Mitteilungs- Blatt des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Zu beziehen durch die Bezirksführer die Nummer zu 5 Pf. oder durch die Post vierteljährlich 72 Pf. frei aus Nr. 22. Berlin, den 11. Februar 1917. 11. Jahrgang. Mittwoch, den 14. Februar: Zablabend in Groß- Berlin. Und weiter Schlag auf Schlag! Mit rücksichtsloser Konsequenz geht der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands weiter auf dem Wege, den er seit Jahresfrist eingeschlagen hat, um die Partei zu„, reinigen" und die„ Einheit" herzustellen. Den„, Gutachten" des Parteiausschusses vom 18. Januar und der Spaltungsfanfare des Parteivorstandes folgten in den letzten Tagen die großen Taten. Und es ist kein bloßer Zufall, sondern tief begründet in der Wesenart der Erscheinungen, die den Weltkrieg jetzt noch mehr verschärfen und verbittern, daß die Zertrümmerungswut des Parteivorstandes auch zeitlich zusammenfällt mit der Proklamierung des verschärften U- Bootkrieges und ihren Folgen. Der Parteivorstand torpediert jetzt unbefümmert um Parteistatut und Parteiinteresse die Organisationen, um sich der Opposition zu entledigen. In Potsdam- Osthavelland wurde mit der Gründung einer Gegenorganisation der Anfang gemacht, in Groß- Berlin wurde die Arbeit fortgesetzt, in Sachsen arbeitet der Landesvorstand stramm nach den von der Berliner Zentrale ausgehenden Befehlen und bald wird man aus anderen Orten des Reiches von ähnlichen„ Klärungs": Maßnahmen hören. Es ist jetzt wahrlich nicht mehr an der Zeit, sich darüber zu entrüsten und zu protestieren. Die Tatsache, daß die führenden Männer der deutschen Sozialdemokratie jetzt den Kriegsgrundsatz:„ C ..Ge= walt geht vor Recht" zur Richtschnur ihres Handelns gemacht haben, muß jetzt fühl und flar in die Rechnung der Opposition eingestellt werden. Der Parteivorstand wird taub sein gegen alle Hinweise auf das Parteistatut, er verfolgt gradlinig sein Ziel, sich eine Gefolgschaft zu sichern, die ihm auf dem kommenden Parteitag und bei der fünftigen Abrechnung von allen Sünden freispricht und ihm seine Posten läßt. Daher jetzt das groß angelegte und planmäßig durchgeführte Kesseltreiben gegen die Opposition, die der Vorstands- und Fraktionsherrlichkeit so gefährlich ist. Die Opposition wird wie ein räudiger Hund aus ihrem eigenen Hause herausgestoßen, sie wird heimatlos gemacht von Leuten, denen die Kriegstonjunktur formale Machtmittel in die Hände gespielt hat, die sie musterhaft anzuwenden verstehen. Die Opposition fann jetzt nicht mehr darauf rechnen, innerhalb des Parteirahmens für ihre ehrliche Ueberzeugung zu wirken. Für sie gibt es und feierlich zu erklären, daß sie das„ Gutachten" nur drei Möglichkeiten: Entweder klein beizugeben des Parteiausschusses anerkennen und die Frattions- und Vorstandspolitik als die alleinseligmachende anerkennen will, oder daß sie sich nach und nach in den Organisationen taltstellen oder hinauswerfen läßt und zerrissen und zerstreut einen aussichtslosen Protestkampf führt, oder aber drittens, daß man nun das tut, wozu sie systematisch durch die Ereignisse hingedrängt wird; daß sie alle die hinausgedrängten und versprengten Kräfte zusam= menfaßt zu einem einheitlichen und geschlossenen Gebilde, in dem der alte proletarische Kampfesgeist der Sozialdemokratie, geläutert und gestählt durch die Kriegslehren und Kriegserfahrungen, lebendig ist. Das einzige Mittel, die Gewaltpolitik und die Berechnungen der gegenwärtigen Machthaber in der sozialdemokratischen Partei zu Wasser zu machen, besteht darin, diese Leute zu Generälen ohne Soldaten zu machen, der deutschen Arbeiterschaft die Augen zu öffnen über die wahre Natur dieser Voltsmänner, ihre Kriegspolitik und ihre Pläne für die kommende Friedenszeit aufzudecken. und damit die Massen von ihren Fahnen fernzuhalten. Eine Auseinandersetzung auf ehrlichdemokratischem Wege macht der Parteivorstand durch die Gründung seiner Gegenorganisationen auf der einen und durch die Verdrängung der oppositionellen Genossen aus den Organisationen, deren Leitungen ihm noch ergeben sind, auf der Es gibt jetzt gar andern Seite unmöglich. feinen anderen Weg, die sozialdemokratische Be wegung Deutschlands aus dem Kriegssumpfe herauszuführen und den Arbeitern das Vertrauen zum Sozialismus und zur Demokratie zu erhalten und einzuflößen, als durch Zusammenschweißung der Opposition zu politischer und organisatorischer Aktionsfähigkeit. Wir müssen uns darüber klar sein, daß wir jetzt über das Stadium der Auseinandersetzungen über Parteirecht und Parteistatut hinausgekommen. sind. Die Berufung auf diese Dinge macht den Parteivorstand in seinem falt- entschlossenen Handeln nicht irre. Er gründet ruhig weiter seine neuen Wahlvereine, maßregelt drauflos, schwingt die Hungerpeitsche und kann sogar die Mauern des Zuchthauses mit in die Kalkulationen seiner Gewaltpolitik einbeziehen. Alle diese Dinge sind wohl von hervorragend agitatorischem Werte für die Opposition und es ist nur zu wünschen, daß sie recht gründlich ausgenutzt werden, aber damit allein ist die politische und organisatorische Aufgabe der Opposition nicht gelöst. Gerade die Tatsache, daß der Weltkrieg in diesen Tagen in seine blutigste und erbittertſte Periode eingetreten ist, daß der Kriegsbrand auch in Länder herüberzulodern droht, die bisher neutral waren, zwingt die sozialdemokratische Opposition, der Auseinandersetzung mit den Regierungssozialisten und Sozialimperialisten ein politisches Gepräge zu geben und dabei höhere Gesichtspunkte walten zu lassen, als das in der Beschränfung auf den inneren Parteizant möglich ist. Gerade in diesen Tagen muß der Arbeiterschaft tlar und deutlich gezeigt werden, daß die Vertreter der Opposition nicht eine Bande verbissener Nörgler und verbohrter Rechthaber sind, sondern daß sie ihre sozialdemokratische Ueberzeugung auch in einer Organisation zu vertreten gewillt sind, die zu schaffen nach dem Vorgehen des Parteivorstandes nicht allein ein Gebot der Selbsterhaltung, sondern auch eine politische Demonstration ist, deren Fernwirkung nicht unterschätzt werden darf. Und wenn auch der Druck der Mächte des Belagerungszustandes in dieser neuen Kriegsphase schwerer denn je auf uns lastet, wenn wir jetzt auch nicht unsere letzten Argumente ins Feld führen können, so viel steht fest: die feste organisatorische Zusammenfassung aller oppositionellen Elemente der deutschen Sozialdemokratie wird auf die sozialistischen Minderheiten und die kriegsfeindlichen Kreise des Auslandes nicht ohne Wirfung bleiben. Aber noch ein anderer politischer Grund zwingt die Opposition, den Trennungsschnitt des Parteivorstandes als eine unabänderliche Kriegserklärung hinzunehmen und daraus auch organi satorisch ihre Konsequenzen zu ziehen. Die politischen Drahtzieher und Scharfmacher, die den Parteivorstand aufpeitschen und vorwärtstreiben, sind eifrig am Wert, die gewaltsame Spaltung zur Festlegung der Partei auf eine imperialistische Politik auszunutzen. Und da das mit den organisatorischen Sonderinteressen des Parteivorstandes zusammenfällt, wird die Sozialdemokratie nach Hinausdrängung der Opposition eine Partei sein, die wohl noch den alten Namen führt, aber von politischen Zielen und Organisationsgrundsätzen alles über Bord geworfen hat, was bis zum 4. August den Arbeitermassen gläubiges Vertrauen zur Sozialdemokratie einflößte. Es ist der Gipfel der inneren Unwahrhaftigkeit der Vorstandspolitiker und ihrer Trabanten, wenn sie in ihren Spaltungsufasen und in den Aufrufen zur Gründung ihrer Gegenorganisationen behaupten, sie 2 | seien die Vertreter der alten Sozialdemokratie, sie wollten den Kampf gegen die Gegner führen, sie seien die allein zuverlässigen Führer für die kommenden Kämpfe. Und genau so unehrlich ist es, wenn der Vorstands- ,, Vorwärts" in derselben Nummer, in der er über den Hinauswurf der Opposition in Sachsen berichtet, in Sperrdruck den Grundsatz verkündet:„ Kein Mensch ist gehindert, in der sozialdemokratischen Partei das zu vertreten, was er für die richtige sozialistische Politik hält." Nein, die richtige sozialistische Politik", der jetzt durch die Spaltungsmaßnahmen freie Bahn geschaffen werden soll, hat mit den politischen Aufgaben der Sozialdemokratie nur noch den heuchlerisch gemißbrauchten Namen gemein. Worin diese richtige" Politik besteht, das wissen unsere Leser aus den Aeußerungen des Sozialimperialisten Lensch, mit erfreulicher Deutlichkeit hat das aber der Abgeordnete Cohen in der letzten Nummer der„ Sozialistischen Monatshefte" ausgeplaudert. Herr Cohen begrüßt da gleich Lensch das„ befreiende" Vorgehen des Parteivorstandes und erwartet davon eine„ mitſchaffende und aufbauende Gegenwartspolitik". Und worin soll diese Politik bestehen? Unter Anrufung des ,, echten Marrschen Geistes" wird da verlangt, daß die Arbeiter sich zu den„, Staatsnotwendigkeiten der europäischen Großmacht Deutschland" bekennen sollen. Diese Staatsnotwendigkeiten schließen in sich ohne weiteres die Zustimmung zu allen Rüstungsforderungen und zur grundsätzlichen Annahme des Budgets, sie schließen in sich den Willen zur Machtpolitik und das Eintreten für ein großes und mächtiges Kolonialreich. All das aber soll erreicht werden dadurch, daß die Sozialdemokratie sich mit den andern bürgerlichen und kapitalistischen Parteien zusammentut und mit ihnen eine Arbeitsgemeinschaft bildet. Es ist uns hier nicht möglich, die Konsequenzen dieses politischen Programms in allen Einzelheiten zu entwickeln und ihre Wirkungen auf das Los der Arbeiterklasse und die Forderungen der Demokratie und des Sozialismus aufzudecken. Auf dieses Programm soll aber die gereinigte und neuorientierte Sozialdemokratie festgelegt werden und die Spaltung und der Hinauswurf der Opposition soll den Weg dazu ebnen. Man sage nicht, daß das die Stimme eines einzelnen sei. Cohen konstatiert ausdrücklich und mit Recht, daß das die folgerichtige Fortsetzung der Politik des 4. August sei und er bemerkt mit Genugtuung, daß damit der endgültige Sieg der Anschauungen zu verzeichnen ist, die seit Jahren in den„ Sozia| listischen Monatsheften" vertreten wurden. Und da die Gewerkschaftsführer sich unzählige Male zu der Politik des 4. August und ihrer Fortführung bekannt haben und zur Genüge feststeht, daß der Parteivorstand nur der politische Kommis dieser Gewerkschaftsführer ist, so handelt es sich bei dem imperialistischen Programm Cohens nicht um die Schreibübung irgendeines Beliebigen, sondern um die klar umschriebenen Richtlinien, die in Zukunft für die Partei, die sich die Sozialdemokratische Partei Deutschlands nennt, aus - 3. schlaggebend sein sollen. Der Parteivorstand hat sich diese Richtlinien zu eigen gemacht, wie er bisher auch stets die Scharfmachereien, die aus Chemniz, Stuttgart, Hamburg usw. an seine Adresse gelangten, oder die ihm ein Heine, Lensch u. a. vorsetzten, nach mancherlei Winkelzügen mit Unterstützung des Parteiausschusses stets in die Tat umgesetzt hat. Mit einer Partei, die sich solche politische Ziele steckt, kann die Opposition, deren wichtigster Grundsatz der von wirklich Marrschem Geiste ge= tragene Satz ist:„ Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das Werk der Arbeiterklasse selbst sein", nichts mehr gemein haben, weder politisch, noch nach dem neuesten Vorgehen des Parteivorstandes auch organisatorisch. Das Bekenntnis zu dem alten Parteiprogramm und zu den durch feine imperialistischen Wahngebilde getrübten Grundsätzen des Sozialismus und der Demokratie fann ihr fein Parteivorstand rauben, diesem Erbgut eine neue Stätte zu bereiten, ist jetzt ihre nächste Pflicht. Die Opposition kann den Parteivorstand mit seinen Anhängern ruhig in dem alten entvölkerten und zersprengten Parteigebäude allein lassen. Uneingeschränkte Anerkennung hat er nur bei denen gefunden, die bisher die erbittertsten Gegner der Sozialdemokratie waren. Konnte ihm doch u. a. die alldeutsche„ Tägliche Rundschau" mit Genugtuung attestieren, daß seine ,, Klärungs" arbeit in Berlin nur die Erfüllung einer Lebensnotwendigkeit" darstelle, die dieses alldeutsche tapitalistische Blatt schon seit Jahren immer wieder dargetan habe. Als Siegespreis im Kampfe gegen die Opposition trägt also der Parteivorstand die Anerkennung der einstigen Gegner von rechts davon. An uns ist es jetzt, zu zeigen, daß die alte, sturmerprobte Sozialdemotratie nicht erdrosselt ist, sondern auch in einem neuen Gewande den Kampf weiterführen kann. Die Forderung des Tages aber ist- und hiermit dienen wir dem Vorstands- ,, Vorwärts" mit den gleichen Worten, mit denen er seinen letzten Sonntagsartikel die„ Klärung" in Berlin begrüßt:„ Den Führern der Parteizerstörung muß die Erkenntnis beigebracht werden, daß sie die Massen nicht hinter sich haben!" Aus den Wahlkreisen. Im zweiten Wahlkreise nahm eine GeneralVersammlung am Sonntag, den 4. Februar Stellung zu den neuesten Vorgängen in der Partei. Der Abgeordnete des Kreises hatte den Wunsch ausgesprochen, noch einmal vor den Mitgliedern seinen Standpunti darlegen zu können. Dem sollte auch Rechnung getragen werden, durch Zubilligung eines Korreferats an Fischer. In letter Stunde muß sich F. aber besonnen haben, denn er kam nicht. Es erschien an dem Tage, an dem die Versammlung stattfinden sollte, im " Vorwärts" eine Notiz, in der es hieß, irrtümlich" sei bekanntgegeben worden, Fischer solle in der Wahlvereinsversammlung reden; die Genossen, die zum Parteivorstand hielten, sollten sich vielmehr in der Linden straße 3 versammeln, um einen neuen Wahlverein zu gründen. Das ist denn auch geschehen. Otto Braun vom P.-V. hielt in seinem Jargon ein Referat und dann wurde der neue Wahlverein aus der Taufe gehoben, mit all den Diskutierklublern, die man aufgetrieben hatte. Bemerkenswert ist, daß der Raffierer fierer gewählt wurde, und der nun sich weigert, dem des Wahlvereins, Gustav Schmidt, zugleich als Raseigentlichen Wahlverein die Materialien herauszugeben, was bei Schmidt nicht zu verwundern war. Die Genossen des 2. Kreises haben ihre Gneralversammlung abgehalten und im Sinne der Opposition ihre Beschüsse gefaßt, die fest und unerschütterlich auf unferer festgewurzelten Ueberzeugung beruhen. Die Genossen des 4. Kreises haben folgende Resolution beschlossen: " Die am 29. Januar 1917 tagende Kreisfonferenz für sämtliche Funktionäre und Delegierte des 4. Berliner Reichstagswahlkreises erflärt: Das Vorgehen des Parteiausschusses und des Parteivorstandes ist ein Bersuch, die Partei im Interesse der Angestellten und Durchhalter zu sprengen. Der Parteivorstand will da mit erreichen, die Mitglieder der Opposition, welche die Aufrechterhaltung der Grundsäße und Kongreßbeschlüsse verlangen, sich vom Halse zu schaffen Das Vorgehen des Parteivorstandes und seiner Helfershelfer ist nicht nur statutenwidrig, sondern ein brutaler Rechts und Vertrauensbruch. Die Anwesen den fordern alle die in Deutschland auf den Boden der Opposition stehenden Genossen und Organisationen auf, innerhalb der Organisation, den sich von der fozialdemokratischen Partei immer mehr entfremdenden Maste vom Gesicht zu reißen, die Genossen aufzufliren Parteivorstand und seinen willfährigen Instanzen, die und die alte revolutionäre Sozialdemokratie, nur allein die Welt erlösen kann, zu erhalten und trotzdem zum Siege zu führen. welche Ferner stellten sich die Anwesenden auf dem Standpunkt der sozialdemokratischen Landtagsfraktion( alte Richtung), und forderten die Genossen auf, die imperialistische Fraktion Hirsch, Braun, Harnisch und Genoffen, die fein Recht mehr haben, im Namen der Sozialdemokratie zu sprechen, nicht mehr anzuerkennen und fie rücksichtslos zu bekämpfen." Die Generalversammlung des 6. Kreises tagte am 2. Februar in den Pharussälen. Sie war von 425 Delegierten besucht. Nach einem Referat des Genossen Ledebour wurde in der sich ani.hließenden Diskussion das Einverständnis mit den Beschlüssen des Zentralvorstandes ausgesprochen. Ein Redner begrümSete eine Resolution, die den Abbruch der Beziehungen zum P.-V. und die Einberufung eines eigenen Karteitages mit dem Ziel der Neufonstitutierung der Vartei forderte. Aus verschiedenen Gründen wurde oicic Resolution abgelehnt. Ausdrücklich wurde aber einer Ertärung zugeftimurt, nach der die Genoffen sich mit der Einberufung und den Beschlüssen der Oppositionsfonferenz einverstanden erflären. Gebrandmarkt wurde die partei- und organisationszerstörende Tätigkeit des P.-V. und seiner Helfershelfer sowie die Komödie Ernst- P.- V. Der Vorsitzende schloß die Versammlung unter allgemeiner Zustimmung mit der Versicheruna: Wir bleiben, was wir waren, wir bleiben. was wir find: internationale Sozialdemokraten, und werden uns in nichts in unserer Ueberzeugung irre machen lassen. Aus Friedrichshagen wird uns berichtet: In unserer letzten Mitgliederversammlung wurde der Bericht von der letzten Kreistonferenz entgegengenom men. Dann folgten Ergänzungswahlen zum Vorstand. Auch hier ist der Kampf zwischen den Anhängern der Politik des 4. August und der Opposition entbrannt. Bisher hielten die ersteren im Vorstand die Mehrheit. An Stelle des Schriftführers, der seinen Pesten niedergelegt, und an Stelle des Kassierers, der eingezogen ist, wurden der Genosse Wiedemann als Rallicrer und Gen. Nawrocki als Schriftführer, beite Anhänger der Opposition, mit großer Mehrheit gewählt. Genoffe Nawrodi erstattete sodann den Bericht von der Reichskonferenz der Opposition. Er berichtete über die Ergebnisse der Tagung und gab die gefaßten Refolutionen bekannt, die darin gipfelten, bekannt, die darin gipfelten, daß sich die Opposition im ganzen Reiche zum Kampf gegen das arteiterverräterische Triben, und gegen die unter dem Schute des Belagerungszustandes betriebene brutale Gewaltpolitik des Parteivorstandes und der gesamten Mehrheitsflide zusammenschließen soll. Er fordert die Genoisen auf, überall im Sinne dieser Beschlüsse zu wirfen. Es entspann sich eine turze. Auseinandersetzung beider Richtungen. Nachdem die Genoffin Schwarz auf den Leseabend mit einem Referat der Genossin Zieb aufmertfam gemacht hatte, erging jich der Vorsitzende, Genosse Rösterit in Ermahnungen für die Zukunft. Er erlaubte sich hierbei einige Anwürfe gegen die neugewählten Genossen, die überflüssig waren. Die Anhänger der Opposition werden sich dadurch in ihrem Stampfe gegen die Gewaltpolitit des Parteivorstandes nicht beeinflussen lassen. Der Einbruch in unsere Parteiorganisation. Der vom Parteivorstand proklamierte, von Eugen Ernst als Werkzeug ausgeführte Einbruch in unsere Berliner Parteiorganisation dürfte mit einer recht mageren Beute enden. Im zweiten Streife hatte man vorsichtigerweise die Getreuen nach der Lindenstraße zusammengetrommelt. Ueber diese Zusammenkunst, die wir auch noch an anderer Stelle erwähnen, wird uns geschrieben: Arbeitsgemeinschaft gestellt. Die in der Partei or ganisierten Arbeiter, Angestellten und Gewerbetreibenden sind nicht gewillt, Anhänger einer Sondergruppe zu sein, sondern der gesunde Sinn der Arbeiterbewegung gebietet, nur innerhalb der Gesamtpartei Deutschlands als Mitglieder zu wirken. Das Gebot der Stunde lautet: Jeder entscheide sich, wohin er gehört. Entweder Anhänger der Gesamtpartei zu sein und dadurch Anspruch auf die Grundsäte und Ziele der sozialdemokratischen Parteibewegung zu haben, oder sich abzusondern und als Anhänger der Arbeitsgemeinschaft oder Spartakusgruppe zu gelten. Die Wahl eines wirklichen Sozialdemokraten tann nicht schwer sein. Nur im Rahmen des Organisationsstatuts der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ist die Zugehörigkeit zur Partei gegeben. Nachdem die bisherige Kreisorganisation aus der Gesamtpartei ausgeschieden ist, sind wir gezwungen, dazu Stellung zu nehmen. Die Leser des„ Vorwärts" haben den wahnfinnigen Boykott gegen unser Parteiblatt nicht mitgemacht und die Unterzeichneten versuchen jest, dieselbe Entschlossenheit auch in der Organisationsfrage der Gesamtpartei gegenüber zu befunden. Jeder Leser des Vorwärts muß auch Mitglied der Sozialdemokratischen Partei sein. Nur dadurch werden alle Zersplitterungsversuche unmöglich gemacht, und geschlossen können wir mit den Parteigenossen Deutschlands die schwierigen Aufgaben der Partei lösen helfen. Zur Aufrechterhaltung unserer Organisation für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis laden wir alle Anhänger der Gesamtpartei, die sich mit den Maßnahmen des Parteivorstandes und Parteiausschusses einverstanden erklären, zu einer Versammlung, welche am Mit einem Triumphgeschrei kündet der Vorwärts" am 5, Februar an, daß die Gründung eines Parteivereins im 2. Kreise gelungen ist. Mit vollem Selbstbewußtsein wird verkündet, daß zirka 100 Anwesende zugegen waren. Ein Zufall hatte auch eine Anzahl " Nichtsozialdemokraten" Gelegenheit gegeben, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, welche neben einer Reihe Statisten den Versammlungsraum füllten. Daß die Versammlung für das Durchhalten eintrat, dem Herrn Fischer ihr Vertrauen aussprach, braucht ja nicht betont zu werden. Arbeiter, die ihr täglich Brot unter dem„ Segen" des Zivildienstgeseßes erwerben müssen, sah man sehr wenig. Interessant ist die Bemerkung im Vorwärts, daß sich viele nach der Lühowstraße verlaufen hatten. Vielleicht waren auch die Genoffinnen es waren nicht zehn anwesend ver Mit Parteigruß! hindert, an der Versammlung teilzunehmen, da sie nach Startoffeln, Stohlrüben oder Brot stehen mußten. Jeden falls hätte ich zu bemängeln, daß man dem KriegsErnährungsamt keine Huldigung darbrachte. Ein Genosse machte den Vorschlag, mur„ Ergänzungswahlen" vorzunehmen, um zu beweisen, daß sie die„ Alten" seien. Außerdem ist zu beachten, daß der Druckfehlerteufel den Leuten einen Streich gespielt hat. Es heißt zum Schluß des Vorwärtsberichts:„ Mit einem Aufruf zu intensiver Werbetätigkeit schloß der Vorsitzende die in größter Einmütigkeit( soll gewiß heißen:„ Eintönigfeit") verlaufene Versammlung." Dienstag, den 6. Februar 1917, abends 8 Uhr, bei Franke, Badstraße 19 stattfindet, ein, mit dem Ersuchen, nicht nur selbst zu erscheinen, sondern Gesinnungsgenossen mitzubringen. Reichstagsabgeordneter Genosse Schöpflin wird über:„ Die Aufgaben der Sozialdemokratie während und nach dem Striege" sprechen. 3m 6. Kreise sollte am Dienstag, den 6. Februar die Gründung des neuen Wahlvereins vor sich gehen. Eingeladen war durch ein dem„ Vorwärts" beigelegtes Flugblatt, das folgenden Wortlaut hatte: An die Genossen des 6. Berliner Reichstagswahlkreises.. Werte Genossen und Genossinnen! Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands febt vor wichtigen Entscheidungen. Die Wahlkreisorganisation des sechsten Berliner Heichstagswahlkreises ist in ihrer offiziellen Stellungnahme aus dem Rahmen der Gesamtpartei Deutschfands ausgeschieden und hat sich auf den Boden der Durch Einheit und Geschloffenheit zum Ziel! August Battloch, Müllerstr. 160. Hermann Rietz, Buchstr. 5. Heinrich Umlauf, Butlitstr. 17. Baul Schmidt, Schönhauser Allee 57. Frau Busch, Rhinower Str. 2.. Th. Fischer, Seelower Str. 3. G. Fuchs, Weddingstr. 5. W. Goldschmidt, Stolpische Str. 36. K. Heine, Kolberger Str. 14. G. Hoffmann, Swinemünder Str. 47. A. Höppner, Veteranenstr. 26. K. Jänichen, Drontheimer Str. 25. R. Klose, Gleimstr. 19. H. Kressin, Wilhelmshavener Str. 10. O. Lück, Föhrer Str. 9. R. Nürnberg, Göhrener Str. 9. J. Rosenthal, Meßer Str. 19. Frau Schmit, Bornholmer Str. 90. F. Seelbinder, Rhinower Str. 4. A. Schulze, Schönwalder Str. 5. 2. Krasemann, Graunftr. 12. J. Höhnisch, Müllerstr. 34. Wolgast, Wattstr. 9. St. Weiner, Wiclefftr. 23. Witte, Müllerstr. 162a. E. Engel, Müllerstr. 30. Mitgliedsbuch ist vorzuzeigen! Der Inhalt des Flugblattes charakterisiert sich als eine einzige Heihelei der widerlichsten Art. Kennzeichnend find höchstens die Namen der Unterzeichner des 5 Machwerts. Unter unseren Genossen, die von diesem Aufruf Kenntnis erhielten, wirkte die Aufforderung, in unsere alte Organisation einzubrechen und sie in Trüm mer zu schlagen, wie eine Provokation, und sie entschloffen sich, dem dreisten Unterfangen der Patiloch, Umlauf, Riet, Theodor Fischer und Konsorten eine Paroli zu bieten. Gegen 200 Genossen fanden sich am Dienstag abend im Frankeschen Lokal ein. Der Einlaß wurde ihnen verwehrt. Einige, die schon im Saale sich befanden und bekannt waren, wurden wieder hinaus komplimentiert. Und so spielten sich im Vorraum des Saales an der zum Eingang führenden Tür lebhafte Kontroversen zwischen den Arrangeuren des Einbruchs und unseren Genossen ab. Battloch forderte unsere Leute zum Verlassen des Lotals auf, eine Aufforderung, die mit lautem Hohngelächter beantwortet wurde. Das Drängen an der Tür war den Herrschaften beängstigend geworden und so wandten sie sich in ihrer Not an die Polizei um Hilfe. Ein Leutnant mit 7 Schußleuten erschien, aber er mußte dem Ergenossen Battloch erklären, daß er nichts tun könne. Der Vorramm gehöre nicht zum Saal und deshalb könne er unsere Genossen nicht hinausweisen. So nahm denn das Drängen und Würgen unter den Augen der Polizei seinen Fortgang. Die Polizei war anständiger als die neuen Wahlvereinler. Und was bekamen sie da zu hören, nicht zuletzt von unsern Genossinnen. Salonsprache war es wirklich nicht, die da geführt wurde. Die Erbitterung der Genossen und der Genofsinnen stieg, nachdem bekannt geworden war, daß den suchern die Mitgliedsbücher unseres Wahlvereins abgenommen wurden. Leute, mit einem Funken Ehr gefühl wären vor Scham vor all den„ Liebenswürdigfeiten", die ihnen da gesagt worden sind, in die Erde gefunken. Aber nichts von alledem. Die Scham ift zu den Hunden entflohen. Inzwischen war es 9 Uhr geworden und wenn drinnen im Saale nicht begonnen wurde, bestand die Gefahr, daß die Polizei Saal und Vorraum geschlossen hätte. Man begann deshalb die Versammlung in aller Eile. Das Referat ließ man ausfallen. Einer sagte sein Sprüchlein her und man wollte sofort konstituieren. Da meldete sich ein fleines Kerlchen zum Wort und zur Ueberraschung der Arrangeure entpuppte fich der Redner als ein Anhänger der Opposition. Er las der Gesellschaft gehörig die Leviten. Man wollte aber schnell handeln", denn immer noch wogte an der Eingangstür der Kampf. So ernannte man schnell den Vorstand, um ebenso schnell die Versammlung zu schließen. Bei der Abstimmung zeigte sich, daß von den 57 im ganzen anwesenden .Personen 8 gegen die Vorschläge stimmten, einige enthielten sich der Stimme. Was übrig blieb, bestand aus Spediteuren, Gewerkschafts- und Krankenkassenangestellten und einigen Frauen derselben. Ein täglicheres Resultat dieser ganzen Aftion in einem Riesenwahltreis, wie im 6., ist wohl kaum denkbar. Gönnen wir ihnen noch einige Dußend Angestellte. Mit dieser " Maffe" werden die Schleppenträger der Politik des Parteivorstandes teine großen Geschäfte machen können. Eines aber hat der erste Auftakt im 6. Kreise gelehrt. Unsere Genossen haben den Beweis geliefert, daß sie nicht mit sich spaßen und daß sie mit ihrer Sache und ihrer Organisation nicht frebelhaftes Spiel treiben lassen und fest entschlossen sind, allen Zer störungsversuchen entgegenzutreten. Es war erfreulich, zu sehen, mit welcher Treue unsere Genoffinnen und unsere Genossen an ihrer Organisation hängen. Sie werden es auch in Zukunft nicht zugeben, daß mit ihnen Schindluderei getrieben wird. Es hieße geradezu, den Namen eines Wilhelm Liebknecht schänden, der lange Jahre Vertreter des 6. Kreises war, eines Wannes, der auf dem Boden des Klaffenkampfes stand und der ein internationaler Sozialist war, wie faum ein anderer, am allerwenigsten derjenigen, die heute.im Parteivorstand das Szepter führen. Bur Proklamation des Parteivorstandes. Nachdem der Parteiausschuß sein Gutachten er stattet und der Parteivorstand jeine Proflamation:„ An die Partei!" hinausgesandt hat, gehen die Parteivorstandsanhänger im Reiche an die Arbeit". Die sozialdemokratischen Abgeordneten für Schle sien und die, die es noch werden wollen, nämlich die Reichstagstand.daten, in Gemeinschaft mit den vier Bezirtsleitungen erlassen einen gesonderten Aufruf gegen die Parteizerstörer, der mit folgenden hochtönenden Worten schließt: " Wir geben nichts auf von den großen Sielen des Sozialismus und der Demokratie, aber wir stehen an der Seite des Volles in den Tagen der Not, bis endlich der ersehnte Frieden kommt! Ent scheide fich jeder, wohin er gehen will und dann: Auf, Sozialisten, schließt die Reihen!" Wir geben nichts auf von den großen Zielen des Sozialismus und der Demokratie!" Man traut seinen Augen taum, ob der Unehrlichkeit, die in diesen Wor ten liegt. Als ob sie nicht schon längst feine Geme schaft mehr hätten mit Sozialismus und Demckcatie. Das unterschreiben natürlich Leute wie Hermann Müller vom Parteivorstand und Bauer von der Generalfommission. Bernstein hat nicht unterschrieben. Der Bezirksvorstand für Nordbayern erfäßt einen Aufruf an die Genofsinnen und Ge noffen, in der er die herzliche und dringende Mahnung ausspricht, an der Einheit der Partei nicht zu rütteln. Es solle niemand eine im Rahmen unserer Parteianschauungen mögliche Abweichung von den in der Partei herrschenden Auffassungen" verübelt werden. „ Aber im Geiste der in Nürnberg gefaßten Beschlüsse wollen wir alle darüber wachen, daß die Einheit der Organisation aufrecht erhalten werde, daß Sonderorga nisationen von uns verurteilt werden." Deshalb ergeht an alle Genossen und Genossinen in Nordbayern unsere Bitte, feinen Stein aus unserer fturmerprobten Organisation auszubrechen, sie unver segrt, einheitlich und geschlossen zu erhalten und gegen jeden Versuch zu wirken, der eine Sonderorganisation anbahnen soll. Wir gehen schweren Zeiten entgegen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen werden einer einheitlichen und kraftvollen Organisation in Zukunft noch mehr bedürfen, als in der Vergangenheit. Deshalb mahnen und warnen und bitten wir die Parteigenossen und Genossinnen, an der Einheit unserer Organisation in Nordbayern nicht einmal einen Zweifel aufkommen zu lassen." Wissen denn die Genossen in Nordbayern nicht, daß der Parteivorstand schon längst Sonderorganifationen gegründet und an der Zerstönmg der Partei planmäßig gearbeitet hat. Und was das Wichtigste ist, daß durch die vom P.-V. geübte Politik der Rahmen einer sozialdemokratischen Partei längst verlassen wor den ist. In Sachsen erlassen verschiedene Vorstände von Reichstagswahlkreisen ähnliche im Sinne des Parteivorstandsaufrufs gehaltene Aufrufe. In Dresden hat mm zunächst die Funktionäre der Gewerkschaften mobil gemacht, um die Genossen Fleißner und Schulze aus dem Landesvorstand - 6 hinauszuwerfen. Ein Gewerkschaftsfunktionär warnte vor diesem Schritte; die Opposition hätte unter den Arbeitern mehr Anhänger, als viele vermuteten. Fleiß ner ist inzwischen als Vorsitzender der Kleinen Zen trale abgejägt worden. Die Landesorganisation in Sachsen st durch den Landesvorstand gesprengt worden. Der Landessekretär hatte zum 3. Februar eine außerordentfich Zusammenkunft der sächsischen Partei nach Dres den einberu, en. In dem E.nladungsschreiben war gesagt, daß nur die Teilnehmer eingeladen sind, die auf dem Boden der Einheit der Partei stehen. Es werde anheimgestellt, auf eine Teilnahme zu verzichten, wenn die Teilnehmer auf dem Boden der Beschlüsse der Oppositionstonferenz stehen. Alle Bezirksvorstände waren erschienen. Sindermann, der Verfertiger der Resolution des Parteiausschusses, verlangte von den Teilnehmern eine Erlärung, wie sie sich zu den Beschlüssen der Oppositionskonferenz stellen. Dem wurde widersprochen, da Sindermann hierzu nach den Bestimmungen der Schließlich Landesorganisation gar kein Recht habe. verließ Sindermann mit seinen Anhängern die Situng und setzte sie in einem anderen Zimmer fort, um nun allein die Führung der Gesch ifte an sich zu reißen und die ihm nicht genehmen Vertreter auszuschalten. Damit ist die Landesorganisation in Sachsen gesprengt, durch den Landesvorstand selbst. Die Genossen des 13. sachsischen Reichstagswahlkr i es nahmen in die sich zur Opposition bekennen, durch die Abhaltung der Konferenz vom 7. Januar d. J. eine mit Ausschluß aus der Partei zu bestrafende Handlung begangen haben, steht nur dem ordentlichen Parteitag zu. Niemals fönnen die Instanzen( Parteiausschuß und Vorstand) Ankläger und Richter in einer Person sein. Jeder einzelne Parteigenosse hat das Recht, ja die Pflicht, im Sinne des Parteiprogramms, der nationalen und internationalen Kongreßbeschlüsse zu wirken und für ihre Durchführung Sorge zu tragen. Die Konferenz beauftragt die Parteiinstanzen, im Bezirke, Sonderorganisationen, die mit unserem Organisationsstatut im Widerspruch stehen, auf das schärfste zu bekämpfen und streng nach dem Organifationsstatut zu verfahren. Eine Rücksicht, ob solche Sonderorganisationen sich zur Mehrheit oder Minderheitspolitik bekennen, darf nicht genommen werden, solange das gegenwärtige Organisationsstatut Gült gfeit hat. Die Konferenz betrachtet es als höchste Pilicht der Parteigenossen, jedwede Versuche, unsere Arbeiterbewegung durch Spaltung zu schwächen und zu zerstören, zu bekämpfen. Sie erwartet dabei die vo le Unterstüßung aller organisierten Parteigenossen, gleichfalls aber auch eine ununterbrochene Werbearbeit für die Partei. Schließlich erklärt die Konferenz: Jeder, der sich zur Sozialdemokratie bekennt, aber gegenwärtig seine Partei verläßt, weil ihm dis oder das nicht gef Ilt, einer Versammlung am 4. Februar zu dieser Sprengung schadet sich selbst und seinen Klaſſengenossen. Denn nie Stellung und beschlossen: „ Nach dem Landesstatut der Sozialdemokratischen Partei Sachsens sind die einzelnen Bezirke begrenzt und wählen die Kreisorganisationen die Mitglieder der Bezirksvorstände. Dem Landesvorstand steht ein Einfluß auf die Wahl und die Zusammensehung der Bezirksvorstände nicht zu. Die Mitglieder des Landesvorstandes werden von der Landesversammlung gewählt und steht nur dieser ein Recht zu, Mitglieder des Landesvorstandes ihres Amtes zu en heben. Nach dem Organisationsstatut der Partei sind die Barteimitglieder nur verpflichtet, die Beschlüsse ihrer Parteiorganisation( Kreis- oder Ortsvereine) und der Parteitage zu beachten und nur wegen beharrlicher Zuwiderhandlung deren Beschlüsse dieser Organisationen fann das Ausschlußverfahren gegen Parteimitglieder eingeleitet werden. Beschlüsse der Reichstagsfraktion und des Parteiausschusses haben für die Parte mitglieder feine bindende Kraft. Wir weisen deshalb die wiederholten Versuche des Parteivorstandes und des Par'eiausschusses, fich Rechte anzumaßen, die nur dem Parteitag zu stehen und die Gefamtpartei auf die Fraktionspolitik vom 4. August 1914 festzulegen, sowie die Helferdienste des Landesvorstandes in dieser Richtung entschieden zurück. Die Fraktionsvolitit steht im unüberbrückbaren Gegensatz zu der bisherigen Auffassung der Sozialdemokratie und ihren Kongreßbeschlüssen. Die Mitgliederversammluna nimmt für sich das Recht in Anspruch, diese Fraktionspolitik als unfozialistisch zu befämpfen und verpflichtet sich mit allen Kräften, die Partei auf den Boden sozialdemokratischer Grundsätze gemäß dem Parteiprogramm zurückzuführen." Am Sonntag, den 28. Januar, find in Erfurt eine vom Bezirksvorstand der sozialdemokratischen Organisation für den Regierungsbezirk Er furt einberufene Konferenz mit den Kreisvorständen Redakteuren der Parteipresse stitt, in der nach crfolgter Aussprache über die gegenwärtigen Verhältnisse in der Partei folgende Entschließung gefaßt wurde: Der Beschluß, den am 18. Januar d. J. der Parteiaus chuß gefakt hat und die durch den Partei vorstand dazu veröffentlichte Erläuterung( Ausruf) fehen mit unserem Parteioraanisationsstatut und mit der bisher in der Partei geübten Praris im Widerspruch und entbehren daher jeder recht lichen Grundlag c. Die Entscheidung über die Frage, ob die Genossen, war eine starke Organisation nötiger denn jezt, darum hinein in die Organisation. des Die Bezirksleitung Nieder rheins faßte zu den Parteiwirren folgende Beschlüsse: Die Bezirksleitung des Niederrheins lehnt es ab, die in der Resolution des Parteiausschusses un'er illigung des Parteivorstandes geforderten organisatorisch n Schritte zur Maßregelung von oppositionell gesinn en Parteimitgliedern oder Parteiorg nisationen einzuleiten. Sie beharrt auf dem Boden der Parteieinheit, deren Aufrechterhaltung ihr auch in diesem Augenblick möglich und notwendig erscheint. Sie spricht sich für gegenseitige Duldung und für Meinungsfreiheit in der Partei aus, zugleich erlär.nd, daß sie in der parlamentaris hen Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft und ihrer Anhänger unter den Umständen, die der Krieg schafft, feinen Verstoß gegen die Grundsätze der Partei oder ihre Organisation erblickt. Sie bestreitet dem Parteivorstande, dem Parteiausschuß oder anderen Parteiförperschaften außer dem Parteitage das Recht, Parteimitglieder oder Parteiorganisationen aus der Partei zu weisen oder als außerhalb der Partei stehend zu erklären. Sie fordert die Parteigenossen und Parteigenossinnen des Bezirks auf, den Bruderkampf zu vermeiden und für die Hochhaltung der sozialistischen Grundsäte und die Ausbreitung der Partei nach Kräften zu wirken. In der Sitzung des Partei ausschusses vom 18. Januar hat nach dem ausführlichen Bericht des Parteiverstandes, der Bezirkssekretär Genosse Haberland behauptet: " Die Trennung der Partei ist durch die Oppo sition bereits durchgeführt, das tönne er aus seiner niederrheinischen Erfahrung nur bestätigen. Er als Bezirkssekretär sei dort vollkommen ausgeschaltet, weil er zur Fraktionsmehrheit gehöre." Die Bezirksleitung des Niederrheins erklärt dazu, daß diese Behauptungen falsch sind. Weder ist die Trennung der Partei durch die Opposition am Niederrhein durchgeführt, noch ist Genoffe Haberland ausgeschaltet, weil er zur Fraktionsmehrheit gehört; er versieht vielmehr alle Geschäfte eines Bezirkssekretärs in ständigem Zusammenwirken mit geschäftsführendem Ausschuß und gesamter Bezirks leitung. Die Ausführungen des Genossen Haberland im Bariciausschuß fönnen, als gegen die Parteieinheit verstoßend, nur bedauert werden. Wie se lügen. Es ist ein Trauerspiel, sehen zu müssen, wie die Parteivorstandstruppe mit den Mitteln der Entstellung und der Lüge ihren Kampf führt. Sie fann aber nicht anders, sachliche Gründe stehen den Leuten nicht zur Verfügung, sonst würden sie nicht zu dieser niedrigen Kampfesweise greifen. Für heute nur zwei Beispiele. In dem Schreiben von Eugen Ernst an den Parteivorstand steht unter anderem folgender Saz zu lesen: ,, Besonders hinweisen wollen wir noch auf die von den Organisationen zwar nicht beschlossene, von deren Leitung aber tatsächlich geübte Beitragssperre gegen den Parteivorstand. Sie steht im Widerspruch zu den Bestimmungen des Organisationsstatuts und erfolgt, obwohl verschiedene Berliner Wahlvereine über nicht unerhebliche Mittel verfügen. Sehr bezeichnend hierfür ist die Erklärung, welche der zweite Vorsitzende Groß- Berlins, Karl Leid, im sechsten Wahlkreis abgab, als ein Redner die Beitragssperre forderte: So etwas tut man, aber sagt es nicht!" Diese Behauptung Ernsts ist vollständig aus den Fingern gesogen. Genosse Leid nach dem Schreiben von Ernst ist er nicht mehr Genosse hat die Beitragssperre stets als ein ganz ungeeignetes Mittel bekämpft. Das muß Ernst wissen, weiß es auch. Denn in den von ihm herausgegebenen, von Emil Boeske firmierten„ GroßBerliner Mitteilungen" war vor kurzem zu lesen, daß Genosse Leid die von Ernst zitierte Aeußerung getan haben soll in Beziehung zu der von einem Genossen in der Kreiskonferenz des 6. Wahlkreises gemachten kritischen Bemerkung über den in der Verbandsgeneralversammlung abgelehnten Antrag Luxemburg, der einen Zusammenschluß der oppositionellen Genossen im Reiche forderte. Das ficht aber Eugen Ernst nicht an, er schreibt frisch drauf los nach dem Rezept: Jsts auch nicht wahr, so brauche ich das doch zu meinem Zwecke. * Schwindel Nr. 2. Die letzte Nummer der„ Groß- Berliner Mitteilungen" erzählen im Schinderhannesstil folgende Geschichte. Geben wir sie im Wortlaut wieder, damit sie unsere Leser in ihrer ganzen tracht genießen können. Sie lautet: ,, Nach Golde drängt, am Gelde hängt Doch alles! Ach wir Armen!" NiederAch wir Armen," flagt mit Gretchen die Geschäftsleitung der Partei der Arbeitsgemeinschaft in Berlin. Sie hat Grund dazu, denn die Ebbe in ihren Kassen ist chronisch geworden. Langsam sind sie fast völlig aufs Trockene geraten. Die Hauptsache ist Geld in die Hände zu bekommen," diese Parole quält sie fortgesetzt. Aber wo hernehmen und nicht stehlen? Da plötzlich scheint das Glück ihnen hold zu sein. Es läuft von der Diskontobank der Kassen abschluß und Vermögensnachweis der preußi schen Landeskommission ein, deren Kassierer der Genosse Boeste ist. Es war zwar ein Irrtum der Bank und jeder anständige Mensch pflegt Briefe, die nicht für ihn bestimmt sind, der richtigen Adresse zugänglich zu machen. Die Herren aber denken darüber anders. Von solchen Skrupeln sind sie nicht geplagt. Hier war ja endlich eine Gelegenheit, das aufs. Trockene geratene Organisationsschifflein wieder flott zu machen. Und da verfiel man auf ein echtes Gaunerstückchen. Die preußische Landeskommission hat zwar die Genossen Ernst, Boeske und Fischer weiter zu ihrem geschäftsführenden Ausschuß bestimmt. Sie hat es abgelehnt, die Hoffmann und Herbst als ihre Leitung anzuerkennen. Kein Funke einer Beziehung zwischen ihnen und der Kasse der preußischen Landesorganisation besteht. Das ist kein Hindernis. Die Hauptsache ist: Geld her! Wozu haben wir denn den Vermögensnachweis in Händen? sagten die Herren sich. Wir sind ja die Nachfolger von Ernst, Boeske, Fischer in Berlin, was fümmern uns die Be schlüsse der preußischen Organisationsleitung wir heben das Geld auf Grund des Vermögensnachweises und unserer Nachfolgerschaft in Berlin bis auf den letzten Pfennig ab. Wohl ausgesennen, Pater Lamormain, Wär' der Gedant' nicht so verwünscht gescheit, Man wär' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen. Die Verwaltung der Depositenkasse, der man das Ansuchen auf Auszahlung des Geldes stellte, hielt es mit der letzten Version. Sie war nicht dumm genug, auf diesen Gaunertrick hereinzufallen, und so zog man denn betrübten Sinnes wieder ab. ,, Ach wir Armen." Was ist nun Wahrheit? Der Verbandskassierer steht mit der Diskontobank in geschäftlicher Beziehung. Im September schickt der Kassierer durch den Boten Geld zur Bank und stellt nach Rückkehr desselben fest, daß die Bank 100 Mt. als am 26. August abgehoben ins Kontobuch eingetragen hat. Daraufhin begab sich der Kassierer selber zur Bant, um Aufklärung zu erhalten. Dabei stellt sich heraus, daß die 100 Mt. irrtümlich dem Verbandskonto abgeschrieben worden sind, die Abhebung vielmehr auf ein Konto 7731 zu buchen sei. Eine spätere Mitteilung der Bank bezog sich auf die Höhe des Kontos, das mit der Höhe des Verbandskontos nicht im Einklang stand. Daraufhin ist der Verbandskassierer mit einem Zeugen nach der Bank gegangen, wo sich schließlich herausstellte, daß es sich um ein anderes Konto handelt, das auf den Namen Ernst, Boeske, Fischer lief, während das frühere Verbandskonto auf die Namen Boeste, Ernst, Fischer unter Umstellung der Namen geschrieben war. Daß noch ein Konto auf die drei Ramen geführt wurde, war dem Kassierer gänzlich unbekannt. Nach dieser Aufklärung erhielt die Bank die Benachrichtigung ohne weiteres zurück, -8die niemanden etwas nügen kann. Daß der Kassierer versucht haben soll, auf das ihm nicht gehörige Konto Geld abzuheben, ist ein hahnebücherner Schwindel. Jedes Schulkind weiß heute schon, daß Bankgelder nur nach Abgabe der vorgeschriebenen Ramensunterschriften erhoben werden tönnen. Ein Gaunertrid ist lediglich die in den„, Groß- Berliner Mitteilungen" veröffentlichte Notiz. Und solche Leute geben vor, für Recht und Wahrheit zu streiten! Für die Bezirksführer. Bon einem im Felde stehenden Genossen geht uns folgende Mahnung an die Bezirksführer zu: Der in der Nr. 17 des Mitteilungsblattes enthaltene Artikel gibt mir Veranlassung, als langjähriges Mitglied und Funktionär der Partei einiges dazu zw schreiben. Ich habe bis zu meiner Einberufung zum Heeresdienst im Juli 1916 die Funktion als Bezirksführer auch während der Kriegszeit ausgeübt, und weiß deshalb, daß jekt gerade in der Zeit der Krise in der deutschen Sozialdemokratie die Gewandtheit und Umficht der Funktionäre manches verhindern kann, was der Partei schädlich ist. Denn es ist um mal so in unferen Wahlvereinen, daß die Träger der Organisation meist die Funktionäre sind, welche bei allen Gelegenheiten den Mitgliedern gegenüber das Karnickel sein müssen. Aber gerade deshalb sollte jeder Funktion in der jetzigen Zeit den Kopf oben behalten, nm mit Hilfe der noch tätigen Genoffen die Bewegung hochzuhalten, und wenn möglich, die Abtrünnigen vor dem Austritt zu bewahren, denn nichts kann uns mehr schaden, als wenn die Mitglieder infolge der jetzigen imleidigen Berhältnisse der Organisation den Rücken fehren, denn die gemeinsame Aussprache in den Zufammenfünften foll dazu dienen, die Meinungen zu flären. Darum erwarten denn auch die Mitglieder im Felde, daß die Daheimgebliebenen alle Kraft einsehen, um der Vernunft zum Siege zu verhelfen, denn nichts ist unwahrer, als die Behauptung, die Feldgrauen seien Anhänger der von der Fraktionsmehrheit geübten Regierungspolitik. Wir an der Front, die wir stän dig in der Gefahr schweben, unser Leben einzubüßen, erwarten von den Genoffen in der Heimat, daß sie fest und treu unsere Sache führen. Also vorwärts für die Bewegung, damit die Schifflein in der Partei in den richtigen Hafen steuert." Inzwischen hat der Parteivorstand seine Zerstö rungsarbeit der Organisationen fortgefeßt. An unserer Neberzeugung, daß nur der Sozialismus die Welt erlösen fann, wird daran nicht das Mindeste geändert. Sonderorganisation in Ost- Havelland. Im Kreise Ost- Havelland haben sich die Anhänger der Fraktionsmehrheit zu einer Sonderorganisation zu sammengefchloffen. Sie haben einen Sozialdemokratischen Wahlverein für den Wahlkreis Spandau- OstHavelland" gegründet und in einer Resolution die Opposition verdonnert. Der neue Kreisvorstand besteht aus folgenden Personen: 1. Vorsitzender Emil Stahl- Spandau, stellverir. Vorsitzender Auguft Lehmann- Mariis, 1. Kaffierer Wilhelm Pieper- Spandau, 2. Kassierer Robert HeinrichtVelten, als Schriftführer Krumnow- Velten; als Beifiber Fielit- Belten und Linz- Spandau. Zu Revisoren wurden Berkowaty- Rauen, Kroll- Potsdam und See burg- Stremmen, mit dem Mandat als Preßlommissionsmitglieder für die Brandenburger Zeitung" wurden 1719 Finder- Velten, Lehmann- Marwit und Schubert- Potsdam betraut. Die Konferenz beschloß weiter zur Reichstags na chwahl dem von der Opposition aufgestella ten Schriftsteller Dr. F. Mehring einen Arbeiterkandi daten, sog. Mehrheitslandidaten, gegenüberzustellen und wählte einstimmig den Kreisvorsitzenden, Gewerk schaftsangestellten Emil Stahl- Spandau. Die Reichstagswahl in Ost- havelland ist auf den 13. März festgesetzt. Zur Reichstagserfahwahl in Osthavelland wird folgender Aufruf der Vertrauensmänner der konser vativen Partei und des Bundes der Landwirte, veröffentlicht: „ Der Krieg, den England und seine Helfersheljer, der Russe, Franzose und Italiener, uns aufgezwungen haben und den die Feinde mit schmählichen Mitteln führen, ist auf dem Höhepunkt angelangt. Jetzt weiß jeder Deutsche, daß es um nichts weniger als um unsere Ehre und um unser Dasein geht. In dieser, unserer Schicksalsstunde, wollen die tonservativen Männer des Reichstagswahlkreises Potsdam- OsthavellandSpandau bei der bevorstehenden Ersatzwahl zum Reichstage den Burgfrieden wahren und auf die Aufstellung eines konservativen Bewerbers verzichten. Sie bitten jedoch alle Mitbürger und Kreisangehörige, gewissenhaft dafür zu sorgen, daß teine Stimme dem von der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft aufgestellten Schriftsteller Mehring zufällt. Denn die neu entstan dene Partei der sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft hat streitfüchtig den Burgfrieden gebrochen und im Reichstage die Stirn gehabt, die für unser Durchhalten und unseren Sieg erforderlichen Mittel zu verweigern. Darum, Ihr Männer von Potsdam- OfthavellandSpandau, wählt keinesfalls Mehring!" Die Regierungsfozialisten werden also für ihren Kandidaten Suffurs erhalten, ein Zeichen der Zeit! Cine Glanzleistung des VorstandsVorwärts". Ueber die im 7. Berliner Gemeindewahlbezirk stattgefundene Stadtverordneten- Ersatzwahl, bei der Genosse Emil Eichhorn gewählt wurde, veröffentlicht der„ Vorwärts" in seiner Nummer vom Dienstag, den 6. November unter der Ueberschrift:„ Eine selt same Stadtverordnetenwahl folgende Notiz: " Unter dieser Ueberschrift lesen wir in bürgerlichen Blättern: Im vorigen Jahre wurde der fo zialdemokratische Redakteur Emil Eichhorn im 7. Berliner Gemeindewahlbezirk der dritten Abteilung mit rund 300 Stimmen zum Stadtverordneten gewählt. Die Wahl wurde für ungültig erklärt, weil E. nicht die Qualität eines Hausbesikers besaß. Bor acht Tagen fand eine zweite Wahl statt. E., der sich in Schußhaft befindet, teilte mit, daß er den Nießbrauch eines Hauses erworben habe. Bei dieser zweiten Wahl erhielt E. 170 gültige Stim men, alle übrigen haben sich zersplittert oder finb ungültig. Ein Gegenfandidat war nicht aufgestellt. Nunmehr fiellt sich heraus, daß E. gar nicht einmal Nuznießer eines Hauses in Berlin ift. Er foll vielmehr mir Nußnießer des Begräbnisplatzes der Freireligiösen Gemeinde in Berlin sein, deren erster Vorsitzender der Abgeordnete Adolf Hoffmann( Ber( in) ist. Aber auch dies trifft, wie eine Korrespondenz meldet, nicht zu. Im Grundbuch ist ein Redakteur Ernst Eichhorn( Berlin) als Nußnießer des freireligiösen Begräbnisplates an der Pappel allee kürzlich eingetragen, gewählt ist aber Emil Eichhorn. Der Stadtverordnetenversammlung wird nun vermutlich nichts anderes übrig bleiben, als zum zweiten Male diese Wahl für ungültig zu erklären. Die„ Stärke" der Arbeitsgemeinschaftler liegt befanntlich auf dem Gebiete der Doktrin und der ganz hohen Politit. Dabei vermögen die Leutchen nicht mal einer so einfachen Sache, wie der Ordnung einer Stadtverordnetenlandidatur, Herr zu werden." Wie liegt die Sache nun in Wirklichkeit. Das Dreillaffenwahlrecht oder besser unrecht entrechtet die breite Masse der Bevölkerung auf das Schnödefte. Dazu Tommt das Hausbesi berprivileg, wonach die Hälfte der in jeder Klasse zu wählenden Stadtverordneten Hausbesitzer sein müssen. Die Arbeiterklasse leidet unter diesem Hausbesitzerprivileg am schwersten und in vielen Orten, wie früher in Neukölln und Lichtenberg, mußten oft Kandidaten aufgestellt werden, die der Qualität eines Hausbesisers ermangelten. Das war auch bei der ersten Wahl im 7. Gemeindewahlbezirk der Fall. Eichhorn wurde gewählt, seine Wahl aber für ungültig erflärt, weil er nicht Hausbesitzer war. Eine Neuwahl mußte stattfinden. Inzwischen wurde dafür gesorgt, daß Eichhorn den erforderlichen Bedingungen entsprach. Eichhorn wurde auch in der 2. Wahl gewählt. Den Bestimmungen der Städteverordsung hat Eichhorn entsprochen und es beweist nur die Unsinnigkeit des Hausbesißerprivilegs, wenn ihr so enisprochen wurde, wie es geschehen ist. Selbst Leute aus bürgerlichen Lagern erklärten in diesen Tagen, daß das heute noch geltende veraltete Gemeindewahlrecht gar nicht besser ad absurdum geführt werden könnte, als im vorliegenden Falle. Richtig ist, daß der Borname Eichhorns in das Grundbuchregister falsch eingetragen worden ist, anstatt Emil ist Ernst eingriragen worden. Die Schuld hierfür trifft aber niemanden anders als den Grundbuchrichter, von dem die Eintragung bewirkt wird. Es ist sofort die Aenderung diefes Irrtums beantragt worden. Eine weitere Neuwahl dürfte taum stattfinden, es liegt gar kein Grund bor. Sollte sie aber wirklich erfolgen müssen, so hätten die mit der Durchführung der Wahl Beauftragten der Stadt sowie die Genossen nochmals neue Arbeit und Kosten zu tragen, für die einzig und allein der Grundbuchrichter schadenersatzpflichtig gemacht werden kann. Anstatt der„ Vorwärts" die Gelegenheit benützt, erneut die unstunigkeit und Ungerechtigkeit der DreiKlassenwahl in Verbindung mit dem Hausbestherprivileg darzum und einem gerechten Wahlrecht das Wort zu reden, anstatt sich zu wenden gegen die aus diesem Wahlrecht sich ergebenden Entrechtung der der breiten Masse der Bevölkerung, wiselt er über Arbeitsgemeinschaftler, die nicht einmal einer so einfachen Sache, wie die Ordnung einer Stadtverordnetenkandidatur Herr zu werden vermögen." Und so etwas tut noch so, die Interessen der Arbeiterklasse zu vertreten und ihr politische Rechte zu erkämpfen. In seinem blindwütigen Haß gegen Alles, was nicht Parteivorstandsmeinung hat, arbeitet der neue Borwärts" den Gegnern in die Hände, die das alte Wahlrecht aufrechterhalten wollen. Es ist weit gekommen mit dem neuen„ Vorwärts". Bon anderer Seite wird uns mitgeteilt: Der Frrtum des Grundbuchrichters ist bereits richtig gestellt nach den notariellen Originalaften, in welchen richtig Emil Eichhorn eingetragen ist. Was die einfache Sache einer StadtverordnetenKandidatur betrifft, so werden auch die„ Arbeitsgemeinschaftler" derselben leichter Herr werden, sobald sie einen Millionär gefunden haben, der genügend Häuser für Stadtverordnete, die Hausbesitzer sein müssen, baut, und in besonderen Fällen nicht versagt. Ursache und Wirkung. Aus Kiel wird uns geschrieben: In der schleswig- Holsteinischen Volkszeitung, dem Organ für das arbeitende Volt, findet man in Nummer 22 vom 26. Januar folgenden herdlichen Erguß: „ Glücklich bist du zu preisen, Bethmann Hollweg, daß dir Großes zu tun möglich ist. Verstehe die Gunst der Stunde, und greife zu, greife zu und erlöse uns vom Uebel. Tuft dus, so wird dein Name noch von Kindern und Kindestindern gepriesen wer den, als ein neuer St. Georg. Wer das Dreillassenwahlrecht in Preußen beseitigt, leiftet ebensoviel als ein Hindenburg!" So zu lesen in dem sozialdemokratischen" Organ für die Provinz Schleswig- Holstein. Die Leser werden sich entsinnen, daß die Kieler Arbeiterschaft seinerzeit in 5 Bersammlungen gegen eine derartige Schreibweise protestierte, daß ein der Preßkommission über reichter Protest girta 700 Unterschriften auf sich vereinigte. Jeßt hören wir, daß eine Vertrauensmännerbersammlung der Metallarbeiter der Germaniawerft beschlossen hat, in Zukunft die Anzeigen von Versammlungen neben der Volkszeitung auch in der bürgerlichen Presse zu veröffentlichen, denn man könne die Schleswig- Holsteinische Volkszeitumg nicht mehr als das Organ der arbeitenden Klasse betrachten, und feinem zumuten, ein derartige? Organ zu abonnieren. So bebauerlich es ist, daß die Arbeiterschaft es vorzieht, ein bürgerliches Organ zu unterstüßen, so begreiflich ist es. Von einem bürgerlichen Blatt fann man schließlich nicht verlangen, daß es in sozialdemokratischem Sinne schreibt, schillert ein Arbeiterblatt aber in den herrlichsten Farben des Nationalismus, so widert das an. Zweiter Wahlkreis. Parteigenosjinnen und Genossen! Am Sonntag, den 4. d. M., genau zur gleichen Stunde, als wir unsere Generalversammlung abhielten, hat sich in unserem Kreise die„ Klärung" vollzogen, die Eugen Ernst in seinem bekannten Brief an den Parteivorstand als so dringend notwendig hingestellt hatte. Daß unser Kreis als erster dazu auserkoren wurde, liegt jedenfalls daran, daß er zwei solcher Parteigrößen in seiner Mitte birgt wie Rich. Fischer und Eugen Ernst. Parteigenossen! Der Bruch ist vollzogen gegen unseren Willen, vollzogen unter Bedingungen, die man unter Genossen, die ein halbes Menschenalter und zum Teil noch länger Schulter an Schulter miteinander gekämpft, für undenkbar gehalten haben sollte. Der neuen Tatsache gilt es, flar ins Auge zu sehen. Der Bruch, von uns nicht gewollt, ist da. Die Art und Weise, wie man den Raub unseres Eigentums zu bemänteln sucht, erinnert nur allzusehr an die bekannten Strauchritter- und Wegelagererpraktiken, und muß bei jedem nur halbwegs anständig denkenden Menschen ein Gefühl des Ekels hervorrufen, das kaum mehr übertroffen werden kann. Für uns, die wir weiterhin treu zur Fahne des Sozialismus halten, die Parteivorstand und Frattion so schmählich mit Füßen getreten haben, gilt es nun, um so enger sich zusammenzuschließen und nicht zu erlahmen in unseren Bemühungen, uns unsere Mitglieder zu erhalten und neue hinzuzu werben. Wir fürchten die neue Sonderorganisation wahrlich nicht, wollen sie aber auch nicht unterschätzen, und stets wachsam und auf der Hut sein. Die Adresse unseres neuen Kassierers wird auf dem nächsten Zahlabend bekannt gegeben werden. Mit diesem werden unsere Abteilungskassierer alsdann abzurechnen haben. Gustav Schmidt, Gustav Schmidt, Baerwaldstr. 42, ist unser Kassierer nicht mehr. Im übrigen bleibt unsere Organisation unverändert bestehen, bis auf die 5. Abteilung, in der eine Neuregelung notwendig ist und demnächst erfolgen wird. Die Genossen dieser Abteilung wollen sich inzwischen an den nächstgelegenen Veranstaltungen beteiligen. Am Mittwoch, den 14. d. M., halten gemeinsamen Zahlabend: 1. und 2. Abteilung: Victoriabrauerei, LützowStraße 111; 3. Abteilung bei Rathmann, Wilhelmstr. 118; 4. Abteilung bei Schirm, Charlottenstr. 8; 6. Abteilung bei Maaß, Bergmannstr. 97; 7. Abteilung bei Riebke, Plan- Ufer 75/76. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Die österreichischen Genoskinnen für den Frieden. Zu einer eindrucksvollen Rundgebung für den Frieden gestaltete sich die Versammlung Wiener Genossinnen, die am 21. Januar unter dem Vorsitz der Genossinnen Pölzer und Proft im Verbandsheim stattfand. Wohl tausend Frauen waren zusammengekommen, um ernst und feierlich ihren Friedenswillen fundzugeben. Während der Ausführungen der beiden Referentinnen, der Genossinnen Popp und Schlesinger fam es zu stürmischen Rundgebungen, so daß die Rednerinnen innehalten mußten. Mit Begeisterung wurde das Begrüßungsschreiben der Genofsin 3ettin, der internationalen Sekretärin so zialistischer Frauen, aufgenommen, wie das der holländischen Frauen und die Kundgebungen der englischen und irischen Frauen an die englische Regierung. Genossin Popp beantragte, die Kundgebungen der Sozialistinnen des Auslandes mit einem Schreiben zu beantworten und schloß ihre Ausführungen mit einer Aufforderung an die Regierung, alles zu tun, was 10den Frieden näher bringe. Das Schreiben an die sozialistischen Frauen lautet: „ Mit hoher Freude nimmt die am 21. Januar 1917 in Wien tagende Frauenversammlung Kenntnis von dem erhebenden Schreiben der internationalen Sekretärin sozialistischer Frauen aller Länder, ihrer ver ehrten Vorfämpferin Klara Zetkin. Getragen von der Ueberzeugung, daß selbst der grauenvollste aller Kriege, der die entwickelsten Nationen der Erde zum furchtbarsten Brudermord getrieben hat, nicht vermag, die Gefühle der Völkersolidarität zu ertöten, erwidern die in den Frauenversammlungen vereinigten österreichischen Sozialdemokratinnen die durch die internationale Sekretärin übermittelten Grüße der Sozialistinnen aller Länder. Sie geben dem heißen Wunsche Ausdruck, daß es den vereinigten Bemühungen der sozialdemokratischen Frauen in den friegführenden und neutralen Ländern gelingen möge, beizutragen, die Welt auf die Bahn des Friedens zu bringen, um wieder zu gemeinsamer sozialistischer Arbeit für das Wohl der Völker zu gelangen. Mit freudiger Genugtung haben die österreichischen Genossinnen auch das Schreiben der sozialistischen Frauen Hollands empfangen, das in beredten Worten das Streben der Frauen neu traler Länder, zum Frieden zu gelangen, ausdrückt. Herzlichst erwidern die österreichischen Frauen die Grüße der Genossinnen Hollands; mit Freude erfüllt sie auch die Nachricht, daß die sozialistische Frauenliga Eng lands und die Liga irischer Frauen die englische Regierung aufgefordert. haben, das Friedensangebot der Mittelmächte als Anlaß zu Verhandlungen zu nehmen, die zu einem dauernden, ehrenhaften Frieden führen sollen. Die österreichischen Sozialdemokratinnen wollen nichts unterlassen, ihre Regierung aufzufordern, dem betretenen Wege fortzufahren und nach dem mißglückten ersten Versuch beharrlich ausdauernd und wahr haft einen neuen, zum Frieden führenden Weg zu suchen. ad the End 2nd auf Die österreichischen Sozialdemokratinnen bitten die internationale Sekretärin, die Genossinnen aller Länder, der kriegführenden und der neutralen, zu verständigen, daß sie festhalten an den Grundsäßen des internationalen Sozialismus und daß ihre Herzen freigeblieben sind von Völkerhaß und Feindschaft. Ihr höchstes Sehnen geht dahin, den Krieg auf immerdar durch eine unverbrüchliche, nicht zu erschütternde Vereinigung des Proletariats aller Länder zu überwinden. In diesem Sinne grüßen wir die sozialistische Fraueninternationale, wir grüßen ihre Sekretärin Klara Zetfin und stimmen ein in ihren Ruf:" Hoch der Friedens wille der Bölfer!" Aus den Gewerkschaften. Die Hutmacher haben in ihrer am 31. Jan. abgehaltenen Generalversammlung mit Zweidrittelmajorifat beschlossen, den„ Vorwärts" als Publikationsorgan so lange nicht mehr zu benußen, als der Vorwärtskonstift nicht in zufriedenstellender Weise seine Erledigung gefunden hat. Eine Resolution, die den Gewerkschaftsvertretern im Reichstage anläßlich der Beratung des Hilfsdienstgesetzes und deren Stellungnahme ihre Mißbilligung ausspricht, wurde zurück 11 gestellt; eine in nächster Zeit stattfindende Mitgliederversammlung soll sich besonders mit der Sache beschäf tigen. Der„ Vorwärts", der einen Bericht über die Generalversammlung brachte, verschweigt schämig den Beschluß. Die Eisen und Revolverdreher nahmen in einer von zirka 1200 Kollegen besuchten Versammlung Stellung zum Hilfsdienst gesetz. Nach einer an dem Referat des Genossen Dittmann sich anschließenden Diskussion, in der vor allem die Verhältnisse in den Spandauer Staatswerkstätten von Kollegen einer eingehenden Kritik unterzogen wurden, nahm die Versammlung eine Entschließung mit allen gegen zwei Stimmen an, in der es heißt: Die Ber liner Eisen, Metall- und Revolverdreher sind mit der Stellungnahme ihrer Vertrauensleute in der Generalversammlung vom 26. November 1916 einverstanden. Sie erblicken in dem Gesetz ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter, welches durch keine Schutzbestimmungen jeinen Charakter verliert. Die von den Gewerkschaftsvertretern vorgeschlagenen Sicherungen sind vollkommen unzureichend, wie das kurze Bestehen des Gesetzes bereits erwiesen hat. Die Versammlung erklärt, das diejenigen Vertreter der Arbeiter im Reichstage, die dem Gesetz ihre Zustimmung gegeben, oder gar vorher mit der Regierung dieses Gesetz vorbereitet haben, das Vertrauen der Versammelten nicht mehr beanspruchen tönnen. Dagegen spricht die Versammlung den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft für ihre Tätigkeit bei Beratung des Gesetzes und für die Ablehnung desselben ihre Zustimmung und Anerkennung aus. Die Versammlung nimmt Kenntnis von dem Schreiben der Generalfommission an den Reichskanzler und an das Kriegsamt, und erklärt, daß diese Eingabe im schärf sten Widerspruch steht mit der Stellungnahme der Berliner Metallarbeiter vom 26. November 1916 und sie erhebt den schärfsten Protest gegen diese über die Köpfe der Gewerkschaftsmitglieder gemachte Eingabe. Eine weitere Entschließung beschäftigt sich mit den Lebensmittelverhältnissen. Es wird darin die Beseitigung des Lebensmittelwuchers und die Einführung des landwirtschaftlichen Produktionszwanges gefordert. Arbeiterbildungsschule. Sonntag, den 11. Februar beginnt der vier Abende umfassende theoretische Kursus in der Liebhaber Photographie. Im 1. Vortrag wird Genosse Baul Jahn behandeln: Kamera und Zubehör: Bauart des Apparates. Mattscheibe. Kassetten. Auszug. Vorderteil. Momentverschluß. Das Objektiv. Stativ und Verdunkelungstuch. Anfang pünktlich 8 Uhr. Eintrittspreis 10 Pf. Dienstag, den 13. Februar. Fünfter Vortrag im Kursus des Genossen Ernst Däumig. Thema: Das Finanzfapital. Der Imperialismus. Sonnabend, den 17. Februar, abends 8 Uhr. Fünfter Vortrag des Genossen Eduard Bernstein über„ Staats- und Gesellschaftsideale im Laufe der Jahrhunderte". Zur Behandlung fommt im Besonderen: Die ersten weltlichen Staatsideale der Neuzeit. Der ideologische Uebergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Zusammenhang mit Wirtschafts- und Kulturentwicklung. Thomas von Aquino und seine ökonomische Lehre. Die Araber und die Renaissance. Weltliche Geschichtsauffassung: Jon Chaldhun und Macchiavelli. England im Zeitalter der Renaissance: Thomas More und die Utopie. Die Utopie als Programm. Ihr Unterschied vom Urchristentum. Die Utopie und die Stadt. Die Utopie und die Arbeitspflicht. Die Utopie und die Ehe. Wahl der Priester durch das Volt. Scheinvorbehalte bei More. Der Sonnabend- Kursus des Genossen Eduard Bernstein beginnt der schlechten Verkehrsverhältnisse halber von jetzt ab bereits um 8 Uhr. Aus den Organisationen. 2. Wahlkreis( Friedrichstadt), 3. Abteilung. Mittwoch, den 14. Februar 3ahlabend bei Rathmann, Wilhelmstr. 118. Zahlungen Donnerstag, den 15. Februar, bei Krüger, Jerusalemnerstraße 63. 2. Kreis, 8. Abteilung. Mittwoch abend SchönTeinstr. 6 bei Ewald Zahlabend. Briz- Buckow. Mittwoch, den 14. Februar, abends 8½½ Uhr Zahlabend bei Westphal, Rudower Straße. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder dringend erforderlich. Treptow- Baumschulenweg. Die Zahlabende finden am Mittwoch, den 14. Februar, für jeden Ortsteil gesondert statt. Für den Ortsteil Treptow bei Hauser, Gräßstr. 68. Für den Ortsteil Baumschulenweg bei Krause, KiefHolzstraße 249. Um regen Besuch ersucht Der Vorstand. Lichtenberg. Am Mittwoch, den 14. Februar, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung bei Gustav Tempel( Bellevue). Tagesordnung: Vereinsangelegenheiten. Wahl eines Bezirksleiters und eines Schriftführers. Bericht von der Verbandsgeneralversammlung. Wir dürfen wohl das Erscheinen aller Genofsinnen und Genossen voraussetzen. Der Vorstand. kannt, daß wir unsere Bibliothek von der Spedition Gleichfalls geben wir unseren Mitgliedern beRosenkranz nach unserem Jugendheim, Dossestr. 2, verlegt haben. Alle ausgeliehenen Bücher bitten wir umgehend an Genossen Stein, Seumestr. 14, III, abzuliefern. Von wann ab wieder Bücherausgabe erfolgt, wird später bekannt gegeben. Der Vorstand. Niederschöneweide. Mittwoch, den 14. Februar, 8 Uhr, bei Bengsch, Brizerstr. 17, Vortrag der Gen. Käthe Dunker: Die Reichskonferenz der ParteiOpposition. Keiner darf fehlen! Der Vorstand. Die Kreis- Konferenz der Jugend- Ausschüsse Teltow- Beeskows fonnte am 5. nicht stattfinden. Sie findet am 18. d. M. statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Kr.- Jugend- Ausschuß. J. A.: Felir Müller. Vereins- Veranstaltungen. Ein Winterkonzert veranstaltete am Sonntag, den 4. Februar die Kinderschußkommission der Berliner Arbeiterschaft im Stadthause in der Klosterstraße. Der Ruf zu zahlreicher Beteiligung war nicht unerhört verhallt, es waren wohl über 1200 Genossen und Genofsinnen, die sich eingefunden hatten und den Darbietungen lauschten. Die Veranstaltung nahm einen harmonischen Verlauf, was nicht zuletzt der dankenswerten und bereitwilligen Mitwirkung des Männerund Frauenhor Ost zu danken war. Der sich in uneigennüßiger Weise zur Verfügung gestellt hatte. Die Teilnehmer statteten den Sängern und Sängerinnen ihren Dank durch lebhaften Beifall ab. - 12 Friedrichshagen- Cöpenick. Einen Heimats= abend veranstaltet die hiesige Ortsgruppe des Deutschen Arbeiter Wanderbundes „ Die Naturfreunde" am Sonntag, den 11. Februar, abends 5 Uhr im Lindengarten zu Friedrichshagen. Das Programm bringt Konzert, Rezitation und Vortrag. Karten kosten nur 20 Pf. Die Jugendweihe in Neukölln, die der sozialdemo= kratische Wahlverein halbjährlich veranstaltet, findet diesmal am Sonntag, den 25. März, in den PassageFestsälen statt. Anmeldungen von Knaben und Mädchen, die vor der Schulentlassung stehen, nimmt das Sekretariat des Wahlvereins, Neckarstr. 3( Laden), entgegen. Buchdruckerei Maurer& Dimmick SO 16, Köpenicker Strasse 36,38. Zeitschriften Anfertigung von: Statuten Quittungsmarken Mitgliedsbüchern Programmen Billets sowie sämtlichen Drucksachen. Nachruf. 4. Wahlkreis. Am 24. Januar verstarb unser Genosse, der Möbelpolierer Gustav Krause Bezirk 881. Am 4. Februar verstarb unser Genosse, Zigarrenarbeiter Bernhard Trümpfe Frankfurter Allee 106, Bezirk 389. 6. Wahlkreis. Am Sonntag, den 28. Januar, verstarb unser Genosse, der Schneider Ernst Winckel Weißenburgerstr. 37, 4. Abt., Bzt. 518. Wahlverein Neukölln. Am 31. Januar verstarb unser Mitglied, die Genossin Minna Druwe Reuterstr. 32, 2. Bezirk. Wahlverein Eichwalde. Am 2. Februar 1917 erlag unser Genosse, der Armierungssoldat Emil Witte, 29 Jahre alt, im Reservelazarett einer Lungenentzündung. Ehre ihrem Andenken! Dem Andenken unserer auf dem Kriegsschauplatz gefallenen Genossen! 6. Wahlkreis. Am 4. Januar fiel im Alter von 41 Jahren. der Kohlenhändler Rudolf Palm Mirbachstr. 35, Bezirk 369, Teil 1. Wahlverein Neukölln. Im Dezember 1916 fiel als Opfer des Weltfrieges unfer Genosse, der Kellner Paul Rappoit Donaustr. 108, 7. Bezirk. Sozialdem. Wahlverein Nieder- Barnim. Bezirk Lichtenberg. Als Opfer des Weltkrieges beklagen wir den Verlust der Genossen, des 30 jährigen Rohrlegers Walter Wandrey Niederbarnimstr. 4, 1. Viertel, 1. Gruppe, und des Friseurs Otto Schneider Gabriel Magstr. 2, 1. Viertel, 9. Gruppe. Ehre ihrem Andenken! Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umg. Sonntag, den 11. Februar 1917, vormittags 9 Uhr, im Saale von Obligo, Koppenstraße: General- Versammlung des Verbandes. Tagesordnung: 1. Wie steht's um die Partei? Referent: Genosse Hugo Haase. 2. Diskussion. Die Delegierten legitimieren sich durch ihre Teilnehmerfarten. Der geschäftsführende Ausschuß. J. A.: A. Hoffmann. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis. Dienstag, den 13. Februar 1917, abends 8 Uhr, in den" Pharusfälen", Müllerstraße: Versammlung. Tagesordnung: 1. Die bevoritehende Landtags- Ersagwahl im 11. Landtagswahlbezirk. Referent: Landtags. abgeordneter Ad. Hoffmann. 2. Aufstellung eines Kandidaten. Die Genossen, vor allem die aus dem Landtagswahlbezirk, sind besonders eingeladen. Der Borstand. Verantwortlicher Redakteur: Richard Herbst; Verleger: Adolf Hoffmann; beide Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Druck: Maurer& Dimmid, Berlin S0.16, Röpenider Straße 36-38.