a niitteilungS'Blatt des Verbandes der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins und Umgegend, i Zu beziehen durch die Bezirksführer die Nummer zu 10 Pf. oder durch die Post.— Redaktion u. Verlag: 0.27» Schicklerstr. 5. Fernruf: Alexander, 3007. Nr. 26. Berlin, den 23. September 1917. 12. Jahrgang. vst lWsche Qagöilit und das deuifch« Schattenspiel. Kein Kürgerkrieg» aber Fortdauer des Klassenkampfes. Schneller, als wir vor acht Tagen ahnen konn- ten, ist die unheilschwangere Gewitterwolke eines Bürgerkrieges über Ruhland dahingezogen, ohne sich in vernichtenden Blitzen zu entladen. Der Staatsstreich Kormlows ist in wenigen Tagen zusammengebrochen. So dürftig und einseitig auch die aus Nutzland kommenden Rachrichten sind, das eine steht fest, dast Kerenski Herr der Lage ist und dast der rutzische Bonaparte nur einen kurzen Machttraum träumen konnte. Zur Stunde ist zwar noch nicht zuverlässig bekannt, ob Kornilow und die übrigen Generäle, die seinem Sterne folgten, neben den am meisten kompromittierten Politikern in den Händen der provisorischen Regie- rung sind, aber sicher ist, das; der Vorstost der Gegenrevolution schon im ersten Anlauf geschei- tert ist. Der Hauptgrund für das schnelle Ende des Staatsstreiches wird darin liegen, datz die russische Armee dank der Revolution nicht mehr eine Herde uniformierter Muschiks darstellt, die sich früher im Kampfe gegen den„inneren Feind" von den Epaulettenträgern zu Bütteldiensten ge- brauchen liest, sondern zum gröstten Teile aus Männern besteht, die zu einem, wenn auch bei den meisten noch unklaren Eigenleben erwacht sind und von der Revolution mehr erwarten als von der Eegenrevolutioi». Gegen diese in der ganzen Armee vorherrschende Stimmung hat die sorg- fältig ausgewählte Leibgarde Kornilows mit ihren asiatischen Regimentern, ihren Kosaken und anderen Truppenteilen, die sich aus reichen Bauerngegenden rekrutieren, nichts ausrichten kön- nen. Daneben hat natürlich KornilowsStaatsstreich alle Kräfte der revolutionären Demokratie auf den Plan gerufen und in eine Front gebracht. Es müssen unüberwindliche Schwierigkeiten gewesen sein, die Kornilow, der kein beliebiger Hofgeneral oder Frontroutinier, sondern ein befähigter Militär sein soll, zu einer so schnellen Kapitulation oeranlastt haben. Zuverlässige Einzelheiten über diese kurze Bllrgerkriegsepisode sind noch nicht bekannt. Kerenski hat auch das offizielle Telegraphenbüro in seiner Hand und lästt natürlich nur solche Räch- richten in die Welt gehen, die ihn und seine Politik als Sieger kennzeichnen. Aber weder dieMassenver- Haftungen von Generälen noch die energischen Kund- gedungen Kerenskis dürfen über die Tatsache hin- wegtäuschen, dast der Klassenkampf in Rustland weiter geht, wenn auch die Mächte der Gegen- revolution zurzeit geduckt worden sind. Und die Gefahr, dast die äusteren und inneren Konflikte Rustlands den Kampf der Klassen zum Bürger- kriege steigern, besteht immer noch. Eine Folge des gescheiterten Staatsstreiches i>t die formelle' Erklärung Rustlands zur Republik. Die Entscheidung über die Staatsform sollte ur- sprünglich der Konstituante, der ausschlaggebenden, aus allgemeinen Wahlen hervorgegangenen, pro- visorischen Volksvertretung vorbehalten� bleiben. Die bürgerlichen Elemente hatten die Frage der Staatsförm, der Agrarreform und andere wichtige wirtschaftliche und politische Fragen der Konsti- tuante vorbehalten, um der Gefahr zu entgehen, dast der revolutionäre Sozialismus vorzeitig die Lösung dieser Fragen erzwinge. Jetzt hat das Bürgertum in einer Frage nachgeben müssen und must befürchten, dast auch noch andere Probleme, vor Zusammentritt der Konstituante gegen seine j Klasseninteressen zur Entscheidung gebracht werben. Die Erklärung Rustlands zur Republik soll � nack, austen dartun. dast die zaristische Eegenrevo- lution einen vernichtenden Schlag erhalten hat i und daß die Geschichte des Zarentums endgültig abgeschlossen ist. Jetzt lautet der Kampfruf aber: Hie Bourgeoisrepublik!— Hie soziale Republik! Und in diesem Zeichen werden sich die kommenden inneren Kämpfe Rust- lands abspielen. Das Wort Gegenrevolution wird in der deut- schen Presse meist nur in bezug auf die Bestrebun- gen und Machenschaften der Anhänger und Krea- turen des Zarentums angewandt. Wir Sozialisten haben aber zu unterscheiden zwischen der zari- stischen und der bürgerlichen Gegenrevolution, wie es unsere russischen Genossen ja auch tun. Für die deutsche bürgerliche Presse sind die Jntriguen und Treibereien der russischen Kadetten, Okto- bristen usw. keine Lebensäusterungen der Gegen- revolution. Die Klassensolidarität des deutschen Bürgertums hält es für eine durchaus legitime Sache, wenn die russischen Industriellen, Bankiers, Erostgrundbesitzer�md deren politische Wortführer gegen„mastlose Forderungen" des Sozialismus und der revolutionären Demokratie Front machen. Die bürgerliche Gegenrevolution hat mit der zaristischen Gegenrevolution paktiert, in der Hoff- nung, mit deren Hilfe zum Siege zu gelangen. Bei einem Siege der Gegenrevolution hätte sich die überwältigende Mehrheit der Bourgeoisie auch wieder mit dem Zarentum abgefunden, dem sie ei"? gewisse wirtschaftliche und politische Ellbogen- freiheit hätte abschachern können. Jetzt, da es mit dem Zarentum aus und vorbei ist, findet sich die russische Bourgeoisie auch mit der republika- nischen Staatsform ab, aber ihr Bestreben läuft natürlich darauf hinaus, diese nach dem Muster der französischen oder amerikanischen Bourgeoisrepublik zu gestalten, vor allem aber die bestehen- den Besitzverhältnisse aufrecht zu erhalten. Das Bestreben des revolutionären Sozialismus must aber darauf hingehen, nicht bloß die äußere Staatsform zu demokratisieren, sondern auch deren ökonomischen Unterbau zu sozialisieren und die Demokratie auf allen Gebieten des sozialen Lebens zur Geltung zu bringen. Ein entscheidender Klassenkampf in seiner schärfsten Form steht also Rustland noch bevor und der Konsliktsstoff liegt haufenweis getürmt, mag man nun an die Agrar- frage oder die der industriellen Großbetriebe, die des Wahlrechts oder der Nationalitäten, die der Kirche und Schule oder die des Heerwesens heran- treten. Es ist das tragische Geschick Rußlands, dast dieser Klassenkampf zur Entscheidung drängt in einer Zeit, in der von der Ostsee bis zum Schwor? zen Meer der Kampf gegen den äusteren Feind geführt werden must, in einer Zeit, in der das Land das furchtbare Erbe eines verbrecherischen Herrschafts- und Verwaltungssystems auf sich nehmen mußte, in der seine Geschicke verquickt und verfilzt sind mit den politischen, militärischen und finanziellen Interessen einer Mächtekoalition, von deren Gunst oder Ungunst viel für die Zukunft des russischen Volkes abhängt. Rur so ist zu ver- stehen, daß Kerenski immer wieder versucht, einen Kurs zu steuern, der ein Kompromist zwischen Bürgertum und Sozialismus darstellt und den offenen Ausbruch des Klassenkampfes verhüten soll, wobei er sich bald mehr auf die eine, bald mehr auf die andere Seite stützt. Es ist unsäglich albern und zeigt von dem jämmerlichen Tiefstande gewisser deutscher Blätter. Kerenski als bestochenes Subjekt der Entente hinzustellen. Er hat sicher den besten Willen, die Früchte der Revolution zum Reifen zu bringen, aber stärker als sein persönlicher Wille, seine rastlo'e Energie und sein politisches und rednerisches Geschick werden die Wirtschaft- Berlin, den 18. September 1917. lichen Kräfte sein, aus deren Schoß der Klassen- kämpf entspringt, der zur Entscheidung drängt. Wir Sozialisten sollen uns aber darüber klar sein, daß in Rustland die soziale Republik nur dann zum Siege kommen kann, wenn auch in den anderen Ländern der Sache des Sozialismus und der Demokratie zum Durchbruch verholfen wird. »* * David und Goliath. Herr Eduard David hat im„Vorwärts" einen gepfefferten Artikel gegen die alldeutsch-konser- vativ-scharfmacherischen Treibereien losgelassen, die jetzt die Spalten von drei Viertel der deutschen Presse füllen. Nur schade, dast dem Artikel die nötige Schlußfolgerung fehlt. Daß der alldeutsche Goliath mit seiner Philistergefolgschaft heute den „gar gefährlich Mann" spielen kann, ist, nebenbei bemerkt, nicht zuletzt der burgfriedlichen Frömmig- keit des Herrn David und der von ihm inspirierten Getreuen zu danken. Herr Goliath macht sich daher auch nichts aus dem Blättchen Papier, das statt eines scharfkantigen Steines aus der Schleuder des kleinen David an seine Stirn geflogen kam. Tatsächlich treiben es jetzt die Gegner eines Verständigungsfriedens und der Demokratisierung toll. Die Eeldleute, die hinter der neugegründeten „vaterländischen Partei" stehen, haben offenbar einen tiefen Griff in ihre Feuerfesten getan und lassen sich ihre Agitation gegen einen„Bankerott- frieden" etwas kosten. Täglich gehen Dutzende von Telegrammen von alldeutschen Klubs, kon- servativen und liberalen Vereinen, Stadt- Magistraten, Jnnungskrautern, Kriegervereinlern e tutti guanti an den Kaiser, Hindenburg und Dr. Michaelis und werden mit liebenswürdigen telegraphischen Rückantworten bedacht. Daneben werden Stimmen laut, die uns Sozialdemokraten schon lange vertraut waren und deren zeitweiliges Verstummen uns nicht über die Gewißheit hinweg- getäuscht hat, dast sie eines Tages doch wieder los- schmettern würden, sintemalen die ökonomischen und sozialen Gegensätze durch keinen Weltkrieg und keinen Burgfrieden aus der Welt zu schaffen waren. Nur die Umlerner und Regierungssozia- listen haben sich blind und taub gestellt und geraten jetzt aus dem Häuschen, weil sie im vierten Welt- kriegsjahre wohl oder übel erkennen müssen, dast hinter der alldeutschen Janitscharenmusik der ge- schlossene Zug von politischen Reaktionären, indu- striellen Scharfmachern, national-begeisterten Intellektuellen und urteilslosen Spiestern einher- marschiert. Und eine hohe Regierung nimmt schmunzelnd die Parade ab. Im Gegensatz zu den hochdramatischen Vor- gängen in Rustland wirken die inneren Auseinandersetzungen in Deutschland wie ein papier- nes Schattenspiel(mit Rücksicht auf den blutigen Ernst der Dinge, die im Hintergrunde stehen, wollen wir nicht von einem Satyrspiele reden), das höchstens hinter den filzwattierten Wänden des Reichstagsausschusses eine Steigerung erfährt. Und solange die regierungssozialistischen Davide nur Papierblättchen auf ihre Schleudern legen und hinter den sicheren Wänden des Wallotbaues und obendrein an der Seite höchst unzuverlässiger Bundesgenossen einen Froschmäusekrieg führen, so- lange wird der Goliath Reaktion ihnen sein Trutz- lied zubrüllen:„Er komme her, der Lumpenhund, ich box' ihn nieder auf den Grund!" Wir haben erst in der vorigen Nummer dar- getan, was der Regierungssozialismus in der poli- tischen Praxis zu tun hätte, um dem Toben der „vaterländischen Partei" und der wirtschaftlichen und politischen Scharfmacher entgegen»u treten. Aus dem Davidschen iLntrüstungsaWIel geht auch nicht mit einer Tilbe hervor, was die Erwartung auf eine wirkliche Tat rechtfertigen tonnte. Pur lamentarifche Diplomatie und Zeitungsartikel sollen dem deutschen Volke Frieden und Demo- kratie bringen, aus die Kampfmittel einer proletarischen Politik hat man schon lange verzichtet. Der Weisheit letzter Dchluh ist der Appell vom schlechtunterrichteten an den wohlunterrichteren Reichskanzler. Dessen Herz aber neigt— das fühlt ein Blinder mit der Krücke— mehr zu den nario- nalen Goliaths als zu den sozialdemokratischen Davids. Unter der Hochflut von Ergebenheitstelegram- men, vaterländischen Kundgebungen und Artikeln, mögen sie sich nun gegen die Friedensresolution der Reichstagsmehrbeit. gegen einen„Verzichtfriedcn" oder Wilsons„Unverschämtheit" wenden oder sonst ein Bekenntnis zu treudeutscher Gesinnung ent- halten, grollt im Grunde die Kegnerschaft gegen alles, was Sozialismus und. Demokratie heistt. Am klarsten und schärfsten wird das hervorgehoben in einer Entschließung, die kürzlich in einer vom nationalliberalen Landtagsabgeordneten Bacmeister geleiteten Versammlung der Berliner Ortsgruppe des alldeutschen Verbandes angenom- men und an den Reichskanzler telegraphiert wurde. Darin heißt es: „Wir haben das feste Pcrlraiicn zu Eurer Er.elleiir,, das; Tic uns auch politisch zu einem Hinöenburafricden führen werde«, d. l). zu einem ivricdcn, der auch politisch die g rosten uiilitärischcu Ersolac zur-Wohlfahrt de? deutschen Volkes auf breitester Grundlape ausnutzt und uns die Macht gibt, die ivabre Freiheit der Meere zum Wohle der ganzen itzieuschheit in Wirklichkeit aukrcchtznerhnlten. Hierzu scheint uns vor allein die Bekämpfung der all.Ii stark gewordenen inneren Feinde, wer immer sie sein möge», nolivcudig. Wir geloben, Eurer Exzellenz als die getrcnestcn Helfer und Schritt- machcr in diesem geivist h eisten Kampfe gegen Ik ii v e r st a n d, N i e d e r t r a cl, t und' Verrat zur Seite zu treten, sobald der stluf zu»! Kampfe gegen den Ilmsturz, der schon allzu srech sein Haupt erhebt, ergeht. Aber wir sind der Meinung, dast der Kampfruf zu Sammlung und Angriff bald, sehr bald erfolgen innst, wenn nicht das ailsgcstreute Gift weiter um sich fressen und die innere Wieder- gcsnndllng des deutschen Volkes gefährden soll. E s gibt mit diesem inneren Feinde so wenig e i n c n„V e r st ä n d n! s f r i c d e n" m i e mit dem ä u h e r e n. Ei» fester Griff mit ciscrucr Fan st tut not. Aber der wird auch hier Wunder wirken!" Der Geist, der hier mit brutal offenen Worten ausspricht, was ist, weht durch viele hundert ähnliche Kundgebungen. Die Klasseninstinkte des Bürgertums find lebendig geworden, sie spüren, daß in der Tiefe noch gefesselte Kräfte gähren, die der kapitalistischen Ordnung gefährlich werden können. Solange diese Kräfte noch unter dem eiser- neu Druck des Belagerungszustandes und der Zensur gehalten werden, braucht nian sie nicht direkt an die Wand zu malen, solange schlägt man auf die ccheidemännei: los, die sich allzu marktschreierisch in den'- Vordergrund der politischen Bühne gedrängt haben und nach dreijährigem Flirten mit dem Bürgertum aus Selbsterhaltungs- trieb bei den Masten Anschluß suchen. Das herausfordernde Treiben der Gegner des Sozialismus und der Dernokrarie verlangt eine andere Antwort als- entrüstete und weinerliche Zeitungsartikel. Wäre Herr David weniger bei den Propheten der nationalen Ideologie und mehr bei Marr in die Schule gegangen, hätte er vor allem dessen„l8.VnMtaire" mit Gewinn studiert, dann wüßte er. welche realen Kräfte das deutsche Schattenspiel dirigieren. Dann könnte er auch seinen Freunden im Partei- und Fraktionsvor- stand, deren geistiger Einpeitscher er ist, das Mittel sagen, das gegen das Wüten der bunt- scheckigen Reaktion am Platze ist und das wir unter Iben gegenwärtigen Zeitumständen nur mit dem alten Sprichwort umschreiben können: Aus einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Wie gesagt, es war keine Papierkugel, sondern ein rechter barter, kantiger Kieselstein, mit dem David ein Loch in den dicken Schädel des groß- mäuligen Goliath pfefferte. *.' Was sich die„Vaterländischen" leisten können. ?In filtern dfr loteten Sonntage hafte, wie die.Biflefflder Volk-wncht" bfnchkft. der Unabhängige A u s i ch u st inr e! ii e ii deutschen Frieden, Ortsgruppe Lipoe, öffentlich zn einer n rosten Kmid iebnng am aierniannSdcnknial bei•Tetmcid geladen. E? sollte ein Professor Stahlberg an? Berlin svrechen. Die Veranstaltung w ir mästig besucht, es mochten Ma bis zoo Personen persammeU sein, die M i l i t ä r k a v e k l e, die Füg endwehr und„oben weilende Urlauber einaeschlosteii.' Zn vieler ansgesp ochenen voliiischen Veranstaltung haue man nämlich die Militär- kavelle— das zieht in der Regel besser— und die Fnnendivehr(!) herangezogen, und die abnuiigslosen jungen Leute kamen heran, feldmarschmästig, mit Binden, Brot- be itchi.©ttitb.iroiinieti lhölzernen) und Gewehren— un- geladen selb/tpe' ständlich. Landgerichtspräüdent Gebeimrat P reust leitete die Verhandlungen und führte ans. dast man jetzt öffentlich auf den Plan trete und öffentlich. für die Ziele des Un- rbhümvgeii Ansschnnes werben werde. Ein Scheidemann- rtictie tonne nicht geduldet iverden, der führe ja zur Ver- elenduna der Arbeiter und kleinen Leute. Professor S t a h l b e r g verlangte: l. das Land, das früher Belgien hieß, 2. das wallonische Hinterland. 3. die standerische Küste als Eckpfeiler, 4. Longwp lind Brietz. S. eine Berichtigung der Grenzen südwärts mit dem Motto: Hiiidenbura. d» kannst es! 6. Polen fest in deutsche Hand, 7. Kurland und Livland kür uns, 8. ausgiebige Stützpunkte an allen Weltmeeren, S. Äratislieferiing aller von uns benötigten Rohstoffe durch»niere Gegner, 10. eine Kriegseimchädigung in Geld, die uns jede Last ab> mint. Stahlberg hat unbedingtes Vertrauen zu Hindenbnrg. zu dein jetzigen Reichskanzler auch wo! i, er hatte gär l'Uns zu Beihniann. Er erging sich reichlich in geschlcht- lichcn'V.'rgleichungen, zitierte de» Tacitns und den Tiberius und schlost mit einer Verherrlichung Bismarcks. Geeeimrat P r e u ß ivrach namentlich seine Enfüüuug ii&tfr W ist s o n ans, weil der gewagr habe, einen Keil zu treiben zwischen den Kaiser und sein treues Volk, weil der sich unterfangen habe, das Gefüge dos Reiches zu lockern. Darauf ivieUe übrigens auch Stählberg an, indem er die t ein istralks ch en Benrc bungen mit dem ganz gewist eni würdigenden Stigma de?„Jnternationatrsinus" beklebte. Und da, in diesem Sluäenblick konnte es beinahe so scheinen, als sei man in einer konsernativen Wähleryersammlung. Aber das war naturlich ein Irrtum. Denn es war ja die In endwehr und die Militärkapelle dabei. Und die Jung ni annenverteilten auf Befehl sogar „unabhängige' Flugblätter. Von den Telearammen bekam eins der Kaiser, daS andere der Reichskanzler und das dritte Hindenburg. Parteigenossen! Werbt sür die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands! Machen lchan. Vom 11. bis 18. September 1317. Kricgscrcigniffe: Auf allen Fronten herrschte in der vergangenen Woche eine Art Kampfpause, d. h. es kam fast nirgends zu anstcrgcwöhnlich großen Kampfhandlungen. Tie Tätigkeit der Artillerie er- leidet natürlich nirgends eine Unterbrechung, nur die Fencrstärke wechselt geivohnlich je nach den taktischen Vorgkl ngen und Situationen in den einzelnen Front- abschnitten. Daneben gehen fortwährend größere oder kleinere Patrouillcnuntcrnchmnngcn einher, von denen manche, an dem Maßstab früherer Kriege ge- messen, ganz respektable Gefechtshandlungen darstellen. In dem Massenringen dieses Tanseude von Kilo- meiern umspannenden Weltkrieges sind es nur Epi- sodcn, die aber in ihrer Hänfniig und Wiederholung hüben wie drüben zahlreiche Opfer fordern. Ob die gegenwärtige Kampfpause die Stille vor einem neuen Offensivstnrm bedeutet, oder ob beide kriegführeiidcn Parteien schon jetzt zu den Kampfmethodcn des winter- lichen Stellungskrieges übergehen, muß abgewartet werden. Bemerkenswert ist, daß es im Zusainmen-- Aus einem Volkskrieg. ii. Tie zweite große Tat des von den Girondisten gesäuberten Konvents oder vielmehr' des Wohlfahrrs- ausschnsses, der mehr und mehr die Regieniiig?>gewait an sich zog. war die Tnrchführnnq der-Mof.fen- e rh e b nn g tlevee en imsse). Prinzipiell hatte man mit dem Freiwilligcnsystem schon im Februar 1733 gebrochen, als der Konoent die Ergänzung des Heeres auf 300 000 Mann anordnete. Damals hatte er bc- stimmt, daß die Gemeinden, falls ce- ihnen nicht ge länge, das ihnen auferlegte Svldatenkontlngent durch Freiwillige aufzubringen, verpflichtet seien zur zwangsweisen Nekrutieünnng tdnrch das Lo�? oder die Wahlj zu schreiten. Allerdings— das war das Loch dieses Snstems der „nllgemeincil Wehrpflicht"— hatte jedermann das Recht, sich durch einen Mitbürger, den er ans eigene Kosten ausrüsten mußte, vertreten zu lassen. Ter Wvhlsahrtsansschnß begnügte sich nicht damit, dieses Loch zuzuflicken, indem er das Recht der Stellver- tretung aufhob, er machte gleich ganze Arbeit und führte die allgemeine Mobiliffcriiug durch. „Von dic'cm Augenblick an", so erklärt er.„vom 23. August bis zu dem Augenblick, in dem die Feinde von dem Gebier der Republik vertrieben, sind alle Fran- zosen reaniriert für den Dienst in der Armee,' die jungen Männer haben in den Kampf zn ziehen, die verheirateten Männer haben die Waffen zu schinieden und die Lebensmittel K.erbeiznschafsenj die Frauen haben Zelte und Kleider zn nähen, die Kinder haben Scharpie zu zupfen und die Greise haben sich auf die öffentlichen Plätze tragen zn lasten, um den Mut der Krieger an zufeuern, den Haß wider die Könige nnd die Liebe zur Republik zu verkünden." Dank der Vegeisteruug der Bevölkerung nnd der Tatkraft der Delegierten, die mit der Durchführung dieser Anordnungen betrani waren, gelang es Frankreich, obwohl die Mobilisiernug nur in einigen besonders bedrohten und unzuncrlcnii- gcn Gebieten von Rechts wegen angeordnet war, in wenigen Wochen ein Volkshecr ans dem Boden zu stampfen, wie es die Geschichte noch nicht gesehen. „Und so aufgerufen, so organisiert, so in seinem aauzen Reichtum an Patriotismus, Kraft, Mut nnd Genie von der Revolution genutzt, war Frankreich eine Welt wert. Es war mehr wert als die Welt der Koalition.! Die anderen Regierungen nnd die anderen Volker setzten ans das schreckliche Spiel nur einen Teil ihrer selbst... Frankreich gab sich ganz und gar. Es warf in den Krieg für die Freiheit seinen ganzen Reichtum, seine ganze Seele." sJanres.j In den größeren Städten emstanden gleichsam über Nacht gewaltige Wafsenmaiiufaktnreil. Alle Pferde und anderes Zug- vjeh, das nicht in der Landwirtschaft nötig war, wurde reaniriert. Um Salpeter zn gewinnen, durchsuchte man die Keller der Privathänser. Man schmolz die Glocken ein und forderte in einzelnen Gegenden auch alle Kupfer- und Bleigeräte den Privaten ab. Bezüglich der Einbringung der Kriegskosten verfuhr man nach dem Grundsatz, den Daiitvn einmal im Konvent aus- geiprochey hatte:„Wenn das Volk sein Blut in Strömen für das Vaterland vergießt, so können die Reichen wohl ihr Gold geben." Im Juni beschloß der Konvent, die von den Girondisten monatelang be- kämpfte Zwntigsanleihe von einer Milliarde durch- zuführen. Vom Einkommen eines Familienvaters sollten 10 000 Franken, vom Einkommen eines Jnng- gcielkeii 6000 Franken steuerfrei bleiben. Im Sep- teinber sevre man das steuerfreie Einkommen auf 1000 Franken für den Kops der Familie herab.„Tie über- ichiissigeii Einkünfte wurden mit einer Steuer belegt, die von 10 bis.'>0 Prozent stieg. Und die Einkommen über 6000 Franken wurden in der Art besteuert, daß in keinem Fall mehr als 4300 Franken über das genannte notiveiidige Einkommen blieb." f.Krtipotkin.i Trotz- � dem man jeden, der falsche Angaben über sein Ver- mögen machte, mit der Verdoppelung der Steuer be- drohte, kann jedoch die Nachwelt an diesem Gesetz der Jakobiner mehr den guten Willen als die Tal i bewundern. Die Demokratisierung des Heeres war bereits im Februar 1733 in Angriff genommen ivoiden. Um den revolutionären Geist der Freiwilli- genirnppcii zum vorherrschenden in der Armee zu machen, hatte man damals die Bataillone der Linie mit den Freiivilligeilbatailloneii verschmolzen/ Besoldung und Disziplin einheitlich geregelt. Da man der Ansicht war,„daß dem Bolle selbst oder dessen g e- c tz l i ch e n Vertrete r d i e W a h l> 0 e r e r i n k o in m t, v v n denen das gemein- ja nie Wohl abhängt" iSt. Fustj, hatte man die! Wahl der Offiziere durch die Soldaten eingeführt. „Wenn zum Beispiel ein Leutnant im zweiten Frei- willigenbataillon ernannt werden soll, so werden die Vorschläge mit. lauter Stimme und namentlichem Ausruf gemacht von sämtlichen lltiterlentnants, F'eld- webelü, Untervssiziere», O.nartierinacheril, Korporalen und Soldaten des Bataillons. Aber wählen tviinen sie ihre Kandidaten unter den U'NterketltNaiitS der ganzen halben Brigade. Wenn drei Lenlnantskanöi- d.iien ausgestellt sind, wird die endgültige Wahl unter diesen von säuitlichen Leutnants des Bataillons gr- troffen." tIanres.j Solange die Girondisten am Ruder waren, hatte man die Verschiüestzling der Armee lind das demokratische Waliisustem Niir lax durch- geführt. Erst der Jakvbinertvnvent machte Ernst da- mit. Erst er fand die Kraft, die Müiigetz welche die Ossizierswahl mit sich gebracht hatte, wie Disziplin- lofigkeit, die Wahl von nnfähigen Schmeichlern und Demagogen, zn überwinden. Er überwand sie nicht dadurch, daß er das Prinzip der Demokratie, weil es sich nur unvollkommen verwirklicht hatte, kurzerhand verwarf»nd ivieder zur Entmüiidignng der Soldaten seine Zuflucht nahm, sondern indem er den eist der Demokratie im H e e r e». z u stärken suchte. Den Bolksvertretern, die er an die Front entsandte, wies er die Aufgabe zu, in diesem Sinne bei den Truppen zn wirken. In ihrer Instruktion heißt es:„Sie haben mit den Soldaten des Vaterlandes Bruderschaft zu ichließen, sie haben sie oft zu besuchen, sie haben ihren Eifer zu entflammen, ihnen die Borteile der Disziplin iiarzninachen. welche die Armeen nnbezwinglich und dem Feind schrecklich macht,' welche sie lehrt, Erfolge attszunütze» nnd sich nach Niederlagen zu sammeln? welche ihren Mut ans- recht erhält, sie ihre Stärke und ihre Hilfsmittel er- kennen lehrt, sie vor Schlappen und Niederlagen be- wahrt. Sie haben die Soldaten anzuhören, ihre Klagen entgegenzunehmen, sie aufzuklären und sich über ihre Bedürfiiiise zn informieren. Sic haben ihnen zu sagen, mit welchem Eifer sich der Konvent mit allem beichäf- tigt, was die Armee betrifft. Sie haben die Soldaten über die Arbeiten des Konvents, über die Oiicllen, welche er der Industrie, dem allgemeinen Wohlstand erschließt, zu unterrichten. Sie haben sie in die Prin- zipien der Gleichheit, des Nepnblikanismiis und der militärischen Disziplin einzuführeiis' Den Konvents- hang mit den Balkankämpfen in der vergangenen Woche lebhaftere Gefechte zwischen Italienern und Oesterreichern aus albanischem Gebiet gegeben hat. ** * Ausland: Die in diesen Tagen in der Welt um- herschwtrrenden Fricdcnsgerüchte veranlatzten u. a. die Regierung O e st e r r e i ch s zu der amtlichen.Fest- stellung, daß kein englisches Friedensangebot an die österreichische Adresse gelangt sei. Ten Polen sind durch Erlasse des deutschen und österreichischen Kaisers wieder einige Zugeständnisse gemacht worden. Ein aus drei von den Monarchen ernannten Männern bestehender Regentschaftsrat ist geschaffen worden, der die Umwandlung des ehemals russisch-polnischen Landcsteiles in eine erbliche Monar- chie vorzubereiten hat. Daneben soll ein aus Wahlen hervorgehender Staatsrat mit 100 Mitgliedern ge- bildet werden. Der Wirkungskreis dieser provisori- scheu Negierung ist freilich eng begrenzt, er beschränkt sich im wesentlichen auf das Schulwesen und die Justiz- Verwaltung. In der Hauptsache führen nach wie vor der deutsche Gcneralgouvcrneur u.nd der österreichische Militärgonverncur in ihren Kominandobczirkcn das Regiment und haben in den wichtigsten Lebensfragen des polnischen Volkes das letzte Wort, wie sie auch ein Einspruchsrecht gegen die Mastnahmen der pol- nischcn„Regierung" haben. Es ist daher kein Wunder, dah die Polen sich über dieses neue Gnadengeschenk nicht sehr entzückt gezeigt haben, ebensowenig wie ihre Stammesbrüder in Oesterreich und Preußen mit einer solchen Regeliuig der polnischen Frage einverstanden sind. Andererseits murren die preußischen Hakatisteil über das ihrer Meinung noch allzu große Entgegen« kommen an die Polen. Der Versuch, die Geschicke des polnischen Volkes an die Mittelmächte zu fesseln, stößt noch ans gewaltige Schwierigkeiten und eröffnet die Aussicht auf endlose Konflikte. Auch hier kann erst das Selbstbcstiinmungsrecht der Volker eine bcfriedi- gende Lösung des Problems ergeben. Ein dcutsch-argcntinisch-schwedi scher Zwischenfall hat dieser Tage großes Aufsehen gemacht. Dabei hat die deutsche Gchcimdiplomatie wieder einmal eine sehr unrühmliche Rolle gespielt/ Der deutsche Gesandte Graf Luxburg in Argen- tinien hat durch Vermittlung des schwedischen Ge-/ sandten in Buenos Aires einige sehr kompromittier- liche Telegramme an seine Regierung geschickt, die von der amerikanischen Regierung aufgefangen und eut- ziffert worden sind. Tie deutsche Presse schimpft weid- lich über die amerikanische Gemeinheit, aber der Grundsatz, daß im Kriege alle Mittel recht sind, dem Gegner zu schaden, hat nicht bloß bei den Entente- regierungen Geltung, und auf allen Seiten find Krieg- führung und Moral Dinge, die nicht viel miteinander gemein haben. Tie Depeschen des Grafen Lnxburg sind Kulturdokumente, die auch hier festgehalten zu werden verdienen. Sie lauten: delegierten kam es auch zu, die Führer zu kontrollieren, über ihre Zuverlässigkeit und Fähigkeit dem Wohl- fahrtsausschuß Bericht zu erstatten, sie nötigenfalls ihres Amtes zu entsetzen. Wenn sich diese, mitunter in Bevormundung ausartende Kontrolle der militärischen Führer durch Zivilisten auch in Elnzelfälleir unvorteilhaft erweisen mochte, so wirkte sie doch ini allgemeinen überaus günstig aus den Geist der Truppen und somit ans die Kriegführung ein. Tie Anwesenheit des Volksvertreters an der Front verÄ körpertc den Soldaten gleichsam die Tatsache, daß dieser Krieg i h r Krieg— der Krieg des souveräneu VolkeK war. Mit den Generalen, die, sei es aus verr�üerische« Absicht, sei es aus Unfähigkeit, Ricderlagen erlitt? nl ging die Regierung streng ins Gericht.„Tieg ode» Guillotine" lautete für die Führer die Losung. A it die Stelle unfähiger hochgeborner Generale ivurdcn tüchtige Männer aus dem Volk gesetzt. Tie Aussichlji daß jedes Verdienst seine Belohnung finde», daß mal« jedes Talent an den ihm gebührenden Plan stellen werde, wirkte außerordentlich anfeuernd auf die Solz baten und trug dazu bei, sie den Söldnern der ver- bllndeten Heere, die, mochten sie auch noch so sähjg sein, dazu verdammt waren, zeitlebens„Gemeine" zu bleiben, überlegen zu machen. In der llcberzeuguug, daß die Begeisterung der! Soldaten für die Vatcrlaudsvertcidigung im direkte!? Verhältnis steht zu dem, was das Vaterland dem Sol- baten nach dem Krieg zu bieten hat, hatte der.Konvent bereits im Ntä'rz, zur Zeit der Ergänzung des HccrcS auf 300 000 Mann, begonnen, in großzügiger Wesse sü» die heimkehrenden Krieger zu sorgen. Er hatte samt t lichcn Soldaten, oder deren Witwen und Waisen, eine lebenslängliche Rente von mindestens 240 Franks jährlich ausgesetzt und bestimmt, daß diese Rente aus Wunsch auch zum Ankauf eines Stück Landes verwcn det werden konnte. Nationalgüter im Werte von 400 Millionen Livrcs waren dcewegcn nicht verkauft worden.„So nahmen die Soldaten, die ins Feld zogcn.� mit sich die Bision des Weinberges, des Feldes, der Wiese, die sie nach ihrer Rückkehr vom Vaterland cr< halten würden" lJaures), und eS brauchte, wie ein Delegierter des Konvents bemerkte,„keiner zu be- fürchten, daß er nach dem Kriege im Elend iverde leben müssen: jeder konnte Kossen, daß das Vaterland die Tränen seiner Familie trocknen werde." „Mai 1917. Nr. 32. Die Regierung hat letzt die deutschen und österreichischen Schiffe, auf die bisher eine Wache gestellt war, freigelassen. Infolge der Beilegung des„Monte-Protegilo"-Falles ist eine große Veränderung in der öffentlichen Meinung eingetreten. Tie Regierung will in Zukunft die argen- t inischeu Schiffe nur bis Las Palmas ausklarieren. Bitte, den kleinen Tampfer„Orankuasa", 31. Januar lWashingtoner Zusatz: d. h., der Dampfer ist am 31. Januar ausgefahren), 300 Tonnen, der sich nun Bordeaux nähert, mir der Absicht, seine Flagge zu ver- ändern, entweder zu schonen oder spurlos verschwinden zu lassen, gez. Lüxburg." 3. Juli 1917. Nr. 95.„Ich höre mit Sicherheit, daß der gegenwärtige Auslandsniinistcr, der ein Esel von Ruf und Englaudsreund ist, in einer Geheim- sitzuug des Senats gesagt hat, daß Argentinien in Berlin ein Versprechen fordern solle, keine argentini- scheu Schiffe mehr in den Grund zu bohren, und im Weigerungsfälle solle man die Beziehungen abbrechen. Ich rate, das abzulehnen, eventuell spanische Vermittlung zu erbittem Luxburg." 6. Juli 1917. Nr. 04.„Bitte die Antwort an Argentinien, ohne irgendivelche Neigung zu Zugeständ- nissen zu zeigen, hinauszuschieben bis zum Empfang weiterer Berichte. Ein Ministcriuinswechsel ist wahrscheinlich. Bezüglich der argentinischen Dampfer rate ich, sie zur Umkehr zu zwingen oder sie ohne Hinter- lassung von Spuren zu versenken oder ihnen freie Durchfahrt zu geben. Sie sind alle sehr klein. Luxburg." Diese Offenbarungen einer schönen Diplomaten- seele haben natürlich den Kriegshetzern im feindlichen Lager wieder erwünschten Agitationsstosf geliefert und im neutralen Auslände sehr böses Blnt gemacht. Sie haben aber auch bei uns das ganze Elend des unhcil- vollen Systems der privilegierten Geheimdiplomatie ausgerollt. In der Geschichte dieses Systems ist die Acra Zimmermann im deutschen Auswärtigen Amte eines der traurigsten Kapitel. Die Lnxburg-Tcpcschen fallen in die Zeit, in der Herr Zimmermann nach KvrpSburschcnmanier die auswärtige Politik des deut- schen Volkes leitete. Graf Luxburg hatte in der famosen Mrxiko-Tcpesche seines Berliner Ehcfs ein Vorbild. Dem derzeitigen Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Herr» v. Kühlemann, können die Luxburg- Depeschen nicht gut an die Rockschöße gehängt werden, da sie noch in Zimmermanns Amtspcriodc fallen, über die spater noch manches zu sagen sein wird. Es ist auch verkehrt, wenn die bürgerliche und regiernngs- sozialistische Presse angesichts der Lnxburg-Tepeschen den ganzen Jammer der Geheimdiplomatie den adligen Diplomaten zur Last legen will: das Beispiel Zimmer- inanus zeigt, daß auch die Diplomaten ans der Bonr- geoisie um kein Haar besser sind. Nur die radikale Beseitigung des ganzen Systems der Gcheimdiplomatie kann da Wandlung schaffen. Dazu gehört auch die Geheimniskrämerei im Hauptausschnsse des Reichs- rages und des zu strengster Diskretion verpflichteten Siebcn-Männer-Kollcgiums des„Ausschusses beim Hrichskanzler" sditzttistA Nach lüngcxem Hin und Her haben sich Schweden� die Vereinigten Staaten und Argentinien wieder ver- sündigt. Die Zeche haben aber die Denkschen in Argen« tinien bezahlen nuisjeii, denen die durch die Luxburg? Depeschen aufgereizte BcvÄkernng Argentiniens übet initgcspiclt hat, denn die Atmosphäre des Weltkrieges bcgünsligt iibcrall da? Aüfflätnüien der nationalen Leideuschastsu. Tie deutsche RegiernuL liai sich nach längci cm Zögern entschlondü, üe» Grakistl Lnxburg zu» mündlichen Beuchterstattriilg nach Berlin zu zitieren,' iüzivischcn hatte der Herr Gras aber schon von des arge r> tun scheu Regierung den Laufpaß erhalten. In Schwede» plqtzte die Liixburg-Assäre gerade im die Wahl, beweg» n g hiueiu und erregte groß« Mlfrcgnug. Sic tzab dm Sozia Idc wo fiatie und bell Liberale» Anlas? zn htütigen Augilsseu gegen die Regierung. In der deulscheu bürgerlichen und rcgic? rungsiozialistiichcn Presse ist seizt B r a n t i n g wiedezs einmal der Popanz, der angeblich Schweden zur Teil)? nähme am Kriege ans Seihe» der Entente drängelt rnlll. Ter laute sie Schreier in der Bra nling Hetze ist Herr I a n ß o n, Mitglied der Generallvmmiiiivn der' deiniche» Gcwcrfichaslen, der seine pernuiliche Ranküne gegen Vrantiug mil einer svsteiuatiichcil Stiinmungs- istgchc für die deutsche Regienuigspolitik vcrkoppela Ter Parteivorstand läßt diese Zierde des flieg,>cri;ygs- lozialiSMn? rnl�ig gcmähr'en. Nun''ist nimr Bra»Nu g Ütch Milglied des hollän d i sch skan di nav i ich cn Komitees ilir die Stockholmer Koyscrenz, Es gibt daher nur wei Möglichleiteii: entweder hak Herr Janßon recht und Branting, der übrigens in partcltaktischcr Hin? ficht de» NrgicruugssazialrstcN näher steht als iniS» ist ein gemeingefährlicher Kriegshetzer, dann haben die deutschen Sozialdemokraten die verdammte Pflicht/ gegen ein solches Mitglied im Fricdenskomitcc zu protestieren: oder aber Janßon tut bewußt Branting Unrecht, dann hat der Parteivorstand gegen eine solche gewissenlose Verhetzung der Internationale, an der übrigens die I. K. eifrig mitivirkt, energisch Front zn machen. Also heraus mit eurem Flederwisch, ihr Eberl und Scheidemanu. In Frankreich hat sich mit vieler Mühe ein Ministerium Painlcve gebildet, in dem der bisherige Ministerpräsident Ribvt als Minister des Auswärtigen sitzt. Tie Sozialisten haben diesmal auf die Teilnahme an der Regierung verzichtet. Nicht als ob sich die ein- gefleischten Sozialpatrioten auf ihre internationalen Pflichten besonnen hätten, ihre maßgebenden Männer sind im Grunde noch für eine energische Fortsetzung des Krieges. Aber sie müssen Rücksicht nehmen auf die Stimmung im Lande: sie konnten sich nicht gut mit dem Paßverweigerer 3!ibvt an einen Ministertisch setzen. Der vom 0. bis 9. Oktober in Bvrdeaux stattfindende Parteitag wird jedenfalls Klärung in die fran- züsi.schcn Parteiverhältnisse bringen. In England hat der sozialpatriotische Arbeiter- partciler Barnes, der an Stelle Hendersons in die Regierung eingetreten ist, eine Hetzrede gegen den Frieden gehalten, aber wir wissen, daß solche Reden auf die englischen Arbeiter immer weniger Eindruck machen. Andererseits haben in den englischen Städten eine ganze Anzahl Fraucuversammlungen für den Frieden stattgefunden, einige wurden allerdings vex- boten oder durch Kreatürcn der Hetzpresse gestört. In Italien scheint die Friedensbewegung der Arbeiterschaft trotz aller Geivaltmaßregeln immer wieder zu Demonstrationen und direkten Aktionen gegen den Krieg zu führen. Die Zensur ist eifrig ve- müht, keine Künde davon über die Grenze dringen zu lassen. Tie kriegshetzerischen Parkcien und Gruppen haben in Mailand eine Konferenz gehabt, und haben dem„inneren Feind" Krieg bis anfs Messer angesagt. Aus Portugal wurde der Ausbruch eines alle Berufe umfassenden Generalstreikes gemeldet. In Holland bereitet die Sozialdemokratie eine große Massendemonstration vor, um die Regierung zu rechtzeitigen Maßnahmen zu zwingen, die den drohen- den Nöten des kommenden Winters wenigstens einigermaßen vorznbcngen. Aus Rußland liegen über die Vorgänge, die mit dem Staatsstreich Kvrnilows im Zusammenhang stehen, so viel widersprechende.Nachrichten vor, daß daraus kein klares Bild zu gewinnen ist. Wir be- schränken uns daher auf das im Leitartikel Gesagte und werden aus die bedeutsamen Ereignisse zurück- kommen, wenn zuverlässige Nachrichten vorliegen. »* ] Oid nddO�.$10 i'. Innere Politik: Die Reichstags Mehrheit des JnliblockeS erweist sich immer mehr als ein zerbrechliches Gebilde. Die natlonalliberale Par- tci, deren Reichslagsfraktivu kürzlich wieder mit der Mehrheit anzubändeln suchte, hat sich teilweise für die „vaterländische Partei" erklärt. Aus dem Zentrums- lager hageln kräftige Hiebe aus Herrn Erzbergers Rücken hernieder und beim Fortschritt wollen auch eine ganze Anzahl Herren nicht mitmachen. So haben die Herren Tranb, Oberbürgermeister Körte-Konigs- berg, Kommerzienrat Friedrichs- Potsdam, Geheim- rat Haupt-Gießcn, Stadtrat Tnbler-Vreslau usw. einen Aufruf an die Mitglieder der Fortschrittlichen Volks- Partei gerichtet, in dem zum Protest gegen die be- rühmte FriedcnsresoluUön aufgefordert wird, ein Protest, der bei vielen freisinnigeu Spießern Anklang finden wird. D.xr Herr Tranb ist übrigens als christlicher Pastor»nd alS liberaler Politiker ein gleich interessanter Zeitgenosse. Nicht allein, daß sein Erobcrungshnuger so groß ist, daß für ihn das Kölker- üemetzel ins Endlose gehen könnte, er will auch von einer schleunigen Demokratisierung Deutschlands nichts iviiscn. Ob der Herr jetzt noch tn der„Hilfe" seine schmalzigen Sonntagspredigten verzapft, wissen ivu nicht, er ist aber lange Zeit hindurch ein lieber Mitarbeiter des Herrn Nanmann gewesen. Durch die Presse geht jetzt ein große? Rätselraten über das Schicksäl Belgien s. Einige Blätter woll- jten wissen, daß die Regierung ans Belgien verzichtet habe. Darob, tobt und wütet die alldeutsche Presse und verlangt Klarheit. Die Regierung schweigt sich aber vorläufig noch ans. Herr v. H i n d e n b u r g hat an den Vorsitzenden der ,.v a t c i l ä u d i s ch e n Partei" ein liebens- würdiges Telegramm gerichtet, in dem es heißt: „Der Ausruf der ostpreußischen Männer erfüllt mich mit großer Freude, weil er ernst und fest uns Deutsche gemahnt,„über innerem Hader den Krieg nicht zn vergessen". Txcitz der siegverheißeudcn militärischen Lage geht es noch um uu'eres Volkes Bestehen und Machtstellung in der Welt." Und zum Schluß: „In sclseiisestcm Vertrauen auf Rrichsleitung und' Oberste Heeresleitung, beide geeinigt und geführt durch Unfern lieben Kaiser, wird nnier Volk den Friede» er- halten, den das Vaterland braucht für neues Blühen und Gedeihen. Einig im Innern sind wir unbesieglich." Der K y f f h ä u s e r- B u n d der deutschen K r i e- gervercine hat gegen die Fricdsresolution des Reichstages, protestiert und die anwesenden Regie- rnngsvertreter haben das sullschweigend angehört. Außerdem hat der Bund einen großzügigen Pl»« zum Einfangen der Kriegsteilnehmer entworfein Ein „Reichs-Krieger-Dank" soll geschaffen werden, der mit Hilfe finanzieller Zuwendungen die entlassenen Kriegs- teilnehmer unter die Fahnen der Kriegervereine scharen soll. Die„Norddeutsche Allgemeine Z e i- t u n g" hat ihre Veröffentlichungen über Abmachun- gen zwischen Kaiser und Zar im Jahre ISlU und 1905 fortgesetzt. Das regierungssozialistische Zentralorgan weiß auch aus dieser Blüte Honig für seine opportunistische Politik zu saugen. W i r möch- ten bei dieser Gelegenheit an ein Buch aus dem Jahre 1904 erinnern, betitelt„Königsberg. Der Geheim- bund des Zaren." Das Buch stammt aus einer Zeit, in der die deutsche Sozialdemokratie noch nicht ihr internationales Gewissen erstickt hatte. Man kann aus ihm ersehen, warum viele russische Revolutionäre auch heute noch kein Vertrauen zum offiziellen Deutschland haben. Um die Gehcimsitzungcn des Hauptaus- schusses des Reichstages noch geheimer zu machen, hat man vor seinem Sitzungssaal wattierte Wände und Türen angebracht. Die deutsche Antwort auf die Friedensbot- s ch a f t des P a p st e s ist noch immer nicht ver- öffentlicht. Im Verfassungsausschuß des s ä ch s i s ch e n L a n d- tags sind alle Wahlrechtsanträge abgelehnt worden. Die sozialdemokratischen Parteien gehen jetzt daran, eine Wahlrechtsbewcgung in Fluß zu bringen. Es wird jetzt viel von einer Aenderung des H i l f s d i e n st g e s e tz e s geredet. Es hieß, daß diese Aenderung durch eine Verordnung des Bundesrats verfügt werden solle. Der„Vorwärts" hält das für ganz unmöglich und verlangt die Mitwirkung deS Reichstages. Er wird sich aber ergebungsvoll drein- fügen, wenn die Regierung auf die Mitarbeit des Reichstages verzichtet. Heiteres. Immer feste druff! Tie„sozialdemokratische� Fe ld post bringt in ibrer Nummer vom I.Sevtember folgenden gciü- und raktoollen„Tagesbefehl der Sozi- Feldpost": Unsere Sturmtrupps haben in letzter Zeil wieder einige Angriffe sehr schneidig durchgeführt. Sie haben die Front de? Vorurteils, das hier und da noch gegen die „Sozi-Feldvost" beucht, an mehreren Stellen durchbrochen, die Drabtoerhaue der Jntcressenlongkeit zerschnitten, find in die Unterstände der geistiaen Trägheit eingedrungen und haben zahlreiche Gefangene in der Form neuer Leser der „Sozst.reldvost" zurückgeführt. Nun gilt es, die Einbruchsstelle zu erweitern. Durch energischen Nachstoß wird dies möglich sein. Die heutige Nummer ist als Harcharanate zu benutzen, um etwa noch übersehene Unterstände auszuräuchern. Wo in einem Graben die„Soz. Feldp." Fuß gefaßt hat, darf die Aus� breitungsbewegung nach rechts und links nicht eher ruhen, als bis der ganze Groben für dos Blatt des feldgrauen Proletariers gewonnen ist. Diese Bewegung ist durch ein Trommelfeuer aufklärender Argumente zu unterstützen Wir bitten alle unsere Freunde und Leser, dazu beizutragen." Uereins-VeranKaltungen. Freireligiöse Gemeinde Berlin. Sonntag, den �8. September, vorm. 101< Uhr, im großen Festsoal des Berliner Stadthauses, Eingang Kloster- nraße. Feier der Z u g e n d w e i h e. Fenvorirog Herr Ernst Däuinig. Künstlerkonzert, Kinderchor. Einlrit 20 Pf., Kinder 10 Pf. Arbeiter-Samariterbund, Kolonne Groß-Bcrlin. Neuer Tamariter-Kursue. Am l-:4. September be- ginnt ein neuer Kursus zur Ausbildung in der ersten Hilfe bei Unfällen, plötzlichen Erkrankungen sowie in der häuslichen Krankenpflege. Wer sich über die'Nützlichkeit eines Samariters unter- richten will, der besuche' den Anfangsabend des neuen Kursus, der am 24 September abends 8>/z Uhr, Köpcnicker Straße 62, stattfindet, Reinickendors-cst. AmSonnabend, dcn22. September I9l7, Vortrag des Heun Direktor Pauli) über: Feuerbestattung, erläutert am Modell eines Krematoriums, bei Sadau, Refidenzstr. 124. Am Sonntag, den 23 September: Tageswanderung für Kinder über 8 Jahren. Treffpunkt früh 8'/. Uhr Bahnhofs-Uhr Schönholz. Fahrgeld 30 Pf. Am Sonntag, den 30. September, nachmittags 4 Uhr im Jugendheim, Hoppestraße 32: Tchulentlassungöseicr� Quittung. Vom 10. Juli bis 10. September 1917 gingen bei dem Unterzeichneten folgende Beiträge für die U n a b h ä n- grge Sozialdemokratische Partei ein: Für Broschüren 6,25. Von A. Sch. 5,—. Von F., Quedlinburg l,—. Von L.. Eckernförde 14,02. Von R., Halle 20,-. Auf Listen von R. Halle, 91,60. Von A. F. durch O. C. 300,—. Für Broschüren 1,25. Von W., Bochum 140,48 Von Sch., Friedrichskoog 50,. Vom 6. Berliner Kreis>000,—. Von F. K.. Neukölln(im Felde) 500,— Von F, Danzig 73,44. Vom l. Berliner Kreis 46,50. BrraulworUicher Rcboltcur: Carl Leid- Berlcgcr: A Gesammelt von Marineangehörigen 40,—. Für Broschüren 2,50. Von F. R, im Felde 5,—. Auf Sammellisten von Piesteritz>0 50. Von Sch., Tettau 28,84. Zlus Nürnberg l 0,—. Von B, Jena 50,—. Von O., Friedrichshagen 5,—. Von B.. Berlin III 300,—. Von H., Berlin IV 1560,—. Vom Niederrhein 1000,—. Von W, Bochum 9,40. Von £>., Stettin 45,10. Von F., Quedlinburg 50,—. Von Sch., Sömmerda 41,—. Von Köln 22.—. Von Gera 300,—. Von München 21,85 und 22,50. Von F. H. 5000,—. Von F., Quedlinburg 20,—. Von M., Berlin l 104,40. Von F., Greiz 30,—. Von Schwarzenbach 6,— Vom 7. bad. Kreis durch G. II,—. Von Böckingen 4,76. Für Broschüren >,—. Von 33., Berlin VI 1785,56. Gesammelt durch N. N. 22,65. Von B. 4,4a. Von Tr. für Potsdam-Osthavelland 200,—. Auf Listen von G., Gotha 80,—. Von St, Schwein- furt 44,74. Von Kl., Erfurt für Beiträge 130.18 Mark. Wilhelm Dittmann, Berlin NW. 6. (Bei Geldsendungen wolle man das Postscheckkonto Berlin 32287 benutzen.) 4. Krei» Für die Partei» Auf Liste 6604 12,—, 6606 11,—. 6616 3,-, 66>7 0,75, 6619 2,95, 6624 8,50, 6628(Sechserkaffe des Frauenleseabend der 4. Abt.) 4,50, 6658 9,80, 6695 9,—, 6696 9,—, 6697 23—, 6699 5,—, 6700 10,—, 6714 9,25, 6740(gesammelt bei ber Firma Boas, Krautstr.) 18,80, 6751 11,25, 6752 17,30, 6753 10,20. 6765 7,75, 6772 10,60, 6792 10,20, 6797 39,50, 6798 6,10, 6800 15,95, 6801 28,15, 6802 18,60, 6803 9,50, 6804 10,—, 6871 6,30, 6885 7,40, 6-97 25,80, 6900 2,50 ME. Summa 373,65 Mk. Außerdem extra: Genosse K. auf das Einjährige durch Genossen Walk 10,—, Max 5,—, H. 2,—, W. 0,40, Milea 2.-, Sch. I—, K. G. 2,-. T. 72,- Mk. 4. Kreis. Zum Pressefonds: Liste 1101 3.— 1205 3—, 1210 5,40, 1211(Sechserkasse des Frauenleseabcnds der 4. Abt.) 4,50, 1252 2,—, 1253 9,50, 1310 6.75, 1405 7,-, 1417 3,50, 1431 5,—, 1439 1.—,>523 4,45, 1531 5,-. 1709 4,10, 1742 2,50. 1743 5,50, 1744 14,70, 1786 II,—. 1901 5,50, 1919 7,95, 1949 6,10, 1961 6,—, 2008 2,—, 2010 4,—, 2016 1,—, 2021 3,—, 2121 1,—, 2138 26,40, 2192 2,—, 2205 5,-, 2210 9,10, 2227 a4,80, 2248 2.50, 2294 5,—, 2295 9,50, 2300 2,25, 2305 2,—, 2352 2,20, 2504 28,30, 2506 3,30, 2624 7,85, 2627 10,50, 2659 2,—, 2660 0,70, 2734 1,50, 2770 1,-, 2804 3,50, 2943 3,50, 2926 2,35, 2928 2,50, von I. M. 1,—. Abt. 4 1.— Mk. Summa 294,20 Mk. Bereits quittiert 6723,65 Mk. Summa 7617,85 Mt. Für den PresscfondS gingen ein vom 5. Kreis: Auf Liste Nr. 3104 50,-, 3118 23.-, 3126 39,25, 3141 4,—. 3157 7,—, 3163 15,50, 3101 12,—, 3149 6.—, 3151 8,—, 3154 9,75, 3228— ,— Mk. Außerdem: Von Kanonier Viax Ick durch Baruch 5,— Mk., von A. L. im Felde durch Jarrcy 2,— Mk. Für den Pressefonds von einem Angestellten der Flug- zeugwerke in Johannisthal 1,50 Mc. Uachrnf. S. Wahlkreis. Am 8. September 1917 verschied nach längerer Krankheit unser langjähriges Mitglied, der Genosse Drechslermeister Heinrich Urußmann. Am 12. September verschied nach langem Leiden unser Genosse, der Gastwirt Paul Abendroth Köpenicker Straße 137, 6. Wahlkreis. Am Montag, den 10. September, verstarb unsere Genossin, die Plätterin Margarete Stange Christiania Str. 116, 18. Abt., Bez. 814. Am Dienstag, den 11. September, verstarb unsere Genossin, die Arbeiterin Margarete Hein Wriezenerstr. 27, 18. Ab., Bez. 818». Wahlverei« Heukölln. Im August verstarb unser Genosse Oskar Igel Emser Str. 92, 14. Bez. Wahlverei« Schöneberg. Am Donnerstag, den 6. September, starb nach langjähriger Krankheit, im Alter von 43 Jahren. unser Genosse Karl Moritz Martin Lutherstr. 27. Wahlverei« Treptow-Sa«mschnle«weg. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Paul Haselhoff Baumsckulenstr. 187, Bez. 3, im 30. Lebensjahr am Montag, den 17. September, verstorben ist. Wahlverei» Uowawes. An einem unheilbaren Leiden gestorben ist am 9. September 1917 der Genosse Karl Hiemke. Ehre ihrem Andenkenl otf Hoffmann: bcide Berlin 0.27, Schicklerstr. 4.— Druck: Maure Unabhängige Sozialdemokratische Partei. Ortsuerein Neukölln. Montag, den 24. September, abends 8 Uhr, findet in den Passagefälen, Bergstr. 151/52, der Frau n-Leseabend statt.— Tagesordnung: I. Die Bedeutung der Gas- und Kohlenirage für die Frau im Haushalt. Referent: Reichstagsabgeordnetcr F. Zubeil. 2. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Der Borstand. LueUUt'uelier'et Maurer& DlmmlcR SO 16, Köpenicker Strasse 36 38. Anfertigung von: Zeitschriften— Statuten— Q ittungsmarken— Billets— Mitgliedsbüchern— Programmen sowie sämtlichen Drucksachen. Nachruf! Am 8. September verstarb unser Kollege, der Bandsägenschneider Hermann Lorenx im Alter von 55 Jahren. Wir werden deuiseiben stels ein ehrendes An- denken bewahren. Die Kolle innen und Kollegen der Firma M. Matthaq, Schlesischestr. 32. Dm MeMe» Nsem aiis dem Kriegs- schAM geMene» Nmsse»! 2. Wahlkreis. Bei den letzten schweren Kämpfen fiel durch Granatschuß am 4. d. M. unser Mitglied, der Genosse Schlosser Adolf Matth-- Krei' crgstr. 45, 5. Abt., Bez. 89. Ii, Wahlkreis. Am 3. Juni siel durch Granatschuß unser Genosse, der Kohlenhändler Otto Willmann 10. Abt.. 231. Bezirk. 4. Wahlkreis. Im September fiel unser Genosse Gukav Sawade Gr. Frankfurterstr. 73, Bezirk 267. Am 24. Juli fiel unser Genosse Kaut Kols Manteuffclstr. 63, Abt. 13. V. Wahlkreis. Infolge einer durch einen Granatsvlitier erhaltenen Verwundung verstarb am 23. August im Feldlazarett der 37 Jahre alte Brauereiarbeiter Wilh-lm Dietrich Gleimstr. 70. 6. Abt., Bez. 596. Wahlverei« Charlottenburg. Am 20. Juli fiel im Alter von 21 Jahren unser Genosse Emil Skianski 2. Gruppe, Knobelsdorferstraße. Sozialbem. Wahlverein Aieder-Sarnim. Bezirk Lichtenberg. Als Opfer des Weltkrieges starb am 1. Sept. unser Genosse, der 40 Jahre alle Stukkateur Willi Wengels Gärtnerstr. 29 a, 1. Viertel, 9. Gruppe. Bezirk Reinichendorf-Ost. Durch Artillcrie-Geschoß fiel am 30 August 1917 im Aller von 21 Jahren unser treues Mitglied, früherer Jugendleiter, der Genosse Mar Heintze Provinzstr. 82. Wahlverei« Ze«the«-Mier»dorf. Am 8. September 1917 starb nach kurzem schweren Leiden im Felde unser langjähriger Parteigenosse, der Zimmerer Wilhelm Lehmann Zeuthen. Wahlverei» Zlowames. Auf dem Schlachtfelde fand im Juli seinen Tod der Genosse Paul Kettler. Ehre ihrem Andenken! Di m mick, Berlio SO. 16 jkooeuickcr«traji« 6MJ8. tfcilapic in Ur 26 des„WMeilnngsklattes". Stockholm. Tic Hosfnungen und Erwartungen, die das internationale Proletariat und alle ehrlichen Fne- densfreunde aus die sozialistische Friedenskonferenz gesetzt haben, werden einer harten Prüfung ausgesetzt. Ter Gedanke, die Konferenz könne dazu beitragen, der Welt einen vierten Kriegswinter zu ersparen, muß zu Grabe getragen werden. Nicht aber der Konferenz- gedanke selbst. Solange am allen Kampffronten die eisernen Würfel rollen, solange die Ententeregierun- gen im Vertrauen aus die amerikanische-Hilfe vom Jahre 1!l18 den entscheidenden militärischen Erfolg erwarten, solange bei den Mittelmächten einflußreiche Kreise kricgsverlängernde Erobernngspläne verfechten, solange mnß auch der internationale Sozialismus jede Gelegenheit wahrnehmen, für den Frieden zu wirken. Tie Stockholmer Konferenz ist und bleibt untef den gegebenen Verhältnissen diö Front, von der aus eine umfassende Geuerakoffcnsive für den Frieden in die Wege geleitet werden kann. Wir sehen am russischen Beispiel, daß die Sozialisten eines einzelnen Landes, selbst wenn der Friedenswille eines ganzen großen Volkes hinter ihnen steht, nicht in der Lage sind, den kriegerischen Verwicklungen ein Ende zu machen, solange nicht in allen Landern gleichmäßig in sozialistischem Sinne für den Frieden gearbeitet wird. Eine solche internationale Friedcnsarbcit kann aber nur dann planmäßig und nach einheitlichen Gesichts- punkten rriolgen, wenn vorher auf einer internatio- nalen K'onscrenz eine Verständigung erzielt ist. Der K o n s c r e n z g c d a n k e an sich kann und darf daher nicht tot und abgetan sein. ?llle Eiittänschungeil und bitteren Erfahrungen, die sich bis heute an den Namen Stockholm knüpfen, dürfen nicht zu einer verärgerten und stumpfen Resignation führen. Ter Sozialismus muß einen Ausweg finden aus dem Ehaos, das durch die Weltkatnstrophe ge- schassen worden ist, oder aber die kriegerischen und imperialistischen Gewalten treibe» das Vvlkergcmetzel ins Endlose oder kommen zu einem Frieden, der nur ein Wasfcnsttllstand ist und eine neue Katastrophe in seinem Schöße trägt. Uns internationale Sozialisten darf an der Auf- rcchterhaltnug des Konfcrenzgedankcns auch nicht die Tatsache irre machen, daß auch der internationale Regierungssozialismus, aus der einen Seite mit reklamehaster Älufdringlichkcit, auf der anderen ge- stoßen und gedrängt, nach Stockholm gehen wird. Wir haben in diesen Spalten schon oft dargelegt, warum wir es für einen schweren taktischen Fehler halten würden, wenn die international gebliebenen und auf dem Boden der Zimmcrwalder und Kienthalcr Be- schlnssc stehenden Sozialisten in Stockholm einer Ans- einandersetznng mit dem NegierungssozialismnS aus dem Wege gehen würden. Die Ereignisse der letzten Zeit haben uns in unserer Auffassung nur bestärkt. Tic politischen Vorgänge in allen Ländern zeigen, daß überall der Stern des Regierungssozialismus sich seinem Untergänge zuneigt. Ucbcrall wird er jetzt vor die Wahl gestellt, ob er weiterhin mit kriegerischen Regierungen zusammenarbeiten, ob er auch weiterhin als staatserhaltender Faktor im kapitalistischen Klassen staate gelten will, oder ob er dem proletarischen Fric- denswillen und den Geboten einer entschieden prole- tariichen Politik folgen will, deren Notwendigkeit ihm das Göhren und Brodeln in breiten Volksschichten aller Länder zu Gemüte führt. Die Parlamentarier, Journalisten, Partei- und Gewerkschaftsführer, die jetzt allein die Kerntruppe des internationalen Regie- rungssozialismus ausmachen, müssen in Stockholm zu einer klaren Entscheidung gedrängt werden. Das kann nicht geschehen, wenn man sie in Stockholm un- behelligt unter sich läßt und ihnen ermöglicht, auch weiterhin politisch ungeschulte breite Massen mit ihren Friedcusöeklamativnen und nationalsozialen Argu- menten zu blenden und irre zu führen. In der Hand der entschieden international gesonnenen Sozialisten liegt es, aus einer gemeinsamen großen Konferenz Beschlüsse und Entscheidungen durchzudrücken, die ein- mal alle Parteien zu einer umfaffenden Aktion für den Frieden verpflichten, dann aber auch den Regie- rungssozialismus in der Weise bloßstellen, daß er entweder von einer solchen Aktion nichts wissen will und damit sich selbst vor der ganzen Welt als Ver- rärcr am SozialiSmns brandmarkt, oder daß er vor solchen Akrioiisbcschliisscn kapituliert und damit seine bisherigen Kriegssünden eingesteht. Sache der ein- zelncn Parteien wird es bann sein, aus einem solchen Eingeständnis die entsprechende Nntzanwendung zu ziehen und mit einer Führerschaft abzurechnen, die ein reiches Maß Mitschuld an Dauer. Verlauf und Wir- kungen des Weltkrieges getragen hat und 3'/. Jahre Zeit brauchte, um sich auf ihre internationalen Pflich- ten zu besinnen. Ein solches Schicksal scheinen die verbohrtesten Regicrungssoziali sten hüben wie drüben im voraus zu ahnen. Anders ist der /iktive und passive Widerstand französischer Regierungssozialisten und englischer Sozialpatrioten gegen die Stockholmer Konferenz und ihre jämmerliche Haltung in der Paßverweige- rungsfragc nicht zu verstehen. Darüber kann auch die aufdringlich zur Schau getragene Begeisterung der deutschen Regierungssozialisten für Stockholm nicht täuschen. Was davon zu halten ist, das offenbarte dieser Tage Herr Heilmann in der I. K., als er von einer„endgültigen Absage an Stockholm und dem voll- ständigen Fehlschlag der Konferenz" mit schlecht ver- hchlter Geniigtiiiing schrieb, weil die Nüssen von einer Konferenz ohne Franzosen und Engländer nichts wissen wollen. Ter Regierungssozialismus ist zwar eine inter- nationale Erscheittuug. seine Gedankengänge und seine Taten sind in allen Ländern wesensgleich, aber es liegt in seiner Natur, daß er in seiner nationalen Begrenztheit dem Regierungssozialismus der anderen Lander genau so feindlich gegenübersteht, wie sich die kriegführenden Regierungen feindlich gegenüberstehen. Es wäre daher eine große Unterlassungssünde der auf gemeinsamem internationalen Boden stehenden Sozia- listen, wenn sie in Stockholm nicht die innere Uneinig- keit des Regierungssozialimus zu dessen Bloßstellung ausnutzen wollten. Wir wissen� nicht, welches Ergebnis die am 5. September zusammengetretene Zimmcrwalder Vor- konserenz gehabt hat. Ihre Verhandlungen waren vertraulich und hatten nur vorberatenden Eharakter, konnten doch Franzosen, Engländer und Italiener nicht daran teilnehmen. Wir hoffen aber, daß in den Vorberatnngen die Teilnahme an der allgemeinen Konferenz beschlossen worden ist. Inzwischen ist vom holländisch-skandinaviichcn Komitee gemeinsam mit den Beauftragten der russischen Sowjets ein Manifest erlassen worden, in dem es u. a. lwir zitieren nach einer Stockholmer Meldung des „Vorwärts") heißt: „Das Komitee erklärt zunächst auf das ent- schiedenste, daß der Plan, nach Stockholm eine inter- nationale Sozialisten- und Arbeitcrkonfcrenz ein- znbcrnsen, nicht anfgeaeben ist und nicht anfgegebeki wird. Hätte die englische und französische Telegai'v» ihre Pässe erhalten, so hätte die Konserenz am S. September stattgefunden. Tic wird stattfinden, sobald die Paßfrage geregelt ist nnd das Datum wird dann un- verzüglich festgesetzt werden.".... .......Eine brutale P a ß p e r w c i g e r u n g, die der offenbare Reflex einer wachsenden Reaktion ist. kann das Proletariat nicht aufhalten. Darum appellieren wir an die Arbeiter Frankreichs, Italiens, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten, sich nicht das elementare Recht eines freien Meinungs- austausches nchincn zu lassen..... ..... Die Arbeiterklasse aller Länder wird sicher- lich den Treibereien der internationalen Reaktion Widerstand leisten, die schon de» Be- streb ungen der russischen Gegenrevolution Beifall klatscht. Wir sprechen zugleich die feste Hoffnung aus, daß die Sozialisten Teutschlands und Oesterreichs ihre Pflicht als Sozialisten erfüllen und gegen jedes Pro- j e k t und jede Taktik protestieren wer- den, welche versuchen sollte, die l russische) Revolution zu untergraben und Deut ßch- l a n d zu M i t s ch ti l d i g e n der Gegenrevolution z u machen. Die Stockholm anhängenden Parteien werden angesichts dieser Ereignisse begreifen, daß es uns unmöglich ist, im Augenblick auf das Telegramm der französischen Tozialistenpartei. die uns vvlliae Handlungsfreiheit ließ, und ans den Brief der sozialdemokratischen Parteien Oesterreichs und Deutsch- lands, die aus der Festsetzung eines endgültigen Datums bestanden, präzise Antwort zu geben. Das Komitee beschloß jedoch, leine Aktion ruh i g und entschieden fortzusetzen. Es wird bald die gesammelten Denkschriften, die vo» den angeschlossciicu Parteien eingereicht sind, nebst einem Hieneralbericht publizieren, der ein objektives Expose der von allen Organisatioiien erhobenen Fragen sein wird. Endlich beschloß das Komitee, falls die betref- senden Organisationen es wüuicheu, zu einer neuen Alliicrten-.Konserenz ivwie zu jeder aiideren von den angeschlossenen Parteien organisierten Konferenz einige Mitglieder zur Verichteritattnng abzuordnen. Stockholm ist nur ein« Etappe ans dem Marsche des internationalen Sozialismus. Die zniammensasseiide Aktion des Proletariats ivird ihre volle Wirkung erst dann ausüben, wenn die Konferenz ihr Aktionspro- gramm ciitworfen hat. Sie wird nicht mit der Ein- stell»na der Feindseligkeiten enden: sie wird vielleicht dann erst am meisten die Ereignisse überwachen niid lhre eigene Lebenskraft und Entschlußkraft bem'Hen müssen. Ter Gedanke von Stockholm eröffnet eine >l e u e A e r a im Kampfe des Proletariats gegen den Imperialismus durch Wieder- Herstellung einer zn gemeinsamen Aktionen kähigen internationalen Arbeiterklasse. Er will, daß dieser Krieg der letzte sei, er will die Staaten demokratisieren, neue Konflikte und Wirtschaftskriege verhüten, er will vor allem durch Rechtsgarantien und Schiedsgerichte eine friedliche und zu Lande und zu Wasser entwaff- netc Welt,' ein Europa der Demokratie und der wicht;- haften Freiheit aufrichten. Inmitten des entfesselten Hasses verzichtet die Arbeiterklasse nicht auf ihr Ideal der menschlichen Verbrüderung! Wenn ihr wollt, Ge- Nossen, wird die Konferenz bald stattfinden. Dazu genügt, daß die Parteien sich ihrer großen Verant- wortinng bewußt werden. Für das ganze organisierte Proletariat bleibt es bei der Losung: Auf nach Stockholm!" ** * Die dürftigen Nachrichten, die aus Frankreich und England zu uns gelangen, lassen immerhin erkennen, daß die dortigen Minderheiten einen energischen Kamps gegen die Paßverweigerung führen und sich dabei auf immer größere Sympathie» der breiten Massen stützen können. Sobald die französische Kammer wieder zusninmeiigetreten sein wird, wird sie zu einer sozialistischen Interpellation wegen der Paß- Verweigerung Stellung zu nehmen haben. Weiter unten bringen wir noch eine ausführliche Tarstellung über die vor einigen Wochen abgehaltene Konferenz der Ententesozialisten. Diese der„Humanite" ent- nommencn Berichte sind von dem Führer der fran- zösischcn Minderheit, Longuet, in einer anderen Zeitung ergänzt worden. Es erhellte daraus, daß die französischen Mehrheitssozialisten sich in London über- aus kläglich benommen nnd dem Stockholmer Kon- ferenzgedankcn alle erdenklichen Schwierigkeiten ge- macht haben. Longuets Mitteilungen lassen auch er- kennen, wie scharf sich jetzt der Gegensatz zwischen Mehrheit und Minderheit zugespitzt hat. »* * Eine Gewerkschastskonferenz der Entcntcländer. Am 12. September hat in London eine Konferenz von Gewerkschaftler« stattgefunden, ans der Vertreter ans England, Frankreich, Italien, Belgien, den Ver- einigten Staaten, Kanada nnd Serbien vertreten waren. Tic Konferenz erklärte sich nach eingehender Besprechung der Kriegsziele für Abschaffung des Mili- tarismus und der Geheimdiplomatic als Vorberei- tnng einer allgemeinen Abrüstung. Auf Grund des Selbstbestimmnngsrcchts aller Nationalitäten wider- spricht die Konferenz allen gewaltsamen Annexionen. Sic verlangt die Wiederherstellung der Unabhängig- keit und Freiheit aller unterdrückten und übc.rwältig- ten Nativnen. Ter Handel soll frei sein. Schieds- gcrichte sollen obligatorisch sein. Ferner soll eine Staatenliga nach den Plänen Wilsons gebildet werden. Nach einem Bericht des„B. T." führte der englische Bergarbeiterführer Smillies auf der Konferenz aus: „Ich glaube, die Dinge sind in England jetzt in Bewegung gekommen, und das zwingt die A r b c i t e r- b e w e g n n g zur Einheit. Ein nngehenrer Meinnngswechsel vollzieht sich in den großen Industrie- Zentren und im Volke erhebt sich ein sehnsüchtiger Wunsch, daß etwas geschehe, um einen baldigen Frieden herbeizuführen. Ti� Gegner meines Standpunktes tin der Konferenzfrage) behaupten, daß auch sie den Frieden wünschen. Ich gebe das zu. Die Hauptfrage aber ist, wann es Zeit wird, zn versuchen, den Frieden herbeizuführen. Das jetzt eingeschlagene Verfahren strebt dahin, daß die Vertreter der alliier- ten Demokratien es zn einem gemeinsamen Stand- punkt bringen möchten, bevor sie die Vertreter der Zentralmächte treffen. Es wäre eine Schande für die alliierten Länder, wenn sie Frieden schlössen ohne Be- rücksichlignng des Arbeiterstandpunktes." Robert Williams, der Vertreter des Tran s- Portarbeiterbundes, fand noch viel kräftigere Töne.„Niemals", sagte er,„gab es einen Krieg, in dem die regierenden Klassen mit Hilfe heimlicher Aiethoden energischer danach strebten, einen Frieden, der ihnen gefällt, herbeizuführen. Die Romanows sind gegangen, und ich muß sagen: Gott sei gedankt, wenn sich einmal vor dem Bnckingham Palace idie Residenz des englischen Königs) ein Anschlag findet „Zu vermieten". iGroßcr Beifall.) Ans der Konferenz hat die Frage des inter- nationalen G e w e r k s ch a f t s s c k r e t a r i a t s eine Nolle gespielt. Ter derzeitige Sekretär, Herr Legten, hat es ja dank'einer nntokrntiichen und svzialpatriotischen Haltung �verstanden, nicht allein die deutsche Gewerkschastsbcwegiing einer schweren, iune- rcn Krise zuznireiben, er hat sich daneben auch in der Gewerkschaftsinternationale um jedes Vertrauen ge bracht. To beschloß die Londoner Konferenz, daß das iiitcrnativualc Sekretariat von Berlin entfernt werden tolle. In einer Resolution wird verlangt: Es sollen die Mein n ich en der an die Internatio- nale angeschlosseneu Länder über die Verlegung des internationalen Bureaus von Berlin nach einem neu traten Lande eingeholt werden. Fällt die Entscheidung zugunsten der Verlegung des Bn-eaus aus, so soll der schweizerische Berband ersucht werden, die nötigen Schritte zu unternehmen, um das Bureau in einem Lande zu errichten, über das von den verschiedenen Ländern abgestimmt werden soll, Die französische und die serbische Sektion waren außerstande, diese Entschließungen anzunehmen, sie be- hielten sich aber das Recht vor, eine internationale Besprechung in Bern zu besuchen, auf der die Ab- stimmung stattfinden solle. Tic anderen Sektionen 'waren gegen eine Berner Konferenz und für die briefliche Abstimmung, Der schweizerische Gewerkschaftsbund hat bekannt- lich für den 1. Oktober einen internationalen G e iv e r k s ch a s t s k o n g r e ß nach Bern ein de- rufen. Ob dieser jetzt stattfinden wird, ist fraglich. Nach einer Meldung aus Bern hält der Schweizer Gewerkschaftsbund an seiner Absicht fest und hofft, daß die französischen und englischen Delegierten dazu erscheinen werden, ** * Die russischen Arbeiter und die Stockholmer Konferenz. Nach einem Trahtbericht des Stockholmer Sowjet- Bulletins vom K. September hat der Vorsitzende des Zentralen Exekutivkomitees der.Arbeiter- und Sol- datenräte, Genosse Tscheidsc, an die englische Ar- beiterpartei lLabour Partys folgendes Telegramm ge- richtet: „Der Arbeiten- und Soldatcnrat hat erfahren, daß die Konferenz der Labonr Party den Anspruch der Minderheit auf eine autonome Vertretung ablehnte) und spricht seine Befürchtung aus, daß dieses auf die Vertretung der anderen Länder ungünstig zurück- wirken kann, da es auch anderen Anlaß geben könnte, die Vertretung der Minderheiten anzufechten, z, B. die der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Der Arbeiter- und Soldatenrat meint, daß infolge des außerordentlichen Charakters der Konferenz die Vertretung aller Schattierungen der Arbeiterbewegung nicht nur wünschenswert, sondern sogar notwendig ist, Eine Abweichung von der Bcr- tretungsnorm in diesem außerordentlichen Falle kann kein Präjudiz für die Zukunft bilden. Alle Parteien in allen Ländern haben beschlossen, den Minderheiten eine selbständige Vertretung zu gewähren. Ohne in die inneren Angelegenheiten der Labour Party ein- greifen zu wollen, bittet sie der Arbeiter- und Soldaten- rat inständig, diesen Umstand zu berücksichtigen und auch der englischen Minderheit die Möglichkeit zu geben, auf der Konferenz vertreten zu sein. Diesen Anlaß benutzend, spricht der Arbeiter- und Toldatenrat noch- mals seine Hoffnung aus, daß die englischen Arbeiter alles mögliche tun werden, um die Konferenz baldigst zu verwirklichen. Wir senden ihnen unseren Bruder- grüß." Aus einem weiteren Trahtbericht des Sowjet- Bulletins geht hervor, daß zahlreiche Provinzorgani- sationen der Arbeiter, Soldaten und Bauern die eng- lischen und französischen Arbeiter zu ihrem Beschluß, »ach Stockholm zu gehen, beglückwünschen. Ter?lr- bciter- und Svldatenrat der Tradt K u r s k begrüßt den Kampf der französischen und englischen Sozialisten für die baldigste Beendigung des Krieges und unter- streicht, daß der Friedensschluß selbst und die Ans- nrbeitung der gerechten Friedensbcdingungen am besten durch die umfassende Beteiligung der Demo- kratie der kriegführenden Länder an der Stockholmer Konferenz verbürgt wird. Ter Kongreß der Bauern- delegierten des Gouvernements Oelonetzk zusam- inen mit dem Arbeiter- und Soldatcnrat der Siadt P c tr o s a w o d s k spricht seine Solidarität mit den verwandten Demokratien Englands und Frankreichs aus und begrüßt ihren Beschluß, an der Stockholmer Konferenz und dem Kampfe für einen Frieden teil- zunehmen, der dem Imperialismus den Boden ent- zieht und die rususche Revolution vor dem Unter- gange rettet. Gleichzeitig verweist das Exekutivkomitee auf die Notwendigkeit der Verteidigung des Landes vor dem militärischen Zusammenbruch, der auch den internationalen Kampf für den Frieden bedroht. Der Arbeiter-»nd Soldatenrat des fernen Ostens erblickt in dem Kampf der verbündeten Sozialisten für das Recht der Teilnahme an der Stockholmer Konferenz den Ausgangspunkt der Aufklärung durch die Völker des imperialistischen Inhalts der auswür- tigen Politik ihrer Regierungen und des Zusammen- schlusses der Demokratie in dem Streben zum Frieden. Der Rat fordert die Beseitigung der von den Regierungen bereiteten Hindernisse, ruft das französische und englische Proletariat auf, de» Kampf für den Frieden noch zu verstärken und damit Millionen von Menschen- leben zu retten. Aehnliche Resolutionen wurden von dcn.Arbciter- und Soldatenräten in Lcbedjansk, K u p i a n s k und anderen Städten ange- »ommen, soivie von einer Reihe von Arbeiter- und Svldatenversammlungen in Petersburg. Die Provinzlonferenz der Sozialdemokraten in Char- t o iv fordert, daß an der Stockholmer Konserenz Ver- treter aller sozialistischen Strömungen teilnehmen, und daß die Beschlüsse der Konferenz zugunsten des russischen Friedensschlusses bindend sein sollen, Zum Schluß teilt das Tvwjet-Bullctin den Inhalt eines Aufrufes mit, mit dem das Allrussische Zentralkomitee der Gewerkschaften, das 1400 000 organisierte Arbeiter vertritt, sich an die v r g a n i s i e r t e n A r b e i t e r der Welt wendet. Ter Aufruf schildert die Entwicklungsbedingungen der russischen Gewerkschaftsbewegung seit 1903 und ihr jetziges Aufblühen und fordert die Arbeiter der ganzen Welt zum gemeinsamen Wirken für den Wiederaufbau der Internationale aus. Da nach dem Kriege eine Acrn erbitterter wirtschaftlicher Kämpfe zu erwarten sei, werde nur die Wiederherstellung der Jntcrnatio- nalc auf der sicheren Grundlage der Aktivität imstande sein, die Arbeiterklasic vor der drohenden Verwilde- rung und Degeneration zu schützen. Der Aufruf schließt mit den Worten:„Es lebe die iuternotionalc Bereinigung des Proletariats! Es lebe der Friede zwischen den Völkern! Es lebe der Sozialismus!" ** • Die Konferenz der Ententcsozialisten. Ucbcr die Konferenz der Ententesozialisten in Lon- don bringt die„Humanite" vom 3, und 4. Sept. einen Bericht, der das, was bisher bekannt wurde, in mancher Beziehung ergänzt, lieber die Zusammensetzung, die Bildung der Kommissionen und dergleichen ist nichts wesentliches nachzutragen.. Ter Bericht über die eigentlichen Verhandlungen beginnt erst mit dem zweiten Tage. Zur Frage der internationalen Kon- ferenz und der Paßangclcgenhcit legte Genosse N a m- s a y Macdonald im Namen der Kommissions- Mehrheit folgende Resolution vor: „Indem die Konferenz folgende Tatsachen in Betracht zieht: 1. Daß es große, die Demokratie interessierende Probleme gibt, die von dem Krieg aufgeworfen und in den Vordergrund geschoben morden sind,' 2, daß ein einfacher militärischer Sieg, ein von der Geheimdiplomatie arrangierter Friede den Völkern Europas nicht die Gerechtigkeit und Frei- heit zu sichern vermag, die die Bedingungen des internationalen guten Willens sind) 3. daß in allen Ländern die kapitalistische Presse unter der Kontrolle der Ncgierunngszcnsnr das Volk täuscht, und eS verhindert zu verstehen, welche» die Motive und Gründe sind, die die kriegführenden Länder beseelen) 4. daß die den verbündeten Demokratien primitiv vorgelegten Kricgsziele— Befreiung der unter ein zu schweres Joch gebeugten Völker und Befreiung der Nationeii von dem Bedrücker Milita- rismus— Gefahr lausen, sich in Eroberungen und imperialistische Unternehmungen umzuwandeln, erklärt sie, daß es nötig ist, daß die Demokratien in die Möglichkeit versetzt werden, direkt zusammen zu verhandeln in der Weise, daß die Kricgsziele der verschiedenen Nationen klar aufgestellt werden, und daß die Bedingungen eines Friedens, der dem Militarismus in Europa ein wirkliches Ende bc- reiten würde, diskutiert werden. Dazu begrüßt die Konferenz mit Freude die Einladung zum Stockholmer Kongreß, die vom Sow- jet im Einvernehmen mit dem holländisch-skandina- vischen Komitee gemacht wurde, und sie heißt bc- sonders die Disposition gut, vermöge deren die Minoritäten so gut wie die Majoritäten zum.Kongreß zugelassen werden sollen, damit der Kongreß vollkommen repräsentativ sei und infolgedessen in der Lage, die Probleme von allen Gesichtspunkten ans zu beurteilen, Außerdem erhebt die Konferenz angesichts der Erklärungen der verbündeten Regicrunngen, daß sie entschlossen seien, den Delegierten zu diesem Kongreß die Pässe zu verweigern, ihren energischsten Protest und ruft die Arbeiter und sozialistischen Organisationen der verschiedenen Nationen auf, daß sie jede sich bietende Gelegenheit und alle Machtmittel, von denen sie unter den gege- denen Umständen Gebrauch machen können, benutzen, um eine Aenderung der Regiernngsentscheidungen herbeizuführen." Es heißt dann in dem Bericht von Poisson, daß eine ziemlich konfuse Debatte— vssenbar infolge der kurzen Redezeit von drei Minuten- entstanden sei, in der Milband beklagte, daß man nicht ausgiebig die Generalfragc diskutieren könne, und Longuet den Standpunkt Macdonald unterstützte, Longnet »erlangt einen energischen Kampf zur Erlangung der Pässe, Im Augenblick der Abstimmung reicht der Belgier De Brouckere im Namen der belgischen Delegation eine Resolution ein, die anregt, einen gemeinsamen Boden für die Minimalbedingnngen zu finden, die für den Zusammentritt einer internationalen Kon- ferenz nötig seien. Dann könnte seiner Meinung nach einstimmig gegen die Verweigerunng der Pässe protestiert und die Bedingungen festgelegt werden, unter denen Engländer und Franzosen an der Konferenz teilnehmen würden. H y n d m a n brachte ein dritte Resolution: „Die Konferenz erklärt sich gegen die Entsendung von Delegierten nach Stockholm, wo die Vertreter der deutschen sozialistischen Parteien sein würden, solange, wie Deutschland fortfahren wird, die besetz- ten Regionen besetzt zu halten und seinen Fcldzug der Verheerung und der Piraterie fortsetzen wird." Vor der Abstimmung erklärten die französischen Mchrheitsdelegierten, wie sie es am ersten Tag ange- kündigt hatten, daß sie sich jeder Abstimmung enthal- ten würden, da feststehe, daß kein cinmütiaes Votum zustande komme. Ilm kein Mißverständnis auskommen zu lassen, überreicht R e n a n d e l namens der französischen Mehrheit und der italienischen Reformisten folgende Erklärung: „Tie französischen und italienischen Sozialisten, die nicht an der Abstimmung teilgenommen haben, erklären, daß sie gegen die Paßverwcigerung, die von den Regierungen der internationalen Konferenz von Stockholm oder jeder anderen Konferenz der- selben Art, wo die alliierten Sozialisten vorHütten, die von ihnen angenommene Resolution zu ver- teidigcn, protestieren. Tie werden Anstrengungen machen, eine andere Entscheidung ihrer Regierungen herbeizuführen," Die Resolutionen von Hyndman und De Brouckere werden bei der Abstimmung abgelebnt, die Resolution Macdonalds mit unwesentlichen Aendernngen ange- nommen. Die französische Äli i n d e r h c i t stimmt für die Resolution mit Ausnahme von Loriot, der sich der Stimme enthielt. Darauf folgte die Aussprache über Krieg und Frieden. Da die Kommission sich nicht auf einen Bericht hatte einigen können, wurden alle Resolutionen verlesen) eine verschmolzene Resolution Thomas- Renaudel, die von Vandervelde und Milhvud unterstützt wurde, und der auch die portugiesischen Delegier- ten zustimmten, und eine Resolution von Goidenberg, die etwa die Einladungsbedingungen der Sowjets enthielt. Die französische Minderheit konnte sich auf keine der beiden Formeln einigen. In letzter Minute reichte noch Loriot eine Resolution ein. Die von der fran- zösischen Mehrheit vorgelegte Resolution wurde mit einigen Aendernngen angenommen. Renaudel hatte jedoch außerdem eine Resolution vorgeschlagen, die die praktischen Schlußfolgerungen ziehen und die Keimzelle einer internationalen Aktion darstellen sollte. Sie forderte: 1. Eine Aktion der sozialistischen Parteien der alliierten Länder bei ihren Regierungen und bei ihren Parlamenten, um die Kriegsziele zu bestim- inen und zu präzisieren. 2. Die sofortige Verwirklichung der Verträge unter den Alliierten, die unter ihnen das inter- nationale Schiedsgericht organisieren sowie eine Vorbereitung einer ausgedehnleren Organisation. 3. Die Entsendung einer Delegation zu Herrn Wilson, um diese Ansichten zu unterstützen und ihn zu ersuchen, die Initiative zur Konstituierung einer Studicnkommission zu übernehmen, die von jetzt an beauftragt sein soll, die allgemeinen Linien und die Bedingungen einer Organisation der Gesellschaft der Nationen zu studieren. 4. Die Schaffung einer ständigen Kommission mit der Bestimmung, die Jnteralliicrtcn-Konfercnz zu verlängern, die hier genannten Aktionen durchzu- führen und schließlich die verschiedenen Memoranden der alliierten Sozialisten in einem einzigen zu ver- schmelzen, um sie einer neuen Jnteralliicrten-Kon- ferenz zu unterbreiten, die im Hinblick auf die inter- nationale Konferenz stattfinden könnte. Um den Inhalt dieser Resolution zu verwirklichen, hatte Sidncn Wcbb im Plenum einen Antrag gestellt, eine Kommission zur Verlängerung der Konferenz zu bilden und je zwei Vertreter für jede Nation in sie zu entsenden, diese Kommission sollte eine neue Konsc- renz vorbereiten. Tos wurde angenommen. Die andere Aufgabe, die Entsendung einer Delegation an Wilson, wurde von Anderson von der Unabhängigen Arbeiterpartei bekämpft und ebenso von dem Russen Goidenberg, der erklärte, daß die Gesellschaft der Nationen nichts anderes sei, als eine bürgerliche Ideologie, was die Franzosen offenbar ziemlich ärgerte. Die Arbeiten der Konferenz mußten in ziemlicher Eile abgebrochen werden, da ein Teil der englischen Teilnehmer zum Gewerkschaftskongreß nach Blnckpool gefahren war. Vor der Trennung wurde noch eine von der Pressekommission gutgeheißene Resolution deponiert, die von der französischen Mehrheit, der belgischen Partei, den italienischen Reformisten und den Nationalsozialisten Englands eingebracht mar, daß sie keine anderen Beschlüsse anerkennen könnten als solche, die einstimmig gefaßt worden seien. Vielleicht hätte eine Tagung, während derer über jeden einzelnen Punkt ausgiebig diskutiert werden konnte, mehr erzielt. Nach dem Bericht gewinnt man den Eindruck, daß sie vor allem unter der Hast, mit der man die Geschäfte abwickelte, gelitten hätte. Zum Würzburger Parteitag. Der Vorstand der Regierungssozialisten erstattet zu dem Parteitag in Würzburg einen Geschäftsbericht, der sehr maqer ausgefallen ist, wie in der Begründung gesagt wird. aus Raum- und Papicrersparnis. Er hat auch Grund recht soarsam zu wirtschaften, wenigstens sparsamer als bisher, denn Mitalicderstand wie Kassenverhältnisse lassen viK, sehr viel zu wünschen übrig. Das sagt der Parteioorstand selber. So allgemein d r Bericht auch ist, so ist es doch von Inter- esse, was der Bericht über den Mitglicderstand sagt. Die etzlen Zahlen vor der Spaltung lauten: am 31. März 1914.!08590'> davon 174734 Frauen am 31. März I9IS. 585398„ 134603 am 31. März 1916. 432618, 112418 am 31. März 19,7. 243061. 66608 Diese Mitgliederzohl trifft heute längst nicht mehr zu. Wie wir mitteilen können ist die Zahl der wirklich beitrag- zahlenden Mitglieder der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei auf über 120000 gestiegen. Es muß serner bcachiet werden, daß der angegebene Bestand der abhängigen Mit- glieder fünf Monate zurückliegt, namentlich also vor der Zeit, in der erst die eigentliche Rekrutierung der Unobhän- gigen Sozialdemokratie noch dem Parteitag in Gotha ersolgce.— Stellt man also den 243000 BUrgliedern der anderen von Ende März die jetzig?» 120000 der Unabhän- gigen gegenüber, so werden selbst von diesen 243 000 für de» heutigen Bestand noch viele Zehntausendc zu streichen sein. Wie die Verhältnisse aussehen werden, wenn der regierungssozialistische Portcivorstand zur Rechenschaft vor seinem Parteitag tritt, das läßt sich natürlich auch noch nicht absehen, aber wir dürfen mit Bestimmtheit annehmen. daß dic�Puncischivindsucht drüben bis dahin noch viele weitere Opfer gefordert hat, was bei der von den Herr- schaften betriebenen Politik selbstverständlich zu erwarten ist. Nun ist für eine ovpositionelle Partei— namentlich in Zeiten wie den heutigen— nicht lediglich und ans- schließlich die Niitgliederziffer allein maßgebend, aber für die Regierungssozialisten ist ohne weiteres anzunehmen, daß die zu ihnen haltenden Leute alle„gesaninielr sind. da eine Mitgliedschaft bei ihnen unter Umständen noch mit Belohnung und Anerkennung verbunden ist, während wir mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Bemerkenswert ist auch, was der Geschäfi-bcrichl über die Finanzen mitzuteilen für gut befindet. Danach haben die Einnahmen 583458 Mk, die Ausgaben 976295 Mk. betragen, so daß dem Vermögen 375 000 Mk. enlnomwen werden mußten. Daß es seil Ende März nicht besser geworden ist. ist klar. Einnahmen von den Bezirksorgani- sationen erhielt der Vorstand so gut wie nicht, dagegen mehren sich die Anträge um Zuschüsse. Dazu ständiger Rückgang der Mitgliederziffer und stei- gendcr Begehr um Geld für notleidende Geschäfte und für ihre Presse. Bezeichnend ist bei dem großen Rückgang der Mitglieder— man bedenke von über eine Million auf 243 r oo und heute noch viel weniger—, daß die laufenden«lusaaben in der Verwaltung nahezu die gleichen geblieben sind. Wir sehen ab von den zu lei- ttenden Ausgaben für die Leute in der Parteikorrefponden«, im Parteiarchiv. Bildung usw. und beschränken uns nur auf den Parreioorsland selber. Es sind noch heute die gleiche Zahl von bezahlten Parteivorsiandsmitgliedcrn vorhanden wie vpr dein Kriege: Eberl. Molkenbuhr, Pfannkuch, Braun. Bartels. Müller, Gcrisch, Scheidemann. Für die lunausgeivorfene Genossin Zieh ist Frau Juchhaz für die Fraucnagitation eingetreten. Das Gehalt für die Parteisekretäre iit im Jahre l9ll in Jena auf SOM Mark festgesetzt. Svätcre Zulagen nicht eingerechnet würde allein den oben genannten Mitgliedern des Parteivor- standes ein jährliches Gehalt von mindestens 4S000 Mk gezahlt werden. Daß eines der Parteioorstandsmitglieder zu Gunsten der Poricikasse auf seine ihm aus dem Reichs- tags- oder Landiag-mandat zuslebenden Diäten in Höhe von 3000 Mk. verzichtet hätte, ist uns im Laufe der Zeit nicht bekaiinl geivorde». man hätte es sicherlich laut in die Welt hinausposaunt. Von anderen Nebeneinnahmen der Mitglieder des P. V. aas Delegationen und dergleichen sehen wir ab. Zu der Unterhaltung des Partei oüros kamen aber noch erhebliche Ausgabeis hinzu, lind dieser große Apparat wird heute noch»nterhalien. Die Herren sitzen auf dem Geldsack und wirtschafte» aus dem Vollen. Sic haben es leicht. Die Genossen haben ihnen früher im vollen Verlranen in reichlicher Weise Geld geliefert. daß sie nun zur Erhaltung ihrer sehr lukrativen Existenz und zur Bekämpfung der ihnen unbequemen sozialistischen Propaganda verwenden. Aber auch der tiefste Brunnen ivird nch ausschöpfen, wenn nicht neues Wasser hinzu- kommt. So ivird es den Regierurgssozialisteir auch gehen. Das erkennen immer weitere Krcsie. daß es den heuligen Machern im Parleivorstand nicht um eine entschiedene sozialdemokratische Politik zu tun in, sondern um ein Lavieren, ohne jeden feilen Halt, im Sinne einer sozial- reformarorischen Regicruiigspärtei. Das geqc auch aus der Beurteilung hervor, die der Bericht der Reichst rgsnachwahl für Spandau-Ost-Havel- land zu teil werden lägt. Er seien die Wahl slahls als einen großen Ersolg, wo es doch offenkundig ist, daß die Wahl Siahls nur mit Hilfe aller Bürgerlichen— Ron- servaiioc», Gelben. Freisinnigen. Reichsverbänoler— zustande gekommen ist. Wenn die Leute noch Scham hätten, müßten sie ängst- lich vernieiden, auch nur ein Wort über die Wahl zu ver- lieicn, die ein ewiger Schandfleck in der Geschichte der so�ialbeiiiokralischen Bewegung bleiben dürfte. Ob in Würzvurg auch nur einer der Gelreuen wider den Stachel löcken ivird, wagen wir zu bezweifeln. Spaltung der Ziathansfralttion. Daß die Entwicklung im Parteileben auch auf die Vertretungskörperschaften nicht ohne Einfluß bleiben würde, war für jeden Renner der Verhältnisse selbst- verständlich. Roch vor der Neukonstituieruug der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei in Gotha stellten die Regierungssozialisten im Februar d. I. im 11. Berliner Landtagswahlbezirk einen eigenen Randidateu aus. der allerdings schmählich hineinfiel. Damit war für Berlin das Signal gegeben, daß nun- mehr auch bei künftigen Wahlen in gleicher Weife vorgegangen werden würde. Wir hatten das auch gar nicht anders erwartet, zumal die Generalversammlung des Verbandes der Wahlvereine in seiner Tagung am 28. Oktober die bei dem Vorwärtsraub beteiligten Mitglieder des P.-V. und seiner Trabanten als ehrlos erklärte und sich verpflichtete, dafür zu sorgen, daß diesen Leuten keinerlei Mandate übertragen werden. Die Gothacr Tagung schaffte volle Klarheit und stellte die Selbständigkeit und Aktionsfreiheit der Bewegung her. Im Reichstage war die Trennung längst vor Gotha erfolgt. Im preußischen Landtage trat gleichfalls die Scheidung ein. Es entstand nunmehr die Frage: Wie stellen sich die Genossen in den Gemeinde- Parlamenten? Bei noch so verschiedener Gründaus- sasinng über sozialdemokratische Grundsätze wird es sehr viele Fragen geben, üvcr die eine Meinuugs- Verschiedenheit zwischen den eheinals Verbundenen, jetzt aber infolge der Trennung in der Partei sich vielfach Befehdenden nicht geben wird. Es wird auch wie früher schon die Auffassung über den sozialen Wert bestimmter Maßnahmen für die Arbeiterklasse und die Akzeptierung gewisser Konzessionen ver- schieden sein, immerhin dürften aber auch Fragen zur Verhandlung und Entscheidung kommen, bei denen die Notwendigkeit zutage tritt, mit aller Deutlichkeit und Schärfe die Rückständigkeit und Schädlichkeit der- selben vom allgemeinen sozialistischen Standpunkte auch zu beurteilen und nicht bloß vom Nützlichkcits- standpunkte aus. Für die auf dem Boden der Unabhängigen Sozial- demokratischen Partei stehenden Rathausvertreter cnt- stand nach Gotha daher die Frage, ob sie an die Vil- dung einer selbständigen Fraktion herangehen sollte». Daß diese Selbständigkeit eintreten mutzte, war nicht zweifelhaft. Zunächst hatten die Genossen und Wähler als Auftraggeber selber das Wort. Leider konnten sie nicht in der breiten Oefsentlichkeit Stellung nehmest. Bielfach setzten sich die Genossen bestimmter Rom- munalwahlbczirkc mit ihren Stadtverordneten direkt auseinander und erklärten, diejenigen, die von vorn- herein sich vls besonders aktive Sonderbllndler bc- tätigt hatten, nicht mehr als ihre Vertreter anerkennen zu wollen. Die im Herbst in Aussicht stehenden Stadtverord- netenwahleu bedingten im Juli bzw. August eine Stellungnahme zu der Randidatenfrage. Es war natürlich, daß unsere Genossen nur solche Kandidaten aufstellen würden, die Mitglieder der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei sind und daß die Regie- ruugssozialisten nicht minder Leute ihrer Richtung unseren Kandidaten gegenüberstellen würden. Damit wäre aus den Verhältnissen heraus ganz von selbst eingetreten, was sonst eintreten muß: die Spaltung der Fraktion im Rathause. Die fälligen Ersatzwahlen kamen aber nicht zustande, indem die Stadtver- ordneten-Versammlung von einer Ministerialver- fügung Gebrauch machte, wonach die im Herbst fälligen Stadtverordnetenwahlen auf das nächste Jahr verschoben werden. Unsere Genosse» mußten nun zu dieser Frage Stellung nehmen. Tie Sommer- ferien ließen die Entscheidung etwas verzögern. In- zwischen wurde auch immer dringender von den Parteigenossen in den Kreisen klare Stellungnahme gefordert. Das war gut so und auch richtig. Diese Entscheidung ist nun erfolgt. Die auf dem Boden der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei stehenden Mitglieder der Stadtverordneten-Bersammlung haben in einer stattgehabten besonderen Zusammenkunft die Sachlage eingehend besprochen. Es wurde ausge- sprochcn, daß die sozialdemokratische Vertretung im Rathauie während ihrer Tätigkeit und durch ihre intensive Arbeit zahlreiche für die erwerbstätige Be- völkerung Berlins wesentliche Vorteile und Einrich- tungen geschaffen habe, nicht zuletzt durch das zähe, unentwegte Vorwärtsdrängen in sozialer Richtung. Ter Einfluß der sozialdemokratischen Stadtverord- neten sei ständig gestiegen. Man müsse sich aber hüten, die Politik allzusehr auf kleine Konzessionen einzu- stellen, als vom entschieden sozialdemokratischen Standpunkte aus die einzelnen Fragen zu behandeln. Vor allen Tingen aber gelte es jetzt, auch nach außen mehr kenntlich zu machen, damit die große Trennung in der politischen Partei auch in der Rat- hausvertretung sichtbar in Erscheinung tritt und die Gemeinschaft mit Leuten zu lösen» die in ihrer Sonder- organisation uns mit den niedrigsten Mitteln bc- fehden und verunglimpfen und auch, von Ausnahmen abgesehen, mit wahrer Sozialdemokratie nichts mehr zu tun haben. Daher wurde beschlossen, sich als selbständige Fraktion der Unabhängigen Sozialdemokratischen Par- tei zu konstituieren. Aufgabe der Fraktion wird es sein, auch auf kommunalem Gebiet in wahrem sozialistischen Geiste zu wirken und— ohne errungene Konzessionen für die Gesamtbewcgung zu überschätzen— die Interessen der erwerbstätigen Bevölkerung ohne jede Rücksicht wahrzunehmen. An die Varteigenolpen Berlins! Parteigenossen! Die zur Unabhängigen Sozialdemokratie gehört- gen Mitglieder der Berliner Stadtverordnetenfraktion haben sich nunmehr als selbständige Fraktion der unabhängigen Sozialdemokraten kon- stitniert. Wir haben zwischen den Abhängigen und uns den Trennungsstrich gezogen, um entsprechend dem sozial- demokratischen Programm, auf Grund dessen wir gc- wählt sind, die Interessen der Berliner Arbeiterschaft im roten Hause mA Energie und Tatkraft wahrzunehmen, wobei unser unvergeßlicher Paul Singer uns immer ein leuchtendes Borbild sein wird. Parteigenossen! Wir haben nicht vergessen und 'werden nie vergessen, daß wir von Euch gewählt sind, um unabhängig von allen Einflüssen des Bürgertums das Berliner Proletariat zu vertreten. Wir appellieren an Euch, uns in den schweren kommunalen Kämpfen, die bevorstehen, zu unterstützen. Nur eine Fraktion, die in den breiten Massen der Berliner Arbeiterschaft wurzelt, kann wirklich und erfolgreich die Interessen der Emerbten wahrnehmen. Mit Parteigrutz! Für die Fraktion der unabhängigen Tozialdcmokraien: Der Vorstand. I. A.: Wey l. Weniger Gas fnr erkören Preis. Tic in Aussicht stehende Gaspreiserhöhung für Groß-Berliu wird im kommenden Winter für weite Kreise recht fühlbar werden. Einmal verschlechtert sich die Qualität des Gases ständig und liefert weniger Heizkraft, dann aber wird auch das Quantum ein- geschränkt, was bei der schon verfügten Kohlenein- schränkung sehr inS Gewicht fallen dürfte. Es war deshalb ganz natürlich, daß die Frage der Gaspreis- crhöhung, die am Donnerstag voriger Woche aus der Tagesordnung der Berliner Stadtvcrordnckcn-Ver- sammlung stand, in der Bürgerschaft großes Interesse hervorrufen würde. Die Folge war, daß bereits lange vor Beginn der Stadtverordnetensitzung ein Ansturm auf die Tribünen erfolgte. Schon vor •"> Uhr wurde der Zugang zu den Tribünen wegen Ueberfüllung geschlossen und viele Frauen, die gc- kommen waren, um den Verhandlungen zu folgen, konnten keinen Einlaß finden und mußten wieder um- kehren. Vornehmlich waren es Genossinnen, die das Gros der Tribünenbesucher bildeten. Zunächst wurden sie auf eine lange Geduldsprobe gestellt, da ein Protest gegen die preußische Regierung über den Verkauf der englischen Gasanstalt erledigt werden mußte. Die Regierung will den Landkreisen dit Herrschaft über die Städte geben, obwohl die Städte und eine Anzahl Landgemeinden, die als Käufer der Werke auftreten, fast ausschließlich als Konsumenten der Englischen Gaswerke in Frage kommen. Dann erst kam die Gasfrage zur Verhandlung. Tie bürgerlichen Gruppen der Versammlung suchten sich einer längeren Erörterung in der öffentlichen Stadtvcrvrbnetensitzung zu entziehen, indem sie kurzer Hand die Verweisung der Vorlage an einen Ausschuß beantragten, ohne sich sachlich zur besagten Preis- erhöhung zu äußern. Die Sozialdemokraten machten durch diese Art der Behandlung einer die Bevölkerung Groß-Berlins tief berührenden Frage einen dicken Strich, indem sie durch ihren Redner eine scharfe Kritik an der Vorlage üben und keinen Zweifel darüber aufkommen ließen, daß sie unter keinen Um- ständen gewillt seien, in der heutigen schweren Zeit weiten Kreisen des Volkes zu den großen Lasten noch neue aufhalsen zu lassen. Die Ausführungen des sozialdemokratischen Redners wurden von den Tri- biineubesnchcrn durch laute Zustimmung und wiederhol- tcs Händeklatschen stark unterstrichen, was den greisen Ttadtverordnetcnvorsteher so unangenehm berührte, daß er wiederholt drohte, die Tribünen räumen zu lassen. Inzwischen hatte sich eine Abordnung von fünf Genossinnen im Vorraum des Stadtverordneten- Sitzungssaales eingefunden, die unter allen Um- ständen den Herrn Oberbürgermeister sprechen wollten. Durch Vermittlung eines parteigenössischen Stadtver- ordnete» erklärte sich Herr Mermuth bereit, die Ge- nossinnen während der Verhandlung in seinem Amts- zimmer zu empfangen. Als Sprecherin der Abord- nung trug Genossin Fahrenwald die Ansicht der Ar- beiterfrauen über die Gaspreiserhöhung, über die Gas- nnd Kohleneinschränkung und ihren entschiedenen Einspruch über diese neue Belastung und Erschwerung der Lebenshaltung der erwerbstätigen Bevölkerung vor. Ter Oberbürgermeister legte dar, daß auch die Stadt darauf sehen müßte, daß sie infolge der enorm gestiegenen Produktionskosten nicht weiter Defizit mache. Auf allen Gebieten müsse die Stadt große Opfer bringen? alle Ausgaben wachsen. Wo solle das alles herkommen. Da müsse auch auf Einnahmen Be- dacht genommen werden. Die Unterredung fand ihren Abschluß mit dem Versprechen des Herrn Oberbürgcr- Meisters, die ihm vorgetragenen Darlegungen dem Magistrat zu unterbreiten. Im Saale wickelten sich die Verhandlungen unter recht lebhafter Zustimmung des Tribünenpublikums ab. Eine Entscheidung wurde über die Vorlage nicht getroffen,' sie wurde einem Ausschuß von 15 Mitglie- dern zur Vorberatung überwiesen, in den die sozial- demokratische Fraktion die Mitglieder Eichhorn, Heimann, Leid, Weyl und Wurm delegierte. Erst wenn die Ausschußvcrhandlungen beendet sind, wird die Stadtverordneten-Bersammlung die endgültige Entscheidung treffen. Die bürgerlichen Gruppen sind gewillt, die Erhöhung anzunehmen. Hätten wir eine Vertretung Berlins, die nicht aus Grund eines Dreiklassenwahlrechts in Verbindung mit dem Hausbesitzerprivileg zusammengesetzt ist, son- dern die den Willen der großen Masse der arbeitenden Bevölkerung widerspiegelte, so würde Gewähr gegeben sein, daß dieser Wille auch im Rathanse zur Geltung kommt. Solange das nicht der Fall ist, werden die Beschlüsse der Stadtverordneten-Bersammlung immer nur als der Ausfluß einer privilegierten Versamm- lung angesehen werden müssen. Ein Urteil über die I. K. Im Anschluß an die jüngste Auseinandersetzung zwischen Hcilmann und Slampser. dem jener aus Anlaß des Wilson- Artikels im.Vorwärts' derb auf die Hühnerauge» getreten war, schreibt die.Wiener Arbeiterzeitung", ein Blatt, das im großen und ganzen durchaus den.Mehrheits'- standpunkt vertritt: „Wenn diese Auseinandersetzung der Ausgangspunkt wäre für eine Auseinandersetzung der Partei mit all den Leuten von der Beschaffenheit des Herrn Heilmann, wäre das im Interesse der deutschen Sozialdeniokrarie sehr zu begrüßen. Denn die Partei trägt schwer an diesen Leuten, und es ist viel ivcniger ihre eigene Politik, an die manches herb verurteilende Wort ge- richtet ist als die skandalösen Ausschreitungen. die von den Heiliiiann ausgehen, und die a u f der H a r i c i l a st e n, so lange s i e i e n i ch h k r ci f l i g abschüttele Es ist ivohl zu erwttrten, dos? der loin- weude Porieiroa die so nötige scharfe Stch'cidning zwischen der Partei tind geiuissc» tleberläufern, die geistig schon ganz in das bürgerliche Lager übergelaufen sind, ziehe» iviid. Ernst Heilniait»- hat bekanntlich vorher die .CKeninilscr Bölksstiiniiic" zn eineüt c r t r e in e n Kriegs- b latl ningenalicl: er ist jetzt bei der I. K der leitende Mann. Was sür Ansichten er hat, zeigt ein Artikel in der „Glocke"- einer Wochenschrist, die sich als Hauptzweck die Verhöhnung der Internationale erkoren har— worin er die Forderung nach einer Parlamentarischen Regierung mit den schnödesten Worten übeisälll. Tie ßinfältigfoit des Gedankenganges nimmt dem Aufsatz allerdings alle Gefährlichkeit.' Aber dafür, was van gewissen Leuten min als sozialdemokratische Anschanung serviert werden kamt. ist der Ans'ag doch bezeichnend: mehr noch freilich der Mann, der ntm Kronzeuge aller Hasser des Friedens und der Demokratie gcu'crden ist." Wir haben dieser Kennzeichnung des F K.-Konsortunus und seiner Leute nichts hinzuzufügen, bestätigt sie dockt nur die Richtigkeit jener Kritik, die wir, wie die gesamte Min derheuspresse des In- und Auslandes feit Jahr und Dag an dem„Ueberläuierium" jener Kreise geübt haben, die protegiert von den cmgen der Äowcrkschafls- uno.Parlei- viireaukratie die sozialdemokratische Presse immer tiefer in den SuiNpf des flachsten Hpvorlunisntils und der Grundsatz- losigkeir hilUetn Vogen. Leider übersieht die Wiener Atboi:cr- zeilung diese Zilsammenhange, indem sie dem Parteitag der Aihänglgen die Ausgabe zuweist, die„so nötige scharfe Scheidung" zwischen der Partei und den Ueberläufcrn vom Schlage Heilmauns zu ziehen. Diese Scheidmig isl durck die Bildung der Unabhängigen Sozialdemokralilchcn Partei Deutschlands bereits vollzogen. Das bureaulrarische Gebilde das sich hcuie»och als sozialvemokraiifche Partei Deitrsch- laud? ausgibt, um im Veütz des Paaeiappauues die gei- stige Emanzipation der Arbeiterklasse zu hemincn, kann diese«cheivung garnichi v o l lz i e h e n, da es selbst der Gefangene der kouseglicirteiie» Uu>ler»er uzid Ueveriäuser ist. Ter Wiener Wdeilerzeilung ist freilich zu glaube», dagchie Panei„schwer au dicje» Leuten" trägt. Veten„skaitbalöse?l>tsschreil>lngel>" aus der Partei lasten „so lauge sie ue nicht kräftig abschüttelt". Aber schon aus der Duüache, das? eine solche.Abjchütlclung" im Laltse dec Iabre nicht nur nicht erfolgt, sondern einer iipurer grögiren Iiijjin.itä. gewichen ist, Hunte drs Wiener Parteibkäli ersehen, dag inan die Wurzel deS Uedels nie erkennt, wen» man die Schills lediglich beim„Weichensteller" sucht. Aus der ötweg iny. Die Unabhängige So zialdemokratlichc Partei ist r» der ertreirlicoen Lage frftsieüen zu lunnen, dag sich'th» über iAtUW) zahlende Mitglieder bisher angrichlaijen haben. Riehl miigerechuel sind dabei die Geuoisen, die ihre Ingehvtigleit zur Unabhängige» Partei uohi ansgciprvcheii. aber grgenivärtig im Delde sind, nicht milgerechuet sind auch diejenigen, die schwarze Marten tiebeu, also vorübergehend vo» der Beitragszahlung cutbuuden sind. In den U'UOUU zahlcuden M'iigtie- der ii treteu iäglicb durch Neuaufnahntcu lind Ucber- iriltc ganzer Drgaiiisalionen neue hiiiAt! Wenn»vir diesen Erfolg mittel» im Kriege»nd unter de»» Bekigenuigszitsuuid, der unser Werben zur die Unabhängige Partei aunervidentlich crschivert, viel- fach unmöglich macht, bucheu könneli, dann dürfen wir uns der sicheren Hoffnung hingeben, das? die über- gros?e Masse der beukschen Sozialdemokratie sehr bnlö zur Jahne der Unabhäirgigen Partei stehen wird. Die Dauziger Abhängigen machen mit ihren Volks- »ersanimknngen fortgesetzt üble Ersahrnngen. Ilnigsi- bin halten sie sich den Reichstagsäbgcordnctcn Vnck verschrieben, de»n vor der Versammlung in der „Bvltsivachl" das Lob gespetidet wurde, er sei„eiuet der besten Redner in der Partei". Es waren etioa IHM bis 120» Persviicn in der Versammlüug autvefend. Das Vncksche ölescrat war recht leudcniahin und auch die Asthänger der Üiegierungssozia listen waren anj- scheinend froh, als es zu Ende ging. Stimmung war erst in der Versammlung, als ein zufällig auf der Reife in Danzig anwesender Aerliner«seirossc in die Debatte eingriff und in dreiviertelsiündiger Reffe die Sünden der Abhängigen geiheltc. Ter Parteisetretär l�ehl»oollte den Eindruck dieser Aussührnnge» vor- mischen. Die Versammlung liest ihn buchstäblich nicht einen Satz redest.„Schmeistt ihn raus!" „WaS will der Kerl!"„Runter mir ihm!" und anöer.c Zurtlse zeugte» von der„Beliebtheit", deren sich verr Gehl bei den Danziger Arbeilern erfreut. Von einer Friedcnsresolution der Abhängigen äusterte ihr Be-- richterstaticr am andern Tage selbst, das Abstiüimungs- reznltat sei z tv e i f c l h a f t. Nach Niederschrift des Berichts ko»nmi uns die „Volksmacht" vor Augen. Nach ihr sollen 2»00 Per- s v» c ii a ii>o c s t n d geivesen seiu. Bucks Ans- führungen waren„tiesdurchdacht" und„formvollendet",' die llnabhängtgcn hätten ihre schon öfter geübte „Skandälpolitik" versucht und die Resvlutivn sei gegen 2k>0— tzv» linabbätlgige Stimmen angenommen. So faselt der Bericht der„Volksmacht" Dinge zusammen, von denen das Gegenteil wahr ist. Königsberg i. Pr. Auf krummen Wegen versucht man in Königsberg das Häuflein Regieruliassozialistcn zu vermehren. Frauen und Msttter von im Felde stehenden Mitgliedern des Bauarbeiterverbandes er- hielten folgende Einladung: Deutscher Vauarbeiterverband Zweigvereiü Königsberg. Königsberg, im September 1017. Werte Frau! Zu einer sehr wichtigen Besprechung erlaube» wir uns. Tie zu Montag, den 10. September er.,! abends 7�/- Uhr. nach nnsercm Büro hiermit freund lichst einzuladen. Wir bitten Tie. in Ihrem eigensten Interesse bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Beste» Grust! Der Borstand: I. A Krieie Die Frauen glaubten natürlich, es handele sich um eine Bcrbültdsangckegenhcit. Es war aber eine A t l i o n fü r die 31 est i e r n u a s s o z i a l i st e n, die mit den Akitteln des Banarbeitcrverbandes j!!> nnteruviilinen worden war. Herr Kriese liest durchblicken, da st es zu Weihnachten eine Unterstützung gebe, ivetin vis dahin der Krieg nicht zu Ende sei. Nach dieser Einleitnitg machte er mit allen Aliiteln Slim- «Hing für die Partei der giegierungssoziatiste». Da auf offenem Wege kaum etivas zu erreichen ist, so ersuchte Kriese die anwesenden Frauen, deren Männer im Felde stehen, die M i t g l i e d s b ü ch e r d i e s e r G e n o ss en vom Sekretariat der U u a b h ä n- g i g e n S v z i a l d c m v k r a t i e abzuholen und sie Herrn Kriese abzulieiern. Ein schlauer. Plan, nur wird er scheitern, denn die Frauen denke» nicht daran, hinter dem Rücken ihrer MäNner dem Anün neu KrieseS nachznkvinmeti, nnd unsere im Felde stehenden Gsnoiien wincn, daß die Regierungssvzialisten die Grnndsäüe der Partei ausgegeben haben nnd daher halten sie zur Unabhäiigigest Sozial- öeniokratic. Mancher von ihnen wird Herrn Kriese die Antwort ans sein Vorgehen nicht schuldig bleiben. In der Zniamwenkmift machte K. atich für die„Volks- zeilung" Propagailda. zteinc Frau sollte eher das Lokal verlassen, bis sie die„Bolkszeitunng" bestellt habe. Das mar die Parvlc. die Krieie nnsgab. Es aelang schliestlich mit vieler Mühe, eiiiltze Frauen zum Abonnieren der„Volkszeiinng" zu pressen, während die meisten tiiimillig das Biirv verliesteu. Königsberg. E i n kaltgestellter Regie- r tt ii g s s v z> a ki st. Herrn Adolf Bartcl. ehemaligem Redaklenr und Verleger der„Volksmacht" in Danzig, ietzigem Redakteur der Königsberger„Bvltszcitlning", ist durch die Tanziger Parteiinstauzen jede Mit- arbeit a u der Danziger P a r l e i z e i l n n g d e r A b h a n äst gen verboten w o r d c n. Schade! Ikirscre Danziger iinabhängigen Parteifreunde be- dauern das Vitterlich. Herr Barkel bat wider»einen Willen für sie viel gearbeile». Hofferrtlich bleibt er den Königsbergern noch recht lange erhallen. Misterfolg der Abhängigen. In einer öffentlichen Vcrsammlniig im Bollshaus',n Jena sprach am Sonnabend der Abg. Stücklcii über„Frieden nnd Frei- Veit". Der(chitne geräumige Saal, zu dein sonst die Arbeiter in Massen hineilistrviiien, war kaum zu einen» Triilel besetzt: dazu waren viele der Anwejcndcn aus den bürgerlichen Kreisen. Das merkte man schon aus dem Beifall zu Astisfühningni alldeutscher An, dst' einer der Debn'.leredner machte. Für den schlechten Benich der Bersanimliing wnstte der Vorsioeiide eine Erklärnug zu geben, die bösen Unabhängigen seien dafür verantwvrtlicb. Er fand es»vvhl unerhört, das; die Politik der Abhängigen nicht gläubig angebeiet ivlrd, obivohl sie für jeden, der nicht politisch blind in, miziveifelhail kriegsverlängernd wirkt und sich von sozialistischen Eirundfätze» weit entfernt bat. Der Ried» er liest sich in seineni Selbnbcwnstkscin durch den schlechten Besuch der Beruuii ntlüng nicht sehr stören, ein stolzes«Kefühl hielt ihn ansrechl. konnte er doch mitteilen, dast er nicht notivendig habe, vorher seine Rede genehmigen zu lagen. Grone Eriolge ivird der Abg. Siiicklcn in Thüringen mit solcher AiiszeiAjiinng nicht erringen. Ans der Provinz Brandenburg. In Brandenburg g. Havel wllrde in einer am Sonnabend, den 15. September, stattgehabje» Besprechung der ans dem Boden der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei stehen- den Genossen eine Ortsgruppe gegründet. Es wurde ein provisorischer Vorstand geivählt. Genosse Giersch, Renstädliilhor Marti Rr. 2, ist Vorsitzender. Ans den Organisationen. Der Zcntralivahlvcrein für Dcltoiv-Bccskoiv- Ttorkoiv- Eharkoltenburg, Mitglied der Unabhängigen Sozialdemolratischei! Partei Deulichtauds, hiel» ain Sonntag, den Iii. September, in Britz seine Kreis- Generaiversainiylnng mit folgender Tagesordnung ab: '.. Gefchästsbericht: 2. die Frage der Beitragserhöhung: S. WnlU einer Srntnreuberalnngskvinminivn: 4. Anträge: 5. Verschiedenes, Vertreten waren 2t Orte durch 124 Telegierte, 49 K r c i Svv r stgt, d s m i tg l i c ö e r, Genosse Znbeil als Ver- treter des Kreises im ReiMtage, sowie vo» der Frak- lion der U. S. P. D. die Genossen Vogtherr»nd Dr. Herzseld. Nicht vertreten, waren 8 Orte. An- schließend an die Berleiung des Protokolls der letzten Kreis-Generalversamm.'uiia gab Genosse Lachmund den Geschäftsbericht. Er führte aus, dast die Frage der Beitragserhöhung die Veranlagung gewesen sei, die heutige Geticratveriauimlung eirlzuberuscn. Wich' tige Ereignisse haben sich seit der letzten Geveralver- 'amnilting im Kreise nicht abgespielt. Zu begrünen sei es, dast der Genosse Zirkel nach mehrmo»nulicher ilnkennchnngshait jetzt wieder in unserer Mitte weilt. Auch jetzt»ist das Kreisbüro daul dem Entgegen- koinmcn der Neuköllner Genossen noch in den Räumen des Neuköllner Wahlvereiüs uiiiergebracht. Den Orten zugehende Rinidichreiben des Kreisvorstandes finde»! leider nicht die Bcachtlliim die.sie verdienen dadurch wird den Genoncn des Krerstzorslandes vie diese Arbeit doch nur in ihrer freien Zeit, in Nacht- nnd Svnntagöstimden, verichen, die Führung der Geschäfte aichervrdentlich erschwert. Es mnst auch her- vvrgehvbcn werden, das? von der anderen Seite immer wieder versucht wird, untere«peitviieu beim Zahlest ihrer Beiti'ägc irre zu imiren, die Genossen müssen streng daraus achten, dast die Beiträge nwr au»nserc Kassierer gezahlt werden. Das Vcrsammluitgsiveicn begegnet grosten Schwierigkeiten. Um unsere znin Heere eingezogene» Mitglieder von allem zu innwuiicieit, was in der Partei vorgebt empfiehlt es sich, den Orte» zur Pflicht z» machen' das MitteUungsbläit wie auch cventl.' Reichstags- berichte und Broschüren zuznst enden. Tie Agitation darf in den Ortest nicht erlahmen, da die Arbeiten im Kreisbüro nur ehronamttich ausgeführt werden iü es dringende Psticht der Genossen, dafür zu sorgen dast in ihren und den angrenzenden Orten für die nötige Agitation gesorgt werden muß. Der Kreiskassierer, Genosse Freigang, ergänzte den Bericht Lachmunds und koliiile die Mitteilung machen, dast sich die Kaiienverhältniise gegenüber dem vcrsiosscitcn Halbjahr wesentlich gcbestcrr haben. Zur Frage der Beitragserhohstug von 40 auf 50 Pf. für männliche und von 20 auf 30 Pf. für weibliche Mitglieder lagen verschieden,' Anträge vor. � Die Generalversammlung beschlost entgegen dem Beschluß des Zeutralvorstandes Groß-Berlins die erhöhten Beiträge statt vom 1. September ab 1. Oktober zu erheben. Ferner wurde eiu Antrag Marieudorf ein- stimmig angenommen, welcher besagt, daß die Ge- nosfinnen, welche schwarze Märke» kleben, für die Frauenzeilung monatlich lO Pf. zu zahlen haben. Die von den Neuköllner Fnükiionären gefaßte Resolution. die im letzten Mitteilungsblatt veröffentlicht ist, machte nch die Generalversammlung zu eigen und nahm sie einstimmig an. Tie in der Generalversammluitg vom 17. Juni er. zurückgestellte Wahl einer elfgliedrigett Statuten- beratungskommission hatte folgendes Ergebnis: Binder lBohnsdorfi, Peters und Nosenthal lEharlottenbnrg), Deümer tFricdenau), Becker, Zioiensticl und Wingnth iNeukö'lliil, Treivs lTchönebcnzj, Hüsex sSteglitzi, Lrohn lTempelhofj und Genossin Marcusfon sWil- mersdorsj. Ferner wurde ein Antrag angenommen, der sich auf die Regelung der Prebverhällnisse in Berlin be- zieht. Der Antrag sieht eine 25gliedrige proportional zu wählende Preßkommission vor und enthält im ci»i- zelneit Vorschläge über die Ausnutzung und Vertei- lnng des Raumes für Agitation, Bildung und freie T iskilssion. Ebenso ein Antrag Steglitz der Statutenberatungs- kommission. Nachdem im Verschiedenen der Abgeordnete des Kreises Genosse Zilbcit einige an ihn gestellte Fragen beantwortet, erfolgte Schluß der Versammlung um 4 Uhr nachmittag. Eöpenick. Wie überall, war auch im abgelaufenen Verein-jahre infolge der aefteiaerten Einberufungen und vermehrten Ausbeutung der Arbeitskräfte in der Kriegs- indussrie das Interesse am Vereinsleben nicht so rege, als e? wünschenswert gewesen wäre. Nach der Scheidung der Geister am hiesigen Ort entfaltete der auf dem Beben der ?.>llndekhe>t" üchende Wahlverein eine rege Tätigkeit. Bei den Stadtverordneten mahlen trat er mit eigenen Kandidaten vor die OeiseiUlick keit und errang trotz der auf« gewendeten würdelosen und. verlemnderi'chen Agitation der „Turchhalier" einen nennenswerten Erfolg. Tie Agitation für den„Branmchw.'igcr Volksfreund" erbrachte 4 ie Zahl von>50 Abonnenten. Ter Raub der Natiovalsozialinen auch dieies Paneiunlcrnehmentz übte auch auf das Jnter- esse der Riitglieder am Vereinsleben eine negative Wirkung aps, da infolge Fehlens jedes geistigen Verbiiidungsntillels das Interesse am öffentlichen Parieileben erlahmte. Das Erscheinen des Piitteilungsblaites»nd die Tä igkeil für dasselbe gab Veranlassung, mit den Mitgliedern wieder in engere Fühlung zu kommen und das Interesse für die Parteiarbeit zu wecken, so dag für die Zukunft sich hoff- nnngsfiohc'Aussichten eröffnen. In der am 29. August statigehabtenGeneralvcrsammlung imild: der Vorstand neugemähll und seht sich anS folgenden Genossen'usammena Einil Lampe, Vors.; Alben Beier, ücllv Vors.: RoverfRieck, Kassierer: Hans Schamsky, Schnttv'hrer: Anhur Garste, Beinlzer: Wilhelm Schulz. Hermann Wurl. Revisoren: Richard Jahnke, Wilhelm Mäg und Ferdinand Lange, Beztrksführer. Um das Interesse der Mitglieder a» der Organisation zu wecken nnd zu mehren, sollen regelmägige.Versammlungen und Zahlabcnde mit Vorträgen und Diskusnonsavende über Zeit nnd Streitfragen stattfinde» Ist es uns zur Zeit auch unmöglich gemacht, frei und öffentlich für unsere Ziele zu werben und zu streiten, so wollen wir doch durch inniges Jnfnhlungbleiven uiil den Mitgliedern uns vor- bereite» auf bessece Zeiten, da Bereitfejn unier de» heutigen Verhältnissen notwendiger denn je ist.— Auch der Frauen- frage gedenkt der Vorstand im bevorstehende» Winter- zalbiuhc sich entsprechend zu widmen, um Milkämojeriimen zu werben, vorhandene zu stärken und abseusstehende aufzurichten, und auf den Weg des Kampfes zur Befceiuitg der Meissen und Geister zu führen. Stralau. Ter Frauen-Lescabend findet Montag, den 24. September, abends 84, Uhr pünktlich, bei Schulz, Markgrafendamm t>, freut. Sozialdemokratischer Wahlvercin für Treptow- BanlnschulSurveg. Am Montag, den'24. Tcptembed, Fraucn-Lefeabend: In Baumschuleniveg bei Krause, Kieshvlzstr. 249, Bortrag der Geiivssiri Fahrenivald. In Treptow bei Schulze, Grätzstr., Bericht vo» der Kreisgencralversammlung. Um recht zahlreiches Er scheinen ersucht Der Vorstand. Reiiiickcndors-Wcst. Parteigenossen! Am Sonn- tag, den 23. September, nachmittags von 2 bis 4 Uhr. findet in der 2. Gemeiiideschnle, Auguste-Bikloria- Allee l 14, die Gemeindevcrtrcter-Ersastwahl der 3.Klasse ssatt. Es iniiß ei» 2lnge>essener gewählt werden. 2lt" Kandidat der Unabhängigen Sozialdemokratie ist unser alter Genosse Friedrich Goericke, Nordbahn- straße 11. ansgcstcllt. Erscheint pünktlich zur Wahl, lue jeder seine Pflicht. Die Bezirksleitung. Leseabeiide. Zweiler Wahlkreis: Montag, den 2 4. T e p t e m b e r. 8'/- Uhr. in folgenden Lokalen: Wremers, Bukoivstr. 58: Hemp, Hallescheo Ufer 10. T i e n s t a g, den 2 si. September, 8'/- Uhr. Lvhriich, Pnnkamerstr. 9. Ueberall Mitgliedsbücher mitbringcli. Redaktionsschlu'g: Jeden Dienstag Abend. Beramw. Redakteur: C. Leid: Verleger A. Hofsmann: beide Berlin O. 27. Schicklcrstraßc 5. Dnick: Maurer Timmick, Berlin. Köpenicker Str. 36-38