Mitteilungs- Blatt Nr. 13. des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Berlin, den 10. Dezember 1916. 11. Jahrgang. Mittwoch, den 13. Dezember: Zablabend in Groß- Berlin. Kriegsziele und Friedensforderungen. I. Die Erörterungen über die Beendigung des Weltkrieges und seine Ergebnisse für die Krieg führenden nehmen jetzt in der Presse einen breiten Raum ein und können mit größerer sachlicher Gründlichkeit geführt werden, als das bisher der Fall war. Jm dritten Jahr der furchtbarsten Weltkatastrophe, die die Geschichte kennt, regt sich mehr und mehr in den Herzen aller Völker die Sehnsucht nach einem Abschluß des grausamen Ringens mit all seinen Entbehrungen, seinen Nöten des Leibes und der Seele, seiner Vernichtung von materiellen und ideellen Kulturgütern. Leider hat dies Friedenssehnen der Völker bei den Regierungen und bei den offenen und verkappten Kriegsparteien noch kein Echo gefunden. Hier wartet man noch immer auf den ,, endgültigen Sieg" in dem Sinne, daß der Gegner, oder richtiger, daß alle Gegner, die auf der einen oder anderen Seite dieses riesenhaften Koalitionskrieges stehen, zerschmettert, ins Herz getroffen und auf Jahrzehnte, wenn nicht für immer, militärisch, politisch und wirtschaftlich gelähmt am Boden liegen. So stehen in allen Ländern die Dinge: Ueberall führt auf der einen Seite das Friedenssehnen zu dem Wunsche nach einer Beendigung des Krieges durch Verständigung, auf der andern Seite aber will man den Frieden nur mit der rücksichtslosen 3erschmetterung der Feinde erkaufen, gleichviel, ob dadurch das Völkerwürgen ins Unendliche verlängert wird. Zwischen diesen beiden Polen liegen dann noch Auffassungen, die aus Unklarheit oder aus inner- oder parteipolitischen Gründen( siehe Scheidemann) sich bald dem einen, bald dem andern Extrem nähern. Die Frage der Kriegsziele wird natürlich von diesen grundsätzlichen Auffassungen Ver= ständigung oder Zerschmetterung beeinflußt, damit aber auch die Probleme der Friedensmög lichkeit und der Friedensvermittlung. Da all diese wichtigen, jeden Einzelnen angehenden Fragen bisher nur bruchstückweise und unvollkommen öffentlich erörtert werden konnten, wollen wir den Berliner Parteigenossen einmal im Zusammenhange die verschiedenen Auffassungen über die Kriegsziele und Friedensforderungen darlegen, damit sie einmal erkennen, wo die Kriegstreibenden Kräfte zu suchen sind, dann aber auch zwischen wahren und falschen Friedensfreun= den unterscheiden lernen. Leider kann auch jetzt noch nicht eins der für die Klärung der Kriegs- und Friedensfragen wichtigsten Probleme mit aller Gründlichkeit untersucht werden: die Frage, ob es sich um einen Verteidigungskrieg oder um einen Angriffs= und Eroberungskrieg handelt. Hierzu wäre ein Eingehen auf die wirtschaftliche, politische und militärische Vorgeschichte des Weltkrieges notwendig. Zu dieser Vorgeschichte zählen wir die sich überhastenden und verworrenen Ereignisse der Julitage 1914 nicht denn in diesen Tagen tam nur. zur Entladung, was bis dahin auf allen Seiten an Zündstoff aufgehäuft war. Ferner müßten auch die einzelnen Kriegsperioden militärisch und politisch in ihrer Wirkung nach innen wie nach außen gewertet werden können, um eine befriedigende Antwort auf die Frage:„ Verteidigungsoder Angriffstrieg" zu erhalten. All das sind Dinge, die zurzeit noch der kritischen Untersuchung entzogen sind. Scheidemann, die Gewerkschaftsführer und die sozialdemokratische Fraktionsmehrheit haben sich die Sache freilich sehr leicht ge= macht. Sie haben das Dogma vom reinen und absoluten Verteidigungskrieg proklamiert und zum ersten Artikel ihres Kriegskatechismus gemacht. Auf ihm gründet sich ihre ganze Kriegspolitik, durch ihn wird auch ihre Friedensarbeit gelähmt und unfruchtbar gemacht. Denn aus dem geschlossenen Kriegschor Deutschlands, den die Regierung, die bürgerlichen Parteien und die Mehrheitssozialdemokraten bilden, tönen auch sehr kräftige Eroberungsmelodien. Solange die Scheidemänner aber rührige und begeisterte Mitglieder dieses Kriegschors sind, werden ihre Friedenssoli neben den massiven Annexionsbässen und den gedämpften„ Angliederungs"-Tenören dem Auslande wie dem Inlande disharmonisch in die Ohren flingen. Mit dem Dogma vom reinen Verteidigungskrieg stehen in Widerspruch die Kriegsziele der 3erschmetterungstheoretiker, deren wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Einfluß nicht unterschätzt werden darf. Die Verfechter der Annexions- und Eroberungsbestrebungen haben den Mund schon voll nehmen können, als die Anhänger einer Verständigungspolitik noch stumm bleiben mußten oder nur verstohlen und auf Umwegen ein Wort zur Bertretung ihrer Ueberzeugung sagen konnten. Gleich zu Anfang des Krieges haben die Alldeutschen wie übrigens die Kriegs- und Eroberungsfanatiker aller Länder - die Karte Europas revidiert und die Grenzen Deutschlands nach allen Himmelsrichtungen hin um ein tüchtiges Stüd hinausgeschoben. Daran lassen die Alldeutschen sich bis auf den heutigen Tag nichts abhandeln. Sie haben für ihre Eroberungswünsche sogar noch sehr starke Hilfstruppen erhalten. Bereits im Früjahr des Jahres 1915 erfolgte jene Eingabe der sechs großen wirtschaftlichen Verbände, die das Ausland auch heute noch als zu recht bestehend ansieht. Die Grundgedanken dieser Eingabe geben den kriegsheherischen und eroberungsluftigen Kreisen des Auslandes noch heute willkommenen Anlaß, die auf eine friedliche Verständigung hinarbeitenden Schichten des eigenen Landes mit dem Hinweis auf deutsche Eroberungsabsichten zu lähmen und die politisch ungeschulten, von der nationalen Kriegspsychose befallenen Volksmassen mit einem solchen ,, deutschen Frieden zu schrecken. Jene sechs großen wirtschaftlichen Verbände waren: Der Bund der Landwirte, der Deutsche Bauernbund, der Vorort der christlichen Bauernvereine, der Zentralverband deutscher Industrieller und der Deutsche Mittelstandsverband, also die Vertretungen des agrarischen und industriellen Groß- und Kleinkapitals. Das Kriegsziel, das in dieser Eingabe festgelegt wurde, ist folgendes: Deutschland soll direkt oder indirekt einverleibt werden: 1. Jm Westen: Ganz Belgien; französische Grenzgebiete, nämlich die Küstenstrede bis etwa zur Somme, mit entsprechendem, die volle wirtschaftliche und strategische Ausnuzung eines deutsch gewordenen Kanalhafens sichernden Hinterland, die Erzgebiete von Brien, die Grenzbefestigungen mit der Maaslinie, insbesondere Verdun und Belfort mit dem zwischen Verdun und Belfort liegenden westlichen Abfall der Vogesen. 2. Jm Osten:„ Mindestens" Teile der Mindestens" Teile der Ostseeprovinzen und der südlich davon liegenden Gebiete, sodaß vor allem längs der ostpreußischen, aber auch längs der westpreußischen, posenschen und schlesischen Grenze neue Erwerbungen die heutigen Grenzen decken würden. 3. Die Bevölkerung der eroberten und einverleibten Gebiete soll einen politischen Einfluß auf die Geschicke des Deutschen Reiches erlangen und die wirtschaftlichen Machtmittel der neuen Gebiete, einschließlich des mittleren und größeren Besizes auf Kosten der Gegner in deutsche Hände überführt werden. Das heißt in verständlicheres Deutsch übertragen, die Bewohner der ,, einverleibten" Länder sollen politisch rechtlos und wirtschaftlich machtlos gemacht werden. Daß mit solchen Kriegszielen jede Verständigung mit dem Gegner unmöglich gemacht wird, ist jedem Einsichtigen klar. Daneben zeigt aber der Verlauf und die Eigenart des Weltkrieges, daß mit solchen Forderungen, der Friede in eine ferne, nebelgraue Zukunft verbannt bleibt. Eine fleine Korrektur haben die östlichen Kriegsziele der sechs Verbände durch die jüngst erfolgte Schaffung des Königreiches Polen erhalten. Diese einseitige, in der Hauptsache aus militärischen Gründen durchgeführte Reichsgründung trägt zunächst aber nur den Charakter eines Provisoriums. Erst die Friedensverhandlungen werden ergeben, ob das neue Reich am Leben bleiben kann, ob die östlichen Wünsche der deutschen Wirtschaftsverbände in noch größerem Umfange als durch diesen ,, Pufferstaat" Polen erfüllt werden, oder ob werden, oder ob es doch nicht noch ganz anders tommt, als zurzeit angenommen werden kann. " Die Kriegsziele der sechs Wirtschaftsverbände sind wie gesagt weder widerrufen noch zurückgenommen worden. Sie bilden also einen Faktor in den Friedensrechnungen des Auslandes. Und das umfomehr, als sie auch in anderer Form und anderer Gestalt immer wieder gefehrt sind. Das Jahr 1916 brachte uns die Aera der Ausschüsse". Der„ Nationale Ausschuß", der sich hinter den Reichskanzler Bethmann Hollweg stellte, blies zwar nicht mit voller Lungenkraft in die Erobe rungs- und Einverleibungstrompete, zeigt sich aber Angliederungen" und damit einer wirtschaftlichen und politischen Unterwerfung fremder Gebietsteile nicht abgeneigt. Gegen diese ,, flaue" Spielart des Eroberungskrieges trat der„ Unabhängige Ausschuß" des Professor Schäfer auf den Blan, der im wesentlichen die Forderungen der sechs Wirtschaftsverbände auf sein Panier schrieb, um das sich alle streitbaren Zerschmetterungspropheten wie Graf Reventlow usw. Scharten. Auch diese Gründung hat die kriegsheherischen Kreise des Auslandes mit neuem Material gegen die Friedenstendenzen in den einzelnen Ländern versorgt. Bis auf den heutigen Tag haben die deutschen Zerschmetterungs- und Eroberungstheoretiker noch feinen Fußbreit ihrer Kriegszielforderungen preisgegeben. Während das Volk die ganze Schwere eines dritten Kriegswinters fühlen muß, wollen sie von Frieden und Verständigung nichts wissen. Dafür nur einige Beispiele aus letzter Zeit. Professor Schäfer schreibt in der ,, Unabhängigen Nationalforrespondenz" über unser" franzöfisches Kriegsziel: Den Gebieten, die wir besetzt halten, gehört. ein Zehntel der Bevölkerung des Landes an. Für Frankreichs wirtschaftliches Leben fallen sie noch viel schwerer ins Gewicht; sie sind seine industriereichsten Teile und steuerfräftig erheblich über den Durch schnitt hinaus. Frankreich entbehrt sie schmerzlichst. Sie schließen in sich die an Metz und unser lothringisches Industriegebiet angrenzenden Erzbeden von Briey und Longwy, deren fünf tiger Besitz für uns eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist. Ob und inwieweit sonst noch Teile des heute von uns beseßten französischen Gebietes beim Friedensschluß festzuhalten sind, ist eine mili tärische Frage, ebenso, ob Landesteile, die noch nicht in unserem Besize sind, wie Belfort, der West abhang der Vo gesen, Toul, Verdun und Teile der Kanalt üst e genommen werden müssen." Der Herr Professor hütet sich zu sagen, wie lange zur Erreichung dieses Kriegszieles noch ge= kämpft werden müßte und welche Opfer an Gut und Blut dazu noch nötig wären. In einer der letzten Nummern der„ Alldeutschen Blätter", die natürlich auch nach England und Frankreich gelangen, wurden die Forderungen der Wirtschaftsverbände wieder aufgenommen und doppelt und dreifach unterstrichen. Im Osten wollen jetzt die Alldeutschen neben den Ostseeprovinzen noch Litauen, Polen und die Ukraine. Außerdem verlangen die Alldeutschen aber noch ein mittelafrikanisches Kolonialreich und Flottenstützpunkte in allen Teilen des Weltmeeres. Eher soll nicht Frieden werden. In der„ Rheinisch- Westfälischen Zeitung", dem Organ der einflußreichen Schwerindustrie, wurden dieser Tage fünf Grundsäge eines deutschen Friedens" veröffentlicht. Der erste dieser Grundsätze lautet: „ Unser Gegner ist im West en". Engländer und Franzosen, seit zehn Jahren im stillen Patt, haben auf den Sturm vorbereitet, allerdings mit papierner Belügung der Welt; wir hatten in dieser Beziehung die Engländer höher eingeschätzt; sie haben es verstanden, die Welt gegen uns einzunehmen, aber mit Tinte allein werden Kriege nicht gefochten. Diese Vergiftung der Welt ist die Quittung auf unsere halbhundertjährige Friedensliebe. Liegt der Kriegsherd dort, so müssen wir ihn verstopfen, oder es brennt weiter. Das Gefühl in 90 unter 100 Deutschen flammt: wir rechnen endlich einmal mit England und Frankreich ab, und wenn fast das ganze Volf in dieser Frage einig ist, so ist das nur der Ausbruch des Instinktes, daß vom Westen her der Wind weht, und daß wir einmal diesen Wind zurückblasen müssen für alle Zeiten." Der zweite Grundsatz besagt:„ Die Kriegslage entscheidet." Der dritte: Man muß den Gegner ver nichten oder versöhnen". Die Rhein.- Westf. 3tg." ist für die erstere Alternative; das Blatt sagt nämlich:„ Wir glauben, daß der jetzige Reichskanzler heute einſieht, daß eine Politik der Versöhnung im Westen ausgeschlossen ist. Mit der verkniffenen Bosheit Englands und der perversen Raserei Frankreichs ist feine Aussöhnung denkbar. Wenn wir aber den Krieg bis zum Letten, Bittersten austragen müssen und werden, so haben wir auch keinerlei Rücksichten mehr im Westen zu nehmen. Wir können uns denten, daß wir im Osten noch Objekte der Unterhandlung haben, wenn auch hier die Russen die Zeit nicht verpassen und sich gesteigerten Ansprüchen gegenübersehen sollen. Man kann sagen, daß sie im Jahre 1915 schon einmal die Zeit verpaßten, denn vor unserer glorreichen Offensive hätten wir ihnen einen Frieden bieten können, der besser war als der heutige. Aber im Westen ist jedes Handeln, Berhandeln und Abhandeln ausgeschlossen. 53 gilt für uns endlich, uns hier nach Westen und zum Ozean durchzusetzen. Was Widerstand leistet, muß niedergeschlagen werden." Zum vierten:„ Der Eroberer behält, was er hat". Aus diesem Grundsatz zieht das Organ der Schwerindustrie folgende Schlüsse:„ Umsonst ist der Tod, und Straflosigkeit auf die französische Frechheit zu setzen, wäre für uns der militärische und politische Tod. Sagen wir es den 1Franzosen täglich, daß jeder Fuß, den wir Ueber Belgien ihnen mehr erobern, uns gehört. ist eigentlich kein Wort mehr zu verlieren: Wir brauchen den Zugang zum Kanal, und wir brauchen Antwerpen. Wer Belgien haben will, mag es sich; bei uns holen." Der fünfte Grundsay ist:„ Stärkung dea deutschen Reiches, d. h. seiner 3entralmacht". Der kaiserlichen Gewalt soll aller Gebietszuwachs anheimfallen, wenn eine Verschmelzung mit Preußen unmöglich sein sollte. Das soll auch für das neugeschaffene Polen gelten. Schließlich wird noch der rücksichtslose U- Bootkrieg gegen England gefordert. Wir brauchen unseren Lesern wohl kaum klar zu machen, daß das fünf Grundsätze für einen ewigen Krieg sind. Der Friede wäre mit ihrer Befolgung auf den Sankt auf den Sankt Nimmerleinstag hinausgeschoben. Soviel geht also aus dem Angeführten hervor, daß die Eroberungspolitiker in Deutschland eine recht laute und deutliche Sprache reden und mit ihren Kriegszielen nicht hinter dem Berge halten, unbekümmert um Scheidemanns Theorie von einem Verteidigungskrieg. Das nächste Mal sollen die gedämpften Kriegszielforderungen und die Stellung der sozialdemokratischen Mehrheit und Minderheit zur Friedensfrage den Lesern des Mitteilungsblattes vorgeführt werden. Scheidemanns Antwort. In Nr. 12 des Mitteilungsblattes brachten wir einen Artikel des Genossen Eduard Bernstein„ Die Politik des Also b", in dem das heiße Bemühen Philipp Scheidemanns um den Frieden bekanntlich hält es dieser Wortführer der sozialreformerischen Mehrheit jetzt für zeitgemäßer, die Rolle des Durchhalteapostels mit der des eifrigen Friedensmallers zu vertauschen fritisch beleuchtet wurde. Wenige Tage zuvor hatte auch der Vorstands„ Vorwärts" diesen, der Sozialdemokratischen Auslandsforrespondenz entstammenden Artikel Bernsteins Aufnahme in seinen Spalten gewährt. Einmal hielten es die Müller- Stampfer wieder an der Zeit, etwas in„ Objektivität" zu machen und den harmlosen Lesern vorzutäuschen, daß im Vorstandssprachrohr„ alle Richtungen zu Worte kommen", zweitens aber gab man Philipp Scheidemann zum so und so vielten Male Gelegenheit, sein Licht leuchten zu lassen. Darum gab die Müller- Stampfer- Redaktion am Stopfe des Bernstein- Artikels nach echter Anreißermanier einem p. t.Publiko fund und zu wissen, daß Philipp Scheidemann in der Sonntagsnummer antworten werde: Also, lieben Leute, kauft und left die Sonntagsnummer des „ Vorwärts". Philipp Scheidemann wird Bernstein und seine anderen Widersacher vermöbeln! In der Sonntagsnummer vom 3. Dezember ist Wir denn auch Scheidemanns Antwort erschienen. wollen sie den Berliner Genossen, die den ihnen durch Rechtsbruch und Verlegung des Parteistatuts geraubten„ Vorwärts" nicht lesen, nicht vorenthalten. Hier ist sie: " Genosse Bernstein hat in seinem Artikel„ Die Politik des Als ob" mit Ausdrücken der Entrüstung nicht gespart. Ihm ist die Politik der Mehrheit und ganz besonders die meine eine Quelle bittersten Verdrusses. Ich kann ihm versichern, daß es mir und meinen Freunden mit der seinen genau so geht; fie weckt in uns Gefühle sicher nicht des Respekis cher des Gegenteils. Aber ich will nicht in den Fehler des aufgeregten Bernstein verfallen und über Schlechtigkeit der andern jammern. Bleiben wir lieber sachlich und nüchtern. Ich stelle folgendes fest: Solange die Fraktion und der Parteivorstand in Berlin feine Stimme hatten, wurden sie den Berlinern als Hurrapatrioten, Kriegsverlängerer, Annexionisten usw. verdächtigt. Dieser sagen wir einmal: beabsichtigte! Irrtum hat jetzt, da man uns nicht mehr mundtot machen kann, cin Ende. Der Vorwärts" hat als 3en= tralorgan der Partei in vier Wochen weit mehr Friedensarbeit geleistet als in den zwei vorausgegangenen Jahren. Die A. G( Arbeitsgemeinschaft) kann sich also uns gegenüber nicht mehr als patentierte Friedensretterin aufspielen. Was tut sie num? Sie tut, wie die meisten Leute, die sich in größter Verlegenheit befinden, fie tut das Ungeschickteste, fie reißt unsere Friedensarbeit scho nungslos herunter! Das ist die traurige Folge des Umstandes, daß über den persönlichen Kampf der sachliche so gut wie ganz vergessen ist. Die A. G. hat anfangs wie ich annehme wirklich nur der Sache des Friedens dienen wollen, wobei sie sich freilich in der Wahl der Mittel arg vergriff. Jetzt kommt es ihr nur noch auf den Kampf gegen die Mehrheit an, und sie macht fich gar kein Gewissen mehr daraus, die Sache der Friedensbewegung aufs schwerste zu schädigen, wenn sie nur ein paar Redensarten gegen die Mehrheit in die Massen schleudern kann, mit denen sie Beifall zu finden hofft. Darauf laufen die Anflagen Bernsteins über meine angebliche Würdelosigkeit" doch im Grunde hinaus. Ich dante Bernstein dafür, daß er um meine Würde so besorgt ist, aber ich sage ihm: wenn ich da= durch den Krieg nur um einen einzigen Tag abkürzen und dadurch Tausenden das Leben retten tönnte, wäre ich mit Freuden bereit, meine ganze„ Würde" dafür herzugeben. Mein Verbrechen in Bernsteins Augen be steht darin, daß ich eine Wahrheit offen ausspreche, vor der die A. G. Krampfhaft die Augen schließt: die Wahrheit nämlich, daß die deutsche Regierung jeden Tag bereit ist, Friedensverhandlungen zu beginnen, und daß die anderen Regierungen nicht dazu bereit find. Ich halte es für notwendig, immer wieder zu unterstreichen, was der Reichskanzler darüber gesagt hat; erstens einmal, um die Wirkung dieser Worte in der Richtung zu den Friedensfaktoren an derer Länder zu verstärken; zweitens aber, um den Reichskanzler selbst auf seine eigenen Erklärungen festzulegen. Ich halte es für die Pflicht der sozialistischen Parteien in allen Ländern, soweit ihr Einfluß reicht, die Regierungen zu einer Haltung zu drängen, die den Abschluß eines für beide Teile ehrenvollen und erträglichen Friedens möglich macht. Diese Politit, die ja nicht bloß die meine ist, fann zwar auch nicht den Frieden herbeiführen, aber man fann auch nicht sagen, daß sie bisher ohne Erfolg geblieben ist. Wenn Bernstein jenen Teil der inländischen und ausländischen Presse verfolgt, der einen vorzeitigen Frieden" für eine Gefahr hält, so wird er finden, daß sich alle Angriffe dieser Presse gegen mich und meine Freunde richten. Die An = hänger des Kriegs bis zum Ende" be tämpfen uns täglich in spaltenlangen Artiteln als ihre gefährlichsten Geg ner, während sie der Arbeitsgemeinschaft nicht die geringste Beachtung widmen. Die A. G. fann nichts für den Frieden tun, denn fie ist mit ihrer ganzen Politik auf ein totes Gleise geraten. Sie erschöpft sich in Anklagen über die Schlechtigkeit der Welt, deren schlechtester Bestandteil natürlich die Mehrheit der eigenen Partei ist, erreicht damit garnichts. und Wenn Bernstein meine Methode, für den Frieden zu wirken, verwirft, so bitte ich ihn, einmal zu sagen, welche Methode er für die richtige hält. Bis jetzt fann ich nicht einsehen, was durch bloßes Räsonieren und durch Ablehnung aller zur Landesverteidigung notwendigen Maßnahmen praktisch erreicht werden kann. Frieden werden wir erst haben, wenn die Regierungen ihn schließen, das ist doch klar; und wenn wir die Kraft nicht haben, die im Amt befind lichen Regierungen zu stürzen, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als auf die bestehenden Regierungen einen Druck auszuüben; sie zu drängen; sie auf bereits gemachte Zugeständnisse festzulegen; sie zum Frieden zu ermutigen. Das ist das, was Bernstein " Würdelosigkeit"," Tänzeln“,„ Bedientenlogik" usw. nennt. Was tut's? Es ist freilich schmerzlich, daß gerade Bernstein an die konservativsten Instinkte der Massen appelliert, um mich persönlich herunterzureißen, und die einzig mögliche Friedenspolitik mit radikal"-tuender Nörgelei zu durchkreuzen. Zu diesem Zweck hat er aus der Presse der Rechten die alberne Unterstellung übernommen, ich versuchte mich als Vertrauensmann des Reichskanzlers aufzuspielen. Die tonservative Presse hat damit den Reichstanzler zu kompromittieren ver sucht; Bernstein und seine Freunde versuchen, mich damit zu kompromittieren. Auf verärgerte Spießbürger hat ja die Verdächtigung, einer habe sich mit der Regierung eingelassen, noch immer gewirkt. Solche Verdächtigungen werden mich nicht hindern, den Weg weiter zu gehen, den ich für den richtigen halte, und der wie uns das Geschrei der Gegner von rechts und links beweist gewiß auch der richtige ist. Die Schädigungen, die das Treiben der A. G. jeder ernsten Friedensarbeit zufügt, schäße ich ebensowenig gering ein wie die Hindernisse von rechts. Sie müssen überwunden werden. Das eigene Land vor den Gefahren einer Niederlage zu schüßen und der Welt den Frieden wiederzugeben, das ist die große Aufgabe, deren beide Teile sich nicht voneinander trennen lassen. Die Arbeiterklasse tann diese Aufgabe nicht allein lösen; aber bei ihrer Lösung an erster Stelle zu stehen, das ist ihr geschichtlicher Beruf, den sie nicht verleugnen und nicht vernachlässigen darf, ohne Selbstmord begehen. Die Arbeitsgemeinschaft hat das nicht verstanden, darum ist ihre Politik Selbstmordpolitit. zur Nicht durch ohnmächtiges Reifen und Nörgeln, sondern nur durch Kampf und Arbeit kann der Welt Rettung tommen. Ignaz Auer sagte in solchen Fällen: 2. S., was bei ihm hieß: Laß schwäben! Und er tat, was er für richtig hielt. Das muß heute noch mehr als damals gelten, denn heute handelt es sich um mehr. nämlich um Alles!" Wir wissen zur Zeit nicht, was Genosse Bernstein zu dieser von edler Bescheidenheit und männlicher Festigkeit durchwehten Philippika zu sagen hat und wollen ihm nicht vorgreifen. Nur auf einen Punkt, der die Berliner Genossen besonders angeht, wollen wir hinweisen. Scheidemann behauptet, der jetzige Müller- Stampfer, Vorwärts" habe in vier Wochen weit mehr Friedensarbeit geleistet als in den vorausgegangenen zwei Jahren. Der Beweis für diese Behauphung wird von Scheidemann sehr schwer zu erbringen sein. Allerdings hat das Vorstandsblatt in diesen vier Wochen redlich für Scheidemann Reklame gemacht, und der Hauptgroll gegen die jetzt herausgedrängte, rechtmäßige Redaktion des„ Borwärts" bestand darin, daß sie nicht die Reklametrommel für die Scheidemänner und andere sozialdemokratischen Kriegsgrößen - 5 rühren konnte und wollte, aber für die Friedensarbeit hat der Vorstands- ,, Vorwärts" nichts geleistet, weil er in seiner heutigen Gestalt allen Kredit im Auslande und in weiten Kreisen des Inlands verloren hat. Der Vorwärtsraub und seine Begleitumstände sind natürlich im Auslande nicht unbekannt geblieben. Bei der bürgerlichen und bei der auf das bis zum Ende fämpfen" eingeschworenen sozialpatriotischen Presse des Auslandes galt schon während des ganzen Kriegsverlaufes die deutsche sozialdemokratische Mehrheit als Der Gewaltstreich eine Hilfstruppe der Regierung. des Parteivorstandes, sein Hand in Handarbeiten mit der Militärgewalt hat diese Auffassung noch bestärkt. Der Vorwärts" ist in den Augen dieser Auslandstreise ein Regierungsorgan, dem sie das gleiche Mißtrauen entgegenbringen, wie unsere deutschen Mehrheitssozialisten den Regierungsorganen im feindlichen Lager. Damit ist natürlich auch die Art der Friedensarbeit, die man sich im Müller-„ Vorwärts" zu leisten einbildet, von vornherein verdächtig und unfruchtbar. Noch unfruchtbarer ist sie aber natürlich in den Auslandstreifen, die von international- sozialistischem Standpunkte und als ehrliche Friedensfreunde gegen eine Berlängerung des Krieges ankämpfen. Sie haben die deutschen Kreditbewilliger von jeher als entschiedene Friedensfeinde eingeschäßt, sie wissen, daß der„ Vorwärts" durch den Gewaltstreich des Parteivorstandes zum Organ dieser Kreditbewilliger geworden ist, wie können sie da zu der Friedensarbeit eines Scheide mann in diesem„ Vorwärts" Vertrauen haben? da " Als die Meldungen vom Vorwärtsraub durch die ausländische Presse gingen, geschah das Dußende von Beispielen könnten wir aus französischen, englischen, italienischen usw. Blättern bringen- unter Spitmarken wie:„ Der faiserliche„ Borwärts", der„ Vorwärts" Regierungsorgan geworden" usw. Wie der Vorwärtsraub aber von der friegsgegnerischen und sozialistischen Auslandspresse beurteilt worden ist, haben unsere Leser aus Aeußerungen des„ Avanti", der russischen Presse usw. ersehen können, die wir im Mitteilungsblatt abgedruckt haben. Angesichts dieser Tatsachen wagt Scheidemann von den großen Erfolgen seiner und des„ Vorstandsvor: wärts" Friedensarbeit zu reden. Nein, es bleibt schon dabei, mit dieser Art Friedensarbeit imponiert man weder den friegsfreundlichen noch den kriegsfeindlichen Kreisen des gegnerischen und neutralen Auslands. Daran ändern auch die Unterredungen nichts, die Scheide mann allergnädigst amerikanischen und ungarischen Journalisten gewährt und deren geistvolles Ergebnis in die Welt depeschiert wird. Gerade den Journalisten Ameritas und Ungarns kommt es bei allem nicht so sehr auf die Sache als auf journalistische Sensationsmache an. Und hierfür finden sie Scheidemann und im Stampfer-, Borivärts" verwandte Seelen. Sozialdemokratie und Arbeitszwanggesek. Von einem Reichsagsabgeordneten wird uns geschrieben: Das Gesetz über die Einführung des Arbeitszwanges für alle Männer vom 17. bis 60. Lebensjahre, soweit sie nicht zum Heere eingezogen sind, ist am letzten Sonnabend im Reichstage angenommen worden. Die alte, sozialdemokratische Fraktion hat dafür gestimmt, die sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft dagegen, die Minderheit der alten Fraktion enthielt sich der Stimmabgabe. Diese Tatsache zeigt schon, daß die Beurteilung des Gesetzes durch die Sozialdemokratie feine einheitliche ist. Soweit bisher Arbeiterorganisationen zu dem Gesetz Stellung genommen haben, ist das in able hnendem Sinne geschehen. Die alte Fraktion ist bei ihrer Entschließung von denjenigen ihrer Mitglieder, die der Generalfommission der Gewerkschaf ten angehören, bestimmend beeinflußt worden. Mit den Gewerkschaftsführern aller pichtungen hatte die Regierung schon verhandelt, ehe der Haushaltsausschuß des Reichstages mit der Materie befaßt wurde. Die Gewerkschaftsführer hatten sich für den Zweck des Gesetzes ausgesprochen und gemeinsame Vorschläge zur Sicherung der Arbeiterrechte ausgearbeitet, die dem Reichstags ausschuß als Beratungsmaterial mit unterbreitet wurden. In diesen Vorschlägen waren für alle Betriebe von mindestens 20 Personen Arbeiterausschüsse mit der Befugnis über die Lohn- und Arbeitsbedin gungen mit den Unternehmern verhandeln zu können, vorgesehen. Geſetz vorgesehen. Die Arbeiterausschüsse haben im Aufnahme gefunden, doch nur für Betriebe von mindestens fünfzig Personen. Die Befugnis dieser Ausschüsse ist aber lediglich„ das gute Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu fördern, Anträge, Wünsche und Beschwerden vorzubringen und sich dazu zu äußern". Diese Einschränkung und Abschwächung dürfte die ganze Einrichtung ziemlich wertlos machen, zumal den Mitgliedern der Arbeiterausschüsse im Gesetz keinerlei Schuh vor Maßregelung gewährt ist. Weiter sahen die gemeinsamen Gewerkschaftsvorschläge paritätisch aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammengesetzte Einigungsämter vor, die für den Bezirk jedes Bezirkskommandos eingesetzt werden sollten, um strittige Fragen zwischen Unternehmern und Arbeitern zu entscheiden. Auch diese Forderung hat nur in sehr verwässerter Form Aufnahme in das Gesetz gefunden. Aehnlich ist es mit einer Reihe anderer Forderungen der Gewerkschaftsvertreter gegangen, durch die den Arbeitern Bewegungsfreiheit gesichert werden sollte. Besonders hartnäckig und schroff ablehnend verhielt sich die Negierung zu der Anerkennung des Koalitionsrechts einschließlich des Streitrechts für die Eisenbahner. Es kam darüber zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den Gewerkschafts- und den Regierungsvertretern. Während der fast einwöchigen Beratung der Vorlage im Haushaltsausschuß des Reichstags ist hinter den Kulissen unausgeseßt verhandelt worden, um ein Kompromiß zwischen der Regierung und den Gewerkschaftsvertretern über deren Forderungen zustande zu bringen. Das gelang aber nicht und so wurde der Kampf im Plenum des Reichstags fortgesetzt. Schließlich begnügten sich - 6die Gewerkschaftsvertreter mit dem, was vom Reichstage in der eben angedeuteten abge= schwächten Form von Arbeiterrechtsbestimmungen beschlossen wurde und traten in der sozialdemokratischen Fraktion für die Annahme des ganzen Arbeitszwanggefeßes ein. Gegen den Arbeitszwang selbst, wie ihn das Gesetz vorsieht, erhoben sie teine Einwendungen. In der Einsegung einer fünfzehntöpfigen Reichstagstommission, in der jede Fraktion nach ihrer Stärke vertreten ist, sahen die Gewerkschaftsführer eine Sicherung gegen illoyale Ausführung des Geseßes, da diese Kommission bei der Durchführung des Gesetzes bestimmend mitwirken soll. Wie nach dem Ergebnis der namentlichen Abstimmung im Reichstage zu schlußfolgern, ist der zustimmende Beschluß der alten sozialdemokratischen Fraktion mit einigen 50 gegen einige 20 Stimmen gefaßt worden. Die Sozialdemokratische Arbeit 3gemeinschaft hat ihre Stellungnahme zu dem Gesetz davon bestimmen lassen, daß es sich um eine friegsverlängernde Maßnahme handle, die Arbeiterklasse zwangsweise dem Unter nehmertum ausgeliefert werde und die Rechtssicherheiten für die dem Gesez Unterstehenden absolut ungenügend seien. Aus diesen Erwägungen kam sie zur Ablehnung des Gesetzes, in Uebereinstimmung mit Beschlüssen wichtiger gewerkschaftlicher Körperschaften. So hat z. B. eine Vertrauens männer= Versammlung Metallarbeiterverbandes für GroßBerlin beide sozialdemokratische Fraktionen aufgefordert, das Gesetz abzulehnen, und es wird in der Resolution dieser Versammlung ausdrücklich er flärt, daß es sich um ein Ausnahmegese gegen die Arbeiter handle, daß dieses Charakters auch nicht durch die Forderungen der Gewerkschaftsführer in ihrer ursprünglichen weitergehenden Fassung entkleidet werden könne. 6e3 = Die Arbeitsgemeinschaft hat im Reichshaushaltsausschuß und im Reichstagsplenum von denselben Gesichtspunkten aus den Geseßentwurf bekämpft und versucht, seine schlimmsten Wirkungen zu paralysieren; zu diesem Zwecke hatte sie eine Reihe von Anträgen gestellt. Sie wollte den Arbeitszwang vom 60. a uf das 45. Lebensjahr herabgesetzt wissen und verlangte, daß die Arbeiter nicht außer halb Deutschlands zur Arbeit gezwungen werden dürften. Die Die alte Fraktion stimmte gegen den ersten und für den zweiten Antrag. Ferner beantragte die Arbeitsgemeinschaft, im Gesetz festzulegen, daß die dem Arbeitszwang Unterworfenen nicht den Militärgesehen, sondern dem Bürgerlichen Gesetzbuch, dem Handelsgesetzbuch und der Gewerbeordnung unterstehen sollten; der Antrag fand keine Annahme. Eine weitere Forderung der Arbeitsgemeinschaft wollte den 2ohn nach den Vereinbarungen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen sichern, ebenso den Frauen für gleiche Arbeit den gleichen 2ohn, wodurch auch der Lohn der Männer am wirksamsten vor Zohndruck geschüßt worden wäre. Aber diese Forderungen, wie die Forderungen nach Einführung der achtstündigen täglichen Arbeitszeit und Wiederherstellung der seit 1914 aufgehobenen Schutzbestimmungen für gewerbliche Arbeiter, Frauen und Jugendliche verfielen der Ablehnung. Auch die Sicherstellung des Koalitionsrechts neben der zugestandenen Sicherung des Vereins- und Versammlungsrechts gelang der Arbeitsgemeinschaft nicht; ebenso nicht die ausdrückliche Festlegung völliger politischer, religiöser und gewerkschaftlicher Parität von deren Bestimmungen abgesehen. an= Mit besonderem Nachdruck wandten sich die Redner der Arbeitsgemeinschaft gegen die Fesselung der Arbeiter an den Betrieb durch den nur mit Zustim mung des Unternehmers zu bekommenden Abkehr schein. Gleichzeitig forderten ihre Redner die Verstaatlichung der Betriebe für Heereslieferungen, um die Kriegsgewinne der Privatunternehmer zu beseitigen und dem Staat zuzuführen. Damit stießen sie aber bei der Regierung und den bürgerlichen Parteien auf entschiedenen Widerstand, selbst die Redner der alten Fraktion zweifelten an der Durchführbarkeit der Forderung und traten nicht für sie ein. Die Arbeitsgemeinschaft forderte, daß statt des Fünfzehner- Ausschusses das Plenum des Reichstags bei der Durchführung des Gesetzes mitwirken soll; auch dafür war die alte Fraktion nicht zu haben. Bezüglich der Geltungsdauer des Gesetzes gingen beide sozialdemokratische Fraktionen darin konform, daß das Gesetz zunächst nur bis zum 1. Juli 1917 gelten solle und der Reichstag es bereits wieder früher außer Straft setzen könne; die Arbeitsgemeinschaft forderte weiter, daß es bei etwaigem Friedensschluß vor dem 1. Juli 1917 ohne weiteres außer Kraft treten solle. Diese Forderungen wurden abgelehnt. Zu der Ablehnung all dieser eigentlich selbstverständlichen Anträge kam für die Arbeitsgemeinschaft als bestimmend für ihre Stellungnahme vor allem zum Kriege ihre grundsätzliche Stellung und der Kriegspolitik der Regierung hinzu. Sie hat das in der Haushaltskommission und und im Plenum bei der ersten Lesung sowie bei der Generaldebatte in der dritten Lesung mit aller Schärfe und Klarheit von ihren Rednern betonen lassen; bei der zweiten Lesung, die Einzelberatung ist und bei der Einzelberatung dritter Lesung hat die Arbeitsgemeinschaft durch ihre Redner, die sich sehr lebhaft an der Debatte beteiligten, ihre Anträge energisch mit guten Gründen vertreten lassen. Die Ablehnung bei der Schlußabstimmung war einstimmig von ihr beschlossen worden. Die Arbeitsgemeinschaft ist fest überzeugt, in Uebereinstimmung mit den Massen Ver Arbeiter gehandelt zu haben, die jetzt die Wirkungen des Gesetzes zu spüren bekommen werden. Die Produktion und die Leistungsfähigkeit der Arbeiter zu steigern, dazu ist ein solches Zwangsgesetz absolut ungeeignet. Gute Ernährung, guter Lohn und gute Arbeitsbedingungen sind die einfachen Mittel, die diese Resultate spielend von selber herbeiführen würden. Die Abstimmung im Reichstage. Die Abstimmung über das Hilsdienstgesetz im Reichstage war eine namentliche. 59 Sozialdemokraten für das Gesez: Bauer, Bender, Böhle, Brey, Brühne, Bud, Cohen, David, Davidsohn, Deichmann, Dieß, Ebert, Feldmann, Fischer- Berlin, Fischer- Hannover, Frohme, Geck, Gradnauer, Giebel, Göhre, Grenz, Haberland, Hajenzahl, Heine, Hildenbrand, Hofmann- Rudolstadt, Käppler, Keil, König, Körsten, Kräßig, Landsberg, Legien, Lensch, Müller- Reichenbach, Moitenbuhr, Noske, Beus, Pfanntuch ,, Bintan, Queffel, Rauh, Sachse, Scheidemann, Schmidt- Berlin, Schmitt- Würzburg, Schöpflin, Schulz- Erfurt, Schumann, Silberschmidt, Spiegel, Stolien, Stubbe, Südefum, Taubadel, Thiele, Thöne, Ulrich, Wels. 19 Sozialdemokraten gegen das Gesez: a) 18 der Arcetsgemeinschaft: Bock, Büchner, Cohn, Dittmann, Geyer, Haase, Hente, Herzfeld, Horn, Kunert, Ledebour, Ryssel, Schwarz, Schwarz, Stadthagen, Stolle, Vogtherr, Wurm, Zubeil. b) 1 Wilder": Rühle. 22 Stimmenthaltungen von Sozialdemokraten: a) 7 durch Abgabe blauer Zettel: Albrecht, Baubert, Fuchs, Hugel, Peirotes, Reißhaus. Stüclen b) 15 durch Verlassen des Sigungssaales: Antric, Brandes, Emmel, Erdmann, Ewald, Edmund Fischer, Hierl, Hoch, Hoffmann Kaiserslautern, Hüttmann, Jäckel, Leutert, Raute, Schmidt- Weißen, Cimen. Wieviel Mitglieder der sozialdemokratischen Frattion sich außer den 22, die sich im Plenum der Stimme enthielten oder hinausgingen, in der Fraktion gegen das Gesetz erklärt haben, entzieht sich der Kenntnis, da die Fraktion Schweigegebot beschloß. Nach der Sigung am 2. Dezember hielt die Fraktion noch eine Sigung ab, um Strafgericht über diejenigen ihrer Mitglieder zu halten, die entgegen den Gebot der Mehrheit der Fraktion im Plenum, ihren Stimm zettel mit ich enthalte mich" abgegeben hatten. Auch der Verlauf dieser Fraktionssitung wird geheim gehalten. 8 abweiende Sozialdemokraten: a) 7 der alten Fraktion: Binder, Blos, Feuerftein, Quard, Segis, Volmar( frant), Wendel. b) 1 der Arbeitsgemeinschaft: Bernstein( trant). 107 abwesende bürgerliche Abgeordnete: Bärwinkel, Bartling, Bassermann, Baumann, Dr. Becker, Bett, Blankenhorn, Bohy, Bolz, v. Bonin, Brandys, v. Brederlow, v. Brockhausen, Graf von Carmer, Carstens, D. Chlapowati, Dahlem, Delfor, Dietrich, Dunajsti, Emminger, van Eyt, Fehrenbach, Fervers, Fischbeck, v. Flemming, Gerstenberger, Glowayli, v. Goßler, Gottschalt, Gottschall, v. Grabsti, Haas, Kur Haußen, Haußmann, Hebel, Heckscher, Hegenscheidt, Hepp, Heydebrand, Heyl zu Herrnsheim, Heyn, Klos, Baron Knigge, Kopp, Kopsch, Kreth, Strings, zewski, v. Laczewski, Lederer, Leube, Levqué, Liesching, Fürst zu Löwenstein, Graf Magnus, Marr, Mayer- Kaufbeuren, v. Meding, Mertin, Meyer- Gelle, Meyer- Kreuzburg, v. Michaelis, v. Morawski, WüllerFulda, Nathan, Naumann, Neuhaus, Neumann- Hofer, v. Riegolewati, v. Payer, Dr. Pfeiffer, Dr. Pieper, Ponschap, Posadowsli, Pospiech, Graf Praschma, Büt, Fürst Radziwil( in russischer Gefangenschaft), Raumer, Ricklin, Roland- Lücke, Fürst zu Salm, SchifferBorken, Schirmer, Schlee, Schröder, Schulenburg, Schulze- Gaverniß, Schwarz- Schweinfurt, Schweikhardt, Sieg, Stamm, Stupp, Stychel, Trimborn, Wachhorst de Wente, Wagner, Waldstein, Weilnböck, Wellstein, Werner Gießen, Windeck, Dr. Wirth, Wittum, Wörle, Am Zehnhoff, v. Ezarlinski. Bekanntlich wird allen Abgeordneten, die sich an einer namentlichen Abstimmung nicht durch Abgabe eines Stimmzettels( Ja: weiß, Rein: rot, Enthaltung: blau) beteiligt haben, ein Diätenabzug von 20 Mart gemacht; für 130 Abgeordnete kommt das in diesem Falle in Betracht. Die absolute Mehrheit des Reichstags bei volbesetztem Hause( 397 Size) beträgt befanntlich 199 Stimmen. Für das Arbeitszwangsgeset sind 235 Stimmen, also 36 über die Hä.fte, abgegeben worden, ein Resultat, das bei der ungeheuren Wichtigkeit des Gesetzes auch bei seinen Befürwortern laum besonders erhebend wirken dürfte. Der Avanti über Scheidemanns Politik. In einer Zuschrift aus Zürih berichtet der Avanti über die Unterredung Scheidemanns mit einigen ungarischen Journalisten und setzt sich ernst.ich mit den bon iym geäußerter Anschauungen auseinander. Nach den„ Bajeler Nachrichten", denen der Avanti seinen Bericht entnimmt, habe Scheidemann erllárt, die sozialistische Partei werde nach dem Kriege einen gewaltigen Aufschwung nehmen und es werde überall zu heftigen politischen und wirtschaftlichen Kämpfen tommen. Die deutsche Sozialdemokratie hätte bisher den Fehler begangen, dem Internationalismus eine zu große Bedeutung beizumessen, sie habe nicht erkannt, daß das internationale Profetariat seine größte Macht nur aus traftvollen nationalen Bewegungen schopfen könne. In einer redaktionellen Fußnote bemerkt der Avanti hierzu: „ Wir haben schon mehrfach hervorgehoben, wie jehr der reformistische, interventionistische( d. h. iriegsheßerischen) Sozialismus eines Bissolati sich dem deutschen Sozialpatriotismus annähert, ja sich mit ihm identifiziert. Nunmehr liefert uns der Führer der deutschen Mehrheit einen noch flareren und überzengenderen Beweis für unsere Ansicht. Scheide mann spricht genauso wie Bissolati. So erweist es sich denn, daß die, die sich häufig aus polemischen Gründen und weil sie durch ihre praftische Tätigkeit dazu gedrängt werden auf das heftigste bekämpfen entzündet von dem heiligen den, ' Eifer, die Motive ihrer Regierungen vom nationalistischen Standpunkt zu rechtfertigen sich in Wahr heit im allerschönsten Einvernehmen befinden. Na ch dem Kriege werden sich in Deutsch= land in Frankreich und in Italien nationalsozialistische Parteien bilderen Ziel es sein wird, daz Proletariat vor den Wagen der nationalen Bourgeosie zu spannen, um dafür als Entschädigung ein paar dürftige Reformen einzuheimsen. Diese Sorte Sozialismus wird vertreten sein durch die Scheidemann, gleichen gemeinsamen dal beseelt sind." Renaudel und Bissolati, die alle von dem Aus der Winkelagentur des Vorstands,, Vorwärts". er= Die J. K., die bekanntlich die Aufgabe hat, die Tätigkeit des loyalen" Müller- ,, Vorwärts" zu gänzen und die Berliner Parteibewegung mit Schmutz zu bewerfen, war wieder einmal in der Lage, in terne Vorgänge aus dem Beriner Organisationsleben in ihrer sattsam bekannten entstellenden und gehässigen Manier an die gegnerische Preise zu verhöfern. Sie schrieb vor kurzem unter der Spitmarte: Reichsfonferenz der Arbeitsgemeinschaft": Erst jetzt wird bekannt, daß an einem der letten Sonntage im Norden Berlins eine Konferenz tagte, zu der aus allen Teilen Deutschlands etwa 50 Delegierte, Anhänger der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft, erschienen waren: Man wollte zu der Vorwärts" Angelegenheit. Stellung nehmen, doch konnte die geheim gedachte Konferenz nicht zu Ende geführt werden. Die große Zahl der nehmer trug wohl dazu bei, daß sie nicht verborgen blieb, sondern von der Polizei aufgelöst wurde. 11. a. waren die Abgeordneten Hoffmann, Stadthagen, Ströbel usw. anwesend.. Teil -8 Wohl infolge dieses Vorkommnisses hat der radikale Berliner Zentralvorstand beschlossen, eine„ offizielle" Reichskonferenz seiner Anhänger zur Behandlung der Vorwärts"-Frage einzuberufen. Es scheint sich dabei um die erste größere Tat des Aktionsausschusses" zu handeln, den die Anhänger der Arbeitsgemeinschaft fürzlich auf Anregung Rosa Luxemburgs einsetzten. Man wird dabei erneut die Frage der Beitragssperre und anderer Mittel, den Parteivorstand zu treffen, behandeln. Der Boytott des Vorwärts" macht übrigens, wie wir erfahren, recht schlechte Fortschritte. Vielfach werden abgehende Abonnenten gleich durch neugewonnene Leser erseßt, während die prinzipiellen Abbesteller sich oft und flug auf den Ausweg besinnen, das Blatt morgens einzeln zu faufen. Auf diese Weise halten sie ihren Beschluß hoch und erfahren doch, was in der Welt vorgeht, denn die aus Leipzig und Braunschweig bezogenen Blätter berichten doch reichlich spät über das, was in Berlin, z. B. im Reichstage, vorgeht. In dieser Meldung der J. K. mischen sich einige Körnchen Wahrheit mit einem Wust von Entstellungen und gehässigen Kombinationen. Richtig ist, daß eine solche Konferenz stattgefunden hat, richtig ist auch, daß die Polizei die Tagung störte und die Namen der Teilnehmer feststellte. Da es sich bei der Angelegenheit um eine reine Parteifrage, nämlich um die Stellungnahme zum Gewaltstreich des Parteivorstandes handelte, also eine Angelegenheit, die nicht nur die Berliner Genossen, sondern auch die des ganzen Reiches angeht, konnte die Konferenz nicht weitertagen und ihre Tagesordnung erledigen. Es trifft weiter auch zu, daß der Berliner Zentralvorstand eine Reichskonferenz beschlossen hat, zu dem Vorwärts- Raub Stellung nehmen soll. die Da Arbeiter, der jetzt noch auf die Demagoge des MüllerStampfer-, Vorwärts" hineinfällt, und dem letzten Genossen, der draußen an der Front jahrelang die inneren Parteivorgänge nicht im Zusammenhange verfolgen konnte, bei seiner Rüdfehr flar wird, wo die wahren Parteischädlinge sißen. Die auf Grund der Beitragssperre aus der Partei herausgedrängten Genossen berauben sich aber des Einflusses und der Aufflärungsmöglichkeiten auf die breiten Schichten der Parteigenossen und Arbeiter. Sie können höchstens erreichen, daß die heutigen Gewalthaber des Parteivorstandes auf dem nächsten Parteitage mit ihren Mehrheitsanhängern hübsch unter sich sind, von neuem in ihren Aemtern und Würden bestätigt werden und dann mit verstärkter Macht den ungeschulten Arbeit in ihr Rattenfängerlied vorpfeifen. Dazu will aber die Mehrzahl der Berliner Genossen durch ein Anbeißen auf den Köder der Beitragssperre nicht mithelsen. Das mögen sich die J. K., ihre Hintermänner und Auftraggeber gesagt sein lassen. Was den Jubel der J. K. über die„ schlechten Fortschritte des„ Vorwärts"-Boykotts" anbetrifft, so sei sie an das Sprichwort erinnert: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Mögen sich die Müller- StampferLeute und die Lesefluller in dieser Zeit des Kriegszustandes ihres Daseins freuen. Einmal muß der Belagerungszustand, dem der Vorstands ,, Vorwärts" Eriſtenz und Halt verdankt, doch verschwinden und die ganze sozialpatriotische Herrlichkeit wird dann zusammenbrechen. Im Notfalle wird es dann die Berliner Parteibewegung, die den alten„ Vorwärts" geschaffen und gehalten hat, auch noch durchsetzen, ein zweites Blatt in die Höhe zu bringen, das ihr Blatt ist und auf dessen Haltung sie wirklichen Einfluß haben. ParteiGenosse Karl Liebknecht war im Reichstage Vertreter des Wahlkreises Osthavelland. Durch seine schwere Verurteilung ist er nicht mehr in der Lage, sein Mandat ausüben zu können und die Wähler des Kreises müssen sich auf eine Neuwahl vorbereiten. Die Genossen des Kreises haben am letzten Sonntag in einer engeren Konferenz sich mit der Kandidatenfrage beschäftigt. Von einem Vertreter der Mehrheit wurde berichtet, daß die Konservativen sich an den vorstand gewendet hätten mit der Mitteilung, daß sie sich vorbehalten, ob sie Burgfrieden üben, wenn sie die Person des Kandidaten kennen. Der Mehrheitsvertreter legte ferner dar, daß es gälte, das Mandat zu behalten. Das wäre nur möglich, wenn ein Vertreter der Mehrheit als Kandidat aufgestellt werden würde. Eine eventuelle Wiederaufstellung Liebknechts würde keineswegs, wie manche meinen, demonstrativ wirken, da die Stimmen für Liebknecht ungültig seien und außerdem sei in der jeßigen Situation auf eine starke Wahlbeteiligung nicht zu hoffen. der Parteivorstand bewiesen hat, daß er das Partei- Um das Reichstagsmandat Liebknechts. statut durchlöchert, so oft er es im Interesse seiner Machtpolitik für nötig hält, und da ferner in Berlin unter aktiver Beteiligung des Parteivorstandes eine Sonderorganisation zur Deckung des Vorwärts"-Raubes geschaffen worden ist, haben die angegriffenen und entrechteten Berliner Genossen sowohl wie die Genossen im Reiche, die das Zentralorgan der Partei nicht zu einem vorstands- offiziösen Reptil degradiert sehen wollen, das Recht, Stellung gegen die Vergewaltigung und die willkürliche Verletzung des Parteistatuts zu nehmen. Alles, was die J. K. sonst noch über die geplante Reichskonferenz zu sagen weiß, ist wider besseres Wissen von ihr zusammengelogen worden. Die J. K. und ihre Auftraggeber sowie Zuträger im Parteivorstande und aus dem famosen Leseflub„ Vorwärts" Eugen Ernstscher Gründung wissen ganz genau, daß der erwähnte Antrag Luremburg von der großen Mehrheit der Berliner Verbandsgeneralversammlung abgelehnt worden ist, sie wissen ganz genau, daß mindestens sieben Achtel der Berliner Bariciorganisationen nicht auf dem Boden der Beitragssperre stehen. Nicht aus Sympathie und Respekt vor dem Parteivorstande. Seine Kriegs- und Gewaltpolitif machen es psychologisch nur zu verständlich, daß Genossen auf den Gedanken kommen, die Organi sationen sollen diesem Parteivorstande- nicht der Partei die Beiträge verweigern, ebensowenig wie fie die Beitragspflicht des Einzelmitgliedes aufgeben wollen. Aber da der Parteivorstand, gestützt auf den Kriegszustand und frei von jeder demokratischen Kontrolle durch Parteitage usw. mit dem Parteistatut Schindluder treibt und dessen Bestimmungen nur dann bis auf den letzten Buchstaben anwendet, wenn sich damit die böse Opposition erdrosseln läßt, so will die Mehrheit der Berliner Genossen es dem Parteivorstand nicht allzuleicht machen, die Minderheit aus der Partei herauszudrängen. Denn darauf fommt es ihm nur an und dabei findet er den Beistand der ganzen Mehrheitspresse und des bureaukratischen Apparats der Partei. Parteivorstand muß bis zum letzten Augenblick ins Unrecht gesetzt werden, damit auch dem ungeschultesten Der Die Minderheit war entgegengesetter Ansicht. Ein Spandauer Vertreter legte einer Stimmabgabe für Liebknecht einen starken demonstrativen Charakter gegen die Verurteilung Liebknechts bei, auch dann, wenn die Wahlbeteiligung keine allzugroße sein würde, während ein Vertreter von Potsdam meinte, es gälte bei einer Wahlagitation nicht ausschließlich Mandatsinteressen aufzunehmen. sondern für sozialdemokratische Grundsäße zu wirken. Nach Abschluß der Debatte wurde zunächst be= schlossen, abzustimmen darüber, ob ein Vertreter der Mehrheit oder der Minderheit aufgestellt werden soll. Mit 14 gegen 17 Stimmen wurde der Beschluß gefaßt, einen Vertreter der Opposition aufzustellen. Ge9In der Diskussion wurde von einer Rednerin betont, daß sie sich keinerlei Nußen von der empfohlenen Mitarbeit verspreche. Als Sozialistin tönne sie in diesen Aemtern doch nicht wirken, könne sie dies aber nicht, so habe eine Beteiligung keinen Wert. An einer guten Säuglingsfürsorge, um ein BeiDaraufhin erfolgte die Abstimmung darüber, wer als Kandidat fungieren solle. Der Vertreter Span daus zog seinen Antrag auf Wiederaufstellung Liebmechts zurück. Bestimmt wurde, daß die Mehrheitsstimmen bei der Kandidatennominierung nicht gezählt werden sollen, da nur noch zu entscheiden sei, welcher Bertreter der Opposition aufgestellt werde. Die Mehrspiel zu nehmen, habe auch der Staat ein Interesse, heitsanhänger vereinigten 14 Stimmen auf den noffen Stahl- Spandau, während auf den Genossen Franz Mehring, der in Schutzhaft sitzt, 9 Stimmen und auf den Genossen Staab- Potsdam 8 Stimmen entfielen. Danach ist Genosse Mehring zum Kandidaten nominiert. Gegen diesen Beschluß erhob GeGenosse Wels als Vertreter des Bezirksverbandes Einspruch und er betonte, Protest beim Parteivorstand einlegen zu wollen. Er will sich auf den§ 10 des Parteistatuts stützen, der besagt:„ Der Parteivorstand entscheidet über Differenzen, die sich bei der Ausstellung von Reichstagskandidaturen zwischen der Organisation eines Wahlkreises und dem Bezirksverband oder der Landesorganisation ergeben." der heute mehr denn je. Dieser Auffassung wurde von allen andern Rednerinnen widersprochen. Würde man der Genossin zustimmen, so müsse man konsequenterweise jede parlamentarische Tätigkeit überhaupt einstellen. Das wäre aber ein großer Schaden für die Arbeiterklasse. Arbeiterklasse. Man brauche die parlamentarische Mitarbeit durchaus nicht zu überschäßen, aber falsch wäre eine Unterschätzung der Tätigkeit, die auf die soziale Hebung der erwerbstätigen Bevölkerung innerhalb der eine heutigen Gesellschaft hinausläuft. Gewiß könne solche nur in gewissen Grenzen erreicht werden, aber einer Verelendung des Proletariats in der heutigen Gesellschaft mit verschränkten Armen zusehen zu wollen, sei der schlechteste Dienst, der der Arbeiterklasse geleistet werden könnte. Nach Schluß der angeregten Diskussion wurde beschlossen, daß sich die Vertreterinnen der Frauen im Zentralvorstande als Kommission tonstituieren, mit dem Auftrage, Vorschläge geeigneter Frauen für die in Frage kommenden Deputationen zu machen. Genosse Wer sich freiwillig für diese Aemter bereit erklären wolle, solle seine Adresse dem Verbandsbüro, Lindenstraße 3, eine öffentliche einreichen. Angeregt wurde auch, Frauenversammlung mit diesem Gegenstand zu befassen; auch soll eine Liste angelegt werden aller der parteigenossischen Frauen, die heute schon in der kommunalen Verwaltung tätig sind. Das Parteistatut wird allemal dann hervorgeholt, wenn es manchen Genossen, die sonst auf das Statut pfeifen, so paßt. Wels ist Bezirksverband und geht zum Parteivorsiand. Wels ist auch Parteivorstand. Der Kreis ist vollkommen souverän. Differenzen könn ten sich nur ergeben, wenn Kandidat Mehring der Partei nicht angehörte oder wenn gegen diesen Genossen besondere Gründe vorliegen würden, die ihn ungeeignet für das Amt erscheinen ließen. Das ist aber nicht der Fall und wird wohl auch von feiner Seite behauptet werden können. Und deshalb kommt der angezogene§ 10 des Statuts nicht in Frage, wenn man nicht der Ansicht ist, daß der Einspruch nur erhoben wird, um den Genossen einen Vertreter der Mehrheit aufzuoktroieren. Und das werden sich die Genossen nicht gefallen lassen. Im Uebrigen haben doch auch die Genossen selber noch ein Wort mitzureden. Die Mitarbeit der Frau in der Gemeinde. Eine recht lebhafte zum Teil erregte Aussprache entspann sich über die Mitarbeit der Frau in der Partei. Mehr als bisher müssen die Genossinnen bereit sein, auch Funktionen im Parteileben zu übernehmen. Besonderer Wert müsse darauf gelegt wer= den, daß die Genossinnen in dieser schweren Zeit zusammengehalten werden. Das umso mehr, wo den Berliner Genossen ihr Blatt der„ Vorwärts" durch einen Gewaltstreich des Parteivorstandes geraubt, die Redakteure hinausgeworfen und auch die Preẞkommission entrechtet worden sei. Das Mitteilungsblatt sei jetzt das einzige Band, das den Zusammenhang herstelle. Die Genossinnen seien am geeignetsten, die Verbreitung des Mitteilungsblatts zu übernehmen. In allen Leseabenden müßten sich Genossinnen bereit finden, mitzuhelfen. In der Debatte kamen die verschiedensten Meinungen zum Ausdruck über die Lage der Partei und über die heute geübte Politik. Widersprochen wurde in der Diskussion den gegebenen Anregungen nicht. Mit diesem Thema beschäftigte sich am Sonntag eine Konferenz der weiblichen Funktionäre in GroßBerlin, zu der auch Genossinnen zugezogen waren, die bereits in kommunalen Aemtern tätig sind. Die Notwendigkeit der Mitarbeit der Frauen auf kommunalem Gebiete sei heute nicht mehr zu begründen, der Krieg habe diese Arbeit zu einer für die Allgemeinheit unentbehrlichen gemacht; es handelt sich jetzt nur darum, eine gefeßlich zulässige Form zu finden. Von der Berliner Stadtverordnetenversammlung werde ein Antrag beraten, der die Zuwahl von Frauen in die verschiedenen Deputationen und Kuratorien Sturatorien fordert. Es ist begründete Aussicht vorhanden, daß die städtischen Behörden die Wahl von Frauen als Bürgerdeputierte beschließen werden und es sei notwendig, sich baldigst nach geeigneten Frauen umzusehen. An der Hand der gemachten Erfahrungen, welche die Genoffinnen gemacht haben, die bereits in der Waisen Ein neuer Ukas des Vorwärtsverlags. deputation und in der Armendirektion ſizen, wurde bie Nüßlichkeit der Mitwirkung der Frauen in kommunalen Aemtern besonders dargetan. Hoffen wir, daß unsere Genossinnen nunmehr an die Arbeit gehen und feste Hand anlegen. Geschieht dies mit der den Frauen eigenen Zähigkeit, so haben wir in Zukunft eine gute Hilfe in unserm Parteileben Berlins. Seit das Oberkommando von dem juristischen Vertreter des Vorwärts" Richard Fischer gesprochen und nur mit ihm verbindliche Vereinbarungen traf, scheint ihm der Kamm geschwollen; Fischer verfügt ohne jede Kontrolle; höchstens bezieht er sich noch auf den Parteivorstand. Die Berliner Genossen sind ihm Hetuba. Mehr noch: Er versezt ihnen von Zeit zu Zeit einen neuen Faustschlag ins Gesicht. Jetzt hat ers mit der Preßkommission, nachdem er die Nedakteure hinausgeworfen hat mit dem lakonischen Vermerk:„ Der Verlag verzichtet". An die Preßkommission hat Fischer folgenden Erlaß gerichtet: Berlin, den 28. 11. 1916. Herrn O. Wizke, Berlin D. 112, Grünebergerstr. 9, III. Werter Genosse! Nachdem ich mit dem Parteivorstand Rücksprache genommen, kann ich Ihnen auf Ihre Einladung zur Breßkommissionssizung am nächsten Donnerstag folgendes erwidern: In Ihrer Einladung ist nicht angegeben, wo die Preßkommission Ihre Sigung abhält. Für den Fall, daß Sie die Absicht haben, dieselbe im Konferenzzimmer der Redaktion abzuhalten, teile ich Ihnen mit, daß dies nicht der Fall sein kann. Nach dem skandalösen Ueberfall der Preßkommission auf den Genossen Müller verbittet sich die Redaktion jegliche fernere Möglichkeit der Störung Ihrer Tätigkeit. Der Ver lag ist daher nicht in der Lage, Ihnen die Räume des „ Vorwärts" zur Verfügung zu stellen, muß im Gegenteil nach jenem Vorfall jedes Betreten der Räume Ihnen versagen. Er wird auch diejenigen Vorkehrungen treffen, die gegen eine Störung des Hausfriedens Sicherheit gewähren. Was die gewünschte Aufstellung über den Stand des Vorwärts" anbetrifft, so bin ich auch nicht in der Lage, diesem Wunsche entsprechen zu können. Als seinerzeit Parteivorstand und Parteitag den Wünschen auf Einsetzung einer Preßkommission und später auf Erweiterung deren Rechte eingingen, war die selbstverständliche Vorausseßung, daß diese Einrichtung geschaffen werde, um die Interessen des„ Vorwärts" zu fördern. Nachdem aber der jezige Berliner Zentralvorstand sein vorwärtsschädigendes Treiben eingeleitet und die Preßkommission bis zur Stunde gegen diese Schädigung des Vorwärts" sich nicht nur nicht gewendet, sondern an den Sizungen sogar offi= ziell teilgenommen hat, in welchen diese vorwärtsschädigenden Beschlüsse gefaßt wurden, ist es ganz selbstverständlich, daß der Verlag mit einer solchen Körperschaft nicht weiter zusammenarbeiten kann.. Er wird diese seine Stellungnahme natürlich vor dem nächsten Parteitag zu verantworten haben. Solange die Preßkommission sich nicht gegen das vorwärtsschädigende Treiben erklärt und dagegen gemeinsam mit Parteivorstand und Verlag Schritte unternimmt, wird der Verlag auf diesem Standpunkt stehen bleiben. ppa.„ Vorwärts" Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co. R. Fischer. Dazu schreibt Genosse Wizke: Gegenüber diesem Schreiben des Verlags" des Borwärts( R. Fischer) ist erstens zu bemerken, daß es niemals üblich war, das Lokal bei Einladungen zu solchen Sizungen anzugeben, da es selbstverständlich für alle Teilnehmer war, daß dieselben im Konferenzzimmer der Redaktion abgehalten wurden. Ob eine Verständigung mit dem Parteivorstand vor der Abfassung dieses Briefs stattgefunden hat, ist uns noch nicht bekannt. Im weiteren ist es eine unwahrheit, daß von seiten der Preßkommission ein Ueberfall auf den Zenfor des Vorwärts Herm. Müller stattgefunden hat, 10Wahr ist, daß ein Teil der Mitglieder der Pres kommission nach einer Zentralvorstandsfizung sich in das Zimmer Müllers begaben und daß dort von dem Unterzeichneten verlangt wurde, daß die Erklärung der Preßkommission über die Verhandlungen betr. die Aufhebung des Vorwärtsverbotes und Einsehung Müllers als Zensor und Chef über die Redaktion genau so behandelt werden soll wie der Aufruf:„ An die Leser des Vorwärts" durch den Parteivorstand, d. h. die Erklärung an die Spitze des Blattes gesetzt werden solle. Ueber den Ton des Briefes ein Wort zu verlieren, hieße sich herabwürdigen. Im übrigen steht die Preßkommission vor wie nach auf dem Standpunkt, daß der Verlag und der Parteivorstand durch ihre Gewaltpolitif sie in ihrer Arbeit wohl behindern kann, aber von ihren, auf Grund des§ 22 des Parteistatuts zugewiesenen Aufgaben nicht abzuweisen befugt find. Nicht die Preßfommission ist der Zerstörer und Schädiger des Vorwärts, sondern Parteivorstand und Verlag. Dies sei wiederum einmal festgestellt. Oskar Witzke, Obmann der Preßkommission des Vorwärts. Die Berliner Genossen betrachten die Preßfommission nach wie vor als ihre Vertretung, selbst nach dem Vorwärtsraub, die ihnen fein Richard Fischer und kein Parteivorstand nehmen kann. Der Kampf geht weiter. Die Genossen müssen sich auf eine längere Dauer einrichten. Nur Ausdauer wird zum Ziele führen. Darauf kann sich Parteivorstand mit Richard Fischer verlassen. Schade, daß das eigene Unternehmen dabei Schaden erleidet. Daran sind aber nicht die Genossen Berlins schuld, sondern diejenigen, die den Anlaß zu den Abwehrmaßnahmen gegeben haben. Volksspeisung. Die Anmeldungen zur städtischen Volksspeisung in Berlin steigen. In der vorletzten Woche find 7002 Neuanmeldungen erfolgt. An der Spike der Volksküchen steht noch immer die in der Tresckowstraße mit mehr als 13 000 Teilnehmern. Dann folgt die Küche in der Landsberger Allee( städtischer Vieh- und Schlachthof) mit 10 500 Besuchern. Stark ist auch die Beteiligung in der Küche in der Zentralmarkthalle gestiegen, wo zurzeit auch rund 9000 Personen an der Speisung teilnehmen. Der Grund der Neuanmeldungen ist zweifellos in der immer schwieriger werdenden Beschaffung mancher Lebensmittel zu suchen. Zunächst sind die Kartoffeln sehr knapp. Die Zufuhren reichen nicht hin, um das bisherige Quantum Kartoffeln abzugeben, weshalb in der verflossenen Woche nur 6 Pfund Kartoffeln auf eine Karte abgegeben werden konnten. Auch das zugesicherte Fleischquantum war nicht überall zu erhalten. Wenn die Viehlieferung nicht derartig gestaltet werden kann, daß das festgesette Fleischquantum von 250 Gramm aufrecht erhalten wer den kann, dürfte es richtiger sein, das Quantum herabzusetzen, damit nicht ein Teil der Bevöl -11kerung ganz leer ausgeht. Ein anderer Grund der stärkeren Beteiligung an der städtischen Speisung ist auch in der noch immer nicht behobenen Kohlenknappheit zu suchen, da auch Kohlen zur Herstellung eines warmen Mittagsbrotes erforderlich sind. Als Teilnehmer an der städtischen Volksspeisung in Berlin sollen fünftig auch alle diejenigen Vorortbewohner zugelassen werden, die in Berlin ihre Arbeitsstelle haben. Die Bedingungen sind die gleichen wie für die Berliner Einwohner. Zur Lösung der Teilnehmerkarten in der Speisenausgabestelle ist die Vorlegung der Fleisch- und Kartoffelkarten und die Angabe des Teilnehmers erforderlich, in welchem Vororte er wohnt. Die Karten können an den Tagen von Montag bis Donnerstag jeder Woche für die folgende Woche in den 62 Ausgabestellen nach Wahl entnommen werden. Gelegentlich ist gesagt worden, daß in Berlin die Teilnehmerzahl an der Volksspeisung nicht größer ist, habe seinen Grund darin, daß die Frauen noch immer genügend Lebensmittel erhalten. Diese Annahme ist grundfalsch, wie jede Hausfrau bezeugen wird. Die Dinge liegen anders. Vor allem wird bemängelt, daß zu viel Kartoffel- und Fleischmarken abgetrennt würden, die in Familien mit vielen Kindern sehr fehlen. Wir haben Frauen gesprochen, die sagen, sie kämen mit ihren Kartoffeln nicht zurecht, wenn die Marken für die städtische Speisung abgetrennt seien. Sie wollen wohl Kartoffelmarken opfern, aber nicht so viel, wie heute bei Beteiligung an der Volksspeisung abgetrennt würden. Mit den Fleischmarken ist es nicht ganz so schlimm, da für größere Arbeiterfamilien die heutigen Fleischpreise unerschwinglich seien. Dann wird die Herstellung mancher Speisen bemängelt. Doch darüber wird wohl immer gestritten werden, wie das in jeder Anstalt in Erscheinung tritt, in der nicht für jeden Geschmack wird gekocht werden können; in jedem größeren Haushalt ist das schon der Fall. Vor allem aber ist zu verlangen, daß das Essen ordentlich gar gekocht ist. In der letzten Zeit find solche Klagen geringer geworden, immerhin kommen einzelne Klagen noch vor. Bemängelt| werden aber allgemein manche Rezepte, die für viele Berliner nicht recht Eingang finden wollen. Dem einen wollen die Graupen mit Pflaumen nicht munden, zumal, wenn die Graupen so dumpfig schmeden, wie das wiederholt der Fall gewesen ist. Der Andere kann den Nudeln mit Paprikasauce oder mit Aepfeln feinen Geschmack abgewinnen und der Dritte kann sich mit dem Dörrgemüse nicht befreunden, wenn es mit Graupen oder mit anderen undefinierbaren Stoffen vermischt ist. Allen werden es die städtischen Köche taum recht machen können und so gehen denn auch die Meinungen über die Volksspeisung oft diametral auseinander. Was der eine als„ Schweinefraß" bezeichnet, hat dem andern sehr gut geschmeckt. Jede Hausfrau hat eben eine andere Art der Zubereitung des Essens und sie läßt sich so leicht in ihre Kochmethode nicht hineinpfuschen. Und wenn es noch so knapp zugeht, so weiß sie doch, was in dem von ihr selber gefochten Essen ist und es schmeckt ihr das selbst zubereitete Essen immer besser, als die getauften fertigen Speisen, es sei denn, daß sie sich etwas besonderes leisten könnte. Dazu gehört aber ein großes Portemonnaie: Und das fehlt, reicht doch das Kostgeld nicht hin und nicht her und wenn es noch so hoch ist. Es fehlt auch heute noch ein größerer Einfluß gerade der Arbeiterfrauen auf die Zubereitung und die Ausgabe der Speisen. Der Magistrat hat mit der Leitung der Küchen und mit der Ausgabe der Speisen den Nationalen Frauendienst betraut, der zweifellos nach bestem Können seine Pflicht erfüllt, aber das Arbeiterelement hat da so gut wie gar keinen Einfluß; ja es sind uns Fälle bekannt, wo Genossinnen, die sich opferwillig zur Speisenausgabe zur Verfügung gestellt hatten, so nach und nach herausgedrängelt worden sind. Die vor einiger Zeit eingerichteten Beschwerdestellen genügen für die Mitwirkung feineswegs, wenn auch zugegeben werden soll, daß der Arbeiterfrauen bei der Speisenzubereitung Arbeiterfrauen heutzutage nicht viel Zeit übrig haben, sich unentgeltlich zu bestimmten Aemtern Veranlassung sein, eine Entschädigung für zur Verfügung zu stellen. Das könnte aber nur geleistete Aufsichtsdienste zu zahlen, wenn die legium der Damen der besseren Gesellschaft Mitarbeit in der Volksspeisung nicht ein Priviwerden soll. Soll überhaupt die Volksspeisung ihren Zweck erreichen, so muß sie allgemein werden. Die wichtigsten Lebensmittel sind rationiert, wer aber die Mittel hat, kann auch heute noch sehr gut leben. Das darf nicht sein. In einer Zeit, wo Millionen draußen stehen und ihr Leben aufs Spiel setzen, wo daheim alle Kräfte zur Arbeit aufgerufen werden, muß auch die Ernährung weit besser sichergestellt werden, als das heute noch der Fall ist. Dazu gehört, daß die Lebensmittel dem freien Verkehr entzogen werden und eine allgemeine Ernährung eintritt in der Form, daß die Speisen nur, in fertigem Zustand verabfolgt werden und zwar an alle gleichmäßig. Das bedeutet zwar eine große Umwälzung, ist aber durchaus notwendig. Ob hoch, ob niedrig, alle mögen gleichmäßig beköstigt werden. mäßig beköstigt werden. Dabei kann sehr wohl auf Kranke oder Vegetarier besonders Rücksicht genommen werden. Und möglich ist das. Warum sollen nicht alle aus einem Topfe essen, wo Millionen das an der Front alle Tage tun müssen. Dabei würden die zahlreichen Gänse und andere Leckerbissen auch ihre zweckmäßige Verwendung finden können. Man könnte dann auch den Preis der Speisen zweckmäßiger als heute festsetzen, wobei die ärmere Bevölkerung besonders berücksichtigt werden könnte, wenn die Leute mit höherem Einkommen einen steigend höheren Preis zu zahlen hätten. Kein vernünftiger Mensch dürfte gegen eine solche Rationierung der Lebensmittel etwas ein wenden können, denn die gerechte Verteilung der vorhandenen Lebensmittel würde erst in diesem Falle voll zur Geltung kommen. Dann haben wir auch eine Vollsspeisung, die den Namen wirk- lich verdient und dann dürfen wir auch hoffen, dag fie allen billigen Ansprüchen entsprechen wird. Kevensmtttelnachrichteir. Der Magistrat von Verlin gibt bekannt, daß infolge der geringen Zufuhren von Kartoffeln die versprochene zentnerweise Abgabe nicht möglich ist. da die Wochenmenge für Kartoffeln auf 6 Pfund pro Kopf hat herabgesetzt werden müssen. Eine sehr wichtige Neuerung bringt uns eine neue Verordnung über die Ausgabe von Brot- z u s a tz k a r t e n. Es treten am 1. Januar 1917 folgende Grundsätze in Kraft: Die jugendlichen Personen im Alter von 12 bis einschließlich 17 Iahren werden durch die Neu- regelung nicht berührt. Sie erhalten die Zusatz- brotkarte ohne Prüfung des Bedürfnisses weiter. Bei allen übrigen Personen wird die Frage des Bedürfnisses einer erneuten Prüfung unterzogen werden. Für die Gewährung der einen Brotzusatzkarte von 859 Gramm kommen folgende Personengrup- pen in Betracht: diejenigen Personen, die nach der für die Kartoffelgemeinschaft Groß-Berlm aufgestellten Liste für die Gewährung von Kartoffel- zusatzkarten als Schwerarbeiter anzusehen sind' Personen, die mit Nachtarbeit beschäftigt find, d. h. die in der Zeit von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens mindestens 6 Stunden Arbeitszeit haben; Personen, die in Tag- und Nachtschichten arbeiten, sofern auf zwei aufeinanderfolgende Kalenderwochen mindestens 6 Nachtschichten fallen; ferner folgende Personengruppen: Loko- motiv- and Zugführer, sowie das sonstige Eisen- bahn-F a h r personal der Voll- und Kleinbahnen. (Hierunrer fallen auch elektrische Bahnen- und Omnibusgesellschasten. Ebenso können auch Droschkenkutscher und Chauffeure behandelt wer- den.) Bahnpoftbeamte, sowie Briefträger und Postaushelfer. Mannschaften der Berufs-Feuer- wehren. Im Außendienst tütige Beamte der Schutzmannschaft. Im Außendienst tätige Ange- stellte der Stratzenreinigung. Bureauarbeiter er- halten im allgemeinen keine Zusatzkarte. Soweit die genannte Tätigkeit von Frauen geleistet wird, erhalten auch diese eine Zufatzbrotkarte. Zweite und dritte Zusatzkarten werden über- Haupt nicht niehr ausgegeben. Für die Ausgabe der Zusatzkarte kommen nicht in Betracht: diejenigen Personen, die nach der für die Kartoffelgemeinschaft aufgestellten Lifte für die Gewährung von Kartoffelzusatzkarten als Nichtschwerarbeiter anzusehen sind; Angehörige der freien, geistigen Berufe(Studenten, Akademiker, Künstler usw.); Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahre.(Wegen der Dienst- boten wird besonders darauf hingewiesen, dag sie als Hausangestellte nach der Lifte für die Kar- toffelzusatzkarten als Nichtschwerarbeiter anzu- sehen sind.) Die Ausgabe einer Zufatzkarte darf nur auf Grund der vorgeschriebenen Arbeitgeberbefcheini- gung erfolgen, mittels derer die Gewährung der Zusatzkarte erstmalig beantragt werden mutz. Die praktische Durchführung der Neuregelung der Zusatzkartenfrage wird in folgender Form vor fich gehen: Nach Bekanntgabe der Notwendigkeit der neubeizubringenden Arbeitgeberbescheinigun- gen durch die Presse werden die Antragsteller die Vordrucke von der Brotkommission oder von ihrem Arbeitgeber abholen. Die Zeit bis zur Haupt- Verteilung am 1. Januar 1917 müssen dann die Kommigionen benutzen, um die an sie zurückgege- benen und ausgefüllten Arbeitgeberbescheinigun- gen zu fichten und daraufhin zu prüfen, ob die Bedingungen, welche zum Empfang einer Zusatz- karte berechtigen, erfüllt sind. Diejenigen Per- sonen, denen eine Zusatzkarte bewilligt ist, sind in die Hausliste(Spalte„Zusatzbrotkarten") ein- zutragen, nachdem vorher die frühere Zahl der darauf vermerkten Zusatzkarten durchstrichen ist. Die bewilligten Zusatzkarten kommen dann bei der Hauptverteilung zum 1. Januar 1917 mit zur Verteilung." Diese neue Verordnung bedeutet eine erheb- liche Einschränkung der Ausgabe mm Brotzusatzkarten. Vielen wird die Zusatzkarte in Zukunft entzogen werden, die tatsächlich darauf angewiesen waren, insbesondere werden die Personen be- troffen, die tagsüber außer dem Haufe arbeiten, ohne in einem in vorgenannter Bekanntmachung angeführten Betriebe tätig zu sein. Zum Ver- gnügen haben alle diese Personen wirklich keine Zusatzkarten bezogen. -? Zusatz-Zuckerkarten für Säuglinge. Der Ber- liner Magistrat teilt mit: Im ersten Lebensjahr ist für Kinder, die künstlich ernährt werden, Zucker ein wesentliches Nahrungsmittel. Nament- lich für ältere Säuglinge ist die Zuckermenge von 759 Gramm, die in Berlin auf den Kopf der Bevölkerung entfällt, nur als sehr knapp bemessen zu erachten. Um diesem erhöhten Zuckerbedürfnis Nechnung zu tragen, da andererseits eine allge- meine Erhöhung der Zuckermenge bis auf weiteres nicht möglich ist, vielmehr vom 1. Januar 191? ab die Gesamtmenge eine Minderung erfährt— ohne daß übrigens die Rate für den Haushalt und die Einzelperson herabgesetzt wird— hat sich nunmehr Verlin entschlossen, für alle nach dem 1. Dezember 1915 geborenen Kinder eine Zusatz- zuckerkarte einzuführen, die Anspruch auf Bezug von je V2 Pfund Zucker im laufenden Kalender- monat gewährt.— -» Jeder Inhaber einer Brotzusatzkarte mü; Ausnahme der Jugendlichen hat bei der Ausgabe der Karten einen Bezugsschein für V2 Pfund Speisesyrup erhalten. Die Anmeldung hat in den durch Aushang bezeichneten Geschäften bis zum 19. Dezember 1916 zu erfolgen. Der Zeit? - 18 punkt des Beginns des Verkaufs wird noch betannt gemacht. " Komische", das Erhabene", das„ Anmutige", " Gewöhnliche" in der Musit.„ Ziele" der Kunst. Mit Violin, Gesangs- und Klavierbeispielen. Aus den Organisationen. liner Reichstagswahlkreis. Dienstag, den 12. DezemSozialdemokratischer Wahlverein für den 1. Ber ber 1916, abends 82 Uhr, findet im Gewerkschaftshaus die Vorstandssizung statt. Es wird ersucht, bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Neukölln. Der Spielausschuß der Arbeiterschaft Bergstraße 150, eine Weihnachtsfeier. Zur Aufführung gelangen Theaterstücke, lebende Bilder und Kindervorträge. Der Eintritt ist für Kinder frei. Erwachsene zahlen 20 Pf. Billets sind zu haben im Sekretariat des Wahlvereins, Neckarstraße 3. Der Magistrat Neukölln bringt in nächster Zeit für die Bevölkerung einen Waggon geschlachteter Gänse durch die Schlächtermeister zum Verkauf. Außerdem werden erneut lebende Hähne zum Preise von 3 Mark je Pfund an die Einwohner abgegeben. An Räucherheringen sind inzwischen weitere 8000 Kisten beschafft. Sie sollen mii 66 Mt. je Kiste zum Verkauf gelangen. Die Stadtverwaltung ist jetzt damit beschäftigt, Maß- Neuköllns veranstaltet am Sonnabend, den 23. Denahmen zur Errichtung einer eigenen Fisch- zember, nachmittags 5% Uhr, in den Passagefestfälen, räucherei zu treffen. Um den Wünschen der Heeresverwaltung in bezug auf die vorzugsweise Berücksichtigung der Schwerarbeiter und insbesondere der Arbeiter in der Rüstungsindustrie zu entsprechen, sind an die in Frage kommenden Fabriken mehrere Tonnen Heringe und nach Bedarf auch Räucherheringe verteilt worden. Die Abgabe von Mais, Grieß und Graupen an diese Fabriken wird in den nächsten Tagen erfolgen. Für den Bedarf von Karpfen und Schleien soll forfan eine Kontrolle stattfinden, und zwar der gestalt, daß gegen Vorlegung der Neuköllner Haushaltungstarte auf einen bestimmten Abschnitt nicht mehr als 1 Pfund je Familienmitglied auf einmal abgegeben werden. Solche Personen, die von dem Recht des Umtausches von Fleischkarten Gebrauch machen wollen, können an Stelle von 250 Gramm Fleisch 375 Gramm Grieß, Graupen oder Hülsenfrüchte erhalten. Arbeiterbildungsschule. Dienstag, den 12. Dezember. Achter und letzter Vortrag im Kursus des Genossen Ernst Däumig: Einführung in die wissenschaftlichen Grundlagen der modernen Arbeiterbewegung. Behandelt wird δας Thema: Der Sozialismus als Ziel der Arbeiterbewegung: Das Wesen der kapitalistischen Ausbeutung Der Vergesellschaftung der Produktionsmittel „ Kriegssozialismus“ Der utopische Sozialismus Die Solidarität Die Organisation- Der Gegenwartsstaat- Die Kampfmittel der Arbeiterschaft: Der gewerkschaftliche und genossenschaftliche Kampf- Der Kampf um die politische Macht Der Palamentarismus Außerbarlamentarische Kampfmittel Die Aussichten im Kampfe. Sonnabend, den 16. Dezember. Siebenter Vortrag im Kursus des Genossen Eduard Bernstein: Die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie bon 1890 bis zum Ausbruch des Weltkrieges. Behandelt wird das Thema: Die Vertiefung der sozialdemokratischen Bewegung. Die fozialdemokratische Frauenfrage. Die Bildung 3bestrebung. Die Jugendbewegung. Die Betätigung in der Arbeiterversicherung und in den Gewerbegerichten. Die Pflege der Kunst des Körpers. Sonntag, den 17. Dezember, abends 8 Uhr. Vierter und letter Vortrag der musikalischen VortragsSerie: Uebungen im Musikhören. Briß- Budow. Mittwoch, den 13. Dezem ber 1916, abends 8% Uhr, bei Westphal, Rudowerstraße, kombinierter Zahlabend. Bahlreiches und pünktliches Erscheinen dringend erforderlich. Märchenabend am Sonnabend, den 23. Deember, abends 7½ Uhr, im Gesellschaftshaus von Adolf Becker, Chausseestraße 97, verbunden mit Theatervorführungen und musikalische Unterhaltung. Eintritt frei. Kinder nur Eintritt in Begleitung Erwachsener. findet am Mittwoch, den 13. Dezember eine Treptow- Baumschulenweg. Austelle der Zahlabende witgliederversammlung bei Kubab in Treptow, Parkstraße, statt. Tagesordnung: Fortsetzung der Disfussion über die Krise in der Sozialdemokratie. 2. Vereinsangelegenheiten. Einen zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Stralan. Gemeinsamer Bahlabend Mittwoch, bet Schulz, Markgrafendamm 6. Borsigwalde. Mittwoch, den 13. Dezem ber, abends 8½ Uhr: Gemeinsamer Zahlabend bet August Bethwell, Wittestraße 75. Vereins- Veranstaltungen. Freireligiöse Gemeinde Berlin. Sonntag, den 10. Dezember, vorm. 9 Uhr, Pappel- Allee 15-17; Neukölln, Idealkasino", Idealpassage; Oberschöneweide, Clarastr. 2: Freireligiöse Vorlesung. Vorm. 11 Uhr Kl. Frankfurterstr. 6: Vortrag von Herrn Ernst Rotter" Goethes Faust" 1. Teil. Gäste willkommen. Arbeiter- Radf.- Verein Groß- Berlin". Bis auf weiteres jeden Sonntag abend Gemütliches Beisammensein bei Matschenz, Forsterstr. 9. Monatsbeiträge für November 1916. 1. Kreis 2." 3." 4. 5. 6. " " " 1 Teltow- Beeskow Niederbarnim Diverse: für drei Sizungen Entschädigung der Funktionäre und N. Zeit 4. Kreis Genosse Leo Restenberg wird behandeln: Die Musik als „ Sprache" Die Träger und Vermittler des musikalischen Ausdrucks. Aeußerliches und innerliches Verständnis Programmufit und absolute Musit. Das„ Schöne", das„ Häßliche", das Tragische, das Niederbarnim . Kinderschutzkommission: Dr. Landau, Wandlit 500, + 931,60 1000, 5. -- 14 Verbreitet unser Mitteilungs- Blatt! Unser Mitteilungsblatt soll das Band darstellen, durch das unsere Organisationen nach dem„ Vorwärts"-Raub zusammengehalten werden. Unsere Funktionäre haben sich der Mühe der Verbreitung unterzogen. Vielfach geschieht diese Arbeit mit an= erkennenswertem Eifer, an manchen Stellen läßt aber die Verbreitung noch zu wünschen übrig. Dem muß abgeholfen werden. Im Kampfe führt nur Ausdauer und Zähigkeit zum Ziel. Lauheit und Lässigkeit dürfen in heutiger Zeit bei uns keine Stätte finden. Deshalb ergeht an unsere Genossen und auch an unsere Genoffinnen erneut der Ruf: Werbt für unser Mitteilungs- Blatt! An die Kreis- und Ortsvorstände! Im Mitteilungsblatt" soll in Zukunft ein kleines Spiegelbild über das Parteileben in den einzelnen Kreisen und soweit das möglich ist, auch aus einzelnen Nachruf. 2. Wahlkreis. Am 29. November verstarb unser Mitglied, der Dreher an Bronchitis. Oskar Veter 5. Abteilung, Bezirk 89 Ehre seinem Andenken! 4. Wahlkreis. Am 2. November verstarb unsere Genossin Margarete Höppner, Grünauerstr. 12. Ehre ihrem Andenken! 6. Wahlkreis. Am Sonnabend, den 2. Dezember, verstarb unser Genosse, der Etuimacher Walter Scheider, Wollinerstr. 24. Ehre seinem Andenken! Sozialdemokratischer Kreiswahlverein Niederbarnim. Bezirk Weißensee. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Möbelpolierer Rudolf Bergmann 3. Abteilung im Alter von 38 Jahren an der Proletarier- Krankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Bezirksleitung. Bezirk Oberschöneweide. In der Nacht zum 6. Dezember ist unser Mitglied, die Genossin Luise Buetelt verstorben, die als Vorsitzende der Kinderschußtommission eifrig wirkte. Die Beerdigung findet am Sonntag statt. Näheres wird den Genossen noch mitgeteilt. Ehre ihrem Andenken! Orten gegeben werden. Auch sollen alle Veranstal tungen wie Lese- und Zahlabende, Versammlungen usw. bekannt gemacht werden. Ferner ist beabsichtigt, eine Sterbetafel einzurichten, in der die Namen der verstorbenen Mitglieder verzeichnet werden sollen. Die Genossen werden gebeten, alle für das„ Mitteilungsblatt" bestimmten Veröffentlichungen bis spätestens Donnerstag früh nach dem Verbandsbüro, Lindenstraße 3, 4. Hof III Treppen, gelangen zu lassen. Dem Andenken unserer auf dem Kriegsschauplaz gefallenen Genossen! Durch Kopfschuß fiel am 21. November bei einem Sturmangriff bei Monastier unser Mitglied, der Landsturmmann Max Jubelt im Alter von 37 Jahren. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berl. Reichstagswahlkreis. Am 18. September fiel der 38 jährige Tischler Karl Hackemeer Ackerstr. 89, 10. Abt., Bez. 625. Am 27. September fiel der 38 jährige Kernmacher Gustav Heine Gerichtstr. 19, 17. Abt, Bez. 799. Am 13. November fiel der 21 Jahre alte Schlosser Erich Jacob Graunstr. 20, 8. Abt., Bez. 597. Am 11. November fiel der 37 jährige Stellmacher Franz Franke Am Bäcker Graunstr. 19, 8. Abt., Bez. 597. 23. Oktober fiel im Kampfe der 31 jährig Hermann Sühsmilch Bornemannstr. 4, 17. Abt., Bez. 824. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berl. Reichstagswahlkreis. Am 15. Oktober fiel in den Karpathen unser Genosse, der Bäcker Reinhold Markus Oderstr. 34. Gruppe 44. Sozialdemokratischer Wahlverein Lichtenberg. Als Opfer des Weltkrieges fiel bei einem Sturmangriff am 18. November unser Mitglied, der Wehrmann Max Richter 4. Abt. Soziald. Wahlverein Kr. Niederbarnim. Bezirk Weißensee. Als Opfer des Weltkrieges fiel am 22. November unser Genosse, der 36 Jahre alte Schloffer Wilhelm Pähold Wittestr. 14. Soziald. Wahlverein Kr. Niederbarnim. Bezirk Borsigwalde- Wittenau. Ehre ihrem Andenken! 15 Zentralverband der Bäcker, Konditoren u. verw. Berufsgender Weihnachtsunterſtükung das Bureau von 9 bts Büro: Engelufer 14, 3 Tr., Zimmer 65. Dienstag, den 19., Mittwoch, den 20. und Donnerstag, den 21. Dezember wird an die Frauen der Kriegsteilnehmer unserer Mitglieder Weihnachtsunterstützung ausbezahlt. Anspruch auf diese Unterstüßung haben alle Kriegerfrauen unserer Mitglieder, deren Männer zur Zeit ihrer Einberufung mindestens 6 Monate Mitglied waren und für mindestens 26 Wochen auch ihre Beiträge regelmäßig bezahlt haben! Es ist gleichgültig, ob der Mann bereits gefallen, verschollen oder in Gefangenschaft sich befindet; Bedingung ist lediglich, daß er bei seiner Einberufung 6. Monate Verbandsmitglied war und bis zu seiner 1 Uhr und von 4 bis 9 Uhr geöffnet. Nach dem 31. Dezember 1916 tönnen Meldungen von Frauen, die sich zum Empfange der Unterstützung noch nicht gemeldet haben, nicht mehr berücksichtigt werden. Ein Pelz ist am Sonntag von der Garderobe auf dem Korridor der Arbeiterbildungsschule abhanden gefommen. Wer über den Verbleib desselben Aus funft geben fann, wird um nähere Mitteilung an das Verbandsbüro, Lindenstraße 3, gebeten. Buchdruckerei Einberufung für mindestens 26 Wochen Beiträge be Maurer& Dimmick zahlt hat. Als Auszahlungstermine fommen folgende Tage in Betracht: Frauen mit Anfangsbuchstaben A bis J einschließ lich Dienstag, den 19. Dezember, Frauen mit den Anfangsbuchstaben bis ein fchließlich Mittwoch, den 20. Dezember, Frauen mit den Anfangsbuchstaben N bis 3 Donnerstag, den 21. Dezember. SO 16, Köpenicker Strasse 36/38. Zeitschriften Anfertigung von: Statuten Quittungsmarken Mitgliedsbüchern- Programmen Billets sowie sämtlichen Drucksachen. An diesen Tagen ist zum Zwede der Auszahlung Leipziger Volkszeitung Organ für die Intereffen des gesamten werktätigen Volkes. Erscheint täglich nachmittags mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Bezugspreis monatlich 1 Mark, Bestellgeld 14 Pfg. Alle Postämter nehmen Bestellungen an. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis Sonderangebot für unsere Mitglieder Klara müller Jahnke Zum Weihnachsfeste und folange der Vorrat reicht liefern wir Klara Müller Jahnke Gedichte statt4,50m. gebunden zum Preise von Gedichte 1.00 mark Aus dem Inhalt: Sturmlieder vom Meer- Wach auf Soziale Lieder An sonnigen Borden Wintersaat AusklangAlte Lieder Mit roten Kressen Außerdem sind noch besonders zu empfehlen: Ignaz Auer, Nach zehn Jahren, gebunden 2,00 Mt., Geschichte der Kommune von Lissagarey, gebunden 2,00 Mt., Bebel, aus meinem Leben, I. Band 1,50 Mt., II. Band 2,25 Mr. II. Band 1,70 mt. Die Frau und der Sozialismus. Von August Bebel, gebunden 2,50 Mt. Das Kapital, von Karl Mary. Volksausgabe, gebunden 4,50 Mr. Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung, I. II. III. Band zufammen 12,00 Mt., Halbfranz 15,00 Mt. - 16 Versammlungen. Die Wahlvereine Groß- Berlins veranstalten am Freitag, den 15. Dezember 1916, abends 8 Uhr Mitglieder- Versammlungen. Cagesordnung: Kriegs- und Friedensfragen. 1. Wahlkreis: Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, oberer Saal. 2. Wahlkreis: Viktoria- Brauerei, Lützowstraße 111, oberer Saal. 3. Wahlkreis: Gewerkschaftshaus, Engeluser 15, oberer Saal. 4.Wahlkreis: Andreas- Festsäle, Andreasstr.21. 5. Wahlkreis: Musikervereinssäle, KaiserWilhelmstr. 31. 6. Wahlkreis: Germaniasäle, Chausseestraße 110. Neukölln: Passage- Festsäle, Bergstr. 150. Lichtenberg: Tempel, Hauptstr. 2. Reinickendorf- West: Eichbornsäle, Eichbornstr.60. Durch Mitglieder eingeführte Gäste haben Zutritt. Referenten: Reichstagsabgeordneten Dr. Hersfeld. Dittmann. Hugo Hanse. Büchner. Ledebour. Stadthagen. Zubeil. Beantwortlicher Redakteur: Richard Herbst; Verleger: Adolf Hoffmann; beide Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Druck: Maurer& Dimmid, Berlin S0.16, Köpenider Straße 36-38.