berliner Genossen, dar- Vorgehen sei keine statutenwidrige Handlung, stellt, und fordert die nominellen Inhaber der wie es vielfach betont worden sei. Wenn man Druckerei sowie deren Aufsichtsinstanzen auf, an der Einhaltung der statutarischen Bestimdiesen Mißbrauch der Stellung des Geschäftsführers der Druckerei zu untersagen und Vor- mungen gehindert werde, dann müsse man sich fehrungen gegen eine etwaige Wiederholung zu den Verhältnissen anpassen und so handeln wie es die Situation erfordert. treffen. " dazu hinreißen zu lassen, aus der Organisation auszutreten oder das Abonnement auf den„ Vorwärts" aufzugeben. Der Zentralvorstand ersucht vielmehr eindringlichst die Berliner Parteigenossen: Laßt Euch Gure Rechte nicht rauben, erfüllt Eure Parteipflicht, bleibt in den Organisationen, bleibt Abonnenten des„ Vorwärts" und werbet neue Anhänger unseres Parteiorgans! Der Zentralvorstand richtet an die Berliner Dem gegenüber wird vom geschäftsführenGenossen die dringende Bitte, durch die Beein- den Ausschuß angeführt, daß für die Verbandsträchtigung ihrer Rechte durch den Parteivorstand generalversammlung das Verbandsstatut maẞund durch den Genossen Fischer sich nicht etwa gebend bleiben müsse. Beschränke man sich nur auf die Wahl des Zentralvorstandes, um die nicht genehmen Genossen aus demselben zu entfernen, ohne diesen Gelegenheit zu geben, sich zu rechtfertigen, dann werden alle demokratischen Grundsäße verlassen und der Zweck der Generalversammlung in das Gegenteil umgekehrt. Gegen eine ordnungsmäßig einberufene Generalversammlung sei natürlich nichts einzuwenden, es sei aber sehr zu bezweifeln, ob diese möglich werde. Zu den Aufgaben der Generalversammlung gehöre die Entgegennahme der Berichte des Verbandsvorstandes, ebenso müsse ein gedruckter Bericht herausgegeben werden. Dem stellen sich unüberwindbare Hindernisse in den Weg. Von der Berichterstattung könne man aber unter feinen Umständen absehen, denn der geschäftsführende Ausschuß, wie auch die übrigen in Frage kommenden Genossen, werden sich nicht hinterrücks beseitigen lassen. Die Abstimmung erfolgte namentlich. Der erste Absatz der Resolution wurde mit 32 gegen 18 Stimmen, die gesamte Resolution mit 34 gegen 16 Stimmen angenommen. 14 Mitglieder des Zentralvorstandes waren bei der Abstimmung nicht zugegen. Der Genosse Richard Fischer enthielt sich der Abstimmung. Ein weiterer Antrag, der besagte, dem Genossen Richard Fischer seine Stellung als Geschäftsführer der Vorwärts- Buchdruckerei zu fündigen, wurde mit 44 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Zentralvorstand. Sibung vom 25. April 1916. Erneute Beschlußfassung über die Verbands Generalversammlung. = Von Berlin 4, Berlin 6 und Niederbarnim sind die von der Mehrheit der Kreise abgelehnten Anträge, eine Verbandsgeneralversammlung zur Neuwahl des Zentralvorstandes ein-zuberufen, von neuem eingebracht worden. Begründend wird von den Vertretern dieser Kreise angeführt, daß sich die Verhältnisse ganz anders entwickelt hätten als man es im Anfang des Krieges voraussette. Man rechnete nicht mit Die Mehrheit des Zentralvorstandes bc= schließt trotz dieser Einwendungen die Verbandsgeneralversammlung einzuberufen. Von der Minderheit wird hierauf folgende Erklärung abgegeben: Der heutige Beschluß des Zentralvorstandes, die nächste Verbandsgeneralversammlung auch dann abzuhalten, wenn ein Bericht der Verbandsleitung und eine freie Aussprache über die Berliner Parteiverhältnisse nicht möglich ist, berstößt gegen Wortlaut und Sinn des Berliner Verbandsstatuts. Die Beschlüsse einer solchen statutenwidrig einberufenen Verbandsgeneralversammlung sind infolgedessen rechtsungültig und für die Mitglie= der des Verbandes in keiner Weise bindend. - 5 Der Beschluß des Zentralvorstandes beweist aber aufs neue, daß der Mehrheit desselben, ohne auf die schwierige Lage Rücksicht zu nehmen, jedes Mittel recht ist, um die Zeitung des Verbandes mit Leuten zu besetzen, die jederzeit auch den parteischädigenden Wünschen unverantwortlicher Kreise willenlos nachkommen. stellt. Der Parteivorstand hält diese Handlungsweise unvereinbar mit den Pflichten, die ein Redakteur des Zentralorgans hat, er hat die Kündigung des betreffenden Redakteurs beantragt. Die Preßkommission hat jedoch die Kündigung abgelehnt mit der Begründung, daß es Privatsache des betreffenden Redakteurs sei, wie er sich außer seiner Redaktionstätigkeit als Parteigenosse nüßlich mache. Wir protestieren gegen diese brutale Unterdrückung der Meinungsfreiheit wie auch gegen das systematische Hinüberschieben der Berliner Parteiorganisation zu den Bestrebungen der SonderAußerdem hat die Preßkommission festgeorganisationen und fordern vom geschäftsführenden Ausschuß die unbedingte Einhaltung stellt, daß der Parteivorstand die Kontrolle über der für die Einberufung von Verbandsgeneral- den Vorwärts" weiter ausübt, daß er also dem versammlungen vorgesehenen statutarischen Be- Ersuchen der Preßkommission und des Zentralstimmungen vorstandes, die Kontrolle einzustellen, nicht RechFranz Thurow, Albert Hahnisch, nung getragen hat. Ebenso hat auch der GeAugust Pohl, Alexander Fröhlich, schäftsführer der Druckerei nichts in seinem VerAlois Stieffenhofer, Friz Woit, halten geändert und die Aufsichtsinstanzen der A. Bittorf, Julius Jänide, Franz Druckerei haben die Handlungsweise des GeLucht, Elfriede Ryned, Kaspar schäftsführers gebilligt. Wenzel, Karl Alboldt, H. Schröder, Emil Basner, Julius Meyer, Otto Wels, Aler Pagels, Richard Fischer, H. Umlauf, Gustav Schmidt. Die Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses, Eugen Ernst, Theodor Fischer und Emil Boeske, schlossen sich dem gesamten Inhalt obiger Erklärung an. Eine weitere Sigung der Preßfommission. Im Anschluß an die vorige Sigung des Zentralvorstandes hat die Prekommission eine weitere Sibung abgehalten, die auf Veranlassung des Parteivorstandes einberufen worden ist. Die Ursache dazu gab die Verbreitung eines anonymen Flugblattes mit dem Titel: Lehren des 24. März." Das Flugblatt enthält Vorwürfe gegen die aus der Reichstagsfraktion ausgeschiedenen 18 Abgeordneten, denen nachgesagt wird, daß sie Die feine konsequente grundsätzliche Opposition gegen die Parteiverräter gewagt", sondern sich ,, aus Angst vor den demagogischen Schlagworten Disziplin und Einigkeit selbst zwei Jahre lang zu einem Schattendasein voller Widersprüche und Zweideutigkeiten verurteilt hätten". Dann werden die Parteiorganisationen auf gefordert, dem Parteivorstand feine Gelder mehr abzuliefern. Wörtlich heißt es: „ Hört auf, Eure Parteigelder an diesen Parteivorstand abführen zu lassen, denn er verbraucht Eure sauer verdienten Groschen zur För derung einer Politik, zur Herausgabe von Schriften, die Guch zum geduldigen Kanonenfutter des Imperialismus machen wollen, die zur Verlänge rung des Völkermordens dienen. Die Organisationen müssen sich entschließen, die Parteigelder dem Parteivorstand Ebert- Scheidemann zu sperren, welche die Volksgroschen dem Moloch des Weltkrieges und der Regierung der Hungersnot und des Belagerungszustandes bewilligen." Ein Mitglied der Vorwärts"-Redaktion hat sich auf den Standpunkt dieses Flugblattes geIn der Diskussion macht ein Mitglied der Redaktion längere Ausführungen über das Verhältnis der Druckerei und des Vorwärtsunternehmens zur Berliner Parteigenossenschaft, während andererseits der Geschäftsführer Druckerei nachweist, daß sein Verhalten den Abmachungen zwischen Parteivorstand und Aufsichtsinstanzen entspreche. der Die Beendigung der Debatte wird zu der nächsten Sibung des Zentralvorstandes vertagt, nachdem die Sigung auf Freitag, den 28. April festgesetzt ist. Zu dieser Sigung wird die Neunerkommission eingeladen. Zentralvorstand. Sibung vom 28. April 1916. Fortseßung der Aussprache über die Vorgänge zwischen Redaktion, Preß fommission, Parteivorstand und Geschäftsleitung der Vorwärts"- Druckerei. Die Neunerfommission hat sich mit den Vorgängen soweit beschäftigt als die Vorwärts" Druckerei in Frage kommt. Es besteht in diesem Fall kein Zweifel über das Eigentumsrecht der Berliner Parteigenossenschaft; Neunerkommission und Gesellschafter be= trachten sich als die Treuhänder der Berliner Genossen und ihr Bestreben ist es, die Druckerei den Genossen auch über die Kriegszeit hinaus zu erhalten. Würde die Neunerkommission anders verfahren, so handelte sie pflichtvergessen und gewissenlos. Die Neunerkommission ist aber nach der ganzen Gründungsgeschichte der Druckerei dem Zentralvorstand nicht verantwortlich. Sie besteht neben dem Zentralvorstand, der die politische Vertretung der Berliner Arbeiterschaft zur Aufgabe hat, wohingegen die Neunerfommission nur für die Verwaltung und Führung des Druckereiunternehmens die Ver - 6 antwortung gegenüber den Berliner Genossen| Charakters als Zentralorgan entfleidet habe, trägt. Die Neunerkommission vertritt deshalb als die Aufsichtsinstanz der Druckerei den Standpunkt, daß der Geschäftsführer der Druckerei in dem ausgebrochenen Konflikt nicht anders handeln konnte als er gehandelt hat. Das Vor„ Vorwärts"-Unternehmen ist nicht alleiniges Eigentum der Berliner Genossen, es gehört der Gesamtpartei und der Parteivorstand trägt dafür die Verantwortung. Der Parteivorstand ist Auftraggeber für die Druckerei, seinen Anordnungen hat der Geschäftsführer Rechnung zu tragen. Richtig ist, daß die Berliner Genossen größere Anrechte auf den Vorwärts" haben als auswärtige Organisationen, dies ist auch durch Parteitagsbeschlüsse und im Parteistatut festgelegt. Ueber die taktische und prinzipielle Haltung des„ Vorwärts" entscheidet die Preßkommission gemeinsam mit dem Parteivorstand; ebenso wie über Anstellungen und Entlassungen im Personal der Redaktion und Erpedition. Entstehen zwischen beiden Meinungsverschiedenheiten, so entscheidet die Kontrollkommission und in letter Linie der Parteitag endgültig. Der Zentralvorstand müsse also versuchen, eine Verständigung zwischen den maßgebenden Instanzen herbeizuführen. Die Geschäftsleitung der Vorwärts" Druckerei bleibe dabei außer Betracht, sie habe sich in diesen Streit zwischen den Vorwärts" Instanzen nicht hineinzumengen. Die Mehrheit des Zentralvorstandes ist anderer Meinung. Von allen Rednern wird ausgeführt, daß nicht nur die Druckerei, sondern auch das Vorwärts"-Unternehmen Berlin gehört. Dies sei bereits in früherer Zeit von Singer, der sehr viel zur Gründung des ehemaligen Berliner Volfsblattes" beigetragen habe, betont worden. Auch Auer und Bebel hätten den Berliner Genossen ihr Eigentumsrecht nie streitig gemacht. Die Neunerkommission sei der Berliner Organisation verantwortlich. Diese habe auch das Recht, die Mitglieder derselben zu erseßen, wenn sie die Wünsche der Drganisation nicht ausführen. An dem jezigen Streit trage der Geschäftsführer die größte Schuld, denn durch seine Anordnungen sei der technische Betrieb in die Differenzen der Redaktion mit dem Parteivorstand hineingezogen worden, der Geschäftsführer habe sich vom Parteivorstand zu diesen Zweden mißbrauchen lassen. Berliner Genossen sind es, die den„ Vorwärts" abonnieren und unterhalten, deshalb müsse auch ihre Meinung zur Geltung kommen. Statt dessen verlange der Parteivorstand, gedrängt durch die Generalkommission und die rechtsstehenden Elemente in der Partei, daß die Redaktion dem Vorwärts" eine andere Richtung gebe, obwohl der Parteivorstand den Vorwärts" selbst nicht mehr als Zentralorgan anerkennt und der Parteiausschuß in seinen Beschlüssen das Blatt offiziell seines wenn er dazu auch nicht das geringste Recht beibe. So stehe Macht gegen Macht, es sei möglich, daß es zu den äußersten Konsequenzen fomme, da sei eine klare Entscheidung des Zentralvorstandes am Blaze. Wenn die Neunerfommission dieser Entscheidung nicht Rechnung trage, dann werden die Kreise Veranlassung nehmen, Remedur zu schaffen. Es wird folgender Antrag eingebracht: " Der Zentralvorstand, dem es obliegt, die Parteiinteressen in den Berliner Wahlkreisen zu wahren, fordert die von den Parteiorganisationen bestellten Mitglieder der Neunerkommission auf, sofort der mit dem Parteistatut wie mit den Interessen der Berliner Parteigenossen im Widerspruch stehenden Zenjur der Vorwärts"-Redaktion durch den Parteivorstand dadurch ein Ende zu machen, daß sie dem Geschäftsführer Fischer aufgibt, das technische Personal anzuweisen, hinsichtlich der Herstellung des Vorwärts" sich nur allein an die Weisungen der Redaktion zu halten." " Weigert sich der Geschäftsführer Fischer den Auftrag auszuführen, so ist ihm für den nächst möglichsten Termin zu kündigen. Der erste Absatz des Antrages wird angenonmmen. Der zweite gegen 6 Stimmen abgelehnt mit der Begründung, erst abzuwarten ob Neunerkommission und Geschäftsführer den Willen des Zentralvorstandes durchsetzen. Gleichzeitig wird folgender Zusagantrag mit Mehrheit angenommen: Zusabantrag. " In der Sigung der Preßkommission vom 17. April wurde an die Vertreter des Parteivorstandes die Frage gerichtet, weshalb seine Zensurmaßnahmen und seine gewaltsame Ginmischung in die Redaktionsführung des Vorwärts" fortdauere, trotzdem von der Preßkommission durch formellen Beschluß dagegen Protest erhoben worden ist. Auf diese Frage erklärte im Namen des Parteivorstandes Genosse Müller: " Solange für uns die Gründe maßgebend sind, die zu jenen Maßnahmen geführt haben, dauern auch die Maßnahmen fort." " Der Zentralvorstand erklärt diesen Standpunkt des Parteivorstandes als einen flagranten Bruch des Parteistatuts, der im§ 25 ausdrücklich die Berliner Preßkommission als gleichberechtigte Instanz anerkennt, ohne deren Zustimmung und gegen deren Protest die Maßnahmen des Parteivorstandes in Sachen des Vorwärts" ohne weiteres null und nichtig sind. Dem Parteivorstand steht statutarisch nur der Weg der Berufung an die Kontrollkommission offen. Wenn der Parteivorstand seine Ge waltmaßnahmen selbstherrlich getroffen hat, ohne erst die Meinung der Preßkommission einzuholen, wenn er sich jetzt weigert, die Entscheidung der Kontrollkommission in Sachen seiner Zensur des„ Vorwärts" anzurufen und gleichzeitig seine gewaltsamen Eingriffe in die Redaktionsführung des Vorwärts" fortsetzt, so begeht er einen doppelten Bruch des Parteistatuts und macht sich damit der Parteizerrüttung schuldig, vor der die Partei zu schützen er öffentlich vorgibt." " -7Der Zentralvorstand spricht sich gegen die Kündigung eines Vorwärts" Redakteurs aus. = Der Zentralvorstand nimmt darauf Stellung zur Haltung der Preßkommission im Fall eines Vorwärts"-Redakteurs, der zu derjenigen Gruppe der Opposition gehört, die das Flugblatt:„ Die Lehren des 24. März" veranlaßt hat. Die Preßkommission hält im Gegensatz zum Parteivorstand das Verhalten des Redakteurs nicht für parteischädigend. Die Mehrheit des Zentralvorstandes ist derselben Ansicht. Wenn er den Inhalt des Flugblattes auch nicht billigt, so hält er aber auch die Kündigung nicht für gerechtfertigt. Er hat sich als Redakteur nichts zuschulden kommen lassen, sondern er hat sich in allen Fällen der Mehrheit der Redaktion untergeordnet. Die Kündigung würde einer Maßregelung gleichkommen, die man dem Parteivorstand nicht zugestehen könne. Der Vorstoß gegen diesen Redakteur sei einem Vorgehen gegen die Opposition gleich zu achten. Dies müsse verhindert werden. Die Kontrollkommission, die der Parteivorstand in diesem Fall angerufen hat, müsse vorher erfahren, wie sich der Berliner Zentralvorstand zu dem diktatorischen Vorgehen des Parteivorstandes verhält. Deshalb wird folgende Beschlußfassung beantragt: Die heutige Sitzung des Zentralvorstandes billigt die Haltung der Preßkommission, die dort einstimmig zum Ausdruck kam, im Fall des in Frage fommenden Redakteurs." Der Beschluß wird mit 34 gegen 11 Stimmen angenommen. Einige Genossen enthalten sich der Abstimmung. Die Minderheit des Zentralvorstandes gibt zu dem Beschluß folgende Erklärung ab: Erklärung. Wir halten den Beschluß der Preẞkommission und des Zentralvorstandes, den Redakteur noch weiter am Vorwärts" zu beschäftigen, als unvereinbar mit den Pflichten, die der Zentralvorstand gegen die Gesamtpartei hat. Der. Redakteur hat öffentlich die Organisationen aufgefordert, an den Parteivorstand keine Beiträge mehr abzuliefern; er hat damit unstreitbar auf die völlige Berrüttung der Parteiorganisation hingearbeitet und kann infolgedessen nicht mehr Redakteur einer Parteizeitung, am allerwenigsten des Zentralorgans der Partei bleiben. Mehrheits- und Minderheitserflärungen im Zentralvorstand zu der beschlossenen Verbandsgeneralversammlung. Zu der Minoritätserklärung über die Abhaltung einer Verbandsgeneralversammlung im Zentralvorstand am 25. April gibt die Mehrheit des Zentralvorstandes folgende Erklärung ab. Erklärung. " In der letzten Sibung des Zentralvorstandes protestierten 20 Mitglieder gegen die Abhaltung der statutenmäßig fälligen Verbandsgeneralversammlung. Ihr Protest ist hinfällig. Ihre Behauptung, die Einberufung einer Generalversammlung mit irgendeiner Tagesordnung sei statutenwidrig, ist mit dem Verbandsstatut nicht vereinbar. Nach§ 12 unseres Verbandsstatuts muß min= destens halbjährlich eine Generalversammlung des Verbandes stattfinden. Eine Zuwiderhandlung hiergegen ist ein Statutenverstoß, ein unbegreiflicher, wenn er vom Verbandsvorstand ausgeht. Denn zu seinen Pflichten gehört nach§ 3 unseres Statuts die Einberufung der Generalversammlung, nicht ihr Ausfallen. Sind mit einem Ausfallenlassen der Generalversammlung sämtliche Kreise einverstanden, wie sie es im Oktober 1914 für die im November 1914 fällige Generalversammlung mit Rücksicht auf die Erwartung baldiger Beendigung des Krieges waren, so wird kein Parteigenosse hiergegen etwas einwenden. Anders steht es, sobald ein Kreis die Befolgung des Statuts verlangt. Dann muß eben nach dem Statut eine Generalversammlung stattfinden. Was zur Tagesordnung der Generalversammlung gehört, hat nach unserem Statut diese selbst zu entscheiden. Der Verbandsvorstand hat nach§ 3 Absatz c nur die provisorische Tagesord= nung festzusetzen. Die Tagesordnung muß natürlich im Rahmen der im§ 13 des Statuts festgelegten Befugnisse der Generalversammlung liegen. Unsinnig ist aber die Annahme, sämtliche in§ 13 des Statuts als Aufgabe der Generalversammlung bezeichneten Gegenstände müßten auf die Tagesordnung gesetzt werden. Ist es mit Rücksicht auf den Krieg und den dadurch geschaffenen Zustand unmöglich, die brennendsten allgemeinen Fragen auf der Generalversammlung zu erörtern, so ist es durchaus zweckmäßig und notwendig, die Tagesordnung auf innere Parteiangelegenheiten z. B. Kassenbericht, Wahlen, Vorwärts"-Angelegenheit zu beschränken. Welche Gegenstände die Generalversammlung behandeln will, ist ihre Sache zu entscheiden. Die Generalversammlung ist keine Sonderorganisation, sondern die allein berufene Vertretung Groß- Berlins, deren Beschlüsse für alle Genossen maßgebend find. Die Erklärung der Minorität setzt sich also im gröblichsten Widerspruch zu unserem Verbandsstatut. Jeder Grundlage entbehrt die Behauptung der 20 Protestler von ,, brutaler Unterdrückung der Meinungsfreiheit" und vom systematischen Hinüberschieben der Berliner Parteiorganisation zu den Bestrebungen der Sonderorganisationen". Der Protest der 20 mit seinen unwahren Unterstellungen kann nur Ausdruck der Furcht sein, daß die Verbandsgeneralversammlung in Wahrung ihres demokratischen Rechts die Zwanzig durch Genossen ersetzen könnten, welche die Ueberzeugung ihrer Wähler teilen und in diesem Sinne wirken. Wenn die Zwanzig drohen, sie würden die Beschlüsse der Generalversammlung nicht anerkennen, so würden sie sich mit der Betätigung dieser Drohung außerhalb der Organisation stellen." Die Minorität entgegnet auf vorstehende Erklärung folgendes: Entgegnung. " In der Sonntagsnummer des Vorwärts" ist eine Erklärung der Mehrheit des Zentralvorstandes veröffentlicht, die ein Schulbeispiel dafür ist, wie man mit vielen Worten einen klaren Tatbestand verdrehen kann. Wir beschränken uns ihr gegenüber darauf, einige Tatsachen sprechen zu lassen, damit sich die Parteigenossen selbst ein Urteil bilden können: - 8 Seit Monaten werden in einzelnen Konferenzen haltlose Vorwürfe gegen die Berliner Parteileitung erhoben. Sie haben ihren Ausgangspunkt in Son= Aktionsausschus. Sigung vom 3. Mai 1916. = Generalversammlung. Die vom Zentralvorstand am 25. April beschlossene ordentliche Verbands- Generalversammlung wird auf den 25. Juni festgesetzt und folgende provisorische Tagesordnung geschlagen: vor= 1. Entgegennahme der Berichte des Verbandsvorstandes und der Revisoren. 2. Wahl des Vorsitzenden, Schriftführers, Kassierers, der Revisoren und der weiblichen Vorstandsbeisizer. derzirkeln, die als nächstes Ziel eine Beseitigung Tagesordnung und Termin der derjenigen Mitglieder des Zentralvorstandes ver- Verbands folgen, die in Fragen der Parteitaktik anderer Meinung sind, als die von jenen Konventikeln dirigierte Mehrheit des Berliner Zentralvorstandes. Zu diesem Zwecke soll eine Generalversammlung des Verbandes berufen werden, die auch dann zur Neuwahl und zur Beseitigung der unbequemen Bersonen schreiten soll, selbst wenn diese über ihre bisherige Tätigkeit Rechenschaft nicht ablegen können und eine freie Aussprache über die Berliner Parteiverhältnisse unmöglich ist. Darin sind sich alle Richtungen der Opposition einig. Verschiedene Ver= trauensmänner dec Oppositionsrichtungen haben sich in den einzelnen Streisen offen dahin ausgesprochen und ein Beispiel aus neuester Zeit einer der berufensten Vertreter einer der Sondergruppen hat erst noch am 25. April in Groß- Lichterfelde die Taktik für die Einzelwahlkreise dargelegt. Er befürwortete dort ein diplomatisches Vorgehen", um auf der Kreisgeneralversammlung durch Ueberrumpelung" den jezigen Vorstand unter allen Umständen" zu beseitigen. Die Hauptsache sei:„ Geld in die Hände zu bekommen". Der„ Vorwärts" sei aus dem Hause Lindenstraße 3" herauszubringen und unter die alleinige Kontrolle der Berliner zu stellen. Zuerst sei Fischer zu kündigen, die anderen kämen dann an die Reihe. In wenigen Monaten sei alles erledigt". Unter diesen Umständen, die auch durch weitere Tatsachen erläutert werden können, hält die Minderheit des Zentralvorstandes daran fest, daß eine Generalversammlung, die die Möglichkeit eines Rechenschaftsberichts und freier Aussprache nicht bietet, dem Wortlaut und Sinn des Statuts wider spricht. Alle Ausführungen der Mehrheitserklärung über das Statut beziehen sich auf die Einberufung von außerordentlichen Generalversammlungen. Für die ordentliche Generalversammlung gilt als zivingende Vorschrift, daß ein Bericht der Geschäftsleitung vor der Neuwahl erfolgt. Wir bitten die Mitglieder, ihr Statut nachzulesen. Wenn die Mehrheit des Zentralvorstandes sogar das systematische Hinüberschieben der politischen Parteiorganisation" zu den Bestrebungen der Sonderorganisationen bestreitet, so beweist das nur ihre Furcht, daß die Parteigenossen davon Kenntnis erhalten könnten. Gegen die Abhaltung eines allgemeinen Parteitages wird von der Opposition immer wieder mit Nachdruck betont: Er sei unmöglich ohne völlige freie Aussprache. Die Groß- Berliner Verbandsgeneralversammlung aber soll möglich, für sie soll eine freie Aussprache jedoch nicht notwendig sein! Da eine solche statutenwidrige Generalversammlung nur dazu dienen soll, die Pläne jener Sondergruppe zur Durchführung zu bringen, halten wir unseren Protest aufrecht. Kaspar Wenzel, 3. Bestätigung der von den Kreisen vorgeschlagenen Funktionäre des Verbandes. 4. Wahl der Mitglieder des Bezirks. bildungsausschusses. 5. Anträge der Kreiswahlvereine. Ueber die Zusammensetzung des Bezirksin einer bildungsausschusses soll späteren Sigung des Zentralvorstandes entschieden werden. Für die Wahl der Delegierten bestimmt das Verbandsstatut folgendes: Maßgebend für die Delegation ist die Mitgliederzahl, welche sich aus den im vorhergehenden Jahre eingegangenen Mitgliederbeiträgen ergibt. Auf je 150 Mitglieder ist ein Delegierter zu wählen. Hierzu wird beschlossen, daß die verklebten beitragsfreien schwarzen Marken, die für die zurückgekehrten Kriegsteilnehmer sowie für arbeitslose und kranke Mitglieder Verwendung finden, mitgerechnet werden. Es ergeben demnach 1800 Beiträge resp. Marken einen Delegierten. Um die Vorarbeiten für die Generalversammlung ordnungsmäßig erledigen zu können, werden die Wahlkreisleitungen um schleunige Berichterstattung ersucht. Die Festsetzung der Kreis- Generalversammlungen bleibt den einzelnen Wahlkreisen überlassen. Eine beantragte Konferenz der Funktionäre zurückgestellt. Der Zentralvorstand hatte am 17. Dezember v. J. beschlossen, den Parteivorstand zu ersuchen, in einer Konferenz der Funktionäre Groß- Berlins seine Stellung zum Kriege durch Referat und Korreferat darzulegen. An dieser Konferenz sollten sämtliche Berliner Reichstagsund Landtagsabgeordneten sowie die StadtverKarl Albold, Adam Adami Bittorf, Emil Basner, ordneten teilnehmen. Der Parteivorstand hat Emil Boeske, Eugen Ernst, Richard Fischer, diesen Antrag abgelehnt mit der Begründung, Theodor Fischer, Alerander Fröhlich, Albert Hahnisch, daß diejenigen Körperschaften, vor denen der Julius Jänide, Franz Lucht, Julius Meyer, Parteivorstand seine Tätigkeit zu vertreten und Alex Bagels, August Pohl, Elfriede Ryned, Ryned, Gustav Schmidt, Heinrich Schröder, A. Stieffenhofer, zu verantworten habe, durch das OrganisationsFranz Thurow, H. Umlauf, Otto Wels, statut der Gesamtpartei bestimmt sind und daß er keine Ursache habe, hiervon abzuweichen. Richard Weimann, Frizz Woik." - 9 den Kreisen der Parteigenossen befassen wollen und eine größere Anzahl Exemplare bestellen, würde eine billige Ausgabe ohne Umschlag hergestellt werden, die wir zu folgenden Preisen abgeben könnten: 1000 Eremplare 25,- Mk., 500 15, M., 250 10,- M., 100 5,- mf. Neuerdings hat der sechste Wahlkreis seinen Ansp Der Preis für die Buchhändlerausgabe ist trag wiederholt und es dem geschäftsführenden 75 Pf., für die Vereinsausgabe 40 Pf. Falls Ausschuß überlassen, andere Referenten in Aus- wir uns mit dem Vertrieb dieser Broschüre in sicht zu nehmen. Diese Versuche haben zu keinem zufriedenstellenden Resultat geführt. Da sich inzwischen die Situation in der Partei auch verändert hat, andererseits große Schwierigkeiten bestehen, daß die Konferenz überhaupt abgehalten werden kann, empfiehlt der Aktionsausschuß dem Zentralvorstand und dem antragstellenden Kreise, die Ausführung des Beschlusses auf sich beruhen zu lassen bis zu einem geeigneteren Zeitpunkt. Vorträge für die Frauen- Leseabende. In der Serie:„ Sozialdemokratische FrauenBibliothef" ist ebenfalls in der Buchhandlung Vorwärts soeben das 9. Heft erschienen: Zur Frage der Frauenerwerbsarbeit während des Krieges und nachher. Verfasserin ist die Genossin Luise Ziez. Ladenpreis pro Eremplar 50 Pf. Den Organisationen wird eine Vereinsausgabe auf billigem Papier gedruckt und mit leichteren Umschlägen versehen geliefert werden. Der Preis ist für 100 Gremplare 18,- Mr. Material zur Fraktionsspaltung. Für die Frauen- Leseabende wird von einer Seite vorgeschlagen, Vorträge über die große Gefahr der Geschlechtskrankheiten halten zu lassen. Die große Unkenntnis in diesen Dingen auch unter unseren Genossinnen macht weitere Aufklärung geradezu zur zwingenden Notwendigkeit. Den Wahlkreisen wird Der Parteiausschuß hat in seiner letzten deshalb empfohlen, in den nächsten Leseabenden Sizung gewünscht, daß den Organisationen die Vorschläge zu erörtern. Für sachverständige über die Vorgänge, die zur Spaltung in der Referenten( Spezialärzte) wird das Verbands- Reichstagsfraktion geführt haben, besondere Inbureau nach Möglichkeit Sorge tragen. formation zugehe; das ist ebenfalls geschehen. Das Material ist vom Parteivorstand zu1sammengestellt und wird an die Organisationen unentgeltlich abgegeben. Der Bezirks- Jugendausschuß an die Stadtverordneten. Der Bezirks- Jugendsausschuß ist seit Jahren bestrebt, die Arbeiterjugend dem Straßen- Die einzelnen Wahlkreise werden ersucht, leben, dem Wirtshaus und Kino fernzuhalten. sich über die Anschaffung des Materials und Diese Bemühungen konnten nur so weit Erfolg der Broschüren schlüssig zu werden. Bestellunhaben, als es möglich war, Jugendheime zu gen sind an das Verbandsbureau zu richten. schaffen, in denen die Jugend Erholung und Anregung fand und zugleich jeder Genuß von Alkohol und Nikotin ausgeschlossen war. Aber die Zahl der Jugendheime genügt nicht, um alle die Jugendlichen aufzunehmen, welche nach des Tages Arbeit sich weiterbilden oder unter ihresgleichen eine Ruhestunde verleben wollen. Die Bemühungen, von den Gemeinden unentgeltlich Räume zu erhalten, hatten zumeist nicht den gewünschten Erfolg. Der Jugendausschuß war daher gezwungen, Gastwirtsräume zu mieten, die aber keineswegs allen Wünschen entsprachen, auch war die Trinkgelegenheit nicht völlig auszuschalten, wie dies nur in eigenen Räumen möglich ist. Der Bezirks- Jugendausschuß hat sich nunmehr erneut an die sozialdemokratischen Gemeindevertreter von Groß- Berlin gewandt, damit diese nach vorheriger Rücksprache mit den örtlichen Jugendausschüssen die nötigen Schritte unternehmen, um die Gemeinden zur Bereit stellung geeigneter Räume zu veranlassen. Neue Broschüren. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts ist eine Broschüre des Genossen Scheidemann erschienen: ,, Es lebe der Frieden." Ausschuß der Stadtverordneten und Gemeindevertreter. Der Ausschuß behandelte am 6. April mit dem Beauftragten des Gemeindearbeiterverbandes die Frage der Kriegsbeschädigtenfürsorge in den Gemeindebetrieben Groß- Berlins. In einer erheblichen Anzahl Berufen der privaten Industrie sind von den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen Arbeitsgemeinschaften gebildet worden, welche die Aufgabe haben, die Versorgung der Kriegsteilnehmer und deren Hinterbliebenen nach Möglichkeit zu fördern. Die Stadt Berlin hat für Kriegsverlegte, die ihren Wohnsit in Berlin haben, selbst eine um fangreiche und mustergültige Organisation geschaffen, die ihre Tätigkeit im engen Anschluß an die Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausübt. Für die in den kommunalen Betrieben beschäftigten Arbeiter und Handwerker eriſtiert eine Arbeitsgemeinschaft jedoch noch nicht. Die kommunale Zerrissenheit GroßBerlins tritt auch hierbei wieder sehr störend in die Erscheinung. Vorbedingung für die zweckmäßige Regelung dieser wichtigen Frage ist aber, daß dies nach gleichmäßigen, von allen Gemeindeverwaltunaen Groß- Berlins anerkannten Grundsäßen erfolgt. Die in den Gemeindeverwaltungen tätigen Genossen sollen deshalb ersucht werden, in diesem Sinne zu wirken. Zur Beratung der vorliegenden Leitsäße wird eine Kommission aus Mitgliedern des Ausschusses und Vertretern der Gemeindearbeiter eingesetzt. Die Kommission hat in einer gesonderten Sigung Stellung genommen und sich auf festumgrenzte Leitsätze geeinigt, die nunmehr in allen Gemeinden zur Annahme empfohlen werden sollen. Gleichzeitig soll überall beantragt werden, für alle Gemeinden Groß- Berlins eine einheitliche Arbeitsgemeinschaft zu bilden, wie es in der Privatindustrie auch der Fall ist. Am 28. April verhandelte der Ausschuß mit den Vertretern des Tertilarbeiterverbandes, um eine einheitliche Unterstützung der durch die Beschlagnahme der Rohmaterialien in Mitleidenschaft gezogenen Arbeiter aus der Tertilindustrie in Groß- Berlin vorzubereiten. Der Bundesrat hat am 18. November v. J. die Bereitstellung von besonderen Reichsmitteln beschlossen, die zur Unterstüßung der Gemeinden bei der Fürsorge für solche Angestellte und Arbeiter dienen sollen, die in Betrieben der Textilindustrie infolge von Arbeitsbeschränkungen er werbslos geworden sind. In Groß- Berlin ist diese Frage jetzt brennend geworden. Die Zahl der beschränkt arbeitenden Tertilarbeiter hat sich in letzter Zeit beträchtlich vermehrt, so daß von der Bundesratsverordnung Gebrauch gemacht werden muß. Der Ausschuß empfiehlt auch hier den Fraktionen der einzelnen dabei in Betracht kommenden Gemeinden, den Tertilarbeitern in jeder Hinsicht Unterstützung zu leihen. Besonders verspricht auch in diesem Fall überall gleichmäßiges Vorgehen den besten Erfolg. Durch die Kreissekretariate wird den Gemeindevertretern das Material des Verbandes sowie die gestellten Anträge zugestellt werden. Gleichzeitig beschäftigte sich der Ausschuß mit den Mißständen der Lebensmittelversorgung in den Gemeinden. Der Ausschuß beschloß, die sozialdemokratischen Fraktionen zu ersuchen, in allen Gemeinden, entweder in den betreffenden Deputationen oder im Plenum der Versamm lungen auf die Mißstände der Lebensmittelpersorgung hinzuweisen und entsprechend den früher von uns aufgestellten Forderungen auf Abhilfe zu dringen. 10 Aus den Kreis- Wahlvereinen. Vierter Wahlkreis. Mit dem 31. März 1916 endete das laufende Geschäftsjahr des Wahlvereins. Um nun den Mitgliedern einen Ueberblick über das verflossene Geschäftsjahr zu geben, bringen wir einen Auszug aus dem Kassenbericht und der Mitgliederbewegung. Die Einnahme betrug 40 643,95 Mr., die Ausgabe 32 512,98 m., io daß ein Sassenbestand von 8130,97 Mr. verblieb. An Beitragsmarken wurden verkauft 74 077 Stück a 40 Pf., 27 360 Stück a 20 Pf., Eintrittsmarken 248 Stück und grüne Extramarken 10 267( diese Extramarken sind erst seit Oktober 1915 eingeführt). Im einzelnen betrugen die Einnahmen aus den Beitragsmarken: 35 102,80 Mark. Aus Broschüren 922 Mt., aus Veranstaltungen 666,20 mf., diverse Einnahmen waren 3952,95 Mf. Die Ausgaben sind im einzenen folgende: an die Zentralkasse des Verbandes der Wahlvereine wurden gezahlt 12 262,05 Mt., die Stadtverordnetenwahlen verursachten eine Ausgabe von 399,25 Mr. Für allgemeine Agitation wurden aufgewendet 8729,70 Mr. An Entschädigungen an die Bezirks- und Abteilungsführer, KommissionsVorstandssizungen, Mieten, Utensilien und anderen Ausgaben wurden gezahlt 11 121,98 Mr. im Die Mitgliederbewegung vollzog sich folgendermaßen: Am 31. März 1915 betrug die Mitgliederzahl des Wahlvereins 18 839 einschließlich der zum Kriege eingezogenen. Am 31. März 1916 war die Mitgliederzahl auf 16 976 zurückgegangen. Die Fluktuation Wahlverein vollzog sich nun wie folgt: Vom 31. März 1915 bis 31. März 1916 traten 248 neue Mitglieder der Organisation bei. Aus anderen Kreisen zugezogen sind während der Beit 276 Mitglieder. Demgegenüber ist im einzelnen ein Verlust zu buchen von 548 verzogenen, 1230 gestrichenen, 270 ausgetretenen, 234 im Krieg gefallenen und 125 gestorbenen Mitgliedern, so daß der Wahlverein 31. März 1916 einen Mitgliederbestand von 16 976 aufweisen konnte. am Aus den angeführten Zahlen der Mitgliederbewegung geht hervor, daß die Organisation auch im verflossenen Geschäftsjahr mit einem Mitgliederverlust zu rechnen hatte. Wenn das auch aus den Verhältnissen heraus nicht anders zu erwarten ist, so müssen wir doch in Zukunft mehr tun, um die Mitglieder an die Organisation zu fesseln. Nach dem Kriege wird sich erst recht zeigen, wie notwendig es war, die Organisation auch während der Kriegszeit start zu erhalten. Jedes Mitglied, das den Wahlverein verläßt, schwächt die Kampffront der Arbeiterklasse und stärkt die Macht seiner Feinde. Geben wir uns alle mehr Mühe als bisher, nehmen wir mehr Fühlung zueinander, damit 11 das gegenseitige Vertrauen vergrößert und ge- stärkt wird. Den Funktionären möchten wir dringend ans Herz legen, die einzelnen Mit- glieder aufzusuchen, die im Zahlabend nicht er- schienen sind und sie an ihre Pflichten zu er- innern. Es ist nicht immer Verständnislosigkeit und böser Wille des einzelnen, der der Organi- sation den Rücken kehrt, vielfach spricht auch Temperament und Empfindung mit. Und ge- rade bei diesen ist es notwendig, alle Mühe auf- zuwenden, mit ihnen in Verbindung zu bleiben. Zaudern und zögern wir nicht, arbeiten wir mit Mühe und Fleiß für die Organisation, damit die Stoßkraft der Sozialdemokratie bei den kommenden und entscheidenden Kämpfen sieg- reich bleibt. U. Jugendbewegung. Für die arbeitende Jugend Berlins finden in den Sommermonaten wieder regelmäßig Bewegungsspiele im Freien statt, und zwar wie folgt: Moabit: Spielplatz an der Bremer Straße Mitt- Ivochs und Freitags abends von 7 bis 9 Uhr. Wedding: Schillerpark(Rasenspielplatz) Mittwochs von 6 bis ö Uhr abends. Gesundbrunnen, Rosenthaler Borstadt: Humboldt- Hain(Rasenspielplatz, Montags und Donners- tags von 7 bis 8 Uhr abends. Schönhauser und Prenzlauer Borstadt: am Falk- platz Mittwochs von 7— 9 Uhr abends, am Exerzierplatz Schönhauser Allee Montags von 7 bis 9 Uhr abends. Osten und Nordost: Friedrichshain(Nasenspiel- platz Montags von 7 bis 9 Uhr, Mittwochs von 7*6--9!4 Uhr abends. Süden und Südost: Treptower Park(Rasenspiel- fläche VII) Mittwochs von 7 bis 9 Uhr abends, Sonntags von 2 bis 8 Uhr nachmittags. Westen und Südwest: aus dem Tempelhoser Felde Freitags von 7 bis 9 Uhr abends. Frisch-fröhliche Spiele im Freien sind für die arbeitende Großstadtjugend eine ernste Not- wendigkeit. Der gesundheitliche Wert dieser Veranstaltungen, die im gleichen Maße der geistigen und körperlichen Erholung der Jugend dienen, braucht nicht besonders betont zu werden. Tic Zahlabendleiter werden daher gebeten, alle Ar- beitcreltcrn auf die Sommerspiele aufmerksam zu machen, damit sich die Jugendlichen zahlreich daran beteiligen. Tie Beteiligung ist vollständig unentgeltlich. Die Teilnehmer erhalten eine Legitimationskarte ausgestellt. Mo«atsbeitrage für April 1916. 1. Kreis...........— 2.............. 150,- 3.............. 150- 4.............. 5..............— ,— 6..............— ,— Teltow-Beeskow........ 400,— Niederbarnim.........— Divers e: Gen. Repkow......... 3,— A. B. Mister......... 2,- Kinderschutzkommission: Dr. Landau, Wandlitz...... 5,— Frauen-Leseabend: Montag, den 22. Mai 1916. Nächster Zahlabend: Mittwoch, den 14. Zum. 12Vorwärts Bibliothek 38 Gute Bücher für Unterhaltung und Belehrung gehören ins Feld! Erweckt in Roman aus dem Proletarierleben von A. Ger Der Ausweg Eine Erzählung von Ernst Breczang Reifebeichrei Das Land der Zukunft gif Berschrobenes Bolt Grahlungen von M. Gröpid Der prinzipienreiterung von In den Tod getrieben v. E.Preczang Der Pariser Garten und Anderes. Bon Muiter sin Frauenfchicksal von Joh. Ferch Zwei Erzähl. Minna Stautsty Erzählungen von Der Morgen graut M.Auderfen- Regö Striminalrom. 1000Mart Belohnung: von yan Eine luftige Erzählung von Die Seiteretei Otto Ludwig Bom Waisenhaus zur Fabrik Geschichte einer Proletarierjugend von Difreiter Roman aus dem Der Gotteslästerer geben der eragebirgischen Waldarbeiter von A. Ger Die Marketenderin Erzählung aus der Zeit der Revolu tionsfriege von Erdmann- Chatrian in Belgien und Nordfrant Kriegsfahrten reid Bon Dr. A. Köfter und G. Noste: Mit 8 Bildern aus Ostpreußen und RußKriegsberichte land. Bon Wilh. Düwell, Kriegsberichterstatter:: Mit 8 Bildern Schilderungen u. GeHerzen im Kriege ichten. Ausgewählt v. Fr. Diederich. 2 Bände, jeder f. fich abgeschloffen. Jeder Band gebunden. Preis 1 Mt. Buchhandlung Vorwärts Paul Singer G. m. b. H. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Verantwortlicher Redakteur: Th. Fischer; Berleger: E. Ernst; beide Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Drud: Borwarts Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 68, Lindenstr.&