tsillliigz. des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend. Zu beziehen durch die Bezirksführer die Nummer zu 5 Pf. oder durch die Post»ierteljährlich 72 Pf. frei ins Haus. Nr. 12. Berlin, den 17. Juni 1917. 12. Jahrgang. Spotten ihrer selbst... B e r l i n, 11. Juni 1917. In seiner letzten„grotzen" Reichstagsrede im Mai anläßlich der sozialdemokratischen und kon- servativen Kriegsziel-Jnterpellationen hat be- kanntlich Herr Scheidemann mit der Revolution gedroht. Allerdings nur bedingungsweise. Er hat es wirklich damit nicht böse gemeint. Die staats- männischen Verbeugungen, die er vorher in seiner Rede vor der Monarchie machte, vor allem aber seine dreijährige burgfriedlich-durchhälterische Kriegsbravheit hätte ihn wirklich vor dem Ver- dachte bewahren sollen, daß ihm das Wort Revo- lution mehr sei als eine demagogische Phrase, ein Mittel, um vor ungeschulten Arbeitermassen als radikaler Volkstribun zu posieren. Wir sind über- zeugt, daß das gefährliche Wort für Scheidemann weder einen Gedankeninhalt hat noch seine Willensfunktionen irgendwie ernstlich beeinflußt. Höchstens, daß die Revolutionen, die in anderen Ländern gemacht werden, einen Posten in seinen ftaatsmännischen Kalkulationen bilden. Aber es ist mit dem Wort Revolution eine eigene Sache. Es wirkt auf gewisse Menschen- kinder wie die Teufelsfratze, die die ersten christ- lichen Anachoreten in ihren fanatisch-llberreizten Fieberphantasien sahen und auf die sie in heiliger Tobsucht losschlugen. Auf der andern Seite aber gibt es Leute, die mit dem Worte eine Art Fetisch- dienst treiben und blind für alle materiellen und psychologischen Tatsachen es so oft wiederholen, wie der tibetanische Mönch sein o mani padme hum. Als ob Revolutionen noch mehr als Kriege nicht das Endergebnis einer Unzahl treibender und gärender Kräfte wären, die man wohl in be- stimmte Bahnen drängen, nicht aber durch ein Zauberwort zu plötzlicher Reife, noch viel weniger aber zu dauernder Fruchtbarkeit bringen kann. Auf die konservativen, ja fast auf alle poli- tischen Kreise des Bürgertums, nicht zuletzt auch auf die Herren der Regierung hat Scheidemanns Revolutionsdrohung die zuerst gekennzeichnete Wirkung erzielt. Am lautesten tobt der heilige Zorn natürlich in der alldeutsch-konservativen Presse, die dadurch in ihrem urwllchsig-feudalen Kampfe gegen den mit allzuviel Bourgeoisethik belasteten Reichskanzler Bethmann-Hollweg neues Material erhielt. Das Zentralorgan der Regie- rungssozialiften, der„Vorwärts", dessen derzeit leitender Redakteur im Hauptberufe Reklamechef für die Firma Scheidemann ist, hatte alle Hände voll zu tun, die Angriffe der„Deutschen Tages- Zeitung", der„Kreuzzeitung" usw. abzuwehren. Beim Durchstöbern ihrer Zettelkästen machte die ,.Vorwärts"-Redaktion die großartige, in der poli- tischen Welt aber schon längst bekannte Entdeckung, daß auch in konservativen Kreisen der Revolu- tionspopanz ein beliebtes Drohmittel ist, wenn die Regierung sich einmal gegen feudale und agra- rische Wünsche blind und taub stellte. Das diente dann immer als prasielndes rethorisches Feuer- werk, das die stille, aber meist erfolgreiche Minier- arbeit, die man dank der Beherrschung des staat- sthen Verwaltungsapparates und der guten Be- zrehungen emsig betrieb, maskieren sollte. Der„Vorwärts" hatte das Glück, sogar aus der Krregszeit eine alldeutsch-konservative Revolu- tionsdrohung aufzutreiben und sie als Retour- kutsche gegen die Widersacher Scheidemanns auf- fahren zu lassen. Es handelte sich um einen Brief- Wechsel des bayerischen Generals Freiherrn von Gebsattel mit dem Reichskanzler. Der alldeutsche General droht darin mit einer Explosion der kochenden Volksseele, wenn Herr Bethmann-Holl- weg nicht ein Regientngsprogramm aufstellt, nach dem halb Europa und noch einige umliegende Oist- schasten für Deutschland annektiert werden sollen. Dieser Briefwechsel stammt schon aus dem Jahre 1915, konnte aber, da damals die Kriegsziel-Er- örterungen streng verpönt waren, nicht veröffeirt- licht werden. Rur durch Flugblätter der sozial- demokratischen Opposition wurde er weiteren Kreisen bekannt. Auch die heutige„Vorwärts"- Redaktion wird davon gewußt haben, sie hat ihn aber totgeschwiegen, denn seine Veröffentlichung würde die Kreise der regierungssozialistischen Diplomatie gestört haben. Die„Vorwärts"- Redaktion stellte sich auch taub und stumm, als im März dieses Jahres der Eebsattel-Vrief im Reichstage zur Sprache kam. Es war Genosse Haase, der ihn in seiner Rede zitierte und die eigenartige Revolutionsphraseologie gewisser staatserhaltender Kreise in das rechte Licht setzte. Aber als es nun galt, Freund Scheidemann aus der Tinte zu ziehen, da besann sich der„Vorwärts" auf die Eebsattel-Episode und er druckte den Briefwechsel ab. Es zeugt von der ganzen Oberflächlichkeit und Kritiklosigkeit des Scheidemännlichen Zentral- organs und der ganzen bürgerlichen und regie- rungssozialistischen Presse, daß nun auf einmal der Gebsattel-Briefwechsel wie eine Sensation wirkte. Es zeigte sich, wie blind man unter dem Einfluß der Kriegspsychose gegen bedeutsame politische Por- gänge geworden ist und wie wenig man die Kräfte zu beurteilen versteht, die durch mehr oder minder scharfe Betonung weitgehender Kriegsziele uns an die Schwelle des vierten Weltkriegsjahres ge- führt haben. Die sozialdemokratische Opposition hatte nur zu sehr recht, auch unter den Erschwer- nissen des Belagerungszustandes allen imperia- listischen Katzen die Schelle an den Schwanz zu hängen. Sie ist darob von den Regierungssozia- listen in Acht und Bann getan worden, jetzt aber, wo diese Herrschaften selbst in die Enge geraten sind, suchen sie sich mit allen Mitteln herauszu- hauen. Die Palme gebührt aber bei dieser tragikomi- schen Geschichte der I. K., in der jetzt der einstige Leiter der„Chemnitzer Volksstimme" den neuzeitlichen, feldgrau kostümierten deutschenEozialismus aufmarschieren läßt. Dieser Herr schreibt über die Wirkung der Eebsattel-Enthüllungen:„.. Daraus geht hervor, daß eben bei den Reden des Abgeord- neten Haase und seiner„unabhängigen" Freunde schon lange kein Mensch mehr zuhört. Sie können drohen, was sie wollen,— ganz gleich, sie haben sich durch ihre ewigen Brandreden, hinter denen nicht der kleinste Wille zur Tat stand, so lächerlich gemacht, daß es niemanden lohnt, erst noch.anzu- hören, was sie erzählen. Und das ist eigentlich der beste Witz an der Gebsattel-Enthüllung." Der Herr, der so etwas schreibt, gibt sich noch immer als Sozialdemokrat aus. Aber er hat total vergessen, daß von jeher die Totschweige- taktik eins der beliebtesten Kampfesmittel war, mit der die Gegner der Sozialdemokratie deren Tätigkeit und Bedeutung aus der Welt zu schaffen suchten. Lasialle, Bebel, Liebknecht und viele andere konnten davon erzählen. Unzählige For- derungen und Kritiken der Sozialdemokratie mußten immer und immer wieder verkündet werden, ehe sie Beachtung in der Oesfentlichkeit fanden. Wie mancher bürgerliche Politiker hat sich die eine oder andere lange totgeschwiegene Forderung der Sozialdemokratie zu eigen gemacht, wenn ihm die Konjunktur dafür günstig erschien. Aber sich blind, taub und stumm zu stellen gegen soziale Zustände, proletarische Regungen und Lebensäußerungen einer entschieden sozialdemokratischen Politik war bis m die neueste Zeit hinein eine unseren bür- gerlichen Gegnern vorbehaltene Taktik. Der Weltkrieg hat auch darin Wandel geschaffen. Der Regierungssozialismus hat auch auf diesem Ge- biete gründlich rungelernt. Ja, er schlägt sein bürgerliches Porbild noch-um eine Nasenlänge: er rühmt sich seiner Wanzentaktik sogar. Aber wenn die Herrschasten auch unendlich viel in dieser Kriegszeit totgeschwiegen haben, einnral wird doch die Zeit kommen, in der ihnen von allen Seiten Ankläger entstehen werden, über die sich nicht mehr unter dem Schutzdach des Belagerungs- zustandes witzeln läßt. Und dann wird sich zeigen, auf wen die Massen mehr hören werden, auf die unabhängigen Sozialdemokraten oder auf die Re- gierungssozialisten mit ihrer selbstgewollten Ab- hängigkeit. *~* * Saulus Heine. Der sich zur sozialdemokratischen Partei zäh- lende Abgeordnete Wolfgang Heine, der im„Ber- liner Tageblatt" als wortgewandter Advokat während der ganzen Kriegszeit den regierungs- sozialistischen Kriegswillen und schwärmerische Reuorientierungs-Jllusionen in zahlreichen Ar- tikeln vertreten hat, ist über Rächt aus- einem Saulus ein Paulus geworden. Für ehrlich sozial- demokratisch empfindende Menschen mußte es oft einen halb peinlichen, halb belustigenden Eindruck machen, wenn er in Dutzend Fällen sah, daß im Gegensatz zu dem national überhitzten„Sozial- demokraten" Heine der Chefredakteur des„Ber- liner Tageblatts", Herr Theodor Wolff, in der Kriegsziel- und Friedensfrage viel ruhiger, ver- nllnftiger und weitblickender urteilte. Jetzt hat aber auch Herr Heine seine Anschauungen revi- diert und es für, zeitgemäß gehalten, statt schwung- voller Sieges-Plaidoyers auch einmal eine Ver- teidigungsrede für den Frieden zu halten. Er tut das in der Sonntagsnummer des„B. T." vom 19. Juni, indem er seine Meinung über Stockholm zum besten gibt. Es har fast den Anschein, als ob Heine seinen regierungssozialisftschen Freunden, die sich jetzt in Stockholm in einer recht brenzlichen Situation befinden, beispringen wolle. Denn die früheren Kriegsartikel Heines haben draußen in der sozialistischen Internationale sicher- lich sehr viel dazu beigetragen, das leibhaftige Vorhandensein eines neudeutschen Regierungs- sozialismus in der offiziellen Partei handgreiflich zu demonstrieren. Um den Scheidemann, Ebert. David usw. die Möglichkeit zu geben, sich in Stock- Holm als ehrlicheFriedensmakler aufzuspielen, legt Heine die Kriegsposaune beiseite und greift zur Friedensflöte. Unsere Leser wissen, daß Herne einer der wütendsten Gegner der Opposition ist. Seine maß- losen Temperamentsausbrüche und Schimpfereien gegen die Minderheit in der Fraktion haben viel zur Verbitterung und Vertiefung der Gegensätze beigetragen. Und all das geschah, weil die Oppo- sitiön seit zwei Jahren eine entschiedene und klare Friedenspolitik von Fraktion und Partei ver- langte, weil sie mit aller Kraft auf einen Verstän- digungsfrieden hindrängte. Das und nichts anderes ist, abgesehen von dem Kampfe gegen die opportunistischen Reformtendenzen der regierungs- sozialistischen FraktionsnreHrHeit, der Ausgangs- und Kernpunkt des Konfliktes in der deutschen Sozialdemokratie. Alles andere ist nur Beiwerk, ist Folgeerscheinung der Ueberhebung, Unduldsam- keit und Gewaltpolitik der Parteibürokratie. Und jetzt kommen die Leute, die bis vor kurzem in der Fortsetzung des Krieges die einzige Lösung des Weltkonfliktes erblickten, und tun so, als ob sie von jeher ehrlich und entschieden für einen gerech- ten Verständigungsfrieden eingetreten seien. Jetzt kommt ein Heine und schreibt, daß es höchste Zeit sei, daß sich die Menschheit aus dem„Labyrinth des allgemeinen Wahnsinns" herausfinde. Der- selbe Heine, der am Kriege nicht genug gute, das nationale Leben Deutschlands fördernde und befruchtende Kräfte entdecken konnte und dadurch wacker mitgeholfen hat, das Volk in das Labyrinth hineinzuführen. Jetzt kommt Heine, der am 12. Dezember vorigen Jahres im Verein mit seinen regierungssozialistischen Freunden der Regierung nicht genug Hosianna singen konnte, weil sie eine platonische Friedensbotschaft in die Welt gehen ließ; der nebst seinen Freunden mit Klauen und Zähnen gegen die Opposition ankämpfte, die eine unzweideutige Erläuterung dieser Friedensbot- ichaft verlangte, jetzt konstatiert dieser Heine in dezug auf die Friedßnsfxage, das;„die Regierung sich leider nicht zu einem offenen A)ort entschlossen hat". Ja, noch mehr! Heine schreibt sogar i„Ein Friede durch gewaltsame Unterwerfung einer der beiden gegnerischen Kruppen ist nicht zu erwarten." Das schreibt derselbe Mann, der noch bis vor kur- zem Tobsuchtsanfälle bekam, wenn von der Opposition ähnliche Gedanken ausgesprochen wurden. Die Dutzende von Zitaten aus Heines Reden und Artikeln ließen sich zum Beweis dafür anführen. Das hindert aber einen Heine ebensowenig wie einen Cbert und Scheidemann nicht, kühn zu be- haupten,„die deutsche Sozialdemokratie habe schon längst auf den Frieden hingearbeitet" und„den Abbruch des Krieges durch einen Berftändigungö- frieden" verlangt. Am Schlüsse seines Artikels aber erhebt sich Heine in heroischer Erätze' Er fordert auf zur Gründung eines„Volksbundes für einen Verständigungsfrieden!" Wenn das in Stockholm auf die kritische Internationale keinen Eindruck macht, dann zieht überhaupt nichts mehr. Wjr können abwarten, ob im deutschen Bürger- tum soviel Einsicht, Energiß und Vekennermut vorhanden ist, um unter Heines Führung einem solchen Volksbuude Massenzulauf zu ypr schaffen, Wir haben aber nicht die geringste Sicherheit, dast bej irgendwelcher Aenderung der Krieghlago oder politischen Situation der Paulus Heine wieder in seine Saulusmgnieren verfällt. Der Artikel, den er einige Tage später im„Vorwärts" über die Antwort Wilsons an den russischen Arbeiter- und Soldatenrat schrieb und in dem er sein altes Itelkenpferd über die Rolle Deutschlands im Weltkriege ritt, gewährt Ausblick auf mancherlei Möglichkeiten und Wandlungen. Die sozialdemokratische Arbeiterschaft aber wird gut tun, der Zuverlässigkeit des Friedens- Paulus Heine nicht zu sehr zu trauen- Dazu hat der Kriegs-Zaulus zu lange und zu laut gegen die ehrlichen Friedensoorkämpfer geeifert. Er und seine Freunde haben ihren Friedenswillen erst durch die Tat zu beweisen. Die Julitagung des Reichstages wird ihnen dazu Gelegenhelt geben, In rhrem Kampfe für den Frieden, für innere Freiheit und die Ziele des Sozialismus darf die Arbelterschaft sich nur auf das eigene Urteil und auf die eigene Kraft verlassen und nicht Männer zu Führer erwählen, die sich jahrelang in der Rolle von Bundesgenossen der imperialistischen Gewal- ten gefallen- Freie Hahn allen Tüchtigen! Diesen Ruf bört man letzt allerwärts. Alle» Titchtlaen soll freie Bahn aemachi werden. Das klingt ltderal, direkt freiheitlich. A»er tüchtig ist, der soll bis in die höchsten Stellungen steigen können, Ev und nicht anders möchte man die Ankündigung verstehen. Die Durchführung dieses Grundsatzes soll eine Neu- mientierniig einleiten. Damit ist zugleich gesagt, dast ea Richer auders war. Wer unser Äesetlschastswese» kennt, weist, dast ein tüchtiger Mensch bisher keine freie Balm hatte, er weist aber auch, dast das auch in Zukunft nicht anders werden wird. Stellung und Einslust tst ntcht a» Tüchtigkeit gehnnden, sonder» an Borrechte der Geburt und des Bestves- Wir haben den Kampf gegen alle Bvrrechte auf »nsere Kahne geschrieben und babe» immer und bei jeder Gelegenheil auf dieses Merkmal in unserem GeKllschaftsiebe» hingewiesen. Welche Nabu den Tüchtigen freigemacht werden soll, werde» auch diejenigen nicht wissen, welche diesen Grundsatz verkünden. Man wird nach wie vor de» Tüchtige» die freie Bahn ver- schliehe», die schon ihrer politischen Auffassung nach im schroffen Gegensatz zu den heutigen ZsaatSeinrich- tungen stehen. Das wirb schon als ein Akt der Selbst- erhaltung angesehen werben. Aendern wird sich nach dieser Rtchkung hin gar nichts, wenigstens sind wir dieser Meinung. Dafür sorgt auch schon der Umstand, dast die Erwerbung bestimmter Kenntnisse an be- stiinmte Normen gebunden ist. Da ist das sogenannte ..Sinjährtg-Fretwillige", das einer hahen mnst, UM bestimmte Gtellungen bekleiden zu können. Aber es ist möglich, dast nach dieser Richtung bin eine Reform eintreten könnte. Dann wäre aber auch»och nicht viel gewonnen. Zunächst wäre eine gründliche Reform im gesamten Tchul- und Bilönngswesen notwendig, Welche immensen Kräfte und Tatente schlummern im Proletariat, die heute nnentwickelt bleibeu und ver- dorren müssen, Unser Schulwesen muß ans eine andere Basis gestellt werden, Wir müsse» eine Sinheits- schule haben, die von allen Kindern besucht werden mnst und es muß sich auf dieser Stubeitsschule das gesamte höhere Bilduugswesen aufbaue,,, Die Kinder der Bolksschuten müssen ihren Kähiakeiten entsprechend die Bildung erhalten, die sie benössaen und das mutz auf allgemeine tiosten geschehen, wohes auch ssnterhgl- tuiiastosteu gewährt«verde«, müssen. Heute sind unsere Schulen Klassenschulen. Das zeigt sich besonders bei de« Borschulen, die nsble Gtandesschule», sind. Das Kind des Beamten, des Bankiers, des Gruub- und Hausbesitzers, des Kabritbesttzers soll nicht neben dem Arbetterktude sitze», deshalb mnst es in eine Borschnle. Und nun gar die Gymnasien und Universttäten! Ahr Besuch ist an das große Portemonnaie gebunden. Ge- miß, SS gibt auch kleine Heute, die Ihre» Ksiider» den Besuch der höheren Schule— vor allem der Real- schule— ermögliche«,, vielleicht auch noch des Gymna- fiums ober der Universität. Wo das geschieht, legen sich die Eltern große Entbehrungen aus nnd auch die Schüler quäle» sich, um ein Stipendkum zu erlangen oder sich durch Stundengebcn durchzuschlagen. Aber dgs ist nicht die Regel- Zu der Regel sind es doch Kinder der Bemittelten, welche die höheren Bitdungs- austasten besuchen. Im wesentlichen ist es also der Besitz, für den das höhere Btldnngswesen ein Monopol ist. Wer bemittelte Eltern bat, hat die Möglichkeit, die höchsten Bildungsstätten besuchen zu können. Db ein solcher Schüler auch die nötigen Zähigkeiten hierzu besitzt, spielt keine Rolle, Er kann ein noch so großer Dummkops sein, wenn die Eltern Geld haben, öffnen sich ihm selbst hjc Tore der Universität. Hiergegen wenbru wir uns- Und es gibt auch Pädagogen, die vom pädagogischen Standpunkt aus gegen. Viesen Au- stand aufbegehren und Forderungen nette», die mit dem von uns erstrebten Schulideal übereiiistimmev. Neuerdings hat der Berliner Magistrat de,, Stadt- verordneten eine Vorlage gemacht, die dem Ausstieg Begabter in höhere Schulen den Weg frei machen will. Er will eine sogenannte Begahtenscknle einrichten. Begabteste Gemeindeschüler sollen nach Prüfung von Gchulfachmäpern eine besonders einzurichtende böbere Schule besuche» können. Bei nachgewiesener Bedürft tigfeit sollen Frejschule ,»„d freie Lehrmittel nnd bei besonderer Würdigkeit soll von, zweiten Aabre ab eine besondere Nnserhalinngsbeibilfe von aoo Mk. gewährt werde», Oberfsächitch betrachtet könnte man diese Reform he- grüße». Das Gute a» der Sache ist, daß schultechnische Ejnrichtnngen den Ueberaang von Gemeindeschülern aus der erste» Klasse ans diese höhere Lehransialt er- möglichen sollen. Bisher standen dem eine Reihe ministerieller Bestimmungen hindernd im Wege. Näher betrachtes. ichrumpsi die neue Reform sehr klag- lsch zusammen, Zm höchsten Salle können jährlich m Schüler gnfaenvmmen werden bei rnnd'ätz Ge- meinde-fänghenschitlen mit 100 ooq Knäben. Die Ans- üchs auf Sreischule bähen wir heute schon. Es soll im vorliegenden Falle keine hestimmie Prozentzahl angenommen werden- Das ändert an der Rache wenig. Die Hauvtsgche ist aber die Frage der Unter- haitnngstvsten. Arme Eltern könne» nätürlich einen der Wchnle entwachsenen GohN Nicht jghrelgna er„äb- ren nnd kseido,,. Die Freitchule all ein int es also nicht- Unteehglinngskosten mütien allgemein gewährt werde,,. Ann soll das geschehen, indem einige beson- ders Beaabse und besonders Würdige ansgewählt werden, Wenn die Wchnle gefüllt sein wird, was erst „ach Fahren der Fall ist, rechnet man mit 900 Wchüleru, siir welche Unierhaltnnaskoften gewährt werde». Alle Zchnler werden ständig besonders beobachtet nnd ge- prüft- iins will diese ganze Nesorm als eine Echeln- refvrm erscheinen,' die etwas sein toll, in Wirklichreit aber eine wirkliche Reform nnr anfbalten wird- Das ganze Freischnlwesen öot schon etwas Erniedrigendes an sich, besonders dann, wenn die Fxeischnlen und vor ollem der, der Unterhaltungskosten erhält, besonders i»i Ange behalten wird. Dqs kann leich« zu einem wahren Markyrium des Wchülers werden. Wenn man schon reformieren will, soll man ganze Arbeit machen- Es gibt keinen andere» Weg als den, welchen wir oben vvrzeichneten, Alle Kinder, ob reich, ob arm, besuchen gemeinsam dic Bvlksschnle, Das gibt schon eine Gewähr für eine guie Volksschule. Das ist dach die Hauvisache. Und alle die Kinder, deren Fähigkeiten den Besuch höherer Lebraustatten rechtfertigen, geben aus dies? Uchnlen über und erlml- teu mir allgemeine Kosten ihre AnsbUdting- Ausgeschlossen bleiben auch solche Unhefähiate. deren Eltern ei» großes Portemonnaie habe». Den» diele Kinder würde» pädagogisch nur einen Maden für d>o übrigen Zchnlbes, icher darstellen. Daß allerdings j» der bentigen Gesellschaft dieses Zchnlideal durchgeführt werden wird, diese Hoffnung dürste bei dem Ebarakter unserer gesellschaftUcken Ordnung nicht in Erfüllung gehen. Machenschq«. Vom ß. bis tS, J«nl. Die Kriegsereignisie bringen jetzt nach opferreichen Frübiahrskämpsen zum vierten Male Evmmerschlgch- ten in Tonnenbrand und unter Durstesaualen. Bereits am 7. Juni setzte an der Westfront der erwartete vsfenstvvorstob der Engländer in Flandern ein. Zehn Divisionen stürmten in der Gegend vy» Bpern ans die deutschen Ttellungen. Das Ergebnis war das nachgerade allgewvhnte: ein kleiner Gelände- gewinn, diesmal lm Abschnitt Wytschaeie-Messines. »er wahnwitzige Opfer an Menschenblni kostet, aber die strategische vage und noch viel weniger die mititä- rjsche Gesamtsitnation des Bölkerringens nicht weient- lich ändert. Di? täglichen Kämpfe einzelner«S Herrn Dr. Solf zu haben, obgleich auch dieses nach dem Krieg« ans Jahrzehnte ungeheure Geld- und Menschenkräfte zum Wiederaufbau der Kolonien erfordern würde. Ja, es gibt„svzialdemo- kratische" Kolonialvolitiker, deren exotische Herzens- Neigungen sich in Richtung der alldeutschen Wünsche bewegen. Als ob es für Sozialisten gar keine anderen Möglichkeiten zur Lösung des Kolonial- und Robstoss- Problems gäbe als die imperialistische. Am g. und 10. Juni hat ein P r e u ß e n t a g der Fortschrittler stattgesunden, ans dem manche schöne Rede über Neuordnung und parlameniarijches Regime, Osterbvtschasts-Hvffnnngen, Franenwahlrecht, preußische Wghlrcfvrm und Mittelstandsrettung gehalten wurde. ES genügt aber, au das Verhalten der Fortschrittler im Verfassungsausschub zu erinnern, um den alten liberalen Gegensatz zwischen Worten und Taten zum Bewußtsein zu bringen. Im b a d i s ch c n Landtage bat die Regierung das heiße Liebeswerben der von Kvlb gesührtcu Regie- rungssozialisten mit einer kalten Dusche beantwortet. Die Antwort des Ministers lief darauf hinaus, daß man der Sozialdemokratie ein freundliches Gesicht zeige» wolle, solange sie darauf verzichtet— sozial- demokratische Forderungen zn vertreten. Das wirb einen Regierungssoztaltstcn vom Schlage Kolbs natürlich nicht in seinem Steformeifer und seiner monarchischen Ergebenheit stören. Der Führer der preußischen Konservative», Herr v. H e v b e b r a n d. hat dieser Tage in einer Rede erzählt, daß ein Admiral ihm gesagt habe, in zwei Monaten sei England durch den U-Bootkrieg nieder- gezwungen.— Man wirb sich diese Prophezeiung merken müssen. Mit Herrn v. Heydebrand hat sich kürzlich ein anderer, etwas sozialer denkender Konservativer, Herr Thimme, auseinandergesetzt. Herr Thimme ist be- kanntlich der Herausgeber des Harmoniebuches der Zwanzig, in dem auch Dcheidemann, Legten, Winnig, Heinrich Schulz nsw. ihre„sozialdemokratische" Weis- heit zum besten gegeben haben. Herr Thimme wirft Herrn v. Heydebrand vor, daß er kein Verständnis sür die deutsche Arbeiterschaft habe, ein Vorwurf, der stcherltch berechtigt ist. Auch nennt Herr Thimme Herrn v. Heydebrand den„Totengräber" der konser- vativen Partei. Der offene, in dem»Grenzboten" veröffentlichte Brief Thimmes hat natürlich in der Presse einiges Aussehen erregt. Auch da» regte- ru naSsoziali st tsche Zentralorgan hat davon Notiz genommen. Nur einen, für die Arveiter besonders interessanten Passus dieses Briefes bat er feinen Arbeiterlesern vorenthalten. Nämlich fol- genöen: � „Der Ärvenersche Aufruf an die RüstungSarbetter hat eher einen ungünstige« Eindruck in den beteiligten Kreisen hervorgerufen. Das H a u p t v e r d i e n st an der raschen Beilegung des Streik», oder um es vorsichtiger auszudrücken, e i n Hauptverdienst, gebührt den Tag und Nacht sortgesetzten Anstrengungen der Partei- und Gewerkschaftsführer um die Beilegung de» Streik». Hier zeigt sich in Wahrheit wie völlig fern der überwältigenden Mehrzahl der Sozialdemo- kratie der Gedanken an eine Revolution lag uub liegt." Da der Stampfer-„Vorwärts" gegen seine sonstig« Gewohnheit, die Verdienste der Partei- und Gcwerk- schastSführer bei dieser Gelegenheit nicht in daS rechte Licht gesetzt bat, wollen wir daS von ihm Versäumte an dieser Stelle nachholen. Der„UorWärts vertag" bittet um Hilfe aus dem Stadtsäckel. Ein eigenartiger Antrag ist von der V o r w ä r t s- buchdruckerei und Bcrlagsanstalt Singer & E i e., Feller, Petersburger Platz 4, an die Grund- eigcntumödeputation der Stadt Berlin gerichtet. Sie legt dar, daß ihr Betrieb außerordentlichen Rück- gang habe, die Zahl der Abonnenten auf den„Bor- wärts" und der Buchhandel sei in der Spedition außerordentlich zurückgegangen. Es falle unter diesen Umständen die Zahlung der Miete ihr außerordentlich schwer, sie bäten deshalb, die Miete um 25 Prozent zu ermäßigen. Die Miete für die Räume leinen Laden, eine einfenstrigc Stube und eine Küchej beträgt zurzeit den außerordentlich niedrigen Preis von 800 Mk. Der Verlag bittet, die Miete auf 000 Mk. herabzusetzen In der Grundcigentumsdeputation er- regte dieser Antrag einer Firma, die früher einen Millionen betragenden Jahresumsatz hatte, das leb- haftestc Befremden. Man wies darauf hin, daß Mictsermätzigunasanträge von Kriegersraueu. kleinen GeschästSleuten, Reftaurateuren usw. berechtigtes Snt- gegenkvmmen nach Möglichkeit gesunden hätten. Er- staunt müsse man aber darüber sein, wenn große Firmen, wie Moiie. Ullstein, die Deutsche Tages- zcitung etwa solche Anträge stellten. Solche Anträge, zu deren Stellung die Selbstachtung honorige Firmen bewahre, würde» selbstverständlich abzulehnen sein. Die Berliner Steuerzahler seien nicht dazu da, um ein Defizit zu decken, das eine Firma mit oder ohne ihr Verschulden erlitten hätte. Es erübrige sich, die Vor- legnng der Bücher der Bittstellerin zu verlangen. Ein solches Begehr müsse grundsätzlich abgelehnt iverden. Perwnudernng müsse es errege», daß gerade die Vor- wärtsbuchdruckcrei und Bcrlagsanstalt Singer& Eie. solchen Antrag ans eine Liebesgabe aus der Tasche der Steuerzahler zu stellen gewagt habe. Der Antrag wurde mit asten Stimmen gegen die Stimme de? Stadtverordneten BaSner abgelehnt. Darnach wird also de» Magistrat nnd die Stadt- verordnete» der Antrag«ich» wieder beschäftigen, eS sei denn, dnß die Bittstellerin ihre Liebesgabenbitte bei diesen Instanzen wiederholt. Tchade, wenn daS unterbliebe. Co würde in diesem!rall in der breitesten Oesfentlichkeii das Verfahren der Borwürtsbuch- druckerei nnd Berlagsanstalt Singer L- Cie. gebührend gekennzeichnet werden können. Bielleicht Hai die Bitt- stellerin, gezeichnet„Borwärtsdruckerei und Verlags- anstqlt Singer& Cie., Fetter" die Panzerstirn zur Wiederholung ihres Gesuchs. Wer als Nachfolger des wegen seiner politischen Gesinnung vom Vorwärts- vertag gekündigten Genossen Jöchcl als Spediteur ein- trat, von dem ist es nur konsequent, für die Vorwärts- buchdrnckerei und Berlangsanstalt als angeblicher Sozialdemokral ein Geschenk von Ml Mk. jährlich aus städtischen Mitteln>n erbitten. Der Vorfall wirft übrigens ein bezeichnendes Licht auf die finan- zielle Lage des Borwärtsverlages. Arbeiter-Kildungsschute De» lin. Wegen Verlegung der Schule nach der«chirstlcpstr. 5, ist die Bibliothek bis auf weiteres geschlossen. Die Leser werden dringend ersucht, die noch ausstehenden Bücher an den nächsten Donnerstagen, spätestens am 2l. d. Mts. abzuliefern. Ans den Organisationen. Dritter Wahlkreis. Dienstag, den 19. Juni, abends 8 Nhr, Generalversammlung im Gewerkschafts- Haus, Engelufer 15. Tagesordnung: l. Bericht des Vor- standes und Wahl desselben. 2. Stellungnahme zur Groß- Berliner Generalversammlung. Der Unabhängige Wahlverein Neukölln zieht sämtliche Bücher ein zwecks Titcländerung. Die Mitglieder werden gebeten, den Funktionären bereitwilligst entgegen zu kommen. Der Vorstand. Aerems-Neranltaltungeir. Freireligiöse Gemeinde Berlin. Sonntag, den 17. Juni, vorni. 9 Uhr, Pappel-Allee 15/17; Neukölln, Jdealkasino, Weichselstr. 3; Oberschöueiveide, Elarastr. 2: Freireligiöse Vorlesung.— Vorm. IG/z Uhr, stleine Frankfurterslr. l>: Vortrag von Herrn Ernst Däumig: Wanderungen durch die Kirchengeschichte. VI. Ketzerbewe- gungen.— Gäste willkommen. Arbeitcr-Samariterbnnd. Kolonne Grost-Berlin. Lehrstunde haben nächste Woche, abends 8Vz Uhr: 1. bis 9. Abteilung Montag, den 18. Juni 1917, Köpenicker Straße 62. Bortrag. Nach demselben praktische Verbands- Übungen. Gäste haben einmaligen freien Zutritt. sonntag, den 17. Juni, Familien-Ausstug nach Jung- fernhaide. Treffpunkt nachmittags zwischen 2—3 Uhr im Vergnügungspark, Tegler Weg 74/75. „Männer- und Frauenchor Ost". Am Sonntag, den>7. Juni nachm. 4 Uhr. findet im„Schwarzen Adler", Lichtenberg,(am Bahnhof Frankfurter Allee), ein Sommer- fest, bestehend aus Gesangsvorträgen von Männer, Frauen und gemischten Chören, Künstlerkonzert und Spezialitäten- Vorstellung statt. Eintrittskarten 49 Pf. sind nur im Vor- verkauf bei den Mitglieder»: P. Schneider, Hufelandstr. 31, Laden: F. Masche, Kopernikusstr. l. Laden: H. Grawert, Wilhclm-Stolzestr. 25, Laden: M. Masseuth, Maricnburger Straße 7; M. Staar, Weinstr. 6; Frau Baier, Friedrichsfelder Straße 12; H. Merkmann, Gr. Frankfurterstr. 16, Laden; W. Dommnick, Möbelgeschäft, Frankfurter Allee 96, zu haben. Berliu VI, Jugeudsektion. Am Mittwoch, den 20. Juni, abends 8V- Uhr, im Jugendheim I, Brunnen- straße 70, Zusammenkunft der jugendlichen Ge» nossinnen und Genossen. Vortrag über: Georg Herwegh. Der Bezirk Reinitkendorf-Oft veranstaltet am Sonn- tag, den 17. d. M. einen Familien-Ausflug nach Herms- darf. Treffpunkt vormittags 10 Uhr Bahnhofs-Uhr Schönbolz. für Nachzügler 1 Uhr Restaurant Kaiserhof Bismarck, Bahnhof Herinsdorf. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung. Verlegung des Verbandsbüros. Das Verbandsbüro befindet sich vom 1. Juli ab Berlin O27, Schicklerstratze 5. Briefe und Geldsendungen bitten wir vom 1. Juli ab nach der neuen Adresse zu richten. Verband der Wahlvereine. Redaktion des Mitteilungsblattes. Genaflinnen und Genossen! Werbt sür Euer Mitteilungsblatt! Sorgt für feine weite Verbreitung! Schickt das Mitteiluugs- blatt ins Feld, damit unsere Genossen, die draußen schwere Pflicht erfüllen, sich über die Parteivorgänge, insbesondere über die Groß-Berlins, unterrichten können. Der„Vorwärts" ist nicht mehr das Organ der Berliner Arbeiterschaft und der Berliner Partei- genossen: er hat diesen Anspruch längst verwirkt. Das beweist er selber tagtäglich. Lest andere Parteiblätter an seiner Stelle, ins- besondere unser„Mitteilungsblatt"! Todesanzeige. Freunden und Genossen die schmerzliche Mitteilung, daß unser seit dem 1. Slugust 1914 im Felde stehender lieber Sohn, Bruder und treusorgender Gatte nnd Vater Van! Leid am 8. Juni 1917 als Opfer des entsetzlichen Völker- würgens gefallen ist. Er stand in einem Alter von 28 Jahren und lebte zu unserer Freude mit tiefer Ucberzeugung unserer proletarischen Sache. Unsere und seine Hoff- nung, bald wieder mit uns zu kämpfen, ist nun dahin. Carl Leid und Frau. Lilli Leid und Trudchen als Frau und Töchterchen. Selm« Pähl geb. Leid. Gertrud Lelöl Max Leid z. Z. im Felde. Walter Dendorfer. Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und llmg. Sonntag, den 24. Juni 1917, vormittags 10 Uhr, in der„Germania", Ehausseestrasze 101: WST General-Versammlung-WU Tagesordnung: l. Bericht des Vorstandes und Kassenbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Bericht des Bildungsausschufses. Bericht über den Stand der Jugendbewegung. 4. Wahlen der Verbandsleituntz: Vorsttzenden. Kassierer und Schriftführer: Wahl von 5 Revisoren sowie 5 Vertreterinnen der Frauen. 5. Bestätigung der Köm- Missionen. 6. Referat. Delegiertenkarte legitimiert."WU SWdemMMschet WM ftlcn 2. PMcr WchsW«Wms.(1 6. P. D.) (kneral- Versammlung am Dienstag, den 19. Juni 1917, abends 8 Uhr, in Habels Brauerei-Ausschank, Bergntannstraße 5/7. Tagesordnung: l. Bericht des Vorstandes, des Kassierers und der Revisoren. 2. Diskussion. 3. Event. Neu- ivahl des Gesamtvorstandes und der Kommissionen. 4. Anträge zur Verbandsgeneralversamiulung und Wahl der Delegierten hierzu. Ohne Mitgliedsbuch kein Eintritt, mmmm Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Der Borstand. MI" General-Versammlung"Wü des Unabhängige»» sozialdemokr. Wahlvereins für den 4. Verl. Reichstagswahlkreis am Dienstag, den 19. Juni 1917, abends 8'/. Uhr, in den„Andreas-Festsälen", Andreasstratze 21. Tagesordnung: l. Vorstandsbericht. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Stellungnahme zur Verbands-Generaloersammlung Groß-Berlin. 5. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borstand. I. A.: P. Ho ff mann. Zsüaläemskraiischer Ulablwrein für den 6. Berliner Retdmagswablkreis. Dienstag, den 19. Juni, abends 8 Uhr, in den„Pharussälen": Kreis- Generalversammlung. �WU Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Kassenbericht. 2. Bericht der Revisoren. 3. Beratung ein- gegangener Antrage. 4. Wahl des gesamten Vorstandes, des Kreises und für den Verband. 5. Sonstiges. Die Genopen werden ersucht, für rege Beteiligung der Versammlung Sorge zu tragen. Der Vorstand. Ännktagnttg Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres unvergeßlichen Vaters, Schwieger- und Großvaters Hermann Dartsch sagen wir den Mitgliedern des Verbandes der Maler und des Wahlvereins, sowie Herrn Maier für seine trostreichen Worte am Sarge des Entschlafenen unseren tiefgefühltesten Dank. Im Namen aller Hinterbliebenen: Johanna Bartsch, geb. Baruieske. Berlin, im Juni 1917. 1??» Dm«eilte unserer ans dm Knegs- BanM gesateen Genassea! S. Wahlkreis. Im Westen fiel auf Vorposten am 29. Mai 1917 der Genosse, Schankwirt Emil Hiller Skalitzerstr. 1. Bezirk 141. Im fernen Osten starb der Genosse, Schlosser Ernll Uochel Britzerstr. 10. Bezirk 141. 4. Mahlkreis. Am 2. Juni fiel im Aller von 32 Jahren unser Bezirkssührer, der Metallarbeiter Georg Diehr Straßmannstr. 31, Bezirk 348, Abt. 31. «. Wahlkreis. Am 8. Juni siel der 28 jährige Tischler Pan!£eid Wriezenerstr. 9, 18. Abt., Bez. 818 a. Mahlverei« Als Opfer des Weltkrieges siel unser Genosse, der Maler Julius Linke Hobrcchtstr. 33, 2. Bezirk. Am 16. Mai fiel der Sattler Kar! Melchert Elbestraße 28, 6. Bezirk. Als Opfer des Weltkrieges siel der Tischler Otto Hauke Hobrechtstr. 8, 2. Bezirk. Ein Opfer des Weltkrieges wurde unser Genosse War Donath Weserstr. 4. 2. Bezirk. Auf dem Zchlachtfeldc gefallen ist der Schlosser Wilhelm Huhn Reuterstr. 61, 2. Bezirk. Ehre ihrem Andenken! Uachruf. Ä. Wahlkreis. Am 8. Juni verstarb an einem Nervenleiden im Alter von 48 Jahren unser langjähriger, treuer Genosse, der Schriftsetzer Oskar Kustcke Simeonstr. 8, 3. Abt., Bezirk 21. 3. Wahlkreis. Am lv. Juni starb der Genosse, Arbeiter Wilhelm Meicke. 4. Wahlkreis. Am 6. Juni verstarb im Alter von 34 Jahren unsere Genossin Marie Eltze Hufelandstr. 40.?tbt. 42, Bezirk. 438. 6. Wahlkreis. Arn Mittwoch, den 6. Juni, verstarb unser Ge- nosse, der Gastwirt Wilhelm Kaiser Zionskirchstr. 1, 2. Abt., B«z. 4V6. Desgleichen am Donnersraq. den 7. Juni, unser Genosse, der Arbeiter � Karl Dzelski Boyenstr. 36, Ii. Abt., Bez. 646. Ehre ihrem Andenken! Bttautwortlichkr Redalteur: Carl Lrid; Berliner: Adolf Hofsmann: beide Berlin SV.K8. Lindenstr. S.— Druck: Maurer Z- Dimmick, Berlin S0.1S Söpenicker Strase SS- 38. Die Kriegsernte der Aktionare» Das industrielle Kapital hält reiche Ernte. Den Aktionären der verschiedenen Gesellschaften fließen nicht nur kräftig erhöhte Dividenden zu, sie können sich überdies an Extrazuwcndnngcn in den mannig- fachsten Formen erfreuen. Bald gibt es als Zugabe einen Bonus, dann wieder neue Aktien zu niedrigem Kurse oder vollständig gratis,' einige Gesellschaften kauften auch Kriegsanleihen aus Ueberschüssen, die den Papicrinhabern als Sondervergütungen für ihre schwere Arbeit überlassen wurden. Wahrlich' das „Handwerk" der Aktionäre hat einen goldenen Boden' Meistens geben die Geschäftsberichte über die tat- sächlichen Gewinne keinen Aufschluß. Man verschleiert viel,' die Desfentlichkeit soll möglichst im Unklaren darüber bleiben, wie hoch die Kriegsgewinne sind. Der Verschleierung dienen verschiedene Methoden. Die eine Gesellschaft erhöht das Aktienkapital aus Ueberschüssen, jene verzichtet auf die Hereinnahme von Kursgewinnen, indem ste diese vollständig oder zum Teil den Aktionären zufließen läßt, wieder eine andere zahlt ganz neue Anlagen aus nicht verteilten Gewinnen, die vierte sammelt gewaltige Reserven an. Oft ist bei ein und derselben Gesellschaft die An- wendung aller solcher Vcrschleierungsmaßnahmen notwendig, um die Fülle des Gewinnsegens zu ver- stecken. Der Oefsentlichkeit wird die Kontrolle über den Umfang der verschleierten Ucberschttsie durch Buchungskünste verwehrt. Vielfach werden z. B. aufgespeicherte Reserven unter Debitoren, also gleich Schulden, eingestellt. Das gibt dann natürlich ein falsches Bild von dem wirklichen Vermögensstand des Unternehmens. Trotz all dieser Praktiken werden doch noch ficht- bar große Gewinne ausgeschüttet. Um zu zeigen, wie sich das in manchen Industrien angelegte Kapital ver- zinst, machten wir die folgende Zusammenstellung. Sie umfaßt drei Gesellschaften: Die A.-G. für Anilin- Fabrikation, Berlin- Treptow, die Farbenfabriken vorm. Fricdr. Bayer L- Co., Bcverknsen, sowie die Koln-Nottweiler Pulverfabriken. In der Ucbersicht sind die Ergebnisse der letzten ll Jahre zusammen- gestellt. Dabei muß aber berücksichtigt werden, daß große Summen für Abschreibungen, für verschiedene Reservefonds, für die Kriegsgewinnstcuer, für die Zwecke der Uebergangswirtschaft usw. in der Abrech- nnng nicht erscheinen: sie waren bereits vor der Fest- setzung des Uebcrschusses abgezogen worden. Wir können nur den ausgewiesenen Gewinn angeben, und die Art seiner Verwendung. Danach ergibt sich dieses Bild: Reingewinn..... 149 990 079 ME. Dividende und BonuS. 110 047 040„ Tantieme...... 6 337 981„ Das Aktienkapital der Gesellschaften betrug zu- sammen: 1911 33, ö, im nächsten und dem folgenden Jahre 06.8, 1914 und 191S 90,3, im Jahre 1916 106,8 Mill. Mk. Demnach sind in den 6 Jahren 10S,Z P r o z. des im letzten Jahre an der Gewinnausschüttung be- teiligten Kapitals als Dividende und Bonus verteilt worden. Die Papierknhaber könnten also schon sehr gut zufrieden sein, wenn in den vorstehenden Nach- Weisungen der ganze Ueberschutz der Unternehmen zum Ausdruck käme. Das ist jedoch nicht der Fall. Nur ein Teil der Gewinne ist sichtbar und ein noch kleinerer Teil ausgeschüttet worden. Die Abschreibungen, soweit sie zahlenmäßig angegeben worden sind, belaufen sich auf 9t, 7 Mill. Mk. Sie erreichen fast die Höhe des erst im letzten Jahre beteiligten Aktienkapitals. Dieses Kapital entstammt zum Teil vorjährigen Ueberschüssen. Welche Summen für Nenanschaffungen den Betriebsmitteln entnommen sind, dariiber enthalten die letzten Geschäftsberichte keine Angaben. Durch die Neuanlagen, die schon be- zahlt sind, hat man sich bereits gut auf die Friedens- Wirtschaft eingerichtet: außerdem sind für solche Zwecke auch noch große Summen als offene und stille Neser- ven. weiter noch erhebliche Beträge als Gewinnsteuer- reserve aufgespeichert worden. Für 1918 hatte die A.-G. für Anilin-Fabrikation für Neuanlagen allein 3 Mill. Mk. ans laufenden Mitteln entnommen. Einen Anhalt über die Steigerung des inneren Wertes der Anlagen geben die allerdings auch nur unvollständig vorgelegten Vermögen sausweife der Unternehmen. Wir stellen nachfolgend die Gut- haben zusammen, sie umfassen die Barbestände, Wechsel, Effekten, Beteiligungen, Gläubiger, sowie die Vorräte. Die A.-G. für Anilin-Fabrikation hat jedoch keine An- gaben über ihre Vorräte, die Gesellschaft Bayer keine über ihren Effcktenbesitz gemacht. Soweit die An- gaben reichen, ergeben sie folgende Summen: 1916 1918 Guthaben in Mill. Mk.. 310,30 227,89 Verpflichtungen..■. 94,56 128,88 Ueberschuß der Guthaben 218,84 101,01 Demnach haben sich im letzten Jahre die Guthaben um 114,83 Mill. Mk. erhöht. Dabei ist jedoch wieder- um zu beachten, daß in den Verpflichtungen nicht kon- trollierbare Reserven und Beträge der Kriegsgewinn- steuer enthalten sind. Deren Abzug würde die Ver- pflichtungen wahrscheinlich noch viel weiter unter die Guthaben htnabbringen. An noch einigen anderen Abschlüssen mag gezeigt werden, was„verdient" wird und wie man Gewinne mittelbar den Aktionären zufließen läßt. Die Spreng- stoffwerke„Glückaus" tu.Hamburg verteilen für das Jahr 1916 rund 100 Proz. Dividende. Außerdem wird das bisher 600 WO Mk. betragende Aktienkapital ver- doppelt. Die alten Aktionäre erhalten die neuen Papiere zum Kurse von 105 Prozent. Damit heimsen "e also noch einen erheblichen Kursgewinn ein. Der Verein für chemische Industrie in Mainz gibt den Aktionären für das Jahr 1916 28 Prozent Dividende- und 8 Proz. Bonus. Weiter wird das Aktienkapital um 900 000 Mk. erhöht. Die alten Aktionäre bekommen die neuen Aktien mit der Maßgabe, daß die Hälfte des Betrages dafür aus dem Spezialreservefonds bezahlt wird. So bekommen die Bezugsberechtigten billige Papiere, die sich noch hoch verzinsen. Entschieden noch besser versteht die„Kronprinz" A.-G. für Metallindustrie das Atticnmachen. Sie ver- teilt„nur" 18 Proz. Dividende. An diesem Satz soll auch für die Zukunft festgehalten werden: in Wirk- lichkeit jedoch bekommen die Inhaber 30 Prozent. Man hat nämlich beschlossen, das Aktienkapital um 6,8 Mill. auf 13 Mill. Mk. zu erhöhen und die neuen Papiere vollständig aus Ueberschüssen zu bezahlen. Zunächst erfolgt eine Teilzahlung in Höhe von 40 Proz.: in den nächsten Jahren wird der Rest ans dem Gesell- schaftsvermögen gedeckt. Die Abschlüsse und die Gewinnverteilungen zeigen deutlich, in welchem Maße die gewerblichen Unter- nehmen jetzt R i e s e n g e s ch ä f t e machen und daß der Krieg für sie tatsächlich die Quelle einer ungeheuren Reichlumsvermehrung ist. Ganz �anders liegen die Verhältnisse für die Arbeiterschaft. Die erlangten höheren Löhne sind nur scheinbar ein Vorteil, denn die Preise für alle Lebensbedürfnisse sind kräftiger hinaufgerückt als das Einkommen der Arbeiter, so daß sich ihre.Kaufkraft nicht gesteigert hat. Sie müssen an- gestrengter tätig sein und sind dabei auf eine ver- schlechtertc Ernährung angewiesen. Dagegen haben sie die Gewißheit, daß der Kelch der neuen Steuern, die uns aus den Kriegsschulden erwachsen, an ihnen nicht vorüber geht. Die Vorteile bleiben den Unter- nehmeru vorbehalten, alle Nachteile den Arbeitern. Die vorstehende Zusammenstellung zeigt einmal die Zusammenhänge der verschiedensten Gesellschaften und ihre Interessensphäre auf, dann aber beweist sie, wie„schwer" die Aufsichtsratsposten sein müssen, die es zulassen, daß eine Person einige Dutzend solcher Stellen betleiden kann. Wie hoch niögen sich die Ent- schädigungen für die Aufsichtsräte jährlich wohl be- laufen, die sie mühelos einzustecken haben? Aufstchtsräte. Ein Posten als Aufsichtsrat ist gewöhnlic''' sehr einträglicher. In der Hauptsache besteht> der Mühe, jährlich Tantiemen einzustecken. Es:ute, die nicht nur in einer Gesellschaft Aussig-' telcn, sondern sehr viele solcher Posten in ad ver- einigen. In welchem Umfange l'n der ä ist, zeigt ein Blick in das Adreßbuch der Direktoren und Auf- sichtsräte lJahrgang 1917). Ein Auszug, den wir im Berliner Tageblatt finden, gibt darüber folgende Auskunft: Bei dem Geheimen Kommerzienrat Louis Hagen in Köln zählen wir 86 AufsichtsratSposten. Der Ge- schäftsinhabcr der Berliner Handelsgesellschaft Karl Fürstcnberg ist Deputierter des Zentralausschusses der Reichsbank und bekleidet 88 Aufsichtsratspostcn. Der Mitinhaber des Bankhauses S. Bleichröder, Dr. v. Tchwabach. hat 42 Anfsichtsratsstellungen inne und gehört ebenfalls dem ZcntralauSschuß der Reichsbank als Deputierter an. Demgegenüber erscheint der Mit- inhaber des Bankhauses Mendessohn L- Co. Robert v. Mendelssohn außer als Mitglied des Zentralaus- schusses der Reichsbank mit nur zwei Aufsichtsrats- Posten lBerliner Hagel-Asseknranz-Gesellschaft von 1832. Bank des Berliner Kassenvereins), Franz v. Mendelssohn, der Präsident der Berliner Handels- kammer, hat gar keine Anffichtsratsftelle inne. Simon Alfred Freiherr v. Oppenheim, Inhaber des Bank- Hauses Sal. Oppenheinm jun. S- Co., gehört der Ver- waltung von 40 Aktiengesellschaften oder Gcwcrkschaf- tcn an. Hugo Stinnes in Mühlhcim a. d. Ruhr ist siebzehnmal Aufsichtsratsvorsitzender und dreiund- zwanzigmal Mitglied des Aufsichksrats oder eines Grubcnvorstandes, steht also insgesamt zu 40 Gesell- schaften in Beziehung. Walter Rathcnau gehört dem Aufsichtsrat von 39 Gesellschaften an, die allerdings zum Teil als Tochtergesellschaften der A. E. G. zu bezeichnen sind. Bankdirektor Oskar Schlitter iDeutschc Bank) bekleidet 30 Aufsichtsratsposten, der Geheime Juftizrat Maximilian Kempncr hat 33 Auf- sichtsratsstellcn: bei 10 von den 33 0»csellschaften, denen er angehört, ist er Vorsitzender des Anfsichtsrats. Fast die gleiche Anzahl von Anfsichtsratsstellungen, nämlich 32, hat Kommerzienrat Peter Klöckner in Duisburg inne. Curt Sobernheim, Direktor der Commerz- und Diskonto-Bank, bekleidet 30 Aufsichts- ratspostcn. Geheimer Oberfinanzrat v. Klitzing, Dtrek- tor der Darmstädter Bank, hat seine Arbeitskraft dem Aufsichtsrat von 29 Gesellschaften zuzuwenden, und Geh. Kommerzienrat Eugen Gutmann, Direktor der Dresdener Bank, ist Aufsichtsrat von 26 Unternehmun- gen 23 Aufsichtsratsposten hat Geheimer Kommcr- zienrat Alexander Lucas zu versehen. Die gleiche Zahl von Aufsichtsratsstellen hat der Direktor der Nationalbank für Deutschland, Dr. Hjalmar Schacht, inne. Generalkonsul Engen Landau gehört 22 Aktien- gcsellschaftcn an: bei 13 von diesen 22 Gesellschaften ist er Vorsitzender des Aufsichksrats. Der Geheime Kommerzienrat Georg Arnhold wird im Adreßbuch mit 21 Allfsichtsratsmandaten aufgeführt. Fast die aleiclie Kahl— 20— erreichen die Aufsichtsratsstellen des Direktors der Deutschen Bank, Arthur v. Gwinncr. Dr Arthur Salomonsohn, Geschäftsinhaber der Dis- conto-Gescllschaft, ist Mitglied des Zentralausschnsses der Reichsbank und gehört dem Aussichtsrat von 19 Gesellschaften an. Max Schinkel in Hamburg, gleich- falls Geschäftsinhaber der DiScvntv-Gesellschaft, be- kleidet 19 Aufsichtsratsposten. Bei dem Geheimen Kommerzienrat Emil Kirdorf betrügt die Zahl der AuisichtSratsstellen 18. Der Reichstagsabgcordnete Ernst Bassermann ist Vorsitzender des Aufsichtsrats von 8 Gesellschaften und gehört den Verwaltungen sieben weiterer Gesellschaften als stellvertretender Vor- sitzender oder alS Aussichtsratsmitglied an. Geheimer Reaierunqsrat Prof. Dr. Paasche lVizepräsidcnt des Reichstages) bat 11 Anfsichtsratsstellungen. der Präsi- dent des Reichstages, Dr. Kämpf, ist Vorsitzender des Allisicbtsrats der Darmstädter Bank und der Terrain- Äktz-Ges Park Witzleben, ferner Deputierter des Fentraläusichusses der Reichsbank, und gehört dem Äufsichtsrat von 4 Aktiengesellschaften als stellver- tretender Vorsitzender oder als Mitglied au. Der Reichstagsabgeordnetc Dr. Roesickc hat 7 Vorstands- und Aufsichtsratsposten: der Zenttumsabgeorbnetc Erzbcrger ist hingegen nur dem Ausiuhtsrat der Akt.- Ges. Stahlwerk Thysse» verpflichtet. Ans der Semegnng. Generalversammlung des»reifes Niederbarnim. Am Tonntag, 10. Funi, fand die Generalversammlung des Krciswahlvereins der„Unabhängigen Sozialdem. Partei Deutschlands", Nieder-Barnim, im Cafe Belle- uue, Lichtenberg, statt. Die Tagesordnung lautete: 1. Vorstands- und Kassenbericht: 2. Wahl des Vor- stanbes? 3. Referat über„Organisation und Agitation". Zum ersten Punkt der Tagesordnung gab Genosse Witzle den Geschäfts- und Vorstandsbericht, welcher als ein für uns sowie für die Gesamtpartei recht erfreu- l icher zu betrachten ist. Desgleichen war auch der Kassenbericht, welchen die Genossin Brühl erstattete, gemessen und betrachtet nach den Verhältnissen der Kriegszeit so, daß er ebenfalls als ein zufriedenstellen- der bezeichnet werden kann. Eine Diskussion über die gegebenen Berichte fand nicht statt. Die Wahl des Vorstandes wurde auf Antrag des Genossen Ritter en block vollzogen und wurde der bisherige Vorstand, bestehend aus den Genossen Witzle als erster, Genosse Stein als zweiter Vorsitzender und Genossen Richter, Schriftführer, wiedergewählt. In die Prcßkommission wurden die Genossen Ruelius-Wcißensce und Genossin Brühl-Lichtcnberg entsandt. Genosse Ritter und Liesegang sprachen den Wunsch auS, daß die nengewählten Mitglieder der Preß- kommission bei einem eventuellen Erscheinen einer eigenen Presse für die Opposition dahin wirken möch- tcn, daß dieselbe im Sinne und im Geist des intcr- nationalen Sozialismus redigiert werde, soweit es unter den Zensnrverhältnisscn möglich sei. In die Schiedögcrichtskommission für Groß-Berlin wurde Genosse Wiedemann-Friedrichshagen gewählt. Für die Kinderschutzkommission wurde die Genossin Mätschkc-Nicderschönhanfen, als Obmännin der Frauen die Genossin Kiesel ebenfalls wieder gewählt. Des weiteren wurden für den Obmann des Kreis- JugcndauSschusseS Genosse Sommerfeld, in die Agita- tionskommisiion für die Provinz Brandenburg Gen. Liescgang und für den Aktionsausschuß Genosse Witzke und die Genossin Brühl gewählt. Als Revisor für Groß-Berlin wurde Genosse Ernst Andrce- Wcißensec, sowie für Nieder-Barnim die Genossen Berger, Kittler und Rühl wieder nominiert. Ein vom Vorstand eingebrachter Antrag:„Zur Unter- stützung dxs Vorstandes, sowie im Interesse eines besseren Zusammeirarbeitcns der Genossen im Kreise einen Beirat von den jeweiligen Vezirksleitern der drei größten Orte des Kreises zu bilden", wurde ein- einstimmig angenommen. Als die Bezirke wurdett Lichtenberg, Pankow und Reinickendorf-Ost bestimmt. Nach einem sehr interessanten, von allen Anwesenden mit großer Aufmerksamkeit und lebhaftem Beifall begleiteten Referat des Genossen Eichhorn über„Orga- nisation und Agitation" ging die von 118 Delegierten besuchte Generalversammlung gegen 2 Uhr nachmittag zu Ende. Friedrichshagen. Auf'die von verschiedenen Seiten, auch von Genossen aus dem Felde, an uns gerichteten Anfragen teilen wir mit, daß der frühere Vorsitzende, jetziger Parteispaltungöapostel Köckeritz, die sich wider- rechtlich angeeignete Vercinskassc weder an den Kreis- vorstand noch an uns bis heute abgeliefert hat. Der Vorstand: I. A.: Nawrockt. Die Regierungoiozialisten der Porvinz Brandcn- bnrg hielten am 3. Juni in Berlin eine Konserenz ab. Im Anschluß an eine Aussprache über die politischen Tagesfragen wurde eine Resolution angenommen, in der es heißt: „Tic Krcisgeneralversammlung bestätigt die frühere Zustimmung des ZcntralvorstandeS der Provinz Brandenburg zur Stellung der Reichstags- fraktion in der Frage der Landesverteidigung. Sie erklärt, daß die Bewilligung der Kriegskrebite nicht im Widerspruch steht zu dem Programm und den Grundsätzen der Partei, den Beschlüssen der Parteitage ober internationalen Kongresse. Die Partei war ge- zwungen, sich in ihrer Kriegspolitik bewußt an die Seite des eigenen Volkes zu stellen. Jede andere Halkttiig hätte als Parteinahme zugunsten der kapita- listischen Regierungen der gegnerischen Länder gewirkt. Die Generalversammlung begrüßt es mit Genug- tuung, daß die Partei gleichzeitig nichts unversncht ließ, um Verhandlungen mit den Bruderparteien der am Kriege beteiligten und neutralen Länder zu er- reichen, die zur Beendigung des Krieges ein gleichmäßiges Handeln der Arbeiter aller Länder herbei- zuführen geeignet waren." Die vom sozialdemokratischen Parteivorstande vor- gesehene Tagesvrdnung für den Parteitag wurde von der Bersannnlung eimnütig gebilligt. Daß die Entschließung einmütig gebilligt wurde, ist bei der Zusammensetzung der Konferenz sclbstver- ständlich, sind doch alle Elemente ausgeschieden, die in Brandenburg entschieden sozialdemokratisch denken. Aber auch in Brandenburg haben bereits verschiedene Ortsvcreine ihren Anschluß an die Unabhängige Sozialdemokratische Partei vollzogen. Die Stimmen mehren sich, die mit der Fackelpolitik nichts zu tun haben wollen. Auch Brandenburg wird von uns erobert werden, wenn planmäßig gearbeitet wird. Auch den Fackellenten wirb noch helles Licht aufgesteckt werden. . Der sozialdemokratische Bereiu für den Stadt- und Landkreis Erfurt hat in einer Mitgliederversammlung am 7. Juni zur Kreisgcneralvcrsammluug in Arnstadt Stellung genpmmen und mit 78 gegen 38 Stimmen beschlossen, dem Beschluß der Kreisgencralvcrsamm- lung auf Uebertritt in die Unabhängige Sozialdemo- iratischc Partei beizutreten und den Anschluß deS Sv'.jnldenivkratiichen Vereins Erfurt zu vollziehen. In der Debatte erklärten einige Genossen, ein Friedrich und ReiKhaus, auch sie ständen in Oppo- sitivn gegen den Parteivvrslnnd und seine Politik, könnten aber eine Trennung nicht gutheißen. Man müsse in der Partei bleiben. Diese Meinung wurde aber von der Mehrheit der Genossen nicht geteilt, die der Ansicht war, nachdem der Parteivorstand die Partei in eine nationalistische umgewandelt habe, sei es Pflicht der Genofsen, die auf dem Boden der alten Partei stünden, auch ihren Anschluß an die Unab- hängige Sozialdemokratische Partei zu vollziehen. So wurde denn auch beschlossen. Der Sozialdemokratische Berein sür Halle und den Saalkreis hat in seiner am Sonntag, den 3. Juni lbl? abgehaltenen außerordentlichen Ktreisgeneralver- sammlung einmütig seinen Anschluß an die Unab- hängige Sozialdemokratische Partei vollzogen.— Vor- sitzender des Vereins ist der Neichstagsabgeordnete A. Albrecht.— Bis jetzt haben sich die Kreise Halle- Saalkreis, Merseburg-Querfurt, Mansfelder See und Gebtrgskreis und Torgau-Licbcnwerda der Unab- hängigen Sozialdemokratie angeschlossen.— Es ist zu hoffen, daß der ganze Agitativnsbczirk Halle geschlossen der Unabhängigen Partei beitritt. Eisenach. Auf der Konferenz der Vertreter aus dem 2. Weimarischen Wahlkreis, die am Sonntag in Eisenach tagte, wurde nach eingehenden Auseinander- ietzungen mit Itz gegen 4 Stimmen der Anschluß an die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands beschlossen. Ans Ehemnitz wird uns berichtet: Am ö. Juni fand eine gutbesuchte Versammlung des Vereins der Unabhängigen Sozialdemokraten von Chemnitz und Umgebung statt. Erfreulicherweise hatten sich viele Genossinnen eingefunden. Unter Partetangelegen- heiten wurde beschlossen, eine intensive Hausagitation sür die Partei zu veranstalten, dabei soll vornehmlich für die Gewinnung von Abonnenten auf das neue Frauenorgan geworben werden. Die Genossinnen halten eine solche Tätigkeit für den geeigneten Protest gegen die Maßregelung der Genossin Zetkin. Im weiteren Verlauf der Versammlung nahm man Stellung zur geplanten Stockholmer Sozialisten- konferenz. Die lebhafte Aussprache über die AuS- sichten, die der proletarischen Internationale auf dieser Konferenz blühen, führte, nachdem alle Taten der Firma Schcidcman» für die internationale Arbeitersache während deS Krieges nochmals gewürdigt wnr- den und besonders des Streiches gegen die inter- nationale Sekretärin gedacht ivar, zur einstimmigen Annahme nachstehender Ncsvlntion: „Die Mitgliederversammlung der Unabhängigen Sozialdemokraten von Chemnitz und Umgebung be- dauert, daß die U. S. P. D. keine Leitsätze bekannt- gegeben hat, wie sich die Delegierten auf der Kon- ferenz zu stellen gedenken. Die Versammelten schließen sich dem Schreiben Mehrings vollinhaltlich an und wünschen von den Delegierten, daß sie es ablehnen, mit den Tchetdeinännern gemeinsam zn tagen. Ferner spricht die Versammlung das Verlangen aus, daß sich die Delegierten der ll. S. P. D. in der Friedensfrage auf den Boden der Zimmcrwalder Linken stellen. An- ioust die Chemnitzer Mitgliedschaft nicht in der Lage ist, die Delegierten— auch als ihre Vertreter anzu erkennen." Auch wir haben wiederholt den Standpunkt vcr- treten, daß die Vertretung der U. S. P. D. in Stockholm nur ihre eigene srlbständtge Politik vertritt, und soweit wir unterrichtet sind, wird das auch für ganz selbstverständlich gehalten. Der Kreistag des sozialdemokratischen Vereins Torgan-Liebenwerda hat nach lebhafter Aussprache auf Antrag des Kreisvorstandes den Anschluß an die Unabhängige Partei mit 14 gegen g Stimmen bc- schlössen. 2 Delegierte und der ReichstagSkandidat wollten, obwohl sie zur Opposition stehen, die Eni- icheidnng bis nach dem Parteitag der Regierungs- svzialisten aufschieben. Nachdem dann aber die ent- scheidende Abstimmung erfolgt war, ivurdc gegen die Aenderung des Vereinsstatuts im Sinne der Unab- hängigen Partei kein Widerspruch mehr laut. Die Tchmalkaldencr Organisation hat sich der Un- abhängigen Sozialdemokratischen Partei angeschlossen. Die Wahlkreiskonferenz von Gießcn-Nidda lehnte mit 18 gegen 14 Stimmen den Anschluß an die Unab- hängige Sozialdemokratische Partei ab. Dies„Mehr- heitsvotum" steht auf recht bedenklichen Füßen. Für den Antrag auf Anschluß an die Unabhängige Partei stimmten 12 Delegierte aus Orten, deren Mitglieder- zahl zur Zeit noch 210, gegen den Antrag ebenfalls 12 Delegierte aus Orten mit insgesamt 6 2 Mitglie- dern. Hinzu kamen mit Stimmrecht 7 Kreisvorstandsmitglieder und ein Vertreter des Parteigeschäfts. Von diesen 8 stimmten 6 gegen, 2 für den Uebertritt zur U. S. P. Das Ergebnis kam zustande dank eines Wahlsystems, das jeder Filiale bis 25, VUtglicder je 2 Delegierte, und für jede weitere 50 Mitglieder einen weiteren Delegierten einräumt. So wurden die oppo- sitivnellen Vertreter der größeren Parteiorte durch Vertreter kleinster Mitgliedschaften und Kreisvorstands- Mitglieder majorisiert. Doch falsch dürfte die An- nähme sein, damit die große Mehrheit der Mitglieder der Gießener Wahlkreisorganisation, die sür den An- schlutz an die U. S. P. eintritt, auf die Dauer nieder- halten zn können. Aus Breslau. Die Breslauer Volksmacht, das Organ der Regierungssozialisten, ist von der Grün- dung einer Ortsgruppe der Unabhängigen Sozial- demokratischen Partei recht unangenehm berührt, lim nun die Ortsgruppe verächtlich zu machen, werden die Gründer und Mitglieder als Zänker und Stänker ver- schrien. Auch ivill sie nicht böse sein, wenn alle die- jenigen, die sich im Sozialdemokratischen Verein alS Zänker und Stänker betätigen, Anschluß bei der Un- abhängigen Organisation suchten. Entwicklungsfähig werde die neue Gruppe nicht sein, sie werde eines Tages als Schmetterlingsfänger und Barfnßläufer ein Ende nehmen. Hoffentlich folgt nun noch ein Ent- rüstungsbrief eines Feldgrauen und die neue Bc- wegnng ist tot. Je mehr unsere Gegner spotten, desto mehr sttrch- tcn sie uns, das ist ein alter Erfahrungssatz, darum können wir die geistvollen„Witze" der Volksmacht lachend gntttteren. Das Blatt hat übrigens während des Krieges in Verdrehungen und Verleumdungen so Große? geleistet, daß der Name kaum noch auffällt. Jeder soll dahin gehen, wo er hin gehört: der Ansicht sind auch wir, deshalb auch die vielen lieber- trttte zur Unabhängigen Partei. Nur die Zänker und Stänker werden dort bleiben, weil das eben die führenden Geister im Sozialdemokratischen Verein sind. Ist nicht in jeder Versammlung der persönliche Zank und Stank der„Führenden" ausgetragen wor- den. Haben nicht erst die letzten Bcrsammlnngcn, denen nur Regicrungssozialisten anwohnten, mit Ach und Krach geendet und ihren Abschluß vor einem bürgerlichen Schiedsgericht gefunden. In welchem Lager befanden sich die Herausgeber der Extra-Zirku- lare, die eine Sprache führten, die bei ernsten, über- zeugten Arbeitern nicht üblich ist. Wurde nicht eine Kommission gewählt, nm die Kloake zu reinigen. Die Kommission ist heute noch nicht zusammengetreten, weshalb? Sollte das Gedächtnis während der Kriegs- Gri«n-rungen aus dem Kriegsjuhr 1870. Bon Franz Mehring. Anfang Oktober lgi4 veröffentlichte Genosse Franz Mehring die nachstehenden Erinnerungen. Da sie damals unter den ersten Wirkungen des Kriegs- ficbers nicht die verdiente Beachtung fanden, wollen wir sie hier unseren Lesern zur Kenntnis bringen. Genosse Mehring schreibt: In den letzten Rovembertagen des Jahres 186V ivar ich in die Redaktion der„Zukunft" eingetreten. Im Bttrgfricden hintrrpvmincrscher Landstädtchrn auf- gewachsen, hatte ich mich mit der lauteren Milch preu- ßischer Gesinnung genährt und noch beim Abiturienten- examen auf dem Gymnasium Grctfenverg in Pom- msrn die erste Note erhalten über das glückliche Thema: Preußens Verdienste um Deutschland. Auf der Universität hatte sich mein GesichtSkreto erweitert: ich las die„Volkszeitnng" und die„Zukunft", und ich schwankte anfangs, welcher der beiden Zeitungen ich meine literarischen Erstlinge darbringen sollte. Aber Rabbi Bernsteins talmudistischer Scharfsinn war ichllcßltch nicht ganz mein ltzeschmack und ich sollte erst ein halbes Menschcnalter später sein Nachfolger wer- den: einstweilen fcsselir mich, zumal da meine litera- rischcn Neigungen noch ungleich starker waren alS meine politischen, die feine und unvergleichliche Feder» die Guido Weiß tn der„Zukunft" führte. Sie war das Organ Johann IneobyS und im Jahre 1867 gegründet worden, um aus den entschieden- sten Elementen der Fortschrittspartei wieder eine biir- gerliche Demokratie zn sammeln, dir diesen Namen verdiente. ES gelang ihr jedoch nur einen kleinen Kreis znsamnicnznbringen, der tcilS aus Intellektuellen, namentlich Aerzten, bestand, wie denn Weiß selber nr- sprttnglich' Mediziner war, teils ans Industriellen, die altnngesehenen Firmen angehörten lHcffter.d'Heureuse, Tplndlcrl ober auch, wir Paul Singer, junge nnb selbstgemachte Männer waren. Aber so ausgezeichnet und tüchtig die Jacvbyten alS einzelne Personen sein mochten, so entscheidet in der Politik wie im Kriege nicht der papiernc, noch so geistreiche Opern- tionsplan, sondern der liebe Gott ist immer mit den großen Bntgillonen, und just zur Zeit, wo ich in die btcdoktivn der„Zukunft" eintrat, war ihr KretS zn der Uebcrzeugnng gelangt, daß er eine nähere Flth- lung mit der Arbeiterklasse nchinen niltssc. Es sollte geschehen durch die Rede über das Ziel der Arbetterbewegnng, die Johann Jacvby am 26. Januar 1876 im Neuen Gesrllschastshause am Kott- bufer Tor hielt: in der Form ctnro Rechcnschnftsbertch- tcs. den er als Abgeordneter des zweiten Landtags- Wahlkreises vor dessen Wählern erstattete. Diese Wühler kamen sehr zahlreich, aber es waren Sozial- demokratcn, dle Schweitzer zum Vorsitzenden wählten. Jacoby war klug und konscauent genug, seinen Be- richt zu erstatten, im Unterschied von seinem Mit- abgeordneten Runge, der nach Fvrtschrtttlersttte davon- lief. ES ivar eine imposante Versammlung, die erste, über die ich einen Bericht erstattete. Die Rebe Jacobys wurde aufmerksam angehört, obgleich sie sehr lang war und mtt matter Stimme vor- getragen wurde: sie war mehr et« abgelesener Bor- trag, der bereits im Druck vorlag. Das Gute daran hatte sich Jaeobu auo Lassalle und Marx zusammen- gelesen, dnS minder Gute sich vom Statistiker Engel svilsfliercn lassen, neben dem Jacvhi, im Abgeordneten- Hanse saß, namentlich die Geivinnbcteillgung, für die Engels damals eine gewaltige Reklame machte. Auf die Hörer konnte die Rede schon deshalb ketneii Ein- druck machen, weil sie den proletarischen Klassenkampf verleugnete, auf den die Berliner Sozialdenivkraten ctngeschworen waren. Schweitzer hatte denn auch leichtes Spiel mtt Jacoby, der kein flinker Dcbatter war, und auf Hascnelevers Antrag beschloß die Ver- sammlung, baß Johann Jncobn manche sozialistischen Wahrheiten tn sich ausgenommen habe, aber auf hat- bcm Wege stehen geblieben let. Inzwischen fuhren die„Zukunft" und ihre Freunde fort, au der Hand von Jncobns Prvgrammrede eine neue demokratische Partei zusainmcnzubrtngen. Die Sache hatte aber ihre Schwierigkeiten, und sie war zeit schwach geworden sein, so können wir ja einiges in Erinnerung bringen und dann den Vreslauer Ge- Nossen dac' Urteil überlassen, wo Arbeiterinteressen und Parteiarbeit geleistet wird, oder wo Zank und Stank betrieben wird. Wir gönnen den Sozial- Patrioten das Vergnügen, unsere Bewegung herab- zusetzen, es muß ja einmal der Belagerungszustand fallen und dann erfolgt die Generalabrechnung. In- zwischen aber werden wir für das Wachsen unserer Partei unablässig wirken. Farbe bekenne»». In der obersten Leitung der Rcgierungssozialistcn scheint es in der neuesten Zeit kräftig zn rumoren, so daß nun cndgiltig reiner Tisch mit allen Opponenten gemacht werden soll. Wie wir aus Nürn- b c r g erfahren, besteht dort die Absicht— zweifellos auf Anregung des Parteivorstandes hin— alle Parteibeamten. Führer usw. vor die Alternative zu stelle», daß sie sich erklären, ob sie zukünftig zur Mehrheitsrichtnng oder zur Partei der Unabhängigen gehören wollen. Das ist recht >0, wird aber gar manchem böses Kopfzerbrechen machen. Ter Parteitag der Schweizer Sozialdemokraten trat am Sonnabend in Bern zusammen. Mit großer Mehrheit wurde den Beschlüssen von K i e n- t h a l z u g e st im m t. Die Beteiligung an der Stockholmer Konferenz machte der Parteitag abhängig von der Entscheidung der dritten Zimmerwalder Konferenz, die vor der all- gemeinen internationalen Stockholmer Konferenz statt- finden soll. Die Sonntagssitzung des Parteitages war aus- gefüllt mit der Erörterung der Militär- und Landes- verteiöigungsfrage. Tie Diskussion war sehr lebhaft. Schließlich wurde die Pflicht zur L a n d e s v e r- tcidigungabgelchnt mit 222 gegen 77 Stimmen. Flngblattprozeß. Das Reichsgericht hat die wegen Berbreitnng des auf der internationalen Frauen- konferenz in Bern IVI? des versuchten Landesverrats Angeklagten Dietrich. Kruse, Zimmer und Westmeyer freigesprochen und die Kosten der Rcichskasse auferlegt. Die Angeklagten Schwarz und Wintcrgcrst wurden wegen Verbreitung des Flugblattes: Der Hauptfeind sieht im eigenen Land! wegen Aufreizung zum Klassen- haß zu einer Gefängnisstrafe von je drei Monaten verurteilt, die als durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt wurde. Das Verfahren gegen die erkrankte Genossin Klara Zetkin und im Felde schwer verletzten Lithographen Hans Tittel wurde abge- sondert. Für die Franen. Die neue„Gleichheit". Bon der neuen„Gleich- hcit" weiß die dem Parteivorstand ergebene Presse z» berichten. Sic sei mit dem 8. Juni unter der neuen Redaktion von Marie Juchacz und Heinrich Schulz erschienen. In cincin Einleitnngsarttkcl legt sie dar, wie der Parteivorstand zur Entlassung Klara Zetkins gekommen ist und daß die Partei der Genossin Zetkin eine außergewöhnliche Duldsamkeit entgegengebracht habe, obwohl unsere tapfere Genossin dem Parteivor- stand sehr unbequem war. Heuchlerisch wird unsere Genossin, der leidcnschaslltchen Kämpferin und uncr- müdlichen Arbeiterin, wie der hochintclligenten Führerin der sozialdemokratischen Frauenbewegung und der „Gleichheit" Dank dargebracht. Das Blatt erklärt, nunmehr die demokratische Unterordnung unter die Beschlüsse der Mehrheit vertreten zu wollen. Ein starkes freies Teutschland sei die erste Vorbedingung für eine starke und freie deutsche Arbeiterbewegung. sowie für die Fortentwicklung der deutschen Kultur und so fort. Die Lobesmortc aus dem Munde eincö Heinrich Schulz in Verbindung mit seine»,,„Pro- noch längst nicht unter Dach und Fach, alS im Sommer 1876 der Krieg hereinbrach. Er begrub natürlich dtefe Anfänge und schaufelte auch der„Zukunft" das Grad. Aber den Krieg selbst lmt sie»och durchgehalten, ohne ihren demokratischen Grundsätze» etwas zu veraeben und auch ohne große Zusammenstöße, bis auf ein paar kleine Abenteuer. In Königsberg beantragte ein patriotischer Pro- fessor, namens Manrcnbrccher, die„Zukunft" aus dem akademischen Lesezirkel auszuschließen, da sie„die Gr- mttter der Jugend vergifte". Das war soweit ganz nett und gereichte beiden Teilen zum Nutzen. Für die„Zukunft" war eine hübsche Reklame gemacht und Herr Manrenbrechcr hat später die Ehre gehabt, den Prinzen Wilhelm, den heutigen Kntser, in deutscher Geschichte zu unterrichten. Etwas tragischer gestaltet sich das zweite Aben- teuer. Stephan war kurz vorm Kriege»um General- Postmeister ernannt worden und hatte tn der Errich- tung der Feldpost gleich et» kleines Meisterwerk ge- liefert: er war damals noch ganz in seiner genialen Pertode und besaß also noch etivas von der Naivität des Genies. Er hatte ein amtliches Rundschreiben an die ihm untergebenen Behörden gerichtet, worin«r dte Besorgung der„Bolkszettung" und der„Zukunft" für die Armeelazarette in Frankreich anordne»? und sich dafür auf einen Wunsch der Kronprinzessin bezog. Entsetzte Gamasckenknöpfe berichteten das Unerhörte nn den alten Kaiser, den die Berufung auf die Krön- Prinzessin»och tiefer kränkte als selbst dte Empfehlung der„Bolkszettung" und der«Zukunft". Sein empörtes Gemüt wurde schließlich durch Bismarck beschwichtigt der Stephan nicht missen wollte und konnte, aber die beiden Blätter wurden— als„gesunde Jungen". wie der„Kladderadatsch" scherzte— auö den Armce- lazarctlcn verwiesen. Sonst ist dte„Zukunft" gänzlich»nbehelligt ge- blieben, und utcht minder der„Sozialdemokrat", tn dessen Spalten Hasselmann nainentllch seit Sedan etne äußerst scharfe Polemik gegen dte Friedens- und KriegSpolittk der Regierung führte, eine. kaum minder scharfe Klinge, als sie Ltebknecht gleichzeittg im gramm" sind eine Beleidigung für die Genossin Zetkin, die sich derartige heuchlerische Jereminaden sehr ver- bittet. Aber wahr ist: Es ist eine neue„Gleichheit", die mit der alten„Gleichheit" nicht dao mindeste zu tun hat und mit der auch die proletarische Frauen- bewcgung nichts gemein hat. Hoffen wir, dast es gelingt, unseren Genossinnen bald wieder ein Frauen- blatt geben zu können, das mit der alten„Gleichheit" klare sozialistische Erkenntnis und den alten Kampf- charakter gemein bat. Frauen bei den Pariser Streiks. Wir lesen in der I. K.: Die Pariser Strcikberichte gestatten einen Rückschluß ans die große Ausdehnung, die auch in Frankreich die Frauenarbeit seit dem Kriege erfuhr. Den Auftakt zu der in seiner Folge ganz Paris um- fassenden Bewegung gab der Streik der Schneiderinnen der sogenannten„midinettes". Auch die zunächst dem Streik sich anschließenden Arbeiterinnen gehörten Be- rufen an, in denen die Frauen längst heimisch sind, es waren die Strickerinnen, Modistinnen, Konfekt- tionensen, Spitzenarbeilerinnen, Putzmacherinnen, Wäschearbeiterinnen, Plätterinnen, Verkäuferinnen. Es folgten in einigem Abstand die Restaurantsange- stellten, Limonadenverkäuserinnen, Ladnerinnen, Tele- phonistinnen, Telegraphistinnen, Bank- und Handels- angestellten, schließlich Fabrikarbeiterinnen verschieden- ster Art, darunter u. a. eine Menge Papierarbciterin- neu, Chokoladearbeiterinncn bei Suchard, Seherinnen. Auch die Fischverkäuferinnen in den Markthallen ver- gaßen ihre große Vergangenheit nicht, nur waren die „Hallendamen" der großen französischen sttevolntion nicht, ivie die heute Streitenden, abhängige Angestellte der großen Fischhändler. Interessant ist die lange Liste der für die Militärverwaltung arbeitenden Frauen, die sich am Streik beteiligten. Wir finden militärische Desinsektorinncn, Gasmaskenarbeiterin- neu, Militärknopffabrikarbeiterinnen, Käpimachcrin- nen, Kautschukarbeiterinnen, Chemikerinnen, Militär- Sattlerinnen, Schneiderinnen, Plätterinnen und Schuhmacherinnen, auch Motorführerinnen, auch die „Ccminettes" iEisenbahnerinncn) verschiedener Bahn- gesellschaften, darunter Schaffnerinnen, Gepäckträge- rinnen, Äahnstcigschasfnerinnen. Die Pariser Presse, auch die sozialistische und ge- werkschaftliche, konnte nicht Lobes genug für den poesievollcn, heitern, ja eleganten Eindruck der ersten Streiktagc finden. Daß die Zierde und der Sonnen- schein von Paris nicht Mangel leiden soll, erschien den Parisern nur recht und billig, meinte der Pariser Korrespondent der N. Z. Z. und er fährt fort: „In dem Maße, als die Streikbewegung in die untern Frauenberufe herabstieg, änderte sich dno Aus- sehen der Straßenumzüge. Die Frauen manifestierten nunmehr barhäuptig und in der Arbeitsschürze,' ein größerer Ernst, vielfach auch ein rauherer Ton, eine resolutere Geste kennzeichnete die neuen Streik- bataillonc: Pelzmacher und Pelzmncherinncn, Konfektioneusen, Militärschneiderinnen, Federsabrikantinnen tdle berüchtigten PlumassiercSi durchzogen die Pariser Straße, eine anarchistische rote Masche im Haar, voran die Trikolore schwingend. Man fühlte, daß hier die sozialistisch erzogene Arbeiterin in die Arena trat, die in hartem Ringen ums Dasein die Koketterie verlernt hat, die nicht wie die Mibinettc aus den Gliickofall hoffen kann, der sie von der Straße in die elegante Karosse hebt, wo sie ihrerseits fleißigen Arbeiterinnen- Händen befehlen darf. Aber etwas Neues, Feierliches lag auch auf diesen Frnncngcsichtern, das Bewußtsein ihrer korporativen Persönlichkeit, der Wille, Disziplin und Ordnung einzuhalten, die Entschlossenheit der Schwachen, die sich von einer gerechten Sache durch- örnngen fühlen. Die völlige Abwesenheit des Alkohols und der Brutalität erhebt diese Manifestationen hoch über ähnliche Veranstaltungen der Männer. Die Polizei „BolkSstaat" anschlug, Der Kriegszustand wurde nur verhängt, wo der Krieg tatsächlich auszubrechen drohte: in de» Kttstcnlnnden, ivo man jeden Tag eine Landung der französischen Flotte erwartete. Für den Bereich dcS l., 2., S. und Ist. Armeekorps lPreußen, Pommern, Schleswig-Holstein, Hannover, Braun- ichivetg, Hansestädte usw.) wurde der General Bogel v. Falckensteln als Gouverneur mit dem Sitz in Hannover bestellt. Irgendeine Beschränkung wurde der Presse nicht zugemutet, außer daß sie von Fall zu Fall verständigt wurde, in ihren Mitteilungen über militärische Dinge sich zu beschränken. Das genügte auch vollständig. Nur in einem einzigen Falle hat ein Teil der Presse versagt, und zwar die Presse, die die patriotische Ge- sinnung am liebsten allein gepachtet hätte. Es geschah, als im Bersallcr Hauptquartier der Streit zwischen den„Schießern" und den„Sch..ßern" ausbrach, als Bismarck»nd der Kriegsminister v. Roon das Bvm- vardemcnt von Paris verlangten, das die gesamte Generalität, mit der einzigen Ausnahme eben RoonS, aber mit Moltkc und Blumenthal an der Spitze als einen„Fähnrichstreich" verurteilte, der deu eigenen Irnppcn und der bürgerlichen Bevölkerung von Paris unnütze Blutvpfer auferlegen, den Fall der ge- wältigen, nur durch Hunger bezwingbaren Festung aber auch nicht um einen Tag beschleunigen würde. Diese Ansicht, die vvn vornherein durch militärische Gründe der einleuchtendsten Art gestützt wurde, hat sich denn auch als vollkommen richtig erwiesen, sobald Bismarck seinen Wille» durchgesetzt hatte und mit dem Bombardement begonnen wurde. Um aber seinen Willen durchzusetzen, hatte Bismarck wochenlang durch die von ihm abhängigen Blätter verbreiten lassen, „weibltche Schutzengel" schwebten über dem„Mekka der Zivilisation", will sagen, der König und der Krön- prinz würden durch fremdtümliche Sentimentalitäten ihrer Gemahlinnen zur Schonung der französischen Hauptstadt veranlaßt, unbekümmert darum, ob der Krieg dadurch inö Unabsehbare verlängert würde. Diese Unterstellung, die schlechterdings gar nichts hinter stch hatte, in allerlei verständlichen Anspielun- toleriert sie als ein republikanisches Recht, soweit sich der.beruflichen Korporation keine fremden Elemente anschließen..... Tic englische Arbeitswoche wurde inzwischen durch Gesetz für die Dauer des Krieges in sämtlichen weib- lichen Berufen eingeführt, und Leon Bourgeois sprach bei diesem Anlaß im Parlament sympathische Worte an die Adresse von Arbeitgebern und Arbeiterinnen, die sich ans korporativem Wege anerkennen und ver- ständigen gelernt haben. Der Streik der Midincttes aber wird als ein Zeichen der Zeit in ganz Frankreich Schule machen:„Alle Achtung", meinte zu mir in einem entlegenen Dorfe des Orlcannais ein Bauer,«alle Achtung vor den Frauen von Paris! Die wissen sich durchzusetzen!" Schwindel mit Ersatzmittel». Die schwerste Arbeit haben jetzt unsere Hausfrauen mit dem Einkauf der Lebensmittel und der sonstigen Bedarfsartikel für den Hausbedarf. Was auf diesem Gebiete an Schwindel und Betrug geleistet wird, übersteigt alles Dagewesene. Auf dem Gebiete des Ersatzes wird der Rekord geschlagen. Die amtliche Untersuchungsstelle der Stadt Alten- bürg veröffentlicht von Zeit zu Zeit die Untersuchungs- crgebnisse der neuerschicnencn Ersatzmittel. Die letzte Znsammenstellung betrifft folgende Artikel: „Dia Wusta", Brotaufstrich mit Wurstgeschmack, des schon öfter erwähnten Dia-Nährmittelwerkes, Leipzig, Kantstr. 2g, ist, wie alle Erzeugnisse dieser Firma, in eleganten übergroßen Kartons verpackt, die 30 Gramm einer Mischung enthalten, die im wesentlichen aus ge- würztem Kochsalz sM Proz.) und Majoran besteht. Preis 25 Pf. Wert vielleicht höchstens 111 Ps. DaS Mittel ist vom Kriegswucheramt Dresden vom Handel ausgeschlossen worden. „Pfeffer gestreckt oder Zeisigs Streckpfeffer ist der beste." Hersteller A. M. Zeisig, Leipzig. Das Erzeug- nis enthält 70 Proz. Salz und im übrigen hauptsächlich Ingwer, weniger Paprika und vermutlich auch etwas Pfeffer. Ter Geschmack ist außerordentlich scharf beißend und brennend. 10 Gramm kosten lö Pf. oder das Pfund 7,50 Pik. „Feiner Banillin-Puder Marke Krone" von A. Junghanns& Co., Leipzig, ist kohlensaurer Kalk (Kreide) mit Spuren(0,16 Proz.) Vanillin. 12 Gramm kosten 10 Pf. Wert höchstens ein Drittel des Preises. „Vanillin-Taucen-Pulver Marke Kröne", von dem- selben Hersteller, war dasselbe, gleich teure, nur mit Tcerfarbstosf gelb gefärbte Erzeugnis.(Vanillin nur ((,12 Proz.). „Abdul-Waschmittcl. Das Geheimnis des Orients, spart Geld, Zeit und Arbeit. Schont die Wäsche." Hersteller Waschmittelfabrtk„Abdul", W. Louis Schütte, Leipzig. Eine durch eine Querwand in zwei Teile geteilte Blechbüchse enthält in dem kleineren Teil(je nach Größe) 30—50 Gramm Natrtumsuperoxyd, in dem größeren Teil 300—140 Gramm eine Mischung Haupt- sächlich bestehend aus Kochsalz(82—87 Proz.) mit mehr oder weniger Sulfat, etwas Soda(2—1 Proz.), Sand und ein Tchanmmittcl(Waschholz). Da das Wasch- mittel Natrinmsuperöxyd enthält, handelt es sich um eines jener gefährlichen Mittel, vor deren. Gebrauch kürzlich durch eine Bekanntmachung des Herzoglichen Ministeriums öffentlich gewarnt worden ist. Nichi nur, daß das Arbeiten mit Natriumsuperoxyd an und für sich gefährlich ist, auch kann es, wenn bei seiner Anwendung nicht genau nach Vorschrift verfahren wird, wegen seiner Aetzwtrkung der Wasche mehr schaden als nützen. Als'Nachteil ist auch nvch zu er- wähnen, daß die Salzmischung von der Gefäßwand her mit einer dicken Rostschicht überzogen war. Reinigungsmittel„Schmiersin", in den Handel ge- bracht vvn Benesch k- Fruchtmann, Meuselwitz, ist eine ziemlich feste Pflanzcnschleim-Gallerte, die 95,2 Proz. Wasser und nur 1,2 Proz.«wirksames Alkali(Soda) gen verbreitet zu haben, ist das einzige, was die Presse oder vielmehr nur ihr offiziös geeichter Flügel da- malö in militärischen Fragen gesündigt hat. Sonst aber hat die Presse sich in Fragen der inne- ren Politik den Mund nicht verbieten lassen und es ist auch gar kein Versuch gemacht worden, ihr den Mund zu verbieten. Ueberhauvt gingen das Partei- leben und natürlich auch der Parteiknmps im Kriege ihren ttzang weiter, als wenn Frieden wäre. Es seien nur einige Beispiele heransgegriffcii. Am 30. August erließen liberale„Notabilttnten" einen Aufruf an das deutsche Volk, worin der Regierung die Annexion französischer Provinzen mehr nvch vorgeschrieben als angeraten wurde. Das mochte der Regierung noch bequem sein und vielleicht war dieser Anfruf selbst bestellte Arbeit, aber sehr unbequem war ihr schon— nach der Sprache ihrer Organe—, daß die Fortschritts- Partei am 26. September eine öffentliche Kundgebung erließ, worin sie unter scharfer Kritik der Norddeut- scheu Bundesverfassung die Einberufung eines gesamt- deutschen Parlainciits forderte, um eine gesamtdeutsche Verfassung ans freiheitlicher Grundlage zn beraten. Und wie auf politischem so auch auf religiösem Gebiete. Gleichzeitig mit dem Ausbruch des Krieges hatte das vatikanische Konzil das Dogma von der U»- fehlbarkeit des Papstes verkündet, und nun ging die Katzbalgerei los. Bereits am 27. Juli erhob der katholische Geistliche Michelis öffentliche Anklage„vor dem Angesicht der Kirche Gottes" gegen den Papst Pius IX.„als einen Häretiker und Verwüster der Kirche". Am 31. August beschlossen dagegen die deut- scheu Bischöfe in Fulda, sich dem Unfehlbarkeitsdogma zu unterwerfen und die gleiche Unterwerfung von ihren Beichtkindern zu verlangen. Am 3. September beanspruchte der Bischof von Paderborn von den Lehrern seiner philosophisch-theolvgischen Lehranstalt die Unterschrift unter Unfehlbarkeitsdogma. Am 5. September erklärten sich wieder neun Lehrer an der Universität Breslau gegen das Dogma und am 18. De- zember begann die„Kölnische Zeitung"„päpstliche Ver- lustUsten" zu veröffentlichen, will sagen, die Namen der enthält. Nach dem wirksamen Alkaligehalt berechnet beträgt der Wert für 1 Pfund noch nicht einmal 1 Pf., während das„Reinigungsmittel" i?) 55 Pf. kostet! „Reinigungsmittel" der Firma Emil Meixuer, Zwickau, kostet im Einkauf 1,50 Mk., im Kleinvcrkauf 2 Mk. das Pfund. Es besteht ans einer Seifeugallerte, die 93,6 Proz. Wasser und höchstens 6 Proz. Seife enthält. Nach den jetzt geltenden Seifenhöchstpreisen berechnet sich der Wert zu höchstens 26 Pf. das Pfund! Das Mittel darf außerdem nur gegen Seifenkarten abgegeben werden. „Al-Gi-Stärke Ersatz" war gepulverter Leim mit Zusatz von rund 15 Proz. Mineralstvffcn ihauptsächlich Kreide und töhlcnsanrc Magnesia). Ein Päckchen mit 32 Gramm Inhalt kostet 25 Pf. Der Preis ist im Vergleich zum Wert der Ware entschieden zu hoch. „Sonne-Stärkc-Ersatz" besteht aus 30 Teilen Kar- tosfelmehl und 70 Teilen schwefelsaurer Magnesia (Bittersalz). Es handelt sich also qar nicht um einen Stärke-Ersatz, sondern um wirkliche Stärke mit Zusatz von Bittersalz. Ein Beutel inii rund 30 Grauim In- halt kostet 25 Pf., das ist mehr als das sechsfache des wirklichen Wertes. Feinstärke„Stärkamol" ist ein trockener Stärke- kleister. Ein Päckchen mit rund 30 Gramm kostet 10 Ps., das Pfund also 6,65 Mk! Eine recht teure Stärke. „Rudolf Lehmanns Kvchstärke-Ersatz" von Rudolf Lehmann 8- Co. in Leipzig, ist gepulverter Leim mit Zusatz von 15,20 Proz. Mincralstoffen(wie Gips und Kreide). Der Preis von 25 Pf. für ein Bcntelchen mit 25 Gramm Inhalt oder von 5 Aik. für ein Pfund entspricht nicht dem reellen Wert. Eiersatz aus gefärbtem Kalk hatte der Kaufmann Alb. Schmidt verkauft, weshalb er sich vor dem Schöffengericht in Berlin zu verantworten hatte. Wie Geh. Regierungsrat Professor Dr. Juckenack in einer der entnommenen Proben feststellte, bestand der„Er- satz" in der Hauptsache ans kohlensaurem Kalk, söge- nannter Schlemmkrcide, die mittels eines Teerfarb- stofses gelblich gefärbt worden war. Von den Bestand- teilen des Eies wies er dagegen nur ganz geringe Mengen Eiweiß, etwa I Prozent durchschnittlich, auf. Trotzdem sollte 1 Teelöffel voll von diesem Schlemm- kreideprodukt nach der bciqegebenen Gebrauchsanwei- snng genügen, um„deu schönsten Eierkuchen zu backen". Der Angeklagte gab im wesentlichen zn, daß sein Fabrikationsgeheimnis richtig von dem Sachverstän- digen dargestellt worden sei, und führte zu seiner Ent- lastung an, er sei dadurch dazu gekommen, daß im Laufe der Herstellung des Eiersatzes, den er nach einem gekauften Rezept angefertigt habe, Eipnlver und Mehl, die wichtigsten, auch von ihm verwendeten Bestandteile, immer knapper geworden seien, und er deswegen nun- mehr Schlemmkreidc genommen habe. Das Gericht verurteilte ihn zu 100 Mk. Geldstrafe. Was hier in Leipzig fabriziert wirb, ist nicht auf Leipzig allein beschränkt. Berlin steht da nicht zurück. Schwindel allüberall. Mietssteigeruitg. Die offiziellen Vertreter der Hausbesitzer in Berlin wollen es nicht wahr haben, daß sie zum l. Oktober in Berlin eine allgemeine Mietssteigerung beschlossen hätten. In der letzten Stadtverordneten» sitzung benutzte Genosse Dr. Rosenf�lb die Beratung des Statuts für die städtische Feuersozietät, den HauS- besitzern das vvn ihnen geplante Attentat auf die Mieter vorzuhalten. Er entfesselte damit stürmischen Widerspruch. Vertreter von Haus- und Grundbesitzern Katholiken, die von der päpstlichen Unfehlbarkeit ntchiß wissen wollten. Und so mit Grazie ins Endlose. Jedoch wurde gleichzeitig auch ein Versuch unter- nominen, einen Biirgfrieden im heutigen Sinne des Wortes herzustellen. Der Generalgouverneur Vogel v. Falkenstein hatte von vornherein einige Dänen und Welsen, dann am 5. September auch den Braunschwei- ger Ausschuß der Eiscnachcr Fraktion aufheben lassen, weil dieser einen Aufruf für einen Frieden mit der französischen Republik und gegen die Annexion Elsaß- Lothringens erlassen hatte. Das machte zunächst keni großes Aufsehen, denn von einzelnen Organen abge- sehen, ließ sich die große Masse der bürgerlichen Presse um Dänen, Welsen und Sozialdemokraten keine grauen Haare wachsen. Aber als nun auch Johann Jacoby verhaftet wurde, weil er sich am 11. September argen die Annexion Elsaß-LothringcnS ausgesprochen hatte, die beiläufig noch keineswegs als offizieller Kriegszweck verkündet worden war, machte sich doch ein lebhafter Unwille kund, und es kennzeichnet die Sachlage, daß z» diesen Unwilligen, nicht an letzter, sondern vielleicht selbst an erster Stelle, Bismarck gehörte. Als einer seiner Räte sich darüber freute, daß Falkenstein den„faulen Schwätzer eingespunden habe, erwiderte Bismarck wütend, wenn auch nicht witzig: „Wen» er ihn als Rhinozeroskotelett gegessen hätte, meinethalben, aber ihn einsperren, da hatte er nichts als einen alten dürren Juden." DaS ist erst später be- kannt geworden, aber auch ans handhaster Tat bcknn- bete Bismarck deutlich genug, Saß ihm die Verhaftung Faeobys höchst uiivotUommen war. Er tonnte sie nicht kurzweg rückgängig machen, denn in rein»itUtärlschen Sachen hatte er trotz seiner sonstigen Macht bekanntlich „nix to feggcn", und zumal war er mit dem militüri- scheu Hauptquartier über den Fuß gespannt. Er mußte, da er die Verhängung des Kriegszustandes über dix Küstcnlande verantwortlich gegengezeichnet hatte, die Verhaftung Jacobys öffentlich wohl oder übel ver- teidigen, aber er tat es in einer Weise, die unschwer erkennen ließ, daß er die Geschichte gern aus der Welt haben wollte.(Schluß folgt.) meldeten sich zum Wort. Sie legten die Berechtigung ihrer Bestrebungen dar, ihre erhöhten Ausgaben durch erhöhte Einnahmen ivettzumacheu, aber ein Beschluß des Bundes, jetzt eine allgemeine Mietssteigerung vor- zunehmen, liege nicht vor. Wohl hätten einige Vereine darüber beraten und auch Zustimmung gefunden, er- höhte Mietseinnahmen herbeizuführen, aber von Her- beiführnng einer allgemeinen Mietssteigerung könne keine Rede sein. Genosse Rosenfeld wies aus Be- richten des Organes des Bundes der Grund- und Hausbesitzer, das„Grundeigentum", die Richtigkeit seiner Behauptung nach, was aber die Herren Haus- besitzer nicht gelten lassen wollten. Das wären ein- zelne, die das täten und das sei auch berechtigt, in seiner Allgemeinheit treffe aber die behauptete all- gemeine Mietssteigerung nicht zu. Uebrigcns, so riefen einige Hausbesitzer unserem Redner zu, sei speziell in Mvabit ein bekannter Sozialdemokrat namens Rieth die treibende Kraft einer Miets- erhöhung. Wir kennen in Moabit einen sozialdemokratischen Hausbesitzer dieses Namens nicht. Da müssen die Herrschaften schon deutlicher werden, wen sie meinen. Solange sie das nicht tun, müssen wir an- nehmen, daß sie sich solche Sozialdemokraten zurecht- gemacht haben, die sich nicht nur mit MietSsteigcrungen im eigenen Hause zufrieden geben— solche wird es geben— sondern, und darauf kommt es an, andere Hausbesitzer zu Mictssteigcrungen anreizen. Wir werden ja sehen, in welchem Umfange die von „Einzelnen" angekündigten Mietssteigcrungen durch- geführt werden. Die Szene im Rathause sah einer Beschwichtigung der aufgebrachten Mieterschaft sehr ähnlich. Auf Graf Aaeselers Rittergut. Die Allgemeine Deutsche Fleiicherzcitung schreibt:„Nachdem der Präsident des Kriegsernährungs- amts v. Batocki im Reichstage die Richtigkeit der von uns über die Mißstände auf dem Gute des Gencralfeldmarschalls Grafen Haeseler gebrachten Darstellung bestritten hat,(auch wir haben seinerzeit solche Veröffentlichungen gebracht, Red. d. Mitt.) haben wir, obwohl uns aus der llnlgegcnd von Harnecop von Personen, die mit den dortigen Verhältnissen vollauf vertraut sind, Mitteilungen vorlagen, welche unsre Angaben durchaus bestätigen, es doch noch für erforderlich erachtet, einen Redakteur der Allgemeinen Fleischerzeitung zu eingehender Information nach Harnecop zu senden, der folgendes festgestellt hat: Nicht övö Mutterschafe erfreuen sich ihres Daseins in Harnecop, sondern eine Herde von etwas über 1000 Schafen Werbet Mitglieder! Die Reichskoufercuz i» Gotha, die iu den Öfter- tagen staltgefundeu hat. hat den ciusammenschluß der Oppositiou vollzogen. Es gilt jetzt, alle Kräfte zu- iammcnzufasscn. die aus dem Boden unserer sozialisti- ichen Ausfassung stehe» und neue Streiter für unsere Sache, den proletarischen Kampf, zu gewinne«. Neues Leben geht durch dao Proletariat, die durch den Krieg und die Politik der Negierungssozialisten verwirrt und mißinntig gewordenen Arbeiter gewinnen das Vertrauen zur Sache wieder. Und wenn sie vorwärts wollen, müssen sie sich ans eigene Füße stellen, müssen eine selbständige Politik verfolge«. Das ist aber die Ausgabe der Unabhängigen Sozialdcmv- k r a t i s ch e» Partei Deutschlands. Für sie z« wirken, ist jedes Genossen Pflicht! Die sozialdemokratischen Wahlvereine iu Groß- Berlin stehen aus dem Boden der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei. Sie zu stärken, ist eine dringende Aufgabe aller Arbeiter, die gerade und aus- recht politisch kämpfen wollen. Alle die Genosse«, die in der Kriegszeit infolge der Politik der Sozial- Patrioten beiseite gegangen sind, aber auch alle die- jenigen, die uns noch fernstehen, aber unsere Reihen wieder füllen wollen, sollen unverzüglich ihren Beitritt zu«nserer politischen Organisation erklären. Wer das nicht anders kann, fülle das unten- stehende Formular aus und sende es an das B e r- baudsbiiro der sozialdemokratischen Wahlvcreine Berlins und Umgegend. Lindenstraßc B. wird auf dein-Gute gehalten, von der nicht ein Tier verkauft oder geschlachtet werden darf. Was eben eingeht, geht ein. Die Felle, die Wolle, das Fleisch von diesen l'OOO Tieren entzieht Graf Haeseler, einer Laune willen, dem Verbrauch der Bevölkerung, und er wird darin noch durch den Präsidenten des Kriegserährungsamts v. Batocki direkt unterstützt. Denn dieser hat vor kurzem erst persönlich deni Grafen Haeseler für seine Lieblinge sechs Zentner Hafer bewilligt. Man niag dem oerdieustvolleu General großen, vielen Dank schulden. Dieser Dank aber kann nicht dazu führen, daß in dieser Zeit wertvolle Nahrungs- mittel einer Laune geopfert werden. Der Wildbestand würde sich ebenfalls, wie die Schafe, eines recht langen Lebens erfreuen, ivenn nicht die Büchsen unberechtigter Jäger das ihre täten, und ivenn nickt das unvorsichtige Wild in die Nachbarforstcn überträte und dort waidmanns- gerecht zur Strecke gebracht würde. Der Fischreichtum des zum Gute gehörenden großen Sees soll geradezu märchen- Haft sein: höchst selten erhält der Förster die Erlaubnis, für seinen Bedarf ein paar Karpfen oder Aale zu fange»: ein Fischen mit Netze» hat der Besitzer streng verboten. Hier wieder dasselbe Bild wie bei den Schafen. In den Großstädten wird das Pfund Fisch teuer bezahlt; hier aber hält Graf Haeseler ungeheure Mengen Fische in seinem Besitztum aus Laune zurück. Findet der Präsident des Kriegsernähcungsamtes dies alles berechtigt? Oder wird er nicht vielmehr aus den vorstehenden Darlegungen Veranlassung zum Einschreileu nehmen?" Verlängerung von Stadtverordneten-Mandaten. Die lange Dauer des Krieges hat dazu geführt, das Volk von allgemeinen Wahlen zu verschonen. Die Neichstagsmandate sind um ein Jahr ver- längert worden und es wird eine neue Vorlage erwogen, abermals die Mandate um ein Jahr zu verlängern. Auch mit den Mandaten für die Gemeindevertretungen und Stadtverordneten- Versammlungen ist im letzten Jahre so verfahren worden. In Verlin wurden vor zwei Jahren Stadtverordneten- Ersatzwahlen vorgenommen. Jetzt haben die Magistrate von Berlin und Char- lottenburg beschlossen, die in diesem Jahre fälligen Ergänzungswahlen um ein Jahr mit der Wirkung zu verschieben, daß die Vertreter, für die eine Er- gänzungswahl nötig gewesen wäre, je ein Jahr mehr und die an ihre Stelle tretenden je ein Jahr weniger in Tätigkeit bleiben. Die Stadtver- ordnetenmandate lauten bekanntlich immer auf 6 Jahre. Ans der Zelt. Die erste Klaffe. Die erste Wagenilasse auf den deutschen Eisenbahnen liefert verhältnismäßig die geringsten Erträge. Sie ist deshalb unwirtschaftlich. Die Bestrebungen auf Abschaffung der ersten Wagenklasse erhalten eine stärke Förderung durch die Erfahrungen während des Krieges. Run soll die erste Wagenklasse in Zukunft noch unwirt- schaftlicher werden, als sie bisher schon ist. Infolge der neuen Reichsverkehrssteuer werden die Tarife aus den Eisenbahnen eine Erhöhung erfahren. Der Kilometer- ciuheitSpreis für die Personenbeförderung soll erhöht iverden in der vierten Wagcvklasse von 2 auf 2,4 Pf., j„ der dritten Wagcnklasse von 3 ans 3,7 Pf., in der zweiten Waacnklasse von 4,6 auf 5,7 Pf. und in der ersten Wagen- klaffe von 7 auf 9 Pf. Die Erhöhung des Kilometer- Preises würde hiernach betragen tu der vierten Wagen- klaffe 20 Proz., in der dritten Wagenklasse 23,3 Proz, in der zweiten Wagentlasse 20,7 Proz. und in der erste» Wagcnklasse 28,9 Proz. Diese Gegenüberstellung gibt aber ein falsches Bild von der tatsächlichen Erhöhung der Fahrpreise. Man muß nämlich auch beim Vergleich zwischen heute und künftig die heutigen Wirkungen der künftig fortfallenden Fahrkartensteuer in Betracht ziehen. Wird bei Bemessung der heutigen Fahrpreise die Fahrkartensteuer berücksichtigt, so ergibt sich, dag nach den Plänen für die Tariferhöhung künftig eine Reise in der vierten Wagenklasse im Durch- schnitt um 10 Proz., in der dritten um 8,l Proz. und in der zweiten um g Proz. verteuert wird, während man in der ersten Klasse nicht teurer, sondern um>,2 Proz. billiger fahren wird als heute. Die erste Wagcnklasse, die ohne- hin wenig einbringt, soll in Zukunft verhältnismäßig noch weniger einbringen. Eine eigenartige Tarifpolitik! Die Klasseneinteilung auf der Eisenbahn entspricht zwar dem Charakter unserer Zeit, es ist aber doch nickt gcrecktfertigt, daß ein Teil des reisenden Publikums das auf Kosten anderer tut. Genau ausfüllen! Ich erkläre hiermit meinen Beitritt zum Sozialdemokratischen Wahlverein Unabhängige Sozialdemokratische Partei Name Wohnung.. Reiche Fischfänge. Im Kattegat ist der M a k r e- lenfang, wie aus Kiel�gemeldet wird, äußerst er- giebig. Täglich werden 60 000 bis 80 000 Stück nach dem Hafen Kungshamn am Kattegat eingebracht. Das Jahr 1917 verspricht sonach ein günstiges Makrelenjahr zu werden. In der Schlei machten Schleswiger Fischer einen Fang, wie er seit vier Jahrzehnten nicht er- zielt worden ist. Sie fingen auf einen Schlag 36 000 Pfund vorzüglicher Heringe. Das wäre alles recht schön: wenn man Vorkehrun- gen träfe, daß dieser Fischsegen, der danach in diesem Jahre zu erwarten ist, nicht wieder den Spekulanten in die gierigen Hände fiele! Not kennt kein Gebot. In einem Thüringer Blatte lesen wir folgende Zeilen aus Arnstadt: „Gegenwärtig bei der Kohlenknappheit sucht jede sorg- samc Hausfrau oder jeder Hausvater sich einen Vorrat an Winterbcdars für de» Ofen anzuschaffen. Allen schwebt der strenge Winter vom letzten Jahre vor und bange sieht er der Zukunft entgegen, mit dem Ge- danken, waS soll werden, wenn wieder eine derartige Kälteperiode eintritt. Briketts gibt es nur alle paar Wochen einen halben Zentner, der wird zum Kochen gebraucht, also geht man„ins Holz". Stadtisckerseits ist großes Entgegenkommen gezeigt worden, das in vielen Füllen gemißbraucht wurde. Und doch ist das erklärlich. Ter Manu ist im Schützengraben, die Lebensmittel sind knapp und dann auch noch frieren im Winter, das sind der Opfer zu viele von den schwer- geprüften Frauen verlangt. Schon um 1 Uhr nachts fahren deshalb die ersten mit Handwagen hinaus, um dann früh um 6 oder 7 Uhr wieder zur Arbeit zu gehen. Die meisten der jetzt Holz holenden Leute sind früher nie hinausgegangen, nur der Krieg und immer wieber der Krieg ist die Ursache. Daß die Feldpolizei jetzt viel zu tun hat, muß zugegeben werden. Wenn auch öfters ein Auge zugedrückt wird, so kann sie doch nicht alle beide zudrücken. Besserung durch Strafe herbei- zuführen, ist aussichtslos, weil ein dringender Not- stand vorliegt. Bei Ausstellung der Strafbefehle möge der Magistrat eingedenk sein, daß die Leute durch die Not zu Gcsetzcsverlctzungen gezwungen werden. Frevel, Leichtsinn oder böser Wille liegt nicht vor. Deshalb möge man in weitestem Maße Gnade vor Recht ergehen lassen und den Schaden auf Kriegs- kosten buchen, wie so manches andere." Mit Strafbefchlen schafft man die Feuerungs- knappheir nicht aus der Welt. Bei dem Holzreichtum in den thüringischen Forsten sollten Gemeinden und Staat, die Besitzer der Forsten, alle Mittel anwenden, um die Bevölkerung mit billigem Feuerungsmaterial zu versorgen. Es ist doch schon ein großes Opfer, wenn die armen Leute ihre Nachtruhe hergeben, um sich etwas Holz weit herzuholen. Welche kolossalen Mittel durch die Rentenaustalten ausgespeichert werden, beweist die Uebersicht über die Angestelltenversichernng für das Jahr 1916. Diese Versicherung erzielte im Jahre 1916 eine Beitrags- einnähme von 119 Millionen und im Jahre 1914(die höchste bis jetzt erzielte Einnahme) 132 Millionen. Die Versicherung gewährt zurzeit Renten imr in Aus- nahmefällen, nämlich dann, wenn durch erhebliche Bei- tragsnachzahlnnaen die Wartezeit abgekürzt worden ist. Die hauptsächlichste Leistung der Angestelltenversichc- rung ist vorläufig nur daS Heilverfahren. Im Jahre 1916 wurden 24 179 Anträge auf Uebernahme solcher gestellt. In Wirklichkeit wurden 16894 Personen einer Heilbehandlung unterzogen igegen 1026 im Jahre 19l5j, wodurch 8'/- Millionen Mark Kosten entstanden. In 2393 Fällen handelte es sich nur um Zuschüsse zu Zahnersatz. Die Versicherung gewährt auch Beihilfen zur„Berufsumlernung",' dahingehende Anträge gingen 87 ein. In der kurzen Zeit ihres Bestehens hat die Anaestelltenversicherung mit ihren knapp zwei Millionen Versicherten ein Vcrurögen von an- nähernd einer Halden Milliarde Mark zusammengebracht. Mc ReichSvcrsicherungsanstalt für Ange stellte klagt jetzt sehr über mangelhaften Eingang aller Beiträge durch die Arbeitgeber. Es wllen schärfere Maßnahmen angewendet werden. Geleistet wird demnach jetzt sehr wenig. Renten werden bekanntlich— von Ausnahmefällen abgesehen — erst vom Jahre 1922 gewährt und Hinterbliebenen rente vom Jahre 1918 ab. Bis dahin wird das Ber- mögen ins Endlose wachsen. Krtegskinder. In der„Wiener Arbeiterzeitung' wird unter„Kleinen Alltaqserlebnissen' das folyendc Ge- schichtchen erzählt: In der Elektriscken sitzt em junges Weib mit seinem hübschen Kinde auf dem Arme. Als ein Soldat einsteigt, beginnt der Kleine zu zappeln und zu krähen und streckt dem Burschen seine Aermchen entgegen: „Papa! Papa!" Die Frau wird dunkclrot vor Verlegen- heil..So a dummer Aua!" sagt sie entschuldigend halb zu mir, halb zum stürmisch Begrüßten.„Seit mein Mann auf Urlaub war, halt er an' jeden Soldaten für sein' Vater." -„Machen S' Ihnen nix draus." begütigt ein freund- licher Landstürincr,„ich Hab' auch so an Buam daham. in Wels, der mi»et kennt. Gibt jetzt überhaupt mehrere Kinder in der Welt, die ihren Vater noch net oft g'sehen hab'n." Achtung! Gebundene Exemplare des Mitteilungsblattes für den Jahrgang 1918/17 werden im Verbandsbüro, Linbenstraße 3. zum Preise von 8 Mark in beschränkter Zahl abgegeben. Verantw. Redakteur: C. Leid; Verleger: A. Hoffmann; beide Berlin S�V. 68, Lindenftr. 3. Druck: Maurer& Dunmick, Berlin, Köpenicker Str. 36-38.